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20.03.2020

BATMAN (1989)

Mit Blick von heute mag einem Burtons "Batman" etwas schlicht erscheinen, sind doch z.B. die Bauten im Gesamten keineswegs so wuchtig ausgefallen, wie man es beim Kult-Regisseur erwarten würde. Die simple Terroraktion Jokers per Kosmetika, die Vereinfachung, dass er zudem der Mörder von Waynes Eltern ist, und ganz besonders die plump abgearbeitete Liebesgeschichte, die aufgrund ihrer Sprunghaftigkeit nicht wirklich glaubwürdig herüber kommt, sind Elemente, die man heutzutage komplexer ausgearbeitet erwarten würde. Aber seinerzeit war man einfach froh endlich einmal eine professionelle und ernste Umsetzung des "Batman"-Themas auf der Leinwand erleben zu dürfen, nachdem es ansonsten nur billig heruntergedrehte Serials in den 40er Jahren und die klamaukige TV-Serie aus den 60er Jahren zu entdecken gab, inklusive der Kinoauswertung von Letztgenanntem namens "Batman hält die Welt in Atem". Burton brachte den legendären Helden erstmals ernstzunehmend auf die große Leinwand, und dafür war man ihm dankbar. Eine große Werbewelle ging seinerzeit dem Kinostart voraus, aber ich wage zu behaupten, dass der Film auch ohne dieses Puschen ein Erfolg geworden wäre, eben weil Batman doch einfach zu den interessantesten Figuren des Superhelden-Bereiches gehört.

Mit Jack Nicholson hatte man zudem einen Star mit an Bord, und auch Western-Legende Jack Palance ist in einer kleineren Rolle mit am Start. Michael Keaton erwies sich als gute Wahl in der Rolle Bruce Waynes, setzte er doch gekonnt täuschend seinen naiven Blick ein. Nicholson hingegen wirkt heutzutage, durch so grandiose Interpretationen des Erzfeindes aus "Joker" und "The Dark Knight", etwas zu einfach dargeboten, zumal er in lockerflockig anvisierten Momenten doch etwas arg steif spielt. Mimisch trumpft er jedoch, innerhalb seiner Möglichkeiten in sperriger Maskerade, und allein das Drehbuch beschert ihm bereits wundervolle Szenen und Monologe. Einzelne Gebäude geben einen ersten Einblick in später in anderen Werken professioneller eingefangene Bilder Gotham Citys, das Batmobil und der Flieger des selbsternannten Gesetzeshüter wissen zu wirken, werden aber geradezu selbstverständlich eingesetzt. Das ist einer der Gründe, warum "Batman" trotz erwachsenem Grundton immer eine Spur zu naiv daher kommt, ebenso wenn man den Helden abseits von Actionszenen im Kostüm agieren sieht. Diesbezüglich tat es gut, dass Burton dem Ganzen in der Fortsetzung "Batmans Rückkehr" einen Mythos durch einen psychologisch interessanten Fetisch bescherte, um den Helden ernsthafter und glaubwürdiger verkleidet erscheinen zu lassen.

Dennoch ist das alles Jammern auf hohem Niveau. Burtons erster Beitrag zur Filmreihe ist stimmig und kurzweilig erzählt, in wundervoll düsteren Bildern gehalten und bot damals somit endlich das, was auf der Leinwand längst fällig war. Mag das Drehbuch auch keine besonderen Kniffe beinhalten, allein das Servieren der Basis dessen, was mit dem Stoff möglich ist, weiß zu gefallen. Und besonders gut hat mir persönlich die Sichtweise zu Beginn des Streifens gefallen, die uns Batman noch nicht offiziell als den Helden präsentiert, sondern als in der Gesellschaft unbestätigten Mythos, den man ab und an aus der Distanz als wahrhaftig erleben darf, so dass es lange Zeit dauert, bis wir Batman aus Heldensicht und Bruce Wayne persönlich kennen lernen. Dafür dass mit diesem ersten Teil die sonst mittlerweile übliche Entstehungsgeschichte übersprungen wird, ist dies eine hervorragende Alternative, um einen mystischen Einstieg ins Geschehen entstehen zu lassen. Auch heute noch ist "Batman" eine sehenswerte Comicverfilmung, allein schon weil er erste Schritte vorbereitete, an denen andere Werke kreativ ausgereifter anknüpfen konnten. Dies gelingt Burton hauptsächlich durch den von Miller in den Comics kreierten düsteren Stil, was ihn glücklicher Weise nicht davon abhielt der Figur des Joker trotzdem schwarzhumorige und teilweise flapsige Momente zu bescheren.  OFDb

22.06.2019

TANGO UND CASH (1989)

Der Einfluss der Ironisierung des Genres durch "Lethal Weapon" ist in dem Werk von 1989 ebenso zu spüren, wie der bravere, weit weniger gewalttätige Stil der Actionfilme der kommenden 90er Jahre. "Tango & Cash" fühlt sich nicht mehr wie die alten Filme Stallones aus den 80er Jahren an, und die Zusammenkunft mit Kurt Russell ist keineswegs das Kombinieren zweier Stars, sondern das Misstrauen gegenüber zweier Noch-Stars, die nicht mehr ganz so in der Gunst des Zuschauers standen wie noch einige Jahre zuvor, als dass man ihnen Solo-Hauptrollen zugetraut hätte. Diesen unsicheren Umgang mit der Angst vor einem Flop sieht man dem zu konstruierten Film fortwährend an, beginnend mit dem Einsetzen von Humor in einer unorientierten Konsequenz, mal voll auf Buddy-Komödie mit lässigen Sprüchen getrimmt, meist alles lediglich augenzwinkernd präsentierend, nie stark genug eingebaut um tatsächlich von einer Action-Komödie sprechen zu können, sich dennoch nicht zu schade sein auch mal Russell in Frauenfummeln zu präsentieren.

Wer auf letztgenannten Gag steht, oder auf den motorisierten Kampf gegen Monstertrucks, wer einen sexy Tanz gemixt mit Breakdance und Elektrogetrommel als Bühnenshow bevorzugt und ein auf "irre James Bond-Erfindungen" getrimmtes Automobil, der ist bei "Tango und Cash" im richtigen Film, der stets noch unreifer daher kommt, als das Action-Genre ohnehin schon orientiert ist. Alberne Spiegeltricks, neunfach-Monitore zur Überwachung und Rückbesinnung und das Einschleichen ins Gefängnis zur persönlichen Selbstüberzeugung darüber ob die beiden Erzfeinde auch wirklich gefoltert werden, widersprechen der grundlegenden Charakterzeichnung des übermächtigen Bösewichts, spiegeln aber genau das infantile Getue und psychologische Unverständnis wieder, das es einem unmöglich macht den Streifen als brauchbare Unterhaltung ernst genug nehmen zu können. Gute Ideen werden meist auf die Schnelle abgefrühstückt, ohne sich Zeit für deren Potential zu nehmen, nicht logisch erklärbare Zwischensequenzen werden ausgeblendet, damit niemand Unaufmerksames sie hinterfragt, und ein viel zu billig heruntergekurbelter Hintergrund-Soundtrack ruiniert die Atmosphäre endgültig, der es ohnehin an einem düsterdreckigen Touch oder alternativ an der nötigen Lässigkeit mangelt, um wahrhaftig cool rüberzukommen.

So ziemlich alle Beteiligten hat man woanders schon weit besser erlebt, allen voran Jack Palance, der den Gangsterboss selbst als anspruchsloser Vieldreher spürbar lustlos spielt. Einzig Brion James ist wie immer gekonnt besetzt als Fiesling eine Sichtung wert, hier im selben Jahr agierend wie in seiner comichaften Glanzleistung aus "Horror House". "Tango and Cash" (Originaltitel) ist zu sehr Produkt, als dass der Film wirklich überzeugen könnte, uninspiriert umgesetzt, unorientiert im Fahrwasser verschiedener Stile gleichen Genres schwimmend und dank Innovationslosigkeit deswegen keinen Hafen ansteuernd, der sich als Heimat erweist. Das Ergebnis ist weder vollkommen blöde, noch langweilig ausgefallen, als Lightversion seines Genres mit weit heruntergeschraubten Erwartungen ist Konchalovskys Werk durchaus zu gourmieren, aber warum sollte man das tun, wenn es doch so viele bessere Filme gibt, die tatsächlich wissen was sie wollen? Stallone mag ja jede Menge Unsinn in seiner Karriere gedreht haben, aber meist waren doch selbst diese Werke unterhaltsamer Natur. "Tango & Cash" setzt sich unterkühlt und lieblos umgesetzt zwischen die Stühle, ohne dabei eine Provokation oder Eigenständigkeit zu entfachen. Schade ist es einzig um die Umorientierung der Rolle Stallones, der diesmal charakterlich leicht anders eingesetzt wurde als üblich.  OFDb

05.09.2016

DAS GEHEIMNIS DER FLIEGENDEN TEUFEL (1980)

Gerne wird Greydon Clarks Werk „Das Geheimnis der fliegenden Teufel“ der Lächerlichkeit Preis gegeben und als reiner Trash-Film abgestempelt. Und sicherlich ist der Film bereits für seine Entstehungszeit ein wenig altbacken ausgefallen. Aber ein bisschen mehr Respekt sollte man dem Ideengeber des berühmten „Predator“ ruhig entgegen bringen, ist es doch eine innovative Idee nach etlichen Jahrzehnten der verhinderten Invasionen einmal damit zu überraschen, dass ein Alien sich auf Erden lediglich auf der Jagd befindet anstatt unseren Planeten erobern zu wollen.

So wie der Vorgänger von „Alien“ namens „It - The Terror from Beyond Space“ nicht an den späteren Kinoerfolg, der sich seiner Idee bediente, heranreicht, so weiß auch „Alien Shock“ (Alternativtitel) nicht die Größe eines „Predator“ zu erreichen. Dafür tritt der gar nicht mal so schlecht erzählte Film dann doch zu oft auf der Stelle und hätte ruhig an mancher Stelle Kürzungen vertragen können. Wenn man bedenkt wie schnell die zwei Teenager erstmals von den fliegenden, biologischen Waffen der Kreatur angegriffen werden, wird doch ein wenig zu arg mit der Geduld des Zuschauers gespielt, wenn sie immer wieder aufs Neue flüchten müssen, bis es im Finale endlich zum entscheidenden Showdown kommt.

Allerdings überrascht „Es geschah ohne Warnung“ (Alternativtitel) sowohl zu Beginn als auch am Ende mit manchem unerwarteten Tod, und ein durchgedrehter Verbündeter sorgt für eine zusätzliche Bedrohung. Zwar neigt Martin Landau in besagter Rolle etwas arg zum Überagieren, zu gefallen weiß sein Spiel trotzdem, während der wie immer sympathisch trocken wirkende Jack Palance seinen Gegenpart übernimmt, ohne dabei zu einer tatsächlichen Sympathiefigur zu werden. Das ist ohnehin das Faszinierende an dem eigentlich auf gewöhnlichen Pfaden wandernden Film: die moderne Jugend und die Hinterwäldler bilden nie eine Einheit. Immer wenn man glaubt sie würden endlich zusammenarbeiten, kommt wieder etwas dazwischen. Erst im Finale kommt es zu Gemeinschaftstaten, und hierfür muss sich eine Seite zum Wohle der anderen opfern.

„It Came Without Warning“ (Alternativtitel) geht kompromissloser vor als man ihm zutraut, und allein deswegen ist es reiner Spott, frei von reflektiven Schauen, den Streifen als Trash herunter zu machen. Dafür ist er zu einfallsreich in seiner Erzählung und zu stimmig und düster inszeniert. Man darf schon überrascht sein wie gut „Without Warning“ (Originaltitel) so nah am Schundfilm orientiert doch noch funktioniert, auch wenn er sich nie zur vollen Größe entfaltet. Dafür stehen ihm dann doch die zu reißerischen Szenarien im Weg und das schlechte Spiel der weiblichen Hauptrolle, die derartig extreme Grimassen schneidet, wenn sie Angst verkörpern soll, dass man kaum glauben kann, dass sie für solch eine große Rolle besetzt wurde.

Zwei Jahre vor seinem Folgefilm „Wacko - Da wackelt die Bude“, der eine Art 80er Jahre-Version des später so erfolgreichen „Scary Movie“ ist, im Gegensatz zu diesem aber so gar nicht funktionieren will, zeigte Greydon Clark, dass er das ernste Genre besser beherrscht. Sicherlich hat „The Warning“ (Alternativtitel) einiges an Staub angesetzt, kommt relativ konservativ daher und besitzt manche Länge, aber als kleiner sympathischer, Irnoie-freier Genre-Beitrag seiner Zeit weiß er für ein aufgeschlossenes Publikum, welches sich von cineastischen Vorurteilen frei machen kann, gut genug zu unterhalten, ohne dass man sich einzig an den durchaus vorhandenen Schwächen humoristisch aufgeilen muss.  OFDb

04.09.2016

UNTERNEHMEN DELTA 3 (1979)

Zwar war es der durchschlagende Erfolg von „Krieg der Sterne“, der eine Welle an Science Fiction-Produktionen Ende der 70er Jahre losschlug, „Unternehmen Delta 3“ ist jedoch hauptsächlich beeinflusst von dem ein Jahr vor ihm erschienenden „Kampfstern Galactica“, tritt er doch nicht nur aufgrund dessen Naivität in seine Fußstapfen, sondern auch aufgrund der tödlichen Roboterarmeen, der Flucht von zu Hause aus selbigem Grund und der in der Mode der 70er Jahre feststeckenden Helden, alles Faktoren die ihn heute so sehr der Lächerlichkeit Preis geben, dass es schwer fällt ihm inmitten der unfreiwilligen Komik eine echte Chance zu geben.

Wussten die Roboter im Vorbild „Kampfstern Galactica“ tatsächlich düster zu wirken, so strahlen die Stahlgesellen im hier besprochenen Streifen keinerlei Bedrohung aus, wirbeln sie meist doch nur wild mit den Armen um sich, und sind sie doch mit großen Metallstäben leicht außer Gefecht zu setzen. Ebenso wie jedwede andere Person des Streifens verfügen sie über keinerlei Schusswaffen, so dass sie in ihren effektivsten Momenten wie ein Bud Spencer wild prügelnd agieren, was aber die meiste Zeit über nicht geschieht.

Dass sie so gar keine besonderen Fähigkeiten haben, macht die Aussage des Bösewichts Omus um so lustiger, er habe die Roboter im Gegensatz zur Vorgeneration stark perfektioniert. Besagter Hauptgegner wird gekleidet in einem „Superman“-artigen Kostüm verkörpert von Jack Palance, dem man ansieht dass es ihm inmitten des vollkommenen Unsinns, in welchem er agieren muss, schwer fällt ernst, geschweige denn böse, zu spielen. Omus ist ähnlich gefährlich wie seine Roboter, schwingt stets nur große Reden anstatt wahrhaftige Macht zu beweisen und ist im Finale ebenso einfach zu bezwingen wie seine Blechkameraden.

Dass sich das komplette Spektakel trotz Kampf zwischen Mentor und Schüler, übergroßen Raumschiffen und mörderischen Robotern nicht halb so episch guckt, wie es die Geschichte gerne hätte, liegt jedoch nicht einzig an der völligen Harmlosigkeit der Gegner, es liegt auch am Miniuniversum welches uns hier vorgesetzt wird, ist doch allein schon die Mondkolonie lediglich eine größere Stadt, und damit überwiegt sie von ihrer Population her der Einwohnerzahl auf Delta 3 um Längen. Im Herrschaftssitz von Omus können die Rebellen ein und aus gehen, und noch bevor er diese Kleingruppe besiegt hat dürstet es den Möchtegern-Imperator bereits nach der Herrschaft auf dem nicht all zu weit entferntem Mond.

Dies ist nur eine Unsinnigkeit inmitten eines völlig naiv durchdachten Plots, in welchem man zur Rettungsaktion beispielsweise einen ehemaligen Roboter des zu bekämpfenden Herrschers mitnimmt, eine unnötige Gefahrenquelle, die von den Autoren nicht einmal als eine solche erkannt wurde. Die in der Demokratie lebenden Menschen wirken mit ihren emotionslosen, gleichgeschalteten Gesichtern und Charakteren, gekleidet in gleichaussehenden Uniformen, die dabei helfen zu verhindern dass aus ihnen Individuen werden, wie kleine Nazis, was den Kampf gegen einen Diktator zum Erhalt der freien Welt um so lustiger wirken lässt.

Freilich achtete man in einem familienfreundlichen, fast gewaltfreien Streifen nicht nur auf die Modewelle der Erscheinungszeit, sondern auch auf den Anteil des weiblichen Publikums, so dass es in einem Nebenplot ein paar verstrahlte Mondkinder um des Kitschfaktor Willens zu retten gibt und eines der Crewmitglieder ein putziger, vermenschlichter Roboter sein darf, der, immerhin das nimmt man von Anarcho-Stoffen wie „Lexx“ und „Space Truckers“ vorweg, in die junge Frau der Crew verliebt ist - warum auch immer. Diese darf ganz Frau sein, ist der emotionale wie auch attraktive Teil der Truppe, so wie jede andere Figur des Streifens in ihrem jeweiligen Stereotyp badet, vollkommen frei von möglichen Abweichungen.

Da sich „Delta III - Wir wollen nicht zur Erde zurück“ (Alternativtitel) so bereitwillig seinem unsinnigen Plot hergibt, schaut er sich wesentlich unterhaltsamer als sein eher maues Vorbild. Zwar erntet er seinen Unterhaltungswert eher aus unfreiwilligen Elementen, aber es ist sein naiver Charme im Stile eines „Das schwarze Loch“ und seine dämliche Geschichte, die jedes vorhersehbare Storyklischee brav Schritt für Schritt erfüllt, was das Ergebnis schließlich so erträglich ausfallen lässt. Wusste ein „Krieg der Sterne“ trotz Storyklau diverser Vorbilder und naivem Szenario tatsächlich monumental zu wirken, so wirkt der sich in diesem Punkt schwer abstrampelnde und nie das anvisierte Ziel erreichende „Delta III“ (Alternativtitel) wie dessen kleiner, behinderter Bruder.  OFDb

29.05.2015

MEIN GROSSER FREUND SHANE (1953)

„Mein großer Freund Shane“ ist die Art klassischer Western, wie sie klassischer wohl nicht mehr ausfallen könnte. Arbeiter gegen Reiche, Saloon-Steitigkeiten inklusive Schlägerei inklusive durch ein Gelände nach unten krachender Erschossener, ein einsamer Held, ein gnadenloser Schütze, das Spiel der Mundharmonika und im Zentrum der Wunsch nach Harmonie, erzählt aus einer recht naiven aber liebenswerten Perspektive. Der Film besitzt alles was ein Western vor der Modernisierung durch die italienischen Vertreter der harten Welle brauchte.

Interessanter Weise wird Ryker, der Gegner der Helden, keineswegs urböse gezeichnet. Er ist bereit zu Gesprächen und Kompromissen, selbst seine Argumentation ist nicht von schlechten Eltern und bringt ungewohntes Licht ins Dunkel des Streits, denn letztendlich ist der Fall grenzwertig zu nennen wer sich nun auf dem Land aufhalten darf und wer nicht. Freilich nimmt der Zuschauer die Perspektive der Starretts ein, so wie Shane, und Rykers grobe Art bestärkt den Zuschauer in seiner Position. Aber ob die Farmer im Recht sind steht auf einem ganz anderen Blatt Papier, eines das nicht zum Drehbuch gehört, wird die Ausgewogenheit des Konflikts doch komplett ignoriert. Ryker ist der Böse! Fertig!

Das ist auch gar nicht schlimm, ist der Grundton des Streifens doch menschlicher Natur, und die geht nicht nach Logik sondern nach Sympathie. Und das betont Regisseur George Stevens in den Schwerpunkten der Erzählung sehr deutlich, allein schon durch die starke Positionierung des Starrett-Jungen, der auch nicht unbeteiligt am Finale ist, das manch einem vielleicht etwas zu schlicht ausgefallen sein mag, allein schon aufgrund des Wirbels der um den Revolverhelden Wilson gemacht wird.

Aber da ist „Shane“ (Originaltitel) einfach konsequent zu nennen, geht es doch nicht wirklich um die finale Konfrontation, wie es beispielsweise in „12 Uhr mittags“ der Fall war. „Mein großer Freund Shane“ zählt als Gesamtes. Die Feier ist ebenso wichtig wie es das Schluss-Szenario ist. Die Geschichte zählt als Ganzes, in all ihren Phasen, und das Finale zieht lediglich einen längst fälligen Schlussstrich, der kein Geheimnis aus seiner gesetzlichen Fragwürdigkeit macht. Sonst müsste Shane schließlich nicht in die Fremde weiterziehen. Er kann seinem Schicksal als einsamer Held nicht entkommen, und liefert damit die perfekte Vorlage für spätere Parodien in Form von „Lucky Luke“ oder Terence Hills Rolle in „Mein Name ist Nobody“.

Dank einer stimmig eingefangenen Atmosphäre, dem guten Herausarbeiten der Charaktere und einer Schauspielergemeinschaft, die ihr Handwerk überzeugend beherrscht, weiß „Mein großer Freund Shane“ in seiner naiven Art nicht nur trotzdem zu überzeugen, sondern genau aufgrund seines simplen Blicks auf die Dinge. Er ist ein Feel Good-Western, bei dem es nicht interessiert, dass Shane eigentlich einen starrsinnigen Idealisten unterstützt, der trotz all seiner ehrlich gemeinten Liebesbeteuerungen der Familie gegenüber für seine Sache Frau und Kind im Stich lassen würde.

Ähnlich wie bei „Braveheart“ wird ein Mann mit einer recht fragwürdigen Haltung ohne großes Hinterfragen zum Guten erwählt, und dass dies beim menschlich nahen und dramatisch orientierten „Mein großer Freund Shane“ besser funktioniert als beim fragwürdig ausgefallenen Vergleichsfilm, liegt sicher in der Extreme Mel Gibsons, dessen Figur geradezu wahnsinnig gezeichnet war, wohingegen Starrett lediglich seine Männlichkeit beweisen muss - typisch Westernfilm eben!

Seine Haltung gehört zum festen Rezept des klassischen Westerns. Das ist sicherlich Klischee, wie so vieles was der Film beinhaltet, aber es gehört zu einem gut funktionierenden Genre-Beitrag nun einmal dazu. Der Erfolg beim Publikum und die sechs Oscar-Nominierungen zeigen dass man dies damals ebenso empfand. 13 Jahre später folgte gar eine TV-Serie, die ebenfalls wie der Film im Original den Titel „Shane“ trug.  OFDb

08.03.2015

CRAZE - DÄMON DES GRAUENS (1974)

So wirklich aufregend ist die Geschichte die hier erzählt wird nicht zu nennen. Um so erstaunlicher ist es, dass mit „Craze - Dämon des Grauens“ ein recht interessantes Stück Horrorfilm abgeliefert wurde, welches trotz seiner eher konservativen Umsetzung nicht mit Blut und nackten Tatsachen geizt, dabei jedoch ein gewisses Niveau einhält, ohne gleich zu einer Schund-Produktion a la „Torso“ oder „Sumpf der lebenden Toten“ zu werden.

Interessant ist die Bodenständigkeit des Stoffes, ist doch die einzig irrational denkende Person des Streifens die Person im Mittelpunkt, der Antiquitätenhändler, und der darf sich gar von seinem Gehilfen anhören wie unsinnig sein Handeln ist und wie naiv es ist zu denken dass es ewig so weitergehen könnte wie bisher. Auch die Polizei ist in ihrem Denken nicht von gestern, beginnt ihre Ermittlungen zwar zunächst aus einem Instinkt, bzw. aus Vorurteilen heraus, liest jedoch gekonnt zwischen den Zeilen und beißt sich in den Ermittlungen fest. Hierfür wird sich auch nicht immer zwingend an die Regeln gehalten, ein Verhör darf z.B. gerne mal den Bereich der Misshandlung streifen, ein weiterer Schnitt in die eigentlich konservative Erzählform des Films.

Da die Fixierung auf den Täter wesentlich höher ist als auf die ermittelnden Kriminalisten, identifiziert man sich trotz fehlender Sympathie mit der Rolle des von Jack Palance so herrlich diabloisch und doch halbwegs bodenständig gespielten Antiquitätenhändlers. Die Geschichte lässt aufgrund ihrer Gewichtung gar nichts anderes zu. Inhaltlich gibt es eigentlich keine Überraschungen zu verzeichnen. Wir begleiten den Bösewicht bei seinen Taten und den Vorbereitungen dieser. Alles verläuft ohne nennenswerte Wendungen. Selbst das Finale ist schlicht gehalten und beendet ohne großen Knalleffekt die simple Geschichte auf vorhersehbare aber zumindest konsequente Art.

„Craze - Dämon des Grauens“ ist kein Geheim-Tipp, aber auch kein uninteressanter Durchschnitt. Die konsequente und durchdachte Umsetzung des Stoffes, Charaktere die ohne große Vertiefung zu interessieren wissen und eine stimmungsvolle Atmosphäre jenseits echtem Spannungspotentials, geschweige denn Grusels, wissen aus einer an sich uninteressanten Geschichte ein nettes Stück 70er Jahre Horrorunterhaltung zu machen, das zumindest der Vielseher des Genres zu schätzen wissen wird. Die Regie dieser britischen Produktion führte Freddie Francis, der u.a. auch für den ersten Bienen-Horror „Die tödlichen Bienen“ verantwortlich war, als auch für „Draculas Rückkehr“, „Nachts, wenn das Skelett erwacht“ und dem Edgar Wallace-Krimi „Das Verrätertor“.  OFDb

28.09.2014

COPS AND ROBBERSONS (1994)

Die VHS-Welt steckt voller kleiner Schätze, die es bislang nicht auf DVD geschafft haben. Das ist im Komödienbereich sogar noch eher der Fall als im hochbeliebten Horrorbereich. Unbekannte Größen wie den 80er Jahre „Summer School“ vermisst man auf dem deutschen DVD-Markt ebenso wie die kleinen sympathischen Werke a la „Als Junge ist sie spitze“, „He‘s My Girl 2“, und „Dr. Alien“. Wenn Stars wie Jack Palance und Chevy Chase mit an Bord solcher Filme sind, darf man sich jedoch zu Recht fragen, welche Copyright-Probleme oder ähnliche Hindernisse bislang eine Veröffentlichung verhindert haben, und mag ein Werk auch noch so unbekannt sein.

In „Cops & Robbersons“ haben beide nicht nur tragende Rollen, sie spielen auch das was der Fan von ihnen sehen will: Palance den harten Hund, wenn auch in Form einer Parodie angegangen und Chevy Chase die Nervensäge vom Dienst. Kaum wer konnte dies mimisch damals besser spielen als er, mit diesem naiv harmlosen Blick, der zum Haupt-Repertoir des talentierten Komikers und Schauspielers gehört. Mit Michael Ritchie hatte man zudem einen Komödien-erfahrenden Regisseur mit an Bord, der in den 70er Jahren den Hit „Die Bären sind los“ schuf, mit Dan Aykroyd „Der Couch Trip“ realisierte und mit Chevy Chase die kurzlebige „Fletch“-Reihe ins Leben rief.

Zugegeben, „Cops and Robbersons“ mag es manches Mal an Tempo fehlen, aber das macht er durch eine handvoll ungewöhnlicher Ideen, treffsicherer Pointen und einem Gespür für schräge Situationskomik wieder wett, beispielsweise wenn zwei sich gegenseitig nicht trauende Gauner auf trockene Comic-Art bei einem Treffen nach und nach feststellen müssen, dass sie sich zurecht gegenseitig nicht getraut haben. Auch der Besuch Robbersons beim zwielichtigen Nachbarn gehört zu den Höhepunkten des Streifens, und man darf es den Verantwortlichen der Story hoch anrechnen, dass einer solchen Situation dafür auch so eine lange Laufzeit zugestanden wurde, um sie auch richtig zelebrieren zu können.

Wer glaubt der Kriminalfall käme zu kurz, der irrt, ist er doch überhaupt nicht das Hauptaugenmerk der Geschichte. Er ist der Auslöser, der am Ende der Geschichte hin zu Ende erzählt werden muss. Eigentlich geht es nur um Nervensäge Norman und den gereizten Jack, und darum dass Letztgenannter das Familienleben zu schätzen lernt, jedoch nicht so moralisch und kitschig verpackt wie in einer Disney-Komödie, sondern passend zu Situation und Charakter und dabei sprudelnd komisch bis zum Schluss, wo der Film zu dieser Thematik direkt vor dem Abspann gleich noch seinen besten Witz bereit hält. Toller Schluss, konsequent und so unglaublich komisch!

Der sentimentalen Familienmomente gibt es zu wenige, als dass man sich über diese aufregen könnte, zumal sie meist, und sei es nur im Aufbau eines Grundtons, eine kommende komische Situation vorbereiten. „Das haut den stärksten Bullen um“ (Alternativtitel) lässt sich für solche Dinge Zeit, ebenso für Charakterentwicklungen und scheinbare inhaltliche Nebensächlichkeiten. Sicherlich ist es nicht zwingend notwendig die Tochter der Familie mit dem jungen Kollegen Jacks zusammenkommen zu lassen, aber ebenso wenig notwendig ist auch die herrlich bescheuerte Idee den jüngsten des Robberson-Clans glauben zu lassen, er wäre ein Vampir. Und daraus zieht „Der Bulle im Ehebett“ (Alternativtitel) einen großen Teil seiner Ideen.

Es ist gerade das Zelebrieren von scheinbaren Nebensächlichkeiten und das bewusste Parken der Hauptideen anderer Filme in zweiter Reihe, was „Cops and Robbersons“ trotz seines mit heutigen Augen zurückgeschraubten Tempos so sehenswert macht. Hier geht es noch um Charme und das Gefühl für herzhafte Komik, irgendwo zwischen albern und stilvoll angesiedelt, und damit nicht nur aufgrund seiner Story-Gewichtung beim Massenpublikum für Unverständnis sorgend. Vielleicht ist Ritchies kleiner Geheim-Tipp, dem der letzten Schritt zur echten Empfehlung fehlt, auch deshalb bislang nicht auf DVD erschienen: massenkompatibel sieht anders aus.  OFDb