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22.08.2025

5 völlig unterschiedliche Filme - Kurzkommentare (9)

 

Witches in the Woods (2019)

Eine brauchbare Schneekulisse, ein Mythos ominöser Hexenprozesse als aufregendes Urlaubsziel, das Ganze ruhig abgefilmt ohne Found Footage anzuwenden, das klingt doch soweit nach einem brauchbaren Horrorfilm. Aber wer schon die Keifereien der Protagonisten in "The Blair Witch Project" nervig fand, der bekommt hier die Königsübung dieser unangenehmen Unart serviert. Egoistische Menschen streiten miteinander, wirken vorher nicht als glaubwürdige Clique samt Außenseiter, und die selbstgefällige Heldin, deren Ansichten und Handlungen am fragwürdigsten sind, bekommt mit ihrer Art vom Drehbuch auch noch Recht und Verständnis zugeschrieben, so dass eine Identifikation mit ihr unmöglich wird. Ein ewiges Hinhalten bis tatsächlich mal etwas passiert in Kontrast mit heftigsten Streitereien, selbst dann noch wenn es endlich soweit ist, lassen den kanadischen Horrorbeitrag spätestens zur zweiten Hälfte hin unerträglich schauen.  OFDb 

 

Slave Dolls (2023)

Ach, was gibt man im Booklet für tolle Hintergrundinformationen über Cyberkriminalität, Menschenhandel im Darknet u.ä., so als ob den Machern des dazugehörigen Films eine Aufklärung wichtig wäre und das Drama der Betroffenen empathisch nachvollziehbar. Frei von Moral erzählt, das mag ein guter Ansatz sein, um ein derartiges Thema ernst zu nehmen, aber wie scheinbar schon verpflichtend für den Bereich des Undergroundfilms, geht es in "Slave Dolls" außerdem nur um ein dreckiges Flair, das Zeigen von Quälereien und dies alles in möglichst entfremdeter, fast unverdaulicher Optik. Zur Provokation noch viele detailreiche Bilder der Vagina einer misshandelten Frau in Großaufnahme gezeigt, und fertig ist für Minderbemittelte das Gefühl gerade Kunst zu schauen. Freilich ist das in seiner voyeuristischen, unreflektierten und rein der Provokation wegen abgelichteten Art stattdessen lediglich Schund. Schade um die wirklich schöne Mediabook-Aufmachung!  OFDb 

 

Vertraute Fremde (2010) 

Man stelle sich "Peggy Sue hat geheiratet" als Arthouse-Drama mit leichter Dosis Humor vor, dann hat man zur selben Idee einen völlig andersartigen, meiner Meinung nach noch besseren Film. In die Heimat nach etlichen Jahren zurückkehren, das was im Kopf vergangen ist nun in der Gegenwart zu erleben, allein dieser Einstieg wird nur wenigen Menschen keinen Zugang gewähren. Wenn dann noch im Bewusstsein des Erwachsenen entscheidend tragische Tage der Kindheit wiederholt werden, ist der Film in seiner unaufgeregten Art unbezahlbar. Sich seines Alters bewusst um keine Teenie-Romanze mit einer 15jährigen bemüht, die man einst aus der Ferne bewunderte, sein Wissen der Zukunft nicht ausnutzend: der Protagonist bleibt persönlich, geht keiner fixen Kino-Idee nach, erlebt die Dinge im Kleinen, die einem als Kind nicht bewusst waren oder durch die vielen Jahre vergessen und verdrängt wurden. Und so gnadenlos und verletzend die Methode der finalen Entscheidung des Vaters auch sein mag, am Ende geht es um das Verstehen fremder Entscheidungen und Empfindungen, und darum dass jeder Erwachsene seinen eigenen Weg geht. Der Weg zu diesem Bewusstsein ist äußerst berührend und empathischer, wie sachlicher Natur. Ein großartiges, sich authentisch anfühlendes Werk!  OFDb 

 

Timer (2009)

Man versucht gar nicht erst einen sachlichen Bezug herzustellen, wie das Messen des Idealpartners funktionieren soll. Zwar bleibt die im Mittelpunkt der Geschichte stehende Erfindung damit unglaubwürdig, für einen naiven Romantikfilm ist es aber wahrscheinlich besser, dass man darauf verzichtete, um sich voll und ganz jenem seichten Stoff hinzugeben, nach dem das Stammpublikum derartiger Thematik lechzt. Und da gab es schon plumpere und banalere Ergebnisse. "Timer" guckt sich eigentlich recht nett mit den beiden unterschiedlichen Frauenrollen und ihren tatsächlichen Gefühlswirrungen, zumal er gegen Ende erwachsenere Wege als erwartet geht. Dass das Tabuthema um einen jüngeren Freund einer Frau nie aufgesetzt oder moralisch als übertrieben korrekt eingebaut wird, sondern stattdessen als Selbstverständlichkeit, tut dem trivialen Werk zusätzlich gut.  OFDb  

 

Ausnahmezustand (1998)

Die muslemische Gemeinschaft interessiert in den USA und ihren Filmen kaum wen, da leistete "Ausnahmezustand" bereits drei Jahre vor dem Anschlag auf das World Trade Center fast schon Pioniersarbeit. Umso schöner ist es, dass der Respekt dieser unbeachteten Bevölkerung in Form von Popkornkino stattfindet, anstatt in einem schwermütig verkopften Drama. Der Titel bezieht sich lediglich auf die letzte halbe Stunde der Handlung. Eigentlich geht es jedoch um Terrorbekämpfung, den Wandel von Terror, und was es bedeuten würde, wenn die Angst das Handeln bestimmt und man schwer erkämpfte Freiheiten opfert um angebliche Freiheit zu erhalten. Wenige Jahre darauf zeigte die Wirklichkeit dass es dafür keines Militärs bedarf, sondern einer Regierung, die den Patriot Act durchwinkt. So oder so ist "The Siege" (Originaltitel) ein engagierter Action-Thriller, der im Gesamtergebnis allerdings doch "nur" unterhaltsam, anstatt bedeutend ausfällt.  Wiki  

30.03.2024

PLANET TERROR (2007)

Bereits der eingangs vorausgeschickte Fake-Trailer zu "Machete", einem Film, der erst aufgrund des Erfolgs von "Planet Terror" tatsächlich realisiert wurde, zeigt wie gut man sich im Gebiet des B-Movies auskannte, wird doch gefühlt jedes Klischee eines Actionfilms und eines Trailers ausgelebt, gekleidet in einem längst vergangenen Stil. Und dabei bleibt es, wenn das Hauptprogramm beginnt, das sich nicht damit ausruht einen Zombiefilm zu liefern. Dieser Bereich drängt sich fast schon an den Rand, inmitten irrer Figuren, Einfälle und Klischees, die das Geschehen von Robert Rodriguez' Film beherrschen und zum feuchten Traum für Fans des harten Trivialfilms werden. Die Härte gegenwärtiger Filme vereint sich mit dem Stil diverser Filmdekaden ab der späten 60er Jahre, munter werden Elemente diverser Genres verknüpft, Klischees derart hochgeschraubt und ad absurdum geführt, dass sie regelrecht pervertieren in einem Geschehen aus Coolness, Ekel, Sexismus, Übernatürlichem und Gewalt. Und wenn man versteht, auf was sich die absichtlich geschmacklose Chose bezieht, erkennt man in welcher Perfektion Rodriguez das alles inszeniert. 

Jedes kleinste Detail stimmt in dieser Verbeugung vor dem Schundfilm, hier wurde nichts auf die Schnelle abgefertigt. Zugang muss man dazu besitzen, um Spaß an diesem gewaltbereiten, vulgären Treiben zu haben, Perfektion hin oder her. Und während mir dies bis in die 00er Jahre hinein problemlos geglückt wäre, tue ich mich heute trotz dieses wundervollen Ergebnisses doch etwas schwer mich hier einzufinden, ist mir der Coolnessfaktor doch viel zu hochgehalten und mutet mir eine Spur zu infantil an, inmitten eines Streifens, der bewusst das perverse Kind im Manne nährt. Auch die Unnahbarkeit zu den Figuren, die tatsächlich gar nicht anders ausfallen darf als geschehen, inmitten dieses vor Skurrilitäten nur so wimmelnden, abgedrehten Stoffes, der dem Zuschauer keinerlei Atempausen gönnt, ließ mich das an sich köstliche Ergebnis von "Planet Terror", der in Kombination mit Quentin Tarantinos "Death Proof" entstand, doch etwas arg theoretisch schauen, anstatt dass ich hätte munter hinein springen und eintauchen können in dieses Bad aus Sex, Erotik und Gewalt. 

Ich sympathisiere mit dem Film, definitiv, ich bin begeistert von der Figurenzeichnung, dem Klischee von Versöhnung verfeindeter Seiten, dem überzogenen Heldenbild von Mann und Frau, von den politischen Unkorrektheiten, die sich inmitten von Irrsinn und Abartigkeiten auf comicart korrekt anfühlen. Und doch blieb ich zu sehr Zuschauer, ich, der noch immer Spaß an derben Komödien und schmuddeligen Horrorfilmen findet, der Liebhaberstücke aus der Jugend noch immer mag und viele gleichrangige Werke der heutigen Jugend entdeckt und hin und wieder begreift. Aber wahrscheinlich benötige ich die hier inflationär eingebrachten Zutaten einfach eine Spur rarer eingesetzt, inmitten eines Filmes, der mir zumindest vorgaukelt eine Handlung zu besitzen und an irgendeinem fiktiven Ort in einer fiktiven Welt gerade tatsächlich stattzufinden. Und diese für mich ganz entscheidende Illusion entfacht "Planet Terror" leider nicht, kann er auch nicht als vollkommen aufgeblähte Groteske. Das kann man ihm nicht vorwerfen. Aber das ist der Grund, warum ich das Ergebnis nur mag und achte, anstatt es auch in jeder Pore in mir zu fühlen.  Wiki

25.02.2024

ASTRONAUT FARMER (2006)

"Astronaut Farmer" ist eine dieser Fremdschäm-Dramen aus den USA, die einem weiß machen wollen, dass einem im Leben alles gelingen kann, wenn man nur daran glaubt. So handelt auch dieses in besagter Welle mitschwimmende Produkt von einem Träumer, und der wird vom Drehbuch derart schöngezeichnet, dass das Produkt mit seiner Charakterisierung endgültig jede Glaubwürdigkeit verliert. Obsessiv verfolgt er sein Ziel, spannt seine Kinder per Schulausschluss mit ein, belügt die Familie, setzt jegliche Finanzen und damit die Freiheit der Familie aufs Spiel, und obwohl dies alles thematisiert wird, wird es uns derart seicht dargeboten, dass am Bild des sympathischen Träumers nicht gerüttelt wird, seine Fragwürdigkeit als entschuldbare Eigenschaft für etwas Großes, das es zu erreichen gilt, umgedichtet wird, und das heile Welt-Bild, welches die Amis in ihren realitätsfernen Dramen scheinbar derart lieben, damit nicht einen Hauch erschüttert wird. Dies trifft selbst auf die zu kurz kommende Thematik zu, dass es dem Staat keineswegs gefällt, dass da wer privat eine Weltraumrakete baut. 
 
Was hier zu einer gekonnten Satire und Debatte über das Einmischen des Staates in Privatbereiche hätte werden können, verkommt zum Gut/Böse-Spiel, um dem Protagonisten die Opferrolle zuzuspielen, mit der er noch unschuldiger und liebenswürdiger wird. Es ist zum Kotzen was aus der eigentlich reizvollen Idee herausgeholt wird. Und in seiner Blauäugigkeit ist es sicher kein Spoilern zu verraten, dass es dem guten Mann durch ein finanzielles Wunder im letzten Drittel gelingt seinen Plan tatsächlich zu verwirklichen und zu vollenden, ohne dass irgendetwas schief läuft. Happy End auf jeder erdenklichen Ebene, inklusive mündiger Zuschauer, die verdattert dreinblicken und es nicht glauben können, wie viel ein verträumtes Publikum ignorieren kann, um sich in andere Fantasien einfühlen zu wollen. Hier geht es lediglich um Verdummung und Erziehung des Zielpublikums, mit einem Auge auf den Oscar geworfen, dessen Jury derartige Werke gerne bevorzugt. Ich würde gern wissen, ob Kevin Costner die Rolle des Astronautfarmers angeboten wurde, sie würde in sein typisches Auswahlmuster fallen. Billy Bob Thornton spielt so gekonnt wie dieser, so wie man es von ihm kennt. Ohnehin ist das Drama gut besetzt, und wundervoll abgefilmt ist es zudem auch. Was würde es auch nutzen ein Publikum manipulieren zu wollen, wenn Optik und Darstellung nicht überzeugen würden?  Wiki

07.07.2021

KEINE HALBEN SACHEN (2000)

Die Handlung mag verworren und interessant gehalten sein und sich zum Ende hin faszinierend entknoten, letztendlich ist sie aber fast schon egal, so spielfreudig wie hier auf regelrechte Comicart Mafia- und Gangsterklischees durch den Kakao gezogen werden. Jeder ist sichtbar mit Freude an der Sache dabei, mal in skurril dargebotener Form, wie Kevin Pollak in der Rolle des Mafiosis, klassisch charismatisch schurkisch, wie Bruce Willis, der seinen Part mit links, aber keineswegs lustlos, erfüllt, oder in herrlich alberner Gesichtsakrobatik wie Matthew Perry, der hier urkomisch wie nie wieder spielt (zumindest bei all dem was ich bislang mit ihm gesichtet habe), nicht einmal in der ebenfalls geglückten Fortsetzung "Keine halben Sachen 2". Temporeich inszeniert Jonathan Lynn die Irrungen und Wirrungen des verstrickten Plots, der stets genug Raum für seine Darsteller lässt, so dass dem hemmungslosen Herumgealber, fern eines Gag-Feuerwerks von "Die nackte Kanone" oder "Police Academy", nichts im Wege steht. 

Zwischendurch schiebt man immer wieder besonders bescheuerte Ideen ein, wie der Umgang der Tulpe mit einer umher schwirrenden Fliege (was in der tatsächlichen deutschen Vertonung weit witziger herüber kommt als in der alternativen deutschen Trailer-Fassung), oder das wunderbar wortwörtliche Einhalten des Befehls "nicht bewegen" vom Mafiachef bei einem seiner Untergebenen. Auch wie Oz versucht unter Panik eine Zahnbehandlung zu vollführen zählt zu den humoristischen Highlights, zumal Lynn versteht, dass man die Komik steigert, indem man das arme Schwein im Behandlungsstuhl dem Zuschauer erst nach einiger Zeit präsentiert. "The Whole Nine Yards" (Originaltitel) ist ein gute Laune-Film, dem man für seine etwas gehaltlose Schwäche nicht bös sein kann. Er ist in seiner fast schon nichtigen Art gut so wie er ausgefallen ist, hat das Herz am rechten Fleck, tut trotz schwarzem Humor und etlicher Leichen keinem wirklich weh, bietet allerhand Schauwerte und nutzt gekonnt die Weichherzigkeit eines Auftragskillers im Kontrast zu seiner Unberechenbarkeit. Tatsächlich schafft es das Drehbuch, trotz zu erwartendem Happy Ends, dass man nicht weiß ob Tulpe zu trauen ist oder nicht und damit einhergehend wie Oz aus der aussichtslos scheinenden Misere heraus kommt. 

Wie herrlich fehl am Platz in einer hochkochenden Situation plötzlich ein verpeilter, überforderter Gesetzeshüter in der Rolle eines Auftragskillers mitten im Geschehen auftaucht, beweist, wie viele andere Szenarien, wie gekonnt man sich hier mit dem Genre der Komödie auskennt. Auch die verschiedenen Reaktionen auf die plumpe Art von Oz' Ehefrau und ihrer leider zu kurz kommenden Mutter sind humoristische Momente der besonderen Art, simpel und fast schon subtil am Rande eingebaut.  OFDb

23.08.2020

DEATH WISH (2018)

Was ist nur mit den Autoren heutiger Kinoproduktionen aus den USA los? Können sie nicht mehr hintergründig schreiben, oder werden sie von den Studios dazu angehalten es möglichst einfach zu gestalten? Dabei wäre auch beides auf einmal drin, wie die Erstverfilmung "Ein Mann sieht rot" gezeigt hat. Er provozierte und schloss das gemeine Publikum nicht aus, er suchte aber auch nach Ursache und Wirkung, zeigte eine durchdachte Charakterentwicklung und arbeitete daran nicht widersprüchlich zu wirken, wenn er aus einem Waffenverweigerer einen Mörder machte. Die beunruhigende Wirkung aufgrund der Täuschung in der Hauptfigur und deren direkte Taten machten den Thriller so interessant, das Jagdgefühl bei Nacht und die indirekte Mittäterschaft des Publikums sorgten mitunter dafür, dass er so packend erzählt war. Und was macht die Neuverfilmung? Sie spult die oberflächliche Prozedur des Vorgängers ab, ohne zu verstehen, zu hinterfragen, zu analysieren. Was passiert, passiert einfach, egal warum. Selbst so offensichtliche Banalitäten, wie das perfekte Zielen eines Menschen, der vorher nie geschossen hat, werden nicht der Glaubwürdigkeit wegen vorbereitet. Modernisiert wird das Ganze über die Internet-Thematik, die man gut dafür hätte nutzen können, wie im Original gesellschaftspolitisch die Auswirkungen des Rächers auf die Mediennutzer zu thematisieren. Doch selbst dieser Aspekt wird in "Death Wish" unreflektiert abgearbeitet. 

Warum aus dem Architekten ein Krankenhaus-Arzt wurde, weiß man ebenso wenig, denn auch diese Änderung wird nicht einer tiefer gehenden Konzeption wegen angegangen, lediglich unwichtige Faktoren zehren von diesem Neuansatz. Warum man zudem auf Bruce Willis setzt, abgesehen von seiner noch immer Zuschauer-magnetischen Popularität, will sich mir ebenfalls nicht erschließen. Der Mann ist alt geworden und überzeugt in der Rolle Kerseys nicht. Er wird eingesetzt, als sei er noch Mitte 30, als hätte ein Alterungsprozess nie stattgefunden. Sein Körper verrät jedoch gegenteiliges. Und wenn man bedenkt, dass es die 70er Jahre-Version auf vier Fortsetzungen gebracht hat, darf man sich erst recht fragen, was dieser nachteilige Besetzungs-Schachzug soll, gerade in Zeiten, in denen stets auf eine eventuelle Fortsetzung eines möglichen Kinoerfolgs bereits im Vorfeld geschielt wird. Mit all diesen Nachteilen könnte ich noch halbwegs leben, wenn Regisseur Eli Roth, der immerhin die ersten beiden "Hostel"-Filme packend inszenierte, ein spannend erzähltes Ergebnis abliefern würde. Aber selbst diesbezüglich fällt "Death Wish" mager aus, von seiner mangelnden einfühlsamen Dramaturgie ganz zu schweigen. Zudem verpuffen die polizeilichen Ermittler, so unwichtig wie sie für die schlichte Geschichte eingebracht werden, was sehr schade ist, da einer von ihnen von Dean Norris verkörpert wird. Dass der finale Entschluss, der vom Original übernommen wurde, hier aufgrund der Vorereignisse und der gewählten Argumentation, sowie aufgrund des Nichtverstehens von Psychologie, weit weniger Sinn ergibt als dies bereits in der Erstverfilmung der Fall war, braucht man aufgrund der Umstände, wie der hier besprochene Streifen geschrieben wurde, schon kaum noch erwähnen.  OFDb

15.12.2019

12 MONKEYS (1995)

Am Anfang war der französische Kurzfilm "Am Rande des Rollfelds" aus dem Jahr 1962, der die Verantwortlichen von "12 Monkeys" dazu inspirierte das dort noch relativ simple Szenario zu einem großen Kinostoff aufzublasen. Was daraus wurde ist ein Konstrukt, das in seiner zunächst etwas wirr scheinenden Art komplexer ausgefallen ist, als es ein Kurzfilm auffangen könnte. Zwar kam mir das Ergebnis von "12 Monkeys" seinerzeit verstrickter vor, als nun nach einer Neusichtung, es reichte aber bereits aus um damals meine Arbeitskollegen zu verwirren, die mit dem Film nichts anfangen konnten, da sie ihn nicht verstanden und somit frühzeitig beendeten. Das erschreckt in gewisser Weise schon sehr, muss man doch nur lang genug dran bleiben, um den mit Bruce Willis so toll besetzten Science Fiction zu verstehen, der am Ende jedes Rätsel löst. Er gibt sogar aufmerksamen Zuschauern zusätzlich inmitten eines frustrierenden Finales einen kleinen Hoffnungsschimmer mit auf den Weg, bevor der Song "What a Wonderful World" von Louis Armstrong vom lebensbejahenden Song zum todtraurigen mutiert, wenn er den Abspann begleitet.

Auf den Weg dorthin gibt es allerhand interessante Wendungen innerhalb eines durchdachten Stoffes, der in all seinen Phasen zu gefallen weiß. Freilich ist auch er nicht frei von Denkfehlern von Zeitreisestoffen, aber auf diese stößt man erst bei näherem Nachdenken und nicht bereits offensichtlich bloß gestellt beim schwer zu durchschauenden ersten Sichten. Zunächst wird man ins kalte Wasser geschubst, mit den Fakten der Zukunft konfrontiert, dann sorgen fehlerhafte Zeitreiseziele für weitere Verwirrungen. Sie dienen im weiteren Verlauf aber auch späten Erkenntnissen und einflussreichen Missverständnissen, was zu den hervorragenden Eigenschaften gehört, die einen als Zuschauer spätestens dann mit den Protagonisten emotional mit leiden lassen, wenn man endlich durchblickt. Kniffe wie der Glaubenswechsel zwischen Ärztin und Patient sind dramaturgisch hervorragend gesetzt, ohnehin ist man emotional mittendrin im Stoff, sowohl personen- als auch situationsgebunden. Allein der Blick auf eine sich selbstverständlich sehende Gesellschaft, deren Existenz durch den Tod von abermillionen Menschen bald endet und nicht verhindert werden kann, setzt eine Traurigkeit über alle Ereignisse und beeinflusst uns in unserer Haltung der Geschichte zu folgen. Fast schon bösartig kann man es von den Verantwortlichen der Geschichte nennen, uns kurzfristig einen Hoffnungsschimmer mitzugeben, dass das Unglück doch noch verhindert werden könnte.

Gilliam zeichnet ein düsteres Zukunftsbild, in welches Fanatiker, wie man sie heutzutage oft in Kommentarspalten sozialer Medien zu Umweltthemen wahrnehmen kann, aus Hass zum Menschen und seiner Taten unser Leben zerstört haben, um die Erde zu retten. Die herrschenden Wissenschaftler sind ebenso Opfer ihrer Zeit und in ihrer Art somit keine leuchtenden Vorbilder. Sie sind verzweifelt wie alle, haben längst selbst keinen wirklichen Durchblick der Ereignisse mehr, so dass man, auch aufgrund ihrer menschenfeindlichen Art der Regierung, an ihrer Rationalität zweifelt, was nur eine vieler Fallen ist, mit welcher "12 Monkeys" unsere Wahrnehmung manipuliert. Ein hervorragendes Drehbuch, tolle Set Designs und eine gut gewählte Besetzung zaubern für den Zuschauer aus einem depressiven Stoff ein emotional großartiges Auf und Ab und somit ein aufregendes Erlebnis, das keinen kalt lassen dürfte. Einzig der von vielen gefeierte Brad Pitt weiß mir in seiner Rolle nicht zu gefallen, die hätte man meiner Meinung nach leicht weniger überzogen spielen sollen. Ansonsten gibt es aber nichts zu meckern. Gilliam hat den vielseitig durchdachten Plot stets gut im Griff, täuscht immer wieder Positives inmitten einer düsteren Geschichte vor, und spielt damit derart gekonnt mit unseren Gefühlen und Hoffnungen, dass man es geradezu liebt unter seinem Fädenziehen zu leiden. Mag mir "12 Monkeys" auch nicht mehr so verästelt erscheinen, wie damals mit weniger Sehgewohnheiten, er ist noch immer ein großes Kinoerlebnis, welches Intellekt und Gefühl nicht gegenseitig ausschließt, sondern ganz im Gegenteil gepaart miteinander intensiv wirken lässt.  OFDb

24.05.2019

GLASS (2019)

"The Sixth Sense"-Schöpfer M. Night Shyamalan bewies nach einigen Auf und Abs mit "Split", dass er es noch immer beherrscht in der unaufgeregten Art seiner beiden ersten großen Erfolge großes Kino erschaffen zu können. Als wäre der Horrorfilm um einen Psychopathen mit 24 Persönlichkeiten nicht so schon vielschichtig und interessant genug ausgefallen, offenbarte er uns mit seiner letzten Szene, dass er im selben Comic-Universum spielt wie der 19 Jahre zuvor gedrehte "Unbreakable". Angefixt durch die Klasse des damaligen Streifens und der gelungenen Wiedererweckung des damals angegangenen Erzählstils, schien es, dass aufgrund der Zusammenkunft beider Werke etwas Aufregendes auf uns zukommen müsste, zumindest etwas augenzwinkernd Verspieltes. Immerhin bewies der Autor und Regisseur mit seinem Film über wen Unzerstörbares, wie anders, geradezu besonnen ein Superheldenfilm in völlig anderem Gewandt daher kommen kann, absichtlich besetzt mit Bruce Willis, dem Held vieler lauter Actionfilme, ein Rollenmuster auf welches er gerne von Halbwissenden reduziert wird. Nun in Zeiten von zusammenknüpfenden Filmen zu einem Gesamtuniversum bei Marvel und DC, und den Versuchen diesbezüglich bei Universal mit "Die Mumie", erwartete ich ähnliches diesbezüglich bei "Glass".

Immerhin stoßen nun Figuren zweier unterschiedlicher, in manchen Bereichen aber doch ähnlicher, Filme aufeinander. Und man darf erleichtert feststellen, dass dies nicht nur die drei zentralen Protagonisten betrifft, sondern auch andere wichtige Figuren beider Werke. Besonders gefreut habe ich mich, dass man Spencer Treat Clark für die Rolle von Dunns Sohn zurückgewinnen konnte, so dass tatsächlich jeder Mime in der Originalbesetzung zurückkehrt ist, womit zumindest dieser Teil des Plans schon einmal nicht zu gewollt daher kommt. Auch die angegangene Geschichte wirkt wie ein funktionierender Plan des Projektes, denn was könnte reizvoller sein, als uns nach zwei Filmen, in denen wir in einer scheinbar normalen Welt von der Übernatürlichkeit der Figuren überzeugt wurden, nun daran teilhaben zu lassen, dass die drei lernen müssen eventuell einem Irrtum ihres Geisteszustandes zum Opfer gefallen zu sein? Kann das überhaupt sein, nach all dem was man miterlebte? Zweifel kommen während der Therapiesitzungen schneller auf als man als Kenner der Originalfilme vermutet hätte. Aber fast gleichzeitig kommen auch Zweifel darüber auf, ob Shyamalan erneut ein kleiner Geniestreich gelingt, um die Reihe auf gleicher Höhe mit dem Niveau der Vorgänger zu Ende zu bringen (oder auch nur auf ein neues Ergebnis zu hieven, wer weiß ob der gute Mann noch weitere Filme integrieren oder folgen lassen möchte).

Die Methoden der Psychologin erscheinen so merkwürdig wie die räumlichen Begebenheiten, bzw. wie die zu phantastisch geratenen Schutzmaßnahmen vor Ort. Das könnte man freilich noch als derart übertrieben abtun, da die Filmreihe in einem eigenen Paralleluniversum spielt, welches unserem lediglich stark ähnelt. Dieses Zugeständnis könnte man jedoch nur akzeptieren, wenn von Anfang an klar ist, dass alle Patienten tatsächlich übernatürliche Kräfte besitzen, ein Ansatz, den "Glass" nicht verfolgt. Ohne Wenn und Aber verärgert jedoch, dass der analytische Aspekt und die Therapiedialoge mager und oberflächlich ausfallen sind. Eben darin hatte ich die wahre mögliche Stärke des Streifens vermutet. Nach einem viel zu laut ausgefallenen Einstieg ins Geschehen, der mich auch inhaltlich nur zum Teil überzeugen konnte, hoffte ich mit der Ankunft in der Nervenheilanstalt, "Glass" würde nun die Kurve kriegen. Das kriegt er auch, zugegeben, aus einem halbgaren Werk wird ein netter Unterhaltungsfilm. Aber verglichen mit "Unbreakable" und "Split" ist das Ergebnis eher mager zu nennen, da wollte man als Zuschauer mehr erleben als trivialen Spaß für zwischendurch. Mag der Film um Crumb trotz überdurchschnittlichem Ergebnis schon schwächer ausgefallen sein als der um Dunn, geht es mit dem Abstieg nun etwas zu rapide nach unten, zumal es Shyamalan nur noch um die Täuschung des Zuschauers geht, nicht aber um einen vielschichtig intelligenten Plot. Das beweist auch sein überraschendes Ende, das gerne viel cleverer wäre, als es ausgefallen ist, eben weil es aufgrund von Zweifel nicht die epischen Ausmaße annehmen wird, wie der aufgebauschte Schluss suggerieren möchte. Auch eine gewisse Gleichgültigkeit bezogen auf die hereingelegte Gruppierung ist vorhanden, eben weil man diese nicht näher kennenlernen durfte und nicht weiß, was sie bewegt zu tun was sie tut.

Es wäre möglich, dass in diesem letzten von mir kritisierten Punkt jedoch ein weiterer Film Teil in Shyamalans Zusammenführung wird. Ich kenne nicht alle seine Filme, vielleicht tritt der elitäre Kleeblatt-Bund bereits woanders auf. Vielleicht möchte er Erklärungen zu diesem auch noch in der Schwebe lassen, um in einem zukünftigen Film auf die Geschichte über dessen Hintergrund zurückzugreifen. Sollte "Glass" jedoch den Schluss der Reihe darstellen, so ist er trotz der gelungenen Fortführung und Schließung der Erzählungen beider Vorgängerwerke zu banal geendet, eben aufgrund der beiden weiter oben erwähnten Begründungen. Selbst für einen Film, den man zum ärgernisfreien Konsum nicht all zu kritisch gucken sollte, ist dieser halbgare, zu lieb- und detaillose Schluss etwas zu viel Enttäuschung. Als verpuffende, warme Luft, könnte man ihn bezeichnen, so bedeutungsvoll und wuchtig, wie er gerne wäre, und so banal wie er trotz aller Täuschung doch lediglich ist. Aber er ist nicht das erste Ärgernis in einem Film, der lauter und weit weniger intelligent daher kommt als seine Vorgänger. Glücklicher Weise stehen ihm interessante Figuren, ein rätselhafter Plot und hervorragende Mimen zur Verfügung, um inmitten seiner enttäuschenden Art zumindest kurzweiliges, anspruchsloses Vergnügen zu bereiten - freilich erst wenn man akzeptiert hat, dass Teil 3 nicht zur alten Stärke zurück findet.  OFDb

09.12.2018

STIRB LANGSAM 2 (1990)

Ich hatte in Erinnerung dass "Stirb langsam 2" eigentlich nur die Geschichte des ersten "Stirb langsam" aufgebläht variiert, und verkehrt ist das mit Blick auf das hier präsentierte Szenario zwar nicht zu nennen, aber eigentlich funktioniert die Kopie des erfolgreichen Originals doch recht gut. Wo direkte Nachahmer wie "Passagier 57" und "Alarmstufe: Rot" eher flach imitierten, da darf der offizielle Nachfolger, den diesmal Renny Harlin inszenierte, eine Spur besser abschneiden, wenn auch nicht die Klasse des Vorgängers erreichend. Zumindest geht das Buch offen mit der Offensichtlichkeit eines ähnlichen Szenarios um. Immer wieder betont McClane, oder später auch seine Frau, ironisch die Wiederholung der Ereignisse, und da der Ton stimmt weiß dieser Vermerk zu gefallen. Dennoch hätte es ruhig etwas weniger Blaupause sein dürfen. Dass es wieder einmal die Ehefrau ist, die es zu retten gilt und außerdem auch noch der unangenehme Reporter aus Teil 1 im wahrsten Sinne des Wortes mit an Bord ist, was der Zufälle und Anbiederungen an den Vorgänger etwas zu viel des Guten ist, tut der Geschichte nicht wirklich gut.

Andererseits lässt der Film dem Zuschauer eigentlich kaum Atempausen, um sich dessen tatsächlich bewusst zu werden, ist "Die Hard 2" (Originaltitel) doch ein rasantes Happening, in welchem sich die Situation gekonnt immer weiter hoch schaukelt. Dank eines relativ ruhigen Einstiegs, einer Besonnenheit im Erzählstil selbst in flotteren Phasen und dank gekonnter Action weiß dieser bombastische Schwanzvergleich zu Teil 1 meist zu funktionieren. Erst gegen Ende, wenn die Bösewichter in ihrer Vorrausplanung etwas zu viel vorhergesehen haben, fängt die Glaubwürdigkeit etwas zu stark an zu kranken. Eine böse Überraschung innerhalb der eigenen Seite entpuppt sich eher als Schwachpunkt anstatt als Trumpf einer überraschenden Wende, aber auch das ist kein wirklicher Grund zur Klage, wenn man nicht all zu viel vom Film erwartet hat.

Kämpfe auf dem Flügel eines gestarteten Flugzeugs und ähnliche Situationen verdeutlichen, dass wir uns in der typisch übertriebenen Actionfilm-Realität befinden, die einzig unterhalten soll, und da der Vorgänger diesbezüglich nicht sehr viel anders vorging (wenn auch mit weit weniger deftigen Übertreibungen) geht das in Ordnung. Die Innovation des Erstlings ist freilich nicht mehr zu spüren. Und immer wieder biedert man sich etwas zu sehr am Vorbild an, sei es wenn der Motherfucker-Spruch erneut fallen muss, oder zu viele Figuren aus dem ersten Teil, bzw. Anspielungen auf diesen dem Zuschauer unübersehbar vorgeführt werden. "Stirb langsam 2" ist trotz seines hohen Kawumm-Anteils nicht mehr die 1A-Actionunterhaltung der hervorhebenswerten Art, ein durchweg gelungener Actioner für zwischendurch ohne bei 120 Minuten Laufzeit an Längen zu kranken, ist er aber durchaus geworden. Da hatte ich den sympathischen Streifen weit weniger geglückt in Erinnerung.  OFDb

02.12.2018

STIRB LANGSAM 3 - JETZT ERST RECHT (1995)

"Stirb langsam 3" ist ein temporeicher, gut unterhaltender Actionfilm, dem zwar die nötigen Innovationen fehlen um mit dem herausragenden Original in einer Liga spielen zu können, im Vergleich zu "Stirb langsam 2", der Teil 1 lediglich in aufgeplusterter Form variierte, kommt die zweite Fortsetzung aber wesentlich einfallsreicher daher, dabei den Stil der Reihe wahrend, um tatsächlich Teil dieser zu sein. Ob der eingebettete Zusammenhang zu "Stirb langsam" tatsächlich nötig war, sei einmal dahin gestellt, als damals geplanter Abschluss einer Trilogie sind solche Methoden andererseits wieder üblich. Ein flotter Einstieg ins Geschehen lässt einen schnell in die Handlung eintauchen. Besagtes flottes Tempo wirkt aufgrund eines durchdachten Plots, der pointenreich Neugierde und Interesse zu wecken weiß, weder aufgesetzt, noch zu hektisch, sondern beschert dem Film tatsächlich einen actionreichen Sehwert ohne sich vordergründig einen Schwanzvergleich mit Konkurrenzprodukten zu liefern. Alles was geschieht, geschieht zum Wohle der Story und nicht einzig dafür zu zeigen was im Genre mittlerweile üblich ist. Somit ist "Die Hard: With a Vengeance" (Originaltitel) noch ein Old School-Film, Mitte der 90er Jahre zu einer Zeit entstanden, in der das eigentlich nicht mehr üblich war.

Nun ist es nicht so, dass sich der Streife zum Wohle der Geschichte zurückhalten würde. Ständig rummst es an allen Ecken, ein Showdown folgt dem nächsten, und doch wirkt das Ergebnis nie aufgesetzt, eben weil die überraschenden Wendungen der Geschichte zu funktionieren wissen, u.a. weil sie durchdacht sind, und den Zuschauer damit ebenso auf Trab halten wie die Hauptfigur McClane. Freilich übertreibt man, wie typisch für das Genre, immer wieder, so dass der Film in manchen Momenten mehr einem Comicstrip gleicht als der Realität, aber zumindest finden diese Übertreibungen noch auf einem standardmäßigen Niveau des Actionfilms statt, so dass dieser in gewisser Weise noch glaubwürdig bleibt. Erst mit "Stirb langsam 4.0" entfernte man sich endgültig von dem was an Menschenunmöglichem einem Actionfilm noch nicht schadet, was aber nicht weiter wild war, da dieser ohnehin nur ein Actionfilm ist, den man einfach zu einer weiteren Fortsetzung erklärte, ohne dass er sich tatsächlich wie ein Teil der "Stirb langsam"-Reihe anfühlte.

John McTiernan, der auch das Original inszenierte, kehrte nachdem Renny Harlin die erste Fortsetzung übernahm, wieder auf den Regiestuhl zurück und zeigte ein letztes Mal in dieser Reihe wie gute Popkornunterhaltung auszusehen hat. Bruce Willis spielt gekonnt, wie man es von ihm gewohnt ist, und mit Samuel L. Jackson hat er einen ebenso talentierten Schauspielpartner an die Seite gesetzt bekommen, eine Mischung die zu funktionieren weiß. Dass man es inmitten von Action, coolen Sprüchen und genreüblicher Stereotype-Moral schaffte ganz nebenbei das Rassismusthema Weiße hassender Schwarzer mit einzubauen, ist ein überraschend gut funktionierender Bonus eines ohnehin schon geglückten Drehbuchs. Es ist schön dass dieser Aspekt nie zu sehr in den Vordergrund rückt und trotzdem treffsicher thematisiert wird. "Stirb langsam 3 - Jetzt erst recht" ist auf der einen Seite ein typischer Actionfilm seiner Zeit, der nicht kleckert, sondern klotzt und mit immer wieder neuem Anlauf einer übertriebenen Chose eine weitere beschert. Aber er ist inmitten seines Nonsens auch cleveres Action-Kino, was er an vielen Stellen zu beweisen weiß.  OFDb

17.11.2018

THE SIXTH SENSE (1999)

Ich wusste durch mehrere damalige Sichtungen, dass M. Night Shyalaman mit "The Sixth Sense" ein hervorragendes, zu Recht gefeiertes Werk abgeliefert hatte. Wie genial der Streifen tatsächlich ausgefallen ist, wurde mir erst jetzt beim erneuten Sichten nach etlichen Jahren wieder bewusst, ist der berühmte Film, mit dem Haley Joel Osment kurzzeitig zum Kinderstar wurde, doch psychologisch äußerst raffiniert ausgefallen und höchst sensibel umgesetzt. Im Netz klagen oft Leute sie hätten die finale Überraschung längst vorausgesehen, dabei wird gerne übersehen, dass sie aufgrund von Inhaltsangaben und/oder dem Sichten des Trailers auf den Film gestoßen sind, welche eine Information herausgeben, die Autor und Regisseur Shyalaman bewusst erst zu einem bestimmten Zeitpunkt preisgibt, in welcher der nicht zuvor informierte Zuschauer sie aus einem anderen Blickwinkel annimmt, da das Buch das scheinbare Zentrum der Geschehnisse auf ganz andere Bereiche lenkt. Wer es schafft "The Sixth Sense" heutzutage ohne das Wissen um Coles Geheimnis, erstmals zu sichten, was kaum möglich ist, so sehr wie die finale Wendung zur Blaupause heute üblich erzählter Streifen wurde, der wird wahrlich staunen, seinen Sinnen kaum trauen und den Film ein zweites Mal gucken müssen, um zu überprüfen ob das was dort behauptet wird überhaupt stimmen kann.

Die Genialität dieses Werkes darauf zu reduzieren wird dem Film freilich nicht gerecht, geht das Drehbuch doch auch in vielen anderen Punkten raffiniert vor, indem immer wieder Ablenkungsmanöver und vom Zeitpunkt her perfekt gesetzte, scheinbar nebensächliche Informationen eingearbeitet werden, was durch das für den Zuschauer zu enträtselnde Szenario möglich ist, dass uns die Wahrheit hinter Vermutungen stets schrittchenweise offenbart. Ob der Junge ein psychologische Störung hat oder seine Probleme weit darüber hinausgehen bleibt auch mit Lüften seines Geheimnisses eine gute Zeit lang eine unbeantwortete Frage. Aufgrund der Hauptorientierung auf das Genre Drama werden Herangehensweisen möglich, die in einem thrillerdominierenden Stoff undenkbar, bzw. weit überraschungsärmer umzusetzen gewesen wären, als es Shayamalan auf dem sensiblen Wege gelingt. Mit Blick auf diesen Schwerpunkt wird auch die Leistung der beiden Hauptdarsteller bewusst. Osment beweist mit jungen Jahren ein erstaunlich bewusstes Spiel mit seiner nicht leicht zu greifenden Rolle, was davon ablenken kann Bruce Willis sensibles Spiel wahrzunehmen, welches wieder einmal zeigt, dass er zu weit mehr in der Lage ist als einzig den Actionhelden zu mimen. Sein Spiel hat mich tief berührt und mir bewiesen, dass er nicht nur ein vielschichtiger Schauspieler ist, sondern tatsächlich auch ein sehr guter.

Der richtige Mix aus Grusel und Drama, der erst nach der Auflösung gegen Ende den Jungen betreffend eine Spur zu theatralisch ausgefallen ist, so dass leider erstmals die Grenze zum Kitsch überschritten wird, macht aus "The Sixth Sense" einen höchst unterhaltsamen Film. Die gekonnte Empathie, ebenso wie die raffinierte Psychologie bezüglich der Geschichte, des ablenkenden Spiels mit dem Publikum und die Gefühlstastatur, auf welcher Shyamalan mit dem Zuschauer spielt, machen aus dieser Kurzweile eine intelligent erzählte intellektuell bereichernde Erfahrung. Dass dem Autor all dies gelingt liegt jedoch auch daran, dass er sich an ein Publikum wendet, welches bereits durch Hollywood zu bestimmten Sehgewohnheiten erzogen wurde. Das zeigt sein gekonnter Trick mit der Eingangssequenz, von der man glaubt sie würde nur deshalb eingebaut, um Crows pseudo-dramatische Wiedergutmachung mit dem ehemaligen Patienten über Cole zu thematisieren. Erst durch diesen Trick mit Hollywoods flachem Dramaturgiemechanismus akzeptiert man Crows persönliches Problem mit seiner Ehefrau, ohne zu hinterfragen warum dieser Aspekt so dominant in die Geschichte einfließt. Allein deswegen hat "The Sixth Sense" es verdient, ausgerechnet in Amerika entstanden, die Mainstreamprodukte dieses Landes qualitativ weit hinter sich zu lassen.  OFDb

03.11.2018

UNBREAKABLE - UNZERBRECHLICH (2000)

Mit "The Sixth Sense" hatte Regisseur und Autor M. Night Shyamalan gerade auf sich aufmerksam gemacht, da folgte dem zurecht gefeierten Film im Anschluss ein völlig anderes Werk. Es war kein Aufguss des Erfolgsfilmes, auch wenn er zwei dessen wichtigster Eigenschaften ebenfalls enthielt: Unaufgeregtheit aufgrund eines langsamen Erzähl- und Inszenationstils und der überraschende finale Twist, der dem Publikum vor den Kopf stoßen soll. Nun mag dieser in "Unbreakable" nicht so gewaltig ausgefallen sein wie im ebenfalls mit Bruce Willis besetzten Geisterhorror, aber er geht definitiv über das bereits Geahnte hinaus und offenbart eine Bösartigkeit, gewachsen aus einem dramatischen Aspekt. Den kompletten Film umweht auf unterschwellige Art der dramatische Unterton. Es ist jener dramatische Aspekt dieses Filmes und seines Vorgängers, der die beiden Shymalan-Werke zu den zwei besten Arbeiten macht, die der gute Mann bislang gedreht hat. Seine weiteren Filme waren mal qualitative Aufs, mal Abs, wie es bei fast allen Regisseuren der Fall ist, aber immerhin kann er auf diese beiden tadellosen Werke verweisen, die bei gleicher Handschrift etwas völlig anderes erzählen.

Während das Spukdrama inhaltlich einer oft gesehenen Geschichte frische Impulse einhauchte, gelang es Shyamlan mit "Unbreakable - Unzerbrechlich" eine völlig eigenständige Idee auszubauen, zugegeben von einem popkulturellen Massenphänomen inspiriert und teilweise auch handelnd, aber durch das Zurückrudern der Extreme eine völlig eigene Welt in der unseren entstehen lassend, ohne auf den üblichen Comic-Hokuspokus zurückgreifen zu müssen. In seiner ruhigen, unaufgeregten Art, in der selbst die Zugkatastrophe ausgeblendet wird, um dem zarten Erzählstil nicht zu schaden, herrscht trotz der gewagten Thematik eine Sachlichkeit, ein Drang nüchternen Experimentierens. Erzählt wird der langsame Aufbruch eines Zweifels bis hin zur Erkenntnis. Und selbst im Endergebnis kann man nie ganz sicher sein, ob die Idee von Price nicht doch ihre Risse besitzt, und der Zufall nicht doch eine Spur zu intensiv mitspielte. Kann doch alles nur ein Irrtum sein? Geht die Theorie über Dunns intuitive Eingaben vielleicht doch nicht hinaus? All zu sehr lässt Shyamalan diesen Zweifel nicht im Raum stehen. Im ersten Moment glauben wir an das hier Erzählte. Der Zweifel soll nur unterschwellig, frei von Bedeutung nach dem Sichten nachhallen. Letztendlich spricht vorerst jedoch alles für die Theorie des Comic-Fans im Rollstuhl.

Interessant ist wie glaubwürdig Shyamalan seine Geschichte erzählt. Sicherlich darf man sich zurecht fragen, warum es Dunn nie auffiel niemals krank gewesen zu sein, ansonsten stimmt die innereigene Logik des Streifens und damit auch die Konsequenzen, welche die Geschichte durch sie erhält. Dank tiefgehender Figuren, selbst jene die nur für Nebensächlichkeiten bedeutend sind, wird der langsame, gleichermaßen nüchterne und dramatisch erzählte, Film solch ein intensives Erlebnis für jenen Zuschauer, dem es nach ruhig erzählten Stoffen dürstet. Hier sichten wir atmende und mit zwischenmenschlichen Problemen kämpfende Menschen, deren Schicksale und Charaktere sich echt anfühlen, egal wie sehr es sie in Klischees und Phantastereien hinzieht. Sensibel erzählt, jeglichen Knopf erst zum richtigen Zeitpunkt drückend, hervorragend inszeniert und fotografiert und ebenso professionell von den Mimen dargestellt, offenbart sich der Film mit seiner eigenen, wahnwitzigen Idee als großes Genre-Kino, nicht gerade für die Masse entworfen, aber durchaus für den Liebhaber besonderer Filme. Frei von reißerischen Aspekten und Kitsch atmet der Streifen eine sachliche und unaufgeregte Luft, bis zu jenem Zeitpunkt, in welcher er sich mit leicht erhöhter Aufregung entlädt. "Unbreakable" ist ein Liebhaberstück, und ich freue mich schon auf die direkte Fortsetzung "Glass", die 2019 ins Kino kommt und das hier besprochene Werk mit dem mir bislang unbekannten Horrorfilm "Split" vereinen wird.  OFDb

11.08.2017

STIRB LANGSAM (1988)

Es gibt Menschen, die schauen sich den oft kopierten „Stirb langsam“ zu jedem Weihnachtsfest an. Ich könnte ihn nicht so oft sichten, zumal ich mich in Filme wie diese ohnehin nicht mehr so gut hineinfühlen kann, wie noch in jüngeren Jahren, und mein Favorit gegenüber des hier besprochenen Filmes war ohnehin immer „The Last Boy Scout“, der sprach mich ganz persönlich mehr an. Aber ganz unabhängig davon ist John McTiernans Action-Kracher, der das Genre für kommende Jahre maßgeblich mit beeinflussen sollte, eine rundum gelungene Sache, mit Klischees versehen, selbstverständlich, aber ohne diese würde ein Actionfilm, der grundsätzlich im Kino und nicht in der Realität zu Hause ist, ohnehin nicht funktionieren.

Das wirklich tolle am Drehbuch von „Stirb langsam“ ist, dass es immer weiß wann ein Klischee dick aufgetragen zu wirken weiß (Gut-Böse-Zeichnung, die Actionszenen allgemein) und wann es in einer reduzierten Form besser funktioniert (emotionaler Bereich). Dies zusammen mit einer Erzählung, die so viel wie möglich in die zu erzählende Geschichte an Ideen hereinzupacken weiß, und dies ohne den Radius der eigentlich erzählten Geschichte unnötig zu erweitern, macht aus „Die Hard“ (Originaltitel) dank menschlicher Helden, unmenschlicher Verbrecher, einem würdevollen Terroristenanführer, einer Geschichte in der nicht alles ist wie es scheint und einer meist großartigen Besetzung jenen Film, den die Freunde des Genres heute noch zu loben wissen. Im schnelllebigen Genre des Actionfilms und bei dem dazugehörenden Publikum, das sich nur selten für Filmklassiker interessiert, ist dies keine Selbstverständlichkeit.

Während ich kürzlich bei „Lethal Weapon“ feststellen musste, dass er nur noch mit einem Augenzwinkern und viel Wohlwollen bei einem erwachsenen Publikum zu funktionieren weiß, bin ich positiv überrascht, dass „Stirb langsam“ nach wie vor auf hohem Niveau zu unterhalten weiß. Das liegt mitunter daran, dass dem Zuschauer nicht nur auf Actionbasis immer etwas geboten wird (ganz im Gegenteil gibt es diebezüglich auch Ruhephasen und einen langsam Einstieg in die Geschichte), sondern inhaltlich werden immer wieder Leckerlies eingestreut, die das Interesse des Zuschauers aufrecht erhalten.

So setzt man nicht einzig auf das stupide Feuerwerk in Dauerberieselung, sondern auch auf Drama und Thrill, führt hierfür einige Figuren recht spät ein oder lässt welche in anderer Konstellation als bisher gewohnt aufeinander stoßen. Der einseitige Plot wird stets zusätzlich gefüttert, und selbst dieser wirkt in der Ein-Mann-Perspektive bedrohlich, eben weil die Kriminellen die gefährlichen Suspekte sind und nicht McClane als der Beschützer der braven Bürger. Die Gegner strahlen noch eine echte Bedrohung aus, und McClane ist trotz einiger Ausnahmeszenen nicht derart übermächtig gezeichnet, als dass man nicht mehr mit ihm mitfiebern könnte.

Er blutet und leidet, er stößt an seine Grenzen zu wissen was der nächste Schritt sein soll, und dank des Klischees untauglicher Polizisten und FBIs vor der Tür, ist er tatsächlich meist auf sich allein gestellt. Damit machen seine ironischen und sarkastischen Sprüche mehr Sinn als die Oneliner vergleichbarer Actionfilme. Dort wie hier würde der Film jedoch besser ohne sie funktionieren. Wirklich förderlich waren für die Stimmung des Streifens lediglich ein Kommentar zur Schuhgröße von Terroristen, diverse Selbstbeschimpfungen, wenn McClane wieder kaum wahrhaben will auf was er sich als nächstes einlässt, und ein weiterer treffsicherer Kommentar, den ich leider wieder vergessen habe.

Dank einer für Actionverhältnisse bodenständigen Geschichte und wenig infantilem Getue, kann man „Stirb langsam“ tatsächlich noch ernst nehmen und mit Würde gucken, zumal die Verantwortlichen des Streifens das ideale Gleichgewicht schufen zwischen der Perspektive dass ohnehin alles nur Kino sein soll und dem Blickwinkel, dass sich die Chose an den richtigen Stellen trotzdem echt genug anfühlen soll, um mit dem Einzelkämpfer mitfiebern zu können. Ernst, Ironie und kurz durchschimmernde Komik, wie Dramatik wissen in ihrer eingebauten Dosis zu funktionieren, und da Bruce Willis zur Entstehungszeit noch nicht der alt eingesessene Actionheld war, bereitet es Freude ihm im Laufe der Geschichte dabei zuzusehen, wie aus ihm die coole Sau wird, die er daraufhin in diesem Genre fast immer von Anfang an mimen musste.  OFDb

03.04.2016

LOADED WEAPON 1 (1993)

Die durch „Kentucky Fried Movie“ und „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ losgetretene Filmparodie-Erfolgswelle war nach „Spaceballs“ und Co noch längst nicht abgeschwappt und sollte durch den überragenden Erfolg von „Hot Shots“ Anfang der 90er Jahre noch einmal vorerst ein letztes Hoch erleben, so dass erneut eine Flut mal mehr mal weniger gelungener Veralberungen größerer Kinoerfolge die Lichtspielhäuser heimsuchte. Im selben Jahr von „Crazy Instinct“ und „Robin Hood - Helden in Strumpfhosen“ und ein Jahr vor „Das Schweigen der Hammel“ und „Chicken Park“ erschien „Loaded Weapon 1“ auf der Bildfläche, besetzt mit Emilio Estevez, dem Bruder Charlie Sheens, der in oben erwähnter „Top Gun“-Parodie die Hauptrolle spielte und im hier besprochenen Film neben jeder Menge anderer Prominenz als Gaststar vorbeischaute.

Was hier parodiert wird ist schnell klar. Die Teile 1 bis 3 der „Lethal Weapon“-Reihe gehörten zur Creme de la Creme des Actionkinos seiner Zeit und waren damit ein gefundenes Fressen für Filmparodien. Zudem veräppelt der Film, der bereits mit der angespielten Fortsetzung im Titel seinen ersten wirksamen Gag erntet, Größen seiner Zeit wie „Basic Instinct“ und „Das Schweigen der Lämmer“, solche aber stets in einzelnen Szenen, wohingegen die Action-Komödien mit Mel Gibson in so ziemlich jeder anderen Szene Pate standen.

Wirklich kennen muss man diese nicht um Spaß mit „Loaded Weapon 1“ zu haben, aber es bereichert die Freude am Blödsinn freilich mehr nicht unwissend an Quintanos Komödie heranzugehen. Nur selten ist es allerdings von Nöten das Original zu kennen, so z.B. in jener Szene, in welcher der berühmte „Bombe auf dem Klo“-Moment parodiert wird. Deren Pointe ist so flach wie so ziemlich alles was man hier an Komik vorgesetzt bekommt, aber sie kommt herrlich unverkrampft daher, in all ihrer Reichhaltigkeit präsentiert von spielfreudigen Darstellern, die alle in ihren Klischees badend völlig übertrieben agieren durften, so auch Samuel L. Jackson, von dem damals noch kaum wer wusste wie genial er tatsächlich schauspielern kann. Dies erkannte die Masse nur kurze Zeit später mit „Pulp Fiction“ und allem was danach kam.

Zwar muss man die Originalreihe nicht kennen, dies bedeutet jedoch nicht dass die Filmparodie von Regisseur Gene Quintano, der auch für „Police Academy 4“ verantwortlich war, sich einzig auf ihren flachen, massentauglichen Witzchen auruhen würde. Im Gegensatz zu manch schneller abgearbeiteten Produktion wie „Agent 00“ veralberte man neben inhaltlichen Elementen auch die stilistischen des zu parodierenden Stoffes, was sich in Farbgebung, Setting, Soundtrack und dem belustigendem Umgang mit der Dramaturgie der „Lethal Weapon“-Reihe zeigt. Hier wird das Original tatsächlich ansatzweise im Kern getroffen.

Hauptsächlich darf jedoch verspielt fröhlich herumgealbert werden, wobei allerhand Krimi- und Action-Klischees aufs Korn genommen werden und mit Gewaltverherrlichung ebenso gespielt wird wie mit dem Bild der Bösewichter im amerikanischen Kino. Billige Wortwitzchen finden ebenso ihren Platz wie gewaltige Aktionskomik, sowie Fehler in Serien, die Prüderie Amerikas, das sich damals bereits extreme Hochschaukeln der immer gigantischer werdenden Zerstörungsorgie in Blockbustern und vielem mehr. „Loaded Weapon 1“ erreicht trotzdem nie das Niveau der frühen Werke von Zucker/Abrahams/Zucker, Monty Python oder der besseren Filme von Mel Brooks, gehört aber zu den angenehmeren Vertretern seiner Filmgattung, die zu seiner Erscheinungszeit bereits aus einer Modewelle heraus geboren wurden.

„Loaded Weapon 1“ ist weder Shakespeare noch „Die nackte Kanone“, kann mit etwas heruntergeschraubten Erwartungen dank einer hoher Treffsicherheit innerhalb seiner absichtlich flachen Komik jedoch bestens funktionieren und wird somit zu den angenehmeren Filmparodien seiner Zeit. Im Gegensatz zu „Hot Shots“ wirkt er nicht so bemüht beim Einbringen der hohen Dosis Gags in einem Minimum an Plot. Und da die Verantwortlichen des Stoffes auch die stilistische Ausrichtung der Vorbilder erkannten, ist er zudem anspruchsvoller ausgefallen als alles was durch „Scary Movie“ losgetreten in den 00er Jahren bei der nächsten Filmparodien-Welle auf den Zuschauer losgelassen wurde.  OFDb

07.11.2015

OCEAN'S TWELVE (2004)

Ocean‘s Eleven“ war ein kurzweiliges Werk mit interessanten Figuren, deswegen habe ich mich auch mit Freude auf die Fortsetzung gestürzt. Auch Teil 2 sehr stilvoll erzählt. Die an sich dünne Geschichte ist in exzellente Bilder getaucht, die reichhaltige Anzahl talentierter Mimen laufen gut gestilt umher ohne deswegen gleich realitätsfern zu wirken, und ein wirklich hervorragender Soundtrack unterstützt das Treiben der Ocean-Bande zu jedem Zeitpunkt bestmöglichst.

Allerdings ist die Fortsetzung im Vergleich zum Erstling auch ein kleines Ärgernis. Neben dem etwas zu konstruierten Plot wird ähnlich wie im Vorgänger ein wenig mit der Starbesetzung geblendet, wenn man einmal bedenkt wer wieviel Platz im Film ergattert bekommt. Julia Roberts zu den Hauptdarstellern zu nennen ist eigentlich genau so dreist wie selbiges von Matt Damon zu behaupten, schade da beide gut spielen. Brad Pitt und George Clooney stehen um so mehr im Vordergrund, was sich dank gewitzter Dialoge auch recht entspannt schaut. Während ihre gemeinsamen Szenen in Teil 1 erstaunlich gestellt wirkten funktioniert ihr Miteinander diesmal mehr. Ein Gastauftritt von Bruce Willis und die Idee wie Julia Roberts in das kriminelle Geschehen mit hineingezogen wird gehören zu den Pluspunkten des Streifens. Negativ hingegen fällt Zeta-Jones auf, die zwar hervorragend in den Rollenpart der arroganten Ermittlerin hineinpasst, leider aber so gar nicht in den Rollenpart der verletzten Frau.

Die kleinen Ideen in „Ocean‘s 12“ sind meist gelungen, aber die eigentliche Geschichte, die nur sehr angestrengt ins Rollen kommt, lebt von zu vielen Zufällen, Ungewöhnlichkeiten und zu gewollten Verwirrungen. Die Wendungen sind meist flach und unglaubwürdig ausgefallen, der eigentliche Hauptcoup so uninteressant und uninspiriert, dass es kaum wundert dass diesem auch kaum Beachtung innerhalb der Geschichte geschenkt wird.

Was bleibt ist ein optisch hervorragender Krimi- und Komödien-Mix, in locker flockiger Atmosphäre getaucht, angereichert mit seichtem Humor, so wie es der Zuschauer von Teil 1 gewöhnt ist. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger stand den Machern diesmal leider nur ein wesentlich schlechteres Drehbuch zur Verfügung. Darauf bezogen kann man jedoch dankbar sein, dass der Streifen aufgrund seiner Vorzüge trotzdem noch so unterhaltam ausgefallen ist.  OFDb

27.10.2012

STIRB LANGSAM 4.0 (2007)

Terroristen legen die komplette Elektronik der USA lahm. Computerhasser McClane nimmt gemeinsam mit einem Hacker den Kampf gegen die Bösewichter auf...

The Last Boy Scout 2.0...
 
Kurzweile kann man „Stirb langsam 4.0" nicht abstreiten. Es geht rasant zur Sache, und egal ob die Action gerade Pause macht oder im größten Chaos versinkt, die flotten Sprüche, die mich mehr als ein mal zum lachen brachten, dürfen nicht fehlen. Natürlich muss ein Teil 4 mit seinen Vorgängern verglichen werden. Die dritte Fortsetzung hat zumindest das was dem mittelmäßigen Teil 2 fehlte: Kurzweile. Dafür hatte dieser und die guten Teil 1 und 3 mehr Anspruch.

Im Action-Popkornkino spricht man sicherlich auf anderer Ebene von Anspruch als in Dramen, Grotesken, Satiren, etc., aber auch Beiträge dieses Genres kann man sehr wohl Niveau bedingt verschieden einstufen. Und da ist "Stirb langsam 4.0" für eine Kino Großproduktion relativ unten anzuordnen. Die Kritik, die sich Teil 4 gefallen lassen muss, wäre auch dann relevant, wenn dies keine Fortsetzung sondern ein eigenständiger Film wäre.

Allerdings möchte ich an dieser Stelle betonen, dass wir es bis auf den Namen des Helden und einiger Winzigkeiten ohnehin kaum noch mit einem "Stirb langsam" zu tun haben. Viel eher könnte der Film ein Sequel von "Last Boy Scout" sein, der rein von Bruce Willis Rolle her ohnehin fast eine "Die Hard"-Kopie war. Hier passt viel mehr zusammen. Da hätten wir dien wesentlich mehr beachteten Aspekt der Vater-Tochter-Beziehung und ihre Art. Dann hätten wir die große Ehrfurcht des Helden vor der Regierung und deren gnadenlose Untergebenheit (in diesem Film für ein Actionwerk eher versteckter eingebracht). Und drittens ist der Charakter wie bereits erwähnt ohnehin mit "Stirb langsam" fast identisch. Andererseits bin ich froh dass der Film nicht den Titel "Last Boy Scout 2.0" trägt, immerhin fand ich den letzten Pfadfinder schon immer eine Spur besser als die Filme um McClane.

Ein Kritikpunkt, den sich „Stirb langsam 4.0“ gefallen lassen muss, wäre u.a. das häufige Anwenden von Computeranimationen. Wenn ein Auto über Bruce hinweg fliegt, und man sieht dem Gefährt an seiner Glätte und Sterilität seine Herkunft aus dem Computer an, dann ist das plump und verfehlt seine Wirkung. Was nutzt die tollste Action, wenn sie optisch nichts hergibt? Aber nun mal halblang! Vieles ist auch handgemacht getrickst und manch andere Computeranimation ist besser umgesetzt (manchmal rätselt man sogar was von beidem es nun war), gute Action gibt es also sehr wohl zu sichten. Aber der eher geringe Anteil schlecht gemachter Sequenzen sorgt halt für ein getrübtes Sehvergnügen.

McClane einen jungen Spund an die Seite zu stellen ist sicherlich Ansichtssache. Das funktioniert zwar hin und wieder wenn sich die beiden über Ansichten verschiedener Generationen zoffen, aber genau diesen Punkt hätte man ruhig ausweiten können. Das mangelnde Wissen über Computer passt zum McClane-Charakter und lässt seine Beziehung zu einem Computerjunkie lustig wirken. Die erwachsenen Partner in den Vorgängern (ich zähle den Polizisten mal dazu, der McLane in Teil 1 am Telefon begleitete) passten allerdings besser zum Cop. Es ist dem McClane-Charakter kaum abzukaufen, dass er sich in brenzligen Situationen auf ein Bübchen verlässt.

Der Jungspund ist ein Risikofaktor, der, trotz seiner Computergenialität, zu beschützen ist. Er ist kein Partner. Aber genau das wird er im Laufe des Films. Das wäre so als wenn Leo Getz in "Lethal Weapon 2" sich im Laufe des Films eine Partnerrolle zu den beiden Cops erspielen würde. Der Partnerschaft Jüngling und McClane kommt erschwerend das ewige Pseudo-Gerede über Heldentum hinzu. Heldentum wird fragwürdig definiert über das Handeln und der klaren Trennen nach Gut und Böse. Wenn McLane z.B. seine Tochter rettet, ist es völlig legitim auf dem Weg dahin mit dem Laster zig Autos zu schrotten und dabei sicherlich das ein oder andere unschuldige menschliche Leben zu opfern.

Was ich persönlich sehr interessant finde ist folgende Beobachtung: was in "Stirb langsam 4.0" als Terrorismus angesehen wird, wurde in "Flucht aus L.A.", der Fortsetzung von „Die Klapperschlange“, noch im Finale als Heldentum gefeiert. Strom weg, willkommen in der Steinzeit! Durch eine Videobotschaft der Terroristen sieht man im hier besprochenen Film, dass McClane in keiner fiktiven Vergleichszeit lebt, sondern in der unseren. Er lebt also auch in einem George Bush Jr.-regierten Amerika. Somit sind auch die Regierungen beider Filme vergleichbar: beide verbrecherisch,korrupt und nicht dem Wohl des Volkes dienend. Trotzdem wird in beiden Filmen die Stromattacke ethisch unterschiedlich ausgelegt.

Das liegt mitunter daran, dass McClane stets an den kleinen Mann denkt, dem nicht geschadet werden darf, dabei aber übersieht, dass die Regierung diesen Schaden bereits anrichtet. In seinen wenig ernsten (und leider belehrend wollenden) Szenen guckt sich der Film verdammt republikanisch. Und er weiß wer sein Publikum ist und welche Knöpfe er drücken muss um versteckt zu manipulieren und die Gehirne „Fehlgeleiteter“ zu waschen. Was sollen solche Belehrungen in Unterhaltungskino? Und wieso erinnern diese Belehrungen mehr an Propaganda als an Unterricht? Traurig!

Wichtigster Kritikpunkt, warum der Film lediglich nettes Mittelmaß geworden ist, ist der Actioninhalt. Was McClane hier erlebt geht nur noch als purer Comic durch. Ich will jetzt nicht behaupten, dass seine drei Vorgänger authentische Werke gewesen wären, aber Willis dabei zuzusehen wie er auf einen Militärflieger springt, von dem er zuvor mehrfach erfolglos angegriffen wurde, zu sehen wie er Hubschrauber damit tilgt Wasserfontänen oder fliegenden Autos auf die Bedrohung zu feuern, all das hat nichts mehr mit der typischen Actionfilm-Übertreibung zu tun. Das ist alles eine Spur zu viel. Wie die beiden Hubschrauber und der Flieger vernichtet wurde lässt entweder ausgeklügelste Mathematik und das Anwenden vieler anderer Wissensgebiete vermuten, oder eben nur pures Glück. Mit einer dieser 3 Aktionen hätte ich wegen dem 2. Erklärungsansatz leben können, aber 3 mal Glück ist viel zu viel des Guten.
 
In den Teilen 1 - 3 war immerhin noch McClanes Können gefragt, oftmals auch der Mut durch Provokation, aber er war kein Mensch der kopflos handelte. Dass dies in Teil 4 nicht der Fall ist, ist z.B. auch deutlich zu sehen in jener Szene, in der McClane mit einem Auto durch ein Gebäude rast, um eine Asiatin zu jagen und dabei gar nicht den Grobschnitt des Gebäudes kennt. Jede Wand und Tür durch die er brettert könnte die letzte sein. In den Teilen 1 und 2 war McLane mit den Gebäuden vertraut und in Teil 3 mit der Stadt. Hier konnte er solche Aktionen berechnend durchführen. In Teil 4 heizt er hirnlos in einem ihm unbekannten Gebäude herum, und so endet die Szene wie sie enden musste: er landet in einem Fahrstuhlschacht und erlebt eine weitere böse Situation.

Mit der eben erwähnten Asiatin wären wir direkt bei den guten Seiten von Teil 4. Wie Willis diese verprügelt ist, trotz ihrer Kampfkunst, so etwas von politisch unkorrekt, dass es eine Freude ist zuzugucken. Solche "unkorrekten" Szenen sieht man in Hollywoodproduktionen leider kaum noch. Ohnehin sind die Bösewichter gut gecastet und ebenso wie in Teil 3 wird eine völlig andere Geschichte erzählt, oder besser gesagt die selbe Geschichte in völlig anderem Gewand.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich viel von dem Computergeschwätz aufgrund meiner mangelnden Kenntnisse in diesem Bereich nicht verstanden habe. Ähnlich wie bei "Cube" muss man vieles von dem was behauptet wird einfach glauben. Dennoch zweifel ich an dem ein oder anderem Gezeigten in diesem Bereich.

Auch wenn ich nicht zu den Computerjunkies gehöre, so tut es mir außerdem etwas leid, wie hier mit ihnen umgegangen wird. Sie werden mal wieder als Freaks dargestellt, lebend in einer Welt voller Verschwörungstheorien, die nur auf den richtigen Weg gebracht werden müssten, um vernünftige Mitglieder der Gesellschaft zu werden. Von Individualismus haben Schreiber solcher Geschichten scheinbar noch nie gehört. Ich denke mal da unterschätzt man solche Leute etwas. Und Tatsachen, wie das Verbreiten der Angst durch Medien zur Erhöhung des Konsums, als Verschwörungstheorie darzustellen, ist schon eine Dreistigkeit für sich.

Dass ich selbst in den positiven Dingen zum negativen abschweife, zeigt nur erneut auf was für wackeligen Beinen "Stirb langsam 4.0" steht. Im Vergleich zu seinen Vorgängern ist er eine Unverschämtheit. Für sich gesehen ist er jedoch kurzweilige und anspruchslose Actionkost, die man allerdings nur dann gucken kann, wenn man sich komplett auf ein extrem starkes Comicniveau einstellt. Was man hier zu sehen bekommt, kann ferner der Realität nicht sein, selbst für ein Actionwerk, was aber nicht heißt, dass es nicht Spaß machen kann. Also: Kopf aus, zurück lehnen, die Action und die Sprüche genießen, und die Propagandastellen einfach überhören! Dann, aber nur dann, kann Teil 4 auch unabhängig von den Vorgängern funktionieren.  OFDb

25.10.2012

SURROGATES - MEIN ZWEITES ICH (2009)

In der Zukunft benutzen die Menschen im Alltag Roboter, in die man sich einloggen kann und mit denen man das Leben in einer anderen Identität erleben kann. Kaum wer geht noch selbst vor die Tür. Das Benutzen der sogenannten Surrogates ist bisher komplett ungefährlich. Was auch immer dem Roboter passiert, der User befindet sich sicher daheim. Der Cop Tom Greer stößt jedoch auf eine merkwürdige Todeswelle, in welcher User gemeinsam mit ihren Surrogates starben. Anscheinend haben Gegner dieser modernen Art zu leben eine Superwaffe entwickelt. Greer ahnt nicht die Tragweite, die hinter dem Fall steckt, denn scheinbar hat nur der Staat genügend Geld um eine solche Waffe zu entwickeln...

Chatten war gestern...
 
Wenn man sich die vergangenen Blockbuster der letzten Jahre im Science Fiction-Bereich anguckt, wird man mit Anspruch nicht gerade verwöhnt. Ob „Terminator 4“, „I, Robot“ oder „I Am Legend“, immer gab es Möglichkeiten mit Unsitten der Gegenwart und anderweitigen Missständen zu arbeiten, nie wurde das Gebiet der Gesellschaftskritik ernsthaft angegangen. Science Fiction wurde nach den vorbildlichen 70er Jahren immer mehr zum Unterhaltungsbereich degradiert.

In einer solchen Zeit ist man schon froh, dass so manches Werk zumindest halbwegs das Treiben der Menschen mit kritischen Augen betrachtet. Ausgerechnet Schundfilmer Michael Bay bewies mit seinem „Die Insel“ wie gut sich heutige Sehgewohnheiten mit ein wenig Anspruch vereinen lassen. Dennoch bekommt man heute meist anspruchslosen Kinderkram zu sehen, der oft sogar ins Gegenteil umschlägt, in die gesellschaftliche Fragwürdigkeit, wie z.B. Produktionen wie „Transformers“ zeigen.

Aber ab und an sind sie da, die anderen Science Fiction. Und mit Bruce Willis als Zugpferd war es wieder einmal so weit, dass ein Genrevertreter mit anspruchsvollem Gehalt ins große Kinogeschäft eintreten durfte. „Surrogates“ ist der Name dieses Films, und der hält der Spaßgesellschaft den Spiegel vor.

Nun darf man darüber streiten, ob es einer derartigen Extreme bedarf, das Treiben einer gedankenlosen Generation wiederzuspiegeln. Letztendlich würde dies bedeuten, dass heutzutage noch alles im normalen und vertretbaren Rahmen ablaufen würde. Ob die etwas weit hergeholte Idee von „Surrogates“ also nun eher positiver oder negativer Natur ist im Hinblick auf das Heute, sei zumindest einmal ein wenig kritisch betrachtet. Und dies nicht nur in diesem Punkt.

Im Ansatz ist die Kritik recht gut umgesetzt. Menschen schaffen sich andere Identitäten und gehen kaum mehr aus dem Haus. Mit diesen Identitäten können sie andere Sachen machen als bisher. Dies erinnert stark an zwei fast anonyme Bereiche unserer heutigen Zeit: den Internet-Identitäten in Foren und im Chat und den unsichtbaren Größen in Konzernen. Beide toben sich in ihrer Anonymität aus, meist um Gier zu befriedigen. Die eine Sorte Gier nach Geld, die andere Gier nach geistfreier Unterhaltung und Eitelkeit.

Die Surrogates sind also eine überspitzte Variante heutigem Tuns, und um so verwunderlicher ist die Charakterisierung, die „Surrogates“ vornimmt. Gegner der neumodischen Entwicklung werden als Hinterwäldler dargestellt, während gleichzeitig auf der Fragwürdigkeit der gesellschaftlichen Entwicklung herum getrampelt wird. Was denn nun? Gibt es gar keine normalen Menschen mehr auf der Welt, oder steht diese merkwürdige Figurenzeichnung dafür, dass der Surrogate-Nutzer doch zu den Normalen gehört, nur dass er mit der Zeit in etwas hinein gerutscht ist, das so nicht hätte sein dürfen. Warum sind Freaks anstatt Denker die Boykottierer?

Ein kleiner Schönheitsfehler, den man vielleicht nicht überdramatisieren sollte. Denn in anderen Punkten der Gesellschaftskritik gibt es nichts zu meckern. Die Alternativen, die gegen Surrogates sind, laufen hirnlos einem Prediger hinterher. Das finde ich einen sehr tollen Ansatz, den man häufig beobachten kann. Entdecken Menschen Missstände, glauben sie häufig automatisch der Gegenvariante, so als ob diese automatisch die richtige/bessere wäre. Mit dem Angebot einer anderen Extreme arbeiten Kirchen, Sekten und Politiker seit je her, ein Bereich der im faden „Matrix 2“ übrigens gewitzt eingebracht wurde, um ihn im schlechten „Matrix 3“ wieder komplett zu vergessen.

Schön auch die Gesellschaftskritik innerhalb der in „Surrogates“ angewendeten Optik. Diese wirkt ähnlich dem „Sky Captain And The World Of Tomorrow“ wie durch den Weichzeichner gejagt und erstellt damit ein fragwürdiges Schönheitsideal, das wir heutzutage schon beispielsweise auf den Titelblättern von Programmzeitschriften wie TV Spielfilm und TV Movie entdecken können. Statt Schönheit erleben wir ein verzerrtes Bild dieser. Die Roboter könnten künstlicher nicht aussehen, aber sie werden als attraktiv empfunden.

In diesem Bereich weiß Regisseur Mostow mit den Sehgewohnheiten des Publikums zu spielen, denn er schafft es uns zwei mal diesbezüglich mit Bruce Willis zu schocken. Zunächst sichten wir ihn als widerlichen Roboter mit glattem Gesicht und peinlicher Frisur. Loggt er sich aus, erleben wir einen gealterten Willis, dessen altes Gesicht von einem Bart bewuchert wird. Dieser Mann sieht schwach und ausgelaugt aus und ist somit ein völlig anderer Willis, als wir ihn sonst im Actionbereich erleben.

Unsinnig erschien mir persönlich der Ansatz, das Anwenden der Surrogates hätte zu einem extremen Verbrechens-Rückgang geführt. Man sollte das Gegenteil annehmen, wenn Menschen in andere Identitäten schlüpfen können um sich auszutoben. Das Bild dieses Ansatzes wird zwar krampfhaft aufrecht erhalten, in dem wir erfahren, dass es so etwas wie Anonymität nicht mehr gibt (alles ist registriert und wird überwacht), jedoch bezieht man hier nicht mit ein, dass eine Technik nicht bis zur Ewigkeit von einem Monopol beherrscht werden kann. Gerade der Elektronik-Bereich ist für Dritte schnell verständlich, und so macht es wenig Sinn den Gedanken auszublenden, dass ein Surrogates-Schwarzmarkt entstehen könnte mit nicht registrierten Modellen. Und in diesen Gedanken ist nicht einmal jene Idee einbezogen, dass auch Dritte ein Gerät entwickeln könnten, mit dem man sich in fremde Surrogates einloggen könnte.

Allerdings fällt ohnehin auf, dass die an sich nette (wenn auch überzogene) Grundidee nicht zu Ende gedacht wurde. Warum sollte ein Polizist an einem einzelnen Surrogate hängen? Greer lässt einen Verdächtigen suchen, dieser wird dank des Überwachungsstaates auch schnell ausfindig gemacht, und dann rast der gute Mann durch die halbe Stadt. Warum nicht ausloggen und in ein in der Nähe befindliches Surrogate-Modell einloggen? Würde zwar ein wenig an die Agenten aus „Matrix“ erinnern, wäre aber zumindest nicht unlogisch. Warum ausgerechnet Bruce' Rolle den Verdächtigen fangen muss in dieser kontrollierten Gesellschaft, anstatt irgendwelche Kollegen, ist zumindest eine Idiotie, die man den Sehgewohnheiten zuordnen kann. Eine Lücke entsteht dadurch dennoch.

Fast jede Science Fiction-Geschichte hat ihre Sprünge in der Logik. Das macht Werke wie „Zurück in die Zukunft“ und Co noch lange nicht kaputt. Also gäbe es eigentlich an „Surrogates“ nichts auszusetzen, bei dem wunderbaren Mix an gekonnter Action, hohem Unterhaltungswert, einem gut agierenden Bruce Willis und endlich wieder einer Geschichte, die Kritik am aktuellen Leben ausübt. Was will man eigentlich mehr?

Um so ärgerlicher war es für mich zu entdecken, dass einige Dinge, die für das aktuelle Kino eigentlich selbstverständlich sind, in Mostows Werk schlichtweg ignoriert wurden. Wieso wurde gerade in Zeiten von 3 Stunden-Filmen und dem Standard von 120 Minuten statt den damals üblichen 90, „Surrogates“ zu einem 90-Minüter gestrafft? Es ist geradezu lächerlich zu beobachten, wie Greer ohne echte Gegenwehr und ohne Steine in den Weg geräumt zu bekommen seinen Untersuchungen nachgeht, und auch im Finale einfach so in die Wohnung des Täters einmarschiert, um ihn aufzuhalten.
In den letzten 20 – 30 Minuten geht alles viel zu einfach, die Geschichte wird arg simpel. Sie war auch zuvor nicht sonderlich innovativ, so fleißig wie sie von Werken wie „Flucht ins 23. Jahrhundert“, „Westworld“ und „Flucht aus L.A.“ klaut, aber sie war zumindest gut erzählt. Bruce Willis tappste als verletzbarer Mensch unter Maschinen umher, erwachte aus einer Lethargie, die ihn zum Nachdenken brachte, und seine Ermittlungen machten ihn zum Feind beider Fronten.

Alle drei Faktoren sollten eigentlich in der Zukunftsgesellschaft so schwerwiegend sein, dass ein Kampf zur Erlangung der Superwaffe und den Erkenntnissen hinter den Taten schwer zu bewerkstelligen und aufzudecken sind. Es ist das letzte Drittel, das den Gesamtfilm zu gewöhnlich erscheinen lässt. Und dies hätte sich ausgerechnet durch das Anwenden heutiger Alltäglichkeiten im US-Kino beheben lassen können: verwirrtere Story und längere Laufzeit.

Das liest sich alles schlecht, ist je nach Blickwinkel vielleicht sogar wirklich schlecht zu nennen, wenn man bedenkt, dass der Film für Genrefans mit seinen Wendungen zu vorhersehbar und überraschungsarm daher kommt. Aber „Surrogates“ ist die Action-Variante des Science Fiction, und diesbezüglich gibt es nichts zu meckern. Tolle Effekte (wenn auch einige zum Selbstzweck), wuchtige Action und ein Held alter Schule sind deutliche, wenn auch eher quantitative, Pluspunkte des Streifens.

Nichtsdestotrotz fällt jener Gattung Zuschauer, die es gerne tiefsinniger mag, auf, dass gerade die Schluss-Situation zur interessanteren Geschichte führt, als jene, die wir miterlebt haben. Eine Fortsetzung fände ich sehr reizvoll.

Vielleicht sollte man diese jedoch mit einem anderen Regisseur umsetzen. Mit Ausnahme seines sehr schlechten Frühwerks „Beverly Hills Body Snatchers“ schaffte es Mostow nie mehr als sympathische Routine abzuliefern, seien es Werke wie „Breakdown“ oder „Terminator 3“. Mit den Karten, die der Schluss von „Surrogates“ einer Fortsetzung zuspielt, bräuchte man einen etwas fähigeren Mann.

Zusammenfassend kann man sagen, dass „Surrogates“ trotz vorhandener und geglückter Gesellschaftskritik ein etwas oberflächliches Werk geworden ist, dessen Idee nicht zu Ende gedacht wurde, dafür aber mit anderen cleveren Dingen punkten kann, wie beispielsweise mit der Auflösung des wahren Täters. Seine Beweggründe erinnern an Missstände heutiger Tage, und man darf es wohl als Ironie betrachten, dass man diesbezüglich als erstes an die Untaten des Disney-Konzerns denkt, ausgerechnet jener Filmfirma, die für „Surrogates“ verantwortlich war.

Trotz aller Defizite macht Mostows Film Spaß. Er wird nie langweilig, ist rasant erzählt, bietet auch ein wenig etwas für den Kopf und schwelgt in einer psychologisch pfiffigen Optik. Dennoch sollte man seine Erwartungen nicht zu hoch schrauben. Ein versimpeltes letztes Drittel und andere Schwächen reduzieren „Surrogates“ zu einem angenehmen Routine-Film, ein Ergebnis das nicht hätte sein müssen.  OFDb