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29.10.2017

EVIL TOONS (1992)

Nicht häufig, aber gelegentlich, werden Zeichentrick und Realfilm vermischt und es entstehen Werke wie „Elliott, das Schmunzelmonster“, „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ und „Space Jam“. Dass sich einmal ein Trashfilmer dieser Idee für einen Horrorfilm annehmen würde, überrascht, kann man besagter Person jedoch nicht verübeln, so verlockend wie die Idee klingt. Wer jedoch ernsthaft auf tricktechnische Qualitäten professioneller Produktionen hofft, der geht etwas arg naiv an diesen Stoff heran, ist es doch ein B-Film und zudem noch einer in den Händen von Vielfilmer Fred Olen Ray, dem nur sehr selten funktionierender Schund gelang. Meist kommen eher Gurken wie „Biohazard“ dabei heraus, ein Jim Wynorski oder Charles Band ist Ray wahrlich nicht.

So braucht es auch nicht verwundern, dass der lockende Aufhänger eher Blende als Tatsache ist. Das beginnt damit es, im Gegensatz zu dem was uns der Titel weißmachen möchte, nur mit einem Toon zu tun zu haben, und das mündet in der Idee, dass der Toon kurz nach seiner Freilassung den Körper eines der Teenie-Mädels besetzt und somit als Zeichentrickfigur kaum noch vorkommt. Die Momente, die man zuvor mit ihm zu Gesicht bekam, sind freilich erbärmlich animiert, was in einem B-Trasher aus finanziellen Gründen wohl auch nicht anders geht. Aber zumindest geht die Figur selbst bei schlichter Erwartung als akzeptabel durch, zumal es als Monster nie ernstgenommen werden soll. Dennoch war es im 10 Jahre später folgenden Versuch, sich auf Undergroundfilmbasis dem Thema mit dem Film „Terror Toons“ zu nähern, eine wesentlich bessere Idee mit ausgeflippten Halloweenmasken zu arbeiten, anstatt die Toons tatsächlich Zeichentrickfiguren sein zu lassen.

Auf diese Idee kam Ray zwar nicht, aber wie erwähnt ist dies eigentlich ohnehin egal, so sehr wie der Comic-Dämon optische Nebensache ist, auch wenn er das zentrale Böse des kompletten Filmes in Person von Roxanne ausmacht. Diese wurde, wie unschwer zu erkennen, aus dem Pornobereich geangelt, ein Fakt mit dem Ray allein schon bei der Namensgebung seiner Mädels verschmitzt spielt, trägt doch keine der Reinemachefrauen einen vernünftigen Vornamen. Dies ist nur ein Beispiel dessen, wie humorvoll man an „Evil Toons - Flotte Girls im Geisterhaus“ (Alternativtitel) herangegangen ist, was auch ganz gut so ist, bleibt nach Verschwinden des Toons doch nur die klassische Geschichte dreier Mädels, die sich einem Dämon zur Wehr setzen müssen.

Ray macht sich die Klischees und Fehler des Horrorgenres zu Nutze und gibt diese nicht ansatzweise subtil der Lächerlichkeit preis, sondern durch direktes Benennen besagter Faktoren und durch höchst albernes Agieren wirklich jeden Beteiligten vor der Kamera. Jede Frau darf im Laufe des Films irgendwann einmal nackt werden, Porno-Darstellerin Madison darf Grimassen schneiden und Körperkomik zum Besten geben, und die älteren Mimen machen sich ebenfalls zum Kasper, jedoch etwas würdevoller und gleichzeitig beschämt wirkend. Überzeugt hat diese Leute wohl nur das Taschengeld, welches es mit den Spielen der jeweiligen Rolle zu verdienen gab. Gerade David Carradine sieht man überdeutlich an, dass er nicht wirklich Lust hat sich in seine Rolle hineinzuversetzen. Mit halber Backe agiert er aber immer noch besser als jeglicher Jungmime im Film.

Die Rechnung geht dennoch auf. Eben weil sich „Evil Toons - Flotte Teens im Geisterhaus“ (Alternativtitel) zu keiner Zeit ernst nimmt und die Spielzeit recht kurz ausgefallen ist, lässt sich das billig heruntergekurbelte Treiben überraschend angenehm gucken, zwar immer ein wenig zu bemüht darin wirkend lustig zu sein und darin auf Genreklischees zu verweisen, als kleiner Schundfilm ist er aber durchaus gourtierbar.

Vier Jahre nach „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ wird es nicht gerade dieser Film gewesen sein, auf dessen Erfolg Ray erst Jahre später aufspringen wollte. Schaut man sich das unheimliche Buch an, mit dem das Böse in Rays Film überhaupt erst in unsere Welt gelangt, werden nicht nur inhaltlich Parallelen zu „Tanz der Teufel“ deutlich. Auch das ledernde Gesicht, welches den Umschlag kleidet, klaut äußerlich hemmungslos vom großen Vorbild, dessen Geschichte man sich in schlichterer Form ohnehin komplett bedient hat, ohne in irgendeiner Form dankend darauf zu verweisen. Es muss also nicht wundern, dass „Evil Toons“ im selben Jahr von „Armee der Finsternis“ erschien, dem dritten Teil von Raimis tanzenden Teufeln. Zufall ist das wohl kaum.

Viel Wind muss man nicht um diesen Diebstahl machen. „Evil Toons“ ist ein unbedeutendes Schnellschussprodukt, welches mit seinen Vorbildern in keinster Weise konkurrieren kann. Und die Geschichte besteht ohnehin nur aus Versatzstücken des Genres, die schon seit Jahrzehnten immer wieder verwendet werden. Etwas Neues wird man in Rays Film nicht erleben - mit Ausnahme des minimalen Zeichentrickaspektes innerhalb eines Horrorfilmes. Es ist eher dem Zufall geschult, dass „Evil Toons“ bei geringer Erwartung dem Schundfilm-liebenden Zuschauer zu gefallen weiß. So routiniert wie alles angegangen wurde, hätte es auch ein Langeweiler werden können. Schön dass dem nicht so ist.  OFDb

02.07.2017

FRANKENSTEINS TODESRENNEN (1975)

Ein Jahr bevor Sylvester Stallone mit „Rocky“ zum Weltstar werden sollte, ergatterte er eine große Nebenrolle in „Frankensteins Todesrennen“, einer Roger Corman-Produktion, die zwar so kostengünstig ausgefallen ist wie alle Filme unter dessen Geldgebung, dem man diesen Zustand jedoch nicht so offensichtlich ansieht wie in den meisten Werken des Schundproduzenten. Regisseur Paul Bartel verleiht der spöttischen Science Fiction-Satire einen absichtlich trashigen Anstrich, so dass die Kostengünstigkeit Teil des Stilmittels wird, anstatt als Abstrich eventueller Möglichkeiten zu wirken.

Mit dem damals prominenten David Carradine in der Hauptrolle besetzt, erzählt der Film auf humoristische Art etwas Vergleichbares wie der im selben Jahr erschienene „Rollerball“. Beide kritisieren totalitäre Systeme, verurteilen den Spaß am Voyeurismus (der Gegenwart) anhand einer Sportart der Zukunft und stellen diesen durch tödliche und brutale Übertreibung dar. Beide Werke schaffen es gekonnt ihre Gesellschaftskritik an den Mann zu bringen, auch wenn es „Death Race 2000“ (Originaltitel) diesbezüglich etwas schwerer hat, eben weil er freiwillig schundig, teilweise gar recht albern inszeniert ist. Dennoch wird es nie zu zotig, der Klamauk wird dezent eingebracht und nie zu sehr vertieft. Carradine als ernster Mime hält ebenso dagegen, wie die spannend ausgefallenen Rennszenen.

Da wird zur Überspitzung extrem albern das Mediengeschehen mittels überdrehter Moderatoren dargestellt, meistens arbeitet man aber recht augenzwinkernd und sarkastisch mit der traurigen Normalität der Zukunft, gepaart mit bitteren Andeutungen am Rande, wie der Erwähnung staatlicher Erziehungsanstalten, in welchen die zukünftigen Fahrer regelrecht gezüchtigt werden. Während die Manipulation der Wahrheit recht lustig thematisiert wird, in dem Feinde aus dem eigenen Land als Franzosen umgedichtet werden, zeigt sich manche Kritik auch in ihrer Härte, wenn beispielsweise recht blutig den Passanten auf der Straße das Leben genommen wird.

Dank des Mixes aus allen verwendeten Faktoren wird „Herrscher der Straße“ (Alternativtitel) damit zu keinem zweischneidigen Schwert wie „Running Man“. Bartels Film lebt nicht von dem Voyeurismus, den er gleichzeitig anklagt. Die kurzgehaltenen Gräueltaten sind Mittel zum Zweck, um inmitten eines komödiantisch angelegten Plots auf die Ernsthaftigkeit des Themas hinzuweisen. Sie sind weder das einzige Mittel zu diesem Zweck, noch zu dominant eingebracht. Teilweise geschehen diese Bluttaten gar beiläufig. Das Desinteresse der Figuren diesbezüglich stärkt die Kritik an der ignoranten Zukunftsgesellschaft, und eine übertriebene Charakterzeichnung sorgt für die satirische Distanz.

Herrlich kaputt zurecht gemachte Autos, welche die Karren aus „Die Autos, die Paris auffraßen“ müde aussehen lassen, eine temporeiche Umsetzung und ein pointensicherer Umgang mit der Gesellschaft der Zukunft machen aus „Frankensteins Todesrennen“ eine unterhaltsame, gelungene Science Fiction-Satire, die es auf spaßige Art schafft ernste Bedenken der Gesellschaft der damaligen Gegenwart an den Mann zu bringen. Gerade die kostengünstige, fast schon unprofessionell wirkende Umsetzung wirkt zum Erreichen dieses Ziels vorteilhaft. Bartel hält jedoch immer die Grenze gekonnt im Auge, so dass der Streifen nie wirklich amateurhaft oder dilettantisch ausfällt. Er und Corman wussten genau wie sie stilistisch vorgehen mussten, um das gewünschte Ziel zu erreichen.  OFDb

11.03.2013

FANTASTIC MOVIE (2007)

Vier Waisen geraten auf der Flucht vor einem bösen Schokoladenfabrik-Besitzer in das wundersame Land Gnarnia, das von einer bösen Hexe beherrscht wird. Die Prophezeiung sieht es vor, dass die Vier die Schreckenszeit beenden...
 
Nicht gerade fantastisch...
 
Nach dem schlechten „Date Movie“ und dem hundsmieserablen „Disaster Movie“ war ich kaum guter Dinge, dass „Fantastic Movie“ unterhalten könnte. Da es aber auch noch „Superhero Movie“ gab, der mit einigen Abstrichen eigentlich ganz o.k. war, wagte ich mich doch an diesen Streifen heran, und das obwohl ich im Fantasyfilm eigentlich kaum zu Hause bin.

Um so überraschter war ich, wie viele der hier parodierten, veralberten und zitierten Filme ich kannte. „Fantastic Movie“ war sogar so konzipiert, dass man nicht mal mehr den Originalfilm gesehen haben musste, um zu wissen, was hier gerade verarscht wird. Sicherlich muss man nicht so zitatfreudig sein wie die „Scary Movie“-Reihe, aber etwas tiefer hätte man bei einigen Filmchen schon in die Materie einsteigen können.

Originale, die näher vertieft wurden, waren dann auch gleich zwei Genrewerke, die ich selber noch nicht geschaut habe. Es waren „Charlie und die Schokoladenfabrik“ so wie „Der König von Narnia“. Diese wirkten für Nichtkenner zumindest näher zitiert, genau sagen kann ich es mit meiner Unkenntnis jedoch nicht.

Vom Niveau her ist „Fantastic Movie“ ungefähr vergleichbar mit „Superhero Movie“ und „Scary Movie 4“, beides keine Sternstunden der Parodie, aber Kost die man mit einigem wohlwollenden Augenzudrücken konsumieren kann. Immerhin verläuft sich hin und wieder ein netter Witz ins Drehbuch, und einige Verweise sind mittels Kostüm und Location recht liebevoll umgesetzt.

An „Scary Movie“ orientiert wird der Humor der schwarzen Kultur häufig angewendet. Etwas weniger Rapmusik-Szenen wären dennoch angebracht gewesen, auch wenn sie nicht ohne Charme waren. Wie leider in diesem Subgenre der Komödie mittlerweile üblich ist der Humor meist kindischer Natur. Man tut sich weh, orientiert sich an Körperflüssigkeiten und anderem infantilem Getue. Eine unnötig lange Kotzszene erweist sich als Tiefpunkt des Gezeigten, und ödet allein schon deswegen an, da es schon weit über 15 Jahre her ist, den gleichen und mittlerweile häufig kopierten Gag aus „Ein Satansbraten kommt selten allein“ gesehen zu haben, quasi einer Komödienreihe auf ähnlich banalem Niveau.

Hin und wieder musste ich schmunzeln, als Ausnahme gab es auch mal richtige Lacher, die im Meer an Reizüberflutung jedoch schneller wieder vergessen sind, als es gut für den Kopf wäre. „Fantastic Movie“ und Co –Filme für das Unterbewusstsein? Hoffentlich nicht, das würde bleibende Schäden hinterlassen.

Auf ganz einfacher Ebene schaffte es „Fantastic Movie“ mich aber immerhin zu unterhalten. Und das, obwohl ich nicht einmal zum Zielpublikum gehöre. Der Film ist gar nicht für greise Mittedreißig-Jährige wie mich gedacht, sondern für die Jugendlichen und manch älterer Gestalt, die sich Kultur lediglich aus dem Bereich der Popkultur gönnt. Und diese werden sicherlich begeisterter sein als ich. Man muss auch einmal akzeptieren können, dass nicht jeder Film für jeden gedreht wird.  OFDb

28.12.2012

CRANK 2 - HIGH VOLTAGE (2009)

Chev ist erstaunlicherweise nicht tot. Als er einige Zeit nach seinem Sturz erwacht, muss er feststellen dass er zwar von ärztlichen Versorgungsgeräten umgeben ist, diese lebenserhaltenden Maßnahmen jedoch nicht seinem Wohl sondern vielmehr seinem Erhalt dienen. Denn ein mächtiger Mann nutzt den Halbtoten als Organlager. Chev wurde das Herz herausoperiert, und dies will der mittlerweile wieder springlebendige Mann zurück haben. Mit Hilfe eines mechanischen Herzersatzes macht er sich auf den Weg seinen stärksten Muskel zurückzuerobern. Zu dumm, dass der mechanische Ersatz dank leergewordener Batterien immer wieder Stromstöße benötigt, um nicht auszufallen...

Kopierter Kult...
 
Crank“ war provozierend, einfallsreich, rasant und einfach anders. Es war ein eigenständiges Werk von Leuten, die im Bereich des Actiongenres einfach mal etwas anderes wagen wollten. Der Erfolg gab ihnen recht, und wo Erfolg ist, da muss auch eine Fortsetzung her.

Was aber passiert wenn man Kult und Klasse versucht nachzuahmen? Bereits „Shock Treatment“, die Fortsetzung der erfolgreichen „Rocky Horror Picture Show“ lieferte in den 80er Jahren die Antwort. Wenn man etwas Außergewöhnliches kopieren will, dann geht man meist die äußeren Symptome an, die Kult aussehen lassen, als wäre dies ihr Herzstück gewesen. Ein solcher Versuch endet meist mit dem, wovon Horrorfilme mit Klonthematik berichten: Das Duplikat wird eine seelenlose Hülle.

„Crank 2“ hat einen gewissen Unterhaltungswert, den ich ihm nicht abstreiten möchte. Aber er ist zum einem auf recht niedrigem Niveau angesiedelt und zum anderen nicht stark genug, um einen kompletten Film zu füllen. Der Versuch mit immer neuen, schrägen Ideen das Tempo zu halten sorgt irgendwann für Ermüdung, zumal nichts einer klaren Linie folgt und jederzeit alles möglich ist, was in diesem Falle zu Desinteresse führt.

Teil 1 steckte ebenso voller schräger Ideen. Es gab jedoch einen wichtigen Unterschied: All diese skurrilen Situationen bauten auf einer Grundidee auf, die konsequent weitergeführt wurde. Klar herrschte in dieser comicartigen Welt Unlogik, innerhalb der Grundidee blieb man auf weltfremder Art jedoch konsequent und setzte einem erweiterten Gedanken immer den nächsten Schritt nach.

Sicherlich ist der Aufhänger der Fortsetzung auch nicht ohne, er ist im Comicsinne sogar eine richtig gute Idee um Chev ins nächste Abenteuer zu jagen. Aber dieser Grundstein hat diesmal nicht das Potential des endlosen Rattenschwanzes von Teil 1, so dass sich die Erfinder der Geschichte genötigt sahen zusätzliche schräge Ideen einzubauen, die mit dem Grundszenario nichts zu tun hatten.

Und da liegt der Hund nun begraben. Genau an dieser Stelle wird aus lässigem Kult der verkrampfte Versuch ebenso schräg zu sein, wie der Vorgänger, vielleicht sogar der Wunsch Teil 1 in diesem Punkt zu toppen. Doch Fehlanzeige! Zwar kann man vielen der Ideen ihre Sympathie nicht absprechen, aber sie sind nicht kompatibel in die Geschichte integriert. Die Geschichte unterstellt sich den schrägen Ideen, sie sind nicht mehr dazugehörender Teil des Erzählten.

Ein Filmemacher des Popkornkinos muss sich jedoch an der Geschichte orientieren. Das ist eine Regel, die im modernen Kino häufig gebrochen wird, aber nur noch ein anspruchsloses Publikum in die Lichtspielhäuser lockt. Das Ergebnis ist der Knalleffekt, nicht mehr der Wunsch den Konsumenten etwas zu erzählen.

Komplett verkehrt wurde „Crank 2“ jedoch nicht angegangen. Der visuelle Stil des Erstlings wird beibehalten und arbeitet auch mit neuen Ideen. Leider darf Google schon wieder penetrant werben, das fanden viele in Teil 1 bereits cool, ich finde so etwas jedoch immer kontraproduktiv.

Man war bemüht viele Figuren des ersten Teiles wieder auftauchen zu lassen. Das zeigt die Liebe zu Teil 1, wird jedoch nicht immer auf die angenehme Art umgesetzt. Das skurrilste Wiedersehen gibt es gegen Ende, und da „Crank 2“ ein starkstromartiger Comicstrip ist, ist die dortige Übertreibung mit der Rückkehr eines alten Bekannten durchaus sympathisch zu nennen. Hier wird die Fortsetzung noch bekloppter als ohnehin schon und dem Darsteller sieht man die Spielfreude seines kurzen Gastauftrittes auch deutlich an.

Negativ fällt eine gefakete Rückkehr auf, die durch einen Zwillingsbruder erklärt wird. In einem solchen Moment macht „Crank 2“ den Eindruck man säße vor einer Endlos-Soap, in der nach Jahren wer Verstorbengeglaubtes auf mysteriöse Art zurückgekehrt ist. Nicht zu Unrecht wurde solche Drehbuch-Faulheit von „Loaded Weapon 1“ seinerzeit kritisiert und parodiert. Über ein Jahrzehnt später hat man es noch immer nicht begriffen. Und trotz deutlicher Augenzwinkerei in besagter „Rückkehr“ stößt die Einfallslosigkeit dieses Punktes sauer auf.

Zielpublikum dürfte letztendlich das unreife Publikum sein, welches Teil 1 fälschlicher Weise als cool betrachtet. Das erwachsene Publikum, das in Teil 1 noch willkommen geheißen wurde, wird in der Fortsetzung ausgegrenzt. Aus Produzentensicht ist das sicherlich nachvollziehbar, immerhin ist es das schnell zufriedenzustellende Publikum, welches das meiste Geld im Kino bei Fortsetzungen lässt. Warum sollte man auf das eher kritische Publikum setzen, dem es schwer recht zu machen ist? Das würde Mühe und Talent fordern.

In „Crank 2“ wurde einiges richtig angegangen, aber vieles verkehrt gemacht. Leider ist die Überdosis schräger Ideen ermüdend statt aufpuschend, weshalb das Werk auch als Hirnlos-Popkornprodukt in meinen Augen leider nicht funktioniert. Der unsinnige „Stirb langsam 4.0“ ist da schon unterhaltsamer. Der wie immer gut besetzte Jason Statham kann einiges rausreißen, aber auch er kann nicht gegen krampfhaften Kult und unsinnigen Wiederholungen, wie der öffentlichen Sexszene, ankommen. Der gute Mann ist ein Schauspieler und kein Zauberer.  OFDb

18.12.2012

AMERICAN MONSTER (1982)

Eine geflügelte Kreatur nistet sich hoch oben in einem Gebäude ein und greift sich ab und an Menschen. Ein kleiner Gauner stößt auf das Nest der gesuchten Bestie, will ihren Standort aber nicht verraten ohne dafür gut entlohnt zu werden...

Ist es ein Vogel? Ist es Superman? Nein es ist...AAAAARGH!!!... 
 
Seit Mitte der 70er Jahre war die harte Horrorwelle immer beliebter geworden. Grund genug Anfang der 80er einmal auszuprobieren, wie sich ein Mix aus harter Effekte und klassischer Monsterthematik miteinander vertragen würden. So entstand „Q“ (Originaltitel), ein Film der inhaltlich ein wenig an „Angriff der Riesenkralle“ erinnert.

Das moderne Gefallen an Härte wurde leicht zurückversetzt, mit einem klassischen Monster war reines Terrorkino kaum denkbar, aber es sollte dennoch einiges Blutiges zu sehen sein. Dies betrifft jedoch nicht alte deutsche Veröffentlichungen. Wie der englische Untertitel in der deutschen DVD-Fassung verrät, wurde so ziemlich jede blutige Szene aus dem fertigen Film entfernt, so dass einige wirklich nett gemachte Goreeffekte und auch manch netter Dialog von dannen ging. In der neuen deutschen Fassung ist dies alles zu sichten, und der Fan darf sich freuen.

„American Monster“ ist ein richtig kurzweiliger Beitrag des Monsterfilms geworden. Er weiß nicht nur in den Szenen mit dem Ungeheuer zu gefallen, er ist ohnehin recht interessant erzählt. Gute Dialoge, ungewöhnliche Situationen und in erster Linie interessante Charaktere wissen die Lücken zwischen den einzelnen Monsterszenen kurzweilig zu füllen. Der interessanteste, da schrulligste, Charakter bekam in der Synchronisation die deutsche Stimme Dr. Emmet Browns aus „Zurück in die Zukunft“, eine so herrlich abgedrehte Stimme, dass es das ein oder andere mal durch ungewöhnliche Reaktionen der Figur zu gewollten Lachern kommt. „American Monster“ rutscht dennoch nie in das Gebiet der Horrorkomödie ab, es ist nur winzige Belustigung am Rande.

Die besagte Figur ist ein Anti-Held, ein Kerl der von einem Scheißhaufen des Lebens in den nächsten tritt, ein Mann mit herrlich menschlichen und dämlichen charakterlichen Schwächen. Ihm gegenüber steht die Figur eines Polizisten, verkörpert von David Carradine, der sich mit Kollegen herumschlagen muss, die ihm seine ermittelte, ominöse Story nicht abkaufen wollen, und der, gutes Drehbuch sei dank, trotz einer Sympathierolle auch die fragwürdigen Charakteristiken eines Gesetzeshüters verkörpern darf. Hier sei als Beispiel nur einmal der Versuch plumper Gehirnwäsche genannt, in dem er und ein Kollege versuchen dem arroganten Pechvogel mit der Doc Brown-Stimme Schuldgefühle einzureden, weil er das Versteck des Nestes erst so spät verriet.

Etwas weniger gelungen sind die Monsterszenen. Das Vieh selbst sieht recht interessant aus, seine Bewegungsabläufe sind allerdings recht plump umgesetzt, gerade auf seine Zeit gesehen. Nur wenige Jahre später zeigte man in „House“ wie nett man eine fliegende Kreatur durch Stop Motion animieren kann, und bereits zur Stummfilmzeit durfte man in „Vergessene Welt“ genialere Animation sichten, in den 30ern sah man später auch in „King Kong und die weiße Frau“ den wesentlich besseren Einsatz von Stop Motion als ca. 50 Jahre später hier in „Q“. Das ist schon etwas erbärmlich, wird aber immerhin wieder gut gemacht durch die hier im Review erwähnten positiven Elemente.

„American Monster“ ist kurzweilige Monsterfilm-Unterhaltung geworden. Immerhin ist er der nette Versuch Horrorelemente verschiedener Jahrzehnte zu vereinen, und dank der frühen 80er hat er noch den Individualitätsbonus im Bereich Dialog und Charakter, den amerikanische Popkornfilme gerade ab diesem besagten Jahrzehnt langsam verloren haben.  OFDb