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21.10.2023

TRICK - DEIN LETZTES HALLOWEEN (2019)

Er tötet maskiert an jedem Halloween, er wird von einem Mann gejagt, dieser glaubt das wahrhaftig Böse zu verfolgen, das unsterblich scheint... Die Parallelen zu "Halloween - Die Nacht des Grauens" sind nicht zu übersehen, stilistisch geht Patrick Lussier, Regisseur des geglückten "My Bloody Valentine", jedoch völlig anders vor und verpatzt es dadurch am Erfolg seines anderen Slashers anzuknüpfen. Was "Trick" (Originaltitel) fehlt ist schließlich der Mythos seines Killers. Es reicht nicht aus lediglich darüber zu reden. Wenn die kommenden Jahre nach dem Massaker auf die Schnelle abgefrühstückt werden, Sequenzen im Jetzt einen Trick zeigen, der immer wieder schnell abhaut (Myers verschwand, wenn man nicht hinsah), wenn mit schnellen Schnitten und Perspektivwechseln gearbeitet wird, dann kommt nicht die passende Stimmung zum unheimlichen Unerklärlichen auf. 
 
Zwar ist "Trick" aus der Perspektive des zu ermittelnden Polizisten erzählt, dem keiner glaubt, der Film mixt Cop-Thriller mit besagter Horrorrichtung, aber das mag nicht wirklich funktionieren, zumal man sich ohnehin fragt was der Autor der ganzen Chose anvisiert. Da haben wir besagten unausgegorenen Genre-Mix, dann legt man zunächst viel Wert auf die Intelligenz des Täters, was später nur noch für sein trickreiches an der Nase Herumführen der Polizei wichtig ist, was aber auf eine andere Art Intelligenz baut, die durch das schlichte Drehbuch manchmal auch eher wie zufälliges Glück anmutet, am Ende interessiert sich der Plot aber ohnehin nicht mehr für die Persönlichkeit hinter der Maske, wozu also die zentrale Auseinandersetzung zuvor damit? "Trick - Dein letztes Halloween" wirkt nicht übersichtlich erzählt, ist zu sprunghaft ausgefallen und kann mit seinem flotten Tempo kein Spannungspotential aufbauen, das zur Unterstützung der Mystik des Aggressors etwas taugt. Auch die brutalen Morde gehen dank der Sprunghaftigkeit der Optik zu sehr unter, obwohl es an Kills nicht mangelt. Und mit irgendeiner der Figuren bekommt man sich auch nicht identifiziert. 
 
Eine mäßige Synchronisation erschwert den Zugang in der Deutschfassung zusätzlich, aber die allein ist nicht Schuld am missglückten Ergebnis. Gegen Ende, wenn man in die Auflösung eingeweiht wird, wird auch die Geschichte ein wenig interessanter, aber so spät bekommt man das Ruder freilich nicht herum gerissen, zumal auch diese bessere Phase lediglich Durchschnitt bietet.  OFDb

16.12.2018

DIE KLAPPERSCHLANGE (1981)

Zwischen seinen spannungsgeladenen Erfolgen "The Fog - Nebel des Grauens" und "Das Ding aus einer anderen Welt" erschuf John Carpenter mit Kurt Russell, seinem Star aus letztgenanntem Film, eine Zukunftsvision der pessimistischen Art, ein politisches Statement zu dem was kommen könne, wenn manche Dinge von einst sich weiterhin in die negative Richtung entwickelt hätten. Doch anstatt eine ernstzunehmende Satire vorzulegen, machte John Carpenter daraus eine Freakshow in ähnlichem Stile wie der im selben Jahr erschienene "Mad Max 2". Carpenter zaubert uns Edel-Trash anstatt einen ernstzunehmenden Film abzuliefern, und ich muss gestehen, dass mich das Ergebnis nicht mehr so in seinen Bann ziehen konnte, wie in frühen Jahren meines Cineastendaseins.

Noch immer ist es schön anzusehen, wie Carpenter auf recht schlichtem Weg ein heruntergekommenes, düsteres New York präsentiert, noch dreckiger als es dies eigentlich ist. Die Hauptstadt, der einstige Stolz, ist nun ein Wohnort allen Übels, von außen nicht gefördert, da innerhalb der Mauern des Gefängnisses jeder auf sich gestellt ist. Seinen beunruhigendsten und tatsächlich düstersten Moment erhält der Film jedoch nicht an diesem Ort, sondern ziemlich zu Beginn, wenn Snake Plissken, ebenso wie andere neu Gefangengenommene, per Durchsage mitgeteilt bekommen, dass sie neben einem autonomen Gefangenemleben unter ihresgleichen in New York sich auch stattdessen zum Ableben melden können. Alles was dieser gruseligen Entscheidung folgt ist zwar ein ziemlich ernst umgesetzter Film (wenn auch nicht ohne Augenzwinkern versehen), aber kein ernstzunehmender.

Carpenter geht es um die Action, um die grelleren Zutaten inmitten dieses Stoffes (Kronleuchter am Auto der Nummer 1 von New York, schrille Punkfrisuren, ...), ihm geht es rein um den Popkorngehalt der Geschichte, und da macht er auch gar kein Geheimnis draus. Allerdings geht es ihm auch um das Spiel des Bösen in der Dunkelheit und um einen funktionierenden Spannungsgehalt, wie ihn seine oben genannten Werke besitzen, und das will inmitten einer etwas zu idiotischen Geschichte nur bedingt funktionieren. Kleine Fehler wie funktionierende Straßenlaternen lassen sich noch übersehen, aber die vielen Zufälle mit denen beispielsweise der Taxifahrer immer im gerade richtigen Moment ins Geschehen kracht, sind schon eher ärgerlich zu nennen.

Auch zu glatt laufende Befreiungsaktionen, das fehlende Gespür für Dramaturgie (z.B. immer dann wenn einer der Weggefährten stirbt) und besonders ärgerlich der nicht gerade stark verminte Weg Richtung Freiheit, der uns zuvor als fast unmöglich passierbar beschrieben wurde, helfen nicht gerade dabei die düstere Atmosphäre, um die Carpenter sichtlich bemüht ist und die er stellenweise, z.B. aufgrund der von ihm komponierten Hintergrundmusik, auch tatsächlich entfacht, in den entscheidenden Momenten auch tatsächlich spürbar zu machen. Da wird innerhalb weniger Minuten das World Trade Center rauf und runter gerannt, jeder auf sich gesetzte Kriminelle wirkt entweder noch kooperativ oder auf harmlose Art geistig entrückt. Die Welt die uns Carpenter hier präsentiert ist einfach nicht düster genug, um inmitten von Trash noch ernsthaft in ihren Bann ziehen zu können. 

Umgekehrt ist der Zirkus den er entfacht auf der anderen Seite nicht bunt genug um zum reinen Popkorn-Happening werden zu können. Es ist möglich, dass die Art der Umsetzung von "Flucht aus L.A." aus diesen Gründen betrachtet vielleicht doch keine so schlechte Idee war, wie es immer heißt. Aber um das beurteilen zu können ist meine Sichtung der späten Fortsetzung, die eher einem Remake gleicht, zu lange her. "Die Klapperschlange" weiß zu unterhalten, nicht falsch verstehen, aber das große Werk als das ich ihn einst empfand ist er mit meinen Seherfahrungen nun wirklich nicht geblieben.  OFDb

16.07.2017

LETHAL WEAPON (1987)

In jungen Jahren liebte ich die „Lethal Weapon“-Reihe, mochte die zwei Fortsetzungen gar noch mehr als das Original und liebte die dritte Fortsetzung, die überraschend verspätet nachgerückt wurde, als man sich gerade an den Gedanken einer Trilogie gewöhnt hatte. Teil 4 war in seiner ausgeflippten Art der Höhepunkt mit seinen enormen Übertreibungen und seinem Hauptaugenmerk auf den Humorgehalt. Erst Jahre später entdeckte ich erwachsener geworden die Stärken des Erstlings, der als einziger Teil die wirklich entscheidende Dosierung zwischen Komödie und Action bot und psychologisch gesehen weit weniger dümmlich daher kam, als die Party-tauglicheren Fortsetzungen, die sich keine Gedanken mehr zum Thema Gewaltbereitschaft machten. Nicht falsch verstehen, auch die mochte ich mit kleinen Abzügen immer noch, aber an die Qualität des Erstlings kamen sie nicht heran.

Nun sind wieder viele Jahre vergangen und eine erneute Sichtung machte mir nach Jahren der Bewunderung bewusst, wie extrem „Zwei stahlharte Profis“ (Alternativtitel) ein Großer Jungs-Film ist. Noch immer versprüht der Streifen seine Sympathie, einzelne Szenen sind so toll geschrieben, dass sie einem nie aus dem Gedächtnis verloren gehen würden (der Sprung mit dem Selbstmörder, Murtaughs Test ob Riggs wirklich selbstmordgefährdet ist, uvm), aber wirklich einfühlen konnte ich mich nicht mehr ins Geschehen, dafür war es mir zu sehr im Action-Kino angesiedelt und zu weit entfernt von der Realität. Nun will der Streifen diesbezüglich nichts anderes sein, aber der fein dosierte, teilweise subtile, Humor, der ihn vor den meisten Peinlichkeiten bewahrt, indem er Distanz zu seinem Große Jungs-Getue aufbaut, rettet ihn mit Blick von heute nicht mehr so gut wie einst. Bereits in diesem bodenständigerem Teil 1 sind die Protagonisten Comicfiguren, und aus irgendeinem Grund will das bei mir nicht (mehr) so gut funktionieren wie es heutzutage noch ein „Stirb langsam“ oder „True Romance“ schafft.

Die Geschichte entblättert sich zwar erst nach und nach, weiß aber definitiv nicht mehr derart zu gefallen wie einst, zu reißerisch ist ihr Hintergrund, zu unsinnig gehen die Hintermänner vor, zu extrem ist der Schwanzvergleich auf guter wie auf böser Seite. Wirklich peinlich wird es nur einmal, das ist jene Szene am Schluss, in welcher sich Riggs fern jedwegen Nachempfindens mit einem der Hauptgegner auf Murtaughs Rasen prügelt, ansonsten bekommt „Lethal Weapon“ immer rechtzeitig den Bogen, nie so gut funktionierend wie damals, aber doch noch immer unterhaltsam ausgefallen.

Richard Donners Werk weiß immer dann am besten zu gefallen, wenn die zwischenmenschlichen Situationen stattfinden. Da mag es in vielen Szenen ordentlich knallen, Verfolgungsjagden finden statt und böse Jungs werden erschossen (Riggs darf diesbezüglich fast die Position eines Superhelden einnehmen, ohne dessen überragenden Fähigkeiten die völlig übertriebene Geschichte überhaupt nicht funktionieren würde), aber all die Schauwerte erreichen nicht die Qualität eines Blickes in Murtaughs naiv optimistisches Gesicht, wenn er Riggs fragt, ob ihm das Essen seiner Frau tatsächlich geschmeckt habe. Auch die familiären Szenen als Gegenpol zu Riggs tristem Witwerdasein wissen in ihrer Warmherzigkeit zu gefallen, auch wenn sie so realitätsfern, da aufgesetzt, wirken, wie der Rest vom Film.

Somit ist es eher die Herzlichkeit und das Miteinander der beiden Hauptfiguren inmitten von Gewaltbereitschaft, was „Lethal Weapon“ noch immer genießbar erscheinen lässt, während seine Optik (ob nun Frisuren, oder die blaue Schrift im Vorspann) und die Saxophonuntermalung auf lächerliche Art in den 80er Jahren baden, dem einzigen Jahrzehnt, in welchem ein Actionfilm so ausfallen konnte wie hier. Die Bedrohung von Gegnern des 70er Jahre Kinos ist längst nicht mehr zu spüren. „Lethal Weapon“ ist trotz vieler einfallsreicher Szenen Formelkino, genauestens auf die Sehgewohnheiten des Publikums abgestimmt und durchkalkuliert, und eben jenes wollte seiner Zeit nichts sehen was sich echt anfühlt. Dementsprechend distanziert guckt sich Donners humoristisch gehaltene Gewaltorgie heute, ohne dabei den ernsten Ur-Beiträgen a la „Dirty Harry“ und Co, auf welche er sich im Gewaltbereich stützt, das Wasser reichen zu können.  OFDb

28.03.2017

HALLOWEEN 3 (1982)

Mit „Halloween 3“ visierte Produzent John Carpenter, welcher Regie und Autor von Teil 1 war, etwas anderes an als das was die Fans sehen wollten. Während diese sich über eine weitere Rückkehr des maskierten Killers Michael gefreut hätten, wollte Carpenter von nun an jährlich einen weiteren „Halloween“-Teil produzieren, der jeweils eine eigene Geschichte erzählt. Warum er für den Beginn dieser Idee ausgerechnet auf eine solch merkwürdige Geschichte, wie der hier erzählten, zurückgegriffen hat, wird ein ewiges Rätsel bleiben, denn massenkompatibel sieht anders aus, so dass „Halloween 3 - Season of the Witch“ (Originaltitel) vielen Zuschauern so gar nicht gefiel - ganz unabhängig vom fehlenden Michael Myers-Aspekt.

Freunde des anderen Films sei jedoch zu diesem ungewöhnlichen Werk geraten, denn was der Masse schmeckt, ist bei weitem kein Qualitätsurteil, wie der wahre Cineast weiß. Zwar wird auch dem Freund andersartiger Filme auffallen, dass die Hintergründe der Geschehnisse, die Beweggründe des Bösewichts und seine Taten, Quatsch mit Soße sind, aber selten wurde eine solch gewöhnungsbedürftige Idee so atmosphärisch, düster und ernst umgesetzt, wie hier geschehen. Es stimmt, was man vielerorts liest, dass „Halloween 3 - Die Nacht der Entscheidung“ (Alternativtitel) stilistisch trotz fehlendem Michael Myers näher an den beiden ersten Teilen orientiert ist, als die Fortsetzungen ab Teil 4, die Michael wieder auferstehen ließen. Und „Halloween 3“ ist der Beweis dafür, dass mit diesem nüchternen, düsteren, schleichend erzählten Stil selbst eine theoretisch unsinnige Geschichte, wenn sie ernst und professionell genug vorgetragen wird, zu funktionieren weiß.

„Halloween 3“ ist ein Film der Atmosphäre und einer der Effekte gleicher Maßen. An Brutalitäten mangelt es nicht innerhalb der Fortsetzung zu einem Streifen, der die zur Entstehungszeit von „Halloween 3“ in den Kinos frisch tobende Slasher-Welle mit beeinflusste, so dass sich mit drastischen Tötungsmethoden Momente in den hier besprochenen Film eingeschlichen haben, die dem Slasher zuzuordnen sind, ohne dass Tommy Lee Wallaces Werk diesem angehören würde.

Dem eigentlichen Schauwert, der düsteren, schleichenden Atmosphäre, bescheren diese drastischen Momente keinen Abbruch. Manch eine von ihnen weiß das Unbehagen der Geschehnisse gar zu unterstützen, vorausgesetzt man schafft es die Idiotie der Geschichte zu ignorieren. Ich persönlich lehne mich sogar weit aus dem Fenster heraus und behaupte, ganz so idiotisch wie die Geschichte klingt, ist sie gar nicht ausgefallen. Sie ist wirr und ungewöhnlich, wirkt aber nur deshalb albern, weil sie nicht zu den theoretisch ähnlich albernen Standards des Horror-Genres gehört, an die man sich längst gewöhnt hat und die man nicht mehr auf Sinn und Unsinn hinterfragt. Auch ich wunderte mich damals, warum solch eine trashige Geschichte so gut funktioniert. Heutzutage, wo ich cineastisch reifer geworden bin und seit relativ kurzer Zeit auch kein Freund des Begriffs Trash mehr bin, gehe ich mit mehr Respekt an Stoffe wie diesen heran, und begrüße die mutige Herangehensweise solcher Filme.

Dieser Umgang mit dem Film verhindert nicht, dass ich es trotzdem eher albern finde wenn aus Menschenköpfen Schlangen und Spinnen platzen, den restlichen Unsinn kann ich jedoch tatsächlich recht gut ignorieren, eben weil der Film so toll inszeniert ist und dazu einlädt sich einmal für 90 Minuten auf solch einen Stoff einzulassen. Dank der düsteren, schonungslosen und mit einer gemeinen Schluss-Pointe versehenen Umsetzung, kann dies tatsächlich funktionieren. Man mag hinterher über manchen Hintergrund der Geschichte die Augen verdrehen dürfen, gleichzeitig muss man Wallace aber auch zugestehen, dass er diese stupide erscheinenden Elemente gekonnt und wirkungsreich, und somit erfolgreich, in einen ernst gemeinten Horrorfilm verpackt bekommen hat.

„Halloween 3“ mag nicht das sein, was der Fan sich einst erhoffte, und massentauglich ist er schon mal gar nicht. Aber für Freunde, die sich ungewöhnlicher Stoffe auch ohne Trash-Denken nähern können, werden auf einen überraschend gelungenen Film stoßen, von dem mir in dieser Art kein vergleichbarer einfallen will. Schon wenige Jahre später wäre solch ein Werk nicht mehr denkbar gewesen. Die Inszenierung spricht die typische frühe 80er Jahre-US-Horror-Sprache, in welcher noch ein Hauch 70er-Atmosphäre mit atmen durfte. Eine solch hanebüchene Story in solch einem wirkungsreichen Gewandt zu erleben, rein von dem Spannungsbogen der Ermittlungen der Hauptfigur lebend, habe ich in solch einer konsequent ernsten und pessimistisch erzählten Art noch nicht erlebt.  OFDb

14.02.2017

THE FOG - NEBEL DES GRAUENS (1980)

Ich verstehe nicht, warum Carpenter seine Gruselgeschichte nach der Geisterstunde abbricht, um sie in der kommenden Nacht zu einer willkürlichen Uhrzeit wieder einzusetzen. Der Film hätte doch auch einzig in einer Nacht spielen können. Ich verstehe nicht, warum er der Geschichte um die Wiederkehrer so viele zusätzliche böse Omen in Form von Spukereignissen beschert, zumal die Rückkehrer und gerade ihre Waffen körperliche Gewalten sind und keine reinen Spukerscheinisse. Ich verstehe nicht warum aus solch eher willkürlich wirkenden Bausteinen ein solch großartiger Film werden konnte. Ist Carpenters spannungsgeladener Kultstreifen aufgrund dieser Entscheidungen so gut ausgefallen, oder konnten die guten Elemente diesen theoretischen Fehlentscheidungen trotzen? Ich weiß es nicht, ich weiß nur dass „The Fog - Nebel des Grauens“ blendend funktioniert.

Eine Spukgeschichte mit einer Gruselgeschichte am Lagerfeuer zu beginnen, und diese ganz für sich wirken zu lassen ohne Rahmengeschichte oder einem plötzlich aus dem Gebüsch hüpfendem Angstmacher, beweist bereits dass Carpenter in die richtige Richtung denkt, weiß doch bereits diese Einleitung in ihrer recht naiven Art zu gruseln, so toll vorgetragen wie sie ist, und so sehr wie sie uns den Grundstein wohligen Gruselns präsentiert. Auch die lange Vorphase die der Einleitung folgt weiß in ihrem Mix aus Figurenvorstellung/vertiefung und dem Einbringen diverser warnenden Omen zu gefallen. Die Parallelereignisse sind alle so interessant ausgefallen wie ihre recht nüchtern vorgestellten Personen. Hokuspokus mixt sich mit Sachlichkeit, und das langsame Zusammenflicken der einzelnen Situationen und Erkenntnisse geht gekonnt und glaubwürdig vonstatten, zumal vieles bis zum Schluss parallel geschieht und nicht immer am Ende eine Einheit erhält.

Die bösen Omen, die Erkenntnis dass der Nebel gegen die Windrichtung wandert, der so positiv unecht wirkende, grelle Nebel, das alles weiß zu beunruhigen, noch bevor die Rächer ihre erste Tat vollbringen. Die Grundstimmung ist gesetzt, und wenn das eigentliche Geschehen ins Zentrum tritt, bleibt „The Fog“ so stimmig wie in seiner Vorphase, nutzt Carpenter den Nebel doch wahrlich um zu gruseln und nicht einzig um kostengünstig optisch zu verschleiern. Dass die Geister der Vergangenheit im Nebel nie ganz deutlich zu sehen sind ist sogar ein Pluspunkt des Streifens. Einzig ihre Ärmchen dringen hin und wieder durch Fensterscheiben.

Dass dies weniger an „Die Nacht der lebenden Toten“ als vielmehr an Amando de Ossorios reitende Leichen erinnert, liegt u.a. daran, dass sich Carpenters zusammen mit Deborah Hill geschriebene Geschichte ohnehin wie der Zusammenschluss aus „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ und „Das Geisterschiff der reitenden Leichen“ anhört, nur dass es Carpenter im Gegensatz zu dem Spanier gelungen ist, einen wahrhaft spannenden Film zu zaubern, während die reitenden Leichen trotz stimmiger Momente stets mehr zum Schmunzeln als zum Gruseln einluden. Interessanter Weise ist Carpenters Film nicht viel weniger naiv ausgefallen als die spanischen Vergleichswerke, der Unterschied in Sachen Wirkung könnte trotzdem größer nicht sein.

Wenn die Radiomoderatorin vom Leuchtturm aus die letzten nichtbenebelten Straßen Antonio Bays durchgibt und damit zum Navi der letzten Flüchtenden wird, ist „The Fog - Nebel des Grauens“ auch in den rasanteren Szenen auf einem Spannungshoch angekommen. Auf der Zielgeraden wird immer klarer worauf es die Geschichte abgesehen hat, sie beinhaltet keine Überraschungen mehr, und diese benötigt sie auch nicht mehr, werden die Rächer, die im unheimlichen Nebel agieren, doch nun zum Selbstläufer. Und das ist wohl das beste was einem Horrorfilm geschehen kann, dass im Hoch der Geschichte einzig sein Aggressor für Interesse und blank liegende Nerven sorgt.

Wie gesagt, viele Entscheidungen John Carpenters verstehe ich nicht, ebenso die etwas ruppige Entscheidung dass der Pfarrer am Ende doch noch ein weiteres Mal von den Rächern aufgesucht wird, aber es funktioniert. „The Fog - Nebel des Grauens“ ist nun einmal zu einem Carpenter-Hoch entstanden, und da hat der gute Mann wirklich nur brillante Filme abgeliefert. Das Zusammenspiel von Dunkelheit, Musik, der bösen Omen, der Figurenkonstellation und das Puzzle dass sich mit der Zeit zusammenfügt in Kombination mit dem titelgebenden Nebel und den unheimlichen, kaum sichtbaren Wesen die in ihm mörderisch lauern und agieren, das weiß im Entfachen und Erhalten einer spannungsgeladenen Atmosphäre einfach bestens zu unterhalten.  OFDb

09.03.2014

DIE NACHT DER CREEPS (1986)

Mitte und Ende der 80er Jahre war im US-amerikanischen Kino die Hochzeit für den Bereich der Horror-Komödie. Harte Werke wie „Tanz der Teufel 2“ waren dabei ebenso Alltag wie leicht harmlosere Filmchen a la „House“. Gerade der Bereich des Zombiefilms, ein zu diesem Zeitpunkt beim Zuschauerinteresse abflauendes Sub-Genre, konnte mit dem Mix beider Filmrichtungen letzte Atemluft schnuppern, bevor er danach zunächst Jahre lang ein Dasein im Amateursektor hegte. Werke wie „Re-Animator“ und „Return Of The Living Dead“ sollten letzte Höhepunkte sein, sind sie doch nicht so würdelos und albern ausgefallen wie der völlig überzogene „C.H.U.D. 2“, der geradezu Pate dafür steht wie schlecht sich der Mix macht, wenn der Komödienpart zu dominant ausgefallen ist.

Sicherlich war der Bereich der Horror-Komödie als Kompromiss bei manchem Genre-Freund nicht all zu gern gesehen, aber verglichen mit ernsten Zombie-Werken dieser Zeit, wie der unterirdische „Rebellen des Grauens“ und der lahmarschige „After Death", boten die gelungenen Horror-Komödien dieser Zeit, trotz der Symbiose mit Humor, das was der Horror-Fan sehen wollte, und allein schon wegen der Härte weniger das was ein Freund von Komödien sichten will.

„Die Nacht der Creeps“ ist etwas harmloser ausgefallen als die eben erwähnten „Re-Animator“ und „Return Of The Living Dead“. Aber auch er genießt einen Kultstatus, und den hat er meiner Meinung nach auch verdient, so treffsicher wie er sich im Horrorbereich auskennt. Da weht einen allerhand Ironie an, am deutlichsten wohl im Kommentar des agierenden Polizisten zu bemerken, der kurz die Grenze der Leinwand durchbricht, indem er einen Spruch darüber bringt, dass er sich wie im B-Film fühlt. Die Komik wird grundsätzlich als Unterstützung des Horror-Parts eingesetzt, nie hat dieser unter der Komik zu leiden, nie rutscht Regisseur Fred Dekker in zu alberne Bereiche ab.

Und wenn man sich so anguckt was der Film zu bieten hat, braucht man für ein solches Ergebnis auch ein gutes Händchen, würden doch so manche Ideen geradezu die Grundlage dazu bieten falsch umgesetzt all zu albern zu wirken. Ob es nun der Killerhund und die Killerkatze sei, die etwas arg plumpen Oneliner des Polizisten oder solch wunderbar unnötig lustige Szenen wie ein klärendes Gespräch unter Teenagern nach dem Schlussmachen, bei welchem der weibliche Part nicht bemerkt, dass er sich gerade mit einem Zombie unterhält. Fred Dekker inszeniert solche Momente stets mit der nötigen Würde.

Dass die eigentliche Idee ein wenig an den berühmten Ed Wood-Science Fiction „Plan 9 From Outer Space“ erinnert, wird von Dekker gar nicht erst verheimlicht, werden als Verweis doch einige Szenen besagten Werkes im Fernsehen innerhalb des Filmes gezeigt. Aber nicht nur in solch deutlichen Momenten beweist die Geschichte Kenntnisse im Horror- und Science Fiction-Bereich, immer wieder weht einem eine Anspielung an prägende Werke an, immer wieder spielt Dekker mit dem Klischee, manchmal um ihm den Stinkefinger zu zeigen, ein anderes Mal um es als Teil des Genres zu ehren und um zu zeigen, wie man es positiv anwenden kann.

Ähnlich wie „Critters“ beginnt „Die Nacht der Creeps“ zunächst im Weltraum. Hier wie dort gab man sich, trotz der Tatsache dass diese Szenen lediglich als Randerscheinung dienen, bei der Umsetzung der dazugehörenden Spezialeffekte Mühe, so dass die Bilder an Bord einer uns fremden Zivilisation wunderbar anzusehen sind. Sicherlich wirken sie etwas nostalgisch naiv, und doch schauen sie sich in dieser Naivität charmanter als es jede zu ernst umgesetzte Computeranimation heutiger Tage leisten könnte.

Auch die Spezialeffekte der Hauptgeschichte können sich sehen lassen. Zudem sind sie gut über den Film verteilt. Durststrecken gibt es diesbezüglich keine. Immer wieder wird einem ein Monsterhappen zugeworfen, immer wieder bietet „Night Of The Creeps“ (Originaltitel) trotz seiner eigentlich recht monotonen Grundidee etwas neues. Mögen die großen Überraschungen innerhalb der Geschichte auch fehlen, als Fan des Genres wird man immer wieder mit interessanten Gymmicks bei Laune gehalten, so dass einem das arg bekannt vorkommende Szenario gar nicht erst auf den Wecker gehen kann.

Das tut es ohnehin nicht, sind doch dafür auch die Mimen viel zu brauchbar ausgewählt, die Charaktere gerade sympathisch genug um ihnen nicht den Tod zu wünschen und die Geschichte durch den Zusatzaspekt von Vorkommnissen aus den 50er Jahren um ein weiteres Element bereichert, so dass die Zeit nur so im Flug vergeht.

Allein mal wieder langsam schluffende Zombies zu sichten, anstatt die hyperschnellen Untoten heutiger Produktionen, tat einfach gut. Mögen die Monster auch nicht die klassische Wiedererweckung widerfahren haben, mögen sie aufgrund des Alien-Hintergrundes theoretisch gesehen sogar gar keine echten Zombies sein, rein vom Anblick her wirken sie viel klassischer, als so manche „echte" wiedererweckte Tote moderner Werke.

Gesichtet habe ich die Kinofassung, auch wenn der Director‘s Cut ebenfalls auf meiner DVD vorhanden war. Da ich mit dieser Art Schnittfassung mit Ausnahme von „Abyss“ und „Léon - Der Profi“ eigentlich nur Negativerfahrungen gemacht habe, hielt ich es für die richtige Wahl. Der Schluss des Streifens sollte mir auch Recht geben. Ich habe mir nach dem Film mal kurz den Schluss der Director‘s Cut-Fassung angesehen, und der war auch gleich wesentlich schlechter, trotz (oder wegen?) aufwendigerer Ideen und größerer Verwendung von Spezialeffekten. Das große Pamm-Pamm ist halt nur selten besser als die subtile kleine Idee. Sicher mag die Schluss-Szene des Streifens nicht gerade einfallsreich ausgefallen sein, sie war schon zu ihrer Zeit der Standard, der auf eine mögliche Fortsetzung hinwies. Aber eine solch abgenutzte Idee nett umgesetzt inszeniert weiß halt eher zugefallen als das was Dekker gerne als Schluss gehabt hätte.

Da ich das Wort Fortsetzung gerade selbst verwende, möchte ich zum Schluss noch einmal kurz auf den in den 00erJahren erschienenden „Night Of The Creeps 2“ zu sprechen kommen: der besitzt mit Nacktschnecken, die Menschen zu Zombies machen, zwar eine ähnliche Thematik, aber er ist keine Fortsetzung des hier besprochenen Streifens. Ohnehin trägt er den Fortsetzungs-Titel nur in der deutschen Fassung, im Original heißt er lediglich „Zombie Town“. Außerdem sollte man bei Interesse nur zu jenen deutschen Veröffentlichungen greifen, die nur den Originaltitel ohne Fortsetzungsschwindel verwenden, denn nur diese Fassungen sind auch wirklich uncut. So gut wie Dekkers „Die Nacht der Creeps“ist er nicht, aber als kleiner Zombiefilm für zwischendurch geht er schon in Ordnung.  OFDb