Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
17.05.2023
DOLORES (1995)
17.01.2021
THE OFFICE - STAFFEL 4 - 6 (2008)
Zwar bildet Staffel 4 deutlich mit allerhand Fremdschäm-Momenten den bisherigen Tiefpunkt der Reihe, danach wird es aber des öfteren interessant, z.B. dann wenn Michael sich in eine neue Mitarbeiterin verliebt, die ihm charakterlich stark ähnelt, ein ahnungsloser Mitarbeiter sich mit einer Kollegin verlobt, die ihn mit wem anders aus dem Büro betrügt, oder meinem persönlichen Highlight: wenn Michael völlig unvorbereitet und undurchdacht seinen eigenen Papiervertrieb gründet, um Dunder Mifflin Konkurrenz zu machen. So bereiten einige Momente mehr Spaß als erwartet, selbst wenn man sich bewusst ist, dass auch diese kreativeren Phasen stets nur oberflächlich abgegrast werden, psychologisch nicht genug verstanden werden, um sie innerhalb der Serienrealität glaubwürdig zu gestalten und sich die Autoren nie für längere Konsequenzen interessieren und alles stets so blauäugig enden lassen wie es begann. Einzig die Übernahme der Firma in Staffel 6 durch eine andere Firma bleibt konsequent und bringt mit der Besetzung einer neuen Chefin frischen Wind in die Segel und neue Möglichkeiten für Michael sich zu blamieren.
Die zu unsympathisch charakterisierten Pam und Jim werden zumindest hin und wieder in ihrer angeblichen Freundlichkeit hinterfragt, zudem schafft man es manchen zwischenmenschlichen Aspekt, wie z.B. ihre Hochzeit, trotzdem angenehm angehaucht zu erzählen (auch ist man emotional gelegentlich auf ihrer Seite, z.B. wenn sie einen üblen Pärchenabend mit Michael und seiner schrecklichen Frau durchziehen müssen). Und die Geschichten rund um Dwight bleiben auch meist amüsant, zumal man gelegentlich mit ihm leiden darf, anstatt ihn einzig zu verachten. Warum Ryan im Vorspann weiterhin zu den Hauptpersonen zählt, will sich mir nicht erschließen, der wird vor der Kamera immer bedeutungsloser, während er hinter ihr mittlerweile als Mit-Produzent fungiert. Ab Staffel 6 hat man zumindest begriffen dass eine der anderen Personen mittlerweile wichtig geworden ist und gewährt ihr ebenfalls endlich einen Platz im Vorspann. Tiefpunkt inmitten einer ohnehin zu gewöhnlichen Sitcom bleibt der unwitzige und mies besetzte Kevin, der im Deutschen zudem eine plumpe Synchronstimme erhalten hat, ein Beispiel für jene Zutaten, die einen nie das Fremdschämen inmitten einer mittelmäßigen Fernsehsendung vergessen lassen, über deren Erfolg man sich wahrlich wundern kann. Andererseits wundert es mich ebenso, dass ich stets dran blieb, da mich das Fortschreiten der Ereignisse und einzelne Situationen dann doch genügend interessierten und amüsierten, um "The Office" nicht links liegen zu lassen und den Rest zu ignorieren. OFDb
25.03.2017
DICK TRACY (1990)
Vielleicht ist dies der Grund dafür, warum das Publikum Probleme mit dem Film hatte, vielleicht ist es auch die an „Derrick“ erinnernde zurückhaltende, fast charakterlose Art des Titelhelden. So oder so schaut sich „Dick Tracy“ keineswegs massentauglich, ein Liebhaberstück für ein Randpublikum ist er aber sehr wohl geworden, das hätte man von Produzentenseite aus vielleicht von Anfang an anvisieren sollen, um finanziell nicht derart unterzugehen. Der Stoff, der schon in den 30er, 40er und 50er Jahren mal in Spielfilmform und mal im Seriengewandt umgesetzt wurde und in den 60er Jahren zudem eine Zeichentrickserie erfuhr, ist recht skurril ausgefallen, bietet bis auf seine schrulligen Figuren keine weiteren Humorelemente und steuert ansonsten lediglich eine klassische Kriminalgeschichte gegen eine Mafiaorganisation an.
Es ist nicht nur den Kostümen und Settings zu verdanken, dass der Film trotz dieser gut versteckten, simplen Krimi-Geschichte zu gefallen weiß. Es ist der Mangel an Modernisierung, der „Dick Tracy“ innerhalb dieser Rezeptur so stimmig werden lässt, wird an dem klassischen Gut-Böse-Schema von einst doch nicht herumgeschraubt. Tracy ist loyal, unbestechlich und immer auf der Seite der Guten. Dass er das Gesetz selbst öfter bricht anstatt es lediglich zu dehnen, wird nicht kritisch hinterfragt, dient es doch dem guten Zweck. Ebenso werden männliche Fehltritte von Seiten der Frauen aus verziehen, ohne dass von Männerseite aus Worte der Entschuldigung nötig wären. Willkommen in den 40er Jahren!
Namhafte Stars konnten für das Projekt gewonnen werden. Urgesteine wie James Caan sind ebenso mit an Bord wie aktuelle Stars wie Al Pacino und Dustin Hoffman. Und für die zwielichtige, weibliche, große Nebenrolle konnte Sängerin Madonna gewonnen werden, die erst gar nicht zu schauspielern braucht, ist sie doch mit dabei um zu singen und den Tracy zu verführen, so dass sie quasi das machen muss, womit sie berühmt wurde: sexy sein und Lieder trällern. Letzteres weiß sie gekonnt zu meistern, ersteres haut bei ihrem hübschen Aussehen meistens hin, wirkt manches Mal aber auch zu bemüht und würdelos, billig darauf abzielend Männer könnten den Verführungskünsten dieser Frau nicht widerstehen.
Im Film wird es so dargestellt, als ob es eine Art Superkraft Tracys wäre ihr zu widerstehen, das ist dann aber auch der einzig unfreiwillig komische Aspekt einer Geschichte, die ansonsten abenteuerlich und faszinierend zu verfolgen ist. Wer keine Kinder in solchen Filmen mag, wird Probleme mit „Dick Tracy“ haben, spielt ein Knabe hier doch nicht nur eine größere Rolle, er soll zudem je nach Szene absichtlich nerven, so dass er dieses Ziel sicher auch bei so manchem Zuschauer erreicht. Ich empfand ihn manchmal als grenzwertig, manchmal als bereichernd, ein wirklicher Gewinn für die Geschichte ist der Junge jedoch nicht.
Viel wichtiger hingegen ist jedoch die im Raum schwebende Love Story, da sie der einzige Aspekt ist, der Dick Tracy Leben einhaucht. Erst die Liebe zur Frau macht ihn zum Menschen, wärend er ansonsten der charakterlose, stets zu Diensten agierende Kriminalist ist, der weder Gefühlsregungen, noch persönliche Interessen in seine Arbeit einfließen lässt. Dass die Arbeit sein Leben ist, wird zum Konflikt zwischen ihm und seiner Angebeteten, so dass die klassische Heldentragik, wie wir sie auch aus „Spider-Man“ und Co kennen, Früchte tragen kann. Der bewegendste Moment ist meiner Meinung nach ein stiller, für die meisten Menschen unbedeutender. Selten klang ein „Danke“ so gefühlvoll, ehrlich und bewegend wie in jener Szene, in welcher Tracy es zur Femme Fatale Madonna sagt, kurz nachdem sie ihm einen Hinweis gab wo sich die entführte Geliebte des Polizisten befindet.
Warren Beatty entfacht an vielen Stellen des Filmes ein wahres Actionfeuerwerk, ein Element welches ich in diesem Film gar nicht so stark vertreten vermutet hätte, so klassisch wie hier Krimi und Comic zelebriert werden. Aber es weiß zu wirken, zumal besagte Szenen nicht dominieren und stets den Zweck des Mehrwertes erfüllen, um die Geschichte voran zu treiben. Es mag „Dick Tracy“ der letzte Schliff zum wahrlich großen Filmerlebnis fehlen, aber ein gelungenes Stück andersartige Comicverfilmung ist er definitiv geworden, so dass er damit gerade in heutigen Zeiten ewig wiederkehrender Superhelden in sich ähnelnden Filmen eine Wiederentdeckung wert ist. Im Gegensatz zu manch anderen verkannten Werken ihrer Zeit, ist „Dick Tracy“ leider auch im Nachhinein auf VHS und DVD kein erfolgreicher Geheim-Tipp geworden. OFDb
09.10.2012
ABOUT SCHMIDT (2002)
Eine Krise wird zur Chance...
Der hier besprochene Film ist authentisch umgesetzt. Typische Klischees kann man hier suchen gehen. Alle Figuren haben ihre Ecken und Kanten. Manchmal werden Fehler eingesehen, andere werden gar nicht erst beachtet. Jede Person hat Einfluss auf die andere, so dass sich ein Ping Pong-Spiel der Charakterbildung ergibt. Da es sich meist um ältere Personen handelt, findet diese Veränderung verständlicher Weise nur im Kleinen statt. Aber um die zunächst groß scheinenden Dinge im Leben geht es in „About Schmidt“ ohnehin nicht. Und dass hier gezeigte Veränderungen nicht immer in die richtige Richtung laufen, ist schlichtweg vom Leben abgeguckt.
Schmidt ist Rentner, kurz darauf Witwer und sucht den Sinn in seinem Leben. Er unternimmt eine Reise durch seine Vergangenheit, setzt sich neue Ziele und erfährt dabei viel über sich und die ihm nahestehenden Menschen.
Schmidt selbst ist keine Sympathiefigur. Er ist ein stolzer Mann, so stolz, dass er selbst einen kleinen Jungen per Post mit Nichtigkeiten belügt (Meine Tochter bat mich bei den Hochzeitsvorbereitungen zu helfen, aber ich habe abgelehnt. Natürlich war es umgekehrt). Schmidt schiebt als Alibi seine tote Frau vor, um seiner Tochter mitzuteilen, dass er mit ihrem Verlobten nicht einverstanden ist. Der Mix aus sich die Welt schöner lügen und bewusst lügen ist für ihn längst Routine, sicherlich auch durch den ehemaligen Job im Versicherungsbereich.
Es wird ihm aber auch im Positiven von Nutzen, wenn er beispielsweise auf der Hochzeitsfeier seiner Tochter, um sie nicht erneut zu enttäuschen, das Blaue vom Himmel lügt, nur um sie glücklich zu sehen. Schmidt ist Egoist genug (oder vielleicht einfach nur Realist) sich deshalb noch lange nicht selbst zu freuen. Viel zu tief sitzt der Frust bei der Gattenwahl seiner Tochter. Die bald angeheiratete Familie sagt ihm auch nicht zu. Offen kann er mit seiner Tochter darüber nicht sprechen. Sie ist verbittert. Schmidt war ein Workaholic, kümmert sich erst um seine Tochter seit seine Gattin tot ist und ihn somit niemand mehr beachtet. Selbstsüchtig will er sich ihr Wochen vor der Hochzeit aufdrängen, was sie zu verhindern weiß, so dass Schmidt erst durch Zwang auf die Idee kommt eine Tour durch seine Vergangenheit zu machen. Auf diesem Weg erreicht er Einsicht und Frieden mit seiner Verflossenen und ihrem heimlichen Liebhaber. Er muss erkennen, dass er auch nicht der ideale Ehemann war. Das ist ein großer Schritt für einen Egoisten wie ihn.
Lediglich an den Schwiegersohn kann er sich trotz seiner Einkehr nicht gewöhnen. Verständlich, der Kerl ist ein oberflächlicher Typ, der mit Billigpsychologie, wie sie beispielsweise bei Versicherungsseminaren angewandt wird, glaubt Mitgefühl vorheucheln zu können. Er schlägt Schmidt in schwärzester Stunde ein Geschäft vor, das nur zum scheitern verurteilt sein kann. Er ist ein kleiner Bauer, uneinsichtig aber davon überzeugt ein großes Finanzgenie zu sein. Verständlich dass Schmidt mit einem solchen Partner die Sicherheit seiner Tochter bröckeln sieht. Sie fährt auf einen Abgrund zu und lässt sich, trotz höherem Intellekt als ihr Gatte, vom Vater nicht die Augen öffnen, rein aus Prinzip, da Daddy sie ewig enttäuschte.
Allerdings muss man auch einräumen, dass Schmidt nicht gerade viel Talent entwickelt hat, ihr den Partner mit guten Argumenten auszureden. Da steht ihm zu sehr das Menschliche im Weg, in erster Linie das Fehlen einer Erfahrung ehrlicher und persönlicher Kontakte. Die Ehe wurde von ihm nicht bewusst wahrgenommen, deren Qualität erkannte Schmidt erst nach dem Tod seiner Frau. Und der beste Freund war lediglich ein Arbeitskollege. So kann man sich denken, wie hohl die Kontakte in Schmidts Leben waren, wie leer seine Persönlichkeit ist und wie unerfahren er somit in zwischenmenschlichen Situationen ist. Wenn die Arbeit alles ist, was man im Leben hatte, dann steht man als Rentner auf verlorenem Posten. Der Film drückt dem Zuschauer Schmidts Hintergrund nicht auf, er lässt ihn solcherlei selbstständig entdecken.
Die Figuren hätten kaum besser besetzt werden können. Tocher, Ehefrau, Schwiegersohn, sie alle spielen ihre eher banalen Rollen gut. Kathy Bates, als die Mutter des Schwiegersohnes, liefert wie gehabt eine Glanzleistung ab und zeigt sich von ihrer mutigen Seite in einer Nacktszene, die sich deutlich von hollywoodtypischen Szenen dieser Art abhebt.
Allen voran muss man Nicholson loben. Er stiehlt jedem die Show. An der Art des Drehbuchs orientiert, spielt auch er ohne mimische Klischees. Wenn man in einer traurigen Szene sieht wie Schmidt weint, erscheint einem dies geradezu fremd, weil er nicht die typischen Zeichen der Filmtraurigkeit aufkommen lässt. Jeder Gesichtsmuskel scheint gewollt eingesetzt zu sein, um zu dieser ungewohnten Mimik zu werden.
Das ein oder andere dürfte Nicholson sicherlich aus seinem Leben übernommen haben. Immerhin ist er auch recht alt und dürfte wissen wie man sich fühlt, wenn einem dies bewusst wird. Vom Charakter einmal abgesehen trennt sich von ihm und seiner Rolle aber ein wichtiger Punkt: Schmidt hat nichts erreicht wofür er in Erinnerung bliebe. Von jung auf hatte er große Pläne und musste zum Schutz seiner Familie Kompromisse eingehen. Schmidts Charakter ist derart leer, dass er nicht einmal erkennt, was für tolle Dinge er im Leben vollbracht hat. Allein die Tatsache seine Familie behütet zu haben. Schmidt hatte so hohe Ziele, dass ihm nicht auffiel, dass das was er als Hindernis sah bereits das Ziel war. Alte Werte sind ihm fremd. Er wollte weit nach oben, so dass er das Wesentliche im Leben nicht zu schätzen lernte, streckenweise nicht einmal bemerkte. Wäre ihm diese traurige Einstellung aufgefallen, wäre sein Lebenswerk lohnender zu erwähnen. Dann wäre der Kontakt zur Tochter wahrscheinlich nicht so mies, dann hätte er seine Ehefrau näher kennen gelernt und richtige Freunde finden können. Es ist unglaublich, was diese simple Geschichte alles beinhaltet und wie unauffällig diese ganzen Tatsachen integriert werden.
Auch die Maskenbildner leisteten große Arbeit. Man verstand es Nicholson sowohl das Dämonische zu nehmen, als auch sein besonderes Etwas. Schmidt ist ein Allerweltstyp. Sein Kopf wirkt runder als der von Nicholson und die Frisur ist gewöhnlich, nah am lächerlichen. Die Zusammenarbeit von Maske und Nicholson führt zu einem interessanten Ergebnis. Nicholson lächelt gewöhnlich und lässt dabei genau jene Mimiken entstehen, die man von einem Mann wie Schmidt erwartet. Der Rentner hat nie viel gelacht, nie viel geweint, sein Gesicht wirkt bei diesen Prozeduren amateurhaft. Er ist ein Anfänger im Lachen und Weinen. Das zeigt eine enorme Wirkung, ganz besonders durch die hier verwendete Frisur.
Auch die Regie leistete gute Arbeit. Alexander Payne erreichte nach „Election“ erneut ein hohes Niveau. Um so erfreulicher, da beide Werke derart unterschiedlich sind, dass man sie nicht ernsthaft miteinander vergleichen könnte. Die Bücher zu beiden Filmen stammen auch von Payne. Das zu „About Schmidt“ ist jedoch eine Spur schwächer, denn ab und an wirkt die Geschichte zu episodenhaft. OFDb
06.08.2012
ZUM AUSZIEHEN VERFÜHRT (2006)
Zwar liegt ein solcher Punkt immer subjektiv im Auge des Betrachters, aber wenn der weibliche Part ein eiskalter Vogel ist, der dem männlichen Part alles nur für berufliche Zwecke vorspielt, wohingegen dieser mit Mitte 30 noch bei Mama und Papa haust, dann läuft man schon Gefahr, dass der Zuschauer sich nicht mehr dafür interessiert, ob die beiden zusammen kommen oder nicht.
Da werden die Produzenten, dies wissend, wohl Muffensausen bekommen haben, denn nur so lässt es sich erklären, dass der Charakter des bei seinen Eltern lebende Trip so kein bisschen dem Klischee entspricht, das man vor Augen hat, wenn man von dieser ungewöhnlichen Art zu leben hört. Trip ist kein Freak, ist sogar ein Frauenverführer und bekommt im Laufe der Geschichte sogar ein wenig Rückendeckung vom Drehbuchautor, wenn geklärt wird warum der Held der Geschichte noch im Elternhaus lebt.
Mit dieser Änderung geht eigentlich all das verloren, was mich dazu animierte reinzuschalten. Denn hätte man eine berufliche Fake-Frau in das Leben eines kindlichen Nerds geschickt, wäre die Geschichte wesentlich reizvoller ausgefallen, wenn auch, durch die oben genannten Gründe, schwerer umzusetzen im Sinne einer sogenannten Rom-Com. So wurde „Zum Ausziehen verführt“ jedoch zu einer recht gewöhnlichen Komödie seiner Art umgewandelt, und auch in dieser Gestalt mag sie funktionieren können, ihr volles Potential kann die Story damit jedoch nicht erreichen.
Immerhin erkannte man, dass die weibliche Hauptrolle beim Zuschauer nur dann eine Chance erhält, wenn sie sich früh genug in ihr Arbeitsobjekt verliebt, und damit schnell zu einem menschlichen Wesen wird, welches Gefühle besitzt und dem man wünscht seinen Partner am Ende zu bekommen. Außerdem wurde ganz klassisch auf schräge Nebenfiguren gesetzt, ein Grundrezept in amerikanischen Romantikkomödien. Immerhin verzichtete man auf zu übertriebene Charakterzeichnungen wie den mir völlig unverständlich beliebten Mitbewohner aus „Notting Hill“, der letztendlich nur zur charakterlosen Freak-Show diente.
Die schrägen Figuren des hier besprochenen Filmes sind eher schrullige Mitmenschen, die einem durch ihr individuelles Verhalten sympathisch werden. Sei es der gar nicht so nerdige Programmierer-Freund Trips, der gerne unbekleidete Vater Trips oder noch mehr die außergewöhnliche Mitbewohnerin der weiblichen Hauptfigur Paula, die in erster Linie durch ihre hervorragende Besetzung so viel aus der Nummer der merkwürdigen Freundin herauszuholen weiß.
Meist greift man zu diesem Mittel, wenn die Hauptfiguren selbst weniger individuell sind. Und das ist auch hier der Fall, was naiv betrachtet schon ein wenig verwundern darf, bei dem ungewöhnlichen Beruf der Frau und der etwas infantilen Lebensart des Mannes. Doch hinter diesen Fassaden stecken lediglich Abziehbilder einfallsloser Romantik-Komödien-Helden, die gerade eben so funktionieren, nicht mehr und nicht weniger. Schade dass sich der Drehbuchautor, sicherlich auf Wunsch feiger Produzenten, für Ungewöhnliches nur den Nebenfiguren nähert. Dementsprechend fehlt dem fertigen Werk eine große Wirkung a la „Harry und Sally“ oder „Vergiss mein nicht“. Als Zwischendurchverzehr geht „Zum Ausziehen verführt“ jedoch halbwegs in Ordnung. OFDb