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19.06.2025

Kurzkommentare (2)

 

Archive (2020)

Dieser Science Fiction zum Thema K.I. kommt mit manch interessanter Idee daher, inklusive einem süß anmutenden Suizid eines Roboters, während er ansonsten hauptsächlich von der Kälte der Forschung berichtet (vergleichbar mit "Splice"), mittels eines Protagonisten, der sich selbst für sozial und mitfühlend hält. Manch überraschende Wendung, gutes Schauspiel und ein unterkühltes Setting sorgen für den Rest in einem Werk, dessen Herangehensweise zur Entstehungszeit bereits nicht mehr innovativ zu nennen war.  Wiki


Iron Man 3 (2013)

Der Abschluss der Trilogie mag nicht der ereignisreichste sein, die Story plätschert überraschend gradlinig von einem visuellen Event zum nächsten, aber er unterhält mit der Einhaltung von Grundstimmung und humoristischen Einflüssen der Stammfiguren aufeinander, und er weiß durch die Rolle von Ben Kingsley zusätzlich zu gefallen, gerade zur zweiten Hälfte hin. Dass einem das alles bereits bei der ersten Sichtung zu bekannt vorkommt, ist schade zu nennen, aber die Sympathie des Bekannten, welche man eher von TV-Serien, anstatt von einer Großproduktion erwarten sollte, entschädigt dennoch halbwegs.  Wiki

 

The Flash (2023)

Auch wenn sich "The Flash" mehr denn je als Marvel-Imitat von DC schaut und an mancher Stelle etwas überfrachtet wirkt, so trägt er das Herz und vor allen Dingen die Pointensicherheit doch am rechten Fleck und weiß mit manch kreativer, nicht wirklich innovativer Idee die übertriebene Action für sich zu nutzen, um das Ganze zu ironisieren. Der Hauptdarsteller hat mit seiner Doppelrolle sichtlich Freude, Michael Keaton als Batman nicht nur in kurzen Auftritten zu erleben, lässt das Herz ohnehin höher schlagen, und zumindest bietet "The Flash" im Gegensatz zu manchem Superhelden-Konkurrenten eine erzählenswerte Geschichte. Auch der Schluss-Gag hat mir gut gefallen.  Wiki

 

Creed 3 - Rocky's Legacy (2023)

Dass man Stallone vermissen würde, war abzusehen, ihn als Rocky aber nicht einmal bei einer wichtigen Beerdigung auftreten zu lassen, zeigt wie sehr der dritte Teil des Spin Offs Produkt, anstatt Herzensangelegenheit war. Es zeigt sich auch in der überraschungsfreien Gradlinigkeit einer an sich netten, sich aber bereits durch "Rocky 5" bekannt anfühlenden Geschichte, und dadurch, dass der Gegner charakterlich interessanter ausfällt als der Held und sein Weibchen. Unterhaltsam ist das zu schmale Ergebnis dennoch ausgefallen, lediglich weit unter den Erwartungen nach zwei so geglückten Vorgängern.  Wiki

 

Doctor Who - Kinda (1982)

Zwar fühlt sich die oberflächliche Geschichte selbst etwas arg zu oft erzählt an, die Rätselhaftigkeit um die Lebewesen und ihrer Geheimnisse vor Ort, lassen einen dennoch neugierig werden. Der fünfte Doktor täuscht so herrlich verspielt Ahnungslosigkeit und Naivität vor, dass man fast schon meinen könnte, dass die noch frische Reinkarnation tatsächlich so gestrickt ist. Wer bei einem solch nostalgischen Produkt wie diesem neuere Effekte benötigt, wie vom Bluray-Menü wieder einmal alternativ angeboten, will sich mir jedoch nicht erschließen.  Wiki

22.02.2023

BEETLEJUICE (1988)

Mit Beetlejuice lieferte Tim Burton recht früh etwas ab, das man mittlerweile als geradezu typisch für den Regisseur bezeichnen würde. Sicherlich hätte er ihn später mit Stammdarsteller Johnny Depp besetzt, aber mit Keaton in der ungewohnten Rolle der schrillen Titelfigur schien er ebenfalls zufrieden zu sein, wo er ihn in seinem Folgefilm "Batman" doch den Helden spielen ließ. Und die hier noch recht junge Winona Ryder sollte er sich zwei Jahre später für "Edward mit den Scherenhänden" zurück holen, Jeffrey Jones sogar des öfteren. Hier agieren sie alle inmitten einer spielfreudigen, sympathischen Schar an kleinen und großen Berühmtheiten äußerst gelungen und werden trotzdem nicht gerade knapp mit Spezialeffekten unterstützt, die der Phantasie keine Grenzen zu setzen scheinen. Überfrachtet wirkt das nie, lediglich die extreme Art von Beetlejuice selbst empfand ich persönlich manchmal als zu viel des Guten, aber das mag jeder anders sehen und letztendlich kommt er überraschend selten vor inmitten einer wahrlich erzählenswerten Geschichte. 

Allein der Aspekt nun tot zu sein und spuken zu müssen, um das eigene Heim zu verteidigen, hätte gereicht um einen zufriedenstellenden Plot abzuliefern. In den Händen Burtons ist dies jedoch nur ein Aspekt unter vielen und zudem einer der mit vielen Ideen ausgeschmückt wird. Besonders gut hat mir die Verwirrung der zentralen Geister gefallen und die jenseitsbürokratische Selbstverständlichkeit, mit der jegliche Kenntnis eines Nichteingeweihten geradezu erwartet wird. Jeder der einmal eine Steuererklärung abliefern musste, weiß dass das stark an der Realität angeknüpft ist. Spielereien wie die aufgemalte Tür, Figuren wie die geltungssüchtige Neuzugezogene und ihr mit Jeffrey Jones so wundervoll besetzter Ehemann und Maskeraden wie die schrägen Monstertransformationen, wenn das verstorbene Paar endlich gelernt hat anständig zu spuken, tragen diesen fantasiereichen Film, von dem ich mir manches Mal gewünscht hätte, er würde dem Zuschauer nicht alles erklären, sondern manches selbst entdecken lassen. Aber das ist halt typisch Hollywood, und was soll man bei solch kurzweiligem und einfallsreichem Ergebnis groß über derart Nebensächliches meckern? Ein Jahr später folgte dem Kinofilm eine Zeichentrickserie.  OFDb

28.03.2020

BATMANS RÜCKKEHR (1992)

War der 1989er "Batman" in Sachen Dekoration und Kostüm noch ein wenig bescheiden ausgefallen, zeigt sich die finanzgestärkte Fortsetzung wesentlich pompöser, woraus auch direkt der Auftakt kein Geheimnis macht, wenn er zu bedeutungsschwangerer Musik das Kindheitsschicksal Pinguins thematisiert, in welchem er geradezu theatralisch vom Schicksal gelenkt in sein neues zu Hause abgetrieben wird. Was dem folgt ist ein imposant abgefilmter, meist in Düsternis gehaltener, zu Fleisch gewordener Comic. Die Alternativwelt Gotham City ist zum Augenschmaus geworden, selbst der Alltag wirkt stets ein wenig bizarr und suggeriert uns somit auch in der Normalität eine Comicwelt. Die inmitten dieser agierenden, wunderlichen Gestalten, sind für die Bürger längst zur Normalität geworden. Sollte Joel Schumacher, sich der 60er Jahre "Batman"-Serie nähernd, in seinem zweiten Streich "Batman und Robin" das Herumgekasper der bunten Gesellen zu einer Art niveauloser Travestie verkommen lassen, bietet Burton in seinem zweiten Film der Reihe eine Freakshow der Fetisch-Gesellen, stilvoll genug eingefangen, um sie nicht der Lächerlichkeit preiszugeben, skurril genug dargeboten, um sie als Comicfiguren wahrzunehmen, anstatt lediglich als alternative Gesellschaft.

Catwoman darf die Peitsche schwingen, Batman ihr gegenüber immer ein wenig devot wirken, während der Pinguin der hemmungslose, unterfickte Lüstling ohne Scham und Würde geworden ist. Danny DeVito geht voll auf in dieser klassischen, wie individuellen Schurkenrolle, die keinerlei subtile Graustufen besitzt. Und dass die Geschichte um diese drei Freaks, sowie um Politverbrecher Schreck herum als nicht so banal auffällt, wie sie eigentlich ausgefallen ist, verdanken wir zum einen den Schauwerten, welche Burton seinem Werk immer wieder beschert, in ruhigen wie in lauten Momenten, sowie dem grotesken Touch, in welchem die Hauptfiguren getunkt sind. Sie sind sich ihrer realitätsfernen Art bewusster, als der Normalbürger, der ihr Auftauchen und den Einfluss auf die Sicherheit der Stadt, wenn auch oftmals unter Angst, schlichtweg akzeptiert. Auffällig ist zudem Burtons Verwendung von Farbe und Dunkelheit, setzt er doch die Bedrohung knallbunter Farben und Elemente aus, wohingegen die beschützenden und wohlfühlenden Faktoren des Streifens die Dunkelheit verkörpern. Burton lebt seine Andersartigkeit und seinen Blick auf die Gesellschaft hier kreativ losgelöst schonungslos aus, eher analytisch, ohne sie inhaltlich zum Zentrum der Geschichte zu machen, wie beispielsweise in "Edward mit den Scherenhänden" geschehen.

Mag sich "Batmans Rückkehr" in der maskierten Fetischwelt alternativer Kulturen auch manches Mal ein wenig zu gewollt bizarr anfühlen, Burtons zweiter Schlag der Reihe weiß ebenso wie der Vorgänger zu funktionieren. Die gute Besetzung, die u.a. mit Christopher Walken und einer sehr sexy dargebotenen Michelle Pfeiffer trumpfen kann, sorgt für den Reststolz einer jeden Figur, so dass ihr Auftreten nie zu plump gerät. Und der Budenzauber Burtons um diese herum weiß wahrlich zu beeindrucken. Ob es eine Vielzahl an ferngesteuerten Kampf-Pinguinen im Finale sind, die wesentlich besser ausgefallenen Momente des Batmobils, dunkle Orte, schrille Masken und Kostüme, sich stets dunkel anfühlende, wechselnde Tageszeiten, Pinguins knallbuntes Entengefährt oder seine einfallsreichen Schirme unterschiedlicher Funktionen, dem Auge wird es nie müde der Freakshow beizuwohnen, die kaum noch Kriminalfall ist und in der jeder nur noch mit sich selbst und seiner Filterblase, in der er lebt, beschäftigt zu sein scheint, während die Normalität um sie herum zur Nebensache verkommt. Ob eine derartige Auslegung der lieb gewonnenen Figuren aus den Comics dem Leser dieser zu schmecken weiß, weiß ich nicht, aber das Beibehalten einer Restmystik einer jeglichen Figur sorgt im Zusammenspiel mit dem meist stilsicherem Agieren der Stars dafür, dass sich das alles nie zu würdelos anschaut. Deswegen ist man Burton auch nie wirklich bös, so verspielt wie er mit der ganzen Chose jongliert, und deswegen geht das gewagte Vorhaben, im Gegensatz zu Schumachers zweitem Streich, auch als charmant durch und somit als geglückt.  OFDb

20.03.2020

BATMAN (1989)

Mit Blick von heute mag einem Burtons "Batman" etwas schlicht erscheinen, sind doch z.B. die Bauten im Gesamten keineswegs so wuchtig ausgefallen, wie man es beim Kult-Regisseur erwarten würde. Die simple Terroraktion Jokers per Kosmetika, die Vereinfachung, dass er zudem der Mörder von Waynes Eltern ist, und ganz besonders die plump abgearbeitete Liebesgeschichte, die aufgrund ihrer Sprunghaftigkeit nicht wirklich glaubwürdig herüber kommt, sind Elemente, die man heutzutage komplexer ausgearbeitet erwarten würde. Aber seinerzeit war man einfach froh endlich einmal eine professionelle und ernste Umsetzung des "Batman"-Themas auf der Leinwand erleben zu dürfen, nachdem es ansonsten nur billig heruntergedrehte Serials in den 40er Jahren und die klamaukige TV-Serie aus den 60er Jahren zu entdecken gab, inklusive der Kinoauswertung von Letztgenanntem namens "Batman hält die Welt in Atem". Burton brachte den legendären Helden erstmals ernstzunehmend auf die große Leinwand, und dafür war man ihm dankbar. Eine große Werbewelle ging seinerzeit dem Kinostart voraus, aber ich wage zu behaupten, dass der Film auch ohne dieses Puschen ein Erfolg geworden wäre, eben weil Batman doch einfach zu den interessantesten Figuren des Superhelden-Bereiches gehört.

Mit Jack Nicholson hatte man zudem einen Star mit an Bord, und auch Western-Legende Jack Palance ist in einer kleineren Rolle mit am Start. Michael Keaton erwies sich als gute Wahl in der Rolle Bruce Waynes, setzte er doch gekonnt täuschend seinen naiven Blick ein. Nicholson hingegen wirkt heutzutage, durch so grandiose Interpretationen des Erzfeindes aus "Joker" und "The Dark Knight", etwas zu einfach dargeboten, zumal er in lockerflockig anvisierten Momenten doch etwas arg steif spielt. Mimisch trumpft er jedoch, innerhalb seiner Möglichkeiten in sperriger Maskerade, und allein das Drehbuch beschert ihm bereits wundervolle Szenen und Monologe. Einzelne Gebäude geben einen ersten Einblick in später in anderen Werken professioneller eingefangene Bilder Gotham Citys, das Batmobil und der Flieger des selbsternannten Gesetzeshüter wissen zu wirken, werden aber geradezu selbstverständlich eingesetzt. Das ist einer der Gründe, warum "Batman" trotz erwachsenem Grundton immer eine Spur zu naiv daher kommt, ebenso wenn man den Helden abseits von Actionszenen im Kostüm agieren sieht. Diesbezüglich tat es gut, dass Burton dem Ganzen in der Fortsetzung "Batmans Rückkehr" einen Mythos durch einen psychologisch interessanten Fetisch bescherte, um den Helden ernsthafter und glaubwürdiger verkleidet erscheinen zu lassen.

Dennoch ist das alles Jammern auf hohem Niveau. Burtons erster Beitrag zur Filmreihe ist stimmig und kurzweilig erzählt, in wundervoll düsteren Bildern gehalten und bot damals somit endlich das, was auf der Leinwand längst fällig war. Mag das Drehbuch auch keine besonderen Kniffe beinhalten, allein das Servieren der Basis dessen, was mit dem Stoff möglich ist, weiß zu gefallen. Und besonders gut hat mir persönlich die Sichtweise zu Beginn des Streifens gefallen, die uns Batman noch nicht offiziell als den Helden präsentiert, sondern als in der Gesellschaft unbestätigten Mythos, den man ab und an aus der Distanz als wahrhaftig erleben darf, so dass es lange Zeit dauert, bis wir Batman aus Heldensicht und Bruce Wayne persönlich kennen lernen. Dafür dass mit diesem ersten Teil die sonst mittlerweile übliche Entstehungsgeschichte übersprungen wird, ist dies eine hervorragende Alternative, um einen mystischen Einstieg ins Geschehen entstehen zu lassen. Auch heute noch ist "Batman" eine sehenswerte Comicverfilmung, allein schon weil er erste Schritte vorbereitete, an denen andere Werke kreativ ausgereifter anknüpfen konnten. Dies gelingt Burton hauptsächlich durch den von Miller in den Comics kreierten düsteren Stil, was ihn glücklicher Weise nicht davon abhielt der Figur des Joker trotzdem schwarzhumorige und teilweise flapsige Momente zu bescheren.  OFDb

06.08.2018

THE FOUNDER (2016)

Die Hamburger bei McDonalds schmecken besonders gut. Das System, mit welchem die Bestellung von 30 Minuten Wartezeit auf 30 Sekunden heruntergefahren wird, ist genial. Die Gründer McDonalds sind Ehrenmänner. Bereits der Name McDonalds weiß zu verzaubern. Man sollte meinen, dass ein Film der solche Aussagen tätigt, ein mehr oder weniger versteckter Werbefilm für die weltweit berühmte Systemgastronomie-Kette sein müsste, erst recht wenn man thematisch auf den Vorgängerfilm von Regisseur John Lee Hancock schielt, der mit "Saving Mr. Banks" die Entstehungsgeschichte des Filmes "Mary Poppins" mit Tom Hanks in der Rolle Walt Disneys erzählte. Ob dieser kritisch oder manipulativ ausgefallen ist, weiß ich nicht, "The Founder" ist jedoch ein Drama, das sich tatsächlich für die Methoden der Ausweitung einer Hamburgerbude zu einer landesweiten Kette interessiert und dafür wie die eigentlichen Gründer des Unternehmens trickreich von einem Gierlappen aus ihrem eigenen Betrieb herausgedrängt wurden.
 
Thematische Parallelen zu "The Social Network" sind also gegeben, es mag somit sein, dass erst dessen Erfolg das Projekt "The Founder" ermöglicht hat. An die Qualität des Vorbildes reicht der mit Michael Keaton so gekonnt besetzte Film jedoch nicht heran. Das muss er auch nicht um zu gefallen, denn bereits in seinem schlichteren Gewand mit seinen realistisch zurückgeholten 50er Jahren weiß das Ergebnis zu gefallen. Der nicht nur mit Keaten hervorragend besetzte Film, aber hauptsächlich von dessen Leistungen lebende, mag bei der Faszination des Ur-McDonalds die kritische Frage unter den Teppich fallen lassen, wie übel es mittels des perfektionierten Speedo-Systems gewesen sein muss für die beiden Geschäftsmänner innerhalb der Essenszubereitung gearbeitet zu haben, faszinierend ist diese Errungenschaft der höheren Produktivität jedoch trotzdem, eben weil sie aus dem Blickwinkel eines Kapitalisten wahrgenommen wird. Dessen sollte man sich beim Gucken des Filmes ohnehin immer bewusst sein, immerhin ist es Kroc der zur Identifikationsfigur wird, ein netter Trick wie ich finde, wenn auch ebenfalls beim Facebook-Film abgeguckt, denn letztendlich leiden wir mit wem mit, dessen Egoismus und Gier stets zu seinen trivialen Problemen führt.

Schaut man sich McDonalds von heute mit den Vorstellungen seiner Ur-Besitzer an, könnte die Kette nicht weiter von den Vorstellungen der prinzipientreuen Gründer entfernt sein. Es wird kein Geheimnis daraus gemacht, dass auch diese Idealisten Geschäftsmänner waren, denen es hauptsächlich um ein gut florierendes Geschäft ging. Aber sie waren moralisch gesteuert und gehen für Erfolg nicht über Leichen. In Milchshakes gehört echte Milch hinein. Coca Cola darf sich nicht in den Betrieb einkaufen, da McDonalds nicht zu deren Werbeträger werden soll. Die Gründer haben völlig andere Vorstellungen von der Qualität eines Betriebes als der Maximalgewinne schöpfen wollende Kroc. Dass Kroc ganz im Gegensatz zu den McDonalds-Brüdern jedes Mittel recht ist, verrät bereits schon der augenzwinkernde, eigentlich schwarzhumorig bittere, da wahrhaftige, Titel des Streifens, wird dort doch Kroc als Gründer genannt, was er im wirklichen Leben nach dem Ansichreißens des Unternehmens auch tatsächlich von sich behauptete. Nach dem Erklimmen des Machtgipfels des Betriebes, jener Zeitpunkt zu dem die Geschichte von "The Founder" zu Ende erzählt ist, dürfen die eigentlichen Gründer des Burgerladens ihre Ur-Bude nicht einmal mehr McDonalds nennen. Und schon lange vor diesem Ereignis pries Kroc seine erste Filiale als den ersten McDonalds-Laden an. Ein Film mit solch einem gierigen Kapitalisten im Zentrum ist wahrlich kein Werbevideo.

Und doch lebt "The Founder" nicht nur von der Bösartigkeit seines Protagonisten. Die Faszination McDonalds und der Weg zum Ziel spielen stets ebenfalls eine wichtige Rolle für den Sehwert des Streifens. Dass Kroc letztendlich mit seinem Unternehmen mehr zum Immobilienmakler als zum Essensanbieter wird, ist das eigentliche Geheimnis seiner Erfolgsgeschichte, und der Weg dorthin und die vielen Begründungen warum dieses Prinzip Kroc den Arsch gerettet hat, ist eine sehr interessante und dank der Stimmung die der Film zu entfachen weiß auch eine höchst unterhaltsame. Spätere kritische Punkte, wie die Umweltfrage aufgrund von Massentierhaltung und ähnliches, muss The Founder" nicht verarbeiten, eben weil er noch Jahrzehnte entfernt vom öffentlichen Interesse solcher Themen endet. Manch andere, bereits in den anvisierten Jahrzehnten aufkommende, kritischen Fragen hätte man sicherlich dennoch mit einbringen können, letztendlich lebt "The Founder" aber auch von seiner Leichtfüßigkeit, mit der er Krocs Dreistigkeiten präsentiert, da hätte zu viel Kritik das Projekt mental gedrückt. Zudem würde sich "The Founder" dann auch einer Seite zuordnen. So wie vorgelegt ist er neutral erzählt, ohne eine Position für oder gegen McDonalds einzunehmen, nicht einmal eine Position für oder gegen Kroc und somit für oder gegen Kapitalismus, wie ihn diese weltweite Systemgastronomiereihe lebt. Und ich denke dass diese Entscheidung dem sympathischen Film gut tut.  OFDb

26.12.2017

SPIDER-MAN - HOMECOMING (2017)

Die Heimkehr zu einem Produktionsstudio, das eher Massenware anstatt individuelle Produkte fertigstellt, eine Verjüngung Peter Parkers, Iron Man als Superhelden-Mentor für Spider-Man und damit eine ständige Präsenz der Avengers und womöglich anderer Marvel-Superhelden, so wie es im Marvel-Multiversum mittlerweile zum Konzept dazu gehört, ein von Stark konzipiertes Superheldenkostüm mit allelei technischen Raffinessen - es gab genügend Gründe kritisch auf „Spider-Man - Homecoming“ zu sein bei alle dem wovon ich vor der Sichtung erfuhr. Einzig dass nun innerhalb von kurzer Zeit auf eine dritte Variante wie Spider-Man zu Spider-Man wurde verzichtet wurde, klang nach einer guten Idee - dies und die Anwesenheit Michael Keatons als Oberbösewicht.

Vorangegangen waren freilich auch Erfahrungen mit anderen Werken des Marvel-Universums, die mich nicht gerade zuversichtlich stimmten. Jüngst enttäuschten mich „Deadpool“ und „Guardians of the Galaxy“ als peinliches Idiotenkino, das mich lediglich zum Fremdschämen einlud, unterhaltsame Werke wie „Captain America“ gab es zu selten, angebliche Innovationsanläufe wie „Ant-Man“ entpuppten sich als nett anzusehende Standardware, und die relativ frühen Versuche „Fantastic Four“, „Hulk“, „X-Men“ und Co schwankten für mich auch nur zwischen schlecht und muss man nicht unbedingt gesehen haben-nett. Einzig die „Iron Man“-Reihe konnte mich, abgesehen vom Erstling, für sich gewinnen, so dass diese mir aber auch bekannt genug war, um sie als nicht kompatibel mit der Geschichte zu Spider-Man vorzuverurteilen. Die Lehre daraus ist wie so oft die selbe: man darf niemals vorverurteilen.

Denn nicht nur dass die Mentorenaufgabe Starks, sein für Spidie konstruierter Supertechno-Anzug und die häufigen Auftritte seines Helfers wunderbar zur erzählten Geschichte von „Spider-Man - Homecoming“ passen und sich wie perfekt passende Puzzlestücke in den Rest integrieren lassen, ohnehin ist Jon Watts Werk überraschend gut ausgefallen und zu einem Film geworden, den ich innerhalb kürzester Zeit mehrere Male gesichtet habe und mit jedem Schauen noch ein Stückchen mehr mag. Der Film kommt weit weniger anbiedernd daher, als er es theoretisch für das Zielpublikum eigentlich ist, was aber daran liegt, dass Regisseur Watts dies in einer sehr flott, aber nicht oberflächlich erzählten Inszenierung, mal gut zu verstecken weiß, manches Mal gar gewinnbringend für die zu erzählende Geschichte zu integrieren weiß.

Action und Humor wechseln sich in angenehmer Gewichtung ab, und Teenager werden erfreulicher Weise optisch als solche glaubwürdig besetzt, so dass sich die Verjüngung Spider-Mans als toller Kniff für das Kinoerlebnis herausstellt. Wahrlich Lob gebührt jedoch dem Drehbuch, das seine Protagonisten zudem wie echte Teenager reden lässt, während es sich durch die Comicherkunft gleichzeitig den Luxus erlauben darf Personen und Situationen humoristisch der vollkommenen Übertreibung auszusetzen. Es ist erstaunlich, dass dies nicht zum erkennbaren, nicht funktionierenden Widerspruch wurde. Zudem verzichtet man für den Superhelden-Neuling Spider-Man auf einen zu extremen Gegner. Der Held hat es mit einem für das Marveluniversum relativ normal gearteten Kriminalfall zu tun, bekommt lediglich eine Gruppe halbwegs normaler Gegner entgegengesetzt anstatt gleich mehrere Superschurken. Diese Gegner zeichnete man zudem derart menschlich nachvollziehbar, dass man geneigt ist ihnen in schwachen Momenten in ihrer Argumentation, warum sie in dieser ungerechten Welt kriminell wurden, zuzustimmen.

Freilich kommt noch die obligatorische Prise private Dramatik im Kampf gegen das Böse hinzu und auf Schülerebene die Love Story, wenn man sie denn so nennen kann, so böse wie sie in ihren Ansätzen immer wieder zum Scheitern verurteilt ist. Fertig ist das eigentlich recht simple, aber funktionierende Rezept von „Spider-Man - Homecoming“, dem man glücklicher Weise trotz häufigem Einsatz von Computereffekten diese weder unangenehm bewusst ansieht, noch dafür sorgt dass die Geschichte zum Effektgewitter verkommt. Marvel ist Marvel, da wird nicht gekleckert, sondern geklotzt, und doch schaffte man es hauptsächlich Geschichte und Charaktere von Bedeutung werden zu lassen. Viele der ausgeflippten Ideen, der anbiedernden Einflüsse anderer Marvelfilme und der Computereffekte dienen der Unterstützung der Entwicklung Parkers Reife, und dies derart humorvoll umgesetzt, dass das Genre Komödie nicht nur zum Beiwerk verkommt.

Durch die Verjüngung Parkers wird der Hauptcharakter aufgrund der pubertären Bockigkeit gar viel eher zum Anti-Superhelden-Charakter, als es die Autoren mit ihren peinlichen Provo-Witzchen bei „Deadpool“ je im Ansatz geschafft hätten. Will man also einen Superheldenfilm des Marvel-Universums als besonders frech hervorheben, dann ist dies „Spider-Man - Homecoming“, der zwar freilich nie die Parodiemöglichkeiten von Anarcho-orientierten Werken wie „Kick-Ass“, „Super“ und „Kick-Ass 2“ erreichen kann, diesen trotz seiner braven Art aber wesentlich näher kommt als alle anderen Mainstream-Gehversuche in diese Richtung.  OFDb

08.01.2015

WHITE NOISE - SCHREIE AUS DEM JENSEITS (2005)

Die Idee im weiten Rauschen zwischen den Kanälen auf die Jagd nach Botschaften aus dem Jenseits zu gehen, hat schon ihren Reiz, der durchaus für gruselige Momente sorgen könnte. Um solche ist Regisseur Geoffrey Sax, der hauptsächlich fürs Fernsehen arbeitet und u.a. den 90er Jahre TV-Film zu „Doctor Who“ abdrehte, jedoch kaum bemüht. Ihn interessiert viel mehr der dramatische Aspekt der Geschichte, macht aus einer möglichen Spukgeschichte lieber eine esoterisch angehauchte und umgeht tiefgehende Randthematiken wie die der Glaubensfrage im Konflikt mit der Umwelt oder der Vertiefung der Geisterwelt und warum diese so empfänglich ist für die leerstehenden Kanäle.

Für meinen Geschmack etwas zu empfänglich! Nein, was tummeln sie sich da alle umher, diese verlorenen Seelen, die Botschaften an die Hinterbliebenen zu richten haben. Okay, so simpel ist die Geschichte dann doch nicht gestrickt, wie sich mit der Zeit herausstellt, zumal eine Zeitverzögerung für zusätzliches Interesse zu sorgen weiß. Aber eine etwas längere Suche nach Kontakten inmitten des Kampfes weiße gegen schwarze Ameisen hätte den Spannungsbogen und die Glaubwürdigkeit für eine so abgehobene Idee wesentlich steigern können, vielleicht sogar den zu kurz kommenden Gruselfaktor fördern können.

Dass sich Sax‘s Werk jedoch nur mit der Oberfläche dessen was es über die Geisterwelt zu wissen gibt befasst, ist ein Trumpf des Streifens. Damit bleibt die Geschichte rätselhaft, und die unheimlichen Gestalten, die sich da draußen in der Parallelwelt der Geister zusätzlich aufhalten, bleiben mystisch. Manchmal weiß das Ungeklärte mehr zu wirken als ein zu bemühtes Erklären. Und wichtig ist der dämonische Hintergrund für die eigentliche Geschichte die erzählt werden soll ohnehin nicht.

Wer es im übernatürlichen Bereich mal etwas gefühlvoller mag, womit das Genre des Horrorfilms fast ausschließlich gegen den Fantasy-Bereich ausgetauscht wird, liegt mit „White Noise“ zumindest nicht daneben. Sicherlich fehlt ihm das gewisse Etwas um ihn zu etwas Besonderem werden zu lassen, als Zwischendurch-Kost geht er jedoch in Ordnung, hat er doch Michael Keaton als Pluspunkt mit an Bord, der den trauernden und neugierigen Jonathan auf eine sehr ruhige und bedachte Art zu spielen weiß, wohl der Keaten-Trumpf schlechthin.

Und die Geschichte selbst dümpelt leicht und damit leicht verdaulich vor sich hin, nie zu zahm um Desinteresse entstehen zu lassen, nie zu hart um zu wahrem Horror zu werden. Auch an Atmosphäre mangelt es nicht, einfach weil die Forschung im Zentrum steht, was selbst in einem Esoterikfilm nie von Nachteil sein kann, zumal man durch sie parallel zu den Gefühlen des Protagonisten eng an die Hauptfigur gebunden wird. Dementsprechend kann man sich „White Noise - Schreie aus dem Jenseits“, der zwei Jahre später mit „White Noise 2 - Fürchte das Licht“ fortgesetzt wurde, ruhig mal geben.  OFDb

16.07.2014

ROBOCOP (2014)

Zugegeben, nötig war eine Neuverfilmung von Verhoevens so gekonnt erzähltem Original aus den 80er Jahren nicht, aber im Zuge der Welle an Superhelden(neu)verfilmungen war ein solches Projekt eigentlich trotzdem längst fällig. Mit der ersten Fortsetzung des Originals hatte man schließlich bewiesen, dass weitere Filme um den Blechmann durchaus interessant ausfallen können, und dank der Mini-Serie „RoboCop - Prime Directives“ wissen wir, dass dies auch im unfreiwillig komischen Trash-Bereich eine Bereicherung sein kann - ganz im Gegenteil zur kanadischen TV-Serie, die etwas zu sehr Familienserie war, um sie ernst nehmen zu können. Schade, der Pilotfilm dazu war eigentlich geglückt.

So ganz Erwachsenenfilm möchte man in der Neuverfilmung, die immerhin in Deutschland die FSK 12 beschert bekommen hat, ebenfalls nicht sein, obwohl das veränderte düstere Design gegenteiliges vermuten lassen könnte, orientiert am düsteren Stil letzterer Filme um Batman. Andererseits: wenn man danach ginge, müsste der Trickfilm „TMNT“ alles andere als ein Kinderfilm sein, und der ist ja nun wirklich keinem anderen Publikum anzutun. Wie auch immer: „RoboCop“ ist ein Actionfilm, der auch für ein Jugendpublikum geeignet ist, aber brav sieht anders aus. Für einen FSK 12-Film gibt es einige harte Szenen zu sichten, und dass die Brutalitäten in den reichlich vorhandenen Actionszenen nicht so gewalttätig wirken wie in manch anderen Stoffen, liegt an der unangenehmen Eigenschaft des Streifens, dass die Schnitte zu schnell gesetzt sind. Oft erkennt man gar nicht was gerade passiert.

Ich persönlich interessiere mich selbst bei Filmen wie diesen eigentlich ohnehin mehr für die Geschichte als für die Acionszenen, und es ist schon interessant zu beobachten was die Story seit der 80er Jahre für Veränderungen erfahren hat. Manches wurde versimpelt, so die Gesellschaftskritik, die nicht mehr so subtil daher kommt, sondern passend zum geringer gewordenen Intellekt des amerikanischen Massenpublikums mit dem Holzhammer präsentiert wird. Dies aber um aktuellere Missstände des eigenen Landes einzuarbeiten und die Methode mit welchen diese in Amerika eingebracht und beibehalten werden zu kritisieren und zu demonstrieren. Mit beiden Gründen inhaltlicher Veränderung leistet „RoboCop“ für einen ollen Popkornfilm hervorragende Aufklärungsarbeit, etwas dass einem als bereits aufgeklärter Europäer eventuell unnötig oder aufgesetzt erscheinen könnte, wenn man sich der Realität in Amerika nicht bewusst ist.

Um näher dran zu sein wurden auch recht stützende Bereiche des Originals verändert, so auch die für mich eigentlich unverzichtbare Idee, dass ein Konzern eigene Bereiche eines Landes kontrolliert und damit regional mehr Macht als die Regierung hat. Ganz so weit in die Zukunft schaut der aktuelle „RoboCop“ nicht, verharmlost im direkten Vergleich also seinen düsteren Zukunftsblick, aber wie bereits erwähnt um Missstände der Gegenwart deutlicher ansprechen zu können, deswegen kann ich es ihm persönlich als Bewunderer der verworfenen Idee durchaus verzeihen.

Ob auch eine Änderung des Kontakts zur hinterbliebenen Familie Murphys nötig war, sei einmal dahin gestellt, bot sie in der Fassung der 80er Jahre doch den Kern der Dramatik des Stoffes, die in der Neuverfilmung u.a. wegen dieser Änderung zu kurz kommt. Der Verhoeven-"RoboCop“ mag brutaler gewesen sein, er war aber auch emotionaler und gab seiner Hauptfigur eine Seele mit auf den Weg. „RoboCop“ im Jahr 2014 geht mit dem Seelenleben so oberflächlich um wie mit dem kompletten Werk, womit er sich selbst austauschbar macht, zugegebener Maßen aber auch nicht völlig uninteressant.

„RoboCop“ ist anspruchslose aber durchschnittlich unterhaltsame, kurzweilige Unterhaltung, die man sich durchaus mal geben kann. Auch mit Kenntniss des 80er Jahre Originals kann er funktionieren. Akzeptiert man einmal die Änderungen in der Geschichte wissen gerade diese durch den Vergleich der Erstverfilmung zu interessieren, sind sie doch nie grundlos eingebracht und bieten sie doch manch andere Sichtweise auf die Geschichte, so z.B. in der neuen Alternative zum gelöschten Gedächtnis aus dem Original. Manches was sich zunächst humaner anfühlt, ist es im späteren Verlauf keineswegs. Und selbst eben erwähnter Kritikpunkt die Familie Murphys betreffend ist für manch anderen Aspekt der Geschichte durchaus interessant, auch wenn ein wichtiger Aspekt der möglichen Wirkung beim Zuschauer damit ausgetauscht wurde gegen einen nicht zwingend nötigen aber durchaus interessanten innerhalb der Storyabfolge.

Wirklich tiefsinnig oder wenigstens in seiner Wirkung auf den Zuschauer überragend ist „RoboCop“ 2014 jedoch keinesfalls ausgefallen. Dafür ist die Geschichte nicht innovativ genug, bietet mit Ausnahme der Veränderungen zum Original keine überraschenden Momente, präsentiert quasi den klassischen 08-15 Storyverlauf solcher Werke, und dies gepaart mit der Holzhammer-Gesellschaftskritik schaut sich mit europäischen Augen nicht wirklich aufregend.

Aber mit heruntergeschraubten Erwartungen weiß „RoboCop“ als kleiner Beitrag der Superhelden-Welle durchaus zu gefallen, zumal zum Glück erkannt wurde, dass das in den 80er Jahren so wirksame klotzige Design nicht mehr zeitgemäß war, und ein Maschinenmensch der Zukunft aus dem Blickwinkel des Heute weniger schwere Mechanik und Panzerung mit sich herumtragen muss. Einzig auf das schwarze Design hätte ich persönlich verzichten können, aber die letzte Szene macht deutlich, dass man in einer möglichen Fortsetzung mit diesem wohl ohnehin nicht mehr rechnen muss.  OFDb

14.02.2013

HERBIE FULLY LOADED (2005)

Maggie ist unter Rennfahrern groß geworden. Deswegen gefällt es ihr auch gar nicht, als sie beim Autokauf versehentlich den VW-Käfer Herbie erwicht. Der Frust ist schnell über Bord als Maggie Herbies Eigenleben und seine Geschwindigkeit entdeckt. Nun will sie Rennen fahren, aber ihr Vater, ein erfolgloser Rennfahrer, möchte das nicht…
 
Ein weiblicher Fahrer…
 
Zum sechsten Mal ist Herbie nun im Einsatz, und gäbe es im Vorspann nicht einige Szenen aus den Vorgängern und eine kurze Brücke zum aktuellen Teil, hätte man auch von einem freien Remake sprechen können. Nachdem Teil 5 nur noch ein kleiner TV-Film war, hat wohl auch niemand mehr mit einer echten Kinofortsetzung gerechnet. Selbst Dean Jones, Hauptdarsteller aus Teil 1 und 3, nicht, gab dieser doch im 5. Teil mit Bruce Campbell in der Hauptrolle bereits seinen Gastauftritt (der auch nicht seine emotionale Wirkung verfehlte), statt in diesem 6., der seiner würdiger gewesen wäre.

Nun ja, es beginnt alles, wie bereits erwähnt, mit Szenen aus den alten Filmen (die Kakteenumfahrszene ist als meistgezeigtester Rückblick auch wieder mit dabei) in einem Vorspann, der uns zu all dieser aufs Auge drückenden Nostalgie einfach nicht das dazu passende Lied präsentieren will. Das Herbie-Thema taucht nur einmal kurz, ziemlich zu Beginn des Streifens, auf, um danach nie mehr gehört zu werden. Schade, dabei gehört es doch zu den Top-Ohrwürmern der von der Masse vergessenen Soundtracks.

Die Geschichte konzentriert sich, wie bei den meisten Vorgängern, wieder auf das Rennen fahren. Am Steuer sitzt nun nach Bruce Campbell Lindsay Lohan, die mit ihrem Auftreten der Fortsetzung auch den nötigen Schwung bietet. Ohnehin ist Teil 6 recht flott inszeniert und mit bekannten Gesichtern in Nebenrollen verfeinert. Das ist in Anbetracht auf das zu routinierte Drehbuch auch dringend nötig. Dafür überrascht dieses mit einigen lockeren Witzen am Rande (wie das angebliche Treffen Herbies mit Kid aus „Knight Rider“). Aber das dürfte für einen Kinofilm ja wohl auch das mindeste sein inmitten von fleißigem Klau aus eigenen Reihen.

Im groben wird Teil 1 abgewandelt neu aufbereitet mit Elementen aus Teil 4 (Herbie verliebt sich in ein anderes Auto, diesmal ohne peinliche Autokinder). Während man sich im Original für alles viel Zeit ließ, arbeitet Teil 6, für seine Zeit typisch, inhaltlich alles flott ab. Das gibt dem fertigen Werk auf der einen Seite zwar ein flottes Gewand, auf der anderen Seite werden zwei wichtige Bereiche dadurch falsch eingesetzt.

Da wäre zum einen die obligatorische „Ich habe Herbie enttäuscht“-Szene, die so früh einsetzt, dass eine Freundschaft zwischen der Besitzerin und dem Auto noch gar nicht möglich war, was dem ganzen ohnehin schon dick aufgetragenen Gefühlsschmus noch zusätzlich fehl am Platz wirken lässt. Wenn man schon eine Geschichte kopieren will, dann sollte man auch Ursache und Wirkung beachten, gerade im psychologischen Bereich.

Der zweite Punkt ist wichtiger: Das finale Rennen war in Teil 1 eine lange Prozedur durch die Landschaft, was dem bösartigen Gegner genug Möglichkeiten bot sich unfair zu verhalten und zu blamieren. Im aktuellen Teil erleben wir das klassische Rennen mit ewigem im Kreis fahren, bei dem dann irgendwann unsere Heldin gewinnt weil sie einfach schneller war. Die miesen Tricks des, mit Matt Dillon so hervorragend besetzten, Gegners kann man an einer Hand abzählen. Dillon spielt unglaublich gut und überzogen comichaft. Dass er das drauf hat bewies er ja bereits bei „Verrückt nach Mary".

Michael Keaton als Lindsays Vater spielt auch ordentlich, hat aber einen uninteressanten Part erwischt. Dieser mutiert zu allem Überfluss, Disneyfilm sei Pflicht, zum Familien-Gefühls-Papa, woher auch immer diese Läuterung zum Finale hin kommen soll. O.k., dann fährt Töchterchen trotz allem vorrangegangenen Papa-Protestes halt doch, und die an sich doch niedlichtraurige Begründung zuvor, warum Daddy sein Töchterchen nicht fahren lassen wollte, löst sich einfach so in Luft auf.

Nun gut, einen Film wie „Herbie Fully Loaded“ sollte man sicherlich auch nicht zu streng sehen, soll er doch nur flotte Popkorn-Unterhaltung bieten und schnell wieder vergessen sein. Dennoch muss sich auch ein solches Werk berechtigte Kritik gefallen lassen. 

Dass in Zeiten modernem Trickkinos auch Herbie selbst mutiert ist, und zwar zu einer Art freundlicher „Christine“, ließ sich wohl nicht vermeiden, ist bis auf eine völlig blödsinnige Komplettmutierszene im Hintergrund auch halbwegs o.k., obwohl es Herbie zu sehr vermenschlicht. Gerade Teil 2 erklärte dem damals noch aufgeschlossenerem Menschen, wie es sich mit der Seele von Gegenständen verhält, ohne diese gleich auf das Menschliche zu beziehen. Es ist schon interessant dass in einer Zeit, in der sich Leute gerne politisch korrekt nennen, gerade das Hineinfühlen in Andersartige kaum möglich scheint. 

Die mimischen Tricks Herbies sind simpel wie brauchbar und niedlich noch dazu. Schade dass man auf der Schrottplatzszene, in der er und seine zukünftige Fahrerin sich das erste Mal begegnen, nicht das niedliche Hupen aus Teil 1 ertönen ließ, dies hätte die sympathische Wirkung des kleinen, traurigen Käfers in dieser Phase des Films noch unterstreichen können.

Mein letzter Kritikpunkt ist wieder inhaltlicher Herkunft. Wenn man den Film schon auf eine Fortsetzung auslegt, statt auf eine Neuverfilmung, dann sollte man daraus auch die inhaltlichen Konsequenzen ziehen. So gut wie Sport-Freaks sich Daten und Personen merken können (dem Cineasten im Filmbereich recht ähnlich) müsste sich doch bitte irgendwer an Herbie erinnern können. Er war ja nun auch damals schon nicht gerade das typische Rennauto und sorgte für allerhand Schlagzeilen.

In Zeiten vom Internet stellt sich diese Frage bereits bei der Rolle Matt Dillons. Hätte er sich erkundigt würde dies auch erklären, warum er viel zu schnell vom Eigenleben Herbies überzeugt ist, während andere erst x Situationen mit dem Käfer durchleben müssen um das zu begreifen. Dies tat er nicht, und bei ihm könnte man noch, passend zu einem Comicbösewicht, argumentieren, dass er einfach zu blöde ist um auf eine solche Idee zu kommen. Warum aber jeglicher Beteiligter des Rennsports, welche Aufgabe auch immer er hat, nicht einmal von dem kleinen Käfer aus den 60er und 70er Jahren gehört hat, bleibt ein ewiges Rätsel von „Herbie Fully Loaded“.

Was manch einer als Kleinkrämerei auslegen mag, sind für mich, auch in einem Popkornfilm, kritikberechtigte Punkte. Immerhin hemmen derartige Unlogiken und die Ignoranz das Sehvergnügen des sonst so flotten Filmes. Teil 6 hätte ein gelungener Streifen werden können. Den Cast und die Tricks dazu hätte er schließlich gehabt. Was fehlte war schlicht weg der irgendwann in den 80er Jahren verschollen gegangene Mut des Disneykonzerns und die Intelligenz und den Respekt früherer Filmschaffender. Letzteres ist gerade in Fortsetzungen eine benötigte Eigenschaft, auch im Kino für das Massenpublikum.

Trotz aller Kritikpunkte möchte ich am Ende aber noch einmal betonen dass wir es hier mit einem flotten, unterhaltsamen Filmchen zu tun haben, das gekonnt routiniert sein Ding durchzieht und sich wunderbar zum einfach mal Abschalten eignet.  OFDb