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19.01.2020

CASABLANCA (1942)

"Casablanca" ist Kino zum Verlieben. Sein Schluss-Satz mit dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft, kann ebenso Pate für den Zuschauer stehen, der durch Michael Curtiz' Werk seine Liebe zum laufenden Bild entdeckt hat. Zudem ist dieses Zitat eines von vielen, die man heutzutage bereits dann kennt, wenn man das Drama noch nie gesehen hat. Dies reißt einen glücklicher Weise kaum aus dem Sog heraus, den die wundervoll erzählte Geschichte zu entfachen vermag, ein Schmunzeln an manch unpassender Stelle verursachte es bei mir dennoch, spätestens dann wenn mir, als jemand der den Klassiker zum ersten Mal sah, die viel größere Anzahl an Zitaten als bislang erkannt in "Die nackte Kanone 2 1/2" bewusst wurde. Mit Blick von heute ist es schwer zu beurteilen, was an "Casablanca" frisch und neu war und was bereits damals zum Standard eines Kinofilms gehörte. Als jemand, der mit dieser Filmdekade nur wenig Berührungspunkte hat, kommt mir das Werk an mancher Stelle recht mutig vor, aufgrund der offen vorgetragenen Männerdramatik, die uns nach Außen zwar einen harten Kerl präsentiert, der für das klassische US-Kino geradezu typisch wäre, dessen innere Zerbrechlichkeit jedoch zum offen dargebotenen Zentrum der Geschichte wird.

Allein deshalb sollte "Casablanca" zurecht als Klassiker gefeiert werden. Die emotional starke Inszenierung, die von Beginn an Hoffnungslosigkeit und Herzschmerz in unbarmherzigen Zeiten über allen Dingen schweben lässt, ist der zweite Grund, warum der Streifen seinen festen Platz im Herzen von Cineasten, damals wie heute, zurecht besitzt. Den einzigen Schwachpunkt aus meiner Sicht mache ich in jener Szene fest, in welcher in politischer Konkurrenz, Diktatur gegen Demokratie, in Ricks Lokal um die Wette gesungen wird. Hier weht mir eine Propaganda entgegen, die sich im Restfilm nicht findet, da der Hintergrund um Nazis und Freiheit ansonsten symbiotisch mit der zu erzählenden Geschichte einher geht und Ansichten zu der ein oder anderen Seite stets Charaktersache der jeweiligen Figuren sind. Das ist auch der Grund warum der an anderer Stelle etwas bitter anmutende Idealismus Victors zu verzeihen ist, wird er zwar scheinbar vom Drehbuch gefeiert, bleibt aber doch Charaktereigenschaft einer Figur, die zum Funktionieren der erzählten Geschichte diese Eigenschaften besitzen muss.

Klassischer kann Kino kaum sein, mit Ausnahme der bekannten Schluss-Sequenz, die alles andere als ein Happy End für einen Film ist, in dem es derart stark um die Gefühlswelten der Protagonisten geht. Eine attraktive Ingrid Bergman, ein charismatischer Humphrey Bogart, verliebt, verletzt, leidend, und der Zuschauer lebt es mit, in der Hoffnung auf ein gnädiges Ende, das ihm verwehrt bleibt. Das muss damals radikal gewirkt haben, heutzutage ist man in der Regel eingeweiht wie der Film endet, doch selbst diese Vorbereitung lindert nicht die Traurigkeit, die man im Finale empfindet. "Casablanca" ist ein Kinoerlebnis zum Mitfühlen, versehen mit einem gut funktionierenden Spannungsbogen und einer Leinwanddramaturgie der nostalgischen Art, angenehm aufgelockert durch das augenzwinkernde Spiel der Korruption, meist dargeboten durch die die Figur des Captain Renault, die Claude Rains verkörpert. Das Ganze wird immer wieder begleitet von dem wunderschönen Lied "As Times Go By", das bis heute nicht an Wirkung eingebüßt hat.

Michael Curtiz, der in über hundert Regiearbeiten in jedem Genre zu Hause war, hat mit diesem Werk einen Klassiker geschaffen, der trotz seiner in der Realität fußenden Elemente letztendlich von jener realitätsentfremdeten Magie lebt, für die das Medium Kino vor seinem zu strengem Umschwenken Richtung Logik und Lückenlosigkeit einst bekannt war. Das ist gleichzeitig ein weiterer Grund, warum die aufblitzende politische Propaganda das Ergebnis ein wenig verwässert. Sie hat auch in einem Drama vor politischem Hintergrund in jenem angenehmen Bereich, in welchem der Zuschauer sich absichtlich der emotionalen Manipulation zu Unterhaltungszwecken hingibt, nichts zu suchen. Das Ende lebt übrigens versteckt von einem aufgeteilten Leid Ricks und Ilsas für den höheren Zweck, auch wenn uns Ricks Part deutlicher bewusst gemacht wird.  OFDb

31.03.2018

DIE BESTIE MIT DEN FÜNF FINGERN (1946)

Während in dem legendären Stummfilm "Orlacs Hände" ein Pianist in den Wahnsinn abzurutschen drohte, da ihm die Hände eines hingerichteten Mörders implantiert wurden, darf im 22 Jahre später entstandenen "Die Bestie mit den fünf Fingern" die Hand eines Pianisten höchst persönlich für Schrecken sorgen. Das Drehbuch von Curt Siodmak lässt in der Erzählform eines Grusel-Krimis gekleidet dabei lange Zeit offen, ob wir es mit einem menschlichen Mörder zu tun haben, der die restlichen Leute lediglich an der Nase herumführt (was herzlich zum freudigen Mörderraten einlädt), oder ob der Hintergrund übernatürlicher Herkunft ist und tatsächlich Ingrams Hand umgeht, um Rache aus dem Jenseits zu nehmen.
 
Zwar ist "The Beast with Five Fingers" (Originaltitel) beileibe keine Horrorkomödie geworden, aber der augenzwinkernde Umgang der theoretisch gruseligen Geschehnisse ist nie zu übersehen. Die Schlusspointe in der letzten Szene bleibt unvergessen, und der Kommissar darf dieser noch einen direkt dem Publikum Auge in Auge zugespielten Schluss-Gag nachreichen, was den Streifen humorvoller ausklingen lässt, als er trotz jeglichem schelmischen Unterton zuvor eigentlich war. Ob man sich für den augenzwinkernden Umgang mit der Thematik entschied aufgrund der Zeit kurz nach dem zweiten Weltkrieg, oder deshalb weil man der Geschichte einer allein umher wandernden Hand nicht zutraute wahren Grusel zu erzeugen, mag einmal dahingestellt sein. Zumindest schaut sich "Die Bestie mit fünf Fingern" (Alternativtitel) in dieser leichten Inszenierung sehr angenehm, während besagter Stil ihm gleichzeitig den Weg in die Liga der bedeutenden Horrorfilme seiner Zeit verwehrt.

Bekannt ist Robert Floreys Vorlage künftiger Horrorfilme wie "Die Hand", "Body Parts" und der besseren Episode von "Quicksilver Highway" nicht geworden, vielleicht weil er selbst im Schatten besagten Stummfilms stand. Aber ich denke auch ohne diesen besitzt "Die Bestie mit den fünf Fingern" nicht das Potential zu mehr als lediglich das Stück angenehme Unterhaltung für zwischendurch zu sein. Dafür fehlt es dem Film an echten Highlights, so leichtfüßig wie er fast belanglos von einem sympathischen Szenario zum nächsten hüpft, deutlich getragen vom Charme der Charaktere und dem gelungenen Spiel Peter Lorres, der zwischen den großen Namen Vincent Price und Christopher Lee, ähnlich wie Peter Cushing, immer etwas unterging.

Hervorragend sind einzig die Spezialeffekte der selbstständigen Hand zu nennen, die sich erst gegen Ende häufen und dabei immer wieder neue Höhepunkte erreichen. Ein Teil der Tricks erweist sich als Erweiterung jener Technik aus "Der Unsichtbare", aber sie wirken für damalige Verhältnisse in den recht schwierigen Szenarien wirkungsreicher denn je. Wenn die Hand aus einem brennenden Kamin krabbelt, oder von einer Taste zur nächsten schwebend das berühmte Klavierstück ihres berühmten Besitzers spielt, dann weiß das heute noch mit Retroaugen zu beeindrucken. Es spricht für den Film, dass er nicht einzig von seinen tollen Trickeffekten lebt, weg denken möchte man sie sich in diesem herrlich charmanten, unschuldig scheinenden Film, jedoch auch nicht, entschädigen sie doch für manch vorhersehbaren Teil gegen Ende und bieten sie doch einer ohne sie zu uninteressant ausgefallenen Phase nach der Auflösung den nötigen Rückhalt, dass das Treiben kurz vor Schluss doch noch sehenswert bleibt.  OFDb

09.04.2017

ARSEN UND SPITZENHÄUBCHEN (1944)

Der ganz offensichtlich auf einem Theaterstück basierende „Arsen und Spitzenhäubchen“ erinnerte mich heute bei meiner ersten Sichtung an die erst später entstandenen „Cocktail für eine Leiche“, bei der ebenfalls eine Leiche in einer Truhe versteckt wird, während allerlei Menschen das Haus heimsuchen, in welchem die Truhe steht und an „Ladykillers“, dem ich zutrauen würde, dass sein Autor durch das hier aufgeführte Stück inspiriert worden ist, gehen doch auch hier morbide Geschehnisse und schwarze Komik, in Kombination mit Rentnern in wichtigen Rollen und Kriminellen im Haus, wunderbar harmonierend nebeneinander einher.

Ich weiß dass Frank Capras „Arsenic and Old Lace“ (Originaltitel) einen hohen Ruf besitzt, und dies rein von der Situationskomik und den schrägen Einfällen am Rande auch zu Recht, allerdings empfand ich den im Mittelpunkt stehenden Cary Grant als fehlbesetzt, ließ dessen Spiel doch eher vermuten was an seiner Rolle witzig ist, anstatt dass er mich tatsächlich zum Lachen brachte. Der Running Gag alles erst einen Moment zu spät zu kapieren, die Gefahr selbst in den Wahnsinn abzurutschen und auch die Slapstickeinlagen mit vollem Körpereinsatz hätten manch andere humortalentierte Schauspieler gewitzter hinbekommen, auch wenn ich Grant die ein oder andere gelungene Szene durchaus zugestehe.

Ansonsten gibt es nichts zu beklagen in einem Stück in welchem alte Ladys das Ermorden älterer Herren für selbstverständlich halten, ein Mann Bücher gegen das Heiraten schreibt, ein Polizist sich für einen tollen Theaterautor hält, ein Taxifahrer für seinen ihn ewig warten lassenden Dauerkunden ein Taxi ruft, ein Massenmörder wie Frankensteins Monster aussieht (worauf er auch stets aufmerksam gemacht wird) und eine Ehefrau am Tag ihrer Hochzeit von ihrem Gatten gebeten wird nun nach Hause zu gehen, um sich schlafen zu legen. Irrwitzige Ideen überschlagen sich in einem Tempo, dass man kaum an ein glückliches Ende glaubt, so turbulent wie es hier zugeht, teilweise mit einer Komik garniert, die sich so modern schaut wie Werke heutiger Tage.

Es ist kaum zu glauben, dass dieser kleine, lustige Klassiker noch nicht neuverfilmt wurde. Wahrscheinlich ist es auch besser so, denn eine Modernisierung des Stoffes ist überhaupt nicht nötig. Warum der benachbarte Friedhof nicht mehr ins Geschehen integriert wird, will sich mir nicht ganz erschließen, aber die Selbstverständlichkeiten gegen die unser Held hier stets anzukämpfen hat, entschädigen für so manche erklärungsbedürftige Lücke. Letztendlich konzentriert sich „Arsen und Spitzenhäubchen“ lediglich auf das wichtigste, den funktionierenden Humor, verwirrende Verwicklungen und eine funktionierende Dynamik in der Story, und dass er sich eigentlich wie abgefilmtes Theater schaut, lässt das alberne Getue nur um so ehrlicher wirken, ist die Komödie in Wahrheit doch nicht weit entfernt von diesem Urzustand.  OFDb

06.12.2015

DER UNSICHTBARE AGENT (1942)

So wie die Kurzfilm-Disney-Cartoons und die Basil Rathbone Sherlock Holmes-Reihe, so wurde auch die Universal Unsichtbaren-Reihe für Anti-Nazi-Propagandafilme zu Zeiten des Krieges missbraucht. Um sich an „Der Unsichtbare“ und „Der Unsichtbare kehrt zurück“ anzulehnen, darf nun der Enkel des ursprünglichen Erfinders des Serums herhalten, ein direkter Bezug der auf die Schnelle in der höchst naiv umgesetzten Vorgerschichte durchgezogen wird, um hinterher mit den Vorgängern der Reihe nicht mehr wirklich etwas zu tun zu haben.

Über den eigentlichen Reiz der Vorgänger, dass das Unsichtbarsein in den Wahnsinn treibt, wird kein Wort mehr verloren. Und auch die Genre-Ausrichtung hat sich stark verändert. Wo die Filme einst zum Bereich des Science Fiction-Horrors gehörten, da wird mit „Der unsichtbare Agent“ nun ein Agenten-Thriller präsentiert, der ähnlich wie der zwei Jahre zuvor entstandene, aber nicht zur Reihe gehörende, „Die unsichtbare Frau“ humoristisch ausgelegt wurde. Besagter Vergleichsfilm ist eine waschechte Komödie, die wunderbar verspielt und leichtfüßig daher kommt. „Invisible Agent“ (Originaltitel) hingegen ist lediglich humoristisch untermalt, was sich in einem übertrieben patriotischen, verlogenen Propagandafilm als unangenehmes Stilmittel entpuppt.

Nicht nur dass der unsichtbare Mann nie unauffällig agiert (was man noch großzügig damit erklären könnte, dass er kein ausgebildeter Agent ist), er erlaubt sich auch so allerhand Späßchen, freilich mit den Nazis. Späßchen, die seine Geheimidentität auffliegen lassen und derart infantil ausfallen, dass Fremdschämen anstatt Lachen die Folge ist, so dass man den dritten Beitrag der Reihe keineswegs als gelungen betrachten kann. Zumindest weiß er aber in den ernsteren Passagen seiner Erzählung zu gefallen. Und mögen sich die Spezialeffekte seit des ersten Teils auch nicht maßgeblich verbessert haben, so sind sie doch noch immer ein Augenschmaus und die Hauptattraktion des Filmes.

Es ist nicht leicht, aber wer über die peinliche Kriegs-Propaganda hinwegschauen kann, in der ausnahmsweise einmal die Japaner noch schlechter weg kommen als die Deutschen, und dem humorvollen Teil im Gegensatz zu mir etwas abgewinnen kann, der kann durchaus Freude mit diesem 75-Minüter haben. Für mich war es eher anstrengende Kost, wenn auch nicht so unterirdisch ausgefallen, wie ich es nach der ersten viertel Stunde vermutet hatte. Wer die übersteht wird zumindest halbwegs angenehm unterhalten.  OFDb

09.05.2013

DER RABE - DUELL DER ZAUBERER (1963)

Eines Abends bekommt der um seine vor zwei Jahren verstorbene Ehefrau Lenore trauernde Zauberer Craven Besuch von einem Raben. Der kann zur Überraschung des Magiers sprechen und bittet ihn um seine Hilfe. Vom bösen Zauberer Scarabus in das Federvieh verzaubert, möchte er gerne wieder ein Mensch werden. Nach getaner Arbeit reisen die beiden zum Schloss von Scarabus, denn der ehemalige Rabe Bedlo beteuert dort definitiv Lenore gesichtet zu haben. Craven glaubt der böse Zauberer habe einen Fluch über ihren Geist verhängt...
 
Was vom Raben übrig blieb...
 
Wer sich mit Monstern, Gruselfilmen und Trash im allgemeinen befasst, kommt um Regisseur und Produzent Roger Corman nicht herum, der seit etlichen Jahrzehnten im alternativen Filmgeschäft tätig ist und es mit geprägt hat. Jack Nicholson sagte einmal in einem Interview, Corman habe zwar auch hin und wieder gute Filme gedreht, aber er habe in keinem dieser Werke mitgespielt. Ich weiß nicht was der heute so berühmte Schauspieler unter einem guten Film versteht, aber „Der Rabe - Duell der Zauberer“ scheint es seiner Meinung nach nicht zu sein, in welchem er ab dem zweiten Drittel einen größeren Part übernimmt.

Verstehe einer Jack, „Der Rabe“ ist ein wundervoller, kurzweiliger Film, ganz selten vielleicht eine Spur zu albern und definitiv kostengünstig produziert, aber dennoch ein charmantes Werk das erreicht was es möchte und dessen simple Geschichte kaum auffällt dank antiquierter, aber den Produktionsumständen durchaus angemessener Spezialeffekte, improvisationsfreudiger Mimen, atmosphärischem Dekor, stimmiger Kostüme und einem Drehbuch mit Mut zur Extreme.

Dass sich das berühmte Poe-Gedicht „Der Rabe“ nicht für eine werkgetreue Verfilmung eignet, dürfte klar sein. Das Maximum dessen was möglich war erreichte man wohl im ersten Halloween-Special der Serie „Die Simpsons“. Aber was man in dem 30er Jahre Streifen „Der Rabe“ gar nicht erst versuchte, wird in der hier besprochenen Corman-Produktion durchaus ausprobiert: einen Bezug zum Gedicht zu schaffen. Den Anfängen dieser berühmten Zeilen darf man zu Beginn des Filmes lauschen, die Trauer um Lenore ist enthalten, der titelgebende nächtliche Besucher natürlich auch, sowie, am Ende und augenzwinkernd mit Absicht sinngemäß verdreht, das berühmte Nimmermehr.

Nach Ankunft des Raben verlässt man jedoch die Fährten Poes und stürzt sich in eine Geschichten um rivalisierende Magier und um Lug, Trug und Verrat. In einem Setting, welches Freunden gotischer Filme nichts zu wünschen übrig lässt und das wie der Film selbst mit den ursprünglich ernstgemeinten Elementen des Genres ironisch spielt, tapsen in stimmigen Kostümen gut aufgelegte Stars umher, die das beste aus einer eigentlich sinnfreien Geschichte machen und einem gar keine Chance geben, sich an der dünnen Story gelangweilt aufzuhängen.

Nein, „Der Rabe“ bleibt konsequent kurzweilig, in der zweiten Filmhälfte gar mehr als in der ersten, da man den manchmal arg verspielten Humor als Zuschauer dort besser einzuordnen weiß als im etwas orientierungslosen und ereignisreichen ersten Drittel. Ist man dort noch überrascht von einem Schauspieler, der mit Rabenflügeln herumblödelt, da die Verwandlung nicht hundertprozentig funktioniert hat, und über Leichen, die unverhofft Warnungen aussprechen und deren ungewöhnliche Tat von den Protagonisten keinerlei Interessen weckt und maximal zu Angstzuständen führt, gewöhnt man sich irgendwann an diesen Zirkus skurriler Ideen und lässt die Verantwortlichen des Streifens vor und hinter der Kamera einfach mal machen, während man sich zurücklehnt um sich unterhalten zu lassen.

Und die Besetzung lässt mit Vincent Price, Jack Nicholson, Peter Lorre und allen voran Boris Karloff nichts zu wünschen übrig. Letztgenannter überrascht mit einem breiten Repertoire interessanter Gesichtsausdrücke, von welchen die komischen am meisten Freude bereiten, darf man sich in anderen Filmen der Horrorlegende durch das Fehlen dieser in der Regel doch eher nicht an ihnen ergötzen. Ebenso spielfreudig erlebt man Vincent Price, dem es sichtbar Spaß macht den Zuschauer zu belustigen und auch mal den Naivling spielen zu dürfen, den man lange Zeit an der Nase herumführt.

Dass die seelischen Abgründe der Figuren nicht nur in dem Bereich der Magie liegen, verleiht dem eigentlich so sinnlosen Streifen einen letzten Rest Klasse, der zwar nie tatsächliche dramatische Bereiche erreicht, aber treffsicher augenzwinkernd mit solchen Momenten ernstgemeinter Produktionen spielt, genau jener Aspekt, der den kompletten Film ausmacht: das treffsichere Spiel mit dem ernsten Genre, das in „Der Rabe - Krieg der Magier“ (Alternativtitel) nur als Grundlage für eine Komödie dient.

Da alle Beteiligten durch ihre Erfahrung als Dauergäste des Grusel-Genres (mit Ausnahme des damals noch sehr jungen Jack Nicholson) sich mit Horrorfilmen gut auskennen, wissen sie auch wo und wie dieses parodiert werden muss, so dass man am Ende ein Ergebnis hat, welches eben den Freunden dieses Genres zu gefallen weiß und nicht nur dem Publikum komödiantischer leichter Stoffe. Zu empfehlen ist dieser kleine Kultfilm dementsprechend beiden Seiten. Wer sich nicht an der (meiner Meinung nach kaum wahrzunehmenden) Leere der Geschichte stört, wird ein Sichten nimmermehr bereuen.  OFDb

18.01.2013

UNTERNEHMEN FEUERGÜRTEL (1961)

Die Erde wird von einem Feuergürtel umringt. Der Menschheit bleibt nicht viel Zeit ihren Planeten zu retten. Ein Atom-U-Boot fährt los um an einer bestimmten Stelle eine Bombe zu zünden. Doch der Plan ist umstritten und die Zeit wird immer knapper...

Kein Grund hitzig zu werden...
 
Dieses Filmchen ist ein Science Fiction-Katastrophenfilm mit einer eher kleinen, dafür aber besonders bescheuerten Geschichte. Der Erde geht es gar nicht gut. Ein Flammengürtel lodert im All, einmal ringsherum um die Erde gespannt und erhitzt unseren Heimatplaneten. Als Antwort, wenn auch als angezweifelte, muss eine Atombombe herhalten. Und so handelt der eigentliche Film von einer U-Boot-Fahrt, denn die Bombe muss zu einer bestimmten Zeit von einem bestimmten Ort aus abgefeuert werden.

Sie fahren und fahren, sie streiten und streiten. Eine mögliche Meuterei und das Anzweifeln des Geisteszustandes des Kommandierenden schleichen sich in diese dünne Geschichte mit ein, und ja, ich muss sagen, genau das sind die Aspekte, die diesen Film unterhaltsam machen. Im Gegensatz zu anderen Filmen weiß der Zuschauer nämlich wirklich nicht, was er von der Situation halten soll. Ob die Lösung die richtige ist, kann er noch weniger beurteilen wie die Frage nach der Richtigkeit des Verhaltens des Kommandierendens. Und gerade die Auflösung in diesem Punkt kann man als sehr überraschend und geglückt bezeichnen.

Doch ursprünglich schaltete man deswegen nicht ein. Man wollte eine Science Fiction-Geschichte sichten, und sei es nur in Trashform. Den geringen Anteil dieses Genres kann man schließlich auch problemlos Trash nennen. Die Naivität der Geschichte kann nicht einmal durch seine frühe Entstehungszeit entschuldigt werden. Dass in kleineren Punkten die wissenschaftlichen Erkenntnisse noch nicht so weit waren, mag sein. Aber allein die Grundidee ist ja schon so herrlich idiotisch wie jene in "Ein Riss in der Welt", und selbst die klingt wahrscheinlicher als das Thema in "Unternehmen Feuergürtel".

Da das ganze in einem U-Boot spielt baute man etwas ein, dass bereits zur damaligen Zeit als Pflicht angesehen wurde (wohl u.a. durch Jules Vernes-Verfilmungen), obwohl es für diese Thematik absolut unnötig war. So erleben wir während eines Tauchgangs den Angriff eines Riesen-Tintenfisches auf zwei Menschen und im letzten Drittel gar eine Attacke eines Riesenoktopus, der sich gleich das ganze U-Boot krallen will. Interessant ist, dass diese Bonusse so gar nicht attraktiv wirken.

Selbst als Unnötigkeit hätten diese Viecher den Unterhaltungswert des Filmes theoretisch anheben können. Aber dem Regisseur fehlte in beiden Fällen das Gefühl für eine abenteuerlich atmosphärische Umsetzung, und die Spezialeffekte standen ihm auch nicht unterstützend zur Seite. Ganz besonders der Angriff auf die 2 Taucher wird durch die Ungelenkigkeit des Tintenfisches einfach nicht wirksam. Ohnehin sind die Tricks des Streifens, selbst für das Jahr 1961, recht uneffektiv. Das Miniatur-U-Boot hat seine nostalgisch netten Ausnahmeszenen, und die Szene eines Blickes auf die Erde vom All aus wird tricktechnisch seiner Zeit gerecht. Ansonsten erlebt man eine Welt im Rotfilter, wie erwähnt zwei schlecht animierte Seeungeheuer und einige wenige U-Boot-Aufnahmen, in denen das Gefährt etwas zu sehr nach Spielzeug aussieht. Immerhin wirkt der Zusammenbruch des Eises der Antarktis, die restlichen Eisbrocken, die das Unterwasserschiff bedrohen gehen wiederum Richtung Trash.

Da der Film inhaltlich ohnehin Trash ist, stören die schrottigen Tricks allerdings recht wenig. Im Gegenteil, es unterstützt den Blödsinn der Story und den der Dialoge und manch kleineren Storydetails. Einige davon mögen durch die Entstehungszeit entschuldbar sein, das macht sie dennoch heutzutage trashig. Das beste Beispiel hierfür wäre der zu dieser Zeit typische Optimismus.

Die Ernte brennt, der Feuergürtel ist so nah an der Erde, dass man nicht einmal so viel Zeit hätte wie im Film beschrieben, fruchtsame Böden werden zu Wüsten und irgendwann ist sogar der Funkkontakt zu London und Washington weg. Dennoch unterhalten sich die hohen Ränge lediglich darüber, welche von zwei Lösungsmöglichkeiten wohl stimmen mag (dass beide falsch sein könnten wird dabei gar nicht erst bedacht), und die predigenden Worte eines Gläubigen den Weltuntergang betreffend, werden sofort als fanatisches Geschwätz dargestellt, das mit der Realität nichts zu tun hat.

Nur das schlichte Volk darf mosern und sich wünschen bei seinen Familien zu sein falls die Welt untergeht und wird deshalb als dümmlich dargestellt. Die geistige Elite an Bord, und da reden wir nicht nur von Wissenschaftlern die ihre Theorien bis ins kleinste Detail kennen, zweifelt nicht eine Sekunde daran, dass die Erde noch zu retten ist. Und mehr noch: Es wird nicht ein Wort darüber verschwendet wie die Erde nach der Rettung aussieht, ob es danach noch Überlebensmöglichkeiten gibt, jetzt wo jede Ernte ruiniert scheint, fast überall Wüste ist und die Pole geschmolzen sind. Mag sein dass man sich über die Tragweite Letztgenanntem im Detail noch nicht bewusst war, aber dass die Erde nun schwieriger bewohnbar ist, hätte auch damals klar sein müssen.

Aber der Zeitgeist 1961 war nun einmal extrem optimistisch. Die Technik machte ungeahnte Fortschritte, Umweltprobleme waren noch nicht beim Normalbürger bekannt, der Mensch schien das höchste Gut auf Erden zu sein, und alle Probleme schienen lösbar. Einen Hauch von diesem Optimismus wünscht man sich in Zeiten möglicher unwiederkehrbarer Umweltkatastrophen heutzutage ernsthaft zurück.

Insgesamt fehlt diesem Werk der letzte nötige Schliff um richtig zu gefallen. Aber man kann ihn durchaus bis zum Ende gucken. Man darf die junge Barbara Eden aus "Bezaubernde Jeannie" sichten (falls das irgendwen interessieren sollte), und man bekommt ausgerechnet in jenem Punkt eine gute Unterhaltung geboten, den man eher bei "Meuterei auf der Bounty" erwarten würde.

Der geringe Science Fiction- und Katastrophenfilmgehalt übersteigt nur selten das Trash-Niveau, weiß aber eben wegen seiner Naivität und Blödsinnigkeit zu unterhalten. Allerdings nicht auf dem selben Niveau wie "Reise zum Mittelpunkt der Erde", "Ein Riss in der Welt" oder "Die Zeitmaschine". Diesen Werken kann er durch seine banalen Umsetzung nicht das Wasser reichen. Und diese Vergleichsfilme zeigen sehr wohl, dass storytechnisch ein höheres Niveau mit qualitativeren Tricks möglich gewesen wäre.  OFDb