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17.03.2023

IN THEIR SKIN - SIE WOLLEN DEIN LEBEN (2012)

"Replicas" (Originaltitel) ist einer dieser Filme, die vollends auf eine tolle Optik setzen, uns wahrlich geglückte Fotografien servieren, und denen auch sonst handwerkliches Können wichtig sind. Mit Selma Blair garantiert man dies hier auch vor der Kamera, auch wenn sie diesmal unter ihren Möglichkeiten spielt. Doch wieder einmal gilt das eingehaltene Niveau auf der einen Seite nicht für den gern unterschätzten Bereich des Drehbuchs. Kanada erweist sich erneut lediglich als kostengünstige Alternative zu den Drehbedingungen in den USA, anstatt eigenes Kino zu servieren, dementsprechend haben wir hier mit "In Their Skin" (Alternativtitel) vom Niveau her doch nur eine Art US-Film vorliegen. Und der wird nicht einmal wirklich seines interessant klingenden Aufhängers gerecht, dass hier wer kopiert werden soll. Im phantastischen Sinne sowieso nicht, gemeint ist die "Weiblich, ledig, jung sucht..."-Art, mit der Ausnahme dass ein einzelner Psychopath diesbezüglich glaubwürdig ist und die Beweggründe im 90er Jahre-Thriller aus dem Verstand einer verstörten Person heraus Sinn machte, eine ganze Psycho-Familie hingegen weit weniger überzeugend ist, zumal wir ihre Motivation nie erfahren. 

Und so passiert, was so oft passiert wenn uns ein schlechter Film eine Psychopathen-Thematik serviert: sie kippt ins Lächerliche um, nervt mit ewigem Gebrabbel der Aggressoren und strampelt sich in Sachen Spannungsaufbau verzweifelt einen ab, wo mangelndes Psychologieverständnis und die Intelligenzversuche eines durchschnittlichen Schreibers den Nervenkitzel im Keim ersticken. Dass "In Their Skin - Sie wollen dein Leben" eine cineastische Katastrophe ist, offenbart er uns glücklicher Weise nicht erst mit der entscheidenden Wende ins Thriller-Genre, schon in der Vorphase ist der Streifen lediglich idiotisch ausgefallen, versteht man doch nie warum sich das Heldenpaar rechtfertigt, besagte Familie überhaupt einlädt, jegliche noch so aufdringliche Frage beantwortet und viel zu lange höflich bleibt. Erschwerend kommt der Beruf des Anwalts hinzu, der dieses Verhalten noch unsinniger erscheinen lässt, als ohnehin schon. Selbst diesbezüglich beweist sich das Drehbuch als vollkommen missglückt. Man versteht seine eigen kreierten Figuren nicht. Jeremy Power Regimbal, der auch Ideen fürs Drehbuch lieferte, drehte nach diesem Debüt keinen weiteren Film mehr. Ich danke ihm hierfür von Herzen.  OFDb

15.05.2021

MOM AND DAD (2017)

Inmitten der von mir immer wieder gern geschauten Zombie- und Infizierten-Welle freue ich mich jedes Mal auf einen gewissen Grad Abwechslung. Mit "The Signal" sicherlich näher verwandt als mit gerade beschriebenen Horrorfilmen, geht "Mom and Dad" einer äußerst reizvollen Idee nach. Was, wenn die überschäumende, mörderische Aggression sich nicht gegen Alles und Jeden wendet, sondern nur gegen spezielle Zielpersonen? Mit dem Gedanken, dass es sich bei diesen um die eigenen Nachkommen handelt, erreicht man Möglichkeiten der Thematisierung um Generationenkonflikte und äußerst raffinierte Kriegstaktiken (das Auslöschen des Gegners durch sich selbst). Gerade in der Kombination Horror und Komödie hätte diese Variante bekannter Erzählmuster einen besonderen Reiz ausgestrahlt. Mit Nicolas Cage hatte man zudem nicht nur wen Berühmtes mit an Bord, sondern auch noch wen Passendes zu dieser Idee. Mag der Mann auch umstritten sein, aber wer kann bitte besser in comic-artiger Übertreibung die Augen aufreißen, als er? Ausgerechnet hier, wo dieses Überagieren endlich einmal wieder von Vorteil gewesen wäre, spielt der gute Mann seine Rolle lediglich mit halber Backe herunter. Und wer das Endergebnis kennt, kann auch vermuten warum. Schließlich scheitert der Film vom "Crank"- und "Ghost Rider 2"-Regisseur Brian Taylor nicht an Cage, sondern an seinen Defiziten, beginnend mit einem äußerst plumpen Drehbuch und meinem Gefühl nach mit äußerst üblen Produktionsbedingungen endend.

Wie sonst lässt sich erklären, dass das fertige Produkt sich aufgrund derbster Sprunghaftigkeit und oberflächlichem Abgrasen seiner potentiellen Grundidee wie ein unfertiges Gerüst schaut? Ging das Geld aus, und man erdreistete sich das unfertige Werk dennoch zu veröffentlichen? Ich weiß es nicht, aber es ist schade, bleiben doch alle sympathischen Ansätze in ihren Anfängen stecken und können sich nicht weiter entfalten. Die wunderbare Großelternidee zum letzten Drittel hin, die Schlusspointe, die bei vielschichtigerer und psychologisch clevererer Erzählung ein wunderbarer Abschluss geworden wäre, der Zwischenzustand der Aggressoren aus geistig anwesend und abwesend, es gibt viel zu entdecken, dass einen gewissen Charme besitzt. Und doch sorgen diese nicht gerade raren Ansätze nicht einmal für eine mittelmäßige Unterhaltung, so orientierungslos wie alles dargeboten wird, so unsensibel, wie der Zuschauer so gar nicht an die Hand genommen wird, so fehlkalkuliert das Szenario nicht erst schleichend beginnen darf und in seinem weiteren Verlauf stets holprig weiter verfolgt wird. Wieso werden die Schüler schneller isoliert, als der sich nicht zuvor informierende Zuschauer das Szenario greifen kann? Wieso versteht die Gesellschaft eine derart skurrile Pandemie derart schnell, dass Vorsichtsmaßnahmen vom Gefühl her direkt zu Beginn (wenn auch erfolglos) vorgenommen werden können? "Mum and Dad" ist weder durchdacht, noch vom Comic-Faktor her ausgereift genug ausgefallen, um mindestens auf simpelster Ebene unterhalten zu können. Und ein Lance Henriksen, der in seiner Rolle wunderbar hätte überzeugen können, wird auf die Schnelle abgearbeitet, ohne dass man ihm die Chance besonderer Momente bot. Und wieso engagiert man bitte die sonst stets so mutig agierende Selma Blair, wenn sie hier eine austauschbare Rolle spielen darf, die jeder 08/15-Darsteller hätte meistern können?

Der Film hätte nun nicht zwingend satirisch geistreich ausfallen müssen, wie anfangs von mir erhofft, er hätte aber wenigstens seine Idee des ungewöhnlichen Terroraktes etwas exakter durchdenken können und sich mehr Zeit zur Entwicklung der Geschichte und der in ihr agierenden Charaktere nehmen können. "Mum and Dad" ist eine lose Hülle, deren löchrige Art perfekt zum viel zu plötzlichen Schluss passt. Stecker gezogen, Film zu Ende. Na, danke dafür!  OFDb

06.08.2019

HIGH SCHOOL CONFIDENTIAL (2005)

Viele Inhaltsangaben im Internet gehen offen mit der Auflösung des Streifens um, so als sei sie selbstverständlich. Sie ist wahrscheinlich, es bieten sich aber auch andere Möglichkeiten an, und die unwahrscheinlichen traut man "High School Confidential" ebenso zu wie die naheliegende, denn er nimmt kein Blatt vor den Mund, passt sich nicht an und guckt sich erfrischend alternativ. Egal ob man nun in die Auflösung eingeweiht ist oder nicht, wie hier von einem der Protagonisten vorgegangen wird und zu welchem Zwecke ist schon raffiniert und doppelbödig zu nennen. Dabei ist der Streifen nicht so sehr, wie der themenähnliche "Wild Things", darum bemüht überraschende Wendungen rein des Effektes wegen einzubauen, sie sind gelegentlicher Beigeschmack eines entlarvenden Streifens, der hart mit der Gesellschaft ins Gericht geht. Stilvoll angegangen und mit ruhiger Hand inszeniert provoziert er, ohne einzig zum Skandalfilm zu werden. Er ist kein reißerischer Hohlbrotfilm, er ist durchdacht, die Spuren sind analytisch gut gelegt, psychologisch durchdacht, raffiniert in oft banal scheinenden Bereichen angegangen. Wie erwähnt geht es dabei eigentlich nicht darum, ob man den Braten riecht oder nicht, es geht um den Weg zum Ziel, so dass man am Schluss ein vollwertiges Ganzes wahrgenommen hat, glaubwürdig umgesetzt in seiner überspitzten Satireart, und nicht von Zufällen, Augenzudrücken oder Ungereimtheiten begleitet.

"Pretty Persuasion" (Originaltitel) geht sogar noch einen Schritt weiter und präsentiert uns eine Schlussszene, die wir selbst zu interpretieren haben. Auf diese wird uns keine Antwort gegeben, und sie ist wahrscheinlich der sensibelste Moment des kompletten Filmes. Unsensibel ist dieser jedoch ohnehin nicht ausgefallen, auch wenn er knallhart, bissig und satirisch erzählt ist. Das zeigt sich weniger auf der Gefühlsebene von Figuren und Geschichte, als viel mehr in der Identifizierung mit diesen. Das Drehbuch versteht seine Figuren, hat Respekt vor ihrem Umfeld, versteht Ursache und Wirkung, hält nicht einmal den moralischen Zeigefinger hoch, denn wer sich hier gesellschaftlich fragwürdig entblättert, stellt sich von alleine bloß. Da bedarf es keiner Unterstreichung mehr, so dass jeder Zuschauer von selbst so auf das jeweils Erlebte reagieren darf, wie er es tut und frei von vorgegebener Meinung dazu jeweils denken darf, was er will. "High School Confidential - Der Teufel trägt Minirock" (Alternativtitel) zeigt uns auf der einen Seite ein breites Spektrum der Gesellschaft, immerhin werden Erwachsenenperspektiven ebenso wenig ausgeblendet wie jene der Teenager, ist aber meist aus der Sicht der Hauptfigur heraus erzählt und erhält damit gewisse Grenzen diesbezüglich. Auch spielt er nicht von Anfang an mit offenen Karten. Manche Informationen erhalten wir erst per Rückblick zum passenden Zeitpunkt, die Geschichte ist nicht immer chronologisch erzählt. Zudem erlebt sie mit der Zeit einen Wandel, ist sie zunächst doch eher leichtfüßig schwarzhumorig erzählt, ein wenig im Stil eines "Heathers", wird mit der Zeit aber immer dramatischer, den Komödienpart zwar nie ganz ausblendend, aber doch das Genre Drama dominieren lassend, fußend auf bitterbösem schwarzen Humor.

"High School Confidential" gehört zu jener Art Film, der man dankbar ist, dass theoretische Stereotype die Welt des Streifens bevölkern, denn dieses Spiel mit Klischees ist trügerischer Natur, wird verwendet um im Kino Gewohntes knallhart zu entblößen, indem ungeschönte Wahrheiten geradezu selbstverständlich nebensächlich eingestreut werden und sich die Fassade einzelner Stereotype von selbst entblättert und als das outet, was es wirklich ist, bzw. was besagter Stereotyp konsequent für sich und sein Umfeld bedeutet. Interessant ist gerade hier die Figur einer muslimischen Freundin und Mitschülerin der zentralen Heldin gesetzt, die nicht des befremdlichen und skurrilen Sidekicks wegen an ihre Seite gesetzt wurde, wie es in US-Komödien häufig üblich ist, sondern ebenfalls Wahrheiten offenbart, über welche gern der Mantel des Schweigens gehüllt wird. Damit ist sie aber wie gesagt nur ein Element von vielen, und dass das alles so gut funktioniert, verdankt der Film hauptsächlich seinem interessant ausgefallenem, reflektierenden und intelligenten Drehbuch, sowie den hervorragend besetzten Schauspielern, allen voran Evan Rachel Wood in der Hauptrolle, deren perfekte Wirkung aber auch den Verantwortlichen für Make-Up, Frisur und Kostüm zu verdanken ist, strahlt sie doch eine ganz eigene Aura aus, welche die Wirkung dessen was im Film geschieht, passend zu ihrer Rolle, beeinflusst. Einzig mit der Figur des stets gekonnt spielenden James Woods tat ich mich schwer, die war mir eine Spur zu überdreht gespielt, ist zwar für ein paar Lacher gut und auch aus satirischer Sicht oftmals gewinnbringend eingesetzt, wirkt aber wie aus einem anderen Film entlaufen und bildet somit einen Fremdkörper inmitten eines ansonsten stimmigen Ganzen.  OFDb

THE PEOPLE V. O.J. SIMPSON (2016)

"American Crime Story" ist eine TV-Serie, die von echten Kriminalfällen erzählt. Und in der ersten Staffel der von John Travolta mitproduzierten Reihe, konzentrierte man sich auf den Fall O.J. Simpson, der seinesgleichen sucht. Nicht nur dass der Gerichtsprozess und die vergebliche Suche nach der Wahrheit eine hoch spannende Geschichte bereithält, weswegen bis auf die Vorgeschichte und ein kurzer Nachklang sich die komplette Verfilmung auf die Monate der Gerichtsverhandlung konzentriert, die Geschehnisse in diesem muten teilweise derart grotesk und reißerisch wendungsreich an, dass man sich immer wieder bewusst machen muss, es hier mit einem tatsächlichen Fall zu tun zu haben, wie er wirklich stattfand. Sicherlich findet "The People v. O.J. Simpson" auch Raum für Spekulationen, was in den Kanzleien tatsächlich stattfand lässt sich oftmals nur vermuten, bedenkt man aber dass mit Ausnahme des Richters noch jeder wichtige Beteiligte des Prozesses ein Buch zu diesem Thema abgeliefert hat, sind die nicht authentischen Graubereiche doch eng gesteckt. In einer gut recherchierten und flott inszenierten Serie (mit Ausnahme der lahmarschig ausgefallenen zweiten Folge, die sich leider komplett auf die legendäre Verfolgungsjagd konzentriert), erfahren wir gut zusammengefasst was den zunächst glasklar erscheinenden Fall so unglaublich schwierig werden ließ, und das hat verschiedenste Gründe.

Im Schatten der noch immer kochenden Rassenthematik, aufgrund polizeilicher Gewalttaten einige Jahre zuvor auf ein neues, trauriges Niveau gehievt, wurde der Fall O.J. Simpson von Gefühlen und nur bedingt von Fakten beeinflusst. Menschenrechtler, Heuchler und Karrieristen bevölkerten nicht nur den medialen Schauplatz rund um den Fall, auch im Gerichtssaal selbst waren sie vertreten, sich als Anwälte O.J.s selbst zerfleischend, untereinander konkurrierend. Im Gegenzug standen auf der Seite der Staatsanwaltschaft medienungeeignete Idealisten im Raum, die mit ihrer Strategie trotz unwiderlegbar geglaubter Beweise nicht weiter kamen und dementsprechend aus Verzweiflung ihre eigenen Fehler begangen haben. Sie hatten es aber auch schwer, aufgrund gravierender Fehler die andernorts vorgefallen sind, wie die unsachgemäße Lagerung von Beweisen im privaten Umfeld, oder ein rassistischer Polizist im Zentrum der Ermittlungen, von dem bekannt ist, dass er gerne Beweise manipuliert. Das Feld rund um die wahnwitzigen Ereignisse, die den Fall erschwerten, ist breit gefächert und lädt immer wieder zum Staunen ein. Wie gesagt muss man sich beim Sichten der Serie stets bewusst machen, es hier mit einem Fall zu tun zu haben, der sich ziemlich genau so abgespielt hat, und das kann man bei den unfassbaren Ereignissen, die da teilweise stattfinden, kaum glauben. Und da sprechen wir noch nicht von den Aufständen der Jury aufgrund ausgetauschtem Wachpersonals im untergebrachten Hotel, die ausufernde Schlacht um den Ausschluss von Jurymitgliedern aufgrund deren angeblich fragwürdigen Privatlebens, oder von der wahnwitzigen Verfolgungsjagd Wochen vor der Verhandlung, die medial begleitet wurde mit einem sich eine Pistole an den Kopf haltenden O.J. Und da reden wir auch noch nicht von Zufällen, wie jenem, dass urplötzlich die Ehefrau des Richters am Rande mit ins Spiel kommt und die Unparteilichkeit des Richters gefährdet, alles Punkte, die den ohnehin schon unglaublichen Fall noch unglaublicher gestalten.

Während ich mit der Beweislage um die beinah exakte DNA-Übereinstimmung im Hinterkopf immer wieder die Windmühlen im Kopf hatte, gegen welche die Staatsanwaltschaft kämpfen musste, empfand eine Bekannte von mir, welche die Serie unabhängig von mir ebenfalls geguckt hatte, den Kampf der Verteidigung einen Unschuldigen herauszuboxen als mühseliges Unterfangen. Hätte man mich nach dem Sichten gefragt ob "The Run of His Life: The People V. O.J. Simpson" (Alternativtitel) unparteiisch erzählt ist, ich hätte nein gesagt, so sehr wie vieles aus der Perspektive der Staatsanwaltschaft gezeigt wird und so sehr wie manipulative Ablenkungsmanöver und Fehler, die nicht hätten geschehen dürfen, der Wahrheitsfindung im Weg standen. Ein Gespräch mit meiner Bekannten zeigte mir jedoch, wie anders man die in der Serie gezeigten Ereignisse wahrnehmen kann, und dass das Ganze somit tatsächlich objektiv thematisiert wurde, ohne Partei für eine Seite zu ergreifen. In der Tat weiß einen zumindest der Strudel aus Inkompetenz, zusätzlicher Umstände und diversen Wendungen an der eigens erhaltenen Position zu dieser Thematik zweifeln. Nie ist man sich einer Seite wirklich sicher, selbst wenn man von der gern verwendeten Gefühlsduselei innerhalb des Prozesses (nicht hervorgerufen durch die Inszenierung der Serie (!!!), sondern bewusst als Kampfmittel vor Gericht eingesetzt) sich nicht hat anstecken lassen.

"The People V. O.J. Simpson: American Crime Story" (Alternativtitel) ist eine wahrlich spannend ausgefallene Zusammenfassung eines unglaublichen Ereignisses, hervorragend erzählt, in allen Rollen gut verkörpert (wenn auch mit einem zu klein geratenen Cuba Gooding Jr. in der Rolle Simpsons besetzt) und spannungsgeladen, wie dramatisch ergreifend erzählt. X Blickwinkel werden eingenommen, und für das enorme Spektrum an Einflüssen nimmt man sich genügend Zeit. In Staffel 2 sollte es mit einem anderen wahren Kriminalfall weiter gehen, O.J. Simpsons Geschichte ist mit Ende der ersten Staffel zu Ende erzählt - oder auch nicht. Kurz nach dem Prozess blendet sie die Geschichte aus. Ich persönlich hätte es interessant gefunden zu erfahren, wie es zum zweiten Prozess kommen konnte, in welchem der Ex-Footballer dann doch noch zu jenem Fall schuldig gesprochen werden konnte, für den er zunächst freigesprochen wurde - eigentlich ein Unding in der amerikanischen Rechtsprechung. Hier hätte man gerne noch drauf eingehen können, gehört es doch als wesentlicher und umstrittener Bestandteil mit zur erzählten Geschichte. Zumindest zeigt dieses Beispiel, dass der ungelöste Fall O.J. Simpson auch nach der Gerichtsverhandlung noch hoch interessant bleiben sollte. Und die Serie bereichert ihn in der von ihr eingegrenzten Phase zusätzlich durch das Mitbeachten des menschlichen Faktors. Eigene Tragödien der Beteiligten, die hinter den Kulissen stattfanden, werden stets mit ins Geschehen eingebunden, frei von Kitsch, sachlich genutzt, anstatt zu Manipulationszwecken eingebracht. Und da finden sich so interessante Aspekte wieder, wie der Glaube O.J.s nach der Freisprechung ginge sein Leben so weiter wie zuvor. An Reichhaltigkeit mangelt es der Serie keineswegs. Und dank einer guten Umsetzung verliert sie auch nie den Überblick.  OFDb

26.05.2019

ICH KANN'S KAUM ERWARTEN! (1998)

"Ich kanns kaum erwarten - Can't Hardly Wait" (Alternativtitel) ist meiner Meinung nach das für die Kids der 90er und 00er Jahre, was die Werke John Hughes für jene der 80er Jahre waren. Hier entdeckt man gleiches Verständnis für die Gefühlswelt der Teenager, eingepackt in ebensolche schrulligen Figuren, mit dem nötigen Touch comicartiger Übertreibung. Am ehesten ist die wilde und gleichzeitig zarte Komödie des Regie-Duos Harry Elfont und Deborah Kaplan mit "Das darf man nur als Erwachsener" zu vergleichen. In beiden spielt eine Party eine zentrale Rolle, ebenso wie Liebe und Nerds, und in beiden ist eine vordergründige und parallel dazu eine beiläufige Liebesgeschichte vorhanden, welche beide jeweils das Herz des Zuschauers zu erobern wissen. Eine Nachahmung des Vergleichsfilmes ist "Big Party" (Alternativtitel) jedoch trotzdem nicht geworden, schlägt er inhaltlich doch andere Töne an, was nicht einzig dem aktuellen Zeitgeist von einst geschult ist, diesem jedoch auch sehr deutlich. Er sorgt für eine Entfremdung zu den Werken der 80er Jahre, so dass manche dadurch den Vergleich nicht bemerken. Aber Hughes Einfluss ist vorhanden, sehr stark sogar. Und da das Werk trotzdem innovative Luft atmet und hochgradig unterhaltsam ist, frage ich mich warum so wenig Leute den Streifen kennen und kaum über ihn berichten.

Ich habe ihn seit seinem Erscheinen nun schon etliche Male gesehen und bin bei jeder Sichtung wieder aufs Neue überrascht wie gut er funktioniert, einerseits von Klischees und Stereotype lebend, andererseits diese aushebelnd oder comicartig hochpuschend. "Party Zone" (Alternativtitel) ist der ideale Mix aus partytauglichem Teenagerfilm und herzlichem Jugendverstehen. Sein wilder Ritt weiß ebenso zu berühren, wie auch zu herrlichen Lachanfällen zu führen. Ein bunter Mix mal mehr, mal weniger im Zentrum stehender Figuren bildet den Mikrokosmos, fast einzig aufgezeigt auf einer einzigen Party, insgesamt an einem Tag spielend, Hintergründe nachholend über zeitliche Rückblicke. Auf diese wird jedoch nur selten zurückgegriffen, so dass der eigentliche Kniff der Chose darin besteht, die einzelnen Handlungsfäden stets zeitgerecht und in ihrer passenden Größenordnung in die Party einzuarbeiten, und dies möglichst mit flüssigem Übergang zum zuvor erlebten, anderen Parallelstrang. Während Seth Green, der damals wohl prominenteste Mime, der eine große Rolle in diesem Streifen ergattert hat, treffsicher wie immer herum albert und Jerry O'Connell in einem saukomischen Gastauftritt einen besonderen Moment herbei zaubert, ist es gerade Ethan Embry in der Hauptrolle zu verdanken, dass der eigentliche Motor des Films, die Liebesgeschichte rund um Preston und Amanda, derart zu Herzen geht. Sein Hundeblick verleitet zum Mitleiden, sein optimistisches Lächeln steckt an, sein milder Blick unterstützt die Gutmütigkeit und die Solidarität, die sein Charakter beinhalten soll, wie man hauptsächlich über Fremdaussagen erfährt. Einzig den finalen Kuss vergeigt er, ein übler Wermutstropfen, der ein hochgradig emotional inszeniertes Happy End ein wenig ausbremst, was man jedoch verzeiht, so genial wie der Rest der Szene und des Films inszeniert ist.

Während kleine Nebensächlichkeiten mit allerhand Running Gags und Ausnahmepassagen zu belustigen wissen, wie z.B. die nie spielende Partyband, der ewig zugreifende Kleptomane (besetzt mit dem Sherminator), die leidende Veranstalterin des Events, das hohle Püppchen, das von jedem eine Unterschrift ins Jahrbuch erhalten möchte, um nur einige wenige im Meer an lustigen Randfiguren aufzuzählen, findet der zweitgrößte Schwerpunkt des Streifens eingesperrt in einem Badezimmer statt. Dort versteckt entsteht eine nicht minder ansteckende Liebesgeschichte, dargeboten mit den vielschichtigsten Charakteren die "The Party" (Alternativtitel) zu bieten hat. Dass wir die Vielseitigkeit dieser Figuren, bzw. deren Täuschungen und Ängste und ihr wahres Ich vorgezeigt bekommen, liegt daran dass sie sich hier alleine in diesem einen Raum nicht lange verstellen brauchen, isoliert vom Rest, eine Ausnahme in einem gerade von Geltungssucht, Täuschung, Alkohol und Idealen getriebenen Selbstdarstellungsrausch, von welchem sich lediglich Preston und Amanda (mittlerweile) distanzieren. Ein weiterer Blick hinter die zerbrechlichen Fassaden von Teenagerseelen wird hingegen für einen bösen Schluss-Gag vorbereitet, nicht aber ohne authentisch, wie empathisch die Wahrheit eines alkoholisierten Gefühlslebens derartiger Partys widerzuspiegeln. Trotz aller Übertreibung atmet "Ich kann's kaum erwarten!" nun einmal lebensechte Luft. Das macht ihn gerade so besonders.

Inmitten von wahr gewordenen Kinoträumen in Sachen Romantik und Partygeschehen existieren gleichzeitig gut beobachtete Tragödien, Macken und Charaktere aus der echten Welt. Die Vielseitigkeit an Figuren und Situationen, die das Gesamtergebnis nie überfrachten, sondern stets bereichern, sorgt dafür dass Kino und Echtheit, dass Comic und Realismus, dass Partytauglichkeit und emotionale Ruhe nebeneinander co-existieren können, ohne stets das eine gegen das andere austauschen zu müssen. "Can't Hardly Wait" (Originaltitel) vermittelt ein Lebensgefühl, erinnert an alte Zeiten, gefällt als Comic, lässt einen mitfühlen und beschert uns dies alles mit einem Meer an gut aufgelegten Darstellern in verschiedenen Geschichten zur selben Zeit am selben Ort. Sie, ebenso wie Regie, Schnitt, Drehbuch, Kamera, sorgen für das Chaos und den Überblick innerhalb eines wildzahmen Szenarios. Sie schaffen es uns schnell an Begebenheiten und Personen zu binden, uns deren Anliegen verstehen zu lassen, einen anderen Moment an den vorherigen flüssig und verständlich anzuknüpfen und gleichzeitig wild losgelassen uns ein Partychaos zu offenbaren, das anzustecken weiß. Man muss kein Teenager sein, um sich hier auf verschiedensten Gefühlsebenen mitreißen zu lassen. Der satirisch und ironisch distanzierte Stil lässt auch den erwachsenen Blickwinkel zu, ebenso wie Wehmut, Retro-Charme und Nostalgie mitwirken können. "Ich kann's kaum erwarten!" ist ein emotionales Feuerwerk an Komik und Gefühlen, pointensicher umgesetzt, zum Schmunzeln ebenso animierend, wie zum großen Lacher und geistreicher ausgefallen, als uns sein wildes Daherkommen weiß machen möchte.  OFDb

09.04.2017

EISKALTE ENGEL (1999)

Hinter der hochgestilten, mit Schönlingen besetzten, poppig umgesetzten Fassade von „Eiskalte Engel“ verbirgt sich eine von etlichen Verfilmungen des Briefromans „Gefährliche Liebschaften“, transferiert vom 18. Jahrhundert in die Gegenwart und aufbereitet für ein jugendliches Publikum. Das Ergebnis kann sich unerwarteter Weise sehen lassen, stört der Overstyle in Maske, Bild und Besetzung doch nicht nur nicht, er wird gar zum Pluspunkt des Filmes, eine Eigenschaft die nur selten vorkommt. Sie funktioniert deswegen so gut, da auch der komplette Inszenierungsstil sich daran orientiert, was im seinerzeit gerade aktuell aufkommendem cineastischen Glanzbild der späten 90er Jahre wahrlich zu erstrahlen weiß.

Sympathische Jungstars, gepfefferte Dialoge und trotz des eigentlichen Drama-Genres allerhand vorhandene Lacher bieten einen flotten Sehspaß, der nicht nur zur kleinen Unterhaltung für zwischendurch wird, sondern aufgrund seiner gekonnten Aufbereitung zu einem großen Stück Genre-Kino seiner Zeit, welches eben doch nicht nur Jugendliche begeistert. „Eiskalte Engel“, der auf DVD noch zwei Fortsetzungen in anderer Besetzung erhalten hat, ist keine Modeerscheinung, die nur wenige Jahre nach ihrer Veröffentlichung verblasst ist und heute von alten Fans mit Retrocharme beliebäugelt wird, er weiß gestern wie heute zu überzeugen, relativ zeitlos in Szene gesetzt und mit einem abwechslungsreichen Soundtrack veredelt, der die ganze Sache schmackhaft abrundet.

Ryan Phillippe mag neben den anderen Jungmimen schauspielerisch hinterher hinken, zu seinem Glück ist er jedoch für die Rolle des Sebastian perfekt besetzt, und die hilfreiche Unterstützung der Verantwortlichen für sein Kostüm und seine Frisur, um schauspielerische Unzulänglichkeiten zu kaschieren, ist auch nicht von schlechten Eltern. Sarah Michelle Gellar konnte sich seinerzeit von ihrem „Buffy“-Image frei spielen und geizt nicht mit erotischer Aura. Selten war ein Zungenkuss zwischen zwei Frauen so erotisch und sensibel zugleich eingefangen, wie jener den Gellar mit Selma Blair austauscht, die wohl den besten und pointensichersten Nebenpart verkörpert, so wunderbar tappsig wie sie die naive Ahnungslose verkörpert.

Aber auch Reese Witherspoon braucht sich nicht zu verstecken, darf sie hier noch weit vor ihrem Abrutschen in die Hollywood-Arroganz natürlich und unverfangen spielen, halt ebenso wie sie im selben Jahr von „Cruel Intentions“ (Originaltitel) auch in „Election“ agieren durfte. Dort den Bösewicht spielend, hier den guten Part, hat sie beide Rollen gut im Griff und kann im hier besprochenen Werk die Sympathie des Zuschauers schnell auf ihre Seite ziehen. Es ist das Kunststück des Drehbuchs, dass man trotz aller böser Taten dem geläuterten Sebastian wünscht, dass er am Ende der Geschichte versöhnt in ihren Armen landet. Hierfür musste allerdings auch eine bereits gedrehte Szene entwendet werden, mit welcher das Ganze nicht so gut funktioniert hätte wie schließlich doch noch in der Endfassung.

„Seduction Games“ (Alternativtitel), oder aber auch „Sexual Provocation“, wie er andernorts genannt wird, ist somit kein zu belächelndes, oberflächliches Modeprodukt seiner Zeit, wie man voreilig vermuten könnte, sondern ist, ganz im Gegenteil, ein hochgradig hübsch anzuschauender Mix aus schwarzer Komik und Dramatik, zwar gerne mal ins Theatralische abrutschend, aber das lässt sich aufgrund der Klassik der Vorlage und der Zeit in welcher die Geschichte ursprünglich spielt auch nicht komplett verhindern. Interessanter Weise wissen diese Ausrutscher ausnahmsweise ebenso zu gefallen, wie der übertrieben geschönte Stil des Streifens, wahrscheinlich auch gerade aufgrund des Zusammenspiels mit diesem. So oder so eignet sich „Eiskalte Engel“ zum Immerwiedergucken. Ich kann nicht mehr zählen wie oft er schon in meinem Player gelandet ist.  OFDb

14.02.2017

THE FOG - NEBEL DES GRAUENS (2005)

Dass John Carpenter als Produzent mit an Bord war, ebenso wie die damalige Produzentin Deborah Hill, schien nicht viel Einfluss auf das Remake von „The Fog - Nebel des Grauens“ gehabt zu haben, ist er doch das typisch blankpolierte, aufgepeppte Produkt geworden, wovor es jedem Horror-Fan bei dem Begriff Neuverfilmung fröstelt. Ich bin nun keiner jener Cineasten, die grundsätzlich gegen Remakes und Fortsetzungen schimpfen, kann ein Original doch nie geschädigt werden und ist es doch meist zumindest einen Versuch etwas Altes anders aufleben zu lassen. Ich gehe da immer recht offen heran, auch wenn es sich um neue Versionen besonders kultisch verehrter Stoffe handelt. Rupert Wainwrights „The Fog - Nebel des Grauens“ will in meinen Augen aber so gar nichts Besonderes werden, egal wie sehr er sich dafür auch abstrampelt. Es ist ein Produkt voll von Fehlentscheidungen, falschen Schwerpunkten und vergeigter Möglichkeiten.

Wenn ich mir das so wundervoll wirkende Geisterschiff im Nebel anschaue (ein leider viel zu kurzer Moment) und wenn ich auf die für den eigentlichen Film unpassende, aber dennoch recht hübsch geratene, Szene zurückblicke, in welcher eine Frau nach einem Autounfall mit unheimlich wirkenden Seegeistern unter Wasser konfrontiert wird, dann wird mir bewusst welche Möglichkeiten es mit der heutigen Technik gegeben hätte etwas Besonderes aus der Zweitverfilmung von Carpenters Ur-Grusler zu zaubern. Doch „Fog“ (Alternativtitel) ist ein typisches Produkt von Produzentenentscheidungen, die den sichersten Weg gehen wollen es jeder Form von Zielpublikum recht zu machen, und das schadet dem Film ungemein, zumal es ihn wirr und sinnlos erscheinen lässt, bei all den Kompromissen die gemacht werden mussten.

Auch das Original wurde von Produzentenseite mit Nachdrehs beordert, Szenen die durch Carpenters gekonnt stimmige Umsetzung dem Werk jedoch nicht schaden konnten. Wainwrights Film scheint jedoch ein Produzentenfilm von Anfang an zu sein, ist doch so ziemlich alles verwässert was es zu verwässern gibt. Der Quotenschwarze mit seiner lockeren, leicht Gangster angereicherten Art will trotz aller Moderne die den Film umgibt weder in den Ort noch ins Szenario passen. Die unheilbringenden, vorwarnenden Omen werden nun bereichert durch Visionen, welche nur unsinnig und zufällig erscheinen und einzig dem Zweck dienen, es dem Drehbuch einfacher zu machen den Protagonisten beim Begreifen der Dinge zu helfen.

Das Einbringen der Visionen steht jedoch noch für eine weitere Fehlentscheidung der Neuverfilmung. Das vorwarnende Unheilvolle im Original, wurde von allen Figuren des Filmes als solches begriffen. Es gab keine Zweifel am Übernatürlichen, und das war einer der wirkungsreichen Grusel-Grundeckpfeiler, welches einem solch ein Unbehagen bescherte. Die Figuren im Remake sind im Gegensatz dazu so ziemlich alle ahnungslos, großteils bis zum Schluss, vertrauen den Visionen der Frau nicht, stolpern dementsprechend unvorbereitet durch ein Szenario, welches in seiner Abfolge dennoch den Geschehnissen des Originalfilmes in seiner Reihenfolge gleicht, was gar keinen Sinn ergibt, da hier niemand überlegt handelt. Jeder folgt seiner Intuition.

Dementsprechend ist es oftmals unsinnig Szenen aus dem Original zu entnehmen, weil diese in der Neuversion keinen Sinn ergeben. Die Moderatorin des Originalfilmes konnte ihren Leuchtturm nicht verlassen und flehte deswegen um Hilfe für ihren Sohn per Radiosendung. Die Parallelfigur im Remake macht selbiges, obwohl sie kurz danach mit dem Auto selbst losfährt. So als hätte sie zuvor geahnt, dass sie einen Autounfall bauen wird und deswegen ihren Sohn nicht erreichen kann. Der wird stattdessen ohne wahre Beweggründe und ohne zur zweifelhaften Charakterisierung der männlichen Hauptfigur zu passen, von dem Heldenpaar aufgegabelt. Und wem das an Unsinn noch nicht reicht: die Radiomoderatorin hatte, im Gegensatz zur Parallelfigur im Original, gar keinen Grund Angst um ihren Sohn zu haben. Auch hier war lediglich weibliche Intuition im Spiel. Ein Freudenfilm für Esoteriker, die keinerlei logische Zusammenhänge benötigen, um sich unterhalten zu lassen.

Leider besteht der komplette Film aus solchen Unsinnigkeiten. Einzelszenen in einem sonst halbwegs nachvollziehbarem Komplettpaket hätte man ihre wackelige, unsinnige Art sicher verzeihen können. Aber „The Fog - Nebel des Grauens“ ist ein Produkt das bereits logisch ins Wanken gerät, noch bevor man nachzudenken beginnt. Stets werden einem die Widersprüche und Unsinnigkeiten regelrecht auf die Nase gedrückt. Und das einzige was Wainwright im Kampf gegen sie unternimmt, ist mit wuchtigen Spezialeffekten dagegen zu halten. Alles was im Original still und ruhig angegangen wurde, und da sprechen wir von keinem subtilen Film, kommt im Remake mit einem lauten Karacho daher.

Morde werden regelrecht zelebriert, die Geschichte der Vergangenheit von einem hinterlistigen Trick auf ein riesiges Massaker aufgeschaukelt. Und der Nebel, der in seiner schleichenden Art wie ein fremdes Wesen im Original wirkte, bekommt hier Eigenschaften des „Blob“ zugeschrieben, verdünnisiert sich sogar einmal schurkisch, kurz nachdem er unten durch die Türritze hindurchgewandert ist, als sich jemand unverhofft besagter Tür nähert. Der Nebel greift nach Opfern, zieht sie in seinen Sog, während er an anderer Stelle wie ein ätzender, chemischer Stoff agiert. Ohnehin sterben die Menschen auf unterschiedlichste Art, ohne dass ein Muster zu erkennen wäre.

Pflichtopfer der Rache wegen und zufällig Ermorderte werden bunt durcheinander gewirbelt, so dass die Frage nach Schuld oder Unschuld kaum noch gestellt wird. Ein kitschiger Überraschungsmoment stößt den Zuschauer im Finale gerade bei der Schuldfrage nun komplett vor den Kopf. Es ist nicht so dass die Heldin, die ebenfalls Nachfahre eines Mörders war, verschont bliebe, aber sie regelt die Dinge auf ihre Art, und das wird dann auch gleich zum Tiefpunkt eines Filmes, den man in seiner kompletten Laufzeit ohnehin nie ernst nehmen konnte.

Man muss schon viel Unsinniges ignorieren können, oder Zusammenhänge grundsätzlich nicht verstehen können, um von „The Fog - Nebel des Grauens“ unterhalten werden zu können. Würde der Film lediglich aus Momentaufnahmen bestehen, so als hätte es die drei Minuten vor und nach jeglicher Szene nie gegeben, dann könnte das Remake funktionieren. Wainwrights „Stigmata“ war nun kein Vorzeige-Horrorwerk und hat ebenfalls gerne mit Schauwerten gespielt, aber er war zumindest ein gelungenes Stück Routinekost. Das kann man vom hier besprochenen Remake Carpenters Klassiker jedoch so gar nicht behaupten. Was Wainwright dazu prädestiniert haben mag Regisseur der Neuverfilmung zu werden, wird mir ohnehin nicht klar. Seinen besten Film hat er meiner Meinung nach mit „Mac Millionär“ abgeliefert, und das war eine Komödie, die halbwegs angenehm im Fahrwasser von „Kevin - Allein zu Haus“ mitgeschwommen ist. Wahrscheinlich war es aber ohnehin egal wer Regisseur dieses missglückten, aufgebauschten Remakes wird, schaut er sich doch, wie eingangs bereits erwähnt, ohnehin wie ein Produzentenfilm.  OFDb

10.08.2016

IN UND OUT (1997)

Kevin Kline mag während seiner kurzfristigen berühmten Phase auf das Komödien-Genre festgenagelt gewesen sein, aber in seinen unterschiedlichsten Rollen in „French Kiss“, „Ein Fisch namens Wanda“, „Dave“ und „Ich liebe Dich zu Tode“ durfte der Mann, der auch in anderen Genres u.a. in „Grand Canyon“ und „Hamlet“ zu überzeugen wusste, beweisen wie wandlungsfähig er ist. So wurde auch der Komödienspezialist Frank Oz auf den talentierten Mann aufmerksam und es entstand das gemeinsame Projekt „In und out“, welches vordergründig mit der Prüderie Amerikas spielt, mit treffsicheren Sidekicks aber auch die Verlogenheit Hollywoods, das Fernsehen, Supermodels und manch anderes geliebte Kind des Durchschnitts-Amis durch den Kakao zieht.

Oz hat mit Werken wie „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ und „Was ist mit Bob?“ schon besseres abgeliefert, aber auch der schlichte „In & Out“ mag gefallen, auch wenn er hin und wieder seine Hauptthematik zu anbiedernd und Klischee-beladen präsentiert. Dass ein Mann kultiviert und gleichzeitig heterosexuell sein kann, ist in den Augen der Amerikaner scheinbar eine Unmöglichkeit, aber man vergibt dem Streifen die Vorurteile die er vertritt, während er gleichzeitig gegen ebensolche ankämpfen möchte, trifft die Komödie doch ansonsten meist den richtigen Ton und rettet sich spätestens durch die Verspieltheit seiner Schauspieler.

Würde Kevin Kline mimisch wie körperlich nicht alles geben, Tom Selleck könnte ihm glatt die Show stehlen, so sympathisch wie er gegen den Strich besetzt ist und dabei bestens gelaunt agiert. Auch Joan Cusack weiß zu begeistern, wobei ich ihren Part gerade durch die deutsche Synchronisation so treffsicher geraten finde. Die Restbesetzung ist mit Ausnahme von Matt Dillon eigentlich schon nicht mehr nennenswert, ist sympathisch ausgewählt (gerade der Vater Howards, den man z.B. als Bösewicht aus „Die Firma“ kennt), aber ohne große Herausforderungen versehen.
 Die Geschichte selbst weiß auch nicht gerade mit Überraschungen zu trumpfen, sie folgt dem typischen Muster der Heile Welt-Komödien mit seichter Kritik im Gepäck. Erst die unnötigen Randspinnereien, wie der Filmausschnitt aus Camerons Kriegs-Drama, die Lehrkassette die Howard zum Thema Männlichkeit hört und die Ausraster seiner Verlobten machen „In und out - Rosa wie die Liebe“ (Alternativtitel) zu jenem Stück Komödie, das man ins Herz schließt. Der Schluss mag ein wenig zu sehr an „Der Club der toten Dichter“ erinnern, ist aber mit dem Herz am rechten Fleck inszeniert. Letztendlich ist der Kampf um mehr Akzeptanz mit Schwulen ein ähnliches längst abgehaktes Thema wie der Kampf um Gleichberechtigung bei „Mona Lisas Lächeln“. Da macht es sich Hollywood gern zu leicht den Finger erst dann zu erheben, wenn die Masse längst ebenso denkt.

Dennoch ist das Drehen von Werken wie „In & out“, mit ihrer Botschaft für mehr Mut und Toleranz, sicherlich kein Fehler, erst recht wenn das Ergebnis nicht streng moralisch und bieder ausgefallen ist, sondern ganz im Gegenteil wie hier sogar recht verspielt daher kommt. Frank Oz‘ Werk mag für alle Beteiligten nicht das Highlight ihres Könnens oder ihrer Karriere gewesen sein, aber zu unterhalten weiß dieses schlichte Stück Film durchaus.  OFDb

11.02.2013

HELLBOY (2004)

Während des zweiten Weltkriegs wird der kleine Dämon Hellboy aus einem Dimensionentor ausgespuckt. Ein Forscher für den Bereich Paranormales nimmt ihn auf und so wird Hellboy viele Jahre später Mitarbeiter für die Regierung. Wenn irgendwo Monstrositäten Amerika unsicher machen, schlägt der Hellboy los. Doch sein neuer Auftrag bringt ihn an die Grenzen seiner eigenen Herkunft...
 
Wie viel Kawumm braucht ein Kawumm-Film?
 
Die Story und die Umgebung in der Hellboy haust erinnern stark an „X-Men“. Waren die Filme um die Mutanten noch halbwegs clever erzählt, so setzt „Hellboy“ komplett auf hirnlose Comic-Action-Unterhaltung, was an sich nichts verkehrtes ist. Leider neigen die Amerikaner aber schon seit je her dazu den Schauwerten mehr Beachtung zu schenken als dem Rest, und in den letzten zwei Jahrzehnten wurde der Bogen diesbezüglich immer mehr überspannt.

Nun ist „Hellboy“ zwar ein guckbarer Fantasy-Streifen geworden, aber auch ein sehr nerviger. Riesengroße Explosionen bis zum Erbrechen, so weit das Auge reicht, Computeranimationen ohne Ende, dafür so unreal ins Bild gehauen, dass die „unheimlichen“ Bestien wie aus einem Kinderfilm entlaufen scheinen. Und in einer solchen Rezeptur dürfen auch die coolen Sprüche nicht fehlen, aber diese ruhen sich fast nur bei x-fachem Aussprechen des Wortes „Kacke!“ aus, das ist dann auch nicht sonderlich prickelnd.

Filme wie „Hellboy“ gibt es wie Sand am Meer, eigentlich ist es also egal, dass dieser Streifen nichts taugt. Ein wenig schade ist es allerdings schon. Die Szenen im zweiten Weltkrieg sind toll in Szene gesetzt und mit trashig schrägen Elementen versehen. Allein dass die Nazis wie Phantasten dargestellt werden, indem sie sich mit dem Okkultismus beschäftigen, ist schon so comichaft schurkisch dämlich, dass es einfach Spaß macht. Für solche Szenarien sind Comics gemacht!

Erst im Heute wird aus „Hellboy“ ein eher unsympathischer Film, und das liegt mitunter auch an Hellboy selbst, verkörpert von Ron Perlman, ein Mann der ohnehin immer nur so gut wie die Vorraussetzungen ist. Mal überrascht er mit brillantem Spiel, mal wirkt er wie ein Durchschnitts-Schauspieler. Diesmal wurde er mit dem Computer zusätzlich überarbeitet, so dass es nicht an ihm alleine liegt, dass er so fade daher kommt.

Dass bei „Hellboy“ der Riecher fürs Feine fehlt, merkt man recht schnell. So wird als gelungener Gag im Zuge von gefaketen Zeitungsartikeln über den mysteriösen Hellboy auch ein Comicheft aus der Reihe abgelichtet, auf die der Film basiert. Nun geschah aber etwas, dass häufig passiert: Anstatt diesen Witz (versteckt) für sich alleine wirken zu lassen, wird er noch einmal in Worten wiederholt, wenn ein neuer Mitarbeiter auf die Rolle Perlmans stößt. Vorbei der Zauber eines kultigen Filmes, willkommen in einem Streifen, der sich dem Publikum zu sehr anbiedert.

Und genau diese Haltung macht die meisten Großproduktionen kaputt. Filmemachern sollte mal wieder bewusst werden, dass das Publikum zwar ein Feedback für die Kreativen sein kann, die Kreativität sich aber niemals nach ihm richten darf. Denn da schreit der Zuschauer nach dem Banalen, die Kunst wird vernachlässigt und es kommt zu einem Stillstand. Genau den erleben wir in Amerika nun schon seit zwei Jahrzehnten, und trotz Zuspruch des Massenpublikums wird dies auch exakt der Grund sein, woran die Nachfrage eines Tages kaputt gehen wird. Noch ist es nicht so weit. „Hellboy“ war ein Erfolg an den Kinokassen und hat auch schnell eine Fortsetzung beschert bekommen.

In meinen Augen ist das unverständlich, spätestens wenn eine Art Jar Jar Binks auftaucht, die neue Nervensäge im Fantasybereich: ein verfaulte Eier essender Fischmensch, schlecht animiert, charakterlich wie ein esoterischer Mr. Spock eingebaut und im Deutschen zudem noch mit einer nervigen Stimme versehen. Zu allem Überfluss gehört das Wesen auch noch zum festen Team, so dass es nicht bei einem Gastauftritt bleibt. Del Toros Werk ist ein zu seelenloses Produkt um zu gefallen. Hirnlose Kurzweile sieht anders aus.  OFDb

30.11.2012

REINE CHEFSACHE (2004)

Dan Foreman ist 51 Jahre alt, hat als Leiter des Anzeigenteils einer Sportzeitschrift seinen Traumjob und erlebt auch privat seinen familiären Wunsch. Bis er eines Tages beruflich durch wen wesentlich jüngeres ausgetauscht wird, unter dessen Fuchtel der gekränkte Dan nun arbeiten muss. Als wäre dies nicht alles schon schlimm genug, verlieben sich der Frischlingchef und Dans Tochter auch noch ineinander...

Eine Warnung in rosarot... 
 
Der mit Dennis Quaid und Topher Grace sehr gut besetzte Film ist ein zweischneidiges Schwert. Seine ernste Thematik wird auf Hollywood-Art mit Happy End erzählt, die Aussagen über moderne Fragwürdigkeiten in der Arbeitswelt und ihre Alternativen werden dennoch sehr deutlich herausgearbeitet. Zumindest geht „Reine Chefsache“ den Aufklärungsweg mit Unterhaltungswert richtig. Die Träumer sind es, die aufgeweckt werden müssen, und diese sind in einer gefühlvollen Hollywood-Tragikomödie mitunter das Zielpublikum.

So berichtet das Werk von dem bösen Kapitalismus, der Höchstgewinne erzielen will auf Kosten diverser Existenzen, die der Firma dabei halfen groß zu werden. Jugend wird vor Erfahrung gestellt. Verkauft wird des Verkaufens und des Geldes wegen und nicht weil man vom Produkt überzeugt wäre. „Reine Chefsache“ zeigt, dass der Gesellschaftsfeind von heute keine Nazi-Uniform trägt und Minderheiten hetzt, sondern Anzug und Krawatte trägt und jeden bei Seite räumt, dessen Geld er möchte. Wen interessiert da Hautfarbe, Religion oder sexuelle Vorlieben? Geld ist Geld.

„Reine Chefache“ klärt auf, in dem er einen nicht hoffnungslosen Fall zeigt. Die Rolle von Topher Grace (der Tobey Maguire zum verwechseln ähnlich sieht) wurde über Jahre gehirngewaschen, ein Elternteil, das ihn an die Hand nahm und über die wichtigen Werte des Lebens aufklärte, existierte nicht. Und so wandelt sich der schnelle Aufsteiger über die Begegnung mit seinem „Untergebenen“, der Rolle Quaids, zu einem anständigen Menschen. Nebenbei verliebt er sich in die Tochter Quaids, gespielt von Scarlett Johansson, die erneut beweist wie gut sie spielen kann.

Mir ging der Film sehr nahe. Ich fand ihn, trotz gewisser blauäugiger Momente, sehr intensiv erzählt, fand auch, dass er beim Publikum den richtigen Nerv trifft. Langeweile kommt nie auf. In einer etwas zu aufgesetzten Szene taucht Malcolm MacDowell auf, der ebenfalls wieder zu überzeugen weiß. Sein Schurkengesicht ist einfach ideal zur Hollywood-Klischeezeichnung des bösen obersten Chef eines gesichtslosen Konzerns.

Dass es jeden beim Ausselektieren treffen kann wird am Schluss noch einmal sehr deutlich gezeigt, wenn der Chef der beiden Hauptfiguren gefeuert wird. Eben noch sein großes Idol, die Rolle des McDowell, angehimmelt, im nächsten Moment auf der Straße, weil eben dieser für ein paar Kröten mehr den Laden an wen anders verkauft hat. So werden auf modernem Wege Menschen aus ihrem Leben gerissen, und dank der Grundhaltung, dass nur wer Junges für einen Job taugt, braucht der Arbeitslose, wenn er über 30 ist, eigentlich schon gar keine Arbeit mehr suchen gehen. Zumindest nicht in dem Bereich, den er Jahre lernte und dem er Jahre diente.

Leider zeigt „Reine Chefsache“ nicht die Auswirkungen. Wir haben alle vor Augen wie Menschen unter der Fuchtel der Nazis enteignet und misshandelt wurde. Ein Mensch der Job, Ersparnisse und Haus verliert und wenn überhaupt nur noch unmotivierteste Arbeit verrichten darf, ist fast auf gleicher Stufe zu nennen. Seine Peiniger bleiben anonymer als die der Naziopfer , sie sind aber dennoch vorhanden. Schade dass der Film genau in diesem Bereich ausblendet.

Im Gegenteil, genau hier erzählt „Reine Chefsache“ nun von dem Wunschdenken, was man leider all zu oft in US-Filmen hört: Jeder kann es schaffen, und wenn Du an Dich glaubst und ehrlich bist wirst Du belohnt. Das Happy End ist purem Glück zu verdanken, wird aber leider nicht als solches deutlich dargestellt, was die ansonsten so vorbildliche Aufklärung verwässert. Zumindest zeigt die Rolle von Grace im Finale, dass man sich nicht von der offiziellen Angstmacherei anstecken lassen sollte, man solle sich auf Teufel komm raus einen Job suchen. Die übliche Propaganda von heute hätte das Gegenteil behauptet: Nimm den Job der Dir am Ende des Filmes angeboten wird, heutzutage ist es doch so wichtig einen Beruf zu haben. Erstaunlich wie viele auf diesen Mist täglich hereinfallen.

Von der Inszenierung her gibt es von meiner Seite aus nur einen gravierenden Kritikpunkt: Wer über das hier angesprochene Thema aufklären will, wenn auch über die Form eines Unterhaltungsmediums, der wäre ehrlicher gefahren, wenn auf das ewige Product Placement verzichtet worden wäre. Markenzeichen von Autos, Getränken, Kreditkarten, was auch immer, werden häufig eingeblendet und mit Absicht gut im Bild positioniert. Hollywood ist halt auch nur Geldmacherei, auch hier zählt: Geld ist Geld. Ein Film, der seine Botschaft ernst meint, hätte aber gerade in diesem Punkt darauf verzichten müssen. Und wer den Zusammenhang nicht erkennt, hat ohnehin nichts begriffen, nicht einmal durch diesen Film.

„Reine Chefache“ ist ein gelungenes Werk und eignet sich auch zum öfters gucken. Er ist lustig und traurig, er stimmt nachdenklich und schafft es, dass man auch seine eigene Grundhaltung noch einmal überprüft. Letztendlich ist er allerdings doch zu sehr Märchen. Damit darf er sich zu Filmen wie „Dave“ oder „Dangerous Minds“ einreihen, ist von Letztgenanntem vom Niveau her aber meilenweit entfernt. Dafür ist „Reine Chefsache“ handwerklich einfach zu gut und inhaltlich zu anspruchsvoll.  OFDb