Da wir orientiert am Nichtwissen der Heldin auch erst mit ihr gemeinsam ihre Erdenvergangenheit erfahren, bleibt sie einem zu distanziert und fremd, ebenso wie ihre Freunde von einst, die zur zweiten Filmhälfte plötzlich Verbündete werden, mit denen man Solidarität empfinden soll. Wie bei Marvel typisch sind sie aber Klischee-Abziehbilder und hätten deswegen einer Einführung benötigt, um sie in diesem oberflächlichen Zustand mögen zu lernen. Zumindest bereitet es Freude den jungen Fury kennen zu lernen. Durch ihn erlebte ich Insider, die auch ich begriff, wovon der Running Gag mit dem Auge der amüsanteste war. Ideen wie die angebliche Kuschelkatze und ihre wahre Identität, bereichern das zu sterile Treiben auf simple Art, was dem Film die nötige Sympathie beschert, um zumindest interessiert dran zu bleiben. Die Botschaft von Frieden, falschen Freunden, unreflektiertem Gelernten und gefährlichen Vorbildern (greift erzieherisch sowohl politisch, als auch religiös) ist eine angenehme und wäre in einem rein für ein Jugendpublikum anvisierten Werk auf die Art, wie hier eingebaut, sehr lobenswert. Aber "Captain Marvel" richtet sich ebenfalls an Erwachsene, und für die hätte es zusätzlich mehr Hintergründigkeit geben müssen, als solch simple Lektionen. Wiki
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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30.07.2023
CAPTAIN MARVEL (2019)
Ich weiß nicht warum man im Hause Marvel scheinbar geradezu erwartet, dass einem die Helden und die Materie um sie herum automatisch bekannt sind. Ich bin völlig jungfräulich an "Captain Marvel" herangegangen, und es war nicht gerade leicht sich im Film zurechtzufinden. Die Mentalität der neuen Heimat eines Menschen ohne Erinnerung, wird trotz totaler Verfremdung im Schnellverfahren abgearbeitet, die Kräfte der Heldin sind zu Beginn schwer zu greifen, bekommt man weder im theoretischen, noch praktischen Bereich erklärt, und wenn die Geschichte erst einmal ihre gar nicht unclevere Wendung erreicht hat, und die Titelheldin im Finale endgültig die Kräfte erreicht, von welcher der Comicfan im Gegensatz zu mir Kenntnis hatte, dann erlebt man zwar ein visuell faszinierendes Effektgewitter, weiß aber eigentlich gar nicht was da an Kräftemessen vor sich geht, außer dass es sich um ungeheure Energien handelt. Ich habe keine Ahnung, wie Captain Marvel ihre Probleme gelöst hat. Ich weiß nur dass ihre kompletten Möglichkeiten (einst aufgesogen von einer neuen Erfindung) von ihren vermeintlichen Freunden, bzw. deren Anführer, unterdrückt wurden, und sie diese am Ende zurückgewinnt.
23.11.2019
REPO MEN (2010)
Zwei Jahre nach dem Gothic-Musical "Repo - The Genetic Opera" greift wer anders die morbide Idee um Rückholer in Zahlungsverzug geratener Fremdorgannutzer auf, um diesmal eine Science Fiction-Satire abzuliefern, die in nicht all zu ferner Zukunft spielt und die Gesellschaft von heute kritisch hinterfragen soll. In der hier aufgezeigten Zukunftsmentalität, insbesondere die beiden zentralen Repos betreffend, zeigen sich einige Parallelen zu Kubriks Vision aus "Uhrwerk Orange". Gerade in der Frühphase von "Repo Men" atmen beide Film oft die gleiche Luft. Für die Hauptrolle konnte man Jude Law verpflichten, der 13 Jahre zuvor bereits erfolgreich die Hauptrolle in dem Kino-Hit "Gattaca" verkörperte und somit für gesellschaftskritische Blicke auf eine perverse, aber nicht unwahrscheinliche Zukunft, bereits Erfahrung mit an Bord bringen konnte. Zur Seite setzte man ihm Forest Whitaker, zunächst als Kumpel und dann als Rivalen, eine Rolle in welcher der oft zu brav besetzte Mime endlich wieder zeigen konnte, was alles in ihm steckt.
Während die erste Phase der Geschichte zunächst den Eindruck des immer wieder variierten Plots aus "Fahrenheit 451" und Co macht, überrascht der Film nach anfänglicher Bestätigung mit unerwarteten Wendungen, die, so wie dargeboten, individuell anmuten, auch wenn sie es nicht wirklich sind. Die Art der Umsetzung, der Stil, die Tonart des Ganzen, sind es, die das Geschehen so frisch und positiv schauen lassen. Laute Töne mischen sich mit geistreich unauffälligen, Poesie und Brutalitäten gehen Hand in Hand, Sinnlichkeit und gesellschaftliche Perversitäten dominieren gleicher Maßen den Film, all diese Gegensätze gehen so harmonisch und bezaubernd miteinander einher, so als würde man sich in einem asiatischen Werk dieser Art befinden. An "Repo Men" ist alles durchdacht, mal wahrhaft geistreicher Natur, dann wieder nur Bauerntricks des Mainstream-Kinos ausspielend, am Ende aber ein Ergebnis über dem Standard abliefernd. Miguel Sapochniks Zukunftsvision ist Science Fiction-Kino wie es sein soll: kurzweilig, geistreich, pointiert und fantasiereich. Man kümmert sich neben der wichtigen Handlungsaufhänger zudem um gut gezeichnete Charaktere und sehenswerte Bildkompositionen. Da wird auch gerne mal bei Größen wie "Metropolis", "Blade Runner" und "Brazil" abgeguckt, aber dieser Mix aus Ideenübernahmen und eigenen, sowohl inhaltlich, wie inszenatorisch, weiß zu gefallen und bildet ein überzeugendes eigenes Flair, welches "Repo Men" zu einem eigenen modernen Klassiker seines Genres macht.
Wie es sich für einen gut gemachten Kinofilm gehört, warten innerhalb eines ohnehin schon gelungenen Werkes die Höhepunkte im letzten Drittel. Optisch wäre da der schwarz gekleidete Auftritt innerhalb des weiß gekleideten Labors zu nennen, oder die Ausweideszene, die nicht nur vom Look her ein Augenschmaus ist, sondern auch ein morbides Szenario in einen romantischen Moment verwandelt. Aber auch der sehenswert choreographierte Kampf vor der rosa Tür, der die bisherige ohnehin schon für einen FSK 16-Film recht hohe Brutalität noch einmal hoch schaukeln lässt, ist ein Augenschmaus für sich. Auch in seiner Cleverness weiß dieses letzte Drittel zu gefallen, bietet es doch nicht nur großartige Wendungen, sondern auch einen gewitzten Umgang mit der Glaubwürdigkeit des Plots, den man ohne zu spoilern nicht all zu sehr vertiefen kann. Nur so viel sei verraten: die bisherige Bodenständigkeit eines durch Satire überspitzen Stoffes, wird aus einem bestimmten Grund ab dort mit Füßen getreten. Begreift man dieses absichtliche Spiel mit Filmklischees und damit einhergehend mit der Glaubwürdigkeit innerhalb der filmeigenen Gesetzmäßigkeiten, bereitet eine Zweitsichtung dieses wundervollen Filmes gar noch mehr Freude als die erste. Ohnehin fällt "Repo Men" intelligenter aus, als er zunächst scheint. Das sieht man allein daran, dass fast jegliches persönliches Schicksal und die Verarbeitung der jeweiligen Person dessen an der ignoranten Gesellschaft der Zukunft gebunden sind und damit als Selbstverschuldung gar nicht erst erkannt werden. Von meiner Seite aus ist "Repo Men" aus diesen Gründen und vielen anderen definitiv zu empfehlen, und ich kann es kaum glauben, dass es so lange gedauert hat, bis ich ihn für mich entdeckt habe. OFDb
23.07.2014
SKY CAPTAIN AND THE WORLD OF TOMORROW (2004)
"Sky Captain And The World Of Tomorrow" ist der klägliche Versuch einen nostalgischen Film auf die alten naiven Science Fiction-Heldengeschichten zu drehen, die einst als Serie mit reißerischen Cliffhangern versehen die US-Kinos heimsuchten. Leider scheitert er bereits am grundlegensten: ein Film, der einem das Gefühl gibt einen CGI-Movie a la "Final Fantasy" zu sehen lässt jedes Gefühl von Nostalgie bei mir verschwinden. Wäre Kerry Conrans Werk komplett computeranimiert wäre er ein Zeichentrickfilm und könnte dies packen, so aber huschen echte Menschen durch eine am Computer entwickelte Welt, da wirkt für mich nichts mehr klassisch. Das ist meiner Meinung nach der falsche Zauber.
Bleiben wir bei der Optik: der komplette Film ist mit einem solch extremen Weichzeichner untermalt, dass Erotikfilmer David Hamilton damit seine Freude gehabt hätte. Da kriegt man bei längerem Draufschauen Augenkrebs von und auf mich speziell wirkte diese Wahl der Optik ermüdend. Es fiel mir nach einiger Zeit bei solch seichten Bildern richtig schwer dem Film zu folgen. Freilich würde besagte Bildbearbeitung nicht ganz so enorm negativ wirken, wenn der Film etwas mehr Pepp besitzen würde. Hin und wieder passiert etwas, meist wird viel geredet, freilich ohne dabei Charaktere zu vertiefen (die sind hier sehr flach gehalten) oder der Geschichte etwas Tiefe zu verleihen, eine Geschichte die einem selbst im Finale noch eine befriedigende Erklärung schuldig ist, bei all den Löchern in der Logik, welche die Auflösung mit sich bringt.
Das Design der Roboter und die wenigen Szenen in der es dann mal Action gibt sind gut umgesetzt. Was Angelina Jolie in diesem Werk soll weiß ich bis heute nicht. Sie ist genauso unnötig eingebaut wie in "Nur noch 60 Sekunden". Aber neben der Effekte wirken die Hauptdarsteller ohnehin alle zu blass, keiner von ihnen kann trumpfen. Was bleibt ist ein Film der einzig und allein von seinem Design und ein paar wirklich sehenswerten Actionszenen lebt. Das ist schon sehr enttäuschend, habe ich mir von „Sky Captain And The World Of Tomorrow“ doch wirklich viel versprochen. Schade! OFDb
19.02.2013
LIEBE BRAUCHT KEINE FERIEN (2006)
Eine reiche Karrierefrau und eine bescheidene Londonerin tauschen in
den Ferien ihre Wohnungen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten finden
beide Gefallen am anderen Lebensstil. Die Menschen, die sie treffen,
geben ihnen ein anderes Lebensgefühl...
Männer werfen ja schnell mit dem Begriff „Frauenfilm“ um sich. Alles was Romantik oder familiäre Dramatik zum Schwerpunkt macht, bekommt diesen Stempel aufgedrückt. In meinen Augen sind geschlechtsorientierte Filme jene, die nicht einmal dem aufgeschlossenem anderen Geschlecht die Chance geben, sich auf das Werk einlassen zu können. Das macht geschlechtsorientierte Streifen in meinen Augen zu eher schlechten Filmen. Das kann aber halt nur der verstehen, der z.B. das Genre Action nicht als Männerterritorium versteht.
Werke, die ich als reine Frauenfilme betrachten würde, kreuzen meine Wege nur höchst selten. In Komödienform gab es da mal den „Club der Teufelinnen“ und nun im Bereich des Dramas bzw. der sehr harmlosen Form der Tragikomödie kam mir „Liebe braucht keine Ferien“ zwischen die Finger.
Es war die Besetzung, die mich reizte. Mit Cameron Diaz und Jack Black lächelten mich gleich zwei Namen an, die ich gerne sichte, Kate Winslet weiß ich durch ihre nicht so hollywoodtypische Art zu schätzen und Jude Law gehört zwar nicht zu meinen bevorzugten Schauspielern, lieferte aber auch schon das ein oder andere mal eine nette Leistung ab. Alle diese 4 Berühmtheiten sind eigentlich auch gar nicht typisch für einen Frauenfilm, wenn überhaupt dann Winslet, da sie häufig einen modernen Frauentyp verkörpert, ähnlich wie Diane Keaton.
Recht still und zaghaft beginnt der Film mit seiner schlichten Geschichte, eine die kaum des Erzählens wert ist, und gerade deshalb wieder so neugierig macht. Immerhin sind es häufig gerade die herausragenden Filme, die lediglich eine kaum erwähnenswerte Geschichte erzählen. Filme wie „Die Royal Tenenbaums“, „Raus ins Leben“ und wie sie alle heißen sind große Unterhaltung mit einer Story, die schlichter kaum sein könnte, oft auch zunächst erst schlicht erscheint.
„Liebe braucht keine Ferien“ erzählt ebenfalls ein Nichts, dies auf über 2 Stunden mit einem Tempo, das man niemandem wirklich zumuten möchte. Da manche Werke häufig lahm beginnen, sich mit der Zeit daraus aber mehr abzeichnet als zunächst vermutet und das Tempo mit der Zeit flotter wird, bin ich auch erst in dem hier besprochenen Film davon ausgegangen es wäre so. Die Fastgeschichte war immerhin auch nicht komplett uninteressant erzählt. Für kurze Momente gibt es immer wieder Nebensächlichkeiten, die wenigstens etwas Schwung in die Bude bringen, beispielsweise Winslets Nachbar in L.A., ein Rentner.
Solche rettenden Elemente sind aber leider zu rar verteilt. Der gewünschte Schwung kam nie auf, stattdessen durfte ich nun das Nichts an Story in lahmen Tempo sichten, garniert mit Figuren, die viel zu seicht herausgearbeitet wurden. Und damit kommen wir nun zu dem Bereich, der den männlichen Zuschauer gnadenlos aus dem Bereich des Zielpublikums ausblendet.
Diaz´ Rolle ist eher eine Diane Keaton-Rolle, allerdings nicht so positiv emanzipiert verkörpert wie bei ihr üblich, sondern eher Richtung rückradlosem Verhalten wie typische Goldie Hawn-Rollen. Diaz ist vollkommen fehlbesetzt, weiß zwar zu verkörpern was da verkörpert werden sollte, hat es aber mit ihrem Talent eigentlich nicht nötig für so ein Produkt herzuhalten. Sie ist zu modern um eine sympathische, moderne Frauenrolle aus Frauensicht zu spielen, um in Wahrheit doch eher seicht statt keck und blass statt stark zu wirken.
Jack Black darf wieder den nebensächlichen Sympathisanten spielen, wohl seine zweittypischste Rolle neben dem Chaoten. Aber auch seine Rolle ist derart durch den Weichspülgang gejagt worden, dass sie einfach nicht positiv wirkt. Die Dramatik um seine Person ist lahm, die Größe seiner Rolle so schlicht, dass man meint sie wäre nur eingeführt worden, damit die Rolle der Kate Winslet auch jemanden abkriegt, obwohl es schlicht gereicht hätte, ihr trauriges Leben durch den Kontakt mit dem Drehbuchautor-Rentner zu bereichern.
Ohnehin ist Winslets Rolle die schlimmste von allem. Sie ist vergleichbar mit Jason Biggs' Figur in „Loser“, bei beiden Charakteren ist die Naivität einfach viel zu hoch geschraubt, als dass sie noch irgendwie als realistisch durchgehen könnte. In einem Film, der so krampfhaft erwachsen sein will wie dieser hier, kommt es schon recht peinlich rüber, solch dick aufgetragenes Hollywood-Klischee ertragen zu müssen. „Loser“ war immerhin eine Teenie-Komödie, bei der mit einem Auge zudrücken über das Manko hinwegzusehen war. „Liebe braucht keine Ferien“ baut in der Winslet-Story jedes Thema auf dieser Dramatik auf und kann damit nur scheitern.
In der ersten Hälfte ist immerhin Laws Rolle angenehm geschrieben. Er ist der etwas geheimnisvolle Fremde. Der One Night-Stand entwickelt sich auf eine Art, wie sie untypisch im Kino ist und wie sie interessant zu verfolgen ist (und zudem ohne lästige Nacktheiten). Nach einiger Zeit wird aus der etwas mysteriösen Rolle ein Familienvater, an sich nichts schlechtes, außer man befindet sich in der Frauenwelt, an der sich auch die grausige Vater-Sohn-Kaffeewerbung („und eine 5 in Erdkunde“) orientierte. Der arme Mann ist Witwer, die Unschuld in Person, und das Vatersein ist ein Hindernis bei der Partnersuche. Natürlich nur wenn man sich als Mann so saudämlich anstellt, wie es die Augen einer Frau scheinbar gerne sichtet, oh weh! Hört mir auf!
Ja, „Liebe braucht keine Ferien“ ist ein Frauenfilm, aber diese Bezeichnung ist arg ungerecht, schließt sie doch eigentlich nur die unaufgeklärten Frauen ein, jene, die glücklich ihr Klatschheftchen lesen, Stars und Königsfamilien anhimmeln, Liebes-Groschenromane lesen und sich in ihrer Person verkannt fühlen, da sie nie lernten sich in andere hineinzufühlen. Diese Beschreibung passt zwar auf viele, aber zum Glück nicht auf alle! Frauen mit RTL-gewaschenem Hirn können reinschalten, Männer prinzipiell nicht. Seit mir also nicht böse, wenn ich das Wort Frauenfilm verwende, obwohl es nur auf den eher unangenehmen Frauentyp passt.
Eigentlich ist der Film trotz alledem bis zum Schluss guckbar. Ich habe ca. 20 Minuten vor Ende dennoch ausgeschaltet, was ja auch egal ist, immerhin gehöre ich nicht zum Zielpublikum. OFDb
27.05.2012
DIE WEISHEIT DER KROKODILE (1998)
Der Mediziner und Vampir Steven lebt von dem Blut seiner Opfer.
Eigentlich soll Anna sein nächstes werden, aber er verliebt sich in sie.
Sie zu verschonen, lässt Steven immer mehr zum körperlichen Wrack
werden. Zieht er dies durch bis zum eigenen Tod, oder siegt am Ende der
Überlebenswille?...
Leben oder lieben?...
Leben oder lieben?...
„Die Weisheit der Krokodile“ ist ein empfehlenswerter, kleiner Film, der sein Subgenre des Vampir-Horrors betreffend alles anders macht als es der klassische Vampirstreifen tut. Doch selbst mit dieser einstigen Ausnahme schwimmt er mittlerweile nur in einer langjährigen Welle jener Werke mit, die den Blutsaugern unbedingt neue Aspekte abgewinnen wollen. Glücklicher Weise funktioniert dies meist. "The Addiction" war ein etwas zu bemühter, aber geglückter Kunstfilm, "Vampire's Kiss" bietet einen perfekt besetzten Nicolas Cage als eingebildeten Vampir, „Twilight“ jedoch war eine Gurke, was aber wohl auch daran liegt, dass er durch seine vielen Veränderungen schon eigentlich kein Vampirfilm mehr ist, sondern viel eher ein Superheldenfilm.
Leong Po-Chihs Beitrag will es wieder ganz anders angehen, und dass ihm das Vorhaben gelingt, liegt daran dass er den Vampirismus zwar als Krankheit darstellt (somit ähnlich wie in "The Addiction", da war es eine Sucht), den Vampir selbst allerdings sehr menschlich. Unsere Hauptfigur läuft bei Tageslicht umher, reagiert nicht auf Kreuze und Knoblauch, nicht einmal die klassischen Fangzähne werden gezeigt. Dies lässt immerhin eine Interpretation zu, ob diese für den Film erfundene Krankheit nicht doch eine eben solche ist. Das Wort Vampir fällt im kompletten Streifen ohnehin nie.
Einer der Pluspunkte von „Die Weisheit der Krokodile“ ist seine Optik. Hauptdarsteller Jude Law läuft stilsicher durchs Bild, und die ruhige Komposition dieser orientiert sich am stilsicheren Niveau Stevens, der stets Herr seiner Taten ist, zumindest bis zum vom Film gewollten Zwiespalt zwischen Leben und Lieben. Die weiblichen Figuren wurden interessant besetzt, da sie niedlich, aber nicht filmtypisch niedlich wirken und damit hervorragend als das funktionieren, was sie sein sollen: Außenseiterrollen der Gesellschaft.
Die Erklärung des Vampirismus bzw. der Krankheit ist eine frische Idee, aufgrund der Vorstellung das Blut habe die Eigenschaft das Gefühl der Liebe in sich aufnehmen zu können. Komplett neu ist diese Idee nicht zu nennen, behaupten doch beispielsweise so einige Esoteriker Wasser könne die Bedeutungen gedruckter Wörter annehmen. Aus der naiven Welt dieser Subkultur entliehen, macht die Theorie des Filmes also durchaus Sinn, zumindest baut er auf etwas auf, woran so mancher Mensch glaubt.
Interessant ist an diesem Aspekt jedoch viel mehr die Bedeutung des Blutes, die aus Steven mehr macht als das Hunger stillende Monster. Das Verlangen nach Gefühlen und Glück verleiht Steven Tiefe, macht es aus ihm doch eigentlich einen Gefühls-Pflegefall, der die Liebe anderer Menschen benötigt, dies jedoch wiederum auf wesentlich selbstsüchtigere Art als üblich, womit das Opfer wieder zum Monster wird. Umso spannender ist das Spiel der eigentlichen Geschichte von „Die Weisheit der Krokodile“, dreht er doch genau diesen Spieß um, um herauszufinden ob in Steven das Monster siegt oder nicht. In beiden Fällen behält er die Rolle des Opferseins bei. Dass bei der finalen Entscheidung der sonst so offene innere Monolog Stevens ausgeblendet wird, ist ein geglückter psychologischer Kniff des Regisseurs.
So gut der hier besprochene Film auch ist, der Weg zur Perfektion wurde von manchem Manko verhindert, so z.B. vom zwar stilsicheren und ruhig inszenierten, aber doch arg überraschungsarmen Schluss, auf den ich freilich nicht näher eingehen werde. Etwas enttäuschend ist auch das plötzliche Verschwinden des ermittelnden Kommissars aus der Geschichte. Der an sich sehr interessante Nebenstrang wird dadurch zu einer völlig eigenständigen Thematik, die mit dem Hauptpart nicht mehr eins wird. Man fragt sich rückblickend warum die Ermittlungen überhaupt vertieft wurden, anstatt nur zu erwähnen dass diese stattfinden, wenn die gut gespielte Figur des Kommissars für die Geschichte doch nicht so wichtig wird, wie möglich gewesen wäre.
Auch den privaten Aspekt zwischen Verdächtiger und Gesetzeshüter hätte man sich somit sparen können, dessen Zwiespalt aus Verdacht und dem Verdächtigen sein Leben zu schulden fruchtbaren Boden für ein interessantes Finale besaß. Dieses findet jedoch von dieser Rolle unberührt statt, und das dortige Einbringen eines Bleistiftes wird zur einzigen eindeutigen Symbolik, die sich Leong Po-Chih erlaubt, um den Vampirismus doch eine Spur direkter anzudeuten.
„Die Weisheit der Krokodile“ ist wunderbar anzuschauen, sehr interessant erzählt, setzt viel auf stilvolle Bilder, verpufft aber etwas zum Finale hin, auch wenn der psychologische Aspekt der Geschichte hier noch einiges an Tiefe dazu gewinnt. So spielt der Streifen dort beispielsweise mit der Wechselwirkung aus Selbstbewusstsein und Irrtum, thematisiert zwanghaftes Suchtverhalten auf die satirische Art und beleuchtet die Psychologie einer Frau aus Sicht der Wirklichkeit, anstatt aus der des Klischees. So lobenswert dies alles hintergründig eingebunden ist, so enttäuschend ist das was vordergründig zum Ende hin tatsächlich passiert. Hier wird die Ausnahmethematik dann doch eine Spur zu Genre-typisch. OFDb
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