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29.12.2024

BUTTERFLY (1974)

Eine junge Frau entflieht dem öden Dorfleben, reist nach München und glaubt an einen tollen Typ geraten zu sein. Doch der Clubgänger hurt mit allerhand jungen Frauen rum...

Die Unterwäschekollektion im Wald...

Schon der gewöhnliche Erotikfilm entpuppt sich für meinen Geschmack meist als lahme Nummer, wenn die Welt sich nur um das Eine dreht, ohne dabei eine bewegende Geschichte zu erzählen. Bei zum Softcorefilm geschnittenen Pornofilmen kann man die Hoffnung auf ein Ausnahmewerk eigentlich von Beginn an aufgeben, selbst wenn er, wie "Butterfly" aus einer Zeit stammt, in der einem Hardcore-Werk noch Handlungsstränge beigefügt wurden. Aber auch für einen solchen ist der Inhalt äußerst dünn gehalten. Mag das Spiel mit dem angegeilten und gleichzeitig eher biederen Vertreter im Wald noch wie die Erotik-Variante der Streiche um "Die Lümmel von der ersten Bank" anmuten, einer der wenigen Szenen, die nicht zum Sex führen, wird in München angekommen eine Nummer nach der nächsten durchgezogen, immer recht ähnlich gestrickt, immer wieder zwischendurch mit anderen Darstellerinnen, und die sind zwar, ebenso wie die Hauptrolle, nett anzuschauen, das Gepoppe jedoch nicht, nicht in dieser entschärften Variante. Diese kommt recht ruppig daher. Während manches zum ehrbaren (räusper) Spielfilm zurechtgestutzte Schmuddelfilmchen alternativ aus anderen Perspektiven gefilmt ist, welche Intimdetails umgehen, handelt es sich bei "Baby Tramp" (Alternativtitel) um ein geschnittenes Werk, entsprechend ruppig und so gar nicht atmosphärisch findet der Beischlaf statt, schließlich soll man ja nichts sehen dürfen. Übrig blieb einzig ein sich durch die Jeans abzeichnender Ständer zu Beginn, die erste Szene, in der mir klar wurde, statt einem Erotikfilm einen zensierten Porno zu schauen. Wenn das Bild ständig ruppig abbricht, anstatt gekonnt zu schnibbeln, und wenn das Ganze nichts weiter zu erzählen hat, als von der Enttäuschung eines notgeilen Mädels, das in der Stadt nicht fand, was sie finden wollte, dann gibt es wahrlich nichts schön zu reden an solch einem Werk. Und dass der tolle Großstadt-Typ alles andere als nett anzuschauen ist, macht ohnehin jede Szene kaputt. Dass der weibliche Part hübsch aussieht reicht einfach nicht, wenn der männliche zu unangenehm auffällt, auch bei mir als Kerl. Wie auch immer, es wird gebumst, bis das Mädel im Zentrum dem Macker den Rücken kehrt, was ihn zwar verwundert, den Zuschauer jedoch nicht.  OFDb

13.08.2024

MIDSOMMAR (2019)

Einige US-Studenten begleiten ihren schwedischen Kommilitonen in die Heimat, da auf dem Landsitz seiner Glaubensgemeinschaft ein besonderes Fest stattfindet. Die Gepflogenheiten der Sekte wirken fremd und gewöhnungsbedürftig auf die Amis. Als sich wer freiwillig als fester Akt der Feier das Leben nimmt, will man so schnell wie möglich heim. Stattdessen verschwinden nach und nach Gäste, und der Zeitpunkt der Hauptzeremonie rückt immer näher...

Das Mitbringsel...

Bereits die ich-bezogene Hauptfigur, die sich bis zum bitteren Ende stets im Recht fühlt, wird manchem Zuschauer den Blick auf "Midsommar" erschweren. Dass er zudem sehr langsam erzählt ist, und auch Freunde ruhigen Kinos mit seinen oft starren, wenn auch hervorragend eingefangenen Aufnahmen herausfordert (etwa wenn minutenlang gegessen wird), dürfte für manch einen das Aus für den ungewöhnlich erzählten Sektenfilm bedeuten. Dabei besteht gerade in dieser Langsamkeit der Reiz des Streifens, erlebt man doch jedes unwichtig scheinende Detail des Miteinanders hautnah, inmitten dieser uns unverständlichen Kultur, die man lernen will zu begreifen und zu respektieren. Man atmet den Alltag geradezu mit, und das Wohlbefinden der Identifikationsfiguren ebenso, die mal unter Drogeneinfluss schwer nachvollziehen können, was gerade geschieht, mal solidarisch feiern, gemeinsam kritisch werden und sich einsam Sorgen machen. Leider will Ari Asters Film, dessen Vorgängerwerk "Hereditary - Das Vermächtnis" ist, auf nichts hinaus, das nicht bereits etliche andere Filme, mal besser, mal oberflächlicher zu dem Besuch in außergewöhnlichen, allmählich bedrohlich wirkenden Religionskulturen erzählt haben. 

Dabei würde gerade der hier pingelig angegangene, detaillierte, authentisch anmutende Blick unter originalem Schwedeneinfluss vor Ort und im Buch reizen, die üblichen Vorurteile von Amis einmal unnötig sein zu lassen, anstatt die immergleiche Sektenchose abzuspulen, die schon so oft erzählt wurde. Denn nur dann würde die Langsamkeit, mit der ein Stoff von 60 Minuten auf 140 gestreckt wird, inhaltlich Sinn ergeben, anstatt damit lediglich künstlerisch wertvolle und intellektuelle Reize zu versprühen. Aber so, die immergleichen Phasen einer solchen Geschichte überraschungsfrei abarbeitend, wird aus "Midsommar" die zu verkrampfte Version eines kreativen und beeindruckenden "The Wicker Man", die anspruchsvollere Version eines zu groben "The Sacrament", die übernatürlich-befreite Version eines um zu viele Schauwerte bemühten "Paranormal Activity - Next of Kin", um nur einmal einige der vielen Beiträge zu dem Thema zu nennen, denen der ach so gern individuell wirken wollende "Midsommar" von seiner Geschichte her zu sehr ähnelt. Zudem beschlich mich das Gefühl, dass das Drehbuch die moralischen Vorstellungen der finalen US-Heldin auch noch gutheißt, anstatt neutral von verschiedenen Mentalitäten und menschlichen Fehlern zu berichten. Aber das mag auch nur von mir falsch hinein interpretiert gewesen sein, zu einem Zeitpunkt, als mich der reizvoll scheinende Streifen dann doch nur bitter mit inhaltlicher Standardware enttäuscht hat. Ich weiß es nicht...  Wiki

09.08.2024

HEXEN (1922)

Eine alte Bettlerin wird der Hexerei bezichtigt. Ihre Verurteilung ist der Beginn einer Spirale etlicher Beschuldigungen gegenüber allen möglichen Personen selbiges zu sein...

Speichel sind die Tränen der Hexen...

Ich weiß nicht wie sehr das Reflektieren der Thematik um Hexenverbrennungen zur Entstehungszeit von "Häxan" (Originaltitel) in der Allgemeinheit präsent war, aber Benjamin Christensens Werk sieht sich als Aufklärung über Aberglauben, insbesondere den Bereich der Hexenjagd im Mittelalter. Er zeigt in seinem halb dokumentarischen Werk Gründe für Anschuldigungen, Methoden der Folter, Rechtfertigungen, Beweisführungen, Wege der Unterdrückung, das Leben mit der Angst vor Sünde, dem Bösen und der Anschuldigungen. Er zeigt uns mal anhand von alten Zeichnungen (die aufgrund der eingeblendeten Texttafeln meist zu kurz im Bild zu sehen sind), mal in Form von Spielszenen woran geglaubt wurde, wie in welcher Phase der Menschheit das Weltbild aussah, was Hexerei ausmacht, wie sie gelebt wurde und warum. Details der gezeichneten Dokumente von einst werden geradezu klassisch mit einem Zeigestock markiert. Beeindruckend, nicht nur aufgrund vergangener Glaubensansätze, sondern auch  in ihrer Vielfältigkeit der künstlerischen Ausdrucksform sind sowohl sie, als auch die liebevoll und spielfreudig inszenierten Filmszenen, die mit detailfreudigen Kostümen und Einrichtungsgegenständen, sowie manch schwieriger Spezialeffekten überzeugen und zu interessieren wissen, freilich geradezu in jeglichem Klischee badend, wie man sie heute nur noch in Kinderstoffen wiederfinden würden, eben weil es um frühe Phasen entsprechender Aberglaube geht und "Die Hexe" (Alternativtitel) selbst nun auch mittlerweile über 100 Jahre auf dem Buckel hat. 

Aber so augenzwinkernd manches auch scheint und selbst zur Entstehungszeit dieses schwedischen Filmes schon war, man nimmt das Erzählte freilich ernst, lässt es uns doch in ein trauriges und düsteres Kapitel der Menschheit blicken. Und was verspielt, z.B. mit einem klassischen Teufel mit ewig herausgestreckter Zunge (und dem Küssen seines Hinterns zur Ehrerbietung), amüsiert, ist schnell vergessen, wenn uns Werkzeuge und Methoden der Folter gezeigt werden, die in ihrer Gnadenlosigkeit zu den bizarrsten Geständnissen geführt haben, von denen wir nur einige wenige Beispiele zu hören bekommen. Im letzten Drittel trumpft der Streifen mit dem Gegenüberstellungen damals aktueller psychologischer Erkenntnisse, insbesondere zum Phänomen der Hysterie, um diese der Beweisführung in Hexenprozessen gegenüber zu stellen. Etwas arg moralisch und übertrieben verglichen wirkt die Mahnung an die Gesellschaft der Gegenwart, wenn das Wegsperren alter Menschen in Heime verglichen wird mit den häufigsten Opfern der Hexenjagd: ebenfalls den alten Menschen. Eine warme Dusche vom Personal wird per Überblendung auf das Brennen auf dem Scheiterhaufen als etwas Vergleichbares erachtet, hier wird auf zu übertriebene Art versucht uns auf etwas selbstverständlich gewordenes aufmerksam zu machen, um zu zeigen dass Fragwürdigkeiten stets als normal erachtet werden, wenn sie zum jeweiligen Alltag seiner Zeit gehören. Bei diesem Versuch geht der Film ähnlich extremistische Wege, wie Veganer von heute, die Fleisch essen mit Vergewaltigung gleichstellen, sprich, diese Phase des Filmes kann man, trotz berechtigtem Wachrütteln, nicht ernst nehmen. Sie mutet zu bitter moralisch an. Effektiv tauchen zur Untermauerung der Vergleiche Darsteller aus den Mittelalterszenen auch in jenen der Gegenwart wieder auf. Der Rest von "Witchcraft Through the Ages" (Alternativtitel) schaut sich jedoch ansprechend, wenn auch manchmal etwas zerfahren in seiner Episodenhaftigkeit bei einer Lauflänge von über 100 Minuten.  Wiki

12.07.2024

PARANORMAL CELLAR (2009)

Party und Kreativität sollen gleichermaßen auf der Tagesordnung stehen, als vier Kunststudenten ein kleines Haus in der Einsamkeit mieten. Doch merkwürdige Erscheinungen und das erschreckende, charakterliche Verändern eines der Teilnehmer sorgen allmählich für Unbehagen...

Die Tür hinter der Wand...

So positiv Schweden und Co auch hin und wieder im Horrorbereich auffallen, eine Garantie für ein geglücktes Produkt aus diesem und ähnlichen Ländern gibt es freilich trotzdem nicht. Zwar guckt sich "The Cellar" (Alternativtitel), so wie man es sich erhofft, anders als der Standard aus den USA und jenen Ländern, die diesen gern kopieren, aber von Anfang an wird die unprofessionelle Art deutlich, mit welcher "Huset vid vägens ände" (Originaltitel) inszeniert ist, ohne ein Amateurfilm zu sein oder zumindest den Charme dieses Gebietes atmen zu können. Beleuchtung, Darsteller, alles funktioniert gerade eben so, ohne tatsächlich zu überzeugen. Da das, was wir derart dargeboten erleben, an sich nicht uninteressanter Natur ist und die Neugierde darüber, was in dem mysteriösen Haus vor sich geht, geweckt wird, bleibt man als Dauergast im Genre trotzdem dran. Letztendlich baut das Szenario jedoch zu viele mysteriös wirkende Baustellen auf, anstatt sich auf eine oder zwei zu konzentrieren. Damit wirkt die Geschichte zu zerfahren, die ohnehin wenig Orientierung zulässt bei zu distanzierter Figurengestaltung und den zu dunklen Bildern. Klar, mit der Dunkelheit spielt man bewusst, aber auch das funktioniert in den besseren Szenen nur bedingt. Dass das Ganze zudem mit einem 10minütigen Anhang eines Ermittlers endet, der herausfinden möchte was geschehen ist, und uns am Ende eher erahnen lässt, was die Antwort auf diese Frage ist, tut "The House at the End of the Road" (Alternativtitel) auch nicht gut. Passable Momente und der Versuch eine Spukstory mit etwas anderen Ansätzen auf die Beine zu stellen, lässt "Paranormal Cellar" zumindest nicht völlig unsympathisch erscheinen, letztendlich bleibt er aber zu sehr Produkt und hätte manchmal vielleicht doch eher auf standardisierte Sehgewohnheiten setzen sollen.  OFDb

03.01.2024

MOVIE KILLER (1989)

Er spielt einer Reporterin Tonaufnahmen seiner nächsten Opfer am Seelsorgetelefon vor, er schickt ihr Kassetten, zeigt sich sogar in einer Videoaufnahme. Der Irre in "Movie Killer" ist nicht gerade scheu, hochgradig motiviert, dass man ihn bemerkt, warum auch immer, denn seine vergangenen Taten ließ er clever wen anders büßen, das passt hinten wie vorne psychologisch nicht zusammen. "Murder on Line One" (Originaltitel) erzählt davon wie die Reporterin, begleitet von ihrem Bodyguard, versucht den Fall mithilfe des Anwalts des unschuldig Verurteilten zu lösen, da die Polizei trotz aller vorhandenen Beweise und allem was geschah nichts tun kann. Was an Logik fehlt, versucht der schwedische Regisseur Anders Palm in seinem britischen Film mit reißerischen Elementen aufzuwerten. Visuell typisch 80er Jahre in erotischem Blau und anderer Modeoptik dieser Zeit getränkt, untermalt mit eher durchschnittlicher Musik dieses Jahrzehnts und eher öden Instrumentalgedudel, kommt "Notting-Hill-Killer" (Alternativtitel) nie aus der Routine hinaus. Aber zumindest die weiß er zu bieten, überraschend dynamisch erzählt, so dass er nie die Langeweile atmet, die er mit seinem eher stumpfen, ewig um sich selbst drehenden Plot, der sich einen Einblick in die Motivation des Täters verweigert und die Dialoge zwischen ihm und der Heldin nicht gerade interessant gestaltet, eigentlich verursachen müsste. 

Selbst der Härtegrad ist nur so lala ausgefallen, heutzutage erst recht nicht mehr der Rede wert, an nackter Haut wird auch gespart. Für einen reißerischen Trivialfilm kommt "Helpline" (Alternativtitel) mit wenig Schauwerten daher. Aber sein schundiges Flair kann zumindest Stammzuschauer der herrlich dreckigen Filme dieser Schaffensdekade für sich gewinnen, denen dürfte "Deadline" (Alternativtitel) gefallen, zumindest als Durchschnittsunterhaltung für zwischendurch. Für meinen Geschmack hätte er zur Aufwertung in diesem simplen Stil einen Hauch Horrorluft atmen können, um eine Spur düsterer daher zu kommen. Und dass es kein Täterraten gibt, finde ich auch eher enttäuschend, da das Drehbuch das Eingeweihtsein des Zuschauers nicht gerade für ein spannendes Katz- und Mausspiel nutzt. Letzten Endes stehen beide stets in Kontakt miteinander, während ihre Ereignisse, ihr Bemühen dem anderen zu schaden, wie parallel nebeneinander her laufen, bis Richtung Finale endlich etwas passiert, was die beiden doch noch persönlich aufeinander treffen lässt. Mit seinen über 100 Minuten Laufzeit ist mir das alles zu wenig, als dass "Movie Killer - Eine Bestie dreht durch" (Alternativtitel) mich auf Trivialniveau für sich hätte gewinnen können. Palms zuvor abgelieferter "Hand of Death Part 25" hat mir wesentlich besser gefallen, dort herrschte so eine wunderbar skurrile Note im Humor. Statt erneut auf diese Stärke zu setzen, schob er "Movie Killer" den ähnlich gearteten Thriller "Murder Blues" nach.  OFDb

08.04.2023

HATCHING (2022)

Die Geschichte um ein Mädchen, das ein Ei im Wald findet und daraus einen großen Vogel brütet, kommt nicht nur aufgrund seiner finnischen Herkunft anders erzählt daher, als die Standardware aus den USA und jenen Ländern, die sie nachahmen. Hanna Bergholm begrenzt ihr Debüt außerdem nicht nur auf den Tierhorror-Aspekt, sondern erweitert ihn um den Bereich des Körperhorrors, dem des Coming of Age-Dramas und dem der Satire. Letzteres greift in verschiedenen Bereichen um sich, ob Mediensatire, oder dem kritischen Blick auf Erziehung, Leistung, Selbstwahrnehmung, Privatsphäre, zentral meist die herrlich egoistische Mutter treffsicher ins Visier nehmend, aber auch den passiven Papa, das überforderte Mädchen, den verwöhnten Jungen, ja selbst den freundlichen, empathischen zweiten Mann im Leben der Mama. Da wo Kotzkomik, zum Ernähren des Riesenkükens, vermuten lassen könnte einen groben Film zu sichten, da ist dies nur Teil einer logisch gedachten Groteske, die hauptsächlich sensible und sinnreiche Elemente in diesen Genre-Mix einfließen lässt. Laute Momente gibt es auch, aber die sind stets förderlich für die Geschichte eingebracht, welche sich auf die Entwicklung diverser Figuren konzentriert. Der Part des Erwachsenwerdens zielt nicht nur auf eine überraschende und konsequente Pointe hin, er erweitert die üblichen Prozesse, die im Bereich des Horrorfilms gerne mit dem Coming of Age-Aspekt gemischt werden, um einige vielschichtige, recht unauffällig eingebaute, mehr. Der clever erzählte Film versperrt sich trotz seiner geistreichen Reflexion nie dem Unterhaltungswert, ist somit kurzweilig zu schauen, und bringt einen einerseits zum Lachen, weiß den Zuschauer gleichzeitig aber auch mehrfach aus seiner Wohlfühlzone zu reißen. Er ist hervorragend besetzt und sollte meiner Meinung nach im Originalton mit deutschen Untertiteln geguckt werden. "Hatching" ist definitiv ein kleiner Geheim-Tipp.  Wiki

06.08.2022

DAS SIEBENTE SIEGEL (1957)

Im Gegensatz zu meinen bisherigen Erfahrungen mit Filmen von Ingmar Bergman fiel "Det sjunde Inseglet" (Originaltitel) weit entspannter erzählt aus, als erwartet. Zwar fordert er, wie typisch für seine sehr erwachsenen und kunstbetonten Werke, trotzdem Aufmerksamkeit vom Zuschauer, da dieser selbst entdecken muss, anstatt alles gesagt zu bekommen, aber diese geforderte Konzentration fällt leicht bei einem derart unverkrampft ausgefallenen Streifen, der sich als recht humorvoll inszeniert dafür schaut, dass er vordergründig keine Komödie sein möchte. Ein wenig hat mich das Ergebnis, wenn auch in einem anderen Jahrhundert spielend, an die fast zeitgleich erschienene "Schinderhannes"-Version mit Curd Jürgens erinnert. Der gewährte einem ebenfalls einen unverkrampften, sich in seiner Menschlichkeit authentisch anfühlenden Blick auf die Lebenswelt der Bürger ihrer Zeit, hier jene des Mittelalters, in welcher die Pest um sich greift und Kreuzzüge beendet werden.
 
Es gibt also genug schwerwiegende Probleme, mit denen man sich herum plagen muss, was das Volk nicht davon abhält kleinkariert auch unnötige innerhalb eines Blickwinkles nur bis zum eigenen Tellerrand zu provozieren. Dieser Blick fällt nie bitter oder moralisch aus, sondern schwankt irgendwo zwischen verstehen und augenzwinkernd akzeptieren, frei nach dem Motto: so sind die Menschen eben - eine entspannte Haltung, die man sich in heutigen Zeiten der Prinzipempörung geradezu zurück wünscht. Der populäre Aspekt von "The Seventh Seal" (Alternativtitel), dass ein Ritter gegen den Sensenmann Schach spielt, um sein Schicksal hinauszuzögern, fällt überraschend beiläufig aus, wenn es um die direkte Aktion geht. Wie sehr dieser Aspekt tatsächlich mit all den anderen Geschehnissen zu tun hat, die sich auch oftmals um andere Personen kümmern, bemerkt man eher unterschwellig, spätestens aber mit der Auflösung der Geschichte. 
 
Diese hält zudem einen schönen Seitenhieb auf eine Mutter Maria-Situation, die ziemlich zu Beginn mitzuerleben war, bereit. Sie gehört mit zu den besagten augenzwinkernden, humorvollen Momenten, die Auflösung diesbezüglich ist aber auch ein tolles Beispiel für die Täuschung, die "Das siebente Siegel" gerne für den mitdenkenden Zuschauer bereit hält, der oft anderes vermutet als schließlich geschieht. Dass der Tod gerne mal unfaire Methoden auffährt, oder der Ritter auch gerne mal trotzig die Figuren umwirft, in der Hoffnung sein Gegner hätte vergessen auf welchem Feld welche standen, macht ebenfalls das humorvolle Gewandt dieser Nicht-Komödie deutlich und den sanften Umgang mit dem Akzeptieren von menschlichem Fehlverhalten (von dem sich selbst der Tod nicht los sagen kann, wie man sieht). 
 
Inmitten dieses leichten und dennoch spürbar und mitempfindbaren dramatischen Treibens schleichen sich auch immer wieder mal mehr, mal weniger gut funktionierende philosophische Gedanken mit ein. Besonders gut gefallen hat mir die Andeutung (die aber auch Trick oder Lüge gewesen sein kann), dass selbst der Tod nicht weiß was nach dem Ableben kommt und somit auch nicht was Gott bewegt zu handeln wie er es tut, bzw. die Frage ob dieser überhaupt existiert. "Das siebente Siegel" ist ein überraschend kurzweilig zu schauender, unterhaltsamer Ingmar Bergman-Film in gewohnt guter Besetzung und wie so oft sehenswert durch seine reichhaltig ausgefallenen Dialoge. Wieder einmal wird deutlich, dass der Regisseur hier selbst zum Genre wird. Welche er tatsächlichen für seine Erzählung benötigt, scheint nicht wirklich wichtig.  OFDb

25.10.2020

DOGVILLE (2003)

Welch bitterböse Idee: eine verfolgte Frau darf sich über längere Zeit mit Einverständnis der Bewohner in einem kleinen Dorf verstecken und hilft als Gegenleistung jedem vor Ort bei diversen Tätigkeiten. Als nach einigen Wochen klar wird, dass sie von der Polizei gesucht wird, reichen die bisherigen Dienstleistungen nicht aus. Die Forderungen an die Versteckte werden immer größer und unerträglicher, sodass sie nach und nach in die Position einer Gefangenen rückt. Diese Geschichte ist äußerst reizvoller Natur und lässt einen vermuten, dass die Abrechnung mit den ach so braven Spießbürgern in einer düsteren, spannungsgeladenen Thriller-Variante daher kommt. Doch letztendlich lässt sich diese Satire gar nicht so leicht in ein Genre stecken. Die oftmals sehr dramatisch dargebotene Geschichte kommt schwarzhumorig, verspielt und bitter gleichermaßen daher, besitzt definitiv einen Spannungsbogen, der jedoch keineswegs auf Thrillerbasis daher kommt, sondern aufgrund der sich zuspitzenden Geschichte für Anspannung sorgt. Mit Nervenkitzel hat diese Art der Spannungserzeugnis im üblichen Sinne nichts zu tun. Zudem weht ein gewisser Märchen-Touch über den Dingen, ein Gefühl das stark dadurch beeinflusst wird, dass "Dogville" im Stile eines "Die fabelhafte Welt der Amelie" über die komplette Laufzeit von der sanften Stimme eines Geschichtenerzählers im Off begleitet wird, dessen ruhige, friedliche Stimme und Betonung selbst dann keinen Wandel erhält, wenn die Zustände, unter denen die Hauptfigur leidet, immer düsterer und leidender Natur werden. 

Zu diesem ungewöhnlichen Umgangston der Erzählung gesellt sich nun noch die experimentelle Optik des Streifens, spielt "Dogville" über seine kompletten 170 Minuten doch in einer großen Halle, auf deren Boden die Straßen(namen), die Häuser und die Namen ihrer Bewohner auf den Boden ge(kenn)zeichnet sind und die professionellen Schauspieler innerhalb dieser Markierungen agieren. Dieser Minimalismus funktioniert überraschend gut und kommt keineswegs so pseudo-intellektuell daher, wie diese ungewöhnliche Herangehensweise zunächst anmuten mag. Das liegt aber auch daran, dass man dieses Set als selbstverständlich einsetzt und ganz für sich, ohne Zusatzeinfluss, wirken lässt. Zudem ist "Dogville" geistreich, reflektiert, kritisch und kompromisslos erzählt. Lars von Trier, der auch für das Drehbuch verantwortlich ist, präsentiert einen Film für mündige Cineasten und konfrontiert sie mit der Natur des Menschen. Der Blick auf diese mag pessimistischer Natur sein, doch ganz so falsch wird der gute Mann nicht liegen, wenn es darum geht wie Menschen, frei von Kontrolle, immer hemmungsloser Macht ausüben. Dabei geht es der Geschichte nicht einzig um den dramatischen Aspekt der im Zentrum stehenden Frau und den Taten ihrer Peiniger, sowie nicht nur um den Wandel der braven Bürger zu unterdrückenden Wesen, es geht auch um die Rechtfertigung der Täter, um ihren Blickwinkel, aus dem sie sich noch immer für normale Bürger halten, und bei dem seltenen Fall der Einsicht einer Fehltat maximal Schuldzuweisungen auf Seiten des Opfers suchen, anstatt Reue zu zeigen. 

Unter Einfluss all dieser Faktoren schaukelt sich das Geschehen immer weiter hoch, während sich am äußeren und inneren Stil des Streifens nichts ändert. Das weiß den Zuschauer gekonnt zu verstören. Ob man den Kniff wie alles endet ebenfalls als derart gekonnt wie den Rest ansieht, liegt sicher im Auge des Betrachters. So gewitzt auch hier auf anderer Ebene die Natur des Menschen und seine Rechtfertigungen thematisiert werden, ich wurde den Eindruck nicht los, dass der Film diese Rechtfertigung als Gerechtigkeit gut heißt, und das hinterlässt einen recht fragwürdigen Eindruck. Es ist aber eben nur ein solcher, wer anders mag das anders interpretieren und sagen, dass von Trier keineswegs Stellung bezieht und hier ebenso objektiv lediglich berichtet, wie er es zuvor tat. Der Wandel der in den letzten Szenen des Films in der Luft liegt, ist jedoch bemerkbar. Eine andere Tonart bricht an, eine Debatte über Recht und Unrecht wird offiziell geführt, anstatt wie bisher mal mehr, mal weniger subtil im Hintergrund mitzuschwingen. Generationenkonflikte werden zu einem wichtigen Element, ebenso das Überprüfen der eigenen Persönlichkeit, die Korrektur daran, der Einfluss von Familie und eigenem Willen wird als wichtiger Fakt mit herangezogen, und inmitten all dieser Methodik empfand ich das dort gezeigte Bereinigen der Ereignisse durchaus als vom Film gerechtfertigte Revanche, während ich selbst hingegen dachte, dass sich hier keiner in irgendetwas nachsteht. 

Mit Gerechtigkeit hat das nichts zu tun, nicht einmal mit der klassischen Entladung nach einer Extremsituation. Ich kann aber wie gesagt nicht wirklich einschätzen, wie sehr der Autor und Regisseur hinter den finalen Taten steht, sprich wie sehr es ein Zugeständnis an die eigene Natur ist, derartiges Handeln als Gerechtigkeit zu empfinden, quasi als angewandte Reflexion dessen was zuvor über Fremdpersonen analysiert würde an sich selbst, sowie als Spiegel für den Zuschauer, um sich ebenfalls als Mittäter zu fühlen, als jemand der mit im Boot sitzt, eben weil in ihm ebenso die Natur des Menschen schlummert. Im umgekehrten Fall wäre es zumindest ernüchternd, dass dieser Schluss auch stumpf gemeint sein kann. Wie auch immer man zu diesem ungewöhnlichen Stilwechsel steht und ihn definiert, auch hier weiß "Dogville" so oder so definitiv zu beeindrucken, mitunter weil er wie erwähnt seinem ruhigen, märchenhaften Erzählstil treu bleibt, selbst wenn über Dogville gerade die Hölle hereinbricht. Aus dem ruhigen Geschehen wird frei von Spezialeffekten ein lautes, ereignisreiches Szenario, das ebenfalls von Taten, deren Drang bislang unterdrückt wurde, handelt. Selbst in dieser Phase bleibt von Triers Darstellung der Ereignisse, des Umfelds und der Akteure stets symbolisch. 

Kalt dürfte "Dogville" nur jene lassen, die sich nicht auf die Entfremdung, durch welche die Symbolik zum Zentrum des Filmstils wird, einlassen können. Dialoge, Schauspiel und Handlungsverlauf sind derart packend dargeboten, dass man sich eigentlich wunderbar auf "Dogville" einlassen und von dessen Ereignissen mitgerissen werden kann. Einem Publikum mit vielseitigem Filminteresse und Anspruch müsste das Ergebnis eigentlich schmecken. Hier maulen lediglich die Gewohnheitszuschauer, die nur ungern aus ihrer Wohlfühlzone geholt werden und das Hobby des Filmeschauens schlichtweg auf das Filmeschauen reduzieren.  OFDb

27.06.2020

FANNY UND ALEXANDER (1982)

"Fanny und Alexander" ist ein hochgradig gut gespieltes Drama, eine vergangene Zeit ebenso realitätsnah einfangend, wie die zwischenmenschlichen Situationen, gerade in sensibel intimen Bereichen, die aufgrund ihrer Ehrlichkeit sehr authentisch anmuten. Bergman zeigt beide Lebenswelten der Kinder detailgetreu und intensiv und lässt dabei die Kinder in der ersten zu Randfiguren verkommen, so wie ihre Position, nicht frei von Liebe, ganz im Gegenteil, innerhalb der großen Familie ist. Der Regisseur fängt die Herzlichkeit der ersten Heimat ebenso gekonnt ein, wie die Kargheit und Bitterkeit der zweiten, äußerlich wie innerlich. Keck strotzt Alexander der Strenge des Stiefvaters, um ihr schließlich doch zu erliegen. Hier sollen biographische Einflüsse des begabten Künstlers mit einfließen. So gekonnt alles Präsentierte auch theoretisch angegangen ist, so habe ich doch trotzdem Probleme mit diesem Film, konnte ich mich doch nie wirklich komplett in ihn einfühlen und betrachte ich manche Herangehensweise doch äußerst kritisch. So wichtig das Vorleben der Kinder, samt Mutter, für den Kontrast dessen was folgt auch sein mag, ich finde es zu ausschweifend dargeboten. Es dauert zu lange, bis der Bischof ins Geschehen tritt.

Tut er dies endlich, wird uns das Leben bei ihm zu sprunghaft präsentiert. Der Kampf zwischen Alexander und dem Bischof kocht bereits hoch, bevor der Zuschauer die Konsequenzen der Grausamkeit des Stiefvaters erfährt. Zunächst lediglich konservativ streng und seelisch leer mutet das Leben dort unangenehm an, aber nicht in letzter Instanz unterdrückt. Dieser Eindruck folgt später, bezogen auf Alexanders Gegenwehr jedoch zu spät. Erschwerend kommt der Richtung Finale plötzlich auftauchende, esoterisch anmutende Aspekt hinzu, der sich nicht wirklich greifen lässt und mir seinen Mehrwert und Zweck nicht wirklich deutlich machen wollte. Mittlerweile habe ich jedoch erfahren, dass ich statt der 180 Minuten-Version die 305minütige hätte gucken sollen. Dort wird freilich die zu lange Phase der ersten Heimat nicht kürzer angegangen, anscheinend aber auch nicht wesentlich länger. Die Sprunghaftigkeit des neuen Heims soll behoben sein, und der esoterische Aspekt käme schleichender und geheimnisvoller vor. Nach dem Sichten der Produzenten-Fassung kann ich mir durchaus vorstellen, dass die Langfassung, Ingrid Bergmans Version, weit schlüssiger und flüssiger zu schauen ist. Die Intelligenz und Sensibilität des Stoffes lässt sich schließlich bereits in der dreistündigen Kurzversion deutlich erkennen. Verständlicher Weise werde ich nach der für mich mittelmäßigen Sichtung eines hochkarätigen Stoffes jedoch nicht so schnell zur vermeintlich besseren Fassung greifen. Da müssen schon einige Jahre ins Land gehen, um dieser eine Chance zu geben - wahrscheinlich animiert nach dem Sichten diverser gelungener Stoffe dieses Regisseurs, von dem ich bislang nur zwei Filme kenne.  OFDb

01.03.2020

PIPPI IN TAKA-TUKA-LAND (1970)

Nach zwei Kinoauswertungen der beliebten TV-Serie folgte mit "Pippi in Taka-Tuka-Land" der erste tatsächlich fürs Kino konzipierte Film um Pippi Langstrumpf. Waren die Vorgänger bereits hoch qualitatives Kinderprogramm mit hohem Unterhaltungswert, so setzt der dritte Film um die Piratentochter noch eins drauf, bildet er doch meiner Meinung nach den Höhepunkt der klassischen schwedischen Pippi Langstrumpf-Filme. Und das empfinde ich als Erwachsener noch ebenso, wie bereits zu Kinderzeiten. So sehr die vereinfachte Plotstruktur auch typisch Kinderfilm ist, auch als Erwachsener hat man noch einen Heidenspaß mit dem Werk, das weit über nette Retro-Erinnerung hinaus geht. Der Humor, die Stimmung, die liebevolle Inszenierung, all das schließt man noch immer in sein Herz, und ich könnte mir vorstellen, dass auch wer, der nicht mit den Filmen groß wurde, Freude an dem Produkt haben dürfte.

Spätestens mit diesem Teil 3 müsste dies zumindest funktionieren, der nun ohne Serienherkunft nicht mehr so episodenlastig ausgefallen ist, wie sich die ersten beiden zwangsweise anfühlen mussten. Nach einer kurzen Vorgeschichte geht es schnell los, und die Kinder geraten von einem Abenteuer ins nächste, bis schließlich in der Piratenhochburg angekommen der Rest der Geschichte ausgedehnt dort verweilt. Es mag zu Beginn etwas komisch anmuten, dass die Eltern von Tommy und Annika ihre Kinder drei Wochen in die Obhut von Pippi Langstrumpf begeben, um sie sicher aufgehoben zu empfinden, widerspricht es doch ihrer Meinung über Pippi in der TV-Serie, ansonsten leistet sich "Pippi Långstrump på de sju haven" (Originaltitel) keine Schnitzer. In selbiger Besetzung, wie gehabt inszeniert von Olle Hellbom, setzt der Film die Qualität der Vorgänger fort und setzt diese innerhalb einer fortlaufenden Geschichte ein, die von einem humoristischen Höhepunkt zum nächsten hüpft. Pippis Unbesiegbarkeit und Heldenmut wird noch um einige Grade mehr übertrieben, zusätzlich zudem verstärkt indem im Gegenzug die Piraten um so ängstlicher wirken. Und gerade dieser aus Erwachsenensicht empfundene störrische Größenwahn Pippis mit großer Klappe erheitert allerlei Situationen. Selbstverständlich trumpfen derartige Punkte auch aufgrund der hervorragenden deutschen Synchronisation.

Neben dem humoristischen Effekt wird zudem stets auf eine stimmige Abenteueratmosphäre gesetzt. Kleine Bedrohungen werden direkt genug eingefangen, um das Publikum nicht in Watte zu packen, geraten gleichzeitig aber nie düster genug, als dass sich das Ergebnis nicht kindgerecht gucken würde. Alkohol und Brutalitäten finden in verspielter Kindersicht Einzug in die Geschichte, anstatt aus pseudo-pädagogischen Gründen derart wichtige Zutaten zu verbannen. Hier wird weder verharmlost, noch pädagogisch übertrieben rot gesehen, "Pippi in Taka-Tuka-Land" entstand in einer Zeit, in der man noch wusste wie kindgerechtes Kino ohne moralinsauren Unterton, übertriebener Verharmlosungen, extremer Verkitschung oder altersanbiedernder Coolness funktioniert. Entspannt erzählt, zweckmässig getrickst und mit einer bunten Schar lustiger Figuren bereichert, schaut sich die Abenteuerkomödie sehr kurzweilig und schafft es mittels eines vergnüglichen Untertons und gut gesetzter Pointen und Dialoge Erwachsene nicht zu unterfordern.

Die Botschaft aus Buch und Vorgängerfilmen, dass man sich nicht aus Prinzip einer Autorität unterzuordnen hat, wenn die Regeln die sie befolgen lediglich den Sinn der Regeleinhaltung beinhalten, wird hier konsequent auf eine Verbrechergesellschaft angewendet. Warum sollte Pippi kuschen? Die Piraten, die Gehorsam fordern, sind schließlich Verbrecher. Dementsprechend angenehm dreist kommt Pippi Langstrumpfs musikalische, auf einem Kneipentisch tanzend vorgetragene, Vorstellung dem Piratenkapitän gegenüber herüber, ein Moment den ich als den besten inmitten eines von großen Momenten nur so wimmelnden Filmes empfinde. "Pippi im Taka-Tuka-Land" (Alternativtitel) ist innerhalb einer vorbildlichen und gut unterhaltenden Kinderfilmreihe der Höhepunkt in jederlei Hinsicht und zu Recht im Laufe der Zeit ein namhafter Klassiker geworden. Während man andere Filme und Serien für die Kleinen meist mit erwachsenen Augen mit einer gewissen Geduld und viel Wohlwollen konsumiert, funktioniert der hier besprochene Film rein unterhaltungstechnisch für die Großen ebenso gut, wie zu Kinderzeiten. Er ist für mich eines der besten Produkte seines Fachs, welchem man das Herzblut aller Beteiligten geradezu ansieht.  OFDb

19.01.2020

DIE STUNDE DES WOLFS (1968)

Mit "Die Stunde des Wolfs" hat der schwedische Regisseur Ingmar Bergman ein faszinierendes Werk kreiert, das sich zum großen Teil so guckt, als hätte er es geschafft einen realen Alptraum in Filmform einzufangen. Abgesehen vom üblichen plötzlichen Personenwechsel in Träumen, fühlt sich der Kunstfilm tatsächlich wie einer an, präsentiert dementsprechend ein irrationales Szenario, welches gerne mit Tricks, wie Überbelichtungen, weitere surreale Eindrücke beschert bekommt. Vorgetragen über ein fiktives Interview, angeblich angelehnt an wahren Begebenheiten, wohnen wir einer Erzählung bei, die man nicht eingeordnet bekommt, dies aber ohnehin im besten Fall am Ende des Films nur teilweise. Nie wird klar was Einbildung und Wirklichkeit ist. Die wirr und doch durchdacht scheinenden Abläufe lassen allerhand Deutungen und Analysen zu, von solch simplen, wie dem Vermuten des Abrutschens in den Wahnsinn, bishin zu solchen, welche die düsteren Abgründe der menschlichen Seele erforschen und die Umstände andeuten, durch welche sie entstehen und zum Ausbruch kommen können.

"Die Stunde des Wolfes", welcher der erste Teil einer Ingmar Bergman Trilogie ist, dem noch "Schande" und "Passion" zur Vollendung folgen sollten, schwankt in der zwischenmenschlichen Realität des Paares immer zwischen Einsamkeit in der Zweisamkeit und dem Zusammengehörigkeitsgefühl und wechselt diese Momente mit den inneren Dämonen und dem erlebten Leid des jeweils Einzelnen ab, so dass die Außenwelt und das Kopfkino der Protagonisten zu einem rätselhaften Puzzle werden, das gelegentlich Antworten bietet, während gleichzeitig weitere Fragen aufgeworfen werden. Da wir durch das Verwenden von Interview und Tagebuch auf das vertrauen, was die Überlebende des Erlebten vorträgt, lässt alles Erzählte auch stets auf dieser Ebene trügerische Rückschlüsse zu, ob absichtlicher oder selbstverwirrter Art, so dass man auch den Bericht einer Täterin nicht ganz ausschließen kann, die sich als Opfer verkauft.

Aber diese Interpretation ist nur eine von vielen Möglichkeiten, da nicht nur die Wahrnehmung des Zuschauers durch den Wechsel von Tatsachen, Einbildung, persönlichen Erzählungen, irrationalen Erlebnissen und Rückblenden leidet, sondern auch die beider Hauptpersonen. Der Film wirft Fragen über die Dekadenz der Gesellschaft auf, über unterdrückte Gefühle. Es geht um Ungleichheit und zu viel Nähe in Partnerschaften, um die Naivität des einen, die vom andern ausgenutzt wird, um die Frage ob Einbildung/Wahnsinn ansteckend sind, wohin Kindheitserlebnisse führen können, insbesondere Bestrafungsmethoden. Es geht um zu viel Einsamkeit, um persönliches Empfinden wie Ekel, Angst und Lust. Es geht darum was alles in uns Menschen steckt und pocht, mal heraus bricht und mal nicht und um die Hilflosigkeit, in der man gefangen ist, durch Empfindungen wie diese gelenkt.

Bergman steigt schlicht ein, trägt nüchtern vor was es zu erzählen gibt und lässt zunächst beiläufig eine stetige Bedrohung über den Dingen schweben, die immer spürbarer wird. In der Hochphase dieses Filmerlebnisses werden selbst einfachste Dialogszenen zwischen dem Paar zu einem atmosphärisch dicht eingefangenen, spannenden Erlebnis. Vergangenheiten, wie ein verstörender Rückblick auf einen Angelausflug mit Johan und seinem Sohn, sowie einer schaurig üblen Kindheitserinnerung, an sich simpel mündlich vorgetragen, tragen entscheidend zum düsteren Flair des Streifens bei, während die Geschehnisse im Jetzt meist mehr der geistigen, wie emotionalen Verwirrung dienen. Die Schlussworte der Interviewten sind ein hoch interessanter Gedankengang, der lange nachhallt und ein wenig Klarheit beschert, sofern man der Wahrnehmung Almas traut.

Bis auf einige Bildbearbeitungen umgeht Bergman Spezialeffekte. Phantome, sofern sie denn welche sind, werden ganz simpel durch Personen dargeboten. Selbst eine der wenig offensichtlich realen Szenen, das Abfeuern einer Waffe, erfordert keinen Einschuss-Spezialeffekt oder ähnliches, nicht nur damit das Szenario zum Reststil passt und dem surrealen Zustand keinen Bruch beschert, auch weil dieser plötzlich abgebrochene Moment uns im Unklaren darüber lassen soll, was gerade passiert ist. Bergman ist ein kunstvoll inszeniertes Stück Kopfkino geglückt, dessen Orientierungslosigkeit man sich bei diesem intensiven Erlebnis und der Freude es zuzuordnen als Freund andersartigen Kinos nur all zu gerne hingibt. Das Bedürfnis hinterher über das Gesehene reden zu können, ist aufgrund der ungeklärten Begebenheiten sehr groß. Die Unklarheiten laden aufgrund des Wunsches der Beantwortung der Fragen des großen Ganzen ebenso zu einer weiteren Sichtung ein, wie das handwerklich intensive Seherlebnis, welches Bergman auf scheinbar simple Machart so packend und doch nüchtern vorgetragen zu entfachen vermag, hilfreich unterstützt durch zwei hervorragende Mimen in den Hauptrollen besetzt.  OFDb

11.01.2020

DER FUHRMANN DES TODES (1921)

Die schwedische Novelle Selma Lagerlöfs, um die Aufgabe des letzten Verstorbenen des Jahres, wurde bislang dreimal verfilmt, erstmals 1921, dann als erste Tonverfilmung 1939 in Frankreich als "La charrette fantôme" a la "The Phantom Wagon" und schließlich ein bislang letztes Mal erneut in Schweden 1958 noch einmal als "Körkalen", der bei uns ebenfalls unter dem Titel der hier besprochenen Erstverfilmung erschienen ist. Dieses schwedische Original ist wie für einen Stummfilm üblich in verschiedene Akte unterteilt, die teilweise jedoch an merkwürdiger Stelle eingefügt werden, so abrupt wie sie eine Szene unterbrechen lassen und so überraschend, wie danach hin und wieder in die selbe Szene zurück eingeblendet wird. Das mag zwar unprofessionell wirken, aber das ist ein Adjektiv, welches sich auf das eigentliche Werk nicht anwenden lässt. Gekonnt, wie üblich zu dieser Filmschaffenszeit, geht man vor, vielleicht nicht das große Ergebnis mancher Konkurrenz abliefernd, aber interessant genug umgesetzt, um heute noch zu unterhalten. Je mehr sich "Der Fuhrmann des Todes" dem Ende nähert, desto moralischer wird er, ein wenig erinnernd an Dicken's berühmte Weihnachtsgeschichte und zusätzlich versehen mit religiösem Touch. Aber das verwässert das Ergebnis des Dramas mit Fantasyeinfluss nur gering und ist in seiner Theatralik zudem der Entstehungszeit geschult, in welcher derartiges üblich war.

Die eigentlich überraschend schlicht ausgefallene Geschichte ist auf interessantem Wege aufgearbeitet, ist sie doch weder chronologisch angelegt, noch weiß man am Ende was Einbildung und was Wirklichkeit gewesen ist (auch wenn das Einbringen eines Selbstmordversuchs uns einen Hinweis darauf gibt). "Körkalen" (Originaltitel) beginnt im Jetzt, wird dann kurzfristig über einen Rückblick erzählt, während im Jetzt zurück gekehrt ein Teil des zu Sehenden über eine erzählte Geschichte stattfindet. Nach dieser kommt es zum Todesfall der Hauptfigur, wo sich von nun an das Jetzt mit Rückblicken abwechselt, die von nun an chronologisch sortiert von den Ereignissen erzählen, die zur Situation im Jetzt führten. Zwar liegt die Schuldzuweisung und damit die Aufgabe der Läuterung eindeutig beim Protagonisten David, dennoch überrascht das schwarz/weiß-Schema aufbrechende Einbringen eines Schicksals seines Leidenswegs, für das er nur bedingt etwas kann, verlässt ihn seine Frau doch ausgerechnet an jenem Tag, an dem er Besserung gelobt. Aufgrund dieses frustrierenden Ereignisses verliert er sich und wandert aus Rache durch Schweden auf der Suche nach seiner Frau. Das ist alles sehr bewegend und dramaturgisch gekonnt erzählt, einzig Edits Verlieben in den Problemfall weiß nicht zu überzeugen und wird zu unsanft eingearbeitet, urplötzlich mit einem Nebensatz ins Szenario geschubst. Es mag das Leiden Edits vergrößern und ihre Naivität bestärken, ist in der Version wie hier vorgetragen für die Erzählung jedoch nicht von Relevanz.

Das sind die Kleinigkeiten, die am Gesamteindruck von "The Phantom Carriage" (Alternativtitel) nagen, was aber nicht verhindert, dass er mit seiner angenehm entrückten Atmosphäre zwischen Diesseits und Jenseits zu gefallen weiß. Die Tricktechnik ist mit überlagernden Bildern, welche die Phantomhaftigkeit der Verstorbenen verdeutlicht, schlicht gehalten, verfehlt aber ihre Wirkung nicht, zumal in Ausnahmesequenzen Schauspieler hier bereits jene Aufgabe erfüllen müssen, die zu Bluescreen- und Greenscreenzeiten Standard wurden: das Sprechen mit unsichtbaren, am Set nicht anwesenden, Personen. Auf eine überzeugende Umsetzung dieser Szenen, durch korrekt angeordnetes Einbringen der überlagerten Bilder, wurde Acht gegeben. Hier sticht jene Szene hervor, in welcher das Schicksal des Fuhrmanns in einer extremen Situation verdeutlicht wird, wenn er selbst auf hoher, stürmischer See zum Einsammeln der Seelen verdonnert wird. Gegen Ende erfahren wir zudem, dass er nicht stets nur nach dem Ableben auftaucht, oft liegt sein trauriges Schicksal auch in der Tatsache begründet, dass er Menschen beim Sterben zusehen muss.

Diese bitteren Gedanken in Kombination mit dem Leid der Menschen im Umfeld Davids, machen seine Läuterung recht glaubwürdig, auch wenn sie in aufgeschreckter und damit sehr plötzlicher Form nicht so langlebig sein müsste, wie uns der Schluss des Films weiß machen will. Aber das ist in einem psychologisch so schlicht reflektiertem Werk auch nicht weiter wild und gehörte ohnehin nicht zu den zentralen Aufmerksamkeiten der Stummfilmzeit, selbst in Werken wie "Geheimnisse einer Seele", die bewusst auf psychologische Themengebiete bauen. Von daher ist dies "Thy Soul shall bear Witness" (Alternativtitel) gerne verziehen. Etwas unangenehmer drängt sich jedoch die Frage auf, inwiefern die Familie am Schluss ein tatsächliches Happy End erleben kann, wenn David doch weiterhin unter Tuberkulose leidet und somit seinen Liebgewonnenen auch im geläuterten Zustand weiterhin Schaden zufügen kann. Derartige Lücken muss man akzeptieren, um sich mit "The Stroke of Midnight" (Alternativtitel) anfreunden zu können. Letztendlich können Stummfilm-Interessierte aber bei diesem sympathisch dargebotenen Mix aus Drama und Fantasyfilm, aus Düsternis und Hoffnung und aus Traum und Wirklichkeit nichts falsch machen, sofern sie sich auch mal gerne mit einem schlichterem Ergebnis zufrieden geben.  OFDb

04.08.2019

DER UNHEIMLICHE BESUCHER (1971)

Der Aufhänger des Ganzen mag ein wenig an Fritz Langs "Das Testament des Dr. Mabuse" erinnern, allerdings ist die schwedisch/amerikanische Co-Produktion "Der unheimliche Besucher" weit weniger rätselhaft ausgefallen, als der Plot zunächst vermuten lässt. Dass Salem der Mörder ist, steht von Anfang an fest, der Film wird hauptsächlich aus der Sichtweise der von Max von Sydow verkörperten Hauptfigur erzählt. Auch warum er tut was er tut ist relativ schnell geklärt. Lediglich die Frage wie er das System der Nervenheilanstalt durchbricht, steht lange Zeit als Fragezeichen im Raum. Da wäre es schön gewesen diese Antwort über den ermittelnden Kommissar herausgefunden zu bekommen. Stattdessen wird man jedoch zur Mitte der Geschichte einfach eingeweiht, dies allerdings aus gutem Grund. So kann das nervenkitzelnde Finale besser funktionieren, in welchem es darum geht wer schneller die Anstalt erreicht, der Kommissar oder der Verbrecher. Und wenn man in dieser Phase weiß, was der gute Salem alles zu bewerkstelligen hat, um nicht erwischt zu werden, ist der Spannungsbogen auf einem guten Hoch. Denn mag er auch der Schurke inmitten von Schurken sein, er ist nun einmal die Identifikationsfigur, der man wünscht mit seinem Plan durchzukommen.

"Perfekte Rache" (Alternativtitel) ist besonnen erzählt und ruhig inszeniert, benötigt nie reißerische Elemente um eine gewünschte Stimmung zu erzeugen und lebt von dieser ruhigen Hand, die auf die interessante Geschichte und ihre Charaktere vertraut. Hier agieren Figuren, die sich individuell anfühlen und nur bedingt ein Stereotyp bedienen. Kamera, Schnitt und Musik schließen sich der ruhigen Herangehensweise des Regisseurs an, ähnlich unaufgeregt spielen die gut gewählten Darsteller, die alle in ihrer jeweiligen Rolle gut aufgehoben sind. Oftmals wirken ihre Szenen wie aus einem Theaterstück entnommen, detailreiche Außenaufnahmen durchbrechen diesen Eindruck jedoch gekonnt. Am stimmigen Ergebnis machen die Räumlichkeiten des Streifens viel aus. So ungemütlich der kühle Mauerbau der Nervenheilanstalt auch wirken mag, viel gemütlicher haben es die anderen in ihrer heimischen Behausung nicht. "Salem Come to Supper" (Alternativtitel) zeigt uns eine authentisch lebensnahe Behausung des einfachen Volkes, mit urig scheinenden, renovierungsbedürftigen Räumen in Zeiten, in denen ein solcher Gedanke Luxus gewesen wäre. Diese raue Umgebung wirkt und überträgt sich auf die schlicht gekleideten Charaktere und ihr alltagsbedingtes simples Denken, in welchem Phantastereien nichts zu suchen haben. Das ist ein wichtiger Fakt der Geschichte, denn Salem wurde von einem der Verdächtigen gesichtet, und der wird nun für irre gehalten, während seine Aussage den Kommissar auf die richtige Spur bringt.

Spätestens wenn man eingeweiht wird, wie Salem der Klinik entkam, bekommt der an sich sachlich korrekt vorgetragene Kriminalfilm Risse in der Glaubwürdigkeit. Extrem unglaubwürdige Elemente werden trickreich einfach ausgeblendet, in der Hoffnung der Zuschauer würde sie nicht bemerken. Andere Elemente fallen zumindest fragwürdig aus, und eine kleine handvoll definitiv unglaubwürdig ausgefallener Details bleibt noch über. Dazu gehört auch die Schluss-Pointe, die sich darauf ausruht eine zu sein und deswegen kein Problem darin sieht eine Unlogik zu sein, denn sie ist augenzwinkernd gemeint, und da dürfte nur ein penetranter Miesepeter über seine offensichtlichen Lücken in der Logik maulen. Und diese offensichtlichste Lücke steht Pate für den kompletten Film. Das Gaunerstück ist die komplette Zeit über schmunzelnd erzählt, wenn auch keine wahren komödiantischen Szenen enthaltend. "The Night Visitor" (Originaltitel) ist ein verschmitzter Film, dessen bubenhaftes Treiben man nicht krumm nehmen sollte. Es ist seiner Mentalität geschult, dass auch die anderen Unglaubwürdigkeiten zu keinem Riss im Ergebnis führen, sondern akzeptierter Teil des Gesamtproduktes sind. Hier kommt dem Streifen seine Theaternähe und der augenzwinkernde Grundton zugute, der auch manchen Charakter und seine Taten auf subtile Art Charme beschert, obwohl man es theoretisch gesehen mit unangenehmen Menschen zu tun hat. "Der unheimliche Besucher" ist stimmig erzählte, ruhig umgesetzte, leichte Kost aus einer anderen Zeit, ein durch und durch sympathisches Werk. Inszeniert hat es Laszlo Benedek, der in seinem Leben nur bei zwei Spielfilmen Regie geführt hat. "Kinder, Mütter und ein General" entstand 16 Jahre vor dem hier besprochenen Film.  OFDb

05.04.2019

SHOCKING HEAVY METAL (1985)

Vielleicht kann man es als innovativen Versuch sehen, dass man sich ein Jahrzehnt nach "Blutgericht in Texas" und "Hügel der blutigen Augen" daran wagt einen Horrorfilm über aggressive Hinterwäldler damit zu beginnen, dass man ihren Hintergrund, der viele Jahre zurück liegt, erfährt, um zu sehen warum sie zu dem wurden, was sie wurden. Leider will der Grund so gar nicht überzeugen. Eine Affekthandlung wirkt zu radikal für eine solche, die Familie andererseits zu normal um derart, wie in der Gegenwart angekommen wahrzunehmen, zu degenerieren. Die Tat, die auch eine Flucht nach Mexiko hätte auslösen können oder das Leben in einer fremden Stadt unter falschen Namen, will so gar nicht als glaubwürdiger Grund wirken sich fortan nur noch abseits jeder Menschenmenge auf sich allein gestellt zu verstecken. Da der Auslöser der Schutz der eigenen Kinder ist, macht es freilich keinen Sinn, dass Mama es zulässt, dass ihre Kinder ein bemitleidenswertes Leben beschert bekommen, in welchem sie geradezu nur geistig abrutschen können - wobei das Alter der Kids zu Beginn auch diesen Prozess in seiner Extreme in Frage stellt. 

Erhaschen wir nun noch einen Blick darauf wo die Familie bislang völlig unentdeckt untergekommen ist, kann man "Shocking Heavy Metal" in seinem Vorhaben einen anderen Blickwinkel zu wagen, überhaupt nicht mehr ernst nehmen, zumal ein erneuter tieferer als nötig angegangener Blick Richtung Aggressoren-Alltag einer solchen Gefahr den Reiz nimmt. Aus unbekannten Mördern werden plappernde Irre, das gruselt so gar nicht und ist wie dargestellt auch keineswegs glaubwürdig umgesetzt. Nun muss das in einem finanziell klein gehaltenen Horrorfilm nicht gleich den Todesstoß bedeuten, so lange die Regie selbst bei unsinnigem Drehbuch ein Gespür für Atmosphäre besitzt. Aber leider ist "Blood Tracks" (Originaltitel) insgesamt unangenehm ausgefallen, wissen die Figuren doch nicht zu wirken, selbst trotz ihrer absichtlich augenzwinkernd gemeinten Überzeichnungen, und ist der Stoff doch zu uninspiriert und unsinnig umgesetzt, als dass er auf alternative Art Unterhaltungswert zu bieten hätte. Ausnahmesituationen, aus denen man etwas hätte zaubern können, wie z.B. ein in einer Schneelawine gefangenem Pärchen im Auto, werden zu schnell gelöst, als dass ein funktionierender Spannungsmoment hätte aufgebaut werden können, und ohnehin fehlt es dem Film an düsterer Stimmung oder entgegengesetzt an einem partytauglichen Ablauf.

Freilich wird der im Titel verwendete Begriff des Heavy Metal nur aufgrund seiner im Entstehungsjahr aktuellen Anziehungskraft verwendet. Die hier stets nervig agierende Band spielt Rockmusik anstatt die angepriesene Musikrichtung, aber das passt zum kompletten Werk, welches sich ohnehin nur an Modewellen klammern möchte, ohne den Reiz der jeweiligen verstanden zu haben. Das alleinige Verwenden und Benennen habe zu reichen, da irrte sich der gelegentlich Ninja-Filme fabrizierende Mats Helge Olsson aber gewaltig, und so unterscheidet sich der europäische Billigdreh in seiner Lustlosigkeit und Geistlosigkeit nicht wirklich von den amerikanischen Filmen gleicher Art. "Heavy Metal" (Alternativtitel) ist ein Langeweiler und selbst für seine schlichte Zielsetzung arg dümmlich ausgefallen, allein schon was das Verständnis für Entfernung und räumlichen Denken betrifft. Ein paar olle Pseudo-Erotik-Einlagen wissen inmitten dieses lustlosen Killerfamilienfilms, deren Morde auch nicht gerade der Rede wert sind, den Sehwert freilich auch nicht zu bereichern. Selbst Horror-Nostalgikern mit Hang zu 80er Jahre-Videothekenfilmchen sei von diesem unangenehmen Stück Genrekost abzuraten.  OFDb

04.02.2018

PIPPI LANGSTRUMPF (1969)

Astrid Lindgren hat der Welt mit ihren Pippi Langstrumpf-Büchern etwas wundervolles, lustiges und geistreiches zugleich beschert. Und mag es mittlerweile auch Zeichentrickverfilmungen, einen amerikanischen Realfilm und eine russische Version geben, den Geist der Bücher fangen lediglich die vier schwedischen „Pippi Langstrumpf“-Filme aus den 60er und 70er Jahren ein, bzw. die TV-Serie, sind die ersten zwei Spielfilme der Piratentocher Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf doch eigentlich Zusammenschnitte eben dieser, wohingegen „Pippi in Taka-Tuka-Land“ und „Pippi außer Rand und Band“ direkt für das Kino produzierte Spielfilme sind. Vielleicht liegt es daran, dass sie zu den Höhepunkten der filmischen Verwirklichung von Lindgrens Vision werden, und das ist kaum zu glauben, so großartig wie sich bereits der erste Zusammenschnitt guckt. Einen besseren oder gleichrangigen Kinderfilm gibt es nur selten.

Das Genre des Kinderfilms verwende ich nur recht selten und ungern, degradiert es ein Werk doch eigentlich in eine Nische, die ein erwachsenes Publikum nicht mehr ansprechen würde, zumal ein Kinderfilm immer auch ein anderes Genre abdeckt, sei es Kalle Blomquist und „Die Vorstadtkrokodile“ im Krimibereich, „Peterchens Mondfahrt" im Abenteuerbereich oder „Pippi Langstrumpf“ in jenem der Komödie und des Fantasyfilms. „Pippi Langstrumpf“ ist nicht nur fröhlich, kindgerecht und kunterbunt ausgefallen, er bereitet auch einem älteren Publikum einen Heidenspaß, ohne dass sich das Werk durch die Kinderfilmmentalität zu theoretisch guckt. Der Film mag die typischen Vereinfacherungen für die Umwelt und die Gesellschaft in der wir leben verwenden, die für die Kinderliteratur und ihre Verfilmungen geradezu typisch sind und damit den Kinderfilmbereich unverkennbar hervorstechen lassen, aber die vier Filme von Regisseur Olle Hellbom verfügen über so viele weitere Qualitäten, dass der erwachsene Zuschauer keine Abstriche in Kauf nehmen muss. „Pippi Langstrumpf“ ist so fern und nah der Realität, so unsinnig und bodenständig, so unterhaltsam und abwechslungsreich, wie es auch der Erwachsenen-Mainstreamfilm heutiger Tage ist, meist fällt dieser jedoch im Vergleich zum hier besprochenen Werk einfallsloser und geistloser aus.

Denn „PippiLangstrumpf“ steht keineswegs nur für die Superhelden-Version der Kinder, die sich auch einmal wünschen so stark und unabhängig wie ihre Heldin zu sein, um es auch endlich einmal den kommandierenden Erwachsenen heimzuzahlen. Die Geschichte wendet sich in ihrer gesellschaftspolitischen Aussage an Jung und Alt gleichermaßen, denn Pippi rebelliert nicht aus Trotzigkeit, sondern steht für ihre Freiheit ein. Sie wehrt sich gegen ein System, in welchem Gesetze der Gesetze wegen existieren, anstatt für den Menschen. Erwachsene wollen Pippi in ein Heim stecken, weil man das eben so mit alleinlebenden Kindern macht. Dass das Mädchen unabhängig ist, auf sich aufzupassen weiß und gut für sich sorgt, interessiert die Erwachsenen nicht. Die haben gelernt, dass es so ist wie es ist und hinterfragen ihren Alltag nicht mehr. Letztendlich warnt der Film und seine Buchvorlage, ebenso wie „Momo“, vor der Entstehung einer Gesellschaft, wie sie es mittlerweile geworden ist: eine leistungsorientierte Welt voller Verbote und Entmündigung. Darüber sollte manch einer einmal nachdenken, der fröhlich davon berichtet welch großes Vorbild Pippi Langstrumpf in seiner/ihrer Kindheit darstellte und was heute aus einem selbst tatsächlich geworden ist. Die Ideale könnten meist nicht unterschiedlicher sein - von wegen Vorbild!

Nun kommt „Pippi Langstrumpf“ aber nie moralinsauer mit dem erhobenen Zeigefinger daher. Der Grundton ist fröhlich gehalten, und selten nervte penetrante Fröhlichkeit so gar nicht wie hier, stimmt atmosphärisch doch der Grundton des Streifens, ist der Film doch liebevoll, kindgerecht, aber auch interessant und stilistisch inszeniert, immer orientiert an der Art der gerade laufenden Geschehnisse. Die Besetzung der wichtigsten Rollen lässt auch keine Wünsche offen, inklusive eines herrlich sympathisch spielenden Hans Clarin, dem man sein Herz am rechten Fleck in jeder Szene ansieht. Tommy und Annika mögen nervig wirken, aber so sind sie nun einmal charakterisiert. Etwas besser hätte man die beiden aber tatsächlich besetzen können, sie bilden die Ausnahme von der lobenswerten Regel.

„Pippi Langstrumpf“ und auch sein etwas schwächerer Nachfolger „Pippi geht von Bord“ mögen im Gegensatz zu den Kinofilmen mit gleicher Crew einen etwas dominanten Episodencharakter besitzen, anstatt tatsächlich eine durchgehende Geschichte zu erzählen, aber das wertet das Gesamtergebnis keinesfalls ab, vielleicht auch weil Pippis Welt ohnehin nicht nur fantasiereich und abenteuerlich gestaltet ist, sondern auch chaotisch und spontan. So mag der Film zwar von einer Idee zur nächsten hüpfen, sicherlich auch dem ursprünglichen Seriencharakter geschult, letztendlich weiß aber jeder Erzählstrang Begeisterung zu verursachen, sei es nun der Kulturenclash zwischen Pippis Welt und der zivilisierten bei einem Kaffeekränzchen, eine abenteuerliche Ballonfahrt, in welcher Pippi sich eher zufällig ihren Goldschatz zurückholt, die Rebellion gegen Polizei und Kinderschützerin Prysselius, oder der Besuch des Piratenvaters, dem ein wunderbar chaotisches Stadtfest auf Pippis Anwesen folgt.

Jede dieser Phasen weiß kindgerecht und hochamüsant zu unterhalten, zumal dem Werk im Gegensatz zu heutigen Kinderfilmen die Coolness fehlt, ein natürlicher Verzicht, der letztendlich für das unverkrampfte und wunderschöne Feeling sorgt und diese Art Kinderfilm ernstzunehmender wirken lässt, als die coolnessorientierten, oft feigen, Werke unserer Zeit, die dadurch infantil anstatt kindgerecht wirken. „Pippi Langstrumpf“ ist geistreiche Kurzweile für Jung und Alt, unverkrampft und unverstellt inszeniert, liebevoll verkörpert und richtet lobenswerte soziale, gesellschaftspolitische und charakterliche Appelle an sein Publikum, ohne diese über den Sehspaß zu stellen. Damit ist bereits der erste Teil der Reihe perfekt ausgefallen, was das Übertrumpfen durch die Teile 3 und 4 umso unglaublicher erscheinen lässt.  OFDb

07.01.2017

STINGER (2005)

Viel zu ernst stolzieren schlechte Mimen durch ein schlicht gehaltenes Set. Jegliche Fahrzeuge und Außenaufnahmen wurden am Computer animiert - freilich völlig kostengünstig, so dass das Agieren der Stereotype in dieser Produktion um so lächerlicher wirkt. Unterwasseraufnahmen meinte man aufpeppen zu müssen, indem das komplett animierte Bild wellenartig untermalt wird, womit jegliche physikalische Gesetze außer Kraft gesetzt werden. Um Echtheit zu erzeugen wurde das Bild nur noch unechter gemacht, und das ist einfach nur lachhaft.

Nun haben Produktionen wie „Lexx“ und „Megalodon“ bewiesen, dass sie auch in billigster Animation zu unterhalten wissen, Letztgenannter sogar ohne Zutun von humoristischen Elementen, „Stinger“ schafft dies jedoch nicht, schaut sich in seinem 08/15-Plot völlig langweilig, zumal keiner der Charaktere wie ein Mensch mit Charakter wirkt. Der Gebildete darf Auge im Auge mit dem Feind alle Informationen aufzählen, die er als Wissenschaftler über Skorpione weiß, bevor er ohne jegliche Gegenwehr getötet wird. Und wenn irgendeine andere Figur einmal im Ansatz so etwas wie einen individuellen Touch aufweist, wird dies auch gleich genervt von einem Crewmitglied als Schwäche bezeichnet und damit beendet. Welch trauriges Weltbild!

Wer Produktionen dieser Art kennt und zuvor besagte Computeranimation der Fahrzeuge gesichtet hat, der wird wissen dass man beim Kreaturendesign ebenso wenig zu erwarten hat. Der CGI-Skorpion ist ein Witz, strahlt nicht den geringsten Hauch Bedrohung aus, so dass selbst ein 12jähriger nach Sichten nicht unter schlaflosen Nächten leiden dürfte. „Deadly Scorpions - Hölle unter Wasser“ (Alternativtitel) erreicht nicht einmal das schlichte Ergebnis von „Scorpius Gigantus“, welcher gerade noch die Kurve Richtung Durchschnitt erreicht hat. Martin Munthe, der zuvor den sehr unbekannten „Camp Slaughter“ gedreht hat, hat mit „Deep Death - Lautlose Killer“ (Alternativtitel) das Paradebeispiel eines lustlos heruntergekurbelten Billig-Tier-Horrors abgeliefert. Schämen soll sich der Schwede, dass er als Europäer solch identifikationslosen Mist gedreht hat, für den Amerika auf dem DVD-Markt trauriger Weise bekannt ist.  OFDb

26.07.2016

SO FINSTER DIE NACHT (2008)

Da mir die Leistung von Chloë Grace Moretz in „Kick-Ass“ damals sehr gut gefiel, griff ich seinerzeit ausnahmsweise erst zum Remake des hier besprochenen Filmes, anstatt direkt das Original zu sichten. Ich habe mich direkt in die sehr sensibel erzählte Geschichte verliebt und den Film einige Male geschaut, mich nicht an das Original trauend, da das Remake „So finster die Nacht“ sehr detailgetreu nachempfunden sein sollte und ich mir Sorgen machte, ob die Kinder aus der Erstverfilmung so gut agieren würden wie in der US-Version. Auch ob die Erstverfilmung ebenso emotional sensibel mit dem Stoff umzugehen wusste ließ mich zweifeln, stammt sie doch aus Europa, wo Filme oft realitätsnäher und damit emotional weniger dick aufgetragen ausfallen. Was eigentlich eine positive Eigenschaft des Europakinos für mich ist, wurde hier ausnahmsweise zu einer Befürchtung, so zart, sanft und lieblich sich das Remake schaute.

Jetzt wo ich „Let Me In“ einige Zeit nicht mehr gesehen habe und ohnehin gerade einen Streifzug durch das Sub-Genres des Vampirfilms mache, war die Zeit endlich reif dem Original die Beachtung zu schenken, die er als Ideengeber und Vorreiter des Remakes ohnehin längst verdient hatte. Und ich freue mich, dass er mir ebenso gut gefällt wie die zuerst von mir gesichtete Fassung. Generell würde ich keine der anderen vorziehen, allerdings bleibt ein Original immer ein Original, gerade wenn so direkt kopiert wurde wie hier. Das was „Let Me In“ verändert hat, hat er gut verändert, zumindest für ein einfühlsames, glatt geschliffeneres Kinoerlebnis.

Wer es jedoch realistischer, subtiler und rauer mag, dem wird freilich die schwedische Version wesentlich besser gefallen, ist sie doch noch mehr in der Kinderwelt zu Hause als das in diesem Punkt gar nicht so schlechte Remake. „So finster die Nacht“ fühlt sich echter an und ist zudem nicht wie befürchtet gefühlskälter als die Neuverfilmung ausgefallen. Bereits hier in der Originalversion wird eine herzliche Geschichte erzählt, in welcher der Junge im Zentrum nicht ganz so sozial abgeschottet lebt wie er es im Vergleichsfilm tut, die Beziehung zu seiner Mutter ist hier schließlich noch recht liebevoll dargestellt, so dass bereits die Erstverfilmung ein gefühlsintensives Vampir-Drama ist und dem Zuschauer damit das beschert, was der Kinoerfolg „Twilight“ in seiner dümmlichen Art nur vorgaukelte zu sein.

Trotz der Kinder im Zentrum wird hier im Gegensatz zur besagten Vampirschnulze ein erwachsener Stoff erzählt, nicht nur was die Horrorthematik und ihre teilweise harten Bilder betrifft, sondern gerade was das soziale Verständnis und die Gefühlswelt der Protagonisten betrifft schaut sich „Let the Right One In" (Alternativtitel) sehr reif und durchdacht.

Zudem ist „Låt den rätte komma in“ (Originaltitel) so wunderschön fotografiert wie das Remake, schaut sich auch hier im Vergleich rauer und düsterer, und das weiß sehr zu gefallen. Dass „So finster die Nacht“ kein guter Film sein könnte, hatte ich nie befürchtet, es konnte nur ein hervorragendes Werk sein, wenn der sich so gefühlsintensiv schauende „Let Me In“ sogar noch als Blaupause so gut zu funktionieren wusste. Aber dass das Original keineswegs wesentlich nüchterner umgesetzt wurde und bereits hier schon großes Gefühlskino vermittelt wird, hatte ich so nicht erwartet und macht damit das Remake tatsächlich komplett austauschbar, zumal die Kinderdarsteller hier gekonnt in Szene gesetzt werden, so dass kaum auffällt dass sie eigentlich schwächer spielen als die amerikanische Besetzung.  OFDb

24.07.2016

FROSTBITE (2006)

Die atmosphärische Gegend, gerade im Winter, und die Landessprache machen es mir einfach Sympathie mit einem Horrorfilm aus Schweden aufzubauen. Das verleiht einem Werk aus diesem Land bereits ein eigenes, stimmiges Flair mit dem Optimismus und Neugierde geweckt werden. Da das ganze Szenario nun noch dauerhaft bei Nacht spielen darf, da es noch einen Monat lang dunkel bleiben wird, steht einer guten Stimmung bei guter Umsetzung nichts mehr im Weg. Und so bleibt es glücklicher Weise bei „Frostbite“ auch, der mit einer guten Besetzung, lobenswerter Kameraarbeit und einer interessanten Geschichte punkten kann und der positiven Ausgangslage somit gerecht wird.

Mit eher zurückhaltender Komik versehen gehört „Frostbiten“ (Originaltitel) zu dem Bereich der Horror-Komödie. Glücklicher Weise ist er einer jener Sorte in welcher der Horror-Part nicht zu kurz kommt. Anders Bankes Werk setzt auf eine düstere Stimmung ohne je ein wahrhaftig unheimliches oder gruseliges Werk zu inszenieren. Auch intensive Spannungsmomente sucht man vergebens, aber all dies benötigt „Frostbite“ mit seinen interessanten Charakteren und Szenarien nicht, die einen schnell und intensiv ans Geschehen binden, welches aus diversen nebeneinander her laufenden Plots bestehen, die einander beeinflussen.

Das meiste der Geheimniskrämerei erahnt man, Überraschungen gibt es nur sehr wenige. Dass es einen Monat lang Nacht bleibt verkommt zur Nebensache in einem Handlungszeitraum von einem Tag und wird somit nicht zu einer besseren Alternative zum mauen, ein Jahr später erschienenden „30 Days of Night“. Dafür wird er dies für den ebenfalls mauen "Return of the Living Dead 5", von dem man sich den Pillen-Hauptplot auf der Party entlieh.

Die einzelnen Geschichten bieten allesamt reizvolle Grundlagen und erzählen alle etwas anderes innerhalb einer in sich geschlossenen Vampirthematik. „Frostbite“ ist also kein Episodenfilm, wie man jetzt eventuell missverstehen könnte, jeder einzelne Handlungsstrang besitzt lediglich unterschiedliche Schwerpunkte innerhalb eines zusammenhängenden Geschehens. Und wenn man wie ich den langsamen Aubau einer Geschichte bevorzugt, dann wird man Freude daran haben zuzusehen wie Banke es geradezu zelebriert eine dichte Grundstimmung aufzubauen, Personen in Position zu bringen und den Spaß an der Vorfreude aufs Höchste herauszukitzeln.

Für die Explosion, zu der es zwangsweise irgendwann kommen muss, interessiert sich der gute Mann herzlich wenig, und das wird manchem Filmfreund nicht schmecken, genießt es Banke zwar drei Szenarien interessant einzuleiten und lange Zeit atmosphärisch packend in der Schwebe zu lassen, bei zwei von ihnen verpufft das Ganze jedoch in einem fast schon belanglosem Finale, einfach weil es ein Finale geben muss. Und da schließt „Frostbite“ mit eher mittelmäßigen Kämpfen, bevor er mit einer augenzwinkernden Pointe, die auch nicht wirklich vom Hocker reißt, aus dem Film entlässt.

Das liest sich negativ, und das werden auch viele Cineasten beim Sichten so empfinden, mir hat die ganze Chose jedoch so viel gute Unterhaltung beschert, dass es mir egal war, dass die letzten 20 Minuten von 97 Minuten Laufzeit nur noch Pflichtprogramm sind, und nicht mehr so einfallsreich ausfallen wie zuvor. Auch die letzte Phase ist immer noch wundervoll inszeniert, abgefilmt und gespielt. Und von der zu monströsen Gestalt des Obervampirs einmal abgesehen wissen auch die Kreaturen- und Spezialeffekte zu gefallen. „Frostbite“ verpufft jedoch inhaltlich, da muss man nichts schön reden. Ein nennenswerteres Finale wäre wünschenswert gewesen.

Jedoch nicht obligatorisch, wie sich zeigt, geht „Frostbite“ an seinem schwächelnden Finale doch nicht kaputt - höchstens für jene Zuschauer, die den sich sehr lange aufbauenden Plot als unangenehmes Zeitschinden empfunden haben. Die werden wahrscheinlich sogar das wesentlich rasantere Finale als den besten Part des Streifens empfinden. Für mich war Bankes Werk auf jeden Fall ein intensives und interessantes Erlebnis. Ich empfand die Stimmung in „Frostbite“ als düster und locker zugleich, ich mochte den zurückhaltenden Humor, empfand jeglichen Nebenplot als interessant und ebenso die Figuren. Dank einer atmosphärisch dichten Erzählung ist der Streifen somit für mich ein kleiner Geheim-Tipp geworden, auch wenn er am Schluss gar nicht so genau weiß wohin das, was er so sorgfältig aufgebaut hat, letztendlich führen soll. Einem gut inszenierten Film kann man so etwas Entscheidendes aber tatsächlich verzeihen.  OFDb

05.11.2014

DIE FRAU IN SCHWARZ (2012)

Dass mit „Die Frau in Schwarz“ die Hammer-Studios zu ihren Wurzeln zurückkehrten, hat im Schatten von Hauptdarsteller Daniel Radcliffes verzweifeltem Anspielen gegen sein Harry Potter-Image kaum jemand wahrgenommen. Dabei ist beides nicht von Relevanz. Hammer produzierte mit „Let Me In“ und „Wake Wood“ zuvor und mit "The Quiet Ones" später noch bessere Werke als den hier besprochenen, und Radcliffe, nicht mit all zu viel Talent gesegnet um einen Hauptteil der Geschichte alleine zu tragen, spielt eine Figur, die man ihm aufgrund seines jugendlichen Aussehens nicht abkauft. Es hätte viele bessere Wege gegeben Harry Potter hinter sich zu lassen, als ausgerechnet die Rolle eines trauernden Witwers mit 4jährigem Sohn zu verkörpern.

Die Restrezeptur neben Radcliffe ist Standard-Grusel, der einen tatsächlich das ein oder andere Mal zusammenzucken lässt, aber auch nicht darauf aus ist dies pausenlos tun zu wollen. Der unheimliche Grundton war Regisseur James Watkins wichtiger, und dem hätte man ein einfallsreicheres Drehbuch gewünscht, anstatt die Lightversion eines „Zimmer 1408“, sprich einer Geschichte in welchem jemand lange Zeit an einen Ort gebunden ist, in dem so allerhand passieren kann. Da tut es zwar gut, dass Kipps Aufenthalt im Gruselschloss immer wieder durch Abstecher ins Dorf unterbrochen wird, letztendlich bereichern die Geschehnisse dort den vorhersehbaren Plot aber keinen Deu mehr als die ausgelutschten Hauptaspekte im Schloss selbst.

Etwas schade ist es, dass „Die Frau in Schwarz" nicht künstlerich wertvoller fotografiert wurde, weiß das Schloss doch von außen und innen unglaublich zu gefallen, was in Kombination mit der langsamen, Atmosphäre aufbauenden Erzählweise den Film immerhin noch ins Mittelmaß rettet, welches einen zumindest nicht gelangweilt zurück lässt. Auch die Besetzung der restlichen Rollen weiß zu gefallen, was den Film auf der einen Seite besser aussehen lässt, Radcliffe aber leider um so blasser.

Der wirkliche Höhepunkt des Streifens ist jedoch sein Schluss, bei dessen Kitschgehalt ich mir im ersten Augenblick etwas verarscht vorkam, bis ich begriffen habe, dass wir es hier mit dem Dank aus einer morbiden Perspektive zu tun haben, die mit menschlichem Empfinden nichts zu tun haben soll. Den Mut den man hier bewiesen hat und das Talent sich in andere Welten hineindenken zu können, hätte „Die Frau in Schwarz“ an anderer Stelle sicher bereichern können. In der Schlussszene ist es dafür definitiv zu spät.

Zumindest zelebriert man in den etwas abgenutzt erscheinenden Gruselszenen jegliches Klischee, vom selbstständig schaukelnden Schaukelstuhl, bishin zu Geistererscheinungen an Fenstern und im Moor. Solche klassischen Zutaten wissen den Dauergast des Genres dann doch immer etwas versöhnlich zu stimmen. Dass man die Geschichte zu einer anderen Zeit spielen lässt und Kipps auf so viel Feindschaft im Dorf stoßen lässt, ist zumindest eine ehrliche Verbeugung vor alten Hammer-Filmen, beziehungsweise vor Horror-Klassikern im allgemeinen, so dass durchaus ein Respekt vor der Horror-Filmgeschichte zu bemerken ist und nicht nur ein reines Plündern. Sollte es mal die gleichnamige erste Verfilmung von 1989 auf den DVD-Markt schaffen, werde ich auf jeden Fall mal reinschauen. Potential für mehr war gegeben.  OFDb

21.01.2014

THE RESURRECTION OF MICHAEL MYERS 2 (1988)

Diese Fortsetzung eines mittelmäßigen aber akzeptablen Kurzfilmes bietet alles was der Horrorfan sichten möchte. Da stört es auch nicht weiter, wenn man der schwedischen Sprache nicht mächtig ist, hier schlagen Horrorherzen trotzdem höher. Komödiantisch aber nur selten all zu albern umgesetzt erlebt der Fan des Genres seine drei liebsten Massenmörder (Michael, Jason, Leatherface) gemeinsam in einem Film, der sich nicht zu verstecken braucht. Die Tricks sind für eine solch kleine Produktion mit so vielen Jahren auf dem Buckel ein Augenschmaus, und die Ideen so herrlich pervers und abartig wie es dem eingefleischten Fan gefällt. So wie die Fortsetzung von „The Resurrection Of Michael Myers“ umgesetzt ist hätte er sogar ohne Humor funktionieren können, missen möchte man ihn nach Sichten aber auch nicht mehr. In dieser kleinen Fortsetzung sind die Spezial Effekte und die Story so schön umgesetzt und die Darsteller so brauchbar agierend, wie man es selten bei solch kleinen Underground-Streifen sieht. Das Wort Amateurfilm ist fast fehl am Platz, aber eben auch nur fast.  OFDb