Posts mit dem Label Kirsten Dunst werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Kirsten Dunst werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

15.02.2025

CIVIL WAR (2024)

Ein Reporter-Team fährt mit dem Auto durch eine sich im Bürgerkrieg befindende USA, um pünktlich am Weißen Haus zu sein, wenn der Präsident gestürzt wird...

Weniger vereint...

Wenn man streng ist, kann man sagen, dass "Civil War" eigentlich für jene US-Amerikaner gedacht ist, denen es nie in den Sinn kommen würde, dass ihr eigener Wohlfühlort auch einmal zum Kriegsschauplatz werden könnte. Dann wird er geschockt sein, wenn Szenarien, die er ansonsten aus den Nachrichten und Dokus, sowie aus Kriegsfilmen kennt, mit einem Mal an ihm bekannten Schauplätzen innerhalb seines eigenen Landes stattfinden. Der nicht derart träumende Part des Publikums staunt lediglich über die realistischen Bilder an diesen ihm auf andere Art bekannten Orten, die Regisseur Alex Garland zum Leben erweckt. Zwar hatte ich ein etwas politischeres Szenario erwartet, die Hintergründe lässt man offen, lediglich kurze Rand-Dialoge deuten an was das Land spaltet, aber die an sich dünne Geschichte um ein Reporter-Team, das durch diese zerstörte Kultur fährt, weiß zu packen, zumal sie uns Protagonisten vor die Nase setzt, die recht kühl mit der Situation umgehen. Kritik am Beruf Reporter wird deutlich, der sich für neutral hält und deshalb glaubt sich in etwas Unnatürliches verwandeln zu müssen, während er auf reißerische, medienwirksame Bilder hofft, die er als Betroffenheitsmaterial verkaufen kann. 

Kritik an der Propaganda des vierten Standbeines der Freiheit bezüglich von Journalismus wird nicht geäußert, schade, dann würde "Civil War" in Zeiten, in denen Trump das Land spaltet und zur Filmidee führte, nicht nur Mainstream-Gedanken verarbeiten. Für einen packend erzählten Film reicht aber auch das aus, getragen von einer herrlich unterkühlt spielenden Kirsten Dunst, die diesen Zustand immer nur angedeutet verlässt, so dass subtil auch ihr innerer Kampf Teil der Erzählung wird. Einer ihrer Begleiter ist eine junge Frau, die Neuling im journalistischem Beruf ist und in diesen traurigen Zeiten Erfahrungen sammelt. Das was sie von ihren unfreiwilligen Mentoren lernt ist dabei oft schockierender, als das Kriegsszenario selbst. Mit seinen relativ offen bleibenden Hintergründen bleibt der Streifen halbwegs unparteiisch, der Präsident der Vereinigten Staaten gegen Ende besitzt aber doch etwas zu viele Parallelen zu Trump, als dass man die Haltung des Filmes tatsächlich komplett als neutral bezeichnen könnte. Insgesamt wäre deutlich mehr möglich gewesen, dennoch empfinde ich das Ergebnis als überdurchschnittlich aufgrund seiner dokumentatorisch anmutenden Art, der Kühle, die der Beruf des Journalisten, gelebt auf diese Art, offenbart, sowie jene, die sich über den kompletten Film hüllt, schockt es doch, dass er weit weniger emotional ausgefallen ist, als man bei einer Großproduktion zu diesem Thema aus diesem Land meinen sollte. Umso stärker wirken die tatsächlich aufwühlenden, persönlichen Szenen der wichtigsten Figuren.  Wiki

21.11.2023

STAR TREK - THE NEXT GENERATION - STAFFEL 7 (1993)

Mir ist bewusst, dass "Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert" (ursprünglicher deutscher Titel) nicht aus mangelndem Interesse des Publikums abgesetzt wurde. "Deep Space Nine" startete bereits als Nachfolgeserie (und wird nerviger Weise seit dem in der hier besprochenen Serie ständig erwähnt), und die Crew rund um Captain Picard sollte von nun an ehrwürdiger Weise die erfolgreichen Filme der Kirk-Crew im Kino übernehmen, die 1991 ganz offiziell ihren Abschied dort nahm. Dennoch guckt sich Staffel 7 im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren recht schwach, so dass ich im unwissenden Zustand vermutet hätte, dass dieser Zustand das Ende der Serie herbei geführt hat. Insbesondere im späten Mittelteil beweisen die Episoden "Das Ende der Reise" und "Genesis", dass man sich zwar jeweils einer reizvollen Idee bedient, diese aber kaum durchdacht niedergeschrieben hat und somit recht oberflächlich abgefertigt wurde. Bereits "Parallelen" schwächelte diesbezüglich, aber noch nicht so extrem wie in den beiden genannten Episoden. 

Auch das plötzliche Fehlen von Whoopi Goldbergs Rolle, sowie das Ignorieren der Borg-Thematik (den vollendeten Cliffhanger mittels der ersten Staffelfolge nicht mitgezählt) macht den Eindruck, man wolle die letzte Staffel nicht mehr ganz so intensiv durchzuziehen, wie üblich. Vielleicht sah man sich im Geiste schon im Kino, was freilich reine Spekulation meinerseits ist. Und trotz aller Schwächen weiß auch das letzte Jahr der zweiten Crew auf simplerer Ebene genügend zu unterhalten, um zumindest etwas Wehmut beim Abschied zu spüren. Umso schöner ist es, dass in der finalen Doppelfolge so viele bekannte Gesichter, die kaum noch vorkamen, Teil der Geschichte wurden. Wer es nicht wurde, so z.B. Wesley Crusher, bekam mit Ausnahme Goldbergs seine eigene Abschiedsfolge zuvor beschert. Dass der Kreis sich bezüglich Q und dem Pilotfilm noch einmal schließt, hätte ich nicht gedacht, hat mich aber ein wenig mit dem meiner Meinung nach enttäuschenden ersten Abenteuer der Next Generation versöhnt. Vielleicht schaut sich der Pilot mit Kenntnis der Komplettserie eine Spur angenehmer, spätestens durch den Schluss. 

Verwundert hat mich, dass es innerhalb der Serie nie zur Thematik der Borgkönigin kam, ebenso dass eine weitere Spezies die Romulaner als Spitzenreiter der Bösewichter im Star Trek-Universum abgelöst hat (Schritt für Schritt seit ein paar Staffeln zugegebener Maßen), diese letztendlich aber nie mein Interesse derart wecken konnten, wie die bisherigen Bösewichte beider Serien. Wirkliche Lieblingsfolgen habe ich diesmal nicht zu vermelden, zumal einige Ideen lediglich als neue Geschichte wieder verwertet werden. Ein wenig interessanter ist die Doppelfolge ausgefallen, in welcher Picard für tot gehalten wird und auf einem Gangsterschiff als Mitglied wieder auftaucht. Auch das Geheimnis um Datas Mutter oder ein Blick in die Zukunft von Worffs Sohn sind recht interessant ausgefallen und bieten bewegende Momente. Mit am besten ist meiner Meinung nach "Radioaktiv" ausgefallen und eine Geschichte um einen Sohn Picards, von dem dieser nichts wusste. Dass der Darsteller des Data in seiner Vielseitigkeit einmal unangenehm auffallen würde, und dies in einer Episode, die gerade auf diesen Trumpf setzt, hätte ich nicht gedacht, ist aber in der Folge "Der Komet" der Fall, dessen Geschichte noch liebloser ausgefallen ist, als die beiden Beispielfolgen zu Beginn der Besprechung. Auch "Neue Intelligenz" darf sich dazu zählen, variiert diese Geschichte doch bereits früher Erzähltes in zu plumper Form. 

Ob es ausgerechnet nach Staffel 7 also der beste Schachzug war, die Crew ins Kino zu verfrachten, sei einmal dahin gestellt. So ganz schien man ihr das definitiv vorhandene Potential dort Fuß zu fassen aber doch nicht zuzutrauen, immerhin sollte sie ihren ersten Auftritt auf der großen Leinwand zunächst einmal mit einigen Figuren der alten Kirk-Crew teilen. Ob das wiederum eine gute Idee war, erzähle ich ein andermal...  Wiki

13.05.2021

WAG THE DOG (1997)

Zwei Jahre nachdem Michael Moore in seinem einzigen Spielfilm "Unsere feindlichen Nachbarn" einen Fake-Krieg gegen Kanada thematisierte, griff "Wag the Dog" eine ähnliche Idee auf, die wiederum auf einer Buchvorlage basiert. Im Gegensatz zur etwas klamaukigen Variante Moores kommt die von Robert DeNiro mitproduzierte Satire weit reflektierter und realitätsnäher daher und scheut dabei auch keine konkreten Verweise auf Amerikas Vergangenheit. Wie nah man der Wahrheit tatsächlich war, bewies sich einige Jahre darauf im inszenierten Irakkrieg von George Bush Jr. Barry Levinsons Folgewerk von "Sleepers" vollbringt zudem das Kunststück neben dem Politikbereich zugleich die Kino- und Medienwelt der USA kritisch mitzuverarbeiten, ernst genug um die Fragwürdigkeit, die dort Alltag ist, als Warnung zu thematisieren, lustig genug um mit "Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt" (Alternativtitel) zugleich unterhaltsames Kino abzuliefern. Gut aufgelegte Mimen agieren in einer Geschichte, in welcher die kritischen Aspekte ganz nebenbei im Vordergrund abgearbeitet werden, da die eigentliche Geschichte sich stets auf die Protagonisten konzentriert, wie sie stets ein Problem nach dem nächsten beheben müssen. 

Da wird kurz nach "Forrest Gump" noch einmal demonstriert wie täuschend echt sich optische Fälschungen als Wahrheiten verkaufen lassen, aber auch wie leicht der einfache Bürger in einer Überflutung manipulierter Medien beeinflussbar ist. Bei all dem satirischen Engagement kommen die Charakterzeichnungen nicht zu kurz, so dass man mit den handelnden Figuren auch etwas anzufangen weiß. Das ist insbesondere deswegen wichtig, weil sie nicht alltäglichen Branchen angehören, und es deshalb, im Zusammenhang mit einem sie ins asoziale Licht rückenden Plots, sonst unmöglich wäre eine Identifikation mit ihnen aufzubauen. Dass Hoffman und DeNiro eigentlich je eine Art bodenständig dargebotene Comicfigur spielen zerstört keineswegs die Glaubwürdigkeit, sondern unterstützt lediglich die gängige Übertreibung einer Satire. Wer Hackmans Darbietung aus "Das Urteil - Jeder ist käuflich" kennt, der kann schmunzelnd darüber mutmaßen in wie weit DeNiros Interpretation seiner Figur im hier besprochenen Film Vorbild für dort war. 

Andere Figuren kommen neben der zentralen zwei stets zu kurz. Gerade die wichtigste weibliche Rolle, gespielt von Anne Heche, wirkt so, als hätte man sie auch weglassen können. Und so manchen Nachhall manch gelöster Situation hätte ich dann doch gerne erzählt bekommen, auch wenn das wahrscheinlich den zeitlichen Rahmen zu sehr gesprengt hätte. Aber gerade das Bemerken der (von Dunst wunderbar naiv verkörperten) Schauspielerin, in was sie da hinein geraten ist, wäre doch ein interessanter Aspekt gewesen, der uns das Treiben der beiden Hauptfiguren noch einmal aus einer anderen Perspektive aufgezeigt hätte und dies zudem aus einer aussichtslosen, gefesselten und wehrlosen. "Wag the Dog - Ein hundsgemeiner Trick" (Alternativtitel) bietet einfallsreich einen vielfältigen Blick auf eine Seite der Geschehnisse, intensiver wäre das Ergebnis jedoch mit umfangreicherem Blick gewesen, eben weil Levinsons Film keines jener Werke ist, das über das Gefühlsleben seiner Figuren zu funktionieren weiß. Bei aller Professionalität fühlt sich "Wag the Dog" auf diese Art trotz seiner hohen Qualitäten deswegen für mich etwas zu unterkühlt und oberflächlich an, als dass ich ihn als die große Filmempfehlung betrachten könnte, unter deren Ruf er meist abgehandelt wird. Er ist nun einmal kein "Schtonk".  OFDb

26.01.2020

SPIDER-MAN 3 (2007)

Die symbiotisch wundervoll zusammen passenden Filme "Spider-Man" und "Spider-Man 2" erhalten im Abschluss der Trilogie leider nicht selbigen Zusammenhalt vom letzten Teil der Gesamtgeschichte, kommt dieser trotz gleicher Besetzung und Crew doch recht anders daher. Interessierten sich die Vorgänger überraschend eindringlich für die Psychologie der Figuren und deren Leiden, so wird bei "Spider-Man 3" hauptsächlich auf den Kampf gegen Superschurken geachtet, von denen es gleich drei an der Zahl gibt. Das überfrachtet den Film leider, da er stets darum bemüht ist, jeglichen Hintergrund der jeweiligen Figuren gerecht zu werden. In einem 3-Stunden-Film hätte das vielleicht sogar funktioniert, aber auf 130 Minuten kommen durch diese Hintergrund-Hatz der Tiefgang der eigentlichen Hauptfiguren zu kurz, die man, im Versuch die Situation zu retten, charakterlich zu sehr veränderte. Peter ist ein vom Erfolg geblendeter Egomane geworden, noch bevor er vom Alienparasit befallen wird, was aufgrund mangelnder Heranführung an diesen Charakterstatus unglaubwürdig wirkt. Und so selbstbezogen Mary Jane auch immer charakterisiert war, die Egonummer, die sie hier in der Vorgeschichte zum Besten gibt, ist kaum zu ertragen.

Freilich kommen trotz gegenteiliger Bemühung auch die Superschurken zu kurz. Die meiste Laufzeit nimmt dabei ausgerechnet der Sandmann ein, dem man einen tragischen Hintergrund wie einst Doktor Oktopus beschert, leider, wie bei den Hauptfiguren, jedoch ohne psychologische Stimmigkeit zu beachten. Das Leiden des Sandmanns ist plakativer, oberflächlicher Art, gebadet in den Klischees die zum Spider-Man-Universum dazu gehören. Der krampfhafte Versuch einer CGI-Kreatur eine tragische Mimik untermalt von theatralischem Hintergrund-Sound zu bescheren, wird zu einer der unangenehmsten Szenen in einem Film, der nur noch mit dem Holzhammer daher kommt, anstatt so sanft und leichtfüßig wie die beiden Vorgänger. Es ist das Glück des Streifens, dass er sich in seinen Actionszenen gelungen guckt, womit genau das zum rettenden Element wird, was in den Vorgängern fast schon Nebensache war. Das macht das Ergebnis nicht gleichwertig gelungen, da vieles zu gewollt daher kommt, inklusive der Phase, in welcher Peter billig frisiert zum Egomanen wird, macht aus dem Film aber zumindest eine unterhaltsame Sache, weit unter dem Niveau der Vorgänger.

Erst gegen Ende bekommt "Spider-Man 3" jene Chemie zurück, welche auch die Teile 1 und 2 trotz aller Klischees und Stereotype zu solch wundervollem Popkorn-Kino machte. Hier dürfen nun wieder die Gefühle überbrodeln, und Schicksale ereilen die Hauptfiguren, die durch diese geprägt nun endgültig ins Erwachsenenleben wechseln. Das toll anzusehende Action-Szenario des Finales macht nun verspätet deutlich, warum es wichtig war Spider-Man derartig viele Gegner um die Ohren zu hauen, was ein weiterer Bestandteil dafür ist, dass man aufgrund der letzten halben Stunde so versöhnlich mit einem Film abschließt, der eigentlich viel zu vieles falsch macht. Aber auch diese bessere Phase des Streifens lässt nicht über den Fehler hinweg sehen, dass die Figur des Venom, die zu den interessantesten der Comicvorlage zählt, eine derart geringe Beachtung erhielt, ausgerechnet jene Figur, über deren Präsenz in Filmform sich jeder Fan im Vorfeld gefreut hat. Es sollte 11 Jahre dauern, bis dem Comicfreund mit "Venom" ein würdiger Film vorgesetzt wurde, jedoch frei von der Figur des Spider-Man erzählt.

Dessen Teil 3 ist eine wackelige Angelegenheit, die wie ein Fremdkörper in der eigenen Trilogie wirkt. Ob man trotz aller Schwächen aufgrund der funktionierenden Elemente wohlgesonnen wie ich auf das Werk blickt, oder komplett enttäuscht, hängt wahrscheinlich von den Erwartungen ab und davon, ob man sich für das oberflächliche Tamtam interessieren kann, welches hauptsächlich von funktionierender Action und guten Spezialeffekten lebt. Interessanter Weise ist "Spider-Man 3" genau wegen dieser Haupteckpfeiler eher dem heutigen Marvel-Fan zu empfehlen, der sich lieber an Schauwerten ergötzt, anstatt an einer erzählenswerten Geschichte, als den Bewunderern der ersten beiden "Spider-Man"-Teile. Es ist schon schade, dass man diesen außen vor ließ, um sich einem anderen Publikum anzubiedern.  OFDb

SPIDER-MAN 2 (2004)

Die Figuren sind vorgestellt und vertieft, das Gefühlsdilemma Peters gestreut und am wirken, nun kann Teil 2 auf all dem bauen, was "Spider-Man" vorbereitet und gesät hat. Da bleibt mehr Zeit für den Gegner, der ausführlicher beleuchtet wird, zwar nicht besser besetzt ist als der olle Kobold im Vorgänger, aber die interessantere Figur verkörpert. Dass mir der Dramen-, Komik- und Abenteuerbereich der Geschichten um Spider-Man mehr zusagt als die Kämpfe gegen Superschurken, wurde in meinem Text zum Erstling sicherlich deutlich. Deswegen freut es mich auch so sehr, dass in einem Film, in welchem der Superschurke mehr in den Vordergrund rückt, der Gegner kein reiner Fiesling ist, sondern eine Figur mit dramatischem Hintergrund. Er ist nicht nur eine leidende Figur, sein an Schizophrenie erinnerndes Verhalten, bei dem man nie weiß wie viel Einfluss von den künstlichen Intelligenzen ausgeht und wie weit eine selbstständige psychische Erkrankung mitspielt, ausgelöst durch das Selbstverschulden des Todes der geliebten Ehefrau, macht die Figur ebenfalls zu einem interessanten Gegner.

Parallel zu dieser Geschichte mag Peters Entscheidung nicht mehr Spider-Man sein zu wollen etwas aufgesetzt wirken, (und sein Grund zurückzukehren, nach einer billig manipulierenden Ansprache seiner Tante, wirkt ebenso wenig überzeugend), der Comicstil, in welchen Sam Raimi das Geschehen wieder einmal badet, fängt dieses Klischee jedoch gut ein, ist doch auch die Fortsetzung leichtfüßig und augenzwinkernd erzählt, sich auch nicht zu schade für manche Albernheiten in seinem erhöhten Humoranteil, und so leidet die Stimmung und Qualität des Streifens nicht an solchen Pseudo-Dramaturgien. Zudem punktet die Fortsetzung mit den selben Stärken des Vorgängers, funktioniert die restliche Dramaturgie doch um so besser, sei es die verzweifelte Liebe zu Mary Jane, das Schuldgefühl am Tode Bens, oder Harrys Rachegelüste an Spider-Man, den er für den Mörder seines Vaters hält. Inmitten dieser wundervollen Gefühls-Auf und -Abs zwischen Abenteuer, Traurigkeit und Fröhlichkeit, gesellen sich kompatibel düstere Momente mit ein, die einen daran erinnern, dass der Regisseur einst mit "Tanz der Teufel" und manch anderem Werk, aus der Ecke des Horrorfilms kommt. Fast unauffällig sind solche Momente integriert, beispielsweise wenn wer Unbekanntes auf ein unheimliches Geräusch reagiert, welches sich als Doktor Oktopus entpuppen wird, aber sie sind da, meist um das Grauen um den Bösewicht als Gegenpol zu seiner tragischen Figur stärker zu gewichten.

Somit wurde auch in "Spider-Man 2" alles richtig gemacht, damit er sich gemeinsam mit Teil 1 funktionierend wie eine große Geschichte guckt, so dass Freunde des Vorgängers nichts an der Fortsetzung zu beklagen haben dürften. Eine Ausnahme bietet lediglich manche Ungereimtheit zeitlicher Natur, was aber auch eventuell an der deutschen Synchronisation liegen kann. Laut dieser jammert Mary Jane ihr langjähriger Freund würde nie ihr Stück besuchen, obwohl die beiden erst seit zwei Jahren befreundet sind (zuvor ignorierte sie ihn). Und dass Mary Jane in diesen zwei Jahren gleich ein derartiger Theaterstar geworden ist, der Peter von großen Plakaten aus anguckt, ist auch nicht gerade glaubwürdig. Glücklicher Weise betreffen derartige Fehler lediglich nur Randgebiete der Geschichte, während alles andere durchdacht genug ist, um innerhalb eines kurzweiligen Unterhaltungsfilmes glaubwürdig für gute Laune zu sorgen. Manch einem mag das Ende sauer aufstoßen, meiner Meinung nach atmet diese Schlusssequenz jedoch genau jene Kinomagie, für welche das Popkorn-Kino existiert, vergleichbar mit dem wundervollen Schluss des ersten "Fluch der Karibik", dem "König der Welt"-Moment aus "Titanic" oder dem finalen Off-Kommentar aus "Matrix". "Spider-Man 2" ist eine runde Sache, gerade auch in Zusammenarbeit mit Teil 1, und es wäre, gerade auch aufgrund der Schlusssituation, schön gewesen Teil 3 hätte daran ebenso kompatibel angeknüpft. Leider ist dies nicht passiert.  OFDb

25.01.2020

SPIDER-MAN (2002)

Hätte man mich gefragt, aus dem Kopf heraus hätte ich das Erscheinen des ersten für das Kino produzierten "Spider-Man" auf zwei Jahre zuvor geschätzt. Kein Wunder dass es einem länger vorkommt, folgten ihm doch nach zwei Fortsetzung bereits zwei weitere Neuansätze der Reihe mit bislang vier weiteren Filmen. Ich mag sie fast alle, und auch Sam Raimis Erstling halte ich für eine sehenswerte Angelegenheit. Man mag dem Film vielleicht vorwerfen, dass er nicht gerade mit einer ausgetüftelten Geschichte daher kommt, sondern stattdessen sehr klassisch strukturiert erzählt ist. Das ist meiner Meinung nach jedoch kein Schwachpunkt des Filmes, sondern ganz im Gegenteil die richtige Entscheidung, lebt dieser erste Teil der Trilogie doch u.a. davon überhaupt erstmals ausgereift zeigen zu können, wofür die Kraft Spider-Mans steht. Wie er sich über die Hochhausschluchten schwungvoll hinweg bewegt, gefolgt von einer ebensolch schwungvoll scheinenden Kameraführung, war seinerzeit eine wahre Wucht und weiß noch heute zu gefallen, trotz manch offensichtlicher Computeranimation. Die Schnelligkeit, mit welcher der Held loslegen kann, ist revolutionär genug als Innovation, ordnet sie sich doch nicht den Sehgewohnheiten des Zuschauers unter, stattdessen muss dieser mit dem Tempo und der Fortbewegungsart Spider-Mans optisch mithalten können. Da dient eine inhaltliche klassische Erzählung als eine Art angenehmer Ruhepol und als Möglichkeit trotz aufwändiger neuer Technik klassische Kino-Magie auszustrahlen.

Dass "Spider-Man" auch dies einzufangen vermag, liegt mitunter an einer sympathischen Besetzung in den wichtigsten Rollen und daran, dass es das Drehbuch schafft die vielen Ansätze innerer Zerissenheit des Protagonisten für den Zuschauer mitempfindbar einzubauen, zumal dieser an der Entstehung dieser Gefühlsdilemmas teilnimmt. Peter Parker ist kein hohles Gefäß, wie uns die klassische Strukturierung der Figuren innerhalb der Durchschnitts-Geschichte zunächst vermuten lässt. Sein Doppelleben findet innen, wie außen statt. Freunden und Familie kann er nicht die Wahrheit sagen, Schuld und Verrat lassen ihn leiden. Und seine große Liebe zur Mitschülerin Mary Jane kann er nicht ausleben, da er sein Geheimnis hüten muss, um sie zu schützen. Klassisches Helden-Ehrempfinden trifft auf jugendliche Flappsigkeit, in einer Inszenierung, die Raimi ohnehin nicht frei von Humor umsetzt. So werden Leichtfüßigkeit, nachvollziehbare Emotionen und tolle Spezialeffekte zu einem gut funktionierenden Motor üblicher Geschichtenerzählung, so dass ein aufregender und aufwühlender Wohlfühlfilm entstanden ist, der gerade deshalb so gut ist, weil er Kino nicht neu erfindet, sondern klassisch lebt.

Aufgrund einer recht ausführlichen Durchleuchtung der neuen Fähigkeiten und der damit einhergehenden neuen Lebenssituation Parkers, tut es zudem gut, dass dem Bösewicht nicht übermäßig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Verglichen mit anderen Gegnern Spider-Mans und seiner Konkurrenz, ist der grüne Kobold gar ein richtiger Waschlappen, ein weinerlicher Rächer mit geisteskranker Neigung für Gewaltmomente. Er ist somit ein perfekter Gegner für den Anfang, als Übung für kommende Superschurken. Wirksam ist er jedoch, als einzig nennenswerter Schwachpunkt des Streifens, nicht eingesetzt. Sein Herumgehampel im blöde ausschauenden Anzug erinnert eher an die ollen "Power Rangers" und ihre japanischen Vorbilder, und Willem Dafoes Overacting fand ich auch eher lästig, anstatt den Comic-Charakter des Filmes unterstützend. Zumindest sind die Kampfsequenzen zwischen beiden recht ordentlich umgesetzt, und die soziale Dynamik, die ihre Feindschaft in die Gänge bringt, unterstützt "Spider-Man" wieder an der richtigen Stelle, nämlich im Herzen des Streifens, in der Gefühlswelt der Figuren. So darf der Film auch in den schwächeren Momenten von dieser zehren. Der Herzschmerzbereich und die Komik des Entdeckens der neuen Fähigkeiten, sowie das abenteuerliche Verbrecherjagen, gehören ohnehin zu den wahren Höhepunkten und Wichtigkeiten der Geschichte, nicht der Konflikt mit dem Gegner. Der wird eingebaut, weil sich das so gehört und weil er uns aufregende Momente beschert. Am Ende bleiben jedoch eher Momente, wie der legendäre Kopfüber-Kuss, in Erinnerung, oder die unglaublich traurige und mitreißende Schluss-Szene am Friedhof - eben die großen Gefühle, anstatt die Action - im besten Fall bei genügend kindlichem Gemüt aber auch beides.  OFDb

27.07.2016

INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR (1994)

„Interview mit einem Vampir“ ist ein pompös inszenierter Kostümfilm, der so eine Art Vampir-Oper ohne Musik sein möchte, ein großes Epos der großen Gefühle, ganz großes Kino eben. Das macht ihn interessant und gut, während es ihm gleichzeitig seiner Möglichkeiten beraubt, ist die von Anne Rice selbstgeschriebene Filmversion ihrer eigenen Literaturvorlage doch derart laut und aufgesetzt in ihrer Art, dass dies nur bedingt mitreißt. Alles wird höchst theatralisch präsentiert, das Schauspiel besteht fast einzig aus dem Überagieren seiner Stars, während epochale Klänge die Hintergrundmusik bilden in einem Werk, für dessen Kulissen man keine Kosten und Mühen scheute.

Dank einer interessanten Geschichte und der emotionalen Art der Hauptfigur weiß das trotz aller Übertreibungen zu gefallen, was allein schon aufgrund der schlechten Performance der Stars verwundern darf. Brad Pitts Ruf lediglich der untalentierte Schönling zu sein, dürfte mit „Interview mit einem Vampir“ entstanden sein, spielt er doch hölzern und stumpf drein blickend, und damit gar nicht so gut wie er es zumindest wenige Jahre später schon besser konnte und besagtem Ruf überhaupt nicht mehr gerecht wurde.

In den lässigen und faszinierten Szenen weiß Christian Slater mit seiner üblichen Schurkenvisage zu überzeugen, aber wenn es um wahre Emotionen geht, gerade dann wenn er bemerkt dass sein Gegenüber tatsächlich ein Vampir ist, verkommt sein Blick zur überforderten Fratze eines Neulings seines Berufes, und der in „Heathers“, „Hart auf Sendung“ und Co so stark spielende Slater wirkt nur noch peinlich.

Passend zu diesen mageren Schauspielleistungen gesellt sich die hier noch sehr junge Kirsten Dunst hinzu, die im Gegensatz zu Brad Pitt tatsächlich nur aufgrund ihres Aussehens berühmt wurde und hier lediglich aufgrund ihres morbiden Charakters und wegen ihres theatralischen Spieles zu wirken weiß. Meist darf sie hierfür jemand Älteres anschreien. Eine wirklich gute Kinderleistung wie wir sie von Chloë Grace Moretz in „Let Me In“ sehen durften oder von Natalie Portman in „Léon - Der Profi“ ist das hier Dargebotene jedoch nicht.

Erstaunlicher Weise ist es der sonst so blass und versteift agierende Tom Cruise, der von den anwesenden Stars am ehesten zu wirken weiß, allerdings hilft die sehr gut umgesetze Maske da auch ordentlich nach, und ansonsten darf er (überagierend wie jeder hier) den Oberfiesling spielen, was nicht zwingend feine schauspielerische Facetten erfordert. Dem Film tut sein Drang zum Sadismus jedoch gut, auch wenn man immer das Gefühl hat, dass da ein Stück privater Tom Cruise mitspielt. Daran sieht man einmal wie beeinflusst man von der Yellow Press sein kann, selbst dann wenn man sie recht erfolgreich meidet.

Neben dem Ausflug in verschiedene Zeitepochen und diverse Länder, ist es die Geschichte um das junge Mädchen herum, welches dem Stoff den nötigen Zunder beschert mehr zu werden als ein olles Affentheater in tuntigen Kostümen. Nicht nur die unterschwellig mitschwingende pädophile Thematik, wie wir sie im selben Jahr auch ähnlich subtil angedeutet in „Léon - Der Profi“ miterleben durften, besitzt ihren Reiz. Allein dass die Kleine eine ähnliche Bestie wie ihr Mentor Lestrat ist weiß zu gefallen. Und wenn das Mädchen erkennen muss, dass es bis in alle Ewigkeit ein Mädchen bleiben muss, ergänzt dies gekonnt die Tragik um Louis Charakter.

Dass es unter Vampiren eigentlich verboten ist einen Menschen so jung zu verwandeln, ist nur ein Einblick von wirklich vielen Ideen wie Vampire denken und was das Vampisein so mit sich bringt. Auch die Phase die dieser voraus geht, die große Sinnsuche eines Blutsaugers, der von seinem Mentor keine Hintergründe erklärt bekommen hat, besitzt erzählenswerte Kraft, so dass es genug Pluspunkte gibt dem eigentlich sich selbst viel zu geil findenden Film genug abzugewinnen um mit ihm seinen Frieden zu schließen. „Interview mit einem Vampir“ mag sich einem erwachsenen Publikum nicht ohne Kompromisse erschließen, geht man diese ein erlebt man jedoch einen mitreißenden Film.  OFDb

18.03.2013

RAN AN DIE BRAUT (2001)

Für einen Teenager zerbricht die große Liebe. Um die Holde zurück zu erobern bekommt er Hilfe von einer hübschen Mitschülerin, die heimlich selbst in ihn verliebt ist...
 
Singen und tanzen fördert nicht die Romantik...
 
Ganz lose beruht der hier besprochene Film auf Shakespeare, allerdings so lose, dass es der Erwähnung kaum wert ist. So lose, dass der bescheuerte deutsche Titel verziehen bzw. ignoriert ist und so lose, dass sich der gute alte Schriftsteller nicht im Grabe umdrehen muss.

Nach Erfolgen wie „Romeo und Julia“ und „Eiskalte Engel“ glauben einige Produktionen halt immer noch, es verkaufe sich besser, einen Teenie-Film auf klassischer Grundlage aufzubauen. „Ran an die Braut“ folgt seinem Vorbild nur extremst grob und hält sich eher an die Regeln des Filmgenres als an irgend ein Buch.

Ein besonders toller Film seiner Art ist „Ran an die Braut“ nicht geworden, dafür ist er zu gewöhnlich. Maue Routine bekommen wir allerdings auch nicht vorgesetzt, dafür gibt es zu viele Stärken. Eine davon ist Kirsten Dunst, die wieder einmal bezaubernd spielen darf. Um so erstaunlicher, da der romantische Part des Streifens, der eigentlich Schwerpunkt ist, überhaupt nicht zündet. Die Enttäuschungsszenen der Rolle der Dunst sind das einzige, das in dieser Richtung funktioniert.

Das romantische Hineinträumen in die hier gezeigte junge Liebe will einfach nicht passieren. Dabei geht auch Dunsts Partner in Ordnung, die Chemie würde stimmen. Trotz alledem bleibt auch die Hauptrolle recht blass. Das liegt weniger an Foster, der eigentlich recht brauchbar spielt, es ist sein Gegenspieler West, der einfach wesentlich mehr Persönlichkeit ausstrahlt als der olle Held. Dass Foster zu Beginn blasser wirken muss ist für die Story typisch und richtig, aber er gewinnt im Laufe des Streifens nicht an Profil und bleibt einfach so wie er zuvor war. Storytechnisch auch nicht verkehrt, für einen Alltags-Filmhelden aber einfach doch zu wenig.

Während die Jungstars sich wacker schlagen und schlicht auch zu begeistern wissen, darf man am Rande auch zwei Altstars bewundern. Der eine ist Ed Begley, Jr., der leider nur eine sehr kleine Rolle abgekriegt hat, sich in den paar wenigen Auftritten die er hat aber auch nicht in den Mittelpunkt spielt. Er schafft gekonnt den Spagat aus Zurückhaltung und Wirkung.

Der andere Oldie hat da schon wesentlich mehr Screentime. Es ist Martin Short, der nicht nur als bekanntes Gesicht auf die schnelle für einen Teeniefilm verheizt wird, so wie beispielsweise Chevy Chase für „Nix wie raus aus Orange County“ oder Eugene Levy für „Dumm und dümmerer“. Short hat eine wichtige Rolle, in der er sich zudem noch ordentlich austoben darf. Seit „Die Reise ins Ich“ habe ich mich schon oft gefragt, warum sein Erfolg ausblieb und er so wenige Hauptrollen ergattern konnte. Hier darf er nun völlig in Fahrt kommen, inklusive Traum/Rückblickssequenzen, in denen er auch verkleidet rumblödeln darf. Short ist ein großer Trumpf des Streifens.

Der Parodiegehalt auf Starruhm und Boygroups ist nett, hätte aber auch weiter vertieft werden können. Dies hätte allerdings vielleicht das Zielpublikum irritiert, so kann ich mir zumindest das Produzentendenken vorstellen. Dass man mit dem richtigen Angehen der Thematik ein anderes Publikum gefunden hätte (vielleicht so Richtung „Election“) ist den Geldgebern sicherlich gar nicht erst in den Sinn gekommen. Stattdessen geht die Orientierung in „Ran an die Braut“ eher in die entgegengesetzte Richtung, denn die Boygroup-typische Musik wird auch hier angewandt.

Im musikalischen Bereich fallen dann auch die Jungstars besonders positiv auf, sie tanzen und singen (letzteres hatte ich von Dunst zuvor nicht erwartet) und haben sichtlich Spaß dabei. Hervorzuheben wäre hier der Vorspann, der auf kurzweilige und lustige Art zeigt, wie man ihn einbringen kann ohne mit blöden Landschaftsfahrten zu langweilen. Im Abspann wurde ebenfalls getanzt, ich habe aber leider eine Tele 5-Version gesehen. Der selbsternannte kinoliebende Fernsehsender war dreist genug das Bild während dieser Sequenz klitzeklein zu machen, so dass nichts mehr zu erkennen war. Dass diese Szene dann auch voreilig beendet wurde ist somit auch nicht mehr sonderlich gravierend.

Zwischendurch gibt es kleine Fantasysequenzen zu sichten, nichts besonderes und auch immer zu kurz um wichtig zu sein, aber nicht uninteressant. Einige Handlungsabläufe werden zu kurz angeschnitten, z.B. das Problem dass sich der beste Freund in die Schwester verliebt (wesentlich besser in „Eis am Stiel 5“ herausgearbeitet) oder der schwierige Spagat der Hauptrolle zwischen Sport und Kunst (in „Die Liebenden von Notre-Dame“ und "American Pie" besser herausgearbeitet).

An sich ist der Film aber auch zu routiniert um sich über derartiges zu ärgern. Er ist schlicht, weiß aber auf seine belanglose Art zu unterhalten. Das ist schon mehr als manch andere Produktion schaffte. Um in Erinnerung zu bleiben reicht es allerdings nicht, sympathische Gesichter schafften es immerhin den Einheitsbrei etwas aufzuwerten.  OFDb

29.09.2012

VERGISS MEIN NICHT (2004)

Die Beziehung zwischen Joel und Clementine ist beendet. Joel muss frustriert feststellen, dass Clementine sich mit einem neuen operativen Verfahren alle Erinnerungen an ihn hat löschen lassen. Auch Joel lässt sich auf besagte Operation ein, doch während der Prozedur merkt er, dass es schön wäre, wenn seine Liebste doch nicht ganz vergessen wird. Im Schlaf liegend versucht der gute Mann die Clementine in seinem Kopf vor der Löschung zu retten...

Betäubt anstatt geheilt...
 
„Vergiss mein nicht!“ ist in vielerlei Hinsicht ein Ausnahmefilm. Das beginnt damit, dass er ein Science Fiction ist, der in der Gegenwart spielt. Dieses Genre sieht man ihm zunächst gar nicht an. Es dauert, bis es sich herauskristallisiert, und selbst dann setzt der tragikomisch konzipierte Film seinen Hauptschwerpunkt auf Romantik, eine Seltenheit im Science Fiction-Bereich.

Manch einem mag dieses Rezept auf dem Papier nicht schmecken, jedoch schafft es Regisseur Michael Gondry die Romantik niemals kitschig erscheinen zu lassen. Sie ist nur Beiwerk eines  lebensbejahenden Filmes, was wiederum auch eine seltene Eigenschaft eines Werkes dieses Genres ist, erst recht wenn man bedenkt, dass die Grund-Thematik deutlich gesellschaftskritisch geprägt ist.

Es ist besser unglücklich geliebt anstatt nie geliebt zu haben. Dies ist ein berühmter Satz, und er könnte Grundlage gewesen sein, ist eine Kernaussage des Films doch die, dass Erinnerungen, auch jene schmerzhafter Natur, wichtig für uns Menschen sind. Wenn der Schmerz vergeht bleibt vieles Gutes in Erinnerung. Aber auch der Heilungsprozess kann nur mit Hilfe von Erinnerung stattfinden. Diese Theorie des Filmes findet sich zumindest zwischen den Zeilen, wenn man als Zuschauer resümieren darf, dass niemanden nach der Operation geholfen war.

Leer laufen die Geheilten durch ihren Alltag. Irgendetwas bedrückt sie, aber sie wissen nicht was. Das Problem ist aus ihrer Erinnerung gelöscht. Wie will man über etwas hinwegkommen, was einem nur noch unterbewusst quält? Nicht zu vergessen der Aspekt, dass man ohne sich an seine Fehler zu erinnern auch nicht aus ihnen lernen kann. Dieser Bereich blitzt gar auf positive Art auf, wenn man beobachten darf, wie sich die Liebenden instinktiv nacheinander sehnen, und da reden wir nicht nur von den von Jim Carrey und Kate Winslet verkörperten Hauptfiguren.

An der Besetzung gibt es nichts zu meckern. Es fällt etwas auf, dass Kirsten Dunst eher mit gutem Aussehen anstatt mit Schauspieltalent glänzt. Aber ihre Rolle ist relativ klein und auch so angelegt, dass ihre Defizite nicht auffallen. Letztendlich muss sie ohnehin das naive, gedankenlose Ding spielen, welches sie wohl auch privat nach Pressemeldungen zu sein scheint.

Ansonsten sind nur Profis am Werk. In einer kleinen Rolle erleben wir den einstigen Kinderstar Elijah Wood, der mittlerweile seit „Herr der Ringe“ auch der Masse etwas sagt, und er agiert einmal völlig anders. Kate Winslet beweist auf ein neues, dass sie sich nicht nur äußerlich sondern auch durch ihr Talent von anderen erfolgreichen Frauen Hollywoods unterscheidet. Passend zum Gesamteindruck des Films spielt sie glaubhaft realistisch, geradezu natürlich. Jim Carrey hat für Kalauer nur wenig Szenen und beweist mal wieder wie viel in ihm steckt, so dass sich „Vergiss mein nicht!“ sorglos in die Schlange seiner besten ernsteren Werke wie „Truman Show“ und noch mehr „Der Mondmann“ einreihen kann.

Regisseur Michael Gondry, der es in seinem Vorgängerfilm „Human Nature“ noch nicht schaffte sehr phantastische Ideen, Satire, Kritik und auch Groteske kompromisslos unterhaltsam umzusetzen, schafft mit „Vergiss mein nicht!“, einem nicht weniger inhaltlich außergewöhnlichen Film, ein Vorzeigewerk zu kreieren, von dem viele Filmschaffende lernen können. Umso enttäuschender ist, was er später mit „Abgedreht“ abgeliefert hat, spielte doch auch dieser Film mit einer interessanten Idee, wenn auch nicht mit der Klasse und Vielschichtigkeit von „Human Nature“ und dem hier besprochenen Film.

An beiden Werken war Charlie Kaufman als Drehbuchautor und Ideengeber beteiligt, jenem Mann, der die Cineasten schon 1999 mit seinen ungewöhnlichen und fast filmuntypischen Ideen in „Being John Malkovich“ überraschte. Dieser eigentlich recht gute Film hatte jedoch noch Ecken und Kanten, an denen geschliffen werden mussten, vielleicht weil die Figuren dort so grotesk erschienen wie die Erlebnisse selbst. Mag sein dass ich „Vergiss mein nicht!“ auch deshalb als einen Schritt nach vorne verstehe. Denn trotz der irrsinnigen Idee, auf welcher Gondrys Film aufbaut, sind seine Figuren doch alle griffig, und ideal als Identifikationsfiguren geeignet.

Es sind Außenseiter und Normalos zugleich. Und ihre Probleme, Wünsche, ihre Gesprächsthemen und ihren Alltag kann man alles nachvollziehen. Parallelen zum Publikum sind genügend vorhanden. Und gerade dieser Aspekt beweist die sensible und feinfühlige Ader des Streifens. Sie zeigt sich ebenso im Verzicht jeglichen Klischees. Es zeigt sich in der wohligen Dosierung von Spannung, Dramatik und Humor, ohne je in eine Extreme zu rutschen. Gerade der reißerische Bereich findet keinerlei Niesche. Aber die Menschlichkeit, welche die Seele des Zuschauers wiederspiegelt, bleibt eine Rezeptur die nicht von irgendwem kopiert werden kann. Alltägliches, vielleicht auch Selbstverständliches, natürlich zu greifen beherrscht man als Geschichtenerzähler entweder oder eben (noch) nicht.

Nur an wenigen Stellen zeigen sich Schwächen. Am deutlichsten in einer Szene, die in einer Kindheitserinnerung von Joel spielt. Hier hätte der Film in falschen Händen schnell in eine alberne Komödie abrutschen können. Gondry verliert sich glücklicherweise lediglich für einen kurzen Augenblick in diese Richtung, fasst aber schnell genug wieder Fuß. Es scheint an Regie, Jim Carrey und vielleicht auch dessen deutsche Synchronstimme zu liegen, dass diese Szene etwas albern wirkt. Denn rein vom Dialog ist der Text nah am Denken und Sprechen eines Vierjährigen orientiert.

Nicht nur hier erkennt man das Verständnis der menschlichen Psyche. Auch jene Kindheitserinnerung, welche Joel glaubt überwunden zu haben, weist psychologische Raffinesse auf. So erwachsen und weiterentwickelt man sich auch fühlt, die Dämonen der Vergangenheit wissen einen noch immer zu beeinflussen, so gezeigt in einer Szene, in welcher Joel beschließt sich nicht mehr von seinem ehemaligen Peiniger erniedrigen zu lassen, um sogleich in das alte Muster zurückzufallen.

Für einen Science Fiction fast schon untypisch ist auch die eher unauffällige Verwendung von Spezialeffekten. Ohnehin scheinen sie relativ selten verwendet zu werden. Simple Kniffe wie das plötzliche Ausblenden von Passanten wissen als Verdeutlichung des Löschvorgangs ebenso emotional zu funktionieren, wie der noch simplere Kniff Clementine auf dem Eis ins dunkle Schwarz zu ziehen. Erstaunlich dass dieser besonders banale Effekt mit am besten zu schockieren weiß.

Bei all den positiven Worten über ein Werk, das sich in vielerlei Hinsicht, gerade auf sein Entstehungsland betrachtet, mit dem etwas abgenutzten Begriff Ausnahmefilm kleiden darf, bleibt doch am erstaunlichsten die Glaubwürdigkeit dieser Erzählung zurück. Gondry und Kaufman passieren keine Schnitzer. Die skurrile Grundidee ist glaubwürdig umgesetzt und lässt auch im Bereich der Logik nichts zu wünschen übrig. Der Grund warum Joel sich seines Zustandes und aktueller Geschehnisse bewusst ist, wird ebenso aufgearbeitet, wie der Aspekt warum Joel und Charlotte aufgrund einer Abmachung im realen Leben aufeinander treffen, obwohl die Verabredung lediglich in Joels Kopf getroffen wurde. In solchen Punkten orientiert sich der Film jedoch an ein aufmerksames Publikum, denn die Begründungen dahinter werden einem anhand simpel scheinender Nebensächlichkeiten präsentiert, so dass einem der Sinn mancher Geschehnisse nicht auf dem silbernen Tablett serviert wird.

„Vergiss mein nicht!“ ist eine Geschichte, die es all jenen noch einmal zeigt, die jammern es hätte schon alles gegeben und man könnte nur noch kopieren und variieren. Kaufmans Idee ist das wofür Kino gemacht wurde, auch wenn man sich vor Sichtung kaum vorstellen kann, wie eine solche Geschichte mit dem Medium Film überhaupt einzufangen ist. Gondrys Werk ist sensibel, witzig, spannend und dramatisch. Er ist tiefsinnig, poetisch, philosophisch und lebensnah. Er ist lebensbejahend und überrascht damit Stellung zu beziehen. Wer vom gängigen Popkornkino-Rezept noch nicht abgestumpft ist, wird sich freuen einen Film zu erleben, der nicht nur auf der Unterhaltungsebene prima, da relativ manipulationsfrei funktioniert, sondern einen emotional sanft an die Hand nimmt und bereichert.  OFDb