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04.02.2024

GHOSTBUSTERS - LEGACY (2021)

Ich frage mich wie die Netzgemeinde "Ghostbusters: Legacy" aufgenommen hätte, wenn der anstrengende "Ghostbusters" 2016 nicht gewesen wäre, der die Erwartungen der alten Fans mit Füßen trat. Wäre es ihnen ergangen wie mir? Hätten sie sich gefragt, warum man nach etlichen Jahren eine Kinder-Abenteuer-Version aus der direkten Fortsetzung zu Teil 1 macht? Und warum wurde "Ghostbusters 2" ignoriert? Klar konnte der nicht mit dem Erstling mithalten, aber sympathische Momente besaß er durchaus. Wie auch immer, sicher ist "Ghostbusters: Afterlife" (weit besserer Originaltitel) als Weiterführung des 80er Jahre Hits würdiger ausgefallen, als der bizarre Vorgänger. Und sicherlich erfreut es so manchen, der mit den Ur-Filmen groß wurde, die noch lebende Originalbesetzung, wenn auch verspätet und viel zu kurz, in ihren Paraderollen ein weiteres Mal sichten zu dürfen. Ob jedoch die Computerwiederkehr von Harold Ramis erwünscht ist, ist sicher eine Frage, welche die Geister scheidet. Freute ich mich zuvor noch, dass man sein Äußeres zu Beginn des Streifens nur andeutete, so gibt es gegen Ende die volle Breitseite an CGI-Wiedererweckung, liebevoll gemeint, das zeigt auch der anschließende Schriftzug, aber eben doch bitter anmutend, wenn ein Toter nicht mehr gefragt werden kann. 

Letztendlich ist "Ghostbusters 3" (Alternativtitel) trotz manchem Retro-Rezept für eine andere Generation gedacht und ganz anderes ausgefallen, als die 80er-Versionen des Stoffes. Wie bereits erwähnt ist alles als Kinderabenteuer umgesetzt, in welchem die jungen Protagonisten so manches Geheimnis entdecken, das dem Zuschauer von einst bereits bekannt ist. Diese eher Kinder-orientierte Geschichte kommt in ihren Geistermomenten düsterer als die Erwachsenenversion daher, fühlt sich damit eher nach leichter Horroranlehnung an, anstatt wie damals nach Fantasy, und der Humor plätschert nur noch ganz leicht, schlicht und ziemlich unkreativ mit, so dass der Begriff Komödie eher großzügig anmutet. Es wird kopiert, imitiert, variiert und ein modernes Standardgerüst heutiger Kinozeiten präsentiert. Technisch ist man freilich auf hohem Stand. Kleine Insiders sind gesät, so wie Beispielsweise der Verweis auf Produzent Ivan Reitmans Frühwerk "Cannibal Girls", welches er 11 Jahre vor "Ghostbusters" drehte, oder weit weniger versteckt die Anspielung auf den Endgegner von einst, der nun in "Armee der Finsternis"-Tradition in einer Gruppe von Zwergversionen so manchem das Leben zur Hölle macht. Das sieht nett aus, ist aber so wenig witzig wie im Vorbild mit Bruce Campbell, wobei dies das junge Zielpublikum sicher anders sieht. 

Mir persönlich ist "Ghostbusters: Legacy" zu routiniert und einfallslos ausgefallen, um mich den begeisternden Worten vieler Freunde des Originals im Netz anzuschließen. Nach dem schrillen Vorgänger kommt er wesentlich entspannter daher, definitiv, aber ein würdiger Nachfolger nach fast 40 Jahren ist er ebenfalls nicht geworden. Da Ivans Sohnemann Jason Reitman für Regie und Drehbuch verantwortlich war, verärgert die uninspirierte Geschichte umso mehr, lieferte er doch mit "Thank You for Smoking" (Buch), "Juno" (Regie) und "Up in the Air" (beides) beeindruckende Werke ab.  Wiki

17.09.2022

AVENGERS 4 - ENDGAME (2019)

Thanos mag in meinen Augen nach wie vor nicht der mächtige Gegner sein, der eine derart gewichtige Position zu füllen weiß, aber zumindest sind es die Ereignisse im letzten Drittel, welche die Zusammenkunft der fast kompletten Marvel-Superheldenschar nötig macht, ein Zustand der für mich in Teil 3, an welchem Teil 4 direkt anknüpft, nicht gegeben war. Ohnehin ist der zweite Teil um die Infinity-Steine interessanter ausgefallen, ist für mich aber trotzdem nicht das hochgradige Kinoereignis, das er in seiner prachtvollen Art gerne sein würde. Tut mir leid, aber wenn tragische Momente im Dialog mit einem CGI-Waschbären vorgetragen werden, stößt es meinem bei solchen Sichtungen ansonsten gut verdrängtem Erwachsenen-Ich geradezu lächerlich auf. Derartiges funktioniert einfach nicht. Ein unangenehmer Hulk, der quasi durch einen dauerhaften Mittelzustand nun gezähmt ist und eine oberste Zauberin aus dem "Doctor Strange"-Universum, die sich über die Zukunft des Doktors mehr im Klaren ist als zum späteren Zeitpunkt in besagtem Film, sind Schwächen inmitten eines Werkes das nicht kleckert sondern klotzt, sich bei dem Staraufgebot und der Anzahl vieler Figuren derartiges ruhig auch leisten kann, aber eben stets hauptsächlich Quantitäten anstatt Qualitäten serviert. Zumindest sind viele gute Schauspieler mit am Start. Von einem muss man sich aus dem Marvel-Universum endgültig verabschieden, was im Gegensatz zu dem Waschbärenbeispiel auch überraschend emotional zu wirken weiß, selbst wenn man, wie ich, vor dem Sichten bereits davon wusste, dass es passiert. Ansonsten bietet "Avengers - Infinity War - Part 2" (Alternativtitel) solide Actionunterhaltung mit allerhand humorvoller Momente, spannenden Ereignissen, interessanter Wendungen, aber auch vielen zu gewollt erscheinenden Momenten (der bequem gewordene Thor zum Beispiel) und jeder Menge Oberflächlichkeiten. Da ich mit meiner Kenntnis der drei Vorgänger genau auf ein derartiges Ergebnis eingestellt war, konnte ich mich mit diesem meist anspruchslosen Effektgewitter jedoch gut arrangieren und wurde dementsprechend kurzweilig unterhalten.  OFDb

08.03.2022

HALLOWEEN 6 - DER FLUCH DES MICHAEL MYERS (1995)

Teil 6 setzt "Halloween 5" vom roten Faden her konsequent fort. Nachdem Laurie dran glauben musste, verstirbt nun auch Jamie, die freilich vorher Mutter geworden ist, so dass Myers, wie seit "Halloween 2" üblich, sich weiter seiner Familie widmen kann. Warum er das will und warum er es in so unregelmäßigen Abständen versucht, versucht der hier besprochene Teil der Reihe zu erklären, indem er den Handlungsstrang aus dem Vorgängerfilm um einen Kult, der Myers kontrolliert, vertieft. Dass keiner ernsthaft Myers als Werkzeug einer okkulten Sekte sehen wollte und dies der Reihe noch mehr zur Sackgasse verhilft als es bereits der familiäre Aspekt tut, ändert nichts daran, dass "Halloween 6 - Der Fluch des Michael Myers" solide genug erzählt ist, um auf schlichter Ebene zu unterhalten. Dass die mittlerweile fünfte Geschichte um den Killer Michael nicht komplett überzeugen kann, liegt weniger an dem dadurch erlangten Verlust der Mystik und jenem der ureigenen inhaltlichen und analytischen Gesetzmäßigkeiten der Reihe, es liegt vielmehr an der stiefmütterlichen Art wie der Film umgesetzt wurde, so lückenhaft und sprunghaft wie er oftmals daher kommt, so lieblos wie er mit Figuren und ihrer Wichtigkeit umgeht, so sinnlos wie er Myers überall jederzeit auftauchen lässt, und so schnell abgefilmt wie der Streifen scheinbar wurde, wenn man bedenkt wie oft man allein schon das Mikro im Bild zu sehen bekommt. 

Dass man nicht zwingend Regisseur Joe Chappelle die Schuld geben kann, obwohl viele auch seine Arbeit an "Hellraiser 4" verurteilen, erkennt man an manch spannend umgesetzten Szenario (gerade im Finale in der (warum auch immer) fast leer stehenden Anstalt) und an seiner geglückten Regie in "Phantoms" drei Jahre später. Die Produktionsbedingungen müssen wohl übel gewesen sein, das beweist auch der zu plötzliche Schluss, der nicht alles erforderliche zu Ende erzählt und sicher auch auf den Tod von Donald Pleasance zurückzuführen ist, der hier als Dr. Loomis seine letzte Filmrolle absolviert. Neben ihm spielt der noch relativ junge und damals noch unbekannte Paul Rudd, der zu dieser Zeit erst drei Jahre Dreherfahrung mitbrachte und in der Rolle des Tommy Doyle zu sehen ist, jenem Mann, der in Carpenters Original als Kind von Laurie gebabysittet wurde. Kann man all die Schwächen dieser Produktion ignorieren, was ich als treuer Freund dieser meiner Lieblings-Horrorreihe völlig subjektiv kann, kann man mit "Halloween - The Curse of Michael Myers" (Originaltitel), der manchmal auch als "Halloween - The Origin of Michael Myers" betitelt wird, auf simple Art nett unterhalten werden. Myers schlägt hart zu, an Opfern mangelt es nicht, Pleasance spricht für sich, und die Story schaut sich angenehm wirr, wenn sie mit jedem Versuch Klarheit zu verschaffen mehr Unklarheit produziert (was ich frei von unfreiwilliger Komik meine). 

Dass es mit der Reihe dennoch so nicht weitergehen konnte, kann man nachvollziehen, somit ist "Halloween 666 - Curse of Michael Myers" (Alternativtitel) die letzte Fortsetzung der klassischen Reihe. Es folgten mit "Halloween - H20" und dem 2018er "Halloween" lediglich Neuansätze, welche die meisten bisherigen Fortsetzungen ignorierten und eigene hervorbrachten, sowie die Neuverfilmung "Halloween" von Rob Zombie samt Fortsetzung. So reizvoll mir manchmal der Gedanke auch scheint, dass eine Fortsetzung des hier besprochenen Teils doch mal in Angriff genommen werden könnte, auf so wenig Gegenliebe würde eine solche wohl stoßen. Warum sollte man dieses finanzielle Risiko eingehen? Michael ist einfach besser als der schwarze Phantommann, den man nicht begreift, anstatt das Werkzeug eines keltischen Kultes zu sein. Zwar scheint er sich diesem zu entledigen, wenn ich die OP-Metzelszene in ihrem Schnittgewitter richtig verstanden habe, was aber nur weitere Fragen über die Macht der Sekte oder Myers Übernatürlichkeit vor deren Einmischen aufwirft. Aber wie erwähnt ist ohnehin alles ziemlich wirr erzählt, inklusive eines in die Leere laufenden Handlungsstrangs um einen Achtjährigen, der ebenfalls die Stimme des Kultes hört und somit wohl in irgend einem Ur-Plan zu diesem sechsten Teil Myers Nachfolger werden sollte, was Sinn ergeben würde, da Myers nur einen Babymord davon entfernt ist keine Verwandten mehr zu haben. 

Unsinnig wäre es nur insofern, als dass der Fan der Reihe nur Myers als Mörder sehen will, was man mit "Halloween 5" eigentlich auch eingesehen hat, trotz des Cliffhangers in "Halloween 4". Auch "Halloween 3" und "Freitag der 13. 5" zeigen auf, dass Fans von Horror-Reihen es nicht mögen, wenn ihnen ihr Lieblingskiller genommen wird. Das mag die Ansicht von Fanatikern sein, im Falle der "Halloween"-Reihe stimme ich dem jedoch zu. Myers ist einfach die interessanteste und gleichzeitig rätselhafteste Horrorfigur seines Genres. Und er kann je nach Inszenierung auch zu den unheimlichsten Filmwesen gehören. Seine roboterhaften Auftritte im sechsten Teil gehören jedoch nicht dazu.  OFDb

04.07.2020

ANT-MAN AND THE WASP (2018)

Zwar hat "Ant-Man" keine Begeisterungsstürme in mir ausgelöst, ist er doch, trotz allem was über ihn gesagt wird, ebenso wenig der große Ausnahme-Marvel wie "Deadpool", im Gegensatz zu diesem wusste er aber kurzweilig zu unterhalten mit manch netter Idee an Bord. "Ant-Man and the Wasp", an dem auch Hauptdarsteller Paul Rudd mitgeschrieben hat, ist besser ausgefallen, nutzt er doch jeden Moment für atemberaubende, aber auch erzählenswerte Action und stellt den Titelhelden weit weniger in den Vordergrund als man vermuten würde. Er ist der Ahnungslose, der zur Rettung eilt, auch wenn er die Umstände nicht versteht. Die wahren Helden sind seine Partnerin und ihr Vater, auf deren Präsenz das Drehbuch verstärkter aufbaut. Man agiert als Team, keiner von den Dreien steht mehr im Vordergrund als der andere. Und selbst dem Wissenschaftler wird ein bedeutender Solo-Moment beschert, in welchem er auf sich gestellt eine besonders schwierige Situation meistern muss, welche üblicher Weise in Konkurrenzprodukten dem Titelhelden gebührt. Deutlich verstärkt auf Komödie getrimmt, besitzt der Streifen, der erneut von "Der Ja-Sager"-Regisseur Peyton Reed inszeniert wurde, einen pointensicheren Plot, der einen direkt in die Stimmung der Fortsetzung eintauchen lässt, noch bevor die Action, und mit ihr die gelungenen Spezialeffekte, auf den Plan treten. Selbst die übelsten Klischees kommen in diesem angenehmen Flair lockerflockig daher, "Ant-Man 2" (Alternativtitel) bereitet schlichtweg einen Heidenspaß.

Sympathischer Weise ist es den Verantwortlichen der Geschichte ebenso egal, dass Ant-Man nicht wirklich der Held der Geschichte ist, wie die Tatsache, dass einer der Widersacher, ein Mafiosi, nie zur wirklichen Bedrohung wird. Beide Positionen werden augenzwinkernd, aber nicht einem verkrampft gewollten Konzept anbiedernd, eingesetzt. Dementsprechend entwickelt der zweite Teil noch mehr als das Erstling jenen lockeren Touch, der im immer noch viel zu ernst dargebotenem Superhelden-Universum seiner Kino-Dekade suggerieren soll, dass diese Art Comic-Film eigentlich nur eine spaßige Fantasie sein soll. Dieser entspannte Ton, der zu Zeiten des 70er Jahre "Superman"-Kinofilms noch selbstverständlich war, ohne gleich zur Komödie zu werden, kooperiert überraschend gut mit den modernen Methoden, wie heutzutage ein derartiger Film umgesetzt wird. Das Drehbuch nutzt die inflationär, in schnellem Tempo dargebotene, Effekttechnik für herrlich alberne Situationskomik, wie sie in den 70er Jahren in einer Fantasy-Disney-Komödie üblicher Weise aufgetaucht wäre. Der Wissenschaftsbereich kümmert sich nicht für einen Augenblick um Glaubwürdigkeit, sondern fällt so fantastisch und in einer Selbstverständlichkeit umsetzbar aus, wie es sich ein Comic eben erlauben darf. Gut aufgelegte Darsteller, funktionierende, flapsige Dialoge (allein das Nichtverstehen des Versteckspielens zur Aushebelung von Emotionsklischees aus Hollywood), eine Geschichte die viel innerhalb ihres dünnen, roten Fadens bietet und ein Herz für Nichtigkeiten und Running Gags besitzt, sowie das Feuerwerk an Spezialeffekten, welches stets der Stimmung dient, das alles macht aus "Ant-Man and the Wasp" einen kurzweiligen, wahrlich geglückten Unterhaltungsfilm, der gar nicht erst vorgaukelt großes Event-Kino zu sein.  OFDb

18.10.2019

LIEBE IN JEDER BEZIEHUNG (1998)

Man sieht der Geschichte schnell an, wie sehr sie schlicht die Kuh der verschiedenen emotionalen und sexuellen Bedürfnisse melken möchte, sich banal um verwöhnte Probleme einer Wohlstandsgesellschaft drehend, dabei Gefahr laufend nur dem eher denkfaulen Publikum gefallen zu können. Dennoch besitzt der Aufhänger seinen Reiz, also bekam "Liebe in jeder Beziehung" seine Chance, zumal er mit Jennifer Aniston und Paul Rudd sympathisch besetzt ist und nur wenige Jahre nach der sympathischen Welle an Romantik-Komödien a la "E-Mail für Dich", "In Sachen Liebe", "French Kiss", "Während Du schliefst" und Co entstanden ist. Leider gehört das Werk des Regisseurs Nicholas Hytner nicht mehr zu dieser Welle, sondern zu jener, die später mit Filmen wie "Wie werde ich ihn los - in 10 Tagen", "Zum Ausziehen verführt" und Co in zu banalem Weichspülen die funktionierende Romantikader, von der ein solcher Streifen lebt, verfehlt. Klischeebeladen plätschern solche Filme zu konstruiert vor sich hin, ein vorgelebtes Rezept erfüllend, ohne die Zutaten zu einem schmackhaften Ergebnis zu mixen. Heraus kommt ein Konstrukt, das unreflektiert und geistlos lediglich Wohlfühlfilm sein soll und sich keinem wahren gesellschaftlichen Wagnis stellt.

Das Zielpublikum mag vielleicht aus seinen Träumen gerissen werden, wenn Nina erkennen muss, dass sie George nicht heterosexuell umerziehen kann, mit solch naiven Augen mag sich "The Object of My Affection" (Originaltitel) noch halbwegs aufregend schauen, immerhin will man in diesem Zustand wissen ob Ninas Liebe eine Chance bekommt oder nicht. Der mitdenkende Zuschauer jedoch, der in der Hoffnung sich in romantische Träumereien entführen zu lassen, eingeschaltet hat, erlebt nur eine Ernüchterung aufgrund einer zu glatt gebügelten, zu brav gezeichneten und sich zu sehr ähnelnden Figurenkonstellation, welche mögliche aufwühlende Erlebnisse und die theoretisch vorhandenen Provokationen der Grundidee lediglich nur seicht dahin plätschernd erlebt. Geschwätzigkeit, sich fremd anfühlende Probleme und der Mangel an Charme und Sympathie sorgen in einem orientierungslosem Drehbuch, das ein Frauenfilm-Klischee für gelangweilte Hausmütterchen an das nächste reiht, für fehlende Romantik und Desinteresse an den Erlebnissen der Figuren. Die angenehmen Mimen und das immerhin Restinteresse aufkommen lassende Szenario, sorgen zumindest noch für ein routiniertes Ergebnis, missglückt sieht anders aus. Dennoch ist es traurig mit anzusehen, wie hier nur geschulte Sehgewohnheiten bedient werden, ein Mangel an Empathie herrscht, und die moralische Keule des Akzeptierens Andersartiger geschwungen wird, kurzum das Mainstream-Publikum nicht herausgefordert, sondern in seinem Denken und Sehverhalten bestätigt wird, was einem Film wie diesem jegliche Magie raubt. In immer neuen banalen Wendungen drehen sich die Protagonisten um sich selbst und machen Selbsterfahrungen und Charakterentwicklungen durch, die einen erwachsenen Zuschauer nicht berühren. Unreife Erwachsene, denen es nach den immergleichen Stoffen dürstet, werden jedoch typisch bedient.  OFDb

10.09.2017

BEIM ERSTEN MAL (2007)

Während der Versuch Seth Rogen in „Zack and Miri make a Porno“ sanfter als gewohnt einzusetzen eher als gescheitert betrachtet werden darf, ist dieses Experiment im ein Jahr zuvor erschienenden „Beim ersten Mal“ bereits vorher geglückt. Dabei klingt das Handlungskonstrukt zunächst arg bieder, der Plot keineswegs innovativ, wirkt eher orientierungslos angehaucht, und keine der Figurenzeichnungen ist positiv ausgefallen. Man muss schon etwas näher hingucken, um die Stärken eines Streifens kennenzulernen, der davon handelt dass zwei unterschiedliche Menschen aufgrund einer Schwangerschaft versuchen eine Partnerschaft zu leben. Das klingt arg nach dem zwanghaften Familienbild amerikanischer Filme, nach einem Belehrungsversuch Alternativlebende zur Zweisamkeit zu bekehren und nach gesellschaftlichen Vorurteilen ein Baby würde nur im klassischen Familienbild glücklich aufwachsen können.

„Beim ersten Mal“ ist hingegen viel sensibler erzählt und gedacht, als uns der provokante Ekelhumor rund um Bens Clique zunächst weiß machen möchte. Es geht um den echten Versuch den Menschen hinter dem ersten Eindruck kennenzulernen, um den wahren Charakter eines Menschen, der in der Regel etwas Liebenswertes in sich trägt, das es zu entdecken lohnt. Und Judd Apatows Film macht es seinen Protagonisten wahrlich nicht leicht dies aneinander zu entdecken. Fortschritte wechseln sich mit Rückschritten ab, zu arges Bemühen mit natürlichem Funktionieren, äußere Beeinflussung mit eigenem, kritischen Denken, zu schnelle Entscheidungen mit zu stark überdachten. Wie im wahren Leben werden die Tücken des Alltags, das Umfeld und die Selbstzweifel zu Stolpersteinen des Glücks.

Aufgrund dieser facettenreichen Orientierung tut es dem Film unglaublich gut, dass er sich stets für Nebensächlichkeiten Zeit nimmt, thematisch scheinbar sinnlos abdriftet, oft um das Ergebnis herumschlendernd anstatt das Ziel direkter anzusteuern. Wer den wahren Kern des Films entdeckt und in diesem emotional eintauchen kann, der wird nie, wie oft zu lesen, beklagen, dass die Laufzeit zu lang ausgefallen sei und dass der Film mit Nichtigkeiten überfrachtet sei. Ganz im Gegenteil würde die Hauptgeschichte gar nicht ohne dieses Beiwerk funktionieren, weil eben dies das Leben ausmacht und beeinflusst.

Es ist schön, dass es trotz diverser Entgleitungen in eine alternative Kinorealität, in solch einem Film tatsächlich einmal um den Menschen geht, anstatt um Erwartungen eines Kinofilms zu diesem Genre. Es geht um alles was der Mensch verkörpert, ohne moralisch oder anderweitig orientiert irgendetwas schönreden zu müssen. Das ist in einem romantisch angelegten Werk durchaus möglich, wie „Knocked Up“ beweist, aber man muss sensibel hinter den Schleier scheinbarer Klisches blicken können, man muss selbst die Fähigkeiten der hier gezeigten Figuren besitzen, sich auf jemanden einzulassen, der einem zunächst unsympathisch erscheint. Und dank der Gegenüberstellung eines nicht wirklich glücklichen oder unglücklichen Ehepaares, bekommt der Versuch der beiden zentralen Figuren eine Spiegelung dessen vorgehalten, was aus einer Partnerschaft werden kann, sollte, bzw. nicht sollte.

Es ist wohl dem Drehbuch zu verdanken, dass selbst diese Nebenfiguren empathisch beleuchtet werden, Tiefe erhalten und zu weit mehr werden als für Randaussagen nützliche Stereotypen. Dass dies bei Bens Freunden nur bedingt funktioniert, verwundert aufgrund der unangenehmen Ekelkomik in diesen Reihen nicht, die Rogens grenzwertigen Humor ebenso in den Film einbringen, wie Rogen in vorgenommener Besetzung seine persönlichen Freunde integriert, seine Standard-Crew. Dass aber selbst deren verkörperte Figuren den Ansatz von Tiefe besitzen und der Zuschauer die Schwächen sich stark gebender, schmuddeliger Männer entdecken kann, beweist die Sensibilität des Streifens, bzw bei Nichtfunktionieren der Mangel an Sensibilität beim Zuschauer.

Was bei Ben zu Hause passiert ist selbst mir als Freund seiner Filme oftmals zu viel des Schlechten und kratzte damit leicht an der ansonsten angenehm zu schauenden Fassade des Wohlfühlfilms. Aber mit diesen kleinen Abstrichen kann ich leben innerhalb eines Filmes der stillen Komik, der urplötzlichen lauten Lacher, der ansteckenden Romantik und der nachvollziehbaren Reibereien. Es ist herzerwärmend zwei unterschiedliche Menschen dabei zu begleiten das Liebenswerte ineinander zu entdecken, und es tut ebenso gut ganz nebenbei eine entstehende Männerfreundschaft mitzuerleben, deren einzige Basis es zunächst ist Vater zu sein / Vater zu werden. Vielleicht ist es letztgenannter, nicht zu unterschätzender Aspekt, der dabei hilft aus „Beim ersten Mal“ keinen reinen Frauenfilm werden zu lassen. Aber allein die Besetzung Seth Rogens ist eigentlich schon der erste Schritt gegen solch ein Klischee-Kino zu steuern.  OFDb

31.07.2017

SAUSAGE PARTY - ES GEHT UM DIE WURST (2016)

Ich mag die von Seth Rogen geschriebenen Komödien, gerade dann wenn er mit James Franco ein Team bildet. Ob sich Rogens Humor jedoch auf einen Zeichentrickfilm übertragen lässt, ließ in mir Zweifel aufkommen. Und auch wenn ein Blick auf den Trailer zum Film durchaus belustigend ausfiel, so blieb ich doch trotzdem kritisch. Man kennt sie, diese auf erwachsenerem Humor getrimmten Trickfilme, die entweder in ihrer Provo-Art zu kindisch, zu unterkühlt oder zu Genre-anbiedernd daher kommen. Und was soll man sagen? Letztgenanntes ist auch in „Sausage Party“ der Fall.

Es ist nicht so, dass es nicht hervorragende Ideen gäbe, die durchaus zum Lachen anregen, einzelne sind sogar recht brillant und intelligent ausgefallen, warum man eine so lustig auf grenzwertigen Humor angelegte Komödie jedoch in einen Handlungsverlauf zwängen muss, der für den Animationsbereich leider geradezu typisch geworden ist, will ich nicht verstehen. So trifft Anarchie auf Mainstream und wechselt sich immer wieder ab, so dass man als Zuschauer ständigen Stimmungsschwankungen ausgesetzt ist. Da wird brav gesungen (provokativ gemeint, aber doch nur brav ausgefallen), da gibt es die typischen Actionmomente aus dem Animationsfilmbereich, der in der Regel für den jungen Part des Publikums eingebaut wird, also einer Gruppe von Menschen, die nicht zum Zielpublikum von „Sausage Party“ gehören, und da muss die Geschichte harmonisch schließen, wie ein jeder Trickfilm aus Amerika.

Würde zwischendurch nicht gefickt, gekifft und gestorben werden, es wäre der typische Handlungsablauf einer familientauglichen 08/15-Geschichte für den übersättigten Zeichentrickmarkt. Da zudem manche Provokation, wie meist in solchen Filmen, zu infantil ausfällt, bleibt das Ergebnis leider ein mageres. Das ist schon schade, schließlich weiß die Religionskritik in ihrer abgedrehten Art zu gefallen (bis zu jenem Moment, wo die alte Laier des Respekts vor dem Glauben anderer stattfindet), der Gegenpart in Form eines ausgespuckten Kaugummis als Stephen Hawkings-Parodie ist ebenfalls gelungen, und wenn in der Küche das Massaker losgeht, welches alle Gläubigen extremst schockiert bevor sie sterben, ist „Sausage Party“ ohnehin auf seinem Hoch.

Der Rest stolpert zwischen amüsant, gewollt und kindisch hin und her und lässt sich zwar mit gelegentlichen Lachern bis zum Schluss schauen, doch auch wenn ich zwischendurch mit allerlei Ideen sympathisierte, so hatte ich am Ende doch eher ein unbefriedigtes Gefühl, der letzte Schwung zur akzeptablen Unterhaltung war nicht vorhanden. Zudem hatte ich das Gefühl, dass die Idee nicht genügend ausgeschöpft wurde, und die Figurenzeichnung pendelte auch immer wieder zwischen gelungen und einfallslos.

Im nachhinein fragte ich mich zudem, warum man die Geschichte bei all seinen Schwerpunkten aus der Sicht künstlich hergestellter Lebensmittel erzählt hat. Wäre eine provokante Konsumkritik nicht noch erfolgreicher gewesen, wenn man sich auf die Massentierhaltung und dem Ende im Schlachthaus konzentriert hätte? Das hätte sicherlich weniger Leuten geschmeckt, hätte für Diskussionen gesorgt und wäre eine radikalere Kritik am Konsumverhalten der Amerikaner gewesen, ohne die Schönmalerei eines Zeichentrickfilms, welche die Anarchovariante eigentlich ohnehin nicht benötigen müsste.

So wie tatsächlich angegangen überschattet der Mainstream jedoch die zu brav ausgefallenen  Grenzüberschreitungen, womit „Sausage Party“ eher ein Jugendfilm geworden ist, anstatt eine Komödie für Erwachsene. Zumindest ist er nicht ganz so anbiedernd ausgefallen wie „Angry Birds - Der Film“, hierfür nervt der Plot des hier besprochenen Filmes glücklicher Weise kaum. In Zukunft möchte ich aber doch lieber wieder realverfilmte Rogen-Komödien sichten. Die schaffen es trotz und manchmal auch aufgrund infantiler Ausrutscher den Bildschirm zu einer wilden Party werden zu lassen. Das müde Getue in „Sausage Party“ kann da nicht ansatzweise mithalten.  OFDb

14.07.2016

VORBILDER?! (2008)

Die Besetzung des auf wilde Rollen abonnierten Sean William Scott an der Seite des meist in braven Rollen besetzten Paul Rudd, der diesmal einen Menschenhasser mimen darf, lässt in Kombination mit der Geschichte, dass zwei Versager sich unfreiwillig um Kinder kümmern müssen, auf eine wilde, provozierende Komödie hoffen. Aber was sich auf dem Cover, in Inhaltsangaben oder in Werbezeilen zu „Vorbilder?!“ anarchistisch und nach Party anhört, entpuppt sich als sehr brav ausgefallene Unterhaltung für die Masse, die als überraschend familientaugliches Werk sogar in der Unrated-Version ihre FSK 12 erhalten hat.

Brav ist nicht automatisch schlecht, aber wie fast nicht anders zu erwarten ist „Little Big Men“ (Alternativtitel) etwas zu austauschbar und gewöhnlich ausgefallen, nicht ohne insgesamt eher sympathisch anstatt dröge zu wirken, aber doch zu arg befreit von Innovationen, um so richtig glücklich mit ihm zu werden. Dass er sich trotz der etwas zu plump ausgefallenen Rolle des rumstänkernden kleinen Ronnies doch noch angenehm guckt, liegt hauptsächlich an der guten Besetzung. Nicht nur dass Rudd und Scott grundsätzlich sympathisch wirken, auch die Nebenfiguren wurden gut besetzt.

Ken Jeong spielt einen wunderbar eingebildeten König innerhalb der Welt der wundersamen Rollenspieler, Jane Lynch eine herrlich humorlose, selbstüberzeugte und wirres Zeug hinplappernde Chefin der sozialen Hilfsorganisation, und die Stereotype, die mit dieser Organisation einhergehen, bishin zum nicht Gitarre spielen könnenden Gitarrenspieler am Lagerfeuer, wissen gekonnt zu belustigen. Christopher Mitz-Plasse, der in den „Kick-Ass“-Filmen und in „Superbad“ so unglaublich lustig spielen durfte, wird hier ein wenig unterfordert, was ihn aber nicht daran hindert voll und ganz in seiner Rolle aufzugehen. Zumindest widerstand man der Versuchung ihn aufgrund seiner Beliebtheit durch „Superbad“ wieder ähnlich zu charakterisieren wie dort.

Das ist aber auch das einzig mutige an „Big Brothers“ (Alternativtitel), der lediglich angenehm vor sich hin plätschert, im Mittelteil ein wenig zu schwächeln beginnt und dort gerade im Nebenplot um Wheeler und Ronnie es vernachlässigt den Übergang von Abweisung zu Freundschaft nachvollziehbar umzusetzen. Im ebenfalls überraschungsfreien Schluss-Drittel schafft es Regisseur David Wain, der mit Paul Rudd später auch „Wanderlust“ gedreht hat und auch für „Das 10 Gebote Movie“ verantwortlich war, den Film angenehm emotional zu beenden, ohne den dort angegangenen Sozial-Kitsch komplett in Kitsch zu ertränken - sprich, ja, es wird kitschig, aber nicht auf übelstem Disney-Niveau, sondern kombiniert mit greifbarer Herzlichkeit.

Selbst der finale Lovesong an die verlorene Ehefrau fällt wesentlich unverkrampfter aus als man im ersten Moment vermuten würde, bleibt der Linie von „Role Models“ (Originaltitel) aber dennoch treu, denn zu unverkrampft und frech wird er auch wieder nicht. Da bleibt Wain immer vorsichtig was er seinem angepassten Zielpublikum zumuten kann und was nicht. Und mit dieser ängstlichen wie ärgerlichen Grundhaltung kann man sich glücklich schätzen, dass „Vorbilder?!“ überhaupt so konsumierbar ausgefallen ist, bei all den ähnlich angelegten Konkurrenzprodukten, die dadurch ungenießbar, oder zumindest zu langweilig wurden.  OFDb

03.07.2016

DINNER FÜR SPINNER (2010)

Ich kenne allerhand Neuverfilmungen aus den USA, die nicht nur dem Original nicht das Wasser reichen konnten, oftmals haben sie das Original nicht einmal verstanden. Ob es der psychologisch unsinnige „Codename: Nina“ war, der den intelligent erzählten „Nikita“ neu erzählte, „Der Spielgefährte“, der mit dem Holzhammer eine Sozialbotschaft präsentierte welche das Original „Das Spielzeug“ gewitzt an den Mann brachte, US-Remakes fallen meist schlichter und bemüht aus und sind so sehr daran interessiert möglichst vielen Menschen gefallen zu wollen, dass der Geist hinter dem Ur-Projekt flöten geht.

Von „Dinner für Spinner“ kenne ich das französische Original nicht, aber in diesem Falle wird es nicht sehr viel anders sein. Ich wette darauf, dass die Erstverfilmung intelligenter und reflektierter erzählt ist. Es nicht zu kennen kann jedoch auch von Vorteil sein, denn rein auf Komödienbasis hat mir der von Jay Roach inszenierte Streifen gut gefallen. Vielleicht beginnt er ein wenig zu bemüht, gerade dann wenn er Tims Beziehungs- und Karriereproblematik vorstellt und selbst dann noch wenn Barry ein wenig umständlich in das ganze Szenario getreten wird. Aber bereits in dieser schwächeren Phase wissen die Akteure einiges aufzufangen.

Tritt Barry in Tims Leben darf dieser zunächst einen Scherbenhaufen aus den Plänen des Karrieristen machen, und auch hier hätte manches mehr von leichter Hand inszeniert werden können. Nicht falsch verstehen: die Geschichte ist bereits hier charmant erzählt, lässt sich Zeit, und die Schauspieler meistern ihre Arbeit gut, selbst Paul Rudd der in der ersten Hälfte ziemlich unterfordert ist mit seiner braven Bübchenart. Aber für eine Komödie, die auf einen Kinoerfolg basiert und zudem noch von einem Komödienprofi umgesetzt wurde (Roach inszenierte alle drei „Austin Powers“-Filme und die ersten beiden Teile von „Meine Braut, ihr Vater und ich“), ist dies alles zunächst recht wenig, zumal der Streifen trotz all der Schrulligkeit in Barrys Charakter doch relativ innovationslos daher kommt.

Dies ändert sich, zumindest für den Nichtkenner des Originals, aber zur zweiten Hälfte. Und da wissen Drehbuch und Regie tempo- und pointenreich einiges nachzuholen, was zuvor zu sehr vor sich hinplätscherte. Skurrile Figuren, ein tolles Timing für Gags und die nötige Sensibilität die ernsten Töne des Werkes glaubwürdig spürbar zu machen, wenn auch leider nicht komplett ohne den Sozialkitschbereich zu streifen, machen aus „Dinner für Spinner“ doch noch ein sehenswertes Ereignis und einen Gute Laune-Streifen, der uns daran erinnert dass die Welt gerade durch Individualisten bunter wird und nicht durch Durchschnittsmenschen und BWLer.  OFDb

15.02.2016

OUR IDIOT BROTHER (2011)

Es ist schade dass die sentimentale Komödie vom „Dein Ex - Mein Alptraum“-Regisseur Jesse Peretz solch einen missverständlichen Namen erhalten hat. Und ausnahmsweise ist einmal nicht der deutsche Titelgeber Schuld, denn den dämlichen Namen „Our Idiot Brother“ trägt der Streifen leider auch im Original. Dabei geht es gar nicht um einen Idioten, sondern lediglich um einen äußerst naiven Menschen, der an das Gute in seinen Mitmenschen und an die Ehrlichkeit glaubt. Er ist die einzige Person im Film, die sich selbst treu bleibt und, komme was wolle, zu dem steht was sie tut. Die Idioten sind die anderen. Sie sind Selbsttäuscher, Lügner und verkrampfte Idealisten. Zwar sehen sie in ihrem Bruder einen Idioten, so dass der Titel nach dem Sichten durchaus Sinn ergeben kann, aber letztendlich lockt er den Nichtkenner des Streifens mit falschen Erwartungen.

In diesem Falle zum Glück, würde das Einfangen von Erwartungen diesmal doch bedeuten, dass man eine dieser Volltrottel-Komödien zu sichten bekäme für die Adam Sandler einst berühmt und Pauly Shore einst berüchtigt war. Peretz jedoch setzt uns eine gefühlvolle, kleine Komödie vor, die zwar durchaus austauschbar ist, da sie einzig von den Charakteren lebt und nicht mit einer besonders interessanten oder gar einfallsreichen Geschichte trumpfen kann, aber wer wie ich gut herausgearbeitete Figuren aufdringlichen Oberflächlichkeiten, welche die meisten Kinobesucher anlockt, vorzieht, der wird von „My Idiot Brother“ (Alternativtitel) sicherlich nicht enttäuscht werden.

Das Ergebnis ist recht simpler Natur, da gibt es auch in diesem Filmbereich besseres zu entdecken, aber als kurzweiliger Zwischendurchverzehr geht diese liebenswerte Produktion durchaus als unterhaltsam, okay und amüsant durch. Paul Rudd steckt diesmal hinter einem Vollbart und einer Langhaar-Perrücke. Der auf seichte Rollen abonnierte Schauspieler verkörpert die Softie-Nummer auch trotz völlig anderem Erscheinungsbild - aber genau das kann er einfach unglaublich gut. Auch die Schwestern wissen alle zu überzeugen und die deutschen Synchronstimmen ebenso, so dass „Our Idiot Brother“ sowohl im Originalton als auch in der Deutschvertonung zu gefallen weiß.

Die unaufgeregte Geschichte braucht sicherlich ein wenig um in die Gänge zu kommen, zu ziellos wirkt das Treiben vor der Kamera zunächst, aber wie so oft beim Medium Film zahlt sich die Geduld aus, und wenn man erst einmal begriffen hat worum es geht, kommt einem auch der Anfang nicht mehr so orientierungslos vor. Deswegen dürfte ein zweites Sichten sicherlich besser ausfallen als das kritische erste. Dann kann man sich entspannter auf all die Familien- und Gesellschaftsfallen einstellen, in welche Ned tritt, wissendlich dass am Ende alles für alle gut ausgehen wird. Wem das zu naiv ist: bitte sehr, schaut lediglich gesellschaftskritische Werke ohne Happy End. Aber wer sich in dieser gefühllosen Welt ein wenig mit Ned identifizieren kann, wird mit dem Film und seinen schlicht ausgefallenen, aber nie moralisch daherkommenden, Botschaften sicherlich zufrieden sein.  OFDb

31.01.2016

ANT-MAN (2015)

Superhelden-Filme aus dem Hause Marvel sprießen wie Pilze aus dem Boden und sind durch ihre Fließband-Produktion so austauschbar ausgefallen, dass sie nur noch in der Ausnahme zu gefallen wissen. „Ant-Man“ kommt inmitten dieser Flut an Exemplaren ein klein wenig anders daher, allein schon aufgrund der Idee dass die Größe eines Helden in dessen Miniatur steckt. Und dass aufgrund dieser Gegenidee zu den üblichen Superhelden vieles andere ebenfalls umgekehrt zum üblichen Erzählmuster dieser Art Film verläuft, weiß dem Werk von Regisseur Peyton Reed einige individuelle Momente zu bescheren - dank ideenfauler Drehbuchautoren und mutloser Produzenten jedoch leider auch nicht mehr als das.

Ein auf niedliche Rollen abonnierter Paul Rudd und ein auf Komödien spezialisierter Regisseur („Der Ja-Sager“, „Girls United“) machen recht deutlich, dass „Ant-Man“ nicht so ganz der klassische Superhelden-Film werden sollte. Seine besten Momente besitzt der Streifen auch immer dann, wenn er Gesetze des Blockbuster-Kinos veralbert. Wenn gigantische Miniatur-Kämpfe durch einen Wahrnehmungswechsel plötzlich aus der menschengroßen Perspektive eingefangen werden und damit absichtlich und humoristisch extremst popelig wirken, oder die klassische Materialschlacht einer Verfolgungsjagd durch die Stadt vergleichbarer Weke mittels Miniaturbauten parodiert werden und damit absichtlich unspektakulärer wirken, dann ist dieser unspektakuläre Blick von uns Großen auf eine Miniaturwelt zwar nicht komplett innovativ zu nennen, man erinnere nur an die aus menschlichem Blickwinkel harmlose Explosion in „Ab durch die Hecke“, aber inmitten eines Superheldenfilmes für ein mehr oder weniger erwachsenes Publikum weiß diese Spielerei trotzdem individuell zu wirken.

Leider rückt der Fokus von „Ant-Man“ viel mehr als „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“, „Die phantastische Reise“ und „Die Reise ins Ich“ vom Science Fiction-Bereich in jenen des Fantasy-Genres, was für einen Marvel-Film zwar nicht unüblich ist, alleine schon mit Blick auf die „Fantastic Four“ oder die „X-Men“, aber andererseits hatte die „Iron Man“-Reihe doch recht vorbildlich vorgemacht wie die Ballance daraus aussehen kann. In „Ant-Man“ lässt man den Titelhelden jedoch so dominant mit der Ameisenspezies spielen wie es Batmans Erzgegner Pinguin mit Pinguinen konnte. Was in Burtons „Batmans Rückkehr“ interessant bizarr wirkte, verkommt hier zum Fantasy-Tierdressur-Brimborium, aufgebläht in einer Extreme, die der Held mit seinen Möglichkeiten überhaupt nicht nötig gehabt hätte um ans Ziel zu gelangen. Zudem werden die Hintergründe diesbezüglich immer schwachsinniger je mehr man versucht zu beleuchten wie die Zusammenarbeit von Ant-Man und den Ameisen funktioniert. Dieser Negativpunkt weiß viel vom vorhandenen Potential zu zerstören.

Selbiges gilt für die 08-15 Story, die letztendlich beweist dass „Ant-Man“ trotz so mancher Andersartigkeit eben doch nur einer unter vielen austauschbaren Superheldenfilmen ist, auch wenn der Held selbst mehr sein könnte. Von daher passt es dass „Ant-Man“ nicht nur in der Marvel-Welt spielt in welcher die Avengers existieren, sondern auch dass der Mini-Held von dieser Elitegruppe der Superhelden aufgenommen wird, um an deren Seite zu kämpfen. Und um den Bereich der Austauschbarkeit durch Massenware gleich komplett auszuwalzen bekommen wir nach dem Abspann gleich noch einen Holzhammer-Hinweis auf ein zukünftiges Ant-Girl beschert.

Trotz einiger Ärgernisse und hauptsächlich aufgrund mancher Andersartigkeiten weiß „Ant-Man“ aber immerhin, wenn schon das Superhelden-Genre nicht revolutionierend, zu unterhalten. Die Klischees dieser Art Film und die Stereotype werden nicht umgangen, aber immerhin hin und wieder für kurze Momente gebrochen um in kurzen unbedeutenden Momenten die Erwartungshaltung zu umgehen. Aber letztendlich verlässt man sich ansonsten viel zu sehr auf das bewährte Rezept, welches mittels sympathischer Darsteller und einer halbwegs interessanten Geschichte zumindest zu jener Art Routine wird, mit welcher man einen Film angenehm verfolgen kann ohne sich zu langweilen. Gefordert wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers freilich nie, und alles hat man irgendwie variiert schon irgendwo bereits so ähnlich erlebt, aber zumindest ist „Ant-Man“ kurzweilige Kost geworden, die sich um besser zu sein jedoch an ihren Helden hätte orientieren müssen.

Denn weniger wäre mehr gewesen. Mit Weniger als Mehr hätte die Geschichte nicht so gehetzt erzählt werden müssen. Und Zeit für die Geschichte hätte bedeutet, dass man Sympathie zu ihr und ihren Figuren hätte aufbauen können wie zu Zeiten von Raimis „Spider-Man“. Der erste Film einer Superhelden-Reihe ist aufgrund der Entstehung des Helden und dem Erforschen der neuen Fähigkeiten in der Regel der beste Film einer solchen Reihe. „Ant-Man“ hingegen könnte es in einem zweiten Teil zugute kommen diese hinter sich zu haben. Dann könnte er sich vielleicht endlich etwas mehr auf die bislang im Ansatz recht reizvollen Charaktere konzentrieren.

Aber wie ich Marvel kenne wird man eine Fortsetzung dadurch verhunzen, dass man dem Helden in Zukunft direkt mehr als einen Gegner gegenüber setzen wird, womit wieder die selbe Hektik und damit eine unnötige emotionale Distanz zum Zuschauer entstehen wird, wie in der hier zu gehetzt erzählten Geschichte. Dass es Reed trotzdem geschafft hat sich inmitten von Chaos manch ruhigen Moment für augenzwinkernde Spielereien zu gönnen, zeigt zumindest dass er theoretisch gesehen eine gute Wahl für dieses Projekt war. Ich glaube nervige Unsinnigkeiten wie die Riesenameise als Haustier auf dem Kitsch-Niveau eines „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ haben wir eher den von Produzenten dirigierten Drehbuchautoren zu verdanken als dem positiv auf „Ant-Man“ wirkenden Regisseur.  OFDb

03.04.2015

CLUELESS - WAS SONST? (1995)

Die Teenie-Komödien-Welle der 80er Jahre war längst vorbei und die neue durch den Erfolg von „American Pie“ war noch Zukunftsmusik. Inmitten der Zeit in welcher das Genre im Kino abgeschriebenen war erschien „Clueless“ auf der Bildfläche und wurde ein großer Erfolg. Und das verwundert nicht, weiß er einen doch geradezu zu verzaubern mit einer Schar herrlicher Charaktere, einem Hauch zuckersüßer Romantik, einer guten Prise unaufdringlichen Humors und einem gut beobachtenden Blick auf den aktuellen Zeitgeist. Zwar handelt der Film von einer verwöhnten reichen Beverly Hills-Clique, bzw. hauptsächlich von nur einer Teenagerin aus dieser, aber dennoch kann sich die Generation der Jugendlichen aus den 90er Jahren wunderbar im Geschehen wiedererkennen, zumal der Film keine konkreten Bezeichnungen damals angesagter Pop-Bands und Lebensmittel umgeht.

So abseits das Treiben reicher, verwöhnter Amis auch auf den deutschen Durchschnitts-Typen wirkt, es sind genügend Eckpfeiler vorhanden in welcher man sich oder zumindest Erlebtes und Beobachtetes wiedererkennt. Gerne werden Witzchen über das gerade in Mode gekommene Handy gerissen (noch mit putzigen Antennen versehen), aufgezogene Situationen die heute so sehr Alltag sind, dass die Folgegeneration sie gar nicht mehr als Witze erkennen dürfte, so sehr hat die Zeit durch mangelde Selbstreflexion den Humor der Vergangenheit eingeholt. Das ist traurig, spricht aber für den Film, der ohnehin recht pfiffig daher kommt, ist er doch keineswegs so oberflächlich ausgefallen wie der Charakter seiner Heldin.

Ganz im Gegenteil nutzt Amy Heckerling ihre Heldin um sie genauestens auszuleuchten, um ihr nach einer ordentlichen Dosis Kritik, die aufgrund des lockeren Grundtons des Streifens glücklicher Weise nicht all zu moralisch ausgefallen ist, ein Gewissen und den Wunsch zur Selbstveränderung zu bescheren. Auf dem Weg zu ihrer Selbsterkenntnis lernen wir amüsante Randfiguren kennen, allen vorweg die von der viel zu früh verstorbenen Brittany Murphy so gekonnt gespielte unsichere Tai und den moralischen Gegenpart Chers in Form eines Stiefbruders, gespielt von Paul Rudd, der bis heute noch immer auf vergleichbare, softe Rollen abonniert ist.

Es ist nur eine der vielen Raffinessen des Streifens, dass sich eine der Nebenfiguren als gewichtiger als vermutet herausstellt und im letzten Drittel plötzlich mehr Bedeutung erhält, bzw. den Wandel Chers überhaupt erst verursacht. Erst mit dieser Erkenntnis wird dem Zuschauer auch klar, dass „Clueless“ keineswegs recht inhaltsarm nur so Episoden-artig vor sich hindümpelte, so wie es die ganze Zeit über schien. Alles steht im Zusammenhang, alles wird wichtig für Chers Erkenntnis. Heckerlings Film wird zu mehr als zu einer oberflächlichen Komödie mit zugegebener Maßen treffsicherem Witz.

Das ist auch der Grund warum sich „Clueless“ trotz hervorgehobener Modeerscheinungen der 90er Jahre noch so gut guckt wie am ersten Tag. Es ist zudem der Grund warum der Streifen trotz dem verstärkten Blick auf eine Zicke im Zentrum nicht zum reinen Frauenfilm verkommt, der mit schrillem Getue ein männliches Publikum verjagt. Nach vielen stillen Andeutungen bekommt „Clueless“ endgültig auch für den blindesten, naivsten und ignorantesten Zuschauer Seele. Und wer sie erst so spät erkennt wird um so mehr Freude bei einer zweiten Sichtung haben, darf besagte Seele das Publikum dann doch von Anfang an mitbegleiten.

Aber auch wer die stillen Töne zuvor bemerkt hat, hat sicherlich in den Wiederholungen mehr Freude an „Clueless“ als beim ersten Mal, macht es doch wahrlich immer wieder Spaß die Wendungen und das Finale kennend die einzelnen Schritte Chers zum Ziel zu verfolgen, zumal sie von der unglaublich süß wirkenden Alicia Silverstone auch mit viel Talent und ironischem Abstand verkörpert wird. Als Mann muss man sich unweigerlich in Cher trotz all ihrer Oberflächlichkeiten und weiteren negativen Charaktereigenschaften verlieben, es geht gar nicht anders. Das ist Natur, da kommen Prinzipien nicht gegen an. Wer wird nicht weich, wenn beim Schminken Silverstones Lippen in Großaufnahme zur Geltung kommen?

„Clueless“ war ein Ausnahmefilm seinerzeit, der es zwar nicht schaffte wie „American Pie“ eine neue Teenie-Komödien-Welle im Kino zu entfachen, aber das liegt auch sicher daran dass er nicht so leicht zu kopieren ist wie der Erfolgsfilm mit Jason Biggs. Der Charakter und psychologiche Tiefgang von „Clueless“ steckt nun einmal zwischen den Zeilen, was den Streifen zudem nicht zum reinen Teenie-Filmchen verkommen lässt und damit ähnlich wie „Election“ auch dem Publikum zu empfehlen ist, das nicht zwingend Teenie-Komödien konsumiert. Aber vorsicht: Heckerling hinterlässt über eine längere Laufzeit den Eindruck dem wäre nicht so. Zur vollen Blüte entfaltet sich das scheinbare Nichts an Story erst ganz geduldig Richtung Ende.  OFDb

29.03.2015

TRAUZEUGE GESUCHT! (2009)

Paul Rudd nimmt im Filmgeschäft mittlerweile jene Nische ein, die einst von Matthew Broderick besetzt wurde. Er spielt den braven Soften. Vielleicht nervt dies manchen Filmfreund, vielleicht nervt es sogar Rudd selbst auf diesen Figuren-Typ festgelegt zu sein, wer weiß, aber ich finde er macht seine Sache gut, so gut sogar, dass ich in leichte Komödien mittlerweile auch seinetwegen reinschaue. Besonders gut gefiel er mir in jungen Jahren im wundervollen „Clueless“ neben der zuckersüßen Alicia Silverstone, noch mehr aber in seiner Rolle als Ehemann in trister Routine in dem Seth Rogen-Film „Beim ersten Mal“.

An das Niveau dieser Rollen kann Rudd hier nicht anknüpfen, wie auch, wenn das Drehbuch ihn doch fast wie einen unsympathischen Vollversager aussehen lässt. Okay, das ist jetzt übertrieben, aber an einigen Stellen möchte man dem Autor dieser Geschichte doch gerne einmal reinpfuschen, so würdelos peinlich lässt er die Rolle des Peter hin und wieder wirken, am extremsten in jenen Szenen, in welchen Peter nicht weiß wie er sich vor Sydney verhalten soll bevor dieser sein Freund wird. Sicher, Peter soll unerfahren und nervös wirken, aber meiner Meinung nach schießt man in solchen Szenen aufgrund mangelndem psychologischem Feingefühls über das Ziel hinaus. Peter wird als völlig unkompatibel herausgearbeitet, so dass man sich fragen darf warum Sydney sich auf eine Freundschaft mit diesem rückgratlosen Menschen einlassen sollte.

Lernt man die Hintergründe von Sydney im Laufe der Zeit kennen ergibt zumindest dieser anfängliche Widerspruch doch noch einen Sinn, ist der in den Tag lebende Freigeist doch auch verzweifelt, wenn auch aus anderen Gründen als Peter. Und ob man es glaubt oder nicht, wenn Peter und Sydney erst einmal warm miteinander werden weiß auch der bis dahin recht holprig erzählte Film endlich zu funktionieren. Da die angenehmen Aspekte zuvor die unangenehmen dominierten, kann man somit doch noch von einem sympathischen Streifen sprechen, der das Rad zwar nicht neu erfindet, aber das muss er ja nicht. Das ist schließlich das tolle an leichten Komödien-Stoffen. Sie müssen nicht innovativ sein. Sie müssen nicht übersprudeln vor Komik. Sie müssen lediglich einen gewissen Charme versprühen.

Ich gebe zu, ich war kritisch als ich auf dem Cover gelesen habe, dass ausgerechnet Jason Segel den unangepassten Gegenpart zu Rudds Rolle übernehmen sollte. Ich kannte ihn nur brav grinsend aus „Die Muppets“ und ebenso politisch korrekt angepasst brav aus der völlig überschätzten Sitcom „How I Met Your Mother“. Aber er bringt genau jene Entspanntheit mit, welche die Rolle des Sydney glaubwürdig macht. Dies zusammen mit einem Drehbuch, welches Sydney nicht zu radikal erscheinen lässt, sondern lediglich alternativ lebend, macht die angenehme Ausstrahlung an besagter Rolle aus. Und diese in Kombination mit Rudd weiß „Trauzeuge gesucht!“ tatsächlich zu tragen.

Dank eines guten Mixes aus biederer Komik und den schrägen Momenten des Films (z.B. der Rentner, der sich für jünger ausgegeben hat) verzeiht man dem Streifen auch seine gelegentlichen Ausflüge in die Fäkalkomik. Ob man wirklich die Wichsecke oder den dämlichen Furzwitz gebraucht hätte, um das Miteinander der Freunde als lässig zu unterstreichen, wage ich anzuzweifeln. Und auf die beiden Kotzmomente hätte ich auch verzichten können. Andererseits umgeht man zumindest inhaltliche Fehler, die sich im korrekten Amerika geradezu aufgedrängt hätten.

Das ist zum einen der Umgang mit der Hochzeits-Thematik im Streifen, ein Thema das in der Hand anderer Verantwortlicher sicher mit der Einsicht geendet hätte, dass Peter immer so sehr eine Ehefrau wollte, dass er erst über die Freundschaft erkennt, dass er seine Verlobte nicht liebt. Und ebenso wäre es in falschen Händen sicherlich zu einer ungerechten Kritik an Sydneys alternativem Lebensstil gekommen, die in der Hand von Regisseur John Hamburg glücklicher Weise nur kurz anklingt ohne selbstgerecht und unfair zu wirken.

Um so trauriger ist es, dass sich in „I Love You, Man“ (Originaltitel) der eingangs erwähnte Schwachpunkt in Peters Charakter eingeschlichen hat, der dem Film mehr schadet als man meinen sollte. Es ist im nachhinein gut zu wissen, dass der Streifen trotzdem noch die Kurve bekommen hat. So ist Hamburgs Werk zwar trotzdem noch ein Wackelkandidat wie sein „...und dann kam Polly“, aber im Gegensatz zu dem weiß wenigstens die Chemie der beiden Hauptfiguren zu stimmen, was viel am positivem Eindruck von „Trauzeuge gesucht!“ ausmacht.  OFDb

03.04.2013

WOHER WEISST DU, DASS ES LIEBE IST (2010)

Die Berufssportlerin Lisa Jorgenson ist aufgrund ihres Alters frisch aus dem Team geworfen worden, da geht sie eine Beziehung mit dem Baseball-Star Manny ein. Und während Lisa noch am grübeln ist, ob diese Beziehung mit dem Egoisten auch das richtige ist, da verliebt sich der ewige Versager George in sie. Für den hat sie aufgrund eines katastrophalen Dates kein Auge, aber so nach und nach entwickelt sich zumindest eine Freundschaft zwischen den beiden...  

Woher weißt Du, dass das lustig ist?...
 
James L. Brooks ist nicht jedermann ein Begriff. Dieser Mann gehört zu den Zuständigen für die Serie „Die Simpsons“, und der ebenso geniale Film „Besser geht‘s nicht“ geht ebenso auf sein Konto. Gerade mit letzterem Beispiel lieferte er den Beweis ab auch in einer tragisch angehauchten Komödie etwas umwerfend lustiges abliefern zu können, und der Name war fast Programm.

Besser geht‘s nicht“ bot eine hervorragende Besetzung, eine bessere als die von „Woher weißt Du, dass es Liebe ist“, aber auch die braucht sich nicht zu verstecken. Während Paul Rudd, der in erster Linie als Josh aus „Clueless“ zu gefallen wusste, meiner Meinung aber auch eine tolle Darstellung in „Beim ersten Mal“ auf die Beine stellte, von allen hier wichtigen Rollen wohl das unbekannteste Gesicht dieses Streifens ist, braucht man Menschen wie Reese Witherspoon, Owen Wilson und Jack Nicholson nicht vorzustellen.

Romantische Komödien mit Witherspoon hauen oft nicht hin (wie z.B. „Sweet Home Alabama“ beweist), da darf man zu Recht etwas kritisch bleiben. Und Owen Wilson ist eher Sympathisant als wirklich guter Schauspieler. Aber zumindest die Anwesenheit Jack Nicholsons darf im Vorfeld positiv stimmen, war er doch auch der Star in „Besser geht‘s nicht“ und einer der Gründe warum der Film fast so gut wie sein Titel war. Und siehe da, Nicholson gehört tatsächlich zu den Pluspunkten des hier besprochenen Streifens, darf mimisch überagieren und gerade deshalb wunderbar komisch einen Egomanen in Reinform verkörpern, und das weiß in all seinen Auftritten auch zu gefallen. Allerdings spielt Nicholson eine relativ kleine Rolle.

Immerhin darf Witherspoon lange Zeit nach „Eiskalte Engel“ und „Election“ endlich mal wieder gefallen. Dies weniger im niedlichen Sinne, was man bei einer Romantik-Komödie vermuten könnte. Aber dafür wäre ihr Charakter auch viel zu falsch ausgelegt. Brooks geht es bei Witherspoons Rolle Lisa nicht um Niedlichkeit. Nein, sie soll möglichst authentisch wirken, in einer gefühlsverwirrten Welt, die Liebe nie kennen gelernt habend, aber das Herz am rechten Fleck tragend.

Dies hat auch die Rolle Paul Rudds, die allerdings selbst für eine RomCom viel zu soft daher kommt. Zwar darf der gute Mann zu recht in Selbstmitleid zerfließen, bei all der Scheiße die auf ihn herabregnet, aber seine viel zu frühe Besessenheit für Lisa, die man nun wirklich nicht mehr Liebe nennen kann, macht doch viel an einem Charakter kaputt, der eigentlich positiv gemeint sein soll.

Dass er dennoch liebenswürdiger wirkt als sein Konkurrent, liegt einzig daran, dass man Owen Wilson mit Absicht eine arg egoistische Figur spielen lässt, die zwar durch ihre Unbedarftheit all die lachfördernden Ego-Touren nicht böse meint, aufgrund seiner Charakterzeichnung aber nie eine ernsthafte Wahl für den Final Part an der Seite Witherspoons wird. Da mag nur wer sehr naives zweifeln wer denn am Ende nun das Herz Lisas erobern darf und wer nicht.

Doch auch wenn es der Tragik etwas zu viel und des Humors etwas zu wenig gibt, und auch wenn die von Rudd gespielte Figur als eine der wichtigsten nicht so zu wirken weiß wie es Brooks gerne hätte, irgendwie weiß „Woher weißt Du, dass es Liebe ist“ dennoch zu funktionieren, wenn auch nur auf leichter Basis und weit davon entfernt ein Tipp in seinem Sub-Genre zu werden. Dafür verlaufen sich viel zu viele Storystränge ins Nichts, und dafür wird viel zu viel leer geschwätzt, wenn auch meist auf amüsante Art.

Denn die Dialoge sind ähnlich pfiffig wie die stillen Seiten der Figuren, sprich wo diese in ihrem Mittelpunkt oft versagen, weiß die Psychologie um sie herum zu wirken. Mag da wer bissigere Kommentare erhoffen oder aufdringlich komische, die Dialoge kommen situativ komisch daher und/oder bezogen auf die Charaktere des Streifens. Auf dieses stille Erscheinungsbild muss man entweder gepolt sein, oder man kommt ignorant vor Langeweile um.

Da es Brooks sowohl um Dialog als auch um Charaktere in erster Linie geht, dies also der Hauptaspekt als Unterhaltungswert seines Filmes sein soll, kann jemand der dies nicht entdeckt oder bei dem das nicht zündet, mit diesem Streifen auch nicht klar kommen. Umgekehrt: da Brooks diese Schwerpunkte im Gesamten selbst nicht komplett beherrscht, konnte er auch keinen weiteren Hit wie „Besser geht‘s nicht“ landen. Das ist schon recht schade.

Erschwerend kommt hinzu, dass der Romantikpart nicht wirklich zu überzeugen weiß, nur kurz vor Schluss doch einmal kurz aufflammt, wenn Rudds Rolle wenigstens etwas sympathischer geworden ist. Aber auch das verpufft wieder ganz schnell, wenn der finale Kuss ganz unromantisch eingefangen wird, ein Manko das in romantischen Komödien häufiger auftritt, z.B. bei dem sonst so bezaubernden „E-Mail für Dich“ mit Meg Ryan und Tom Hanks.

Als Pluspunkt bleiben also das sympathische Spiel Witherspoons, die kompletten Gastauftritte des wieder mal genialen Jack Nicholson, das Drehbuch in den Egomomenten der Rolle Owen Wilsons, sowie die eher versteckten Ecken und Kanten an den Restcharakteren und an den Dialogen. Für das Ergebnis einer wirklich überzeugenden Tragikomödie reicht das nicht aus, dafür ist ein Teil der Pluspunkte noch zu lasch ausgefallen. Aber für ein amüsantes Dranbleiben für das Unterhaltungsfilmchen zwischendurch reicht es aus. Auch wenn man sich am Ende fragt, was die ganze Geschichte eigentlich nun sollte.  OFDb