Posts mit dem Label Samuel Z. Arkoff werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Samuel Z. Arkoff werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

26.07.2023

MORD IN DER RUE MORGUE (1971)

17 Jahre nach der zweiten Verfilmung "Der Würger von Paris", scheint "Mord in der Rue Morgue" die dritte zu sein. Aber Billigfilm-Produzent Samuel Z. Arkoff machte unter dem berühmten Titel nach Edgar Allen Poes Kurzgeschichte etwas, das er in den 00er Jahren auch mit den angeblichen Neuverfilmungen seiner eigenen 50er Jahre-Klassiker tat (u.a. "Teenage Caveman" und "Der Todesengel aus der Tiefe"): er blendete mit dem Titel, um etwas völlig anderes zu erzählen. Poes Kurzgeschichte ist hier Poes Kurzgeschichte, der Film ist also in unserer Realität angesiedelt. Eine Theatergruppe führt das Stück jüngst auf. Deren Bühneninterpretation am Rande ist alles an Übereinstimmung. Ansonsten geht es in Gordon Hesslers Version darum, dass aktuelle und ehemalige Mitglieder der Theatertruppe nach und nach von einem Wahnsinnigen ermordet werden. Da es sich um einen Totgeglaubten handelt, der aufgrund einer Verunstaltung im Gesicht maskiert hinter der Bühne herumhuscht, ist die Verwandtschaft dieser "Vier Frauen und ein Mord"-Version unübersehbar: "Das Phantom der Oper". 

Freilich orientiert man sich auch an diesem nur recht lose, und so wohnen wir im Hauptplot dem Lüften eines Geheimnisses um ehemalige Verbrechen bei, das wir als erfahrene Gruselfreunde bereits im Vorfeld kennen, zumal weitere Möglichkeiten der Auflösung kaum möglich sind. Viel anders wird das 1971 ebenfalls nicht gewesen sein. So kurz vor dem Aufbruch der modernen Terrorwelle des Horrorfilms im besagten Jahrzehnt war man die alten Klischees und Abläufe des Genres schon so gewohnt wie wir heute. Trivial und vorhersehbar wird "Murders in the Rue Morgue" (Originaltitel) also bereits damals gewesen sein. Ob er sich zu dieser Zeit aber auch derart charmant geschaut hat, wie nun in seinem Retro-Gewandt viele Jahrzehnte später, lässt sich nur schwer erahnen. Selbst heutzutage gehört der Streifen diesbezüglich nicht zu den Highlights nostalgischer Gruselfilmzeiten. Aber er ist die nette Fließband-Dutzendware für zwischendurch, die all das liefert, was man erwartet (freilich erst wenn man begreift keine Poe-Verfilmung zu sichten) und mit bekannten, wie talentierten Gesichtern dieser Dekade Horrorfilm trumpfen kann. 

Wer nicht zu viel erwartet, wird also solide unterhalten, ohne all zu viel Brutalität und tatsächliche Gruselstimmung. Selbst der augenzwinkernde Umgangston ist rar gesät, für einen theoretisch verschmitzten Täuschungsversuch. Die Klasse eines "Theater des Grauens" und die Raffinesse eines "Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes" sucht man in dieser Schnellschussproduktion vergebens.  Wiki

24.04.2022

WER HAT TANTE RUTH ANGEZÜNDET? (1972)

"Whoever Slew Auntie Roo?" reimt sich so wunderbar im Originaltitel und macht damit bereits den augenzwinkernden Umgang deutlich, den wir in diesem britischen Horrorfilm von Curtis Harrington zu erwarten haben. Der hat ein Jahr nach "Was ist denn bloß mit Helen los?" erneut Shelley Winters ins Zentrum dieses Genres gesteckt, und die wirkt mit ihrem Lächeln und dem runden Gesicht immer etwas harmlos innerhalb einer Rolle, in die man sich eher Bette Davis wünschen würde. Die Mentalität des Streifens und damit die Positionierung von Ruth einmal begriffen, ist sie jedoch genau wegen dieser Ausstrahlung eine gute Besetzung. Denn das Drehbuch ruht sich nie auf irgendwelchen Erwartungen aus, kann deswegen sowohl im Titel spoilern, als auch mit dem Präsentieren einer mumifizierten Kinderleiche Ruths geistige Fehlleitung von Anfang an deutlich machen, denn "Dead Time" (Alternativtitel) belässt es nicht bei einer ähnlichen Chose wie "Psycho", bedient sich an diesem in Wirklichkeit nur aufgrund der Erwartungen, die derartige Parallelen automatisch hervor bringen, und selbiges gilt für die stets deutlich im Raum stehenden Parallelen zum berühmten Märchen "Hänsel und Gretel". Es wird Tante Ruth und ihrer geistigen Entgleisung letztendlich zum Verhängnis, dass der große Bruder, der seine Schwester beschützen will, in welcher Ruth einen Ersatz für ihre durch einen Unfall  verlorene Tochter sieht, Kenntnis dieser Geschichte der Brüder Grimm hat und aufgrund der Übereinstimmungen der Geschehnisse anfängt daran zu glauben Ruth sei eine Hexe. 

Diese nach Außen hin nette Gastgeberin tickt sicher nicht sauber und begeht mit dem Gefangenhalten der Kinder sogar ein unverzeihliches Verbrechen, aber sie ist nicht der dämonische Aggressor eines Horrorfilmes, tatsächlich sogar ehrlich kinderlieb, und letztendlich ebenso Opfer der Umstände und damit eine tragische Rolle. Ihre Gefühlswelt ernst nehmend und die Bedrohung des immer nur zu erahnenden Fortschritts der Geschichte fest im Griff, gelingt es Harrington, auch dank eines guten Drehbuchs, gekonnt dennoch stets jenen augenzwinkernden Grundton aufrecht zu erhalten, der "Gingerbread House" (Alternativtitel) das Sahnehäubchen beschert, welches ihn mitunter so besonders macht. "Wer hat Tante Ruth angezündet?" lebt von Zufällen, von Zusammenkünften und von halben Einblicken in Geschehnisse. Er zeigt uns wie ahnungslose Menschen (andere existieren nicht in diesem Film) mit der undurchschaubaren Situation innerhalb ihres eingeschränkten Blickwinkels jeweils umgehen, um uns schließlich zum unvermeidbaren, bitteren und tragischen Ende zu führen, welches der deutsche Titel treffender vorweg nimmt, als der sich runder anfühlende Originaltitel. Umso fieser kommt das Kinderlächeln im Ausklang der Geschichte daher, welches uns suggeriert, dass der stets schurkische große Bruder nicht nur edelmütig handelt, sondern, nun wo er die Wahrheit kennt, trotzdem mit sich und seinen Taten zufrieden ist. Das bisher unterschwellig mitschwingende Gefühl, er könne ebenfalls nicht ganz sauber ticken, wird damit bei guten Beobachtern bestätigt, eben weil diese Erkenntnis in der Schlussphase nicht mit dem Holzhammer ins Zentrum gerückt wird, wie später in "Halloween 4". 

Inmitten seines verspielten Szenarios, in dem man immer zu Erwartendes ahnt und sich dennoch aufgrund der kaum zu greifenden Motivation diverser Figuren fragt worauf der Film hinaus will, punktet "Who Slew Auntie Roo?" (Alternativtitel) mit reichhaltigen Zusatzelementen, von denen man nie weiß wie viel Hintergrund sie bilden und wie stark sie Einfluss auf die entscheidenden Geschehnisse haben werden. Da gibt es eine strenge Lehrerin, die es nur ungern sieht wie die beiden im Zentrum stehenden Waisenkinder sich ihre Einladung zu der stets freundlichen Tante Ruth erschlichen haben. Da werden Seancen abgehalten, um Kontakt zur verstorbenen Tochter herzustellen, die einen ähnlichen Namen wie das im Zentrum stehende Waisenmädchen hat. Betrüger, Geldgier und falsche Freunde schwingen im Umfeld Ruths ebenso mit, wie ihre Vergangenheit, in welcher sie mit einem Zauberer verheiratet war, von dessen jetzigen Leben oder seinem Ableben wir nichts wissen, sehr wohl aber von dem der Tochter, gestorben aufgrund des weichen Herzens Ruths, als der Gatte für einen kurzen Moment abwesend war und sie etwas erlaubte, was im Haus sonst verboten war. Dass er existierte führt zu einer der gruseligsten Momente des Streifens, der in der Kammer spielt, in welcher seine ehemaligen arbeitstechnischen Besitztümer wie in einem Schreckenskabinett gesammelt werden, womit der Film für einen längeren Moment wunderbar die Grundstimmung von "Tourist Trap" voraus nimmt. 

Wird die in dieser Szene, in einem atemstockenden Szenario angewandte Guillotine noch einmal eine entscheidende Position in den Finalereignissen einnehmen, wird hier nur zu einer von vielen Fragen, welche die gerade von mir aufgelisteten Randereignisse generell stets aufwerfen, so dass "Wer hat Tante Ruth angezündet?" einem trotz diverser Vorwissen immer wieder auf Trab hält. Je weniger man über die Geschichte weiß, desto besser. Es sei also jedem Liebhaber britischer Horrorfilme zu diesem kleinen, relativ unbekannten Leckerbissen geraten, auch wenn er nur zwischendurch, immer wieder nur kurzfristig, auf Grusel achtet und uns hauptsächlich schmunzelnd und gleichzeitig emotional betroffen an den Auswirkungen teilnehmen lässt, die das Zusammentreffen diverser Menschen mit Geheimnissen und Macken, mit jeweiligem Halbwissen in einem morbiden Szenario mit sich bringt. Das schaut sich wie eine empathische Version von einem mörderischen Spaß mit versteckter Kamera. Dass der Zuschauer von der Motivation und von seinem Wissensstand den wichtigen Figuren des Streifens gar nicht unähnlich ist, beweist die vorhandene psychologische Raffinesse des Streifens, die keinesfalls zufälliger Natur ist.  OFDb

11.05.2019

DER GIGANT DES GRAUENS (1958)

"Der Gigant des Grauens" ist die Fortsetzung des ebenfalls von Bert I. Gordon gedrehten und Samuel L. Jackson produzierten "Der Koloss", den ich vor ewigen Jahren einmal im Fernsehen gesichtet habe und nicht mehr so gut in Erinnerung habe, so schlecht wie ich ihn damals fand. Da sich mein Filmgeschmack seit dem gravierend verändert hat, hat die Fortsetzung, die im Gegensatz zum ersten Teil in Deutschland eine Veröffentlichung auf DVD erhielt, von mir freilich dennoch eine Chance erhalten, und ich muss gestehen ich bin überrascht, dass das gerade einmal ein Jahr später nachgereichte Sequel weit weniger plump ausgefallen ist, als ich es vermutet hätte. Zwar entstand "Revenge of the Colossal Man" (Alternativtitel) zu einer Zeit, in welcher im Genre-Kino die Atombombe noch als Ursache für Riesenwuchs herhalten konnte, und auch ansonsten lässt der Film nicht den üblichen naiven Charme der 50er Jahre Science Fiction-Horrorfilme vermissen, Autor George Worthing Yates überrascht jedoch mit einem zu seiner Zeit recht empathischen Drehbuch.

Nicht falsch verstehen, im Vergleich zu heute guckt sich "Der Gigant des Grauens" noch immer höchst egoistisch, nur wenig Platz lassend für das Hineinversetzen in das Denken und Empfinden alternativer Mentalitäten und Lebewesen, aber immerhin kommt es zu Ansätzen diesbezüglich in einer Zeit, in der alles was nicht normal war üblicher Weise gleich zum Monster erklärt wurde. Dass das Ergebnis nicht wirklich zum Horror-Drama a la "Frankenstein", "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" oder "Splice - Das Genexperiment" geworden ist, liegt einzig daran, dass der Film stets aus der Perspektive der anderen erzählt ist und den Giganten zur zerstörerischen Nebenfigur verkommen lässt. Um ihn unheimlicher wirken zu lassen, hat der Riese den Sturz von einst nicht gut verkraftet, so dass eine monströse Wunde sein Gesicht ziert, die den Wüterich unheimlicher wirken lässt, als im Vorgänger. Dieser kleine, simple Trick unterstützt die Wirkung der Erzählung ungemein, da darf man sich nicht vertun. Doch mag der Riese auch monströser und gefährlicher damit wirken, klassisch herumwüten, wie im Original, darf er zunächst nur einige Zeit nach seinem ersten Erscheinen.

Gefangen gehalten, nun wo die Menschheit halbwegs vor ihm in Sicherheit ist, geht es um die Frage ob Glen zu helfen ist oder nicht, sprich ob sein Gehirn unter Amnesie leidet, oder einen bleibenden Schaden genommen hat. Dementsprechend wird er untersucht, freilich nicht so intelligent thematisiert wie in einem "Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All", ja nicht einmal wie in Cronenbergs "Die Fliege", wir befinden uns schließlich trotzdem in den stumpfen, trivialen 50er Jahren des Horrorfilms. Doch selbst wenn das schockierende Ergebnis zu Tage tritt, erntet der Mutierte keine reine blinde Wut von der Menschheit, es wird überraschend mitfühlend ein Plan ausgedacht, wie man dem Opfer der Atomexplosion ein Leben bescheren kann, in welchem es ihm halbwegs gut geht, ohne dass er der Menschheit schaden kann. Doch Drama, wie "The Terror Strikes" (Alternativtitel) nun einmal ist, wenn auch heruntergeschraubt im Vergleich zur tatsächlichen Horror-Drama-Konkurrenz, kommt es gar nicht erst so weit. Der Aggressor bricht erneut aus, bedroht gar einen ganzen Schulbus voll mit Kindern, bevor der Film einen überraschenden Schluss erlebt, mit dem ich wahrlich nicht gerechnet habe.

"Der Gigant des Grauens" kommt weit vielschichtiger in seiner Erzählung daher, als ich vermutet hätte, sprich er besitzt mehr roten Faden als erwartet, kann aber trotz seines Ideenreichtums die eindimensionale Erzählung zu bereichern nicht vollkommen überzeugen, und ich kann nicht genau benennen warum dies so ist. Einzig der zu lange Rückblick auf Teil1 zur Mitte des Filmes weiß den Bogen etwas zu sehr zu überspannen, zeigte man doch gleich alle nennenswerten Schauwerte des Vorgängers, anstatt einfach nur fehlende Informationen für jene nachzureichen, die Teil 1 entweder nicht gesehen, oder wie ich vergessen haben. Ansonsten gibt es eigentlich nicht wirklich etwas zu klagen. Selbst die wackelige Hochprojektion, mit welcher Bert I. Gordon stets arbeitet, ist nicht so übel ausgefallen wie in seinen schlechteren Werken a la "The Cyclops" und "Beginning of the End". Zwar stampft auch sein Gigant zu überbelichtet durch eine sonst dichte Bildqualität und besitzt aufgrund fehlender Möglichkeiten bei dieser plumpen Tricksetzung keinen Kontakt zu den Menschen, die er attackiert, aber zumindest versuchte man die Optik reizvoller zu gestalten, beim Zeigen wo der Riese auftaucht und wieder verschwindet. Da gab man innerhalb schlechter Spezialeffekte sein Bestes, so dass sich die Wirkung des Giganten dann doch bei Gordons besseren Ergebnissen a la "Die Rache der schwarzen Spinne" und "In der Gewalt der Riesenameisen" einreihen darf.

Ich kann somit nicht genau benennen, warum "War of the Colossal Beast" (Originaltitel) trotz seiner überraschend reichhaltigen Zutaten bei mir nicht wirklich zünden konnte, irgendetwas störte den Erzählfluss, irgendetwas störte den Unterhaltungswert. Und ich weiß nicht ob dieser unbekannte Faktor in meiner Tagesform zu finden war, oder im Film selbst, den ich theoretisch weit besser empfand als in seiner Praxis. Dennoch ist "Der Gigant des Grauens" weit davon entfernt einer der Langeweiler seiner Gattung Film zu sein, die es ebenfalls bereits damals zuhauf zu sichten gab. An Schauwerten mangelt es dem Film ebenso wenig, wie an dem Versuch blindes Schwarz/Weiß-Denken zu durchbrechen. Und allein aus diesen Gründen sollten sich Filminteressierte dieser Dekade und dieses Genres nicht von meinen Zweifeln abhalten lassen dieses Werk zu sichten. Es gehört definitiv zu Arkoffs liebenswerteren Produktionen.  OFDb

20.01.2019

DAS SCHWARZE MUSEUM (1959)

Arthur Crabtrees letzte Regiearbeit weiß durchaus klassisches Brit-Horror-Flair aufkommen zu lassen, so dass Freunde dieser Art Film nicht zwingend enttäuscht werden. Allerdings sollten selbst diese im Vorfeld darüber informiert werden, wie unglaublich einfältig "Das schwarze Museum" erzählt ist. Fast schon kindlich fällt sein Gemüt aus, was bereits bei der Motivation des Bösewichts beginnt, dessen offizielles Leben eine Art bösartigen Streich darstellt. Verschmitzt weiß nur er und sein Gehilfe die düstere Wahrheit. Dessen Untergebenheit seinem Meister gegenüber ist nicht minder einfältig ausgefallen, sind die Beweggründe seines Tuns und seiner Solidarität gegenüber seinem Herren doch naivster Art, ebenso seine Schritte die zum Unheil führen werden, was sie aber nur deshalb tun, weil die Vorsichtsmaßnahmen des Bösewichts eigentlich keine sind und somit ebenfalls die Einfältigkeit der zentralen Figur verdeutlichen. Ebenso leichtsinnig stolpert die Polizei durch die Geschichte, einfach, wenn auch leicht kritisch, einem Mann vertrauend, der deshalb vom Fach ist, weil er Bücher über Mörder schreibt. Es wimmelt nur so vor Blauäugigkeit in diesem Werk, egal in welche Richtung man blickt. Selbst kurz nach ihrem Kauf eingesetzte Mordwerkzeuge werden weder anonym erworben, noch weit entfernt vom Wohnort des Killers. Man braucht nicht lange zu suchen, um auf den schlichten Blickwinkel des Streifens zu stoßen.

Es kommt "Crime in the Museums of Horrors" (Alternativtitel) zu seinem eigenen Schutz zugute, dass er aus einer schelmischen Perspektive erzählt ist. Der Streifen ist nie ganz ernst gemeint, kommt in seiner Erscheinung freiwillig verspielt daher und entfacht damit seine eigene Art Charme. So werden Elemente, die einem wahren Horrorfilm geschadet hätten, zu vertretbaren Faktoren, die lediglich den Inszenierungsstil und das Erscheinungsbild des Streifens widerspiegeln. Das ist schön und gut, hindert Crabtrees Folgewerk nach "Ungeheuer ohne Gesicht" aber daran auch nur ansatzweise tatsächlich düster oder gar spannend auszufallen. Da nutzt es auch nichts, wenn in der Ausnahme auch einmal eine etwas arg perverse Mordmethode ihren Einsatz findet, die in ihrer bösartigen Raffinesse den einfallsreichen Morden aus "Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes" entspricht. Die Cover-Texter einer deutschen DVD-Veröffentlichung sprechen gar von Methoden, die dem italienischen Giallo gleich kämen, aber das ist freilich eine übertriebene Werbetrommel, die lediglich Käufer an das falsche Produkt binden soll.

Interessant ist indes ein Blick auf die Besetzung, darf doch der edle Helfer Bruce Waynes aus den "Batman"-Filmen hier den im Zentrum stehenden Schurken mimen, und da kann man den Butler wahrlich nicht mehr drin wiedererkennen. Wirklich herausragend ist das Schauspiel Michael Goughs jedoch nicht zu nennen, aber ohnehin reißt sich hier niemand ein Bein aus. Man spielt, wie der komplette Film erscheint: charmant, aber nicht zwingend professionell. Das macht aus "Die Folterkammer des Teufels" (Alternativtitel) nicht wirklich das was man beim Griff eines 50er Jahre Horrors aus England erwartet, aber zumindest ein kurzweiliges Produkt der anderen, wenn auch etwas zu anspruchslosen Art. Es reicht eben nicht die dunklen Gassen Londons zu zeigen oder düstere Artefakte anzusammeln, die zuhauf im titelgebenden Museum präsentiert werden, um mit den Hammer-Studios mithalten zu können. Schön augenzwinkernd ist mit dem schwarzen Museum anbei nicht das gemeint, was die Polizei umgangssprachlich darunter versteht, und auch diese verschmitzte Täuschung wird dem Zuschauer über den Bösewicht in fast kindlicher Freude vermittelt. Man kann es aufgrund solcher Beispiele wohl als konsequent bezeichnen, dass "Horrors of the Black Museum" (Originaltitel) so schlicht und einfältig endet, wie er über seine komplette Laufzeit ausgefallen ist. Das würde sich zwar in einem ernster zu nehmenden Produkt unangenehmer schauen, stört aber ehrlich gesagt bereits hier. Etwas umständlicher oder geheimnisvoller hätte der mordende Buchautor sein Ende dann doch finden können, eben weil sich der Streifen so verspielt gibt.  OFDb

26.11.2017

DAS SCHRECKENSHAUS DES DR. DEATH (1974)

Hinter dem oftmals verwendeten Filmtitel „Madhouse“ (Originaltitel) verbrigt sich zwar erneut kein großer Filmklassiker den man als Fan des Genres gesehen haben muss, aber ein kleines, ungewöhnliches Werk, welches trotz seiner unbeholfenen Ausstrahlung aus verschiedensten Gründen einen Blick wert ist. Besetzt mit Vincent Price und Peter Cushing in den wichtigsten Rollen mag manch einer mehr vom Streifen erwartet haben als manch anderer, Fachkundige erkennen jedoch bereits bei der Namenseinblendung Samuel Z. Arkoffs als Produzent im Vorspann, dass hier eine schnell heruntergekurbelte Billigproduktion auf den Zuschauer wartet und sind somit vorgewarnt.

Zeit nahm man sich scheinbar wahrlich nicht für die Vorbereitungen auf „Das Schreckenshaus des Dr. Death“, wird beim Schauen doch nie seine Orientierung deutlich, was er eigentlich sein möchte. Irgendwo zwischen Grusel-Krimi, Horrorfilm und einem Hauch Horror-Parodie pendelnd weiß zumindest sein Spiel mit der Horrorszene innerhalb des Horrorfilms zu gefallen, handelt Jim Clarks Werk doch von Schauspielern, Autoren und Produzenten dieses Genres, sowie von den Dreharbeiten und dem Kult um die entstandenen Werke. Diesbezüglich versuchte sich Arkoff bereits in den 50er Jahren mit „Der Satan mit den 1000 Masken“, „Der Dämon“ (Alternativtitel) geht jedoch noch einen Schritt weiter und nimmt die Idee von „Scream 3“ und „Nightmare on Elm Street 7“ vorweg, um durch die gegebenen Mittel mit den Metaebenen zu spielen. „Deathday“ (Alternativtitel) ist dabei ebenso wenig gewitzt ausgefallen wie die später entstandenen prominenten Vergleichsfilme, aber allein Vincent Price bei seinem augenzwinkernden, spielfreudigen Agieren zuzusehen, beweist wie richtig es war sich an dieser Art der Thematik zu versuchen.

Wie für eine Arkoff-Produktion typisch wurde nicht gerade viel Geld in den Streifen investiert. Dies bescherte aber immerhin den Schauspiellegenden Boris Karloff und Basil Rathbone eine spezielle Nennung im Vorspann aufgrund von Gastauftritten, verkauft uns der Film doch ehemalige, real existierende Werke mit Vincent Price (u.a. „Das Pendel des Todes“ und „Der Rabe - Duell der Zauberer“) als damalige Dr. Death-Filme, um für diese nicht zusätzliche Szenen drehen zu müssen. Und in diesen treten besagte ehemalige Filmstars innerhalb von „Das Schreckenshaus des Dr. Death“ auf.

Geiz hat sich selten so gelohnt, denn das Verwenden alter Price-Filmszenen unterstreicht den augenzwinkernden Grundton des Filmes und lässt ihn an Sympathie gewinnen, gerade weil gewählte Szenen offensichtlich auf das Ur-Werk verweisen, im Gegensatz zu dem wie es bei neutraler entliehenen Momenten der Fall gewesen wäre. Zudem existiert im Film eine Interviewszene mit Paul Toombes, die mit einem echten Showmaster vor einem tatsächlichen Livepublikum aufgenommen wurde, so dass man davon ausgehen kann, dass hier Dreharbeiten mit der Möglichkeit ein echtes Interview mit Vincent Price aufzuzeichnen, vermischt wurden. Diverse von Toombies geäußerte Sätze schein gar vom realen Price-Interview entliehen worden zu sein und wirken dementsprechend authentisch.

Da durch diesen Umgang mit realen Aufnahmen diverser Medien und der dazugehörenden augenzwinkernden Darstellung Prices der Großteil des Filmes wie ein verschmitztes Spiel aller Beteiligten wirkt, verzeiht man dem Gesamtwerk seine etwas orientierungslose und vorhersehbare Chose, guckt sich das alles doch unterhaltsam, ohne je zum Retrozirkus, zu groben Albernheiten oder zum Selbstzweck zu verkommen. Subtil sieht anders aus, aber der dezente Umgang mit diesen Mitteln nicht zu übertreiben sorgt für den richtigen Grundton, und da jede Szenen, die das Ganze nicht betrifft, ohnehin zu spannungsarm ausgefallen sind, bereichert dieses Vorgehen, anstatt eine möglicher Weise vorhandene düstere Grundatmosphäre unangenehm aufzubrechen.

Von einem großen Wurf braucht man wie eingangs erwähnt nicht sprechen. Dafür ist „The Madhouse of Dr. Fear“ (Alternativtitel) zu banal und vordergründig ausgefallen. Diverse Handlungselemente kommen ebenso wie diverse Figuren zu kurz, die Auflösung steht zu vorhersehbar im Raum, und die Tricks sind zu erkennbar umgesetzt, als dass sich eine wahre Illusion auftun würde. All dies verzeiht man dem Film aufgrund seiner sympathischen Ausstrahlung jedoch all zu gerne. Einzig die Schlussszene, die es verfehlt das finale Geschehen freudianisch zu erklären, wirkt in ihrem Realitätsbruch ärgerlich und billig angehangen, und dies obwohl sie eine reizvolle zentrale Idee von „Dance of the Demons 2“ und „Ring“ vorwegnimmt.  OFDb

15.04.2017

BARON BLOOD (1972)

Im selben Jahr, in dem Mario Bava beim Film „Lisa und der Teufel“ künstlerische Narrenfreiheit genießen durfte, entstand der ebenfalls mit Elke Sommer besetzte „Baron Blood“, der weit unter dem Niveau von Bavas üblichen Arbeiten im Horror-Genre liegt. Ob das am finanziellen Misserfolg besagtem Herzensprojekt lag, oder daran, dass er in den Vorbereitungen für diesen zu stark involviert war, um sich besser auf die Realisierung des hier besprochenen Projektes zu konzentrieren (ich habe keine Ahnung in welcher Reihenfolge 1972 beide Werke erschienen sind), beides wäre ein Erklärungsansatz für den lustlos abgefilmten „Baron Vampire“ (Alternativtitel).

Vielleicht war besagter Film auch nur eine vertraglich gebundene Auftragsarbeit, denn ein Blick auf das Drehbuch hätte bereits verraten müssen, dass die Samuel Z. Arkoff-Produktion nicht viel Potential hergibt. Allein die Charakterzeichnung der drei Helden arbeitet gegen eine funktionierende Geschichte, kann man sich bei deren Leergeschwätz doch keinesfalls mit einem von ihnen identifizieren. Da werden hanebüchenste Theorien aufgestellt, da wird ohne jeglichen Beweis gegen Menschen gehetzt, und das Drehbuch gibt ihren Mutmaßungen am Ende auch noch Recht, ohne den Zufall dahinter hervorzuheben. Zudem ziehen sie im Finale in den Kampf gegen Baron Blood, ohne auch nur den Hauch eines Planes zu besitzen.

Dass aus einer Klischees erfüllenden, routiniert klassischen Gruselgeschichte schon manch sympathischer Film entstanden ist, liegt an der Art der Umsetzung, die in liebevoller Herangehensweise genügend Charme entstehen lassen kann, um eine belanglose oder zu oft wiedergekäuerte Geschichte positiv wirken lassen zu können. Mit Blick auf „The Blood Baron“ (Alternativtitel) scheint Bava dies jedoch gar nicht erst versucht zu haben. Sein monströser Baron hüpft durchs Bild wie ein Rumpelstilzchen, kann also weder Grusel noch Schrecken einjagen, geschweige denn zumindest charmant morbide wirken, und auch dass sein Auftauchen meist in Dunkelheit gehalten wird, wertet die Sache nicht auf. Da ärgert es um so mehr, dass auch die menschlich verkleidete Variante des Bösewichts, nicht zu wirken weiß.

Nicht nur, dass der gute Mann fehlbesetzt wirkt, er wird zudem nicht dämonisch genug eingesetzt. Zum einen ist er in zu wenigen Szenen zu sehen, zum anderen besitzt er keine Ausstrahlung, wie sie beispielsweise Boris Karloff in seiner ähnlich angelegten Rolle in „Der Rabe - Duell der Zauberer“ besaß. Das Handeln des im Rollstuhl sitzenden Scheinheiligen ist zu willkürlich geraten, gerade gegen Ende, wenn er seine Gäste zunächst verabschiedet, um sie sich im nächsten Moment schließlich doch noch zu schnappen. Dies nicht um sie aus sadistischem Antrieb in Sicherheit zu wiegen, sondern einfach weil das Drehbuch dies jetzt so will. Wie der Bösewicht sein Ende erfährt, ist ebenfalls einfallslos wie lustlos inszeniert, dabei hätte gerade der Überfall der ehemaligen Opfer auf den Baron ein tolles Bild abgeben können unter besserer Maske.

Die versagt aber bereits mit Blick auf die weiblichen Rollen. Wer auch immer fürs Make Up verantwortlich war, hat gestümpert oder hatte zu wenig Zeit bessere Arbeit zu leisten. Ohnehin scheint „Chambers of Torture“ (Alternativtitel) auf die Schnelle abgedreht zu sein, wie die Außenaufnahmen zeigen. Es ist das Glück von „The Thirst of Baron Blood“ (Alternativtitel), dass er in einem solch schön gewähltem Schloss spielt und dass manches Horrorklischee für ihn arbeitet. Auch manche wenige Aufnahmen zeigen zumindest einen Hauch dessen, welches Talent Bava üblicher Weise besitzt, z.B. die Sequenz, in welcher der Nagelsarg mit Blick auf das darin liegende Opfer geöffnet wird. Damit wird aus „The Torture Chambers of Baron Blood“ (Alternativtitel) trotz all der Negativpunkte zumindest ein mittelmäßiger Horrorfilm für geduldige Stammzuschauer. Leider überwiegen im Gesamtbild dennoch die negativen Elemente.  OFDb

PS: Anbei ist der deutsche Untertitel, der von mir erstandenen DVD des Labels e-m-s, angehäuft mit übelsten Rechtschreibfehlern.

18.09.2016

DER UMLEGER (1976)

Vergleichbar mit den Taten des legendären Zodiac-Killers, gab es bereits in den 40er Jahren einen ungelösten Kriminalfall, in welchem der Täter ebenfalls wahllos seine Opfer aufsuchte und ständig seine Methoden änderte. Mit 5 Toten und noch weniger Verletzten gehört er sicherlich nicht zu den erfolgreichsten Massenmörder der amerikanischen Kriminalgeschichte, ganz im Gegenteil, für heutige Verhältnisse klingt sein Ergebnis gar recht harmlos. Dementsprechend darf man sich in der Verfilmung seiner Taten wundern wie schnell hier Angst in der Stadt herrscht, die Polizei Verstärkung anfordert und diese auch gleich mit dem besten Mann seines Fachs erhält und warum überreagiert gleich Ausgangssperren verhängt werden.

Man kann es auf die Zeit schieben, warum hier gleich Panik und Großeinsatz herrschen, obwohl der Fall sich im Vergleich recht harmlos guckt, man muss aber auch bedenken, dass man es bei „Der Umleger“ mit einem Film aus der Billigschmiede Samuel Z. Arkoffs zu tun hat, und dessen Werke sind meist reißerisch und naiv zugleich umgesetzt. Und wenn dann in einem solchen Streifen die Helden bereits Muster erkennen, bevor es möglich ist diese zu erkennen (Zwei Taten, 21 Tage Abstand dazwischen, dann muss der Mörder also alle 21 Tage zuschlagen? Was 'ne Logik...), dann kann es am Anfang in einem Vorwort noch so heißen alles habe wie gezeigt einst so stattgefunden, Charles B. Piercers Thriller ist lediglich aufgepuscht und in seiner Logik nicht sonderlich realitätsorientiert erzählt.

Ich habe mich zu dem hier zu Grunde liegenden Fall nicht näher informiert, es mag also sein dass trotzdem vieles stimmt was „Der Umleger“ erzählt, auf den DVD-Markt hat es der vergessene Film zumindest aufgrund des kleinen Erfolges des Horrorfilmes „Warte, bis es dunkel wird“ geschafft, der sich auf den hier besprochenen Film bezieht, der, laut dem Quasi-Remake, wohl noch immer in Texerkana aufgeführt wird. Mag er in Amerika auch ein kleiner Kultfilm sein, eine verkannte Größe ist „Phantom-Killer“ (Alternativtitel) definitiv nicht, dafür leidet er an zu vielen Arkoff-Krankheiten, die ihn immer wieder herunterziehen.

Neben dem völlig unpassend eingebrachten Humor, der sich an einer festen Nebenfigur orientiert, stören in erster Linie die Off-Kommentare, mit denen in Billigstproduktionen bereits in den 50er Jahren immer wieder gearbeitet wurde, um damit kostengünstig Handlungsstränge einzusparen. In den 70er Jahren war die Methode jemand Fremdes die Geschehnisse des gerade laufenden Streifens sachlich zu kommentieren längst veraltet, außerdem erzählt der Sprecher nichts was den Hintergrund bereichern würde. Und Szenen werden mit diesem Stilmittel diesmal auch kaum eingespart.

Für eine Arkoff-Produktion war „The Town That Dreaded Sundown“ (Originaltitel) wahrscheinlich ohnehin das höchste dessen was der gute Mann finanziell springen ließ, spielt der Streifen doch in den 40er Jahren, und da mussten Setting, Autos und Co zumindest halbwegs nach vergangener Zeit aussehen. Arkoff setzte finanziell auf das nötigste diesbezüglich, und mich würde es nicht wundern wenn Kenner x Details der 70er Jahre entdecken würden, die es in den 40ern nicht gab. Zumindest würde es zu einem Film passen, der so schnell abgedreht wurde, dass man in einer Sequenz fast 2 Sekunden lang einen Kameramann auf einem vorbeifahrenden Zug sichten darf.

Das belustigt Pierces Werk zwar kurzfristig, eine unfreiwillig komische Lachnummer ist er jedoch nicht geworden. Auch die oben beschriebenen Ärgernisse lassen den Streifen nicht vollends scheitern, besitzt „Phantomkiller“ (Alternativtitel) im Gegenzug doch Stärken die einiges wieder wett machen. Dass er als einer der ersten Slasher beworben wird, ist eine Aussage die man allein deswegen nicht für voll nehmen kann, weil der Killer meist mit einer Schusswaffe arbeitet. Elemente der später so beliebten Horrorgattung sind aber tatsächlich bereits erkennbar. Freilich denkt man unweigerlich an „Freitag der 13. 2“ wenn ein Killer mit Sack auf dem Kopf mordend durch ein Waldgebiet stampft. Dessen Wirkung wird hier gar durch das psychotisch wilde Atmen unter dem Sack getoppt, was den Killer bedrohlicher wirken lässt.

Zudem schafft es Pierce die wenigen Morde und Attacken atmosphärisch dicht einzufangen. In manchen Szenen herrscht wahrer Nervenkitzel. Und wenn der Täter hin und wieder seine Schusswaffe gegen eine Spitzhacke oder gegen ein Blasinstrument tauscht, dann erinnert dies tatsächlich auch stilistisch an die mit Carpenters „Halloween“ aufgekommene Slasher-Welle, die ihr erstes Hoch in den 80er Jahren hatte.

Letztendlich guckt sich „Der Umleger“ noch zu sehr wie ein Kriminalfilm, richtet sein Hauptaugenmerk auf die Polizei und ihre Ermittlungen und macht Täter wie Opfer zu Nebenfiguren. Andererseits werden die Attacken für seine Zeit schon recht zelebriert. Bedenkt man jedoch, dass bereits 2 Jahre zuvor Leatherface wesentlich heftigeren Terror mit „Blutgericht in Texas“ auf der Kinoleinwand entfachte, merkt man endgültig wie harmlos und naiv dagegen die hier besprochene Arkoff-Produktion ausgefallen ist.

Es ist schade, dass die düstere Stimmung nach einer wunderschön abgefilmten Attacke meist durch einen nervigen, wie unnötigen Off-Kommentar unterbrochen wird, der es einfach nicht zulässt, dass man sich in die Geschichte intensiv genug einfühlen kann. Andererseits merkt man aufgrund dessen, dass mit jeder neuen Attacke die Atmosphäre trotzdem wieder auf einem Hoch ist, wie intensiv der Regisseur gerade diese Momente einzufangen weiß. Man bekommt gar das Gefühl, dass er weiß dass der wahre Held des Streifens der Killer ist, so wie er ihn in Szene setzt, was aber eigentlich eine Zuschauereinstellung benötigt, die sich erst in den 80er Jahren entwickelt hat.

Da man stets in die Polizeiarbeit involviert ist, die Charaktere halbwegs sympathisieren obwohl sie höchst oberflächlich bleiben und das Tempo aufgrund fehlender Zeitstrecker recht hoch zu nennen ist, weiß „Der Umleger“ eher zu gefallen anstatt zu enttäuschen, eben auch weil der Killer in seiner Maskerade zu wirken weiß und Pierce uns so einige spannend geratene Fluchtszenen der Opfer vor dem Täter präsentiert. Ein wirklich nennenswerter Film ist dabei nicht herausgekommen, ein wahres Vorbild für die zukünftigen Slasher ist der Streifen sicherlich auch nicht, wirken die Übereinstimmungen zum späteren Schlitzer-Genre doch eher zufällig. Wer sich aber mit einem kleinen, simplen und naiven 70er Jahre-Thriller anfreunden kann, der dürfte als Genre-Fan die nötige Dosis Unterhaltung erhalten um hinterher nicht all zu enttäuscht vom Ergebnis zu sein.  OFDb

10.09.2016

IN DER GEWALT DER RIESENAMEISEN (1977)

Bert I. Gordon setzte in seiner Karriere als Monsterfilm-Regisseur stets auf das Verfahren Mensch oder Tier (je nachdem was mutieren sollte) hoch zu projizieren um es größer erscheinen zu lassen, anstatt mit Attrappen und Puppen zu arbeiten. Was in den 50er Jahren arg erbärmlich aussah, kann sich im Vergleich dazu in den 70er Jahren angekommen schon eher sichten lassen, sind einige Aufnahmen doch recht geglückt. Vorzuziehen ist diese Methode dennoch nicht, einfach weil Interaktionen zwischen Kreatur und Schauspieler nicht möglich sind. Glücklicher Weise hat Gordon dies im hier von ihm und Samuel Z. Arkoff produzierten Film auch so gesehen, und so kommen hier sowohl die hochprojizierten Wesen als auch Attrappen zum Einsatz.

Dass die einen den anderen kaum ähneln war den beiden Billigfilmern egal, und das sollte es dem Zuschauer auch sein, denn „In der Gewalt der Riesenameisen“, der in einigen Ansätzen auf einer Vorlage von H.G. Wells beruht, will kein realitätsorientierter Horror sein, sondern lediglich ein Stück unterhaltsames Popkorn-Kino, und im Gegensatz zu dem wie ich besagtes Werk in Erinnerung hatte, ist er dies auch geworden. Ich hätte nie erwartet, dass „Angriff der Nuklearmonster“ (Alternativtitel) für eine derartige Billigproduktion so gut besetzt ist, wissen die Schauspieler in ihren interessant charakterisierten Rollen doch allesamt zu überzeugen, und dank ihrer einzelnen kleinen Geschichten, die sie zu einer großen vereint, kommt schnell Sympathie mit einem Werk auf, welches bereits vor zwei Jahrzehnten in seiner Ur-Thematik mit „Formicula“ besser verfilmt wurde.

Obwohl die Riesenameisen recht früh ins Geschehen treten, kommt nie Langeweile aufgrund möglicher sich stets wiederholender Szenarien auf. Die Dialoge zwischen den Charakteren sorgen sowohl in der Einführungsphase, als auch in der längeren Phase der Flucht dafür, dass der Stoff sich stets interessanter guckt als er eigentlich ist. Gordon versucht zudem die monotone Geschichte so abenteuerlich wie möglich zu gestalten, und das ist ihm meiner Meinung nach auch recht gut geglückt.

Im letzten Drittel stößt der eigentliche Tierhorror-Stoff durch eine ziemlich schräge Idee Wells‘ auf Invasions-Filme a la „Die Dämonischen“ und „Puppet Masters“, scheint bei Ankunft in einer Kleinstadt die Gefahr doch vorüber zu sein, bis man merkt dass sich die Bewohner des Ortes arg merkwürdig benehmen. „Twilight Zone“ lässt grüßen, so dass „Killer Termiten“ (Alternativtitel) bevor ihm die Luft ausgeht gegen Ende eine interessante Wendung hinlegt, mit der er noch einmal voll ausholt, was freilich nur für jene Monsterfilm-Freunde eine Freude ist, die gegen Ende keine Nonstop-Action benötigt.

Bevor es zum vorhersehbaren, recht ereignisreichen Finale kommt, wird schließlich erst eine kurze Atempause eingelegt, die sich in Suspense-Momente aufgrund des wachsenden Misstrauens der Helden wandelt, ein Szenario das in der Regel meist zu Beginn eines Horrorfilmes stattfindet. Diese unübliche Herangehensweise finde ich an „Empire of the Ants“ (Originaltitel) lobenswert und interessant, und dank der liebgewonnenen Charaktere weiß dies auch zu funktionieren anstatt den Film auszubremsen.

Freilich muss man trotzdem Freund kostengünstig produzierter Monsterfilme sein. Bei aller Mühe die man sich gegeben hat den Zuschauer auf Trab zu halten, ist „In der Gewalt der Riesenameisen“ doch trotzdem nur ein schlichter Trivialfilm, der keine hohen Anforderungen an sich selbst stellt. Aber ich denke dass diesen Umstand bereits der überdeutliche deutsche Titel klar macht, der sicherlich ohnehin nur den Freak unter den Cineasten zum Einschalten einlädt. Somit dürfte eigentlich kaum wer negativ überrascht werden.  OFDb

03.04.2016

DIE LETZTEN SIEBEN (1955)

Dass „Die letzten Sieben“ mit einem Ende beginnt und mit einem Beginn endet ist kein künstlerisch kniffeliger Ansatz, der die Idee von „Memento“ vorweg nimmt, aber es ist eine kleine Spielerei, die zeigt dass Regisseur und Produzent Roger Corman bereits in frühen Jahren kreativ tätig war und sich nicht einzig auf einer Idee auszuruhen wusste. In mancher Hinsicht ist sein Werk aus dem Jahr 1955 seiner Zeit voraus, setzt Corman uns doch ein Szenario vor, welches sich heute mit „The Walking Dead“ und vielen anderen Werken großer Beliebtheit erfreut: dem Ende der Zivilisation und dem Überleben in einer Welt, in welcher der Mensch nur noch Gast zu sein scheint.

So erzählt „Day the World Ended“ (Originaltitel) von den letzten Überlebenden, für die zu wenig Essen und zu Trinken in einer verseuchten Umgebung vorhanden ist. Das Zusammentreffen verschiedenster Mentalitäten führt zu Schwierigkeiten innerhalb der Gruppe, Krankheiten aufgrund der Katastrophe sind eine alltägliche Angst, und der Fortbestand der Menschheit muss gesichert werden, indem neue Kinder gezeugt werden. Das guckt sich für damalige Verhältnisse recht modern, auch wenn man dieser Art Geschichte scheinbar nicht zugetraut hat einen kompletten Film zu tragen, so dass zudem noch das obligatorische Monster eingesetzt wurde, das in einer Samuel Z. Arkoff-Produktion einfach nicht fehlen darf.

Von ein paar Monsterszenen einmal abgesehen besteht der restliche Film fast ausschließlich aus Dialogszenen, in denen die Hintergründe der Katastrophe, ihre Folgen und die aktuelle Situation erforscht und reflektiert werden. Hin und wieder gibt es einige Spezialeffekte zu bestaunen, da einer der Sieben mutiert, und kurz eingestreute Keilereien untereinander bringen einen Hauch von Action in die arg ruhige Umsetzung. Aber hauptsächlich findet das Weiterkommen der Geschichte anhand von Gesprächen statt, was in einer intelligent erzählten Story sicherlich von Vorteil gewesen wäre. Allerdings ist „Die letzten Sieben“ ein typischer 50er Jahre-Streifen der für das Autokino produziert wurde, und so häufen sich allein in den wissenschaftlichen Begründungen genug Idiotien um reichlich unfreiwillige Komik zu ernten.

Erschwerend kommt hinzu, dass „Day the World Ended“ in einer Zeit und in einem Land entstanden ist, in welcher die Religion unumstrittene Wahrheit war, so dass viele der theoretisch gut klingenden Ansätze aufgrund des naiven Blickwinkels gottesfürchtiger Untergebenheit lediglich zu weiteren unfreiwillig komischen Lachern verkommen. Das extremste Beispiel findet sich hierbei erneut in der Thematik des Fortbestandes der Menschheit. Wenn geplant wird demnächst Frauen zu schwängern, dann geht dies nur mit göttlichem Segen, so dass man zum Ausführen des Geschlechtsaktes die Ehe geschlossen haben muss. Da kommt es der Bande Überlebender sehr gelegen, dass sich ein Kapitän unter ihnen befindet, der befähigt ist eine Trauung durchzuführen. Warum der Geschlechtsakt in einer Woche vollzogen sein muss wird widerum nicht erklärt, verdeutlicht aber um einen Punkt mehr den Tunnelblick der lediglich schwarz und weiß denkenden Protagonisten.

Trotz einiger guter Ansätze kann man „Die letzten Sieben“ nicht wirklich ernst nehmen, zu realitätsfremd wirkt die amerikanische Mentalität der 50er Jahre auf uns Europäer der Gegenwart, und zu schwach sind die zusätzlichen Stärken des Streifens ausgefallen, als dass sie gegen so viel Irrsinn gegen arbeiten könnten. Die schauspielrischen Leistungen sind gut genug um einen Monsterfilm stemmen zu können, nicht aber um ein Weltuntergangs-Drama glaubwürdig zu erzählen. Der wissenschaftliche Hintergrund ist wie bereits erwähnt ebenfalls keine Hilfe dabei den Streifen in ein ernsteres Licht zu rücken, und rein unterhaltungstechnisch schadet es dem Film unter diesen Umständen, dass er so extrem geschwätzig und nüchtern ausgefallen ist. Hier hätte die stärkere Präsenz der monströsen Bedrohung tatsächlich Wunder bewirken können.

Somit gehört „Day the World Ended“ zu jenem Schlag Film, dem die Quantitäten besser gestanden hätten als der misslungene Versuch Qualitäten in eine Produktion zu integrieren, die solche nicht glaubwürdig tragen kann. Man kann Corman durchaus dafür schätzen diesen Versuch gewagt zu haben, immerhin war dieses Experiment trotz des geringem Budgets ein finanzielles Risiko, aber mehr als ein sympathisch alberner Science Fiction-Horror ist aus „Die letzten Sieben“ eigentlich nicht geworden. Ich persönlich würde ihn sogar noch eine Kategorie schwächer einordnen, da mich der Streifen doch eher ermüdet als unterhalten hat.  OFDb

17.07.2015

DIE RÜCKKEHR DES DR. PHIBES (1972)

Zwar schließt „Die Rückkehr des Dr. Phibes“ in seiner ersten Szene nahtlos an die Ereignisse des Vorgängers „Das Schreckenscabinett des Dr. Phibes“ an, allerdings kommt die Fortsetzung nicht so locker verspielt daher wie das großartige Original. Zu bemüht, fast schon verkrampft, schafft man die Grundlagen der kommenden Geschichte, die viel zu viel Erklärungsnot bedarf und zu holprig erzählt ist, um alle Figuren in Grundposition zu bringen. Auf die Morde wird erneut viel Wert gelegt, die sind so ungewöhnlich und bestialisch wie bereits jene aus dem morbiden Teil 1, allerdings war die Rachestory als Grundlage für das Zelebrieren der Morde wesentlich geeigneter als das Ausschalten eher zufälliger Widersacher. Zudem besitzt „Im Bund mit dem Teufel“ (Alternativtitel) kaum die skurrile Grundlage des Originals, und das wenige was er davon besitzt hat er meist dem Vorgänger entliehen. Manche dort schräge Ideen werden in der Fortsetzung zum zwingenden Ritual, dem auch gerne mal zu oft nachgegangen wird. „Dr. Phibes Rises Again“ (Originaltitel) bleibt somit nur eine blasse Kopie des originellen Vorgängers, und das obwohl Produzent Samuel Z. Arkoff als auch Regisseur Robert Fuest wieder mit an Bord waren. Vincent Price spielt zwar wieder mit vollem Einsatz, aber selbst der will in meinen Augen nicht wirklich wirken, vielleicht auch weil der Grundton des Streifens nicht düster genug ausgefallen ist - komödiantische Anlehnung hin oder her. Vielleicht war der Abstand zwischen beiden Teilen auch einfach zu kurz, um erneut so kreative Arbeit leisten zu können wie zuvor. Den Fans war es egal. „Die Rückkehr des Dr. Phibes“ erfreut sich großer Beliebtheit. Allerdings verstehe ich nicht warum. Zumindest kam es nie zu einem Teil 3.  OFDb

22.03.2015

HORROR AM MILL CREEK (1983)

Warum genau die Protagonisten von „Horror am Mill Creek“ ins Grüne fahren und was sie verbindet wird aufgrund der etwas arg wirren Erzählung nicht so ganz klar. Klar ist nur, dass der Film inhaltlich ein typisches Produkt seiner Zeit ist. Irgendwo zwischen Backwood-Horror und Slasher angesiedelt gibt er dem Publikum genau das was es damals sehen wollte: junge Menschen, die einem Killer ausgeliefert sind, angereichert mit gelegentlichen harten Kills.

Leider benötigt ein Film mit solch einem Minimum an Story eine gewisse Orientierung. Wenn man aber schon nicht weiß was die Leute an dem Ort tun wo sie sich befinden, sollte man besagte Menschen zumindest kennen lernen. Aber sie bleiben bis zum Schluss austauschbar und charakterlos. Eine Identifikation ist nicht möglich, zumal sie einem mit ihren völlig überzogenen Streitereien tierisch auf den Senkel gehen. Das Mitfiebern vor dem Bildschirm ist orientiert an solchen Proleten nur gering. Da ist es nicht gerade hilfreich, dass besagter Streifen in der von mir gesichteten Fassung viel zu dunkle Bilder präsentiert, so dass man teilweise nicht einmal erkennen kann wen es gerade erwischt hat.

Schade, diese Samuel Z. Arkoff-Produktion klang wesentlich interessanter als sie schließlich ausfiel, allein schon weil die durch „Roxanne“ und „Splash - Jungfrau am Haken“ kurzfristig berühmt gewordene Daryl Hannah in jungen Jahren mit an Bord ist, was nach Sichtung aber auch völlig egal ist, ist ihre Rolle doch so austauschbar wie alle anderen auch, mit der Ausnahme dass sie zum aktiven Geschehen sogar noch weniger beiträgt als die männlichen Rollen, die zumindest in der späten Phase der Geschichte eine Gegenwehr planen.

Zwar schafft es Regisseur Andrew David auch den ein oder anderen spannenden Moment in die Monotonie einzubauen, vom Spannungspotential seiner späteren Hits „Auf der Flucht“  und „Ein perfekter Mord“ ist jedoch noch nichts zu spüren. Andererseits zeigte der gute Mann mit dem Schwarzenegger-Streifen „Collateral Damage“ dass er auch schlechteres abliefern kann als diesen längst vergessenen 80er Jahre-Horror, der auch unter dem Titel „Todesfalle am Mill Creek“ lief.

Leider tritt „Angst - Das Camp des Grauens“ (Alternativtitel) viel zu sehr auf der Stelle, als dass er wirklich zu interessieren wüsste. Ein gewisser stimmiger Grundton ist trotz aller Negativpunkte dennoch vorhanden, so sehr es auch wundert. Somit ist „The Final Terror“ (Originaltitel) nicht ganz so übel ausgefallen wie „Ausflug in das Grauen“ oder „Backwoods“. Wer aber zu diesem Thema aus dieser Entstehungszeit einen wahrlich guten Film sehen will, der sollte lieber zu dem sechs Jahre zuvor entstandenen „The Creeper“ greifen (nicht zu verwechseln mit „The Creeper“ aus dem Jahr 1983, dies ist ein weiterer Alternativtitel des hier vorliegenden Streifens), der langweilige Teenager gegen erwachsene Helden tauschte und das einem Irren in der Wildnis Ausgeliefertsein wesentlich spannungsfördernder einsetzte als es „Carnivore“ (Alternativtitel) selbst in seinen besten Momenten je schaffte.  OFDb

12.01.2015

DER SATAN MIT DEN 1000 MASKEN (1958)

Ein Jahr nachdem Samuel Z.Arkoff mit „I Was A Teenage Werewolf“ und „I Was A Teenage Frankenstein“ zwei berühmte Filmmonster im Teen-Alter auf das Publikum losließ, nutzte er die Resteverwertung der Masken, um einen augenzwinkernden Blick hinter die Kulissen des Filmemachens zu werfen. Das Projekt welches beide Monster zusammenführen sollte, unter der Regie des selben Regisseurs der für die Teenie-Frankenstein-Variante verantwortlich war, sollte offiziell in den Studios von Arkoff spielen, und damit auch mit der Monsterfilm-Branche an sich, die laut den im Film neuen Besitzern der Studios out und damit nicht mehr erwünscht sind.

Zu viel von dem Schund wurde gedreht, heißt es dort, und das ist ein höchst selbstironischer Moment, war es doch Arkoff, der Monsterfilme am Fließband produzierte, gerne unter der Regie von Horrorfilm-Legende Roger Corman. „Der Satan mit den 1000 Masken“ ist also definitiv augenzwinkernd gemeint. Sicherlich ist man auch an Werke wie „Die Rache der schwarzen Spinne“ und „Beast from Haunted Cave“ nie todernst herangegangen. Grusel sollte Spaß machen. Aber nie war die distanzierte Grundhaltung so deutlich zu erkennen wie hier. Glücklicher Weise wird der Streifen dabei keinesfalls zur Komödie wie ein „Invasion of the Saucer Men“. Er ist erzählt wie die typischen Produktionen Arkoffs dieser Zeit.

Als putziger kleiner Trivialfilm weiß „How to Make a Monster“ (Originaltitel) dann auch zu gefallen. Allein seine wahnwitzige Grundidee lässt es gar nicht zu den Streifen ernst zu nehmen. Es gehört für den Zuschauer schon Spaß am freiwilligen Schund dazu, gewollter Trash sozusagen, um mit dem Werk etwas anfangen zu können. Und auf dieser Ebene weiß Herbert L. Strocks Horrorfilm dann auch zu gefallen. Die Geschichte ist typisch naiv für seine Zeit vorgetragen. Der Plan des Bösewichts völliger Irrsinn. Das ganze Vorhaben zusammen mit einem dümmlichen Mitwisser durchzuführen, der ein wenig an Stan Laurels Doof-Rolle erinnert, kann als noch irrsinniger bezeichnet werden und wird dem Schurken freilich irgendwann zum Verhängnis. Ebenso wie seine keine Grenzen kennende Selbstüberschätzung.

Aber eines muss man ihm lassen: er ist toll gespielt. Robert H. Harris hebt sich in der Rolle des wahnsinnigen Maskenbildners angenehm vom talentlosen Rest ab. Er scheint ein gelernter Schauspieler zu sein, so souverän wie er sich in diesem eigentlich lächerlichen Film konsequent in seine Rolle einfühlt. Das tut dem Streifen sichtlich gut, der dem gewohnten roten Faden einer solchen Story folgt, und bis auf seinen schrägen Aufhänger keine weiteren Überraschungen zu bieten hat und aufgrund seiner Sympathie somit im angenehmen Mittelfeld der 50er Jahre Monsterfilm-Produktionen dümpelt. Der Schluss ist ein wenig enttäuschend, aber auch nicht gerade untypisch für seine Zeit, weder die Geschehnisse noch die arg plötzlich erscheinende The End-Schrift betreffend.

Freunde solch alter, wunderlicher Werke werden ihre Freude mit „Der Satan mit den tausend Masken“ haben. Nie bremst der Film sich aus, nie steht er auf der Stelle. Auch bei den Attacken der „Filmmonster“ setzt man nie auf unnötige Wiederholung von ein und der selben Idee. Und wer sich in den Werken Samuel Z. Arkoffs auskennt, wird einige im Hintergrund erscheinende Masken auch manchem Film zuordnen können. Die darf man im Finale gar in Farbe erleben, denn ab da wo das Privatreich des Psychopathen betreten wird wandelt sich der Schwarz/weiß-Film zum Farbfilm. „Der Zauberer von Oz“ lässt grüßen.  OFDb

21.09.2014

DIE SCHWARZEN ZOMBIES VON SUGAR HILL (1974)

Nach 5 - 10 Minuten dachte ich noch, ich würde diese in der Blaxploitation-Welle mitschwimmende Samuel Z. Arkoff-Produktion keine halbe Stunde aushalten, so unangenehm billig wie alles wirkte, so übel wie die Darsteller agierten und so schlecht wie das ganze synchronisiert war. Nun gut, die Deutschvertonung wurde im Laufe der Zeit nicht besser, und durch das Fehlen eines Untertitels konnten wir auch nicht auf die Original-Tonspur wechseln, aber der Film an sich wurde erträglicher. Zumindest wenn man sich an Baron Samedi gewöhnt hat, der als mächtiger Voodoo-Geist peinliche Grimassen zieht und alles andere als unheimlich oder mystisch wirkt.

Sein Schauspieler überagiert wie es jeder im Film tut. Und selbst die Verantwortlichen für die Maske schießen immer über das Ziel hinaus, sei es bei der Voodoo-Mutter, die man heute so nur noch des humorvollen Klischees wegen einbauen würde, oder das Outfit der Zombies, die mit ihren über die Augen gestülpten Silberscheibchen eher wie Insekten-ähnliche Außerirdische aussehen, als wie auferstandene Tote. Auch laufen sie, obwohl lobenswerter Weise bei der ersten Erweckung aus dem Erdboden kriechend, bedeckt mit Spinnweben herum. Aber all dies verleiht „Die schwarzen Zombies von Sugar Hill“ einen schrulligen Touch, ebenso wie die Haarmode schwarzer US-Bewohner, die später ja auch vom Zucker/Abrahams/Zucker-Trio all zu gerne verarscht wurde.

Erkennt man erst einmal wie völlig ungruselig der komplette Film gemeint ist und wie augenzwinkernd er freiwillige Komik umgeht, stört auch das Herumgekasper von Baron Samedi nicht mehr. Nein, es passt in einen Film, der von der Zeit völlig überholt wurde, nie so zu wirken weiß wie von Regisseur Paul Maslansky, der mit diesem Werk sein Debut und seinen einzigen Film ablieferte, ursprünglich sicher mal gedacht. Heute weiß  „Sugar Hill" (Originaltitel) nur noch als Mix aus stimmigen und unfreiwillig komischen Trash zu gefallen. Dies jedoch mit gewissen Abstrichen, denn so amüsant das muntere, meist Talent-lose Treiben auch sein mag: kurzweilig ist es nicht. „Sugar Hill - Herrin der schwarzen Zombies“ (Alternativtitel) guckt sich für einen großen Teil recht langatmig, und ist damit ein anstrengendes Stück Trivial-Kost, das man keinesfalls als zweiten oder dritten Film eines cineastischen Marathons konsumieren sollte.

Einen Blick wert ist er aber dennoch, kenne ich doch kein vergleichbares Werk in welchem manch stimmige Optik so hervorragend an albernem Überagieren scheitert wie hier. Da kann nicht einmal der besonders unsinnige „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ mithalten, und das muss schon was heißen. Zwar bietet der grob gesehen alles was auch „Black Zombies From Sugar Hill“ (Alternativtitel) ausmacht, aber auf seine typisch schundige Europa-Art, auf die ich immer wieder treffe. „Voodoo Girl“ (Alternativtitel) hingegen schaut sich in seiner selbstherrlichen Mentalität für meine Augen völlig fremd. Es mag daran liegen, dass ich fast nie mit Blaxploitation in Berührung gekommen bin, andererseits kann ich mich nicht erinnern, dass der vor einer Ewigkeit von mir gesichtete „Dr. Black und Mr. Hyde“ so dick aufgetragen war wie hier beispielsweise die Rolle des ermittelnden Kommissars.

Sein Parallelstrang zur Rache nehmenden Witwe ist ohnehin der Motor, der „The Zombies Of Sugar Hill“ (Alternativtitel) zum laufen bringt. Seine ominösen Ermittlungen und Äußerungen gepaart mit den auch beim x-ten Auftauchen immer wieder gern gesehenen Spinnweb-Zombies, macht aus Maslanskys Werk trotz aller Anstrengungen ein sehenswertes Stück Trash, mit dem man sich jedoch arrangieren muss, um etwas mit dem ungewöhnlichen Stil anfangen zu können. Der Anfang stößt einen, zumindest als Fremder im Blaxploitation-Gebiet, vor den Kopf, aber mit der Zeit gewöhnt man sich an den hohen Gehalt an Naivität, Selbstüberschätzung und Hokuspokus-Mumpitz. Und wenn dieser Schritt erreicht ist, sollte der Streifen schließlich das Herz des Schund-liebenden Zuschauers erobert haben. Es wäre zu schade für diesen liebevoll scheiternden Film, wenn dies nicht geschehen würde.  OFDb

04.09.2014

FRÖSCHE (1972)

Ziemlich zu Beginn der in den 70er Jahren aufkeimenden Tier-Horror-Welle erschien „Frösche“, der im Gegensatz zu dem was uns der Titel weiß machen will keine spezielle Tierart auf den Menschen losließ, sondern ähnlich wie später in „Panik in der Sierra Nova“ gleich alle möglichen. Es tauchen Schlangen, Echsen, Schildkröten und Frösche auf, aber auch Vögel und Spinnen. Ähnlich dem Kinderfilm „Konferenz der Tiere“ tun sich sämtliche Gattungen zusammen, um dem Menschen eine Lektion zu erteilen. Freilich ist ihr Weg grausamer als jener aus der Kinderliteratur, ihr Vorgehen und ihr Beweggrund erinnert eher an Hitchcocks „Die Vögel“. Der Mensch soll Respekt vor den Tieren lernen, und im Gegensatz zu Hitchcocks gewählten Protagonisten sind die des hier besprochenen Streifens alles andere als lernwillig.

Ein Fehler des Autors und ein Nichtverstehen des Ideengeber-Filmes aus den 60er Jahren? Scheinbar nicht, denn die Ignoranz jeglicher Lernwilligkeit wird bestraft, so dass keiner der hier agierenden Figuren ein Happy End erfahren wird. Die Lernwilligen aus „Die Vögel“ scheinen zumindest eine Chance zu erhalten, fahren jedoch in ein ungewisses Ende. In „Frogs - Killer aus dem Sumpf“ (Alternativtitel) sind sie alle verdammt - auch wenn dem Film die apokalyptische Wirkung aus Hitchcocks Meisterwerk fehlt.

Dafür ist „Frogs“ (Originaltitel) zu einfach gestrickt und zu simpel heruntergefilmt. Aber wenn der Name des Produzenten Samuel Z. Arkoff im Vorspann erscheint, ist man als Cineast ohnehin vorgewarnt und erwartet nichts weiteres als Trivialunterhaltung, ob nun gelungen oder nicht. Arkoff ist durch seine fürs Autokino produzierten Monsterfilme der 50er Jahre berühmt, von denen so einige unter der Regie Roger Cormans fertiggestellt wurden. Die Firma, welche „Frösche“ fertig stellte, ist gar die selbe wie einst, was nur zeigt wie erfolgreich Arkoffs billig heruntergedrehtes Alternativprogramm zu professionell gedrehten Kinofilmen war.

„Die Frösche“ (Alternativtitel) wird die Gemüter spalten. Billig herunter gedreht aber noch halbwegs passabel besetzt erzählt er nichts was man nicht schon einmal gesehen hätte, und er erzählt es im Vergleich mit Hitchcocks Werk schlechter. Interessant ist jedoch dass er trotz der Thematik diverser Umweltverbrechen und der Rolle eines Umweltschützers im Zentrum keineswegs einer dieser Öko-Filme a la „Barracuda“ und „Doomwatch“ geworden ist. Viel mehr ist er eine Satire die in alle Richtungen ausschlägt und selbst den Umweltschützer als regulären Teil der unangenehmen Gattung Mensch zeigt. Selbst der bessere Mensch ist nichts anderes als ein Aggressor.

Wer das Flaire der 70er Jahre mag und sich mit einer routiniert erzählten Geschichte zufrieden gibt, kann Freude mit George McCowans „Frösche“ haben, einem Film in welchem die titelgebenden Tiere kaum tätig werden und eher wie Beobachter, wie die Vorhut wirken. Nach Sichten des Filmes wundert es nicht, dass McCowans Karriere hauptsächlich im amerikanischen TV fruchtete. Als Regisseur von Serien wie „Starsky und Hutch“, „Drei Engel für Charlie“, „Krieg der Welten“ und „Fantasy Island“, um nur einen kleinen Auszug zu nennen, war er immerhin des öfteren an berühmteren und/oder sympathischen Projekten beteiligt, aber durch sein eingeschränktes Talent eben fast ausschließlich nur im Fernseh-Bereich.

Ob ein besserer Regisseur viel mehr aus „Frösche“ hätte herausholen können sei jedoch dahin gestellt. Zwar wirkt der Streifen in der ersten Hälfte straffer erzählt und mit einem konsequenteren roten Faden versehen als zur zweiten Hälfte hin, was ein Fehler der Regie sein könnte, aber allein das Fehlen echter Spezialeffekte stellt „Frogs“ ein Beinchen für Menschen, die mehr als netten Trash sichten wollen. An Attrappen wird gespart, es wird lediglich mit realen Tieren gearbeitet, und deren Taten wirken weder echt noch bedrohlich. Durch das Ausblenden einige der Aktionen dürfen auch gerne einmal Fragezeichen über den Köpfen der Zuschauer tanzen, so z.B. bei der Frage wie die olle Schildkröte sich wohl seine Opfer geholt hat.

Aber wenn man sich an diesen Szenen, die eigentlich Hauptaugenmerk solcher Streifen sind, nicht stört oder sie trashig charmant findet, kann man durchaus Gefallen an „Frösche“ finden, strahlt er doch seinen eigenen individuellen Reiz jenseits reiner unfreiwilliger Komik aus, auch wenn sich die Geschichte gerne einmal im Kreis dreht, gerade dann wenn es um das Familienoberhaupt geht, verkörpert vom schauspielerischen Urgestein Ray Milland, den viele aus „Kampfstern Galactica“ und „Der Mann mit den Röntgenaugen“ kennen werden. Es ist seine starrsinnige Figur, die den Satiregehalt der ganzen Chose besonders deutlich macht.

„Frogs“ ist mit Schönheitsfehlern versehen und aufgrund seiner Produktionsmängel kein großer Film seiner Zeit. Aber mit heruntergeschraubten Erwartungen und dem Spaß am 70er Jahre-Stil kann er schlichten Gemütern durchaus gefallen. Man muss dem alten Schinken zugute halten, dass er recht früh in der Tier-Horror-Welle aufgetaucht ist und man rückwirkend nur schwer erkennen kann, welchen Einfluss er auf spätere Projekte dieses Sub-Genres hatte. Umgekehrt ist Hitchcocks Einfluss auf diese Billigproduktion deutlich zu erkennen, für den Blindesten unter den Zuschauern spätestens in der Vogelattacke, in welcher die selben Tricks wie 1963 angewendet werden - mit mauer Wirkung im Gegensatz zu „Die Vögel“.  OFDb

07.06.2014

GESCHÖPF DES SCHRECKENS (1956)

Es war einmal ein Mann, der als Filmschaffender billig heruntergekurbelter Werke heute von kaum wen mehr gekannt wird, obwohl er meist charmanten Schund ablieferte. Die Rede ist von Edward L. Cahn. Viele seiner Werke kamen nie nach Deutschland, dabei wusste er so manches Mal die Filmwelt zu beeinflussen, etwa wenn man die Gestalten seines „Invasion Of The Saucer Men“ mit denen von Burtons „Mars Attacks“ vergleicht. Auch sein Einfluss auf „Alien“ mit dem Science Fiction „It - The Terror From Beyond Space“ ist cineastisch anerkannt.

Er war im Bereich des Monsterfilms ein mutiger Mann, der die wildesten Story-Mixe durchführte, unsichtbare Aliens Zombies erwecken ließ ("Invisible Invaders"), den Helden eines Invasionsfilms als einzigen nicht die Außerirdischen sichten ließ ("Invasion Of The Saucer Men"), oder, wie im hier vorliegenden Fall, einen Hypnotiseur auf das Thema Reinkarnation stoßen lässt, um den ersten Körper der hypnotisierten Seele, eine monströse Ur-Frau im „Schrecken vom Amazonas“-Look, auferstehen zu lassen.

Das ist inhaltlich recht wild, typisch Cahn aber recht schlicht umgesetzt. „Geschöpf des Schreckens“, der es in Deutschland vom Kino bis hin ins öffentlich rechtliche Fernsehen geschafft hat, ist trotz seiner Ausnahme-Story ein typisches Stück Monsterfilm seiner Zeit, kein Highlight dessen, aber, typisch Cahn, angenehme Kost, auf Kurs gewollter Leichtfüßigkeit auf Geisterbahn-Niveau und dabei nie wirklich lächerlich werdend, was gerade in „The She-Creature“ (Originaltitel) ein schwieriges Unterfangen ist, so sehr er Hausmütterchen-Aberglauben Recht schenkt und esoterisch fast ertrinkt.

Aber Cahn weiß was er erzählt, spielt provokativ mit der Grundlage von Hausfrauen-Aberglauben, nutzt gerade sie für den leicht humorvollen Unterton, der einen Teil am charmanten Ergebnis von „Geschöpf des Schreckens“ ausmacht. Auch nicht zu verachten ist die Kreatur, die wie bereits erwähnt an Jack Arnolds berühmtem Monster aus der schwarzen Lagune erinnert und von Cahn gleich für zwei Filme verwendet wurde. Im Vergleich zu den vielen Gummimonstern dieses Stils aus dieser Zeit („Horror Of Party Beach“, „The Monster Of Piedras Blancas“, ...) bekommt Cahns Kreatur einen Individualitätsbonus, da es sich um ein weibliches Monster handelt und es, trotz biederer Ami-Herkunft mit einer weiblichen Oberweite ausgestattet wurde. Originell? Keineswegs! Aber sonst nie angewendet!

Sieht man einmal von den typischen Krankheiten der Autokino-Monsterfilme ab, wie dem steifen Spiel billiger Schauspieler oder dem Gegenteil, das Überagieren, weiß „Geschöpf des Schreckens“, der von Samuel Z. Arkoff produziert wurde, trotz selten eingesetzter Monsterszenen auf simpler Ebene zu gefallen. Da hätte es sicherlich das ein oder andere ewige Hypnosegeschwätz weniger geben können, aber letztendlich gehört das mit zur zentralen Thematik und wird immerhin durch sympathisch unsinnige Dialoge mit dem Gegner des wahnsinnigen Jahrmarkt-Magiers ergänzt. Und wenn sich die weibliche Opferrolle im Bann des Bösen wiederholt emotional angewidert über ihre Gefühle ihres Herren auslassen darf, dann weiß auch dies einen Film dieser klassischen Erzählweise zu bereichern.  OFDb

PS: Die angebliche Neuverfilmung, die bei uns unter dem Titel "Der Todesengel aus der Tiefe" erschien, hat bis auf den Originaltitel übrigens nichts mit Cahns Werk gemein. Der handelt von einer bösartigen Meerjungfrau. Zu empfehlen ist dieser Freunden charmant-schundiger Horrorfilmchen aber auch.

13.02.2014

VOODOO CHILD (1970)

„Voodoo Child“ ist ein Horrorfilm nach einer Geschichte von H.P. Lovecraft, das dürfte so  manchen Zuschauer locken. Ebenso dürfte er so manchen Zuschauer enttäuschen, denn wirklich aufregend ist Daniel Hallers Werk nicht ausgefallen. Bereits sein Science Fiction-Horror „Das Grauen auf Schloss Witley“ war nicht gerade das Gelbe vom Ei im Gruselsektor, sein Ausflug in die Welt eines der legendärsten Horrorautoren überhaupt kann nicht einmal das schlichte Niveau seines Karloff-Filmes erreichen.

Anstatt uns Horror vorzuführen wird über all das was man miterleben könnte nur geredet. An sich talentierte Mimen wirken gelangweilt in trockenen Dialogen, die nie wirklich authentisch wirken, dem Film aber zunächst Charme bescheren. Bevor diese einem zu unangenehm werden, wird man noch kurz mit den Settings des Schlosses abgelenkt, die für eine Corman-Produktion recht aufwendig ausgefallen sind und zu wirken wissen. Danach ist es vorbei mit positiven Elementen. Die konstruierte Story konzentriert sich wieder einzig auf besagte steife Dialoge, und da man dem auf altbackenem Horror setzenden Film schnell anmerkt was er erzählen möchte, bleibt er auch immer überraschungsfrei, so offen wie er mit seinen Karten spielt.

Je mehr „The Dunwich Horror“ (Originaltitel) voranschreitet, desto mehr versteckt Haller, der meist für TV-Serien wie „Ein Colt für alle Fälle“ und „Kampfstern Galactica“ zuständig war und u.a. den Pilotfilm der Erfolgsserie „Knight Rider“ fertig stellte, den tatsächlich aufkommenden Horror hinter optischem Budenzauber, wie eingefärbte Aufnahmen im Negativmodus und anderen billigen Tricks die das Bild verfremden. Damit wird Geld für wahre Spezialeffekte gespart, so dass man nie Vergnügen am finalen Treiben Wilburs erfährt, geschweige denn an den Monstren der anderen Dimension, von denen uns ohnehin gerade einmal eins -mit besagter Schrottoptik-  präsentiert wird.

Nach einem nüchternen Einstieg, aus dem stilistisch noch etwas hätte werden können, folgt gähnende Langeweile einer unglaubwürdig eingefädelten Story, vielleicht auch deshalb konstruiert wirkend, da man Lovecrafts Geschichte, falls dieser Teil der Story überhaupt auf seinem Werk beruht, nicht einfach ins Jahr 1970 versetzen kann, einer Zeit der Emanzipation, einer Zeit des Horrorfilms als akzeptiertes Genre im Kino, das selbst im B-Film-Bereich Erfolge feierte und einer Zeit in welcher die von Wilbur gesetzten Fallen zum Grundlagenprogramm der Alarmzeichen zum Selbstschutz gehören, erst recht wenn man bedenkt, dass hier eine gebildete Frau ins Zentrum gesetzt wird, so dümmlich naiv sie auch erscheinen mag.

Eine moderne Frau wäre nie auf die billigen Tricks Wilburs hereingefallen. Das mag ins Jahrhundert von Lovecraft passen, aber nicht in die zum Entstehungszeitpunkt dieses Filmes moderne Zeit. Ich bezweifele aber ohnehin dass die Kurzgeschichte Lovecrafts überhaupt auf so plumpe Art eingefädelt wurde. Wie auch immer, „Voodoo Child“, produziert von Samuel Z. Arkoff und Roger Corman, ist eine Enttäuschung und garantiert kein Hingucker.  OFDb

20.10.2013

REPTILICUS (1961)

Oh, welch positive Überraschung ist mir mit „Reptilicus“ begegnet. Trotz durchaus vorhandenem Trash-Gehaltes der unfreiwilligen Art haben wir es hier mit einem kleinen Hit des Monsterfilms zu tun. „Reptilicus“ ist der dänische Versuch am Erfolg vergleichbarer Filme aus Japan und Amerika, begonnen mit „Panik in New York“ und entfacht durch „Godzilla“, anzuknüpfen, um auch etwas vom finanziellen Erfolgskuchen abzubekommen. Ich habe die amerikanische Fassung gesehen, in welcher das Biest nicht fliegen kann, stattdessen aber Schleim spuckt, was es wiederum in der dänischen Fassung nicht kann.

Was zunächst einmal auffällt, ist die lobenswerte Einführung ins Geschehen. Der Film beginnt ruhig, baut zunächst einmal Atmosphäre auf und widmet sich den Figuren, deren Darsteller nicht negativ auffallen, was im Monsterfilm der 60er Jahre nichts selbstverständliches ist. Im Laufe der Handlung gibt es gar richtig spannende Szenen zu sichten und nicht nur die übliche Zerstörungsorgie. Auch die Musikuntermalung ist nicht ohne, und eine Prise Humor wurde ebenfalls hinzugegeben. Von seiner Konkurrenz unterscheidet sich der dänische Echsenstreifen jedoch in erster Linie inhaltlich bezüglich der Problematik das Urtier aufzuhalten. Reptilicus kann man nicht einfach bombardieren, da sich aus den zerstörten Teilen jeweils neue Geschöpfe bilden könnten.

Interessanter Weise ist „Reptilicus" im Gesamtergebnis trotzdem „nur“ wieder ein ganz netter Streifen geworden, scheitert er für mehr doch an dem, weshalb man ihn ursprünglich gucken wollte, an dem Monster. Nicht, dass der Film nach dem ersten Drittel keinen Spaß mehr bereiten würde, schließlich wird er ab dem Erscheinen der Kreatur ein prima Monster-Trashfilm. Aber er hätte vorher das Zeug zu mehr gehabt, das Zeug zu dem was man ihm vor der Einleitung gar nicht zugetraut hätte. Vielleicht kann man ihn da ein wenig mit "Phantoms" vergleichen, denn auch dort wurde die zunächst aufgebaute Spannung im Laufe der Spielzeit gegen das Monster eingetauscht. „Phantoms“ hatte den Vorteil dass die bei ihm vorhandene Kreatur nicht lächerlich wirkte. Das Urtier aus „Reptilicus“ jedoch schon.

Die Ärmchen des Viehs sehen auf dem ersten Blick so aus, als würde das Monster eine Halskrause tragen. Auf dem zweiten Blick wirkt es nur noch putzig und in seiner gescheiterten Art so lustig unnötig mit seinem Makel. Der in der US-Fassung ausgespuckte Schleim der Kreatur ist gezeichnet und, da in der eigentlichen Version nicht vorhanden, erfährt der Zuschauer bis zum Ende des Films auch nichts von dessen Wirkung. Die Leute werden angespuckt, das gemalte Grün wird größer und größer, bis es sich schließlich bildschirmfüllend ausgeweitet hat, und dann geht der Film an anderer Stelle weiter.

Lustig ist auch, dass die Flugszenen der dänischen Fassung zwar hinausgeschnitten wurden, die Bodentruppen das Vieh aber fleißig mit Flugabwehrgeräten bekämpfen. Momente wie diese outen die US-Version als die unfreiwillig komischere von beiden, was nach Sichtung des Kurzärmchen-Dinos zwar nicht mehr nötig gewesen wäre, aber welcher Trash-Fan freut sich nicht über noch mehr Nonsens?

Doch Trash-Spaß hin oder her, mit der Gestaltung der Kreatur hätte man sich dennoch mehr Mühe geben können. Das Gesicht ist starr. Nur der Mund geht auf und zu und dies auch nur sehr schleppend. Die Animation des Viechs ist also ziemlich banal, was man Dänemark als unerfahrenes Land in Sachen Monsterfilm vielleicht noch verzeihen könnte, aber dass Reptilicus zu klein ausgefallen ist, ist schon ein Fehler den man besser vermieden hätte. Die Pappkulissen überzeugen bei seiner Größe nicht, und die Glaubwürdigkeit, dass menschliche Waffen nichts nutzen, schwindet beim Anblick des zu kleinen Riesen.

Aber wie oben erwähnt besitzt „Reptilicus" auch seine Pluspunkte und diese auch außerhalb schadenfreudigem Unvermögens. So beginnt beispielsweise die Schlacht Militär gegen Riesenechse, trotz ruhigem Einstieg zu Beginn, bereits etwa nach 35 - 40 Minuten, kurz nach dem ersten Auftauchen der aus dem Schwanz neu entstandenen kompletten Kreatur. Monsterfilm-Fans sind also keinesfalls mit dem Gucken dieses Streifens falsch beraten. Einziger Haken an der Sache: man muss ihn auf englisch gucken. In Deutschland ist er leider nie offiziell erschienen, und das obwohl Dänemark Deutschland doch viel näher ist als Japan und Amerika. Ach, verstehe einer die deutsche Kinokultur!  OFDb

09.05.2013

DER RABE - DUELL DER ZAUBERER (1963)

Eines Abends bekommt der um seine vor zwei Jahren verstorbene Ehefrau Lenore trauernde Zauberer Craven Besuch von einem Raben. Der kann zur Überraschung des Magiers sprechen und bittet ihn um seine Hilfe. Vom bösen Zauberer Scarabus in das Federvieh verzaubert, möchte er gerne wieder ein Mensch werden. Nach getaner Arbeit reisen die beiden zum Schloss von Scarabus, denn der ehemalige Rabe Bedlo beteuert dort definitiv Lenore gesichtet zu haben. Craven glaubt der böse Zauberer habe einen Fluch über ihren Geist verhängt...
 
Was vom Raben übrig blieb...
 
Wer sich mit Monstern, Gruselfilmen und Trash im allgemeinen befasst, kommt um Regisseur und Produzent Roger Corman nicht herum, der seit etlichen Jahrzehnten im alternativen Filmgeschäft tätig ist und es mit geprägt hat. Jack Nicholson sagte einmal in einem Interview, Corman habe zwar auch hin und wieder gute Filme gedreht, aber er habe in keinem dieser Werke mitgespielt. Ich weiß nicht was der heute so berühmte Schauspieler unter einem guten Film versteht, aber „Der Rabe - Duell der Zauberer“ scheint es seiner Meinung nach nicht zu sein, in welchem er ab dem zweiten Drittel einen größeren Part übernimmt.

Verstehe einer Jack, „Der Rabe“ ist ein wundervoller, kurzweiliger Film, ganz selten vielleicht eine Spur zu albern und definitiv kostengünstig produziert, aber dennoch ein charmantes Werk das erreicht was es möchte und dessen simple Geschichte kaum auffällt dank antiquierter, aber den Produktionsumständen durchaus angemessener Spezialeffekte, improvisationsfreudiger Mimen, atmosphärischem Dekor, stimmiger Kostüme und einem Drehbuch mit Mut zur Extreme.

Dass sich das berühmte Poe-Gedicht „Der Rabe“ nicht für eine werkgetreue Verfilmung eignet, dürfte klar sein. Das Maximum dessen was möglich war erreichte man wohl im ersten Halloween-Special der Serie „Die Simpsons“. Aber was man in dem 30er Jahre Streifen „Der Rabe“ gar nicht erst versuchte, wird in der hier besprochenen Corman-Produktion durchaus ausprobiert: einen Bezug zum Gedicht zu schaffen. Den Anfängen dieser berühmten Zeilen darf man zu Beginn des Filmes lauschen, die Trauer um Lenore ist enthalten, der titelgebende nächtliche Besucher natürlich auch, sowie, am Ende und augenzwinkernd mit Absicht sinngemäß verdreht, das berühmte Nimmermehr.

Nach Ankunft des Raben verlässt man jedoch die Fährten Poes und stürzt sich in eine Geschichten um rivalisierende Magier und um Lug, Trug und Verrat. In einem Setting, welches Freunden gotischer Filme nichts zu wünschen übrig lässt und das wie der Film selbst mit den ursprünglich ernstgemeinten Elementen des Genres ironisch spielt, tapsen in stimmigen Kostümen gut aufgelegte Stars umher, die das beste aus einer eigentlich sinnfreien Geschichte machen und einem gar keine Chance geben, sich an der dünnen Story gelangweilt aufzuhängen.

Nein, „Der Rabe“ bleibt konsequent kurzweilig, in der zweiten Filmhälfte gar mehr als in der ersten, da man den manchmal arg verspielten Humor als Zuschauer dort besser einzuordnen weiß als im etwas orientierungslosen und ereignisreichen ersten Drittel. Ist man dort noch überrascht von einem Schauspieler, der mit Rabenflügeln herumblödelt, da die Verwandlung nicht hundertprozentig funktioniert hat, und über Leichen, die unverhofft Warnungen aussprechen und deren ungewöhnliche Tat von den Protagonisten keinerlei Interessen weckt und maximal zu Angstzuständen führt, gewöhnt man sich irgendwann an diesen Zirkus skurriler Ideen und lässt die Verantwortlichen des Streifens vor und hinter der Kamera einfach mal machen, während man sich zurücklehnt um sich unterhalten zu lassen.

Und die Besetzung lässt mit Vincent Price, Jack Nicholson, Peter Lorre und allen voran Boris Karloff nichts zu wünschen übrig. Letztgenannter überrascht mit einem breiten Repertoire interessanter Gesichtsausdrücke, von welchen die komischen am meisten Freude bereiten, darf man sich in anderen Filmen der Horrorlegende durch das Fehlen dieser in der Regel doch eher nicht an ihnen ergötzen. Ebenso spielfreudig erlebt man Vincent Price, dem es sichtbar Spaß macht den Zuschauer zu belustigen und auch mal den Naivling spielen zu dürfen, den man lange Zeit an der Nase herumführt.

Dass die seelischen Abgründe der Figuren nicht nur in dem Bereich der Magie liegen, verleiht dem eigentlich so sinnlosen Streifen einen letzten Rest Klasse, der zwar nie tatsächliche dramatische Bereiche erreicht, aber treffsicher augenzwinkernd mit solchen Momenten ernstgemeinter Produktionen spielt, genau jener Aspekt, der den kompletten Film ausmacht: das treffsichere Spiel mit dem ernsten Genre, das in „Der Rabe - Krieg der Magier“ (Alternativtitel) nur als Grundlage für eine Komödie dient.

Da alle Beteiligten durch ihre Erfahrung als Dauergäste des Grusel-Genres (mit Ausnahme des damals noch sehr jungen Jack Nicholson) sich mit Horrorfilmen gut auskennen, wissen sie auch wo und wie dieses parodiert werden muss, so dass man am Ende ein Ergebnis hat, welches eben den Freunden dieses Genres zu gefallen weiß und nicht nur dem Publikum komödiantischer leichter Stoffe. Zu empfehlen ist dieser kleine Kultfilm dementsprechend beiden Seiten. Wer sich nicht an der (meiner Meinung nach kaum wahrzunehmenden) Leere der Geschichte stört, wird ein Sichten nimmermehr bereuen.  OFDb