"Buffy - The Vampire Slayer" (Originaltitel) ist eigentlich ein Kinofilm, er guckt sich jedoch eher wie ein halb fertiger Streifen, etwas das gerade eben so als Pilotfilm einer Serie durchgehen würde. Von daher passt es ganz gut, dass dem Kino-Flop 5 Jahre später in anderer Hauptrollen-Besetzung eine solche beschert wurde. Das macht den Film nicht besser, gefällt aber in sofern, als dass die Serie "Buffy - Im Bann der Dämonen" seine Erzählung tatsächlich nicht von vorne beginnt, sondern am Kinofilm anschließt. Das braucht auch nur bedingt zu überraschen, wenn man weiß dass der Regisseur des hier besprochenen Streifens und der Autor als Produzenten für die Serie tätig waren und somit die geistigen Väter des Produkts wieder mit an Bord waren. Swanson überzeugt in der Rolle der Buffy leider nicht ansatzweise so gut wie Sarah Michelle Gellar in der TV-Version, die im Gegensatz zum Kinofilm ein großer Erfolg wurde und sich tatsächlich wesentlich unterhaltsamer guckt als das Flickwerk, welches Fran Rubel Kuzui persönlich inszeniert hat. Ein paar nette Gags am Rande machen das Ergebnis erträglich genug, um sich nicht zu langweilen, Begeisterung erntet das nicht wirklich innovative Konzept in seiner lieblosen Umsetzung jedoch keineswegs. Da gefällt mir die vergleichbare Umkehr-Thematik eines "Liebe mit Biss" wesentlich besser. Hier bekommt ein frisch gebissener Teenager Hilfe von einem Lehrer, was es bedeutet Vampir zu sein. OFDb
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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25.11.2020
BUFFY - DER VAMPIRKILLER (1992)
Starbesetzt kommt die Horror-Komödie "Buffy - Der Vampirkiller" daher, da kann man wahrlich staunen. Donald Sutherland als weiser Anleiter, Rutger Hauer als Obervampir, Luke Perry als männliche Begleitung, Hilary Swank als Mitschülerin, David Arquette als ehemaliger Mitschüler, der zum Vampir wird, und auch Hauptdarstellerin Kristy Swanson war einmal eine Berühmtheit. Wie man es geschafft hat derart viele aktuelle und zukünftige Prominente für das Projekt zu gewinnen, will sich mir nach dem Sichten nicht erschließen. Hat keiner das dünne Drehbuch bemerkt? Oder entstand der Film unter ungünstigen Produktionsbedingungen, so dass ein gutes Drehbuch nach dem Dreh und diversen Kürzungen im fertigen Film als solches nicht mehr zu erkennen war? "Buffy - Der Vampir-Killer" (Alternativtitel) besitzt theoretisch durchaus Reiz, allerdings wird jeder interessante Aspekt halbherzig auf die Schnelle abgearbeitet. Sei es die Ausbildung zur Vampirjägerin, das Akzeptieren des Schicksals und damit das gewonnene Vertrauen in den Lehrer, sei es die Ernsthaftigkeit der Situation, die durch die Macht des Obervampir entsteht, oder letztendlich jeder andere Aspekt des Streifens, nie lässt man sich für irgend etwas Zeit, zu gehetzt springt man von einem oberflächlichen Schauwert zum nächsten, als dass der eigentlich vorhandene Charme, geschweige denn die Geschichte an sich und die verwendeten Charaktere, sich entfalten könnten. So ganz ohne Reiz ist das Ergebnis nicht ausgefallen, fordert es doch mit einem schwer zu greifenden, skurrilen Humor heraus, der sich mit extrem albernen und dann wieder mit Sprüche-klopfendem trockenen abwechselt. Letztendlich bleibt jedoch nur ein Achselzucken zurück, zumal das Finale schnell abgefrühstückt ist, und der Obervampir so gar nichts Mächtiges auszustrahlen vermag, wie es die Geschichte über ihn eigentlich behauptet.
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1990-1999,
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Rutger Hauer,
USA
13.06.2020
LEXX - THE DARK ZONE 3 - KARUSSELL DES TODES (1997)
Hat man "Lexx - The Dark Zone 2 - Supernova" als etwas arg langatmigen Tiefpunkt des Vier-Teilers erst einmal hinter sich gebracht, geht es mit dem dritten Teil zwar nicht so gekonnt, wie mit dem Erstling weiter, aber zumindest unterhaltsam und innovativ genug, um wieder daran erinnert zu werden, was an der "Lexx"-Reihe so besonders und andersartig ist, und warum sie zu Recht für ein nur sehr kleines, ausgewähltes Publikum Kult wurde. Wer Seifenoper im All sehen will, tolle Spezialeffekte und Pseudo-Tiefsinnigkeiten ist herzlich eingeladen "Andromeda" und Co zu sichten. In der hier besprochenen Reihe geht es ums Eingemachte, erwachsen und direkt wird uns satirisch und gerne auch gelegentlich erotisch ein fantasiereich ausgearbeitetes, mystisches, uns fremdes Universum präsentiert, schräg, Natur-orientiert und anarchistisch. Und wie dreckig die vielschichtigen Kulturen dieser eigentlich zwei Universen sein können, zeigt uns gerade der dritte, auf einem Müllplanet, spielende Teil. Auch dessen Geschichte wirkt etwas zu gestreckt, so dass es ab dem tatsächlichen Serienstart 1998 die richtige Entscheidung war 45-Minüter abzuliefern. Teil 3 fühlt sich zwar nicht so penetrant lang gestreckt an, wie sein Vorgänger, was hauptsächlich daran liegt, dass die Geschichte reichhaltiger und interessanter ausgefallen ist, aber auch er tritt ab und an auf der Stelle.
Ganz anders verhält es sich da bei der deutschen DVD-Version des Films. Der ist um 16 Minuten gekürzt, was zwar einem Skandal gleicht, zumal die DVD heutzutage nicht gerade günstig zu erstehen ist, in diesem speziellen Falle dem Produkt jedoch gut tut. Wer in dieser Version erstmals Teil 3 sichtet, darf sich zwar zurecht wundern, warum er "Karussell des Todes" heißt, der Handlungsaspekt, der sich darauf bezieht, wurde komplett herausgestrichen, dafür wird ihm aber auch eine Version der Geschichte präsentiert, die so kurzweilig daher kommt, wie die besseren Teile der Serie. Es fällt mir schwer zu beurteilen, ob ich die Vorgänge, die übrig blieben, deswegen als weiterhin nachvollziehbar empfand, weil ich den Film bereits in seiner Langfassung kannte, oder ob tatsächlich noch eine nachvollziehbare Geschichte übrig blieb. Da ich mich aber nicht intensiv an meine letzte Sichtung erinnern kann, da diese etliche Jahre her ist, gehe ich davon aus, dass die abgespeckte Version für sich gesehen dennoch funktioniert.
Sicherlich werden Aspekte, wie die Ausgrenzung der Unterdrückten und das makabere Überleben mittels des Todesspiels im Karussell weg geblendet, aber der Aspekt einer unter einem Parasiten untergehenden Gesellschaft und jeglicher Bezug die Lexx-Mannschaft betreffend bleibt erhalten. Und auch in der abgespeckten Version ist Teil 3 ein herrlich kranker Film, voll von grotesken und irrwitzigen Ideen. Ob es die Essenszubereitung der Lexx ist, Stanleys noch dümmerer Blick als ohnehin schon, der Hintergrund der Parasitengeschichte und Kais Rolle in alledem (gerade sein Todsein betreffend), "Karussell des Todes" bereitet in der stark gekürzten Fassung nicht nur genügend Freude, sondern meiner Meinung nach gar mehr als in der ungekürzten, so dass man nicht all zu sauer über die Schnitte sein muss. Mit Rutger Hauer als Gaststar ist zudem auch diese Geschichte der Reihe wieder einmal prominent besetzt. So oder so ist der dritte Teil eine angenehme Erholung nach dem zähen zweiten und eine tolle Vorbereitung auf den wieder richtig rund laufenden vierten Teil der Mini-Serie. OFDb
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19.05.2020
BATMAN BEGINS (2005)
Nach Burtons Fetisch-Versionen und Schumachers kunterbuntem Rückschritt in die 60er Jahre Version der Thematik war das Medium Kino 8 Jahre später soweit Batman endlich eine ernsthafte Umsetzung zu bescheren. Gewöhnungsbedürftig muten die ersten 30 Minuten an, wenn Bruce Wayne erst durch Ninja-ähnliche Geheimbündler in dem trainiert wird, was er als Fledermaus schließlich in Gotham City anwenden wird. Aber selbst in diesem so gar nicht traditionellen Part der Comicverfilmung stimmen Stimmung und Erzählwert, und eine Fortführung der dort angegangenen Ereignisse bishin zum Trilogie-Ende "The Dark Knight Rises" machen diesen Part sogar wichtig für Nolans Vision aller drei Filme, bei denen er auch jeweils am Drehbuch mitgewirkt hat. Ob der realistische Touch fern einer tatsächlichen Comic-Welt nun besser oder schlechter ist als die übliche Herangehensweise, sei einmal dahin gestellt, er ist aber auf jeden Fall eine interessante Alternative zu den üblichen "Batman"-Filmen und passt zum erwachsenen Grundton des Streifens, der sich auch tiefgründigerer Betrachtungen und politischer Thematiken nicht scheut. Mit diesem weniger verspielten Blick guckt sich "Batman Begins" vielleicht ein wenig zu starr auf ernst getrimmt, aber dieser Grundton ist letztendlich nichts ungewöhnliches im Gesamtwerk Nolans und braucht somit nicht überraschen.
Interessant ist die fast konsequente Verweigerung Batman gegen einen klassischen Gegner aus den Comics kämpfen zu lassen. Mit der Vogelscheuche wird nicht nur ein relativ unbekanntes Gesicht eingebaut, durch seine in der Realität verorteten Charakterisierung und seiner nur am Rande wichtigen Positionierung innerhalb einer vielschichtigen Gesamtgeschichte, fällt kaum auf dass überhaupt einer vorhanden ist. Derartiges verzeiht man Nolan jedoch all zu gerne, denn sein detaillierter Blick auf die Anfänge Batmans, der ohne zu entmystifizieren spannende Hintergrundfragen im Perfektionieren der Verbrecherjagd-Idee Waynes beantwortet, weiß in technisch makelloser Umsetzung bei rundum guter Besetzung zu überzeugen - zumal Nolan sein für Comic-Verhältnisse verkopftes Werk nicht in Sachen Action, Spannungsbogen und Schauwerte vernachlässigt. Ihm ist ein rundum sehenswerter Film gelungen, den man kaum noch dem Fantasy-Genre zuordnen kann, der aber nicht nur durch seine Andersartigkeit innerhalb des Batman-Universums fasziniert, sondern auch die Ur-Tragik der Figur gekonnt zu greifen und zu vertiefen weiß und in eine spannende Geschichte steckt, die inhaltliche Überraschungen ebenso bietet, wie kleine verschmitzte Momente und stille Anspielungen an die reichhaltige Comic-Welt Batmans. Mit "The Dark Knight" gelang es Nolan hinterher sogar, den bereits recht ausgereiften hier angewendeten Ansatz noch einmal zu perfektionieren. OFDb
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Christopher Nolan,
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Gary Oldman,
Katie Holmes,
Liam Neeson,
Michael Caine,
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Thriller,
USA
02.07.2017
NACHTFALKEN (1981)
„Nachtfalken“ kann man als eine Art verdrehten „Dirty Harry“ bezeichnen. War Harry der Prototyp eines Selbstjustiz-Cops, dem die Gesetze zu lasch erschienen, ist DaSilva trotz seiner militärischen Ausbildung ein Mensch der sich innerhalb seines Jobs bei der Polizei nicht als Mörder sieht, während die Kurzausbildung zum Anti-Terror-Befohlenen ihm das Gegenteil beibringen möchte. In beiden Fällen wird ein psychopathischer Killer gejagt. Hier wie dort nimmt er eine größere Gruppe als Geiseln in einem öffentlichen Transportmittel, hier wie dort gerät seine Mission in den Hintergrund, da er es im Laufe der Handlung speziell auf seinen aktuellen Gegner, die Hauptfigur, abgesehen hat.
Während der Vergleichsfilm neue Maßstäbe setzte und damit weit aus dem Durchschnitt herausragt (selbst heute noch), schaut sich „Hawks“ (Alternativtitel) eher durchschnittlich. Auf manchen wird er eventuell gar altbacken wirken, ich fand ihn jedoch angenehm routiniert erzählt, besitzt er in seiner Entstehungszeit der frühen 80er Jahre doch noch dieses angenehm pulpige 70er Jahre-Flair, und da er ziemlich geradeheraus ohne große Umschwünge erzählt ist und direkt zur Sache kommt, ist er auch recht kurzweilig umgesetzt. Der düstere Grundton verleiht ihm eine stimmige Atmosphäre, der Hundeblick Stallones verleiht dem Zuschauer Zugang zur Figur DaSilvas, die irgendwo zwischen Proleten-Cop und vernünftigem Mensch mit Sozialempfinden angelegt ist.
Sehr tief geht man bei der Charakterzeichnung nicht. Sehr tief greift aber auch die Geschichte nicht, die immer wieder kurzfristig Abstecher in Unnötigkeiten vornimmt, die hinterher kaum noch von Bedeutung sind. Dementsprechend vermutet man aufgrund dessen manchmal einen pfiffigeren Plot als jenen, der uns tatsächlich dargeboten wird. Wie erwähnt ist „Nighthawks“ (Originaltitel) sehr gerade aus erzählt. Aber die gut besetzten Darsteller kleiner wie großer Rollen, die düstere Atmosphäre und der nüchterne Grundton machen daraus ein sympathisches Filmerlebnis, und zudem eines in dem angenehmer Weise weit weniger Action enthalten ist, als man es kurz darauf von einem Cop-Thriller gewohnt war. OFDb
26.12.2016
BLADE RUNNER (1982)
Man traut es sich kaum dies offen auszusprechen, aber mit meiner Sichtung von „Blade Runner“ schließt sich eine jener Lücken, die unter die Überschrift „kaum zu glauben, dass ich diesen Film bislang nicht gesehen habe“ fällt. Nun habe auch ich den Vorreiter sämtlicher philosophischer Filme um künstliche Intelligenzen gesichtet, und ich bin überrascht wie zurückhaltend die Frage zwischen Leben oder Maschine noch behandelt wird, erfährt das Böse mit dieser aufgeworfenen Frage doch lediglich eine Handlungsmotivation und einen emotionalen Hintergrund, an der Frage ob böse oder nicht wird jedoch nur leicht gekratzt, und dies auch erst in Rutger Hauers letzter Szene.
Vor „Blade Runner“ hätte ich nach all den Erfahrungen, die ich mit ihm in B-Produktionen gemacht habe, nie gedacht, dass Rutger Hauer eine solch enorme Wirkung entfachen kann. Diese Vielfältigkeit aus eiseskalter Bösartigkeit, seinem Zynismus, der Trauer und dem Mix aus alledem hätte ich ihm schauspielerisch ehrlich gesagt nicht zugetraut. Er erweist sich als würdiger Gegenpart zum charismatisch spielenden Harrison Ford, innerhalb eines herrlich dreckig ausgefallenen Blockbusters, der den Vertretern heutiger Beiträge dieser Art zeigt, was mit vergleichsweise schlichten Mitteln alles möglich ist, um dennoch großes Kino zu schaffen.
„Aufstand der Anti-Menschen“ (Alternativtitel) ist ein pessimistischer Film. Er zeigt uns keine strahlende Zukunft, sondern eine Welt voller Maschinen wie sie wirklich ist: dreckig, voller Rost und Schrott, zugebaut, fern jeder klassischen Umwelt. Passend zur düsteren Atmosphäre und dem in einer dreckigen Stadt spielenden Szenario lässt Ridley Scott die Protagonisten meist zudem durch schlechtes Wetter laufen. Erstaunlich, dass er trotz dieser Übertreibung zum Pessimismus ein Werk geschaffen hat, welches sich trotz allem Futurismus gefühlsecht schaut, vielleicht auch weil seine Figuren verletzlich sind, körperlich wie geistig, eine Eigenschaft die es erstaunlich gut schafft über eigentlich recht flache Charaktere hinwegzutäuschen.
Überrascht hat mich zudem das Talent Ridley Scotts inmitten einer solchen Atmosphäre Platz für einen kunterbunten Spielplatz zu finden, wie wir ihn später aus der Mülldeponieszene aus „Die Reise ins Labyrinth“ kennen, oder aus dem kompletten Film „Toys“ mit Robin Williams. Wenn der zu früh alternde J.F. Sebastian die damals noch hoch attraktive Daryl Hannah in seine Wohnung bittet, und wir all seine sogenannten Freunde erblicken dürfen, dann wird aus einer düsteren Dystopie kurzfristig ein Karneval der Zukunft, ein Blick darauf was Technik dem Menschen ebenfalls hätte bringen können und in Wirklichkeit doch nur eine Täuschung ist, ein Ersatz für echtes Leben, echte Freunde, echte Heiterkeit - und damit doch nur bunt täuschende Traurigkeit.
Was andere Filme mit Thematiken um künstliche Intelligenz und Klone in verschiedenste Richtungen vertiefen, wird hier wie erwähnt nur angedeutet, aber am richtigen Punkt gefasst, denn was könnte ein Bewusstsein schon dringender wollen als verstehen und zu leben? Das sind berechtigte Wünsche. Da Emotionen von Maschinen in diesem Frühwerk der Thematik noch Deutungssache sind und nicht definitiv bewiesen, ist es wohl legitim dass „Blade Runner - Metropolis 2020“ (Alternativtitel) noch so hart mit der Maschinenwelt umgeht, anstatt sie in den Schutz zu nehmen und wahre Empathie zu ihr aufzubauen. Dieses Thema auszuweiten wäre nur einer vieler Gründe gewesen, warum es toll gewesen wäre, wenn „Dangerous Days“ (Alternativtitel) eine Fortsetzung erhalten hätte. Zu erzählen gäbe es noch viel über die Replikanten und ihrer moderneren Nachfolger. Aber was soll‘s, das haben im Laufe der Jahre dann unzählige Werke wie „Ghost in the Shell“, „Ex Machina“ und „Alles, was wir geben mussten“, um nur einige wenige zu nennen, nachgeholt. OFDb
17.03.2013
SALEM'S LOT - BRENNEN MUSS SALEM (2004)
Der Buchautor Ben kommt nach vielen Jahren in seine Heimatstadt
zurück. Er stellt fest, dass sich ein Vampir an diesem Ort sesshaft
gemacht hat. Immer mehr Einwohner werden zu Blutsaugern...
Ich kann mich zwar nur noch schwach erinnern, aber ich weiß noch, dass mich die alte Tobe Hooper-Verfilmung „Brennen muss Salem“ nicht gerade vom Hocker gerissen hat. Deswegen bin ich auch an die Neuverfilmung mit Vorsicht herangegangen, war aber neugierig, da mir die meisten Miniserien nach Stephen King bisher gefallen haben. Und siehe da: "Salem's Lot" ist ein interessantes Stück Film geworden.
Der Film weiß teilweise mit interessanten Bildern zu überzeugen. Er präsentiert uns B- und C-Stars, die ihre Aufgabe fast alle zur Zufriedenheit bewerkstelligen. Und er trennt beide Filmhälften an der richtigen Stelle, so dass man sich auch mit viel Neugierde an die zweite Hälfte heranwagt. Für Zartbesaitete gibt es auch den ein oder anderen Schockmomente, der Rest ist routinierter Grusel, der dank interessanter Figuren und einer Atmosphäre ohne Langeweile dennoch mehr als bloßer Durchschnitt ist.
Mit Effekten hält man sich zurück, die paar wenigen die vorhanden sind, sind okay. Lobend zu erwähnen wäre, dass hier Kinder nicht verschont werden, ganz im Gegenteil, das Drehbuch geht hart mit ihnen um (wie nah da was am Stephen King-Buch ist weiß ich leider nicht). Die Kinder sind gut besetzt und werden passend zur Geschichte eingebracht. Unnötige Kindernerverei gibt es also nicht.
Die erste Hälfte lässt sich Zeit die Figuren einzuführen, der Horrorpart hält sich aber hier bereits nicht zurück, immerhin muss zum Start der 2. Hälfte fast die ganze Stadt in Vampire umgewandelt sein, um nun die Story umzuschwenken. Die Vampire mit ihren Beißerchen wirken, Rob Lowe sieht noch immer wie 16 aus, Rutger Hauer kommt kaum vor (weiß dafür aber in seiner Rolle zu überzeugen) und Donald Sutherland wirkt mit seinem ungewohnten Bart noch unechter als ohnehin meist.
Vampirfreunde und King-Fans werden ihren Spaß haben, Cineasten werden gut unterhalten. Mit zu viel Niveau rechnet man in einem solchen TV-Film ohnehin nicht, also wird man auch nicht so leicht enttäuscht. Interessant zu erwähnen wäre vielleicht noch das Vampirhaus. Von außen wirkt es wie das Wohnhaus von Norman Bates und seiner Mutter aus der "Psycho"-Reihe, von innen ist es verrottet wie das alte Myers-Haus aus „Halloween“ und von seinen Räumlichkeiten (und ganz besonders von der Treppe in der Halle) her erinnert es sehr an das Vampirhaus aus "Fright Night". Insgesamt also eine nettmorbide Mischung, und auch für die anderen Settings brauchen sich die Verantwortlichen nicht zu schämen.
Dadurch dass man sein Hauptaugenmerk auf das Entfalten der Charaktere legte, schlichen sich auch kaum Logiklücken ein, zumindest drängen sie sich nicht so gnadenlos auf wie in anderen Genrebeiträgen dieser Art. OFDb
23.11.2012
VATERLAND (1994)
Hitler hat den Krieg gewonnen. Wir schreiben das Jahr 1964. Kurz vor
Hitlers 75. Geburtstag wird bekannt gegeben, dass sich Amerika und
Germanien politisch nähern wollen, um den kalten Krieg zu beenden. Da
die Schlachten im Osten kein Ende nehmen, hat Hitler eine Partnerschaft
mit Amerika dringend nötig. Just in jenen Tagen wird Sturmbannführer
März, ein Kriminalist, auf einen Mordfall angesetzt. Der Tote entpuppt
sich als hoher Nazi erster Tage. Als März dahinter kommt, dass jeder
Teilnehmer einer sogenannten Wannseekonferenz aus Kriegstagen stirbt,
wird er auch schon vom Fall abgezogen. Zusammen mit einer amerikanischen
Reporterin geht er der Spur dennoch weiter nach und stößt auf ein
schreckliches Geheimnis...
Germanien über alles...
Dass Hitler den Krieg gewonnen hat, halte ich für eine ausgesprochen interessante Alternativuniversum-Idee, umso enttäuschter war ich damals, wie routiniert und spannungsarm der Film umgesetzt ist. Seitdem sind Jahre vergangen, und nun, nachdem ich kürzlich den Roman zu Ende gelesen habe, auf dem der Film basiert, habe ich den Streifen auf ein neues ausgebuddelt. Das Buch war richtig gut, was stimmte mit dem Film nicht?
Zunächst muss ich einräumen, dass ich kein Fanatiker bin, der dringend eine 1 zu 1-Umsetzung benötigt (wobei diese wirklich wünschenswert wäre). Dass zu Filmzwecken gestrafft werden muss, Personen charakterlich abgeändert werden und andere Veränderungen vorgenommen werden, ist üblich und lässt sich auf normaler Spielfilmlänge auch meist nicht vermeiden. Solche Änderungen sind aber nur dann legitim, wenn der Film einer eigenen Dynamik, Aussage und/oder Psychologie folgt. Und genau das ist in „Vaterland“ nicht zu erkennen.
Der Roman war clever verschachtelt, vermied Klischees beim Versuch die Grundidee so realistisch wie möglich umzusetzen, und er war vor allen Dingen psychologisch clever insbesondere wenn es darum ging, mit welchen Mitteln er es schaffte Spannung zu erzeugen. Denn eines war dem Autor von Anfang an klar: was März herausfinden würde, war für ihn ein Schock, dem Leser jedoch längst bekannt. Also musste der Autor auf andere Bereiche setzen, um Spannung zu erzeugen. Nicht aber die Verantwortlichen der amerikanischen Verfilmung.
Dass Millionen Juden von den Nazis getötet wurden, wird uns hier als Auflösung der Geschichte geboten, inklusive eines hektischen und viel zu einfachen Versuchs, das Bündnis zwischen Amerika und Germanien zu verhindern. Im Roman wäre das gar nicht möglich gewesen, allein weil dort bereits die Fragwürdigkeit des amerikanischen Präsidenten am Rande angesprochen wurde, ein Aspekt, der in einer US-Verfilmung nicht auftauchen durfte. Es wäre aber auch deshalb in der Buchvorlage nicht möglich gewesen, da Germanien ein düsterer Ort ist, voll cleverer Spione, bewohnt von einem Volk, dass auf Militärstaat-Basis sich zwar individuell entwickelt, aber darauf gedrillt ist Andersdenkende zu melden.
Das Germanien im Film ist ein Ort des Klischees. Alle Deutschen gucken bieder böse drein, aber richtige Angst scheint im Überwachungsstaat keiner zu haben. Ein Mann der um sein Leben bibbert, kann mal eben in aller Öffentlichkeit eine amerikanische Reporterin kontaktieren. Ein Vater kann seinen Sohn zum christlichen Tischgebet überreden, obwohl das Christentum verboten ist und selbst Kinder kein Problem damit hätten, ihre Eltern zu melden.
Und dieses von mir gewählte Beispiel geht noch viel tiefer. Es betrifft nämlich die Hauptfigur März, lustlos gespielt von Rutger Hauer. Der war im Roman nie ein Christ und wurde es im Film nur deshalb, weil er aus Ami-Sicht etwas positives in den Charakter integriert bekommen musste, damit man zu ihm hält, obwohl er ein überzeugter Nazi ist, der sogar kurz vor der Chance einer Beförderung steht. Schade dass dies geändert wurde, denn März war im Roman von seinem Land und deren Gesetze überhaupt nicht überzeugt. Eine Akte über seine Staatslästereien und anderweitigen Vergehen ist längst bekannt. Dass diese gegen ihn angewandt wird steht kurz bevor. Und nun stößt dieser Mann auch noch auf die Juden-Wahrheit. Eine prekäre Situation, die aus verschiedensten Gründen für ordentlich Spannungspotential sorgte.
Da in der amerikanischen Verfilmung jedoch kein Individualismus unter Nazis in Friedenszeiten möglich ist (selbst der dicke, gemütliche Kollege Jäger wurde im Film als typischer Klischee-Nazi gecastet), musste auch der Hauptcharakter angepasst werden. Dass er Christ ist verärgerte mich zwar ein bisschen, aber was seine anderweitige charakterliche Veränderung betraf, so wollte ich erst den weiteren Verlauf des Films abwarten, bevor ich schimpfte. Meine letzte Sichtung war schon lange her.
Leider ergibt die Veränderung des März-Charakters keinen anderen Sinn, als das Klischeebild deutscher Nazis aufrecht zu erhalten. Für nichts anderes ist diese Änderung gut, und damit schadet sie dem Film, da nun der Spannungsbogen aus dem Buch durch nichts ersetzt wurde. Aha! Die Auflösung ist, dass viele Juden von Nazis getötet wurden. Na das ist doch mal eine Überraschung!
Da dem Film nun sowohl Spannungsgehalt als auch eine überraschende Auflösung fehlen, baut man einzig auf billige Schauwerte. Da kommt den Verantwortlichen die Kostengünstigkeit einen Trupp Uniformierte im Hintergrund zu zeigen wohl sehr gelegen. Ein solches Zeigen ist eigentlich nicht falsch um den Alltag in Nazi-Deutschland zu zeigen, aber man sieht wie damit übertrieben wird, wie sie als Ersatz für aufwendige Kulissen dienen und wie sich das häufige Auftauchen solcher Truppen im Hintergrund vereint mit viel zu häufig gezeigten Hakenkreuzen, plump ins Bild gedrängte Statuen von Hitler und dem Zeigen biederer deutscher Gesichter, wie sie sich im Klischee der Ami schon immer vorgestellt hat.
Ironischer Weise ist die Verfilmung, und mit ihr das Weltbild der Amerikaner, wesentlich biederer als Nazi-Deutschland im Buch je war. Das zeigt sich z.B. bei der Charakterzeichnung der amerikanischen Journalistin, die clever, taff und emanzipiert war, und damit März vor den Kopf stieß, der eigentlich nur die braven Hausfrauen kannte. Während Charlie Maguire, so ihr Name, ihn im Roman des öfteren dumm aussehen lässt, ist die Dame im Film ein Püppchen, das stets auf die Hilfe März angewiesen ist, eben so wie der Amerikaner das weibliche Geschlecht gerne sieht.
So bleibt „Vaterland“ ein hohles Gefäß, dass mit billigen Schauwerten und seiner guten Idee sicherlich Interesse zu wecken weiß. Leider schafft er dies nur mit quantitativen Mitteln und rutscht nach und nach immer mehr in die Belanglosigkeit ab, wenn man sich erst einmal an ein Nazi-Deutschland in den 60er Jahren gewöhnt hat und ein Spannungsbogen dringend nötig wäre. Klar funktioniert eine solche Geschichte trotzdem irgendwie, leider aber nur auf gleichem anspruchslosen Niveau wie „Die Nichte – Hitlers verbotene Liebe“. Eine ernste Auseinandersetzung mit der Geschichte und möglichen Warums und Vielleichts ist das aber beides nicht.
Positiv hervorheben kann man den auf 75 Jahre zurechtgetrimmten Hitler, dessen Anblick einen schon in seinen Bann zieht und die deutsche Stimme im einleitenden Off-Kommentar, der aber leider auch zu früh viel zu viel verrät.
So hoffe ich nun doch darauf, dass mal irgendwer das Buch möglichst original verfilmt. Dazu würde man zwar eine TV-Mini-Serie benötigen, um dem Inhalt gerecht zu werden, aber in Europa gedreht und die psychologische Cleverness der Lektüre im Auge behaltend, könnte daraus ein großartiges Werk werden.
Es war allein schon ein Fehler der Verfilmung den Zustand Germanien so in den Mittelpunkt zu hieven. Im Roman wirkt das großdeutsche Reich fast nebensächlich, es ist halt der Ort der Geschehnisse. Im Mittelpunkt steht ein Kriminalfall über den sich nach und nach das uns in unserer Realität romanfremde Deutschland herauskristallisiert. Aber wie schon erwähnt hat es die Verfilmung ohnehin nur auf den plumpen Schaueffekt abgesehen und auf typische Pro-Amerika-Propaganda, statt auf eine intelligente und tiefgehende Befassung mit dem so unheimlichen Gedanken Hitler hätte den Krieg gewonnen. OFDb
Ironischer Weise ist die Verfilmung, und mit ihr das Weltbild der Amerikaner, wesentlich biederer als Nazi-Deutschland im Buch je war. Das zeigt sich z.B. bei der Charakterzeichnung der amerikanischen Journalistin, die clever, taff und emanzipiert war, und damit März vor den Kopf stieß, der eigentlich nur die braven Hausfrauen kannte. Während Charlie Maguire, so ihr Name, ihn im Roman des öfteren dumm aussehen lässt, ist die Dame im Film ein Püppchen, das stets auf die Hilfe März angewiesen ist, eben so wie der Amerikaner das weibliche Geschlecht gerne sieht.
So bleibt „Vaterland“ ein hohles Gefäß, dass mit billigen Schauwerten und seiner guten Idee sicherlich Interesse zu wecken weiß. Leider schafft er dies nur mit quantitativen Mitteln und rutscht nach und nach immer mehr in die Belanglosigkeit ab, wenn man sich erst einmal an ein Nazi-Deutschland in den 60er Jahren gewöhnt hat und ein Spannungsbogen dringend nötig wäre. Klar funktioniert eine solche Geschichte trotzdem irgendwie, leider aber nur auf gleichem anspruchslosen Niveau wie „Die Nichte – Hitlers verbotene Liebe“. Eine ernste Auseinandersetzung mit der Geschichte und möglichen Warums und Vielleichts ist das aber beides nicht.
Positiv hervorheben kann man den auf 75 Jahre zurechtgetrimmten Hitler, dessen Anblick einen schon in seinen Bann zieht und die deutsche Stimme im einleitenden Off-Kommentar, der aber leider auch zu früh viel zu viel verrät.
So hoffe ich nun doch darauf, dass mal irgendwer das Buch möglichst original verfilmt. Dazu würde man zwar eine TV-Mini-Serie benötigen, um dem Inhalt gerecht zu werden, aber in Europa gedreht und die psychologische Cleverness der Lektüre im Auge behaltend, könnte daraus ein großartiges Werk werden.
Es war allein schon ein Fehler der Verfilmung den Zustand Germanien so in den Mittelpunkt zu hieven. Im Roman wirkt das großdeutsche Reich fast nebensächlich, es ist halt der Ort der Geschehnisse. Im Mittelpunkt steht ein Kriminalfall über den sich nach und nach das uns in unserer Realität romanfremde Deutschland herauskristallisiert. Aber wie schon erwähnt hat es die Verfilmung ohnehin nur auf den plumpen Schaueffekt abgesehen und auf typische Pro-Amerika-Propaganda, statt auf eine intelligente und tiefgehende Befassung mit dem so unheimlichen Gedanken Hitler hätte den Krieg gewonnen. OFDb
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