Posts mit dem Label Bryan Cranston werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bryan Cranston werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

18.08.2022

BATMAN - YEAR ONE (2011)

Mit Blick auf den an sich nett anzuschauenden Vorgänger "Batman - Under the Red Hood" kommt "Batman - Year One" in der Figurenzeichnung besser animiert daher. Und das braucht auch nicht wundern, war doch Frank Millers Comicbuch die Vorlage dieses unterhaltsamen Einblicks in die Anfänge Batmans, und der ist nun einmal Legende in der Moderne der Abenteuer des Fledermausmannes. Weder Buch noch Film sind auf dem Niveau des ein Jahr später folgenden "Batman - The Dark Knight Returns", der quasi das Gegenstück des hier besprochenen Streifens darstellt, aber auch Year One kann sich sehen lassen. Dies weniger aufgrund einer überraschenden Geschichte, ganz im Gegenteil entsteht nach und nach alles wie wir es kennen, aber der Weg ist das Ziel, und dieses Sprichwort passte selten so tadellos wie hier, ist es doch aufregend zu erleben, wie es zu allem kam was dem Batman-Freund aus den üblichen Abenteuern bereits bekannt ist. 

Eine gute Entscheidung war es meiner Meinung nach den Großteil aus der Perspektive Gordons zu erleben, dessen Charakter so zwiespältig wie der von Bruce Wayne ist, und dessen persönliche Geschichte nicht minder interessant ist, neu in einer Region tätig, in welcher die Polizei korrupt ist, verletzbar durch die Schwangerschaft seiner Frau und sich zwischen den Stühlen befindend, wenn es um die Batman-Frage geht. Letztendlich erzählt Millers Geschichte, wie es zu der Überzeugung kam Batman vertrauen zu können. So weit wie im Folgewerk, dass Gordon die Identität Batmans bekannt ist, geht Miller jedoch nicht. Er hält sich an das Regelwerk der zugrundeliegenden Heftreihen, modernisiert und erweitert sie mit Respekt und durchdacht, und zeigt in Kleinigkeiten immer wieder seine Kenntnis der Materie auf. Schön sind die immer wieder auf jetzt noch nicht thematisierte Hauptgeschehnisse geschielte Vormomente kommender Ereignisse. Da darf Dent bereits dem Verbrechen den Kampf ansagen, Catwoman erfindet sich selbst ohne Batman zu begegnen, und auch anderweitige Verweise finden immer wieder am Rande statt. Das wirkt nie anbiedernd, aufdringlich oder überfrachtet, bereichert die Grundstruktur auf welcher das hier erzählte Hauptgeschehen aufbaut und überschattet es nie. Wie gesagt fehlt die Perfektion, die später in "Batman - Die Rückkehr des dunklen Ritters" und seinen beiden Verfilmungen ab 2012, zu erleben sind, aber "Batman - Year One" ist geistreich genug ausgefallen, um den Erwachsenen unter den Zuschauern ebenso ernst zu nehmen wie den Comic-Nerd.  OFDb

18.04.2020

WHY HIM? (2016)

"Why Him?" versucht in einer an "Meine Braut, ihr Vater und ich" und "Schwiegersohn Junior" erinnernden Geschichte von einem Sonderling zu erzählen, den man mit der Zeit lieb gewinnen soll. Aufgrund einer psychologisch undurchdachten und unsensiblen Charakterisierung der Figur des eigentlich gut gespielten Lair und dem Drang stetig aufdringlich Tabus aufzubrechen, will das jedoch so gar nicht funktionieren, ist die Figur doch zu recht ein Unsympath, so wenig wie er sich in andere einfühlen kann. Man entschuldigt seine Art mit seiner familiären Hintergrundgeschichte und damit, dass er es doch gut meint und nicht besser kann. Aber es gibt einfach keinen vernünftigen Grund diesem Holzklotz von Mensch zu mögen, so sehr das Drehbuch auch darum bemüht ist, ihm Sympathie zuzuspielen. Auch eröffnet sich dem Zuschauer nie, warum sich Stephanie emotional zu ihm hingezogen fühlt. Man versteht vielmehr die Haltung des als Spießers gebrandmarkten Ned, und kann freilich mit dessem obligatorischem Wandel zum Schluss nichts anfangen. Autor Jonah Hill schreibt etwas nach, was andere Filme vormachten, ohne Ursache und Wirkung, gegenseitigen gesellschaftlichen Einfluss und andere psychologische Elemente zu verstehen. Wie auch? Er ist viel zu sehr damit beschäftigt jene Art aufdringlichen, pubertären Provokations-Humor einzubauen, für den er mit "Superbad" und Co berühmt wurde, um zu bemerken, dass der Fluss der Geschichte und die Gefühlswelt, die er verursachen soll, nicht funktionieren.

Wo durch gelegentlicher (nicht immer funktionierender) Zuführung derartigen Humors Werke von Hills Kumpel Seth Rogen zu funktionieren wissen, da will der inflationär eingebrachte Humor in "Why Him?" kaum funktionieren und macht, trotz einiger wahrlich gelungener Momente, aus dem fertigen Film eine ziemlich peinliche Nummer. Das verärgert umso mehr, als dass mit James Franco ein talentierter Mime mit an Bord ist, der eigentlich gerade laute Provo-Komik gekonnt zu beherrschen weiß. Noch ärgerlicher ist es mit Blick auf Bryan Cranston, der allein in "Breaking Bad" bewies wie facettenreich er schauspielern kann. Durch eine Rollenauswahl wie diese, ist es kein Wunder, dass er trotz seines überragenden Talents keinen Erfolg im Filmbereich verbuchen kann. Regisseur John Hamburg gehört mit Arbeiten wie "Und dann kam Polly" und dem etwas besseren "Trauzeuge gesucht!" auch nicht gerade zum Personenkreis seines Fachs, dessen Filme über Durchschnitt funktionieren, aber das Fremdschäm-Desaster haben wir definitiv Jonah Hill zu verdanken, der es als fester Teil der hier tätigen Gruppe Filmemacher schaffte James Franco und Ben Stiller als Produzenten zu gewinnen. Als Gaststars huschen noch zwei Kiss-Mitglieder durchs Bild, ein Gastauftritt der so anbiedernd anstatt erfreuend zu funktionieren weiß, wie die Krankheit unter welcher der komplette Film leidet. Es ist erstaunlich dass eine gewisse Restsympathie bei einem sehr wohlwollenden Publikum den Streifen trotz allem vor dem totalen Untergang bewahrt.  OFDb

THE DISASTER ARTIST (2017)

Bei der Kombination Franco und Rogen denkt man zunächst an die Party-Komödien "Ananas Express", "The Interview" und "Das ist das Ende". Wie schon manch andere Regiearbeit von James Franco, so ist "The Disaster Artist" jedoch eine Tragikomödie und somit etwas ganz anderes als die Gemeinschaftsarbeiten der beiden zuvor. Allerdings ist der hier besprochene Film, dem die gemeinsame Tragikomödie "Zeroville" zwei Jahre später folgen sollte, ohnehin kein Seth Rogen-Film, auch wenn dieser an dritter Stelle genannt wird. Der Mit-Produzent spielt eine Nebenrolle, die erst zum zweiten Drittel ins Geschehen tritt und spielt diese angenehm zurückhaltend. Im Zentrum stehen James Franco und sein Bruder Dave, die uns zeigen wie es zu dem Film "The Room" kam, der in den USA aufgrund seines schlechten Ergebnisses zu alternativem Ruhm kam, während er hierzulande nicht einmal den meisten Cineasten ein Begriff ist.

Bis jetzt zumindest, denn durch "The Disaster Artist" könnte sich das ändern, ist er doch interessant genug ausgefallen, um aufzufallen. Zumindest ist er ungewöhnlich genug umgesetzt, um dies zu tun. Zwar folgt Franco dem klassischen Handlungsablauf einer solch biographischen Geschichte und hält sich großteils überraschend stark an die Norm, die im eher konservativen Hollywood herrscht, nicht aber ohne subtil im Unterton bereits jenen alternativ verschmitzten Stil atmen zu lassen, der in gelegentlichen lauteren Szenen schließlich überdeutlich hervor bricht. Franco war nie der angepasste Filmemacher im Stil eines Adam Sandlers, er "provozierte" in seinen eigenen Werken schon immer und ließ sie eine Mündigkeit atmen, die sich gegen verbohrte Standards richtete. Wo es in wilderen Filmen gerne auch mal um körperliche Tabus, Drogenkonsum und lockere Lebensarten ging, da leuchten in "The Disaster Artist" diese Aspekte nur kurz auf, um im erwachsener geratenen Rahmen alternativen Denk- und Lebensweisen einen Appell um Akzeptanz zu gewähren. Diese Botschaft kommt unterschwellig und frei von Moral daher, wird noch weit weniger bedeutungsschwanger integriert als im diesbezüglich bereits wunderbar funktionierendem "Adams Äpfel", und wer Franco kennt, weiß dass auch ein erwachsenes Ergebnis in seinen Händen noch genügend charmant unreife Momente beherbergen wird, aber letztendlich ist der Respekt und die Toleranz vor alternativen Menschen der Kernpunkt des Streifens.

Freilich ist er auch eine Erfolgsgeschichte, zumindest wenn man dem Film glauben kann, dass "The Room" heutzutage tatsächlich derart gefeiert wird. Aber wie eine solche fühlt er sich erst zum Schluss an, wenn aus einem sehenswerten Film für einen kurzen Zeitpunkt ein unglaubwürdiger wird, kann ich mir doch nicht vorstellen, dass der unermüdliche Tommy bei so viel Herzblut so schnell und leicht akzeptieren kann, dass sein Film anders gemocht wird, als er gedacht war. Und kam dieses Party-Feeling tatsächlich bereits während der Premiere auf? Wie unglaubwürdig sich dieses, wahrscheinlich aus dramaturgischen Gründen veränderte, Szenario auch anfühlen mag, der exzentrische Charakter, den der Regisseur hier verkörpern darf, überzeugt umso mehr. Das darf schon verwundern, so grotesk er doch manchmal angelegt ist (überzeugend und mutig dargeboten von einem wie immer überargierenden, aber nicht minder talentierten James Franco), aber der Film lebt hauptsächlich von ihm. Dave Franco mag die Hauptrolle als Identifikationsfigur einnehmen, aber er ist ein Normalo, der die Geschichte nicht in Bewegung bringt, nicht einmal durch sein Empfinden der Ereignisse.

Der sich selbst überschätzende und untalentierte Tommy sorgt für das besondere Etwas, eingebettet in eine psychologisch durchdachte und somit funktionierende Dynamik, versteht das Drehbuch doch den Motor, der die ganzen Ereignisse zum laufen bringt und im weiteren Verlauf die entscheidenden Wendungen beeinflusst. Dass man sich als Zuschauer während der fiktiven Dreharbeiten ebenso wie das Publikum des Originalfilms fragt, worum es in "The Room" eigentlich gehen soll, ist nur ein Beweis dafür, dass "The Masterpiece" (Alternativtitel) erreicht was er will und somit zu funktionieren weiß. Mag sich die Geschichte in der Theorie auch ein wenig wie Burtons "Ed Wood" anhören, er ist völlig anders geartet, allein schon weil er die Figur des Tommy nicht feiert und sie absichtlich nie durchleuchtet oder hinterfragt. Denn Tommy soll ein Rätsel bleiben, das Werk über ihn soll keine Sozialstudie sein, in der wir lernen die Psyche des ungewöhnlichen Mannes zu verstehen. Wir sollen nur kurz jene Luft atmen, die man in seinem Radius abbekommt. Dank eines passiven und dennoch aufdringlichen, sensiblen aber nicht empathischen und reflektierenden aber fehlerhaft selbst-reflektierendem Charakters ist das auch gar nicht anders möglich, wenn man erst einmal in Kontakt zu ihm steht.  OFDb

20.06.2019

BREAKING BAD - STAFFEL 5 (2012)

Mit dem Verlust der Figur des Gustavo Fring ging großes Potential verloren, was aber nicht das Ende einer interessanten Geschichte bedeutet. Mag der große Sehwert des mächtigen Gegenspielers auch wegfallen, zwischenmenschlich weiß die Geschichte der fünften Staffel von "Breaking Bad" so einiges zu bieten, so dass es auch in der letzten Staffel nicht an nervenkitzelnden Momenten, emotionalen Erlebnissen und schwarzhumorigen Seitenhieben mangelt. Die Staffel wurde in zwei Hälften präsentiert ausgestrahlt, startet mit der zweiten Hälfte doch eine im Zusammenhang stehende neue Geschichte, in welcher Hank wie zu erwarten zum Gegenspieler Heisenbergs wird. Das Hinhalten hat ein Ende, und doch hat es sich nie wie ein Hinhalten angefühlt, auch nicht in der ersten Hälfte der finalen Staffel, die gekonnt Dinge für die zweite vorbereitet, die man nie voraus ahnen könnte. Doch auch die vorauszusehenden Zutaten wissen stets zu überraschen, spielen die Autoren doch weiterhin gekonnt mit den Erwartungen des Zuschauers, immer alles anders präsentierend als angenommen, ohne dabei der Glaubwürdigkeit der fast widerspruchslosen, durchdachten Comicwelt des "Breaking Bad"-Universums zu schaden.

Interessant ist anzumerken, dass das konkrete Finale, also die letzten Episoden, weit weniger actiongeladen daher kommen, als manch einer vermutet hätte, vielleicht sogar erhofft. Die Serie geht auf ruhig erzählten Wege zu Ende, lässt es erst kurz vor Schluss ordentlich krachen, dann aber richtig, spart auf dem sachlich konzentrierten und ruhigen Pfad bis dahin aber nicht mit nervenaufreibenden Szenarien. Überall kocht es, so ziemlich jeder Beteiligte erlebt ein schweres Schicksal, Solidaritäten werden durchbrochen, überraschende Bündnisse eingegangen, es wird mit allen Mitteln gekämpft, und drei Episoden vor Schluss wird man zudem vor den Kopf gestoßen mit einem Ausgang einer entscheidenden Situation, die man für den Schluss der Serie gehalten hätte. Stattdessen holt die fünfte Staffel an diesem Punkt noch einmal aus, um völlig andere Elemente abzuarbeiten, Ereignisse und Wendungen die äußerst interessanter Natur sind, aber oftmals in solch einer geduldigen Nichtigkeit zelebriert werden, dass manch einem das Gezeigte eventuell nicht schmecken könnte. Allerdings war "Breaking Bad" ohnehin nie die Art Serie, die sich den ungeduldigen, auf reißerisch Elemente fixierten Zuschauer zum Zielpublikum machte, auch wenn diese Art Klientel überraschender Weise ebenfalls für die überdurchschnittlich intelligente Serie zu begeistern war.

Nun im Finale - und dies eigentlich nicht nur in den letzten drei Folgen - beweist sich der wahre Freund der Reihe, wenn auf eher nüchterne Art immer wieder gut reflektiert die jeweils nächste Phase der kaum vorauszusehenden Ereignisse zelebriert wird. In besagter Schlussphase der letzten Staffel wird diese Herangehensweise gekonnt auf die Spitze getrieben, wenn sich übelste Ironien abzeichnen, ernüchternde Wahrheiten ans Licht geraten, inmitten dieser Sachlichkeit aber doch immer wieder die realitätsentrückte Comicwelt der Serie über allen Ereignissen schwebt. Bis zum Schluss pendelt die großartig erzählte Serie zwischen realitätsnah und comicartig überzogen, in bitteren, wie in lustigen oder spannungsgeladenen Momenten. Und wer mit der subtilen Art der Serie etwas anfangen konnte, beispielsweise mit der Kissenszene der ersten Staffel, der wird den überraschend ruhigen Schluss, mit seinem völlig anderen Anlaufpunkt, geradezu zu genießen wissen.

Dennoch sei angemerkt, dass mit diesem gelungenen und lobenswerten Schritt nicht jene Intensität entfacht werden kann, wie sie in den hoch kochenden Phasen der dritten und vierten Staffel erreicht wurden, die man als das Highlight der kompletten Serie betrachten kann. So gut der Schluss auch ausgefallen ist, ohne kaum Fragen offen zu lassen und in keinster Weise zu verärgern, er schaut sich längst nicht mehr so ununterbrochen packend erzählt wie in dieser Bestzeit. Staffel 5 gönnt sich immer wieder Atempausen und neue Anläufe, dies jedoch bei weitem nicht als unbeabsichtigter, schwächelnder Punkt des Ganzen. "Breaking Bad" geht nicht der Atem aus, die Qualität wird nicht geringer, das Pulver ist längst nicht verschossen. Ganz im Gegenteil war es sogar eine Produzentenentscheidung die Serie mit Staffel 5 enden zu lassen, nicht die Entscheidung des TV-Senders aufgrund womöglich schwächelnder Quoten. Das Gegenteil war der Fall, die Serie war nach wie vor heiß begehrt. Alles was Staffel 5 erzählt und wie hier vorgegangen wird, ist pure Absicht, bestehend aus gekonnten Manövern, einfallsreichen Ideen, psychologisch cleveren Kniffen und unerwarteten Wendungen, die der Chose immer wieder neues erzählenswertes Potential bereiten. Somit bleibt auch Staffel 5 ein sehenswertes TV-Highlight einer Fernsehserie, die eine Qualität vorlebte, an die bislang keine weitere von mir gesichtete Serie im Thriller- und Dramenbereich heran reichen konnte. "Breaking Bad" ist ein TV-Juwel, eine erstaunliche Ausnahme im Serienmeer, und gerade die völlig andere Herangehensweise der beiden Hälften der fünften Staffel machen dies noch einmal deutlich.  OFDb

19.01.2019

BREAKING BAD - STAFFEL 4 (2011)

Die vierte Staffel von "Breaking Bad" ist derart intensiv ausgefallen, dass sie eigentlich das hohe Niveau der dritten Staffel noch toppen könnte. Sie tut es auch an vielen Stellen, auf die Gesamtstaffel gesehen ist der Beginn der Erzählung jedoch ein wenig monoton und zu bekannt ausgefallen, als dass das ansonsten vor Höhepunkten in Sachen Spannung und Dramatik nur so strotzende vierte Jahr der Erfolgsserie tatsächlich mit ihrem Vorgänger mithalten kann. Erkennt man was in dieser etwas schwächeren Phase vorbereitet wird, was sehr versteckt passiert und kaum vorhergesehen werden kann, ist es wichtig, dass Staffel 4 erzählt ist, wie es dies wurde. Deswegen dachte ich nun bei meiner zweiten Sichtung ich würde mit dem Beginn wärmer werden, eingeweiht in die Pläne der Autoren. Aber das war auch diesmal nicht der Fall. Erstsichter sollten sich von den ersten drei Folgen jedoch nicht täuschen lassen, was diesen folgt ist großes Kino im TV, oft Nervenkitzel pur, entfacht durch wahnwitzige Ideen, mit denen man nie gerechnet hätte und durch ein Hochkochen an Problemen an allen Ecken und Enden. 

Freilich ist mein Beklagen der ersten Folgen Schimpfen auf hohem Niveau. Immerhin sind auch diese interessant genug erzählt, um nicht einzig aufgrund der Neugier und des Suchtfaktors der Serie dran zu bleiben. Aber Staffel 3 hat nun einmal ein Niveau vorgelebt, dessen Fortführung man sich als treuer Freund der Reihe wünscht, und diesen Wunsch erfüllt der Anfang der Folgestaffel nun einmal nicht. Spannend ist hingegen in ruhigeren Momenten ebenso wie in aufregenderen der Blick hinter die Kulissen von Frings Unternehmen. Selbiges betrifft dessen trickreiches Vorgehen, welches immer wieder offenbart welch raffinierten Gegner Walter tatsächlich hat. Fring und White sind ebenbürtig, keiner darf den anderen unterschätzen. Oft weiß man als Zuschauer ohnehin nicht was man glauben soll, ist Heisenberg doch eine ebenso zwielichtige Gestalt wie der Führer des Drogenimperiums selbst. Und mit Jesse als Figur zwischen den Fronten erleben wir ein Aufwühlen dieser Situation in einer Extreme, in der wir Zuschauer selbst nicht mehr wissen wer hier wen bei was manipuliert, bis wir die Auflösung dessen, mal früher und mal später, vorgesetzt bekommen. Staffel 4 bleibt nicht nur in diesem Punkt nicht vorhersehbar. Besagter Trumpf der bisherigen Serie bleibt es glücklicher Weise auch hier.

Mittlerweile wird mit allen Mitteln gekämpft, überall nagt es an Vertrauen, aus jeder Ecke brodelt Gefahr, selbst aus der Richtung Skyler, die eigentlich bemüht ist die Katastrophe, die sie ihrem Ehemann zu verdanken hat, einzudämmen. Hierfür wird, wie so oft, eine scheinbar ehemalige Figur der Serie wieder überraschend eingebracht, und diese schafft es auf angenehm passive Art für ordentlich Unruhe zu sorgen, so dass nicht gleich jede Figur im "Breaking Bad"-Universum zu irgend etwas Zwielichtigem mutiert. Immerhin ist es weiterhin Trumpf der Serie innerhalb ihrer Aberwitzigen Idee, abgewechselt mit überdrehten und grotesken Comicelementen, stets eine gewisse Authentizität und damit Glaubwürdigkeit der Ereignisse aufrecht zu erhalten. Und dieser Linie bleibt man sich weiterhin treu. Bleibt also nur zu sagen, dass auch die vierte Staffel dieser wundervollen Thriller-Drama-Serie zu den Highlights amerikanischer Fernseherlebnisse zählt und in seinen besten Phasen auch den Höhepunkt von "Breaking Bad" selbst darstellt. Hier wird eine derart großartige Geschichte erzählt, dass es eigentlich schön gewesen wäre, wenn Staffel 4, trotz aller offenen Situationen und Fragen, das Finale gewesen wäre, ist das Schlussszenario theoretisch gesehen doch auch ein toller Schluss für die Serie an sich. Als begeisterter Anhänger dieser bin ich freilich trotzdem glücklich, dass es zu einer (länger ausgefallenen) fünften Staffel kam und auch lang erwartete Konfrontationen in dieser endlich angegangen werden. Allerdings wird es hierbei nie wieder so gut wie in Staffel 4. Aber davon berichte ich ein andermal.  OFDb

18.08.2018

BREAKING BAD - STAFFEL 3 (2010)

Während sich, zumindest für den guten Beobachter, die Zwielichtigkeit des Walter White-Charakters immer mehr herauskristallisiert, schwankt die höchst ereignisreiche dritte Staffel an sich stets zwischen Ruhephasen und aufregenden. Zwei Mexikaner auf Rachefeldzug, ein unter Drogeneinfluss abgedrifteter Jesse, ein für lange Zeit beeinflussendes Schicksal Hanks, welches für Walter die entscheidenden Veränderungen im neu gewonnenen Job beim mächtigen Gustavo bedeutet und letztendlich zu einem Vertrauensverlust der lebensgefährlichen Sorte führt, an Ereignissen mangelt es hier nicht. Wo vorher eher Kleingangster des Milieus beleuchtet wurden, da bekommen es die beiden Giftmischer nun mit gut organisierten Profis zu tun, in deren Umfeld sich Mike und Saul ebenfalls als weitaus tiefer im Sumpf steckende Mitbeteiligte entpuppen, als von den meisten bisher angenommen. Auch Skyler wird innerhalb dieser Staffel zu mehr als nur zur wütenden Ehefrau, was ebenfalls die Karten in manchem Bereich völlig neu zu mischen vermag.

Die hohe Qualität der Vorgängerstaffeln wird bei gleichbleibender, hochkarätiger Besetzung nicht nur beibehalten, sondern noch einmal ein Stückchen nach oben verlagert, gehört das hier besprochene Jahr der Reihe doch zu dem besten was Serien im Bereich Thriller und Drama je hervorgebracht haben. Detailgetreu beschrieben begleiten wir in seiner Langsamkeit erzählt einen sich flott anfühlenden, durchdachten Plot, der so gut wie nicht vorherzusehen ist, so dass man jederzeit mit allem rechnen muss, ohne dass die Protagonisten gleich reihenweise dafür sterben müssen wie in "Games of Thrones". Durch die Konsequenz in allen Bereichen, wie Charakterwandel, Ursache und Wirkung, ja selbst sogar in comicartigen Momenten wie der Kult-Folge "Die Fliege", die so austauschbar wie genial ausgefallen ist, einen lückenlos durchdachten Plot zu bieten, bleibt der "Breaking Bad"-Kosmos stets glaubwürdig, so dass man intellektuell ebenso gefordert wird wie vom Unterhaltungsgrad her, zumal die Serie nach wie vor kaum Serienkrankheiten bereit hält.

Krebs und das zweite Kind spielen nun eine derart untergeordnete Rolle, dass man sich weiträumiger auf andere Aspekte der Geschichte konzentrieren kann, freilich ohne die Dramaturgie der Charaktere zu vernachlässigen, die auch einen tiefer gehenden Blick auf Randfiguren nicht scheut. Was Jesse und Hank in dieser Staffel alles durchmachen müssen ist nicht nur schockierend erzählt, sondern auch empathisch, wie alles bislang emotionale. Und dass selbst die zwei Rache suchenden Mexikaner in nur einer Rückblicksequenz eine derartige Dramatik an den Leib geschrieben bekommen, macht die erneute Glanzleistung der Autoren deutlich, deren Talent man im Mainstream-Kino Amerikas seit Jahrzehnten verzweifelt sucht. Allein deshalb braucht es nicht verwundern, dass Fernsehserien aufgrund von Produktionen wie "Breaking Bad" wieder eine alternative Verlockung zum immer dümmlicher werdenden Mainstream-Kino wurden, auch für die Masse selbst, auch wenn nur wenige Veröffentlichungen der letzten Jahre gerade einmal ansatzweise an das Niveau der mit Cranston so hervorragend besetzten Serie heran reichten.

Wo andere Serienschaffende sich lediglich darauf ausruhen bereits bekannte Stoffe neu zu variieren, in den besonders dreisten Gehversuchen gar per Neuverfilmung eines ehemaligen Kinohits, da setzt "Breaking Bad" auf Eigenständigkeit und Einfallsreichtum, was gerade die dritte Staffel in ihrer Vielfältigkeit demonstriert, ohne dass die Serie dadurch überfrachtet ausfällt oder der Überblick verloren geht. Das Gegenteil ist der Fall, und deswegen bleibt die Serie auch in ihrem dritten Jahr ein Produkt des konzentrierten, interessierten Zusehens, anstatt der Zwischendurchverzehr zu sein, den man auch unkonzentriert neben einer anderen Tätigkeit beiläufig sichten kann. Da das Verstehen von Situationen und Figuren sich auch erneut in der deutschen Synchronisation wiederfindet, geht dieser Anspruch des Stoffes auch in der Synchronfassung nicht verloren. Kurzum: das vorgelebte Niveau wurde beibehalten, bzw. ein Stückchen nach oben gehievt, so dass man in den oft dramatischen und mal nüchternen und thrilligen Erlebnissen der dritten Staffel regelrecht aufgehen kann. Heutzutage beneide ich das Publikum für ihre Freiheit schnell die vierte Staffel nachrücken zu können. Seinerzeit so viele Monate auf die Antwort des besten Cliffhangers der Serie zu warten war tatsächlich eine kleine Qual.  OFDb

01.07.2018

BREAKING BAD - STAFFEL 2 (2009)

Während die erste Staffel zur Mitte hin eine kleine Verschnaufpause einlegte um in ruhiger Gangart die Zwischenerlebnisse zu erzählen, ist Staffel 2 fast gänzlich in diesem ruhigen Stil erzählt. Drama und Thriller bekommen ungeheuer gute Spannungsmomente beschert, diese ruhige Herangehensweise darf man also nicht missverstehen und mit Stillstand oder dem Hang zur Langeweile verwechseln, aber derart außer Atem vor lauter Nervenkitzel, so wie im Großteil der Vorgängerstaffel, ist man in "Breaking Bad" in seinem zweiten Jahr nur zu Beginn, wenn die Geschichte um Tuco zu einem Ende geführt werden muss. Gerade wenn man, so wie ich, die komplette Serie schon einmal gesehen hat, überrascht der gemütliche Marsch durch die vielen Ereignisse der zweiten Staffel schon ein wenig, weiß man doch wie nervenkitzelnd es in den kommenden Jahren noch des öfteren zugehen wird. Aber in der hier besprochenen Season bleibt das Geschehen selbst dann relativ ruhig und besonnen, wenn es innerhalb des Gangstermilieus Probleme zu bereinigen gibt, wofür gerade jene sehr stille Folge ein gutes Beispiel ist, in der Jesse Junkys zur Rede stellen muss, die einem seiner Dealer Geld und Ware abgezockt haben.

Gerade in dieser Folge wird auch dem letzten Zuschauer klar wie soft Jesse in seinem Inneren tickt, und dass er nicht ewig der neue Tuco bleiben wird. Folgerichtig wird ab dem entscheidenden Wendepunkt der zweiten Staffel, mittels einer von drei neu eingeführten, wichtigen Figuren für die Zukunft der Serie, betont was für ein Wunder es ist wie weit Walter und Jesse selbstständig auf ihre unerfahrene Art innerhalb des Milieus gekommen sind. "Breaking Bad" beweist durch derartiges immer wieder, dass man sich dessen was erzählt wird in jedweder Konsequenz bewusst ist, und dieses psychologische Verständnis, das sich auch in den Figurenzeichnungen wiederspiegelt, macht die Serie so wertvoll, gerade jetzt, wo der Dramenbereich über jenen des Thrillers dominiert.

In Staffel 2 werden auf interessante, nicht hinhaltende Art die Karten neu gemischt, um die Serie auf die Ereignisse ab Staffel 3 vorzubereiten, die ein anderes Level erreichen werden als alles bislang Erlebte. Hierfür werden nicht nur, wie eben erwähnt, neue für die Serie sehr wichtige Figuren eingeführt (Saul, Gustavo und ganz zum Schluss auch Mike), sondern auch Figurenentwicklungen bei bereits gut gekannten Personen vorgenommen, oft als Vorbereitungen für zukünftige Geschehnisse, die der Zuschauer innerhalb eines kaum vorhersehbaren Plots logischer Weise zu diesem Zeitpunkt längst nicht erahnen kann. Allen voran geht freilich die Entwicklung Walters Ende der Staffel in die entscheidende Phase. Seine Bewusstseinsgesinnung in der Folge im Baumarkt kann man als das Erwachen des Heisenbergs bezeichnen. Von nun an muss sich auch der Zuschauer umorientieren mit wem er es zu tun hat. Manch einem ging bezüglich des Gut- und Böseverständnisses dieser Rolle erst in Staffel 5 ein Licht auf - unverständlich wie ich meine, für die Staffeln 1 und 2 aber noch aufgrund der anderen Auslegung kaum anders möglich.

Zudem muss die zweite Staffel Aufräumarbeit leisten, denn so wichtig für den dramaturgischen Effekt und dem Aufhänger der Geschichte auch die Faktoren Krebserkrankung und Schwangerschaft waren, sie müssen nun durchstanden werden, um im Kommenden halbwegs befreit von diesen Erzählhemmnissen weiter berichten zu können. Hier kann man erneut die großartigen Drehbuchautoren loben, die es selbst in den unangenehmsten Momenten diesbezüglich schaffen mittels eines hohen Spannungsbogens ein Maximum an Unterhaltung aus solchen Situationen herauszupressen. Hier ruht man sich nicht einzig auf die großartig vertiefte Charakterisierung jedweder Figur aus, hier gibt man erzähltechnisch wirklich alles um dem Zuschauer ein hohes Unterhaltungsniveau zu servieren. Dass das Publikum in dieser ganzen Phase des zweiten Jahres noch in Watte gepackt wird, ahnt es zu diesem Zeitpunkt nicht, sind die hier erzählten Geschehnisse doch zwar aufwühlend, bewegend und aufregend genug um einen stets auf Trab zu halten, gewitzt zu täuschen und auch für scheinbare Banalitäten zu interessieren, aber das ist im direkten Vergleich noch arg zahm gehalten. Sicherlich bleibt die Serie auch nach ihrem zweiten Jahr großteils ruhig erzählt, aber der hier pausierende Nervenkitzel wird von nun an des öfteren an die Oberfläche geraten und noch einiges vom Zuschauer abverlangen. Die Schonzeit ist bald vorbei.  OFDb

30.05.2018

BREAKING BAD - STAFFEL 1 (2008)

"Breaking Bad" ist eine Serie, mit der sich damals (das ganze ist immerhin wieder ganze erschreckende 10 Jahre her) jede andere ernst erzählte Serie messen musste. Und das ist meiner Meinung nach trotz einer seit dem vielfältig gewachsenen Serienlandschaft noch immer der Fall. Nur selten findet man so viel Feingefühl für die kleinen Nebensächlichkeiten innerhalb einer mal aufregend und mal ruhig erzählten Serie, die konstant interessant bleibt, frei von Widersprüchen und Serienkrankheiten ist und ein Gespür für die psychologische Raffinesse ihrer Figuren und Situationen besitzt, so dass trotz etlicher Ausflüge in den Comicbereich und anderweitiger Übertreibungen das Geschehen als Ganzes doch innerhalb seines eigenen Universums glaubwürdig bleibt. Einiges von dem hier Aufgezählten ist erst im Laufe der Zeit zu entdecken, die erste Staffel ist im Vergleich zu später mit ihren sieben Folgen recht kurz und schlicht ausgefallen, aber sie weiß von Anfang an den Zuschauer zu packen und signalisiert trotz relativ kurzer Laufzeit kompromisslos ein Interesse an seinen komplexen Figuren, bishin zu kleinen Nebenrollen und damit einen Hang zum liebevollen Umgang mit Details.
 
Mehr noch ist es die fast schon penetrant angegangene Intensität, mit welcher die Geschichte so detailreich erzählt ist, ohne sich währenddessen einem Zielpublikum anzubiedern, welche die extreme Wirkung des Erzählten dieser Serie ausmacht. Nach flotten drei Folgen fährt "Breaking Bad" herunter und nimmt sich erst einmal die Zeit, dass seine Figuren verarbeiten können was Aufregendes geschehen ist und nimmt in der vorletzten Folge noch einmal ordentlich Anlauf mit einer gewaltigen Wirkkraft, um mit der letzten Episode das Ende einer Geschichte zu präsentieren, die zwar noch viele Fragen und Möglichkeiten offen lässt, aber an einem Punkt endet, der fasziniert hätte, falls es nie zu einer zweiten Staffel gekommen wäre, eben weil sie endgültig bewusst macht was sich Walter White mit seiner fixen Idee eigentlich selbst angetan hat. Glücklicher Weise blieb es nicht nur bei dieser einen Staffel, und die Verantwortlichen der Serie bewiesen mit der Zeit wieviel mehr sie noch aus diesem Thema möglich machen konnten. Der Freund guter Geschichten dankte es ihnen, bis "Breaking Bad" schließlich sogar zu einem Massenphänomen wurde, was mich unglaublich überrascht hat, so komplex und tiefsinnig wie die Serie erzählt ist, und so sehr wie die Masse, auf Kinoproduktionen bezogen, sonst eher das inhaltlich schlichte Event bevorzugt.

Wie erwähnt blitzen besagte Vorzüge in der ersten Staffel zunächst noch eher schlicht auf, auch wenn man ihre Qualität nicht unter den Scheffel stellen muss, so großartig wie sie sich bereits in diesen wenigen Folgen präsentiert, schließlich gilt es zunächst einem die wichtigsten Figuren nahezubringen (und die Möglichkeiten die sich mit ihnen untereinander jeweils bieten), später wichtige Randbereiche müssen bereits ausgelotet werden, und die Geschichte muss einen glaubwürdigen Beginn erhalten und eine ebenso glaubwürdige Fortsetzung der Taten, nach dem Walters Pläne einen anderen Verlauf nahmen als anvisiert wurde. Das Geheimnis der Serie liegt neben den bisher aufgezählten Vorzügen von ihrem unglaublich ausgewogenem und kompatiblen Mix aus Drama, Thriller und Komödie, gerade obwohl man sich mit den Themenbereichen Schwangerschaft und Lungenkrebs schnell ein Beinchen stellen kann, welches Zuschauer eher auf Distanz gehen lässt. Im späteren Bereich werden beide Beispiele zu einem leicht lästigen Ballast, mit welchem die Autoren aber gekonnt umzugehen wissen, in Staffel 1 ist davon noch nichts zu spüren, alles greift nahtlos ineinander. Mit erschreckender Realität bekomme wir einen Einblick in die Behandlungsmethoden eines Krebskranken. Dramatische Momente mixen sich mit zynischen und satirischen, ohne der Sache den nötigen Respekt zu nehmen. Auch hier beweist sich "Breaking Bad" als hervorragend erzählt.

Es ist interessant nach all den Jahren nun einen erneuten Ausflug ins "Breaking Bad"-Universum zu nehmen, nun alles wissend was kommen wird, und mein erneuter Blick auf die Dinge macht allein schon deswegen umso mehr Spaß, als dass mich während der zweiten Sichtung zwei Freunde begleiten, welche die Serie noch nicht kennen. Deren Ahnungslosigkeit was noch alles auf sie zukommt und ihre Spekulationen darüber geben der Serie einen ebensolchen Mehrwert wie die Beobachtung aus dem Zustand heraus über alles Kenntnis zu besitzen. Denn mal ehrlich, den wilden Ritt von "Breaking Bad" vergisst man nicht, da hat man noch das meiste an Erlebtem in Erinnerung. Deswegen kommt gerade hier der Hang zur Detailversessenheit der Autoren einer zweiten Sichtung sehr gelegen, da man nun die Raffinesse hinter allem Erzählten näher erblicken kann, wie all das Kommende vorbereitet und nach und nach entfesselt wird, seien es nun Zuschauertäuschungen, Nebensächlichkeiten oder Hauptattraktionen. Es war interessant zu sehen wie stark "Breaking Bad" bereits beginnt, aber auch wie seicht und simpel sich die gar nicht unkomplexe erste Staffel im unfairen Vergleich mit späteren schaut, strenge Adjektive, die nur im direkten Vergleich mit dem Kommenden zutreffend sind, das gebe ich zu. Aber allein dass man in Staffel 1 noch manches voraussehen kann, später aber so gut wie gar nicht mehr, macht doch deutlich dass die erste Staffel im direkten Vergleich eine Spur einfacher begonnen hat, als sie fortgesetzt wird.  OFDb

28.01.2017

AMAZONEN AUF DEM MOND ODER WARUM DIE AMIS DEN KANAL VOLL HABEN (1987)

Nicht viele Leute wissen, dass es von „The Kentucky Fried Movie“ eine Fortsetzung gibt. Man erkennt es nicht einzig am Konzept einer per Kurzfilm-Sketche parodierten Form des amerikanischen TV-Programms, das gab es schließlich auch Jahre vor Teil 1 mit der „Big Gäg Movie Station“, an welcher u.a. auch Chevy Chase beteiligt war und die mit ihrem Nachfolger nichts zu tun hat. Dass eine direkte Verbindung zwischen „Kentucky Fried Movie“ und „Amazonen auf dem Mond“ besteht, merkt man eigentlich nur an dem Running Gag, dass sämtliche Schrottfilme von einem angeblichen Samuel L. Bronkowitz produziert wurden.

Sicher, der Humor ist ebenfalls ähnlich angesiedelt. Aber man merkt grundsätzlich ob das Zucker/Abrahams/Zucker-Team für den Humor eines Filmes verantwortlich ist, oder nicht. Die arbeiteten treffsicherer in „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ im Vergleich zur von anderen Autoren verfassten Fortsetzung „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff“, und so ist es auch mit „Amazonen auf dem Mond“, der bei weitem nicht mehr so pointensicher daher kommt wie sein Vorgänger.

Aber auch er kann sich sehen lassen. Mehr sogar! Denn rein stilistisch ist er flotter umgesetzt als das an mancher Stelle leicht sperrige Original. Mag auch nicht jeder Sketch gleichermaßen zünden, der Großteil des Gezeigten ist eine Lachgarantrie. Und da sich das Medienleben der Amerikaner weiterentwickelt hat, wenn auch nicht im qualitativen Bereich, gibt es auch in einem Teil 2 noch genügend zu parodieren. Unschwer erkennbar ist der Einzug der Videokassetten in das Leben der Amerikaner. Ob als Nebensache zu Beginn im ersten Sketch mit dem unglaublich komisch agierenden Arsenio Hall, oder im Sexvideo-Sketch mit Gaststar Russ Meyer, welchen man als einen Mix der „Kentucky Fried Movie“-Sketche mit dem gefühlsechten Kino und dem Liebespaar vor der Nachrichtensendung bezeichnen könnte, sie ist dem Amerikaner wichtig geworden und stellte die Revolution ihrer Tage da. Kino für zu Hause, welch faszinierende Idee.

Mag man sich auch hauptsächlich an Medien des damaligen Zeitgeistes orientieren (sogar mit einem überraschenden und sehr witzigen Ausnahmeverweis auf das Medium Buch), mit dem Hauptfilm „Amazonen auf dem Mond“ dürfen auch Film-Klassiker wieder dran glauben. Im speziellen Fall diente in erster Linie „Cat-Women of the Moon“ als Vorbild. Was hier parodiert wird lässt sich aber auch auf viele weitere Science Fiction- und Monsterfilme der 50er Jahre anwenden. Auch wenn der über 30minütige Hauptfilm in „The Kentucky Fried Movie“ nicht gestreckt wirkte, so schaut es sich doch angenehmer, dass der „Hauptfilm“ diesmal auf die 90 Minuten Laufzeit verteilt wurde, was außerdem dem Thema Zapping zugute kommt, das in den 70er Jahren sicherlich noch nicht so extrem verbreitet war wie in den 80er Jahren.

Die Höhepunkte der Fortsetzung liegen zum einen in der Darbietung schwarzer Amerikaner ohne Seele (allen voran der grinsende Schlagersänger, der im fertigen Film immer wieder auftaucht) und der Parodie zu „Der Unsichtbare“ namens „Der Sohn des Unsichtbaren“, in welchem Ed Begley Jr., selbstverständlich in Schwarz/Weiß, einen Wissenschaftler spielen darf, der lediglich glaubt unsichtbar zu sein. Doch auch neben dieser beiden Highlights gibt es viele andere großartige Ideen zu erleben, so z.B. eine Beerdigung die zur Comedyshow umfunktioniert wurde, eine hanebüchene Erklärung um das Geheimnis Jack the Rippers, die Peinlichkeit eines Kondomkaufs und seine Folgen, ein mahnender Lehrfilm gegen unsittliches Verhalten (Vorsicht! Läuft erst nach dem ersten Abspann!), eine Doku über das Pethouse-Girl des Monats und einiges mehr.

Stilistisch unterscheiden sich die einzelnen Kurzfilme manchmal stark. So setzt die Parodie einer live übertragenen Gerichtsverhandlung z.B. absichtlich auf unterirdischen Humor (meiner Meinung nach auf sehr gelungene Art), der Sketch um einen Aufreißer, der Probleme mit der modernen Technik bekommt, fällt hingegen recht bieder aus. Und was der Sketch um einen Arzt, der das neu geborene Baby eines Öko-Paares nicht finden kann, im Film zu suchen hat, weiß ich aufgrund des fehlenden inhaltlichen Anschlusses nicht, beschert uns aber immerhin die aberwitzige Konfrontation zwischen einem ahnungslosem Paar und einem schäbigen Wurzelsepp.

Der Großteil folgt inszenatorisch und humoristisch jedoch dem Vorbild des ersten Teiles, für welchen John Landis für die Regie verantwortlich war. Der hat sich diesmal einige geschätzte Kollegen mit an Bord genommen, so z.B. „Gremlins“-Regisseur Joe Dante, was auch erklärt warum die Sketche so unterschiedlich ausgefallen sind. Dem Film bietet dies stilistische Abwechslung und könnte damit auch eine Erklärung dafür sein, warum sich Teil 2 trotz schwächerer Pointensetzung flotter guckt. Glücklicher Weise hat man aber auch die lahmsten Sketche entfernt, wie ein Blick auf die entfallenen Szenen auf der DVD zeigt. Die hätte ich an deren Stelle allesamt ebenfalls nicht mit reingenommen. Es ist vielleicht etwas schade um den Sketch um eine fremdsprachige Bauchrednerpuppe, aber auch dieses Highlight der entfallenen Szenen schaute sich zu langgezogen und hätte den flotten Verlauf von „Cheeseburger Film Sandwich“ (Alternativtitel) geschadet.  OFDb

24.04.2016

DETACHMENT (2011)

Mit seinem Spielfilm-Debüt „American History X“ hatte Regisseur Tony Kaye Ende der 90er Jahre einen erfolgreichen und gelungenen Film abgeliefert, der die dort herrschenden Problematik nicht nur gut einfing, sondern auch Lösungsideen anbot. „Detachment“ zeigt sich da schon viel hoffnungsloser, erkennt in seiner Problematik dass jemand da sein muss um zu helfen, gibt sich aber nicht der Illusion hin dass die eigentlichen grundlegenden Probleme, die in einer Ghettoschule Alltag sind, sich mal eben mit ein wenig pädagogischem Engagement beheben lassen würden.

Wo Kayes Erstling trotz der ernst genommenen Problemthematik im Herzen noch Spielfilm ist, da wirkt „Detachment“ authentischer, fast schon dokumentarisch. Düster wird er aus einem hoffnungslosen Blick erzählt, eben so wie man an jenen Tagen drauf ist, wenn es einem nicht gut geht. Da kommen bessere Tage, optimistischere Tage, Tage an denen man wieder motivierter ist. Das ist auch bei „Detachment“ der Fall. Allerdings macht der Film trotz dieses hoffnungsorientiert scheinenden Endes kein Geheimnis daraus, dass man sich damit etwas vormacht. Das Schöne ist die Ausnahme in einer konsistent traurigen Welt, erst recht wenn sie so radikal vor die Hunde geht wie im Ghetto.

„Detachment“ ist somit nicht ganz frei von Hoffnung, ist aber alles andere als ein lebensbejahender Film. Er ist auch nie das Gegenteil, gibt sich nicht dem Wunsch nach Suizid hin, sondern sieht in ihm etwas sehr Trauriges. Aber „Detachment“ ist ein pessimistischer Film, und damit ehrlich ohne damit objektiv realistisch zu sein. Er ist ein subjektiv realistischer Film. Die Welt ist so wie sie Henry in seiner Gefühlslage wahrnimmt und interpretiert.

Der Wandel von einem zwar engagierten, aber auf Nummer Sicher gehenden Lehrer, der gerne den Rückzug antritt, zu einem Mann der wirklich Verantwortung übernimmt, ist nachvollziehbar erzählt, sicherlich nicht immer frei von Klischees, was in einer Geschichte um eine Ghettoschule auch so gut wie unmöglich ist, fühlt sich aber trotzdem echt an, weil die Probleme bei Henry wie bei den Schülern oder seinen Kollegen real existierende sind, und weil es diese düsteren Tage gibt, in denen man diesen Blick auf die Welt hat, wie „Detachment“ sie uns zeigt. Nur gibt es viel zu selten Filme, die konsequent aus dieser Perspektive erzählt sind, und da ist es um so angenehmer, dass es Werke wie das hier besprochene gibt, die eine solche Lücke füllen.

Der Wandel vom Rückzieher zum festen Fels klingt nach einer formelhaft erzählten Geschichte, wie sie geradezu typisch für den Dramenbereich amerikanischem Kinos ist. Aber „Detachment“ gibt sich keinem typischen Erzählfluss hin, komponiert keinen Kitsch um einen gewandelten Mann, sondern geht mit seiner nah ans Dokumentarische grenzenden Art recht unkonventionell an das Thema heran.

Wir lernen die Figuren des Films gut kennen, Henry freilich am besten. Empathisch lässt Kaye uns eintauchen ein in eine Seele, die der Film nicht verurteilt, denn der Aushilfslehrer ist nicht Schwarz/Weiß-gezeichnet und bereits vor seinem Wandel ein hilfsbereiter Mensch. Und es ist die Nähe zu der Figur, die dafür sorgt dass das Erzählte so glaubwürdig bleibt. „Detachment“ will keinen allgemeingültigen Blick auf Ghettoschulen in Amerika werfen. Er tut es aus der höchst persönlichen Perspektive eines seelisch leidenden Mannes. Und in jeder Verschlimmerung oder Heilung seines Zustandes ist der Zuschauer involviert. Und da wirkt so ziemlich jede Charakterentwicklung höchst glaubwürdig.

„Detachment“ lebt von seiner gewagt pessimistischen Art, von seiner fotografisch toll eingefangenen tristen und düsteren Optik und von seinen guten Schauspielern. Auch wenn mit dem aus „Breaking Bad“ bekannten Bryan Cranston auf dem Cover geworben wird, so zähle ich ihn trotz seines großen Talentes in diesem Falle nicht dazu, taucht er doch nur in kurzen Augenblicken als der Mann der Direktorin auf, und sind diese wenigen Szenen doch keine besonderen Momente, weder für die Geschichte noch als Anforderung an Cranston.

Zu den hervorgehoben nennenswerten Leistungen zählen hingegen Adrien Brody in der Hauptrolle des Henry, Sami Gayle in der Rolle der Prostituierten und James Caan als zwar Antidepressiva-schluckender Kollege, aber auch als eine gewisse Komik versprühender Mensch. Damit wird er einer der wenigen auflockernden Lichtblicke, während er trotzdem zugleich Teil der traurigen Welt bleibt. „Detachment“ bleibt sich da treu, gibt sich keinen Illusionen hin, fordert aber auch nicht zur Aufgabe auf, ganz im Gegenteil.  OFDb

23.08.2015

GODZILLA (2014)

Zwar ist Gareth Edwards Film um die berühmte Riesenechse nicht ansatzweise so peinlich und schlecht ausgefallen wie der schreckliche „Godzilla“ von Roland Emmerich, an das sympathische japanische Original von 1954 kommt er jedoch auch nicht heran. Edwards, der einige Jahre zuvor mit „Monsters“ üben und beweisen durfte wie ein Monsterfilm funktioniert, setzt die Kreaturen für einen übernatürlichen Katastrophenfilm zwar nicht inflationär ein, was definitiv ein Pluspunkt ist, ein schlechtes Drehbuch dankt ihm diesen Kniff jedoch nicht, hält es doch nur leblose Charaktere bereit, die von Bryan Cranston einmal abgesehen, auch alle arg durchschnittlich, teilweise sogar unsympathisch besetzt sind. Und Cranstons Rolle selbst darf nach einer halben Stunde sterben. Na toll...!

Zwar sind die Spezialeffekte so beeindruckend wie man erwarten durfte, und die optischen wie inhaltlichen Parallelen und einige versteckte Hinweise auf das Original erweisen Hondas Werk aus den 50er Jahren Respekt. Leider wurde das ganze Getöse aber viel zu steril umgesetzt, so dass sich das Ergebnis bös gesagt ähnlich gewollt und gestreckt guckt wie die schrecklich öden Asylum-Filme. Zwar fällt der Plot nicht ganz so sinnfrei aus wie die Werke besagter Billigschmiede, aber glaubwürdig ist die Erklärung der Viecher, ihrer Herkunft, ihrer Fähigkeiten und ihrer Anliegen nicht. Damit guckt sich „Godzilla“ wesentlich infantiler als es nötig wäre.

Letztendlich erwartet man dies aber sogar bei einem Streifen, der sich auf ein naives 50er Jahre-Filmchen stützt. Und der kindliche Kern ist auch keineswegs jener Faktor, der Edwards Werk seiner Sympathie beraubt. Der neue „Godzilla“ nimmt sich trotz der idiotischen filmeigenen Fakten viel zu ernst. Grimmig gucken all die Menschen drein, Ironie wird nie versprüht, die Hintergrundmusik dudelt gelangweilt vor sich hin - es fehlte nur noch ein Übermaß an Patriotismus um in diesen Punkten auf einem Niveau mit den Langeweiler-Produkten von The Asylum zu sein. In Zeiten großartiger Drehbücher für das TV ist es eine Schande welche Ideenarmut und welch mangelndes Gefühl für Charme und Empathie hier dominiert. Effekte sind nun einmal nicht alles. Und dass der so talentierte Cranston sich so kurz nach „Breaking Bad“ für diesen Mist verheizen lässt, ist ein Ärgernis für sich.  OFDb

21.04.2013

DER MAKLER (2000)

Ein Makler zeigt einem jungen Paar Häuser, zu denen es allerdings jeweils eine morbide Geschichte zu erzählen gibt...
 
Zur Wahrheit verpflichtet...
 
Ich habe es an anderer Stelle schon einmal erwähnt: ich bin eigentlich kein Sympathisant von Episodenfilmen und halte mich von diesen in der Regel fern. Aber manchmal hilft der Zufall nach, und dieser trat bei „Der Makler“ in Form von mangelnder Vorinformation auf, bin ich doch ohne etwas über den Streifen zu wissen davon ausgegangen so eine Art „Stepfather“ zu sichten, angelockt von einem John Ritter in der Hauptrolle, einem der unbekannten Bekannten, den ich persönlich recht talentiert finde (schade, dass er so früh verstarb). Hätte ich zuvor gewusst, wie „Terror Tract“ (Originaltitel) in Wirklichkeit erzählt ist, läge er wohl noch viele Jahre ungesichtet in meiner Sammlung, und da wäre es schon schade drum gewesen, denn er ist ein unterhaltsames Stück Film.

Das Werk der Regisseure Dreesen und Hutchison, die beide eine sehr übersichtliche Filmographie haben, ist aufgeteilt in drei Geschichten, umgeben von einer Rahmenhandlung, in welcher der Makler einem jungen Paar diverse Häuser zeigt und vom Gesetz her dazu verpflichtet ist, alles was dort einst geschah offen darzulegen. Da kommen recht morbide Geschichten hervor, und wie meist in Episodenfilmen, darf die erste auch gleich die schwächste sein. Hier geht es lediglich um Liebe, Rache und das Entsorgen des Ehemannes, von welchem die Betrügende das Gefühl hat, er wäre von den Toten wieder auferstanden. Die Geschichte verläuft recht überraschungsarm, selbst in ihrer Schlusspointe, und wartet auch nicht, wie der Rest des Films, mit guten Schauspielern auf.

Einer gelungenen Inszenierung ist es zu verdanken, dass man dennoch interessiert und nett unterhalten dran bleibt, denn die Handschrift der Beteiligten ist auf den kompletten Film gesehen ohnehin eine recht charmante, strahlt „Der Makler“, da 2000 erschienen, doch noch dieses unschuldige 90er Jahre-Flair damaliger Horror-Videoproduktionen aus, leichtfüßig inszeniert in augenzwinkernder Erzählung. Und was sehr deutlich als Plus des Filmes hervorzuheben ist, ist sein verspielter Soundtrack, ähnlich dem solcher Werke wie „House“, ein Sound in welchem weder besagte Ironie noch ein gewisser Spannungsgehalt vernachlässigt wird.

Wie gesagt, der komplette Film lebt vom Vorteil dieser Pluspunkte, somit auch die zweite Geschichte, die zum Höhepunkt des Filmes wird. Ein mittlerweile durch „Breaking Bad“ und „Malcom mittendrin“ berühmt gewordener Bryan Cranston darf hier die Hauptrolle spielen, und wie es sich für einen so talentierten Mann gehört wird diese Geschichte für ihn zur Ein-Mann-Show. Cranston darf als Familienvater gegen einen bösen Affen kämpfen, von welchem nur der Herr Papa mitzubekommen scheint, dass das Tier bösartig ist.

Auch hier kann man nicht von einer überraschenden Schlusspointe sprechen, und Cranston spielt noch längst nicht so erfahren wie in den TV-Serien die ihn berühmt machten, aber die Geschichte ist höchst kurzweilig und sympathisch inszeniert, und Cranston darf vom langweiligen Normalo bis zum fragwürdigen Durchgeknallten mutieren, was dank einiger gelungener Mimiken ganz besonders zu gefallen weiß. Die Geschichte selbst ist nach ruhigem Einstieg, der sich dankenswerter Weise viel Zeit lässt, imposant umgesetzt und bietet so manchen Paukenschlag, bevor er bitterböse endet.

Geschichte Nummer 3 klingt eigentlich weniger aufregend, sucht doch ein junger Mann eine Psychiaterin kurz vor Feierabend auf und berichtet dieser er habe Visionen von einem Mörder, der in einer Omamaske Frauen umbringt. Die Psychiaterin bekommt das ungute Gefühl dem Mörder gerade zuzuhören. Mit Geschichten um Visionen tu ich mich ähnlich schwer wie mit Episodenfilmen, aber die hier besprochene Geschichte ist schon toll erzählt, knistert die Spannung doch sanft im Hintergrund und überträgt sich das ungute Gefühl der Ärztin doch auch auf den Zuschauer. Mit Rückblicken im ohnehin schon eigentlichen Rückblick begeht man erstaunlicher Weise keinen Fehler, und so weiß am Ende auch die dritte Geschichte, als die zweitbeste im Gesamten, zu überzeugen.

Die Rahmenhandlung selbst fängt ebenso schlicht an wie so ziemlich jede der drei Hauptgeschichten, aber schon nach der ersten darf man an mancher Wunderlichkeit des Maklers erkennen, dass es hier um mehr als um einen ollen Verkauf geht. Das Zusammenspiel des nervlich angeknacksten, aber typisch kundenschleimigen Maklers und des jungen Paares, das mit jeder erzählten Geschichte nervöser, verärgerter und misstrauiger wird, fruchtet in dem überzogenen comicartigen Spiel der drei Beteiligten und wird zum Wonnefest für Freunde leichter Horrorunterhaltung.

Belohnt wird man fürs Dranbleiben mit einer recht ungewohnten aber Party-tauglichen Schluss-Pointe, die zwar recht sinnlos nachhallt, da es keine Vertiefung der Hintergründe gibt, aber das ist aufgrund ihrer Lustigkeit auch gar nicht schlimm. Zudem ergeht es so auch den einzelnen Geschichten, deren Aufhänger man jeweils einfach hinzunehmen hat ohne lästige Fragen zu stellen. Für den Unterhaltungswert gegebene Unnötigkeiten auszublenden ist jedoch ein Standardvergehen in Kurzgeschichten, vielleicht auch deswegen der Grund warum ich sie selbst so ungern sichte, und ist damit kein individueller Fehler des Films. Ein Fehler ist es ohnehin nicht, ist es nun mal der typische Stil einer Horrorepisode, und diesmal hat mich das Vernachlässigen von Hintergründen nicht so sehr gestört wie beispielsweise noch in „Irrgarten des Schreckens“.

Für den eigentlich fast schon familientauglichen Horror-Fun wurde teilweise überraschend hart getrickst, was zwar zur heutigen Zeit trotzdem keine FSK 18 mehr rechtfertigt, aber ein guter Grund dafür ist, warum 14jährige nicht mit dabei sitzen sollten. Mir hat „Der Makler“ mit der schwungvollen Inszenierung eigentlich meist schlichter Geschichten viel Spaß bereitet, und so kann ich dem Freund solcher Werke nur raten sich von der uninteressanten Covergestaltung jeglicher DVD-Veröffentlichung nicht abschrecken zu lassen und lege ihm ans Herz zuzugreifen, denn im Gegensatz zu „Geschichten aus der Schattenwelt“ und Co macht diese Ansammlung kleiner Gruselgeschichten wenigstens Spaß. Sicherlich auch gut geeignet für einen Halloween-Filmeabend!  OFDb