Stattdessen begleiten wir das Duo aus arrogantem Dämel und verkanntem Genie durch einen Kriminalfall, der interessant genug ausgefallen ist, um ihm zu folgen, aber nicht zu dominant daher kommt, als dass er den eigentlichen Aufhänger in den Hintergrund schieben würde. "Without a Clue" (Originaltitel) bleibt selbst dann noch kurzweilig, wenn das Team kurz auseinandergerissen wird und der Kriminalfall für die finalen Momente ins Zentrum rückt. Das funktioniert allein deswegen so gut, weil Sherlock auf sich allein gestellt keineswegs cleverer wird. Hier bleibt das Drehbuch konsequent. "Sherlock and Me" (Alternativtitel) ist ein Heidenspaß, für Freunde der Materie ebenso wie für Unwissende im Sherlock Holmes-Universum. Es bereitet Freude zuzusehen, wie zwei meist auf stilvolle Rollen abonnierte Schauspieler einmal hemmungslos einen auf Comicfigur machen dürfen (gerade die Slapstickmomente mit Caine sind unglaublich witzig ausgefallen), und als Ergänzung weiß zudem Jeffrey Jones wie immer zu gefallen, freilich in der Rolle des Inspectors Lestrad, der mit neidischem und interessiertem Blick all dem plumpen Rumgetue Sherlocks folgt, welches seine Brillanz darstellen soll, während Watson unerkannt neben dessen Hokuspokus die Denkarbeit übernimmt. "Genie und Schnauze" kommt lockerleicht und unverkrampft daher und erreicht damit ein Niveau mit links, das manch zu bemühte Holmes-Alternativstoffe nicht erlangen. OFDb
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
Posts mit dem Label Michael Caine werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Michael Caine werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
21.11.2021
GENIE UND SCHNAUZE (1988)
Den Sherlock Holmes-Mythos aushebeln und ihn gleichzeitig gut kennen und ehren, das schafft die Komödie "Genie & Schnauze - Without a Clue" (Alternativtitel), die aus Holmes eine Erfindung Watsons macht, der das eigentliche Genie ist und aufgrund der Popularität seiner Erfindung wen finden musste, der den Sherlock mimt. Den findet er in einem erfolglosen Schauspieler mit Alkohol- und Spielproblem, der von allen angehimmelt wird, während Watson hingegen keinerlei Beachtung geschenkt bekommt. Das gibt Kingsley eine große Chance comic-artig die beleidigte Leberwurst zu spielen, während man Michael Caine erfrischend ungewöhnlich herumalbern sehen darf. Dass der Aufhänger und die daraus resultierende Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren Selbstläufer ist, merkt man daran, dass sie nie aufhört lustig zu sein und nicht den Kniff von "Was ist mit Bob?" voraus greifen muss, dass der unterdrückte Charakter wahnsinnig wird, um sich aus dem Schatten zu befreien.
19.05.2020
BATMAN BEGINS (2005)
Nach Burtons Fetisch-Versionen und Schumachers kunterbuntem Rückschritt in die 60er Jahre Version der Thematik war das Medium Kino 8 Jahre später soweit Batman endlich eine ernsthafte Umsetzung zu bescheren. Gewöhnungsbedürftig muten die ersten 30 Minuten an, wenn Bruce Wayne erst durch Ninja-ähnliche Geheimbündler in dem trainiert wird, was er als Fledermaus schließlich in Gotham City anwenden wird. Aber selbst in diesem so gar nicht traditionellen Part der Comicverfilmung stimmen Stimmung und Erzählwert, und eine Fortführung der dort angegangenen Ereignisse bishin zum Trilogie-Ende "The Dark Knight Rises" machen diesen Part sogar wichtig für Nolans Vision aller drei Filme, bei denen er auch jeweils am Drehbuch mitgewirkt hat. Ob der realistische Touch fern einer tatsächlichen Comic-Welt nun besser oder schlechter ist als die übliche Herangehensweise, sei einmal dahin gestellt, er ist aber auf jeden Fall eine interessante Alternative zu den üblichen "Batman"-Filmen und passt zum erwachsenen Grundton des Streifens, der sich auch tiefgründigerer Betrachtungen und politischer Thematiken nicht scheut. Mit diesem weniger verspielten Blick guckt sich "Batman Begins" vielleicht ein wenig zu starr auf ernst getrimmt, aber dieser Grundton ist letztendlich nichts ungewöhnliches im Gesamtwerk Nolans und braucht somit nicht überraschen.
Interessant ist die fast konsequente Verweigerung Batman gegen einen klassischen Gegner aus den Comics kämpfen zu lassen. Mit der Vogelscheuche wird nicht nur ein relativ unbekanntes Gesicht eingebaut, durch seine in der Realität verorteten Charakterisierung und seiner nur am Rande wichtigen Positionierung innerhalb einer vielschichtigen Gesamtgeschichte, fällt kaum auf dass überhaupt einer vorhanden ist. Derartiges verzeiht man Nolan jedoch all zu gerne, denn sein detaillierter Blick auf die Anfänge Batmans, der ohne zu entmystifizieren spannende Hintergrundfragen im Perfektionieren der Verbrecherjagd-Idee Waynes beantwortet, weiß in technisch makelloser Umsetzung bei rundum guter Besetzung zu überzeugen - zumal Nolan sein für Comic-Verhältnisse verkopftes Werk nicht in Sachen Action, Spannungsbogen und Schauwerte vernachlässigt. Ihm ist ein rundum sehenswerter Film gelungen, den man kaum noch dem Fantasy-Genre zuordnen kann, der aber nicht nur durch seine Andersartigkeit innerhalb des Batman-Universums fasziniert, sondern auch die Ur-Tragik der Figur gekonnt zu greifen und zu vertiefen weiß und in eine spannende Geschichte steckt, die inhaltliche Überraschungen ebenso bietet, wie kleine verschmitzte Momente und stille Anspielungen an die reichhaltige Comic-Welt Batmans. Mit "The Dark Knight" gelang es Nolan hinterher sogar, den bereits recht ausgereiften hier angewendeten Ansatz noch einmal zu perfektionieren. OFDb
Kategorien:
2000-2009,
Action,
Christian Bale,
Christopher Nolan,
Fantasy,
Filmbesprechung,
Gary Oldman,
Katie Holmes,
Liam Neeson,
Michael Caine,
Morgan Freeman,
Rutger Hauer,
sehenswert,
Thriller,
USA
06.02.2020
LIEBER DIKTATOR (2018)
Oh, was klingt "Lieber Diktator" nach einem politischen Plot, der als bissige Satire a la "Election", voll schwarzem Humor wie "Heathers", oder zur Rebellion aufrufend wie "Hart auf Sendung" ausfallen könnte. Da werden einige sicher enttäuscht gewesen sein, dass das vom Regie-Duo Lisa Addario und Joe Syracuse, welches seit 1997 einige wenige Filme gemeinsam inszeniert hat, umgesetzte Werk eines dieser anspruchslosen Kurzweiler mit Wohlfühl-Faktor geworden ist. Klar rebelliert Tatiana, lernt vom kommunistischen Diktator diverse Methoden, aber es ist alles recht zahm thematisiert, selbst dann wenn mit Milk-Boarding auch mal ein Lehrer in der Garage gefoltert wird. Solchen Werken, die sich der vorhandenen Möglichkeiten verweigern und alles harmloser aussehen lassen, als es tatsächlich ist, kann man kritisch gegenüber stehen, man kann eine rebellische Idee mit theoretisch mehr Potential aber auch einfach mal als provozierenden Gedanken eines ansonsten nett anzusehenden Unterhaltungsfilm akzeptieren, ohne das Ganze gleich als politischen Verrat oder Produkt der Verdummung anzusehen.
"Dear Dictator" (Originaltitel) fängt das Szenario aus dem Blickwinkel einer Teenagerin ohne Orientierung ein, verfällt nicht dem Drang daraus einen an ein Jugend-Drama grenzenden tragischen Stoff zu machen, sondern sieht sich als lockerleichte Komödie, die einer irren Idee nachgeht, umgesetzt mit Herz. Wer glaubt ein Diktator könne nicht die Rolle einer väterlichen Figur einnehmen, der sollte sein Schwarz/Weiß-Bild von Gut und Böse einmal dringend überdenken. "Lieber Diktator" lebt von beiden Seiten des im Titel genannten Mannes, dessen Vergleiche nicht ohne Grund Richtung Kuba schielen, verharmlost sicherlich durch seinen etwas arg weich gespülten Plot, aber nicht durch einen unkritischen Blick auf die Person, die Tatiana da beherbergt. Außerhalb engen, strengen politischen Ansichten, kommt der Streifen verschmitzt daher. Damit mögen die Kriegsverbrechen als eine Art schelmische Schattenseite des ehemaligen Machtinhabers etwas zu sehr verharmlost werden, als oberflächlich gestaltetes Gedankenspiel zu Unterhaltungszwecken geht das jedoch deswegen in Ordnung, weil der Film nicht versucht politisch zu manipulieren, egal in welche Richtung. Er legt die Schattenseiten beider hier thematisierten Systeme ebenso nahe, wie die positiven, zumal es letztendlich um die Kraft zur Rebellion geht, orientiert an einer naiven, da lebensunerfahrenen, Teenagerin, die vom Drehbuch jedoch nicht unterschätzt wird.
Überschreitungen von Grenzen werden schnell wieder eingedämmt, "Lieber Diktator" geht nie zu weit, zeigt keine Härte in irgend einer Art von Haltung, und auch echte Konsequenzen sind rar gesät. Vordergründig ist der Film eine Teenagergeschichte, mit überraschend treffsicherer Wiedergabe tatsächlicher Teenagerrollenbilder und einem Diktator als eine Art fragwürdigen Miyagi, der gute wie schlechte Tipps bereit hält und ein lieber Onkel ebenso sein kann, wie ein intoleranter Idealist. Diese Rolle wird gelungen von Michael Caine dargestellt, dessen deutsche Synchronstimme mehr denn je zur verkörperten Rolle des berühmten Schauspielers passt. Ebenfalls mit an Bord sind (endlich mal wieder) Seth Green, Katie Holmes und Jason Biggs. Das Herzstück bildet inhaltlich, wie emotional Hauptdarstellerin Odeya Rush, die nicht nur so bezaubernd süß aussieht wie Mila Kunis, sondern zudem noch schauspielerisch zu überzeugen weiß. Eine fast schon unnötige Love Story am Rande schenkt dem rebellischen Geist im Zentrum eine verletzliche Seite, so dass ihr Charakter greifbar genug ist, um mitzuempfinden, anstatt den Streifen lediglich aufgrund der gewagten Idee als unterhaltsam zu betrachten. Der ist, wie erwähnt, ohnehin glatt gebügelt, ins typische Muster eines familientauglichen Unterhaltungsfilmes gepresst, dank entspannter Atmosphäre, sympathischen Mimen und moralfreier und kitschreduzierter Herangehensweise geht "Lieber Diktator" als netter Zwischendurchverzehr jedoch trotzdem in Ordnung. Er gibt nicht vor etwas anderes zu sein, darin ist er ehrlich. In dieser Art ist er mir auch lieber als in Form einer starren, verkopften Satire, die den Blickwinkel anderer Seiten nicht zulassen würde. So oder so ist "Lieber Diktator" jedoch kein großes Erlebnis, sondern lediglich "nur" ein netter Film. OFDb
27.08.2019
GET CARTER (2000)
Es ist kaum zu glauben, aber nach seiner großartigen schauspielerischen Leistung in "Cop Land", für die er selbst von Tunnelblick-Kritikern erstmals gelobt wurde, dauerte es drei Jahre, bis Sylvester Stallone wieder in einer Hauptrolle besetzt wurde. Ob es gut war, ihn ausgerechnet in der Neuverfilmung eines 70er Jahre-Klassikers zurückkehren zu lassen, darf angezweifelt werden, waren die Kritiken doch dementsprechend vernichtend. Wenn man sich mit der 00er Jahre Version von "Get Carter" anfreunden möchte, dann ist es sicherlich von Vorteil das Original "Jack rechnet ab" nicht zu kennen. Und selbst dann wird es für viele Filmfreunde schwer der Regiearbeit von Stephen Kay, der später den ersten "Boogeyman" inszenierte, eine echte Chance zu geben, ist sie doch anders ausgefallen, als die meisten vermutet haben, gerade wegen der Besetzung Stallones im Zentrum der Geschehnisse. Von einem klassischen Stallone-Film, egal aus welchem vorherigen Jahrzehnt, ist nicht mehr viel übrig geblieben. "Get Carter" weist weder die Härte der 80er Jahre Actionfilme auf, noch die Ruhe seiner 70er Jahre-Werke, und erst recht nicht die Ironie und reflektiertere Art seiner 90er Jahre-Filme. Einzig das belehrende Weltbild des erfolgreichen Actionstars ist noch vorhanden, die rückblickende Reue, die gut gemeinten Ratschläge, aber das ist immerhin etwas, was einem ein Stück Heimatgefühl eines Stallone-Filmes beschert.
Ein solcher ist "Get Carter" streng genommen ohnehin nicht, auf einem Buch basierend, von wem anders zum Drehbuch neu verfasst und mit wem anders auf dem Regiestuhl sitzend ist Stallone lediglich die Hauptbesetzung. Außerhalb seiner Rolle besaß er kein Mitspracherecht. Und schaut man sich das Ergebnis an, so ist er Teil einer kühl durchkalkulierten Produktion, der es lediglich darum geht sich gut zu verkaufen und in ihrer durchgestylten Art gut auszusehen. Kays Werk ist sowohl inhaltlich wie inszenatorisch oberflächlich ausgefallen, und ein moderner, hektischer Schnitt, soll das Produkt flott und up to date wirken lassen. Gerade der Schnitt ließ mich oft ratlos zurück. Was soll das hektische Ausblenden einer Szene, wenn darauf anknüpfend in selbige wieder angesetzt wird? Was soll das Auffahren des Tempos, indem simple Abläufe, wie ein Spaziergang zum Wagen, ständig per Schnittgewitter beschleunigt werden, so als besäße der Zuschauer keine Geduld? Das ist freilich ein Irrtum, es ist das Endergebnis und die Verantwortlichen des Stoffes, die keine Geduld hatten, und selbiges trifft auf ein Begreifen der schlicht dargebotenen Charaktere zu, denen man keine Nähe beschert, womit der Bezug für den Zuschauer fehlt. Die Motivation irgend einer Figur zu begreifen, wird für diesen so schwer, wie das Empfinden eines Innenlebens für irgendwen zu entdecken.
"Get Carter" soll halt in der damals so futuristisch und kühl technisch wirkenden Welt der digitalen Pornoindustrie und ähnlich neo-kriminellen Umfeldern spielen, so dass der Stil dieses kühle Feeling ebenfalls einfangen soll. Das klingt soweit in Ordnung, grenzt den Zuschauer nur völlig vom eigentlichen Geschehen aus, so sehr sogar, dass er sich eigentlich nur beiläufig für den aufzuklärenden Fall interessiert, an dem ohnehin nur eine handvoll wichtiger Gestalten beteiligt zu sein scheinen. Dementsprechend hüpft Carter stets von einer Figur zur nächsten und wieder zurück, wenn er gerade ein neues Detail der verworrenen Umstände um den Tod seines Bruders aufgedeckt hat, und immer reagieren die aktuell (wieder) angesprochenen Zwielichtigen wie eingeweiht, so als wüssten sie noch vor den Äußerungen Carters, an welchem Punkt der Ermittlung er gerade angekommen ist. Dass Kay es inmitten dieses kühlen und hektischen Umgangs mit einer an sich simplen Geschichte schafft, gelegentlich Herzenswärme zu vermitteln, gleicht einem Wunder. Carter stößt aufgrund der Familie, die er verlassen hat, stets auf Ablehnung, mit Ausnahme der jugendlichen Nichte, die er als Mann voll begangener Fehler mit guten Ratschlägen versorgen kann. Hier kommt es gelegentlich zu wahrlich dramaturgisch stimmigen Momenten, deren Erfolg auch in der guten Besetzung der Filmnichte mit Rachel Leigh Cook zu finden ist. Dass wiederum ausgerechnet der entscheidende Knackpunkt der Recherche, in welchen sie involviert ist, trotz erschreckendem Szenario emotional unterkühlt stattfindet, beweist nur wieder den zu distanzierten Stil des Streifens, dessen führende Hand Kays die gelungenen dramatischen Momente scheinbar nur Zufall erscheinen lässt.
Wie auch immer, ich kann jeden verstehen, dem das Dargebotene einfach zu plump ausgefallen ist. Aber ich muss gestehen, dass ich, warum auch immer, Sympathie zum Ergebnis hege. Diese durchgestylte Art mit einem optisch wirksamen Stallone im Zentrum wirkte bei mir. Im Originalton war freilich auch seine Stimme wieder Trumpf, die jeden Stallonefilm im Original bereichert. Und abgesehen von manch nervigem Schnitt gefiel mir überraschend auch die unterkühlte Art des Streifens, die mich als Zuschauer in einen Zustand versetzte, der mich für das oberflächliche Abarbeiten von Figuren und Situationen unempfindlich werden ließ. Ich genoss einfach den simplen Style, die plumpe Art, akzeptierte sie und hatte dementsprechend Spaß mit einem Film dessen Original ich nicht kenne. Aus diesem entlieh man sich die ehemalige Hauptbesetzung Michael Caine, der nicht nur kurz als Cameo durchs Bild hüpfen darf, sondern mit einigen Auftritten gesegnet mehr mit dem zu lösenden Fall zu tun hat, als manch Naiver zunächst denkt. Dass die Aufdeckungen Carters nicht all zu aufregend ausfallen und am Ende nur ein simpler Plot bleibt, stört nicht weiter, ist die Annäherung mit der Nichte doch weit wichtiger für die Wirkung des Streifens, als es der Kriminallfall je wäre. Dass dieser Aspekt wichtig für den Film ist, schien man zumindest zu erkennen, bekommt die Verabschiedung von der Nichte doch, wie manch andere Szene mit ihr, am Ende angekommen, genügend Raum zur Entfaltung, so dass sie auf schlichte Art zu berühren weiß, zumindest wenn man sich mit wenig Tiefgang zufrieden geben kann und sich auf naive Inhalte einlassen kann. Das ist ohnehin das Erfolgsrezept, um an "Get Carter - Die Wahrheit tut weh" (Alternativtitel) seine Freude haben zu können. Ob man das bei solch plumpen Filmergebnis überhaupt will, sei freilich einmal dahingestellt. OFDb
06.07.2017
STONEHEARST ASYLUM - DIESE MAUERN WIRST DU NIE VERLASSEN (2014)
Ein wenig hat mich „Stonehearst Asylum“ an „Shutter Island“ erinnert, sind doch beide Filme professionell abgefilmt und hervorragend besetzt, lässt ihre eigentliche Geschichte aber, trotz interessantem Aufhänger, doch eigentlich zu wünschen übrig. Während man im Vergleichsfilm in die wahren Geschehnisse schneller eingeweiht war, als es dem Autor lieb gewesen ist, herrscht hier auf freiwillige Art eine ähnliche Situation. Denn wer glaubt der auf einem Werk von Edgar Allen Poe erzählte Film spiele mit der Frage, ob Wahnsinnige im Keller nur behaupten Ärzte zu sein, oder ob es sich bei den Eingesperrten wirklich um die Belegschaft des Sanatoriums handelt, der wird, so wie ich, überrascht sein, dass es von Anfang an diesbezüglich keine Zweifel gibt. Die Menschen im Keller sind die tatsächlichen Angestellten und Leiter der Klinik.
Das enttäuscht zwar, weckt gleichzeitig aber das Interesse welchen Zweck die Geschichte verfolgt, wenn sie doch von Anfang an mit offenen Karten spielt. Und tatsächlich wird ein interessanter Zusatzaspekt der grundlegenden Geschichte hinzugefügt, welcher Gut und Böse ein wenig zu vermischen vermag, besitzt der betrügerische, angebliche Leiter der Klinik doch wesentlich mehr Empathie den Patienten gegenüber, als der echte, eingesperrte Chefarzt, der mit den damals üblichen, bestialischen Methoden versuchte Geisteskranke zu heilen. Das beeinflusst die Vorhersehbarkeit der Reststory jedoch nur bedingt, so dass selbst dieser Aufhänger das Ruder nicht wirklich herumzureißen weiß aus Brad Andersons Film doch noch ein sehenswertes Werk zu machen. Zudem fußt auch diese Erweiterung auf der ewigen Gut- Bösetrennung amerikanischer Werke, eine Unterteilung mit der ich als Freund von Graustufen in einem bodenständigen Stoff nichts anzufangen weiß.
Es ist nicht so, dass „Eliza Graves“ (Originaltitel) keinen Blick wert wäre, er ist toll gespielt, imposant dekoriert und inhaltlich auch halbwegs interessant. Er ist nur leider weder spannend, noch dramatisch genug ausgefallen, als dass sich aus diesen wundervollen Zutaten etwas Gehaltvolles entwickeln würde. „Stonehearst Asylum - Diese Mauern wirst du nie verlassen“ plätschert eher sanft vor sich hin, ist nett zu schauen, aber ohne wahre Höhepunkte versehen, und ein unnötiger Schlusstwist, der alles zuvor Geglaubte auf ein weiteres umstößt, wirkt so unnötig wie konstruiert, bereichert das fertige Werk somit also auf keinen Fall.
Im Gegenzug dazu dürfen zumindest die alteingesessenen Starmimen Michael Caine und Ben Kingsley auf ein weiteres beweisen, was sie schauspielerisch drauf haben, spielen sie ihren jeweiligen Part doch keineswegs lustlos mit halber Backe herunter. Beide knien sich derart in ihre Rollen hinein, als ginge es um einen gnadenlos großartigen Film, und genau diesem Engagement ist es hauptsächlich zu verdanken, dass der Streifen trotz Vorhersehbarkeit, dem Ignorieren interessanter Chancen und dem zu häufigen Streifen von Klischees (insbesondere in der Schwarz/Weiß-Zeichnung von Gut und Böse) ein Film geworden ist, den man durchaus an einem regnerischen Tag schauen kann als kleinen Film für zwischendurch. Wer aufgrund der Story, des Autors und der Starbesetzung mehr erhofft, wird vom übermäßig vorhandenem Mainstream jedoch gnadenlos erschlagen. OFDb
04.06.2016
THE WEATHER MAN (2005)
Da man den Namen Gore Verbinski in der Regel eher mit Popkorn-Kino wie „Fluch der Karibik“, „Ring“, „Rango“ und „The Time Machine“ in Verbindung bringt, darf man schon überrascht sein mit „The Weather Man“ solch einen ehrlichen, erwachsenen Film darüber zu sichten wie das Leben in Amerika tatsächlich ist. Der Film gibt sich nicht den typischen cineastischen Täuschungen und Träumereien hin wie sie für sein Entstehungsland üblich sind, sondern zeigt wie verzwickt und desillusionierend das Leben sein kann und wie schwer es ist sich und seinen Idealen treu zu sein, wenn doch alles anders läuft als man es haben möchte.
Es liegt zu einem guten Teil an Hauptdarsteller Nicolas Cage, dass „The Weather Man“ so gut zu funktionieren weiß. Seinen von vielen Kinogängern leider so verhasster Drang zum Überagieren schraubt er stark zurück, nutzt ihn aber für die richtigen Momente. Ansonsten spielt er glaubwürdig den Versagertyp, wobei ihm die Verantwortlichen für Maske, Make-Up und Co hilfreich zur Seite stehen. In manchen Szenen ist Cage so wunderbar elend zurecht gemacht, dass allein dieses Aussehen reicht um jegliche Emotion und Glaubwürdigkeit des Momentes einzufangen.
Dave Spritz ist ein Durchschnittsmensch, eher der Versagertyp, und ganz untypisch Ami-Kino wird sich daran auch nichts ändern. „The Weather Man“ handelt nicht davon wie ein Mann über sich hinaus wächst um es allen zu zeigen. Er erzählt lediglich von einem kleinen Teilerfolg, indem Dave bewusst wird wie er sein Leben geregelt bekommt. Und dafür müssen erst so einige Illusionen beseitigt werden, die der Wettermann als Teil der Lösung angesehen hat.
Mit seinen Ansichten und Fehlversuchen würde man ihn manches Mal gerne ohrfeigen oder zumindest versuchen wachzurütteln. Dave mag als studierter Kommunikationswissenschaftler gut reden können und sein Leben reflektiert er auch, das ist eine wichtige Eigenschaft die vielen Menschen fehlt. Und doch ist er eher durchschnittlich intelligent zu nennen, gefangen in einer Vorstellung die nicht zu erreichen ist, mit einem Bild von sich selbst und den Menschen die ihm mehr oder weniger nah sind, welches nicht der Realität entspricht.
Man muss bei „Weather Man“ mit allem rechnen. Dave tappst nicht von einem Misserfolg zum nächsten. Er spiegelt das Leben wieder wie es ist. Manchmal meint es das Schicksal gut mit ihm, manches Mal nicht. Lediglich seine hohen Ziele weiß es ihm nicht zu erfüllen. Das was Dave möchte ist irreal und somit mit der Realität nicht zu vereinbaren. Der Prozess dies zu begreifen ist ein langer Weg, von Autor Steve Conrad mit bitterstem Humor erzählt, bei dem einem meist anders wird anstatt lachen zu können. Ohne in Gefühlsduselei abzurutschen gelingt Verbinski eine Tragikomödie, die in Amerika ihresgleichen sucht mit dieser nüchternen Art, die es trotzdem schafft einen an die Hauptfigur zu binden.
Emotional ist man sogar an der Figur des Vaters enger gebunden als an Dave selbst, obwohl der kranke Mann wesentlich seltenere Auftritte hat als Dave, der in tatsächlich jeder Szene zu sehen ist. Der Vieldreher Michael Caine zeigt in der Vaterrolle was er schauspelerisch tatsächlich drauf hat, und sein Hundeblick, die milde deutsche Stimme und der Charakter der ihm zugeschrieben wurde helfen einem dabei ihn ins Herz zu schließen. Dass man dennoch an Dave gebunden ist, zeigt sich spätestens im Running Gag wenn vorprogrammierte charakterliche Enttäuschungen durch unglückliche Umstände geschehen sind, die Dave vor seinem Vater wie einen Egomanen aussehen lassen.
In gewisser Hinsicht ist er dies auch, er ist sich in seinem Bemühen alles für andere gerade biegen zu wollen darüber jedoch nicht bewusst. Er ist nicht jene Art Egomane die besagte Szenen ihm unfairer Weise zuschreiben. Sein Egoismus liegt in der subjektiven Sichtweise, die ihn glauben lässt die Lösung aller Probleme würden ihn beinhalten und die wichtigsten Menschen in seinem Leben würden so denken wie er selbst. In gewisser Weise zeigt „The Weather Man“ somit einen Reifeprozess eines Mannes, der bis zu einem gewissen Grad erwachsen ist und einen Entwicklungssprung macht, den manch andere nie erreicht haben.
Ein strahlender Held sieht dennoch anders aus. Die Lösung liegt in Kompromissen, die Dave gar nicht so toll findet, aber auch nicht in der Familien-gebundenen Lügenwelt des amerikanischen Kinos zu Hause sind. Für solche Propaganda reflektiert „The Weather Man“ viel zu ehrlich das wahre Leben in Amerika, so dass wir am Ende durch die Berücksichtigung der guten wie schlechten Seiten der amerikanischen Kultur eine realitätsorientierte Tragikomödie zu sehen bekommen, die einen gewissen Hauch Europa-Kino in sich trägt.
Dave zumindest ist am Ende des Films an einem nüchternen Ziel angekommen. Er hat sich zwar weiter entwickelt, ein Empath ist er jedoch nicht geworden. Er versteht jetzt nur dass verschiedene Menschen verschieden denken. Das ist alles. Ein gewisser Grad des Versagens bleibt bestehen. Aber Dave ist an dem Punkt angelangt dies zu akzeptieren, es als Teil seiner Persönlichkeit zu betrachten, denn strahlende Helden gibt es nur im Kino. Einen gewissen Versagergrad tragen wir alle in uns. Niemand erreicht alle Ziele und führt ein wunschlos glückliches Leben. OFDb
25.04.2016
INTERSTELLAR (2014)
Zu dem umstrittenen Regisseur Christopher Nolan kann man stehen wie man will, interessant fallen seine Werke alle aus, die geglückteren genauso wie die weniger geglückten. Der gute Mann schafft es immer wieder reizvolle Stoffe an Land zu ziehen und aus diesen durch eine komplexe Vertiefung und einer wuchtigen Umsetzung ein aufregendes Erlebnis für den Zuschauer zu gestalten. Leben haucht er seinen Filmen jedoch nur bedingt ein, kann ich dem ihm häufig entgegengebrachten Vorwurf seine Geschichten zu formelhaft umzusetzen doch zustimmen, zumal sich keines seiner Werke je Zeit nimmt von Dingen zu erzählen, die später nicht wichtig werden würden. Alles muss kompakt aufeinander abgestimmt sein. Da das Leben aber so nicht funktioniert, bleibt so immer eine gewisse Leere enthalten, auch in den ansonsten wirklich geglückten Filmen.
Neben „The Dark Knight“, „Memento“ und „Inception“ zählt „Interstellar“ meiner Meinung nach zu diesen sehenswerten Beiträgen des Regisseurs. So innovativ wie die Geschichte auf die junge Generation Cineasten wirken mag, ist der Stoff freilich nicht wirklich. Aktuell denke man nur an „Gravity“, im Mainstreambereich an „Kampfstern Galactica“, am naheliegendsten jedoch an „Contact“, der die meisten Parallelen zum hier besprochenen Werk aufweist. Das beginnt mit der Anwesenheit des Schauspielers Matthew McConaughey, der hier ins All fliegt, in dem anderen Film Jodie Fosters Rolle daran hindert selbiges zu tun. Das geht weiter mit dem Flug ins All, inklusive der Idee eine Fremdhilfe hierfür von wem Unbekanntes zu erhalten, und durch die wissenschaftliche Nähe beider Werke sind freilich auch die Spielereien mit der Relativität in beiden Filmen vorhanden. Allerdings besitzen sie auch beide den Hang gegen Ende in den Esoterikbereich abzurutschen, was der Vergleichsfilm besser verarbeitet als es „Interstellar“ tut.
Dennoch fallen beide Werke recht unterschiedlich aus, und „Interstellar“ bezieht seine Stärken auch meist aus den nicht aus „Contact“ übernommenen Ideen, so dass am Ende beide Genre-Beiträge sehenswert sind. Nolan besitzt die Gabe fremde Welten aufregend in Szene zu setzen, und das ist für eine Geschichte wie diese ungeheuer förderlich, in welcher sich immer wieder die Schauplätze ändern. Der Weltraumflug ist so inszeniert als würde man mitten drin sitzen, die verschiedenen Welten sind einfallsreich und durchdacht umgesetzt, besonders gut hat mir jedoch das Zukunftsbild der Erde gefallen, welches mit simplen und dadurch nachzuempfindenden Mitteln aufzeigt auf welche Art der Planet für den Menschen unbewohnbar wird.
Lediglich der Flug ins Schwarze Loch hat mir nicht gefallen, ist es doch jener Part der mir wie gesagt viel zu esoterisch ausgefallen ist, was einen enormen Sprung bedeutet in einer ansonsten so wissenschaftlich orientierten Erzählung, die selbst auf die Kinotradition verzichtet, dass Geräusche im Weltraum möglich wären. Urplötzlich spinnt sich Nolan einen Unfug zurecht, so als ob das Leben lediglich in einem Miniuniversum stattfinden würde, an dem nur wenige Menschen beteiligt sind. Zufälle häufen sich und lassen den Zuschauer irritiert und verärgert zurück. Ist diese Phase aber endlich überstanden folgt noch ein letzter Akt, der wieder so geglückt und einfallsreich ausgefallen ist wie alles vor dem Tiefpunkt. Somit geht bei einer Laufzeit von fast drei Stunden nicht viel verloren. Das ist zu verkraften, zumal der Rest von einer solch großartigen Umsetzung gestützt wird.
Auch die Schauspieler sind meiner Meinung nach gut gewählt und schaffen es dem an sich eher steril wirkenden Film emotionale Tiefe zu verleihen, so sehr sogar, dass dramatische Momente tiefe Trauer im Zuschauer entfachen können. Der Nolan-Stammschauspieler Michael Caine schafft das in seiner letzten Szene ebenso wie es jeglicher Moment mit McConaugheys Filmtochter schafft, egal ob im Kinder- oder im Erwachsenenalter. John Lithgow ist endlich wieder gegen den Strich besetzt und weiß auch hier in seiner kleinen Rolle zu überzeugen. Unter geht aufgrund seiner unbedeutenden Rolle leider lediglich der talentierte Topher Grace, dem unbedingt mal wer eine wahre Chance in einer Hauptrolle bieten sollte.
„Interstellar“ ist aufregendes Kino, das ich daheim am Fernseher gesehen habe, und selbst dort war sein Effekt umwerfend, so dass ich davon ausgehe dass das Sichten auf der großen Leinwand eine wahre Wucht gewesen sein muss. Die typischen Nolan-Krankheiten sind wieder mit an Bord, werden aber durch die gute Besetzung weitestgehenst ausgebügelt. Zudem sind es aber auch Nolans Stärken die den Großteil des Filmes stemmen, so dass man lediglich aus einer verwöhnten Perspektive heraus meckern kann. Denn eigentlich hat der Regisseur mit diesem Abenteuer dem Zuschauer einen wahrhaftig wirkenden Ausflug ins Weltall geboten und damit einen unglaublich aufregenden Film. OFDb
Kategorien:
2010-2019,
Abenteuer,
Christopher Nolan,
Drama,
Filmbesprechung,
Großbritannien,
John Lithgow,
Matt Damon,
Matthew McConaughey,
Michael Caine,
Science Fiction,
sehenswert,
Topher Grace,
USA
17.10.2014
ZWEI HINREISSEND VERDORBENE SCHURKEN (1988)
Kaum zu glauben, aber Steve Martin sollte ursprünglich die Rolle des stilsicheren Gauners Lawrence spielen, bestand aber auf die Rolle des Freddy. Sicherlich darf dessen Charakter mehr Wandlungen erfahren und dank eines einfallsreichen Drehbuchs in verschiedene Rollenmuster fallen, aber eigentlich liegt die wahre Herausforderung in der Rolle des Lawrence, die perfekt beherrscht werden muss, um die kleinen, leisen Töne dementsprechend wirken lassen zu können. Verstehe einer Martin, der in seiner Wunschrolle aufblüht und umwerfend komisch spielt, aber immerhin haben wir seiner Entscheidung wegen Michael Caine als Ersatzbesetzung des Lawrence zu verdanken, der geradezu perfekt erscheint diesen Charakter auszufüllen.
Mit diesen beiden Stars, welche in der einfallsreichen Geschichte eines pointensicheren Drehbuchs mitspielen, kann ein Film schon nicht mehr scheitern, und „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ darf man wohl zu den besten eher unbekannten Werken mit Steve Martin zählen, so skurril manche Situationen hier sind, so stilsicher, konsequent und wendungsreich die Geschichte erzählt ist und so ur-komisch wie sich der Streifen schaut. Martin kalauert sich durch eine intelligent erzählte Story, die stilreiche Momente ebenso zulässt wie völlig durchgeknallte, wobei Regisseur Frank Oz selbst diese stilvoll zu inszenieren weiß. Würde bleibt selbst dann bestehen, wenn Martin in einem völlig idiotischen Outfit am Tisch sitzend während einer Mahlzeit vor den Augen eines Gastes seine Notdurft verrichtet.
Ob ein Korken auf einer Gabel, schmerzhafte Erfahrungen eines Rollstuhlfahrers mit einem Schwert, eine Belehrung wie man Geld auszugeben habe, eine Liebesnacht mit ungewöhnlichem Ausgang oder ein Alleskleber-Einsatz während einer Party, „Dirty Rotten Scoundrels“ (Originaltitel) sprudelt nur so vor schräger Ideen, ordnet diese aber dem Sinn und roten Faden seiner Handlung unter, und achtet mit größtem Respekt auf die Glaubwürdigkeit und psychologischen Gesetze seiner jeweiligen Charaktere.
Mag der Witz manches Mal im Dialog, ein anderes Mal in einer lustigen Mimik und hin und wieder in der Situationskomik liegen, so oder so dürfen die drei Profis Caine, Martin und Oz dem Projekt ihren persönlichen Stempel aufdrücken, Martin beispielsweise in einer Knastszene, in welcher sein Humor kaum klassischer hätte ausfallen können. Caines stilvolles Spiel hingegen wirkt als würde er bereits für seine wunderbare Rolle in „Miss Undercover“ üben, in welcher er die Grundeigenschaften von Lawrence noch einmal perfektionierte, wenn vom Niveau her auch im schwächeren Umfeld. So oder so gehört die absolute Körperbeherrschung zu Caines Vorzügen, wie auch sein gekonntes Spiel in „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ beweist.
Frank Oz, der mit Steve Martin bereits in „Der kleine Horrorladen“ zusammen gearbeitet hat, beweist Überblick und das Talent für niveauvolles Humor-Entertainment, das er meiner Erfahrung nach erst in seinem „Die Frauen von Stepford“ verloren hat. Seine Werke „Was ist mit Bob?“, „In und out“ und „The Score“ (ein ernster Film) hingegen sind alle zu empfehlen, und dass seine erneute Zusammenführung mit Steve Martin in „Housesitter“ nichts wirklich Geglücktes hervor gebracht hat, lag weder an ihm noch an Martin. Aber davon erzähle ich ein andermal.
Interessant ist, dass „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ der unterschiedlichsten Gattung Cineast gefallen kann. Egal wie konservativ man sein mag oder wie albern man es mag, für jeden ist etwas dabei in einem harmonierenden Cocktail, der bei so viel Abwechslung nicht, wie man erwarten könnte, so viele Kompromisse eingehen muss bis er nicht mehr schmeckt. Der Ton trifft nie daneben, die Geschichte erfährt nie Leerlauf und das Gekabbel der beiden völlig unterschiedlichen Gauner verläuft sich nicht in einer sich ewig wiederholenden Schleife ähnlicher Ereignisse. Das oberste Prinzip der Geschichte heißt Weiterentwicklung, und das betrifft Personen ebenso wie den Verlauf, oftmals sogar den Humor. Da an diesem nicht gespart wird und alles andere auch so positiv wirkt, kann man „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ wirklich nur empfehlen. OFDb
30.12.2012
THE DARK KNIGHT RISES (2012)
Seit seiner dramatischen Entscheidung vor acht Jahren lebt Bruce
Wayne zurückgezogen und hat sich auch als Batman nicht mehr blicken
lassen. Als ein gewisser Bane Gotham City terrorisiert und dort
schließlich für Anarchie sorgt, kehrt er gegen den Willen von Alfred
zurück...
Willkommen in der Matrix...
Als großer Freund von „The Dark Knight“ habe ich mich sehr auf die Fortsetzung gefreut, darauf vorbereitet dass diese mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht so genial ausgefallen ist wie sein Vorgänger. Mir hätte es schon gereicht, wenn „The Dark Knight Rises“ das Niveau eines „Batman Begins“ erreicht hätte, aber mit einem derart mauen Ergebnis wie vorliegend habe ich so gar nicht gerechnet, waren doch alle wichtigen Beteiligten von Teil 2 auch in diesem Teil 3 wieder mit dabei, ausschließlich Heath Ledger, der leider nicht mehr unter uns weilt.
Schade, dass das Thema Joker gar nicht mehr angesprochen wird, es hätte mich interessiert was genau aus ihm geworden ist. Aber das ist inhaltlich die einzige Vernachlässigung, die man Nolan vorwerfen kann, denn eins muss man ihm lassen: er macht aus seinem Teil 3 tatsächlich eine Trilogie, so dass Handlungsfäden aus den Vorgängern zusammengefügt werden, neue Perspektiven eröffnet werden und am Ende des hier besprochenen Filmes alle drei Teile zu einem Ganzen werden. Allerdings bezieht sich die Vereinigung der drei Filme lediglich auf den Inhalt. Von seiner Wirkung her stellt sich Nolan mit dieser Fortsetzung selbst ein Bein, denn die will intellektuell so gar nicht zu den beiden Vorgängern passen, was schon schade ist, da „The Dark Knight Rises“ neben toller Actionszenen, gutem Design und toller Darsteller auch eine interessante Geschichte erzählt, in der es wie im Vorgänger hoch politisch her geht, die aktuellen Zustände Amerikas beachtet werden und mal wieder vor dem falschen Erlöser in Zeiten von Betrug am Volk gewarnt wird.
Cleverer Weise ist „The Dark Knight Rises“ nicht der Anwalt des bestehenden Systems, wie man in mancher Besprechung lesen durfte, sondern lediglich die Warnung vor einer Alternative, die ebenso fragwürdig ist. Die Alternative zu schlecht ist nun einmal nicht zwingend ihr Gegenteil und kann im übelsten Fall sogar ebenso schlecht sein. Ein solcher Fall ist Bane. Leider ist Bane alles andere als ein würdiger Gegner Batmans. Was uns hier als Bösewicht vorgesetzt wird ist schon sehr enttäuschend, ist Bane doch lediglich ein kleiner Prolet mit Minderwertigkeitskomplexen, und da seine Gesichtsbekleidung nichts anderes zulässt, kann auch sein Darsteller mimisch nichts aus dieser Figur herausholen. In der deutschen Fassung redet er gar wie der letzte Vollproll, womit man Freunden billigster Schundfilm-Unterhaltung im Action-Bereich eine Freude gemacht hat, nicht aber dem Cineasten, der nun voller Erschrecken feststellen muss, dass die in den Vorgängern verwendete deutsche Batman-Stimme, die so albern und kindisch das Gesamtbild seiner Auftritte schädigte, in „The Dark Knight Rises“ nun erweitert zu Hause angekommen ist inmitten von Kindergarten-würdigen Elementen, die der erwachsenen Thematik des Filmes nicht gerecht werden.
Da haben wir also zwei Proleten in den wichtigsten Rollen, die nicht nur durch ihre Stimmen und ihr Tun infantil wirken, sondern auch noch durch die ihnen zugeschriebene Dramatik, die es diesmal nicht, im Gegensatz zu den Vorgängern, schafft als Comic-artige Mystik zu wirken, sondern schlichtweg als überzogenes Getue ohne emotional beim Zuschauer anzukommen. Damit teilt sich „The Dark Knight“ nun das selbe Schicksal wie seinerzeit „Matrix“. Beiden großen Filmen wurde in der Fortsetzung die Seele geraubt, um Gefühle und Intelligenz zu heucheln, anstatt tatsächlich an die Inhalte der Geschichte und ihrer Figuren zu glauben. Zumindest sind die Spezialeffekte in „The Dark Knight Rises“ besser umgesetzt als in „Matrix 2“. Ansonsten sind beide Werke jedoch wunderbar zu vergleichen, wenn statt Denkansätze Leergeschwätz um die Ohren weht, das gerne tiefsinnig wäre und Schicksale präsentiert werden, die in ihrer Dramatik so dick aufgetragen werden, dass sie nur noch lächerlich wirken (schönes Beispiel hierfür ist Waynes Rückzug in den abgelegensten Winkel seiner Villa).
Also, wer schon immer dachte eine gute Geschichte, eine tolle Optik und rasante Action machen in dieser Kombination automatisch einen guten Film, der wird von „The Dark Knight Rises“ eines besseren belehrt, zumindest dann wenn er sich ein wenig mit Psychologie auskennt und gefühlsmäßig noch nicht auf plumpe Kino-Klischees hereinfällt. Wer Kino mit Köpfchen sehen will, ist im falschen Film. „The Dark Knight Rises“ unterscheidet sich in diesem Punkt nicht von den meisten anderen Blockbuster-Kollegen. Er ist in diesem und den anderen im Text erläuterten Defiziten sogar so stark betroffen, dass er sogar kaum als eigenständiger Film punkten kann. „The Dark Knight Rises“ ist nicht nur eine enttäuschende Fortsetzung, er ist somit auch ein mauer Film, selbst ohne Blick auf „The Dark Knight“. OFDb
Kategorien:
2010-2019,
Action,
annehmbar,
Christian Bale,
Christopher Nolan,
Drama,
Fantasy,
Filmbesprechung,
Gary Oldman,
Großbritannien,
Joseph Gordon-Levitt,
Liam Neeson,
Michael Caine,
Morgan Freeman,
Thriller,
USA
11.11.2012
THE DARK KNIGHT (2008)
Ein Psycho, geschminkt wie ein Clown, beklaut die Mafia und schafft
es diese in die Knie zu zwingen. Der Joker, wie er sich selber nennt,
verbreitet Terror in ganz Gotham City und scheint kein wirkliches Ziel
zu haben. Den Staatsanwalt Dent erwartet durch Jokers Spiel ein
besonders übles Schicksal. Kann Batman den Psychoclown aufhalten?...
Ein Comicheld wird real...
Was, schon wieder ein Superhelden-Film? So wird sicherlich der ein oder andere reagiert haben. Und kaum eine Frage könnte irrtümlicher sein. Die Antwort lautet ganz klar nein, und sie kommt nicht von mir sondern von Regisseur Christopher Nolan persönlich. Und die Antwort ist ein zweifaches Nein. Denn die Frage impliziert ja eigentlich die Erwartung an etwas durchschnittliches, halt „wieder ein Superheldenfilm“. Doch was Nolan dem Zuschauer alles an Action, Informationen, Bildern, Philosophischem, Sozialkritischem und Unterhaltung zuwirft ist alles andere als Routine. Hier also schon mal ein klares Nein.
Das zweite betrifft die Formulierung Superheld. Die kompletten 150 Minuten befasst sich Nolan mit dem Widerlegen der allgemeinen Annahme Batman wäre ein Superheld. Er war schon immer anders als die anderen Helden im Kostüm, und Nolan erklärt uns warum, und er beantwortet dies mit der Feststellung dass der Fledermausmann überhaupt nicht zu dieser Gruppierung dazugehört. Und das ist nun kein Geschwätz eines Reviewautors, der meint tolle analytische Entdeckungen gemacht zu haben, Nolan selber beantwortet diese Frage mit klaren Worten am Ende des Filmes. Dass Batman kein Superheld ist, ist die Kernaussage von „The Dark Knight“, Nolan braucht die komplette Laufzeit um auf diese Information hinzuarbeiten.
Durch die Jahrzehnte seiner Präsenz in Heftform, TV-Serie und Film ist Batman eine besonders bekannte Figur geworden. Selbst wer sich mit ihm nicht näher befasst hat, kennt einige Elemente, die immer wieder auftauchen. Der Fledermausmann ist einfach legendär. Diese nach Fangeschwätz klingende Thematik reiße ich deshalb an, weil Nolan seine Batman-Filme sehr anders erzählt. Eigentlich sind die Geschichten um Batman sehr phantastisch, obwohl der Held selber keine Superkräfte hat. Aber in „Batman Begins“ und „The Dark Knight“ zaubert Nolan etwas ganz besonderes. Er zaubert Batman in unsere Welt hinein.
Batmans bisherige Welt war an der unseren orientiert, wirkte aber dennoch immer wie eine fremde Comicwelt. Klar war Gotham City immer nur ein Synonym für New York, durch die düsteren Bilder wirkte es dennoch immer wie ein phantastischer Ort. Und ganz besonders die Figuren schienen nicht von dieser Welt zu sein. Nolan verfrachtet die bekannten Batman-Elemente nun in unsere Welt. Er verfremdet nicht mehr. Die Stadt sieht aus wie die Großstädte, die wir kennen. Die Figuren haben nachvollziehbare Hintergründe, sie sind, trotz ihrer Extreme und freakhaften Art, in unserer Welt durchaus denkbar.
Noch nie konnte man sich einen Rächer im Tierkostüm real vorstellen, aber die beiden neueren Verfilmungen des dunklen Rächers gehen durch den Verzicht reiner Verfremdung den Schritt in diese Richtung. Batman wird zu Fleisch, er wird auch in unserer Welt denkbar. Die Aktionen selber sind reines Actionkino a la James Bond und fern jeder Realität. Die Grundlagen selber sind es nur bedingt. Was in den Filmen geschieht ist sehr individuell und zufällig. Was hier geschieht könnte nicht jeden Tag geschehen, es ist realistisch gesehen nicht einmal wahrscheinlich. Wenn mehrere unerwartete Extreme aufeinander treffen ist es allerdings möglich. Und die beiden Filme zeigen uns diese unsere Welt, in der das Unerwartete möglich geworden ist. Das macht die beiden Werke für mich so interessant.
Trotz aller Phantastereien wirken die Filme so unglaublich realistisch. Gerade die Menschlichkeit der Schurken macht da viel dran aus. Ihre Optik ist keine reine Maske mehr, sie ist entweder nachvollziehbar, schlicht oder gleich beides. Hier hüpfen übelste Figuren durchs Bild, die man so auch auf der Straße sichten könnte. Man tut es nicht, sie sehen nicht alltäglich aus, aber sie sind denkbar. Diese Realitätsnähe (und ich betone, dass ich dies nur in diesem Punkten meine, nicht in den feuerwerkartigen Aktionen der Action) funktioniert nur deshalb, weil Batman so unglaublich bekannt ist.
Wäre Batman auf diese Art geboren, wäre er kaum beachtet worden. Es wäre langweilig und lächerlich gewesen. Aber jetzt, wo ihn jeder kennt, da wirkt ein zu Fleisch gewordener, verkleideter Rächer in realer Umgebung plötzlich positiv. Erst aus dem Phantastischen auferstanden bekommt er realitätsnah seine Wirkung. Zu Tim Burton-Zeiten war dies, trotz des bereits damaligen Bekanntheitsgrades, noch nicht möglich. Man wäre sich verarscht vorgekommen, Hollywood musste sich zunächst einmal auf klassische Art mit der Thematik austoben. Aber mit „Batman Begins“ war die Zeit reif und mit „The Dark Knight“ wird dieser Eindruck erneut bestätigt.
Möglich ist diese Realitätsnähe mitunter auch nur deshalb, weil wir hier eines sehr erwachsenen Film vorliegen haben. Voreilig wurde dies schon von den „X-Men“-Werken behauptet, und ganz abstreiten kann man es nicht, die Thematik die da ab und an aufblitzte war recht erwachsen, die kompletten Filme an sich waren es allerdings nicht. Auch bei „The Dark Knight“ bin ich da etwas vorsichtig, stimmt die Behauptung doch immerhin nur bedingt in einer Welt mit Faszination für Comicverfilmungen. Erwachsene freuen sich ihre Comichelden auf der Leinwand zu sehen. (auch eine Grundlage ohne die das im Absatz zuvor besprochene Thema kaum möglich gewesen wäre). Nichts klingt ferner der Reife.
Innerhalb dieser Realität aus kindlicher Freude kann man „The Dark Knight“ allerdings durchaus als sehr erwachsen betrachten. Der Film nimmt seine Figuren ernst. Er baut aktuelle Thematiken aus Politik ein. Er geht mit der Figur des Helden kritisch um. Er überrascht immer wieder mit Doppelbödigkeit. Und auch das Reinprojizieren der Comicelemente in unsere Welt sorgt letztendlich für diesen Eindruck. Die tiefergehenden Themen werden meist nicht nur angerissen. Fast jedes Thema ist ebenso diskutabel wie die Figur des Helden selber. Sozialkritische oder auch weniger kritische Äußerungen sind anfechtbar und somit ebenso zum Diskutieren geeignet wie die politischen Ansichten, die der Film aufwirft, oft auch nur in zweiter Reihe, von einigen vielleicht nicht bemerkt.
Am auffälligsten ist die Thematisierung des immer wieder aktuellen Überwachungsstaates. Hier zeigt Batman erneut wie fragwürdig er ist. Dass er kein Charakter ist den man gutheißen könnte. Der Film selber kann sich gerade in diesem Bereich von kritikmöglichen Schwachpunkten nicht frei sprechen. Auf der einen Seite wird das Ausspionieren der Gesellschaft als etwas Böses angekreidet (verkörpert durch die Rolle von Freeman), auf der anderen Seite heißt der Gegner dieser Möglichkeiten das Anwenden der von ihm kritisierten Vorgehensweise das eine mal gut. Dieses eine Mal darf es aber gar nicht geben. Es ist dieses eine Mal, das für Ungerechtigkeit sorgt. Nur das eine Mal, und dann hat man solche Ideen für immer an der Backe. Nur das eine Mal, für das eine große Ausnahmeziel. Ein solches wird es immer geben.
Ich höre schon Leute zu der Thematik reden, dass die Bedrohung, die vom Joker ausgeht, aber nun auch sehr groß. Beachtet werden muss aber auch, dass diese Bedrohung nicht aus dem Nichts kommt. Der Joker konnte auch erst durch die Umstände innerhalb der Gesellschaft entstehen. Und was man anbaut sollte man auch ernten und die Konsequenzen daraus ziehen. Man kann nicht Hunderte von Fehlern bauen, und um diese zu beheben plötzlich alle möglichen Grundrechte außer Gefecht setzen. Dass Batman kein reiner Strahlemann a la Superman ist dürfte klar sein. Aber das Gute wird zu dem hier angesprochenen Thema von der von Freeman gespielten Figur verkörpert, nicht von Batman. Und mit der Einwilligung dieses eine Mal mitzumachen ist eine Fragwürdigkeit entstanden, die am Film zu recht hart kritisiert werden muss, auch wenn es für die meisten nur eine kleine Randerscheinung ist, wenn überhaupt.
Dass das was das Volk bekommt, dieses auch selber schuld ist (in diesem Falle den Joker) wird sehr deutlich, wenn man sich unsere Welt ansieht. Ein Blick auf diese verweist auch auf den nächsten kritikanfälligen, möglichen Schwachpunkt von „The Dark Knight“ in seiner politischen Thematik. Der Joker ist die reine, bösartige Anarchie. Und er sieht sich als Alternative zur Demokratie. Den Ruf danach hört man auch in unserer Gesellschaft recht häufig. Wir leben in einer demokratieorientierten Gesellschaft, eingeredet wird uns seit klein auf es wäre eine Demokratie. Wenn nun Leute von unserer Staatsform enttäuscht sind, glauben sie fälschlicher Weise sie wären von der Demokratie enttäuscht, einem System was sie praktisch nie kennen lernten. Und dann rufen sie nach Anarchie, Faschismus und anderen fragwürdigen Antworten.
Eine solche Antwort ist der Joker. Er ist Anarchie in böser Reinform, er ist das schlimmste was Anarchie hervorbringen könnte. Er ist das extreme Endergebnis jener, welche die falsche Antwort auf das Verlogene des Systems forderten und nun feststellen müssen, welche Auswirkungen dies annehmen kann. Anarchie kann so verlockend klingen, sie kann aber auch so extrem und bösartig sein, wie durch den Joker in „The Dark Knight“ hervorragend verkörpert. Unglaublich dass ein solcher Comickasper einem derart Angst vor Terrorismus einjagen kann.
Der Schwachpunkt von „The Dark Knight“ ist nun allerdings die Gegenseite. Man baut zu sehr auf die Demokratie, auf den Staatsanwalt, die Polizei. Am Rande werden Korruption und Politlügen angesprochen, der Glaube an die angewandte Demokratie wird damit aber nicht gänzlich gestürzt. Somit steht dem glaubhaften Joker kein echter Gegenpart zur Verfügung. Der Joker als reine Konsequenz gesellschaftlichem, ignorantem Alltags wird nicht beantwortet mit dem Ruf nach wahrer Demokratie. Und damit wirkt die recht tief gehende Thematik des Streifens arg lückenhaft.
Das was den Joker hervorbringen konnte soll gleichzeitig die Lösung sein. Zumindest aus der Sicht Batmans. Während der Film uns sehr wohl die Abgründe der Gesellschaft zeigt (wenn auch nicht ohne Hoffnung, wie es gerade zum Schluss hin betont wird), glaubt Batman trotzdem noch blind an das vorgelebte Staatssystem, ausgerechnet ein Mann, der sich ihm eigentlich widersetzt. Ein Mann, der dem Joker ähnlicher ist, als ihm lieb ist. Es wird nicht ganz deutlich, was der Film als Lösung gegen Joker vorschlägt. Dent, als weitere Demokratielüge? Nur eines ist klar. Feuer soll nicht mit Feuer bekämpft werden. Batman will nicht auf das selbe Niveau wie der Joker herabrutschen, auch wenn er dieser Versuchung sehr nahe kommt.
Im fertigen Film ist der Joker fast wichtiger als Batman selbst. Und nach Sichten versteht man auch, warum der tote Heath Ledger lange Zeit als Oscar-Anwärter für die beste Nebenrolle gehandelt wurde und die Trophäe schließlich auch erhielt. Ledger verkörpert den Joker einfach genial. Und er verkörpert ihn völlig anders als Nicholson. Er ist eine völlig andere Interpretation des berühmtesten Batman-Gegners aus den Comicheften, die ja selber schon verschiedenste Interpretationen hervorbrachten. Wie oben schon erwähnt ist er für eine olle Comicfigur recht furchteinflössend. Seine Charakterzeichnung könnte böser nicht sein. Er kennt keinerlei Grenzen, kaum wer vor ihm war je böser auf der großen Leinwand. Die Leistung Ledgers muss man wirklich loben.
Der restliche Cast weiß großteils auch zu gefallen. Alle die es aus dem Vorgänger zu „The Dark Knight“ herüber geschafft haben sind auf der positiven Seite zu nennen (Bale, Caine, Freeman, der Darsteller von Gordon, ...).
Der Darsteller des zukünftigen Two-Face wirkt zunächst einmal durch seine schleimig strahlende Aura zu blank, soft und lahm. Aber auch sein Spiel ist als gut zu bezeichnen, und wenn man ihn im letzten Drittel als den zweigesichtigen Schurken sichtet, weiß man auch, warum es gut war, ihn zuvor so aalglatt zu verkörpern. Das Gute und das Böse stehen sich so in seinem Gesicht deutlicher gegenüber, als es in einem Durchschnittsgesicht jemals möglich gewesen wäre. Zur Rolle des Two-Face möchte ich noch ergänzend hinzufügen, dass ich ihn schon immer für den uninteressantesten Gegner des Fledermausmannes hielt und es deswegen schätze, dass er hier nur, wenn auch auf positivem Wege, als Nebenfigur verheizt wird. An sich finde ich es eigentlich besser wenn ein Comicheld nur einen Gegner vorgesetzt bekommt (ganz schlimm war es in „Spider-Man 3“). In „The Dark Knight“ heiße ich es gut und finde es auch toll umgesetzt.
Die Rolle der Rachel ist auf der Negativseite zu nennen. Gyllenhaal spielt unglaublich blass, wirkt die ganze Zeit über wie ein schlechter Kirsten Dunst-Klon, bekommt zum Glück aber auch nicht so unglaublich viel Screentime als dass sie den Film damit ins unangenehme kippen könnte.
Dass der Joker in diesem Werk so viel Raum beschert bekommt, Cineasten fast nur von ihm sprechen und er Batman fast an den Rand drängt, wirft die Frage auf, wann Hollywood endlich einmal daran denkt, solchen Figuren einen eigenen Film zu widmen. Darth Vader war interessanter als Luke, in fast jedem Batman-Film waren die Gegner wichtiger als der Held, wann also bekommt der Bösewicht mal seinen eigenen Film? Gerade nach dem Hype um Leadgers Joker sollten sich die Produzenten mit dieser Frage mal befassen. Im Horror-Genre ist diese Herangehensweise schon Routine. Freddy, Michael und Co bekamen nicht nur ihre Filme, sie wurden auch endlos fortgesetzt. Wieso wird der Schritt zum Bösen im Mittelpunkt nicht auch in anderen Filmbereichen begangen, wenn der Zuschauer sich doch scheinbar daran so gerne ergötzt? Wer weiß, vielleicht kommt so etwas ja bald. Vielleicht war auch die Enttäuschung vom, auf Trashfilmbasis amüsanten, „Catwoman“ deshalb so groß. Vielleicht kam sich der Fan verarscht vor, weil er statt eines Bösewichts nun eine seelenlose Pseudo-Heldin vorgesetzt bekam. Man weiß es nicht!
Meiner Meinung nach ist „The Dark Knight“ besser als sein Vorgänger, ich hatte mit „Batman Begins“ nämlich ein großes Problem: Die erste halbe Stunde. Ich weiß bis heute nicht was diese bescheuerte Ninja-Thematik in einem Batman-Film zu suchen hatte. Sie war einfach fehl am Platz. Da der Film recht lange ging, hatte man nach diesen bescheuerten 30 Minuten trotzdem noch einen tollen Film auf Spielfilmlänge. Und diese restlichen ca. 90 Minuten waren das was ich sehen wollte. Und da der Ninjaaspekt zur Entstehungsgeschichte gehörte, und diese ja nun auch in „Batman Begins“ endete, konnte ich nur hoffen, dass der Nachfolger sich am Stil des Restfilmes orientierte. Wenn er es täte wäre es ein großartiger Film, wohl der beste Batman-Film bisher. Und er wurde es.
Ich liebe Burtons zweiten Streich, das Düstere seiner Verfilmungen blitzt auch immer wieder, wenn auch auf andere Art, in Nolans Interpretation auf. Aber „The Dark Knight“ schlägt „Batmans Rückkehr“ um Längen. Ich denke mal, dass wir es hier mit der besten Comicverfilmung zu tun haben, die es bisher gab. Und die Konkurrenz ist immerhin nicht ohne, das muss man ja auch mal berücksichtigen um zu verstehen, wie gut „The Dark Knight“ nun wirklich ist.
Im Gegensatz zu dem was in der Filmbranche Amerikas gerade so angesagt ist, fällt „The Dark Knight“ damit positiv auf, trotz schneller Schnitte übersichtlich zu sein. Werke wie „Resident Evil 2“ haben so schnelle Schnitte, dass man teilweise gar nicht sehen kann was passiert. „The Dark Knight“ verzichtet nicht auf schnelle Schnitte, wendet diese zum einen aber auch nicht pausenlos an und zum anderen sind die Schnelleinstellungen deutlicher eingefangen, so dass man keine Informationslücken oder Augenwischerei zum Verheimlichen schlechter Effekte vorgesetzt bekommt. Da sollten sich andere Großproduktionen ruhig mal eine Scheibe von abschneiden.
Insgesamt ist „The Dark Knight“ mit seinem düsteren Comicstil der auf Realitätsnähe stößt, einfach ein Augenschmaus für sich, ein Fest für Augen, Gehirn und Seele, einfach ein Film, der einem wieder klar macht wofür es Kinos eigentlich gibt. Der Mix aus Dunkelheit und Realismus orientiert sich meiner Meinung nach etwas an dem Frank Miller-Comic „The Dark Knight Returns“. Das dort eingebrachte Element mit den Batman-Nachahmern kommt immerhin auch in dem hier besprochenen Film vor, wenn auch anders thematisiert. Da Millers Comic so unglaublich gut ist wäre es mal toll, dieses detailgetreu umgesetzt im Kino zu sichten. Bis es so weit ist (was wohl ohnehin nie geschehen wird) ist „The Dark Knight“ zumindest der Schritt in die richtige Richtung, ja eigentlich mehr noch: ein bereits großartiges Ergebnis.
Nolans Film braucht den Vergleich mit anderen Batman-Werken nicht zu scheuen, wenn überhaupt müsste es umgekehrt sein. Was Burton Batman an seelischer Grausamkeit auf sehr beeindruckende Art zuschrieb, bekommt der Fledermausmann von Nolan auf gesellschaftlicher Ebene aufgelastet. Für welchen Preis Batman in „The Dark Knight“ den Sieg erringt, ist kaum in Worte zu fassen. Für einen dritten Batman-Film wäre „The Dark Knight“ das, was „Das Imperium schlägt zurück“ für „Star Wars“ war. Alles ist anders als zuvor, eine Rückkehr wäre nicht mehr auf die klassische Art möglich. Zu vieles ist zerstört, zu vieles nicht mehr zu reparieren.
Da Batman nicht so weiter machen kann wie bisher, wäre ein dritter Teil höchst interessant. Die hohen Einspielergebnisse sprechen zwar deutlich für eine weitere Fortsetzung, es bleibt nur zu hoffen dass Nolan weiter Regie führt und den Schluss von „The Dark Knight“ konsequent weiterführt. Ein Ignorieren der finalen Geschehnisse von Teil 2 wäre der größte Fehler, den ein Teil 3 machen könnte. OFDb
Kategorien:
2000-2009,
Action,
Christian Bale,
Christopher Nolan,
Drama,
Fantasy,
Filmbesprechung,
Gary Oldman,
Großbritannien,
Heath Ledger,
Maggie Gyllenhaal,
Michael Caine,
Morgan Freeman,
sehenswert,
Thriller,
USA
Abonnieren
Posts (Atom)