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24.11.2024

BABA YAGA (2020)

Teenager kommen dem teuflischen Treiben einer Hexe auf die Spur, nachdem eine merkwürdige Nanny ein Baby verschwinden lässt...

Roter Faden...

Eine moderne, trostlose Wohnsiedlung zum Handlungsort einer Hexe zu machen, ist ungewöhnlich, wird von den Verantwortlichen von "Baba Yaga" mit dem Angrenzen der Siedlung an einen Wald aber auch direkt wieder relativiert. Die Idee hingegen, dass Eltern ihre eigenen Kinder vergessen, wenn sie erst einmal von der Lebenswelt der Hexe verschluckt wurden, ist reizvoller Natur, zumal der Zustand der Eltern sich gegenüber ihrem Kind Stück für Stück verändert, vom friedlichen, wenn auch banalen und fast schon ignorierenden, Alltag im realen Leben, über eine Aggression der eigenen Brut gegenüber, bishin zum totalen Vergessen jemals ein Kind gehabt zu haben. Während auf der menschlichen Ebene das Miteinander in Frieden, wie in Streit soweit zu überzeugen weiß, samt Teen-Aggressor, der sich nicht ins übliche Bösewicht-Klischee stecken lässt, wackelt die Mystik um die Hexe umso mehr. 

Der Abenteuerpart der Kinder ist von zu vielen Zufällen gelenkt, bzw. mit zu einfachen Fährten gepflastert, wie der einsame Mann beweist, der sich dunkel an sein verloren gegangenes Kind erinnern kann. Und so rätselhaft der Eingang zur Welt der Hexe auch erscheinen mag, alles mutet zu plump und steril an. Für einen Horror zu seicht, für ein Jugend-Abenteuer zu unterkühlt abgeliefert, arbeitet "Yaga, Koshmar tyomnogo lesa" (Originaltitel) alles zu halbherzig ab, konzentriert sich nie auf einen Schwerpunkt und wirkt damit letztendlich austauschbar erzählt, obwohl so manche Elemente bei mehr Beachtung ein reizvolles Kaliber besessen hätten. Eher lieblos zur Standardware zusammengeschustert nimmt alles ein belangloses Ende, das weder einer angeblich mächtigen Hexe würdig ist, noch zum herzerwärmenden Erlebnis aus Kindersicht führt, obwohl dies letztendlich das Ziel aus deren Sicht gewesen wäre, bei all der Angst vergessen und damit austauschbar zu werden. 

Immerhin wissen aber manches Mal charakterliche Entwicklungen zu überraschen, da sie im Gegensatz zum Rest nicht am Standard orientiert sind, und auch das Schicksal des einsamen Mannes kommt überraschend ungeschönt daher, was bei so viel positiver Energie, die der Film arg inflationär ausstrahlt, wahrlich bitter anmutet. Optisch weiß zudem die rote Woll-Idee zu gefallen, mit welcher die Hexe manches Mal per Computereffekt zum Leben erweckt wird. Scheinbar erhoffte man sich mehr vom Ergebnis, denn der Schluss suggeriert, dass die Geschichte doch noch nicht zu Ende erzählt ist. Soweit ich weiß erhielt der Film aber auch in seiner Heimat Russland nie eine Fortsetzung. Das ist nicht weiter wild, so banal wie das Ergebnis passabel zu unterhalten weiß. Wie es weiter geht interessiert da nicht wirklich. Mit dem gleichnamigen Erotik-Horror aus den 70er Jahren hat der hier besprochene "Baba Yaga" anbei nichts zu tun.  Wiki

11.03.2023

ATTRACTION (2017)

Einen sonderlich eigenwertig russischen Stil konnte ich erneut nicht beim Sichten eines Werkes aus diesem großen Land ausfindig machen. "Attraction" ist in seiner Mentalität nicht viel anders erzählt als das US-amerikanische Kino seiner Zeit und alle die ihm nachäffen. Und würde man ganz streng argumentieren, müsste man auch erwähnen, dass die angegangenen Themen im hier besprochenen Streifen alle schon einmal ähnlich angegangen wurden. Aber das würde "Prityazhenie" (Originaltitel) alles nicht gerecht werden, denn er ist ein wundervoller Science Fiction-Beitrag, der die einzelnen Themen, die man von woanders kennt, in hoher Schlagzahl, sowie komplex verstrickt, einfach gourtierbar vereint. Er erweist sich in seiner Figurennähe in schönen, wie in bösen Erlebnissen als für einen Popkornfilm äußerst sensibel und mitempfindbar erzählt und badet dabei nur in seltenen Extremsituationen in einer Gut- und Bösetrennung, wie sie für die USA geradezu typisch wäre. Stattdessen versteht man die Beweggründe eines jeden einzelnen, ob man nun gut heißt was wer tut oder nicht. Und neben dieser sozialen Intelligenz besitzt "Attraction" zudem noch politische Intelligenz, kann Ursache und Wirkung nachvollziehen und dies selbst dann noch, wenn sich die Ereignisse immer dichter verstricken. Er besitzt in Nebensächlichkeiten und Vordergründigkeiten treffsichere Gesellschaftskritik, und serviert uns das alles in beeindruckenden Bildern und Spezialeffekten, kurzweilig dargeboten als unterhaltsames Kinoevent, das zum (Alp)Träumen und mitfantasieren einlädt, dabei immer wieder neue interessante Wendungen bietet, in einem Szenario, das sich nach Sichten nicht wie 127 Minuten anfühlt. Der Film lief in Russland zu Recht sehr erfolgreich, so dass ihm drei Jahre später eine Fortsetzung unter gleicher Regie und Besetzung beschert wurde.  OFDb

06.06.2021

EVIL BOY (2019)

Ich bin mit dem russischen Kino, welches seit wenigen Jahrzehnten verstärkt auf dem deutschen Filmmarkt mitmischt, nicht sonderlich vertraut. Mit Blick auf "Evil Boy" scheint es nicht sonderlich anders zu sein, als das was wir aus den USA kennen, sonderlich europäisch guckt sich das Ergebnis von der Mentalität her zumindest nicht. Reizvoll ist jedoch der andersartige Aufhänger und Hintergrund der Geschichte um ein böses Kind. Wir haben hier keinen Psychopath wie "Mikey", keinen Außerirdischen wie in "Das Dorf der Verdammten" und auch nicht Satans Sohn, wie in "Das Omen". An Letztgenannten kommt der Bengel jedoch am ehesten heran, ohne dass der Autor genau benennt, was das nun ist, was wir als Jungen kennen gelernt haben. Faszinierend ist dieser andere Ansatz in sofern, als dass der sich animalisch verhaltende Adoptivsohn sich in seinen Taten dem Kind nähert, welches seine neuen Eltern einst verloren haben. Das gibt freilich Rätsel auf, denn wie sollte ein Kind dieses Alters kognitiv derartiges verstehen und inszenieren können, ganz zu schweigen von der Frage, woher es überhaupt seine Informationen darüber nimmt, wie sich der verstorben geglaubte Junge einst verhielt. 

Kann es tatsächlich der verloren geglaubte Sohn sein? Das glaubt zumindest die Adoptivmutter, die derart fanatisch an dieser Idee festhält, dass es nicht gesund zu nennen ist. Dass sich im Laufe der Spielzeiten die Fronten verdrehen, und aus dem kritischen Elternpart der liebevollere wird und aus der klammernden Mutter die Verstoßende, nun wo ein leibliches Kind in ihr heranwächst, bereichert nicht nur den Unterhaltungswert, nun wo damit die Ereignisse strapaziert werden und die Eifersucht im Jungen kocht, es dient auch einer hervorragenden Abrechnung mit jener aktuell verwöhnten Gesellschaft, die alles so haben will, wie sie es sich wünscht und das am liebsten sofort. Allein deshalb weiß es zu gefallen, dass uns mit der Charakterzeichnung des Ehepaares gebildete Leute vorgesetzt werden und keineswegs stumpfe, die es eventuell nicht besser wissen. Manche Computeranimation wirkt zu unecht, und trotz diverser Innovationen guckt sich "Tvar" (Originaltitel) zu routiniert, um ihn über den grünen Klee zu loben. Aber mit seinem durchschnittlich angenehmen Spannungsbogen, der interessanten, wenn auch etwas zu distanziert ausgefallenen, Figurenzeichnung, dem Mix aus übernatürlichen Elementen, sowie dem Thema Verwahrlosung und einer funktionierenden Besetzung bietet er zumindest solide Horrorunterhaltung der nicht komplett genormten Art.  OFDb

16.08.2015

DEVIL'S PASS (2013)

Renny Harlin, bekannt für seine Actionfilme „Cliffhanger“, „Tödliche Weihnachten“ und „Stirb langsam 2“, macht in seinem Found Footage-Horror kein Geheimnis daraus sich stark am 90er Jahre Erfolgsfilm „The Blair Witch Project“ zu orientieren. Filmemacher machen sich auf den Weg ein Geheimnis vor Ort zu ergründen und werden nun selbst vermisst. Zu Beginn werden noch einige Berichte aus den öffentlichen Medien zu dem Thema gezeigt, angelehnt an „Blair Witch 2“, und dann können die eigentlichen getürkten Amateuraufnahmen beginnen, den Wald des Originals eingetauscht gegen die eisige Berglandschaft Russlands.

Auch wenn „Devil‘s Pass“ nicht den Grusel-Faktor des Vorbilds erreicht, was er auch gar nicht möchte, so ist die Geschichte der Filmemacher doch interessant und spannend erzählt. Lange Zeit hält man an den Stärken des Vorbilds fest. Es gibt Gerüchte, Mutmaßungen und Erklärversuche des Geschehenen zu hören, Augenzeugen von einst kommen zu Wort, unheimliche Vorzeichen wie merkwürdige Geräusche werden wahrgenommen, und die Bedrohung bleibt lange Zeit unsichtbar und auch unbekannt. Die Kamera filmt brav alles mit, was auch halbwegs glaubwürdig ausfällt, im Vergleich zu manch anderen Werken dieser Art, erst kürzlich von mir in „Paranormal Activity - Die Gezeichneten“ wieder einmal festgestellt.

Renny Harlin achtet darauf dass Kameraeinstellungen entweder Sinn machen, oder bei zu Kino-typischen Aufnahmen durch den Zusammenhang erklärt werden. Harlin versteht zudem dass eine Hintergrundmusik-Untermalung völlig unsinnig wäre, womit er sich als klüger herausstellt als Kollege George A. Romero, der u.a. damit seinen „Diary of the Dead“ der Lächerlichkeit Preis gab. Harlin weiß also worauf es ankommt um die Aufnahmen echt wirken zu lassen und einen gewissen Gehalt Suspense zu erreichen.

Der Pluspunkt von „The Blair Witch Project“ war jedoch der, dass die Bedrohung stets unsichtbar blieb, also weder gezeigt noch endlos erklärt werden musste. Diesbezüglich weicht Harlin im letzten Drittel vollkommen vom Hexen-Vorbild ab und serviert uns wirre Erklärversuche und wilde Erlebnisse, die zwar in einem sympathischen Erzählkniff am Schluss münden, jedoch etwas überfrachtet erscheinen. Zu wüst und wild werden Zusammenhänge zu einer anderen Legende verbunden, die Bedrohung wird zu Fleisch und erinnert dabei viel zu sehr an „The Descent“. Und mit dem Lüften wirklich jeden Geheimnisses verfliegt der Mythos der Geschichte, die in dieser Phase stark an „Chernobyl Diaries“ erinnert.

Interessant und gut gemacht ist das in diesem schwächeren Part noch immer, mal abgesehen von den billig zusammengepixelten Wesen aus dem Computer. „The Dyatlov Pass“ (Alternativtitel) ist trotz dieses Umbruchs jedem Freund von Found Footage-Filmen zu empfehlen. Aber so stark wie die wahrlich guten Vertreter dieser Art Film („Paranormal Activity“, „Die Delegation“, „Cloverfield“, „Die Höhle“, ...) wird er nicht. Dazu setzt er zu sehr auf Bewährtes, und dazu wirkt er etwas zu unausgegoren. Harlins Werk weist jedoch nie wirklich starke den Sehspaß einschränkende Schwächen auf wie es bei „Der letzte Exorzismus“, „Grave Encounters“ oder „Frankenstein‘s Army“ der Fall war. Und spätestens wenn man erst einmal solchen Ramschwaren-Mist wie „Paranormal Investigations 3“ gesehen hat, der dem Filmfreund reihenweise auf den DVD-Markt geschmissen wird, dann weiß man eine professionelle Fake-Doku auch wieder zu schätzen, selbst dann wenn sie nicht sonderlich innovativ ausgefallen ist.  OFDb