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04.08.2025

Ein böser Affe, Gefühle in Dorf, Stadt und Weltall - Kurzkommentare (5)

 

The Monkey (2025)

Die zweite Hälfte ist pointiert schwarzhumorig, mit herrlich skurrilen und toll getricksten Splattermomenten versehen. Leider kommt die erste Hälfte dank Drehbuchschwächen umso weniger überzeugend daher, am schlimmsten wohl in seiner Art, wie es die Hauptperson das Geheimnis des Affen entdecken lässt. Auch der Zugang zu den Figuren ist zunächst äußerst sperriger Natur. Zumindest könnte eine mögliche Fortsetzung überzeugen, so rund wie sich die letzte Hälfte dieser Verfilmung einer Stephen King-Kurzgeschichte guckt. Da gab es weit zäheres in der Vergangenheit.  Wiki

 

Doc Hollywood (1991)

Klar handelt es sich um eine direkte Manipulierung den Zuschauer von der Romantik und den sympathischen Tücken des Dorflebens zu überzeugen, aber wenn das Erzählen einer gar nicht so neuen Geschichte derart sympathisch ausfällt wie hier, angehäuft mit charmanten Charakteren, gespielt von gut aufgelegten Profis, dann herzlich Willkommen, lieber Doc Hollywood! Fox als unreifer Erwachsener wurde nicht ohne Grund seine persönliche Marke, die Romantik springt auf den Zuschauer über, die Pointierung funktioniert, lediglich das Titellied ist völlig fehl am Platz und spiegelt nicht die Stimmung des Streifens wieder. Dass sich Disneys "Cars"etliche Jahre später so dreist am Stoff bedient hat, ist zwar traurig, aber deren mageres Ergebnis spricht für sich.  Wiki 

 

Pretty Woman (1990)

Manch einer mag nörgeln, dass das Bild der Frau hier als ziemlich oberflächlich dargestellt wird, also von heutigen Wahrnehmungen überholt ist. Letztendlich handelt diese Komödie jedoch von der Romantik zwischen zwei oberflächlichen Menschen, die charakterlich keine Vorzeigemenschen sind, sowohl der Mann, als auch die Frau. Und dass man mit diesen Zwei dennoch so wunderbar mitfiebert und ihre Gesellschaft bei Nichtigkeiten genießt, spricht schlichtweg für Drehbuch, Regie und die treffende Besetzung in großen und kleinen Rollen, so gekonnt wie hier alles ineinander greift. Der Soundtrack, ob mittels eingekaufter Hits oder Film-eigener Hintergrundkomposition, sorgt für den Rest in einem Film, der einen bei jedem Sichten immer wieder zu verzaubern weiß.  Wiki  

 

Star Trek Beyond (2016)

Ein letztes Mal die vollständige Besetzung der neuen Crew aufgrund eines Trauerfalls zu sichten, ein bewegender Verweis auf Spock und die alte Mannschaft aufgrund eines weiteren Trauerfalls, das lässt einen durch kurze, bewegende Momente nicht zu streng mit einer Fortsetzung ins Gericht gehen, die definitiv schwächer ausgefallen ist als die zwei Filme, denen sie folgt. Dennoch ist unübersehbar wie sehr das von Simon Pegg mitgeschriebene Drehbuch seine arg actiongeladene Geschichte zu geradeaus erzählt, was umso mehr auffällt, da es sich keineswegs um eine innovative handelt. Was hätte man mit dem mystischen Nebel für ein Abenteuer ins Unbekannte schaffen können. Was hätte man echte Gefahren, die ungewohnt gemeistert werden müssen, einbringen können durch die ungewollte Trennung der Mannschaft. In seiner zu ideenlosen und blauäugigen Art schafft es der Streifen durch das Grundrezept der Marke und der mittlerweile ins Herz geschlossenen neuen Mannschaft, dennoch zu unterhalten. Aber eben nur schlicht, kein großes Abenteuer zum Mitfiebern bietend wie die Teile 1 und 2.  Wiki  

 

Synecdoche, New York (2008)

Ich bin ja jedes Mal fasziniert von dem Einfallsreichtum eines Charlie Kaufman, und auch die Idee, die mit "Synecdoche, New York" erzählt wird, ist nicht von schlechten Eltern. Mit der Umsetzung wurde ich jedoch nicht warm. Nicht nur dass die eigentliche Idee einer Stadt in der Stadt erst viel zu spät Fuß im Hauptplot fasst, auch der Hauptcharakter blieb mir unnahbar, soll ein selbstverschuldeter Versager sein, dem böse mitgespielt wird und der sich aufgrund mangelnder Reflexion nicht zum Sympathiecharakter wandelt, das hab ich verstanden, aber er wird nicht zur Identifikationsfigur. Es gibt keine emotionale oder intellektuelle Motivation sich für sein Schicksal zu interessieren. Kurzum: ich bekam keinen Zugang zu einem einfallsreichen Film, der handwerklich professionell umgesetzt war - wieder mal. Liegt wahrscheinlich an mir...  Wiki

12.08.2019

SLAUGHTERHOUSE RULEZ (2018)

Sie bekleiden nur halbwegs klein geratene Nebenrollen und spielen diese nicht einmal in gemeinsamen Szenen, und doch sind sie nicht nebensächlich für die schwarze Horor-Komödie "Slaughterhouse Rulez". Die Rede ist von Nick Frost, sowie Simon Peck, der bereits sechs Jahre zuvor mit Regisseur Crispian Mills in dessen bislang einzigen weiteren Film "Die fürchterliche Furcht vor dem Fürchterlichen" zusammen gearbeitet hat. Beide sind die Hauptdarsteller der berühmten Cornetto-Trilogie, die mit "Shaun of the Dead" ihren Anfang nahm und mittlerweile, ebenso wie Ricky Gervais, Zugpferde der britischen Komik im Kino. Beide spielen für die Handlung entscheidende Rollen im hier besprochenen Film, trotz der geringen Größe dieser, beide sind aber auch Produzenten dieser Komödie. Dass es im einflussreichen Beisein dieser beiden nie geistlos zugeht, ist bekannt, und so steckt auch in "Slaughterhouse Rulez", wenn auch diesmal inhaltlich kaum von ihnen beeinflusst, mehr Gehalt, als dass man sich einzig an der Parodie eines gruseligen Stoffes heranwagt. Man spielt mit englischen Ständen und Traditionen, eine Zutat die für uns nicht immer leicht zugänglich ist. Ebenso wird der kapitalistische Aspekt des Frackings thematisiert, und damit auch der Umweltaspekt und der Bereich der Öko-Aktivisten, was jedoch alles nicht so tief greift, wie man vermuten könnte.

Beobachtet man die Charaktere des Streifens, so haben sie bis auf wenige Ausnahmen alle etwas gemein. Die Erwachsenen nutzen ihre jeweiligen Ideale als Vorwand, sei es der Direktor, der Lehrer, der so gerne Vorbild und Beschützer der Schüler wäre, die Eltern oder der Anführer der Umweltdemonstranten. Die Schüler hingegen imitieren ein Ideal, sich ihrer Familientradition dazu verpflichtet fühlend. Und aus diesem Dilemma der Kinder und Erwachsenen, entsteht der zentrale Humorschwerpunkt des Streifens, so dass sich die langsam anbahnende Geschichte um eine gefährliche Tiergattung, die durchs Fracking in ihrer Ruhe gestört wurde, für mich unnötig anfühlte. Dieses Gefühl verschwand auch nicht in jener Phase des Streifens, in welcher sie endgültig zum Zentrum wird und der Kampf Schüler gegen Bestien bevor steht. "Slaughterhouse Rulez" behält in diesem letzten Drittel als Randerscheinung noch besagten Humorschwerpunkt bei, konzentriert sich aber hauptsächlich nun um eine Horrorgeschichte, die nicht hätte sein müssen. Mag sie auch verwoben sein mit der Vergangenheit der Schule, und damit auch mit der Tradition und den Idealen dieser, also Teil besagtem Herzstück des Streifens darstellend, der Film lässt nach je mehr er sich dem Horror-Part zuwendet (auch wenn dieser nie außerhalb seines Komikbereichs präsentiert wird). Damit blieb der Aspekt um die aggressiven Viecher auch mit ihrer Ankunft im Zentrum der Geschehnisse ein Fremdkörper für mich, so als habe man zwei Themen miteinander kombinieren wollen, die nicht wirklich ineinander greifen wollen.

Das schränkt Crispian Mills zweite Komödie zwar in ihren Möglichkeiten unnötig ein, so als sei der Horror-Part ein pflichtmäßiges Zugeständnis an die beiden komödiantischen Berühmtheiten des Streifens, die es selbst in ihrer Actionfilm-Parodie "Hot Fuzz" nicht lassen konnten Horror-Elemente einfließen zu lassen, macht den Film aber nicht wirklich kaputt. Als sympathischer, kleiner Beitrag für zwischendurch ist "Slaughterhouse Rulez" durchaus unterhaltsam ausgefallen, zumal er einige wirklich gute Ideen parat hält, von denen man sich gewünscht hätte, sie wären in einem Film untergekommen, der ihrer wert wäre. Die Hauptdarsteller wissen den Film zu stemmen, die Maskerade Nick Frosts ist geglückt wie immer, an schwarzer und bissiger Gesellschaftskritik mangelt es nicht, gerade Freunde britischer Komik kommen nicht zu kurz. Insgesamt lebt der Streifen jedoch zu sehr von reizvollen Ansätzen, die nicht zu genüge beachtet wurden, sei es die Käuflichkeit des Direktors, der Reiz an der Gefahr des Verbotenen als Schüler im Wald, die Thematik rund ums Fracking, das Geheimnis um den Öko-Anführer, oder das komödiantische Spiel mit dem Bereich des Tier-Horrors. Mit Ausnahme des Zwangs, der Täuschung, der Missachtung und des Missverstehens von Traditionen und Idealen, sowie das Spiel um Wahrheiten hinter verehrten Erinnerungen (in diesem Falle hauptsächlich der Part um die Schullegende), wurde jeglicher Faktor nicht konsequent genug umgesetzt. Und besagter, der zu genüge beachtet und vertieft wurde, kann sich dem unwissenden, deutschen Zuschauer nicht in seiner Gänze offenbaren, da es an mancher Kenntnis darüber fehlt wie enorm Stände und Traditionen in der Gesellschaft Englands verankert sind und auf welche Arten sich dies dort äußert.  OFDb

03.01.2017

STAR TREK 2 - INTO DARKNESS (2013)

Nachdem J.J. Abrams der alten Mannschaft vom „Raumschiff Enterprise“ neu besetzt erfolgreich einen frischen Anstrich verlieh, wurde er auch für die Fortsetzung „Star Trek 2 - Into Darkness“ verpflichtet, der sich, ebenso wie der damalige zweite Kinofilm, mit der unter Fans legendären Geschichte von Khan beschäftigt. Ich, der sich trotz Freude der klassischen Enterprise-Stoffe nicht als Trekkie oder Fan bezeichnen würde, konnte weder mit der TV-Episode, noch mit ihrer Kinofortsetzung viel anfangen, empfand ich doch gerade den Film als schwächsten Beitrag der sechs Kinofilme, wohingegen die Fan-Gemeinde ihn zu einem der besten schlechthin erklärte. Dementsprechend lag ein erneuter Druck auf Abrams, aber auch diesmal gelang ihm die Modernisierung, so dass auch ich diesmal zur Khan-Thematik bestens unterhalten wurde.

Ebenso wie die neuen Gesichter der alten Mannschaft, so ist auch Khan hervorragend besetzt. Allerdings ging man bei ihm auch auf Nummer Sicher, gilt Benedict Cumberbatch seit der britischen Neuauflage des „Sherlock“-Themas doch als Star, und dass er einen Bösewicht mimen kann, hätte ich nie angezweifelt. So steht der eher charismatisch gelungenen Besetzung nun ein wahrer Schauspieler gegenüber, und der spielt gleich auch jeden an die Wand, egal wer mit ihm die Szenen teilen muss. Letztendlich ist es egal, Stoffe dieser Art leben ohnehin weit mehr von ihren Gegnern oder dem zu behebenden Problem als vom Heldentum der Stammmanschaft, dennoch wird einem beim Sichten des Filmes noch einmal bewusst wie sehr sich europäisch ausgebildete Schauspieler vom Star-Ruhm der amerikanischen Schauspielerei qualitativ unterscheiden.

Kirk, Spock und Pille wissen dennoch zu wirken, sind meiner Meinung nach wahrlich toll besetzt, Simon Pegg in der Rolle des Scotty spielt okay, drängt sich weder in den Vordergrund wie man es eigentlich von ihm gewohnt ist, noch spielt er mit vollem Elan. Einzig Chekov hat mich genervt, das kann aber auch an der Synchronstimme gelegen haben, habe ich mir die Fortsetzung vom 2009er „Star Trek“ doch in der deutschen Version angeschaut.

So oder so, „Star Trek - Into Darkness“ ist ein erstaunlich kurzweiliger Film geworden, dem man seine zwei Stunden Laufzeit nicht ansieht. 45 Minuten vor Schluss dachte ich, dass die Vorgeschichte nun beendet sei, dabei folgte dem nur noch ein längeres Finale, so flott guckte sich der Film für mich. Zwar muss man gerade im letzten Drittel einiges an Unsinnigkeiten erdulden, die Autoren dachten wohl wenn ordentlich die Post abgeht muss man nicht mehr auf Logik achten, aber zumindest verdanken wir einer ihrer Unsinnigkeiten auch eine faszinierende Idee, die dementsprechend im Fantasy- anstatt im Science Fiction-Bereich angesiedelt ist. Es handelt sich um jene Szene, in der sich zwei Raumschiffe bei Warp-Geschwindigkeit eine Verfolgungsjagd liefern. Zwar vermisst man bei dieser das naheliegend logisch leichte Entkommen aus einer solchen Situation, aber das Unterhaltungshoch gibt Abrams Recht, also was soll man da auf hohem Niveau meckern.

Von daher freue ich mich schon auf die bereits erschienene Fortsetzung „Star Trek 3 - Beyond“, hat der hier besprochene Film doch bewiesen, dass der Anspruch und die Qualität des ersten Teils keine Eintagsfliege war. Aufgrund der Verjüngung der Mannschaft hatte ich tatsächlich meine Zweifel, was auch erklärt warum ich mich so lange nicht an Teil 2 herangetraut habe. Erst Abrams ebenfalls gelungene Wiedererweckung des Konkurrenzproduktes mit „Star Wars 7 - Das Erwachen der Macht“ machte mir Mut einzuschalten, und nach der längeren Pause zu Teil 1 merkte ich auch erst, wie sehr ich vergessen hatte wie gut die neue Mannschaft besetzt ist, gerade mit Zachari Quinto als Spock, in dem man immer einen Hauch Jesse Eisenberg zu sehen glaubt. Also von meiner Seite aus gibt es für den höchst kurzweiligen „Star Trek 2 - Into Darkness“ ganz klar einen Daumen nach oben. Hier könnten sogar Fremde des Star Trek-Universums einen glücklichen Einstieg finden.  OFDb

25.12.2016

STAR WARS: EPISODE 7 - DAS ERWACHEN DER MACHT (2015)

Als J.J. Abrams der längst beendeten „Star Trek“-Reihe um Kirk und Co neues Leben einhauchte, erschuf er damit ein sehenswertes Werk, welches den Start einer neuen Reihe einleitete. Als Selbiger danach versuchte mit „Super 8“ das Familienkino Steven Spielbergs aus den 80er Jahren wiederzubeleben, da scheiterte der gute Mann trotz anfänglicher Sympathien. Das Werk war zu sehr in Spezialeffekten getränkt, als dass es Chancen hatte genügend Retro-Charme zu versprühen. Und nun versuchte sich Abrams an der Wiederbelebung der von Schöpfer George Lucas mit seiner zweiten Trilogie in die Belanglosigkeit gerittenen „Star Wars“-Reihe, die in ihren letzten drei Regiearbeiten Lucas‘ u.a. am selbigen Problem krankte wie „Super 8“.

Unter solchen Voraussetzungen durfte man trotz des tollen Ergebnisses des 2009er „Star Trek“ kritisch sein, ob Abrams es erneut schaffen würde eine totgerittene Science Fiction-Reihe wiederzubeleben. Wie die Einspielergebnisse und die fleißige Weiterproduktion der Reihe samt Nebenprodukten zeigt, ist ihm dies wirtschaftlich gelungen, solch ein großes Ergebnis wie die Wiederbelebung um Spock und Co ist ihm meiner Meinung nach allerdings nicht geglückt, was, wie das Ergebnis von „Star Wars: Episode 7 - Das Erwachen der Macht“ zeigt, auch gar nicht nötig ist.

Der Retro-Charme, den „Star Wars - Das Erwachen der Macht“ (Alternativtitel) ausstrahlt, ist das Einschalten bereits wert. Endlich wird die Geschichte der Ur-Reihe weiter erzählt, so dass man nebenbei erfährt was aus den drei Helden wurde und welchen Einfluss sie auf die aktuellen Geschehnisse haben. Die alten Mimen sind wieder mit an Bord, die neuen Charaktere sind sympathisch ausgefallen, und an allen Ecken und Enden gibt es Wiedersehwerte die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Einfallsreich sieht anders aus, dafür kopiert die Geschichte viel zu sehr ihr Vorbild und dafür fehlt es an innovativen Momenten, welche die Figuren aus ihren Stereotypen herausreißen, so wie es die Müllpresse-Szene im allerersten „Krieg der Sterne“ vorgemacht hat. Allerdings funktioniert die Kopie einer bereits bekannten Geschichte besser als ich vermutete, allein schon weil Abrams mit allerhand Ablenkung alles versucht die Geschichte nicht wie eine Blaupause aussehen zu lassen.

Etwas ärgerlich ist der Handlungsablauf an sich ausgefallen, lebt die Zusammenkunft der Helden doch von zu vielen Zufällen, als dass sie zu gefallen wüsste, was dann am meisten nervt, wenn eine ausweglose Situation mehr als einmal dadurch gelöst wird, dass sie mit der Einführung eines Charakters aus der Ur-Serie blauäugig gelöst wird. Und dass es das ganze Universum interessiert Luke Skywalker wiederzufinden, ist schon ein etwas schwacher Auslöser eines kompletten Filmes um Rebellion, Verrat, Sternenschlachten und zerstörte Planeten. Zumal man sich unweigerlich fragt ob Luke entdeckt werden möchte, wenn er doch freiwillig ins Exil gegangen ist.

Diese Frage muss zwar erst die Fortsetzung beantworten, aber da das Schicksal der „Star Wars“-Reihe nicht mehr bei George Lucas liegt, kann die Antwort auf diese Frage nicht ganz so plump ausfallen wie die Mittel-Trilogie. Was die Frage um den CGI-Overkill betrifft, den Abrams im hier besprochenen Film hätte wiederholen können: hier kann man Entwarnung geben. Trotz etlicher Computereffekte und unzähligen Schlachten sind die Actionszenen und Fights nie überfrachtet ausgefallen. Das geübte Auge kann zuschauen, die Effekte sind erste Sahne, und so manches Mal fühlt es sich so an, als ob man sich tatsächlich mitten in einer Sternenschlacht befindet.

Der einzige Minuspunkt in Sachen Optik besteht leider im Aussehen des neuen Anführers des Bösen. Zwar versuchte man nicht den Imperator zu immitieren, aber leider setzt man uns als Master des Bösen diesmal ein komplett am Computer entstandenes CGI-Wesen vor, welches Echtheit nicht vorgaukeln kann und somit wie ein Zeichentrickelement inmitten eines Realfilmes wirkt. Seine Wirkung ist weder mystisch noch unheimlich, letztendlich ist er das einzige Element in Episode 7, welches das Werk kurzfristig zu einem Kinderfilm degradiert. Da seine Auftritte noch höchst rar gesät sind, schaden diese Ausrutscher dem Film nur minimal. Schnell ist man mit einem neuen Retro-Aspekt wieder wohlgestimmt.

Mit solchen allein wird sich eine Episode 8 jedoch nicht gucken lassen, so dass man für den Weiterverlauf der Story nur hoffen kann, dass nicht weiterhin nur noch die bewährte Kuh per Ideendiebstahl aus eigenen Reihen gemolken wird. Das funktionierte einmal, eben weil es den Zuschauer, ähnlich wie bei „Rocky 6“ nach einem Wiedersehen dürstete. Die Mitteltrilogie riss große Wunden in das Fanherz mit seiner leblosen, kindischen Art. Da ist „Das Erwachen der Macht“ eine wundervolle Medizin, um den enttäuschten Fan wieder glücklich zu machen. Aber nun muss es mutig weitergehen, und da bin ich trotz des sympathischen Ergebnisses des hier besprochenen Filmes bei Episode 8 wieder ebenso kritisch, wie ich es vor der Sichtung von Episode 7 war. Aber ich lasse mich gerne erneut eines Besseren belehren.  OFDb

23.07.2016

SHAUN OF THE DEAD (2004)

Als 2004 „Shaun of the Dead“ auf der großen Leinwand erschien, da war das nicht nur der Beginn der großartigen Cornetto-Trilogie, die mit „The World‘s End“ ihren umstrittenen Höhepunkt erhielt, es war auch der Anfang einer Zeit, in der viele Filmschaffende versuchten auf den Pfaden des hier besprochenen Filmes zu wandern und eine ähnliche Zombie-Komödie abzuliefern, was grundsätzlich zum Scheitern verurteilt war und nur selten in netten Beiträgen endete, die damit aber immer noch weit unter dem Ergebnis von Edgar Wrights Film lagen.

Meist liegt es daran, dass man versuchte den skurrilen Tötungsversuch von Zombies, hier umgesetzt durch das Werfen von Schallplatten, unter der Diskussion dessen ob sie noch in die Sammlung gehören oder nicht, durch alternative ausgefallene Methoden zu ersetzen. Das war defenitiv eine sehr witzige Szene im hier vorliegenden Film, aber eben nicht seine Geheimzutat, die ihn so grandios werden ließ.

Auch setzten die Trittbrettfahrer gern auf den von Peter Jackson mit „Braindead" perfektionierten Splatstick, der in „Shaun of the Dead“ kaum Verwendung findet, was bereits die geringe FSK-Einstufung der 16 verdeutlicht. Dass die Stärken vom ersten Teil der Cornetto-Trilogie ganz woanders liegen, haben die Blaupausenschaffer nie begriffen - wie es scheint viele Horror-Fans jedoch auch nicht, die bei jeder neuen Zombie-Komödie gleich wieder den Vergleich zu diesem einzigartigen Liebhaberstück ziehen müssen, um jedes lieblos hingerotztes Stück Horror-Komödie hochzujubeln.

Einfach ist es nicht einen „Shaun of the Dead“ zu schaffen, allein der Komikbereich erfordert das Gespür für das perfekte Timing vom Setzen einer Pointe und die nötige Intelligenz auch hintergründigen Humor, der auf genaue Beobachtungen, kritisches Hinterfragen und analytischen Gedanken fußt, anwenden zu können in einem Cocktail verschiedenster Humorrichtungen, bishin zum geringen, aber sehr entscheidenden, Anteil der Tragikomik. Es wird nur selten dramatisch in „Shaun of the Dead“, aber wenn dann ist die Tragik trotz aller Komik spürbar und verleiht den keinesfalls flach ausgefallenen Charakteren, die mehr darstellen als die Stereotype die sie hauptsächlich verkörpern, endgültig Tiefe.

Dass „Shaun of the Dead“ nicht nur eine großartige Komödie ist, die einen immer wieder zum lachen und schmunzeln bringt, sondern auch von einer guten Portion Charme lebt, liegt daran dass einem die Figuren nicht egal sind. Vom liebenswerten Nichtsnutz bis hin zur tragikomischen Figur der Freundin der Freundin (gespielt von der britischen „The Office“-Dawn), die sich seit Schulzeiten damit abgefunden hat, dass ihr Freund nur zur Notlösung bei ihr ist, weil er es eigentlich auf die Freundin seiner Freundin abgesehen hat, bleibt kaum eine wichtige Figur des Streifens eindimensional und mag sie auch kaum in den Vordergrund treten, wobei die Manege ohnehin Shaun gehört und mit Abstrichen auch seinem Sidekick Ed.

Erst auf der Grundlage greifbarer und hintergründiger Charaktere, und der Möglichkeit die uns Wright gibt mit ihnen mitfühlen zu können (nicht nur in dramatischen Momenten) können Witz und Charme so enorm sprießen, dass wir solch ein intensives Filmerlebnis mit „Shaun of the Dead“ erleben durften und immer wieder erleben dürfen. Denn auch beim x-ten Sichten und mittlerweile trotz der unzähligen Varianten gleicher Themen in Konkurrenzprodukten und damit zwingend trotz der Weiterentwicklung des Humors zum Zombiethema, ist Edgar Wrights Beginn der Cornetto-Trilogie, an der auch Hauptdarsteller Simon Pegg mitgeschrieben hat, noch immer wirksam wie bei der ersten Sichtung. Wer hier nicht lacht, hat selber Schuld.  OFDb

22.07.2016

ZUFÄLLIG ALLMÄCHTIG (2015)

Terry Jones hat mit seinen Monty Python-Filmen „Das Leben des Brian“, „Die Ritter der Kokosnuss“ und Co Legendäres geschaffen, und konnte für seine erste Spielfilm-Regie nach dem vor 19 Jahren von ihm umgesetzten „Sturm in den Weiden“ sogar alle noch lebenden Mitglieder der besagten britischen Komiker-Truppe zusammentrommeln, um für die hier besprochene Science Fiction-Komödie in Sprecherrollen für die übermächtigen Aliens mitzuwirken. Zudem konnte man Simon Pegg für die Hauptrolle gewinnen, der in der Cornetto-Trilogie, die einst mit „Shaun of the Dead“ startete, nicht nur schauspielerisch eine gute Figur machte, sondern die perfekt pointierten Filme auch mitgeschrieben hatte.

Da kam ein ungeheures Humorpotential zusammen, um an einem Projekt teilzunehmen, wie es plumper und massentauglicher kaum mehr hätte ausfallen können, dominiert in der Co-Produktion von England und den USA doch leider letzteres, und dort benötigt man den wesentlich lauteren Humor, um das Publikum begeistern zu können, eine wenig subtile Komik, die in Europa gerade dann auf wenig Gegenliebe stößt, wenn sie so penetrant angegangen wird wie hier. „Zufällig allmächtig“ haut mitten in die Kacke, ohne sein Szenario auch nur halbwegs clever zu durchdenken.

Da benötigt man schrill aussehende, grelle, am Computer animierte Aliens, einen laut schreienden und völlig überzogenen Möchtegern-Liebhaber, der hinter das Geheimnis von Neils Kräften stößt, um diese am Tiefpunkt des Streifens angekommen, für den hinterletzten klamaukigen Blödsinn zu verwenden, da lässt man den Hund des Helden sprechen, denn das fand die bildungsarme Schicht an leichter Unterhaltung schon immer lustig - warum auch immer, und da traut man sich trotz provozierender Komik nicht die letzte Konsequenz anzugehen, so dass eigentlich alle schlüpfrigen Witze nur angedeutet werden dürfen, hoch lebe das biedere Amerika.

Wenn man nun noch bedenkt, dass Terry Jones höchstpersönlich an dem das Zuschauer unterforderndem Skript mitgeschrieben hat, kann man kaum glauben dass der es nicht schaffte mehr Potential aus der eigentlich so simplen wie gelungenen Idee herauszuholen. Stets ruht man sich auf infantiler Komik aus. Seltenst weiß ein zu salopp formulierter Wunsch in seiner zu wortwörtlichen Umsetzung zu belustigen. Noch seltener stößt man auf einen hintergründigen Witz. Aber diese Ausnahmen kommen vor und verdeutlichen nur um so mehr wie schade es um das vorhandene Potential war.

Ich fand es bereits in „Bruce Allmächtig“ schade, dass aus der Idee einem Versager göttliche Kräfte zu geben, so wenig herausgeholt wurde. Der erweist sich im direkten Vergleich trauriger Weise als die rundere und gelungenere Sache, zählt er doch wenigstens noch zu den durchschnittlichen Komödien, wohingegen „Absolutely Anything“ (Originaltitel) sich mit seinen wenig geglückten Pointen überhaupt nicht gerettet bekommt. Fremdschämen steht im Raum. Schrille, dümmliche Komik trifft auf ein Übermaß an Spezialeffekten innerhalb einer undurchdachten Geschichte, die weder glaubwürdige Figuren noch interessante Szenarien zu kreieren weiß, was kaum zu glauben ist bei dem Stoff der hier vorliegt. Mehr gibt es auch nicht zu sagen. Finger weg! Nur wer noch immer über sprechende Tiere lachen kann wird in dieser innovationsfreien Komödie fündig.  OFDb

26.04.2015

ICE AGE 4 - VOLL VERSCHOBEN (2012)

„Ice Age 4“ beginnt mit einer zum Schreien komischen Anfangssequenz, die kaum besser hätte ausfallen können. Direkt nach dieser dürfen wir einem klassisch konstruierten Familienzwist zwischen Vater und Tochter beiwohnen, der zum Standard-Gefühlsprogramm ideenloser Trickfilme Amerikas gehört (so z.B. auch zu erleben in „Hotel Transsilvanien“), was für eine Ernüchterung sorgt. Die kleine Tochter ist niedlich animiert, keine Frage, und damit sympathischer ausgefallen als die Mutter die man seit Teil 2 nicht mehr los wird, aber mit dieser Szene zeigt „Ice Age 4“ bereits sein wahres durchschnittliches Gesicht, in welchem nur noch zur Ausnahme wahrlich geglückte Lacher auftauchen dürfen.

Mit Teil 4 ist die Reihe endgültig zum reinen Kinderfilm verkommen. Ewig gibt es actiongeladene Rutschpartien die sich zum einen, ähnlich wie der unerträglich hippe Schluss-Song, dem jungen Zielpublikum anbiedert und zum anderen darüber hinwegtäuschen sollen, dass eigentlich keine richtige Geschichte vorhanden ist. Die dünne existierende ist so schon ein paar Mal erzählt worden, auch in der Reihe selbst. Wieder sucht man einander, nachdem man getrennt wurde, und da Manni nun eine Familie hat (und die Reihe damit und mit den Kumpels der Tochter auch viel zu viele Figuren hat um die sie sich kümmern muss) gehört der Part der neu aufflammenden Liebschaft diesmal dem soften Diego.

Aber auch dessen Lovestory kommt aus der Ideen-Schablone und weiß durch nichts zu gefallen, ist somit Füllmaterial wie das meiste Gezeigte sonst und so witzarm ausgefallen wie der Großteil des Streifens. Einzig die Oma Sids weiß zu trumpfen, zumindest bis zu jenem Moment wo wir ihren bis dahin unsichtbar geglaubten Freund kennen lernen, der nicht nur unangenehm auffällt weil er die Problemsituation am Ende zu sehr erleichtert, sondern auch verärgert weil auch seine Anwesenheit die Story zu politisch korrekt weich badet. Schlimm genug dass Diego nie beim Fressen eines Tieres gezeigt werden darf, um die hauchdünne Psyche der Kinder nicht aufzureißen, nein, nun darf Sids Oma aus falschem Respekt auch keinen erfundenen Freund mehr haben. Sonst wäre sie ja eine Irre oder zumindest wunderlich.

Mit „Ice Age 4 - Voll verschoben“ (was für ein ätzend anbiedernder Beititel) ist die Reihe unglaublich brav geworden, noch mehr als es „Für immer Shrek“ für die „Shrek“-Reihe wurde. Er ist dank seines hohen Tempos zwar durchzuhalten, aber originell ist hier bis auf einige Momente mit Scrat nichts mehr. Und selbst Scrats Szenen sind nicht mehr alle so geglückt wie jene zu Beginn. Somit ist der Film ähnlich mau ausgefallen wie „Ice Age 2“. Das ist schon etwas schade, war ich nach dem zumindest amüsanten „Ice Age 3“ doch optimistisch genug ein weiteres Abenteuer diesen Niveaus zu erleben, was eigentlich bereits lediglich ein Kompromiss ist mit Blick auf den unglaublich gelungenen Teil 1, der sich vor den Werken Pixars und Dreamworks nicht zu verstecken brauchte. Aber was mir mit Teil 2 und 4 abgeliefert wurde, ist mir einfach zu wenig. Zumal eine Piratengeschichte die Figuren noch mehr vermenschlicht als ohnehin schon. Und das in Kombination mit den pseudo-dramatischen Elementen zum Thema Liebe, Freundschaft und Familie ist mir zu aalglatt und massenkompatibel ausgefallen um dem Ganzen mehr entgegenzubringen als ein müdes Schmunzeln.  OFDb

29.09.2013

THE WORLD'S END (2013)

Ziemlich zeitgleich zu Seth Rogens Regie-Debüt „This Is The End“ startete ein weiterer humoristischer Film der sich im Titel mit dem Ende der Welt befasst. Es ist der dritte Teil der Cornetto-Trilogie, die auch unter dem Begriff Blood And Icecream-Trilogie bekannt ist, und die mit „Shaun Of The Dead“ und „Hot Fuzz“ ihren Anfang nahm, zwei hochgradig gute Komödien, die albern und geistreich zugleich waren, ein von mir gern gesehener Mix in diesem Genre. Aufgrund der Vorgänger hatte ich an diesen dritten Teil der Reihe wesentlich größere Erwartungen gesetzt als an einen ollen Seth Rogen Film. Da mag er mit „Ananas Express“ und „Shopping-Center King“ noch so köstliche Genrebeiträge abgeliefert haben.

Nachdem sich das Trio bestehend aus Regisseur Edgar Wright und den Hauptdarstellern Nick Frost und Simon Pegg (der mit am Drehbuch beteiligt war) zunächst im Horror-Genre und danach im Bereich des Action-Kinos ausgetobt haben, ist sinnvoller Weise nun die dritte Kategorie des phantastischen Films an der Reihe: der Science Fiction-Bereich. Und der handelt eben nicht wie der Titel vermuten lässt vom Ende der Welt, sondern von einer Alien-Rasse die eine Kleinstadt und manch andere Orte dieses Planeten eingenommen hat, jedoch nicht einer Invasion wegen, sondern um die Menschheit zu erretten.

Mag es als Printmedie „Puppet Masters“ auch vor „Invasion Of The Body Snatchers“ gegeben haben, „The World‘s End“ stützt sich auf die Idee von Letztgenanntem, in welchem Menschen durch außerirdische Doppelgänger ersetzt werden, ein im Science Fiction-Genre häufig aufgegriffenes Thema, so z.B. angewendet in „I Married A Monster From Outer Space“, „Dark Forest“ und „Faculty“, außerhalb der Alienthematik auch in Werken wie "Die Frauen von Stepford" und "Futureworld". Obwohl bereits die dritte Verfilmung von „Die Dämonischen“, mit dem Titel „Body Snatchers“, frisch zur Entstehungszeit der politisch korrekten Mentalität den Stoff hätte nutzen können um diese fragwürdige Art zu Denken anzuprangern, nutzt erst „The World‘s End“ diese Gelegenheit und nimmt gleich noch Kritik an der Globalisierung und dem Zerstören von Individualität durch den Kapitalismus mit an Bord.

Treffsicher stellen die Köpfe dieser Geschichte diese drei real existierenden Bedrohungen der Freiheit des Einzelnen einer Alien-Belehrung gegenüber, um gegen Entmündigung des Bürgers zu protestieren, die nur all zu gerne von sich berufenen Menschen angegangen wird, trauriger Weise immer öfter unterstützt von Menschen, die mit dieser Mentalität groß geworden sind und es nicht besser wissen. Dennoch mögen die meisten Leute keine Bevormundung, und in einem schlichten aber unglaublich gelungenen Schluss-Dialog wird genau dieser Fakt hervorgehoben. Wen kümmert Perfektion? Wir wollen lediglich Mensch sein.

Insgesamt hat jeder der drei Cornetto-Teile den Verlust von Individualität und/oder die Bevormundung durch Dritte zum Thema gehabt, aber der Abschluss der Trilogie bringt es am besten auf dem Punkt, einfach weil das Science Fiction-Genre hierfür auch besonders geeignet ist. Trotzdem! So lobenswert das Gespann Wright, Frost und Pegg ihren Stoff auch angegangen sind, rein vom Unterhaltungswert ist der dritte Teil ihrer Trilogie der schwächste, zwar noch immer ein guter Film, aber im direkten Vergleich einfach nicht mehr ganz so witzig zu gucken wie die Vorgänger.

Das liegt aber auch an der Konsequenz der Verantwortlichen, die auf den Stoff gesehen richtig erkannten, dass es nicht so aberwitzig losgehen darf wie zur Heißphase des Filmes. Doch obwohl diese Methode theoretisch richtig angegangen wurde, stört sie auch, wenn man darauf eingestellt ist ein Gag-Feuerwerk zu erwarten, wie es die beiden Vorgänger boten. Wahrscheinlich dürfte eine Zweitsichtung diesen Kritikpunkt lindern, wenn man „The World‘s End“ erst einmal als Gesamtwerk kennt. Bei der Erstsichtung war das Zurückschrauben des Humoranteils eher ernüchternd zu schauen.

Dieser ist dennoch treffsicher, so wie man es von den anderen Teilen gewohnt ist. Und Gag-Feuerwerk bedeutet keinesfalls, dass hier hirnlos herumgealbert wird. Alle drei Filme bieten unterschiedlichste Arten und Schichten an Komik. Das ist das was diese Reihe so außergewöhnlich macht. Die Kritik bezieht sich also nur auf den direkten Vergleich mit den Vorgängern. Für sich gesehen ist das also alles noch unbedingt sehenswert. Das muss mal deutlich ausgesprochen werden.

Was jedoch wirklich in der Anfangsphase des Streifens stört, ist der zu penetrante Charakter den Pegg darstellen darf. Er passt zur Geschichte, und er ist wieder so hervorragend gespielt wie die beiden anderen völlig unterschiedlichen Charaktere Peggs, aber er nervt. Das soll er auch, zugegeben, aber dennoch: er nervt selbst das Publikum. Da tut es gut zu sehen, dass sich dies irgendwann lindert und die von Pegg gespielte Person irgendwann auch förderlich für den Sehwert des Films wird. Mag sein dass sich diesbezüglich ebenfalls eine Zweitsichtung angenehmer guckt. Möglich wäre das sowieso, ist die tatsächliche Faszination für die beiden Vorgänger bei mir doch auch jedes Mal erst durch die Zweitsichtung ausgebrochen. Keine Ahnung warum, immerhin sprechen wir hier von unglaublich gelungenen Filmen, die einem Respekt vor dem gerne unterschätzten Genre Komödie einflößen.

„The World‘s End“ ist gut, sowohl in seinem Humor als auch in seiner Gesellschaftskritik. Und auch die geradezu schlichte Story wird konsequent erzählt und weiß gerade deshalb zu trumpfen, wird sie bei manch eingefahrenem Filmfreund heutiger Kinokost doch nicht gerade Lob ernten, weil man fälschlicher Weise kritisieren wird, sie müsse abwechslungsreicher oder nachvollziehbarer angegangen werden. Beides ist nicht der Fall. Wie schon die Vorgänger, so stützt sich alles was passiert auf die Charaktere des Films, und deren Psychologie wurde von ihren Schöpfern treffend erkannt, und so darf die Geschichte nur jenen Pfaden folgen, für die sich das Autoren-Team auch entschieden hat.

Dass es an den Darstellern nichts zu maulen gibt, dürfte klar sein. Dennoch ist ein Schauspieler besonders hervorzuheben, und das ist Martin Freeman, der in den anderen beiden Teilen nur sehr kleine Rollen spielen durfte, und nun durch die TV-Serie „Sherlock“ und durch die Hauptrolle in „Der Hobbit“ zu Berühmtheit gelangt ist, und deshalb einen größeren Part beschert bekommen hat. Das wurde auch höchste Zeit, ist dieser Mann doch ein großartiger Schauspieler, und das bewies er schon lange vor seinen publikumswirksamen Auftritten. Wer Freeman in seiner bislang besten Rolle sehen will, der muss zur britischen TV-Serie „The Office“ greifen, in welcher er neben Ricky Gervais zu brillieren weiß.

Auch wenn „The World‘s End“ bei der Erstsichtung den anderen beiden Teilen der Reihe hinterherhinkt, so ist er doch dennoch ein würdiger Abschluss der großartigen Cornetto-Trilogie, die schon immer wusste dass der Stoff eines Filmes das wichtigste ist und nicht die Suche nach einem Zielpublikum. Wrights dritter Streich ist geistreich und witzig, und er ist feinsinnig und grob zugleich - quasi all das was die Vorgänger ausmachte. Frosts Rolle mag ein wenig überraschen, wandelt sich aber mit der Zeit zu dem was der Fan an ihm mag, und die obligatorische Cornetto-Szene lässt zwar lange auf sich warten, bietet dafür aber auch einen großartigen Lacher.

Was mir humoristisch anbei mit am besten gefallen hat, ist die wunderbare Idee die außerirdischen Blaublüter von ihrem körperlichen Aufbau her an den Einzelteilen einer Barbie-Puppe orientiert zu haben. Wenn der erste Kopf abgerissen wird und uns der typische Plastikstumpf anlächelt, auf welchen man den Kopf nun theoretisch wieder dran ploppen müsste, dann ist das so freiwillig trashig wie doppelbödig treffsicher.  OFDb

Nachtrag:

Nach der x-ten Sichtung innerhalb kurzer Zeit kann ich nun behaupten, dass "The World's End" mit seiner erwachsenen Art, seinen ernsten Themen und dem wundervollen Humor in einer sich langsam entwickelnden Geschichte mein Lieblingsteil der Cornetto-Trilogie geworden ist. Peggs Charakter King gefiel mir ab der zweiten Sichtung von Anfang an, und wieder hat es der Schauspieler geschafft sich perfekt in eine Rolle hinein zu fühlen. Auch für Nichtkenner der ersten beiden (völlig unabhängigen) Teile ist "The World's End" absolut empfehlenswert!

02.01.2013

HOT FUZZ - ZWEI ABGEWICHSTE PROFIS (2007)

Angel ist der erfolgreichste und engagierteste Polizist, den England wohl zu bieten hat. Doch seine hohe Verhaftungsquote und die vielen Auszeichnungen lassen den Rest der Londoner Polizei schlecht aussehen. Also wird Angel gegen seinen Willen in das kleine Dörfchen Sandford versetzt, schmackhaft gemacht mit einer Beförderung. Kaum dort angekommen scheint Angel einer Mordserie auf der Spur zu sein, wird von den Dorfkollegen jedoch nicht ernst genommen, da Sandford ein sehr friedlicher Ort ist. Lediglich bei seinem dümmlichen und infantilen Freund und Kollegen Butterman findet er Gehör...

Die Mutter aller Actionfilme...
 
Nach dem sehr gelungenen „Shaun Of The Dead“ habe ich bei Sichtung des Nachfolgers „Hot Fuzz“ mit etwas anderem gerechnet. Trotz geglückter Witze war mein erster Eindruck zunächst mittelmäßiger Natur. Und heute kann ich dies kaum noch nachvollziehen. Seit der zweiten Sichtung weiß ich, was für ein Diamant diese Parodie auf Actionfilme ist, und dass dieser Film der geglückten Zombiefilm-Parodie mit gleichen Darstellern von gleicher Regie in nichts nachsteht.

Die Charaktere sind wieder einmal hervorragend ausgearbeitet, so fein, dass man sie erst einmal eine Zeit lang kennen lernen muss, um die Tiefe der Figurenzeichnung komplett zu entdecken. Die Figuren sind interessant und lustig, ein kunterbunter Haufen verschiedenster individueller Charaktere, was besonders deshalb erstaunt, weil sie alle dafür da sind mit typischen Klischeefiguren abzurechnen.

Dass die Köpfe hinter dem Projekt aus dem Horrorgebiet stammen, wenn auch aus der Humorecke („Shaun Of The Dead“, „Danger! 50.000 Zombies“), merkt man „Hot Fuzz“ an, auch wenn er mit dem Genre an sich nichts zu tun hat. Zum einen wären da die sehr harten Morde zu nennen, die nicht an Blut sparen und von einem mystischen Täter begangen wurden, zum anderen bietet die überraschende Auflösung einen gewissen Grusel-Touch. Die Mörderauflösung, die hier nicht verraten wird und bereits zum Ende des zweiten Drittels aufgedeckt wird, wirft den kompletten Film um, so dass es in der letzten halben Stunde mit einer völlig anderen Erzählweise weiter geht als zuvor. 

Beim ersten Gucken empfand ich es so, dass beide Erzählformen nicht so toll zusammen passen. Heute sehe ich das nicht mehr so, da der erste, längere Part die stille, eher theoretische Vorbereitung auf den kleineren rasanten Zweitpart ist. In beiden wird die Cop-Action parodiert, und beide Teile widmen sich verschiedenen Schwerpunkten. Während die etwas lustigere zweite Variante sich fast nur am besagten Genre orientiert, nutzt Regisseur Edgar Wright die erste Variante, um möglichst ein breites Feld an Parodiemöglichkeiten abzugrasen. „Hot Fuzz“ ist so intelligent wie sein Vorgänger, und es wäre hier wie dort dumm gewesen, sich bei all den Möglichkeiten nur an einer Filmgattung zu klammern, um modernes Kino zu verarschen und ihm gleichzeitig seinen Respekt auszusprechen.

Dies ist ein wichtiger Bereich, den manche Komödie, wie „Der Schuh des Manitu“ vernachlässigen. Man muss das Original nicht nur gut studiert haben, man muss es auch respektieren, zumindest um eine richtig gelungene Vorzeige-Parodie abzuliefern. Als Ausnahme dieser Regel kenne ich nur „High School High“, in dem ein Drama-Subgenre parodiert wird, das man eigentlich nicht ernst nehmen kann.

Im direkten Vergleich finde ich, wie bereits erwähnt, die Geschichte nach der Mörderauflösung witziger. Das ist schon etwas verwunderlich, immerhin wendet sich dieser Teil mehr der lauten Komik zu. Im Prinzip ist es gerade die stillere Komik, die eine Komödie zu etwas besonderem macht, ja manchmal dem ganzen chaotischen Treiben sogar ein besonderes Niveau beschert. Das ist auch hier der Fall, auch im besagten letzten Drittel, aber der laute Humor, der Actionfilme a la „Bad Boys“ auf den Arm nimmt, ist in „Hot Fuzz“ eine wahre Wucht. Da wird geballert bis der Arzt kommt, und es wird noch nicht einmal langweilig oder unwitzig.

Denn theoretisch gesehen klingt ein actionüberfrachtetes Finale zunächst einmal mal nicht so toll. Doch mit dem wuchtigen Finale beweist Edgar Wright lediglich, dass man nichts verallgemeinern kann. Letzten Endes liegt alles immer an der Umsetzung, am Hintergrundwissen und an einem Gespür für das angegangene Projekt. Wo andere nur kopieren, imitieren und nachplappern, da setzt die Crew aus „Hot Fuzz“ eigene Beobachtungen, Gedanken und Analysen um. Ein solches Drehbuch lässt sich nicht auf die Schnelle schreiben, und man muss ein gewisses Verständnis besitzen, um solch schöpferische Kraft überhaupt freisetzen zu können.

Es gibt kleine Schmunzler, es gibt laute Witze, es gibt die großen Lacher, es gibt Running Gags (inkl. eines filmübergreifenden, den Cornetto-Witz) und es gibt den intelligenten Humor, der ganz unauffällig um die Ecke linst. Hier passt alles zusammen, aber trotz groben Humor-Unfugs muss man als Zuschauer sein Gehirn eingeschaltet lassen. Hier sehe ich meinen Fehler beim ersten Sichten. Ich wollte mich wohl zu sehr berieseln lassen, und ließ so allerhand Witze unbeachtet an mir vorbeigleiten. Man muss das Genre kennen und gut beobachten können, um „Hot Fuzz“ in vollen Zügen genießen zu können. Aber selbst Genre-Unkundige bekommen genug zu lachen, um die überdurchschnittliche Qualität des Streifens erkennen zu können.

Einziges Manko, das ich anzubringen habe, ist die Tatsache, dass die sehr lustigen Nebenrollen zu klein angelegt sind. Man rückte die beiden Hauptrollen derart in den Vordergrund, dass die anderen Figuren ein wenig vernachlässigt wurden. Ebenso wie in „Funny Farm“ mit Chevy Case wimmelt es hier nur so vor schrägen Dorfbewohnern. Die unscheinbarsten sind dabei oft die witzigsten, z.B. der Polizeikollege mit dem Schnurrbart. Zwar verfehlt keine der toll gecasteten Figuren ihren Witz, verheizt wird hier niemand, aber so manchen Charakter hätte ich gerne noch eine Spur besser kennen gelernt. Wahrscheinlich hätte dies aber den Rahmen endgültig gesprengt, der Film läuft so schon fast zwei Stunden.

Die Geschichte kommt schnell in Fahrt. Das Vorleben in der Großstadt wird sehr schnell abgehakt. Als lobenswertes Vorzeigewerk entpuppt sich „Hot Fuzz“ bei der Wahl, dass eine Trennung mit Angels Lebenspartnerin angesprochen wird, es innerhalb des Werkes aber zu keiner weiteren Liebelei oder einer Versöhnung mit der Ex kommt. Hier wird der Actionfilm und der Krimibereich parodiert, und dafür muss man nicht, wie so viele andere Komödien, noch eine Liebesgeschichte zwanghaft hineinquetschen.

Im direkten Vergleich zu „Shaun Of The Dead“ ist „Hot Fuzz“ ein klein wenig schwächer. Aber da sprechen wir schon von einem sehr pingeligen Vergleich, denn völlig für sich gesehen ist „Hot Fuzz“ eine Parodie die man nicht mal eben auf die Schnelle umgesetzt bekommt. Hinter dem Projekt steckt jede Menge Herzblut. Je öfter man den Streifen sichtet, um so mehr gibt es zu entdecken. Zudem ist es schön zu sehen, dass jede noch so kleine Rolle hervorragend besetzt wurde. Als Freund der gehobenen Popkorn-Unterhaltung kommt man an Wrights Film nicht herum.  OFDb

06.09.2012

FREE JIMMY (2005)

Eine Gruppe fanatischer Tierschützer möchte den drogenabhängigen Elefanten Jimmy aus seinem Zirkusgefängnis befreien. Da in seinem Hintern Stoff im Wert von einer Millionen Euro eingenäht ist, hat eine Gruppe Gangster ein ganz eigenes Interesse an dem Tier, und die Mafia, denen die Drogen entwendet wurden, erst recht...

Jimmy, der auf Speed fliegende Elefant...
 
„Free Jimmy“ mag zu Recht an den 70er Jahre Zeichentrickfilm „Fritz The Cat“ erinnern, dennoch wirkt Bakshis berühmter Kater gegen die Abenteuer um Jimmy zahm und seicht, was nicht nur an den vielen Jahren zwischen beiden Werken liegen mag, sondern auch daran, dass Nielsens Film europäischer Herkunft ist. Für Amerikaverhältnisse riss auch „Fritz The Cat“ allerhand Grenzen ein, dank seiner Underground-Herkunft auch nicht so verkrampft wie der spätere Kommerz-Konkurrent „Beavis und Butt-Head machen's in Amerika“. Dennoch kommt „Free Jimmy“ viel unverkrampfter daher, und das nicht nur in seiner sehr direkten Sexszene, sondern auch im Umgang mit der zentralen Drogenthematik und dem Ausarbeiten der vielschichtigen Charaktere.

Zu Letzterem lässt sich nur sagen, dass hierauf Hauptaugenmerk gelegt wurde. Die Geschichte ist Nebensache, bzw. sie entsteht erst durch das Zusammentreffen der vielen schrägen Figuren, die alle ihren eigenen Witz besitzen, absichtlich keinerlei Sympathiebonus in sich tragen und alle ihre kleine Geschichte mitbringen, so dass es je nach Figur dauern kann, bis sich der Bogen zum Hauptgeschehen wendet. Vielleicht hätte man ein größeres Pingpong-Spiel der Einflüsse der einzelnen Nebenstränge veranstalten können, sprich mehr Handlungen verschiedener Gruppierungen hätten die der anderen beeinflussen können. Aber in der übersichtlichen Dosierung geht das Rezept trotzdem in Ordnung, und dass der Film hin und wieder kurz auf der Stelle tritt, ist nicht dieser Tatsache zuzuordnen, sondern eher der fehlenden echten Geschichte und der Tatsache, dass man zur Hälfte des Streifens die verschiedenen Figuren nun ausführlich kennt.

Das macht nach einem lockeren Einstieg und einer angenehmen ersten Phase den guten Laune-Film ein wenig anstrengend zu gucken. Doch der Witz und die Mühe an dem Projekt, lassen einen dennoch tapfer dran bleiben. Zumal man ernsthaft an dem Ausgang der Geschichte interessiert ist, allein da einem das Schicksal des drogensüchtigen Elefanten Jimmy, der fast zur Nebenfigur verkommt, sehr nahe geht.

Es gibt, auch wenn man das erst einmal nicht meinen sollte, einige Parallelen zu Jimmy und „Dumbo, der fliegende Elefant“. Beide zentrale Figuren sprechen kein Wort und wachsen dem Zuschauer allein durch Mimik ans Herz. Beide erleben schwere Schicksale in einem Zirkus, beide werden von den Personen ihrer nahen Umgebung ausgenutzt, und beide finden einen treuen Begleiter, der ihnen wieder auf die Beine hilft.

Jimmy ist neben diesem Helfer die einzige Sympathiefigur. Es ist schön ihn nicht auf „Meet the Feebles“-Art drogensüchtig zu erleben. Jimmy ist ein Mitleid erregendes Opfer, und er ist eines durch Menschenhand. Das passt zum Gesamtkonzept, denn ausschließlich die zwei Tierrollen sorgen für Sympathie. Die kunterbunte Truppe Menschen steht für das Asoziale unserer Gattung, für den typischen Egoismus, selbst wenn er sich hinter scheinbarer Selbstlosigkeit zu verstecken scheint.
 
Während „Meet the Feebles“ eher cool sein will, und damit ein Haltbarkeitsdatum für den älter werdenden Cineasten besitzt, scheint „Free Jimmy“ nur auf dem ersten Blick ein Film dieser Art zu sein. Kämpft man sich erst einmal durch die erste Hälfte, in welcher die Hauptfiguren fast ausschließlich selbst Drogen konsumieren, merkt man im Laufe der Zeit, dass das Thema Abhängigkeit einen recht ernsten Hintergrund erhält. Der Satiregehalt des Streifens spielt sich damit nicht nur, wie zunächst von mir vermutet, in einigen Charaktereigenschaften wieder, sondern auch im Zentrum der Geschichte. Ohne seinen schwarzen Humor zu verlieren, wird uns der freie Elefant als heruntergekommenes Subjekt präsentiert, das den kalten Entzug erlebt und dabei glücklicher Weise auf Hilfe trifft. „Free Jimmy“ entkommt damit dem Klischee des typischen Films für ein kifffreudiges Publikum, wird aber auch nicht zum Moralfilm, so dass auch diese Kundschaft Freude mit dem Werk haben kann.

Für die englischsprachige Ausarbeitung des Projekts zeigte sich Simon Pegg verantwortlich, der Star aus „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz“. Selbstverständlich übernahm er auch eine Sprechrolle und ist damit nur einer von einigen berühmten Namen, die den toll gezeichneten Figuren ihre Stimme leihen.

Der Zeichenstil ist an dem erwachsener Comics orientiert. Teilweise wirkt er recht realistisch, es ist aber dennoch deutlich ein Comicstil, was sich spätestens in der Mimik Jimmys nicht ignorieren lässt. Auch die lustigsten Figuren haben eckige und kantige Gesichter, unreine Haut, ihre eigene Art zu gehen und ihre eigenen übertriebenen optischen Merkmale, die sie zu dem werden lassen, was sie sind, oder zumindest das verdeutlichen, was sie auch charakterlich ausmacht.

Es ist schon schade, dass „Free Jimmy“ bereits nach flotten 30 Minuten an Tempo verliert und etwas anstrengender zu gucken wird. Aber dank frechem Witz, nicht aus den Augen verlorenem Tiefgang, einer guten Optik und einem nicht massenkompatiblen Handlungsablauf bleibt man dennoch interessiert genug dran und weiß, dass man aufgrund dieser positiven Eigenschaften das Weitergucken auch nicht bereuen wird.  OFDb

08.08.2012

PAUL - EIN ALIEN AUF DER FLUCHT (2011)

Die Engländer Graeme und Clive klappern in ihrem Amerika-Urlaub alle Alien-Sehenswürdigkeiten des Landes ab, als sie eines Abends tatsächlich eine Begegnung der dritten Art haben. Ein Außerirdischer namens Paul bittet um ihre Hilfe. Von der US-Regierung verfolgt, sollen die beiden ihn zu dem Ort bringen, an dem seine Leute Paul abholen wollen. Die beiden Freaks lassen sich auf das Abenteuer ein...

Wenn Aliens kiffen...
 
Mit ihrer Parodie „Shaun Of The Dead“ starteten sie durch und eroberten sogleich die Herzen aller Horror-Fans, und mit „Hot Fuzz“ bewiesen sie, dass ihr Talent keine Eintagsfliege war und widmeten sich diesmal dem Action-Genre. Die Rede ist von den Autoren und Hauptdarstellern Simon Peck und Nick Frost, die als Team großartig zusammen harmonieren und denen man ihren Erfolg auch gönnt, so clever und vielschichtig ihre Werke ausfielen. Mit „Paul“ wendeten sie sich nun dem Science Fiction-Bereich zu, und da wurde man als Fan der beiden doch recht neugierig. Doch wer „Paul“ zu sehr mit den beiden Vorgängern vergleicht, dürfte enttäuscht werden. Die Geschichte um das hilfsbedürftige Alien ist schon recht witzig ausgefallen, besitzt aber keine stille Verwandtschaft mehr zu den Vorgängern, so wie es „Shaun Of The Dead“ und „Hot Fuzz“ schafften.

Scheinbar war eine solche Verbindung auch nicht gewollt. Das zeigt sich u.a. daran, dass nun auch die USA als Spielort und Finanzgeber mit dazu gestoßen sind, womit der britische Humor etwas unter geht und das Niveau etwas niedriger gehalten wird, damit auch die Amis etwas zu lachen haben. So fällt die Geschichte etwas 08-15 aus, und auch die Propaganda, dass der Ami (lustigerweise diesmal durch ein Alien verkörpert) dem Ausländer die US-Lebensart beibringen muss, schaut leider um die Ecke. Im Vorspann wird das Duo weiterhin als Autoren der ganzen Chose genannt, aber wer die Vorgängerfilme kennt, wird schon ahnen unter wie viel Einmischung und Korrekturen das Ergebnis erzielt wurde.

Man darf also zurecht meckern, man kann „Paul“ jedoch auch eine echte Chance geben. Denn er ist trotz aller Kritik mehr geworden als nur das durchschnittliche Filmchen von nebenan. Die oben erwähnten Negativpunkte fallen nicht so enorm aus wie meist im US-Kino, und selbst das Rezept eines coolen Aliens erinnert nun nicht an einen längst veralteten „Alf“ oder einem emotionslosem Sprücheklopfer a la „Der Onkel vom Mars“ (Raumanzug) und „Der Flug des Navigators“(Raumschiff), nein, Paul wird glücklicherweise sehr menschlich dargestellt, so dass er Sympathie beim Zuschauer aufbauen kann.

Neben der USA zeigt sich ein weiterer Fakt, warum „Paul“ ein eigenständiges Dasein nach „Shaun Of The Dead“ und „Hot Fuzz“ fristet. Man holte sich einen anderen Regisseur an Bord. Die Wahl fiel auf Greg Mottola, der einige Jahre zuvor mit der Teenie-Komödie „Superbad“ auf sich aufmerksam machte und den heimlichen Star dieses Streifens, Seth Rogen, gleich mit an Bord holte, wovon der deutsche Zuschauer herzlich wenig mitbekommt, durfte Seth im Original doch Paul sprechen, ein Job den hierzulande Ärzte-Drummer Bela B. übernahm, der schon in „Terkel in Trouble“ beweisen durfte, dass er dieser Aufgabe gewachsen ist.

Auch in der Lightversion ist es gerade den beiden Briten zu verdanken, dass „Paul“ so sehenswert bleibt. Schwarzer Humor weiß leicht dosiert immer wieder zu überraschen, Running Gags begleiten das Geschehen, Insider Jokes wurden allerhand gesät (am schönsten die Anspielung auf Han Solo in „Krieg der Sterne“ oder das Gespräch mit Steven Spielberg, der gerade „E.T.“ plant), und auch die Figurenzeichnungen lassen viel von der Handschrift der beiden Autoren erkennen. Glücklicher Weise fiel auch die Spielfreude dem höheren Budget und dem Drehort USA nicht zum Opfer. Alle Beteiligten sind mit viel Spaß bei der Sache dabei, dürfen ebenso improvisieren, wie gelungene Drehbuch-Dialoge von sich geben, die hin und wieder die Raffinesse besitzen, welche die beiden tiefer gehenden, intelligenteren Vorgänger dauerhaft besaßen.

Simon Pegg und Nick Frost schaffen die Gratwanderung sich über Alien-Freaks lustig zu machen und ihnen gleichzeitig doch mehr Sympathie zu bescheren, als das olle Außenseiter-Mitleid. Das Hinauswachsen über den eigenen Schatten ist ein Klischee welches sich leider mit eingeschlichen hat, aber ebenso wie die Umerziehung zum Amerikaner und die Coolness des Außerirdischen wird dieser unangenehme Teil der Geschichte sehr leicht dosiert präsentiert, so dass man zwar immer kurz vor dem Schimpfen steht, dann aber beruhigt wird durch die Schaden verringernde Haltung der beiden Köpfe des Projektes.

„Paul“ macht Spaß und bietet trotz seiner oberflächlichen Geschichte immer wieder Geist, Tiefgang und Hintergrundwissen, dies aber leider nicht in der Dosierung, welche die beiden Vorgänger zu solchen Meisterwerken werden ließ. Glücklicher Weise besitzt die Science Fiction-Komödie genügend eigenes Potential und eigene Stärken, so dass man sich in etwa vorstellen kann, wie die weitere Phase kommender Projekte der beiden Briten aussehen dürfte. Und da bin ich selbst in der Lightversion gerne wieder mit dabei. Nur noch gewöhnlicher sollten ihre Filme nun wirklich nicht mehr werden. Man würde zwar weiterhin nett unterhalten werden, aber ihr Talent wäre dann nur noch Perlen vor die Säue.  OFDb