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18.04.2020

WHY HIM? (2016)

"Why Him?" versucht in einer an "Meine Braut, ihr Vater und ich" und "Schwiegersohn Junior" erinnernden Geschichte von einem Sonderling zu erzählen, den man mit der Zeit lieb gewinnen soll. Aufgrund einer psychologisch undurchdachten und unsensiblen Charakterisierung der Figur des eigentlich gut gespielten Lair und dem Drang stetig aufdringlich Tabus aufzubrechen, will das jedoch so gar nicht funktionieren, ist die Figur doch zu recht ein Unsympath, so wenig wie er sich in andere einfühlen kann. Man entschuldigt seine Art mit seiner familiären Hintergrundgeschichte und damit, dass er es doch gut meint und nicht besser kann. Aber es gibt einfach keinen vernünftigen Grund diesem Holzklotz von Mensch zu mögen, so sehr das Drehbuch auch darum bemüht ist, ihm Sympathie zuzuspielen. Auch eröffnet sich dem Zuschauer nie, warum sich Stephanie emotional zu ihm hingezogen fühlt. Man versteht vielmehr die Haltung des als Spießers gebrandmarkten Ned, und kann freilich mit dessem obligatorischem Wandel zum Schluss nichts anfangen. Autor Jonah Hill schreibt etwas nach, was andere Filme vormachten, ohne Ursache und Wirkung, gegenseitigen gesellschaftlichen Einfluss und andere psychologische Elemente zu verstehen. Wie auch? Er ist viel zu sehr damit beschäftigt jene Art aufdringlichen, pubertären Provokations-Humor einzubauen, für den er mit "Superbad" und Co berühmt wurde, um zu bemerken, dass der Fluss der Geschichte und die Gefühlswelt, die er verursachen soll, nicht funktionieren.

Wo durch gelegentlicher (nicht immer funktionierender) Zuführung derartigen Humors Werke von Hills Kumpel Seth Rogen zu funktionieren wissen, da will der inflationär eingebrachte Humor in "Why Him?" kaum funktionieren und macht, trotz einiger wahrlich gelungener Momente, aus dem fertigen Film eine ziemlich peinliche Nummer. Das verärgert umso mehr, als dass mit James Franco ein talentierter Mime mit an Bord ist, der eigentlich gerade laute Provo-Komik gekonnt zu beherrschen weiß. Noch ärgerlicher ist es mit Blick auf Bryan Cranston, der allein in "Breaking Bad" bewies wie facettenreich er schauspielern kann. Durch eine Rollenauswahl wie diese, ist es kein Wunder, dass er trotz seines überragenden Talents keinen Erfolg im Filmbereich verbuchen kann. Regisseur John Hamburg gehört mit Arbeiten wie "Und dann kam Polly" und dem etwas besseren "Trauzeuge gesucht!" auch nicht gerade zum Personenkreis seines Fachs, dessen Filme über Durchschnitt funktionieren, aber das Fremdschäm-Desaster haben wir definitiv Jonah Hill zu verdanken, der es als fester Teil der hier tätigen Gruppe Filmemacher schaffte James Franco und Ben Stiller als Produzenten zu gewinnen. Als Gaststars huschen noch zwei Kiss-Mitglieder durchs Bild, ein Gastauftritt der so anbiedernd anstatt erfreuend zu funktionieren weiß, wie die Krankheit unter welcher der komplette Film leidet. Es ist erstaunlich dass eine gewisse Restsympathie bei einem sehr wohlwollenden Publikum den Streifen trotz allem vor dem totalen Untergang bewahrt.  OFDb

10.09.2017

BEIM ERSTEN MAL (2007)

Während der Versuch Seth Rogen in „Zack and Miri make a Porno“ sanfter als gewohnt einzusetzen eher als gescheitert betrachtet werden darf, ist dieses Experiment im ein Jahr zuvor erschienenden „Beim ersten Mal“ bereits vorher geglückt. Dabei klingt das Handlungskonstrukt zunächst arg bieder, der Plot keineswegs innovativ, wirkt eher orientierungslos angehaucht, und keine der Figurenzeichnungen ist positiv ausgefallen. Man muss schon etwas näher hingucken, um die Stärken eines Streifens kennenzulernen, der davon handelt dass zwei unterschiedliche Menschen aufgrund einer Schwangerschaft versuchen eine Partnerschaft zu leben. Das klingt arg nach dem zwanghaften Familienbild amerikanischer Filme, nach einem Belehrungsversuch Alternativlebende zur Zweisamkeit zu bekehren und nach gesellschaftlichen Vorurteilen ein Baby würde nur im klassischen Familienbild glücklich aufwachsen können.

„Beim ersten Mal“ ist hingegen viel sensibler erzählt und gedacht, als uns der provokante Ekelhumor rund um Bens Clique zunächst weiß machen möchte. Es geht um den echten Versuch den Menschen hinter dem ersten Eindruck kennenzulernen, um den wahren Charakter eines Menschen, der in der Regel etwas Liebenswertes in sich trägt, das es zu entdecken lohnt. Und Judd Apatows Film macht es seinen Protagonisten wahrlich nicht leicht dies aneinander zu entdecken. Fortschritte wechseln sich mit Rückschritten ab, zu arges Bemühen mit natürlichem Funktionieren, äußere Beeinflussung mit eigenem, kritischen Denken, zu schnelle Entscheidungen mit zu stark überdachten. Wie im wahren Leben werden die Tücken des Alltags, das Umfeld und die Selbstzweifel zu Stolpersteinen des Glücks.

Aufgrund dieser facettenreichen Orientierung tut es dem Film unglaublich gut, dass er sich stets für Nebensächlichkeiten Zeit nimmt, thematisch scheinbar sinnlos abdriftet, oft um das Ergebnis herumschlendernd anstatt das Ziel direkter anzusteuern. Wer den wahren Kern des Films entdeckt und in diesem emotional eintauchen kann, der wird nie, wie oft zu lesen, beklagen, dass die Laufzeit zu lang ausgefallen sei und dass der Film mit Nichtigkeiten überfrachtet sei. Ganz im Gegenteil würde die Hauptgeschichte gar nicht ohne dieses Beiwerk funktionieren, weil eben dies das Leben ausmacht und beeinflusst.

Es ist schön, dass es trotz diverser Entgleitungen in eine alternative Kinorealität, in solch einem Film tatsächlich einmal um den Menschen geht, anstatt um Erwartungen eines Kinofilms zu diesem Genre. Es geht um alles was der Mensch verkörpert, ohne moralisch oder anderweitig orientiert irgendetwas schönreden zu müssen. Das ist in einem romantisch angelegten Werk durchaus möglich, wie „Knocked Up“ beweist, aber man muss sensibel hinter den Schleier scheinbarer Klisches blicken können, man muss selbst die Fähigkeiten der hier gezeigten Figuren besitzen, sich auf jemanden einzulassen, der einem zunächst unsympathisch erscheint. Und dank der Gegenüberstellung eines nicht wirklich glücklichen oder unglücklichen Ehepaares, bekommt der Versuch der beiden zentralen Figuren eine Spiegelung dessen vorgehalten, was aus einer Partnerschaft werden kann, sollte, bzw. nicht sollte.

Es ist wohl dem Drehbuch zu verdanken, dass selbst diese Nebenfiguren empathisch beleuchtet werden, Tiefe erhalten und zu weit mehr werden als für Randaussagen nützliche Stereotypen. Dass dies bei Bens Freunden nur bedingt funktioniert, verwundert aufgrund der unangenehmen Ekelkomik in diesen Reihen nicht, die Rogens grenzwertigen Humor ebenso in den Film einbringen, wie Rogen in vorgenommener Besetzung seine persönlichen Freunde integriert, seine Standard-Crew. Dass aber selbst deren verkörperte Figuren den Ansatz von Tiefe besitzen und der Zuschauer die Schwächen sich stark gebender, schmuddeliger Männer entdecken kann, beweist die Sensibilität des Streifens, bzw bei Nichtfunktionieren der Mangel an Sensibilität beim Zuschauer.

Was bei Ben zu Hause passiert ist selbst mir als Freund seiner Filme oftmals zu viel des Schlechten und kratzte damit leicht an der ansonsten angenehm zu schauenden Fassade des Wohlfühlfilms. Aber mit diesen kleinen Abstrichen kann ich leben innerhalb eines Filmes der stillen Komik, der urplötzlichen lauten Lacher, der ansteckenden Romantik und der nachvollziehbaren Reibereien. Es ist herzerwärmend zwei unterschiedliche Menschen dabei zu begleiten das Liebenswerte ineinander zu entdecken, und es tut ebenso gut ganz nebenbei eine entstehende Männerfreundschaft mitzuerleben, deren einzige Basis es zunächst ist Vater zu sein / Vater zu werden. Vielleicht ist es letztgenannter, nicht zu unterschätzender Aspekt, der dabei hilft aus „Beim ersten Mal“ keinen reinen Frauenfilm werden zu lassen. Aber allein die Besetzung Seth Rogens ist eigentlich schon der erste Schritt gegen solch ein Klischee-Kino zu steuern.  OFDb

31.07.2017

SAUSAGE PARTY - ES GEHT UM DIE WURST (2016)

Ich mag die von Seth Rogen geschriebenen Komödien, gerade dann wenn er mit James Franco ein Team bildet. Ob sich Rogens Humor jedoch auf einen Zeichentrickfilm übertragen lässt, ließ in mir Zweifel aufkommen. Und auch wenn ein Blick auf den Trailer zum Film durchaus belustigend ausfiel, so blieb ich doch trotzdem kritisch. Man kennt sie, diese auf erwachsenerem Humor getrimmten Trickfilme, die entweder in ihrer Provo-Art zu kindisch, zu unterkühlt oder zu Genre-anbiedernd daher kommen. Und was soll man sagen? Letztgenanntes ist auch in „Sausage Party“ der Fall.

Es ist nicht so, dass es nicht hervorragende Ideen gäbe, die durchaus zum Lachen anregen, einzelne sind sogar recht brillant und intelligent ausgefallen, warum man eine so lustig auf grenzwertigen Humor angelegte Komödie jedoch in einen Handlungsverlauf zwängen muss, der für den Animationsbereich leider geradezu typisch geworden ist, will ich nicht verstehen. So trifft Anarchie auf Mainstream und wechselt sich immer wieder ab, so dass man als Zuschauer ständigen Stimmungsschwankungen ausgesetzt ist. Da wird brav gesungen (provokativ gemeint, aber doch nur brav ausgefallen), da gibt es die typischen Actionmomente aus dem Animationsfilmbereich, der in der Regel für den jungen Part des Publikums eingebaut wird, also einer Gruppe von Menschen, die nicht zum Zielpublikum von „Sausage Party“ gehören, und da muss die Geschichte harmonisch schließen, wie ein jeder Trickfilm aus Amerika.

Würde zwischendurch nicht gefickt, gekifft und gestorben werden, es wäre der typische Handlungsablauf einer familientauglichen 08/15-Geschichte für den übersättigten Zeichentrickmarkt. Da zudem manche Provokation, wie meist in solchen Filmen, zu infantil ausfällt, bleibt das Ergebnis leider ein mageres. Das ist schon schade, schließlich weiß die Religionskritik in ihrer abgedrehten Art zu gefallen (bis zu jenem Moment, wo die alte Laier des Respekts vor dem Glauben anderer stattfindet), der Gegenpart in Form eines ausgespuckten Kaugummis als Stephen Hawkings-Parodie ist ebenfalls gelungen, und wenn in der Küche das Massaker losgeht, welches alle Gläubigen extremst schockiert bevor sie sterben, ist „Sausage Party“ ohnehin auf seinem Hoch.

Der Rest stolpert zwischen amüsant, gewollt und kindisch hin und her und lässt sich zwar mit gelegentlichen Lachern bis zum Schluss schauen, doch auch wenn ich zwischendurch mit allerlei Ideen sympathisierte, so hatte ich am Ende doch eher ein unbefriedigtes Gefühl, der letzte Schwung zur akzeptablen Unterhaltung war nicht vorhanden. Zudem hatte ich das Gefühl, dass die Idee nicht genügend ausgeschöpft wurde, und die Figurenzeichnung pendelte auch immer wieder zwischen gelungen und einfallslos.

Im nachhinein fragte ich mich zudem, warum man die Geschichte bei all seinen Schwerpunkten aus der Sicht künstlich hergestellter Lebensmittel erzählt hat. Wäre eine provokante Konsumkritik nicht noch erfolgreicher gewesen, wenn man sich auf die Massentierhaltung und dem Ende im Schlachthaus konzentriert hätte? Das hätte sicherlich weniger Leuten geschmeckt, hätte für Diskussionen gesorgt und wäre eine radikalere Kritik am Konsumverhalten der Amerikaner gewesen, ohne die Schönmalerei eines Zeichentrickfilms, welche die Anarchovariante eigentlich ohnehin nicht benötigen müsste.

So wie tatsächlich angegangen überschattet der Mainstream jedoch die zu brav ausgefallenen  Grenzüberschreitungen, womit „Sausage Party“ eher ein Jugendfilm geworden ist, anstatt eine Komödie für Erwachsene. Zumindest ist er nicht ganz so anbiedernd ausgefallen wie „Angry Birds - Der Film“, hierfür nervt der Plot des hier besprochenen Filmes glücklicher Weise kaum. In Zukunft möchte ich aber doch lieber wieder realverfilmte Rogen-Komödien sichten. Die schaffen es trotz und manchmal auch aufgrund infantiler Ausrutscher den Bildschirm zu einer wilden Party werden zu lassen. Das müde Getue in „Sausage Party“ kann da nicht ansatzweise mithalten.  OFDb

31.12.2016

LÜGEN MACHT ERFINDERISCH (2009)

Ist es nicht schön, wenn eine Komödie angenehm sanft vor sich hinplätschert, es schafft routiniert Kurzweile zu versprühen und einen 90 Minuten lang aus der geplagten Alltagswelt entführt? Ist es nicht egal, wenn sie nur kurz im Gedächtnis bleibt, weil sie keinen Innovationspreis gewinnt, wenn sie doch immerhin auf schlichte Art ohne großen Anspruch bei wenig Erwartungen zu funktionieren weiß? Theoretisch ja, aber wenn man bedenkt auf welch grandiose Idee Ricky Gervais gestoßen ist, darf man zurecht verärgert darüber sein, dass „Lügen macht erfinderisch“ eine solch gewöhnliche Komödie geworden ist.

Was ist nur los mit dem Mann? Wieso hat Ricky Gervais dieses Projekt als Engländer überhaupt in Amerika umgesetzt? Und wieso ist es dort trotz seiner Eigenschaft als Autor, Regisseur und Produzent derart verwässert worden? Die Idee eines Lügners in einer Welt ohne Lügen hätte das Potential zu einem großen Filmerlebnis gehabt, zu einer vor Pointen und bissigen Seitenschlägen nur so sprudelnden Satire, mit ebenso viel Platz für Emotion wie für Humor und geistreiche Reflexion. Schaut man sich das Ergebnis an, sichtet man stattdessen den Routineablauf einer jeden 08/15-Komödie, vorhersehbar, die Grundidee fast als zwingendes Übel ansehend, welches einen davon abhält die immer wieder erzählten Stränge leichter zu erreichen.

Ricky Gervais erschuf meiner Meinung nach mit „The Office“ eine der geistreichesten TV-Serien, die ich noch heute als meine absolute Lieblingsserie bezeichne. Sein Rollenverständnis in von anderen Autoren verfassten Stoffen, wie „Muppets Most Wanted“ und „Wen die Geister lieben“, ist durchdachter Natur und nie einfach nur plump heruntergespielt. Sein Talent über sich selbst zu lachen ist enorm groß. Was hätte allein unter diesen Voraussetzungen „This Side of the Truth“ (Alternativtitel) für ein großartiges Filmerlebnis werden können? Aber stattdessen liefert er uns eine Komödie der Gattung „ganz nett“.

Selbst die besseren Ideen innerhalb des vorgelegten Stoffes kratzen nur an der Oberfläche dessen was möglich wäre. Die Religionskritik kommt zahm und versöhnlich daher. Der Versuch Freunden zu erklären wie man lügt endet bereits mit den Anfängen. Nur kleine Lichtblicke, wie der Dialog darüber wie es wäre alles Geld dieser Welt zu besitzen, versprühen die Konsequenz und das Gespür für gute Komik, wie ich es von Gervais gewohnt bin.

Und wie soll bitte der emotionale Part fruchten können, wenn es den eigentlich gutmütigen Mark doch den kompletten Film über nicht auffällt wie oberflächlich seine Love Interesst denkt, ohne dass diese im Laufe der Handlung mehr Tiefe erlangt? Wie soll man dem guten Mann Glück wünschen, auf ein Happy End hoffen, wenn der weibliche Part nie genügend Sympathiepunkte erhält? Lange Zeit dachte ich Mark würde erkennen welch schrecklicher Mensch sie ist und irgendwann liefe ihm eine Alternative über den Weg, die es wert wäre von seinem großen Herzen geliebt zu werden. Aber dem wurde nie so.

Damit verpufft das Ergebnis der Mitwirkung Jennifer Garners gleich null und kann nicht mit der Liebe Ricky Gervais‘ zum Product Placement mithalten, welches extrem penetrant Coca Cola, Pepsi und vor allen Dingen Pizza Hut in den Vordergrund drängt. Jonah Hills Mitwirken beschränkt sich auf wenige, weder nennenswerte noch für den Stoff wichtige, Momente. Und auch der beste Kumpel Marks bleibt blass und eigentlich unwichtig für den Verlauf der Geschichte. Hätte er als Eingeweihter nicht einen wichtigen Einfluss auf die Geschichte verdient? Einzig Rob Lowe weiß aus seiner schlichten Rolle etwas herauszuholen und spielt so sympathisch, wie witzig, wie wir es spätestens aus seiner Dauergast-Rolle in „Californication“ gewohnt sind.

Was bleibt ist zu sagen, dass man die Erwartungen weit nach unten schrauben muss. „The Invention of Lying“ ist ein Film für Stammzuschauer seichter, amerikanischer Komödien, einfach für Menschen die häufig humoristische Stoffe sichten, nicht zu streng mit der Materie umgehen und die sich damit begnügen, dass der Film kurz danach wieder so gut wie vergessen ist. Wer aber, der das Potential hinter dieser Geschichte begriffen hat und aus anderen Werken weiß wozu Gervais fähig ist, würde sich bitte mit diesem Minimalergebnis zufrieden geben oder sich gar damit versöhnlich abfinden? Ich zumindest nicht. Denn im Gegensatz zu „Wen die Geister lieben“, den ich anfangs für eine ähnlich geistloser als gedacht angegangene Routine-Komödie hielt, was sich bei weiteren Sichtungen als großer Irrtum herausstellte, besitzt „Lügen macht erfinderisch“ keine versteckte Raffinesse, die erst eine Zweitsichtung unter anderen Erwartungen hervorbringen kann. Dafür ist das Ergebnis einfach viel zu flach gehalten.  OFDb

28.07.2016

21 JUMP STREET (2012)

Ich kenne die brühmte Serie „21 Jump Street“ mit Johnny Depp nicht und habe damals nicht einmal zufällig reingeschaltet. Aber das war kein Hinderniss mit der Kinoversion mit Jonah Hill und Channing Tatum seinen Spaß zu haben, ist diese kleine Komödie, die von ihrer Idee her ein klein wenig an „Mord in der Highschool“ erinnert, doch ein kurzweiliges Stück Nonsens, zumindest wenn man keine hohen Erwartungen an einen derartigen Stoff hegt. Ich habe den Film der Regisseure Phil Lord und Christopher Miller nun bereits zum zweiten Mal gesehen, und aufgrund seines Tempos bleibt er auch dann interessant, kann man sich doch wahrlich nicht jeden Kalauer merken, der in dieser flotten Umsetzung abgefeuert wird.

Allerdings spielt da auch die Belanglosigkeit eine Rolle mit. „21 Jump Street“ ist so schnell geguckt wie vergessen. Er ist die angenehme Art des Fast Food-Kinos welches Hollywood einem immer wieder zuwirft. Die Komödie ist wahrlich sympathisch, aber auch nicht sonderlich innovativ. Zu viele Witze sind zu platt, als dass man den Streifen irgendwem wirklich weiter empfehlen könnte, und dass die Geschichte ohnehin ein austauschbarer, nichtssagender Witz ist, ist nun wirklich keine Überraschung. Allerdings stimmt die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern, und die Idee des Rollentauschs weiß, so ausgelutscht sie eigentlich ist, zu wirken.

Gute Laune am Set, der Mut sich für keinen Witz zu schade zu sein und der Versuch Komik auf verschiedenen Ebenen zu verwenden, machen diesen Schnellverzehr interessant genug um ihn sich wirklich einmal gönnen zu können. Im direkten Vergleich hat die Fortsetzung „22 Jump Street“ jedoch die Nase vorn, wird dort die Medien-reflektierende Komik, die hier noch etwas zu bemüht ausfällt, doch pointensicherer eingebaut, und auch kurze Längen, die sich im Original trotz des hohen Tempos finden, werden in der Fortsetzung weggebügelt.

Dennoch weiß auch Teil 1 zu gefallen, allein schon weil er die Öko-Teens von heute aufs Korn nimmt, die Umweltschutz pseudo-ideologisch anstatt aus wirklichem Engagement zelebrieren. Und gerade in diesem Bereich weiß die Besetzung des Oberbösewicht-Schülers zu gefallen, der von James Francos Bruder Dave Franco unglaublich lustig verkörpert wird. Ihn zusammen neben seinem Bruder zu erleben, am besten in einer Seth Rogen-Komödie, stelle ich mir sehr humorfördernd vor. Im hier besprochenen Werk kommt er ein wenig zu kurz, aber die Nebenfiguren haben ohnehin der dominanten Präsenz ihrer beiden Helden zu weichen, und da diese auf simple Art wissen wie sie ihr Publikum belustigen, geht das auch als okay in Ordnung. Erst wenn die Originalbesetzung der Ur-Serie für einen sehr gelungenen Gastauftritt ins Geschehen tritt, müssen auch Hill und Tatum kurzfristig zur Seite treten und die Manege wem anders überlassen.  OFDb

06.09.2015

SUPERBAD (2007)

Ich muss schon sagen, was Party-Filme betrifft hat es Seth Rogen wahrlich drauf. Was er neulich wieder mit „The Interview“ bewiesen hat (der mir erst beim zweiten Gucken richtig gefiel), mit „Das ist das Ende“ zur Königsübung werden ließ und auf Kiffer-Basis mit ein wenig Geduld auch mit „Ananas Express“ ablieferte, sind Weiterführungen von „Superbad“ mit dem diesbezüglich alles los ging. Rogen selbst schrieb am Drehbuch mit und bescherte sich nur eine größere Nebenrolle, was Sinn macht, ist der hier besprochene Film im Gegensatz zu dem was folgen sollte doch eine Teenie-Komödie, und für die war der alte Specki definitiv zu alt.

Also musste Busen-Kumpel Jonah Hill in der Hauptrolle besetzt werden, was kein Fehler sein kann. Als ebenso gut gewählt erweist sich Michael Cera an seiner Seite und Christopher Mintz-Plasse, der hier schon ähnlich Comic-artig übertrieben agieren darf wie später in den beiden „Kick-Ass“-Filmen. Seine Darstellung des Nerd, der selbst dann noch völlig ohne Rückgrat wirkt, wenn er für den großen Helden gehalten wird, ist wahrlich witzig, wenn auch keine große Schauspielkunst. Bill Hager harmoniert wunderbar neben Rogen, so dass es kein Wunder ist, dass beide noch das ein oder andere Mal in gemeinsamen Filmen agierten. Und Emma Stone ist ein Traum und macht mit ihrer bodenständigen, natürlichen Art wieder Lust auf „Einfach zu haben“, eine völlig unterschätzte geistreiche Teenie-Komödie.

Somit spielt sie dort im Gegenteil zu hier, denn hier soll nur der Spaß am Spaß herrschen, und das bedeutet nach Rogen-Rezeptur Pimmelwitzchen, Anarchie, Drogen und herrlich schräge Dialoge - und es funktioniert. Zwar reißt „Superbad“ aufgrund seiner Teenie-Story nicht so mit wie spätere erwachsenere Party-Filme, aber dafür erfüllt der Film auch andere Kriterien die an das Jungpublikum gebunden sind. So sind die Love Storys, die sehr klein gehalten wurden, recht süß ausgefallen, und das Drehbuch geht fair und realistisch mit dem Seelenleben der Protagonisten um.

Dem gegenüber steht eine Geschichte wie sie realitätsferner nicht sein könnte und sein möchte. Damit kann man sich entweder anfreunden oder eben nicht. Es kommt wie bei jedem Rogen-Film darauf an wie angepasst man an die Political Correctness ist, oder wie sehr man sich leicht geistreichen Nonsens im Anarcho-Gewand wünscht. Leute die überall nach Niveau suchen werden ihn mit ihrem Tunnelblick selbst dann nicht finden, wenn es aufblitzt, dabei ist es in jeder Party-Komödie die von Rogen geschrieben wurde zu finden. Seine Werke sind eine Lebenseinstellung. Entweder die Mentalität passt oder nicht. In „Superbad“ wird man noch am ehesten den Kompromiss erleben, denn durch den Hauch von Story und Identifikation mit der eigenen Jugend wird vielleicht auch mancher Rogen-Nörgler noch etwas mit diesem frühen Werk voll begabter Jungstars anfangen können.

Inszeniert wurde der Streifen von Greg Mottola, der mit seinem „Paul - Ein Alien auf der Flucht“ damals die Warzeit auf Simon Peggs und Nick Frosts dritten Cornetto-Film versüßte. Im Original wurde der Außerirdische von Seth Rogen gesprochen. Ähnlich wie bei Adam Sandler-Produktionen besteht ein Familien-ähnliches Gefüge zwischen den Darstellern. Fast jeder tauchte mehr als einmal in Filmen des anderen wieder auf oder teilte sich gar die großen Rollen.

Als ich „Superbad“ damals als er neu erschien gesehen habe, fand ich ihn lediglich ganz nett. Jetzt wo ich die Familie kennen gelernt habe schaut sich der Streifen völlig anders, wesentlich lebendiger und liebevoller. Und im Gegensatz zu damals weiß ich heute die wunderbar schrägen Rogen-typischen Dialoge zu schätzen. So viel ich weiß habe ich den Film damals aber ohnehin nur halb motiviert geguckt. An die späteren Party-Filme des Autors kommt er noch immer nicht heran, aber er hat mir mit all seinen bescheuerten Situationen wahrlich viel Freude bereitet.  OFDb

08.08.2015

22 JUMP STREET (2014)

Wenn man nichts Großes erwartet und inhaltlich schlicht mit viel Bummbumm drumherum unterhalten werden will, dann war „21 Jump Street“, der Kinoableger zur erfolgreichen 80er Jahre Serie, der richtige Film. Und wem dieser gefallen hat, der kann mit der Fortsetzung nichts falsch machen, folgt sie doch dem bewährten Rezept, sich sichtlich darüber bewusst seiend, dass eigentlich nur der Vorgänger kopiert und mit leichten Veränderungen angereichert wird. Aber das ist nur ein Seitenhieb von vielen kleinen Insider-Gags und Metaebenen-durchbrechenden Spielereien, die der Streifen zu bieten hat.

Vieles davon geht in der viel zu flotten Umsetzung flöten, der es insgesamt am wahren Charme fehlt, auch wenn vieles für den Film spricht. Aber das waren bereits die Probleme des ersten Teils, die Teil 2 in ihrer Ähnlichkeit nun einmal ebenso in sich trägt. Meiner Meinung nach hätte man sich an manchen Stellen ruhig etwas Zeit für das Zwischenmenschliche nehmen können, gerade im halbwegs romantischen Sub-Plot um Schmidt. Hin und wieder auf die Bremse zu treten hätte beiden Streifen gut getan, dann würde nicht die Hälfte der guten Ideen durch Überreizung flöten gehen.

Mag sein dass junge Menschen den Film durch andere Sehgewohnheiten anders verfolgen können und meine Synapsen nur nicht so schnell schalten können. Vielleicht können Heavy Metal-Fans aus der schnellen Abfolge an Geschehnissen, Sprüchen und Nebenverweisen mehr herausholen als ich, der ruhige Musik bevorzugt. Aber selbst dann ist nicht alles Gold was glänzt, mangelt es doch an wahrlich innovativen Momenten oder wahrlich großen Gags. Aber letztendlich orientiert man sich ohnehin am Teen-Publikum, und das wird vieles von dem altbackenen Kram erstmals sichten und deswegen für irre einfallsreich halten.

Spaß macht „22 Jump Street“ durchaus. Im Gegensatz zu dem was die Story vorgaukelt entwickeln sich die Charaktere allerdings überhaupt kein Stück weiter, zumal es keine Probleme zwischen den beiden Helden gibt, die es nicht auch schon im Vorgänger gegeben hätte. Aus diesem absolvieren aber so manche Gesichter einen Gastauftritt, was durchaus zu gefallen weiß. Auch Jonah Hills Busenkumpel Seth Rogen lässt es sich nicht nehmen einen Gastauftritt zu absolvieren, aber dazu muss man bis zum Abspann Geduld besitzen.

Der krankt ebenfalls unter seinem Tempo wie der Restfilm, bietet aber so einige lustige Ideen bei seinem Angriff auf den Fortsetzungs- und Remake-Wahn Hollywoods und dem Product-Placement großer Blockbuster. Wirklich ehrlich schaut sich die Kritik nicht. Sie ist aber ohnehin viel eher als Party-Gag gedacht, anstatt als echte ernstzunehmende Satire, und auch damit fügt sich der Abspann perfekt zum Restfilm. Phil Lords und Christopher Millers „22 Jump Street“ soll Party im Action-Komödien-Gewandt sein, und für dieses Anliegen ist er kurzweilig genug ausgefallen. Sicher kann der Film es nicht mit großen Partystreifen wie „Das ist das Ende“ oder „Ich kann's kaum erwarten“ mithalten, aber eine Fete muss ja nicht immer zum größten Event werden um geistlos Spaß zu machen.  OFDb

30.05.2015

THE WATCH - NACHBARN DER 3. ART (2012)

Zunächst einmal klingt das Konzept im Schatten der geglückten Science Fiction-Komödie „Attack the Block“ gar nicht schlecht. Man nehme drei Komödien-erfahrene Schauspieler, die jeweils ihre eigene Art Komik mit an Bord bringen, und lasse diese eine Gruppe Versager spielen, die ihr Selbstwertgefühl (ob bewusst oder unbewusst) durch die Gründung einer Bürgerwehr puschen. Dann lasse man diese auf eine Alieninvasion stoßen, was schon härtere Kerle überfordern würde. Daraus hätte sicherlich etwas individuell Sehenswertes wie „The World's End“ werden können, hätten nicht unzählige Produzenten am Rezept herumgedoktort, um am Ende den möglichst massentauglichsten Kompromiss auf die Beine zu stellen, der bloß keinem Zuschauer vor den Kopf stoßen soll.

Herausgekommen ist deshalb selbstverständlich eine überraschungsfreie Komödie mit zurückhaltendem Witz, die viel zu brav ausgefallen ist und mögliche Kritik an Gesellschaft, Medien und Politik an einer solch kurzen Leine führt, dass davon eigentlich nichts mehr zu spüren ist. Glücklicher Weise ist die Charakterzeichnung der jeweiligen Figuren genau auf den jeweiligen Schauspieler zugeschrieben, so dass zumindest die Komiker in ihrer gebremsten Art noch zu wirken wissen. Jonah Hill bleibt dabei am lustigsten, wenn er als bei seiner Mutter wohnender Möchtegern-Ultraharter mit billigen Tricks immer versucht die Film-Ehefrau von Ben Stiller zu knutschen, um auch einmal etwas vom anderen Geschlecht zu haben.

Stiller selbst mimt den Spießer-Kontrollfreak mit solch herrlichen Macken, dass es eine Freude ist ihm in sein Gesicht zu sehen, dessen Mimik jegliche Anwesenheit von Selbstbewusstsein vermissen lässt. Vince Vaughn hingegen darf wieder die Partysau herauslassen, was er auf seine eigene Art zu meistern weiß. Und als stille Andeutung an das eigentliche Vorbild „Ghostbusters“ stößt noch ein Quotenschwarzer ins Quartett hinzu, verkörpert von Richard Ayoade, der sich neben der berühmten Gesichter zu beweisen weiß, spielt er den wunderlichen Sonderling doch gekonnt zwischen Zurückhaltung und Übertreibung, was ihn zu einer schrägen, aber nicht zu dominanten Comicfigur werden lässt.

„The Watch - Nachbarn der 3. Art“ plätschert routiniert amüsant vor sich hin, peppt das manchmal zu müde Geschehen mit ordentlichen Spezialeffekten auf, so dass der Streifen gerade eben, ohne Besonderheiten im Gepäck zu haben, zu funktionieren weiß. Dass der Film dabei gegen Ende an Tempo verliert, wenn er alles zum vorhersehbaren Schluss führen muss und dabei mental auch gerne den Bereich der Fragwürdigkeit streift, ist nicht weiter wild, hat man sich als Zuschauer, der es bis dahin geschafft hat, doch ohnehin bereits mit wenig abgegeben und im Finale nicht mehr als das Abgelieferte erwartet.

Es ist nicht von der Hand zu weisen wie schade es um die verworfenen Möglichkeiten ist. Gerade Ben Stiller hätte ich es gewünscht endlich einmal wieder in einer richtig guten Komödie mit zu spielen, Talent genug besitzt der gute Mann definitiv. Aber zumindest kann man „Neighborhood Watch“ (Alternativtitel) als kleinen anspruchslosen Film für zwischendurch durchaus schauen. Langweile sieht anders aus, die Effekte sind zumindest auf echtem Kinoniveau, und amüsant genug ist dieses sich etwas zu sehr auf den Plot verlassende Drehbuch immerhin doch noch ausgefallen, z.B. mittels der lustigen Nebenfiguren, allen voran die völlig untauglichen Polizisten, die es glücklicher Weise auch ins Finale geschafft haben.  OFDb

27.04.2014

DAS IST DAS ENDE (2013)

Wenn man reich und berühmt ist, kann das Leben eine fröhliche Spielwiese sein. Genau so guckt sich Seth Rogens Regie-Debut, welches er auf dem Hoch seiner Karriere nutzt, um mit befreundeten Kollegen mit einem immensen Kostenaufwand einmal das zu drehen, wo man Lust drauf hat. Zwar hat Rogen sich ähnliches mit dem gelungenen „Ananas Express“ bereits gegönnt, diesmal wird es jedoch eine Spur privater. Mögen die Charakterzeichnungen der Stars auch fröhlich selbstzerstörende Fakes sein, die jeden einzelnen als schrecklichen Egomanen abstempeln, dennoch umweht dem Film eine zwischenmenschliche Ehrlichkeit, die das ganze zu einem wunderbaren Cocktail aus Lüge und Wahrheit werden lässt - inmitten eines herrlich schrägen Szenarios, welches dankenswerter Weise die Regeln der biblischen Apokalypse nicht neu erfindet.

In diesem simplen Gedankengut der gläubigen Christen liegt der Reiz dieses Endzeit-Streifens, der fast zeitgleich als Konkurrenz zum (besseren) „The World‘s End“ im Kino lief. Die Braven kommen in den Himmel, auf der Erde tut sich der Boden auf, die Welt brennt, und wenn die Zeit reif ist bekommen wir auch toll getrickste Dämonen präsentiert, die alle geradezu klassisch aussehen wie ewig von Kirchenseite angepriesen. Lustiger Weise verkommt die Apokalypse in der ersten Stunde fast schon zur Nebensächlichkeit, handelt der Film doch zunächst vom Überleben in Francos Haus, vom Zusammensein einer Gruppe befreundeter Egoisten mit dem Drang gemeinsam überleben zu wollen.

Erst wenn Lebensmittel knapp werden konzentriert sich der Streifen was mehr um das was draußen tatsächlich passiert, aber das bedeutet nicht dass der Film nicht auch zuvor wunderbar zu gucken wäre. Nach der ersten halben Stunde wusste ich noch nicht so ganz wie ich finde was ich da sehe, geht mir diese ewige Pro-Kiffer-Mentalität Rogens doch grundsätzlich auf den Keks, auch wenn ich ihn als Komiker all zu gerne sichte.

Bedenkt man jedoch wie gnadenlos ein jeder Schauspieler mit sich selbst und seinem Ruf abrechnet, steckt schon ein gewisser Grad Mut hinter einem Projekt, das eigentlich nur dafür da ist Freundschaft und Party auf Zelluloid zu bannen (okay, heutzutage eher digital einzufangen), und alle Fans der Stars daran teilhaben zu lassen. Selbstbeweihräucherung kommt dabei überraschender Weise nicht heraus, stattdessen steckt die Stimmung an, und sie bleibt beim Zuschauer aufrecht erhalten wenn die Figuren des Films diese nach und nach verlieren.

Das Abhängen im Haus macht Spaß, auch wenn es manchmal Stillstand zu geben scheint. Aber wie schon in „Ananas Express“ reißen die Dialoge so einiges raus, auch wenn sie hin und wieder zu aufgesetzt wirken. Und die Anspielungen auf andere Filme und Rollen, die Gastauftritte diverser Schauspieler als sie selbst und diverse Querverweise auf das Leben in Hollywood geben der Sache genügend Zunder um fröhlich dran zu bleiben. So richtig rocken tut der Film jedoch eher in der zweiten Hälfte, in der nun ordentlich die Post abgeht, Vorteile der ersten Hälfte aber dennoch genug Platz finden um sich auch hier zu entfalten. Somit steigert der Film gekonnt seine Stimmung, so wie es sich für eine richtig gute Party auch gehört.

Was mir im Komplettfilm neben dem wundervollen Endzeit-Spektakel im letzten Drittel zwischen Dämonen, Besessenen und Kannibalen zudem äußerst gut gefallen hat, sind die unerwartet witzigen und abwechslungsreichen Momente mit Jonah Hill, für den ich mich sonst noch nie begeistern konnte. Außerdem ist der geglückte Gastauftritt von „Harry Potter“-Darling Emma Watson, die mal anders spielen darf als sonst, ein Spaß für sich, auch wenn sie zu meinem Bedauern viel zu wenig Screentime beschert bekommen hat. Klar, „Das ist das Ende“ soll ein Männerfilm sein, mit Männerkomik wie Sprüchen a la „Tränen aus der Spitze meiner Eichel“, aber etwas mehr Platz für Watson hätte sich bestimmt gefunden, auch wenn die Pointe, auf die ihre Szenen hinausläuft, herrlich konsequent ist und einen längeren Auftritt innerhalb des Films nicht zulässt.

Selbst der Schluss des Streifens weiß noch zu rocken, oder besser gesagt zu poppen, denn auch hier wartet auf den Zuschauer  ein unerwarteter Gastauftritt, mit dem die Geschichte dann auch schließt. Dass man hier keine erwähnenswerte Handlung geboten bekommt und man die Stars und ihre Werke besser gesehen haben sollte (ganz besonders „Ananas Express“ auf den sehr häufig auf wirklich lustige Art und Weise angespielt wird) ist nicht von der Hand zu weisen. Aber „Das ist das Ende“ ist auch nicht die Art Film, die das Kino inhaltlich oder stilistisch neu erfinden will. Es ist Anarcho-Kino, eine Stilrichtung die kaum noch im heutigen Filmgeschäft unter Großproduktionen vorzufinden ist. Es ist im Vergleich zu 70er Jahren-Größen dieser Gattung aber auch die moderne Variante Anarcho-Film, die sich leider mit den Kompromissen der modernen Welt arrangieren muss. Dem Spaß-Faktor selbst bereitet das jedoch überhaupt keinen Abbruch.  OFDb