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07.08.2025

Größenwahn, Rivalitäten, Geiz und Eitelkeit - Kurzkommentare (6)

 

Hitler - Aufstieg des Bösen (2003)

Man bekommt in diesem Zweiteiler aus je 90 Minuten zwar den Eindruck, dass die Privatperson Hitler etwas arg dämonisch interpretiert wird, gerade zu Anfang, wenn man eine Art Damien aus den "Das Omen"-Filmen vorgesetzt bekommt, das schleichende Erobern der Macht, die Intrigen, der Werdegang, das Zusteuern Deutschlands auf eine Katastrophe, die Redegewandtheit des Verführers, die kranke Weltsicht, all das wirkt derart bedrohlich, warnend (auch für heutige Probleme) und frustrierend, dass man dem chronologisch korrekt recherchierten Werk diese Schwäche verzeiht, zumal "Der Untergang" diesbezüglich Korrekturarbeit leistete und die hier aufgezeigten, oftmals selbstverschuldeten Schicksale während Hitlers Aufstieg, einen wahrlich nicht kalt lassen.  Wiki

 

Was geschah wirklich mit Baby Jane? (1962)

Die geniale Bette Davis überzeugt mit ihrem Mut zur Hässlichkeit ebenso wie durch ihr reflektiertes Spiel einer komplexen Rolle. Das Drehbuch geht schleichende, nicht immer subtile Wege, überrascht ab und an mit einem Hauch Komik inmitten einer ohnehin grotesken Darbietung der Ereignisse und hält sich die größte Überraschung in diesem nicht an Dramatik mangelnden Thriller für den Schluss auf, so dass alles einen anderen Blickwinkel erhält. "Was geschah wirklich mit Baby Jane?" ist große Kinokunst zum immer wieder neu Entdecken und gehört für Cineasten meiner Meinung nach zum Pflichtprogramm.  Wiki  

 

Vater der Braut (1991)

Die Erstverfilmung ist mir unbekannt, unabhängig von dieser funktioniert die Steve Martin-Version trotz frontal angesteuertem Kitsch jedoch erstaunlich gut, vielleicht weil dieser so süß das Vatersein widerspiegelt/persifliert, vielleicht weil er nicht zu penetrant aufbauschend unter die andere Rezeptur gemischt wurde, die Familienkomik und Albernheiten wunderbar vereint und Steve Martin innerhalb eines Mainstreamproduktes genügend Freiraum für seine Kunst lässt. Der heimliche Star ist jedoch Martin Short, so dass es nicht verwundern darf, dass dessen Rolle für die ebenfalls gelungene Fortsetzung vergrößert wurde. Ein herrlicher Gastauftritt von Eugene Levy rundet das Ganze als Revue talentierter US-Komiker wunderbar ab. Von Kieran Culkins Talent bemerkt man hier hingegen noch nichts.  Wiki  

 

Death Proof - Todsicher (2007)

Er ist dafür bekannt und ich mag sie eigentlich auch, die langen Dialogszenen in Tarantino-Filmen. Diesmal wirkt diese Pflichtzutat jedoch nicht immer, wird sie in der ersten Hälfte doch schlichtweg zu penetrant zum Zeitvertrödeln eingesetzt, wenn auch nicht frei von Charaktervermittlung und Pointenstärke. Die Actionmomente funktionieren hingegen umso mehr, zumal sie auf kranken Ideen fußen. Ob ins wahre Antlitz des Schurken und seiner perversen Neigung blickend, oder sich psychologisch simpel am Racheakt vergnügend, der überraschend ausgeflippt inszeniert wurde, hier besitzt "Death Proof" seine Stärke und beweist mit einer schnellen Beendigung des Films nach erfolgreichem Durchziehen von Punkt 2, dass er sich seines eher oberflächlichen Stoffes definitiv bewusst ist. Wie soll es auch anders sein, bei einer Liebeserklärung an die schnell abgedrehten Autokino-Reißer?  Wiki

 

FCK 2020 - Zweieinhalb Jahre mit Scooter (2022)

Man muss kein Scooter-Fan sein, um Gefallen an einer Doku zu finden, die sich im späteren Verlauf zwar etwas arg auf eine Konzert-Tour konzentriert, vorher aber authentisch ungeschönte Einblicke ins Privatleben des Frontmannes H.P. Baxxter wagt, den Werdegang der Band aufzeigt, sowie Einblicke in die Studioarbeit gewährt und außerdem zum Corona-Zeitzeugnis wird. Zwischen arrogant und lustig pendelt das Ganze hin und her, mal herrlich menschlich subjektiv reflektiert, mal eine Szene voll von Selbstüberschätzung und falscher Schwerpunkte präsentierend. Ob gewollt oder nicht, dieser Mix sorgt für die nötige Unterhaltung und bildet damit eine Brücke zur Musik der Band, die auf ähnliche Art funktioniert, sofern man sich ihr nähern kann.  Wiki  

11.05.2024

PHANTOMS (1998)

Jennifer fährt mit ihrer Schwester Lisa gerade in die Kleinstadt ein, in der Jennifer seit einiger Zeit lebt, da fällt den beiden auch schon auf, dass der Ort, an dem sonst das alltägliche Leben stattfindet, wie ausgestorben ist. Bald an diesem menschenleeren Ort auf einen Trupp Gesetzeshüter stoßend, untersucht man gemeinsam was hier passiert sein könnte. Auch das Militär ist mittlerweile über die mysteriösen Vorfälle dieses Ortes informiert und schickt einen von der Welt der Wissenschaft belächelten Fachmann zusammen mit einem Trupp Soldaten her, der derartige Phänomene untersucht...

Der alte Feind...

Koontz stand schon immer im Schatten des prominenteren Konkurrenten Stephen King, und ein Blick auf "Phantoms", dessen Romanvorlage von Koontz persönlich für das Medium Film umgeschriebenen wurde, zeigt uns auch warum, entfaltet dieser Mystery-Horror doch nie das Potential, welches King in diesem Stoff erkannt hätte. Joe Chappelles Genrebeitrag zeigt mir aber auch, wie ich persönlich mittlerweile anders auf das Medium Film reagiere, war ich zur Erscheinungszeit des Streifens doch geradezu angetan von der Art und Weise wie die Geschichte beginnt und folgte gebannt der Truppe Helden dabei, das Rätsel zu lüften. Heutzutage, in einem Zustand, in dem ich den Inhalt des Stoffes fast komplett vergessen hatte, wirkte mir das alles zu gewollt und unterkühlt, und zu extrem versehen mit Klischeefiguren, die nie jene Glaubwürdigkeit erfuhren, die sie greifbar gemacht hätte. "Phantoms" unterhält routiniert auf diese Art, aber ich war aufgrund meiner Euphorie von einst auf ein großes Filmerlebnis eingestellt, und diese hohe Erwartungen konnte der durchaus angenehm ausgefallene Streifen nicht erfüllen. 

Viel zu hanebüchen fällt der Plot aus. Ob es nun der viel zu eilig herbei geflogene Wissenschaftler ist, die zu frühe Bereitschaft des Militärs überhaupt auf eine unsinnig klingende These zu bauen, der psychopathische Polizist, der mit seinem immer wiederkehrenden Spruch derart vom Autor überschätzt wird, dass man ihm sogar eine funktionierende Schlusspointe zutraut, oder ob es die Idee hinter der Entdeckung ist, die mit dem Glauben an Göttlichkeit keinen Sinn ergibt, wenn ganz anderes Wissen zusätzlich doch ebenfalls per Nahrung aufgenommen worden wäre, so oder so ist "Phantoms" ein reiner Unterhaltungsfilm für die geistlose Kurzweile zwischendurch, nicht aber ein Horrorerlebnis, um dessen Sinn in der Erzählung wir etwas geben könnten. Manchmal in zu glatter Filteroptik präsentiert, besetzt mit guten Mimen in zu distanzierter Figurenzeichnung und mit Mangel an einem echten Spannungspotential aufgrund der konfusen Materie, wird "Phantoms" nie ein packendes Filmerlebnis bei eingeschaltetem Geist. Mehr als das kleine Horrorfilmchen für zwischendurch ist er nicht geworden, aber zumindest dieses schlichte Ziel wurde erreicht. Kleine Randelemente, wie der skurril wirkende Hund, der die Taten der Menschen als Bruchteil des Wesens überwacht, sowie der plötzliche Einstieg in eine unerklärliche Situation, werten den Streifen jedoch ein wenig auf.  Wiki

15.04.2023

KATE UND LEOPOLD (2001)

Neben Julia Roberts und Sandra Bullock war Meg Ryan die bedeutendste Darstellerin für romantische Komödien in den 90er Jahren. Ihre Wirkung und ihre Auswahl der Drehbücher war überragend, sie selbst war laut dem was ich mal gehört habe jedoch kein Freund dieses Genres. Dennoch drehte sie 2001 mit Verspätung erneut eine solche, wahrscheinlich weil Alternativprojekte nicht den selben immensen Erfolg einbrachten. Aber die Klasse vergleichbarer Projekte, wie "E-Mail für Dich", "French Kiss" und "In Sachen Liebe", konnte diese nicht einfangen. Dabei hatte man mit Hugh Jackman einen gut agierenden und charismatisch wirkenden Partner an ihrer Seite, ein Vorteil, der gerade in diesem Sub-Genre nicht zu unterschätzen ist. Mit Liev Schreiber hatte man zudem noch eine weitere Sympathiefigur mit an Bord, und der Aspekt zweier Zeitdekaden und damit unterschiedlicher Mentalitäten, ist interessanter Natur, somit auch förderlich für den Unterhaltungswert und unterstreicht zudem die universelle Grundsätzlichkeit von Liebe, eine gern gesehene Aussage in dieser Art Film. 

"Eve und der letzte Gentleman" hatte die Zusammenkunft verschiedener Zeitkulturen 2 Jahre zuvor jedoch wesentlich pfiffiger und treffsicherer thematisiert und dies ohne eine Zeitreise einzubauen, die grundsätzlich für eine wackelige Logik sorgt. Doch dass dies auch in "Kate & Leopold" der Fall ist, ist kein nennenswerter Schwachpunkt am Projekt, soll das Ergebnis doch ohnehin ein blauäugig erzähltes Märchen sein. Etwas unangenehmer fällt da eher der Sidekick in Form von Kates Bruder auf, der regelrecht publikumsanbiedernd eingebracht wird. Er ist eine jener Kleinigkeiten, die sich etwas zu sehr sammeln, und den an sich nett zu schauenden Streifen damit arg in die Banalität rückt. Anstatt auf die Chemie zwischen dem Liebespaar zu bauen, sowie ihre unterschiedlichen Ansichten und Zeitprägungen allein für sich wirken zu lassen, hatten die Verantwortlichen des Streifens ständig das Gefühl dem Publikum mehr bieten zu müssen. 

Und so erleben wir eine Verfolgungsjagd per Kutsche, oder die Jagd nach einem Taschendieb zu Pferde, welche eine eigentlich zurecht ruhig vor sich hin plätschernde Geschichte künstlich aufpeppen. Zudem gewöhnt sich Leopold viel zu schnell an die neue Welt, gibt sich mit Banalitäten wie dem Sichten vom TV zufrieden, was ihn viel oberflächerlicher wirken lässt, als vom Drehbuch eigentlich gewollt. Zu viele, mal mehr mal weniger interessante Aspekte, werden eingebracht, um die Geschichte aufzuwerten (Leopold als Liebesvermittler, Leopold als Werbegesicht, ...). Das erklärt auch warum der Streifen 23 Minuten länger läuft, als die Standardlaufzeit dieser Art Film, und das tut dem Endergebnis nicht gut. Meg Ryan bezaubert wie eh und je (sympathisch tolpatschig gelegentlich, wie in ihren Erfolgen), der vom Pech verfolgte Liev weiß zu wirken, Jackman spielt sich in die Herzen der Zuschauer, eigentlich funktioniert "Kate & Leopold" recht gut, aber dann kommt es immer zu Brüchen im eigentlich so einfachen System, durch kleine Störfaktoren, die das Seherlebnis schmälern. Am Ende wurde man zwar nett unterhalten, aber nicht so kompromisslos wie in den guten Liebeskomödien mit Meg Ryan.  Wiki

23.11.2019

REPO MEN (2010)

Zwei Jahre nach dem Gothic-Musical "Repo - The Genetic Opera" greift wer anders die morbide Idee um Rückholer in Zahlungsverzug geratener Fremdorgannutzer auf, um diesmal eine Science Fiction-Satire abzuliefern, die in nicht all zu ferner Zukunft spielt und die Gesellschaft von heute kritisch hinterfragen soll. In der hier aufgezeigten Zukunftsmentalität, insbesondere die beiden zentralen Repos betreffend, zeigen sich einige Parallelen zu Kubriks Vision aus "Uhrwerk Orange". Gerade in der Frühphase von "Repo Men" atmen beide Film oft die gleiche Luft. Für die Hauptrolle konnte man Jude Law verpflichten, der 13 Jahre zuvor bereits erfolgreich die Hauptrolle in dem Kino-Hit "Gattaca" verkörperte und somit für gesellschaftskritische Blicke auf eine perverse, aber nicht unwahrscheinliche Zukunft, bereits Erfahrung mit an Bord bringen konnte. Zur Seite setzte man ihm Forest Whitaker, zunächst als Kumpel und dann als Rivalen, eine Rolle in welcher der oft zu brav besetzte Mime endlich wieder zeigen konnte, was alles in ihm steckt.

Während die erste Phase der Geschichte zunächst den Eindruck des immer wieder variierten Plots aus "Fahrenheit 451" und Co macht, überrascht der Film nach anfänglicher Bestätigung mit unerwarteten Wendungen, die, so wie dargeboten, individuell anmuten, auch wenn sie es nicht wirklich sind. Die Art der Umsetzung, der Stil, die Tonart des Ganzen, sind es, die das Geschehen so frisch und positiv schauen lassen. Laute Töne mischen sich mit geistreich unauffälligen, Poesie und Brutalitäten gehen Hand in Hand, Sinnlichkeit und gesellschaftliche Perversitäten dominieren gleicher Maßen den Film, all diese Gegensätze gehen so harmonisch und bezaubernd miteinander einher, so als würde man sich in einem asiatischen Werk dieser Art befinden. An "Repo Men" ist alles durchdacht, mal wahrhaft geistreicher Natur, dann wieder nur Bauerntricks des Mainstream-Kinos ausspielend, am Ende aber ein Ergebnis über dem Standard abliefernd. Miguel Sapochniks Zukunftsvision ist Science Fiction-Kino wie es sein soll: kurzweilig, geistreich, pointiert und fantasiereich. Man kümmert sich neben der wichtigen Handlungsaufhänger zudem um gut gezeichnete Charaktere und sehenswerte Bildkompositionen. Da wird auch gerne mal bei Größen wie "Metropolis", "Blade Runner" und "Brazil" abgeguckt, aber dieser Mix aus Ideenübernahmen und eigenen, sowohl inhaltlich, wie inszenatorisch, weiß zu gefallen und bildet ein überzeugendes eigenes Flair, welches "Repo Men" zu einem eigenen modernen Klassiker seines Genres macht.

Wie es sich für einen gut gemachten Kinofilm gehört, warten innerhalb eines ohnehin schon gelungenen Werkes die Höhepunkte im letzten Drittel. Optisch wäre da der schwarz gekleidete Auftritt innerhalb des weiß gekleideten Labors zu nennen, oder die Ausweideszene, die nicht nur vom Look her ein Augenschmaus ist, sondern auch ein morbides Szenario in einen romantischen Moment verwandelt. Aber auch der sehenswert choreographierte Kampf vor der rosa Tür, der die bisherige ohnehin schon für einen FSK 16-Film recht hohe Brutalität noch einmal hoch schaukeln lässt, ist ein Augenschmaus für sich. Auch in seiner Cleverness weiß dieses letzte Drittel zu gefallen, bietet es doch nicht nur großartige Wendungen, sondern auch einen gewitzten Umgang mit der Glaubwürdigkeit des Plots, den man ohne zu spoilern nicht all zu sehr vertiefen kann. Nur so viel sei verraten: die bisherige Bodenständigkeit eines durch Satire überspitzen Stoffes, wird aus einem bestimmten Grund ab dort mit Füßen getreten. Begreift man dieses absichtliche Spiel mit Filmklischees und damit einhergehend mit der Glaubwürdigkeit innerhalb der filmeigenen Gesetzmäßigkeiten, bereitet eine Zweitsichtung dieses wundervollen Filmes gar noch mehr Freude als die erste. Ohnehin fällt "Repo Men" intelligenter aus, als er zunächst scheint. Das sieht man allein daran, dass fast jegliches persönliches Schicksal und die Verarbeitung der jeweiligen Person dessen an der ignoranten Gesellschaft der Zukunft gebunden sind und damit als Selbstverschuldung gar nicht erst erkannt werden.  Von meiner Seite aus ist "Repo Men" aus diesen Gründen und vielen anderen definitiv zu empfehlen, und ich kann es kaum glauben, dass es so lange gedauert hat, bis ich ihn für mich entdeckt habe.  OFDb

10.09.2016

DIE 5. WELLE (2016)

Freunde von Endzeitfilmen sollten sich eines bewusst machen, bevor sie sich mit falschen Erwartungen an „Die 5. Welle“ heranwagen und hinterher womöglich über ihn schimpfen: J Blakesons Werk ist die Jugend-Variante eines Endzeitfilms, und damit kein knallharter, pessimistischer Film, der möglichst detailgetreu seine Geschichte reflektiert. Das machen Jugendfilme so gut wie nie. Jugendfilme verschönern, setzen Charaktere und Liebesinteressen in den Vordergrund und blenden den erwachsenen Alltag bestmöglichst aus.

Wie katastrophal so etwas enden kann zeigen peinliche Werke wie „Twilight“, die vom erwachsenen Publikum aufgrund ihrer Blauäugigkeit überhaupt nicht mehr zu konsumieren sind. Mit „Die 5. Welle“ kann man hingegen auch als Erwachsener seinen Spaß haben. Das liegt aber auch daran, dass man im Gegensatz zu besagtem Vergleichsfilm einer ernstzunehmenden Gefühlswelt begegnet, deren Dramatik greifbar ist und keinesfalls, wie für das Teenie-Alter eigentlich üblich, theatralisch ausgefallen ist. Dementsprechend ist man nicht gezwungen maximal blauäugig mitzufühlen, man darf es richtig. Hierfür erweist sich nicht nur das Drehbuch als sehr treffsicher, auch Moretz Spiel erleichtert es einem mit ihr mitzufühlen, den Druck ihres Schicksals zu spüren, auch wenn es ein häufig gesichtetes im Sub-Genre des Endzeit-Filmes ist.

Es geht nicht nur darum diesen Unterschied erkennen zu können, sondern auch darum dass die durchaus vorhandene Action und der Thrill lediglich im Hintergrund stehen. In „Die fünfte Welle“ geht es um die Dramatik des Stoffes. Wem das Ganze nicht hart genug ausfällt, der ist schlichtweg im falschen Film. Und wer den Weltuntergang nicht aus Kindersicht miterleben möchte, der ist dies erst recht.

Selbstverständlich kann die von mir geäußerte Argumentation nicht Schutz für jegliche getätigte Lücke sein. Gerade gegen Ende verläuft doch alles eine Spur zu glatt und ohne zu große Verluste, was dem Streifen einiges von seinem bisherigen Potential geraubt hat. Hier hätte „The 5th Wave" (Originaltitel) durchaus mehr Laufzeit erhalten können, um es den Protagonisten schwerer zu gestalten ihr Ziel zu erreichen. Dank der Konsequenz dessen was man erzählen wollte und der durchweg gut agierenden Mimen kann man über diese Ärgernisse in der Dramaturgie jedoch versöhnlich hinwegsehen, zumal sich auch der komplette Film rein technisch großartig schaut.

Von der unterschwellig hervorragend passenden, unaufdringlichen Musik, bis hin zur wundervollen Fotografie des Streifens gibt es wahrlich nichts zu meckern, so dass man trotz diverser Abstriche einen sehenswerten Film vorgesetzt bekommt, der das Teenie-Publikum sicher eher begeistern wird als das erwachsene, der aber auch im Herzen Junggebliebene mit offenen Armen empfängt, ohne gleich den Verzicht auf jegliches rationale Empfinden dafür einzufordern. Sicherlich ist die abschließende Weltsicht sehr gefühlsbetont und optimistisch gezeichnet. Aber sie spricht dem hoffnungsvollen jungen Alter definitiv aus dem Herzen - und völlig verkehrt ist sie in ihrem Ansatz nun wirklich nicht.  OFDb

05.07.2016

GOON - KEIN FILM FÜR PUSSIES (2011)

Selten hat ein unnötig angehangener deutscher Beititel so viel Wahrheit ausgesprochen wie der von „Goon“, in welchem es heißt „Kein Film für Pussies“. Nicht nur dass er aufgrund seines Brachialhumors damit bereits jenes Publikum wegfiltert, welches bei dem Begriff Pussie sofort peinlich berührt die Nase rümpft und sich Werken angeblich höherem Niveaus zuwendet, auch inhaltlich und mental liegt der Beititel damit gar nicht falsch, ist Michael Dawses Komödie doch ein harter und brutaler, ja geradezu gewaltverherrlichender Film, der das Massaker auf dem Eis fast schon als Selbstverständlichkeit ansieht und damit Eishockey nicht mehr so schön redet wie das 80er Jahre-Drama „Bodycheck“, sondern in satirischer Überspitzung als die gewalttätige Sportart outet, für die sie im Volksmund seit je her bekannt ist.
 
Zugegeben, das hat es im legendären "Schlappschuss" auch schon gegeben, „Goon“ geht darüber jedoch hinaus. Der Film erklärt die Schlägereien besagten Sports zur Teil-Strategie der Mannschaften und outet im Laufe seiner Erzählung Schläger Doug nie als Peinlichkeit innerhalb eines edlen Sports, sondern setzt ihn als Held ins Geschehen. Der Film provoziert, lässt Doug nie zweifeln oder scheitern, sondern erzählt orientiert an der wenig athletischen Rolle des ewig einprügelnden Schwergewichts eine vortäuschend typische Sportler-Story, wie wir sie im Bereich des Sportfilms spätestens seit „Rocky“ gewohnt sind, was aufgrund der destruktiven Rolle der Hauptfigur innerhalb ihrer Sportart einer ganz eigenen Form der Satire auf diesen Filmbereich entspricht und dank der damit erzielten Treffsicherheit „Goon“ tatsächlich einen Individualitätsbonus beschert.

Wie es sich für eine gute Satire gehört darf es manchmal auch dramatische Momente geben, die „The F-Word“-Regisseur Dowse passend zur Filmmentalität einstreut, was bedeutet dass der Film zum einen nie zur wirklich ernsthaften Tragikomödie wird, sich andererseits aber auch nie der falschen Moral, Theatralik oder dem Sozialkitsch bedient, der gerade in Amerika oft dramatische Stoffe verfremdet und zum Märchen für Erwachsene macht. „Goon“ ist ehrlich wie übertreibend, treffsicher, wenn in seinem Handlungsverlauf auch nicht sonderlich überraschend ausfallend, und aufgrund der guten Besetzung in seiner Art richtig angenehm zu gucken.

Sean William Scott kann endlich erfolgreich gegen sein Stiffler-Image anspielen (und dies obwohl er „American Pie"-Dad Eugene Levy in einigen wenigen Szenen als eigenen Vater an die Seite geschrieben bekommt), Liev Schreiber ist ein glaubwürdiger Gegenspieler, der ruhig etwas mehr Screentime hätte erhalten können, und Alison Pill als die wenig romantisch veranlagte Eva weiß zu bezaubern. Ohnehin ist es die Kunst des Streifens jegliche eigentlich unsympathische Figur des Streifens sympathisch wirken zu lassen innerhalb einer Geschichte, in der es Leute toll finden dass anderen die Fresse eingeschlagen wird.

Lediglich Dauer-Seth Rogen-Anhängsel Jay Baruchel macht das was er immer tut, infantil und pseudo-provokativ herumlabern, und bereitet damit „Goon“ manchen Tiefpunkt, den der Film bei etwas weniger penetranter Zurschaustellung der negativen Seiten der englischen Sprache nicht hätte haben müssen. In einem Rogen-Film mag das meist noch irgendwie funktionieren, so aber wird der Möchtegern-Komiker zum Stifflerersatz innerhalb eines Filmes, der Scott wie bereits erwähnt von diesem Image gekonnt löst.

Aber das macht „Goon“ keinesfalls kaputt. Dieser ist eine unerwartet gut funktionierende Sport-Satire, die komödiantisch sicherlich häufig mit dem Holzhammer daher kommt und wenig sensible Seiten besitzt, aber der kleine Hauch davon den sie in sich trägt reicht bereits um zu signalisieren, dass der Streifen keinesfalls geist- oder emotionslos gemeint ist, sondern ganz im Gegenteil, die Kitsch-getränkte übliche Soße dieses Filmbereichs, die wesentlich realitätsferner, da gefühlsgedopt daherkommt, der Lächerlichkeit preisgibt. Zudem nimmt der Film trotz aller vorhandener Extremmomente seine Figuren ernst. „Goon“ ist ein Ausnahmefilm seiner Sparte, sicherlich nicht wirklich ein Geniestreich, aber mutig und professionell genug umgesetzt um zu gefallen.  OFDb

18.06.2016

THE LAST DAYS ON MARS (2013)

Man darf zurecht kritisch darüber sein, ob ein Zombiefilm auf dem Mars eine gute Idee ist oder nicht. Zwar erhöht die lebensfeindliche Umgebung die Problematik der Protagonisten um einen interessanten Aspekt, andererseits fragt man sich ob Untote zu wirken wissen, wenn sie hauptsächlich in der Kleidung eines Astronauten, und zwingend damit einhergehend mit einem Helm über dem Kopf, feststecken. Ohnehin sind Zombies in Großproduktionen nicht gern gesehen, zumindest bei den eingefleischten Hardcore-Horror-Fans, die selbst für den geglückten „World War Z“ mit Brad Pitt keine positiven Worte übrig hatten. Und aus irgendeinem Grund floppen Marsfilme der großen Studios grundsätzlich an den Kinokassen. Lohnt es sich also ein Projekt wie „The Last Days on Mars“ zu schauen?

Meiner Meinung nach schon, vorausgesetzt man erwartet kein großes Kino-Event und erst recht kein großes Action-Feuerwerk. Regisseur Ruairi Robinson und sein Autor Clive Dawson, der für die Drehbuchumsetzung der Kurzgeschichte von Sydney J. Bounds verantwortlich war, gehen die Problematik der Zombies in Weltraumanzügen mit der richtigen Methode an: sie machen die Zombies zur Bedrohung des Streifens, aber nicht zum Mittelpunkt. Der Film bietet ihnen verhältnismäßig wenige Auftritte und konzentriert sich stattdessen auf den Überlebenskampf der letzten Menschen auf dem Mars.

Zwischenmenschliche Probleme werden ebenso zurückgeschraubt wie die Zombieszenen. Und was theoretisch nun unglaublich langweilig klingt, erweist sich dank zwei wichtiger Faktoren als der richtige Weg eine solche Geschichte erfolgreich erzählen zu können: „The Animator“ (Alternativtitel) ist atmosphärisch stimmig, da sehr langsam und trocken erzählt, und er lässt seine Protagonisten denken.

Mag sich das Drehbuch die Charaktere betreffend auch nicht immer als sinnvoll erweisen, wenn bestimmte Charaktertypen die Geschichte beeinflussen sollen, jedoch gar nicht zum Status jener Menschen passen, die überhaupt für eine Marsmission in Frage kämen, so lässt es doch zumindest die Protagonisten denken und Lösungen für ihre Probleme finden. Dabei wird „The Last Days on Mars“ niemals zu einem intellektuellen Stück Kopfkino, Robinson fühlt sich dem Unterhaltungsbereich verpflichtet. Aber diese Herangehensweise sorgt dafür, dass eine an sich vorhersehbare und überraschungsfreie Geschichte durch die Identifikation mit den Figuren funktioniert.

Überraschender Weise erweist sich Hauptdarsteller Liev Schreiber, den die meisten wohl aus „Scream 2“ und dessen Fortsetzung kennen werden, als gut besetzt für diese Voraussetzungen. Schnell sympathisiert man mit dem Mimen, der eigentlich gar nicht so ein besonders talentierter Schauspieler ist, zumindest bezogen auf die wenigen Filme die ich mit ihm kenne, dessen Rollen es nie zuließen zu erkennen ob der Mann mehr kann als es aussieht. Für den hier besprochenen Science Fiction-Horror reicht es dass seine Rolle sympathisch charakterisiert ist, und dass sein ernster Gesichtsausdruck ihn emotional glaubwürdig und denkend wirken lässt.

Wer eine besonders ausgeklügelte oder mit Überraschungen versehene Geschichte erwartet wird ebenso enttäuscht werden wie mancher Horror-Fan, der sich ein actionreiches Zombiegemetzel erhofft hat. Wer aber ein atmosphärisch gut erzähltes Stück Routine als Alternative zu einem großen Kinoerlebnis akzeptieren kann, der wird dank eines sich auf seine Stärken konzentrierenden Werkes, einem stimmigen und zurückhaltendem Soundtrack und dank der nüchternen, langsamen Art, die es in Großproduktionen kaum noch zu erleben gibt, dennoch angenehm unterhalten werden, auch wenn es inhaltlich an Innovationen nichts zu entdecken gibt. Zumindest sorgt die „Weniger ist mehr“-Herangehensweise dafür, dass „The Last Days on Mars“ auf seine nüchterne und theoretische Art recht spannend und packend ausgefallen ist.  OFDb

11.04.2015

SCREAM 3 (2000)

Wenn es nach dem „Scream"- und „Scream 2“- Autor Kevin Williamson gegangen wäre hätte die drei Jahre nach Teil 2 fertiggestellte zweite Fortsetzung des Slashers von Wes Craven erneut an der Universität gespielt. Williamson blieb aufgrund eines anderen Projektes jedoch nur noch als einer der Produzenten mit an Bord, und der neue Drehbuch-Autor Ehren Kruger wollte der Reihe etwas frischen Wind bescheren und noch weiter als der Vorgänger die Idee des Films im Film ausbauen und verlagerte die Story ans Set von „Stab 3“. So treffen diesmal die Überlebenden der ersten Teile mit ihren Filmdoubles häufiger zusammen, recherchieren teilweise sogar mit ihnen gemeinsam, und auch die an Originalschauplätzen orientierten Set-Bauten lassen Realität und Fiktion aufeinander treffen.

Um auch auf der Ebene der auf Filme bezogenen Morde für frischen Wind zu sorgen wird uns „Scream 3“ nicht nur als weitere Fortsetzung vorgestellt, immerhin wurde bereits im Vorgänger zu genüge über Fortsetzungen debattiert, sondern als letzter Teil einer Trilogie, die laut dem Film anderen Gesetzen unterliegt. Im Filmbereich kann man das Wort Trilogie wohl als Modebegriff sehen. Zumindest weiß ich nicht wieviel Sinn es macht etwas das ewig fortgesetzt werden kann als Trilogie darzustellen, das eigene Gesetzmäßigkeiten hätte, nur weil es drei Teile beschert bekommen hat.

Mit einer Geschichte ist nur offiziell Schluss wenn kein weiterer Teil gedreht wird. Jede Geschichte kann man weiter erzählen, wirklich jede. Und spätestens „Scream 4“ beweist, dass das ewige Reden über Trilogien Unsinn ist. George Lucas selbst erweiterte seine „Krieg der Sterne“-Trilogie um drei weitere Filme, drei weitere folgen nun produziert von den Disney Studios. Und wer eine Unterscheidung zwischen klassischer Fortsetzung und Trilogie damit untermauert in Trilogien würde etwas zum Abschluss kommen, das zwei einzelne Teile nicht erreicht haben, der kann auch gerne einen Blick auf Tarantinos beide „Kill Bill“-Filme werfen, der einen Teil weniger dazu benötigte.

Und darin liegt eines der Probleme von „Scream 3“. Trilogie, das klingt so unglaublich wichtig, aber es existieren keine Gesetzmäßigkeiten die eine solche von einer regulären Fortsetzung trennen. Wie mutig eine Fortsetzung ist entscheiden Autoren und Produzenten. Das ist alles. Und da „Scream 3“ der Teil eines lukrativen Franchises war, kann man sich denken wie mutig Autor und Produzenten hier waren - nämlich gar nicht. Bis auf die Tatsache dass es ungeahnte Hintergründe im Familienleben der Prescotts gab, entlarvt sich der Film mit dem Nichtanwenden der aufgesagten Regeln selbst mit der Unsinnigkeit seiner Thesen.

Das wäre ein toller Kniff für eine solch Kino-reflektierende Reihe. Nur leider ist dieses Entlarven der Trilogie-Lüge in Teil 3 gar nicht beabsichtigt. Und das macht die Anwendung eines Pseudo-Faktes den man vertiefen will selbstverständlich unausgegoren. Somit kann man mit lästerndem Unterton behaupten, dass die ebenso unausgegorene Inszenierung des kompletten Streifens trefflich an diesem Fehler orientiert ist. Zu ruhige Passagen bremsen den Film immer wieder aus. Parallelen zwischen Realität und Nachahmung beginnen spätestens dann zu nerven, wenn die Kino-Gale Weathers viel zu schrill eingesetzt wird, so als wolle man diesmal doch endgültig zur Horror-Komödie werden, was der Rest der Inszenierung in seiner ernsteren aber weiterhin augenzwinkernden Art glücklicher Weise aber dann doch zu verhindern weiß.

Im Gegensatz zu den Hintergründen der beiden ersten Teile, die man mit viel Wohlwollen noch als halbwegs glaubwürdig annehmen kann, wenn auch nur angewendet in der Welt des Kinos, wird das Konstrukt das in „Scream 3“ erschaffen wird, um sich an die Pseudo-Trilogie-Regel zu halten dass etwas nicht Gewusstes in der Vergangenheit schlummert, nie glaubwürdig und bedient sich zudem noch dreist an den Hintergründen von Teil 1, verändert dessen Auflösung auf lächerlichste Art und serviert uns zusätzlich schon wieder wie in Teil 2 einen Täter, der im Laufe des Films kaum von Bedeutung war. Wie unsinnig dessen Beweggrund ist weiß Sidney zumindest selbst zu äußern, da geht der Film ehrlich mit sich selbst um, aber zu befriedigen weiß selbst diese selbstkritische Positionierung nicht.

Es reicht eben nicht nur mit sich selbst und reflektiert mit den Regeln des Genres zu spielen. Und es reicht auch nicht das bisherige Geschehen damit zu bereichern, dass der Anrufer von nun auch Stimmen immitieren kann. Ich gebe zu dass diese Idee für manch tolle Szene gesorgt hat, und ohnehin hat „Scream 3“ manch gut inszenierte Szenen vorzuweisen. Aber er ist zu sehr Produkt geworden und in seiner eigenen Welt gefangen, sich selbst einen immer enger werdenden Strick bindend mit jedem Herumspinnen mit Metaebenen. Da wird teilweise fruchtbar herausgeholt was diesbezüglich aus ihnen herauszuholen ist, leider aber auch darüber hinaus in ihnen geschwommen, so sehr bis man sich selbst für viel zu clever hält. „Scream 3“ will so viel sein und vergisst darüber hinaus leider den Charme einzusetzen, den seine beiden Vorgänger stets ausgestrahlt haben.

Um so mehr darf es einen verwundern, dass die neu hinzugefügten Figuren zu interessieren wissen und interessante mögliche Täter sind. Auch die bereits von den Vorgängern bekannten Figuren erscheinen wieder in einem verdächtigen Licht, und wäre das Drehbuch so mutig wie eine der Pseudo-Regeln für Trilogien lautet, wären sie auch glaubwürdig verdächtig. Aber „Scream 3“ setzt lieber auf Nummer sicher, will das Stammpublikum nicht verschrecken indem wer Sympathisches plötzlich zum Täter wird oder zumindest sterben darf, und diese Mutlosigkeit ist schon sehr schade.

Klar, „Scream 3“ hat durch seine beiden Vorgänger eine große Konkurrenz denen er gegenüber steht. Als Film für sich kann er aufgrund der Vorkenntnisse die man besitzen muss um mit dem Inhalt etwas anfangen zu können jedoch leider nicht existieren. Und als solcher wäre er auch nur als lediglich „ganz nett“ ausgefallen. Manch einer mag ihn auch so sehen, aber dafür muss man einige Ärgerlichkeiten herunterschlucken. Bei einer Zweitsichtung klappt das besser. Da weiß man an welchen Ecken es krieselt. Und da macht die zweite Fortsetzung als überzogenes Konstrukt zumindest teilweise Spaß, mitunter weil für den Zuschauer die Geschichte um seine liebgewonnenen Charaktere weiter geht. Aber das sollte 11 Jahre später in „Scream 4“ auf angenehmere Art funktionieren. Der badete zwar auch tief in Metaebenen und der Gedankenwelt von Film-Freaks, mit der Thematik „Remake“ hatte er im Gegensatz zur Thematik „Trilogie“ aber zumindest eine wahrlich existierende Filmform vorliegen über die er sich hermachen konnte und keine krampfhaft theoretisch erstellte. Das war ein ungemeiner Pluspunkt für ihn.  OFDb

SCREAM 2 (1997)

Hatte ich in meiner Review zum ersten „Scream“ noch behauptet die Fortsetzung klammere sich arg brav an die Formel des ersten Teils und sei eher mittelmäßig ausgefallen, so muss ich das nach erneuter Sichtung großteils doch revidieren. „Scream 2“ erzählt die Geschichte des ersten Teils interessant und mit anderen Schwerpunkten versehen gekonnt weiter, nimmt sich Zeit die bereits bekannten Figuren psychologisch näher zu vertiefen, vernachlässigt darüber hinaus aber neue Figuren so gut kennen zu lernen wie die alten in Teil 1. Das ist schon etwas schade, schadet dem Streifen aber nicht wirklich.

Dass die Intensität der Eingangssequenz vom Vorgänger nicht so leicht ein weiteres Mal einzufangen ist, geschweige denn getoppt werden kann, ist klar, aber sie kann sich sehen lassen, die Eröffnungssequenz von Teil 2, die einem vernachlässigten Thema zu den Überlegungen der Gesetzmäßigkeiten eines Horrorfilms nachgeht. Auch sie ist packend inszeniert, doch das ist nichts gegenüber manch spannender Sequenz die uns im Laufe der Story noch erwartet. In Sachen Spannungsgehalt toppt Teil 2 den Vorgänger sogar, innerhalb einer Inszenierung die ebenso flüssig ohne Stolpersteine daher kommt wie Teil 1.

„Scream 2“ könnte mit all seinen neuen Ideen (alles zum Thema Fortsetzungen) und Erweiterungen alter Ideen (Cotten in die Haupthandlung einzubauen), sowie mit dem Luxus sich Zeit für ausgefallene Suspense-Momente zu nehmen (die Theater-Probe) locker mit dem Erstling mithalten, wenn... ja wenn die Auflösung nicht völlig enttäuschend ausgefallen wäre. Da wird geredet und geredet um der Begründung für die Morde einen Sinn zu geben, aber das ist vergebens, weiß das alles doch nicht wirklich zu überzeugen, zumal die Figur, soviel sei verraten, zuvor nur hin und wieder unbedeutend durchs Bild huschte und deswegen eine Zuschauerverarsche als der aufgedeckte Täter ist.

Zudem ist das Finale nach der Aufdeckung zu lang geraten, ohne mit ausgefallenen Überraschungen eine solch ausgedehnte Sequenz zu legitimieren. Hier hatte Teil 1 die Nase um Längen vorn, konnte noch einmal als individuelles Produkt trumpfen, welches den Kult-Status zurecht verdient, während das Gebrabbel in Teil 2 ziemlich viel vom eigentlich positiven Restergebnis kaputt macht. Schade, aber wenn man drauf eingestellt ist macht der Streifen trotzdem viel Spaß. Mit „Scream 4“ kann er, entgegen dem was ich zuvor behauptet habe, also doch locker mithalten.  OFDb

09.04.2015

SCREAM (1996)

Es war der Erfolg von „Scream“ der 1996 jene Horrorwelle los löste, die bis heute noch anhält. Zuvor war Horror für etwa ein Jahrzehnt im Kino für Tod erklärt worden, und ausgerechnet ein parodistisch angelegtes Stück augenzwinkernde Ironie brachte frischen Wind ins Genre. „Scream“ wurde ein eigener Klassiker, der unzählige Werke wie „Muttertag", „Blutgericht in Texas" und „Halloween - Die Nacht des Grauens" zitierte, umgesetzt von einem Regisseur, der mit „Nightmare - Mörderische Träume“, „The Last House on the Left“ und manch anderem Genre-Beitrag bereits selbst einige Klassiker abgeliefert hatte.

„Scream“ ist so sehr kopiert, rezensiert und parodiert worden, dass er sich nie mehr so flüssig guckt wie damals. Ein Großteil ist selbst zum Zitat geworden. Die hier gekonnte Art Ironie mit echtem funktionierendem Horror zu vereinen hat viele Nachahmer inspiriert, die es für irre intelektuell hielten stets die Ironiefahne weit hoch zu halten, sodass mancher Kino-Hit es gar nicht mehr wagte mutig auf puren Horror zu setzen. Diesbezüglich war „Scream“ lange Zeit Fluch und Segen zugleich für den Horrorbereich, der es irgendwann aber dann doch schaffte ein breit gefächertes Sortiment dessen was alles unter Horror fällt abzudecken.

Wie gesagt funktioniert der augenzwinkernde Umgang in „Scream“ bestens. Schwächen des Genres werden aufgedeckt, ihre Wichtigkeiten für diese Art von Geschichten gleichzeitig aber auch demonstriert. Dabei geht man meist recht subtil vor. Ohnehin verkommt Wes Cravens Überraschungs-Hit nie zur reinen Horror-Komödie. Wahre Witzchen, wie eine offensichtliche Anspielung an den Killer Freddy Krueger, sind die Ausnahmen in einer Geschichte, die es sogar schafft glaubwürdig die Tragik der Rolle der Sidney auszuarbeiten, die von Newcomerin Neve Campbell gekonnt verkörpert wird.

Kennt man „Scream“ erst einmal als vierteilige Reihe, fällt einem kaum noch auf, dass beim ersten Sichten eigentlich so ziemlich jede Figur als Mörder in Frage kommt. Sprich das Mörderraten macht in Cravens Teil 1 unglaublich viel Spaß, spielt aber auch falsch wie die Auflösung zeigt, die irgendwo zwischen Traditionen brechend und Traditionen befolgend schwankt, der man aber so oder so nie bös wäre bei solch einem vielschichtigen Finale, welches auf endlose Erklärungen verzichtet und auch gerne Mal den Spieß dessen was man erwartet umdreht.

Meiner Meinung nach ist „Scream“ zu Recht ein Klassiker geworden. Er ist unglaublich spannend in Szene gesetzt, präsentiert eine Vielzahl an interessanten Figuren und weiß ehrlich zu zitieren, anstatt lediglich anbiedernd zu zeigen wie toll man sich im Genre auskennt. Freilich geht es im Tunnelblick-Land USA lediglich um amerikanische Filme, aber das ist schon okay, da es schließlich um den Slasher-Bereich geht der in diesem Land nun einmal zu Hause ist.

Wer sich an „Scream - Schrei“ (Alternativtitel) heranwagt wird schnell überzeugt sein, zieht einen doch allein schon die recht lange und drastische Eingangssequenz in seinen Bann, in welcher Drew Barrymore einen Gastauftritt absolviert. Danach lässt der Film einen nicht mehr los, zumal er nach besagter Szene weiterhin zügig genug inszeniert ist, immer etwas zu erzählen hat, den Horror nie in der zweiten Reihe parkt und es gleichzeitig trotzdem schafft sich genug Raum zur Charakterentfaltung frei zu halten.

Leider habe ich mittlerweile bei fast jeder Szene die Parodie „Scary Movie“ im Kopf, die „Scream“ fast 1 zu 1 aufs Korn nimmt. Dass es der Film trotzdem schafft auch beim x-ten Schauen noch immer relativ spannend zu wirken, zeigt um so mehr wie viel Stärke Wes Cravens Wiederbelebung des Genres doch besitzt, auch wenn er sich von Mal zu Mal immer theoretischer guckt. Auch mein Bonus von einst ist dahin, empfand ich Neve Campbell damals doch als unglaublich süß, was ich heute nach der letzten Sichtung nicht mehr verstehe. Oder sagen wir es mal so: ihren Depri-Stil in Teil 2 fand ich rückblickend dann doch süßer. Da die gute Frau ihre Rolle der Sidney aber sehr glaubwürdig verkörpert, ist es sowieso egal ob ich sie nun niedlich finde oder nicht.

Die meisten Fortsetzungen schafften es nicht mehr das Niveau des ersten Teils auch nur ansatzweise zu erreichen. Teil 2 war eine annehmbare Kopie mit mauer Auflösung und sich zu sicher ans vorgegebene Konzept klammernd. Teil 3 war eine eher unbefriedigende Angelegenheit, die zwar neue Aspekte mit einbrachte, aber doch ziemlich mutlos daher kam. Erst Jahre später mit „Scream 4“ fand Craven zur alten Form zurück, übertrieb es vielleicht das ein oder andere Mal mit dem Spiel der Metaebenen, schaffte es aber eine intelligente Fortsetzung abzuliefern, die zwar verkopft aber trotzdem unterhaltsam war. Spaß hat man mit diesem Teil freilich nur, wenn man die zu routinierten „Scream 2“ und „Scream 3“ ebenfalls geguckt hat. Aber egal was man von den Fortsetzungen auch haltem mag, Teil 1 sollte man unbedingt gesehen haben - und dies nicht nur als Fan des Genres.  OFDb