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16.03.2019

EIN DICKER HUND (1982)

Dass die 60er und 70er Jahre Klamaukkomödien Deutschlands mit Heimatfilmcharakter und Schlagersingsang ihr Ende gefunden haben, wollte manch einer in den 80er Jahren einfach nicht wahr haben. So tauschte man beispielsweise besagten Schlager gegen NDW aus, um Nena und Markus in "Gib Gas - Ich will Spaß" gegen die alte Garde auszutauschen, oder, wie im hier vorliegenden Falle, sparte man sich die Musikeinlagen fast komplett und mixte alte Vertreter besagter Gattung Film mit neuen, bzw. gerade wieder aktuellen Stars. Während Relax als eine der miesesten NDW-Bands tatsächlich als Band, anstatt als gespielte Rolle, zwei Hits beitragen darf, wird von Schauspielerseite aus überhaupt nicht gesungen. Der Humor der alten Dekade bleibt jedoch erhalten und zeigt in seiner Gnadenlosigkeit das Untalent der hier beteiligten Verantwortlichen hinter der Kamera auf.

Ich selbst habe mich im Laufe der Zeit der Komödienkost der 60er und 70er Jahre geöffnet und bin von meiner bisherigen Arroganz herabgestiegen, um den Werken eine tatsächliche Chance zu geben. Tatsächlich habe ich dadurch einige sympathische Werke entdeckt, sei es der grenzwertige, aber überraschend gut funktionierende, "Otto ist auf Frauen scharf", oder der harmlosere, aber äußerst unterhaltsame, "Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut", in welchem man es sogar schaffte Paul Löwinger positiv agieren zu lassen, dem es im selten dämlichen "Musik, Musik, da wackelt die Penne" inmitten von Peinlichkeiten gelang am peinlichsten zu agieren. "Ein dicker Hund" strahlt weder die Sympathie, noch den gelungenen Humor der ersten beiden Beispiele aus, wird in seiner grenzdebilen Infantilität und dem Unvermögen der meisten Beteiligten aber auch keine Trash-Granate wie letztgenannter Streifen. Zu verkrampft auf lustig getrimmt, ohne das Gespür für Timing, Choreographie und guter Witze zu besitzen, setzt er jeden seiner Darsteller des gnadenlosen Fremdschämens aus, was je nach Schauspieler überraschend oder als Dauerzustand ausfällt.

Willy Millowitsch spielt wie früher, also peinlich und wenig überzeugend, Heinz Schenk absolviert einen Gastauftritt, der eher Leergeschwätz als tatsächliche Lustigkeit beinhaltet, Gunther Philipp, einer der Lichtblicke der vergangenen Komödien-Dekade, wird verheizt, bekommt kaum Chancen zu zeigen was er kann, ist sich aber ebenso wie der Rest für keine Peinlichkeit zu schade (was in anders gearteten Werken oftmals ein Vorteil sein konnte), Helga Feddersen lässt wahrlich alles bis zur Ekelgrenze mit sich machen, im verzweifelten Versuch dadurch ein witziges Ergebnis zu ernten, was sie inmitten all der unlustigen Zoten am würdelosesten erscheinen lässt, und als Jungstar engagierte man Thomas Ohrner, der nicht nur ebenso unbegabt wie Hansi Kraus, der Jungstar der vergangenen Dekade, schauspielert, sondern zu alle dem auch noch unsympathischer wirkt als dieser. Man muss fast gesehen haben wie dilettantisch hier alle gemeinsam ein Kräftemessen des schlechten Humors abliefern, um wahrlich ein Ergebnis untersten Niveaus zu erreichen. Selbst Zuschauer die in den vergleichbaren Werken der zwei Jahrzehnte zuvor den Kopf schüttelten, werden einen extremeren Niveauabfall bemerken, als es bei den umstrittenen Klamauk-Komödien ohnehin schon immer der Fall war.

Franz Marischka, dem wir auch die üblen Filme "Sunshine Reggae auf Ibiza", "Die unglaublichen Abenteuer des Guru Jakob" und die "Lass jucken Kumpel"-Reihe zu verdanken haben, zeigt wieder einmal dass er es nicht kann. Verzweifelt versucht er dieses Meer an Peinlichkeiten, welches von einer nicht vorhandene Geschichte ablenken soll, mit zusätzlichen Schauwerten aufzuwerten, so z.B. mit einer längeren Szene bei den Winnetou-Festspielen, freilich kann man aber mit solchem Blickfang inmitten von dauerbestrahltem Unvermögen nichts mehr retten. Zahm umgesetzt, aber doch vorhanden, versucht es der gute Mann gelegentlich gar mit etwas weiblicher Nacktheit, wohingegen sich die Frauen mit Thomas Ohrner in Unterhose begnügen müssen, aber auch hier siegt selbstverständlich das Fremdschämen - leider auch mit Blick auf Gunther Philipp, der in solchen Momenten als Lustgreis nichts von seinem üblichen grotesken Charme zu versprühen weiß. Ich weiß nicht wie ich es in geselliger Runde geschafft habe diesen Müll bis zum Schluss zu schauen, aber ich habe es geschafft, ständig über die Dreistigkeit jemandem derartiges gegen Geld vorzusetzen lachend, anstatt über die gewollten Witze.  OFDb

23.09.2018

OTTO IST AUF FRAUEN SCHARF (1968)

Franz Antel ist ein berüchtigter Regisseur der extrem albernsten Zeit deutschsprachiger Komödien. Neben diverser Sexpossen gehen auch billigste Kalauerfilme wie "Musik, Musik, da wackelt die Penne" auf sein Konto, und gerade mit diesem verglichen darf man doch erleichtert feststellen, dass "Otto ist auf Frauen scharf" weit weniger penetrant daher kommt als dieser. Freilich erhält man dieses Bild durch den direkten Vergleich, das hier besprochene Werk ist noch immer recht derb, wie typische Komödienvertreter dieser Zeit, mit Klamauk aufgebauscht. Aber gerade mit Blick auf Hauptdarsteller Gunther Philipp, der immer gern zum argen Überagieren neigt, überrascht der zurückgefahrene Ton, was aber freilich nur jenen Menschen auffallen kann, die des öfteren in Filmen dieser Art unterwegs sind. Ganz im Gegenteil zu allen Vorurteilen ist es sogar Philipp selbst, der in seiner Rolle als Otto zu überraschen weiß. Es ist nicht so, dass er nicht auch hier viele Möglichkeiten für ein theoretisch unnötiges Affentheater ausnutzen würde, aber man erkennt in seinem Spiel, ja selbst sogar in seinem Klamauk ein echtes Verständnis für die Rolle die er verkörpert und das macht bereits viel am unerwarteten Gelingen des Streifens aus.

Gelingen ist vielleicht ein wenig zu hochgegriffen, immerhin ist dies ein Franz Antel-Film, und da werden schräge Possen gern mit Humor verwechselt, Geschichten undurchdacht erzählt und vieles andere findet ebenso dilettantisch statt. Aber "Otto ist auf Frauen scharf" ist trotz dieser Eigenarten irgendwie anders. Es weht eine gewisse Unschuld über dem Projekt, vielleicht ein wenig vergleichbar mit dem ebenfalls recht amateurhaft ausgefallenem "Die Supernasen". Sicherlich ist die hier besprochene Komödie meilenweit davon entfernt ein professioneller und tatsächlich funktionierender Film zu sein, aber seine Unbedarftheit besitzt einen gewissen Charme, mal ausgelöst durch die Naivität, mal durch überraschend kreative Ideen, dann wieder aufgrund der sichtbaren Spielfreude aller Akteure. Was über allem diesem steht ist eine kindliche Mentalität, in der alles nicht so ernst gemeint ist wie es andere Filmschaffende nehmen würden. Trotz allerlei nackter Tatsachen bleiben selbst die "Erotikszenen" zahm, der Extremhumor ist freilich gar infantil ausgefallen, ebenso die Geschichte, die keine ist.

Die schmeißt schnell das Konzept des biederen Mannes, der für promiskuitiv gehalten wird, über Bord, um einen völlig wirren, undurchdachten Plot zu servieren, in dem keine der vielen Figuren irgendetwas in der Hand hätte um die Geschehnisse bewusst zu lenken. Der Zufall schwebt tatsächlich über allem. Otto wird zum gesuchten Millionenbetrüger, sein alter Schulfreund landet in der Klappse, Verwechslungen wie diese finden sich im Minutentakt im Film wieder, stets völlig überkonzipiert eingebracht, und da man dementsprechend auch kein Gefühl für psychologische Glaubwürdigkeit besitzt, verliebt sich die US-Dame freilich in den Casanova, wissendlich dass er einer ist. Und auch der verknocherte alte Otto gewinnt am Ende das Herz seiner neuen, jungen und attraktiven Sekretärin. Denn "Otto ist auf Frauen scharf" ist ein filmisch gewordener Altherrenwitz, so grausig und sympathisch zugleich wie eben solche, dies aufgrund der hohen Naivität und des kindlichen Charmes der über allem weht und aus einer eigentlich unangenehmen Chose etwas liebenswertes entstehen lässt. 

Immerhin ist der Film zahmer als der übliche Altherrenwitz, in manchen seiner Ideen überraschend treffsicherer als ein solcher, und so unbedarft und amateurhaft wie hier alles aneinander geleimt ist, kann man niemanden wirklich bös sein hier ein derart dilettantisches Werk auf die Nase gedrückt bekommen zu haben. Neben der sympathischen Hauptbesetzung mit Gunther Philipp sind es allerhand Nebenpersonen wie Hubert von Meryerinck, die für zusätzlich unschuldigen Charme sorgen. In einem Gastauftritt weiß auch der theoretisch völlig unwitzig und aggressiv komisch überdrehte Willy Millowitsch zu gefallen, was er der dazu passenden Inszenierung und dem Szenario in das er gepackt wurde zu verdanken hat, anstatt seinem überschätzten Talent. Und Heinz Erhardts Auftritt bildet wahrlich das Sahnehäubchen des Streifens, weiß aufgrund typischer Erhardt-Wortspielereien zu gefallen ("zahnlose Zuschauer") und aufgrund des kindlich anmutenden Parodie-Streiches rund um die Erfolgssendung "Wer bin ich". 

Gerade hier findet sich konzentriert angegangen jene unschuldige, kindlich komische Rezeptur wieder, die auch auf den überraschend gut funktionierenden Gesamtfilm zutrifft, freilich nur wenn man über seinen eigenen Schatten springen kann und einem solchen Extremklamaukfilm, aus geradezu typischen Tagen dieser Gattung Kino, eine echte Chance geben kann, anstatt ihn von Anfang an als Trash abzustempeln. Mag einiges auch eher unfreiwillig komisch sein, darauf reduzieren sollte man den Film nicht. "Otto ist auf Frauen scharf" ist eine wundervolle Unverschämtheit, eine sympathische Dreistigkeit sich Film nennen zu dürfen, und ein Glücksfall für Antel trotz allem vorhandenen Dilettantismus doch noch (und weil es so ist) zu funktionieren, nicht jedoch aufgrund einer bewussten Handlung oder Denkweise von Antels Arbeit. Das Ergebnis ist dem Zufall geschult. Inmitten vieler ähnlich angegangener Projekte (auch von Antel selbst) hebt sich dieser Film auf ungewöhnliche Art von der restlichen Nerverei ab, obwohl alles dafür spricht, dass auch er ein solcher Kandidat ist. Manches muss man einfach auf sich wirken lassen und akzeptieren, anstatt verzweifelt zu analysieren was den Unterschied ausmacht.  OFDb

07.03.2013

KOMMISSAR KLEFISCH - EIN FALL FÜR ONKEL (1990)

Damit ein Verdächtiger singt, wird der pensionierte Kommissar Klefisch bei Mordermittlungen zu Hilfe gerufen. Der Mann wollte nur mit dem Rentner reden. Der ehemalige Kommissar merkt schnell, dass die Polizei auf der falschen Fährte ist und ermittelt selbst weiter. Während seiner Forschungen wird er überfallen und in eine Hütte eingesperrt. Am nächsten Tag befreit, muss Klefisch feststellen, dass eine gute Freundin von ihm verschwunden ist, zusammen mit dem Geld aus dem Tresor der Firma, bei der sie gearbeitet hat. Klefisch vermutet einen Zusammenhang zum Mordfall. Von nun an wird der Fall für den Pensionär zu einem privaten Anliegen...
  
Enne kölsche Jung spielt enne kölsche Jesetzeshööter...
 
Nachdem ich in der Sendung „Switch“ einmal die Parodie auf Millowitschs berühmteste TV-Rolle gesichtet hatte, wollte ich mir auch einmal ein Bild vom Original machen. Gestern schauten wir uns Klefischs ersten Fall in einer Runde trashliebender Neugieriger an. Zum Einstimmen gab es das unfreiwillig komische Höhner-Lied „Der Willy-Rap“ zu hören, es folgte das noch schlimmere Lied „Wenn ich auch schon bald 90 bin“ und filmisch stimmten wir uns zuvor mit Willys Gastauftritt im Chevy Chase-Film „Hilfe, die Amis kommen“ ein. Wir alle waren in bester Stimmung, einen der überschätztesten deutschen Schauspieler in später Aktion zu erleben. Und dann ging es los.

Die ersten Momente waren auch gleich Bestätigung für den eigentlichen Grund unseres Beisammenseins: Trash schauen. Die Schauspieler spielten unter aller Kanone und das Drehbuch strotzte auch nicht gerade vor Einfallsreichtum, ist doch beispielsweise der Grund Rentner Klefisch bei einem Fall hinzuzuziehen völlig unsinnig und nicht halbwegs einfallsreich zu nennen. Auch dass neben unbekannter schlechter Schauspieler auch noch wer Gutes blass wirkte, nämlich einer von Loriots Stammbesetzung, zeigte dass wir scheinbar eine brauchbare Filmauswahl getroffen hatten. Der Regisseur schien somit auch nichts zu taugen, und so schaute sich der Anfang wie eine lausige Sat 1- oder RTL-Produktion, aber nicht gerade wie etwas, das von den Gebühren des Zuschauers finanziert wurde.

Was trashig erschien sollte auch schundig bleiben, dennoch waren wir uns am Schluss alle einig: So schlecht war der erste Fall Klefischs gar nicht. Die Krimistory war für ein olles TV-Produkt halbwegs interessant, die Inszenierung nach der Gewöhnung der weniger guten Elemente sogar recht stimmig, und tragische Momente überraschten, gerade zum Ende hin. Regisseur Ulrich Stark gelang kein großes Kino, aber ein halbwegs brauchbarer Film unter übelsten Bedingungen. Das Drehbuch war holprig, schwankte zwischen Mankos wie einfallslose Kleinigkeiten und zu gleicher Charakterzeichnung (mehr Individualität der verschiedenen Figuren wäre wirklich wünschenswert gewesen) und positiven Dingen wie der netten Verwirrung innerhalb des Kriminalfalles. Millowitsch war ein alter Mann, ein Fakt der einen Dreh sicherlich auch etwas erschweren dürfte. Willys private Humorlosigkeit ist ja nun auch kein Geheimnis mehr, das macht den Dreh mit einem Mann, dem der Erfolg zu Kopf gestiegen ist, sicherlich auch nicht leichter.

Neben Teilen des Drehbuchs gab es aber unter all diesen üblen Bedingungen wenigstens noch eine unterstützende Stärke, und das war Dietmar Bär, ein Mann der später auch noch im „Tatort“ eine Kommissarenrolle beschert kriegen sollte, und ein Mann, den ich am liebsten in der tollen Komödie „Was nicht passt wird passend gemacht“ anschaue. Er hat eine relativ große Rolle und wirkt allein schon deswegen so positiv, weil er fast immer in Szenen neben Willy spielt.

Die Musik dümpelt seicht vor sich hin, die Schauspieler versuchen ihren schablonenhaften Charakteren mit mangelndem Talent etwas Lebendigkeit einzuhauchen. Und doch dürfte für einen Freund deutscher TV-Krimiunterhaltung alles vorhanden sein, was das Krimiherz höher schlagen lässt.

Dem Trashfan wird jedoch wesentlich mehr geboten als dem eigentlichen Zielpublikum. So wurde beispielsweise die Schrulligkeit einer Miss Marpel (an die man nun einmal unweigerlich denken muss) ausgetauscht gegen einen pampigen, uncharmanten Charakter, der glaubt über dem Gesetz zu stehen, ewig Drohungen aussprechen zu müssen und mit einer penetrant belehrenden Art allen an den Karren fährt, die nicht so alt sind wie er. Und da er der Älteste im gesamten Film ist, dürfte damit auch alles gesagt sein.

Wenn man von ihm eins auf den Deckel kriegt, rückt er einem beim Belehren auch gleich so nah an die Pelle, dass man selbst als TV-Zuschauer glaubt seinem Mund- und Körpergeruch ausgesetzt zu sein. Dieser Mann hat von Höflichkeitsabstand noch nie etwas gehört, eigentlich nicht einmal von dem Wort Höflichkeit selbst.

Richtig peinlich sind Drehbuchmomente, die Klefisch als erfahrenen Kommissar darstellen sollen, der mehr Erfahrung hat als sein grüner Kollege, der noch nicht außer Dienst ist. Dass man zur Untermauerung Klefischs Talent allerdings ausgerechnet mit Beispielen arbeitet, die jeder Hobbie-Ermittler bereits aus dem TV kennt, ist schon eine Schau für sich. Mein liebstes Beispiel ist die mahnende Erinnerung Klefischs den ausübenden Polizisten gegenüber, auch ja einen Gegenstand auf Fingerabdrücke überprüfen zu lassen. Dieser Mann denkt halt an alles. Selbst dass man sich von verdächtigen Fahrzeugen als Gesetzeshüter das Nummernschild merken sollte, wird den aktiv ausübenden Berufstätigen dieser Richtung erst mit den Worten des pensionierten Klefischs bewusst. Es ist zum totlachen.

Warum in die Geschichte noch die Rolle eines kleinen Mädchens integriert wurde, die mit dem Fall nichts zu tun hat, ist mir nicht ganz klar. Vielleicht wollte man der Rentnerkommissaren-Rolle einfach etwas Nettigkeit bescheren, aber die Unsympathie eines Klefischs frisst solche Gnadenmomente des Drehbuchautors unaufhaltsam auf. Im Gegenteil, manche winzige Aktion dem Kind gegenüber bestätigt nur das Ungeliebte des greisen Mannes. Durch Klefischs Charakterisierung werden einige parodistische Anspielung aus „Switch“ noch einmal deutlicher. Auch dort ruhte man sich nicht nur auf die Tatterigkeit aufgrund des Alters aus, auch hier setzte man vor allen Dingen auf die penetrante, unhöfliche Art des ehemaligen Kriminalkommissars.

Freunde von TV-Krimis werden sicherlich routiniert unterhalten, Cineasten mit Hang zum Trash werden auf jeden Fall Spaß bekommen, sollten wenn aber genug Gleichbekloppte um sich scharren, denn allein ist ein solches Werk nur halb so lustig zu gucken.  OFDb

17.02.2013

KOMMISSAR KLEFISCH - EIN UNBEKANNTER ZEUGE (1992)

Ein Unternehmer wird von jemand Unbekanntes erpresst. Seine Frau sucht den pensionierten Kommissar Klefisch auf, um herauszufinden wer den ehrenhaften Geschäftsmann um sein Geld bringen will. Der ominöse Besitzwechsel einer Münzsammlung, und der Verrat einer Kriegsfreundschaft lassen Onkel, wie Klefisch auch genannt wird, hellhörig werden. War der Geschäftsmann am Ende doch nicht so ehrbar wie vermutet?...
 
Lass den Alten ran...
 
Als ich vor etwas über einem Jahr meine erste Episode „Kommissar Klefisch“ guckte, tat ich dies in gemeinsamer Trash-Runde, dem Film im vorhinein kaum eine Chance gebend. Doch was sich sehr lustig als Trash bestätigte, war zeitgleich zumindest eine etwas billig heruntergekurbelte TV-Routine, die im Kleinen durchaus ihren Reiz hatte. Das änderte nun einige Zeit darauf nichts daran, dass eben jene Runde trashgieriger Leutchen sich an den dritten Teil der Reihe heranmachten (Teil 2 konnte nicht geguckt werden), um wieder etwas zu lachen zu haben, nicht um Kriminalfilm-Gelüste zu befriedigen.

Ich kann auch nicht behaupten, dass wir durch die etwas positive Überraschung des Erstlings mit mehr Respekt herangegangen wären. Dafür ist die Hauptrolle Millowitschs schlichtweg zu unsympathisch und eine Karikatur ihrer selbst. Der Charakter Klefisch strahlt vor unfreiwilliger Komik, wenn ein überheblicher und unhöflicher Tattergreis jedem die Leviten ließt und selbst in freundlich gemeinten Szenen noch immer unfreundlich wirkt. Klefisch hat weder Charme noch Respekt. Er ist ein penetranter, humorloser Schnüffler, der sich aufführt wie der Sheriff einer Kleinstadt im Wilden Westen.

Eine gewisse Neugierde, ob der Krimigehalt auch dieses Mal trotz übler Inszenierung Pluspunkte sammeln könnte, war dennoch vorhanden. Doch das erste was der Film bot war Trash. Die erste Einstellung zeigte Klefisch wie der Trashfan ihn braucht, im nächsten Moment wurde einem wieder bewusst wie unglaublich schlecht jeder spielt (selbst erfahrenste Schauspieler sprechen, als würden sie ihren Text von einem Teleprompter ablesen), und im Laufe der Zeit kristallisierte sich eine Krimihandlung heraus, der es an jedem Reiz fehlte.

Die Ermittlungen waren lahm, die Fährten uninteressant und der Hintergrund nie ganz nachvollziehbar. Endlose Dialoge mit einem Hauch Weiterkommen in der Geschichte, ständige Nahaufnahmen auf die Gesichter der Beteiligten (was zur optischen Ermüdung führte) und schlichtweg ein uninteressanter Kriminalfall ließen Teil 3 die wenigen Qualitäten vermissen, die Teil 1 noch bot. Dort war das Drehbuch um einiges besser und Charaktere sinnvoller in die Geschichte integriert. Ein Blick auf die Schauspieler verrät jedoch bereits das Zielpublikum. Junge Gesichter sieht man kaum. Der Film ist eine Herberge alter Menschen, die ab und an Gastbesuche vom Jungvolk bekommen.

Doch man sollte meinen, dass auch alte Menschen, eine Altergruppe die sich häufig für Krimis interessiert und dementsprechend schon viel Material konsumiert haben müsste, nicht alles fressen was man ihnen vorwirft. Mich würde es wundern, wenn der Streifen bei den greiseren Zuschauern auf Begeisterung stoßen würde.

Tat es der Film wenigstens bei uns Trash-Fans? Leider kaum! Klar, wir haben Klefisch, der ist eine Lachgarantie und damit Trumpf. Aber selbst der Freund filmischen Mülls braucht etwas mehr Dynamik in der Story, irgendetwas das ihn wach hält. Und das war gestern beim Schauen gar nicht so einfach. Irgendwie haben wir es trotzdem bis zum Schluss geschafft, wissen nun wer der Täter ist, was eigentlich niemanden mehr interessiert hat, aber unsere Tapferkeit wurde belohnt durch eben diese Täteraufdeckung. Die Wahl des Missetäters ist dabei gar nicht mal schlecht zu nennen. Aber die Methode, mit welcher Klefisch den Täter überführt ist peinlichste Drehbucharbeit und auf einem Niveau, von dem sich Hobby-Kollegin Miss Marpel angewidert abwenden würde.  OFDb

07.11.2012

KABILLOWITSCH (1977)

Willy Millowisch und Heidi Kabel blödeln sich durch diverse Sketche. So muss ein Tierarzt den Vogel aus einer Kuckucksuhr "heilen", ein Zahnarzt einen Patienten behandeln obwohl er selber Zahnschmerzen hat, uvm. ...

Lachbomben mit Fehlzündung...
 
Dank der biederen Mentalität der u.a. vom Karneval geprägten rheinischen Fröhlichkeit der Domstadt Köln konnte ein Theater-Mensch wie Willy Millowitsch, dem es an schauspielerischem Talent fehlte, regional eine große und beliebte Berühmtheit werden, der man es sogar ab und an gestattete außerhalb des heimischen Theaters in TV und Kino aufzutreten. Eines seiner Projekte, mit welcher man ihn auch auf die Menschheit außerhalb des Kölner Raumes losließ, nannte sich "Kabillowitsch", in welchem der privat so humorlose Mann zusammen mit der nicht weniger bieder wirkenden Heidi Kabel in kurzen unter 5 Minuten laufenden Sketchen in verschiedene Rollen schlüpfte, um dem Zuschauer die Lachmuskeln zu kitzeln.

Wie witzig das ganze tatsächlich ausgefallen ist, verrät eigentlich schon der Titel, in welchem sich die Nachnamen der beiden Hauptdarsteller paaren. Sicherlich sind 35 Jahre seit der ersten Episode vergangen, aber dass das ganze schon damals nur Humor-Legastheniker zum lachen gebracht haben dürfte, scheint sehr nahe liegend, arbeiten die meisten Sketche doch mit dem Clou der finalen Überraschung, und diese ist fast immer so vorhersehbar, dass nicht erst nach Jahrzehnte langer Humorentwicklung der Zuschauer den Braten zu früh riecht.

Man muss damals schon recht ruhig im Kopf betagt gewesen sein, um nicht hinter den finalen Gag zu kommen. Teilweise darf man sich glatt beleidigt fühlen, dass die Verantwortlichen scheinbar dachten man hätte den Zuschauer an der Nase herumgeführt. Ein schönes Beispiel hierfür bildet der Sketch mit einer Frau beim Tierarzt, deren Kuckuck aus der Uhr die Stimme verloren hat. Verdächtiger Weise besitzt der Arzt selbst in seiner Praxis eine optisch fast ähnliche Uhr. Na, wie der wohl den Vogel wieder zum sprechen bringt kann in den Augen Ralf Gregans, der neben der Regie auch die meisten Bücher verzapfte, nur ein Sherlock lösen.

Das Publikum liegt also ganz klar im Bereich der besonders konservativen und biederen Menschen in Deutschland, die es gestern wie heute gab. Vor einigen Jahren ritt erst Kalkofe auf diesem Publikum herum, als man beim Auftritt der als Brautpaar verkleideten Wildecker Herzbuben eben dieses sichten durfte, das sich vor lachen kaum noch auf den Bänken und Stühlen halten konnte. Hierfür reichte die Kostümierung vollkommen aus, welcher kein Zusatz-Humor beschert wurde.

Dass ein "Kabillowitsch"-Sketch freilich nicht nur vom unterbelichteten Schluss-Gag lebt ist selbstverständlich. Und die Spielfreude der beiden Hauptfiguren kann man auch nicht abstreiten. Aber die Komik ist einfach nur schlecht zu nennen, wenn leicht amourös verkrampft Tabu-Themen wie Ehebruch und Freudenhaus angesprochen werden, Wortwitze serviert werden wie die Frage ob man nicht noch einen trinken wolle, und der Gefragte zurück fragt, warum nicht jeder einen eigenen bekäme.

Zumindest stimmen die Kostüme und das Set, und in einem Sketch, in welchem man auf einen Spezialeffekt zurück greifen musste (jener in welchem ein erfolgloser Zauberer verzweifelt ein Engagement sucht) weiß sogar dieser zu wirken. Eine Produktion des WDR ist halt niemals komplett frei von Qualität. Und gerade mit Blick von heute macht es auch Spaß den sichtlich unterforderten Peter Millowitsch, Sohn des großen Willy, bei kurzen Gastauftritten sichten zu dürfen.

Aber diese Pluspunkte sind geringer Natur, weshalb neben dem Spießer-Publikum nur eine Gattung Cineast übrig bleibt, die an den lahmen Sketchen der nur zwei Jahre gelaufenen "Kabillowitsch"-Reihe ihre Freude haben werden: die Trash-Fans. Für die ist das "muntere" Treiben der beiden Lachknallerbsen (Lachbomben kann man sie nun wirklich nicht nennen) ein Fest der unfreiwilligen Komik, zumal sich das ganze dank gerade einmal 16 Folgen auch recht kurzweilig guckt. 

Ein völlig meschuggener Soundtrack rundet das Trash-Vergnügen zusätzlich ab, ist doch etwa 1/3 der Sketche mit jenem "Instrument" untermalt, mit welchem einst Tingel Tangel-Bob bei den "Simpsons" die Sendung von Krusty dem Clown begleiten durfte, bevor er sich gegen seinen Arbeitgeber wandte. 

Also, wer Freude an unlustiger Komik hat kann ruhig zugreifen. Die Millowitsch-Fans sowieso! Und wer heute noch darüber lachen kann, dass zwei Betrunkene nicht bemerken, dass sie gerade mit ihrem Ehepartner sprechen, oder eine gequälte Zahnarzt-Patientin sich selbst als Zahnärztin entpuppt, die es ihrem Peiniger nun heimzahlen kann, der kann sich bei "Kabillowitsch" vor lachen scheinbar kaum halten und wird die DVD, sofern er sie besitzt, sicherlich jedes halbe Jahr herauszucken, um die unendlich wirkende Wartezeit der schaurig humoristischen Büttenreden des Karnevals im TV überbrücken zu können.

10.10.2012

KOMMISSAR KLEFISCH - DIENSTVERGEHEN (1991)

Mike Döpper, ein guter Freund des greisen Kommissars Klefisch, scheint Probleme zu bekommen. Die im Zusammenhang mit einem Bankraub der Polizei verdächtig scheinende Karin wirkte in Döppers Augen unschuldig, so dass er den Fehler begangen hat mit ihr ein Verhältnis anzufangen. Doch als die Polizei die Möglichkeit erhält, den bisher nicht gefassten Bankräuber Terboven zu schnappen, wird dieser früh genug gewarnt, und es scheint nur eine Person zu geben, die außerhalb der Polizei von der Aktion wusste: Karin. Während Döpper sich von ihr abwendet, ist Klefisch von der Unschuld der blonden Frau überzeugt...

Schenken wir dem Mann etwas Sympathie...
 
Kommissar Klefisch, das war in meinen Augen nach Sichten von Teil 1 „Ein Fall für Onkel“ und von Teil 3 „Ein unbekannter Zeuge“ (Teil 2 konnte damals nicht geguckt werden) ein Mysterium für sich. Da kommt jemand auf die Idee eine Art „Miss Marpel“ op Kölsch zu drehen, und man präsentiert dem Zuschauer einen unsympathischen Zausel, der jeden herumkommandiert, völlig unsensibel ist und meint über dem Gesetz zu stehen. So war es im überraschend routinierten Teil 1, der mehr bot als reine Trashfreuden, und so war es in Teil 3, der so schlecht war, wie ich es bereits von Teil 1 vermutet hätte.

Nun, nachdem ich in einer Runde fröhlicher Trash-Liebhaber das Mittelstück der bislang von mir gesehenen zwei Folgen des Sechsteilers gesehen habe, scheint sich das Mysterium zu verstärken. Denn aus dem meckernden Tattergreis ist zwar keine Sympathiefigur geworden, aber doch eine zahmere Version seiner selbst, die Empathie für andere aufbringen und zuhören kann. Der Egomane von Teil 1 spendet Trost und hält Hilfesuchenden freundliche Worte bereit. Papa Theresa ist aus ihm nicht geworden, weiß er an anderer Stelle doch weiterhin genug zu meckern, zu kommandieren und sich mit seinem Mundgeruch-Aussehen weiterhin viel zu sehr seinen Mitmenschen zu nähern. Aber die vorhandene Dosis Freundlichkeit zerstörte die Illusion des bisher als rein asozial gekannten Individuums.

Man könnte jetzt rätseln, wie es ein Jahr später zur erneuten Wandlung zum Arschloch von Teil 1 kommen konnte, aber erstens habe ich darüber keine Informationen vorliegen, und zweitens ist die Frage ohnehin irrelevant, stellte sich doch in Teil 4 heraus (ja, wir waren diesmal kaputt genug gleich zwei Teile zu gucken), dass die freundlichere Klefischversion des hier besprochenen Filmes zurückkehren sollte. Also schließen wir das Thema und schauen einmal, was es nun über „Dienstvergehen“ zu berichten gibt.

Zunächst einmal kann ich darauf verweisen, dass auch dieser Teil, ebenso wie der Pilotfilm, nicht nur aus Trashgründen geguckt werden kann. „Dienstvergehen“ ist nicht die Königsübung des Kriminal-Drehbuchschreibens, aber ein durchschnittliches Stück TV-Kost, welches Freunde des Genres oder des Stars genug unterhalten wird. Man muss schon speziell Millowitsch auf dem Kieker haben, um die Fortsetzung nun noch aus unfreiwilliger Lustigkeit anzuschauen. Denn weitere Zutaten sind kaum gegeben.

Da mag die Hintergrundmusik ziemlich erbärmlich scheinen, und die Mode der 80er Jahre, die im Herstellungsjahr 1991 scheinbar immer noch aktiv gelebt wurde, lächerlich erscheinen (eine wie C.C. Catch, Kim Wilde und Co aufgetakelte Karin). Doch das lässt sich aufgrund der TV-Herkunft und der Entstehungszeit bereits entschuldigen, zumal es keine Negativpunkte auf die Produktion Klefisch speziell sind. Da wäre eher ein recht lustiger Moment zu erwähnen, der uns zeigt wie Klefisch des nachts einen alten Bauernhof inspiziert, und man in einer Innenaufnahme beobachten darf, wie sich der Kommissar a.D. bei strahlendem Tageslicht an der Wohnungstüre Eintritt verschafft. Aber Momente wie diese sind rar verteilt.
Das Konzept der Geschichte ist indes das selbe wie eh und je. Der pensionierte ehemalige Kriminalbeamte unterbricht seine wohlverdiente Ruhe im Lebensabend, um einem Freund zu helfen. Erstaunlich dass der Mann genug Freunde besaß, dass es scheinbar reichte um 6 Folgen zu drehen (jeweils mit einem Jahr Abstand), aber um Glaubwürdigkeit und Lebensnähe ging es ja bereits im Pilotfilm nicht. Zumindest zeigt sich der von Klefisch ausgeführte Freundschaftsakt auf jene Art, die geradezu perfekt den Charakter der Hauptperson wiederspiegelt: Onkel weiß es am besten.

Döpper, jenem Mann dem Klefisch helfen will, liegt falsch, und somit agiert sein greiser Freund gegen seinen Willen, ja mehr noch, sogar gegen seine Überzeugung. Während der von Dietmar Bär dargestellte junge Kollege sich die Meinung vom ollen Klefisch anhören muss und dabei die Leviten gelesen bekommt, muss er mit ansehen wie good old Willy ausgerechnet jene Frau unterstützt, die Döpper das Leben schwer gemacht hat und ihn seelisch zutiefst enttäuscht hat. Aber kann Onkel, so der Spitzname von Klefisch, sich irren? Natürlich nicht! Dieser Mann hat immer recht, und er hätte es auch dann, wenn er Unrecht hätte. Onkel würde schon einen Weg finden die Realität zu korrigieren.

Eine weit hergeholte Übertreibung? Nicht ganz, denn so völlig unschuldig ist Karin auch nach Filmende nicht, was jedoch nie thematisiert wird. Aber Handlungsfäden, die ins Leere laufen, sind ebenso typische Zutaten eines Klefisch-Krimis, wie die umständliche Weise, mit der eine simple Geschichte an den Mann gebracht wird.

Wie auch immer, „Dienstvergehen“ weiß mit einer charakterlichen Verformung der Ur-Klefisch-Figur zu überraschen, lässt sich wie Teil 1 aber ebenso sowohl als Trash, als auch als Durchschnitts-Krimikost schauen, wenn auch etwas anders gewichtet als der Vorgänger. Siegte dort noch der Spaß an unfreiwilliger Komik, so ist die Klefischreihe mit Teil 2 doch nun qualitativ etwas besser geworden, was die Freude am Schund etwas mehr ausgrenzte als für mich persönlich zu wünschen gewesen wäre. Spaß genug hat's trotzdem gemacht.  OFDb

09.10.2012

KOMMISSAR KLEFISCH - TOD AM MEER (1993)

Herr Heiderscheidt, ein Rentner den es nach Frankreich gezogen hat, stirbt. Kurz zuvor wurde er von seinem Enkel besucht, mit dem er sich verstritten hatte. Angeblich soll er sich mit diesem jedoch wieder versöhnt haben. Ein natürlicher Tod? Ermordet vom Enkel? Oder hat mit dem plötzlichen Dahinscheiden des ehemaligen Gemüsehändlers die sehr junge Lebensgefährtin Heiderscheidts zu tun? Klefisch ermittelt...

Was Frauen wollen...
 
Blieb die Besetzung vor der Kamera stets die selbe, so wechselten bis einschließlich Teil 3 die Regisseure der Klefisch-Filme von Folge zu Folge. An die dritte Fortsetzung wagte sich nun wer Klefisch-erfahrenes, und ob es eine gute Wahl war, ausgerechnet Kaspar Heidelbach auf den Regiestuhl zu setzen, der mit Teil 3 den bislang schlechtesten Beitrag der ohnehin nicht überdurchschnittlichen Krimireihe ablegte, darf im Vorfeld zu Recht angezweifelt werden. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Mit Blick auf Teil 4 scheint der Vorgänger ein Ausrutscher gewesen zu sein. Die Langeweile, die dort herrschte, war weder hier noch in den ersten beiden Filmen um den pensionierten Kriminalkommissar zu entdecken. Orientierte man sich in „Ein unbekannter Zeuge“ an der Klefisch-Charakterisierung des Pilotfilms, so präsentiert man den Ermittler diesmal wieder eine Spur sympathischer, wie in „Dienstvergehen“. Freilich muss man dafür Klefisch mit Klefisch vergleichen, denn eine nette Person sieht trotzdem anders aus.

Über diese unübliche Herangehensweise, die Hauptperson einer TV-Reihe derart zu charakterisieren, kann sich in einem Teil 4 eigentlich keiner mehr wundern. Das Rezept dürfte bekannt sein. Und da mit Überraschungen nicht zu rechnen ist, lockt der Film ohnehin nur jene Menschen, die schon den ein oder anderen vorangegangenen Teil geschaut haben.

Kommissar Klefisch“ lebt seit je her von Willy Millowitsch, und das ruft nicht nur Fans des verstorbenen Volksschauspielers auf den Plan, sondern auch Trashliebhaber. Und in Teil 4 werden auch beide Gruppierungen wieder bestens bedient, was nach dem Ausrutscher von Teil 3 nicht zwingend hätte sein müssen.

Neben Dauer-Nebendarsteller Dietmar Bär taucht allerhand Prominenz auf. Die Band Brings ist vertreten, und Eberhard Feik dürfte als ehemaliger „Tatort“-Partner Schimanskis das bekannteste Gesicht am Rande sein. „Tatort“-unerfahren ist auch nicht gerade Regisseur Heidelbach, der hat schon so einiges zu Deutschlands wohl beliebtester Krimireihe beigesteuert. Dass sein „Ein unbekannter Zeuge“ der Klefisch-Reihe eher eine Ausnahme war, scheint zudem sein TV-Film „Zwei vom Blitz getroffen“ zu bestätigen, der überraschend erfrischend die ewig wiedergekauerte Geschichte vom Körpertausch erzählte.

„Tod am Meer“ klingt reißerisch, was weder zur Klefisch-Reihe passt, noch nötig gewesen wäre, ist der Ort des Versterbens doch Nebensache und nur deshalb von Bedeutung, um darauf hinzudeuten wie vermögend der ehemalige Gemüsehändler war. Eine Tatsache, die dessen junges Weib in den Kreis der Mordverdächtigen rückt.

Wer nun glauben mag die dritte Fortsetzung würde zum heiteren Mörderraten einladen, liegt jedoch falsch. Spätestens zur Hälfte hin spielt der Film mit offenen Karten, zeigt uns wer zu recht verdächtigt wurde, lässt jedoch die Frage offen, ob Klefisch selbst sich dessen bewusst ist. Diese Herangehensweise ist eigentlich bescheuert zu nennen, befinden wir uns doch in einem Teil 4, so dass der Kenner der Reihe weiß, dass Klefisch allwissend ist und sich niemals irrt. Der Hinweis auf einen Anruf nach Terminabsprache weist zwar darauf hin, eine Unachtsamkeit Klefischs lässt jedoch vermuten, dass der Drehbuchautor scheinbar mit dem Zuschauer spielen wollte.

Entweder das, oder es hat sich eine Unlogik eingeschlichen, die ziemlich im Zentrum steht. Auch das wäre nicht gerade unüblich für diese Krimi-Reihe. Zwar sind die Ungereimtheiten eigentlich eher am Rande zu bemerken, aber sie sind seit Teil 1 vorhanden, was im Meer an weiterem Untalents jedoch nicht weiter wundert, boten Drehbuch, Regie und Besetzung doch nie die hohe Qualität, die ein Film besitzen könnte, selbst wenn er nur für das Fernsehen produziert wurde.
 
Während Millowitsch von Jahr zu Jahr älter wurde (ist ja ein Ding...), strahlt „Tod am Meer“ in einer Frische, die ihn von seinen Vorgängern ein wenig unterscheidet. Sei es die lässigere Frisur Döppers, die ihn ein wenig wie Axel Stein erscheinen lässt, oder die freizügigere Thematik, Teil 4 gibt sich eine Spur moderner, auch wenn man in diesem Punkt betonen muss, dass man hierfür nur Klefisch mit Klefisch vergleichen darf. Wir schreiben das Jahr 1993, da sind solche Veränderungen nichts radikales mehr. Aber zumindest blieb in dieser TV-Reihe, die mit jedem neuen Jahr eine weitere Episode präsentierte, die Zeit nicht stehen.

Das tut sie auch beim Betrachten dieser vierten Folge nicht. Zwar fehlt dem Film die halbwegs interessante Geschichte von Teil 1 und 2, langweilig wird es jedoch trotzdem nie, allein schon deshalb weil es so interessant anzuschauen ist, wie Willy neben der greisengeilen Lady wirkt, die ihn nach dem Tod ihres Mannes umgarnt. Brav sitzt er da, jede Anmache ignorierend, nie vom festen Weg abkommend und unschuldig dreinschauend wie ein Schuljunge. Und doch, die Frauen, das größte Rätsel des Universums der Gattung Mann, können Klefisch nichts vormachen, dem Frauenversteher, dem Mann, der das schwache Geschlecht als einziger wirklich verstanden hat.

Man liest es schon heraus, in diesem Bereich siegt der Trash-Gedanke. Aber genau auf diese Art gucken sich solche Momente, die an eher unbedeutendere der Vorgänger erinnern, in welchen Klefisch auch schon die Frauen seit je her zu verstehen und manipulieren wusste.

Frauen kommen in der Klefisch-Reihe ohnehin nur selten positiv weg. Da müssen sie schon Rentnerinnen sein, um die Sympathie des Zuschauers zu erobern. Und um auch kein Alter auszulassen, zeigt uns die Reihe seit eh und je anhand der Figur der jungen Sabrina, dass Frauen schon im Mädchenalter ganz schön nerven können. Ein Glück, dass Sabrina diesmal weniger Präsenz als üblich beschert bekommt, denn die kleine Zicke weiß mit ihrer prolligen Bissigkeit extremst zu nerven und schürt den Wunsch keine Kinder in die Welt zu setzen.

Aber so ist sie halt, die Klefisch-Reihe. Nie darum bedacht politisch korrekt zu sein und die Welt einfach zeigen wie sie ist: von unsympathischen Menschen bevölkert. Denn so sehr man auch behaupten kann, dass Frauen in diesen Filmen nicht gut wegkommen, so führt die Schlange aller negativen Menschenbilder doch noch immer Klefisch selbst an, der selbst auf sympathischerem Level wie hier und in Teil 2 charakterisiert, noch immer der Oberarsch ist.  OFDb

13.09.2012

KOMMISSAR KLEFISCH - KLEFISCHS SCHWERSTER FALL (1995)

Klefischs Wohnviertel wird leer. Auch Onkels Freund Mähling hat ein großzügiges Angebot bekommen um auszuziehen. Der will jedoch nicht raus und wird sodann mit Randale und Körperverletzung doch noch „überredet“. Während auch Klefisch um sein Wohlergehen bangen muss, begibt sich Döpper auf die Suche nach Beweisen, um das ungesetzliche Treiben zu unterbinden...

Klefischs Ruhetag...
 
Man soll es nicht meinen, dass man nach vier Klefisch-Filmen noch immer nicht genug hat, zumal bei mir persönlich die Pausen zwischen den Sichtungen immer kleiner werden. Aber was soll man sagen: wenn man sie nicht ernst nimmt macht diese Krimireihe einfach viel Spaß, und ich verkünde voller Freude, dass ich mit der vierten Fortsetzung „Klefischs schwerster Fall“ auch gleich den besten, weil schlechtesten Teil gesehen habe. Was Krimi-Freunden hier zugemutet wird, ist eine Unverschämtheit, und die Anwesenheit Willy Millowitschs dürfte Fans dieses Darstellers auch nur bedingt vom Zustand dieses Filmes ablenken.

Die „Kommissar Klefisch“-Reihe war schon immer banalste Unterhaltung auf Groschenheft-Niveau, zugeschnitten auf Millowitsch, der mehr oder weniger sich selbst spielt. Schon immer durfte man beobachten, wie selbst talentierte Schauspieler sich keine Mühe geben, verschiedene Regisseure den Stoff schnell abdrehten und Drehbuchautoren lust- und sinnlos eine Geschichte runterschrieben. Millowitsch stampft als egoistisches Trampeltier durch dem Kölner bekannte Ortschaften, versucht gar nicht erst sympathisch zu wirken, weiß er doch, dass er bereits zu Lebzeiten Legende war, und das hat Sympathie zu ersetzen.

Das lustige an Teil 5 ist mitunter sein reißerischer Beititel, der dem Inhalt so gar nicht gerecht werden will. „Klefischs privatester Fall“ könnte noch passen, zumindest wenn man manchen Vorgänger verschlafen hat, aber um „Klefischs schwerster Fall“ zu sein, hätte für die Titelfigur überhaupt erst ein Fall vorhanden sein müssen. Der einzige der in Teil 5 ermittelt ist jedoch Döpper, gespielt von Dietmar Bär, der seinem Ich aus der Gegenwart von Teil zu Teil dank Gewichtszunahme immer ähnlicher (und auch irgendwie sympathischer) wird. Döpper forscht nach, ermittelt, alles was er sonst auch immer tat, diesmal jedoch nicht parallel zu Kommissar Klefisch. Mehr noch, der Rentner gibt ihm diesmal nicht mal mehr Hinweise.

Klefisch macht eigentlich das, was Rentner halt so machen. Er geht Kaffee trinken und spazieren. Letzteres sieht man nicht zu oft, schien Millowitsch doch schon recht wackelig auf den Beinen zu sein. Wenn man im Abspann zusehen darf, wie der Rentner dem Sonnenuntergang entgegen geht, ist dies eine Ausnahme. Ansonsten wandert er in der Nähe von Gegenständen, an welchen er sich abstützen kann, oder er bewegt sich überhaupt nicht. Tadeln kann man den alten Mann dafür nicht. Im Gegenteil, er gibt sich taff, da immer noch arbeitswütig genug diesen Film zu drehen.

„Klefischs schwerster Fall“ ist nicht nur gar kein Fall für den Kommissar a.D., es ist auch noch ein sehr unsinniger. Döpper erlebt seine bescheuertsten Momente, wenn er einen Mann interviewen darf, an dem sich die Maske mal ordentlich ausgetobt hat. Heute machen wir mal all das, was unter einer anspruchsvollen Produktion verboten ist, da sie realitätsnah sein will. Da sitzt der komische Kauz im Verhör mit einem Schnauzbart, wie man ihn wohl sonst nur aus dem Comicbereich kennt und angeklebten Kotletten, die der Haarfarbe so gar nicht ähneln wollen, so dass deutlich der Ansatz zu erkennen ist, wo die echten Haare aufhören und die Kotletten beginnen. Dass der Schauspieler zudem noch eine dicke Nase hat, die gar nicht erst versucht wurde mit Schminke zu retuschieren (vielleicht war eher gegenteiliges der Fall: schminken zur optischen Vergrößerung), gibt diesen humorvollen Momenten noch das gewisse Etwas.

Bescheuerter wird es aber eigentlich immer in den häufigen Szenen, in denen weder Döpper noch Klefisch aktiv beteiligt sind, jene Szenen, in denen ein Verbrechen passiert oder dem Zuschauer Hintergründe beleuchtet werden, von denen die beiden Kriminalisten noch nichts wissen. Da kommt es zu erotischen Liebeleien zwischen einer nicht gerade attraktiven gealterten Frau mit ihrem arbeitstechnisch untergebenen Jüngling, der in seiner Oben-ohne-Szene auch gleich wie der Held daliegen darf, so als wäre er der Gott im Knattern und Erobern.
 
Der sonst so schlaue Chef, welcher der Mann der untreuen Dame ist, ahnt freilich nichts. Die berufliche Raffinesse spiegelt sich im privaten Bereich nicht wieder, erstaunlicher Weise seine Gnadenlosigkeit ebenso wenig. Wenn auf ihn im Auto geschossen wird, legt er sich zunächst einmal todspielend hin, bis jemand schockiert zu ihm hinläuft, sich Sorgen machend, um bei Ankunft von ihm an die Seite gedrängt zu werden, da der fast Erschossene nun weiter seinem Alltag nachgehen muss. Dass der selbst Kriminelle nicht gleich die Polizei ruft, mag noch Sinn ergeben, aber den Vorfall so ganz ignorieren (irgendwo lauert noch der Schütze, das Auto ist kaputt, ...) dann aber gar nicht.

Recht lustig ist auch die Auflösung ausgefallen, die hier freilich nicht verraten wird. Kurz vor der Täteraufdeckung ist nur noch eine Person als Mörder möglich. Deren Beweggründe sind völlig unsinniger Natur und ergeben nur in einem sinnlosen Drehbuch wie diesem so etwas ähnliches wie einen Sinn. Schön dass der Kriminalkommissar a.D. zumindest  hier zu wirken weiß, darf er doch in dieser Szene erstmals Sympathie in Teil 5 aufblühen lassen, die nicht einmal aufgesetzt wirkt, sondern erschreckend ehrlich.
 
Dass auf den in dieser Besprechung kaum erwähnten Chef zwei Mal geschossen wird, sorgt auf dem Weg zum Ziel auch für manche Lustigkeit, ist der Hintergrund des ersten Mordanschlags doch Teil eines kleinen Nebenstrangs der Hauptgeschichte, der uns eine Romantik zwischen einem dusselig aussehenden, geschwätzigen Alkoholiker und einer unheimlich schlecht, aber dafür um so selbstsicherer und selbstverliebter gespielten widerlichen Karrierefrau aufdrängen will, die, so sehr man sich auch bemüht, nie romantisch wirken will. Lustig dass das Gestehen des Mordversuchs als eine Art Kavaliersdelikt abgetan wird, und das in der Welt der Klefisch-Filme, in welcher jede noch so harmlose Tat direkt aus biederer Sicht verurteilt wird.

Wie erwähnt: zu lachen gibt es viel. Das nervige Sabrinchen bekommt in Teil 5 nur noch einen Gastauftritt und verrät mit diesem auch gleich, warum Jasmin Münch außer dieser Rolle nur noch kurzzeitig in einer TV-Serie mitwirkte und die Schauspielerei dann für immer an den Nagel hing. Sie ist sehr pummelig geworden, wirkt damit nicht mehr frech und taff, und so darf sie es gerechter Weise diesmal auch gar nicht mehr sein. Da sind die Leute vom Film halt sehr streng. Ihre Gewichtszunahme belustigt jedoch, wenn auch zugegeben auf recht ungerechte Art, aber spätestens wenn man sich die Szene der Marmeladenpfannkuchen-verschlingenden Sabrina aus einem der Vorgänger in Erinnerung ruft, kann man nicht mehr anders. Man muss einfach lachen.

„Kommissar Klefisch 5“ ist wenig Kriminalfilm, fast schon mehr ein privates Drama eines Rentners, der von Geschäftsleuten reingelegt werden soll. Dass er dank schlechter Köpfe vor und hinter dem Projekt nicht als das funktioniert, was er eigentlich sein sollte, ist für schadenfreudige Zuschauer wie ich es bin freilich ein gefundenes Fressen. Ungewöhnlicher Weise kommt in der vierten Fortsetzung dem unfreiwilligen Humor aber noch ein schlechter gewollter zu Hilfe. Die „Kommissar Klefisch“-Reihe war nie todernst gemeint, ließ immer mal augenzwinkernde Momente aufblitzen, aber mit richtigem Humor hatte man sonst eigentlich nie gearbeitet. Millowitsch wirkt diesmal jedoch teilweise wie auf der Bühne in einem seiner Lustspiele und spricht hin und wieder mit der lustig gemeinten hohen Stimme, die man aus seinen Komödien aus den 60er und 70er Jahren kennt (z.B. „Zum Teufel mit der Penne“).

In Szenen, in welchen er bockig auf seine ihm aufgezwungene Altenpflegerin reagiert, schaukelt sich der Grad der Komik erschreckend unpassend hoch, zumal man nie weiß, warum ein theoretisch intelligenter Mann wie Klefisch seiner Hilfe so feindselig gegenüber steht, selbst dann, wenn sie sich auch noch in anderen, wichtigeren Bereichen für ihn aufopfert, als in den für ihren Beruf üblichen.

Der Kenner der „Klefisch“-Reihe weiß allerdings bereits warum der Rentner ihr gegenüber so biestig ist. Die Altenpflegerin ist weit davon entfernt attraktiv zu sein, und der gute Beobachter der Filme um Klefisch weiß, dass der tatterige Kommissar nur zu in seinen Augen attraktiven Damen höflich und freundlich ist, während er den Rest als das behandelt, was auch Männer in seinen Augen sind: störende Lustbremsen im Kopf eines immergeilen Rentners. Da dies aber schon den Bereich der Analyse streift, und mir meine Zeit für einen Klefischfilm diesbezüglich dann doch zu schade ist, schließe ich die Besprechung stattdessen lieber mit dem Fazit: bester, da schlechtester Teil der Reihe, der sich eigentlich nicht nur nicht „Klefischs schwerster Fall“ nennen dürfte, sondern gar nicht erst Kriminalfilm.  OFDb

05.08.2012

KOMMISSAR KLEFISCH - VORBEI IST VORBEI (1996)

Bei einem Überfall auf ein Restaurant wird ein Mann erschossen, der vor 16 Jahren in die Schatzkammer des Kölner Doms eingebrochen ist. Kurz darauf taucht dessen ehemaliger Partner auf, der bisher in die USA abgetaucht ist. Klefisch ahnt, dass dieser an sich sympathische Bursche etwas ausheckt...

Jede Wohnung hat einen Domblick...
 
Nach 7 Jahren und 6 Filmen hieß es „Vorbei ist vorbei“. Ob man während des Drehs schon ahnte, dass dies der letzte Klefisch-Film wird? Man weiß es nicht. Schaut man jedoch auf die Gesundheit Willy Millowitschs, der sich einmal mit Teil 1 verglichen hinter einer dicken Brille versteckt, keine zwei Meter mehr am Stück läuft, meist im sitzen agiert und nun auch noch eine sehr krächzende Stimme bekommen hat, kann man schon vermuten, dass man mit dem Beititel nicht nur die Geschichte des 6. Teiles zitieren wollte, sondern das Ende der Reihe vorausgesehen hatte.

Schauen wir auf 6 Filme „Kommissar Klefisch“ zurück, kann man zwar von jedem einzelnen Kriminalfall behaupten, dass er trashige, unfreiwillig komische Unterhaltung bot, aber auch dass die Qualität der verschiedenen Filme recht unterschiedlich ausfiel: ein langweiliger Teil 3, unterirdische Teile 4 und 5 und akzeptable Geschichten in Teil 1 und 2. Um so schöner ist es, dass mit diesem sechsten und letzten Teil noch einmal ein akzeptabler Beitrag abgeliefert wurde, schreit das Drehbuch doch diesmal nicht vor Dummheit und mangelnder Ideen, und wird das Team doch gut unterstützt durch Mario Adorf in einer größeren Rolle und der geglückten Besetzung jenen Mannes, der sich im Laufe des Falles als der Hintermann entpuppen wird, der einst den Einbruch in den Dom plante und nie gefasst wurde.

Bis es so weit ist, ist „Vorbei ist vorbei“ eigentlich nicht wirklich ein Kriminalfall. Er ist es jedoch mehr als die privaten Probleme Klefischs aus dem Vorgänger. Eigentlich geht Onkel nur einer Vermutung nach, nämlich dass ein an sich liebenswürdiger Verbrecher, den der Kommissar a.D. seinerzeit gar deckte, wieder etwas ausheckt. Mahnend verkündet der unsympathische Tattergreis: „Vorbei ist vorbei“, und die Rolle des Adorf erwidert immer wieder der Rentner möge sich keine Sorgen machen. Es laufe nichts.

Auch Klefisch hat sich schon so manches Mal geirrt, und ob dies diesmal wieder der Fall sein wird, darum geht es in der Geschichte, die sich fast mehr wie ein Lustspiel als wie ein Kriminalfilm guckt. Der leichte Umgang mit dem Thema guckt sich jedoch wesentlich erträglicher, so dass typische überzogene Kostüme und dümmliche Fehler zwar noch immer zu belustigen wissen, der Film aber auch gar nicht den Anschein erwecken will als Kriminalfilm ernst genommen werden zu wollen.

Das Ergebnis darf schon wundern, lieferte Regisseur Wolf Dietrich mit Teil 5 doch den unterirdischsten aller Klefisch-Filme ab (und damit auch gleich den lustigsten) und mit Teil 2 gar einen echten, wenn auch nur mittelmäßigen Kriminalfilm. Was auch immer Teil 6 nun darstellen will, man liest es heraus: er guckt sich angenehm als ein Mix aus sehr leichter Krimi-Kost und unfreiwilliger Komik.

Klefisch selbst ist nicht so präsent wie in den früheren Teilen. Etwas zahm geworden ist der gute Mann auch, pöbelt er doch weder seine Pflegerin so barsch an, wie noch einen Film zuvor, noch mault er ewig vor sich hin. Vielleicht tut es dem Rentner auch einfach gut keinen Kontakt mehr zur Nervgöre Sabrina zu haben, die nach einem Gastauftritt im fünften Teil nun gar nicht mehr auftaucht. Besser so!

Das weibliche, in erster Linie junge, Geschlecht hat es dem immergeilen Rentner selbstverständlich weiterhin angetan, und so kümmert sich der Greis für seine Verhältnisse liebevoll um die Lebensgefährtin des etwas undurchsichtigen, angeblich ehemaligen Verbrechers, während er ihre bessere Hälfte immer wieder dazu bewegen will, zurück nach Amerika zu reisen. Ob Onkel dabei bedenkt, dass der gute Mann sein Weib mitnehmen würde?

Dieser naheliegende Gedanke muss nicht zwingend in dem senilen Schädel auftauchen, der einst das Zentrum eines Kombinations-Genies war, welches nach seiner Pensionierung nur noch Spott für die wesentlich jüngeren und dümmeren Kollegen übrig hatte. Ach wären die doch mehr wie der olle Döpper gewesen, der im letzten Teil auch nicht fehlen darf, und die eigentliche Hauptfigur im zu ermittelnden Kriminalfall darstellt. Klefisch selbst agiert eher im privaten Rahmen, wenn diese Aktivitäten auch nicht gänzlich losgelöst vom Kriminalfall stattfinden.
 
Man sieht den guten Mann im Film zwar nie laufen, aber irgendwie schafft er es Richtung Finale gar in die Höhle des Löwen. Mutig ist er geblieben, das muss man Onkel lassen. Allerdings wird er diese Tat sicherlich später einmal bereuen, sorgt sie doch für eine bittere Überraschung am Schluss, mit der man bei solch leichtem Stoff einfach nicht gerechnet hat. Und damit ist endgültig eine letzte Verbindung zum Erstling aufgebaut, denn auch dort wusste das Drehbuch einen mit einer ähnlichen Überraschung zu schocken. Etwas mehr Pepp dieser Art hätte so manchem Vorgänger dieses Teil 6 gut getan.

Das mag sich hier alles sehr positiv lesen, dennoch ist „Vorbei ist vorbei“ auch im besseren Zustand nur ein mageres Stück Krimi-Kost, Routine, aber sehr schlichte, und damit eben nur zum Verzehr für hartgesottene Krimi- oder Millowitsch-Fans zu empfehlen, oder aber dem Trash-Fan, der zwar diesmal nicht nur Unsinn um die Ohren gepfeffert bekommt, aber genug um fröhlich dran zu bleiben.  OFDb