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18.08.2024

OPEN SEASON (1974)

Ein Mann und seine junge Geliebte werden von drei jungen Männern entführt, in der Einöde relativ human gefangen gehalten, bis es Zeit ist zu gehen. Denn nun sollen sie von den Entführern wie Vieh gejagt werden...

Ein Soldat tötet nie zum Spaß...

"Graf Zaroff" ist der Ur-Vater des Sub-Genres um Menschenjagd. Der vier Jahrzehnte später entstandene, auf einer Romanvorlage basierende "Open Season" löste damit eine lang anhaltende, nicht wirklich auffällige, Welle an Nachahmerstoffen und jenen aus, die das Thema anders interpretierten. Es überrascht, eben mit Blick von heute, einer Zeit, in der man weiß, dass der Film die Menschenjagd thematisiert, dass dieser Aspekt erst sehr spät ins Geschehen rückt und man ihn in der langen Laufzeit davor lediglich vermuten kann. Vom entführten Pärchen ahnt es die sich per Sex verkaufende Frau eher als der meist besonnene Mann, zwischen denen es aufgrund der Taktik des weiblichen Parts kriselt. Derartige Aspekte sind frei von Moral oder Position von Seiten der Verantwortlichen des Films eingebaut. Es wird damit absichtlich provoziert, eben weil die Frau sehr wild und hemmungslos gewesen sein soll, ein wunderbarer Stoff zur Diskussion, an dem sich die Geister scheiden werden, zumal er mit ihr seine Frau betrügt. Einig dürfte man sich hingegen gegenüber der Aggressoren sein, die stets Terror auf beide ausüben, und deren Trieb zum Mord aus einer Dekadenz geboren sind, die genügend Möglichkeiten zur sozialkritischen Analyse bietet, welche auch immer "Open Season - Jagdzeit" (Alternativtitel) vorgeschwebt haben mag. 

An sich könnte man mit "The Recon Game" (Alternativtitel) zufrieden sein, ist er doch gut besetzt, lässt sich Zeit für seine Geschichte im herrlich trockenen 70er Jahre-Stil und bietet im weiteren Verlauf die ein oder andere Überraschung. Letztendlich nervte mich das ewige Unterdrücken der Entführer jedoch, da der Film lange Zeit nur davon handelt, wie die beiden (er mehr als sie) schlecht behandelt werden. Das Spiel mit der angeblichen Gnade und Höflichkeit ist schnell ausgereizt, das Dominieren per Waffengewalt kein Thema für eine Stunde Laufzeit. Bis der Inhalt beim Thema Menschenjagd angekommen ist, hat er keine Chance mehr daraus einen brauchbaren Film zu machen. Freilich steigt die Qualität und der Unterhaltungswert in dieser Phase dennoch, findet trotz reizvoller Wendungen aber keine überzeugende Auflösung. Sie wirkt zu willkürlich, zu konstruiert, und entlässt uns entsprechend aus einem unbefriedigenden Film. Zumindest ist "Jagdzeit" (Alternativtitel) in dieser Phase hart erzählt, packt das Publikum nicht in Watte, ganz im Gegenteil, und dieser rohe Ton funktioniert auch in der in Deutschland üblichen, geschnittenen Fassung. Es wäre wünschenswert gewesen, dass der Film sich früher der Menschenjagd zugewendet hätte, dann hätte er auch tiefer ins Detail gehen können, den Nervenkitzel noch etwas ausreizen können. Denn das was uns über den Großteil der Laufzeit in der Hütte geboten wird, ist zäher Pseudo-Terror a la "Der Schlitzer".  Wiki

22.02.2015

GHOST RIDER (2007)

„Ghost Rider“ ist ein Film für das eher jüngere Publikum. Er ist nicht immer logisch, er ist manchmal unfreiwillig komisch, aber er ist flott erzählt, gut besetzt und damit einfach kurzweilig und auch für mich eine gern gesehene Freude.

Zunächst einmal überrascht es, dass Nicolas Cage für die Hauptrolle wirklich eine gute Wahl war (was Kenner der Comics vielleicht anders sehen mögen). Ich war bei dieser Rollenbesetzung zunächst einmal skeptisch. Nicht weil ich zu jenen Filmfreunden gehöre, die gerne auf den guten Mann schimpfen, im Gegenteil, trotz seines Drangs zum ständigen Überagieren sehe ich ihn sehr gern - vielleicht sogar deshalb. Ich war viel mehr am rätseln ob eine Comicverfilmung einer streng gesagt kindischen Idee wirklich sein Ding ist. Aber Überraschung: er passt prima in die Rolle, sieht dank dunkel gefärbter Haare und gealtertem Gesicht auch stark aus, und er darf wieder in vielen Szenen seine Augen extremst aufreißen wie er es scheinbar gerne macht.

Interessanter Weise wirkt Cage als unverwandelter Ghost Rider wesentlich mehr, anstatt als Ghost Rider selbst. Der brennende Totenschädel auf feurigem Motorrad erinnert einen dunkel an das was man als Jugendlicher cool gefunden hätte, hat in gewisser Hinsicht auch im Film noch eine Wirkung, rutscht aber doch zu sehr ins Lächerliche ab um nicht bei seinem Anblick ein wenig schmunzeln zu müssen. Das merkten die Verantwortlichen scheinbar auch, und so begegnet uns zum Glück an der ein oder anderen Ecke des Films ein Hauch Ironie, sowohl vom Drehbuch aus, als auch im Spiel Cages selbst.

Weniger verzeihlich sind die dämlichen Sprüche, die der Ghost Rider ablässt. Man muss Einzeiler im Stile von Schwarzenegger oder Horrorfilm-Killern über sich ergehen lassen, die nicht einmal an das niedrige, aber wirksame Niveau besagter Vergleiche herankommen. Es war eine Erleichterung zu merken, dass solch ein Spruch nicht nach jeder Seele aufgesagt wird und es im Gesamtwerk nur zwei bis drei dieser Art gibt. Aber das reicht bereits um unnötig zu nerven.

Der Vorspann ist nett gestaltet, und die Geschichte unterhaltsam erzählt, wenn auch ohne große Überraschungen versehen. Die Vorgeschichte lässt sich Zeit, aber das war noch nie ein Fehler in Comicverfilmungen. Die von einigen Cineasten nicht gemochte integrierte Liebesgeschichte fand ich trotz der eher enttäuschenden Besetzung des Frauenparts eigentlich okay eingebracht, und bezogen darauf dass jeder gute Comicheld seine verletzbare Seite benötigt auch wichtig. Man kann sich gut identifizieren mit dem dauerhaften Schmerz des Verzichtens. Das kommt hier zwar eher theoretisch rüber und nicht so intensiv wie in Raimis „Spider-Man“ oder Verhoevens „RoboCop“, wäre aber als Vorbereitung für kommende Teile ohnehin wichtiger gewesen als für Teil 1. Wer die vergurkte Fortsetzung kennt, wird jedoch wissen dass man sich dieses Vorteils nicht bedient hat.

Zumindest überrascht es Nichtkenner der Comics, dass besagte Love Interrest sehr früh in die Warheit eingeweiht wird, womit der Streifen diesbezüglich in eine andere Richtung lenkt als die eben erwähnten Vergleichsfilme. Auch die offensichtliche Konfrontation mit der Polizei und das laute Auftreten in der Öffentlichkeit, welches das extremen Gegenteil der Geheimnistuerei üblicher Comic-Helden ist, weiß als Dauergast solcher Werke zu überraschen und gibt der ansonsten recht vorhersehbaren Geschichte zusätzlichen Schwung.

Am Erzählstil selbst gibt es ohnehin nur an einem Punkt etwas ernsthaft auszusetzen. Es gibt immer wieder unnötige Rückblicke von Szenen, denen man bereits beigewohnt hat, so als ob das Publikum aus Alzheimer-kranken Rentnern bestehen würde, eine merkwürdige Annahme in einem kunterbunten Comicfilm der arg penetrant auf Coolness setzt. So blöde und vergesslich dürften selbst die ureigenst von Hollywood herangezüchteten Leute, die seit Jahrzehnten lediglich Blockbuster konsumieren, nicht sein. Glücklicher Weise gibt es zumindest in der zweiten Hälfte solche Szenen nicht mehr.

Die Computereffekte sind großteils gelungen. Die Gegner sind sympathisch zurechtgemacht, besonders der Wassergehilfe von Satans Sohn. Der Ghost Rider selbst ist wie erwähnt eher mau und etwas gewöhnungsbedürftig umgesetzt und hat freilich mit Cages cooler Wirkung außerhalb der Verwandlung als Konkurrenz zu kämpfen. Und da kann der olle brennende Totenkopf nur gegen abstinken. Die erste Verwandlung zum Ghost Rider ist ein Augenschmauß geworden. Leider überspringt man dort im Gegensatz zu späteren Verwandlungen aber noch jenen Moment in welchem das Gesicht endgültig zum Totenkopf wird. Diesem Moment darf man erst in späteren Verwandlungen beiwohnen, was leider nicht für das Fehlen bei der ersten entschädigt, da nur diese logischer Weise ausführlich zelebriert wird.

Mögen die Motorradfahrten des titelgebenden Helden auch an die unfreiwillige Komik eines „Driven" erinnern, hier in einer Comicverfilmung für Junggebliebene kann eine solche Übertreibung nicht so stark schaden wie in Stallones pseudo-dramatischem Rennfahrer-Film. Aber der Unlogiken gibt es auch im „Ghost Rider“ viele, meiner Meinung nach kann man über diese aber schmunzelnd hinweg sehen, schließlich ist der Film lediglich Trivialkost.

Manche gar nicht so überraschende auf Überraschung getrimmte Wendung lässt den Ghost Rider wie einen Spätzünder wirken, auch so etwas weiß zu belustigen, letztendlich wird die Hauptfigur aber nicht komplett zur reinen unfreiwillig komischen Witzfigur degradiert, so dass man als nicht zu pingeliger Zuschauer mit solchen Randkrankheiten seine Freude haben kann. Solche Holprigkeiten gehören meiner Meinung nach zu einem Popkorn-Film mit eher schundiger Thematik aber ohnehin dazu. Werke mit solchen Eigenarten gucke ich lieber als die glattpolierten Marvel-Produktionen, die wir heutzutage vor die Augen gesetzt bekommen.  OFDb

14.12.2012

VIER IM RASENDEN SARG (1975)

Zwei Pärchen fahren mit dem Wohnmobil durch Amerika. Während eines Schlummertrunks beobachten die zwei Männer einen Ritualmord. Die Täter wissen von den Zeugen, jagen sie, doch die Urlauber können entkommen und im nächsten Ort eine Meldung machen. Nach und nach wird ihnen jedoch klar, dass die okkulte Sekte größere Kreise zieht als vermutet...

Vier Fäuste gegen Satan...
 
Der Vorspann stimmt mit seiner Musik und einer atmosphärischen Grafik in den Film ein, und eine rasante Autorenn-Szene bereitet den Zuschauer darauf vor, dass er hier einen flotten Streifen des Genres Horror sichten wird. Dennoch beginnt die eigentliche Horrorgeschichte ziemlich ruhig, wenn auch erst nach einem erneuten Rennen, diesmal mit Motorrädern. Dann aber wird der eigentliche Auslöser der Geschichte langsam und gruselig präsentiert.

Aus einer ruhigen Szene wird eine beunruhigende, irgendwo zwischen seichtem Schockeffekt und heftiger Mystery. Dem folgt erneut eine Action-hafte Gruselszene, und so soll es nun für den Rest des Filmes auch bleiben. Dialogszenen werden möglichst klein gehalten, Handlungsstränge so weit wie nötig präsentiert (unnötig wirkende sind meist Mittel und Zweck, um mit den Erwartungen des Zuschauers zu spielen), der Rest gehört dem Action-haltigen Horror, der leicht in Richtung Terrorfilm geht. Dies ist er allerdings nur bedingt, auch wenn die für die 70er Jahre typische Experimental-Musikuntermalung uns etwas anderes einreden will.

Da wird es niemals langweilig, da wechseln sich Spannung und Action ab, immer wie es die Geschichte gerade braucht. In seinen besten Momenten bietet dieser Road Movie des Horrorfilms gleich beides. Unterstützt wird er von gut besetzten männlichen Hauptrollen, beiden voran Peter Fonda, durch „Easy Rider“ zum Kult geworden und somit sicherlich ohnehin ein Publikumsmagnet dieser Zeit.

Die weiblichen Rollen halten sich tapfer, werden aber als blöde Hausfrauen gezeigt, die nicht aktiv gegen die Bedrohung kämpfen können. Für einen Film aus der Mitte der 70er ist das ebenso peinlich wie leider noch typisch. Unweigerlich kommt mir bei der Betrachtung des deutschen Filmtitels mein Mathelehrer in den Sinn. Rechnete man mit Währung, und gab die Lösung nur mit einer Zahl an, Beispiel 4, dann kam direkt die Frage: „4 was? 4 Eier?“ Und so geht es mir mit dem Titel des Films. Vier was im rasenden Sarg? Urlauber? Menschen? Das haut hin. Ginge es aber um vier Hauptpersonen oder gar vier Menschen, die sich in der Not zu wehren wissen, würde es wiederum nicht hinhauen. Die Frauen sind nur Beiwerk und dabei, weil zwei Ehemänner nun einmal nicht alleine ohne Weibsvolk in den Urlaub fahren, das verstöße gegen die biedere US-Familienmoral.

Hat man diese etwas bittere Pille erst einmal geschluckt, entschuldigt sie auch gleich einige unlogische Verhaltensweisen, jedoch nicht alle. Immer wieder fragt man sich, warum unsere Helden das tun was sie gerade tun. Man traut der Polizei nicht, quatscht aber über gefährliche Geheimnisse, während ein Unbekannter in der Nähe ist. Man glaubt ein Vorhang würde für die Privatsphäre reichen. Oder warum muss man zum Beispiel gerade erst kennen gelernten Mitcampern alles anvertrauen? Und mein Lieblingsbeispiel: Nachdem man im Campingwagen von versteckten Schlangen attackiert wurde, begnügt man sich damit den vorderen Teil des Wohnmobils auf weitere Fallen zu untersuchen. Der Rest bleibt unerforscht. Außerdem werden weiterhin fröhlich die Lebensmittel konsumiert, denen ein wacher Geist nach diversen Mordanschlägen und nach einem Einbruch sicherlich auch nicht mehr getraut hätte. Richtig ärgerlich wird es aber immer dann, wenn die vier Urlauber plötzlich wieder so fröhlich sind, als wäre nie etwas passiert. Dass sie nichts von der extremen Ausweitung der Sekte ahnen ist auf Dauer keine Entschuldigung, stärkt der ein oder anderen Ungereimtheit aber immerhin den Rücken.

Das klingt jetzt vernichtend, ist aber nur der Wermutstropfen in einem Film, der ansonsten zu gefallen weiß. Die Population der Sektenmitglieder bleibt sowohl für Protagonisten als auch für die Zuschauer unbekannt. Der Film zeigt uns lediglich, dass es immer wieder mehr Mitglieder sind als aktuell vermutet. Das wirkt bedrohlich, das ist gut eingefangen. Ewig leben unsere Helden in dem Irrglauben, in der Moderne wären solche Abgründe jenseits der sogenannten Zivilisation nicht möglich. Und man bekommt den Eindruck, dass sie in dem Punkt derart gehirngewaschen sind, dass sie einfach nicht begreifen wollen, wie tief der Sumpf an Wahn tatsächlich geht. Ein Punkt der das oben von mir angeprangerte Verhalten erklären würde, dennoch stößt es bei mir säuerlich auf. Mag sein, dass sich solche „Ungereimtheiten“ zur Entstehungszeit noch einmal ganz anders geguckt haben.

Schlussendlich weiß der Film auch mit einem gelungen Ende, wie er den Zuschauer wohlgesonnen aus einem packenden Streifen entlassen soll. Und als DVD-Konsument bleibt mir am Ende nur die eine Frage: Warum die Titeländerung in „Urlaub in der Hölle“? „Vier im rasenden Sarg“ ist doch solch ein packender, wenn auch reißerischer, Titel. Der hat doch Klang. „Urlaub in der Hölle“ klingt wie der millionste Durchschnittshorror, und dies ist Jack Starretts Film nun wirklich nicht geworden.

Interessant wäre eine Fortsetzung, die uns ein Amerika zeigen würde, dass versteckt vor der öffentlichen Gesellschaft eine Satansgemeinde hätte, die das Kalieber und die Macht ähnlicher Organisationen wie Scientology oder das Christentum hätte. Überall still vorhanden über ganz Amerika verteilt, vielleicht sogar bis hin ins Ausland, und in jeglicher Institution gibt es Verbündete. Und wehe sie hätten Dich einmal auf dem Kicker. Dies ernsthaft und vor allen Dingen glaubhaft umgesetzt, könnte auch heute noch schocken.  OFDb

13.05.2012

FUTUREWORLD - DAS LAND VON ÜBERMORGEN (1976)

Delos wurde mit einem Milliardenbetrag wieder aufgebaut, doch das Vertrauen der Gäste ist noch nicht auf dem Stand wie vom Unternehmen erhofft. Also lädt man Reporter ein, um über den nun noch größeren Freizeitpark zu berichten. Journalist Chuck wittert eine weitaus größere Story, seit jemand sterben musste, der ihm etwas über Delos berichten wollte...

Ein letzter Hauch Westworld...
 
Es dauerte nur drei Jahre bis man am großen Erfolg von Michael Crichtons „Westworld“ anknüpfen wollte. Warum die Geschichte gerade mal zwei Jahre später spielt, ist unverständlich, da komplett unglaubwürdig. Bereits in „Westworld“ argumentierten die Betreiber des Freizeitparks ein verloren gegangenes Vertrauen käme nie zurück. Nun soll man nicht nur glauben, dass in so kurzer Zeit alles wieder aufgebaut, ausgetauscht und investiert wurde, sondern auch dass schon recht viele Gäste wieder die Heimstätte des damaligen Maschinenmassakers aufsuchen. Da begibt man sich doch auf sehr dünnes Eis.

Nun war es allerdings schon nicht der Trumpf des Originals sonderlich glaubwürdig zu sein. Mit je mehr Distanz man sich die Geschichte von Crichtons zweiter Regiearbeit anguckte, desto mehr Risse erhielt das naive Bild eines mit Robotern betriebenen Freizeitparks. Was nun die Fortsetzung betrifft, so darf man es als ihren Trumpf und sogar als mutig ansehen, dass man inhaltlich in eine völlig andere Richtung geht. Stilistisch schwankt der Science Fiction diesmal zwischen Kriminalfilm und Thriller. Der Komödienpart weht nur noch ganz leicht, und durch das Weglassen einer öffentlichen Westernwelt ist freilich auch das Genre Western diesmal komplett ausgeblendet.

Aber es gibt sie noch, die Ruinen der alten Westernwelt, und so ganz wollte man dann doch nicht loslassen. So geben die seltenen Momente des ehemaligen Besuchermagneten dem Film einen leicht nostalgischen Reiz. Wir alle durften miterleben was hier einst geschah, und so verfehlt die Geisterstadt auch nichts von ihrer unheimlichen Wirkung. Ohnehin ist das Spiel, dass der Westernwelt ein ähnliches Schicksal beschert wurde wie so vielen Westernstädten einst, als originell zu bezeichnen.

Leider ist dies kein Adjektiv für den kompletten Film. Nach einer eher unnötigen Eingangssequenz kommt es zu einem schludrigen Schnitt, der den sehr geglückten Vorspann zu stimmiger Musik einleitet. Nur wenige Szenen später befinden wir uns in einem Raum der Firma Delos, die den Journalisten Informationen über die Vergangenheit des Freizeitparks weitergibt. Das Bildmaterial der Videoaufnahmen wird dabei vom Film „Westworld“ übernommen, was sich als erste Peinlichkeit herausstellt, da man nur wenig allgemeine Aufnahmen heraussuchte und zu viele persönliche Momente aus unglaubwürdigen Kameraperspektiven verwendete.

Wieder erkennt man den geringeren Aufwand zum Original, wieder wackelt die Glaubwürdigkeit in Gebieten welche Teil 1 nicht zugelassen hätte. Der Prozess streckt sich über den kompletten Film hinweg, so dass es mit analytischem Blick nicht verwundert, dass die Psychologie des Originals nicht mehr verwendet wurde bzw. nicht durch eine andere raffinierte Umsetzung ausgetauscht wurde.

„Futureworld“ ist eher plump umgesetzt, setzt viel zu sehr auf den reißerischen Moment, und sein Hauptanliegen möglichst viele optische Schauwerte zu bieten ist nicht zu übersehen. Was tut man nicht alles um dem Zuschauer ein aufregendes Highlight nach dem nächsten zu bieten und rutscht dabei immer wieder in den unter Science Fiction-Freunden nicht gerade beliebten Fantasybereich ab, der manchmal so grotesk unsinnig wirkt, dass ich mich schon gewundert habe, dass mir die Fortsetzung vor geschätzten 10 Jahren noch so gut gefallen hat.

Da materialisieren sich aus dem Nichts asiatische Roboterkämpfer, da gibt es eine Maschine zur Traumaufzeichnung (welche zur ödesten und esoterisch angehauchtesten Szene des kompletten Films verkommt und dabei noch gleich die tolle Rolle Yul Brynners aus dem Original und Brynner selbst auf einem Niveau verwurstet, was beide nicht verdient haben), da bekommen Roboter menschliche Gefühle angedichtet und Klone denken aufgrund der übereinstimmenden DNA das selbe wie ihr Original. Diese Phantastereien enttäuschen immer wieder und dienen grundsätzlich nur dem schnellen, oft reißerischen Effekt.

Während man also versucht den Zuschauer mit Optik und quantitativen Highlights zu bombardieren, tritt die Geschichte selbst viel zu lange auf der Stelle, verrät über kurze Einblendungen hinter den Kulissen schon viel zu früh die Geheimnisse, die das Reporterpaar erst noch aufdecken wird, und so richtig Bewegung in deren Untersuchungen kommt erst nach etwa einer Stunde auf. Bis dahin und darüber hinaus verfolgt uns immer wieder das eine Lied aus dem Vorspann, atmosphärisch passend, aber doch zu häufig eingebracht. Bedenkt man wie abwechslungsreich der musikalische Hintergrund im Original war, kann das schon ein wenig enttäuschen, selbst wenn es für seine Zeit in Filmen nicht unüblich war auf nur einem Lied in verschiedenen Variationen herumzureiten.

Unterhaltungstechnisch ist „Futureworld“ trotz seiner tollen Spezialeffekte leider nur Mittelmaß geworden, und dass er trotzdem noch so guckbar bleibt verdankt er zum einen Hauptdarsteller Peter Fonda, der mit seiner Wirkung das Gegenteil der sehr nervigen Charakterzeichnung der von Blythe Dannwer verkörperten Figur darstellt. Zum anderen verdankt die diesmal nicht von Michael Crichton inszenierte oder gar geschriebene Geschichte das Verhindern eines schlechten Ergebnisses jenen Ideen, die dem Film inhaltlich manchen Pionierstatus beschert.

Lange vor dem publik werdenden Thema Klonen wird hier besagter Bereich bereits verwendet, wenn auch nicht komplett losgelöst von der Roboteridee. Auch Klone müssen laut „Futureworld“ noch programmiert werden. Auch kleine Spielereien, wie das holographische Schachspiel, nehmen bereits Ideen voraus, wie sie später, z.B. mit dem Computerspiel „Battle Chess“, tatsächlich verwendet wurden. Dass im eben besagten Beispiel auch der 3D-Gedanke der Holographien eine Rolle spielt, ist nicht von der Hand zu weisen.

Wäre sie nicht so völlig unsinnig und undurchdacht präsentiert, so könnte auch die eigentliche Geschichte der Fortsetzung als Trumpf herhalten. Delos als heimlicher Welteroberer, Menschen, die gegen ihre Doppelgänger kämpfen müssen, da steckt schon einiges an Potential hinter. Vielleicht hätte man den Strippenzieher hinter der ganzen Sache einfach einen Roboter sein lassen sollen, dann bekäme die Geschichte immerhin den zusätzlichen Reiz, dass Roboter dem Wahn der Weltherrschaft verfallen wären, als eine Art Weiterführung der in Teil 1 angesprochenen Maschinenkrankheit.

Aber solche Möglichkeiten werden verschenkt und wären auf eine gesunde Laufzeit bei dem inhaltlichen Stillstand der ersten Stunde auch kaum zu verwirklichen gewesen. „Futureworld“ ist weder Satire, noch Kunstwerk, noch flüssiges Unterhaltungskino. Er ist das womit wir Filmfreunde uns immer wieder nur all zu gerne herumschlagen: eine schnell nachgezogene Fortsetzung. Aber eine solche ist in der Regel kurzweiliger konzipiert als das hier vorliegende Ergebnis. Genre-Fans sollten aber trotz aller Negativpunkte einmal rein schalten. Komplett ohne Reiz ist auch die Fortsetzung nicht.  OFDb