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24.03.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (4)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:

 

What Keeps You Alive (2018)

Die lange Vorphase, gerade mit dem Wissen um was es später gehen wird, ist gelungen, wenn uns zwei Figuren nahe gebracht werden, wenn auch eine nur, und wir wissen nicht wer von beiden, in ihrer Täuschung. Das zu schnelle Einweihens des Warums und die Positionierung des Bösewichts zur eiskalten Routine-Killerin lassen den Streifen jedoch in eine Richtung tendieren, der ihm Potential raubt. Wenn aus dem reinen Kampf zweier Frauen nun noch eine Geiselnahmesituation wird, wird "What Keeps You Alive" endgültig austauschbar, wenn auch mit spannenden Momenten versehen.  OFDb 

 

Bloodbath (2013)

Wenn es lediglich um harte Momente geht, um Provokation und dem Ausreizen von Grenzen, dann hauen Horrorfilme in meinen Augen nicht hin. Und dass "Bloodbath" mit seiner brasilianischen Herkunft eine andere Mentalität bietet, als all jene, an die wir uns im Filmbereich bereits gewöhnt haben, ändert leider auch nichts daran wie stumpf und emotionslos das Ganze ausgefallen ist. Der dreckige Touch im Sumpf an Armut, Geilheit und Brutalitäten mag gelungen sein, eine Motivation dem stumpfen Treiben folgen zu wollen, habe ich nicht entwickelt - zumal nicht wirklich etwas erzählt wird und "Bloodbath" sich mit nichts Nennenswertem von Fließbandprodukten wie diesen abhebt.  OFDb 


Cuckoo (2024)

Stilistisch atmet der Film das gehobene Niveau eines "Raw" oder "Hatching", und sein Mut etwas zu thematisieren, das üblicher Weise im Trashbereich zu Hause ist, spricht ebenfalls für den gut besetzten Streifen. Der Spannungsaufbau und die Erwartungshaltung in der ersten Hälfte bieten einen sehenswerten Film, aber der Mangel an wahrem Tiefgang, wenn schließlich mitten im gewöhnungsbedürftigen "Trash"-Bereich gebadet wird, samt Schießerei zweier feindlich gesonnener Gegner der Heldin, lässt dann doch erkennen, dass "Cuckoo" nicht in einer Liga mit den Vergleichswerken spielt - abgesehen vielleicht von der finalen, empathischen Entscheidung zweier Figuren.  Wiki

 

Eine Faust geht nach Westen (1981)

Eine kurzweilige Geschichte, ein gut aufgelegter Bud Spencer und eine Synchro, die wundervolle Momente zaubert, ohne eine Dauerberieselung an Sprüchen vorzunehmen, sind die klaren Pluspunkte dieser sympathischen Western-Komödie. Einzig mit der Figur des Indianers wurde übertrieben, dessen Darsteller hätte man besser in Schranken weisen müssen, so derbe wie er pausenlos Klamauk zelebriert. Aber auch er hat seine gelungenen Momente. "Eine Faust geht nach Westen" schafft den Drahtseilakt aus herzenswarm und familientauglich, aber nicht anbiedernd lieb oder kitschig. Genau so muss ein Zwischendurch-Spencer-Film zwischen seinen großen Werken ausfallen.  Wiki  

 

The Last Spark of Hope (2023)

Ob man in derartig üblen Endzeit-Zeiten tatsächlich den Wechsel des neuen Passworts verpasst, sei einmal dahin gestellt, zeigt aber erste Schwächen in dem, was dem an sich reizvollen Szenario generell fehlt: das tiefer gehende Denken, eine wahre Auseinandersetzung mit der kreierten Welt. "2001" und die Parodie "Dark Star" zeigten wie wunderbar die Diskussion mit einer Maschine ausfallen kann, das hier besprochene polnische Werk belässt es bei Ansätzen den Roboter zum Umdenken zu bringen, mit einer Hauptfigur im Zentrum, die immer naiv hofft auf etwas Menschliches im Gegner zu suchen, anstatt ihn mit Logik zu überlisten. Das hätte einen intelligenten Autor benötigt. Das Fehlen eines solchen ist so ärgerlich, wie die Entscheidung ein professionelles Programm, anstatt eine K.I., als Gegner zu wählen. Viel Potential, kaum etwas davon erreicht!  Wiki 

11.04.2020

ZWEI RITTEN NACH TEXAS (1937)

Dass die beiden Komiker Stan Laurel und Oliver Hardy in "Zwei ritten nach Texas" das Genre Western als Grundlage ihrer Komödie wählten, ist eigentlich unwichtig, nutzen sie doch nur wenige Möglichkeiten, die speziell diese Filmrichtung hergegeben hätte. Fast das komplette Szenario wäre auch in einem Nicht-Western-Umfeld möglich gewesen. Eine der Ausnahmen bietet die wundervolle Idee, dass die beiden mit einem Esel anstatt mit einem Pferd unterwegs sind, was optisch tatsächlich zum Schmunzeln einlädt. Mag das Genre auch nicht wirklich genutzt werden, freilich gibt es dennoch genügend zu lachen. Neben den üblichen Albernheiten haben sich einige tricktechnische Besonderheiten eingeschlichen. Wie Stan Ollis Kopf verdreht und dessen Hals in die Länge zieht, wenn dieser mit seinem Schädel in einer Bodenluke feststeckt, ist zum Schreien komisch ausgefallen, kennen die Spezialeffekte doch keine Gnade mit Olli. Auch die herrlich anzuschauende Szene, in welcher sich die beiden in einem Klavier verstecken, der Hausherr ihnen auf die Schliche kommt und beginnt das Musikinstrument zu spielen, bietet im Innenleben des Klaviers einen wundervollen optischen Gag.

Als Stan-Spezial ist diesmal der berühmte Tick mit dem Fingerersatz als Feuerzeug dabei, welches Olli bis zur entscheidenden Pointe stets vergeblich versucht nachzumachen. Ansonsten lebt "Dick und Doof im Wilden Westen" (Alternativtitel) von den Kabbeleien der beiden untereinander und mit anderen, die den Hauptteil des Films einnehmen, während der Rest versucht eine Geschichte vorzugaukeln. Dennoch guckt sich "Im fernen Westen" (Alternativtitel) nicht so episodenhaft wie manch andere Langfilme des Komiker-Duos. Zudem sind zwei Musikszenen enthalten. Mit erster konnte ich nichts anfangen, da ich die Tanzszenen von Stan und Olli nicht als lustig empfinde, was ein Grund war, warum ich auch mit ihrem ersten Langfilm "Hinter Schloss und Riegel" wenig anfangen konnte, der derartige Momente zu häufig integrierte. Anders verhält es sich da bei der zweiten Gesangsszene des hier besprochenen Films, die für ein herrlich albernes Playback Stans genutzt wird, wenn dieser angeblich mal besonders tief und im nächsten Moment mit einer Frauenstimme singt. So infantil das alles auch ist, die Chemie macht's, und da sind die beiden Komiker schon spezielle Talente derartiges in große Komödienkunst umzuwandeln. Mag "Das unterschlagene Testament" (Alternativtitel), den es komischer Weise zudem als "Ritter ohne Furcht und Tadel" alternativ benannt gibt, nicht zu den Highlights des Komiker-Duos gehören, so ist er doch dennoch ein sehenswertes, höchst kurzweiliges Werk, das sich nur kurzfristig gelegentlich ausbremst.  OFDb

16.10.2019

WESTWORLD - STAFFEL 2 (2018)

War Staffel 1 der Serie "Westworld" noch ein interessantes Gedankenspiel, welches gelegentlich zu geschwätzig pseudo-intellektuell ausfiel, so wankt das Ergebnis in der zweite Runde nun gewaltiger. Zunächst fängt Staffel 2 überraschend gut an, macht von Beginn an klar, dass es mit den Plänen der Firma Delos weit mehr auf sich hat, als Menschen mit Westernspielen zu vergnügen. Und trotz Andeutungen auf einen möglichen Ansatz des zu unsinnig ausgefallenen "Futureworld", der seinerzeit das Original "Westworld" fortsetzte, greift man nicht dessen Idee auf, sondern streift sie nur zur Betrachtung einer interessanteren, weniger eindimensionalen. Zwar wird manch einer gerade zu Beginn der Staffel das erhoffte Massaker vermissen (die Serie Westworld geht auch in ihren aufregenderen Szenen besonnen, ruhig erzählt und dialoglastig vor), die neugierig machende Offenheit diesmal kein Geheimnis aus den verschiedenen Zeitebenen zu machen und der andere Ansatz der Revolution machen aus diesem Umstand jedoch kein Ärgernis, sondern lediglich einen anderen Umgang mit der Thematik. Allerdings blitzt in der hier gelebten Art der Revolution und Selbstfindung der Maschinen bereits in dieser Phase jener Schwachpunkt auf, der einiges am Potential der Serie vermissen lässt: mit dem Hauptaspekt einer humanistischen Erzählung, die das Wesen des Menschen aus einem arg bitteren Blickwinkel ergründen möchte, unterlassen es die Autoren der Geschichte den Robotern eine eigene Mentalität zu kreieren. Letztendlich sind sie wie Menschen, reagieren nicht wie Maschinen, so dass z.B. ein Roboter, der ein Kind sein soll, ein Kind bleibt, entwickeln keine eigene Kultur, kein eigenes, ihrem Organismus entsprechendes, Weltbild. Auch ihre Denkstrukturen, gerade bezüglich der unterschiedlichen Parteien, die sich im Umgang mit der Revolution bilden, sind rein menschlich orientiert.

Roboter werden zwar zu cleveren Taktikern, handeln aber stets aus menschlichen Gefühlsregungen heraus, obwohl sie in Staffel 1 noch erfuhren, dass auch Gefühle Programme sind und ehemalige Angehörige angedichtete Geschichten. Und da jede Serie ihre festen Figuren benötigt, wirkt der Aufstand der Maschinen zudem noch milder als nötig, indem die Schreiber der Serie nie den Mut besitzen Konsequenzen zu ziehen. Jeder kann jederzeit überleben, Roboter können trotz Vernichtung des Backups wieder geschaffen werden (alles logisch erklärt, keine Sorge, aber eben stets einen sicheren Hinterausgang im zu gewollt kritischen Treiben im Auge behaltend), verletzte Hauptfiguren werden aus hanebüchenen Gründen verschont, nur selten entsteht in Staffel 2 eine nicht rückgängig zu machende Situation mit extremen Ausgang. Da braucht es auch nicht verwundern, dass auch die philosophischen Aspekte immer verstärkter zum bedeutungsschwangeren Leergeschwätz verkommen, oftmals eher den Kitsch einer Seifenoper aufgreifend, anstatt tatsächlich intellektuelle Diskussionsansätze zu verfolgen. Letztendlich lebt Staffel 2 nur noch von den Rätseln, die sie in absichtlich umständlicher Erzählweise zu erhalten weiß, aber das ist zumindest ein Motor, der selbst den enttäuschten Zuschauer motiviert dran zu bleiben. Der Blick auf eine weitere Unterhaltungswelt neben jener des Wilden Westens erweist sich gegen alle Erwartungen leider als Tiefpunkt der Serie und erstreckt sich über quälende zwei Folgen; als sich das Desaster in einer Indianer-vertiefenden Folge zu wiederholen droht, beweist sich die Serie im humanistischen Romantikgewandt plötzlich emotional überzeugend. Dennoch: anstatt wahrhaftig kritische Denkmodelle anzugehen, schwimmt die zweite Staffel im Mainstream der Weltansicht, verfolgt einfachste Massenmeinung zum Thema Mensch, geht dies aber zumindest gewitzt erzählt und intelligent verschachtelt an.

Was man der Serie lassen muss, gerade in Staffel 2, ist ihre Deutungsvielfalt im analytischen Bereich. Der Kampf Maschine gegen Mensch kann nicht nur auf die klassische Unterschicht- und Oberschicht-Komponente übertragen werden, sondern z.B. auch auf den Sektor der Emanzipation. Ohnehin ist "Westworld" mit seinen häufig unauffällig vertauschten klassischen Geschlechterrollen ein wunderbares Beispiel für echt gelebte Emanzipation in der Film- und Serienwelt. Allein in für Amerika überraschenden, nicht weg geblendeten Nacktszenen, fiel ein Teilaspekt dessen bereits in der ersten Staffel auf. Die zweite geht trotz anderweitigen Schrittes voraus jedoch gerade mit Blick auf nicht ignorierte Geschlechtsteile wieder einen Schritt zurück. Die Darsteller agieren ohnehin alle weit seltener nackt, als es noch in der Vorgängerstaffel zu beobachten war. Das ist an sich ein nicht bedeutend scheinender Faktor. Betrachtet man aber den Rückgang an intellektueller und sachbezogener Argumentationen und Schwerpunkte der zweiten Staffel, eher zweifelhafte Ethik propagierend anstatt einen wissenschaftlichen Blick auf das Geschehen zu werfen, so darf man sich doch fragen, ob wer das Ruder übernommen hat, welcher der Serie einen anderen, weniger systemkritischen Anstrich verleihen wollte. In Amerika passiert es oft, dass nach erfolgreichem Start wer anders das Serienkonzept verändert, um bestimmte Dinge damit zu erreichen (siehe "Parker Lewis", "King of Queens" oder "The Big Bang Theory"). "Westworld" ist in seiner zweiten Staffel zumindest noch intelligent und wendungsreich genug erzählt, um einen selbst im enttäuschten Zustand noch als Zuschauer zu gewinnen und ernst zu nehmen. Das ständige Anwenden von Ausreden im pseudo-intellektuellen Sinne, zur Umgehung wahrer Konsequenzen (ein Faktor der eigentlich zwingend zum echten Leben dazu gehört), lässt das Geschehen aber längst nicht mehr so spannungsgeladen und emotional packend verfolgen, wie zuvor, eben da mit den lieb gewonnenen Figuren alles (wieder) möglich ist und Erlebtes nichts Endgültiges sein muss. Dieses Makel ist in sofern bedeutend, als dass es vielen getroffenen gesellschaftskritischen Aussagen der Serie widerspricht. Aber derartige Widersprüche weisen Moralisten oft auf, und Denken wurde in Staffel 2 endgültig und unübersehbar gegen Moral eingetauscht. Das ist schade um die guten Ideen der Serie, gerade mit Blick auf das Geheimprojekt der Firma Delos.  OFDb

13.10.2019

WESTWORLD - STAFFEL 1 (2016)

Wer ohne den Vergleich an das großartige Original "Westworld" an die Serie herangeht, bzw. andere Erwartungen an sie knüpft, der kann durchaus gut unterhalten werden mit einem Produkt, welches völlig andere Wege beschreitet als der 70er Jahre Science Fiction von Michael Crichton und die Erlebnisse von dort nur subtil streift. Das Ergebnis kommt ähnlich intelligent daher, mit dem Unterschied dass man seinerzeit intellektuelle Themen kaum benannt den Zuschauer entdecken ließ, wohingegen man heutzutage in endlosen Gesprächen über den gesellschaftskritischen und psychologischen Aspekt schwadronieren muss. Da schweift man auch gerne mal eine Spur zu extrem ab und rutscht in den pseudo-intellektuellen Bereich ab, für ein Produkt seiner Zeit macht "Westworld" seine Arbeit aber überraschend gut, auch wenn er nicht an die Klasse des Originals oder den themenähnlichen "Ex-Machina" heran reicht. Begrüßenswert ist der neue Aspekt, der mehr in die philosophische Richtung des TV-Filmes "Welt am Draht" und den Filmen, die er beeinflusste, schlägt. Andererseits bedarf alles in der Neuversion einer Erklärung, für Mysterien, wie der in "Westworld" thematisierten Roboterkrankheit (deren Mythos mit nur einem Nebensatz angezweifelt wird), scheint in der heutigen Welt kein Platz mehr zu sein, wenn man ein intelligentes Produkt auf den Markt werfen möchte.

Der Zuschauer muss Geduld mitbringen. Lange Zeit scheint sich in "Westworld" nichts zu tun, man muss Freude an den Nichtigkeiten, den Anspielungen und an der Vielschichtigkeit von Personen, Situationen und gesellschaftlichen Themen haben, um das schleichende Geschehen genießen zu können. Das Warten lohnt sich, zumal in der recht stillen Anfangsphase bereits gut agierende Darsteller, der nötige intellektuelle Kick und der Mut zur Andersartigkeit im Vergleich zum Original positiv auffallen. Hat man die erste Staffel beendet, sind allerhand Rätsel gelöst, die einen faszinierten, eröffnen sich Blickwinkel, die zuvor trügerisch eine andere Wahrheit offenbarten und überraschen Persönlichkeiten mit ihren wahren Ichs, die man anders eingeschätzt und zugeordnet hätte. Sicherlich baut "Westworld" bewusst aufs Hinhalten, lässt sein Publikum hauptsächlich aufgrund seiner Neugierde zappeln, aber das Rezept funktioniert. Und erstaunlicher Weise bleibt das Produkt auch in seinen erlebnisreicheren Phasen im ruhigen und besonnenen Stil erzählt, so wie der fast still stehende Beginn der Staffel. Wen es nach Action lechzt, der hat hier nichts verloren. "Westworld" setzt auf seine Figuren und auf seine Geschichte, erzählt etwas Bedeutendes und setzt den Schlusspunkt zur zweiten Staffel an einer faszinierenden Stelle. Würde mich nicht immer wieder ein Hauch zu gewollter Tiefsinnigkeit in mancher zu extremen Geschwätzigkeit anwehen, könnte ich glatt von einer hervorhebenswerten Serie sprechen. So aber ist sie, sowohl im positiven, wie im negativen Sinne, ein Produkt seiner Zeit, vielschichtig erzählt und durchdacht, aber auch zu bedeutungsschwanger aufgeblasen und zu wenig das Publikum allein entdecken lassend.  OFDb

26.03.2019

DER LETZTE ZUG VON GUN HILL (1959)

In diesem Westernmix aus Drama und Thriller geht es um Ehre und um eine ausweglose Situation, die, egal welches Ende auch anvisiert wird, kein Happy End nehmen wird. "Der letzte Zug von Gun Hill" ist ein großer Stoff ohne falsches Getue, sprich fern von unangenehmen Klischees um Indianer, harten Kerlen und verdrehtem Rechteempfinden. Er ist nachvollziehbar erzählt, setzt einen Idealisten ins Zentrum seiner Geschehnisse, der nicht anders kann, nicht nur aufgrund des Verlustes seiner eigenen Frau wegen, stellt diesem jedoch einen Mann gegenüber, der ebenfalls nicht anders kann, wissentlich dass seine Erziehung versagt hat, was noch lange kein Grund ist seinem einzigen Sohn den Rücken zu kehren. Dank eines guten Drehbuchs bleibt auch der Gegner Belden ein Ehrenmann, der seine Macht in der Stadt lediglich zum Schutz seines Sohnes nutzt, sicherlich nicht erstmals diesen Luxus für sich spielen lässt, so unterwürfig solidarisch, wie sich die Bewohner ihm gegenüber verhalten, aber auch nicht den totalitären Führer auslebend, so wie ähnlich gelagerte Figuren oft im Genre des Wild West-Filmes charakterisiert werden.

Die Ironie des Ganzen ist der Kampf um einen verzogenen Sohn ohne Ehre und Reue, sich feige hinter Papas Macht versteckend, in der von ihm gewohnten Sicherheit lebend dass der Vater ihm wohl heraus helfen wird. Er unterschätzt Morgan, handelt stets rückgratlos, hilflose Situationen stets zu seinem Vorteil nutzend, so wie es auch die alles auslösende Tat widergespiegelt hat. Dank einer ermordeten Ehefrau indianischer Herkunft kann das Drehbuch ganz nebenbei mit dem in Amerika stets gelebten Problems des Rassismus abrechnen, ohne es zum Hauptaugenmerk der Geschichte zu machen. Somit kann sich der eigentliche Plot voll und ganz auf den Nervenkitzel der ausweglosen Situation konzentrieren, weder geschwätzig, noch zu wortkarg ausgefallen, und zudem bereichert mit einer interessant ins Geschehen eingearbeiteten, charakterlich emanzipierten Frauenrolle, die als Nebenrolle eine wichtige Funktion der Geschichte einnimmt, ohne dem zentralen Männerduell dabei die Suppe zu verwässern.

Die gehaltvolle Geschichte wird von Regisseur John Sturges stimmig umgesetzt, spannungsgeladen erzählt, fußend auf einem dramatischen Hintergrund und den Zuschauer am Dilemma beider Seiten teilhaben lassend, eben weil man beide Seiten emotional nachvollziehen kann. Letztendlich strahlt das fertige Werk eben jene Ehre aus, von der auch ihre Figuren leben. Und diese werden ebenso wie die Randbesetzung hervorragend geschauspielert, in den Hauptrollen prominent besetzt mit Kirk Douglas und Anthony Quinn. "Der letzte Zug aus Gun Hill" (Alternativtitel) endet für alle drei wichtigen Figuren tragisch, so wie es vorherzusehen war. Und eben weil dies von Anfang an klar ist, schaut sich die Geschichte so intensiv. Man ist geradezu gebannt wohin die ausweglose Situation genau führt, woraus der ohnehin gelungene Film eine weitere Stärke zieht. Da ich Western wie diesen ohnehin dem blutigen Italo-Western vorziehe, war "One Angry Day" (Alternativtitel) genau der richtige Film für mich, in seinem Mix aus Emotion und rationalem Erzählen. Und ich kann dieses Werk wahrlich nur jedem interessierten Cineasten weiter empfehlen.  OFDb

19.08.2018

LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG (1968)

"Leichen pflastern seinen Weg" ist mehr als eine simple Rachegeschichte, wie es sie im Genre des Westerns zuhauf gibt. Corbuccis Werk ist ein politisches Statement früherer Missstände im Westen Amerikas, zu einer Zeit spielend als Gesetz und Unrecht verdreht schienen, Kopfgeldjäger im Namen des Gesetzes Massaker anrichteten und dabei oftmals schlimmer vorgingen als die gesuchten Menschen. Mögen Letztgenannte im hier besprochenen Film auch etwas zu sehr die Opferrolle zugespielt bekommen (immerhin ist immer wieder von unschuldig verurteilten Menschen die Rede), so wird doch trotz dieser extremen Gut- Bösetrennung die Thematik treffsicher eingefangen, u.a. auch weil verzweifelte Situationen zu verzweifelten Taten führen, und der Kampf um Gerechtigkeit nur auf ungerechtem Wege zu erkämpfen zu sein scheint. Frei von Sünde ist in dieser Geschichte niemand, dementsprechend kommt das recht blutig ausgefallene Werk ohne nervige Moral daher, auch wenn es Stellung zur zentralen Thematik bezieht. Diese Haltung weiß inmitten einer hervorragenden Inszenierung zu gefallen.

Freilich ist Klaus Kinski in der Rolle des entscheidenden Bösewichts eine vortreffliche Wahl und ist somit einer der Pluspunkte von "Il grande silenzio" (Alternativtitel). Aber er stemmt den Film nicht hauptsächlich allein, wie so manches Mal in seiner Karriere. Tatsächlich wurde er diesmal für eine anspruchsvoll angegangene Produktion engagiert, welche uns Ennio Morricone für die Musik zu bieten weiß und einen Kameramann der die Poesie der Gewalt in edle Bilder zu kleiden weiß. Hilfreich steht ihm die schneeweiße Kulisse zur Verfügung, durch die sich der Western allein schon optisch von anderen Genrebeiträgen unterscheidet. Das Fallen der Schneeflocken passt zu manch sinnlichem Moment des Stoffes, auch zur immer wieder aufblitzenden Romantik des Morbiden, während der gnadenlos hoch gewachsene Schnee wie ein Sadist wirkt, der hoch unangenehme Situationen noch unangenehmer macht. Pferde kommen kaum noch durch, Menschen frieren, man bekommt als Zuschauer das Gefühl die Kälte würde gegen das eigene Gesicht peitschen, so sehr wissen die authentischen Schneeaufnahmen zu wirken.

Sergio Corbucci, der sich zwei Jahre zuvor mit dem legendären "Django" einen Namen gemacht hat und später eher zweitklassige Beiträge der Bud Spencer und Terence Hill-Welle ablieferte ("Zwei sind nicht zu bremsen", "Zwei Asse trumpfen auf", "Der Supercop"), liefert hier alles andere als austauschbare Routine ab. Recht trocken inszeniert schaukelt sich die geladene Atmosphäre immer weiter hoch, mit einem diabolisch grinsenden Bösewicht mitten im Geschehen, einem handzahmen Charmeur von Sheriff und einem stillen Helden, dem man seine harten, wie sanften Momente gleichermaßen mimisch abkauft, so sehr wie hinter dem schmuddeligen Drei-Tage-Bart ein zartes Gesicht steckt. 

Zunächst wie eine klassische, zwielichtige Heldengeschichte aufgebaut, entpuppt sich "The Big Silence" (Alternativtitel) als weitaus düsterer als es zunächst scheint. Spätestens der Schluss wird in seiner Konsequenz überraschen und spielt gekonnt mit den Klischees, die der Zuschauer herangezüchtet erwartet. Mag die Mentalität auch manches Mal schlicht erscheinen, gerade im Originalton wenn auf italienisch heftig ungebildet geflucht wird und ständig Blut mit Blut vergolten werden soll, so schlicht wie es manchmal scheint ist "Leichen pflastern seinen Weg" dann doch nicht ausgefallen. Und es ist sicher Auslegungssache ob der erste Eindruck eine beabsichtigte Täuschung ist, oder der beeindruckende Stil des Films letztendlich derartige Schwachstellen wieder verzeihbar, ja geradezu leicht vergessen, macht. Denn am Ende bleibt zu sagen: "The Great Silence" (Alternativtitel) ist wahrlich ein sehenswertes Werk.  OFDb

27.11.2017

WAGONS EAST (1994)

Die Idee der Geschichte weiß zu gefallen, und dass Candy den chaotischen Organisator mimen kann, wusste man theoretisch schon lange vor „Cool Runnings“. Dessen Umgang mit seinen Figuren und die Pointensetzung waren aber auch besser zu nennen. „Wagons East“ besitzt seine Sympathien, stets wollte ich ihn mehr mögen, eben weil so vieles theoretisch funktionieren müsste und einiges andere dies auch tatsächlich tut. Am Ende war ich aber doch eher enttäuscht als beglückt, zu flickenhaft wirken mir die aneinander gereihten Szenen, zu wenig Substanz besaß die Story, zu wenig Tiefe die Figuren.

Ob manches so wurde, wie es wurde, weil John Candy noch während der Dreharbeiten verstarb (oder zumindest sehr kurz darauf), weiß ich nicht. Vielleicht mussten Füllszenen her, das würde einiges erklären. Schaut man sich die Art der Pointensetzung jedoch an, muss dies nicht unbedingt der Fall gewesen sein, hangelt man sich teilweise doch auch absichtlich von Nonsens zu Nonsens für den schnellen flachen Gag, z.B. dann wenn ursympathisch lediglich für ein paar Lacher urplötzlich der Winter über die Gruppe Aussiedler einbricht, nur um nach Vollendung der Witzchen, wieder bei normalen Wetterbedingungen, fern jeden Schnees und Eis, unterwegs zu sein.

Das würde alles mehr gefallen als es dies tatsächlich im Ansatz tut, wenn entweder die Gags zeitlich besser pointiert wären, oder zumindest die durchaus Potential besitzenden Figuren funktionieren würden. „Wagons East“ badet in einer sympathischen Comic-Welt, die sich mal auf „Police Academy“-Art, dann wieder im „Road Runner“-Flair, ungehemmt austobt. Zündende Flachwitze (allein zu Beginn beim Benennen der Einwohnerzahl, oder bei Candys erstem Fopa, wenn er die Gruppe Richtung Westen führt anstatt Richtung Osten) gibt es zu genüge, andere, wie der Running Gag eine große Bande unangenehmer Hinterwäldler nach und nach durch diverse Unglücke sterben zu lassen, sind mäßig bis schlecht inszeniert. Man weiß was gemeint ist, es wäre anders umgesetzt auch tatsächlich witzig, aber es zündet nicht in der Form wie angegangen.

Der verspielte Umgang mit den Klischees des Wilden Westens, die Leichtigkeit im Umgang mit seinen Figuren, die comicartige Regelsetzung fern tatsächlicher Realitäten und auch manch köstlicher Dialog, wie jener gegen Ende, ob man dem Trekführer tatsächlich stets vertraut hätte, das alles weiß zu gefallen. Aber ohne Bezug zu den Figuren und ohne eine Möglichkeit des Mitempfindens, schaut sich alles eine Spur zu steril und distanziert. Man taucht nicht genügend ein, zumal dem Trek zustoßen kann was will, billigste Drehbuchausreden reißen alles wieder raus. Wissen diese anfangs aufgrund ihrer augenzwinkernden Dreistigkeit noch zu funktionieren, öden sie zum Ende hin immer mehr an, innerhalb eines zu hochgeschaukelten Szenarios.

Ab da wo sich die Artillerie mit ins Geschehen einmischt, wird der Plot nur noch unangenehm und viele gut gemeinte Gags stinken aufgrund fehlerhafter Inszenierung ab. Allein die Idee, dass sich Candy mit seinem Erzfeind so lange prügelt, bis aus einem jubelnden Publikum ein angeödetes wird, hätte in den Händen anderer Regisseure zu einer zum Lachen anregenden Szene geführt. Peter Markle schafft es selbige völlig uninspiriert umzusetzen, dass man als Zuschauer gelangweilt mit den Achseln zuckt. Mit ernsteren Stoffen wie „Bodycheck“ erzielte er im Laufe seiner Karriere bessere Ergebnisse, wahrscheinlich war das Genre der Komödie einfach nicht sein Fall. „Wagons East“ ist zumindest durchschnittlich ausgefallen und somit nicht wirklich schlecht zu nennen, es ist nur insofern schade, als dass der Stoff und die enthaltenden, zahlreichen Witzchen und Figuren Potential zu mehr besaßen. Einige Ideen gefallen mir teilweise richtig gut.  OFDb

23.04.2017

ZWEI DURCH DICK UND DÜNN (1974)

Ich hatte meinen Spaß mit dem eher tolpatschig umgesetzten, aber äußerst charmanten Versuch mit „Karate Jack“ die Genres Eastern und Western zu vereinen. Dementsprechend war ich erfreut zu lesen, dass es eine Fortsetzung gibt. Leider hatten die Produzenten mit „Zwei durch dick und dünn“ andere Pläne als mit dem Original, denn der deutsche Titel sollte sich nicht nur wie ein Bud Spencer/Terence Hill-Film anhören, man versuchte mit diesem Projekt tatsächlich an den Erfolgen des schlagfreudigen Duos anzuknüpfen, welches zu Beginn seiner Erfolgswelle in Spaß-Western unterwegs war. „Karate Jack“ war mit seinem anderen Genre-Mix als Alternative zur Western-Komödie gedacht und gewann lediglich durch die deutsche Synchronisation ein wenig an Humor. Eine leichte Verwandschaft zu den Spencer/Hill-Filmen war aber tatsächlich dort bereits erkennbar.

Das Einstreuen so ziemlich jeden Eastern-Klischees ließ den Vorgänger jedoch trotzdem anders wirken. Seine unbeholfene Art, das scheinbare Fehlen einer zu erzählenden Geschichte und die Besetzung des so gar nicht wirksamen Chen Lee machten aus dem Film etwas Besonderes. Er war zu charmant um ihn wirklich als missglückt zu bezeichnen und zu wackelig angegangen um ihn wirklich ernst nehmen zu können.

Die unter Regisseur Bitto Albertini entstandene Fortsetzung ist hingegen ein Formelprodukt, eine von Produzenten durchdachte Marketing-Idee zu einer Zeit, in welcher es noch nicht bewiesen war, dass man das Konzept der Spencer/Hill-Komödien nicht einfach mit ähnlichen Hauptfiguren kopieren kann. Auch Werke wie „Vier Fäuste schlagen wieder zu“ und „Vier Fäuste und ein heißer Ofen“ versuchten sich an einer solchen Kopie, dies sogar noch direkter angeknüpft als der hier besprochene Streifen, nach diesen missglückten Gehversuchen war man jedoch schlauer und ließ es bleiben die beiden beliebten Haudegen ersetzen zu wollen.

Anbei wurde Shanghai Joe für die Fortsetzung ebenfalls ausgetauscht. Statt Chen Lee agiert nun Chen Lie, klingt gleich, liest sich anders - aber vor allen Dingen schaut er sich auch anders, denn nun ist Shanghai Joe professioneller besetzt, was den Reiz dieser Figur im Wilden Westen mindert. Mit ernsterer Mine als sein Vorgänger agierend, obwohl die Fortsetzung im Gegensatz zu Teil 1 eine Komödie sein soll, besitzt er nicht mehr den Charme des Original Shanghai Joes, auch wenn die Neubesetzung definitiv besser kämpfen kann.

Leider ertönt aber auch mit jedem Kampf des Helden ein eigens für ihn komponiertes Shanghai Joe-Lied, deutlich orientiert an den Soundtracks der Spencer/Hill-Filme, aber eben leider so gar nicht passen wollend in einen schundigen Karatefilm, der im Wilden Westen spielt. Nicht nur dass die Fortsetzung dadurch um den flotten Soundtrack des Originals beraubt wurde (welches Caiano damals einfach von einem seiner früheren Filme übernahm), die Erkenntnis, dass eine musikalische Untermalung während der Kampfszenen diesen die Atmosphäre raubt, ging ebenfalls verloren.

So schaut sich „Return of Shanghai Joe“ (Alternativtitel) arg bemüht und leider auch anstrengend für den Zuschauer, der weder einen kurzweiligen Spencer/Hill-Klon vorgesetzt bekommt, noch solch unbeholfenen Spaß wie „Karate Jack“. Es wird diesmal eine echte Geschichte erzählt, die andererseits wiederum ziemlich uninspiriert ausgefallen ist. Und als Pluspunkt hat man Klaus Kinski diesmal für eine größere Rolle gewinnen können. Aber was nutzt dies, wenn das Endprodukt in seiner zu konstruierten Art lediglich langweilt, eben weil sie die Leichtfertigkeit eines funktionierenden Trivialproduktes vermissen lässt? Wer auch immer auf die Idee kam der Reihe ein neues Etikett aufkleben zu müssen, er wurde mit dieser Schnapsidee zumindest nicht belohnt, denn eine weitere Geschichte um Shanghai Joe ist nicht mehr entstanden. Zu wissen, dass dieses Produzentendenken nicht gefruchtet hat, beschert mir zumindest eine innere Zufriedenheit und somit eine Art Trostpreis nach dem Sichten eines missglückten Filmes.  OFDb

17.04.2017

KARATE JACK - ICH BIN EUER HENKER (1972)

Die gewagt klingende Idee eines Mixes aus den Genres Western und Eastern, umgesetzt in Italien, klang zwar reizvoll, aber dass „Karate Jack - Ich bin euer Henker“ tatsächlich unterhaltsam ausfällt, hätte ich nicht gedacht. Dementsprechend positiv überrascht wurde ich von einem Film, den man aufgrund seiner Schlichtheit und Banalität nie wirklich weiter empfehlen würde, der andererseits aber auch genau weiß was er eigentlich will und was er ist.

Die Geschichte geht eher episodenhaft vonstatten, ist Karate Jack doch unbesiegbar mit seinen ominösen Kampftechniken, die jegliches physikalische Gesetz außer Kraft setzen, und dementsprechend humoristisch guckt sich das gar nicht als Komödie ausgelegte Werk. Von unfreiwilliger Komik zu sprechen, würde die Verantwortlichen des Streifens dümmer aussehen lassen als sie es waren, ist der ironische Umgang im Spiel mit den Klischees beider Genres doch nicht zu übersehen, so dass der nach Außen ernste Plot recht augenzwinkernd erzählt ist.

Die Figur des Karate Jack ist klassisch demütig dargestellt. Er kämpft nur wenn es sein muss. Gutes wird mit Gutem vergolten, Schlechtes mit Schlechtem, und in seinem Reisesack trägt der Held allerhand Heilmittelchen, Teekräuter und anderweitige Mysterien Asiens mit sich herum. So freiwillig übertrieben, und damit unsinnig, wie „Der Mann mit der Kugelpeitsche“ (Alternativtitel) erzählt ist, in der ungekürzten Fassung schaut er sich zumindest ein wenig sinnvoller als in der damaligen deutschen Version, welche sowohl den Rückblick auf Jacks Ausbildung ausblendete, als auch den darauf aufbauenden Dialog im Endkampf gegen wen Ebenbürtiges.

Doch so weise und demütig Jack auch auftritt, immer wieder erfährt sein Tun aufgrund der Extreme der Inszenierung Widersprüche. Da reißt der gute Mann seinem Gegner völlig unnötig Augäpfel heraus, oder schickt seinem Erzgegner den abgeschnittenen Schopf eines Auftragskillers als Botschaft. Da man „Knochenbrecher im Wilden Westen“ (Alternativtitel) nicht als ernste Angelegenheit guckt, ist das aber nicht nur egal, es steigert den pulpigen Charme eines ungewöhnlichen und sympathischen Filmes.

Wer aufgrund der Werbeplakate und Mediencovers in Deutschland und im Ausland glaubt Klaus Kinski hätte tatsächlich eine größere Rolle ergattert, den muss ich enttäuschen. Klaus, ebenfalls mit dem Namen Jack beschenkt, kommt nach etwa einer Stunde für einen Auftritt weit unter zehn Minuten in „Karate Jack - Ich bin euer Richter“ (Alternativtitel) vor, und dieser gehört auch nicht gerade zu seinen großen Leistungen. Andererseits habe ich Kinski selten freiwillig so augenzwinkernd agieren sehen wie hier geschehen. Fast schon neigt seine Darbietung zur Albernheit.

Zum Ende hin wird Karate Jack als eine Art Lucky Luke dargestellt, der weiter reiten muss, um dort tätig zu werden, wo Menschen Hilfe benötigen. Dafür lässt er sogar seine große Liebe sitzen, ein weiterer Beweis dafür wie ethisch wundervoll der angeblich hochgradig ehrbare Mann agiert. Dass seine Aufgabe eigentlich gar nicht erfüllt ist, Menschen also weiterhin versklavt werden und weiterhin ein Kopfgeld auf Karate Jacks Kopf ausgesetzt ist, interessierte die Verantwortlichen von „Mein Name ist Karate Jack“ (Alternativtitel) nicht, die haben einen derart episodenhaften Flickenteppich abgeliefert, dass es ihnen egal ist, dass der Hauptgegner überhaupt nicht besiegt wurde.

Letztendlich ist es egal, eben weil „Shanghai Joe“ (Alternativtitel) nur als spaßiger Nonsens funktioniert, auch wenn man ihm in der Ausnahme manch gut inszenierte Szene zugestehen kann, in welcher dann auch die Kameraperspektiven etwas einfallsreicher ausfallen als im Restfilm. Es hat zwar tatsächlich mit „Zwei durch dick und dünn“ eine Fortsetzung gegeben, ob es darin aber tatsächlich noch um den Erzgegner aus Teil 1 geht, kann man wohl anzweifeln, ist aber auch egal, denn nach dem überraschend positiven Ergebnis des hier besprochenen Streifens bin ich so oder so neugierig auf Teil 2 und freue mich schon auf den Moment, wenn er sich in meinem Besitz befindet.  OFDb

07.05.2016

DIE BESTIE VON MONTE BRAVO (1956)

Zu hören dass es in den 50er Jahren den Versuch gab das Western-Genre mit jenem des Monsterfilms a la „Godzilla“ zu kreuzen, weckt in Freunden jenem Kinos automatisch Neugierde und wurde somit selbstverständlich schnell nach dessen Entdeckung von mir gesichtet, ohne dass mich erst der Aufdruck es handele sich angeblich um eine Jules Verne-Verfilmung überreden musste. Die Westerngrundlage, die den Löwenanteil des Streifens ausmacht, könnte klassischer kaum ausgefallen sein, schaut sie sich doch wie die grundlegende Blaupause des braven amerikanischen Westerns und kann in seiner naiv optimistischen und ignoranten Art eigentlich gar nicht langweilen.

Die deutsche Synchronisation unterstützt mit professionell gewählten Stimmen den angenehmen Zustand, so dass bereits vor dem Auftauchen der Kreatur einer simplen Unterhaltung nichts im Wege steht. Freilich erzählt „Die Bestie von Monte Bravo“ absolut nichts Neues, aber zuzusehen wie ein Amerikaner sich als Vorbild gemeint wie ein Elefant im Porzellanladen in Mexiko überall in den Vordergrund drängt, ist schon herrlich anzuschauen, zumal sich die Verantwortlichen des Filmes darüber überhaupt nicht bewusst sind.

Ebenso wenig sind sie es darüber, dass ihre sympathisch gemeinte weibliche Hauptrolle extremst egomanische Charakterzüge offenbart, was u.a. in der unsinnigsten Szene von allen mündet, in welcher sie den Helden des Streifens willkürlich ohne Grund heimlich am Friedhof treffen will, nur um ihm zu offenbaren dass sie hofft er und ihr verfeindeter Verlobter mögen sich nicht mehr in die Haare kriegen. Wie der wohl reagiert hätte, wenn er von dem Treffen erfahren hätte.

Aber es ist eben diese Unbedarftheit, dieses simple wie naive Szenario, welches „Der Fluch vom Monte Bravo“ (Alternativtitel) die nötige Leichtigkeit beschert, mit welcher er sich schlussendlich auch so angenehm guckt. Bis zur titelgebenden Bestie muss man jedoch bis etwa 20 Minuten vor Schluss warten, zuvor wird ewig nur über den verfluchten hohlen Berg und das gefährliche Sumpfgebiet erzählt, was den erfahrenen Zuschauer des Monsterfilms schon im Vorfeld überlegen lässt an welchem der beiden Orte die Bestie wohl ihr Ende finden wird.

In diesen letzten 20 Minuten gibt es von nun an auch jede Menge Monsterszenen zu sichten, wobei sympathisch holprige Stop Motion-Momente sich abwechseln mit Monsterfüßen in Nahaufnahme, in welchen ein Schauspieler steckt. Da man sich bei dem Dinosaurier an noch lebende Echsen orientierte, darf die Kreatur ungewohnt mit der Zunge spielen, was ihm im Vergleich zu den zig ähnlichen Wesen der Konkurrenzprodukte einen kleinen Individualitätsbonus beschert, sieht das Vieh doch bereits ohne diese Eigenschaft drollig aus, mit dieser Spielerei erobert sie jedoch endgültig das Herz eines jeden nostalgischen Monster-Fans.

Wer also gerne Werke dieser Art schaut wird es sicherlich nicht bereuen, vorausgesetzt man erwartet keinen Meilenstein a la „Formicula“ oder „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“. „Valley of the Mists“ (Alternativtitel) ist lediglich ein günstig finanzierter Film, der ein familiäres Produkt von Regisseur Edward Nassour ist, trägt die finanzierende Firma doch dessen Namen und wird er und ein weiter Nassour doch pausenlos im Vorspann genannt. Wer also auch die etwas tolpatschigen Billigvarianten des klassischen 50er Jahre Monsterfilms mag, kann definitiv einen Blick riskieren. Jeden anderen wird der ungewöhnliche Genre-Mix ohnehin nicht hinter dem Ofen hervor locken.  OFDb

14.01.2016

LIMONADEN JOE (1964)

„Limonaden-Joe“ ist in seiner auf klassische Stummfilm-Komödie gedrehte Art ein fast schon penetrant schriller Film der Komik, der sich die beschleunigten Bilder, die zur Aussagekraftunterstützung eintönige Einfärbung des Schwarz-Weiß-Materials und die schlichte Gut-Böse-Kombination des klassischen Westerns zunutze macht, um mit voller Wucht das Genre der Lächerlichkeit Preis zu geben. Ob da eine bösartige oder freundschaftlich verbeugende Absicht hinter steckt lässt sich nicht erkennen, der Stoff selbst ist jedoch äußerst charmant umgesetzt bei so viel Treffsicherheit und herzerfrischender Übertreibung.

Allerdings schwankt der Klamauk immer zwischen dem sympathisch durchdachten und dem penetrant nervigen. Eine Pause gönnt Regisseur Lipský dem Zuschauer nie. Das erahnt man bereits bei der ersten Szene, die uns eine wüste Barschlägerei in solch flottem Tempo mit so arg vielen gesetzten Schnitten aufzeigt, dass man nur schwer wirklich über die vielen sympathischen humorvollen Ideen schmunzeln kann, so schnell wie diese abgearbeitet und durch das beschleunigte Bild dem Auge vorgesetzt werden.

Damit ist „Limonaden-Joe“ für mich ein zweiseitiges Schwert. Auf der einen Seite weiß er genau was er auf welche Art parodieren möchte, auf der anderen Seite wirkt er wiederum zu unsensibel umgesetzt. Wer die erste halbe Stunde übersteht, der gewöhnt sich so langsam an die anstrengende Sehgewohnheit. Und wenn mit der Zeit deutlich mehr Inhalt in die chaotische Chose bricht, lässt dies „Limonádový Joe aneb Konská opera“ (Originaltitel) auch wesentlich angenehmer gucken. Aber selbst dann bleibt mir persönlich diese Western-Komödie zu anstrengend. Ich kann da beim besten Willen nicht objektiver drüber berichten.

Interessant ist hingegen der Weg mit dem man den klassischen Western parodiert. Das Thema Alkoholverzicht zur völlig weltfremden Gut-Böse-Trennung zu nutzen, erfüllt den Nebeneffekt ebenso über die Werbung und der leichten Beeinflussung des einfachen Bürgers durch diese sich lustig zu machen. Wer streng sein will, der kann Limonaden-Joe und seinen Freunden vorwerfen keinen Deu besser zu sein als seine Gegner. Einzig die Moral unterscheidet sie, und Moral macht noch keinen guten Menschen. Das weiß jeder Freund gepflegter Krimiunterhaltung.

In „Limonaden Joe“ wird viel gesungen. Die Lieder wurden in der deutschen Fassung ebenfalls eingedeutscht, und dies ist so geglückt wie die Rest-Synchronisation, die so einige berühmte Sprecher vorzuweisen hat. Dass der Film nicht erst mit der Übersetzung zum lustigen Ergebnis umfunktioniert wurde, wie es so einigen Spencer/Hill-Werken angetan wurde, erkennt man am völlig überzogenen, albernen Spiel aller Mimen und der herrlich behämmerten Ideen wie man per Übertreibung Gut und Böse im Alltag erkennen kann. Der Bösewicht trinkt Säure und frisst sein Glas danach auf. Der Gute kleidet sich komplett in Weiß, verzichtet auf Alkohol und schießt so perfekt wie Lucky Luke.

Wie bereits erwähnt kann das alles durchaus unterhalten, sofern man vom Inszenierungsstil nicht so erschlagen wird wie ich. Aber da das bei mir nun einmal der Fall war, kann ich das fertige Werk trotz vieler treffsicherer humoristischer Elemente nicht wirklich empfehlen. Wen die Hektik der Erzählung nicht all zu sehr stört, die, wie ich zu erkennen weiß, durchaus bedacht gewählt wurde, der könnte jedoch einen wahren Glückstreffer der Western-Parodie für sich entdeckt haben. Ich würde es dem Film gönnen, wenn er seine Fan-Gemeinde besitzen würde.  OFDb

20.08.2015

MEUTEREI AM SCHLANGENFLUSS (1952)

Ich habe erst vor kurzem meine Leidenschaft für das Western-Genre festgestellt und merke bislang, dass mir die klassischen braven Western a la „Rio Bravo“ besser gefallen als die härteren Beiträge. Deswegen hatte ich eigentlich auch ein gutes Gefühl was „Meuterei am Schlangenfluss“ betrifft. Nun nach dem Sichten kann ich zwar von einem handwerklich gut gemachten Genre-Beitrag berichten, hübsch fotografiert, professionell geschauspielert und eine Geschichte erzählend, die von keinerlei reißerischem Element getrieben wird, letztendlich ist der Film jedoch alles andere als aufregend erzählt. Die Geschichte grast gemütlich wirkend relativ flott eine Station nach der nächsten ab. Jegliche Hindernisse sind schnell überwunden, brave Menschen treffen auf brave Menschen, die einander helfen, so dass der Spannungsbogen ebenso flach liegt wie der dramatische Aspekt. Erst kurz vor Schluss, wenn ein Verbündeter sein wahres Gesicht zeigt, wird es ein wenig interessanter, zerbricht doch eine Freundschaft und steht doch ein finaler Konflikt bevor, wie er sich für einen guten Western-Stoff gehört. Aber das gibt „Bend of the River“ (Originaltitel) so spät auch nicht mehr den nötigen Zunder um aus ihm mehr zu machen als ein gut inszeniertes Stück unaufgeregtes Western-Abenteuer. Ein peinlich synchronisierter Schwarzer und die Verteufelung der Indianer helfen nicht gerade dabei dem Werk von Anthony Mann mehr Sympathie entgegenzubringen. Glücklicher Weise sind diese Tiefpunkte jedoch zu nebensächlich in die Gesamtstory integriert, als dass sie mehr als lästige Randerscheinungen sein könnten. Geduldigere und sanftere Filmfreunde mögen dem Werk eines erfolgreichen Film-Teams (Stewart, Mann und Chase) eventuell mehr abgewinnen als ich, es würde mich freuen so liebevoll die Mühe hinter diesem Projekt wirkt. Aber für mich war das insgesamt zu lahm was mir hier geboten wurde - auch für einen Freund des sanfteren Westernfilms.  OFDb

04.07.2015

DOC WEST - NOBODY IST ZURÜCK (2009)

Es ist zwar schade dass der deutsche Verleih wieder einmal glaubt mit einem Nobody im Titel durch Täuschung ein breiteres Publikum erreichen zu müssen („Nobody ist der Größte“ war ebenfalls keine Fortsetzung von „Mein Name ist Nobody“), aber der Titel Doc West revidiert die Behauptung im selben Atemzug. Das ist ein merkwürdiges Vorgehen, aber was soll‘s. Eine nähere Verwandtschaft zur Hauptfigur hat der Streifen ohnehin nicht zu Nobody, sondern viel eher zu „Lucky Luke“, in welchem Terence Hill in die titelgebende Rolle geschlüpft ist, die sich sein Sohn zu Lebzeiten schon immer von Papa gespielt gewünscht hatte. Nach dessen frühen Tod erfüllte Terence Hill seinem Sohn diesen Wunsch.

Die tragischen Umstände zeigen bereits wie viel Emotion hinter einem solchen Vorhaben steckt. Terence Hill ist sanft geworden, wurde dies eigentlich schon beim 90er Jahre Comeback-Versuch „Die Troublemaker“, und den Kurs hält er noch immer bei. Klar, es ist schön ihn, wenn auch sichtlich gealtert, in Cowboy-Kluft wieder im Sattel sitzen zu sehen, aber diese arg brave Grundstimmung steht doch im extemen Gegsatz zu den frechen Frühwerken, die es schafften auf unverkrampftere Art eine komplette Familie zu unterhalten. Gibt man „Doc West - Nobody ist zurück“, der gleichzeitig mit der Fortsetzung „Doc West - Nobody schlägt zurück“ abgedreht wurde, eine Chance als das was er ist, gibt es trotzdem genug Gründe kritisch mit dem abgelieferten Stoff umzugehen.

Mit der tragischen Hintergrundgeschichte, die dazu führen wird dass aus West Doc West wird, und dem einsamen Reiter damit seine Mystik beraubt wird, kann ich in einem familienfreundlichen Film noch leben. Aber dass man sich atmosphärisch keine Mühe gegeben hat, verärgert richtig. Die Stadt wirkt frisch erbaut, die Leute auf der Straße sehen aus wie das was sie sind: Statisten, die Bärte der jungen Männer sind fein frisierte Modebärtchen und die Zähne strahlen so weiß wie es sie im Wilden Westen nie gegeben hätte.

Der Film strahlt ein steriles Kunstbild aus und verweigert dem Zuschauer damit die Möglichkeit so weit eintauchen zu können, um das Schauspiel für einen Moment zu ignorieren und für echt zu halten. Damit bleibt „Doc West“ ein zu theoretisches Stück Film, welches zudem inhaltlich altbekannte Storyfragmente vergleichbarer Filme uninspiriert abarbeitet. Neben den Themen Familienzwist, Sheriff mit fragwürdigem Hintergrund und verbrecherische Erweiterung von Weideland werden selbstverständlich auch Terence Hill-Klischees abgespuhlt, die sich zwar als augenzwinkernde Verbeugung verstehen und die in solch einem Film auch konsequenter Weise dabei sein müssen, aber selbst die werden nicht gerade toll eingebaut.

Wenn Hill den Tolpatsch beim Kartenmischen spielt, schaut sich das nicht so komisch wie einst. Und wenn er dann als Voll-Profi die Karten mit allerlei Tricks sehr geschickt mischt, schaut sich das nicht halb so flüssig und belustigend wie in den guten alten 70er Jahren. Zumindest Terence Hill selbst weiß gealtert zu wirken, strahlt noch immer den charmanten und attraktiven Blauäugigen aus, der ihm überhaupt erst seine Karriere ermöglichte, und mit der Schwarzenegger-Synchronstimme weiß er in seiner sanften Art zu wirken.

Letztendlich ist der Streifen jedoch viel zu politisch korrekt ausgefallen, etwas das ich bei einem italienischen Filmbeitrag nie in solch einer Extreme vermutet hätte. Da darf der Familienzwist schließlich ohne Waffen in einem Wettbewerb geklärt werden, und selbst Prügelszenen schauen sich nicht wie damals. Prügelorgien gibt es schon mal gar keine, und wenn West einem Typen mehrmals eine runterhaut, wird dies so sanft und mit größten gewissenhaftem Tathintergrund präsentiert, dass selbst strengste Katholiken nicht über die ausgelebte Gewalt meckern würden. Und warum muss West gerade heraus sagen und damit unnötig betonen, dass er die Waffe nur zur Verteidigung bei sich trägt?

Mit alten Terence Hill-Filmen hat das alles nichts mehr zu tun, zumindest nicht mit jenen die vor den 90er Jahren entstanden sind. Da kann der Deutschtitel noch so provozierend lügen und manipulieren. Sicher gibt es an „Doc West“ als reinen Kinderfilm nichts zu meckern. Man kann ihn in jungen Jahren gucken, sich kurzfristig unterhalten und ihn dann wieder vergessen. Aber mit Terence Hill im Sattel ist eine Enttäuschung quasi vorprogrammiert. Aus diesem Blickwinkel heraus betrachtet ist der Streifen sogar extremst enttäuschend. Andererseits ist dies auch ein sehr unfairer Blick auf einen Film der nur eines sein will: ein harmloser Spaß für Kinder.  OFDb

02.07.2015

VERFLUCHT, VERDAMMT UND HALLELUJA (1972)

Wenn es einer verstand das Konzept der Spencer/Hill-Filme, ob im Duo oder in Soloprojekten der Beiden, gekonnt zu variieren, damit die ewig gleiche Soße nicht zu langweilig wurde, dann war das Enzo Barboni, alias E.B.Clucher, der mit „Die rechte und die linke Hand des Teufels“ das Konzept nicht nur kreierte, sondern mit diesem auch gleich das beste Werk des Duos ablieferte. Ob außerhalb des Wilden Westens mit „Zwei außer Rand und Band“ oder im Spätwerk „Vier Fäuste gegen Rio“ (der letzte klassische und gute Film der beiden Haudegen), Clucher hatte einen Riecher für die kleinen Unterschiede, die einen weiteren Beitrag so schmackhaft machten, obwohl das Publikum prinzipiell eigentlich immer das selbe in Grün sehen wollte.

Der Clou an „Verflucht, verdammt und Hallejua“ ist der, dass Terence Hills Rolle außerhalb der Norm angesiedelt ist. Den Revolverhelden, wie wir ihn aus „Vier Fäuste für ein Halleluja“ und „Mein Name ist Nobody“ kennen, bekommen wir erst ganz zum Schluss präsentiert. Zuvor spielt er gegen diese Rolle an, indem er ein Greenhorn aus dem Norden mimt, so dass die englischen Titel „Man of the East“ und „A Man From the East“ inhaltlich näher am Streifens dran sind, als der berühmte deutsche Titel. Zwar gibt es noch die Alternative „Ein Gentleman im Wilden Westen“, aber kennen tut ein jeder den Streifen eigentlich als „Verflucht, verdammt und Halleluja“, und der ist so sympathisch wie der Film selbst, der sich für seine Geschichte angenehm viel Zeit lässt.

Der Bogen zu Hills Rolle wird erst über die drei Gauner gespannt, denen wir zuvor bei ihrer Zusammenkunft zusehen dürfen. Und tritt Terence Hill endlich ins Geschehen ein, sehen wir einen schnieke zurecht gemachten, zivilisierten Menschen, der Fahrrad fährt, Gedichte zitiert, Ameisen unter dem Mikroskop untersucht und sich täglich wäscht. Dementsprechend anders fällt auch die zu seinen Filmen zwingend dazugehörende Prügelszene aus, in welcher Hill wesentlich mehr einsteckt als austeilt, was er mit herrlich bescheuerten Quatschgesichtern auszubügeln weiß.

Wirklich albern wird „E poi lo chiamarono il magnifico“ (Originaltitel) aber eigentlich nur selten. Im trockenen und ruhigem Stil gehalten wissen Personen und Situationen immer wieder zu belustigen, aber laute Humormomente gibt man dem Publikum nur selten zu fressen. Damit hält der Streifen ein Niveau, von welchem sich andere Werke Hills eine Scheibe abschneiden könnten. Der Stil des Streifens ist zwar staubig wie seine Kulisse, allerdings hat die Geschichte immer interessante Aspekte zu bieten, so dass man dem Streifen nie gelangweilt folgt und der Mangel an Albernheiten dem Gesamtwerk gut tut.

Auf der anderen Seite haben sich hin und wieder Witzchen eingeschlichen, die geradezu kindlicher Natur sind, dementsprechend aus dem Standard heraus brechen, sich überraschender Weise aber trotzdem ins Restgeschehen integrieren lassen. So bricht einmal die Musik einer romantischen Szene ab, da der naive Mann aus dem Westen gerade nicht versteht welch amouröses Angebot seine Angebetete ihm gerade bei einem Treffen im Grünen gemacht hat. Kaum verstanden legt er sich ins Zeug, küsst sie, und die Musik darf weiter spielen. Noch gewagter kommt ein Witz im Finale daher, bei welchem eine größere Gruppe Statisten in den unbequemsten Posen spontan still stehen bleiben muss, da ein Schwerbewaffneter gerade Stop gerufen hat. Nur einer darf kurz aus seiner Pose herausbrechen, um im Saloon nach dem Rechten zu sehen. Ist diese Aufgabe erfüllt geht er an seinen Platz auf der Straße zurück und nimmt erneut die Pose ein, die er auch zuvor einnahm.

Solche Momente lockern den Film auf eine Weise auf, die der Stoff in seiner Art nicht nötig gehabt hätte, die man als Zuschauer herzhaft lachend aber trotzdem all zu gerne dankend annimmt. Somit ist „Verflucht, verdammt und Halleluja“ durch und durch ein Tipp für all jene, die nur die wahrlich großen Werke des Prügelduos und deren Soloprojekte sehen möchten. Auch wenn der Streifen nicht so dynamisch daher kommt wie „Mein Name ist Noboy“, auch er ist unbedingt einen Blick wert - und ein bis zwei Ohren übrigens auch, denn wie in dem im selben Jahr erschienenden ersten Nicht-Western von Spencer und Hill mit dem Titel „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“, so wird auch hier der Film von einem Lied der Gebrüder De Angelis untermalt, und deren Lied schmiegt sich sanft in die Ohren und weiß das Feeling des Streifens passend zu treffen.  OFDb

19.06.2015

MENSCHENJAGD IN SAN FRANCISCO (1952)

Der Regisseur Robert Parrish, der bis in die 70er Jahre tätig war, hat sich nie auf ein Genre festlegen lassen. So drehte er beispielsweise den sympathischen Science Fiction „Unfall im Weltraum“, die Peter Sellers-Komödie „Bobo ist der Größte“ und das Kriegs-Drama „Der Tag danach“. Vielleicht liegt es daran, dass sich „Menschenjagd in San Francisco“ trotz seiner klassischen Umsetzung nicht ganz wie der typische Western guckt. Ein Verbrecher hat politische Pläne mit San Francisco. Die Stadt steht im Zentrum und darf nicht in die falschen Hände geraten.

Ob sie zur Zeit in den richtigen liegt, steht auf einem anderen Blatt Papier. Trotz der eigentlich klassischen Trennung von Gut und Böse klingt aus der Sicht des Helden gelegentlich an, dass er die Lynchjustiz der Bürgerwehr nicht gutheißt und nicht glaubt dass alles mit rechten Dingen zugeht bei Urteilsverkündungen des Geschworenengerichts. Ob er seinerzeit deswegen ausgetreten ist wird nicht erwähnt. Und auch wenn Rick nicht auf den Pfaden des Vorsitzenden der Bürgerwehr wandert, so verfolgen sie doch gleiche Interessen, womit die Bürgerwehr dann doch wieder auf der Seite der Guten steht.

Hat diese Ungereimtheit mit einem Einmischen der Produzenten zu tun? Liegen hier Fehler in der von mir gesichteten deutschen Synchronfassung vor? Ich weiß es nicht. Vielleicht wollte man auch einfach nur, wie gelegentlich an anderer Stelle des Streifens, die unbeeinflussbare Eigenständigkeit des Helden betonen und lässt ihn deshalb über die Bürgerwehr augenzwinkernd (?) sticheln. Möglich wäre das durchaus, vertritt Rick doch einen Humor den ich nicht immer verstanden habe.

Das liegt aber auch daran, dass der Film in seiner Zeit geradezu feststeckt und längst überholt wirkt. Ein den Leuten zuzwinkernder Held wirkt heutzutage nur noch belustigend. Und der naive Ablauf der Geschichte haut heute keinen mehr vom Hocker. Dementsprechend ist einem Menschen von heute auch die Mentalität der Entstehungszeit des Filmes fremd, die trotz seiner Spielzeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts freilich bei einer solchen Studio-Produktion mit einfließt. Die Warner Brothers waren schon damals dick im Geschäft. Der Film ist ein kalkuliertes Produkt, was man z.B. an der lieblos eingebrachten Rolle von Ricks Kumpel bemerkt, der als lustiger Sidekick nach klassischem Rezept eingebaut wurde.

„The San Francisco Story“ (Originaltitel) schaut sich jedoch trotz und wegen seiner überholten Art recht sympathisch. Zwar ist manche Aufnahme zu dunkel geraten, das Finale etwas arg schlicht ausgefallen und die Läuterung einer jungen Frau ähnlich sprunghaft eingearbeitet wie die Love Story vor deren Hintergrund alles Wesentliche abläuft, aber das sind wackelige Angelegenheiten die ohnehin nur nebensächlich für den Film sind. Die klassische Gut gegen Böse-Geschichte, mit überholten Tricks der gegenseitigen Manipulation, das ist das Zentrum von „5 Kugeln in der Trommel“ (Alternativtitel), und dieser Part weiß auf naive Art durchaus zu unterhalten.

Dass das ganze vor dem Scheideweg einer heute sehr großen Stadt spielt und mit ungewöhnlichen Elementen für das präsentierte Genre bereichert wird, wie z.B. das Streifen der Thematik rund um Menschenhandel, die Anwesenheit von Asiaten in einem für diese Zeit sonst so typisch weißen Genre und der politische Hintergrund, der kein Geheimnis daraus macht dass nicht jeder auf ehrliche Art in den Senat kommt, gibt dem Film genügend Halt sich in dem schlichten Licht in dem er strahlt zu beweisen. Er tritt damit zwar nicht wirklich aus der Masse heraus, immerhin guckt sich „Menschenjagd in San Francisco" trotzdem typisch Old School, aber zumindest hält er den Zuschauer mit solchen Gimmicks über seine 75 Minuten Laufzeit bei Laune.  OFDb

15.06.2015

MIT DJANGO KAM DER TOD (1967)

Es gibt Dutzende von Verfilmungen des Stoffes um „Carmen“ und des Soldaten der sich in sie verliebt. Luigi Bazzoni schrieb eine Western-Variante des Stoffes und übernahm auch gleich die Regie. Immerhin konnte er Klaus Kinski für das Projekt ebenso gewinnen wie „Django“ Franco Nero, dessenwegen der Film in Deutschland plump als Django-Film betitelt wurde, ein Betrug an dem sich auch die deutsche Synchronfassung beteiligte und die Rolle von Nero in die der Westernikone umtaufte.

Sicherlich liegt es daran dass hier ein höchst klassischer Stoff verfilmt wurde, aber ich finde die seichte Art Djangos etwas zu übertrieben dargestellt. Nein was leidet er unter Carmen, die hier Conchita heißen darf, aber das Mitfühlen seiner Leidenschaft bleibt außen vor, dafür ist der Zuschauer nie nah genug dran an seinen Gefühlen, das lässt Bazzoni nicht zu. Ebenso wie „Rios Rache“ soll der italienische „L‘uomo, L‘orgoglio, la vendetta“ (Originaltitel) nur zweitrangig ein Western sein. In seiner zweiten Hälfte schaut er sich diesbezüglich auch eher wie einer als in der ersten, weswegen mir die zweite Hälfte eher mundet.

Vorausgesetzt man kennt den Stoff rund um „Carmen“ nicht, darf man miträtseln woran man bei Conchita ist. Jeden betrügt sie, angeblich für die gemeinsame Zukunft mit Django. Aber ist dem so? Dem nah am Wasser gebauten Django kommen Zweifel. Er kann es kaum fassen als er erfährt dass Conchita einen Ehemann hat und dieser auch noch Teil der Gangstertruppe wird, der auch Django angehört. Gespielt wird dieser vom immer genialen Klaus Kinski, und der macht seine Sache auch gut. Aber die Art wie er in die Geschichte rein- und wieder rausgeschrieben wird ist schon recht billig zu nennen. Und sein Auftauchen ist für den Verlauf der Geschichte fast schon unnötig zu nennen. Trotzdem wertet ein Kinski, so unnötig seine Rolle auch ausfällt, solch einen Film freilich auf.

Der wahre Star von „Der Mann, der Stolz, die Rache“ (Alternativtitel) ist jedoch Tina Aumont in der Rolle der Conchita, die nicht nur reizend aussieht, sondern ihren Part auch glaubwürdig zu verkörpern weiß. Sie besitzt ein Feuer welches dem Helden komplett fehlt, so blass wie der emotionale Kerl auf Freunde des Western-Genres wirkt. Vielleicht hätte der Soldat in der Western-Variante ein wenig gefestigter charakterisiert werden müssen. Ich für meinen Teil hätte mir dies zumindest gewünscht.

„Mit Django kam der Tod“ hüpft von einer Episode zur nächsten, gegen Ende von einem Plan zum nächsten. Und schließlich löst sich alles recht simpel auf, theoretisch angelegt als große Gefühlsoper, im Staub der Wüste jedoch schlicht umgesetzt wirkend ohne mitzureißen. Schade! Da besitzt man solch eine Besetzung und eine Vorlage für unzählige dramatische Verfilmungen, und ausgerechnet die Männer-Version lässt einen kalt, jene die besonders nah am Helden orientiert sein müsste. Abseits des Dramas ist der Film eigentlich sehr mühevoll umgesetzt, aber was nutzt das wenn der Kern nicht überzeugt, und das ist nun einmal das Gefühlsleben des Helden, das nicht anstecken möchte. Neugierigen Cineasten sei ein Blick trotz mittelmäßigem Ergebnis aber durchaus empfohlen.  OFDb

RIOS RACHE (1961)

„Rios Rache“ erzählt eine Interesse weckende Geschichte mit einem einsamen Helden im Zentrum, was grundsätzlich im Genre zu wirken weiß. Nur leider ist dieser Westernbeitrag mit Marlon Brando in der Hauptrolle einfach falsch besetzt, wirkt er doch so soft und zart wie Neros Rolle in der „Carmen“-Version „Mit Django kam der Tod“. Zwar wird sein Charakter über den Überfall hinaus zwielicht gezeichnet, am deutlichsten wohl in der Art wie er Frauen für schnellen Sex belügt, aber Brando wirkt einfach zu soft, und seine übertriebene Gentleman-Art steht ihm bei der Erfüllung seiner Rolle noch zusätzlich im Weg.

Das ist alles gut gemeint, vielleicht fehlte ihm auch einfach der rationale Blick auf seine Leistung in einem Film bei dem er selbst Regie führte, aber mit einem Wackelkandidaten in der Hauptrolle geht einfach viel vom Potential einer guten Geschichte verloren. Allerdings ist die Geschichte ohnehin nicht ganz so gut wie sie sich zunächst liest, zieht sie sich doch mit Unnötigkeiten und noch schlimmer mit Unglaubwürdigkeiten in die Länge, ohne dass das Verhalten vieler Personen für den Zuschauer nachvollziehbar wäre. Das betrifft nicht nur die neuen Kumpanen Rios, die in aller Geduld, obwohl rücksichtslos charakterisiert, auf ihren Krüppel von Freund Monate warten bevor sie eine Bank überfallen, bis es ihnen schließlich viel zu spät reicht und endlich passiert was längst hätte passieren müssen, bei so wenig Ehrfurcht die sie vor Rio hatten.

Noch viel schlimmer schaut sich die Geschichte jedoch bezogen auf die Love Story, die eigentlich viel Zunder parat gehalten hätte, entsteht doch eine Liebschaft zwischen Rio und der Tochter seines Feindes. Der innere Konflikt der mit Rios Rache einher geht wird relativ flach überflogen, aber immerhin durch eine miese Tat Longworths entschieden. Warum die Tochter Rio noch vor dem Wissen der Schwangerschaft hinterher heult, obwohl dieser sie auf übelste Art belogen und benutzt hat, wird auch nie ganz klar. Gravierend werden diese Fehler dadurch, dass Brando eigentlich keinen klassischen Westernstoff erzählen will, sondern in aller Ruhe eine Charakterstudie aufzeigen möchte. Ein lobenswerter Ansatz, der mit solch einem Drehbuch jedoch nicht umzusetzen ist. Und ohne die mystische Atmosphäre eines glaubwürdigen Einsamen, so wie wir ihn z.B. in „Spiel mir das Lied vom Tod“ kennen lernen durften, funktioniert das erst recht nicht.

Dass sich „Der Besessene“ (Alternativtitel) trotzdem noch halbwegs interessant auf seine Laufzeit von über 130 Minuten guckt, liegt an den tollen Landschadftsaufnahmen, dem großartigen Spiel von Karl Malden in der Rolle des Longworth und der an sich sympathischen Geschichte. Einzelne Momente sind teilweise großartig eingefangen. Andere wirken unnötig und halten den Verlauf der Geschichte zu sehr auf ohne dem Werk einen Vorteil zu bescheren. Die Gesamt-Story selbst wirkt zu sprunghaft, teilweise orientierungslos. In „Noch hänge ich nicht“ (Alternativtitel) passiert manches etwas zu spät und vieles viel zu spät. Aber letztendlich hätte der Film mit einem wenig überzeugenden Brando als Rio ohnehin nicht das Zeug gehabt großes Kino zu werden, auch ohne die inhaltlichen Fehler.  OFDb

29.05.2015

MEIN GROSSER FREUND SHANE (1953)

„Mein großer Freund Shane“ ist die Art klassischer Western, wie sie klassischer wohl nicht mehr ausfallen könnte. Arbeiter gegen Reiche, Saloon-Steitigkeiten inklusive Schlägerei inklusive durch ein Gelände nach unten krachender Erschossener, ein einsamer Held, ein gnadenloser Schütze, das Spiel der Mundharmonika und im Zentrum der Wunsch nach Harmonie, erzählt aus einer recht naiven aber liebenswerten Perspektive. Der Film besitzt alles was ein Western vor der Modernisierung durch die italienischen Vertreter der harten Welle brauchte.

Interessanter Weise wird Ryker, der Gegner der Helden, keineswegs urböse gezeichnet. Er ist bereit zu Gesprächen und Kompromissen, selbst seine Argumentation ist nicht von schlechten Eltern und bringt ungewohntes Licht ins Dunkel des Streits, denn letztendlich ist der Fall grenzwertig zu nennen wer sich nun auf dem Land aufhalten darf und wer nicht. Freilich nimmt der Zuschauer die Perspektive der Starretts ein, so wie Shane, und Rykers grobe Art bestärkt den Zuschauer in seiner Position. Aber ob die Farmer im Recht sind steht auf einem ganz anderen Blatt Papier, eines das nicht zum Drehbuch gehört, wird die Ausgewogenheit des Konflikts doch komplett ignoriert. Ryker ist der Böse! Fertig!

Das ist auch gar nicht schlimm, ist der Grundton des Streifens doch menschlicher Natur, und die geht nicht nach Logik sondern nach Sympathie. Und das betont Regisseur George Stevens in den Schwerpunkten der Erzählung sehr deutlich, allein schon durch die starke Positionierung des Starrett-Jungen, der auch nicht unbeteiligt am Finale ist, das manch einem vielleicht etwas zu schlicht ausgefallen sein mag, allein schon aufgrund des Wirbels der um den Revolverhelden Wilson gemacht wird.

Aber da ist „Shane“ (Originaltitel) einfach konsequent zu nennen, geht es doch nicht wirklich um die finale Konfrontation, wie es beispielsweise in „12 Uhr mittags“ der Fall war. „Mein großer Freund Shane“ zählt als Gesamtes. Die Feier ist ebenso wichtig wie es das Schluss-Szenario ist. Die Geschichte zählt als Ganzes, in all ihren Phasen, und das Finale zieht lediglich einen längst fälligen Schlussstrich, der kein Geheimnis aus seiner gesetzlichen Fragwürdigkeit macht. Sonst müsste Shane schließlich nicht in die Fremde weiterziehen. Er kann seinem Schicksal als einsamer Held nicht entkommen, und liefert damit die perfekte Vorlage für spätere Parodien in Form von „Lucky Luke“ oder Terence Hills Rolle in „Mein Name ist Nobody“.

Dank einer stimmig eingefangenen Atmosphäre, dem guten Herausarbeiten der Charaktere und einer Schauspielergemeinschaft, die ihr Handwerk überzeugend beherrscht, weiß „Mein großer Freund Shane“ in seiner naiven Art nicht nur trotzdem zu überzeugen, sondern genau aufgrund seines simplen Blicks auf die Dinge. Er ist ein Feel Good-Western, bei dem es nicht interessiert, dass Shane eigentlich einen starrsinnigen Idealisten unterstützt, der trotz all seiner ehrlich gemeinten Liebesbeteuerungen der Familie gegenüber für seine Sache Frau und Kind im Stich lassen würde.

Ähnlich wie bei „Braveheart“ wird ein Mann mit einer recht fragwürdigen Haltung ohne großes Hinterfragen zum Guten erwählt, und dass dies beim menschlich nahen und dramatisch orientierten „Mein großer Freund Shane“ besser funktioniert als beim fragwürdig ausgefallenen Vergleichsfilm, liegt sicher in der Extreme Mel Gibsons, dessen Figur geradezu wahnsinnig gezeichnet war, wohingegen Starrett lediglich seine Männlichkeit beweisen muss - typisch Westernfilm eben!

Seine Haltung gehört zum festen Rezept des klassischen Westerns. Das ist sicherlich Klischee, wie so vieles was der Film beinhaltet, aber es gehört zu einem gut funktionierenden Genre-Beitrag nun einmal dazu. Der Erfolg beim Publikum und die sechs Oscar-Nominierungen zeigen dass man dies damals ebenso empfand. 13 Jahre später folgte gar eine TV-Serie, die ebenfalls wie der Film im Original den Titel „Shane“ trug.  OFDb

14.11.2014

RIO GRANDE (1950)

Ich bin nicht sehr bewandert im Western-Genre und kenne auch nicht die beiden Vorgänger des hier besprochenen Streifens, welcher der Abschluss einer Trilogie von Regisseur John Ford und seinem Star John Wayne ist. Es mag also sein dass es mit meiner Unkenntniss einhergeht, wenn ich von „Rio Grande“ behaupte, dass er ein eher uninteressanter Beitrag seines Genres ist. Sicher, er bietet Liebe, Action, ein wenig Humor und jede Menge Pferde, aber letztendlich steht er doch all zu lang auf der Stelle, als dass das Treiben innerhalb seiner dünnen Geschichte mich wirklich interessieren könnte.

Dabei sind die Charaktere gar nicht mal so eindimensional gezeichnet, wie man aufgrund eines stillstehenden Filmes vermuten könnte. Und die Actionszenen sind gar nicht mal schlecht herausgearbeitet. Mancher Pferdestunt, ob per Kunststück vorgetragen oder während einer Schlacht, ist nicht von schlechten Eltern. Aber das sind alles qualitative Elemente in einem stockenden, bleiernen Sumpf von Story, welche die Protagonisten nur mit Mühe Schritt für Schritt leisten. Mag es auch reizvoll sein die zwischenmenschlichen Situationen einfangen zu wollen, und mag es auch interessant sein einen Western auch mal aus Militärsicht zu erzählen, „Rio Grande“ fehlt es an Tempo, und er kann über dieses Manko auch nicht mit seinem ewig monotonen Gesang hinwegtäuschen.

Klar, John Wayne ist ein Hingucker wie immer, und bis zu einem gewissen Grad hat mich auch die Dramatik zwischen ihm und seiner einstigen Frau interessiert. Aber inmitten ewiger Laufzeit wird doch nur viel zu vieles angedeutet anstatt tatsächlich angepackt, so z.B. die Ausbildung des Sohnes, eines Mannes der endlich einmal etwas bis zum Schluss durchziehen möchte, wenn es sein muss auch gegen den Willen seiner sturen Mutter.

Nach einiger Zeit hat mich diese gesamte Familien-Thematik nur noch angeödet und ich hoffte das militärische Treiben, wenn es denn mal los ginge, würde mein Interesse an den Film zurück gewinnen. Aber als es endlich soweit war, dass den Indianern der Kampf angesagt wurde und Frauen und Kinder in deren Gefangenschaft gerieten, da merkte ich erst wie egal mir „Rio Grande“ mittlerweile geworden war, und dass ein höheres Tempo nun auch nichts mehr auszurichten vermag.

Das finde ich eigentlich schade, meinen Respekt hat der Streifen nämlich sehr wohl gewonnen bei seinen guten Darstellern, seiner professionellen Optik und seinen Schwerpunkten in einer Geschichte, die für den Standard-Western nicht zwingend hätten sein müssen. Die Qualität der Beteiligten vor und hinter der Kamera stimmt also. Die eigentliche Atmosphäre dieses Westerns ist mir jedoch zu monoton. Und ich habe mich in dieses Genre noch nicht weit genug hineingearbeitet, um mich mit einem solch halbgaren Ergebnis zufrieden zu stellen. Dafür fühle ich mich in diesem Genre noch nicht heimisch genug.  OFDb

24.09.2014

DREI AMIGOS! (1986)

Steve Martin war gerade mit „Solo für Zwei“ international berühmt geworden, da sollte sein nächstes Werk nach dem Kino-Erfolg aus der Feder eines Fremdautors diesmal wieder aus seiner eigenen stammen. Manch einem wird der Stummfilm-Verweis der Figur des Navin aus „Reichtum ist keine Schande“, Steve Martins Erstling, aufgefallen sein, und diese Film-Dekade scheint ihm gut zu gefallen, denn nun werden andere Aspekte aus der Zeit, bevor Kino Ton beschert bekam, verarbeitet, wenn zum Großteil auch nur zu Beginn des Streifens.

Aber selbst der ist bereits ur-komisch, wenn die Top-Komiker Chevy Chase, Martin Short und Steve Martin geradezu tuntig ihren Mann vor ihrem mächtigen Boss stehen, aufgrund des Star-Ruhms glaubend selbst einen Hauch Macht zu besitzen, um kurz darauf auf der Straße zu sitzen. Von nun an darf herzlich gelacht werden in einer Western-Komödie, die anspruchsvolleren Humor mit gnademlosen Nonsens mixt, und damit ein geradezu typisches Martin-Produkt ist. Sei es der singende Busch, der endlose Abschiedskuss eines eigentlich keuschen Mannes, der Abbruch einer romantischen Abschieds-Szene, um zu erleutern was man mit den Worten „Ich komme wieder“ meint, an tollen Ideen mangelt es hier nicht.

Auch die in „Galaxy Quest“ und „My Name is Bruce“ noch einmal auftauchende Idee von Schauspielern, die für echt gehalten werden und damit in Gefahr geraten, war seinerzeit innovativ und ein großartiger Ausgangspunkt sprudelnder Situations-Komik. Am meisten punkten freilich die drei talentierten Komiker, wobei jeder seine eigene Humor-Richtung mit einbringt und sicher auch hier und da improvisieren durfte. Aber selbst berechnende Gags, wie der Ritt durch die Wüste, wobei es zweien der drei Amigos an Wasser mangelt, während der Dritte fleißig trinkt, gurgelt und den Rest weg wirft, um den zwei Kumpels nur kurz darauf großzügig etwas von seinem Lippen-Balsam anzubieten, sind grandios pointiert und auf den jeweiligen Komiker perfekt zugeschnitten.

Während auf der einen Seite die Arroganz, Naivität und Überheblichkeit der eigentlich über wenig Talent besitzenden Schauspieler durch den Kakao gezogen wird, spart „Drei Amigos!“ auch nicht gerade an Western-Klischees auf der anderen Seite, die trotz des Schwerpunktes Komik treffsicher eingebracht sind und sicherlich auch Freunden des ernsten Western-Genres gefallen werden, so liebevoll sich hier vor dieser Filmgattung verbeugt wird. Der Ober-Bösewicht weiß dann auch gleich am meisten zu gefallen, gerade dann wenn er in absurden Situationen eingesetzt wird, z.B. wenn er sich auf prollige Männer-Art über einen Pullover als Geburtstagsgeschenk freut, so als sei dies ein richtig cooles Geschenk unter harten Kerlen.

Interessanter Weise ist „Three Amigos!“ (Originaltitel) trotz dieser Extrem-Komik keineswegs ein pausenlos Witze abfeuerndes Gag-Feuerwerk. Oftmals liegt Ruhe über den Situationen, die Komik schaltet einen Gang zurück und subtiler Humor verschmilzt mit den niemals pausierenden Albernheiten. Nie ruht Autor Martin sich auf der grundlegenden Idee aus und nimmt der Story die Zügel aus der Hand. Die Vielzahl der lauten und ruhigen Witze ordnen sich stets der Geschichte unter, weshalb die Komik trotz ihres hin und wieder anwesenden Klamauk-Gehaltes nie an Niveau verliert und nie zur Nummern-Revue verkommt wie in den meisten Schnellschuss-Werke eines Leslie Nielsen, der trauriger Weise oft mit dem Genie Steve Martin verwechselt wird.

Geht „Drei Amigos!“ einmal ruhiger vonstatten bremst der Streifen sich nie aus, hat er doch immer etwas zu erzählen, auch wenn er im Mittelteil hin und wieder wirkt als würde er sich von einem Sketch zum nächsten hangeln. Dem Film ist seine Geschichte ebenso wichtig wie seine Charaktere und die Pointensetzung der unterschiedlichsten Humorgattungen. Und an dieser liebevollen Herangehensweise erkennt man die Professionalität eines Werkes talentierter Komiker, das weit entfernt vom unteren Niveau eines zu berechnenden Studio-Projektes ist.

Schön dass Anarcho John Landis als Regisseur mit an Bord geholt werden konnte, kurz bevor er endgültig in den Mainstream-Bereich abrutschte. „Drei Amigos!“ mag nicht mehr so kaputt und wild wie seine Frühwerke sein, ebenso wie „Drei Amigos!“ mehr Normen befolgt als Steve Martins Frühwerke wie „Der Mann mit zwei Gehirnen“, aber ihre Western-Komödie ist noch Grenzen einreißend genug und besitzt genug Charakter um sich vom Massengeschmack deutlich genug zu distanzieren.  OFDb