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15.10.2023

SKY SHARKS (2019)

Ebenso wie der Art-verwandte "Iron Sky", so konnte mich auch "Sky Sharks" nicht wirklich überzeugen. Da leben wir in einer Zeit, in welcher herrlich kranke Ideen umgesetzt werden können, die in der Filmlandschaft vor Jahren noch nicht denkbar gewesen wären, und dann fehlt solchen Projekten das gewisse Etwas mehr zu sein, als der starre Versuch des Entarteten. Für jeden Fan von Pulp und Trash ist der Gedanke von Nazizombies auf fliegenden Haien eine geradezu verlockende Idee. Und das Design beider Wesen weiß zu wirken. Und doch, "Sky Sharks" kommt zu gewollt daher, ist zu aufgebläht für das richtige Pulp-Feeling, zu gewollt schundig, um als Trash zu gelten, und der Amateurherkunft des "Killerbus"-Regisseurs Marc Fehse nicht weit genug entrückt, um das Projekt auf andere Art betrachten zu können. Im Meer an Spezialeffekten und bekannter eingekaufter Gesichter vom gesamten Globus, kommt der Film zu wild, schnell und oberflächlich daher, kümmert sich neben der ausgeflippten Ausgangsidee nicht zu genüge um weiteres kreatives Füllmaterial und unterschätzt die Dringlichkeit einer Identifikation mit Figuren. Selbst die drei im Zentrum stehenden Akteure bleiben einem fremd. 

Die Geschichte wird nicht griffig mitempfindbar umgesetzt, alles bleibt zu sehr Theorie, zu sehr ausgeflippte Idee in einem unnahbaren Werk. Zudem geht "Sky Sharks" nach einem imposanten Einstieg fix die Puste aus. Den etwas zu öde geratenen Zwischenteil versucht man mit dem Rückblick auf die Nazizeit zu bereichern, was nach meinem Empfinden nicht zu funktionieren weiß, da der Rückblick zu viel Zeit in Anspruch nimmt und lediglich den Eindruck erweckt, Personal und Utensilien unterbringen zu wollen, anstatt interessante und nötige Einblicke in die zu oberflächlich bleibende Geschichte zu integrieren. Klar hat "Sky Sharks" seine Momente, die jedes Kind im Manne wecken. Und gerade die herrlich grotesken Spielereien mit nackter Haut atmen pursten Pulp, wenn dies mit Gewalt angereichert wird. Aber mehr als Kurzfilmpotential ist da nicht zu entdecken. Auf solch seelenlose Art, trotz der unübersehbaren Herzensangelegenheit der Schöpfer dieses Ausnahmeprojektes, funktioniert ein solches Werk nicht auf Spielfilmlänge, abgesehen von einem Publikum, welches lediglich auf Schauwerte setzt. Die gibt es zu genüge, mal ansehnlich inszeniert, mal absichtlich schundig, im Idealfall beides gleichzeitig liefernd. Ich bin nicht komplett ohne Sympathie was diesen Film betrifft, aber gut unterhalten gefühlt habe ich mich nicht.  Wiki

10.04.2019

WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT (2002)

Als Peter Thorwarth mit "Bang Boom Bang" einen großen Überraschungserfolg ablieferte, erinnerte er sich zur Fortsetzung seiner Ruhrpott-Trilogie an seinen 1997 abgedrehten Kurzfilm "Was nicht passt, wird passend gemacht" und zauberte aus diesem eine Langfilmversion. Diether Krebs, der im Original den Wiesenkamp mimte, war mittlerweile leider verstorben, also besetzte man dessen herrlich prollige Rolle mit Dietmar Bär, der seinem Vorgänger zwar nicht das Wasser reichen kann, aber ebenfalls eine großartige Leistung ablieferte. Die Raffinesse des Drehbuchs von "Bang Boom Bang" weiß Teil 2 besagter Trilogie nicht vorzuweisen, ganz im Gegenteil kommen seine Wendungen, gerade Richtung Finale, eher etwas künstlich gehalten daher, sich fast etwas episodenartig anfühlend. Hier bemerkt man das künstliche Strecken zum Erreichen einer Spielfilmlänge. Da Situationen und Charaktere allerdings so sympathisch comicartig ausgefallen sind wie im Vorgänger, verzeiht man das dem Film nur all zu gerne, zumal manch schräge Idee gerade erst in der gegen Ende völlig hoch geschwappten Übertreibung so richtig zu wirken weiß.

Was "Was nicht passt, wird passend gemacht" dem an sich besseren auf cool getrimmten Vorgänger voraus hat, ist seine Herzlichkeit innerhalb einer Erzählung, die in Sachen geistreichem Proletenhumor dem eigentlichen Rezept nicht im Wege steht und somit nicht das Ergebnis verwässert. Das liegt an Thorwarths Talent interessante, sich menschlich anfühlende Charaktere zu entwickeln, die einem trotz allerlei unangenehmer Eigenarten dennoch ans Herz wachsen. Er selbst übernahm die Rolle des Philip, was ich für die richtige Entscheidung halte, so kompatibel er mit der einzig wichtigen weiblichen Rolle zu harmonieren weiß und so gut wie er als Autor und Regisseur seine eigenen Figuren versteht. Ralf Richter stand ihm in Sachen Schauspiel beratend zur Seite, so dass es bezüglich seiner Leistung vor der Kamera nichts zu meckern gibt. Der romantische Aspekt weiß zu ergreifen, läuft jedoch nicht als Fremdkörper parallel zum Hauptgeschehen, sondern wird Teil von diesem, und dies, wie erwähnt, ohne dem Restkonzept dabei im Weg zu stehen.

Die Geschichte selbst besteht wieder aus allerhand interessanten und lustigen Wendungen, ist an sich aber schon fast egal zu nennen, so viel Freude wie es macht dem schrullig proletischen Figurenmeer bei ihrem alltäglichen Treiben zuzusehen. In jeder Rolle gut besetzt, wissen die Darsteller das pointenreiche Drehbuch bestens zu unterstützen, welches gelegentlich auch Richtung Bildungsbürger ausschlägt, meist aber aufgrund kenntnisreicher Wiedergabe des Arbeiteralltags und seiner zitierwürdigen Dialoge zu begeistern weiß. Hier darf jeder überagieren, alles andere wäre ein Fehler, und man glaubt in der Mentalität des Streifens wiederzuerkennen, dass Thorwarth bekennender Hallervorden-Fan ist, auch wenn dieser nie solch eine Komödie gedreht hätte. "Camper" Willi Thomczyk überrascht als passende Besetzung, auch wenn er schauspielerisch nicht viel leisten muss, Ralf Richter weiß zu wirken wie immer, Hilmi Sözer wird funktionierend eingesetzt, Alexandra Maria Lara ist ein unglaublich süßer, natürlich wirkender, Glücksgriff, und der leider nur in einer Nebenrolle besetzte Michael Brandner, den ich seit "Club Las Piranjas" immer wieder gerne sichte, brilliert in seiner Rolle, wie man es von ihm gewohnt ist.

Im direkten Vergleich kann "Was nicht passt, wird passend gemacht", trotz des Pluspunktes einer funktionierenden, romantischen Gefühlsebene, nicht an den sich eigentlich kühler anfühlenden "Bang Boom Bang" heran reichen, dafür ist das Drehbuch nicht raffiniert genug ausgefallen. Im Gegensatz zur gleichnamigen Kurzfilm-Vorlage, hat der Langfilm jedoch die Nase deutlich vorne und ist ohnehin aufgrund seiner treffsicheren Komik und seiner hervorragend funktionierenden Figurennähe ein würdiger zweiter Teil der Ruhrpott-Trilogie Thorwarths. Es ist schade dass der Abschluss mit "Goldene Zeiten" völlig anders ausschlägt und auch bei anderer Orientierung bei weitem nicht so gut zu funktionieren weiß wie die beiden kompatiblen Vorgänger. Aber was soll man jammern, wenn einem zuvor doch zwei so wundervolle Komödien vorgesetzt wurden, wie sie in dieser Mentalität auch nur aus Deutschland stammen konnten? Ich gucke beide Filme immer wieder gerne, und demnächst werde ich auch mal Thorwarths erst 2014 nachgereichten "Nicht mein Tag" antesten, auch wenn dieser auf den ersten Blick zunächst einmal eher wie ein zweiter Versuch ausschaut am Erfolg von "Bang Boom Bang" anknüpfen zu wollen. Der hier besprochene Film bekam ein Jahr nach seinem Erscheinen anbei noch eine gleichnamige TV-Serie beschert. Über deren Qualität ist mir allerdings nichts bekannt.  OFDb

23.09.2018

ABWÄRTS (1984)

Im Fahrstuhl stecken zu bleiben gehört wohl zu den unangenehmsten Vorstellungen dessen was einem passieren kann. Da muss man nicht einmal klaustrophobisch für veranlagt sein: der enge Raum, die ungewisse Wartezeit, sich derart nah unter fremden Menschen zu befinden oder im Gegenteil eventuell ganz allein in dieser Situation zu sein, das klingt alles nicht einladend. Da kommt es sehr gelegen, dass Carl Schenkel auf die Idee kam einen Thriller aus dieser Situation zu machen, was sicherlich kein leichtes Unterfangen auf solch engem Raum ist. Aber sein Verantwortlicher für die Kameraführung löst das Problem wunderbar, stets spürt man die Enge, nie wirkt die Kulisse größer als gewollt, man wird Teil des engen Raumes ohne das Gefühl zu haben die Darsteller würden einem zu penetrant vor die Nase gesetzt. Die Möglichkeit aus dem Ganzen ein Kammerspiel zu machen wird nur teilweise genutzt, da zwischendurch immer wieder andere Bereiche des Hauses durchleuchtet werden und ein überraschend großer Teil der Laufzeit zudem im Fahrstuhlschacht spielt.

Das von Regisseur Schenkel selbst verfasste Drehbuch geht trotz gelegentlichem Abrutschens in reißerische Momente angenehm sachlich vor. Die vier Hauptfiguren reagieren ziemlich normal, angelehnt an ihren Grundcharakteren. Bis aus zu langem Warten Unmut und schließlich auch ein ungutes Gefühl wird dauert und fühlt sich im angegangenen Zeitraum authentisch an, persönliche Probleme drängen sich dem Gefühl der Gefahr vor, bevor den Protagonisten letzteres bewusst wird. Die Frage warum sich auf das abgeschickte Notsignal hin nichts tut ist schnell auf angenehm menschliche Art beantwortet, und auch die Angst der Möglichkeit vor Erstickung ist schnell gelöst, so dass sich das Drehbuch mit den grundlegenden Elementen nicht all zu lang auseinandersetzen muss. Zudem hält es den ein oder anderen Kniff bereit um die Eingesperrten manch naheliegende Handlung erst später als zu Beginn der Situation angehen zu lassen, auch das weiß zu gefallen und die 90 Minuten Laufzeit somit sinnvoll zu füllen. Mancher Thrillmoment dürfte eventuell Dick Maas für seinen nur wenige Jahre später folgenden "Fahrstuhl des Grauens" inspiriert haben, Schenkels Film selbst war ein Erfolg in Deutschland und verhalf dem Mann dazu auch in Amerika tätig zu werden, so z.B. mit dem Thriller "Knight Moves".

Einen guten Teil des Erfolges hat Schenkel Götz George zu verdanken, der trotz der Anwesenheit des stets großartigen Wolfgang Kieling die beste Leistung der hier Anwesenden vollbringt, durchbricht er doch den Stereotyp des erfolgreichen Angestellten-Prolls, der deutlich an seine Schimanski-Rolle aus der "Tatort"-Reihe angelegt ist, und zeigt deren zerbrechliche Seite. Seine Rolle erlebt viele verschiedene Gefühlsmomente, die der gute Mann allesamt hervorragend meistert. Kieling ist da im Vergleich weniger gefordert, darf seine Rolle in der ersten Hälfte doch bewusst nur passiv agieren, aber auch er ist freilich ein Glücksgriff für das Funktionieren eines Filmes, welches auf einem guten Drehbuch fußt. 

Meist ist es der andere männliche Anwesende, ein junger passiver Rebell, toll verkörpert von Hannes Jaenicke, mit dem es in Interaktion mit der George-Rolle geht. Der weibliche Part hingegen funktioniert eher aufgrund des Drehbuchs, auch wenn man Renée Soutendijk keineswegs mangelndes Schauspieltalent vorwerfen kann. Sie wird einfach nicht genügend gefordert um mit der männlichen Konkurrenz mithalten zu können, das ist alles. Aber ihre Figur erfüllt ihren Zweck, auch wenn ich manche Annäherung an den jungen Ranschmeißer nicht immer als realistisch empfand. Aber das ist wenn überhaupt ein Schwachpunkt des Buches und nicht ihrer, und es mag sein dass sich diesbezüglich der Zeitgeist geändert hat und sich dieser Aspekt in den 80er Jahren anders geguckt hat. In einer kleinen Rolle ist zudem noch Ralf Richter mit an Bord, aber der ist kaum der Rede wert.

Es ist die Figurenkonstellation und deren persönliche Probleme auf die Schenkel wesentlich mehr baut als auf die Angst des Eingeschlossenseins. Der Aufhänger des Festsitzens in einem Fahrstuhl und der Versuche sich zu befreien gerät zwar nie in den Hintergrund, ist auf solch engem Raum erzählt und eine derartige Extremsituation schaffend freilich immer präsent, aber doch wundert es, dass Schenkel sich oftmals mehr auf die Dynamik der Gruppe konzentriert als auf den Thrill der eigentlichen Ausgangslage und dabei gern auf den dramatischen Aspekt achtet, aber auch auf den gesellschaftskritischen. Der besteht nicht nur aus den anfänglichen Konstellationen unterschiedlicher Typen und Ansichten (welche immerhin zu interessanten, klassischen Reibungspunkten führen), Schenkel würfelt im Laufe der Zeit den Zusammenhalt einzelner Leute untereinander immer wieder neu. 

Misstrauen, neue Tatsachen, Verdächtigungen, Eifersucht und anderes sorgen immer wieder für eine Neuorientierung der Gruppe, und die Kieling-Rolle brilliert mit ihrem sich so wunderbar menschlich anfühlendem Geheimnis und bildet beim späten Aufdecken von diesem eine der bedeutendsten Wendungen für die Geschichte und ihrer gut gewählten Schlusspointe. Ohnehin endet "Abwärts" einerseits erschreckend, andererseits augenzwinkernd, aber weit weniger spannungsintensiv als man es in einem Thriller zu diesem Thema erwarten würde. Das verstehe ich keinesfalls als Schwachpunkt, der Film ist auf jene Art geglückt, wie er auch angegangen wurde und ist in seiner ganzen Art typisch deutsches Kino, ohne die Anbiederung an amerikanische Sehgewohnheiten. Und das ist etwas das Schenkel manch anderem nach Amerika wechselnden deutschen Filmschaffenden bereits hier im Lande voraus hatte.  OFDb

30.04.2016

GOLDENE ZEITEN (2006)

Während „Bang Boom Bang“ und „Was nicht passt, wird passend gemacht“ trotz ihrer unterschiedlichen Schwerpunkte recht gut miteinander harmonieren, will der dritte Teil von Thorwarths Unna-Trilogie nicht wirklich zu den Vorgängern passen. Das liegt sicherlich unter anderem daran, dass das Klientel von dem der Film handelt ein völlig anderes ist. Ob arbeitslose Gammler und Kriminelle, oder der kleine Arbeiter von nebenan, die ersten beiden Filme arbeiteten mit den einfachen, ungebildeten Menschen, meist mit Proleten verschiedenster Art, „Goldene Zeiten“ widmet sich nun den Golf-spielenden Besserverdienern, eine Gesellschaft die im zweiten Teil der Reihe zwar bereits angerissen wurde, hier aber nun von Seiten der Unternehmer und Karriere-geilen Leute gezeigt wird, quasi der High Society Unnas, die nicht weniger kriminell ist als der Personenkreis der Vorgänger.

Auch wenn gerade die Komik mit den Asis der Gesellschaft so viel am Funktionieren der ersten beiden Teile ausgemacht hat, so ist die Idee sich nun der dritten Gesellschaftsschicht zum Abschluss zuzuwenden eine gar nicht mal schlechte. Nur leider wollte Thorwarth diesmal wohl völlig andere Wege beschreiten. Anders ist es nicht zu erklären, dass er den überraschend angenehmen Weg aus dem Mittelteil der Trilogie, sich den charmanten Unnötigkeiten am Rande der Hauptgeschichte zuzuwenden, komplett außer Acht lässt und diesen nun vollends streicht für eine arg konstruierte Geschichte, die im kriminellen Bereich für das Spießertum gerne das wäre, was „Bang Boom Bang“ für die Asis ist.

Mit einem pointenreicheren Drehbuch hätte vielleicht sogar das funktioniert. Aber „Goldene Zeiten“ kommt arg verkrampft daher, zeigt deutliche Startschwierigkeiten, bevor der Zuschauer sich erst nach etwa einer halben Stunde halbwegs für das Szenario interessieren kann, aber selbst dann wird aus dem dritten Streich kein wirklich unterhaltsames Werk, so witzarm wie das Ganze ausgefallen ist.

Die Lauflänge von über zwei Stunden macht die ganze Sache freilich nicht besser. Und so darf man einer viel zu lang gezogenen, nur halb interessanten Geschichte beiwohnen, die zwar recht ordentlich verästelt ist und mit bekannten, wie sympathischen Darstellern besetzt wurde, der aber der bürgernahe und verspielte Charme der Vorgänger fehlt. Das Didi-Feeling fegt überhaupt nicht mehr durch den Film. Ein Kampmann, Jr.-Wiedersehen ernüchtert eher anstatt zu begeistern, und da der Part von Ralf Richter diesmal arg klein ausgefallen ist, weiß auch er nichts zu retten.

Sehr geduldige Zuschauer werden sicherlich bis zum Ende durchhalten. Aber es fällt schwer bis zum Schluss dranzubleiben, obwohl interessante Elemente in die Geschichte eingewoben sind, deren Ausgang man als neugieriger Mensch miterleben möchte. „Goldene Zeiten“ ist sicherlich nicht so schlecht wie es sich lesen mag, aber er ist nicht nur inkompatibel mit dem Rest der Ruhrpott-Trilogie, auch als eigenständiges Werk besitzt er zu viele Längen und zu wenig Pfiff um über ein Mittelmaß herauszuragen. Schade, gerade nach Teil 2 hatte ich mir in Zeiten genormter Drehbücher wesentlich mehr von einem Geschichtenerzähler erhofft, der ohne Nostalgie den Wind jener vergangenen Kinotage hat aufwehen lassen, als Kinogeschichten noch nicht bestimmten Regeln unterworfen waren. Vielleicht gibt es für so etwas aber auch einfach keine Geldgeber mehr.  OFDb

BANG BOOM BANG - EIN TODSICHERES DING (1999)

Mit „Bang Boom Bang“ startete Regisseur und Autor Peter Thorwarth seine Ruhrpott-Trilogie. Die Verspieltheit unnötiger Abschweifungen, welche dem Plot erst den nötigen Charme beschert, ist noch nicht so ausgereift wie im Folgewerk, aber bereits hier Trumpf, die dort so enorme Gag-Dichte hingegen im Erstling überhaupt nicht nötig, lebt der Film doch hauptsächlich von seinen witzigen Charakteren, und besitzt „Bang Boom Bang“ im Gegensatz zum Baustellenfilm doch eine unglaublich pfiffig erzählte Geschichte, die gekonnt über Umwege erzählt wird und deren Fäden sich nach und nach immer deutlicher zu einem Gesamten verdichten.

Ich habe keine Ahnung wie es Thorwarth geschafft hat für seinen ersten Langfilm so viel Prominzenz an Bord zu holen, sieht man aber mit wieviel Freude an deutschen Klischees sie ihre Charaktere geradezu verspielt zum Leben erwecken, erkennt man wie gut allen das Projekt gefallen haben muss. Diether Krebs mimt den als Chef geborenen Oberproll Kampmann, Lindenstraßen-Benny Christian Kahrmann spielt dessen herrlich dümmlichen Sohn, eine Rolle die er noch zwei Mal wiederholen sollte, Ralf Richter spielt fern jeder Realität völlig überzogen den aggressiven Oberasi, und man dankt es ihm, und Martin Semmelrogge muss man in seiner grandiosen Darbietung des tragikomischen Verlierers Schlucke erst einmal erkennen, so wunderbar erbärmlich wurde er von der Maske zurecht gemacht.

Sie zusammen mit den eigentlichen Helden des Filmes, gespielt von Oliver Korittke und Markus Knüfken, sowie diversen Gaststars, von welchen das herrlich absichtlich schlechte Schauspiel von Til Schweiger der witzigste Part darstellt, hauchen der intelligent erzählten Geschichte voller skurriler Situationen, charmanter Unmöglichkeiten, deutscher Charaktere der Moderne und Ganovenklischees Leben ein und formen es zu einem Liebhaberstück der deutschen Komödie, das nicht zufällig zu einem Kultfilm wurde.

Thorwarth beherrscht die perfekte Mischung aus Gangsterstory, lautem und leisem Humor, dem nötigen Hauch Dramatik und dem Gefühl für interessante Charaktere und Situationen, so dass die eigentlich so stillos klingende Story um einen Haufen Asis und Proleten zu einem niveauvollen komödiantischen Erlebnis wird, in einer Verspieltheit umgesetzt wie die damaligen Kinofilme Hallervordens. „Bang Boom Bang“ dürfte den meisten Zuschauern besser munden als der etwas spezieller ausgefallene Folgefilm „Was nicht passt, wird passend gemacht“, bietet er doch sowohl etwas für Sonderlinge und große Kinder, als auch für den Massengeschmack. Ein Hauch Mainstream weht dennoch nie, dafür besitzt die Erzählung zu viel Persönlichkeit.  OFDb

01.09.2014

WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT (1997)

Den Langfilm „Was nicht passt, wird passend gemacht“ habe ich schon einige Male gesehen, den Kurzfilm bislang jedoch noch nicht. Doch das habe ich gestern nun nachgeholt, und man darf schon erstaunt sein, dass es Regisseur und Drehbuchautor Peter Thorwarth geschafft hat solche Prominenz mit an Bord eines so kleinen Projektes zu holen, eine Prominenz die ich in dieser Anzahl erst für den Langfilm engagiert erwartet hätte. Mit dabei sind schon Ralf Richter und Willi Thomczyk, und Dieter Krebs darf den Wiesenkamp spielen, hier noch Willi anstatt Werner heißend, und den guten Mann sieht man doch immer wieder gerne vor laufender Kamera agieren.

Was soll man sagen? Wenn man den Langfilm, der zum zweiten Teil von Thorwarths Ruhrpott-Trilogie nach „Bang Boom Bang“ wurde, schon fast auswendig mitsprechen kann, kommt die Kurzversion aus unfairer Sicht schon etwas fade daher. Viele Ideen sind schon mit an Bord, aber Storyaufbau und Pointe finde ich selbst für einen Kurzfilm zu unaufgeregt gesetzt, so dass ich mir das ganze als Langfilmversion mit Unkenntnis des Nachfolgers wohl nicht hätte vorstellen können.

Einige nette Gags tauchen bereits hier auf, aber man bemerkt deutlich die Lernerfahrung Thorwarths, wenn man beide „Was nicht passt, wird passend gemacht“ miteinander vergleicht, sind doch alle im Langfilm übernommene Pointen wesentlich besser gesetzt, und gerade dem Anschiss, den der Student von Ralf Richter an den Kopf geknallt bekommt, fehlt es an der mimischen Perfektion, die Richter erst im Mittelteil der Trilogie so genial hinbekam.

Ohne seinen großen Bruder wirkt „Was nicht passt, wird passend gemacht“ einfach zu banal um ihn wirklich zu beachten. Viel Lebenszeit vergeudet man beim Sichten nicht, man kann ruhig einmal ein Auge riskieren, aber verpasst hat man definitiv nichts - im Gegensatz zur Langfilm-Version, die man als Fan deutscher Komödien unbedingt gesehen haben muss. Zumindest macht es Spaß den Stars in der belanglosen Handlung zuzusehen. Das gewisse Flair, das der Ruhrpott-Trilogie den richtigen Reiz gab, ist hier aber leider noch nicht zu spüren. Schade, aber egal, denn ich lebe ja nicht mehr im Jahr 1997, als es noch keinen Langfilm zum Kurzfilm gab.  OFDb

16.08.2012

DIE KATZE VON KENSINGTON (1996)

In London geht ein Killer um, der bei seinen Opfern, die alle kriminellen Hintergrund besitzen, eine Joker-Karte hinterlässt. Chef-Inspektor Higgins macht sich auf die Suche nach dem Täter. Der mit Maschinen auf Kriegsfuß stehende Higgins bekommt zeitgleich einen neuen Partner an die Seite gestellt: die junge, Computer-interessierte Barbara Lane...

Ein Joker ohne Batman...
 
Jahrzehnte nachdem der letzte Film der klassischen deutschen Wallace-Reihe im Kino lief, da wurden die 60er Jahre Krimis des in den 30er Jahren verstorbenen Schriftstellers plötzlich wieder beliebt und damit für eine breitere Gruppe Kult. Kein Kult der sich nicht vermarkten lässt, dachten sich die Leute bei RTL, und so versuchte man sich bei diesem großen TV-Sender ebenfalls an Verfilmungen aus der Feder des legendären Autoren, wenn auch nur ganz leicht angelehnt an dessen Werken.

Als Urgestein der alten Reihe holte man sich Eddi Arent an Bord, als Mitproduzent bekam man den ehemaligen Geldgeber Horst Wendtland überredet, und manch deutsche Prominenz wie Ralf Richter und Martin Semmelrogge bekam man für kleinere Gastrollen engagiert. Regie übernahm der Österreicher Peter Keglevic, der bereits bei Krimi-Reihen wie „Tatort“, „Doppelter Einsatz“ und „Kommissar Beck“ als Regisseur tätig war und später den etwas berühmteren „Tanz mit dem Teufel“ ablieferte.

Man darf schon etwas misstrauisch werden, wenn lustig gemeinte Sprüche partout nicht ziehen wollen, Eddi Arent in einer dämlichen und völlig unwitzigen Nebenrolle völlig verheizt wird und Lane, immerhin eine der Hauptermittler, so spielt, dass sie als Figur eigentlich gar nicht weiter auffällt. Im Gegensatz zu ihr weiß immerhin Joachim Kemmer als Higgins zu wirken, aber auch der braucht seine Zeit bis man mit ihm warm geworden ist, ist er doch der längst überholte „alter Vater“-Kommissaren-Typ, der einem nie komplett sympathisch wird, vielleicht auch weil er versucht wird als etwas schrullig dargestellt zu werden, stattdessen aber eher etwas trottelig wirkt, was im Widerspruch zu seinem Restcharakter steht.

Kemmers Schuld? Nein, auch hier scheitert wieder das Drehbuch, denn die charakterlichen Ausrutscher sind situativ und nicht im eigentlichen Spiel Kemmers zu bemerken. Auch wenn der gute Mann an sich nichts falsch macht, so ist Gunter Berger zwei Jahre später doch die bessere Besetzung in dieser Rolle. Zwar wirkt Kemmer viel eher wie ein Fuchsberger, was eigentlich ein Pluspunkt sein müsste, aber seine Darstellung weiß einfach nicht in die 90er Jahre zu passen, wohingegen Berger später den Spagat schaffte ein Mix aus Moderne und altem Higgins zu kreieren.

Als Sir John angelte man sich Leslie Phillips, der seine Rolle auch gut im Griff hat, auch wenn bei ihm weniger mehr gewesen wäre, ist der sonst eher schusselige Chef des New Scotland Yart doch zum Volltrottel mutiert, was aber immerhin lustige Szenen mit sich zieht. Auch hier liegt das Manko eher am Drehbuch als an Phillips selbst, der es immerhin schafft doch noch die nötige Sympathie beim Publikum zu erzielen.

Der Kriminalfall selbst ist vom Drehbuch jedoch recht nett eingefangen. Trivial muss er sein, das darf man ihm nicht zum Vorwurf machen, und der Stil der Erzählung ist etwas näher an den alten 60er Jahre Wallace-Filmen als die zwei Jahre später entstandenen RTL-Filmchen mit Gunter Berger, die vom Handlungsablauf und stilistisch eine Spur schlichter umgesetzt wurden. Gleich vorweg: lustiger Weise sind sie (dadurch?) die interessanteren Filme geworden, aber den Reiz den „Die Katze von Kensington“ versprüht können sie trotzdem nicht einfangen. Interessant wie man immer wieder die Handschrift von Wallace erkennt, obwohl dessen Vorlage kaum etwas mit dem hier Gesehenen zu tun hat.

„Die Katze von Kensington“, das klingt schon so klassisch, kein Wunder, ist es doch der tatsächliche Titel eines Wallace-Romans. Und so wie der Klang des Namens darf man sich auch die Restinszenierung vorstellen: klassisches Wallace-Feeling, freilich projiziert in die 90er Jahre und auf TV-Niveau zurechtgestutzt, jedoch nicht völlig amateurhaft gespielt wie die späteren RTL-Filme, was den Sender wohl veranlasste diese Jahre lang im Giftschrank schmoren zu lassen, ehe sie erstmals gezeigt wurden. Der hier besprochene Film und seine zwei Nachfolger sind dort nicht gelandet.

Der Kriminalfall selbst weiß auf banale Art mit recht stimmiger Umsetzung zu überzeugen. Wie erwähnt gibt es Punkteabzug für schlechte Sprüche und eine untalentiert dargestellte Miss Lane. Und auch Ralf Richter gibt sich keine Mühe, dessen Rolle ist aber ohnehin schnell tot, also ist das auch egal. Ansonsten machte der Streifen mit wenig Erwartung genug Laune, erreicht freilich nie das Unterhaltungsniveau der Rialto-Kinoreihe, aber das wird wohl auch kaum wer erwartet haben.

Es ist etwas schade, dass der Titel Blende ist. Der Täter ist der sogenannte Joker, und der streichelt gerne sein Kätzchen, ein Verweis auf einen berühmten James Bond-Schurken, was bereits in der Zeichentrickserie „Inspektor Gadget“ und später auch bei „Austin Powers“ parodiert wurde. Den kompletten Film nach diesem Vieh zu benennen ist schon ein wenig enttäuschend, andererseits: wieso sollte man sich daran aufhängen, wenn man den Film bespricht?

Während die Außenkulissen soweit zu überzeugen wissen gibt es manche Räumlichkeiten, die im Zimmerübergang nicht glaubwürdig sind. Ganz übel hat es das Büro von Sir John erwicht, dem man sofort ansieht, dass es sich nicht im selben Gebäude wie das Vorzimmer befindet. Aber auch die Katakomben eines zwielichtigen Wirtshauses wissen nicht wirklich zur Kneipe zu passen. Das ist mir in dieser Extreme bei anderen TV-Produkten nie so sehr aufgefallen wie in diesem Wallace-Film.

Hier sollte keine Kunst geschaffen werden, aber manche im Review erwähnten Ärgernisse wären auch auf RTL-Niveau zu beheben gewesen. Dennoch macht „Die Katze von Kensington“ genug Laune und beschert uns immerhin einen brauchbaren Piloten, der einem samt Anhang immerhin noch einmal (die Berger-Filme mitgerechnet) acht späte Wallace-Filme bescherte, eine Freude für jeden anspruchslosen Fan, der die Original-Reihe schon längst durch hatte. Zwar sind die zwei Kemmer-Nachfolger „Der Blinde“ und „Karussell des Todes“ nur leicht über 45 Minuten lang, sie schauen sich aber trotzdem wesentlich anstrengender, sind sie doch die beiden missglückten Beiträge in einer ansonsten unterhaltsamen Reihe.

Die „Katze von Kensington“ ist ein TV-Produkt mit Schönheitsfehlern, aber immerhin ein netter Versuch das Flair der alten Wallace-Filme wieder einzufangen. Dass das Ergebnis recht billig wirkt ist klar, immerhin waren schon die Vorbilder triviale, möglichst kostengünstige Krimi-Unterhaltung, und die waren im Gegensatz zu dieser RTL-Produktion immerhin fürs Kino umgesetzt, da darf ein TV-Film ruhig einmal ins Wanken kommen. Dafür dass ich aber eigentlich viel weniger erwartet habe (ich vermutete eher ein Ergebnis a la „John Sinclair“), wurde ich doch noch recht nett unterhalten. Und ein kleiner Hauch Wallace-Feeling weht tatsächlich durch den Film. Wer hätte damit gerechnet?  OFDb