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16.12.2018

CHRISTINE (1983)

Von den noch recht frühen Beiträgen John Carpenters ist "Christine" meiner Meinung nach jenes, das am wenigsten seine typische Handschrift trägt. Der Film schaut sich aus dem üblichen Guss einer Hollywood-Produktion, was damals noch eine positive Eigenschaft war. Aufgrund der stark klischeebelasteten Figuren des Streifens guckt sich das Ergebnis stattdessen eher wie ein waschechter Stephen King-Film, was verwundern darf, war Stephen King zwar der Autor der Buchvorlage, doch von dessen phantastischem und vor allen Dingen auch sehr einfallsreichen Roman ist in der Filmversion nicht mehr viel übrig geblieben. Statt die hochgradig interessante Geschichte des Romans zu verfilmen, handelt "Christine" lediglich von einem mordenden Auto und ihrem besessenen Fahrer.

Interessanter Weise hat Carpenter diese Versimpelung recht gut im Griff. Wo die meisten Szenen auch aus der Hand vieler anderer Regisseure stammen könnten, da entpuppen sich jene Momente, in der Carpenters Handschrift zu erkennen ist, auch gleich als die Höhepunkte des Streifens. Die Attacken der rachsüchtigen Karre, begleitet von Carpenters selbst komponierter Hintergrundmusik, wissen selbst dann zu wirken, wenn Christine noch gleich reißerisch brennen muss, während sie den viel zu alt besetzten Oberbösewicht verfolgt und tötet. Die nur selten, aber dann zum richtigen Zeitpunkt, eingesetzten Spezialeffekte wissen ebenfalls zu gefallen, ebenso wie der Wandel Arnies, was nicht nur der Maske Keith Gordons zu verdanken ist, sondern auch dem Schauspieler selbst, der die kleinen Graustufen seiner Verwandlung gut einzufangen weiß. Leider führte er irgendwann nur noch Regie. Gerade in seinen Teenie-Zeiten, wie beispielsweise in "Combat Academy", empfand ich ihn als sympathischen Mimen leichter Stoffe.

Während die Deutschvertonung die ohnehin schon gewaltigen Stereotype um einige weitere Grade aufpuscht, lohnt sich "Christine" im Originalton. Normale Stimmen begleiten dort die Klischeefiguren, das lässt den Film weit angenehmer gucken. Aber ohnehin hat mich der hohe Unterhaltungswert bei meiner erneuten Sichtung nach etlichen Jahren überrascht, hatte ich "Christine" doch eher als Durchschnittsfilm in Erinnerung, und das ist er meiner Meinung nach so gar nicht, so toll wie er sich aus einem Guss schaut, so gut wie Horror und Drama nebeneinander harmonieren, so seicht wie beide Bereiche angegangen werden. Und es ist erstaunlich wie gut der Streifen funktioniert, wenn man bedenkt dass es Arnie ist der im Zentrum steht und gegen Ende von wem bekämpft werden muss, zu dem man weit weniger Bezug erhalten hat. Auch hier ist der Roman völlig anders vorgegangen, da er von Anfang an die Sichtweise der jeweiligen Phase der Erzählung wechselte. Interessanter Weise schadet der Verzicht dieser Vorgehensweise nicht dem Film, der auf seine seichte, zurückhaltende Art, versehen mit seinen kleinen Höhepunkten am Rande, einfach gelungen ist wie er ist.  OFDb

DIE KLAPPERSCHLANGE (1981)

Zwischen seinen spannungsgeladenen Erfolgen "The Fog - Nebel des Grauens" und "Das Ding aus einer anderen Welt" erschuf John Carpenter mit Kurt Russell, seinem Star aus letztgenanntem Film, eine Zukunftsvision der pessimistischen Art, ein politisches Statement zu dem was kommen könne, wenn manche Dinge von einst sich weiterhin in die negative Richtung entwickelt hätten. Doch anstatt eine ernstzunehmende Satire vorzulegen, machte John Carpenter daraus eine Freakshow in ähnlichem Stile wie der im selben Jahr erschienene "Mad Max 2". Carpenter zaubert uns Edel-Trash anstatt einen ernstzunehmenden Film abzuliefern, und ich muss gestehen, dass mich das Ergebnis nicht mehr so in seinen Bann ziehen konnte, wie in frühen Jahren meines Cineastendaseins.

Noch immer ist es schön anzusehen, wie Carpenter auf recht schlichtem Weg ein heruntergekommenes, düsteres New York präsentiert, noch dreckiger als es dies eigentlich ist. Die Hauptstadt, der einstige Stolz, ist nun ein Wohnort allen Übels, von außen nicht gefördert, da innerhalb der Mauern des Gefängnisses jeder auf sich gestellt ist. Seinen beunruhigendsten und tatsächlich düstersten Moment erhält der Film jedoch nicht an diesem Ort, sondern ziemlich zu Beginn, wenn Snake Plissken, ebenso wie andere neu Gefangengenommene, per Durchsage mitgeteilt bekommen, dass sie neben einem autonomen Gefangenemleben unter ihresgleichen in New York sich auch stattdessen zum Ableben melden können. Alles was dieser gruseligen Entscheidung folgt ist zwar ein ziemlich ernst umgesetzter Film (wenn auch nicht ohne Augenzwinkern versehen), aber kein ernstzunehmender.

Carpenter geht es um die Action, um die grelleren Zutaten inmitten dieses Stoffes (Kronleuchter am Auto der Nummer 1 von New York, schrille Punkfrisuren, ...), ihm geht es rein um den Popkorngehalt der Geschichte, und da macht er auch gar kein Geheimnis draus. Allerdings geht es ihm auch um das Spiel des Bösen in der Dunkelheit und um einen funktionierenden Spannungsgehalt, wie ihn seine oben genannten Werke besitzen, und das will inmitten einer etwas zu idiotischen Geschichte nur bedingt funktionieren. Kleine Fehler wie funktionierende Straßenlaternen lassen sich noch übersehen, aber die vielen Zufälle mit denen beispielsweise der Taxifahrer immer im gerade richtigen Moment ins Geschehen kracht, sind schon eher ärgerlich zu nennen.

Auch zu glatt laufende Befreiungsaktionen, das fehlende Gespür für Dramaturgie (z.B. immer dann wenn einer der Weggefährten stirbt) und besonders ärgerlich der nicht gerade stark verminte Weg Richtung Freiheit, der uns zuvor als fast unmöglich passierbar beschrieben wurde, helfen nicht gerade dabei die düstere Atmosphäre, um die Carpenter sichtlich bemüht ist und die er stellenweise, z.B. aufgrund der von ihm komponierten Hintergrundmusik, auch tatsächlich entfacht, in den entscheidenden Momenten auch tatsächlich spürbar zu machen. Da wird innerhalb weniger Minuten das World Trade Center rauf und runter gerannt, jeder auf sich gesetzte Kriminelle wirkt entweder noch kooperativ oder auf harmlose Art geistig entrückt. Die Welt die uns Carpenter hier präsentiert ist einfach nicht düster genug, um inmitten von Trash noch ernsthaft in ihren Bann ziehen zu können. 

Umgekehrt ist der Zirkus den er entfacht auf der anderen Seite nicht bunt genug um zum reinen Popkorn-Happening werden zu können. Es ist möglich, dass die Art der Umsetzung von "Flucht aus L.A." aus diesen Gründen betrachtet vielleicht doch keine so schlechte Idee war, wie es immer heißt. Aber um das beurteilen zu können ist meine Sichtung der späten Fortsetzung, die eher einem Remake gleicht, zu lange her. "Die Klapperschlange" weiß zu unterhalten, nicht falsch verstehen, aber das große Werk als das ich ihn einst empfand ist er mit meinen Seherfahrungen nun wirklich nicht geblieben.  OFDb

15.12.2018

DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT (1987)

An Einfallsreichtum mangelt es Regisseur und Autor John Carpenter bei seiner Rückkehr ins Horror-Genre nach "Starman" und "Big Trouble in Little China" nicht, was allein schon deshalb zu erfreuen weiß, weil sein vier Jahre zurückliegender letzter Horrorfilm, die Stephen King-Verfilmung "Christine", eben nicht gerade vor Innovationen strotzte. Die Art mit welcher lediglich durch Andeutungen das Christentum neu interpretiert wird und warum, darauf aufbauend, alles Gelernte diesbezüglich eine Lüge ist, würde bereits ausreichen um einen kompletten Film zu füllen (was "Stigmata" beispielsweise tat). Aber hier geht es auch um eine dämonische Flüssigkeit, die sich als Satan höchst persönlich entpuppt, besondere Eigenschaften besitzt und sich in einem ominösen Gefäß befindet, welches so konstruiert ist, dass es sich erschreckender Weise lediglich von innen öffnen lässt. Und ganz nebenbei weiß Carpenter zudem eine herrlich wirre, aber fantasiereiche neue Art der Zeitreise mit einzubauen, die er, als ob nicht schon fantasiereich genug, dafür nutzt Träume als Informationsportal zweckzuentfremden.

So wirr und aufregend das Ganze auch klingen mag, Carpenter weiß diese ungewöhnliche Chose auf seine typisch trocken erzählte Art sehr bodenständig und nüchtern vorzutragen, was auch aufgrund der von ihm mit komponierten Hintergrundmusik ein gutes Spannungspotential zu entfachen weiß, so dass die Grundatmosphäre auf der alles aufbaut gesichert ist. Würde darauf nun noch Genialität wachsen, hätte man ein Meisterwerk erreichen können. Doch leider bietet Carpenter auf dieser wunderbaren Grundlage aufgebaut lediglich Horror-Routine an, was man aufgrund der brillanten Einfälle, die ich aufzählte, kaum glauben kann. Denn leider setzt die Geschichte recht früh, und von da an leider auch ins Zentrum gerückt, auf die Besessenheit der Forschungsmitglieder. Nach und nach wird fast jeder von der grünen Flüssigkeit dämonisch infiziert und versucht die noch menschlichen Teilnehmer zu töten oder zu ihresgleichen zu machen.

Auch in dieser lahmeren Variante bleibt "Die Fürsten der Dunkelheit" interessant und spannend genug, um nicht von einem vergeigten Filmabend reden zu müssen, aber das Potential zu mehr war gegeben. Ob da Produzentenentscheidungen negativ mit eingeflossen sind weiß ich nicht, die Besetzung Alice Coopers als einer der sich merkwürdig benehmenden Obdachlosen weist darauf hin, so unnötig wie er pseudo-musikclip-artig eingebaut wird. Aber was auch immer der schlechte Einfluss war, er hat aus einer hoch innovativen Story einen Durchschnittsgrusler über Besessenheit gemacht, Routine der angenehmen Art, aber eben doch nur Routine. 

Neben allerhand eher blasser Mimen, leider auch im Bereich der Hauptakteure, wissen zumindest einige Gesichter das zu nüchtern geratene Treiben aufzuwerten. Darunter ist der stets schrullig und grotesk wirkende Victor Wong gesondert zu nennen, sowie Donald Pleasance, mit dem Carpenter bereits in seinen Erfolgsfilmen "Halloween" und "Die Klapperschlange" zusammen gearbeitet hat. Letztgenannter reißt sich kein Bein aus, weiß meiner Meinung nach aber so oder so stets zu wirken. Diese beiden machen das zu durchschnittlich geratene Bonbon schmackhafter. Mit Blick auf "Prince of Darkness" (Originaltitel) ist es schön, dass Carpenter in seinem Folgefilm "Sie leben!" seine dort ebenfalls fantasiereiche und reizvolle Geschichte exakter verfolgen konnte als jene, die den hier besprochenen Film zunächst so reizvoll klingen lässt.  OFDb

30.10.2018

HALLOWEEN (2018)

Bereits im in der "Scream"-Welle entstandenem "Halloween - H20" kehrte Jamie Lee Curtis zu ihrer ersten Hauptrolle aus John Carpenters Erfolgsfilm "Halloween - Die Nacht des Grauens" zurück. Damals setzte man die Teile 3 - 6 ignorierend "Halloween 2" fort, nun nach zwei umstrittenen Remakeepisoden von Rob Zombie, pünktlich zum 40. Jubiläum, wird das Original direkt fortgesetzt, auch die erste Fortsetzung von einst ignorierend. Produziert haben das Ganze John Carpenter und Jamie Lee Curtis höchstpersönlich. Auch die Familie Akkad ist Jahre nach dem Tod Moustapha Akkads, der bis zu seinem Ableben noch jeden "Halloween"-Film produzierte, mit an Bord. Lediglich das Drehbuch überließ man anderen, ebenso wie die Regie, die überraschender Weise David Gordon Green überantwortet wurde, der eher mit Komödien wie "Bad Sitter" und dem herrlich kultigen "Ananas Express" Erfolge erntete.

Nach dem Sichten des aktuellen "Halloween", in welchem Laurie nicht mehr die Schwester des legendären Babysittermörders ist, kann man Green als die richtige Wahl bezeichnen, hinterlässt er doch die nötige Handschrift aus Verehrung des Originals und dem Fortsetzen dessen Geschichte, ebenso wie er inszenatorisch Old School-Horror abliefert, ohne die extreme Langsamkeit von Carpenters Kultfilm anzugehen, mit der man das Publikum von heute großteils wohl eher verscheucht hätte. Für heutige Sehgewohnheiten ist "Halloween Returns" (Alternativtitel) noch immer recht langsam ausgefallen, das weiß zu gefallen, und auch der hochgeschraubte Blutgehalt ist in Zeiten wie heute kaum der Rede wert, Michaels Rückkehr verkommt nicht zum sinnlosen Massaker, auch hier bin ich positiv überrascht. Orientiert an Teil 1 ist auch die Figurenzeichnung der wichtigsten Personen schlicht und natürlich eingefangen, lediglich die Reporter, mit denen alles losgeht, wirken wie erfundene Hollywood-Figuren und sind sogleich auch richtig unsympathische Gestalten.

Leider muss man sie zu lange ertragen, bevor man erleichtert feststellen darf, dass sie keine Hauptfiguren werden, als Entschädigung ist die Szene, in welcher beide ihr Lebenslicht verlieren, jedoch um so intensiver ausgefallen und zählt zu einem der Höhepunkte des Streifens. Wirklich negativ wirkt allerdings eigentlich nur die erste Szene vor dem Vorspann, die mir auch aus Reportersicht herzlich wenig Sinn in ihrer reißerischen Art macht, zumal hier ein Kult um die Maske Michael Myers gemacht wird, ebenso wie im Restfilm, der keinen Sinn ergibt, wenn nach den Ereignissen von Teil 1 nichts mehr geschah. Dies betrifft aber auch die extreme Verbissenheit von Lauries Charakter, wirkt es doch nicht überzeugend dass ein einziger Kampf vor 40 Jahren eine derart hochgebildete, taffe Schülerin zu einer stets unter Verfolgungswahn  leidenden Kampfbestie a la Sarah Connor aus "Terminator 2" werden lässt. Mit Blick auf die Ereignisse im Krankenhaus in der 80er Jahre-Fortsetzung hätte das schon mehr Glaubwürdigkeit bewiesen. Aber was soll's, letztendlich ist "Halloween" lediglich ein kleiner Slasher, der den Ur-Typ dieses Horror-Sub-Genres fortsetzen möchte, und das ist nun einmal Popkornkino und kein Art House, was soll man sich also am psychologischen Aspekt der Figuren aufhängen?

Wichtig ist, dass psychologisch gesehen der Spannungsgehalt stimmt, und der hätte meiner Meinung nach noch einen Grad höher ausfallen können, ist aber nach kurzen Einbrüchen immer wieder mal auf einem stimmigen Hoch, so dass es eigentlich nichts zu klagen gibt. Mit hohen Erwartungen wird sicherlich kaum wer an dieses Experiment nach 40 Jahren herangegangen sein, und so liefert Green uns jene angenehme Routine dieser Art Film ab, die es aufgrund zu hohem Blutgehalts und zu wilder Trips heutzutage kaum noch zu sichten gibt. Allein dafür sollte man dankbar sein. Spielereien für Kenner der Reihe sind mit eingebaut. Das beginnt mit der kurzen, eher zu künstlich eingebrachten, Erwähnung, dass Laurie nicht die Schwester des Killers ist, das wird weiter fortgeführt bei Parallelszenen zum Original, in welchen Michael durch Laurie ersetzt wird, und das geht hin bis zu absoluten Insidergags, wie den Halloweenmasken, welche von der Firma aus "Halloween 3" stammen. Glücklicher Weise orientiert man sich nicht einzig aufs Kopieren, Verehren und Variieren, gerade der zunächst nach Schwachsinn klingende Aspekt aus Laurie eine Kampfbitch zu machen erweist sich als der frisch wirkende, laufende Motor dieses neuen Teil 2, toll verkörpert von einer sichtlich gealterten Jamie Lee Curtis.

Ansonsten bietet der Streifen einen neuen Dr. Loomis, der glücklicher Weise nicht nur den alten kopiert, leider aber in seiner Abweichung des Vorbildes nicht all zu glaubwürdig herüber kommen darf. Wir erleben die Rückkehr eines unscheinbaren alten Bekannten, der sowohl am Tatort des 60er Jahre-Mordes, als auch bei der Jagd 15 Jahre später mit dabei war. Wir nehmen an der Erkenntnis teil, dass die Jugendlichen rund um die Protagonisten herum ähnlich dämlich und unsympathisch geblieben sind, wie man es nach Carpenters Original in Werken wie "Und wieder ist Freitag der 13." erleben musste, sprich einzig die Straude-Familie bleibt in ihrer versimpelten Darstellung sympathisch, da glaubwürdig. Und wir müssen erneut feststellen, dass Filmemacher aus etlichen Fehlern noch immer nichts gelernt haben. Am Ende der ganzen Chose wird auf subtile Art auf eine mögliche Fortsetzung hingewiesen, die auf der Idee des Schluss-Gags von "Halloween 4" aufbaut. Diese beweist, dass man scheinbar noch immer nicht den Fanatismus der Filmanhänger der Reihe begriffen hat und damit diese nicht glücklich machen würde. Die Geldgeber von "Halloween 5" haben das einst dann doch kapiert. Wollen wir einmal hoffen dass es auch die Geldgeber der möglichen Fortsetzung des hier besprochenen Filmes verstehen werden und doch noch umschwenken werden. So unauffällig wie hier am Schluss angedeutet käme man damit keinem Widerspruch gleich, wie jenem extremen aus "Halloween - Resurrection", auch wenn man sich wie dort eine bizarre Ausrede zu Nutzen machen müsste.  OFDb

28.10.2018

HALLOWEEN - DIE NACHT DES GRAUENS (1978)

"War das der schwarze Mann?" klingt im Deutschen wahrlich besser als der Boogeyman im Original, dennoch sei das Sichten der englischsprachigen Fassung empfohlen, werden Kinder in der Deutschsynchro doch verkitscht und unüberhörbar von erwachsenen Frauen gesprochen, was dann doch etwas arg nervt. Von einigen kleinen Logiklöchern (der Sekundensex in zwei Fällen, ruppiger Tag-Nacht-Übergang,...) abgesehen, sind das auch die einzigen Kritikpunkte, die sich Carpenters legendäres Werk gefallen lassen muss, ist es ansonsten inszenatorisch doch eine Meisterarbeit und einer meiner absoluten Lieblingsfilme des Horror-Genres. Carpenter ist inspiriert durch Hitchcocks "Psycho" und dem damals modernen italienischen Giallo, der sich zur Entstehungszeit bereits rar machte, die Blaupause des heute üblichen Slasher-Horrors gelungen, die durch "Freitag der 13." später noch einmal versimpelt wurde. In Carpenters Ur-Werk, für welches er im TV-Film "Das unsichtbare Auge" kurz zuvor bereits spannungstechnisch üben durfte, handeln die Teenager noch glaubwürdig, sprich ihre Naivität und Dummheit ist dem Alter geschult und nicht der Schwäche des Drehbuchautors, und gerade die maximal durchschnittlich anzuschauende Jamie Lee Curtis wirkt in ihrer unscheinbaren Art innerhalb ihrer ersten Hauptrolle ungemein authentisch, was der unattraktive Kleidungslook, der ihr beschert wurde, perfekt zu unterstützen weiß.

Myers hingegen darf nicht nur der schwarze Mann genannt werden, der schlanke Typ wird in dunkle Klamotten gesteckt und mit einer unverkennbaren und ungemein wirksamen weißen Maske verkleidet, so dass auch er optisch perfekt zu seiner Phantompräsenz eingefangen wird, freilich unterstützt von der diesbezüglich hervorragenden Kameraarbeit, die nicht nur Laurie ein Gefühl der ungewissen Verfolgung beschert, sondern auch dem stets mehr wissenden Zuschauer. Das schwere, triebtäterartige Atmen Myers, als Verfolger am Rand des Bildes stehend oder klein mitten ins breite Bild hinein gesetzt, Myers ist unheimlich und meiner Meinung nach (auch durch die Fortsetzungen) eines der interessantesten Monster der Horrorfilmgeschichte, eben weil ihn eine Mystik umweht, die unerklärbar ist. Scheinbare Unlogiken, wie die Stärke des schmalen Hemdes, der schleichende Gang und das Wissen über Dinge, die er aus der Klinik nicht wissen kann, ebenso wie das stille Signal von dem in fast jedem Teil die Rede ist, unterstützen besagte Rätselhaftigkeit seines Wesens, die glücklicher Weise nie zu stark hinterfragt wird. Michaels Wesen, sein Drang, die Frage wie wurde er was er wurde und was ist er eigentlich gehören unbeantwortet, damit "Halloween" und seine Fortsetzungen funktionieren können.

Das mag manchem modernen Zuschauer, der Antworten auf jegliche Fragen beschert haben will, nicht schmecken, aber für die Art Publikum ist "Halloween - Die Nacht des Grauens" ohnehin nicht gedreht, ist er doch zudem in einer fast ereignislos scheinenden Langsamkeit inszeniert, und da er der Prototyp dieser Art Film ist, freilich ohne weitere Überraschungen seines minimierten Plots versehen. Für mich und viele andere sind dies freilich die Pluspunkte eines Streifens, der spannungstechnisch schnell zu packen weiß und dies konsequent bis hin zu seinem nervenzerreißenden Schluss. Der von Carpenter selbst komponierte Soundtrack unterstützt dies, und so theoretisch überladen wie dieser von Carpenter eingesetzt wird, weiß man auch wie sehr dies dem Regisseur bewusst war. Der Erfolg gibt ihm recht, der dominante Einsatz des genialen Sounds steht im krassen Gegensatz zum ansonsten angegangenen Minimalismus, der "The Babysitter Murders" (Alternativtitel) jene Genialität beschert, die ihn schließlich auch ausmacht. "Halloween" muss man als Horror-Fan gesehen haben, da geht kein Weg dran vorbei. Er gilt als Meilenstein des Genres und dies zu Recht. Alle Jahre wieder sehe ich ihn mir an und bin immer wieder aufs neue fasziniert davon wie gut er funktioniert. Zudem ist er in unscheinbaren Szenen, wie dem Mord im Auto, der Szene im Kleiderschrank, oder der Bettlaken mit Brille-Aktion, hervorragend fotografiert. Auch dies beeindruckt noch nach der x-ten Sichtung.  OFDb

11.06.2018

DARK STAR - FINSTERER STERN (1974)

"Dark Star" ist die Filmhochschul-Abschlussarbeit des legendären John Carpenter ("Halloween - Die Nacht des Grauens"), der auch zusammen mit dem nicht minder cineastisch bedeutenden Dan O'Bannon ("The Return of the Living Dead") das Drehbuch schrieb. Der komödiantisch gehaltene Science Fiction-Film soll eine Antwort auf Kubricks "2001 - Odyssee im Weltraum" sein, quasi die Anarchoversion der Antwort auf die Frage wie sich die Menschheit dort oben im leeren Raum wohl anstellen wird. Aus Forscherdrang und gepflegtem Umgang sind im Laufe der Jahre Resignation und Unmut geworden. Aus Langeweile sprengt man instabile Planeten, oder geht depressiv im verträumten Umgang mit der Sternenunendlichkeit auf. Der Kontakt zur Erde ist abgebrochen, ein letzter Funkspruch zeigt den herrlich witzigen Kontrast der Moral und dem Engagement der Daheimgebliebenen, eingekleidet im feinen Anzug zur geschniegelten Frisur, im Vergleich zu jenen, die abgeschottet von ihrer Heimat so lange durchs All fliegen, dass sie gar ihre Vornamen vergessen haben. Sie sehen ungepflegt aus, mit langen Haaren und Vollbärten passend zu ihrem mentalen Zustand, und das weiß zu Zeiten kurz nach der Hippie-Bewegung, bzw. inmitten ihres Nachhalls zu amüsieren. Scheinbar mussten die Darsteller vor dem Dreh gar nicht in die Maske, lief man als junger Mensch damals doch nun einmal bei hier eingefangener Mentalität so herum.

Die Tricks sind herrlich billig ausgefallen, aber gerade deshalb ein Hingucker, zumal nicht schludrig gearbeitet wurde. Als Außerirdischer darf ein Wasserball mit angeklebten Füßchen herhalten. Allgemein weiß man Kostengünstigkeit über brauchbare Optik zwar nicht zu verstecken, aber endschuldbar, da visuell angenehm, zu demonstrieren. Die jungen Schauspieler machen ihre Arbeit gut. In einer der wichtigsten Rollen ist gar Dan O'Bannon höchstpersönlich zu erblicken. Warum er bei kompatiblem Berufsfeld andere Wege ging als Carpenter, weiß ich nicht, nach dem sympathischen Einstieg in die Welt der beiden cineastischen Geschichtenerzähler ist es aber zumindest schade zu nennen, dass es zu keiner weiteren Zusammenarbeit kam. Stattdessen steuerte O'Bannon Drehbücher für Tobe Hooper-Filme bei, was immerhin auch eine sympathische kreative Zusammenführung ist.

Früher wurde ich mit "Dark Star - Finsterer Stern" nicht warm, konnte ich ihm trotz der Sympathie zu dem Projekt doch wenig abgewinnen, und heute mit frischem, wie erfahrenen Blick etliche Jahre danach, erkenne ich auch woran das liegt, und das ist der etwas zu sperrig geratene Einstieg in die Geschichte. Klar, die Mannschaft ist lethargisch, das versucht man stilistisch in dröger Erzählform mit passiv gearteten Dialogen und anderen Methoden einzufangen (es wäre schließlich unsinnig eine solche Grundhaltung der Crew in flotter Umsetzung zu präsentieren), dennoch fand ich anfangs keinen Zugang, auch weil die Figuren zunächst austauschbar erscheinen. Es dauert bis der auf ruhige Art provokante Film sich diesbezüglich ändert. Und das Warten lohnt sich, werden doch nicht nur die Figuren zu greifbaren Charakteren, die herrlich irrsinnigen Situationen, denen sie sich selbst verschuldet stellen müssen, sind unglaublich unterhaltsam ausgefallen, allen voran freilich das philosophische Gespräch zwischen einem der Astronauten mit einer kurz vor der Detonation stehenden KI-Bombe.

Wenn einer der Astronauten zum Schluss auf einem Wrackteil zu Countrymusik seinem Ableben im All entgegen surft, dann ist das an anarchistischem Ton und als Gegenantwort zu Kubricks Ehrenmännern im All bei klassischer Musikuntermalung nicht zu überbieten, zumal dieser Gegenpol keine Rebellion darstellt, sondern trotzdem die Verbeugung und den Respekt vor dem Original deutlich macht, anstatt zur stumpfsinnigen Protestbewegung zu werden. Dafür ist "Der schwarze Stern" (Alternativtitel) zu subtil und gewitzt ausgefallen, und es ist schön zu wissen, dass die Verantwortlichen einer sich unerwartet eigenständig anfühlenden Veralberung der Gedanken eines angesehenen Meisterwerkes selbst im Laufe der Zeit zu Meistern ihres jeweiligen Faches wurden. Alles verdienter Maßen, wie ich finde, was schließlich keine Selbstverständlichkeit im US-Kino ist.  OFDb

28.03.2017

HALLOWEEN 3 (1982)

Mit „Halloween 3“ visierte Produzent John Carpenter, welcher Regie und Autor von Teil 1 war, etwas anderes an als das was die Fans sehen wollten. Während diese sich über eine weitere Rückkehr des maskierten Killers Michael gefreut hätten, wollte Carpenter von nun an jährlich einen weiteren „Halloween“-Teil produzieren, der jeweils eine eigene Geschichte erzählt. Warum er für den Beginn dieser Idee ausgerechnet auf eine solch merkwürdige Geschichte, wie der hier erzählten, zurückgegriffen hat, wird ein ewiges Rätsel bleiben, denn massenkompatibel sieht anders aus, so dass „Halloween 3 - Season of the Witch“ (Originaltitel) vielen Zuschauern so gar nicht gefiel - ganz unabhängig vom fehlenden Michael Myers-Aspekt.

Freunde des anderen Films sei jedoch zu diesem ungewöhnlichen Werk geraten, denn was der Masse schmeckt, ist bei weitem kein Qualitätsurteil, wie der wahre Cineast weiß. Zwar wird auch dem Freund andersartiger Filme auffallen, dass die Hintergründe der Geschehnisse, die Beweggründe des Bösewichts und seine Taten, Quatsch mit Soße sind, aber selten wurde eine solch gewöhnungsbedürftige Idee so atmosphärisch, düster und ernst umgesetzt, wie hier geschehen. Es stimmt, was man vielerorts liest, dass „Halloween 3 - Die Nacht der Entscheidung“ (Alternativtitel) stilistisch trotz fehlendem Michael Myers näher an den beiden ersten Teilen orientiert ist, als die Fortsetzungen ab Teil 4, die Michael wieder auferstehen ließen. Und „Halloween 3“ ist der Beweis dafür, dass mit diesem nüchternen, düsteren, schleichend erzählten Stil selbst eine theoretisch unsinnige Geschichte, wenn sie ernst und professionell genug vorgetragen wird, zu funktionieren weiß.

„Halloween 3“ ist ein Film der Atmosphäre und einer der Effekte gleicher Maßen. An Brutalitäten mangelt es nicht innerhalb der Fortsetzung zu einem Streifen, der die zur Entstehungszeit von „Halloween 3“ in den Kinos frisch tobende Slasher-Welle mit beeinflusste, so dass sich mit drastischen Tötungsmethoden Momente in den hier besprochenen Film eingeschlichen haben, die dem Slasher zuzuordnen sind, ohne dass Tommy Lee Wallaces Werk diesem angehören würde.

Dem eigentlichen Schauwert, der düsteren, schleichenden Atmosphäre, bescheren diese drastischen Momente keinen Abbruch. Manch eine von ihnen weiß das Unbehagen der Geschehnisse gar zu unterstützen, vorausgesetzt man schafft es die Idiotie der Geschichte zu ignorieren. Ich persönlich lehne mich sogar weit aus dem Fenster heraus und behaupte, ganz so idiotisch wie die Geschichte klingt, ist sie gar nicht ausgefallen. Sie ist wirr und ungewöhnlich, wirkt aber nur deshalb albern, weil sie nicht zu den theoretisch ähnlich albernen Standards des Horror-Genres gehört, an die man sich längst gewöhnt hat und die man nicht mehr auf Sinn und Unsinn hinterfragt. Auch ich wunderte mich damals, warum solch eine trashige Geschichte so gut funktioniert. Heutzutage, wo ich cineastisch reifer geworden bin und seit relativ kurzer Zeit auch kein Freund des Begriffs Trash mehr bin, gehe ich mit mehr Respekt an Stoffe wie diesen heran, und begrüße die mutige Herangehensweise solcher Filme.

Dieser Umgang mit dem Film verhindert nicht, dass ich es trotzdem eher albern finde wenn aus Menschenköpfen Schlangen und Spinnen platzen, den restlichen Unsinn kann ich jedoch tatsächlich recht gut ignorieren, eben weil der Film so toll inszeniert ist und dazu einlädt sich einmal für 90 Minuten auf solch einen Stoff einzulassen. Dank der düsteren, schonungslosen und mit einer gemeinen Schluss-Pointe versehenen Umsetzung, kann dies tatsächlich funktionieren. Man mag hinterher über manchen Hintergrund der Geschichte die Augen verdrehen dürfen, gleichzeitig muss man Wallace aber auch zugestehen, dass er diese stupide erscheinenden Elemente gekonnt und wirkungsreich, und somit erfolgreich, in einen ernst gemeinten Horrorfilm verpackt bekommen hat.

„Halloween 3“ mag nicht das sein, was der Fan sich einst erhoffte, und massentauglich ist er schon mal gar nicht. Aber für Freunde, die sich ungewöhnlicher Stoffe auch ohne Trash-Denken nähern können, werden auf einen überraschend gelungenen Film stoßen, von dem mir in dieser Art kein vergleichbarer einfallen will. Schon wenige Jahre später wäre solch ein Werk nicht mehr denkbar gewesen. Die Inszenierung spricht die typische frühe 80er Jahre-US-Horror-Sprache, in welcher noch ein Hauch 70er-Atmosphäre mit atmen durfte. Eine solch hanebüchene Story in solch einem wirkungsreichen Gewandt zu erleben, rein von dem Spannungsbogen der Ermittlungen der Hauptfigur lebend, habe ich in solch einer konsequent ernsten und pessimistisch erzählten Art noch nicht erlebt.  OFDb

14.02.2017

THE FOG - NEBEL DES GRAUENS (2005)

Dass John Carpenter als Produzent mit an Bord war, ebenso wie die damalige Produzentin Deborah Hill, schien nicht viel Einfluss auf das Remake von „The Fog - Nebel des Grauens“ gehabt zu haben, ist er doch das typisch blankpolierte, aufgepeppte Produkt geworden, wovor es jedem Horror-Fan bei dem Begriff Neuverfilmung fröstelt. Ich bin nun keiner jener Cineasten, die grundsätzlich gegen Remakes und Fortsetzungen schimpfen, kann ein Original doch nie geschädigt werden und ist es doch meist zumindest einen Versuch etwas Altes anders aufleben zu lassen. Ich gehe da immer recht offen heran, auch wenn es sich um neue Versionen besonders kultisch verehrter Stoffe handelt. Rupert Wainwrights „The Fog - Nebel des Grauens“ will in meinen Augen aber so gar nichts Besonderes werden, egal wie sehr er sich dafür auch abstrampelt. Es ist ein Produkt voll von Fehlentscheidungen, falschen Schwerpunkten und vergeigter Möglichkeiten.

Wenn ich mir das so wundervoll wirkende Geisterschiff im Nebel anschaue (ein leider viel zu kurzer Moment) und wenn ich auf die für den eigentlichen Film unpassende, aber dennoch recht hübsch geratene, Szene zurückblicke, in welcher eine Frau nach einem Autounfall mit unheimlich wirkenden Seegeistern unter Wasser konfrontiert wird, dann wird mir bewusst welche Möglichkeiten es mit der heutigen Technik gegeben hätte etwas Besonderes aus der Zweitverfilmung von Carpenters Ur-Grusler zu zaubern. Doch „Fog“ (Alternativtitel) ist ein typisches Produkt von Produzentenentscheidungen, die den sichersten Weg gehen wollen es jeder Form von Zielpublikum recht zu machen, und das schadet dem Film ungemein, zumal es ihn wirr und sinnlos erscheinen lässt, bei all den Kompromissen die gemacht werden mussten.

Auch das Original wurde von Produzentenseite mit Nachdrehs beordert, Szenen die durch Carpenters gekonnt stimmige Umsetzung dem Werk jedoch nicht schaden konnten. Wainwrights Film scheint jedoch ein Produzentenfilm von Anfang an zu sein, ist doch so ziemlich alles verwässert was es zu verwässern gibt. Der Quotenschwarze mit seiner lockeren, leicht Gangster angereicherten Art will trotz aller Moderne die den Film umgibt weder in den Ort noch ins Szenario passen. Die unheilbringenden, vorwarnenden Omen werden nun bereichert durch Visionen, welche nur unsinnig und zufällig erscheinen und einzig dem Zweck dienen, es dem Drehbuch einfacher zu machen den Protagonisten beim Begreifen der Dinge zu helfen.

Das Einbringen der Visionen steht jedoch noch für eine weitere Fehlentscheidung der Neuverfilmung. Das vorwarnende Unheilvolle im Original, wurde von allen Figuren des Filmes als solches begriffen. Es gab keine Zweifel am Übernatürlichen, und das war einer der wirkungsreichen Grusel-Grundeckpfeiler, welches einem solch ein Unbehagen bescherte. Die Figuren im Remake sind im Gegensatz dazu so ziemlich alle ahnungslos, großteils bis zum Schluss, vertrauen den Visionen der Frau nicht, stolpern dementsprechend unvorbereitet durch ein Szenario, welches in seiner Abfolge dennoch den Geschehnissen des Originalfilmes in seiner Reihenfolge gleicht, was gar keinen Sinn ergibt, da hier niemand überlegt handelt. Jeder folgt seiner Intuition.

Dementsprechend ist es oftmals unsinnig Szenen aus dem Original zu entnehmen, weil diese in der Neuversion keinen Sinn ergeben. Die Moderatorin des Originalfilmes konnte ihren Leuchtturm nicht verlassen und flehte deswegen um Hilfe für ihren Sohn per Radiosendung. Die Parallelfigur im Remake macht selbiges, obwohl sie kurz danach mit dem Auto selbst losfährt. So als hätte sie zuvor geahnt, dass sie einen Autounfall bauen wird und deswegen ihren Sohn nicht erreichen kann. Der wird stattdessen ohne wahre Beweggründe und ohne zur zweifelhaften Charakterisierung der männlichen Hauptfigur zu passen, von dem Heldenpaar aufgegabelt. Und wem das an Unsinn noch nicht reicht: die Radiomoderatorin hatte, im Gegensatz zur Parallelfigur im Original, gar keinen Grund Angst um ihren Sohn zu haben. Auch hier war lediglich weibliche Intuition im Spiel. Ein Freudenfilm für Esoteriker, die keinerlei logische Zusammenhänge benötigen, um sich unterhalten zu lassen.

Leider besteht der komplette Film aus solchen Unsinnigkeiten. Einzelszenen in einem sonst halbwegs nachvollziehbarem Komplettpaket hätte man ihre wackelige, unsinnige Art sicher verzeihen können. Aber „The Fog - Nebel des Grauens“ ist ein Produkt das bereits logisch ins Wanken gerät, noch bevor man nachzudenken beginnt. Stets werden einem die Widersprüche und Unsinnigkeiten regelrecht auf die Nase gedrückt. Und das einzige was Wainwright im Kampf gegen sie unternimmt, ist mit wuchtigen Spezialeffekten dagegen zu halten. Alles was im Original still und ruhig angegangen wurde, und da sprechen wir von keinem subtilen Film, kommt im Remake mit einem lauten Karacho daher.

Morde werden regelrecht zelebriert, die Geschichte der Vergangenheit von einem hinterlistigen Trick auf ein riesiges Massaker aufgeschaukelt. Und der Nebel, der in seiner schleichenden Art wie ein fremdes Wesen im Original wirkte, bekommt hier Eigenschaften des „Blob“ zugeschrieben, verdünnisiert sich sogar einmal schurkisch, kurz nachdem er unten durch die Türritze hindurchgewandert ist, als sich jemand unverhofft besagter Tür nähert. Der Nebel greift nach Opfern, zieht sie in seinen Sog, während er an anderer Stelle wie ein ätzender, chemischer Stoff agiert. Ohnehin sterben die Menschen auf unterschiedlichste Art, ohne dass ein Muster zu erkennen wäre.

Pflichtopfer der Rache wegen und zufällig Ermorderte werden bunt durcheinander gewirbelt, so dass die Frage nach Schuld oder Unschuld kaum noch gestellt wird. Ein kitschiger Überraschungsmoment stößt den Zuschauer im Finale gerade bei der Schuldfrage nun komplett vor den Kopf. Es ist nicht so dass die Heldin, die ebenfalls Nachfahre eines Mörders war, verschont bliebe, aber sie regelt die Dinge auf ihre Art, und das wird dann auch gleich zum Tiefpunkt eines Filmes, den man in seiner kompletten Laufzeit ohnehin nie ernst nehmen konnte.

Man muss schon viel Unsinniges ignorieren können, oder Zusammenhänge grundsätzlich nicht verstehen können, um von „The Fog - Nebel des Grauens“ unterhalten werden zu können. Würde der Film lediglich aus Momentaufnahmen bestehen, so als hätte es die drei Minuten vor und nach jeglicher Szene nie gegeben, dann könnte das Remake funktionieren. Wainwrights „Stigmata“ war nun kein Vorzeige-Horrorwerk und hat ebenfalls gerne mit Schauwerten gespielt, aber er war zumindest ein gelungenes Stück Routinekost. Das kann man vom hier besprochenen Remake Carpenters Klassiker jedoch so gar nicht behaupten. Was Wainwright dazu prädestiniert haben mag Regisseur der Neuverfilmung zu werden, wird mir ohnehin nicht klar. Seinen besten Film hat er meiner Meinung nach mit „Mac Millionär“ abgeliefert, und das war eine Komödie, die halbwegs angenehm im Fahrwasser von „Kevin - Allein zu Haus“ mitgeschwommen ist. Wahrscheinlich war es aber ohnehin egal wer Regisseur dieses missglückten, aufgebauschten Remakes wird, schaut er sich doch, wie eingangs bereits erwähnt, ohnehin wie ein Produzentenfilm.  OFDb

THE FOG - NEBEL DES GRAUENS (1980)

Ich verstehe nicht, warum Carpenter seine Gruselgeschichte nach der Geisterstunde abbricht, um sie in der kommenden Nacht zu einer willkürlichen Uhrzeit wieder einzusetzen. Der Film hätte doch auch einzig in einer Nacht spielen können. Ich verstehe nicht, warum er der Geschichte um die Wiederkehrer so viele zusätzliche böse Omen in Form von Spukereignissen beschert, zumal die Rückkehrer und gerade ihre Waffen körperliche Gewalten sind und keine reinen Spukerscheinisse. Ich verstehe nicht warum aus solch eher willkürlich wirkenden Bausteinen ein solch großartiger Film werden konnte. Ist Carpenters spannungsgeladener Kultstreifen aufgrund dieser Entscheidungen so gut ausgefallen, oder konnten die guten Elemente diesen theoretischen Fehlentscheidungen trotzen? Ich weiß es nicht, ich weiß nur dass „The Fog - Nebel des Grauens“ blendend funktioniert.

Eine Spukgeschichte mit einer Gruselgeschichte am Lagerfeuer zu beginnen, und diese ganz für sich wirken zu lassen ohne Rahmengeschichte oder einem plötzlich aus dem Gebüsch hüpfendem Angstmacher, beweist bereits dass Carpenter in die richtige Richtung denkt, weiß doch bereits diese Einleitung in ihrer recht naiven Art zu gruseln, so toll vorgetragen wie sie ist, und so sehr wie sie uns den Grundstein wohligen Gruselns präsentiert. Auch die lange Vorphase die der Einleitung folgt weiß in ihrem Mix aus Figurenvorstellung/vertiefung und dem Einbringen diverser warnenden Omen zu gefallen. Die Parallelereignisse sind alle so interessant ausgefallen wie ihre recht nüchtern vorgestellten Personen. Hokuspokus mixt sich mit Sachlichkeit, und das langsame Zusammenflicken der einzelnen Situationen und Erkenntnisse geht gekonnt und glaubwürdig vonstatten, zumal vieles bis zum Schluss parallel geschieht und nicht immer am Ende eine Einheit erhält.

Die bösen Omen, die Erkenntnis dass der Nebel gegen die Windrichtung wandert, der so positiv unecht wirkende, grelle Nebel, das alles weiß zu beunruhigen, noch bevor die Rächer ihre erste Tat vollbringen. Die Grundstimmung ist gesetzt, und wenn das eigentliche Geschehen ins Zentrum tritt, bleibt „The Fog“ so stimmig wie in seiner Vorphase, nutzt Carpenter den Nebel doch wahrlich um zu gruseln und nicht einzig um kostengünstig optisch zu verschleiern. Dass die Geister der Vergangenheit im Nebel nie ganz deutlich zu sehen sind ist sogar ein Pluspunkt des Streifens. Einzig ihre Ärmchen dringen hin und wieder durch Fensterscheiben.

Dass dies weniger an „Die Nacht der lebenden Toten“ als vielmehr an Amando de Ossorios reitende Leichen erinnert, liegt u.a. daran, dass sich Carpenters zusammen mit Deborah Hill geschriebene Geschichte ohnehin wie der Zusammenschluss aus „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ und „Das Geisterschiff der reitenden Leichen“ anhört, nur dass es Carpenter im Gegensatz zu dem Spanier gelungen ist, einen wahrhaft spannenden Film zu zaubern, während die reitenden Leichen trotz stimmiger Momente stets mehr zum Schmunzeln als zum Gruseln einluden. Interessanter Weise ist Carpenters Film nicht viel weniger naiv ausgefallen als die spanischen Vergleichswerke, der Unterschied in Sachen Wirkung könnte trotzdem größer nicht sein.

Wenn die Radiomoderatorin vom Leuchtturm aus die letzten nichtbenebelten Straßen Antonio Bays durchgibt und damit zum Navi der letzten Flüchtenden wird, ist „The Fog - Nebel des Grauens“ auch in den rasanteren Szenen auf einem Spannungshoch angekommen. Auf der Zielgeraden wird immer klarer worauf es die Geschichte abgesehen hat, sie beinhaltet keine Überraschungen mehr, und diese benötigt sie auch nicht mehr, werden die Rächer, die im unheimlichen Nebel agieren, doch nun zum Selbstläufer. Und das ist wohl das beste was einem Horrorfilm geschehen kann, dass im Hoch der Geschichte einzig sein Aggressor für Interesse und blank liegende Nerven sorgt.

Wie gesagt, viele Entscheidungen John Carpenters verstehe ich nicht, ebenso die etwas ruppige Entscheidung dass der Pfarrer am Ende doch noch ein weiteres Mal von den Rächern aufgesucht wird, aber es funktioniert. „The Fog - Nebel des Grauens“ ist nun einmal zu einem Carpenter-Hoch entstanden, und da hat der gute Mann wirklich nur brillante Filme abgeliefert. Das Zusammenspiel von Dunkelheit, Musik, der bösen Omen, der Figurenkonstellation und das Puzzle dass sich mit der Zeit zusammenfügt in Kombination mit dem titelgebenden Nebel und den unheimlichen, kaum sichtbaren Wesen die in ihm mörderisch lauern und agieren, das weiß im Entfachen und Erhalten einer spannungsgeladenen Atmosphäre einfach bestens zu unterhalten.  OFDb

29.01.2017

BLACK MOON (1986)

Wenn es in einem Film Mitte der 80er Jahre heißt die Idee käme von John Carpenter, also in einer Zeit in der er nach diversen Flops regelrecht unterschätzt wurde, dann ist die Neugierde geweckt, erst Recht wenn im Zuge dessen noch von einem Superauto in Bezug auf das Genre Science Fiction die Rede ist. Das klingt nach etwas Kunterbuntem und Ungewöhnlichen, wie es auch nur in den 80er Jahren entstehen konnte, und so ganz unrecht sollte ich mit dieser Vermutung nicht haben, badet „Black Moon“ doch regelrecht in besagtem Jahrzehnt, jedoch nicht auf die angenehme Weise.

Die Frisuren der 80er Jahre sind tatsächlich mal wieder die Lachnummer 1 und unterstreichen die Vermutung, dass die mit „Terminator“ einen Erfolg feiernde Linda Hamilton lediglich eine gewöhnliche B-Film-Mimin ist, was sie ebenfalls in „King Kong lebt“ beweist. Ernst nehmen kann man sie nicht, wenn sie mit hartem Blick, so als übe sie bereits für „Terminator 2“, innerhalb der dusseligen Story ihre höchst lahme Rolle verkörpert, ohne den Versuch zu starten an diesen Umständen irgendetwas ändern zu wollen. Aber was soll man über sie klagen, wenn es doch das komplette Drumherum ist, das ein wahres Desaster geworden ist.

Von der hanebüchenen Story und ihrem noch dämlicheren Verlauf, bis hin zum in jungen Jahren plump besetzt scheinenden Tommy Lee Jones, dessen Rolle vom Drehbuch keine Sympathie beschert bekommen hat, so dass man sich einzig auf das bierernste Einminenspiel des Darstellers verlassen muss, weiß so ziemlich gar nichts am Film zu gefallen. „Black Moon“ ist hilflos naiv ausgefallen, das Vorzeigeauto im Zentrum wirkt weder wie ein zum Staunen einladender Blick in die Zukunft, noch wie ein Retroblick vergangener Vorstellungen von der Zukunft. Sein billiges Design toppt die Gurken aus „Freejack“, und seine Fähigkeiten lassen das Auto aus der ähnlich naiv plumpen Serie „Knight Rider“ wie eine Gottheit erscheinen.

Auf unglaubwürdige, wie konfuse Art versucht Harley Cokeliss die bruchstückhafte Story irgendwie beisammen zu halten, setzt hauptsächlich aber lieber auf das Protzen mit Hightech, die müde Coolness des Helden und mau inszenierte Verfolgungsjagden und Rennszenen. Dass Erstgenanntes nach all den Jahren freilich nur noch lächerlich wirken kann, ist das Ergebnis fehlendem Retrocharmes, welches den Film zu einem kühl laufenden Motor ohne Charakter werden lässt. Ich habe nun wirklich keinen Meilenstein erwartet, aber dass „Black Moon Rising“ (Originaltitel) solch ein müdes und peinliches Produkt ist, das so gar nicht das Kind in mir ansprechen möchte, wie es sonst so viele andere 80er Jahre-Produkte schafften, hat mich dann doch überrascht.  OFDb

08.01.2017

ASSAULT - ANSCHLAG BEI NACHT (1976)

John Carpenter feierte als Filmstudent einen kleinen Erfolg mit seiner Abschlussarbeit, einer „2001“-Parodie, „Dark Star - Finsterer Stern“. Seine erste Arbeit für ein richtiges Filmstudio sollte dementsprechend erst „Assault - Anschlag bei Nacht“ sein, und in diesem zieht der Regisseur bereits alle Register, wofür man später seine Werke „Halloween - Die Nacht des Grauens“, „Die Klapperschlange“ und Co derart schätzt, schafft es der spätere Horror-Regisseur doch aus einem Minimum an Geld und Plot ein Maximum an atmosphärischer Stärke und Spannungsbogen herauszuholen.

Ohne tatsächlich dem später von Carpenter bevorzugten Genre des Horrorfilms anzugehören, spürt man schnell die Nähe zu Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“, spätestens wenn die Eindringlinge nach und nach zum Selbstschutz erschossen werden. Zwar blitzen, wie bei fast jedem Carpenter-Film, auch immer wieder Momente des Western-Genres auf, aber durch das hauptsächliche Geschehen im Dunkeln und dem Schwerpunkt auf Thriller, trotz etlicher Actionszenen, schwebt stets ein Hauch Horror-Feeling mit.

So gekonnt Carpenter auch die Fäden zieht, an der Spannungsschraube dreht und Action und Thrill in einem gesunden Mix hält, so arbeiten doch drei weitere wichtige Faktoren für den Film. Für einen davon ist ebenfalls der Regisseur verantwortlich, komponierte dieser doch einen simplen wie effektiven Soundtrack, der nicht nur die angespannte Situation des Filmes gekonnt einfängt, sondern auch als angenehmer Ohrwurm noch einige Zeit nach dem Sichten im Gedächtnis bleibt. Der zweite Trumpf ist die Darstellung Darwin Jostons als zum Tode Verurteilter, der eine solidarische Gemeinschaft zu Lieutenant Bishop hält. Sowohl das Spiel Jostons, als auch der solidarische Aspekt, geben dem Streifen das gewisse Etwas.

Zudem lässt es Carpenter zu, dass die Figuren inmitten ihrer Belagerung an Charakter hinzugewinnen. Hierfür werden Stereotype absichtlich aufgebrochen, und auch die besagte Solidarität schenkt den Helden Tiefe und Identifikationsmöglichkeiten für den Zuschauer. Mit Blick von heute erweist sich zudem die Frauenrolle der 70er Jahre mal wieder als gesund emanzipiert im Gegensatz zum Kino von heute, wo Frauen entweder zu Kampfamazonen werden oder glauben einen auf Mann machen zu müssen. Die Natürlichkeit der taffen, selbstständigen Frau, wie man sie auch in Carpenters „Das unsichtbare Auge“ und in Ridley Scotts „Alien“ vorfindet, komplettiert die Pluspunkte des ungleichen Helden-Trios.

„Das Ende“ (Alternativtitel) erzählt keine große Geschichte. Auch inhaltliche Zusätze, wie der Beweggrund der angreifenden Gruppe und die stets im Raum schwebende Love Story, bleiben stets in Andeutungen stecken. Es verwundert bei so viel Minimalismus fast schon, dass der Film so viel Vorgeschichte besitzt. Diese nutzt Carpenter nicht nur gekonnt um die Charaktere nach und nach vorzustellen, er stellt die Figuren damit auch in Position, so wie es Schachspieler vor dem Beginn der eigentlichen Schlacht machen. Um so wirkungsreicher ist schließlich das Hauptgeschehen, das trotzdem noch recht zügig startet und bis zum Ende des Streifens auch nicht an Kraft verliert.

Sicherlich könnte man politische Aussagen aus dem Geschehen herausanalysieren, könnte man doch sowohl linke wie rechte Inhalte in einem solch klein gehaltenen Plot herauslesen, Sinn macht dies freilich wenig, geht es Carpenter doch schlichtweg um den vordergründigen Prozess. Politische Absichten sind nicht gewollt. Aber immerhin schafft es Carpenter dennoch mit einer für die Geschichte entscheidenden Gewalttat an einem jungen Mädchen und dem Zusammenspiel zwischen Gesetzeshüter und Schwerverbrecher die konservativen Kritiker und Zuschauer, damals wie heute, zu provozieren, ebenso wie mit der Ironie des Handlungsortes. Carpenter mag lediglich eine minimalistische Story umsetzen, kleingeistige Fesseln lässt er sich zum Erreichen seiner Vision jedoch nicht anlegen. Hier erweist er sich selbst als Kämpfer.  OFDb

14.09.2014

JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN (1992)

„Jagd auf einen Unsichtbaren“ ist ein Bastard von einem Film. Er ist ein merkwürdiger Mix aus Komödie und Science Fiction-Thriller, kein typischer Chevy Chase, ebenso kein typischer John Carpenter, einerseits anspruchsvoll erzählt und durchdacht, andererseits ein wenig zu sehr vor sich hinplätschernd, den Spannungsbogen nicht immer richtig im Blick behaltend. Aber trotz all seiner Schwächen ist er ein durchaus sehenswerter Film, der nur durch kleinere Korrekturen ein wirklich großer Science Fiction-Beitrag hätte werden können, was mitunter an der Kombination großartiger Spezialeffekte in Verbindung mit den neuen Denkansätzen zum Thema Unsichtbarkeit liegt. „Jagd auf einen Unsichtbaren“ springt nicht einfach auf dem einst mit „Der Unsichtbare“ begonnenen Zug dieser Thematik auf, er weiß sich gekonnt mit dem Phänomen zu beschäftigen und um einige Ecken weiter zu denken.

Dank seines stimmigen Soundtracks, einem wie schon in „Valkenvania“ charismatisch wirkenden Chevy Chase, einer zum letzten Mal so wirklich positiv auffallenden Daryl Hannah und einem Sam Neill, dem man die Spielfreude seiner Schurkenrolle regelrecht ansieht, weiß „Jagd auf einen Unsichtbaren“ zu sympathisieren, so sehr sogar, dass dramaturgische Schwächen zwar enttäuschen aber nicht zwingend stören. Zwar passiert im Film immer irgend etwas, und Charaktere werden dabei nie vernachlässigt, aber zur zweiten Hälfte hin wirkt der Streifen ein wenig orientierungslos, arbeitet sich inhaltlich nie wirklich zu wahren Höhepunkten hin, und so begleitet man Nicks episodenhafte Abenteuer zwar amüsiert und interessiert, fiebert aber nie wirklich dem Finale entgegen, das es schafft ohne großes Feuerwerk die Geschichte gekonnt abzuschließen.

Warum es gerade Spannungs-Profi John Carpenter nicht versteht den Thrill-Gehalt ein wenig mehr nach oben zu schrauben ist mir unverständlich, zumal „Jagd auf einen Unsichtbaren“ gerade von diesem auch in „12:01“ angewendeten ungewöhnlichen Genre-Mix aus Komödie und Thriller lebt. Der Streifen ist ein recht eigenständiges Werk, das zwar mit zuvor nie angewendeten Spezialeffekten anzugeben weiß, diese aber nie über die Geschichte stellt. Im Gegenteil: die Effekte werden stets kompatibel in das aktuelle Geschehen eingebunden, ein Zustand den man sich heutzutage in Filmen wie „Man Of Steel“ oder „The Amazing Spider-Man 2“ wünschen würde.

Ich hege große Sympathien an „Jagd auf einen Unsichtbaren“, aber auch die mittlerweile x-te Sichtung macht mir wieder deutlich wie lückenhaft er in seiner letzten Konsequenz doch ist und wie sehr ihm der letzte Pfiff fehlt um ihn wirklich als Empfehlung anzupreisen. Theoretisch ist alles Nötige für dieses Ergebnis vorhanden, im Umgang mit seiner Rezeptur fehlt trotz großartiger Zutaten jedoch die nötige Würze. Schade ist das schon, denn sowohl Chevy Chase, als auch John Carpenter und Daryl Hannah wären sicherlich einen anderen Weg in Hollywood gegangen, wenn „Jagd auf einen Unsichtbaren“ ein Erfolg geworden wäre. Ich hätte es allen Dreien gewünscht - und dem Film auch.  OFDb

27.04.2014

HALLOWEEN 2 - DAS GRAUEN KEHRT ZURÜCK (1981)

Für eine Fortsetzung des legendären Kult-Horrors von John Carpenter, der zu meinen absoluten Lieblings-Horrorfilmen schlechthin gehört, ist „Halloween 2“ schon ein wenig enttäuschend ausgefallen. Obwohl er auf der einen Seite auf dem optischen Stil des Vorgängers aufbaut, sind es doch viele Kleinigkeiten die Teil 2 nicht die fesselnde Atmosphäre bescheren wollen, die das Original so einzigartig macht und manchen Unsinn der Geschichte vergessen ließ. Ob es die neue Maske Michaels ist, die auf zu düster getrimmt ist, ob es der Soundtrack ist, welcher den von Teil 1 auf 80er Jahre-Stil modernisiert, oder ob es der zeitgemäße Drang der Verantwortlichen ist, Messer Messer sein zu lassen, und Michael auf Jason-Art abwechslungsreicher morden zu lassen, um optisch grausamere Szenen zeigen zu können, all dies arbeitet gegen eine dichte Atmosphäre und einen hohen Spannungsbogen.

Michael weiß nie zu überraschen. Man weiß immer vorher wo er zuschlagen wird, was den Verlauf des Films in seinem möglichen Nervenkitzel zu sehr ernüchtert. Hin und wieder, wenn Regisseur Rosenthal John Carpenter kopiert, der in Teil 2 u.a. noch für die Produktion und das Drehbuch verantwortlich war, bekommt auch er atmosphärische Aufnahmen hin, z.B. wenn er Michael aus dem Dunkeln langsam ins Helle treten lässt und ihn damit wie ein Phantom aus dem geglaubten Nichts wirken lässt. Auf eigenständige Art schafft er solche Kunststücke jedoch nie.

Klar, ein Ergebnis wie Teil 1 war nicht mal eben noch einmal nachzuschieben, das brauchte man nicht zu erwarten. Aber der fehlende Spannungsbogen macht Teil 2 schon ein wenig enttäuschend. Gibt man sich aber erst einmal mit weniger als erwartet zufrieden, weiß auch die Fortsetzung zu unterhalten, gewinnt sie doch allein deshalb an Charme, weil sie in der selben Nacht wie Teil 1 spielt. Wo hatte man dies vorher schon einmal erlebt? Die wichtigen Figuren von einst sind alle noch mit an Bord, auch wenn wenige, wie der Sheriff, bereits nach kurzer Zeit ersetzt werden.

Drei Jahre nach Teil 1 gedreht wirkt auch keiner der Schauspieler gealtert. Da hat die Maske wahre Wunder vollbracht, auch wenn ihr das biedere erwachsene Aussehen von Laurie Strode dafür entgegen kam. Der optische Stil des Originals, das Aussehen der Figuren aus Teil 1, all dies ist jedoch wesentlich einfacher wieder hinzubekommen als das Verhalten Michaels aus psychologischer und strategischer Sicht. Und selbst dieses schwierige Unterfangen hat man geschafft einzuhalten. Es gibt keine Widersprüche im Verhalten des ominösen Killers. Und dass man dessen Hintergrund nicht beleuchten sollte und nie dem Warum seiner Unzerstörbarkeit nachgeht, hat man glücklicher Weise ebenfalls begriffen.

Ob man Michael seiner Mystik beraubt hat, weil man ihm einen Hintergrund für seine Taten im letzten Drittel beschert, vorher bereits durch Traumsequenzen Lauries angedeutet, sei einmal dahingestellt. Die Deutungsvielfalt des Originals geht sicherlich damit flöten, um eine Fortsetzung interessant zu halten und das eigentliche Nichts an Story ein wenig zu erweitern, ist die Idee jedoch gut zu nennen, nicht nur im Hinblick auf die Fortsetzungen ab Teil 4, die davon zehren konnten, auch Teil 2 hat diese Erweiterung dringend nötig, um nicht im völligen Leerlauf zu enden.

Für meinen Geschmack kommt der Versuch diesen zu unterbrechen etwas zu spät, mordet doch Myers fröhlich monoton, wenn auch wie erwähnt im unterschiedlichen Stil, vor sich hin, während hin und wieder zu Laurie geblendet wird, die von einem Mitarbeiter des Hospitals bezirzt wird und bis auf das Finale nicht wirklich wichtig für den Verlauf der eigentlichen Handlung ist. Für diese muss das Krankenhauspersonal herhalten, das aber zu oberflächlich charakterisiert wird, als dass man sich für deren Schicksal interessiert, zumal Rosenthal wie erwähnt die Spielerei wann ein Opfer nun zum Opfer wird weg lässt.

Loomis darf in der Zwischenzeit mit dem Kollegen des Sheriffs aus Teil 1 die Stadt nach Michael absuchen. Und auch wenn man versucht diesen Momenten etwas Abwechslung zu bescheren, wenn nach einem Brand die Frage offen ist, ob Michael noch lebt oder nicht: der Zuschauer weiß ohnehin dass er lebt, hat von diesem Erzählzweig somit nicht viel, zumal die Dramatik dieses eigentlich bösartigen Irrtums nicht eingefangen wird. Zumindest macht ihr Fehlen noch einmal das unterkühlte Verhalten Loomis deutlich, der mit dem Festbeißen in den Fall Michael längst seine Seriosität verloren hat, was die Glaubwürdigkeit unterstreicht warum damals in der Anstalt niemand auf die warnenden Worte dieses Mannes gehört hat.

Man versucht also so einiges um gegen eine monotone Wirkung der Geschichte anzukämpfen. Meiner Meinung nach hat man dies aber nicht wirklich geschafft. Es sind die Dinge die vom Original übernommen wurden, die nicht zulassen, dass „Halloween 2“ auch nur ansatzweise langweilig werden würde. Etwas zu gewöhnlich kommt Rosenthals Werk mit diesem Nichts an Story bei fehlender dichter Atmosphäre und fehlendem Spannungsbogen jedoch schon daher, so dass am Ende nur Freunde der Reihe zufrieden gestellt werden und Freunde harter Bilder. Da ich mich zu erstgenanntem Zielpublikum dazu zähle ist mein Eindruck trotz aller Kritik noch immer positiv ausgefallen. Für die meisten anderen dürfte „Halloween 2“ jedoch nur lahmer Durchschnitt sein.  OFDb

03.12.2012

SIE LEBEN! (1988)

Bauarbeiter John Nada gerät an eine Sonnenbrille, mit der er eine Hypnose durchbrechen kann, die Außerirdische auf der Erde anwenden. Jegliche Medien enthalten versteckte Botschaften, und nicht jeder Mensch ist auch wirklich ein solcher...

Diese Brille sieht alles...
 
In einer Zeit, in welcher der Stern des einstigen Wunderkindes John Carpenter langsam unterging, da erschuf der Kult-Regisseur einen Film zu einer Idee, die wahrlich zu faszinieren weiß. Wir Menschen sind hypnotisiert, nur eine eingeschworene Gemeinschaft an Menschen weiß davon und bekämpft die heimlichen Invasoren, und ohne etwas von alledem zu wissen stößt ein Bauarbeiter auf eine Sonnenbrille, welche besagte Hypnose durchbricht. Setzt er diese auf, führt dies zu einer der genialsten Momente des Streifens - und meiner Jugend, regte dieses Szenario doch auf gruselige Art wahrlich zum Fantasieren an. Zum Nachdenken brachte mich das Ganze in meinen egoistischen Jahren nicht, dabei baut Carpenter seine Gesellschaftskritik, vordergründig jene gegen den Kapitalismus, in keinster Weise subtil ein. Mit dem Dampfhammer schlägt er sie dem Zuschauer mitten ins Gesicht, und es ist mitunter der ruhigen Inszenierung zu verdanken, dass "Sie leben!" trotzdem nicht dümmlich wirkt.

Die staubtrockene Inszenierung, die sich wie so oft bei Carpenter vor dem Western-Genre verbeugt, verleiht dem Film ein Gewand welches die faszinierende Idee der Geschichte gekonnt präsentiert. In einer Langsamkeit erzählt, die erst gegen Ende etwas zu arg vernachlässigt wird, wenn der Weg zum Happy End trotz der Hilfe von Zufällen etwas zu gradlinig erfolgt, atmet der Streifen 80er Jahre-Luft zu einem Thema welches nach wie vor aktuell ist. Ob man nun in die Gesellschaftskritik voll einsteigt, oder "They Live" (Originaltitel) als Unterhaltungsfilm konsumiert, ist letztendlich bei dem etwas zu naiven Gehversuch den Kapitalismus als menschenverachtend zu entlarven, egal, bleibt doch so oder so am Ende ein toll erzählter Film, der nicht immer so innovativ bleibt wie er beginnt, aber durchaus zu den letzten großen Werken des Meisters zählen darf.

Eine von vielen Menschen als zu lang gezogen empfundene Prügelszene beweist die Raffinesse Carpenters, der schlichtweg die von ihm kreierten Szenarien versteht. Sie ist ein Beispiel wie Übertreibung und Authentizität nebeneinander bestehen können, um eine wahnwitzige Idee für ein erwachsenes Publikum zuzubereiten. Roddy Piper ist vom Typ her ganz offensichtlich als Ersatz für Kurt Russell besetzt, mit dem Carpenter "Die Klapperschlange" und "Das Ding aus einer anderen Welt" drehte. Auch er schwankt als klassischer Arbeitertyp und Catcher genau zwischen den beiden Extremen Comic und Wahrheit. Lediglich die wichtigste weibliche Rolle wurde meiner Meinung nach völlig fehlbesetzt, da ihre schurkische Art zu offensichtlich in ihren künstlich wirkenden Augen widergespiegelt wird, womit eine finale Überraschung zu vorhersehbar wird. Dem Ende des Streifens schadet das keineswegs, immerhin schließt der Film mit einem ähnlichen Paukenschlag wie später auch "Flucht aus L.A." und lädt den Zuschauer regelrecht dazu ein zu fantasieren was dem nun folgen könnte. Von daher wäre auch eine Fortsetzung eine durchaus reizvolle Idee. Zudem schadet die weibliche Fehlbesetzung auch deswegen nicht, weil "Sie leben!" unweigerlich in einer Männerwelt spielt, und die Frau ebenso wie der kurz aufkommende, obligatorische Romantikaspekt nicht wirklich wichtig für die zentrale Geschichte ist.  OFDb

16.08.2012

DAS UNSICHTBARE AUGE (1978)

Weil sie von einem unbekannten Mann lange Zeit telefonisch belästigt wurde, zieht eine TV-Redakteurin in eine neue Stadt. Nicht einmal eingelebt in ihrem neuem zu Hause, eine Wohnung in einem großen, modernen Wohnkomplex, beginnen die Anrufe von neuem. Und mehr noch: Es scheint, dass der anonyme Anrufer alles sehen und hören kann, was sie tut. Der Polizei sind die Hände gebunden, also wendet sich die ängstliche Frau an ihren neuen festen Freund. Als sie entdeckt, dass der unbekannte Täter sogar Zugang zu ihrer Wohnung hat, spitzen sich die Dinge zu...

Eines der Fenster gegenüber...
 
Zwischen seinen Erfolgsfilmen „Assault - Anschlag bei Nacht“ und „Halloween - Die Nacht des Grauens“ drehte John Carpenter den kleinen TV-Film „Das unsichtbare Auge“, der weit weniger Berühmtheit erlangen sollte als viele andere Werke des Kult-Regisseurs, der bis zu seinem Absturz Mitte der 80er Jahre als Wunderkind seines Berufes bezeichnet wurde.

Nur zwei Wochen vor dem legendären Horrorfilm um Michael Myers gedreht, kann man „Someone‘s Watching Me“ (Originaltitel) als eine Art Vorbereitung auf „Halloween“ betrachten, stehen doch in beiden Filmen Frauen im Mittelpunkt, die von einem Unbekannten bedroht werden. Beide Streifen sind mit ruhiger Hand inszeniert und verlassen sich auf ihren dünnen wie wirkungsreichen Plot. Zusätzliche Aufhänger werden nicht benötigt, und das Vertiefen von Charakteren wird ebenso wichtig genommen wie die Momente der Suspense.

Die Intensität eines „Halloween“ fehlt der kleinen TV-Produktion schon, aber „Das unsichtbare Auge“ guckt sich wesentlich fesselnder als man meinen könnte, durfte Carpenter, der auch Autor dieses Thrillers war, doch recht frei seiner Vision der Geschichte folgen, so dass seine Handschrift definitiv zu erkennen ist. Lediglich der Soundtrack ist diesmal nicht selbst komponiert. Das merkt der Kenner direkt. Aber zumindest hatte John Carpenter auch bei der musikalischen Untermalung Mitspracherecht.

Während wir den Psychopathen aus „Halloween“ von Anfang an kennen, ist der Täter im hier besprochenen Streifen ein Anonymer. Dies wird jedoch nicht so angegangen, um ein Täterraten a la „Mitternachtsspitzen“ und „Scream“ zu zelebrieren. Das wird mancher erwartet haben und den ein oder anderen verärgert haben, wenn im Finale der Voyeur ein Irgendwer ist. Erkennt man jedoch die Schwerpunkte Carpenters zu diesem Thema, ist das vermisste Element überhaupt nicht notwendig.

Anonym muss der Täter dennoch sein, soll man sich doch mit dem Opfer identifizieren können, und das würde nur bedingt funktionieren, wenn der Zuschauer im Gegensatz zur Heldin eingeweiht wäre. Zudem nutzt Carpenter die Figur des Fremden, um das wesentlich wichtigere Objekt der Gefahr ins Zentrum zu rücken: das Fernrohr. Ähnlich fast zur Person werdend wie Spielbergs Laster in „Duell“, weiß Carpenter das Gerät gekonnt einzufangen. In solch bedrohlichen Aufnahmen dieses Gegenstandes interessiert die Identität seines Nutzers kaum noch, so als würde für einen Moment das Fernrohr selbst der Täter sein..

Zweiter Schwerpunkt der Bedrohung ist das Telefon, das mit seinem penetranten Läuten immer wieder Gefahr auszustrahlen vermag und als Bindeglied zwischen Opfer und Täter fungiert. Dass die TV-Regisseurin zudem von ihrem Peiniger abgehört wird, ist ein Fakt den nur der Zuschauer weiß, ein Fakt der auch in ein zweites Geheimnis einweiht: der Voyeur hat Zuritt in die Wohnung der verängstigten Frau.

So modern noch immer das Thema Stalking ist, so veraltet ist die Art und Weise mit welcher der Täter in „High Rise“ (Alternativtitel) vorgeht. Am Telefon ist man längst nicht mehr anonym. Aber „Das unsichtbare Auge“ ist ein Film, den man mit den Augen der damaligen Zeit betrachten muss, und mit Blick in die Vergangenheit ist Carpenter das Thema doch recht modern angegangen, was sich nicht nur an der veralteten Elektronik des Täters zeigt, sondern viel mehr an der Art des Wohnkomplexes, in welches unsere Heldin zieht und zudem am selbstbewussten, gesund-emanzipiertem Charakter dieser.

Der anonyme Täter, Tatort Wohnung der Hauptfigur,... würde Carpenter nicht immer wieder zwischendurch andere Spielorte einstreuen, der Thriller könnte ein Kammerspiel sein, erst recht wenn man betrachtet wie sehr der Regisseur das Geschehen aufs Wesentliche versimpelt, um ein Maximum an Spannungsgehalt und Atmosphäre herauszupressen. Sein Film dreht nicht nur das Szenario des Hitchcock-Hits „Das Fenster zum Hof“ um (was ebenso wie die Nähe von „Halloween“ zu „Psycho“ verdeutlicht, wie sehr der Engländer Vorbild für Carpenter war), sondern auch den typischen Kritikpunkt von Großstädten: unsere Heldin lebt nicht mehr anonym.

Ironischer Weise lebt die Sicherheit des Täters wiederum genau von dieser so häufig angeklagten Anonymität, die durch die enorme Fensterwand eines Hochhauses treffend symbolisiert wird. Wenn in einer späteren Phase das Opfer selbst zu den Methoden des Täters greift, weiß Carpenter selbst die Gebäudefront unheimlich wirken zu lassen. Sei es der Blick durch das Fernglas, während es rasant von einem Stockwerk zum nächsten hastet, oder sei es noch mehr der wandernde, suchende Blick von Fenster zu Fenster in nur einem Stockwerk. Scheint die Wohnung des Täters enttarnt zu sein, weiß allein das tiefe Schwarz der nicht beleuchteten und scheinbar menschenleeren  Wohnung ein Unbehagen zu entfachen.

Da „Das unsichtbare Auge“ aus den USA der 70er Jahre stammt und zudem ein TV-Produkt ist, bleibt er in dem was er zeigt relativ bieder. Neuere Varianten des Themas können da wesentlich provokantere Aufnahmen zeigen, um zu verdeutlichen wie sehr die Privatsphäre einer Person durch einen Stalker verletzt wird. Gerade deshalb ist es sicherlich auch hilfreich, dass sich relativ schnell verdeutlicht, dass der heimliche Bewunderer in naher Zukunft zum Mörder werden möchte, so dass dem Aspekt des Voyeurs noch die Bedrohung gegenüber steht, dass sein Opfer eventuell nicht lebend aus der unangenehmen Situation heraus kommt.

Den Film überfrachtet das nicht, ganz im Gegenteil, es fördert den Spannungsgehalt einer an sich simplen Geschichte. Man kann wohl von Glück reden, dass John Carpenter mit dem Folgefilm „Halloween“ zu einer bekannten Persönlichkeit unter den Regisseuren wurde. Die Geschichte allein würde heute wohl kaum noch wen locken, um „Das unsichtbare Auge“, der im Gegensatz zu dem was manch andere Quelle behauptet in gerade Mal 10 Tagen heruntergedreht wurde, zu sichten.

Der hier besprochene Thriller wäre noch unbekannter und ungeguckter als ohnehin schon, und das hätte er nicht verdient, ist er doch solide umgesetzt, ununterbrochen atmosphärisch, immer wieder spannend und mit Lauren Hutton, die sieben Jahre später neben Jim Carrey in „Einmal beißen bitte“ spielte, auch sehr gut besetzt. Hutton weiß einen Großteil der Story alleine zu tragen, und laut eines Carpenter-Interviews war sie seinerzeit sogar gegen ihre bisherige Schauspielerfahrung besetzt. Vielleicht spielt sie auch gerade deswegen so unglaublich engagiert.  OFDb