Posts mit dem Label Rainn Wilson werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rainn Wilson werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

13.02.2022

MONK - STAFFEL 2 (2003)

Bis auf den veränderten Vorspann mit neuem Titellied, der von nun an die Serie erst einmal begleiten wird, hat sich nicht wirklich etwas geändert. Die Fallzahl der zu vorhersehenden Kriminalfälle ist geringer als noch in Staffel 1, ansonsten unterhält das zweite Jahr auf gleicher Qualität wie das vorangegangene und muss dank dessen Stärke bereits dort schnell zu den wiederholenden Figuren  gefunden zu haben hier nichts mehr aufarbeiten. Gefallen haben mir die relativ rar gesäten, berühmteren Gaststars. Andrew McCarthy und David Rasche erscheinen gar in der selben Folge, Rasche leider nur selten, Rainn Wilson in seiner Folge leider auch, Tim Curry und Danny Trejo tauchen in einer der wichtigsten Episoden bezüglich der durchgehenden Geschichte der Gesamtserie auf, und John Turturro darf gar den Bruder Monks spielen und gehört damit zu den Highlights der zweiten Staffel. Ich hoffe er kehrt wieder. Vielleicht übertreibt man diesmal etwas zu sehr mit den "er kann es nicht gewesen sein"-Folgen, wenn ein Theater-Mime auf der Bühne steht während eines Mordes, jemand der im Koma liegt zu Monks Hauptverdächtigen wird, oder ein Fernsehstar mit Journalisten spricht, während seine Frau stirbt, aber so ist es nicht immer, stets ist man um Abwechslung bemüht. 

Letztgenanntes Beispiel kommt aus einer Folge, welche Krimiserien aufs Korn nimmt, und damit auch die eigene, inklusive verärgerter Fans bezüglich veränderter Titelsongs. Da mir der neue auch nicht gefällt, fand ich es umso lustiger, dass der Fanatismus von Serienanhängern so wundervoll augenzwinkernd thematisiert wird. Persönlicher wird es, wenn Stottlemeyer für eine Folge erfährt wie es ist in Monks Zustand der Trauer zu leben und freilich in jener Episode, in welcher es um die Geheimnisse rund um Trudys Tod geht. Banalere Beispiele finden sich auch in jener Geschichte, in welcher Monk die Schwester Sharonas vom Mordverdacht befreien muss, oder wenn der Fall eines ertrunkenen, in der Wüste gelandeten Falschirmspringers Monk zwingt nach Mexiko zu reisen (inklusive knallharter Konsequenz darüber, dass der Titelheld nur eine spezielle Sorte Wasser trinkt). "Monk" lebt auch im zweiten Jahr aus dem gut gewichteten Mix aus Rätsel raten, lachen und mitempfinden. Immer wieder schafft es die heitere Serie große dramatische Momente entstehen zu lassen - und sei es nur durch einen schräg stehenden Wohnzimmertisch. An anderer Stelle trumpft nach wie vor das humorvolle Mitleid mit Sharona, die stets am extremsten unter den Macken des Sonderlings zu leiden hat.  OFDb

17.01.2021

THE OFFICE - STAFFEL 4 - 6 (2008)

Wie zu erwarten ist alles wie gehabt. Vergleicht man die Serie mit dem englischen Original "The Office" ist es eine Beleidigung, so plump und geistlos man das genial durchdachte Original variiert. Schaut man es für sich allein kann man auf geistfreien Niveau simpel unterhalten werden, ganz nah orientiert an der Unterforderung, aber noch eben funktionierend, wenn man leichte Kost zur Ablenkung benötigt (beispielsweise während einer kranken Woche). Damit ist man zwar nicht einmal ansatzweise am Niveau einer typischen Sitcom angekommen, die trotz einiger anspruchsvollerer Ausnahmen bereits für simple Kurzweile steht, badet also eher auf dem unteren Durchschnitts-Sitcom-Niveau a la "Anger Management" und "Hör mal wer da hämmert", kann sich aber mit passablen Passagen und manchen Neugierde weckenden Seifenoper-Momenten über Wasser halten. 

Zwar bildet Staffel 4 deutlich mit allerhand Fremdschäm-Momenten den bisherigen Tiefpunkt der Reihe, danach wird es aber des öfteren interessant, z.B. dann wenn Michael sich in eine neue Mitarbeiterin verliebt, die ihm charakterlich stark ähnelt, ein ahnungsloser Mitarbeiter sich mit einer Kollegin verlobt, die ihn mit wem anders aus dem Büro betrügt, oder meinem persönlichen Highlight: wenn Michael völlig unvorbereitet und undurchdacht seinen eigenen Papiervertrieb gründet, um Dunder Mifflin Konkurrenz zu machen. So bereiten einige Momente mehr Spaß als erwartet, selbst wenn man sich bewusst ist, dass auch diese kreativeren Phasen stets nur oberflächlich abgegrast werden, psychologisch nicht genug verstanden werden, um sie innerhalb der Serienrealität glaubwürdig zu gestalten und sich die Autoren nie für längere Konsequenzen interessieren und alles stets so blauäugig enden lassen wie es begann. Einzig die Übernahme der Firma in Staffel 6 durch eine andere Firma bleibt konsequent und bringt mit der Besetzung einer neuen Chefin frischen Wind in die Segel und neue Möglichkeiten für Michael sich zu blamieren. 

Die zu unsympathisch charakterisierten Pam und Jim werden zumindest hin und wieder in ihrer angeblichen Freundlichkeit hinterfragt, zudem schafft man es manchen zwischenmenschlichen Aspekt, wie z.B. ihre Hochzeit, trotzdem angenehm angehaucht zu erzählen (auch ist man emotional gelegentlich auf ihrer Seite, z.B. wenn sie einen üblen Pärchenabend mit Michael und seiner schrecklichen Frau durchziehen müssen). Und die Geschichten rund um Dwight bleiben auch meist amüsant, zumal man gelegentlich mit ihm leiden darf, anstatt ihn einzig zu verachten. Warum Ryan im Vorspann weiterhin zu den Hauptpersonen zählt, will sich mir nicht erschließen, der wird vor der Kamera immer bedeutungsloser, während er hinter ihr mittlerweile als Mit-Produzent fungiert. Ab Staffel 6 hat man zumindest begriffen dass eine der anderen Personen mittlerweile wichtig geworden ist und gewährt ihr ebenfalls endlich einen Platz im Vorspann. Tiefpunkt inmitten einer ohnehin zu gewöhnlichen Sitcom bleibt der unwitzige und mies besetzte Kevin, der im Deutschen zudem eine plumpe Synchronstimme erhalten hat, ein Beispiel für jene Zutaten, die einen nie das Fremdschämen inmitten einer mittelmäßigen Fernsehsendung vergessen lassen, über deren Erfolg man sich wahrlich wundern kann. Andererseits wundert es mich ebenso, dass ich stets dran blieb, da mich das Fortschreiten der Ereignisse und einzelne Situationen dann doch genügend interessierten und amüsierten, um "The Office" nicht links liegen zu lassen und den Rest zu ignorieren.  OFDb

08.05.2020

AMERICA'S SWEETHEARTS (2001)

Billy Crystal, Mit-Autor, Mit-Produzent und Mit-Hauptdarsteller in einer Person, verarbeitet diverse Stereotypen der Filmwirtschaft, aus der er selbst kommt, in seinem "America's Sweethearts", macht dies aber auf liebevolle Art, ohne der Branche zu schaden. Als sich darauf konzentrierende Satire würde der Film deswegen zu harmlos erscheinen, aber Crystal möchte gar nicht mit Hollywood abrechnen, er nutzt diese Schattenseiten für eine Liebeserklärung an sein Berufsumfeld. Das weiß ihm deshalb zu gelingen, weil er zum einen manche Fragwürdigkeit nicht dem System unterstellt, sondern einzelnen Charaktertypen, so dass jeweils der Eindruck der Diven, der Druck machenden und über Leichen gehenden Produzenten u.ä. Vertreter der Branche je über die spezielle Orientierung der jeweiligen Figuren eingebracht wird und selbst diesen ein gewisser Charme zugestanden wird. Zudem geht es Crystal nur zum Teil darum den Medienzirkus Hollywoods zu persiflieren. Denn "America's Sweethearts" will zudem auch eine Liebes-Komödie sein. Und da kommt die Rolle Julia Roberts ins Spiel, die seit "Pretty Woman" ohnehin im Genre des Liebesfilms festzustecken schien.

Sie ist zwar nun erneut Part einer derartigen Geschichte, allerdings wird durch die Mitorientierung der Branchen-Persiflage auch ihre Rolle stark in diese mit einbezogen, wenn auch nur durch die passive Beteiligung hinter den Kulissen, so dass der leichte Satirepart auch auf ihren Charakter zurückfällt. Die schrägen Umstände unter denen Eddie und Kiki zusammen finden, wird somit selbst fast zur Verballhornung des Genres Liebesfilm. Leider ist ihr Charakter eine Spur zu schwach ausgefallen, ordnet sich Kiki doch derart stark den Wünschen ihrer Schwester unter, dass man ihr das Heraustreten aus ihrem Schatten im Laufe der Erzählung ebenso wenig zutraut, wie die positiven Empfindungen der egoistischen Gwen gegenüber. Hier hätte man sich intensiver auf ihre Charakterentwicklung, anstatt auf den umso stärker durchleuchteten Medienzirkus, orientieren müssen, damit dieser nicht unerheblich wichtige Teil der Geschichte glaubwürdig und emotional intensiv funktionieren kann.

Was das Drehbuch nicht zu genüge beachtet, machen die Darsteller positioniert in ihren meist ohnehin typischen Rollenbildern professionell zu einem guten Teil wieder wett. Catherine-Zeta Jones glaubt man persönlich zu hassen, so intensiv wie sie allein schon mimisch in ihrer Rolle zu wirken weiß, John Cusacks Hoch- und hauptsächliche Talfahrt der Gefühle kommen stilsicher und überzeugend witzig herüber, Billy Crystal kommt mit seiner üblichen Komik daher, und Christopher Walken darf diesmal schrullig-exentrisch hinter ungewohnter Maske agieren. Julia Roberts wirkt hingegen etwas unterfordert, darf meist nur süß lächeln oder auf niedliche Art enttäuscht gucken, während die Geschichte uns wenig überzeugend weismachen will, dass sie einst unattraktiv war. Auch derartige Aspekte sorgen dafür, dass die eigentliche Liebesgeschichte nie ergreifend genug wird, um aus dem Bereich des Medienwirbels als Hauptaspekt der Geschichte zum Ende hin gekonnt herauszuragen.

Somit bleibt uns am Schluss ein braver, aber lustiger Blick hinter die Kulissen Hollywoods und eine Liebesgeschichte, die zumindest dank der sympathischen Besetzung eine Spur besser funktioniert, als es das Drehbuch eigentlich zulässt. Damit ist der Streifen unterhaltsam genug ausgefallen, um als leichter Verzehr durchzugehen, wird aber kein Werk, das derart intensiv in Erinnerung bleibt, wie beispielsweise "Wild Boys - Der Sommer ihres Lebens", den ebenfalls Joe Roth inszenierte. Mit "Die Supertrottel", der Fortsetzung von "Die Rache der Eierköpfe", bewies er einst hingegen, dass er auch wesentlich schlechteres als den hier präsentierten Mainstream-Medienkritik-Kompromiss abliefern kann.  OFDb

25.12.2018

MEG (2018)

Während in der kleinen Billigproduktion "Megalodon" eine Vielzahl ausgestorben gedachter Arten aufgrund eines unterirdisch versteckten Ozeans hinaus in die Weiten schwimmen, entkommt in der Großproduktion "Meg" lediglich eine Gattung ihrem ehemaligen Gefängnis. Sah man der ähnlichen Geschichte von 2002 ihre Kostengünstigkeit anhand der kläglichen Spezialeffekte, leider auch bezüglich des Megalodon, an, kann "Meg" gerade in diesem Bereich trumpfen, lassen die Spezialeffekte doch nichts zu wünschen übrig. Wegen nichts anderem braucht man einschalten, ist doch die Idee an sich, dass ein Urzeit-Hai entdeckt und aggressiv wird, doch nichts neues im Filmbereich. Von "Der Monster-Hai" (wo der Megalodon allerdings auch mit einem Oktopus gekreuzt war), über "Shark Attack 3" und "Shark Hunter", bis hin zur Trashreihe um einen Urzeit-Hai, begonnen mit "Mega Shark vs. Giant Octopus", hat es bereits einige Produktionen gegeben, die sich für dieses Thema interessieren. Und auch die Billigschmiede The Asylum kehrte nach ihrer Mega Shark-Reihe zu dem Thema zurück, um im Zuge von Meg" ihre Billigvariante "Megalodon" 2018 folgen zu lassen.

Dass ich "Meg" trotzdem unbedingt sehen wollte, lag nicht nur daran dass mich die unzähligen Verfilmungen von Hai-Horrorfilmen ohnehin interessieren, sondern in erster Linie auch daran, dass man ihn mit Actionstar Jason Statham in der Hauptrolle besetzte. Zwar durfte bereits Dolph Lundgren als Actionstar 2015 in "Shark Lake" einem Killerhai den Kampf ansagen, aber das war eine Billigproduktion, in welcher der eingekaufte Name mit recht wenig Szenen so hinein geschnitten wurde, dass es so aussehen sollte als wäre Lundgren der Hauptdarsteller. In der professionellen Großproduktion "Meg" ist Statham tatsächlich der Star, und neben ihm darf auf Rainn Wilson agieren, der eine kleine Semiberühmtheit über die amerikanische Version der TV-Serie "The Office" erlangt hat, diese jedoch eher durch sein geniales Spiel in "Super" und "Hesher" verdient hätte.

In "Meg" reißt er sich kein Bein aus, und das ist auch nicht weiter schlimm, denn es ist so wie ich gesagt habe: man guckt diesen Streifen aufgrund der Spezialeffekte, einen anderen Grund hineinzuschalten gibt es nicht. Leider gehört "Meg" zu jener Gattung modernem Kino, in welchem für das viele Geld zwar Stars und professionelle Tricktechniker eingekauft wurden, man aber an guten Drehbuchautoren spart, so dass das Ergebnis erschreckend einfallslos ausfällt. Wirklich rein gar nichts wird in "Meg" erzählt, was nicht schon unzählige andere Filme ähnlich variiert in ähnlicher Reihenfolge erzählt hätten. "Meg" überrascht mit nichts, verläuft völlig überraschungsfrei und bietet als einzige Innovation das tatsächliche Spiel eines Actionstars innerhalb der üblichen Hai-Soße. Statham spielt wie er immer spielt, wird inszeniert wie er immer inszeniert wird, und da sich der Streifen zu keinem Zeitpunkt realistisch gibt und ohnehin lediglich in der typischen Kinorealität amerikanischer Produktionen spielt, schadet es der Glaubwürdigkeit auch nicht, wenn der Typ als ein Mann-Armee höchst persönlich des öfteren alleine Mann gegen Hai antritt, was uns dann auch die besten und augenzwinkernsten Kameraeinstellungen beschert.

Dementsprechend ist der komplette Film aber auch hauptsächlich actionorientiert umgesetzt. Der Suspense wird keine Beachtung geschenkt. Theoretisch gute Momente werden von der Kamera eher gelangweilt eingefangen, so dass eigentlich recht interessante Haiattacken wirkungslos eingesetzt werden, weil sie nicht erschrecken, sei es weil besagte Momente aus der Distanz gezeigt werden, aus einem uninteressanten Blickwinkel, oder weil die Art der Inszenierung einem zuvor signalisiert, dass es gleich so weit ist. Aufgrund dieser Orientierung in Kombination mit dem völlig überraschungsfreien Drehbuch ist "Meg" völlig spannungsfrei inszeniert, so dass man nie mit Figuren mitfiebert und nie dem Fingernägelkauen nahe kommt. Zudem ist die Geschichte völlig überfrachtet, da sie jeglichen Aspekt der Geschichte eintüten will, inklusive eines Ausflugs zum Hai-Horror-Prototyp schlechthin, Steven Spielbergs "Der weiße Hai". So dreht sich die Geschichte nach den Stationen Unterwasserrettung, Bedrohung auf der Forschungsstation und dem Ausgeliefertsein auf einem Schiff pflichtgemäß noch Richtung bedrohte Badeurlauber, und spätestens hier stört die Actionorientierung. Denn was nutzt es die zumindest herrlich satirisch eingefangenen Bilder glücklicher Badegäste zu sehen, wenn man weiß dass das Grauen was ihnen bevorsteht ohnehin zu theoretisch umgesetzt sein wird?

Regisseur Turteletaub, der mit "Cool Runnings", "Während du schliefst" und "Phenomenon" tolle Filme hervorbrachte, bevor er mit "The Kid" und "Intinkt" zu enttäuschen wusste und erst wieder mit "Das Vermächtnis der Tempelritter" etwas brauchbares ablieferte, beweist auch recht schnell dass die Vorahnung recht behält und lässt alle guten Möglichkeiten ein solches Szenario spannend zu inszenieren außen vor und wählt den massentauglichen langweiligsten Weg. Pate hierfür steht die erste Haiattacke im Touristengebiet. Man sieht das friedliche Treiben der Badegäste in einer distanzierten Gesamtaufnahme, und anstatt in diese herrliche Ruhe und Kameraposition nun den Hai platzen zu lassen, wird ein Schnitt gesetzt, damit das Urzeitvieh in Großaufnahme aus dem Wasser schellen darf. "Meg" ist voll von solchen Fehlentscheidungen, es würde den Rahmen sprengen auf jeden Bockmist den er baut aufmerksam zu machen. Auch wenn ich nicht viel erwartet habe, etwas mehr hatte ich dann doch von diesem Kinofilm erwartet. Dass "Meg" einem während des Sichtens zu egal ist, um zu gefallen, hätte ich nicht vermutet. Dass er einem aber auch zu egal ist, um ihn wahrlich schlecht zu finden, rettet ihn zumindest, immerhin ist er trotz jeder Vorhersehbarkeit actionreich genug inszeniert um nicht zu langweilen. Einen Grund reinzuschalten gibt es leider jedoch nicht.  OFDb

09.09.2017

COOTIES (2014)

Die Idee und die Umsetzung von „Cooties“ mag nicht so innovativ und außergewöhnlich sein, wie sie Produzent und Hauptdarsteller Elijah Wood laut Interview empfinden mag, immerhin mixt sie lediglich die klassischen Kinder-Horrorfilme a la „Ein Kind zu töten“ und „The Children - In ihnen schlummert das Böse“ mit dem Sub-Genre des Zombiefilms, letztendlich haben sich jedoch genügend amüsante Situationen und Ideen eingeschlichen, die den Streifen durchaus unterhaltsam gestalten. Albernheiten, gesellschaftskritische Seitenhiebe und relativ zahm ausgefallener Splatstick geben sich die Hand in einer Geschichte, die eigentlich nichts anderes erzählt als die vielen Zombiefilme die es zuvor gab ebenso.

Sicherlich mag es interessant und ein wenig schwarzhumorig erscheinen, wenn Erwachsene auf kleine Kinder einprügeln, eine zu sehr in hektische Bewegungen getauchte Kamera und zu schnelle Schnitte lassen einen jedoch zu selten in diese wunderbare Randidee des Streifens eintauchen, diesbezüglich hatte ich von „Cooties“ ein wenig mehr erwartet. Als Ausgleich darf zumindest die oft kritisierte zu zahme Methode Kinder zu erziehen für einige Lacher sorgen, erst recht wenn Kollegen untereinander jenen den Kindern gegenüber angewöhnten überkorrekten Ton beibehalten, innerhalb von Situationen die Aufgrund ihrer Extreme selbst gewöhnliche Höflichkeit nicht mehr nötig gehabt hätten.

Sicherlich kann man „Cooties“ als Kritik dieser Erziehungsmethoden betrachten und die Zombies als Sinnbild dessen sehen, zu welch kleinen Bestien die ewig nörgelnde, verwöhnte Generation, die regelrecht gezüchtet wird, verkommt. Dafür geht das Drehbuch jedoch nicht analytisch tief genug vor, und die Kritik am Fleischkonsum aus Massentierhaltung als Auslöser der Pandemie dominiert gegenüber besagtem Aspekt. Will man tatsächlich Kritik an besagter Erziehung äußern, welche die Kinder zu sehr in Watte packt und nicht auf das wirkliche Leben vorbereitet, so habe ich mir gedacht, müsste man viel eher einen Horrorfilm drehen, in welchem verweichlichte Kinder es nicht schaffen (als Kinder oder als Erwachsengewordene) sich gegen Zombies zur Wehr zu setzen. Das wäre effektiver als den Kampf Erwachsener gegen das Ergebnis ihrer zu überbehüteten Erziehung zu zeigen, zumal wir diese in der Realität in erschreckender Konsequenz so richtig erst im Alter spüren werden.

Wie auch immer, „Cooties“ versteht sich hauptsächlich ohnehin als Spaßfilm der keine ernstzunehmende Kritik äußern will, sondern das belustigende Szenario lediglich dafür nutzt einigen Dingen im amerikanischen Alltag den Mittelfinger zu zeigen. Auch dies ist nicht neu im Horror-Genre und erst recht bei Zombie-Komödien. Das Werk von Jonathan Milott und Cary Murnion ist stilistisch wie inhaltlich recht gewöhnlich ausgefallen, um so erleichterter darf man jedoch über den Unterhaltungswert sein, der zwar auch nicht außergewöhnlich ausgefallen ist, aber in seiner routinierten Art deutlich kurzweiliger und treffsicherer ausgefallen ist, als sich rein auf Splatstick ausruhende Langeweiler wie „Juan of the Dead“, „Doghouse“, „Dead Snow“ und Co.

Als einzig ungewöhnlich sticht die Figurenkonstellation bezüglich einer möglichen Love Story hervor, die anders verläuft als in 08/15-Handlungen dieser Art üblich. Da die Figuren aber dem Humor zuliebe zu oberflächlich bleiben, wird damit weder Tiefgang gewonnen, noch nennenswerte emotionale Momente herbeigeführt. Somit bleibt auch mit dieser einzigen Abänderung der Norm die Hauptabsicht bei der Bespaßung des Publikums, und wer nicht all zu hohe Erwartungen an „Cooties“ hegt und einen bunten Comicfilm sichten möchte, der wird zumindest zufriedenstellend nett unterhalten. Einzig der zu plötzliche Schluss nervt. Spielte man hier mit dem Gedanken einer bislang nicht verwirklichten Fortsetzung? 

06.02.2016

THE OFFICE - STAFFEL 1 - 3 (2005)

Der Anfang der ersten Staffel entspricht ziemlich genau dem wovon das britische Original „The Office“ gehandelt hat, eine Serie die meiner Meinung nach das Beste ist was TV bisher je hervorgebracht hat. Der Witz des Originals ist intelligent, gewagt, kreativ, provozierend, herzlich, realitätsnah und vieles mehr, und ein Remake sollte ganz automatisch nicht mithalten können bei solch brillantem Ergebnis. Der deutsche Ableger „Stromberg“ bewies jedoch, dass man dem Ziel zumindest recht nahe kommen kann, ist er doch ebenfalls recht genial ausgefallen, wenn auch nur im Schatten des tragikomischen britischen Originals existierend.

Im Gegensatz zum deutschen Ableger „Stromberg“, der in unserem Land nach „Das Büro“ mit Ingolf Lück bereits der zweite Versuch war „The Office“ für den deutschen Markt umzusetzen, orientiert sich die amerikanische Version inhaltlich wesentlich näher am britischen Original als es das sehr freizügige Remake mit Christoph Maria Herbst in der Hauptrolle tat. Die Amis taten das was sie unter dem Remake-Prinzip seit je her verstehen, sie drehten die bereits erzählte Geschichte einfach noch einmal.

Doch der Pilotfilm des amerikanischen „The Office“ zeigt dass kulturelle Differenzen sich nicht einfach dadurch lösen lassen, dass man einige Inhalte dem amerikanischen Leben angleicht. Es reicht nicht aus amerikanische Promis, Serien und Gesellschaftsprobleme in das ansonsten fast identische Drehbuch des Originals zu stopfen. Leider versucht man genau dies im Piloten, und so darf man dabei zusehen wie überforderte Mimen den subtilen Humor von Gervais Serie nicht verstehen und Regieanweisungen versuchen dem Amerikaner etwas mit überzogenen Minen und Taten verstehen zu lassen, was er in der Regel nicht verstehen kann.

Glücklicher Weise schien man dies zu erkennen, und bereits in der zweiten Folge ist zu erkennen dass die Serie, die bei uns u.a. auch unter dem Alternativtitel „Das Büro“ lief, versucht sich vom Original zu lösen um eigenständigere Wege zu gehen. Als Vorlage für Episode 2 dient die Idee der Episode 3 des Originals, allerdings wird das Thema der Fortbildung, von welcher die Folgen handeln, abgeändert und sie dient dem amerikanischen Remake lediglich als Aufhänger. Erreichen wir Folge 3 befreit sich „The Office“ endgültig von „The Office“ und findet seinen eigenen Drive, der sich nach 6 Folgen der ersten Staffel zudem darin zeigen wird, dass die kommenden Staffeln aus je über 20 Episoden bestehen werden, so wie es für amerikanische Serien üblich ist.

Freilich konnte man sich aufgrund des Piloten nie ganz vom Original lösen, der Betrieb bleibt ein Papiervertrieb, der Chef hält sich für einen Entertainer, und eine unglückliche Liebschaft besteht zwischen einem Angestellten und der süßen Frau von der Rezeption. Als typische amerikanische Sitcom durchgezogen nutzt man diese Grundlagen jedoch für völlig eigene Ideen und Geschichten. Warum man allerdings dabei blieb die Serie im Dokuformat zu belassen, will sich mir nicht erschließen, weiß die amerikanische Serie doch inhaltlich nichts mit dem Stil anzufangen, so dass es immer unlogischer wird dass sich die Leute filmen lassen, je tiefer die Serie ins Geschehen eintaucht.

Schließlich befinden wir uns nun endgültig in einem typisch amerikanischen Produkt, bei welchem bis auf kleine rote Fäden am Ende immer alles wieder auf Null zurückgeschraubt werden muss, um immer wieder einen neuen albernen Aufguss des Aufhängers, dem Büroalltag, zu präsentieren. Der ursprüngliche Aufhänger der Aufgabe einer der bestehenden Filialen wird lange Zeit aus den Augen verloren und schließlich relativ einfach gelöst, um ihn endlich aus dem Weg zu haben. Die Komik fällt wesentlich alberner aus als im Original und ist Kilometer weit von deren Genialität entfernt. „The Office“ soll einfach eine geistlose Sitcom zum Abschalten nach dem gestressten Arbeitsalltag sein, und kann man dies akzeptieren und die US-Sitcom als etwas Eigenständiges sehen, dann weiß dies auf banaler Ebene auch zu funktionieren.

Sicherlich ist „The Office“ verglichen mit dem britischen Original eine Beleidigung und eher ein Produkt zum Fremdschämen. Als Serie für sich betrachtet, die gar nicht den hohen Anspruch des Originals an sich selber stellt, geht das Produkt jedoch in Ordnung, auch wenn es selbst dann nicht auf einer Höhe mit den wahrlich geglückten Sitcoms Amerikas steht, wozu meiner Meinung nach u.a. „The Big Bang Theory“ oder „Die wilden 70er“ gehören. Das Ergebnis befindet sich eher auf dem simplen und massentauglichen Niveau von „Hör mal wer da hämmert“, „Two and a Half Men“ und Co, alles Serien die weder einen Intelligenzpreis gewinnen würden, noch durch einfallsreiche Komik glänzen, die man allerdings für den trivialen Zeitvertreib für zwischendurch aufgrund ihrer Kurzweiligkeit ruhig anschauen kann.

Leider ist die deutsche Synchronisation ziemlich übel ausgefallen. Zwar gewöhnt man sich mit der Zeit an sie, selbst an die Stimme des grummeligen Dicken, die zum peinlichsten gehört was ich je in einer Synchro einer Erfolgsserie gehört habe (und das ist sie mit 9 Staffeln), gut sieht jedoch anders aus. Dass sich der schlichte Charme der Serie trotzdem durchsetzen kann, spricht für „The Office“ und ist hauptsächlich den Charakteren zu verdanken, auch wenn es im Vergleich zum Original auch hier derbe Abstriche zu verzeichnen gibt.

Die Rezeptionistin ist völlig austauschbar besetzt, der Angestelle der sich in sie verliebt hat ist kein charmanter Loser mehr sondern eine unsympathische Grinsebacke. Aber zumindest wissen die anderen zwei Hauptfiguren zu gefallen, sofern man das Original ausgeblendet bekommt. Ohne dieses im Kopf entpuppt sich Steve Carell als gute Entscheidung für die Rolle des untalentierten, infantilen Chefs, welcher immer wieder Aufmerksamkeit für sich benötigt. Und Rainn Wilson in der Rolle des Büro-Rambos ist eine Show für sich, wird sein Charakter doch zu einer übertriebenen Comicfigur wie sie Ernie für die „Stromberg“-Reihe wurde. Zudem wissen auch die meisten Nebenfiguren zu gefallen und zu wirken, auch wenn sie stets recht eindimensional für ein Klischee stehen müssen. Auch erst spät dazu stoßende Figuren wissen sich einzufügen und die Serie zu bereichern.

Dank der erweiterten Folgenzahl und der Belanglosigkeit des winzigen roten Fadens der sich durch die Staffeln schlängelt, sind Dinge möglich, die im Original nicht möglich waren. Sie waren dort auch nicht erforderlich. Aber das amerikanische „The Office“ hat in seiner schlichten Erscheinung jeglichen positiven Aspekt nötig, um nicht in die vollkommende Belanglosigkeit hinabzugleiten. Und so spielt das Drehbuch recht interessant noch lange mit den Folgen eines One Night-Stands zwischen Michael und seiner Chefin. Und auch die Liebschaft zwischen der Rezeptionistin und Jim weiß einige Überraschungen zu bieten. Dass der Soap-Gehalt der Sitcom halbwegs zu funktionieren weiß, erkennt man spätestens daran dass Jim einem trotz seines unsympathischen Charakters tatsächlich leid tut, wenn er aufgrund höherer Umstände stets zurückstecken muss.

Im Gesamten besteht die Serie in ihren ersten drei Staffeln aus ständigen Aufs und Abs mit mal weniger und mal geglückteren Folgen, Ideen, Witzen und Soap-Momenten. Mit dem Original sollte man die amerikanische „The Office“ ab Folge 3 nicht mehr vergleichen. Zuvor ist dies aufgrund der inhaltlichen Gleichschaltung kaum möglich, aber ab da wo die Serie ihre eigene Identität entdeckt und weiß was sie will geht sie als trivialer geistiger Abschalter durchaus in Ordnung. Damit ist das Ergebnis zwar um Lichtjahre schlichter ausgefallen als meine Lieblingsserie auf welche die hier besprochene Serie basiert, aber ich war erstaunt dass die Amerikaner auf ihrem wesentlich plumperen Niveau trotzdem etwas geschaffen haben, dass auf routinierter Ebene Laune macht weiter verfolgt zu werden.  OFDb

01.01.2016

THE ROCKER (2008)

Erstmals aufmerksam wurde ich auf Rainn Wilson in seiner Vater-Rolle in „Hesher“, die seine Wandlungsfähigkeit bereits mehr als deutlich machte. Später in der Hauptrolle in der Superhelden-Parodie „Super“ erkannte ich ihn gar nicht wieder, brillierte er doch auch hier mit gekonntem Spiel, da er sowohl die feinen als auch die lauten Möglichkeiten der Schauspielerei beherrscht. Nach mittlerweile drei von mir gesichteten Staffeln der amerikanischen Sitcom „The Office“, in welcher Wilson den Dwight mimt, habe ich mir endlich seinen Namen gemerkt. Nun gehört er zu jenen Leuten seines Fachs, deret wegen ich auf Filme neugieriger werde, deren Stoffe mich zunächst nur bedingt interessieren. Und so griff ich auch zu „The Rocker“, der mir ein bisschen zu sehr nach dem fünf Jahre zuvor erschienenen „School of Rock“ mit Jack Black in der Hauptrolle klang.

Die Ausgangslage ist tatsächlich recht ähnlich, und im direkten Vergleich wirkt der eigentlich talentiertere Mime Wilson nicht so gut besetzt wie Black einst im Vergleichsfilm. Zu wirken weiß der gute Mann für sich gesehen jedoch sehr wohl, und die Geschichte geht recht schnell eigene Wege, so dass beide Filme dann doch nicht wirklich zu vergleichen sind. Eines haben sie jedoch trotz aller Unterschiedlichkeiten gemein, beide baden im Mainstream, der eine etwas mehr, der andere etwas weniger gelungen. Aber so oder so: innovativ sieht anders aus.

Man kann von Glück reden dass der kitschige „Highschool Musical“ nicht zu viel Einfluss auf „The Rocker“ ausgeübt hat. Sicher gibt es den einen nur aufgrund des Erfolges des anderen, aber man wechselte glücklicher Weise nicht nur die Musikrichtung, man orientierte sich auch an die Mentalität die mit dieser einher geht. Streng genommen muss man sogar sagen mit den Mentalitäten, denn hier trifft das Lebensgefühl des klassischen Rocks aufgrund des Generationenzusammenknalls auf die Mentalität des modernen Rock.

Und hier befindet sich auch einer der Schwachpunkte des Streifens, ist „The Rocker“ doch trotz des Alten im Mittelpunkt hauptsächlich am jüngeren Publikum orientiert erzählt, und da kommt der weichgespülte, leicht geklont wirkende Rock der im Zentrum stehenden Band doch etwas zu gut weg, so ganz frei von Kritik, in einer Geschichte, in welcher der große Traum von Teenagern wahr wird. Dass dies in seiner völlig verharmlosten Form mit seinem blauäugigen Blick auf den Alltag im Rampenlicht nicht vollends den Bach runter geht, liegt letztendlich einzig an Fishman, der als durchgeknallter Fremdkörper in einer an sich geordneten Welt ordentlich Chaos anstiftet.

Kompromisslos funktionieren würde dieser absichtliche Zusammenknall jedoch nur wirklich, wenn die Basis auf welcher sich Wilson austobt, die Normalität, auch realitätsorientiert dargestellt würde. Das ist leider nicht der Fall, so dass „The Rocker“ trotz seiner sympathischen Besetzung (Christina Applegate als verständnisvolle Mutter, die völlig unterforderte Emma Stone, die so viel mehr kann als hier von ihr verlangt wird) zu sehr zwischen schwülstigen Pubertätsträumen und der Komik eines Mannes, der nie erwachsen werden wollte, hin und her springt.

Sicher macht das auf 90 Minuten Spaß, zumal es einige wahrlich lustige Szenen zu sehen gibt. Aber insgesamt ist „The Rocker“ dann doch zu routiniert und vorhersehbar ausgefallen, als dass man ihn wirklich irgendwem empfehlen wollen würde. Kurzum: als harmloser Zwischendurchverzehr geht Peter Cattaneos humoristischer Musikfilm in Ordnung, zu mehr reicht es nicht. Auch die Kompositionen der Rockband reißen nicht wirklich vom Hocker und machen eher die Probleme der heutigen Musikindustrie deutlich anstatt sie zu feiern. Erkannt hat das bei der Umsetzung von „The Rocker“ aber scheinbar niemand.  OFDb

26.07.2015

SUPER (2010)

Im selben Jahr von „Kick-Ass“ erblickte „Super“ mit einer ziemlich identischen Idee das Licht der Welt und steht dem charmanten Spaß in nichts nach. Beide Filme verarbeiten die Geschichte auf ihre völlig eigene Art, Parallelen besitzen sie im Härtegrad der Erzählung und in den Schwerpunkten Komik, Drama und Action. Konnte man für „Kick-Ass“ Nicolas Cage und Chloe Grace Moretz gewinnen, so kann „Super“ mit deren Schauspielqualität locker mithalten, hat er doch Kevin Bacon als Bösewicht und die talentierte wie niedliche Ellen Page als psychopathische Gefährtin des Superhelden mit an Bord. Let‘s Rock!

Hauptdarsteller Rainn Wilson hatte mich mit seinem Können schon in „Hesher“ vollends überzeugt. Ihn nun in der Rolle des blutroten Blitzes zu erleben ist eine weitere Bestätigung seiner Vielseitigkeit, bei all den unterschiedlichen Facetten die in „Super“ von ihm abgefordert werden. Sein Charakter ist ein wenig vergleichbar mit Rogens Rolle aus „Shopping Center King“ (und nicht wie man meinen könnte aus „The Green Hornet“), und man ist sich ebenso wie dort neben all der Komik der dramatischen Seite seines Zustandes bewusst. „Super“ verherrlicht nichts, er ist jedoch konsequent erzählt. Damit ist er trotz all der schwarzen Komik und all seiner Brutalitäten im kritischen Betrachten des Hauptfigurencharakters tiefsinniger als es ein „Defendor“ mit Schwerpunkt Dramatik sein möchte. Gunns Werk geht diesbezüglich jedoch nicht so tief wie „Unzertrennlich“, eben weil er sich auf mehrere Bereiche konzentriert und trotz aller ernsthafter Elemente Popkornkino sein möchte.

Die politisch unkorrekte und unverkrampfte Art ist es dann auch, die „Super“ ebenso wie „Kick-Ass“ von den Blockbuster-Langeweilern von Marvel unterscheidet, die sich bierernst der immergleichen Erzählstruktur annehmen. Rasantes Actionkino, gewalttätige Komik und intelligent erzähltes Kino können entgegen dem was Tunnenblick-Denker glauben innerhalb ein und desselben Filmes koexistieren, bzw. sich gegenseitig beeinflussen um ein sympathisches Ganzes zu bilden. „Super“ ist einer dieser Glücksfälle, und er fordert mit bösen Überraschungen auch so manches vom Zuschauer ab, was der Pseudo-Cineast der Mainstream-Ware rein inhaltlich nicht gut heißen wird.

Was soll‘s, soll der lieber „Green Lantern“, „Fantastic Four“ oder „Man of Steel“ gucken, Massenware die seinen stumpfen Verstand nicht überfordern. Wer gute Unterhaltung sehen will die den Zuschauer wie einen mündigen und selbst denkenden Menschen behandelt, der sollte unbedingt einmal einen Blick auf diese kleine Perle von Superhelden-Parodie werfen. Es ist sicher so gut wie auch schade, dass es bislang nicht zu einer Fortsetzung kam. Aber eigentlich ist mit Teil 1 auch alles bereits erzählt.  OFDb

26.07.2013

HESHER - DER REBELL (2010)

Wenn man eine Figur wie Hesher sagen hört: „Aus Dir werde ich nicht schlau“, dann hat das schon einen gewissen humoristischen Reiz, ist es doch gerade ein Mensch wie Hesher, der einen immer wieder herausfordert. Sein Benehmen ist unterste Schublade, sein Tun nie vorauszusehen, die Beweggründe ein Rätsel. Der junge Mann ist ein Anarchist (und kein Rebell wie uns der deutsche Beititel weismachen möchte), egoistisch und gewaltbereit. Er ist ein Kiffer, ein Rocker, ein Musiker, ein Sprayer, ein Brandstifter, ein Schnorrer, er ist alles was er gerade möchte. Mit der Intelligenz hapert es freilich ein wenig, aber inmitten dieses verstörten Charakters findet sich ein kleiner Hauch Gerechtigkeitsempfinden und Mitgefühl, genau jene Zutat, die den Zuschauer noch manches Mal überraschen wird, glaubt dieser durch die Existenz dieser Randerscheinungen in Heshers Charakter doch, er wüsste wie die Geschichte in etwa verlaufen wird. Fehlgeschlagen!

Ja, es ist eine lustige Aussage in diesem Drama, wenn die Worte „Aus Dir werde ich nicht schlau“ aus dem Mund eines Typen wie Heshers kommen. Aber er hat nicht unrecht. Der im deutschen Titel fehlinterpretierte Rebell wäre viel eher der 13jährige T.J., der in seiner Trauerverarbeitung und in seiner Enttäuschung dem Vater gegenüber, der sich seit dem Tod seiner Frau hat gehen lassen, seinen eigenen Weg sucht mit Problemen fertig zu werden, und da gibt es so einige. T.J. ist wütend, wird von so ziemlich jedem Erwachsenen enttäuscht, und das treibt ihn, ebenso wie sein aufblühendes Interesse an einer erwachsenen Frau, zu außergewöhnlichen Taten, Taten die Menschen verletzen und von einem gewissen Egoismus gelenkt sind.

Eine Parallele zu Hesher ist da durchaus gegeben. Im Gegensatz zu ihm verstehen wir T.J. allerdings. Er ist die Identifikationsfigur in diesem Film. Wir wissen dass dieser Egoismus T.J. hilft sich von der Erwachsenenwelt freizukämpfen, die ihn im Stich lässt. Er muss frei sein um selbst erwachsen werden zu können. Wir wissen dass es verstörte Gefühle sind, mit welchen der 13jährige erst einmal lernen muss umzugehen. Und wir wissen dass er viele fragwürdige Dinge tut um dem Gedenken an seiner toten Mutter zu würdigen. Er hat Beweggründe. Hesher hat diese nicht. Selbst wenn gegen Ende das Geheimnis Hesher ein wenig beleuchtet wird, so bleiben die Beweggründe dieses außergewöhnlichen Mannes doch weiterhin ein Rätsel.

„Hesher“ ist durchaus witzig erzählt, ist im Grunde jedoch ein Drama. Eine Geschichte die relativ nichtig klingt wird durch die Charaktere wie ein Motor am Leben erhalten und beschert einem ein individuelles Filmerlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. „Hesher“ ist anders, so wie sein titelgebender Charakter, im Gegensatz zu diesem ist er jedoch sensibel. In leisen Tönen und gemütlichem Tempo entwickelt sich die Geschichte um ein Gruppe von Menschen, aus deren Verhalten man einfach nicht schlau wird. Die Psychologie der Figuren stimmt, und deshalb orientiert sich die Geschichte auch richtiger Weise an diesen und nicht an irgendwelchen Regeln wie eine Geschichte angeblich zu verlaufen hätte. Das guckt sich frisch und anders und auch interessant.

Während Regie, Kameraarbeit, Maske und die Verantwortlichen für die Kostüme, Casting und den Schnitt alle ein großes Lob verdienen, gibt es auf der Seite der Schauspieler ebenfalls nur Positives zu berichten. Devin Brochu liefert die tollste Kinderleistung seit langem ab, wirkt tatsächlich in jeder Szene glaubwürdig und authentisch (wie der Rest anbei auch) und funktioniert mit dieser kindlichen Art als Identifikationsfigur. Er ist keine dieser Hass-Gestalten am amerikanischen Kinohimmel, ein kleiner Erwachsener im Körper eines Kindes, nein, T.J. IST ein Kind, er ist glaubwürdig, das wichtigste Adjektiv des ganzen Filmes. Da gibt es nichts das nicht glaubwürdig wäre. Da mag es noch so skurrile Situationen und wunderliche Verhaltensweisen geben, sie wirken stets authentisch.

Rainn Wilson überzeugt als depressiver Papa und zeigt erst in einem späten Rückblick seine Vielseitigkeit, die man in seinem hervorragenden Spiel schon zuvor vermutet hat. Joseph Gordon-Levitt erinnert in seiner äußerlichen Aufmachung ein wenig an einen Keanu Reeves im Freak-Stil, was ich positiv meine, auch wenn Reeves nicht gerade ein Vorbild guten Schauspiels ist. Man könnte glauben Gordon-Levitt würde sich selber spielen, so echt mimt er den asozialen Außenseiter. Und Piper Laurie, eines der bekanntesten Gesichter dieses Independent-Filmes, trumpft ein erneutes Mal mit sensiblem Schauspiel und hat alle Sympathien auf ihrer Seite, was nicht schwer ist als einzige Figur im Film, deren Verhalten nicht sonderbar ist. Sie ist die einzige im Vordergrund stehende Figur, auf welche Heshers Satz „Aus Dir werde ich nicht schlau“ nicht zutrifft.

In einer Nebenrolle agiert professionell wie meist Natalie Portman, bei der es mich besonders freut, dass sie in einem außergewöhnlichen Film mit anspruchsvoller Herausforderung mitspielen darf, wirkt sie in Werken wie den Teilen 4 bis 6 von „Star Wars“ doch stark unterfordert. Aber zu „Hesher“ scheint sie sich selbst verholfen zu haben, ist sie doch Mitproduzentin dieses Streifens und damit eine Förderin des gehobenen US-Kinos, eine Nische die der Kinozuschauer in Deutschland so gut wie gar nicht mitbekommt, obwohl diese Nische immer wieder Schätze wie „Lars und die Frauen“, „Broken Flowers“, „Donnie Darko“ und „Vergiss mein nicht!“ hervorbringt, alles Filme die dem europäischen Kino die Hand reichen können. „Donnie Darko“ wurde im übrigen von Drew Barrymore mitproduziert. Da können sich die beiden Damen ruhig die Hand reichen bei so viel Gespür für gute Stoffe und bei so viel Mut.

„Hesher“ lässt sich in keine Schublade stecken. Klar, er ist definitiv ein Drama, da gibt es nichts dran zu rütteln, aber er ist ein außergewöhnliches, das sich nicht gerade wie ein Drama guckt. Verbohrte Stammzuschauer dieses Genres werden mit „Hesher“ relativ wenig anfangen können, lebt er die Anarcho-Art seines Helden doch zwanglos aus. Da dürfte manch einer Probleme mit haben. Interessanter Weise ist der Film jedoch kein Plädoyer für Anarchismus, was man nun fälschlicher Weise glauben könnte. Im Gegenteil, „Hesher“ frönt den demokratischen Gedanken der Gleichberechtigung, dem Gedanken der Menschenrechte. In „Hesher“ werden alle Figuren vorurteilsfrei akzeptiert wie sie sind, völlig frei von Kritik, selbst dann wenn sie anderen schaden. Menschen schaden anderen Menschen nun einmal. So ist das Leben. Aber sie helfen auch einander. Und manchmal kommt diese Hilfe aus einer überraschenden Richtung. Manchmal kommt sie auf ganz beschissene Art daher. Und auch davon handelt Spencer Sussers Regie-Debut.

Spencer Susser, der auch das Drehbuch schrieb, hat Respekt vor seinen Figuren, Respekt vor der Individualität. Und deswegen wirkt der Film auch in seiner unverkrampften Art. Deswegen schaut er sich eigenständig, unverbraucht und frisch. Der Film löst sich von den Regeln des Standard-Kinos Amerikas, jedoch nicht um zu rebellieren, sondern um zu zeigen was Kino sein kann. Kino kann nah am Leben orientiert sein und dennoch mitreißen. Kino kann leise erzählt sein und trotzdem auf den Putz hauen. Und Kino kann sensibel sein ohne peinlich oder kitschig zu werden. Kino kann wie der Film „Hesher“ sein. Meist ist Kino jedoch leider eher wie die Figur des Hesher.  OFDb