Freitag, 21. September 2012

KATY - EINE KLEINE RAUPE IN DER GROSSEN STADT (Katy 1984 José Luis Moro)


Katy Grünraupe findet es auf dem heimischen Kirschbaum langweilig. Während die anderen Raupen nur mit fressen beschäftigt sind, wünscht sie sich mehr. Das kann doch nicht alles sein. Ein Naturgeist pflichtet ihr bei und verrät ihr, dass aus ihr irgendwann ein anderes Tier werden wird. Katy zieht durch die Welt um herauszufinden, welches Tier sie werden möchte...


Diese Raupe ist satt...

Eine Raupe auf der Suche nach ihrer Bestimmung, die, wie wir alle wissen, das Schmetterlingsein sein wird, das klingt nicht nach freiem Willen, sondern danach sich dem unterzuordnen, was einem vorbestimmt ist. Trotzdem geht „Katy“ einer ganz anderen Philosophie nach. Die Lehre der Geschichte ist: sei Du selbst, mach aus Dir was Du möchtest und lass Dich nicht von anderen beirren.

Das ist eine häufige Botschaft in Medien für Kinder und Jugendliche, und „Katy“ ist ganz klar ein Kinder- und kein Familienfilm. Um so schöner ist es, wie in dieser Produktion die Kleinen an die Hand genommen werden, um vor Eigenschaften und Institutionen zu warnen, die das Kind als solche in der Geschichte selbst noch nicht entschlüsseln kann. Denn Regisseur Moro lässt die Raupe nun auf Tiere treffen, die für verschiedene gesellschaftliche Fallen stehen, womit die Geschichte einen gesellschaftskritischen Touch bekommt.

Katy probiert verschiedene Tierarten aus, um glücklich zu werden und landet beispielsweise im Bienenstaat, in dem jedes Mitglied unfrei ist. Hier gibt es keine Verniedlichung a la „Biene Maja“, sondern der Bienenstaat wird gnadenlos als das Arbeitslager gezeigt, das er nun mal ist. Und das erinnert nicht nur an Zwangsarbeit und Firmen mit fragwürdiger Arbeitmoral, sondern in erweiterter Hinsicht auch auf Institutionen, welche die Gedanken ersticken und kontrollieren wollen. Katy wird eingeredet sie sei eine Biene, Fluchtversuche sind sinnlos, mir persönlich kommt da die ein oder andere Sekte in den Sinn. Sowohl Zwangsarbeit, als auch Glaubensgemeinschaften stehen der Kernaussage des Films im Weg, deswegen wird vor ihnen gewarnt.

Schön auch wie Katy auf ihrer Suche auf einen Frosch trifft, der ihr durch Konsum das höchste Glück verspricht. Besitzt Du etwas, bekommt Dein Leben Sinn! So verkauft er Katy einen Knopf, und auf die Frage was sie mit dem machen soll, bekommt sie die simple Antwort: besitzen! Nach Vollzug des Geschäfts (auf pump) wird aus dem freundlichen Frosch der vielbeschäftigte Egoist, der nun keine Zeit mehr für Fragen hat. Seinen Sollwird er mit diesem Knopf nicht erfüllt haben, und er muss wen neues Doofes finden, den er hereinlegen kann.

Ich denke schon, dass vielen in Zeiten von Turbokapitalismus, 1 Euroshops und Systemgastronomie-Ketten, das Thema fremd geworden ist. Dingen, die man als normal empfindet, kann man nur schwer den Sinn einer Kritik abgewinnen. „Katy“ ist noch zu einer Zeit gedreht, in welcher die Konsumkritik ehrlich wirkt und in welcher der Hauptaspekt des Lebens nicht aus Konsum bestand. Der Weg zum Heute war deutlich, nur wenigen war bewusst wohin er führt. Kleine zu warnen war da nur gerecht.

Katy bleibt immer sie selbst, landet irgendwann mit einem Mäusebegleiter in der Stadt, wo das moderne, hektische Leben seiner Zeit eine Rüge erteilt bekommt. Unübersehbar ist in diesem Stadium der Geschichte die Parallele zum berühmten Märchen der Stadt- und der Landmaus. Aber die Übereinstimmungen halten sich in Grenzen.

Dass es die Stadt für Katy auch nicht bringt, ist klar, und auf ihrer Odyssee durch die Welt entdeckt sie das Schmetterlingsein für sich, ohne es benannt zu kriegen, denn einem Schmetterling ist sie nie begegnet. Eine fliegende, bunte Blume möchte sie sein, gesteht sie dem Naturgeist und könnte damit kaum näher an der kindlichen Ader orientiert und formuliert sein.

Die Geschichte ist also trotz erwähnter Kritik an Bereichen der Gesellschaft sehr kindgerecht erzählt, und diesem Stil fügen sich auch die Zeichnungen, die zwar recht simpel, aber auch sehr wirkungsvoll und sympathisch sind. Die Ausnahme bildet leider Katy selbst, die mir zu kitschig animiert ist. Über den Rest kann man jedoch nicht klagen, auch wenn das Hauptaugenmerk auf den Figuren liegt. Mit toll gezeichneten Hintergründen muss hier keiner rechnen.

Positiv fällt auch die Musik auf, die weder kitschig noch imposant umgesetzt wurde, sondern kindgerecht und pfiffig. Die Songs sind kleine Ohrwürmer und meilenweit entfernt vom selbstbeweihräuchernden Stil der Zeichentrickmusicals von Disney seit „Arielle, die Meerjungfrau“.

Die Geschichte von „Katy“ neigt aufgrund ihres wiederholenden Themas gegen Ende zur Langeweile, bekommt aber kurz vor dieser noch den rechten Bogen, um den Film noch einfallsreich zu beenden, bevor Desinteresse entsteht. „Katy“ ist ein netter Film geworden, den man ohne Bedenken seinem Nachwuchs vorsetzen kann.


OFDb

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