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05.03.2017

DIE TÜR MIT DEN SIEBEN SCHLÖSSERN (1962)

In dem relativ frühen Beitrag der Rialto-Wallace-Reihe findet noch einiges anders statt als man es später mit dem Wachsen von Standards innerhalb der Serie gewohnt ist. So ermittelt Heinz Drache noch weit weniger konservativ und bekommt sogar eine erheiternde Note zu seinem Charakter zugeschrieben, wenn der Kommissar ständig nebenbei Zaubertricks zelebriert, sehr zum Neid seines tolpatschigen Assistenten Holms (!!!), gespielt von Eddi Arent. Auch die Inszenierung Alfred Vohrers kommt noch reichlich unverspielt daher und beschränkt sich auf einige wenige Gimmicks, wie seiner auch aus späteren Beiträgen bekannte optische Spielerei mit Lupen.

Zumindest das versteckte Maschinengewehr in einer Armprotese braucht sich nicht vor ähnlichen Spielereien, wie dem mit Waffen versehenen Rollstuhl in „Wartezimmer zum Jenseits“ (kein Wallace, aber ein Vohrer), verstecken. Aber da befinden wir uns schon am Ende des Streifens, und dies ist weit schräger ausgefallen als der komplette Restfilm, gesellen sich nun zu den Krimielementen mit der Anwesenheit eines verrückten Wissenschaftlers doch auch Elemente der Science Fiction hinzu, auch wenn man nie so ganz erklärt bekommt, welch ungewöhnliche Experimente der Durchgeknallte da eigentlich durchführt.

Zu gefallen weiß genau in diesem Punkt die verspielte Art des Streifens. Nicht nur dass im Geheimversteck des Mad Scientist Reagenzgläser und ähnliches geheimnisvoll wirkend vor sich hinkochen, immerhin an einem Ort an dem der Irre auch Gefangene nimmt, auch das Halten eines Gorillas in einer der Zellen sorgt für schräge Ambiente. Wenn der Gefangenen dann auch noch die Flucht gelingen kann, weil der Geisteskranke sein Ego gerade streichelt, indem er seinem Opfer erklärt wie genial er sich selber findet, dann haben wir endgültig den augenzwinkernden Bereich der Darstellung eines geistig entrückten Wissenschaftlers erreicht, das nur noch dadurch getoppt wird, dass der verrückte Mensch schließlich dadurch gestoppt werden kann, dass er mit der Tatsache konfrontiert wird, gar kein Wissenschaftler zu sein. Vohrer versteht es einen Wahnsinnigen wirklich verrückt erscheinen zu lassen.

In dem ansonsten relativ gewöhnlich laufenden Kriminalfall taucht als ungewöhnliches Element sonst noch ein monströser Glatzkopf auf, der eher wie ein Monster als wie ein Mensch agiert (was herrlich bescheuert kurz vor dem Finale erklärt wird). Obwohl mit Schürenberg, Arent und Drache auch humoristische Elemente mit ins Geschehen treten und mit besagter Wissenschaftsthematik auch augenzwinkernde, kann man „Die Tür mit den sieben Schlössern“ nicht wirklich als Krimi-Komödie bezeichnen. Das macht die trottelige Art mit welcher das kriminelle Ehepaar vorgeht, von welchem Werner Peters den männlichen Part übernimmt, um so merkwürdiger, ist deren tolpatschiges Verhalten doch ebenfalls maximal augenzwinkernd gemeint.

Wie auch immer, „The Door with Seven Locks“ (Alternativtitel) weiß als sympathisches Produkt seiner Reihe zu funktionieren, ohne dass Vohrers Beitrag ein früher Höhepunkt wäre. Etwas enttäuscht darf man über das frühe Ausscheiden Klaus Kinskis Rolle sein, zumal er mal wieder bravourös spielt. Die Geschichte selbst verläuft für solch ein simples Geschehen ziemlich wackelig, allein wie die weibliche Hauptrolle in das Geschehen integriert wird, und mit welchen Methoden die Verbrecher vorgehen, ist völlig unsinniger Natur, wird in einem verspielten Wallace-Krimi aber freilich nicht hinterfragt, da es zu den üblichen Spinnereien der Reihe gehört, die man als Fan nicht missen möchte. „Die Tür mit den 7 Schlössern“ (Alternativtitel) ist somit solide Routinekost innerhalb der Reihe, was doch ein passables Ergebnis für einen solch unbekannten Film innerhalb der Frühphase ist.  OFDb

02.03.2017

DER ZINKER (1963)

„Der Zinker“ wird gerne als einer der Höhepunkte der Rialto-Wallace-Reihe bezeichnet, ich habe da aber meine anderen Kandidaten. Der Kriminalfilm mit Heinz Drache in seiner klassischen Rolle als Ermittler macht durchaus Spaß, und Klaus Kinski hat man innerhalb der über 30teiligen Kino-Serie nie kranker agieren sehen, was schon was heißen mag, aber mehr als kurzweilig und amüsant fand ich das Werk nicht, obwohl es von meinem liebsten Wallace-Regisseur Alfred Vohrer inszeniert ist.

Dessen Stil erkennt man zwar an den herrlichen Nonsensspielereien am Rande, wie der Innenaufnahme des Gebisses eines Vegetariers, aber wo der gute Mann es sonst schafft jegliche Szene bestmöglich zu inszenieren, da will bei „The Squeaker“ (Alternativtitel) manche Szene etwas blass wirken, manches wird zudem zu sehr angedeutet anstatt deutlicher benannt, so dass man sich nicht so leicht orientiert bekommt, wie bei einem Wallacefilm üblich.

An den Figuren liegt das keineswegs, wissen doch gerade die wieder zu gefallen. Vielleicht mag man mit Draches typisch bieder angelegter Kommissareninterpretation nicht einverstanden sein, zu den Sympathieträgern gehört der Ermittler diesmal aber ohnehin nicht, so überheblich wie er niemanden Sätze zu Ende sprechen lässt. Die alte Dame, die Rolle Pfitzmanns, die Kriminalautorin und der diesmal nicht den Sir John spielende Siegfried Schürenberg lenken gut dagegen, wissen in all ihren Szenen zu gefallen, und dank nebliger Außenlocations, zwielichtiger Spelunken und schön dekorierter Adelshäuser agieren sie im üblichen Wallace-Flair, dem das Schwarz/Weiß sehr gut tut.

Etwas schwammig ist diesmal die Verdächtigenzahl ausgefallen. Zwar hat man als Zuschauer mehrere Vermutungen wer der Zinker sein könnte, die Auflösung präsentiert einem aber leider den offensichtlichsten von ihnen. Das wundervolle Szenario der Überführung lässt einen zwar versöhnlich mit der etwas enttäuschenden Auflösung zurück, andererseits ist es aber gerade sie schuld, dass der Mensch hinter dem Pseudonym viel zu erbärmlich wirkt, als dass man ihm die Abgebrütheit des Zinkers zugetraut hätte.

In Alfred Vohrers Film ist nicht alles Gold was glänzt, und allein weil nicht aus allem das Maximum heraus geholt wird, zählt „Der Zinker“ zu Vohrers schlechtesten Beiträgen der Reihe. Ein schlechter Vohrer-Wallace ist aber noch immer ein sympathischer, so dass sich Freunde der Reihe trotzdem nicht davon abhalten lassen sollten diese dritte Verfilmung des Stoffes zu sichten.  OFDb

28.02.2017

DAS INDISCHE TUCH (1963)

„Das indische Tuch“ ist zweifelsohne mein liebster und am meisten gesichtester Wallace-Film. Wie könnte man ihn bei seiner klassischen Ausgangslage auch nicht mögen? Eine Testamentsverkündung, ein Ort abgeschottet vom Rest der Welt, ein 10 kleine-Negerlein-Szenario, der Handlungsort ein Schloss - das alles weiß zu wirken. Die Creme de la Creme die Alfred Vohrers Werk aber überhaupt erst zu einer solch unterhaltsamen Größe macht ist die hoch interessante Figurenkonstellation und ein Drehbuch, welches vorzügliche Dialoge und Monolge zauberte.

Es ist erstaunlich wie wenig konstruiert die gewitzten Worte wirken, selbst dann wenn sie ein wenig zu aufgesagt klingen. Aber im hier besprochenen Kammerspiel-artigen Kriminalfilm weht immer auch ein Hauch Theateratmosphäre mit, so dass man diese Art des Spiels nie als mangelndes Schauspieltalent abtun könnte, zumal die Wirkung ihren Zweck erfüllt. Eddi Arent mimt den höchst skurrilen Butler, dessen Humor auch gerne mal morbider Art ist, die Hausherrin ist ein eiskaltes Biest und eine übervorsorgliche Mutter, ihr Sohn ein in einer eigenen Welt lebender Wunderling, dessen erstes Klavierkonzert kurz bevor steht. Kinski mimt den Bastard der Familie, Schürenberg einen stets auf Safaris reisenden Engländer, und der amerikanische Ehemann einer Verwandten der Familie Lebanon sorgt für die ersten Höhepunkte des Streifens.

Wenn nach einer Mordanschuldigung dem Amerikaner gegenüber ein Gespräch unter vier Augen zwischen den Eheleuten stattfindet, dann ist die Dramaturgie und die Charaktertiefe auf einem Hoch. Auch hier erweisen sich die Dialoge als des Zitierens wert, und Alfred Vohrer beweist, dass er auch in seiner überspitzten Inszenierung, die stets Augenzwinkern und Humor zulässt, bittere Momente kompatibel einbauen kann - erstaunlicher Weise ohne den augenzwinkernden Aspekt zu pausieren. Ihm gelingt eine Meisterleistung, die selbst der höher geschätzte, ebenfalls von Vohrer inszenierte, „Der Hexer“ trotz seiner gelungenen Art nicht zu erreichen weiß.

Vohrer ist bekannt dafür die Reihe spätestens in der Buntphase durch seine immer drastischeren Überspitzungen in eine andere Richtung gelenkt zu haben. Das schmeckte vielen Fans der Schwarz/Weiß-Phase nicht, führte aber schließlich zum zweiten Höhepunkt der Reihe, den völlig in Komik badenden „Der Mann mit dem Glasauge“. Ob man diese Entgleisung einer halbwegs ernster gestarteten Krimireihe nun mag oder nicht, bereits in „The Indian Scarf“ (Alternativtitel) schwingen die Experimente Vohrers stark mit, noch jedoch ohne das Geschehen vollends zu dominieren.

Dennoch fallen solch schräge Ideen wie der selbstfahrende Wagen des Butlers, oder dessen Ritual des Gedeckabdeckens eines jeden Verstorbenen als lustige Besonderheiten auf, ebenso wie besagte lustige Dialoge, wie z.B. der Kommentar darüber, dass das Telefon in den kommenden Tagen aufgrund einer Funktionsstörung nur noch als Zimmerschmuck dienen wird. „Das indische Tuch“ könnte von diesen schrägen Stärken alleine leben, was ihn jedoch nicht zu einem der Höhepunkte der über 30 Filme beinhaltenden Reihe werden lassen würde. Was an Vohrers Beitrag neben all der verspielten Art und der gut gelaunten Schauspieler so viel am brillanten Ergebnis ausmacht, ist zudem das Spiel des Mörderratens für den Zuschauer.

Nicht nur dass die Auflösung sich sehen lassen kann, so toll wie sie selbst dann in ihrer Konsequenz zu wirken weiß, wenn man den Braten bereits zuvor gerochen hat, die Motivation bei solch einer Gruppe interessanter Figuren mitzuraten, ist enorm groß, wahrscheinlich größer als bei jedem anderen Wallace-Beitrag der Rialto-Reihe. Zwar muss man faier Weise sagen, dass das Mörderraten nie zu den Haupttrümpfen der Reihe gehörte und damit kein Pflichtrezept war, aber „Das indische Tuch“ atmet diesbezüglich Agatha Christie-Flair, und das kann auch in der komödiantisch angehauchten Form kein Fehler sein, wie auch der legendäre „16 Uhr 50 ab Paddington“ mit Margaret Rutherford beweist.

Wallace-Stars auf einem Hoch ihrer Spielfreude, alle klassisch besetzt und damit ihre Stärke voll einbringen könnend, ein augenzwinkernder Grundton der auch Dramaturgie und einen Spannungsbogen zulässt, an „Das indische Tuch“ gibt es bishin zum flotten Titellied und der ewig im Hintergrund ertönenden Klaviermusik des Sohnes nichts zu meckern. Alles greift perfekt ineinander, so dass der Film wahrlich ein Liebhaberstück der Reihe, aber auch seines Genres geworden ist. Sicher lohnt sich aufgrund vieler geglückter Beiträge ein intensiver Blick auf Rialtos Wallace-Filme, wer aus welchem Grund auch immer diese jedoch meidet, sollte zumindest beim hier besprochenen Film eine Ausnahme machen. Man verpasst sonst einen wahrhaften Schatz des deutschen 60er Jahre-Kinos.  OFDb

13.08.2016

DER HEXER (1964)

Als ich vor etwa 20 Jahren erstmals die Filme der Rialto-Wallace-Reihe sichtete, da behielt ich „Der Hexer“ als angenehm routinierten, aber keinesfalls hervorhebenswerten Beitrag der Serie in Erinnerung. Diese zweite deutsche Verfilmung eines des am meisten verfilmten Stoffe nach Edgar Wallace, entpuppte sich nun bei der Neusichtung als überraschend sehenswerter Beitrag, der nicht nur prächtig zu unterhalten weiß, sondern schon die Weichen für die Buntphase der Reihe stellt, die Alfred Vohrer später als Spielwiese für skurrile Einfälle nutzte und damit endgültig ein groteskes Alternativ-Edgar Wallace-Universum zu dem unseren schuf.

Bereits hier tobt sich Vohrer mit ungewöhnlichen Einfällen wie der Kameraaufnahme hinter der Wählscheibe eines Telefons, reißerischen Mordversuchen wie den Giftschlangen in den Manteltaschen der Ermittler und einer kleinen aber wirksamen Dosis mimischen, körperlichen und redseligem Klamauks und amouröser Anspielungen aus, so dass es ein wenig ironisch klingt dass „Der Hexer“ bis heute als der allgemein beliebteste Teil der Reihe gilt, wohingegen die meisten Zuschauer mit der Buntphase der Rialto-Wallace-Serie aufgrund ihrer Überspitzungen nichts anzufangen wissen.

In „Der Hexer“ bekommen zumindest die Freunde beider Seiten all das geboten was man sich von einem Wallace-Film der 60er Jahre wünscht. Somit bildet der Streifen eine sehr gleichgewogene Schnittstelle zwischen beiden Stilrichtungen und beschenkt den Stammzuschauer zudem damit bis auf Karin Dor und Klaus Kinski alle beliebten Gesichter der Reihe in einem Film zu vereinen, ein Star-Aufgebot welches durch die Spielfreude aller Anwesenden und der augenzwinkernden und flotten Umsetzung bereichert wird.

Higgins mag ein wenig tolpatschig und dümmlich wirken, erstaunlicher Weise hemmt dies die Wirkung des Streifens keineswegs, zumal Fuchsberger seine Stammrolle charmant zu verkörpern weiß und das Denken diesmal seinen vielen Mitermittlern überlässt. Diese sind nötig um darüber hinwegzutäuschen, dass sich „Der Hexer“ wieder einmal der Auflösung von „Der rote Kreis“ bedient, und damit der Zuschauer dies nicht voreilig errät lenkt die Rolle von Heinz Drache gekonnt von diesem Zustand ab.

Somit erzählt „Der Hexer“ nicht nur das was 30 Jahre zuvor „Der Hexer“ erzählte, auch wenn beide Verfilmungen sich eng an die Buchvorlage halten, sondern bereichert das bereits Bekannte durch einen metareflektierten Blick, durch durchdachte psychologische Methoden um mit dem Zuschauer zu spielen und durch seine ironische Distanz zum Ur-Stoff, was nicht verwundern braucht so out die Romane von Wallace zu Beginn der Rialto-Reihe galten und nur über ihren augenzwinkernden Umgang filmisch umgesetzt solche Erfolge feiern konnten. Mein liebster versteckter Meta-Verweis des hier besprochenen Kriminalfilms ist die Bekanntgabe der Vornamen von Inspektor Higgins, welche die selben sind, die auch Edgar Wallaces Sohn trug.

Ein best gelaunter Eddi Arent spielt so skurril komisch wie man ihn am liebsten sieht, Siegfried Schürenberg hat die Lacher auf seiner Seite, und die drei Ermittler sind sowohl in ihren Rollen als auch rein von den Schauspielern her solch sympathische Gestalten, dass dies zu einem guten Teil der angenehmen Chemie des Streifens beisteuert, der bereits ein Jahr später mit „Neues vom Hexer“ fortgesetzt wurde und das einzig direkte Sequel eines Vorgängerstoffes innerhalb der Rialto-Reihe bleiben sollte.  OFDb

14.07.2016

NEUES VOM HEXER (1965)

Die Rialto-Version des relativ oft verfilmten „Der Hexer“ war ein Kassenschlager, und so folgte nur ein Jahr später, erneut unter der Regie Alfred Vohrers, „Neues vom Hexer“, der ebfalls auf einem Roman von Edgar Wallace beruht und somit nicht eigens für die Kinoreihe erfunden wurde. Der Aufhänger ist weniger spektakulär als im Original, da etwas erzwungen wirkend. Aber das tut dem eigentlichen Film keinen Abbruch, ist doch nach der weit hergeholten Idee wie der Hexer ins Geschehen eingebunden wird, alles beim alten. Eine Familie wird nach und nach ermordet, der Hexer ist nicht der Täter und ermittelt auf seine Art. Da er wie gehabt ein Meister der Maskerade ist, weiß man nie hinter welchem Gesicht er sich verbirgt.

Das besitzt zwar nach wie vor seinen Reiz, meist vermutet man ihn jedoch an der richtigen Stelle. Inspektor Wesby jedoch auch, der stets schmunzelt wenn er den Hexer in einer seiner Rollen entdeckt, die erst kurz darauf als solche enttarnt werden. Somit ist es durchaus gewollt den Hexer früher zu erkennen als er offiziell enttarnt wird. Das gibt den Meinungsverschiedenheiten zwischen dem intelligenten Wesley und dem dusseligen Sir John eine zusätzliche Spielfläche, beraubt den Film jedoch um das mögliche Verwirrspiel um die Maskeraden des Hexers.

All zu hart braucht man mit „Neues vom Hexer“ jedoch nicht umgehen, ist er doch ein sympathischer Beitrag der Wallace-Reihe, mit Heinz Drache als Ermittler anstatt mit Joachim Fuchsberger besetzt, der aber immerhin im Zusammenhang mit einer Fotografie Higgins eine Erwähnung erhält. „Neues vom Hexer“ ist die einzige tatsächliche Fortsetzung eines vorangegangenen Kriminalfalls der Reihe und damit ein Unikum inmitten der Rialto-Wallace-Serie. Leider blieb der Film an den Kinokassen hinter den Erwartungen zurück, so dass die noch in diesem Teil angekündigte Fortsetzung nie umgesetzt wurde und stattdessen zu „Der Bucklige von Soho“ umfunktioniert wurde.

Das ist insofern schade, als dass „Neues vom Hexer“ halbwegs offen endet und man sich schon eine Antwort auf die vom Gauner-Trio gestellte Frage am Schluss erhoffte, zielt die Schluss-Szene doch scheinbar darauf ab, dass der Hexer auch in Zukunft mit Scotland Yard zusammen kooperieren soll. Nun werden wir es nie erfahren.

„Neues vom Hexer“ wird gerne als die schwache Fortsetzung des ersten Teils bezeichnet. Ich mochte sie schon immer, früher sogar mehr als den beliebten ersten Teil, und ich bin bei meiner aktuellen Rückwärtssichtung der Rialto-Reihe schon gespannt wie mir der erste Teil diesmal gefallen wird, hat sich meine Einschätzung der einzelnen Filme seit meinen Sichtungen in den 90er Jahren doch gravierend verändert.

Vohrers zweiter Hexer-Streich ist auf jeden Fall ein amüsanter Zeitvertreib mit einigen kleinen typischen Vohrerspielereien (allein dieser Erholungsort, in dem jeder Gast zur Entspannung eine Tageszeitung auf dem Gesicht liegen hat, ist eine herrlich bescheuerte Idee) und so manchem bekannten Gesicht innerhalb der Reihe. Lediglich Kinski wirkt ein wenig verschenkt in seiner Rolle, auch wenn es theoretisch eine wundervolle Provokation ist gerade ihn als Butler zu besetzen - und dann auch noch diesen schrecklichen, zu seinem Beruf so gar nicht passenden, Bart tragend.  OFDb

11.06.2016

DER HUND VON BLACKWOOD CASTLE (1968)

Schrieb ich in meiner Besprechung zu „Der Gorilla von Soho“ bei meiner aktuellen Rückwärtssichtung der Rialto-Wallace-Reihe (bei welcher „Im Banne des Unheimlichen“ ausgelassen werden musste, da er mir noch nicht vorlag), dass Vohrer gar nicht mehr versucht den dunklen Grusel-Krimi-Touch der beliebten Schwarz/Weiß-Vertreter der Reihe, der er angehört, zu erreichen, so lebt „Der Hund von Blackwood Castle“, der im selben Jahr erschien, ganz im Gegenteil, gerade von dem Versuch die stimmige Gruselatmosphäre der alten Beiträge mit den Pluspunkten der peppigeren späten Welle zu vereinen.

Die Sumpflandschaft und das Schloss sind dafür wunderbare Spielorte, darf die Nebelmaschine draußen doch Höchstleistungen erzielen, während die Stimmung drinnen von der kargen, da heruntergekommenen Ausstattung profitiert, was als kostengünstige Angelegenheit Produzent Wendlandt sicherlich nicht traurig gestimmt hat. Auch die Geschichte selbst könnte mit all ihren zwielichtigen Personen, unheimlichen Vorkommnissen und der unüberschaubaren Situation aus der frühen Phase der Serie stammen, zumindest wenn da nicht das farbenprächtige Abdrehen und der albernere Grundton wären, die wiederum geradezu typisch für die Buntphase steht.

Auch „Der Hund von Blackwood Castle“ ist noch weit von dem völlig überzogenen Stil des leider unterschätzten „Der Mann mit dem Glasauge“ entfernt, er bietet dem Zuschauer aber zumindest mehr fürs Auge als der im Vergleich recht zahm ausgefallene Gorilla-Film, der ein wenig zu Original-verliebt die erste Rialto-Verfilmung des Stoffes, „Die toten Augen von London“, nacherzählte. „Der Hund von Blackwood Castle“ mag alle typischen Eigenschaften eines Rialto-Wallace beinhalten und sich auch sehr bewusst an die Sherlock Holmes-Geschichte „Der Hund von Baskerville“ anlehnen, seine Eigenständigkeit kann man ihm dennoch nicht abstreiten, steckt er doch voller eigenständiger skurriler Ideen wie dem ominösen Schachspiel, dem Geheimnis um die Leiche des Kapitäns und dem höchst ominösen Mordwerkzeug mit welchem der titelgebende Hund seine Opfer ins Jenseits befördert.

Auch der menschliche Part steht dem in nichts nach, wenn ein Haufen Zwielichtiger auf eine Gruppe harmlos scheinender Rentner stößt, und mitten drin der zu Zoten neigende Sir John ermittelt, der gleich seine Sekretärin mitgebracht hat, die für so mancherlei frivolen Spaß sorgt. Mit die interessanteste Rolle hat der hier zum letzten mal in einem Wallace-Film mitwirkende Heinz Drache erwischt, der so spielfreudig seiner einfallsreich charakterisierten und undurchschaubaren Figur Leben einhaucht, dass man sich zu Recht fragen darf warum er danach nie mehr auftauchte.

Wovon sich „Der Hund von Blackwood Castle“ ganz entscheidend von seinen Vorgängern unterscheidet, ist der Aufbau der Geschichte, der sich für seine Vorgeschichte sehr viel Zeit nimmt, bevor mit Sir John erst nach fast einer halben Stunde Scotland Yard ins Geschehen tritt. Selbstverständlich gibt es bereits zuvor so manche Tode mitzuerleben, eine Leiche wird jedoch erst aufgefunden, wenn sich wer Drittes in eine bereits routiniert durchgeführte Mördermasche einmischt und dafür sorgt, dass der Körper des zuletzt Ermordeten nicht unentdeckt entsorgt werden kann.

Allein dieser Ausgangspunkt sorgt für genügend Rätsel die gelöst werden müssen. Und es bereitet viel Freude dabei zuzusehen, wie aus einer völlig verspielten, den Kriminalfall zu keiner Zeit ernst nehmenden Geschichte, eine halbwegs logische Auflösung wird, freilich betrachtet innerhalb des völlig irrsinnigen mit Zwielichtigkeiten überfrachteten Wallace-Universums. Mag die Motivation der zentralen Figur sich auch im Finale noch zum x-ten Mal überraschend wandeln und der eigentliche Auslöser der ganzen Chose ein recht umständlicher Plan sein, der nur aus der Feder von Pulp-Autoren stammen kann, innerhalb dieses Comic-Flairs herrscht jedoch so etwas wie ein nachvollziehbares Ende, das sich nicht in billige Ausflüchte rettet, sondern konsequent und lückenlos das beendet, was zuvor aufgekocht wurde.

Als großen Wurf der Spätphase würde ich „Der Hund von Blackwood Castle“ nicht bezeichnen, aber er gehört zu den charmanten Vertretern dieser Zeit, dem man zumindest zugestehen kann, dass er versucht hat ein Rest-Flair der ersten Dekade wieder aufzugreifen. Engstirnige Befürworter der Schwarz/Weiß-Phase, die mit ihren Vorurteilen der Buntphase nie eine wirkliche Chance gegeben haben, werden dies als gescheitert betrachten. Ich hingegen finde den ungewöhnlichen Mix beider sehr unterschiedlicher Stilmittel reizvoll, und die Geschichte, mit welcher dieses Experiment gewagt wurde, interessant und kurzweilig.  OFDb

30.07.2013

DAS HALSTUCH (1962)

Eine Kriminalgeschichte in England spielend mit der klassischen „Wer ist der Mörder?“-Frage, das war in den 60er Jahren in Deutschland ein sehr beliebtes Rezept, nicht allein aufgrund der berühmten Edgar Wallace-Reihe, welche die Rialto-Studios in die Kinos brachte, aber auf jeden Fall durch diese stark beeinflusst. Was auf 90 Minuten im Kino wirkt, muss noch nicht auf etwa 210 Minuten im Fernsehen funktionieren. Aber seinerzeit ging die Rechnung auf. Damals als Sechsteiler im Fernsehen ausgestrahlt, kam das von Hans Quest inszenierte Stück derart gut an, dass es Einschaltquoten von bis zu 89 Prozent absahnte, so sehr war das Publikum an der Auflösung des Kriminalfalles interressiert, und so wurde „Das Halstuch“ als sogenannter Straßenfeger legendär.

Ebenso legendär ist die Geschichte darüber, dass Wolfgang Neuss vor Ausstrahlung der letzten Folge den Täter bekannt gab, um mehr Menschen vom Fernseher weg und ins Kino hinein zu locken. Dieser log witziger Weise, nannte per Zufall jedoch den wahren Täter. Die Zuschauer waren seinerzeit erbost und haben Neuss dieses Verhalten nicht verziehen.

Seit der Erstausstrahlung sind 52 Jahre vergangen. Da darf man mit Recht kritisch werden bei dem Gedanken ob ein Kriminalfilm auf diese Lauflänge auch heute noch zu funktionieren weiß. Von meiner Seite aus kann ich jedoch nur sagen, dass ich wunderbar unterhalten wurde. „Das Halstuch“ ist simpel, schlicht und soll lediglich unterhalten. Eine hoch knifflige Geschichte braucht hier also niemand zu erwarten, aber es funktioniert. „Das Halstuch“ weiß mit einfachem Stil zu unterhalten, so sehr, dass man den mittlerweile auf drei Teilen konzipierten Film in einem Rutsch durch schauen kann. Meiner Meinung nach sollte man dies auch tun, ist das Nostalgie-Feeling doch so schön, wenn man gerade mittendrin ist, und sind die kleinen Subplots und die kleineren Rollennamen doch damit einfacher zu merken.

„Das Halstuch“ ist ein sogenanntes Fernsehspiel, das sich von üblichen Serien, zumindest wie wir sie heute kennen, unterscheidet. Das Setting ist auf Theaterniveau und soll auch so sein, Außenaufnahmen gibt es relativ wenige und mit ihr auch Actionszenen im weitesten Sinne. In „Das Halstuch“ wird fast pausenlos geredet, und das ist sein Trumpf. Ähnlich wie Hitchcocks „Bei Anruf Mord“ entsteht der Spannungsbogen fast allein über die Dialoge, und das ist schon ein kleines Talent für sich.

„Das Halstuch“ nimmt sich nicht so ernst, soll nicht nur leicht unterhalten sondern auch von leichter Hand produziert sein. Da darf auch mal die Kamera versehentlich wo gegen kommen, ohne dass gleich neu gedreht wird, und da darf ein Schauspieler auch mal nicht sofort den Jackenärmel beim Anziehen finden. Das nimmt man alles nicht so streng. All diese kleinen Patzer, die eigentlich keine sind, sondern erst aus der heute so unnötigen Perfektion als solche betrachtet werden, sind Teilverursacher dieses naiven Charmes, den die Produktion einen auch noch beim heutigen Sichten beschert.

Mit an Bord ist Wallace-Veteran Heinz Drache als Ermittler, der ebenso spielt wie in der Kino-Reihe, was sicherlich kein Nachteil ist. Auch Horst Tappert, den man viel zu selten in anderen Rollen als in „Derrick“ sah, ist mit dabei und weiß zu überzeugen. Albert Lieven gefällt in der zweitwichtigsten Rolle als Verleger Clifton Morris. Und auch Dieter Borsche ist mit dabei, wenn auch in einer etwas uninteressanteren Rolle. Margot Trooger und Erica Beer sind als die weiblichen Zugpferde mit an Bord, und  Hellmut Lange darf auch eine wichtige Figur spielen.

Die Frage wer der Mörder ist steht tatsächlich im Mittelpunkt. Verdächtig sind nicht viele, aber genug, und einer der üblichen Verdächtigen ist es dann auch, man kann also drauf kommen, aber lediglich durch Raten. Per Kombination kommt man da nicht weit, und so ist es schön, dass die Täteraufdeckung nicht nur in ihrer Auflösung gelungen ist, sondern auch durch den Weg dorthin. Yates hat im Laufe der 3 Folgen einiges an kleinen Fallen aufgebaut und eingestreut, die für die Ermittlungen bedeutender sind als sie zunächst unscheinbar in die Geschichte integriert wirkten. Gut so!

Insgesamt weiß „Das Halstuch“ also auch heute noch zu gefallen, zwar weniger durch seinen Spannungsbogen, als viel mehr durch seinen nostalgischen Charme, der durch die Leichtfüßigkeit der Verwirklichung eines solchen Projektes geprägt ist im Vergleich zur strengen Engstirnigkeit heutiger ständig anvisierter Perfektion, die im Trivialunterhaltungs-Bereich überhaupt nicht nötig wäre. Aber auch auf dieser Basis braucht sich der Film nicht zu verstecken, zumal Figuren und Situationen auch heute noch zu interessieren wissen. Zudem läuft Quests Werk nie Gefahr lächerlich zu wirken, so wie es manchen Kinoproduktionen dieser Zeit erging. Unfreiwillig komisch ist hier nichts wirklich, lediglich befremdlich wirkt manches mit über 50 Jahren Abstand. Allein wie viel hier unverkrampft geraucht wird, eben weil die Gesellschaft in solchen Punkten damals freier war als wir heute, wirkt mittlerweile recht ungewöhnlich.  OFDb

08.12.2012

DAS WIRTSHAUS VON DARTMOOR (1964)

Das Gefängnis von Dartmoor ist vom Sumpf umgeben, deshalb kamen Ausbrecher nie sehr weit. Neuerdings gelingt immer mehr Häftlingen die Flucht, und Chefinspektor Cromwell vermutet einen Helfer unter dem Gefängnispersonal. Auch das Wirtshaus von Dartmoor, das ans andere Ende des Sumpfes grenzt, scheint mit den mysteriösen 12 Ausbrüchen irgend etwas zu tun zu haben...

Ein Moor voller Geheimnisse...
 
Zur Hochzeit der Wallace-Welle kramte man alles hervor, was an Thematik ähnlich war und sich auf gleicher Ebene verkaufen ließ. So erwischte es auch die Kriminalromane eines Victor Gunn, ein Pseudonym des Schriftstellers Edwy Searles Brooks. Viele seiner Bücher handelten vom Gesetzeshüter Cromwell, und so ist er auch hier Hauptperson des Kriminalfilms.

Statt seines Assistenten Johnny Lister bekommt er eine fragwürdige Person an die Seite gestellt, die unabhängig von ihm auf private Faust ermittelt, ein gewisser Mr. Smith, der sich später als Mann mit Nachnamen Nash entpuppt.

Ihn besetzte man mit Heinz Drache, der häufig Hauptfiguren in Wallace-Verfilmungen spielen durfte. Eine seiner besten Rollen innerhalb des Subgenres dürfte die in „Das indische Tuch“ gewesen sein, wo er ebenso wie hier auf freche Art ermittelt. Die unverschämte Umgangsweise mit seinen Mitmenschen und das lockere Mundwerk waren nicht nur sein Markenzeichen, sondern allgemein die Art der Ermittler in Filmen der damals sogenannten harten Welle.

Heinz Drache spielt mit leichter Hand, wirkt dabei nicht sonderlich professionell, aber er scheint Gefallen an der Rolle gefunden zu haben, die er unter anderen Namen immer wieder zum besten geben durfte. Die restliche Besetzung spielt auch sehr nett. Die meisten sind keine Größen ihres Faches, aber sie füllen ihre Figuren soweit aus, dass es für die kleine triviale Unterhaltung am Rande reicht.

Dieser Punkt rettet den Film auch vor dem Untergang in die uninteressante Mittelmäßigkeit. Zwar weiß die Geschichte samt Aufhänger zu gefallen, aber der Film selbst ist recht schludrig heruntergekurbelt. Schnitte sind nicht immer die besten, nicht alles was man sieht macht Sinn (Nash sitzt in Cromwells Privatwohnung beim Essen, obwohl eine solche Einladung zum restlichen Geschehen gar nicht passt, Schilder wie die Aufschrift „Zuchthaus Dartmoor“ sind in deutsch verfasst, obwohl der Krimi in England spielt, ...) und allgemein geht die Geschichte manchmal recht holprig vonstatten.

Regie führte Rudolf Zehetgruber, den die meisten Cineasten wohl eher als Schauspieler kennen. Er spielte in den Dudu-Filmen den Jimmy Bondie, führte auch dort Regie, und wer die Filme um den kleinen gelben Käfer kennt, der weiß dass auch sie keine Großereignisse auf der Kinoleinwand waren. Zehetgruber war kein Profi seines Fachs, aber er lockte mit seinen einfachen Filmchen zumindest ein Publikum. Auch „Das Wirtshaus von Dartmoor“ setzt er nicht vollkommen in den Sand, aber wie oben erwähnt ist es sein Glück, dass die Figuren so sympathisch besetzt wurden.

Neben Wallace-Veteran Heinz Drache wurde sich auch musikalisch an den großen Vorbildern orientiert. Wieder einmal darf Peter Thomas einen Soundtrack beisteuern, wohl den zur damaligen Zeit häufigsten Filmmusik-Komponisten.

Für einen Film seiner Zeit geht es im gewissen Rahmen recht freizügig zur Sache. Zumindest zeigt die Bekleidung der zwielichtigen Bardame mehr als zu seiner Zeit üblich, und ihr Umgang mit Männern wird überraschend lässig toleriert.

Wesentlich blauäugiger geht man mit dem Leben im Gefängnis um. Im letzten Drittel geht Nash als Köder in den Knast, und von Vergewaltigung und anderen düsteren Alltags-Elementen hat man hier noch nie gehört. Das muss aber eigentlich auch so sein, schließlich ist bereits die Aufteilung Kriminalist und Verbrecher sehr schlicht gehalten. Wer Gutes ist immer gut und wer Schlechtes ist immer schlecht. Letztendlich ist es aber auch diese Versimplung, die solchen Filmen einen gewissen Reiz beschert.

Wer Filme wie „Das Gasthaus an der Themse“, „Das siebente Opfer“ und „Das Phantom von Soho“ mag, wird auch hier gut unterhalten werden. Zehetgruber liefert alles andere als Kunst ab, aber einer kurzweiligen Unterhaltung steht eigentlich nichts im Weg.  OFDb