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19.06.2025

Kurzkommentare (2)

 

Archive (2020)

Dieser Science Fiction zum Thema K.I. kommt mit manch interessanter Idee daher, inklusive einem süß anmutenden Suizid eines Roboters, während er ansonsten hauptsächlich von der Kälte der Forschung berichtet (vergleichbar mit "Splice"), mittels eines Protagonisten, der sich selbst für sozial und mitfühlend hält. Manch überraschende Wendung, gutes Schauspiel und ein unterkühltes Setting sorgen für den Rest in einem Werk, dessen Herangehensweise zur Entstehungszeit bereits nicht mehr innovativ zu nennen war.  Wiki


Iron Man 3 (2013)

Der Abschluss der Trilogie mag nicht der ereignisreichste sein, die Story plätschert überraschend gradlinig von einem visuellen Event zum nächsten, aber er unterhält mit der Einhaltung von Grundstimmung und humoristischen Einflüssen der Stammfiguren aufeinander, und er weiß durch die Rolle von Ben Kingsley zusätzlich zu gefallen, gerade zur zweiten Hälfte hin. Dass einem das alles bereits bei der ersten Sichtung zu bekannt vorkommt, ist schade zu nennen, aber die Sympathie des Bekannten, welche man eher von TV-Serien, anstatt von einer Großproduktion erwarten sollte, entschädigt dennoch halbwegs.  Wiki

 

The Flash (2023)

Auch wenn sich "The Flash" mehr denn je als Marvel-Imitat von DC schaut und an mancher Stelle etwas überfrachtet wirkt, so trägt er das Herz und vor allen Dingen die Pointensicherheit doch am rechten Fleck und weiß mit manch kreativer, nicht wirklich innovativer Idee die übertriebene Action für sich zu nutzen, um das Ganze zu ironisieren. Der Hauptdarsteller hat mit seiner Doppelrolle sichtlich Freude, Michael Keaton als Batman nicht nur in kurzen Auftritten zu erleben, lässt das Herz ohnehin höher schlagen, und zumindest bietet "The Flash" im Gegensatz zu manchem Superhelden-Konkurrenten eine erzählenswerte Geschichte. Auch der Schluss-Gag hat mir gut gefallen.  Wiki

 

Creed 3 - Rocky's Legacy (2023)

Dass man Stallone vermissen würde, war abzusehen, ihn als Rocky aber nicht einmal bei einer wichtigen Beerdigung auftreten zu lassen, zeigt wie sehr der dritte Teil des Spin Offs Produkt, anstatt Herzensangelegenheit war. Es zeigt sich auch in der überraschungsfreien Gradlinigkeit einer an sich netten, sich aber bereits durch "Rocky 5" bekannt anfühlenden Geschichte, und dadurch, dass der Gegner charakterlich interessanter ausfällt als der Held und sein Weibchen. Unterhaltsam ist das zu schmale Ergebnis dennoch ausgefallen, lediglich weit unter den Erwartungen nach zwei so geglückten Vorgängern.  Wiki

 

Doctor Who - Kinda (1982)

Zwar fühlt sich die oberflächliche Geschichte selbst etwas arg zu oft erzählt an, die Rätselhaftigkeit um die Lebewesen und ihrer Geheimnisse vor Ort, lassen einen dennoch neugierig werden. Der fünfte Doktor täuscht so herrlich verspielt Ahnungslosigkeit und Naivität vor, dass man fast schon meinen könnte, dass die noch frische Reinkarnation tatsächlich so gestrickt ist. Wer bei einem solch nostalgischen Produkt wie diesem neuere Effekte benötigt, wie vom Bluray-Menü wieder einmal alternativ angeboten, will sich mir jedoch nicht erschließen.  Wiki

23.07.2023

IRON MAN 2 (2010)

Ich hatte ihn zwar etwas besser in Erinnerung, als er nun bei der zweiten Sichtung auf mich wirkte, aber "Iron Man 2" läuft definitiv runder als Teil 1, auch wenn er dem Superhelden-Universum inhaltlich herzlich wenig Neues zu bieten hat. Hier blitzen Elemente auf, die bereits in den 70er und 80er Jahren mit diversen "Superman"-Filmen und "RoboCop 2" mehr als nur gestreift wurden. Der Egoismus des Helden und die fehlende Anonymität machen aus Stark dennoch eine interessante Figur, und diese trägt den halben Film. Außerdem gehört die Fortsetzung von "Iron Man" zu den wenigen Beispielen, in denen es Freude bereitet im Finale Gleiches gegen Gleiches im heftigen Effektgewitter gegeneinander kämpfen zu sehen. Schon seit Jahrzehnten bot das Kino diverser Länder Roboterschlachten, das Rumgeballer hier macht trotz etlicher CGI tatsächlich Laune, wenn es Bilder und Szenarien in einer Schlagzahl bietet, die bisher kaum möglich waren. Ohnehin lebt "Iron Man 2" von seinem hohen Tempo, welches verhindert dass Ungereimtheiten zu sehr ins Gewicht fallen (das komplette Autorenn-Szenario, das schnelle Geständnis Hammers, nur weil er im Würgegriff einer Agentin ist, ...) und dass man sich zu sehr an plumpen Emotionsmomenten aufhängt, wie das Entdecken dass Starks Vater doch kein gefühlskalter Egomane war. Überraschender Weise weiß ein finaler Kuss trotzdem zu funktionieren, obwohl sämtliche Figuren zu oberflächlich bleiben. All zu kritisch sollte man sich dem Produkt nicht annähern, soll es doch lediglich gute Unterhaltung im verschwenderischen Stil bieten. Und wenn etliche Explosionen nicht weiter nach Opfern und anderweitigen Schäden hinterfragt werden, es nach dem Finale sogar nur noch um einen zu rettenden Menschen geht, obwohl der Stadt eine Explosionswelle bevor steht, dann doch bitte in einem Film, der ohnehin einen Narzissten zum Helden erklärt. Also Hirn aus und unterhalten lassen, mehr soll "Iron Man 2" nicht, mehr kann er aber auch nicht.  Wiki

17.09.2022

AVENGERS 4 - ENDGAME (2019)

Thanos mag in meinen Augen nach wie vor nicht der mächtige Gegner sein, der eine derart gewichtige Position zu füllen weiß, aber zumindest sind es die Ereignisse im letzten Drittel, welche die Zusammenkunft der fast kompletten Marvel-Superheldenschar nötig macht, ein Zustand der für mich in Teil 3, an welchem Teil 4 direkt anknüpft, nicht gegeben war. Ohnehin ist der zweite Teil um die Infinity-Steine interessanter ausgefallen, ist für mich aber trotzdem nicht das hochgradige Kinoereignis, das er in seiner prachtvollen Art gerne sein würde. Tut mir leid, aber wenn tragische Momente im Dialog mit einem CGI-Waschbären vorgetragen werden, stößt es meinem bei solchen Sichtungen ansonsten gut verdrängtem Erwachsenen-Ich geradezu lächerlich auf. Derartiges funktioniert einfach nicht. Ein unangenehmer Hulk, der quasi durch einen dauerhaften Mittelzustand nun gezähmt ist und eine oberste Zauberin aus dem "Doctor Strange"-Universum, die sich über die Zukunft des Doktors mehr im Klaren ist als zum späteren Zeitpunkt in besagtem Film, sind Schwächen inmitten eines Werkes das nicht kleckert sondern klotzt, sich bei dem Staraufgebot und der Anzahl vieler Figuren derartiges ruhig auch leisten kann, aber eben stets hauptsächlich Quantitäten anstatt Qualitäten serviert. Zumindest sind viele gute Schauspieler mit am Start. Von einem muss man sich aus dem Marvel-Universum endgültig verabschieden, was im Gegensatz zu dem Waschbärenbeispiel auch überraschend emotional zu wirken weiß, selbst wenn man, wie ich, vor dem Sichten bereits davon wusste, dass es passiert. Ansonsten bietet "Avengers - Infinity War - Part 2" (Alternativtitel) solide Actionunterhaltung mit allerhand humorvoller Momente, spannenden Ereignissen, interessanter Wendungen, aber auch vielen zu gewollt erscheinenden Momenten (der bequem gewordene Thor zum Beispiel) und jeder Menge Oberflächlichkeiten. Da ich mit meiner Kenntnis der drei Vorgänger genau auf ein derartiges Ergebnis eingestellt war, konnte ich mich mit diesem meist anspruchslosen Effektgewitter jedoch gut arrangieren und wurde dementsprechend kurzweilig unterhalten.  OFDb

08.05.2021

STICHTAG (2010)

Das Konzept ist einfach: eine Nervensäge reizt einen schnell Reizbaren. Das gab es bereits bei "Was ist mit Bob?", ebenso bei "Die Wutprobe", sowie bei vielen anderen Komödien auch. Am meisten drängt sich aufgrund der Ausgangslage, der Figurenkonstellation und dem roten Faden jedoch "Ein Ticket für zwei" auf, dessen Niveau "Stichtag" nicht im Ansatz erreichen kann. Es ist nicht nur so, dass das komödiantische Talent von Steve Martin und John Candy jenem von den sympathisch agierenden Robert Downey Jr. und Zach Galifianaksi weit überlegen ist, auch das Drehbuch des John Hughes-Filmes fiel qualitativer aus, da es weit weniger verkrampft daher kommt, als es die hier besprochene Komödie tut. Insgesamt fühlt sich "Stichtag - Schluss mit gemütlich" (Alternativtitel) zu bemüht an, weiß zwar trotzdem genug zu unterhalten, um mit dem Ergebnis zufrieden zu sein, aber man vermisst einfach die Leichtigkeit, welche Komödien der 80er Jahre noch besaßen, die mittlerweile häufig mit der Verpflichtung von Coolness und dem Hauptaugenmerk an Schauwert-Abgedrehtheiten ersetzt wird. Dieses plumpere Konzept geht dennoch halbwegs auf, auch wenn ich gelegentlich den Eindruck hatte, dass das Projekt für manch einen Mitwirkenden eher wie eine Auftragsarbeit, also eine Verpflichtung, anmutet. 

Dass das Ganze routiniert genug zu funktionieren weiß, liegt u.a. an der Erfahrung von Regisseur Todd Phillips, der mit "Road Trip" schon einmal einen humoristischen Road Movie inszenierte und daran dass er mit Galifianakis zusammen bereits ähnliche Komik in "Hangover" verarbeitet hat. "Due Date" (Originaltitel) entstand zwischen Teil 1 und 2, nach "Hangover 3" war die Zusammenarbeit beendet. Mag auch alles etwas konstruiert und verkrampft wirken, die reißerischen Aufhänger wissen den Film tatsächlich zu stemmen und sind somit meist witziger Natur. Zudem schafft es der Streifen als angenehmer Ausgleich in kurzen emotionalen Momenten glaubwürdig zu erscheinen, obwohl "Stichtag" nie realistisch wirkt (was er als wilde Party-Komödie auch nicht sein möchte). Seinen besten Moment hat der Film meiner Meinung nach dann, wenn er gekonnt beides in Bezug auf die Charakterkombination vereint und Ethan, unsensibel und kindisch wie er nun einmal ist, über ein tragisches Kindheitserlebnis des sich ausnahmsweise einmal öffnenden Peter lacht. Hier kommt die Verwandtschaft zu Alan, Galifianakis Rolle aus der eben erwähnten Trilogie, am deutlichsten herüber, die er hier ohnehin nur variiert. Zum Glück, denn darauf hatte ich gehofft.  OFDb

15.05.2020

L.I.S.A. - DER HELLE WAHNSINN (1985)

"L.I.S.A. - Der helle Wahnsinn" ist eine sympathische kleine, kurzfristige Selbstbewusstseins-Hilfe für nicht angesagte Jugendliche, davon zu träumen per Magie aus sich herauszukommen und es allen zu beweisen. Im Vergleich mit den anderen Teenie-Komödien, bei denen John Hughes Regie geführt hat, und einigen zu denen er das Drehbuch verfasst hat, ist der im selben Jahr von "Der Frühstücksclub" entstandene Film jedoch kein überdurchschnittliches Werk seines Genres geworden. Zwar beweist Hughes auch hier ein gutes Verständnis für die Gefühlswelt der Teenager, viel zu sehr geht es ihm hier ausnahmsweise jedoch um den Effektbereich, und das nagt sowohl am Niveau des Streifens, als auch an seiner Überzeugungskraft das Thema ernst zu nehmen. Nicht falsch verstehen, "Weird Science" (Originaltitel), der neun Jahre später als TV-Serie fortgesetzt wurde, ist amüsant und kurzweilig ausgefallen, aber ich vergleiche ihn hier mit der Qualität großer Werke selbigen Erschaffers, und da kann man im direkten Vergleich definitiv von einer kleinen Enttäuschung sprechen.

Seine Stärken besitzt "Cooler Zauber mit Lisa" (Alternativtitel) meist in den eher stilleren Momenten, in denen Platz für wahre Gefühle und eher hintergründigem Humor geschaffen wird. Hauptsächlich will der Film jedoch ein gute Laune Partykracher sein, was Hughes ein Jahr später mit "Ferris macht blau" und ein Jahr zuvor mit "Das darf man nur als Erwachsener" wesentlich besser gelang. Diese benötigten weder viele Spezialeffekte, noch besaßen sie Erklärungsnot. In "Lisa - Der helle Wahnsinn" (Alternativtitel) hat man zu Gunsten des Wahnsinns-Trips der Außenseiter vieles einfach zu akzeptieren. Das kann mit Kopf aus durchaus Laune machen und ist auch, typisch Hughes, tatsächlich angereichert mit allerhand charmanter Einfälle im Zentrum und am Rande, vernachlässigt aber eben das womit sich der Autor und Regisseur so besonders gut auskennt: dem Gefühlsleben der Teens. Dementsprechend fällt auch auf, dass die Lösung der Probleme zum Ende des Streifens zwar sympathische Kino-Magie bieten, den echten Außenseitern unter den jungen Zuschauern aber keine Lösungsmöglichkeiten offenbaren. Sympathisch besetzt, auch mit einer zukünftig prominenten Überraschung in einer Nebenrolle, wusste mir die Komödie abseits der Vergleiche in ihrer einfallsreichen und flotten Art jedoch zu gefallen. Etwas intensiver hätte ich mich aber schon gern in die Probleme der Protagonisten einfühlen wollen.  OFDb

04.02.2020

AVENGERS 3 - INFINITY WAR (2018)

Ich bin nur gelegentlicher Gast im Kino des Marveluniversums, habe zwar nicht wenige dieser Filme gesehen, aber längst nicht alles. Zwischen "Avengers 2" und diesem Film hier, also innerhalb von drei Jahren, hat sich viel getan. Von mancher Veränderung/Weiterentwicklung wusste ich durch andere Werke, manche haben mich überrascht, andere konnte ich nicht einordnen. Marvel fährt diesmal fast alles auf, was an Superhelden ihrer Comicheftchen bislang die große Leinwand erobert hat, und diese Überfrachtung weiß den Gastzuschauer zunächst zu überfordern, kennt der doch nicht einmal alle Helden, die hier eingebaut werden. Es mag daran liegen, dass das Marveluniversum eher groß anstatt komplex ist, aber die Regisseure Russo, sowie die Drehbuchautoren schaffen es die vielen Spielorte, mit ihren vielen Figuren, sowie den ganzen Anspielungen auf Erlebnisse anderer Werke, dem nicht eingeweihten Publikum mit der Zeit verständlich genug zu machen, um mit dem wilden Treiben, welches der wuchtigste Teil der Reihe präsentiert, etwas anfangen zu können. Die wichtigsten Zusammenhänge versteht man mit der Zeit, die zentralsten Figuren bekommt man gegriffen, man kann sich somit der knalligen Action mit all ihren interessant choreographierten Kampfsituationen geistlos interessiert hingeben.

Die Welt ist im Arsch, das rechtfertigt zumindest die Zusammenkunft dieser Vielzahl an Wesen mit übernatürlichen Kräften. Thanos als der Anführer allem Bösen hier kam mir jedoch immer eine Spur zu mickrig vor, da hätte meiner Meinung nach etwas Mächtigeres die Fäden ziehen müssen, um die große Bedrohung tatsächlich spürbar zu machen. Was er nicht schafft, erledigen die angehäuften aussichtslosen Situationen, also was soll's, aber so wird aus "Avengers 3 - Infinity War", dem ersten Teil eines Zweiteilers innerhalb der "Avengers"-Reihe, nie der beeindruckende Film, den sein wuchtiges Szenario uns am liebsten bieten möchte. Nicht falsch verstehen, wer mit Marvel-Filmen etwas anfangen kann, wird kurzweilig unterhalten und aufgrund der Anzahl der Ereignisse auch nicht unterfordert. Aber da wäre mehr drin gewesen, damit auch tatsächlich die Ehrfurcht vor der Macht spürbar würde, welche die Infinty-Steine beherbergen.

Dass man ihre Möglichkeiten im Besitz dieser nie komplett und komplex auskostet, wie es möglich wäre, mag daran liegen, dass die Autoren sich gedanklich der Tragweite ihrer Möglichkeiten nicht bewusst sind. Zumindest kann man das simple Anwenden dieser Steine und das nur bruchteilhafte Verstehen der vorhandenen Möglichkeiten mit dem simplen Denken Thanos entschuldigen, der nicht gerade der hellste Kopf im Universum ist. Offensiv tut dies der Film jedoch nicht, wahrscheinlich ist es nicht einmal so gewollt. Was soll man auch von Autoren erwarten, die nur derart gering mit Zeit, Raum und Seelenkenntnis spielen, und im Bereich des Eliminierens der Hälfte aller Lebewesen die Pflanzenwelt komplett außen vor lassen? Aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau für eine Filmreihe, die lediglich schlicht unterhalten will und ihre wahre Kraft nur in der Masse findet, egal ob bezogen auf Geld, Zuschauer, Helden oder Spezialeffekte. Und für ein derartig quantitatives Produkt ist das Ergebnis doch recht kurzweilig und verästelt ausgefallen. So gut wie der im direkten Vergleich schlichter ausgefallene "Avengers 2" ist er meiner Meinung nach jedoch nicht. Der hat mir definitiv besser gefallen.  OFDb

01.02.2020

AVENGERS 2 - AGE OF ULTRON (2015)

Nach dem eher mickrigen Ergebnis im aufgeplusterten Gewandt von "The Avengers" ist die ebenfalls von Joss Whedon inszenierte Fortsetzung eine wahre Überraschung. Nicht nur dass lächerliche Momente komplett eliminiert wurden und uninteressantere Hauptfiguren nun mehr Gesicht bekommen, "Avengers 2 - Age of Ultron" bietet im Gegensatz zum Vorgänger eine erzählenswerte Geschichte, die sich für die einzelnen Facetten ihrer Entwicklung genügend Zeit nimmt, ohne an Schauwerten und Tempo für das heran erzogene Zielpublikum zu sparen. Es kracht und bummert immerfort, Spezialeffekte aus dem Computer sind pausenlos zu sichten, aber es ist jene Art aufgeblasenes Popkornkino, das sich diese Mittel als Stärke, anstatt als leere Hülle, zunutze macht und uns das präsentiert, was mit genügend Geld im Gepäck in heutigen Kinozeiten möglich ist, wenn man nicht an fähigen Autoren spart.

Sicherlich ist Teil 2 inhaltlich kein Geniestreich geworden, aber die Geschichte ist verästelt ausgefallen, die Lage wundervoll hoffnungslos, die theatralisch vorgetragene Superhelden-Seifenopern-Philosopie in manchen Momenten treffsicher eingefangen, da tatsächlich eine Überlegung wert, und inmitten der Achterbahnfahrt an sich stetig abwechselnden Actionszenen wird den Figuren genug Raum beschert sich zu entfalten. Das weiß insbesondere in den Szenen der Unstimmigkeiten inmitten der Gruppe zu gefallen, die selbst in solch zerstrittenen Momenten nicht mehr wie eine infantile Affenbande wirkt, wie es noch in Teil 1 der Fall war. Dennoch bleibt das Ergebnis freilich ein Film für große Kinder. Und das in mir fand schon immer Gefallen an Themen wie Killerrobotern und künstlichen Intelligenzen, zwei Faktoren, die das Geschehen von "Age of Ultron" (Alternativtitel) nicht nur nebenbei mitbestimmen. Und dass selbst der olle Hulk zu funktionieren weiß (auch wenn ich mir seiner Gesetzmäßigkeit, wann er völlig außer Kontrolle ist und wann er zum Team-Player wird, immer noch nicht bewusst bin), sowohl für Actionmomente, als auch charakterlich, ist gerade für mich die totale Überraschung, gehörte er für mich doch immer zu den lächerlichsten Figuren des Marvel-Universums. Es ist schön zu sehen, dass mit diesem Mammutprojekt endlich einmal wieder eine Großproduktion entstanden ist, die sich auch zu gucken lohnt. Gerne mehr davon!  OFDb

30.01.2020

THE AVENGERS (2012)

Man blickt nicht leicht durch, wenn man nicht jeden Marvel-Film sichtet, was geradezu erwartet wird, um den an sich nicht komplex ausgefallenen "The Avengers" komplett zu verstehen. Zwar kenne ich die Vorgeschichte des kosmischen Würfels durch "Captain America", weiß welche Personen zu "Iron Man" gehören und manch andere Zusammenhänge auch, aber warum Hulk beispielsweise in einer Szene ein ungebremster Aggressor ist und in der nächsten lediglich ein wütender Team-Player blieb mir ein Rätsel. Gibt es da Hintergründe, die ich kennen muss, oder ist ein solcher Bruch in der Logik einfach der Naivität des Stoffes geschult? Denn bei aller brisanten Umsetzung im Meer an CGI-Effekten ist der Film um die Entstehung der Avengers-Gruppe nicht gerade intelligent ausgefallen. Ich weiß, das soll er nicht zwingend sein, hier zählt die Action, aber ein wenig geistreicher hätte das Gekloppe der Schar Superhelden dann doch ausfallen können.

Zumindest schafft es das Konzept der ganzen Chose, allen Helden gleichermaßen gerecht zu werden. Einige von ihnen kannte ich noch nicht, manche von ihnen werde ich mir als Einzelfilm auch nicht antun, aber es ist schön dass man sich für die Einführung der einzelnen Figuren genügend Zeit nahm und ihnen diese auch dann noch lässt, wenn sie zusammen finden. Tatsächlich ist "The Avengers" immer dann am besten, wenn er sich kurz Zeit für die Charaktere lässt. In seinen Spezialeffekt-überladenen Kampfsequenzen weiß er zwar auch zu unterhalten, aber nicht vollends zu interessieren, geht von den Außerirdischen doch keine weitere Bedrohung aus, als ihre große Anzahl. Das ist der einzige Grund, warum nicht ein einzelner Held der Sache Herr werden kann und das komplette Avengers-Team benötigt wird. Etwas gehaltvoller hätte die Bedrohung und die Geschichte um sie herum dann doch ausfallen können.

Letztendlich lebt ein erster Film dieses Teams freilich von dem Effekt alle lieb gewonnenen Helden vereint in einem Film zu sehen. Wahrscheinlich hat man sich deswegen um keine ausgeklügelte Geschichte bemüht. Mir als gelegentlicher Gast im Marveluniversum reichte dieser Schwerpunkt jedoch nicht aus, sympathisiere ich doch nur mit einigen wenigen Figuren im Mittelpunkt, die meisten sind mir schlichtweg egal. Es ist somit nicht mein Hype, wohingegen ihn andere sicherlich fühlen werden. Wie gerecht oder ungerecht es deswegen ist, darüber Kritik zu üben, wenn man nicht zum Zielpublikum gehört, sei einmal dahin gestellt. Letztendlich sei aber bitte zumindest jene Äußerung gewährt, dass sich in solch viel zu ernster Inszenierung manches Herumgehampel im Superheldenkostüm ein wenig lächerlich anschaut, ein Eindruck der sich glücklicher Weise nur gelegentlich bemerkbar macht, wohingegen der packende Comicaspekt ansonsten zu greifen weiß. Für meinen Geschmack ist das alles zu heiß aufgeladene Leere, gepackt in ein nicht enden wollendes Effektgewitter. Umso erstaunlicher ist es, dass mich das Ganze auf schlichter Ebene eigentlich passabel unterhalten hat. Bedenkt man jedoch all die Energie, die harte Arbeit und das viele Geld, das hinter solch einem Projekt steckt, ist das trotzdem ein viel zu schlichter Eindruck für solch einen Aufwand.  OFDb

07.08.2018

DIE WONDER BOYS (2000)

In seiner empathisch erzählten, meist ruhigen Art könnte "Die Wonder Boys" eine ganz typische Arthouse-Komödie sein, so sehr wie Charaktere vertieft werden, ja geradezu im Mittelpunkt stehen, während sich eine Geschichte erst über die Entwicklung dieser erkennbar macht. Geistreich ist Hansons Film erzählt, mit dem Bereich des Dramas parodistisch spielend, anstatt tatsächlich zur Tragikomödie zu werden, die Sorgen und Probleme der Protagonisten aber trotzdem ernst nehmend, wie die Figuren selbst und dies auch Randfiguren betreffend. Es ist der kleine Gehalt schrägen Humors, der das Klischee der typischen Arthouse-Komödie zu durchbrechen weiß, zunächst gelegentlich auftauchend, dann immer häufiger, bis sich das Finale des Streifens gar lauter und ereignisreicher guckt, als man zuvor vermutet hätte. Freilich wird "Wonder Boys" (Originaltitel) trotzdem nie wirklich laut und wild, aber die Geschehnisse sprudeln hoch für einen sensiblen, empathischen Film, und Curtis besitzt zusammen mit den Autoren das Geschick, dass die bis dahin gelebten Adjektive auch dann noch greifen.

Verglichen mit seinen Filmen "L.A. Confidential" und "In den Schuhen meiner Schwester" ist es ohnehin erstaunlich wie abwechslungsreich die Filmographie des relativ selten tätigen Regisseurs ausfällt, und wie gekonnt all diese andersartigen Ausflüge in die Filmwelt ausgefallen sind. Die schlichte Geschichte von "Die WonderBoys" (Alternativtitel) ist ergreifend erzählt, man badet mitten in den Seelen der zwei Hauptfiguren, während ein aberwitziges Treiben die beiden umweht, eines das man mit seinen innovativen Einfällen nur als kreativ bezeichnen kann. Oftmals sind es für die eigentliche Geschichte völlig unnötige Nebensächlichkeiten, die einen zum Lachen oder zum Schmunzeln bringen, wobei das freilich schwer einzuordnen ist, wenn ein Film wie dieser den Gehalt seiner Story derart intensiv aus der Charakterentwicklung zieht. Wann ist ein Erlebnis wichtig für diese Entwicklung gewesen und wann nicht? Wie auch immer, der Gesamteindruck dieser verrückten Tage, die jedoch nie schrill ausfallen, verändert Grady und den jungen James, der sich ohnehin noch sucht, sowieso.

"Die WonderBoys - Lauter Wunderknaben" (Alternativtitel) wäre schon aufgrund des geglückten Drehbuchs und der Details beachtenden Inszenierung ein wahrer Hingucker, aber die gekonnte, überraschend prominent ausgefallene, Besetzung rundet das Seherlebnis zusätzlich ab. Michael Douglas darf nach "Falling Down" endlich mal wieder völlig anders spielen, was ihm derart gut gelingt, dass man sich mehr solcher feinfühligen Ausflüge von ihm gewünscht hätte (der Versuch es mit "Das grenzt an Liebe" erneut sensibel anzugehen, scheiterte aufgrund einer müden Geschichte). Tobey Maguire weiß sein Lächeln gekonnt einzusetzen. Mal bestätigt es die Reaktion und die entstehenden Gefühle des Publikums, mal wirkt er damit skurril und sonderlich. Seine Mimik ist gekonnt gesetzt, und so beweist er sich früh neben Stars mit langjähriger Berufserfahrung. Katie Holmes hingegen darf nur süß aussehen, wird nicht wirklich herausgefordert, gefällt aber freilich in dieser niedlichen Art. Und Robert Downey, Jr. darf wieder einmal einen ungewöhnlichen Charakter spielen und macht aus der in anderen Filmen so typischen Rolle des Lektors, der Schriftstellern ein neues Buch entlocken möchte, zusammen mit den Autoren des Stoffes einen ungewöhnlichen Charakter, der nicht wirklich in irgendeine Schublade zu stecken ist.

Klischeefiguren darf man in den wichtigen Rollen ohnehin verzweifelt suchen, die tauchen nur im Randbereich auf, und dies nicht aufgrund müder, einfallsloser Autorengeister, sondern um die ansonsten tief gehenden, individuellen Charaktere mit diesen zu konfrontieren. Und selbst dann wird eine Klischeefigur nie zum reinen Stereotyp, selbst dann besitzt sie noch derart viel Realismus durch Eigenständigkeit, dass der von mir gewählte Begriff eigentlich viel zu hart gewählt ist. Es würde schließlich auch nicht zu einem Film passen, den ich aufgrund seiner sensiblen Blickweise und dem Interesse an seinen Charakteren derart zu loben weiß. Und wer Filme solcher Eigenschaften zu schätzen weiß, gerade dann wenn die Charakterentwicklung die eigentliche Handlung der Geschichte bedeutet, der sollte sich "Die Wonder Boys" unbedingt einmal ansehen. Stammzuschauer dieser Gattung Film werden sich sicherlich über den lockeren Umgang mit dem Dramabereich wundern, und wie erwähnt bricht manch wilde Idee manchmal durch den ruhig erzählten Stoff durch, aber das macht Curtis Hansons wundervollen Film nur um so einzigartiger.  OFDb

26.12.2017

SPIDER-MAN - HOMECOMING (2017)

Die Heimkehr zu einem Produktionsstudio, das eher Massenware anstatt individuelle Produkte fertigstellt, eine Verjüngung Peter Parkers, Iron Man als Superhelden-Mentor für Spider-Man und damit eine ständige Präsenz der Avengers und womöglich anderer Marvel-Superhelden, so wie es im Marvel-Multiversum mittlerweile zum Konzept dazu gehört, ein von Stark konzipiertes Superheldenkostüm mit allelei technischen Raffinessen - es gab genügend Gründe kritisch auf „Spider-Man - Homecoming“ zu sein bei alle dem wovon ich vor der Sichtung erfuhr. Einzig dass nun innerhalb von kurzer Zeit auf eine dritte Variante wie Spider-Man zu Spider-Man wurde verzichtet wurde, klang nach einer guten Idee - dies und die Anwesenheit Michael Keatons als Oberbösewicht.

Vorangegangen waren freilich auch Erfahrungen mit anderen Werken des Marvel-Universums, die mich nicht gerade zuversichtlich stimmten. Jüngst enttäuschten mich „Deadpool“ und „Guardians of the Galaxy“ als peinliches Idiotenkino, das mich lediglich zum Fremdschämen einlud, unterhaltsame Werke wie „Captain America“ gab es zu selten, angebliche Innovationsanläufe wie „Ant-Man“ entpuppten sich als nett anzusehende Standardware, und die relativ frühen Versuche „Fantastic Four“, „Hulk“, „X-Men“ und Co schwankten für mich auch nur zwischen schlecht und muss man nicht unbedingt gesehen haben-nett. Einzig die „Iron Man“-Reihe konnte mich, abgesehen vom Erstling, für sich gewinnen, so dass diese mir aber auch bekannt genug war, um sie als nicht kompatibel mit der Geschichte zu Spider-Man vorzuverurteilen. Die Lehre daraus ist wie so oft die selbe: man darf niemals vorverurteilen.

Denn nicht nur dass die Mentorenaufgabe Starks, sein für Spidie konstruierter Supertechno-Anzug und die häufigen Auftritte seines Helfers wunderbar zur erzählten Geschichte von „Spider-Man - Homecoming“ passen und sich wie perfekt passende Puzzlestücke in den Rest integrieren lassen, ohnehin ist Jon Watts Werk überraschend gut ausgefallen und zu einem Film geworden, den ich innerhalb kürzester Zeit mehrere Male gesichtet habe und mit jedem Schauen noch ein Stückchen mehr mag. Der Film kommt weit weniger anbiedernd daher, als er es theoretisch für das Zielpublikum eigentlich ist, was aber daran liegt, dass Regisseur Watts dies in einer sehr flott, aber nicht oberflächlich erzählten Inszenierung, mal gut zu verstecken weiß, manches Mal gar gewinnbringend für die zu erzählende Geschichte zu integrieren weiß.

Action und Humor wechseln sich in angenehmer Gewichtung ab, und Teenager werden erfreulicher Weise optisch als solche glaubwürdig besetzt, so dass sich die Verjüngung Spider-Mans als toller Kniff für das Kinoerlebnis herausstellt. Wahrlich Lob gebührt jedoch dem Drehbuch, das seine Protagonisten zudem wie echte Teenager reden lässt, während es sich durch die Comicherkunft gleichzeitig den Luxus erlauben darf Personen und Situationen humoristisch der vollkommenen Übertreibung auszusetzen. Es ist erstaunlich, dass dies nicht zum erkennbaren, nicht funktionierenden Widerspruch wurde. Zudem verzichtet man für den Superhelden-Neuling Spider-Man auf einen zu extremen Gegner. Der Held hat es mit einem für das Marveluniversum relativ normal gearteten Kriminalfall zu tun, bekommt lediglich eine Gruppe halbwegs normaler Gegner entgegengesetzt anstatt gleich mehrere Superschurken. Diese Gegner zeichnete man zudem derart menschlich nachvollziehbar, dass man geneigt ist ihnen in schwachen Momenten in ihrer Argumentation, warum sie in dieser ungerechten Welt kriminell wurden, zuzustimmen.

Freilich kommt noch die obligatorische Prise private Dramatik im Kampf gegen das Böse hinzu und auf Schülerebene die Love Story, wenn man sie denn so nennen kann, so böse wie sie in ihren Ansätzen immer wieder zum Scheitern verurteilt ist. Fertig ist das eigentlich recht simple, aber funktionierende Rezept von „Spider-Man - Homecoming“, dem man glücklicher Weise trotz häufigem Einsatz von Computereffekten diese weder unangenehm bewusst ansieht, noch dafür sorgt dass die Geschichte zum Effektgewitter verkommt. Marvel ist Marvel, da wird nicht gekleckert, sondern geklotzt, und doch schaffte man es hauptsächlich Geschichte und Charaktere von Bedeutung werden zu lassen. Viele der ausgeflippten Ideen, der anbiedernden Einflüsse anderer Marvelfilme und der Computereffekte dienen der Unterstützung der Entwicklung Parkers Reife, und dies derart humorvoll umgesetzt, dass das Genre Komödie nicht nur zum Beiwerk verkommt.

Durch die Verjüngung Parkers wird der Hauptcharakter aufgrund der pubertären Bockigkeit gar viel eher zum Anti-Superhelden-Charakter, als es die Autoren mit ihren peinlichen Provo-Witzchen bei „Deadpool“ je im Ansatz geschafft hätten. Will man also einen Superheldenfilm des Marvel-Universums als besonders frech hervorheben, dann ist dies „Spider-Man - Homecoming“, der zwar freilich nie die Parodiemöglichkeiten von Anarcho-orientierten Werken wie „Kick-Ass“, „Super“ und „Kick-Ass 2“ erreichen kann, diesen trotz seiner braven Art aber wesentlich näher kommt als alle anderen Mainstream-Gehversuche in diese Richtung.  OFDb

23.04.2013

CHARLIE BARTLETT (2007)

Der reiche Charlie wechselt von einer Privatschule auf eine staatliche und vertickt um gemocht zu werden Pillen an seine Mitschüler, während er ihnen gleichzeitig psychologischen Rat gibt. Recht schnell gerät Bartlett durch sein auffälliges Verhalten ins Visier des Direktors, und Bartletts aufkeimende Liebe zu dessen Tochter ist nicht gerade hilfreich den eigentlich verständnisvollen Direx davon zu überzeugen, dass Bartlett nach einem Gesinnungswechsel seine gewonnene Beliebtheit bei den Schülern für Positives nutzen möchte...
 
Beliebtheit ist nicht alles - Fragen Sie Bartlett...
 
Wer sich schon immer einmal gefragt hat wie Ferris Bueller, der Held aus dem Teen-Klassiker „Ferris macht blau“, so beliebt wurde, der könnte mit „Charlie Bartlett“ eine Antwort bekommen, erzählt der Film doch von der aufkeimenden Beliebtheit eines durchaus vergleichbaren Charakters, auch wenn die Anfänge wesentlich kriminellere Ausmaße erreichen als all die halb legalen bis gar nicht legalen Dinge, die Bueller einst so trieb.

Man könnte „Charlie Bartlett“ durchaus als einen Mix aus „Ferris macht blau“ und „Hart auf Sendung“ bezeichnen, steht doch neben dem Aspekt der Beliebtheit unter Schülern auch der Aspekt ihnen per Seelsorge helfen zu wollen im Zentrum. Ungewöhnlich für sein Genre ist hierbei, dass Regisseur-Debutant Jon Poll zum Erzählen der Geschichte nicht Bartletts Freundin zur zweitwichtigsten Person macht (was durchaus wahrscheinlich gewesen wäre, wenn man bedenkt wie weit im Mittelpunkt diese Liebschaft thematisiert wird), sondern ihren Vater, den Direktor.

Und der wird in Zeiten größerer Aufklärung nun nicht als Bösewicht dargestellt wie in den guten alten 80er Jahren des Schwarz/weiß-Denkens, sondern als würdiger Gegner im respektvollen Umgang miteinander und gegenseitig die Chance erkennend, dass eine Vereinigung mehr bringen würde als rivalisierende Kämpfe. Hierfür muss der eine von beiden einen Reifeprozess durchmachen und der andere seine Probleme in den Griff kriegen um Erstgenanntes als Dritter auch erkennen zu können.

Was sich eventuell politisch arg korrekt liest, ist erfrischend natürlich umgesetzt worden, krankt zwar an einigen Minuspunkten, die aber a) nichts mit Political Correctness zu tun haben und b) großteils durch ein gutes Drehbuch und einen diesmal besonders sympathisch agierenden Robert Downey, Jr. wieder ausgeglichen werden. Ich wünschte ich könnte ähnlich Positives auch über den Hauptdarsteller Anton Yelchin sagen, aber der spielt sich mir zu sehr in den Vordergrund, als dass ich ihn wirklich als überzeugende Besetzung sehen würde. Dass er von der Maske auch in der Spätphase noch als zu streberhaft gekennzeichnet wird, mag nicht sein Fehler sein, unterstreicht seine schwache Wirkung jedoch.

Klar ist Yelchin nicht komplett gegen den Strich besetzt, sonst würde „Charlie Bartlett“ in seiner Gesamtheit auch nicht so gut funktionieren, aber eine bessere Besetzung in der Hauptrolle hätte den Film eventuell ein Ansehen bescheren können, dass dem Ruf des Vergleichsfilmes „Ferris macht blau“ gerecht wird. Hierfür hätte die im Vergleich zum 80er Jahre Erfolgsfilm etwas mehr auf Tragik setzende Geschichte allerdings auch die psychologische Hilfe Bartletts zu seinen Mitschülern sentimentaler umsetzen müssen, ein Aspekt der in „Hart auf Sendung“ wesentlich sensibler angegangen wurde, und dass obwohl im Vergleichsfilm die seelische Mitschülerhilfe eher unfreiwilliger Natur war. Bartlett hingegen will unbedingt helfen, und dieser Aspekt wird lediglich dafür genutzt um aufzuzeigen wie pfiffig Bartlett ist.

Gerade weil seine Seelenhilfe so viele Momente im fertigen Film beschert bekommt, wundert diese Einstellung des Regisseurs und Drehbuchautors schon ein wenig, zumal beide es schaffen in anderen Punkten genau den sensiblen Ton zu treffen, der im von mir kritisierten Bereich vernachlässigt wurde. Mag es auch am großartigen Spiel von Downey, Jr. und dessen Filmtochter liegen, die Dramatik die das Leben des Direktors umgibt ist hervorragend herausgearbeitet in Kombination mit der aufkeimenden Beziehung zu Bartlett und der abstumpfenden Beziehung zur Tochter.

Ebenso feinfühlig, da lebensnah, wird die Beziehung zwischen Bartlett und der festen Freundin (welches ebenfalls die Tochter des Direktors ist) aufgegriffen. Schön ist hierbei, dass es in dieser Liebesgeschichte nie um die Kritik oder das Verheimlichen Charlies krimineller Machenschaften geht, sondern diese einfach von der Freundin akzeptiert werden. Regeln brechen gehört zum Alltag, und als Teenager hat man andere Probleme.

Manche davon finden unmittelbar in der Konfrontation mit den Verantwortlichen der Schule statt, und hier treffen wir nun wieder auf Parallelen zu dem genialen „Hart auf Sendung“, denn hier wie dort gilt es die demokratischen Freiheitsrechte von Schülern zu erhalten, die im Wandel einer fragwürdigen Moral und Politik ins Wanken geraten sind. Aus einem möglichen Subplot um das Aufstellen von Videokameras in einem von Schülern für Privatzwecken genutzten Raumes, wird ein wichtiges Element zur Zusammenführung diverser Handlungsstränge. Und dank eines intelligenten Drehbuchs und anderer Aspekte die im Mittelpunkt stehen, bekommen wir am Schluss ein Happy End der angenehmen Art präsentiert, welches je nach Blickpunkt nicht einmal unkritisch ausfällt.

„Charlie Bartlett“ beginnt ein wenig wackelig, eben weil Charlie im Zentrum steht und Hauptdarsteller und Regie scheinbar wollten, dass auch ja jeder Zuschauer unbedingt sieht wie talentiert Yelchin ist. Aber diese One Man-Show geht einem eher auf den Zeiger als dass sie wirkt und verhindert einige Zeit, dass man das Potential der Geschichte entdeckt. Ist dies aber dann endlich mal geschehen, kann man in die Geschichte unterhaltungstechnisch und mit Köpfchen eingeschaltet durchaus eintauchen und mitfühlen. Am Ende ist man glücklich zu Beginn nicht frühzeitig ausgeschaltet zu haben, auch wenn es in meinem Falle etwas länger gedauert hat mit dem Film zu sympathisieren als üblicher Weise.

„Charlie Bartlett“ ist nicht frei von Fehlern, aber er ist eine tragisch angehauchte Teenie-Komödie über Durchschnitt, mit einer sehr süß agierenden Kat Dennings in der Rolle der Direktorentochter und, wie schon erwähnt, einer unglaublich sympathischen Leistung Robert Downey, Jr.‘s. Dass Yelchin nicht komplett positiv wirkt ist schade, erst recht wenn man bedenkt, dass er in „Fright Night“ und „Der Biber“ zum positiven Teil der Besetzung gehörte. Insgesamt kann aber auch seine Fehlbesetzung nicht über das positive Ergebnis des Streifens hinwegtäuschen. Glück gehabt!  OFDb

02.12.2012

ZODIAC - DIE SPUR DES KILLERS (2007)

Er schickt der Presse und der Polizei Rätsel und Codes, verrät wen er als nächstes töten möchte und nennt sich Zodiac. Was auch immer unternommen wird, Zodiac ist nicht zu fassen, da er kein Muster wie andere Serienkiller hinterlässt. Zeitungscartoonist Graysmith versteift sich noch in die Suche nach dem Mörder, als der Rest der Welt sich neuen Kriminalfällen zuwendet...

Das Leben benötigt keinen roten Faden... 
 
Die Suche nach einem Serienmörder, das klingt verdammt nach Thriller. Und auch der Name David Fincher steht ja geradezu üblich für das Genre, so dass in den meisten Medien „Zodiac“ auch als solcher betitelt wird. Das ist jedoch nicht ganz richtig und könnte falsche Erwartungen schüren. Sicherlich sind Thrillermomente vorhanden, aber eigentlich sind diese auf die Laufzeit von etwa 150 Minuten rar verteilt. Das dürfte manch einen dazu veranlassen den Film als missglückt darzustellen, dabei ist er eigentlich ein Kriminaldrama.

Reporter suchen nach Zodiac, die Polizei sucht nach Zodiac, der Zuschauer darf Spuren mitverfolgen, zusehen wie Verdächtige verhört werden und Tatorte untersucht. Ständig scheint das Ergebnis weit weg, Widersprüche tun sich auf, ein Muster will nicht erkennbar sein. So verdächtig wer auch sein mag, immer spricht etwas gegen eine Überführung. Das frustriert die Ermittler, veranlasst sie zu verschiedensten Reaktionen, bis die Öffentlichkeit irgendwann resigniert und das Thema Zodac nach Jahren verblasst ist. Enttäuschte Polizisten, ein heruntergekommener Journalist, ein fanatischer Cartoonist, der seine Ehe auf der jahrelangen Suche nach Zodiac an zweiter Stelle setzt. Das sind dramatische Schicksale, und sie stammen alle aus dem wirklichen Leben, so wie Zodiac selbst.

Der Film erzählt von einer wahren Begebenheit, welche die Öffentlichkeit so stark interessierte, dass bereits 1971 während der aktiven Ermittlungen die erste Verfilmung gedreht wurde. Auch der Kultfilm „Dirty Harry“ lehnte sich an die Ereignisse der Zodiac-Morde an. Das Thema war so in aller Munde, dass es zu Fakes in den Ermittlungen kam: falsche Spuren, falsche Täterbekenntnisse, Nachahmungstäter. Die Suche nach Zodiac war für viele Menschen zu seiner Zeit ein derart einschneidendes Medienerlebnis, dass Jahre später das Buch über die erfolglose Suche zum Bestseller wurde. Und nun ist das Thema noch immer so interessant, dass Finchers Film ein kleiner Erfolg wurde, und das obwohl der Streifen nicht gerade den massenwirksamen Eindruck macht.

Die Spuren verlaufen sich im Sand, ständig gibt es Zeitsprünge, ewig wird man mit Informationen zugeknallt, selten gibt es Morde oder spannende Szenen zu sehen, die Zeitsprünge werden immer größer und am Ende gibt es noch immer keine Auflösung. Wie ginge das auch? So wie im Falle Jack The Rippers hat es nie eine Lösung gegeben. Fincher geht lediglich einer Vermutung nach. Das Ende von „Zodiac“ zu verraten hat in etwa den selben Stellenwert als irgendwem den Schluss von „Romeo und Julia“ auszuplaudern.

Warum ist der Film trotz all dieser massenpublikumsfeindlichen Punkte so beliebt? Ich weiß es nicht, mich hat er jedoch auch anstecken können. Wo der typische Spannungsgehalt eines Thrillers fehlt bzw. zu kurz kommt, da erscheint jene Spannung auf der Bildfläche, die durch die aktiven Ermittlungen entsteht. Ähnlich wie „Andromeda – Tödlicher Staub aus dem All“ es schafft durch Forschung Spannung zu erzeugen, oder Hitchcocks Klassiker „Bei Anruf Mord“ durch Verhördialoge, so wird man hier von den Ermittlungen gepackt.

Man formt sich im Kopf seine eigenen Vermutungen zusammen, versucht zu überlegen was Fake ist und was nicht. Man versucht ein Muster zu finden, verdächtigt jeden, was kurzfristig zu einer spannenden Szene in einem Keller führt, die vom Verdachtsmoment her eigentlich unwahrscheinlicher nicht sein könnte. Der Fall Zodiac bleibt ein Rätsel. Welche Beweise sind von Belang, wenn so viel gepfuscht wurde, welche Handschriftenanalyse ist authentisch wenn der Analyst ein Alkoholiker war? Ist Zodiac einer oder mehrere Täter? Ergab sich nie ein Muster wegen Nachahmern? Das sind alles Fragen die „Zodiac“ in ein offenes Ende treiben. Aber es war dennoch ein großes Erlebnis mittendrin eingetaucht zu sein.

Denn das muss man Fincher einfach lassen. Er lässt uns teilhaben. Ähnlich fanatisch wie der Cartoonist gräbt er alles an Fakten und Unfakten aus. Er rollt den Fall noch einmal auf, jedoch nicht um ihn zu lösen, sondern um den Zuschauer die Tragik der Hoffnungslosigkeit hinter den Untersuchungen deutlich zu machen. Fincher ist ein Kriminaldrama geglückt, dass einen den Frust der Ermittler authentisch vermittelt, eben weil wir selbst zu Ermittlern wurden, wenn auch passive vor dem Fernsehapparat. Er lässt uns das Ungewisse spüren und spielt mit uns, so wie es das Leben mit den Ermittlern tat.

Welche Verwirrung war von Zodiac gewollt, welche wurde unbeabsichtigt verursacht? Mal hat Zodiac eine helle, dann wieder eine dunkle Stimme. Das Körperformat änderte sich, die Methode war nie die gleiche, Jahre lang herrschte Ruhe, dann ging es wieder los. Selbst Opferzahlen stimmen nicht mit den Aussagen des Killers überein. Ein Schaumschläger (möglich durch die Mediengeilheit) oder das Prahlen eines falschen Zodiac? Erstaunlich dass es Fincher schaffte ohne wirklichen roten Faden und mit ewigen Zeitsprüngen den Zuschauer so nah im Geschehen drin zu lassen. Am Ende ist „Zodiac“ ein offenes Puzzle, dass man so oft gucken kann wie man will ohne zu einem Ergebnis zu kommen.

Die Mörderaufdeckung war jedoch nie das Ziel Finchers. Wenn die Figuren ihr jeweiliges tragisches Ende erreichen, dann erreicht Fincher jeweils sein Ziel, auf das er hinauswollte. Lediglich eine Figur darf einen kleinen Erfolg feiern, aber selbst der ist trügerisch. Vielleicht brauchte Fincher von Produzentenseite einen winzigen Happy End-Ersatz. Ich weiß es nicht, aber er stößt nicht sauer auf. Im Gegenteil, es ist ein packender Moment.

Eine alles überschauende Regie, viele gute Schauspieler, ein stimmiger Soundtrack und großartige Fotografien (die auf die typischen Fincher-Spielereien diesmal verzichten) machen „Zodiac – Auf der Spur des Killers“ zu einem großartigen Ergebnis. Diese Elemente machen aus der Geschichte ohne Faden und eigentlichem Spannungspotential und mit ihren vielen Zeitsprüngen einen Hingucker. Und dass das Hingucken auf Dauer nicht langweilig wird, verdanken wir dem starken Drehbuch, welches faktenreich bestückt ist und den Zuschauer nah an die Untersuchungen heranlässt.  OFDb

10.10.2012

GOOD NIGHT, AND GOOD LUCK. - DER FALL MCCARTHY (2005)

Der Journalist Murrow thematisiert in den 50er Jahren in seiner TV-Sendung das zweifelhafte Treiben des Senators McCarthy, der auf undemokratischem Wege nach Kommunisten in den USA gesucht hat...

Ein Kämpfer für die Freiheit...
 
Schauspieler und Produzent George Clooney ist dafür bekannt sein Geld von Blockbuster-Erfolgen in Independent-Filme zu stecken, die geistreicher sind und nicht allein der Unterhaltung dienen sollen. In „Good Night, And Good Luck.“ übernahm er gleich die Regie, und um noch einmal deutlich zu machen, dass es hier um eine höhere Sache und nicht um ihn als Star geht, spielte er selbst nur eine kleinere Rolle, in welcher er zwar viel Screentime abbekommt, jedoch so zurückhaltend agiert, dass er fast irrelevant wirkt.

Clooney war dieses Projekt scheinbar sehr wichtig, denn im kompletten Film kann man bemerken, mit wie viel Respekt und Ruhe er die wahre Geschichte erzählt, die zum Sturz des Senators McCarthy führte. Das mag eine Spur zu extrem angegangen sein. Zwar schaut sich der Film keinesfalls uninteressant oder schlecht inszeniert. Die Erzählung bleibt immer sachlich, lässt jedoch keinen Raum für Nebenplots, die einem die Figuren näher bringen würden. Das ist auch nicht zwingend nötig, hätte aber dennoch zu einem besseres Ergebnis verhelfen können.

„Good Night, And Good Luck.“ ist kein schlechter Film, nicht einmal Mittelmaß, aber er wirkt ein wenig zu sehr abgefilmt, auch wenn man den Aspekt der Zurückhaltung und sachlichen Wiedergabe der vergangenen Geschehnisse durchaus als lobenswert bezeichnen kann, ja geradezu als vorbildlich verglichen mit der üblichen Herangehensweise amerikanischer Dramen.

Der Film lässt in seiner Besetzung nichts zu wünschen übrig. Das Bild ist in angenehmen Schwarz/weiß gehalten, was nicht nur ein Stilmittel ist, um sich von großen Kinoprojekten zu distanzieren, sondern auch den Kniff unterstützt, dass die wenigen Auftritte McCarthys im Original gezeigt werden können und nicht von einem Schauspieler geleistet werden. Das unterstreicht die Authentizität des Streifens.

Dass Clooney dieses Thema nicht allein der amerikanischen Vergangenheitsbewältigung wegen wählte, dürfte offensichtlich sein. Berichtet er doch von dem Versuch eines wahnsinnigen Mannes, der unter der Ausrede die Demokratie zu schützen ihr stark schadet. Clooney erkannte die Parallelen zu der Vorgehensweise des zur Entstehungszeit des Filmes amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, George W. Bush und wollte mit seinem Film die müden Geister der Gegenwart wecken, vielleicht auch die wachen Geister dieser Zeit bestätigen, um zu signalisieren: ihr seid mit eurem Denken nicht allein.

Wandte sich die Rolle Kevin Costners in Oliver Stones „JFK“ in einer kurzen Szene noch mit Blickkontakt direkt an das Publikum, um es daran zu erinnern, dass ein jeder die Demokratie erhalten sollte, so ist dies in Clooney Werk gar nicht nötig. Gezeigt wird recht wenig vom Senator, viel mehr konzentriert man sich in dem Drama auf Journalist Murrow, der seine Monologe hält, die schon damals ans Publikum vor dem Fernsehschirm gerichtet waren. So muss gar nicht erst getrickst werden, um den Zuschauer des Kinofilmes zu erreichen, der den durchdachten, kritischen Worten Murrows auf gleiche Art begegnen muss/darf.

Wenn Clooney sein Anliegen umlenkt, um auf die Fehler der amerikanischen TV-Nutzung aufmerksam zu machen und zu zeigen, womit diese bereits begonnen haben und wie die Alternativen aussehen könnten, darf man erneut einen Monolog Murrows hören, diesmal jedoch in einer Ansprache statt in seiner TV-Sendung. Der Effekt den Zuschauer von heute dabei zu erreichen bleibt jedoch der selbe.

In Zeiten von Sicherheitswahn, Terroristen-Hysterie, freiwilliger Aufgabe von Freiheiten und geistloser Lebensweisen ist „Good Night, And Good Luck.“ ein mutiger Film. Dass er sich jeglichem reißerischen Moment verweigert und selbst in seinem positiven Schluss-Ergebnis McCarthy betreffend einem Happy End aus dem Weg geht, unterstreicht diesen Mut und das Engagement Clooneys. Etwas weniger Ehrfurcht hätte dem Film jedoch noch den letzten Schliff zum großen Event bescheren können. Nicht dass die Themen des Streifens diese Ehrfurcht nicht verdient hätten, sie hemmten Clooney scheinbar jedoch ein wenig in seiner Umsetzung. Nur ein wenig...  OFDb

25.07.2012

IRON MAN (2008)

Nachdem der erfolgsverwöhnte Waffenhersteller Stark mittels eines provisorischen Schutzanzugs einer Gefangenschaft entgehen konnte, widmet er sich mittels eines weiterentwickelten Anzugs, der Schutz, Kampfmöglichkeiten und Fortbewegung per Flug gleichermaßen bietet, dem Kampf gegen das Böse...
 
Verwöhntes Kind - Als Industrieller, wie als Held... 
 
Seit des großen Erfolges von „Spider-Man“ packen die Filmstudios von Marvel immer wieder neue Comic-Superhelden aus, die das scheinbar nimmersatte Publikum auch immer wieder herzlichst an den Kinokassen begrüßt. Der Hype will nicht abbrechen, und so gibt es immer mal mehr oder weniger konstruierte Helden zu sichten, immer mal düstere und buntere, tiefsinnigere und oberflächliche, die komplette Palette an Eigenschaften wurde bereits abgegrast. Der nicht verfilmten Helden aus den kunterbunten Printmedien gibt es noch zu genüge.

„Iron Man“ versucht sich in der Nische des etwas erwachseneren Stoffes seines Sub-Genres, scheitert streng genommen aber ebenso wie das viel zu verspielte „X-Men“-Universum an der selbst gesetzten Messlatte. Bislang gelang es meiner Meinung nach ohnehin erst mit „The Dark Knight“ einen Superhelden möglichst erwachsenengerecht auf die Leinwand zu bringen. Ob das zwingend sein muss, sei einmal dahin gestellt, schließlich wurden all diese Figuren für eine Leserschaft mit kindlicher Phantasiewelt überhaupt erst erfunden. Aber man versucht es immer wieder mehr zu sein als der schlichte Jugend-Film, so auch im hier besprochenen Werk.

Leider scheitert dieses Vorhaben trotz aktuellem politischen Bezug allein schon an den Figuren, deren Charaktere entweder zu oberflächlich oder zu sprunghaft aufgegriffen werden, um sie als Erwachsene ernst nehmen zu können. Sei es die von der talentierten Gwyneth Paltrow gespielte Assistentin Starks, die wie eine Edelnutte für ihren Herren und Meister alles tut (außer Sex, vielleicht doch kein so guter Vergleich), obwohl sie weiß, was ihr Chef für ein Arschloch ist. Heimlich himmelt sie ihn dennoch an. Mag sein, dass sie den guten Kern in Stark erkennt, bevor er ihn selbst erkennt, aber das wird wenn nicht sonderlich gut herausgearbeitet.
Stark selbst ist ein viel zu selbstverliebter, egomanischer Charakter, als dass man ihm den Wandel zum Weltverbesserer tatsächlich abkauft. Wie gesagt, ist es Kleinkrämerei darüber zu maulen, wenn man bedenkt aus welchem Medium all diese Figuren aufgegriffen wurden. Aber man sieht dem Film immer wieder an wie reif er sich geben will inmitten eines Genres das an den Kinokassen ohne großes Bummbumm und teurer Computereffekte keine Chance mehr bekommt. Da beißt sich der Fuchs in den Schwanz.

Zumindest hielt man sich in etwa an das Rezept der „Spider-Man“-Filme. Die Geschichte wird ironisch erzählt, was sich z.B. an dem aus dem Film mit dem arachniden Helden übernommenen Part erkennen lässt, in welchem wir zunächst eine höchst peinliche Variante des Superheldenkostüms präsentiert bekommen, bevor das wahrhaftige fertiggestellt ist. Selbst der Superheldenname Iron Man erhält in Bezug auf das tatsächliche Material, aus welchem der Anzug besteht, durch die zeitliche Überholung einen netten, kleinen Seitenhieb. Von dieser augenzwinkernden Erzählweise einmal abgesehen gibt es weitere Übereinstimmungen mit Spidie: Hauptcharaktere erfahren einen wichtigen Wandel durch ihre Berufung, es gibt Verrat auf sozialeigener Ebene und es ergibt sich eine Liebschaft, die unerreichbar scheint.

Der Parallelen gibt es genug, aber zünden will „Iron Man“ nicht so sehr wie der Spinnenmann. Sicherlich fällt die Identifizierung mit einem verzweifelten Teenager leichter als mit einem verwöhnten Großindustriellen. Aber das allein ist nicht der Grund warum sich Regisseur Jan Favreaus Ausflug ins Superhelden-Kino nicht so flüssig schaut wie sein jugendlicher Vorgänger. Ich denke es liegt in erster Linie daran, dass sich „Iron Man“ viel mehr dem Action-Genre zuwendet und den Dramenbereich zu weit herunter schraubt, um tatsächlich mehr als oberflächliches Interesse für den Stoff entfachen zu können.

So ist „Iron Man“ zwar ein unterhaltsamer Film, aber auch ein austauschbarer, einer, der einen nicht genug begeistern kann, um tatsächlich als besonderes Erlebnis in Erinnerung zu bleiben. Der Streifen ist nicht schlecht, langweilig wird es nie und manche Überraschung weiß zu gefallen, gerade eine am Schluss, welche die Regeln des Superhelden-Universums auf den Kopf stellt. Somit kann man sich „Iron Man“ ruhig einmal geben, aber das groß Kino-Event ist er in meinen Augen nicht geworden.  OFDb

Nachtrag:
Mit "Spider-Man" konnte "Iron Man" auch bei meiner zweiten Sichtung nicht mithalten, und so gut wie die beiden Fortsetzungen "Iron Man 2" und "Iron Man 3" ist die Entstehungsgeschichte des fliegenden Stählernen auch nicht ausgefallen, aber nett unterhalten habe ich mich definitiv gefühlt, zumal ich den zu strengen Blick von einst abgelegt habe, den Ego-Charakter des Helden mittlerweile mag (sicherlich auch durch die Kenntnis jeglicher Nachfolger des Streifens, in welchen die Figur verkörpert von Robert Downey, Jr. involviert war) und mit weniger Erwartungen an den Film herangegangen bin als vor über 10 Jahren. Zwar weiß das Zwischenmenschliche nie genug anzustecken, als dass man in der Gefühlswelt Starks aufgehen könnte, aber die Geschichte um Verrat, Krieg, Machtmissbrauch und Selbstlosigkeit weiß zu gefallen, der relativ simple Endgegner reicht für einen Einstiegsfilm aus, und der erwachsene Beginn im Kriegsgebiet sucht im Marvel-Universum seinesgleichen.

24.07.2012

A SCANNER DARKLY (2006)

In 7 Jahren wird die Droge Substanz T viele Menschen süchtig machen. Fred arbeitet Undercover, um mehr über die Herkunft des Produktes zu erfahren. Doch dafür muss er Substanz T selber nehmen, und so nach und nach verliert der Mann die Fähigkeit zwischen Realität und Einbildung zu unterscheiden...

T-Kapsel anstatt T-Aktie...
 
Woody Harrelson und Winona Ryder sind bereits zwei namentlich bekannte Zugpferde dieses Projektes. Bedenkt man jetzt noch, dass Robert Downey, Jr. in einer dominanten Rolle mit an Bord ist und Keanu Reeves gar den Part der Hauptrolle übernahm, dann wird die Frage erlaubt sein warum „A Scanner Darkly“ solch ein stilles Dasein im Bewusstsein der Filmliebhaber führt. Sollten sich bei den beiden letztgenannten Stars nicht gerade die Frauen auf diesen Film stürzen?

Die Antwort lautet nein, denn der von Richard Linklater inszenierte Film ist ein Science Fiction, ein Genre welches beim weiblichen Geschlecht meist Desinteresse auslöst. Und zudem ist er auch noch ein durch Animation optisch entfremdeter Film, sprich der Streifen wurde real gedreht und dann wurde munter farblich drübergepinselt. Der besagte Stil hat seine Wirkung, denn auf der einen Seite wird „A Scanner Darkly“ damit vordergründig zum Animationsfilm, gleichzeitig entfremdet er die Realität nicht all zu stark, so dass Menschen und Umgebung sehr realistisch bleiben, Stars als solche wiederzuerkennen sind und damit ein ungewohnter Mix entsteht: Zeichnung und Realaufnahmen, man glaubt beides zugleich zu erleben.

Dieser Kniff passt psychologisch hervorragend zur Geschichte, die schließlich von Wahn und Wirklichkeit erzählt und dem Verlieren der Fähigkeit beides unterscheiden zu können. Durch die Droge ausgelöste Halluzinationen, die lediglich durch Zeichentrick eingearbeitet werden und nicht mehr das wirklich Dargestellte überpinseln, geben der optischen Herangehensweise ihre zweite Existenzberechtigung, auch wenn es nur selten zu einer solch phantastischen Sequenz kommt.

„A Scanner Darkly“ blickt lediglich in eine sehr nahe Zukunft, dementsprechend ist unsere Welt in der Wirklichkeit der Geschichte noch deutlich zu erkennen. Linklater serviert uns keine völlig fremde Zukunftswelt. Er zeigt uns das Heute, welches durch eine gewaltige Droge in die Mülltonne gekloppt wurde. Parallelen zu „RoboCop“ sind durchaus vorhanden. Dabei stammt die literarische Vorlage vom Science Fiction-Autor Philip K. Dick, dem wir andere Filme verdanken, so z.B. „Minority Report“, „Die totale Erinnerung“ und „Blade Runner“, alles Geschichten über eine Gesellschaft in der Zukunft, die kritische Rückfragen auf die Gesellschaft von heute wirft.

Somit reiht sich „A Scanner Darkly“ passend in die Schaffenswelt von Dick ein. Leser seiner Werke behaupten gar, dass der hier besprochene Streifen seinen Printmedien am ehesten entspräche, während die berühmteren Vertreter aus dem Kino wohl stark abgewandelt wurden. Ich kenne seine Bücher nicht und kann mich dementsprechend nur am Film selbst orientieren, und der ist, was Linklaters Werk betrifft, nicht uninteressant ausgefallen.

Man muss schon betonen, dass „A Scanner Darkly“ aufgrund seiner Optik, seiner Geschwätzigkeit und dem wenigen was inhaltlich tatsächlich passiert, schon recht anstrengend zu gucken ist. Einige Zeit fragt man sich, wofür das Ganze nun gut sein soll. Lohnt sich das Investieren von so viel Geduld? Aber noch bevor man von einer wirklich guten Geschichte sprechen kann, ist man drin in der Erlebniswelt der Protagonisten. Leergeschwätz wird interessant, da es die Lebensweise der Figuren auf tragikomische Art wiederspiegelt. Und nach und nach kristallisiert sich auch die Geschichte aus diesen ganzen Nichtigkeiten heraus.
 
Man kann jetzt nicht von einem „Spiel mir das Lied vom Tod“ sprechen, in welchem die vom Zuschauer Geduld erfordernde Erzählweise sich langsam zu einem inhaltlich wertvollen Produkt entfaltete. „A Scanner Darkly“ hätte seinen Hauptteil der Geschichte auch stark straffen können, und den zu kurz kommenden, interessanter werdenden Part der letzten 15 Minuten früher einbringen und damit stärker vertiefen können. Aber eigentlich gefällt mir die gewählte Umsetzung Linklaters, eines Regisseurs der mal mit Filmen wie „School Of Rock“ auch simple Themen gekonnt umzusetzen weiß, manchmal aber auch anspruchsvollere Projekte wie „Fast Food Nation“ in den Sand setzt.

Wer dran bleibt wird brav belohnt mit einem interessanten Storytwist in der letzten viertel Stunde. Erst dort wird klar, was das alles sollte, und warum die Geschichte so erzählt wurde wie sie es wurde. Dies und die Art wie „A Scanner Darkly“ schließt hätte Lust und Möglichkeiten auf eine Fortsetzung gegeben. Ich weiß nicht ob eine solche ursprünglich geplant war, aber dem Film wurde nicht der Erfolg beschert wie den namentlich bekannteren Verfilmungen nach Dick. Spätestens daran dürfte ein Sequel gescheitert sein. Schaut man sich aber den Schluss des Streifens an, der ein persönliches Anliegen erkennen lässt sich für exakt diese Geschichte entschieden zu haben, kann man durchaus davon ausgehen, dass „A Scanner Darkly“ schon immer als Underground-Projekt geplant war und man sich scheinbar nie ernsthaft voreilig mit der wirtschaftlich interessanten Frage nach einer Fortsetzung auseinandergesetzt hat.

Dem Film-Fan kann es egal sein. Der kann, sofern er Werken abseits des Mainstreams nicht abgeneigt ist, mit „A Scanner Darkly“ sicherlich seinen Spaß haben. Optisch ist er interessant ausgefallen, inhaltlich manchmal arg steril, deswegen aber nicht zwingend langweilig. Action kommt niemals auf. Die komplette Geschichte findet auf sehr ruhigem Wege statt.  OFDb