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13.04.2019

DER BEWEGTE MANN (1994)

Die auf den Ralf König-Comics "Der bewegte Mann" und "Pretty Baby" basierende Komödie "Der bewegte Mann" war in Deutschland ein großer Überraschungserfolg an den Kinokassen und genießt auch heute noch einen ausgesprochen guten Ruf, und ich finde den besitzt sie zu recht. Der Film ist in seiner hochgradig guten Besetzung, die selbst ignorante Gestalten wie Til Schweiger-Hasser gut heißen müssten, charmant ausgefallen, besitzt ebenso wie die Comicvorlage eine hervorragende Pointensetzung und ist von seiner Geschichte her einfach ein Glücksgriff, der sich zu erzählen lohnt. Im Gegensatz zur Printvorlage wird das Geschehen etwas weniger provokant thematisiert und sympathischer vorgetragen, besetzt und beendet, aber in diesem Punkt ist die Geschichte um die kurzfristige WG zweier sexuell verschieden orientierter Männer ein Lehrstück wie anders unterschiedliche Medien funktionieren. Während der direktere Ton dem Comic besser steht, gibt man den Verantwortlichen des Filmes in den vorgenommenen Änderungen Recht, da der Streifen mit diesen runder läuft, ohne auf das Massenpublikum angepasst zu wirken.

Allerdings sollte man sich nicht vertun. Mag der Humor mit Kenntnis auf Sönke Wortmanns Vorgänger-Werke "Kleine Haie" und "Allein unter Frauen" auch geradezu nach dessen Handschrift aussehen, so sind viele der großen und kleinen Lacher des Filmes tatsächlich bereits im Comic vorhanden, so dass man dieses wahrlich unterschätzen kann. Das sollte man aber ohnehin nicht, präsentiert es, ebenso wie der Film, doch nicht einzig eine schlicht vor sich her erzählte Geschichte, die einzelne Punkte mal eben so nacheinander abarbeitet, sondern stattdessen einen durchdachten Plot mit pfiffigen Ideen, gekonnten Wendungen, interessanten wie liebenswerten Charakteren und in seiner zweigeteilten Geschichte einen guten Aufbau aufeinander und eine treffsichere Kompatibilität beider Hälften. Die beiden Hauptdarsteller Til Schweiger und Joachim Król sind ein Glücksgriff um dieses theoretisch so großartige Konzept nahe an die Perfektion zu geleiten, und Nebendarsteller wie Rufus Beck und Armin Rohde verzuckern das Ganze noch in einem skurrilem Ton, jeder wie die Faust aufs Auge zur konzipierten Rolle passend, und damit der Festlegung Wortmann zum Regisseur dieses Projektes zu machen in dieser Treffsicherheit in nichts nachstehend.

Gleiches gilt für den Humor, der auf mehreren Ebenen gekonnt zu funktionieren weiß. Hemmungsloses Herumalbern und empathische Tragikomik, die das fertige Werk jedoch nie zur Tragikomödie werden lassen, laufen gekonnt Hand in Hand und dürften wahrlich nur Humorlegastheniker nicht schmunzeln lassen, so herzerfrischend witzig wie die irrtümlich schlicht anmutende Geschichte ausgefallen ist. "Der bewegte Mann" lässt sich immer wieder gucken, schaut sich keineswegs in seinem Jahrzehnt feststeckend und hat das Herz am rechten Fleck, so gut wie hier Tragik in dritter Reihe parkend den Humor gehaltvoll zu unterstützen weiß und damit aus dem erreichten Produkt keine hohle Gagparade macht oder einen tuntig anmutenden, anbiedernd schrillen Schwulenfilm. "The Turbulent Man" (Alternativtitel) ist eine geistreiche Komödie mit psychologischem und empathischen Verständnis für Figuren und Situationen, vortrefflich mit Offenheit für Andersartigkeit umgehend, auch im Alltag ungern gesehene Eigenschaften betreffend. Er teilt entlarvend nach allen Seiten aus, ohne dabei zu verurteilen oder zu sanft vorzugehen, sondern versucht erfolgreich inmitten einer übertriebenen Comicatmosphäre alles ein wenig alltäglich und lebensnah einzufangen. Dass derartiges beim Folgefilm "Kondom des Grauens" ausblieb, mach deutlich dass man damals scheinbar dachte, der Erfolg des hier besprochenen Filmes wäre einzig der Comicvorlage und ihrem lauterem Humor zu verdanken. Somit muss es nicht verwundern, dass der Schwulen-Krimi nicht im Ansatz so erfolgreich ankam wie das Liebhaberstück für Freunde treffsicherer Komik, welches Wortmann uns beschert hat.  OFDb

30.04.2016

BANG BOOM BANG - EIN TODSICHERES DING (1999)

Mit „Bang Boom Bang“ startete Regisseur und Autor Peter Thorwarth seine Ruhrpott-Trilogie. Die Verspieltheit unnötiger Abschweifungen, welche dem Plot erst den nötigen Charme beschert, ist noch nicht so ausgereift wie im Folgewerk, aber bereits hier Trumpf, die dort so enorme Gag-Dichte hingegen im Erstling überhaupt nicht nötig, lebt der Film doch hauptsächlich von seinen witzigen Charakteren, und besitzt „Bang Boom Bang“ im Gegensatz zum Baustellenfilm doch eine unglaublich pfiffig erzählte Geschichte, die gekonnt über Umwege erzählt wird und deren Fäden sich nach und nach immer deutlicher zu einem Gesamten verdichten.

Ich habe keine Ahnung wie es Thorwarth geschafft hat für seinen ersten Langfilm so viel Prominzenz an Bord zu holen, sieht man aber mit wieviel Freude an deutschen Klischees sie ihre Charaktere geradezu verspielt zum Leben erwecken, erkennt man wie gut allen das Projekt gefallen haben muss. Diether Krebs mimt den als Chef geborenen Oberproll Kampmann, Lindenstraßen-Benny Christian Kahrmann spielt dessen herrlich dümmlichen Sohn, eine Rolle die er noch zwei Mal wiederholen sollte, Ralf Richter spielt fern jeder Realität völlig überzogen den aggressiven Oberasi, und man dankt es ihm, und Martin Semmelrogge muss man in seiner grandiosen Darbietung des tragikomischen Verlierers Schlucke erst einmal erkennen, so wunderbar erbärmlich wurde er von der Maske zurecht gemacht.

Sie zusammen mit den eigentlichen Helden des Filmes, gespielt von Oliver Korittke und Markus Knüfken, sowie diversen Gaststars, von welchen das herrlich absichtlich schlechte Schauspiel von Til Schweiger der witzigste Part darstellt, hauchen der intelligent erzählten Geschichte voller skurriler Situationen, charmanter Unmöglichkeiten, deutscher Charaktere der Moderne und Ganovenklischees Leben ein und formen es zu einem Liebhaberstück der deutschen Komödie, das nicht zufällig zu einem Kultfilm wurde.

Thorwarth beherrscht die perfekte Mischung aus Gangsterstory, lautem und leisem Humor, dem nötigen Hauch Dramatik und dem Gefühl für interessante Charaktere und Situationen, so dass die eigentlich so stillos klingende Story um einen Haufen Asis und Proleten zu einem niveauvollen komödiantischen Erlebnis wird, in einer Verspieltheit umgesetzt wie die damaligen Kinofilme Hallervordens. „Bang Boom Bang“ dürfte den meisten Zuschauern besser munden als der etwas spezieller ausgefallene Folgefilm „Was nicht passt, wird passend gemacht“, bietet er doch sowohl etwas für Sonderlinge und große Kinder, als auch für den Massengeschmack. Ein Hauch Mainstream weht dennoch nie, dafür besitzt die Erzählung zu viel Persönlichkeit.  OFDb

07.02.2016

KILLER BEAN FOREVER (2009)

Bereits die Eingangssequenz macht schnell deutlich welcher Wind durch diesen computernanimierten Zeichentrickfilm weht. Da werden Kaffeebohnen mit Ärmchen und Beinchen als Sinnbild für schwarze Amerikaner eingesetzt, und sie tanzen in äußerst billiger Animation obercool zu schlechter, lässiger Musik. Kurz darauf werden sie vom Helden des Streifens massakriert, was deutlich macht dass hier das Action-Genre aufs Korn genommen werden soll.

Echter Komik steht jedoch der endlose Drang nach Coolness im Weg, und so wird „Killer Bean Forever“ eher zum Spiegelbild als zur Parodie des Genres, denn was verarscht gehört wird anbetend zelebriert. Das wäre ohnehin schon ein plumper Ansatz, aber da die Schauwerte amerikanischer Actionfilme immitiert werden, steht dem Streifen die schlechte Animation um so mehr im Weg, ein Zeichenstil der sich einzig bei Autos Mühe gibt, während Figuren und Hintergründe schlicht und langweilig ausgefallen sind. Die Münder, die auf dicke Lippe machen wollen, sehen eher aus wie Schnäbel, so dass die ollen Killerbohnen eher wie hässliche Angry Birds aussehen.

So vergeht einem schnell die Lust bei diesem uninspirierten Stück Zeichentrickfilm. Zwar konnte man in der deutschen Fassung die Synchronstimmen von Bruce Willis, Til Schweiger und andere berühmte Sprechern gewinnen, aber selbst die lassen keine wahre Ironie beim Aufsagen ihrer Texte aufkommen und fügen sich stattdessen feige in das sich viel zu ernst nehmende Gesamtbild ein, das viel zu mutlos ist um wahre Lacher zu ernten.

Den Jüngsten könnte dieses schlechte Stück Film aufgrund des ungeschulten Blickes noch gefallen, aber für die ist das Werk viel zu brutal und fragwürdig ausgefallen. Die FSK ordnete den Streifen schließlich gerechter Weise der FSK 16 zu. Nur dass 16jährige, die auch nur halbwegs etwas auf dem Kasten haben, dem coolen Treiben der harten Schwarzen sicherlich auch nur ein müdes Achselzucken entgegensetzen können und den Streifen bereits in ihren jungen Jahren als Kinderkacke empfinden müssten. Müde und bemühte Wortspiele wie „Es interessiert ihn nicht die Bohne“ unterstreichen diesen Eindruck.

Einfallsreich sieht anders aus. „Killer Bean Forever“ ist ein schlecht animierter, lahmer Zeichentrickfilm der seine Vorbilder zwar fleißig studiert hat, letztendlich aber keine Parodie sondern ein animierter Actionfilm ist. Das ginge jedoch nur bei guter Animation, einfallsreichen Sprüchen und wesentlich mehr Talent in Ordnung. „Killer Bean Forever“, den man fast schon als Soloarbeit von Regisseur Jeff Lew bezeichnen kann, ist verschenkte Lebenszeit und lädt lediglich zum Fremdschämen ein.

Der Film basiert übrigens auf den Kurzfilm „Killer Bean 2 - The Party“, der ebenfalls von Jeff Lew inszeniert wurde und so wie der hier besprochene Streifen mit einem Massaker aufgrund von Ruhestörung beginnt. Ob es einen Teil 1 gibt oder die 2 im Titel bereits als Gag gedacht ist, weiß ich nicht. Ich kenne den Kurzfilm nicht, und nach der Langfassung werde ich mir diesen auch garantiert nicht antun.  OFDb

10.01.2016

HONIG IM KOPF (2014)

Objektiv betrachtet kann man „Honig im Kopf“ so einiges vorwerfen. Er verschönt Momente und spielt oftmals fern der Realität. Der Film von Til Schweiger ist nicht halb so authentisch erzählt wie „Sein letztes Rennen“, jener Film mit Dieter Hallervorden, der Schweiger überzeugte dass nur er der richtige Mann für die Rolle des Amandus ist. Es ist nicht schwer „Honig im Kopf“ als weiteres Beispiel zum Schweiger-Bashing zu nutzen, wenn man mit dieser Art Film nichts anfangen kann.

Ich mag Schweigers Werke in der Regel, unterschätze ihn ebenso wenig wie ich ihn auch nicht überschätze, und ich weiß welche Art Film der oft missverstandene Mann dreht. Er dreht Kino, Märchen für Erwachsene - sicher welche mit bodenständiger Thematik, die es einem manchmal schwer machen zu akzeptieren dass immer wieder das ein oder andere verschönt wird, aber trotzdem Filme welche die Emotionen ansprechen. Das zieht sowohl beim gedankenlosen RTL-Publikum, das Kitsch mit wahrer Dramaturgie verwechselt, es funktioniert aber auch beim Träumer der sich der Realität bewusst ist und aus dieser auch mal flüchten möchte, auch wenn das widersprüchlich klingen mag bei solch ernster Thematik.

„Honig im Kopf“ berührt. Er lässt einen nicht kalt. Er bringt einen zum weinen. Und diese Wirkung kann man nicht ignorieren, wenn man über ihn sprechen möchte. Dieser Reaktion muss man sich ehrlich stellen. Und man muss diesem Werk eingestehen dass völlig unreflektierter Kitsch diese Wirkung beim Publikum nie erreicht hätte, dass Schweiger sehr wohl bewusst ist was er erzählen möchte. So verschönt manche Momente auch sind, es geht Schweiger um das Menschliche, um das was im Alltag oft verloren geht. Und dem hat sich die Realität in seinem Film manches Mal unterzuordnen, zumal uns „Honig im Kopf“ ebenso wie „Kokowääh“ von dem Traum erzählt was das Wort Miteinander bedeuten kann.

Und das ist kein völlig realitätsferner Traum. Wir lassen ihn im Alltag nur nicht zu, da wir Nichtigkeiten für Wichtigkeiten halten. Und die Realität hält uns davon ab dieses emotional starke Miteinander einzugehen. Wir lassen uns von Medien und anderen Mitmenschen Probleme einreden anstatt einfach unserem Instinkt zu folgen. Schweiger ist ein Romantiker des selbstbestimmten und selbstbewussten Lebens. Davon handeln viele seiner selbstgeschriebenen Filme. Und „Honig im Kopf“ macht dies besonders deutlich, wenn die Lösung des Problems doch so offensichtlich ist - wenn auch diesbezüglich wieder einmal eine Spur zu schön gemalt.

Um die harte Realität einzelner Szenen, die der Regisseur bewusst wegblendet, müssen sich andere Filmemacher kümmern. Sie passen nicht ins Bild von „Honig im Kopf“, würden das Konzept ruinieren, ein Rezept das keinesfalls vom Zuschauer erwartet dem Treiben geistlos zu folgen. Aber Schweiger möchte dass der Zuschauer seine Arroganz, seinen Stolz und seine Vorurteile ablegt und sich einfach einmal für zwei Stunden einer solchen Thematik anders nähert, menschlich nähert, emotional nähert, auch wenn Schweiger dafür einige manipulative Hebel in Bewegung setzt.

Aber das tut ohnehin jeder Kinofilm. Der eine etwas plumper, der andere etwas geschickter. Schweiger mag da eher Grobmotoriker sein, aber mit dem Herz am rechten Fleck. Man spürt trotz aller manipulierender Methoden, die den Zuschauer beeinflussen sollen, dass ihm das Thema wichtig ist, und dass die Aussagen so gemeint sind wie sie ankommen. „Honig im Kopf“ ist keine Heuchelei, aber das entdeckt man erst, wenn man den kühlen Intellekt ausgeknippst hat, der beim Sichten anderer Art Werke von Vorteil sein kann.

Dank besagter Herangehensweise und der geglückten Besetzung mit dem ohnehin schon immer unterschätzten Dieter Hallervorden und einer sympathischen Emma Schweiger, die seit ihrem letzten Film von und mit Herrn Papa viel dazu gelernt hat, ist aus „Honig im Kopf“ eine herzzerreißende Tragikomödie mit Schwerpunkt im Dramabereich geworden, die nur einem völlig verkopften Publikum nicht nahe gehen kann. Schweigers gemeinsamer Film mit Hallervorden rührt zu Tränen, insbesondere immer dann wenn die Hauptfigur ebenfalls weinen muss. Bei solch schönem Ergebnis schaue ich über die Übertreibungen, die eigentlich selbst durch den komödiantischen Aspekt nicht entschuldigt werden können, gütigst hinweg. Denn wenn ein Film emotional wie dieser hier ausfällt, dann lasse ich mich auch gerne mal manipulieren.  OFDb

05.04.2015

MUPPETS MOST WANTED (2014)

Ich war von dem Versuch Hensons Filzpuppen wieder auf die Kinoleinwand zu bringen nicht sonderlich begeistert. „Die Muppets“ war zu brav, zu anbiedernd, ein typisches kalkuliertes Produkt, mittendrin badend in der Political Correctness, die ich so verabscheue. Dementsprechend bin ich mit geringen Erwartungen an die Fortsetzung, dem mittlerweile 8. Kinofilm der Puppen, herangegangen. Dass ich trotzdem ein wenig Hoffnung hatte der Film könne etwas taugen lag zum einen an der Geschichte, die äußerst reizvoll klang und zum anderen an Ricky „The Office“ Gervais, der den menschlichen Hauptpart übernahm und den ich für seine Komik und sein schauspielerisches Talent sehr schätze.

Und was soll man sagen? „Muppets Most Wanted“ ist nicht nur wesentlich charmanter ausgefallen als sein träger Vorgänger, er ist trotz mancher Schwachstellen sogar einer der unterhaltsamsten Filme der Filzpuppen geworden. Das böse Kermit-Double hat eine derart fiese Fresse, dass ich noch bis hin zu seinem letzten Auftritt über dessen Mimik lachen konnte, so gelungen ist diese ausgefallen und macht somit viel am Gesamtergebnis des Streifens aus. Auch bekommen die Nebenfiguren viel mehr Beachtung geschenkt als im Vorgänger, gerade Adler Sam hat eine herrliche Nebenrolle ergattern können. Lediglich die in den 90er Jahren durch „Muppets Tonight“ neu hinzugestoßenen Puppen huschen wenn überhaupt nur mal kurz durchs Bild. Das ist schon schade, allein Andy und Randy Pig sowie der Bär Bobo haben ein ungeheures Humorpotential zu bieten auf welches der aktuelle Kinofilm komplett verzichtet.

Zudem fehlt „The Muppets 2“ (Alternativtitel) etwas, das den meiner Meinung nach besten Muppetsfilm „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ so viel Rückhalt gegeben hat: gute Songs. Dass die Puppen singen ist ein Übel das jeder Film mitträgt, aufgrund des Ursprungs der Helden, „Die Muppet Show“, gehört es freilich trotzdem irgendwie mit dazu, ob man es mag oder nicht. Aber bislang hat es nur die Muppets-Verfilmung von Dickens Weihnachtsgeschichte geschafft gelungene Lieder hervorzubringen. Trotz der eher uninteressanten Songs im hier besprochenen Film haben die Musikszenen denen des Vorgängers „Die Muppets“ trotzdem eines voraus: sie sind in die Geschichte eingebunden und nicht lediglich zur reinen Selbstdarstellung der menschlichen Darsteller gedacht. Die einzige negative Ausnahme diesbezüglich bildet der Gastauftritt von Celine Dion, die sich selbstverliebt wie in ihrem Musikvideo zu „My Heart Will Go On“ präsentiert innerhalb einer Szene, auf die man auch hätte verzichten können.

Lustiger Weise ist sie der einzige Star der negativ auffällt, und an Gaststars hat man wahrlich nicht gespart. Til Schweiger, Christoph Waltz, Danny Trejo, Ray Liotta, sie sind alle mit dabei und mittendrin auch Newcomerin Chloe Grace Moretz, die ich nicht einmal erkannt habe. Von ihrer Anwesenheit habe ich erst im Abspann gelesen. Schade! Aber ich habe „Muppets Most Wanted“ mit Sicherheit nicht zum letzten Mal gesehen, denn er ist herrlich witzig, kurzweilig und unverkrampft ausgefallen, teilweise sogar so frech wie die urigen Werke der Filztruppe, was einem kleinen Wunder gleicht. Bei meiner nächsten Sichtung werde ich also einen Blick auf Chloe werfen.

Lediglich das Einbringen der neuen langweiligen Muppet-Puppe, die mit dem Vorgänger neu zum Muppet-Universum hinzugestoßen ist, wäre nicht nötig gewesen. Die hat dem Film nichts zu bieten außer dem Wiedererkennungswert, dass man es mit einer Fortsetzung zu „Die Muppets“ zu tun hat. Trauriger Weise war der ein Hit, sonst hätte man sich davor hüten müssen mit dem in einen Topf geworfen zu werden. Andererseits hat dessen Erfolg erst die hier besprochene Fortsetzung ermöglicht, ein weiterer Grund warum man über die geglückte Stil-Verschiebung so überrascht sein darf. Danke dass „Muppets Most Wanted“ kein Klon seines Vorgängers wurde, sondern ein Streifen mit Charakter und dem Verständnis der Figuren, die er sich aus den 70er Jahren entliehen hat. Jetzt kann man nur noch hoffen dass Bobins zweite Regiearbeit eines Muppetfilms erfolgreich genug für eine weitere Fortsetzung war.  OFDb

11.01.2015

KOKOWÄÄH 2 (2013)

Es ist schon ein Leid mit Til Schweiger. Gerne wird auf der Seite von Filmfreunden gegen ihn gehetzt, da er sich eher der Massenware verschrieben hat. Dabei hat er ein Händchen für Projekte, die aufgrund ihrer Sympathie erfolgreich sind und nicht allein aufgrund ihrer Berechenbarkeit. Leider belässt es Til nach einem Erfolg nicht dabei. Hat er schon seinen sehr süß erzählten „Keinohrhasen“ die völlig unnötige Fortsetzung „Zweiohrküken“ beschert, die einfach nichts zu erzählen hatte, so hat er Gleiches nun dem besseren Werk „Kokowääh“ angetan.

Die Geschichte von „Kokowääh“ wäre interessant fortzsetzen gewesen, ganz im Gegensatz zu „Keinohrhasen“. Was hätte man da alles erzählen können! Und für was entscheidet sich Til? Für eine Fortsetzung die alles und nichts erzählt, keine interessanten Schwerpunkte setzt, mit liebgewonnenen Charakteren lustlos jongliert und sie nach Lust und Laune verändert, so wie man sie gerade für die nächste Situation benötigt. Das könnte man vielleicht noch bei einer Vorabend-Serie gut heißen, nicht aber bei einem Kinofilm, von dem klar war dass er aufgrund des Erfolges von Teil 1 viele Zuschauer in die Lichtspielhäuser locken würde.

Sicherlich hat „Kokowääh 2“ auch seine angenehmen Momente, allein dass Schweigers Tochter nun noch natürlicher wirkt als in Teil 1 ist schon das Zuschauen wert, wobei ich das Gefühl hatte dass es gar nicht so viele Magdalena-Szenen gab die eine Nennung zur zweiten Hauptrolle rechtfertigen könnte. Vielleicht täuscht das aber auch nur aufgrund der vielen unnötigen Sub-Plots, die nirgendwohin führen. Vieles wirkt zu aufgesetzt. Allein was mit der Rolle des Tristan angestellt wurde, die ihn nur noch zum würdelosen Volltrottel degradiert, ist eine Schande. Eine selbstverliebte Nebenhandlung mit Matthias Schweighöfer, die krampfhaft versucht darzustellen wie sehr der beliebte Schauspieler über sich selber lachen kann, geht gewaltig auf die Nerven und mag es noch so ehrlich gemeint sein, wovon ich ausgehe.

Umgekehrt sind es bei all den aufgesetzten Momenten die eigentlich kitschigen, die zu gefallen wissen. Das muss ich eingestehen. So ist der Schluss z.B. sehr süß erzählt, auch wenn es sicherlich nicht der Traum einer 9jährigen ist eine romantische Hochzeit mit einem Jungen ihres Alters zu spielen. Aber was soll man klagen, wenn es auf der Leinwand doch zu wirken weiß?

Vielleicht hätte „Kokowääh 2“ als leichte, nichts zu erzählende Fortsetzung noch hingehauen, wenn Schweiger wenigstens ein bisschen an dramatischen Zutaten gespart hätte. Spätestens der Beischlaf zwischen zwei liebgewonnenen Figuren wirkt völlig fehl am Platz und hemmt die Leichtigkeit, die sonst, Probleme hin oder her, über dem Projekt schwebte.

Mir persönlich wäre es lieber gewesen erzählt zu bekommen wie sich beide Väter nun in einer zur Alltag gewordenen Situation miteinander arrangiert bekommen. Da bot der Schluss von Teil 1 doch schon einige anregende Ideen. Es wäre vielleicht auch interessant gewesen erzählt zu bekommen, ob Magdalena vielleicht Probleme mit dem Mann bekommt, der gar nicht ihr Vater ist. Eine lebensnahe Geschichte wäre wünschenswert gewesen, gerade nach Teil 1 der, Happy End und Massengeschmack hin oder her, sich doch recht natürlich angefühlt hat. Er wirkte wie ein Herzensprojekt von Til Schweiger. Das Zusammenspiel zwischen ihm und seiner Tochter wusste zu wirken, teilweise die Dimension der Leinwand sprengend, da man als Zuschauer ja wusste, dass das Verwandschaftsverhältnis der beiden Hauptrollen der Wirklichkeit entsprach.

Sicherlich ist eine Fortsetzung immer eine rein rechnerische Sache. Sie soll Geld für interessantere Filmprojekte einspielen. Vielleicht ist es gut, dass Emma Schweiger dies zu Beginn ihrer Karriere vom Vater früh lernt um die Materie im Gesamten zu begreifen. Ich verstehe nur nicht, wie man „Kokowääh 2“ so extrem lieblos dahinschludern konnte, wo doch so viel mehr möglich gewesen wäre, vielleicht noch ein paar Jahre wartend um von der etwa 12 jährigen Magdalena zu erzählen. Leider hat diese Fortsetzung eines wunderschönen Filmes so gar nichts zu erzählen, bzw. sie will nichts erzählen. Sie täuscht Erzählung vor, indem sie uns bekannte Figuren etwas anderes erleben lässt, so banal es auch sei.

Ich kann das noch bei einer Fortsetzung wie „Zweiohrküken“ verstehen, auch wenn ich bereits dort enttäuscht von der Penetranz war, wie plump man Erfolge weitererzählen kann, ohne echte Ambitionen. Aber wieso musste „Kokowääh“ ein solch uninspirierter Schnellschuss von Sequel beschert werden? Anhand der Ausgangsposition von Teil 1 hätte es doch so viel natürliches zu erzählen gegeben, ohne die ganzen Figuren um 180 Grad zu drehen. Bei solch einfallslosen Fortsetzungen braucht es nicht wundern, dass so viele ignorante Kinogänger irrtümlich glauben Til Schweiger könne es nicht besser.  OFDb

07.01.2015

KOKOWÄÄH (2011)

Es schaut sich entspannend Klischee-frei wie Til eine nicht selten erzählte Geschichte um ein plötzliches Kind erzählt bekommt, gerade wenn man den US-Markt im Kopf hat, mit dem man in der Regel bei Familienstoffen zugebombt wird. Nicht dass „Kokowääh“ frei von Kitsch wäre, aber dieser Kitsch kommt ganz natürlich mit dem Erzählten auf, lässt Co-Autor, Regisseur und Hauptdarsteller Til Schweiger seine Geschichte doch einfach geschehen, zugegeben im Feel Good-Modus ohne schmerzhafte Problematiken, aber genau das macht seine Komödie um einen überforderten Vater letztlich gerade aus.

Ein wenig musste ich mich an Tils Tochter Emma gewöhnen, welche die Magdalena mimt. Ähnlich wie der Herr Papa gehört deutliche Aussprache nicht gerade zu ihren Vorzeigetalenten. Und die passive Art in der sie zunächst eingebracht wird ist ungewöhnlich zu nennen. Aber auch dies funktioniert letztendlich alles und gehört schlussendlich mit zur authentischen Aura des Streifens. Am Ende empfand ich die Leistung der Kleinen als sehr glaubwürdig und altersgerecht, und darauf kommt es letztlich an. Ihr Niedlichkeitsfaktor liegt nicht über einem erträglichen Wert, was „Kokowääh“ ebenso wie das Umgehen aufgezwängter Moral vom Nerv-Kitsch vergleichbarer Stoffe trennt.

Tils Gegenspieler Samuel Finzi kannte ich bislang nur aus seiner großartig gespielten Rolle als böser Stiefvater in „Delphinsommer“. Wenn man dieses Drama so oft und so intensiv gesehen hat wie ich, tut man sich zunächst ein wenig schwer diesen Mann von dieser Rolle zu trennen. Glücklicher Weise habe ich es geschafft, so dass ich sein Spiel auch hier genießen konnte, eine Rolle die toll geschrieben ist, immer hilfsbereit genug, um das Klischee des bösen Gegenspielers zu umschiffen, aber genervt genug, um Henry rein aus Prinzip nicht zu mögen. Die Gradwanderung aus glaubhaftem Schmerz und komödiantischer Leichtigkeit meistert Finzi, so scheint es zumindest nach außen, mit links, so dass seine Darstellung jener aus dem Sekten-Drama in nichts nachsteht.

Ein unverkrampftes Drehbuch und sympathische Gesichter vor der Kamera machen „Kokowääh“ zu einem angenehmen Filmerlebnis, das ich mit Sicherheit noch einmal vom Regal zur Zweitsichtung heraus nehmen werde. Der leichte Stoff ist schön erzählt, lässt sich dabei Zeit für Unnötigkeiten, die deutlich machen dass der Stoff trotz recht reibungslosem Ablauf ernst genug genommen wird. Und der Verzicht auf eine Stellungnahme wie man ein Kind zu erziehen habe tut der Komödie inmitten von Zeiten von Leistungsdruck und von vorgegebenen pädagogischen Irrwegen endgültig gut. Man fühlt sich beim Sichten regelrecht von falschen Zwängen befreit, während eine süße Geschichte einem das Herz wärmt, ohne dass man nach Ende der Wirkung das Gefühl hat sich hinterher dafür schämen zu müssen. Toller Film!  OFDb