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28.10.2018

WIR FEIERN CHARLIE BROWN (1982)

Ein Jahr bevor die Peanuts-Comicfiguren im Fernsehen nach diversen Kurzfilmen in Serie gingen, erschien das Special "Wir feiern Charlie Brown", welches vom Schöpfer der liebenswerten Kreaturen Charles M. Schulz höchst persönlich mit einem Kommentar eingeleitet wird und neben diverser Kurzsequenzen vier längere Episoden beinhaltet. Der Zeichenstil ist, wie schon in den Kurzfilmen, sehr direkt an der Comicvorlage orientiert, lediglich ein paar Spielereien gönnt man sich, die auf dem Papier nicht möglich waren. Hervorhebenswert wäre diesbezüglich Snoopy als von Woodstock gesteuerten Hubschrauber, dessen Ohren herrlich albern propellerartig rotieren.

Zwar wissen die Stimmen im Original zu gefallen, zu empfehlen sei jedoch die schwungvoller ausgefallene Deutschvertonung, die auf der deutschen DVD-Veröffentlichung leider nicht mit enthalten ist. Da "A Charlie Brown Celebration" (Originaltitel) lediglich als Bonusmaterial auf der 12. und letzten DVD-Edition zur Serie "Peanuts - Die Charlie Brown und Snoopy Show" enthalten ist, muss man leider Vorlieb mit dem englischen Ton begleitet von deutschen Untertiteln nehmen. Da es sich bei der Auswahl der hier präsentierten Kurzgeschichten jedoch um tolle Ideen in humorreicher Umsetzung handelt, lohnt sich das Sichten definitiv trotzdem. 

Traditionsgerecht bekommt jede bekanntere Figur des Peanuts-Universums einen ausfüllenden Auftritt, bei welchem die aus den Comics bekannten Rituale brav eingehalten werden, inklusive mancher Ausnahme vorhandener Running Gags. Wie das zunächst traurige Thema um Charlie Brown im Krankenhaus in einem großen Lacher für die treuen, eingeweihten Peanuts-Fans endet, ist allein diesbezüglich das Reinschalten wert. Und als Highlight darf man Peppermint Patty dabei beobachten wie sie ahnungslos das Diplom auf einer Hundeschule absolviert, ohne dass ihr irgendwer der Erwachsenen mitteilt, dass dies keine Privatschule für Menschenkinder ist. Hier siegt die Vorstellung als Lacher, da die Erwachsenen gewohnter maßen freilich nicht gezeigt werden und nur über eine Tuba vertont werden. Die herrliche Böswilligkeit Schulzes, die wie immer nur unterschwellig mitschwimmt, ist hier auf einem herrlich schadenfreudigen Hoch.

So bleibt nur zu sagen, dass man "Wir feiern, Charlie Brown" (Alternativtitel) gerade als treuer Fan der Comicfiguren unbedingt gucken sollte. Und auch Neulingen kann man zu diesem 45minütigen Ausflug in die Welt der Peanuts raten, eben weil er wundervolle Highlights präsentiert, die auch dann funktionieren, wenn man die Running Gags der Comics nicht kennt. Allein die Soundkulisse weiß wie gewohnt zu gefallen. Die Peanuts-typischen Schreie bei Stürzen und anderweitigen Unfällen, die liebevoll zurückhaltende Jazzmusik im Hintergrund, das Gebrabbel von Snoopy, das alles ist eine Bereicherung zu den ebenfalls genialen Ergüssen auf dem Papier. Lediglich der Kurzfilm "Wer hat das Nest geklaut, Charlie Brown?" weiß meiner Meinung nach dieses TV-Special noch zu toppen.  OFDb

03.12.2012

WER HAT DAS NEST GEKLAUT, CHARLIE BROWN? (1974)

Der kleine Vogel Woodstock kommt von einem abenteuerlichen Bad zurück und muss feststellen, dass sein neu gebautes Nest gestohlen wurde. Er wendet sich flink an seinen Freund, den Hund Snoopy, der sich mit ihm auf den Weg macht zu ermitteln und Verdächtige Personen zu verhören...

Asche zu Asche und Staub zu Staub...
 
Die meisten Peanuts-Kurzfilme sind nette kleine Werke für zwischendurch, nicht immer ganz so gut wie es ihnen angedichtet wird, dennoch ziemlich nah an der Qualität der Comics. Schlechte gibt es nur wenige, aber zu den richtig großartigen 20-Minütern zähle ich persönlich bisher nur "Wer hat das Nest geklaut, Charlie Brown?", den mit Abstand besten Teil der Reihe.

Das fängt bereits bei der Musik an. Die Jazz-Musikuntermalung ist ohnehin immer gelungen (und das sage ich als jemand, der mit Jazz an sich nichts anfangen kann), die Geschichte wird diesmal allerdings von einem besonders flotten und atmosphärischem Vertreter dieser Musikgattung begleitet, und so weit ich die anderen Filme in Erinnerung habe kam es auch nie wieder woanders vor.

Nach einer wunderbaren Einstiegsszene eines Vogels in Seenot, während eines tobenden Sturmes im Vogelbecken im Garten, aus der Sicht Woodstocks, und nach der daraufhin besonders lustigen Variante das Becken im Nachhinein aus Menschensicht betrachten zu dürfen, geht der Film eigentlich erst mit seiner Geschichte los. Denn nach dem ereignisreichen Bad ist Woodstocks Behausung nicht mehr aufzufinden. Es wurde gestohlen. Natürlich wendet er sich an seinen besten Freund Snoopy, der daraufhin mit Detektivhut, Lupe und Seifenblasenpfeife den Dieb suchen geht.

Der Versuchung nun "Sherlock Holmes" und Co zu parodieren wird widerstanden. Charles M. Schulz wendet sich in dieser Geschichte unbeirrt wie gehabt seinen eigenen Ideen zu, und die sind richtig lustig. Zu den Running Gags gehört der ewig durch die Seifenblasenpfeife nass werdende Vogel, der selbst in späteren Fluchtszenen vor den gefürchteten Blasen nie trocken aus der Situation herauskommt.

Snoopy selbst bleibt wie gehabt stumm, brabbelt nur etwas undeutliches vor sich, wie er es in den Filmen seit je her hin und wieder tut, und daraus wurde ein weiterer guter Witz gezogen. Snoopy geht nämlich nun von Haus zu Haus, die beliebten Kinderfiguren der Comics bezüglich des Nestes befragen. Und so kommt er auch an die Haustür Marcys, der intellektuelldummen Freundin Peppermint Pattys. Diese findet es albern jemand so undeutlich Sprechenden zuzuhören und macht schließlich die Türe zu, nachdem Snoopy trotz mehrfacher Aufforderung einfach nicht deutlicher wird: "Was Sie da reden ergibt keinen Sinn!"

Noch besser geht es diesmal bei Linus und Lucy zu. Der weise Linus nervt diesmal mit ständigen "Asche zu Asche und Staub zu Staub"-Sprüchen, die in dem plumpen, aber sehr lachfördernden Satz seiner Schwester gegenüber enden mit: "Asche zu Asche und Staub zu Staub. Bei dem was Du redest wird jedermann taub."
 
So schlendert der Film von einem guten Witz zum nächsten, mixt Running Gags wunderbar mit neuen, und bietet für einen so kurzen Film doch einiges an Storywendungen. Das diese vorhersehbar sind dürfte aufgrund des kindlichen Themas sicherlich egal sein. Zumindest kommt es noch zu einer Gerichtsverhandlung in der geklärt werden muss, ob das Nest nun dem Vogel oder dem Entwender gehört.

Wo manche Gefühlsduselei oder endlose Musikstücke in anderen Peanutsfilmen beginnen zu nerven, konzentriert man sich hier auf die zwei wichtigsten Elemente der Comics: die Charaktere und den Humor. Es wäre schön gewesen, man hätte dies in den Peanuts-Kurzfilmen öfters beherzigt.  OFDb

SNOOPYS ALPTRAUM (1978)

Nachdem Charlie Snoopy vorwirft zu zivilisiert zu sein hat der Hund einen Alptraum. In diesem ist er ein Schlittenhund, allerdings zivilisiert wie sonst auch. Die anderen Hunde sind wild, hier herrcht das Gesetz der Natur. Das Leittier gibt die Kommandos, die anderen haben zu gehorchen. Snoopy selber erwischt beim Essen stets nur die Reste, die die anderen Hunde ihm übrig lassen. Die harten Schlittenfahrten rauben ihm die Kräfte. Damit er nicht eingeht erwachen in Snoopy die Urinstinkte und er verwandelt sich in einen wilden Hund...

Das Tier im Tier...
 
Seit jeher liegt die Komik Snoopys mitunter darin, dass er zivilisiert ist. Was wenn dem nicht so wäre? Ein interessanter Gedanke den Charles M. Schulz da hatte. Und so erzählt dieser Kurzfilm von einem Alptraum Snoopys, in dem er sich unter Schlittenhunden wiederfindet und zwar so wie Snoopy nun einmal ist. Da er aber keine Chance gegen die "wilden" Hunde hat, und vom Essen höchstens die Abfälle abbekommt, erwachen irgendwann in ihm die Urinstinkte zum Selbstschutz.

An "Snoopys Alptraum" stimmt viel. Die Einleitung ist interessant und gewitzt, die Schlittenhundidee ist in ihren beiden Phasen einfallsreich und unterhaltsam, und damit das ganze auf 20 Minuten passt, darf man noch eine lustige Kneipenszene mit Snoopy erleben, in welcher der Hund für Trinkgeld auf einem automatischen Klavier "spielt".

Leider reichte dies aber noch immer nicht für die leicht über 20 Minuten laufende Pflichtzeit eines Peanuts-Kurzfilmes aus. Und da füllte man nun Material an den falschen Stellen. So lustig die Schlittenhundmomente auch sind, sie wurden gestreckt. Unnötig lange sieht man immer wieder das gleiche Leiden Snoopys. O.k., es dauert schließlich bis die Not so groß ist, dass man dem Verhungern nahe ist, aber interessant ist das auf Dauer für den Zuschauer nicht.

Ansonsten ist alles wie gehabt: die Story stammt, wie alle Peanutsgeschichten, aus der Feder von Schulz, die Regie übernahmen peanutserfahrene Männer, die Animation ist wieder einmal geglückt (simpel aber effektiv) und die Figur des Snoopy ist ohnehin einzigartig lustig und zudem süß gezeichnet. Die Musik kommt erneut aus dem Jazz-Bereich, es gibt in all diesen Punkten wirklich nichts sonderlich hervorzuheben gegenüber den anderen Kurzfilmen der Peanuts.
 
Einziger Wermutstropfen der Fans dürfte es sein, dass wegen der Geschichte die anderen Peanuts-Charaktere arg an den Rand gedrängt wurden bzw. gar nicht vorkommen. Innerhalb der Traumsequenz selbst lebt Snoopy ohnehin nur unter Fremden. Letzten Endes ist diese Herangehensweise allerdings konsequent zu nennen und nicht ganz so ernüchternd wie in „Die Simpsons – Der Film“. Ich hatte auf jeden Fall meinen Spaß im Alptraum Snoopys, schließlich ist es eine Ausnahme den Hund statt seines Herrchens leiden zu sehen. Es ist nur schade dass sich kurze Nervmomente eingeschlichen haben.  OFDb

07.10.2012

CHARLIE BROWN UND SEINE FREUNDE (1969)

Der ewige Verlierer Charlie Brown nimmt an einem Buchstabier-Wettbewerb seiner Schule teil und gewinnt sogar für alle überraschend. Doch was Charlie nicht wusste: Nun muss er seine Schule bei einem nationalen Wettbewerb vertreten...

Ein Verlierer siegt um zu verlieren...
 
Die Peanuts sind, dank ausgezeichneter Charaktere und einem Mix aus alberner und tiefsinniger Komik aus dem Leben, einfach Kult. Nur wenig Comicfiguren unterhalten verschiedene Generationen über Jahrzehnte hinweg wie die von Charles M. Schulz auf Papier gezeichneten Gestalten.

Auch in Filmform wissen die Geschichten der Peanuts zu gefallen, das ist nichts selbstverständliches. Comichelden wie „Lucky Luke“ und „Asterix, der Gallier“ warten noch immer auf eine würdige Verfilmung. Vielleicht wäre ihnen geholfen, wenn man die Sache so angehen würde wie bei den Peanuts. Diese sind nämlich in ihren Kurzfilmen am besten. Keiner der 4 Langfilme konnte je an das Niveau der Charlie Brown-Kurzfilme heranreichen.

Nun ist der hier besprochene Film nicht sonderlich schlecht ausgefallen, aber auch nicht sonderlich gut, zumal "Charlie Brown und seine Freunde" meiner Meinung nach nach „Snoopy kommt nach Hause“ sogar der gelungenste der vier Langfilme ist. An diesem kleinen Film für die ganze Familie stimmt einfach vieles. Die Geschichte um den Buchstabierwettbewerb ist ein typisches Alltagsbeispiel aus dem Leben an amerikanischen Schulen, aus der sich direkt und indirekt viel Humor herausarbeiten lässt.

Da auch alle wichtigen Figuren des Peanuts-Universums auftauchen (und das nicht nur am Rande) ist für jede Menge Spaß gesorgt. Nebenhandlungen wie Linus, der etwas voreilig seine Schmusedecke verschenkt hat, sind Lachgranaten. Und auch das pflichtmäßige Scheitern Charlie Browns, auf das mit einem guten Spannungsbogen hin gearbeitet wird, ist eine hervorragende Pointe, wie sie ein lustiger Film auch verdient hat.

Die Zeichnungen sind wie immer schlicht, müssen aber auch so sein. Wohl kaum ein Freund der Filme und Comics würde sich eine Verfilmung in einem professionelleren Zeichentrickstil wünschen. Die Musik ist wieder Jazz, den man entweder mag oder auch nicht. Das deutsche Hauptthema trägt uns ein deutscher Schlagerbarde vor, den ich für den trashigen Überraschungseffekt, für Freunde die das Werk noch nicht kennen, mal nicht verraten möchte.

Ja, "Ein Junge namens Charlie Brown", so der Alternativtitel, hätte wirklich das ultimative Vorzeigewerk filmischen Peanuts-Schaffens werden können. Aber scheinbar wollte man den Film provokativ auf Spielfilmlänge strecken, und so schlichen sich völlig unnötige, und dazu noch extrem nervige, Zeichentrick-Musiksequenzen ein. Man ist zwar bemüht, diesen einen künstlerisch wertvollen Touch zu verpassen, die Wirkung und das Staunen vergleichbarer Filmszenen (wie z.B. die Betrunkenenphantasie in "Dumbo der fliegende Elefant") bleibt aber aus.

Das liegt in diesen Szenen dann doch an der Schlichtheit der Animation, gepaart mit den mangelnden Ideen und der in diesen Szenen nervtötenden Musik. Im Gegensatz zum eben erwähnten „Dumbo“ wird man mit diesen Zwischensequenzen zudem totgeschlagen. Der Film um den fliegenden Elefanten hatte nur eine solche Szene, und diese war zudem wichtig für den weiteren Verlauf der Geschichte, ja sogar elementar um zu verdeutlichen, warum die Geschichte Dumbos überhaupt erzählt wird. Die Musikszenen in "Charlie Brown und seine Freunde" sind einfach nur unnötig und lieblos. Und wenn in der Ausnahme eine interessantere auftaucht, wird diese durch zu lange Laufzeit auch zunichte gemacht.

Manch anderen Film hätten diese Szenen komplett zerstören können. Dieses Werk hat aber einfach das Glück eine so gelungene Geschichte, mit bekannten und interessanten Charakteren und jeder Menge Humor für Groß und Klein, als Grundlage zu haben, dass das Sehvergnügen zwar erheblich erschüttert wird, der Film aber dennoch ein spaßiges Happening bleibt. Er ist nur leider kein kurzweiliges Happening.  OFDb