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01.06.2020

CRITTERS 3 (1991)

Nach zwei sympathischen "Critters"-Filmen wurde eine kostengünstige, als Zweiteiler kombinierte, Fortsetzung nachgeschoben, die nicht mehr den Charme der Vorgänger besitzt. Sich eher wie ein TV-Film schauend, ist aus der Horror-Komödien-Alternative zu "Gremlins" eine Art Kinderversion dessen geworden, was man einige Jahre zuvor noch einem erwachsenen Publikum zutraute. Passend zur harmlos ausgefallenen Variante mit wenig Toten, Toten nur auf der Bösewichtseite und vielen zu niedlichen und zu infantil ausgefallenen Critters-Spielereien mit Haushaltsutensilien, sind die wichtigsten Figuren von Kindern verkörpert und der Film aus ihrer Sicht erzählt. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Erwachsenen entweder Kindermissversteher oder Menschen, die einen liebevollen Umgang mit Kindern pflegen, andere Positionen haben sie in der Regel nicht zu verkörpern. Charlie, der liebevolle Trottel der Vorgänger-Filme, wird in eine kindliche Variante des missverstandenen Helden der Chose neu interpretiert, während andere Elemente kindliche Leichtgläubigkeit als Rechtfertigungen für einen Appell für mehr Akzeptanz gegenüber dümmlichen Verschwörungstheorien missbrauchen.

Das braucht man nicht so ernst nehmen, wie ich es in den bislang geschriebenen Zeilen übertrieben kritisch formuliert habe, "Critters 3 - You Are What They Eat" (Alternativtitel) denkt sich nichts Böses und manipuliert sein Publikum nicht, er schließt das Zielpublikum der Teile 1 und 2 lediglich aus, was zu verärgern weiß. Neugierig kann man auf dieses Produkt eigentlich nur deshalb werden, weil es einen sehr jungen Leonardo DiCaprio in seiner ersten großen Rolle außerhalb von TV-Serien präsentiert. Dessen Talent ist bei der Unterforderung, die seine Rolle bietet, im Gegensatz zu solch frühen Glanzleistungen wie "Gilbert Grape", "Jim Carroll" oder "This Boy's Life", jedoch noch nicht zu erkennen. Zumindest wurde die angedeutete Liebesgeschichte zwischen ihm und der weiblichen Hauptfigur nicht all zu stark vertieft, sonst hätte der Film zusätzlich noch mit romantischem Teen-Kitsch genervt. Zwar weiß der Ansatz des Minimalismus zu gefallen, spielt der Großteil des Films doch in einem Wohnhaus, aber das führt eher zu einer Monotonie der Geschehnisse und einem es sich zu einfach machenden Drehbuch, als dass der Reiz des "Weniger ist mehr"-Prinzips tatsächlich erkannt wurde. Nette Einfälle, wie die Manipulation des Hausbesitzers, um die Mieter los zu werden, werden zu kurz gehalten, während auf Seiten der Critters-Geschichte auf Kosten von Unglaubwürdigkeiten und dem Entstehen des Eindrucks einer mangelnden Bedrohung die Gefahr immer wieder durch Zeitstrecken vertagt wird. Die Critters greifen kaum an, sind leicht abzuwehren, und das Haus wird uns als viel Labyrinth-artiger verkauft, als der olle Schuppen sein kann, um den Menschen ständig Fluchtmöglichkeiten und dem Autor die Chance zur Gruppentrennung zu bieten.

Wenn dann noch Ewigkeiten das Haus brennt, ohne dass auch dies zur wirklichen Gefahr wird, erkennt man in wie vielen Poren "Critters 3 - Die Kuschelkiller kommen" (Alternativtitel) Kinderfilm-Luft und zu viel brave Mentalität, sowie ein unüberlegtes und inkonsequentes Szenario atmet. Mit weit herunter geschraubten Erwartungen steht man den Film von der "Träume des Wahnsinns"-Regisseurin Kristine Peterson trotzdem mit halber Backe durch. Immerhin sind die Critters ein Augenschmauß, ihre Stacheln noch immer eine wundervolle Waffe und ihre Art der Fortbewegung nett anzusehen, so dass ein Restreiz als Light-Version für geduldige Allesgucker erhalten bleibt. Kinder hingegen, deren Eltern nicht allzu streng in Bezug auf leicht gewalttätige Grusel-Stoffe sind, werden sicherlich uneingeschränkt ihren Spaß haben. Positiv sticht anbei hervor, dass bei der deutschen Synchronisation nicht der Fehler aus "Critters 2" gemacht wurde, dass die Viecher mit niedlicher Stimme deutsch sprechen. Aus diesem Grund konnte man den Vorgänger nur im Originalton genießen. Ob kitschig brabbelnde Monster den dritten Teil jedoch noch stärker hätten schaden können, als das unmotivierte Drehbuch, sei einmal dahingestellt, dankbar bin ich dennoch, dass diese Fehlentscheidung nicht beibehalten wurde. Im Abspann wird anbei "Critters 4" vorbereitet, der ein Jahr später erschien. Wenn ich mich recht erinnere muss man ihn trotzdem nicht gucken, die Szene wird, soviel ich weiß, zu Beginn von Teil 4 erneut gezeigt. Mögen die beiden Teile auch Magerkost sein, so habe ich mich dennoch darüber gefreut, dass es 2019 endlich zu einer weiteren Fortsetzung kam und zusätzlich zu einer Serie. Jetzt müssen diese beiden Projekte nur noch ihren Weg nach Deutschland finden.  OFDb

18.08.2013

DJANGO UNCHAINED (2012)

Was es bedeuten kann einem Sklaven seine Freiheit im Wilden Westen zu schenken, das thematisierte bereits Mel Brooks Mitte der 70er Jahre in seiner Komödie „Is‘ was, Sheriff?“. Freilich kratzte der zu Klamaukzwecken nur an der Oberfläche, und an dieser kratzt Erfolgs-Regisseur Quentin Tarantino nun wesentlich mehr herum und erzielt dabei ein besseres und unterhaltsameres Ergebnis. Gekonnt vereint Tarantino die Genres Western, Action, Drama, Liebesfilm und Komödie und punktet erneut mit seinen beiden Trümpfen, der Charaktergestaltung und den Dialogen. Die Figuren sind lebendig, griffig und innerhalb Tarantinos Comicwelt überzeugend, zumal er, trotz des Genres Westerns, seine Figuren nie zum Ideal Amerikas macht. Ganz im Gegenteil, der konservative US-Zuschauer muss einiges über sich ergehen lassen und in vielen Punkten einfach mal die Wahrheit ertragen.

Am gelungenen Bild nagt leider ein klein wenig Tarantinos ewiger Drang zur Brutalität. Nicht dass mich das ernsthaft stören würde, wer Tarantino-Filme guckt weiß dass der Mann dies für eine obligatorische Zutat seiner Werke hält, aber um in diese Extreme schwenken zu können begeht der Kult-Regisseur nach etwa 120 Minuten einen Bruch in der Charakter-Logik seiner gelungensten Figur, dem Doktor. Und dass nach dieser Enttäuschung das darauf folgende Feuerwerk von prolliger Ghetto-Musik untermalt wird, lässt die Versöhnung mit dem Zuschauerteil, der nicht dem Proletentum angehört, verzögern. Aber sie kommt dennoch recht schnell, wird nach dieser Dosis Action die Geschichte doch wieder interessant, obwohl sie nun endgültig im Bereich des Rache-Films angekommen ist.

Von zwei bis drei Ghetto-Liedern einmal abgesehen ist die Musikuntermalung wirkungsvoll, und auch das Drehbuch weiß zu gefallen, bietet es doch (wie so oft zur späten Hochzeit des Genres geschehen, welche der Film preist) eine zunächst simple Geschichte, die mit der Zeit an Gehalt gewinnt, bis sie sich schließlich gegen Ende  als recht einfallsreich entpuppt. Zwar wird „Django Unchained“ bei weitem nicht so gehaltvoll wie ein „Spiel mir das Lied vom Tod“, das merkt man beim gefühlten zu frühen Erscheinen des Abspanns recht deutlich, aber auch das lässt das gelungene Bild des Filmes und seines Regisseurs nicht wackeln. „Django Unchained“ ist ein gelungenes Stück Unterhaltungs-Kino, losgelöst wie sein Held von den erzählerischen Ketten der Standard-Ware im Kino, umgekehrt jedoch in seiner erzählerischen Struktur gefangen in den Erwartungen an einen Tarantino-Film.  OFDb

23.08.2012

THIS BOY'S LIFE (1993)

Tobias Wolff ist nicht gerade ein Vorzeigeschüler. Als er nach dem x-ten Umzug in eine andere Stadt suspendiert wird, beschließt seine Mutter, dass es so nicht weiter gehen kann. Da sie ohne Zukunftsperspektive ist, schlägt sie vor Tobias solle für einige Wochen zu ihrem neuen Freund Dwight ziehen. Wenn es mit den beiden funktioniert, kommt sie nach um zu heiraten. Dwight hat sich in den Kopf gesetzt Tobias um jeden Preis zu erziehen, und so erträgt der Teenager, der unbedingt ein besserer Mensch werden will, die fragwürdigen Erziehungsmethoden Dwights. Es kommt zur Hochzeit und das tyrannische Treiben des Stiefvaters schaukelt sich immer weiter hoch...

Die Jugend eines Literaturprofessors...
 
Als im Jahre 1997 Leonardo DiCaprio große Erfolge mit seiner Darstellung der Hauptrolle in „Titanic“ feierte, da erkannten viele noch nicht sein großes Talent. Durch seine vorherige Rolle in „Romeo und Julia“ wurde er von uninformierten Zuschauern zunächst als eine Art Romantik-Softi gesehen, also eine Form des Schauspielerdaseins, welches keine sonderliche Begabung erfordert. Übersehen hatten solche Kritiker jedoch die Leistungen, die der junge Mann zuvor vollbracht hatte, allein in den drei Jugend-Dramen „Jim Carroll - In den Straßen von New York“ (1995), in welchem er überzeugend jemand Drogensüchtigen verkörperte, „Gilbert Grape - Irgendwo in Iowa“ (1993), in welchem er einen geistig behinderten Jugendlichen in einer Nebenrolle verkörperte, ohne in ein Klischee abzurutschen und „This Boy‘s Life“ (1993), in welchem er sich früh neben Robert DeNiro bewies, einem Mann, dem er nun in der Gegenwart angekommen ebenbürtig geworden ist.

Robert DeNiro zählt seit Jahrzehnten zu den talentiertesten und anerkanntesten Schauspielern der Vereinigten Staaten von Amerika. DiCaprio war noch jung und hatte noch einiges zu lernen. Aber dass er sehr begabt war und einmal eine echte Konkurrenz DeNiros werden könnte, bewies er bereits im hier besprochenen Film. Allerdings muss man hinzufügen, dass DiCaprio nicht so jung war, wie es in diesem Drama den Eindruck macht. Zur Zeit des Drehs war er bereits 19 Jahre alt. Es ist erstaunlich wie jung manche Menschen wirken können, erst recht wenn sie ein rundes Babyface besitzen wie Leonardo. Worüber andere spotteten, war sein Trumpf.

Man kann nicht gerade behaupten, dass der Film nicht etwas zu dick auftragen würde. „This Boy‘s Life“ basiert zwar auf der Autobiographie des späteren Literaturprofessors Tobias Wolff, aber ob solche Szenen wie die Autofahrt nach Concret zum Besserungsurlaub tatsächlich so stattgefunden haben wird, wie dargestellt, darf ebenso bezweifelt werden, wie manch andere Übertreibung. Dennoch sollte man in vielen anderen Bereichen nicht zu früh Übertreibung und Klischee schreien, immerhin spielt der Streifen im Amerika der 50er Jahre und dazu noch in einem winzigen Hinterwäldlerkaff. Da kann ich mir schon vorstellen, dass das meiste in etwa so stattgefunden haben könnte wie hier erzählt. Es dürfte lediglich manche Reihenfolge der Ereignisse für den dramaturgischen Effekt geändert worden sein.

Dramen aus Amerika wollen in erster Linie Unterhaltungskino sein, und das ist bei „This Boy‘s Life“ nicht anders. Trotz diverser Ausrutscher schafft er es jedoch, dass man ihn trotz dieses Schwerpunktes ernst nehmen kann. Das Anliegen Unterhaltung ist ohnehin nicht gefährdet mit den zwei heutigen Top-Stars in der Besetzung. Gerade in der Rolle des Dwight weiß auch wieder einmal die deutsche Stammsynchronstimme DeNiros zu überzeugen. Dem tyrannischen Stiefvater in den Mund gelegt, wirkt sie wahre Wunder den Kerl zu hassen, während DeNiro selbst alle Register seines Könnens zieht, um den Bösewicht psychologisch stimmig und glaubhaft als das darzustellen, was er ist: ein infantiler, dummer Mann ohne Begabung mit aufgepumpten Selbstbewusstsein.

Wolffs Geschichte spielt über mehrere Jahre. Und da ändern sich mehr als nur die Frisuren, sonst würde ich auch wohl kaum das Spiel DiCaprios so loben, welches eines seiner Höhepunkte in jener Szene erlebt, wenn der Teenager vom Lachen ins verzweifelte Heulen abrutscht. Dass er mit einem anderen Ausgang der Concret-Geschichte irgendwann zum Psychopathen hätte werden können, lässt der damalige Jungschauspieler kurz vor Schluss aufblitzen, wenn der befreite Wolff beim Jubeln aufgrund der Abreise kurz die düstere, verletzte Seite seiner Seele aufblitzen lässt, die Dwight in ihm entfacht hat.

Regisseur Michael Caton-Jones ist mit Hilfe aller Beteiligter ein kurzweiliger, intensiver und sensibler Film gelungen, der die 50er Jahre glaubwürdig auferstehen lässt und sich mit der eigentlichen Geschichte viel Zeit lässt. DeNiro selbst hat seinen ersten Auftritt erst nach etwa 30 Minuten. Dass Caton-Jones keine Eintagsfliege gelungen ist, bewies er zuvor mit „Doc Hollywood“ und danach mit dem „Der Schakal“-Remake. Mit „Basic Instinct 2“ soll er sich dann doch noch in die Brennnesseln gesetzt haben, was ich jedoch nicht beurteilen kann, da ich diese Fortsetzung nicht kenne.

„This Boy‘s Life“ ist einen und mehrere Blicke wert. Ich selbst habe ihn schon sehr oft geguckt und bin immer wieder aufs neue überrascht wie gut er funktioniert. Mag er auch manches Mal für klitzekleine Momente ins Reißerische abrutschen, in anderen Bereichen, die geradezu geeignet hierfür wären, beispielsweise in der eher kurz angerissenen Schwulenthematik, umgeht er einen solchen Stil um so mehr, was sichtlich gut tut.  OFDb