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24.10.2015

MARVILLE D.C. (2015)

Wenn in einem Film ein Mann zu Man-Man wird, weil ihn der Biss eines radioaktiven Mannes die Kraft zweier Männer verliehen hat, oder Autos in einer Stadt voller Superhelden, die alle fliegen können, nur für das Einhalten des klassischen Stadtbildes überall herumstehen, dann befinden wir uns in der humoristischen Welt Moritz Stiebers, der uns mit „Ryoshi Shupigeru“ bereits eine Anime-Parodie und mit „The Wildlife Explorer“ bereits eine Zombie-Parodie beschert hat. Die Komik seiner Werke trifft ziemlich genau mein Humorempfinden, und deswegen bin ich großer Fan der Kurzfilme aus der Emuvies-Schmiede Stiebers, die zwar nie ganz den Amateurfilm-Bereich verlassen haben, in ihrer Umsetzung jedoch immer professioneller werden.

Ähnlich wie in „Wildlife Explorer“ haben wir es bei „Marville D.C.“ mit einer Fake-Doku zu tun, ein 17-Minüter der basierend auf einer Grundidee so viele miteinhergehende Ideen hineinpackt wie nur möglich. Die Möglichkeiten sind so unbegrenzt wie die Kräfte der Bewohner, ließe sich aus der geschaffenen Situation doch eine komplette Serie drehen, die weit über den Ideenreichtum eines „Eureka“ hinausgehen würde, eine Serie die bereits ab der vierten Staffel schwächelte.

Zwar ist es das Hauptanliegen des Streifens basierend auf der Superheldenkultur in Comic und Film spielfreudig albern herumzufrotzeln, aber die vielen liebenswerten Flachköpper die immer wieder eingestreut werden sollten nicht davon ablenken, dass der Humor Stiebers als durchaus geistreich zu bezeichnen ist. Wenn Herr Bermann die Probleme in der Stadt damit zusammenfasst, dass in einer Stadt voller besonderer Menschen niemand mehr besonders ist, dann darf es auch mal philosophisch werden. Auch kleine Anflüge von Gesellschaftskritik sind zu erkennen. Die Bürokratie bekommt ihr Fett ebenso ab wie die Unreife unserer heutigen Gesellschaft.

Letzteres ist kaum zu übersehen, besitzen doch alle Bewohner von Marville D.C., mit Ausnahme von Herrn Bermann, überdeutlich kindliche Charakterzüge, was schon ganz gut zu Menschen passt, die in kunterbunte Klamotten schlüpfen um sich gegenseitig ordentlich eins auf die Nase zu geben. Die durch einen Schriftzug zu Beginn mitgeteilte Vorgeschichte greift gar auf einen besonders interessanten Gedankengang aus „Kick-Ass 2“ zurück, in welchem die Frage aufgestellt wurde, ob erst das Erscheinen der Superhelden zu so viel Unglück führen konnte. In Stiebers Fantasy-Komödie setzt man darauf, dass es Superschurken nur deshalb gibt, weil die Anwesenheit von Superhelden ihre Existenz geradezu provokant heraufbeschworen hat.

Die Menschen hatten es satt zwischen den Kriegen der Superschurken gegen die Superhelden zu stehen. Wie die Welt vor der Gründung der Superheldenstadt ausgesehen hat, kann man sich ausmalen wenn man herrlich billig getrickst den Alltag in Marville D.C. miterleben darf. Zerstörungsfreude, kindische Kabbeleien und Größenwahn sind hier Selbstverständlichkeiten, wenn auch längst nicht mehr so freudig ausgelebt wie einst, denn das eingesperrte Leben unter seinesgleichen kann schon depressiv machen, manchen Helden gar in den Alkoholismus führen. Und allein dieser Ansatz kann ein Sinnbild für so vieles sein, aktuell gesehen sogar für eine Kritik an der derzeitigen Flüchtlingssituation. Inwieweit da was von Stieber gewollt ist oder nicht lässt sich so nicht erkennen, ergibt doch recht vieles im Film ein Sinnbild diverser ernster Probleme in der realen Welt, was aber wohl eher für die gute Beobachtungsgabe und den cleveren Humor Stiebers steht als für eine Absicht gezielt tiefgründig direkte Themen ansprechen zu wollen.

Die Schwäche am fertigen Film liegt in der Brillanz seiner Grundidee: vieles was vertieft gehört klingt nur kurz an. Stieber zeigt ein breites Spektrum an Möglichkeiten welche der Grundkern der Geschichte ermöglicht, kann aber keine davon zur vollkommen Befriedigung ausschöpfen. „Marville D.C.“ ist wie erwähnt einfach ein Stoff der in Serie gehört um ihm gerecht zu werden. Das können 17 Minuten beim besten Willen nicht auffangen. Vielleicht hätte man besser auf die Idee wie die Stadt zu ihrem Ende fand verzichten sollen, um sein Hauptaugenmerk auf nur angekratze Bereiche legen zu können. Andererseits gäbe es dann nicht diesen herrlich flachen Witz über den Unsichtbaren im Abspann zu lesen. Das wäre doch schade gewesen. Ebenso schade wie wenn es trotz berechtigter Kritik am Kurzfilm-Format den hier besprochenen Streifen nie gegeben hätte, der innerhalb seiner Möglichkeiten das beste aus einer Idee herausholt, die eigentlich nur grob überflogen wurde.

15.06.2014

RYOSHI SHUPIGERU (2014)

Es hat lange Zeit gedauert, aber mein Lieblings-Amateurfilmer hat endlich wieder mit einem neuen Kurzfilm zugeschlagen, sich diesmal der Parodie eines Filmbereichs widmend mit dem ich mich nur bedingt auskenne: dem Anime-Bereich. Hierbei hat es der Österreicher Moritz Stieber, der diesmal nur in einer Sprechrolle mitspielt, dafür aber mit Regie, Schnitt, Buch, Musik und einigem mehr seinen persönlichen Stempel aufdrückt, es speziell auf die billig heruntergekurbelte Massenware der Animeserien abgesehen, einen Bereich den ich als seltener Gast des Genres erst recht nicht sichte. Dennoch weiß ich durch die Fragmente, die man auch als Laie zu dieser Gattung cineastischer Unterhaltung mitbekommt, dass hier sehr detailfreudig und nah am Standard parodiert wird, und dies auf eine Art die Anime-Fans ebenso begeistern dürfte wie schadenfreudige Anime-Gegner.

Stieber steigt mitten ein in eine x-te Folge einer fiktiven Serie. Wir bekommen zu Beginn ebenso mitgeteilt was bisher geschah, so wie wir gegen Ende eine Vorschau auf die angeblich nächste Episode bekommen. Die Nähe zu einer Originalausstrahlung im TV ist Stieber hierfür wichtig, so dass der Film auch kurz für einen japanischen Werbespot unterbrochen wird. Der gute Mann wollte viel, achtete dementsprechend auf allerlei Kleinigkeiten, und so weit ich das mit meinem beschränkten Fachverständnis beurteilen kann ist er in seinem Detailfanatismus nah dem Perfektionismus. Spontan wüsste ich nicht was an Parodiematerial fehlen dürfte.

Das beginnt mit schlichten, aber gewitzten Elementen, so z.B. der Idee, dass inmitten eines Animationsfilmes die Figuren zwar (mit Ausnahme einer obligatorischen Niedlichkeitsfigur a la Pikachu) von echten Menschen gespielt werden, sie aber animationstypisch fast immer von einer schwarzen Umrandung umgeben sind, typisch 2D-Animation eben. Das gefällt mir persönlich besonders gut. Zudem arbeitet Stieber mit der Parodie des schluderigen Synchronisierens, wenn Mundbewegungen nicht zum Gesprochenen passen oder Texte sich von schlechten Sprechern wie aufgesagt, oder in besseren Momenten sich wie auf Hörspielniveau anhören. Dass die Schauspieler, die wie ich hörte sogar fertig ausgebildete sind, dabei einen ungeheuren Spaß im absichtlich überzogenen und unglaubwürdigem Agieren und Aussprechen haben, ist nicht zu übersehen und steckt beim Zuschauen dementsprechend an.

Nicht zu übersehen sind die Animationsparodien von Action, Geschwindigkeit, billiger Hintergründe und ähnlichem. Selbst die Frisuren und der Sexismus der Animes wird bedacht. Es wird mit den klassischen Geräuschen ebenso gespielt wie mit inhaltlichen Klischees, die so vielseitig vorhanden sind, dass man sie wohl kaum gezählt bekäme. Ein Vorspann mit einem von Stieber komponiertem japanischem Lied (ohne springenden Punkt zum Mitsingen in den Vorspann integriert) und den obligatorischen japanischen (?) Schriftzügen, unterstreichen Parodiezweck und das Bemühen um eine authentische Wirkung in Bereichen, die nicht zwingend nötig gewesen wären, vom Filmfreund jedoch mit offenen Armen empfangen werden.

Denn mal ganz im ernst: es sind diese Specials, die „Ryoshi Shupigero“ so sehenswert machen, weniger die absichtlich alberne, Animeserien-typische hohle Geschichte, die nicht nur im eigentlichen Storyverlauf Seitenhiebe abbekommt, sondern auch in seiner Moral, in seiner wunderlichen Mystik und in der unterwürfigen Mentalität durch den Kakao gezogen wird. Es sind nicht einmal die schrägen, offen ausgesprochenen/gespielten Gags die das Endergebnis so sympathisch machen, und mögen sie noch so gut sein wie der Auftrag des Oberbösewichtes an seinen Untergebenen zur Beschaffung des ultraepigonischen Megakristalls, dem wohl besten klassisch eingebauten Gag.

Es geht viel mehr um die Gesamtwirkung, das Begreifen des kaputten zu parodierenden Ganzen, der liebevolle Umgang zwischen Detailfreudigkeit und einem fröhlichen Dahinschludern, die Bereitschaft zum absichtlichen Trash auf ehrlich gemeinter charmanter Basis, jene Art absichtlichem Schundverbrechen, für das man den „Schlingeln“, „Lausbuben“ oder wie auch immer Großmutter solche „Rabauken“ genannt hätte, die das ganze verbrochen haben, einfach nicht bös sein kann. Der fertige 18-Minüter ist ein Liebhaberstück, bei dem ich aber leider nicht beurteilen kann in wie weit auf ganz spezielle Animeserien eingegangen wird oder auch nicht. Da sich so viele Serien ähneln dürfte das aber fast schon egal sein.

17.02.2013

TITANANIC (2013)

Nach einem Schiffsunglück treiben Überlebende auf dem Wasser...
 
Voll Banane...
 
Schon lange warte ich auf einen neuen Film des Österreichers Moritz Stieber, der mir mit „Nesn Nose“, „Checkmate“ und anderen Werken wundervolle humoristische Momente auf den Bildschirm gezaubert hat und mit „Cargo“ sogar auch mit ernsten Tönen zu gefallen wusste. Zur Zeit muss man sich als Freund seiner Werke mit recht kurzen Beiträgen zufrieden geben, aber ein Blick auf „Titananic“ zeigt, dass sich auch dieser lohnen kann.

Nun wird nicht jeder vor Begeisterung aufschreien, wenn er von einer Obstversion des bekannten „Titanic“-Dramas hört, und dank „Angriff der Killertomaten“ und „Die gelbe Killerbanane aus dem All gegen die Kiwi“ ist das Spiel mit Lebensmitteln im Zentrum eines Filmes auch keine komplett neue Idee mehr. Aber wen kümmert‘s? Letztendlich ist „Titananic“ mit gerade mal einer Laufzeit von 1,35 Minuten auch viel zu kurz um sich über vergeudete Lebenszeit zu beschweren.

Stieber konzentriert sich in dieser Parodie auf den eigentlichen Kern der Geschichte (Kern, Obst, Ihr versteht... kicher): das Schiff geht unter, Überlebende nehmen kurz vor dem Tod Abschied. Dass das ganze recht nett funktioniert liegt nur bedingt an dem Gag das ganze als Obstversion zu präsentieren und sicherlich auch nicht an der gewollt schlichten Stop Motion. Hauptursache für einen guten Lacher ist letztendlich die Musik, die auf treffsichere Art geradezu unverkrampft albern das berühmte Celine Dion-Lied aus der wohl bekanntesten Verfilmung des Katastrophendampfers „Titanic“ von James Cameron verarscht, und dass auf so charmante Art, dass ich mir das Video gleich zwei mal angeschaut habe.

„Titananiac“ ist ein schlichter, kurzer Film, der nicht viel Aufmerksamkeit erregen will, sondern lediglich einer Idee nachgeht, die Stieber wohl nicht losgelassen hat. Wer weiß wo das ganze seinen Anfang nahm. Wer das DVD-Interview des Regisseurs Tom Six zu „The Human Centipede“ kennt, weiß wie harmlos manche Idee gestartet ist, und wer weiß ob mit „Titananiac“ bereits die endgültige Version der hier vorliegenden Idee bewerkstelligt wurde, oder ob uns diese Idee beizeiten in einem ausführlicheren Werk erneut präsentiert wird. Sollte es mal dazu kommen, sollte man jedoch auf die Sprechblasen verzichten, die in der jetzigen Version noch so positiv wirken. Einer längeren Filmversion täte dann schon eher eine Synchronisation gut.

„Titananiac“ ist ein kleiner Pausenfüller für die Wartezeit auf den nächsten längeren Banatterie-Film. Der letzte lag mit „The Wildlife-Explorer“ vor und liegt nun auch einige Jährchen zurück. Tja, je älter man wird um so mehr kommt einem beim Hobby Filmedreh das Leben dazwischen. Bis es zum nächsten richtigen Projekt kommt freue ich mich aber auf jeden Fall auf mehr solcher kurzen Früchtchen im großen Obstsalat cineastischen Schaffens.

18.10.2012

THE WILDLIFE EXPLORER (2010)

Bruce Riley dokumentiert auf einer seiner vielen Reisen das Leben und die Geheimnisse der Zombies, deren Taten von den meisten Menschen noch heute falsch interpretiert werden...

Zombie Hunter...
 
Wenn Regisseur Moritz Stieber sich an einen Zombiefilm heranwagt, dann weiß man, dass man keinen Gruselfilm zu erwarten hat. Der Mann tut das was er am besten kann und präsentiert mit „The Wildlife Explorer“ eine Komödie.

Angelehnt an den Tierexperten Steve Irwin und seiner Dokumentarreihe „Crocodile Hunter“ stapft Irwin-Verschnitt Riley durch die Botanik und bringt uns die freilebenden Untoten mit ihrer Lebensweise und ihren Ritualen einmal näher. Besonderes Augenmerk richtet man hier auf das Sexualleben der Zombies, was etwas plump klingen mag, den negativen Bereich aber erst streift, wenn man dem Geschlechtsakt der lebenden Toten beiwohnen darf. Im zuvor theoretischen Bereich weiß die Idee jedoch zu punkten, inhaltlich sowieso, aber inszeniert über den Monolog eines externen Experten wird die Szene gar zum Highlight des Kurzfilmes.

Ganz neu ist die Idee einer Zombie-Dokumentation sicherlich nicht. Bereits der Kurzfilm „What To Do In A Zombie Attack?“ wusste zu gefallen, griff dort hauptsächlich jedoch die Idee aus „Fido“ vorweg, die Zombie-Doku zu nutzen, um das biedere Bild vergangener Tage Amerikas vorzuführen. Stiebers Film geht eher Richtung „Danger! 50.000 Zombies“, in welchem das Team von „Shaun Of The Dead“ und „Hot Fuzz“ zeigte, wie man sich in freier Wildbahn bei Zombieangriffen zu verteidigen hat.

Genau dies ist zunächst auch Schwerpunkt in Stiebers Streifen. Wir lernen Regeln für den Umgang mit Zombies und dem Verhalten im Angriffsfall kennen, und die stellen erste Ernüchterung dar, hatte ich mir gerade vom Regisseur des lustigen „Nesn Nose“, der auch mit seinem Frühwerk „Checkmate“ die Lachmuskeln zu strapazieren wusste, etwas mehr erwartet. Nicht falsch verstehen, auch „The Wildlife Explorer“ ist gelungen, aber ich hatte ständig das Gefühl, dass mit diesem Konzept mehr möglich gewesen wäre.
 
Schade, zeigt Stieber auf der anderen Seite doch sehr deutlich, dass er bereits aus wenigen Möglichkeiten das beste herauszuholen weiß. Geld war Mangelware, digitale Spezialeffekte sollten so eingebracht werden, dass sie nicht kontraproduktiv wirken, und so darf man Verteidigungsstrategien beiwohnen, die nicht nur lästige Zeit für Choreographien einsparen, sondern auch Geld. Ein Glück kann man da nur sagen, denn wo andere Amateurfilmer nun die Schlachtplatte ausgebreitet hätten, da nutzt der Regisseur den Klamauk als Füllmaterial, der von wunderbar infantilen Nackenschlägen bis hin zu Methoden aus der Katzenzähmung reicht. Ein solcher Humor ist sicherlich nicht jedermans Geschmack, aber meiner allemal.

„The Wildlife Explorer“ war ein Projekt für einen Kurzfilm-Wettbewerb und entstand somit unter zeitlichem Druck. Hat man dies im Hinterkopf, ist es verzeihlich, dass Stieber nicht ein bisschen mehr aus dem Projekt herausgeholt hat. So hätte ich z.B. die Idee reizvoll gefunden, den gebissenen und infizierten Bruce Riley weitermoderieren zu lassen, jedoch im Zombiesinne. Spontan fiele mir als Vergleich der Spruch „Wir brauchen mehr Cops“ aus „The Return Of The Living Dead“ ein, um zu verdeutlichen wie ich das meine. Mag sein, dass ordentlich Seitenhiebe auf „Crocodile Hunter“ vorhanden sind, die den Film letztendlich reichhaltiger machen, aber da ich diese Doku-Reihe nie gesehen habe, kann ich das nicht beurteilen. Allerdings weiß ich, dass gerade die Parodie das Spezialgebiet des österreichischen Regisseurs ist.

Kennt man seine anderen Werke, so darf man doch recht überrascht sein, dass „The Wildlife Explorer“, der übrigens in englisch mit deutschen Untertiteln gedreht wurde, nicht völlig unblutig ausgefallen ist. Erwarten sollte man in diesem Bereich jedoch nicht zu viel, da gibt es ein wenig CGI-Blut zu sichten und das typische „wir futtern dem Metzger seine Ladentheke leer, die wir zuvor auf den Körpern der Opfer ausbreiten“. Da kommt es dem Film sichtlich zu Hilfe, dass er eine Komödie ist, bedeutet gerade Letzteres in vielen ernsten Produktionen doch schon häufig den Todesstoß.

Von Glück muss man hier jedoch nicht reden, denn kennt man Stiebers filmische Vergangenheit, weiß man, dass ihm dies bewusst ist. Man weiß, dass er sich seinen Mitteln fügt und Einschränkungen immer in ein Gewand presst, das sich gut kleidet. So nutzt er den Doku-Stil, um detailreichere Spezialeffekte bei Zombie-Attacken zu umgehen, und man ist ihm nicht böse drum, da diese filmische Ausrede viel besser zum fertigen Werk passt, als das was stattdessen hätte kommen müssen: ein wenig überzeugendes, billig umgesetztes Effektgewitter an Einbissen, Blutfontänen, all dem was zeitlich nicht möglich war, um es glaubhaft und bereichernd umzusetzen.

Wer sich im Amateursektor des Zombiefilms auskennt, weiß dass dies viele Filmemacher nicht davon abhält, dies trotzdem zu tun. Mit Schaudern erinnere ich mich an den langweiligen „Infekt“, dem im eigenen Blut ertrunkenen „Zombie 90 - Extreme Pestilence“ oder dem mittelmäßigen „Zombie Bloodbath“, dessen Schwachpunkt es war Blut- und Kampfszenen nicht glaubhaft darzustellen, solche Momente aber trotzdem zum Mittelpunkt des Streifens zu machen.

Kurzum: Stieber begeht diesen Fehler nicht und liefert eine ordentliche Arbeit ab. Sieht man einmal von der pubertären Sexszene ab, die noch einmal das junge Alter des Regisseurs verdeutlicht, weiß „The Wildlife Explorer“ eigentlich zu gefallen. Aber wie gesagt: ich denke da hätte es noch mehr Möglichkeiten gegeben Witze über die Laufzeit zu verteilen, bietet doch gerade der Dokubereich dafür so viele Möglichkeiten. Nichtsdestotrotz ist allein schon das eigene Fazit des Streifens einen Lacher wert, orientiert es sich doch an einer bekannten Weisheit Spinnen betreffend.

13.10.2012

CARGO (2010)

Eine Schnecke erwacht am Morgen im Grünen und macht sich auf den Weg...

Schnecke Katy in der großen Stadt...
 
Cargo ist englisch und steht für Frachtgut. Das passt zur Schnecke, die ihr Leben lang ihr Haus als Fracht mit schleppen muss, auf ihrem müßig langsamen Gang über unseren Planeten. Dass es längst nicht mehr unser Planet im Sinne aller Lebewesen ist, sondern jener der Menschen, mag eine bildlich versteckte Aussage sein. Hinter dem Kniff Stiebers, uns die Mühe der Schnecke zunächst in der Natur zu zeigen, erst mit Perspektivwechsel die Wahrheit zu verkünden, dass der Lebensraum der Schnecke lediglich eine Grünfläche in der Stadt ist, um das Tier Richtung Ende komplett in der Stadt aktiv sein zu lassen, steht jedoch für mehr.

Strahlt der Weg der Schnecke zu Anfang im Grünen noch Ruhe und Einklang aus, so arbeitet Stieber in den Stadtszenen mit Zeitrafferaufnahmen. Das Bewusstsein einer Schnecke und ihr Lebensstil sind langsamer als das hektische Treiben der Menschen. War der Hintergrund in den Naturaufnahmen noch ruhig und somit im Einklang mit dem Tier, so ist das hektische Grau unserer Gattung ein Widerspruch zur Welt der Schnecke. Aber selbst die Szene in der Stadt hinterlässt den Eindruck, dass unser Treiben dem vor sich hinwandernden Tier ziemlich schnuppe ist, mehr noch, es nimmt das Alltagsleben nicht wahr. Es ist nur eine Schnecke, ob das was besseres oder schlechteres ist als der Mensch sollen Philosophen beantworten.

Dass Stieber die Schnecke nicht nur der Langsamkeit wegen wählt (immerhin leistet das Tier in der kurzen Zeit ungerecht betrachtet weniger als der flinke Mensch, gerecht betrachtet mehr als er) verrät er uns bereits in der Einganssequenz, in welcher man das Spiralen-Muster des Schneckenhäuschens in einem langsamen Zoom beobachten darf. Schon der sehr geniale „Pi“ arbeitete viel mit dem Spiralmuster, das es häufig in der Natur zu sichten gibt, und sei es nur für uns unsichtbar im Körper als DNA-Strang. Eine solche Spirale scheint endlos. Sie wiederholt sich und dreht sich gewissermaßen im Kreis. So wie der Alltag der Schnecke, der an jedem x-beliebigem anderen Tag nicht sonderlich anders ausgefallen wäre.

Ob der Regisseur uns mit diesem Film nun das Leben des Tieres zwischen Aufstehen und schlafen legen zeigt oder provokativer und sinnbildlich das Leben zwischen Geburt und Tod, wird nicht ganz deutlich. Zu vermuten wäre letzterer Gedanke, ist es doch sicherlich kein Zufall dass das Erwachen im Grünen beginnt, das Ende jedoch in der grauen Stadt stattfindet.

Wie auch immer, das Leben ist ein ständiges Wiederholen, dem Menschen fast genau so unbewusst wie der Schnecke. In seinem hektischen Treiben vergisst es selbst der Mensch und wirkt neben dem Alltag des Tieres lächerlicher. Was halst er sich da unsinnigerweise alles auf, wenn es doch nur um fressen und gefressen werden und um leben und sterben geht. Alles ist Wiederholung, im eigenen Leben, im Leben der von uns in die Welt gesetzten Nachfahren, im Leben einer jeden Kreatur, bis hin zum Baum.
 
So steht die Schnecke für vieles und hätte nicht simpel durch ein anderes Tier ersetzt werden können. Der Film wäre nicht der selbe, und er wäre es auch nicht mit anderer Musikuntermalung. Stieber wählte ein ruhiges Lied von Beethoven aus, das sicherlich nicht zufällig eine monotone bzw. wiederholende Melodie beinhaltet (so wie das Leben der Schnecke und das Muster auf ihrem Haus), freilich ohne zu langweilen. Ganz im Gegenteil, das Lied macht die Hälfte der Wirkung des gesamten Kurzfilmes aus. Eine Tatsache welcher sich der Regisseur sichtlich bewusst war, ist die Erwähnung des Titels und Komponisten im kurzen Abspann doch die einzige Nennung neben seiner eigenen.

Was von Stieber bewusst gewollt war oder vielleicht auch intuitiv eingebracht wurde, wo er zustimmen würde oder mich beim überinterpretieren erwischt, so oder so ist ihm ein interessantes und besinnliches Stück Film gelungen, das zeigt dass er auch anders kann. An sich eher auf Humor und Zitierfreudigkeit abonniert wie in „Nesn Nose“, „Checkmate“ oder „Splatterer“, zeigt er sich hier von seiner sensiblen Seite, eine Seite die ihm nicht peinlich sein muss und höchst wahrscheinlich auch nicht ist.

Denn hinter den Albernheiten der anderen Werke steckte neben dem eigentlichen Können, dem Talent, immer auch eine gewisse Reife, ohne die das dort angewendete Humorverständnis nicht möglich wäre, so unreif sich die Produkte für manch einen auch schauen lassen. Bei „Cargo“ muss nun auch der letzte Spötter zugeben, dass mehr hinter seinem Können steckt als lustig sein, pubertär herumzualbern, Filme zu verarschen und mit Spezialeffekten um sich zu werfen.

Dabei ist der dramatische „Cargo“ ebenso Special Effect-Movie wie „Checkmate“. Schön allerdings, dass Stieber nicht erneut auf typische Computer-Tricksereien setzt, sondern auf Knetgummi-Animation, die einen schönen Mittelweg zwischen flüssigem Ablauf und ruppigen Bewegungen setzt. Die Schnecke ist im Nachhinein mit Bildbearbeitung in die Umgebung eingesetzt, in welcher sie tätig ist.

Zwar wie Knete aussehend, versucht der Regisseur das Tier in seinen Bewegungen jedoch so natürlich wie möglich wirken zu lassen. Das ist ihm gelungen. Wie erwähnt gibt es als zusätzlichen Effekt den Zeitraffer, der sicherlich 1/3 des Films rein von der Laufzeit in der er vorhanden ist, ausmachen dürfte.

„Cargo“ ist ein schöner Film geworden, ein kurzer Streifen der den Zuschauer selbst entdecken lässt, was es zu entdecken gibt. Eine Aussage wird nicht direkt getroffen. Mag sein dass wer anders das Werk anders interpretiert als ich. Allerdings sind meiner Meinung nach die gesetzten Muster in ihren unterschiedlichen Bereichen sehr deutlich vertreten und sicherlich kein Zufall.

11.10.2012

NESN NOSE (2010)

Zwei Gangster sind unterwegs, um für ihren Auftraggeber einen Koffer zu besorgen. Nachdem sie den in ihren Besitz bringen fahren sie zum Treffpunkt der Übergabe: ins Nesn Nose. Aber nicht nur der Name dieses Etablissements ist ominös, auch seine Betreiber...

Pampelmusen und ein Mexikaner mit Geigenkasten...
 
Was macht der Durchschnitts-Teenager in seiner Freizeit? Disco, Party, Filme schauen, das andere Geschlecht erobern und Musik hören. Doch manch einer widmet sich nebenbei auch anderen Dingen, kreativen Dingen, und zu diesen Menschen darf sich Jungfilmer Moritz Stieber zählen, dessen Kurzfilm „Checkmate“ mich auf ihn aufmerksam gemacht hat. Der Mann hat Potential, und wenn man sein Alter im Hinblick auf sein Talent beachtet, dann darf man sich bei fortsetzender Filmarbeit über seine zukünftigen (vielleicht sogar irgendwann einmal fremdfinanzierten?) Arbeiten freuen.

Das angenehme an seiner Arbeit ist, und das bezieht „Nesn Nose“ mit ein: seine Filme sind kurzweilig, zitatfreudig, herrlich albern und mit freiwilligem Trash versehen, wie gerade die Spezialeffekte im hier besprochenen Film beweisen. Da wird mit dem Computer das Blitzgewitter einer schießenden MG eingefügt. Da fliegen künstliche Patronen durch die Luft, und herrlich billiges Computerkunst-Blut tritt aus den Schusswunden der Opfer. Der Spezialeffekt-Sektor Stiebers ist ohnehin nah am Schund gebaut. So gibt es Vampirzähne aus dem Karnevalsshop und herrlich unechte Autofahrt-Hintergründe.

Der Witz: die Tricks sind immer gut genug für genau diese Art Film. Sie sind nie zu billig, als dass sie nicht wirken würden. In einem professionellen Film hingegen wären sie einfach lächerlich. Doch im Gegensatz zu manch anderen Amateurfilmern steht Stieber zu der Art seines Produktes und versucht nicht krampfhaft professionell zu sein. Letztendlich guckt sich „Nesn Nose“ wie ein Jux unter Jugendlichen, und genau das ist er ja auch. Das kann für Dritte funktionieren (sein „Splatterer“, eine Parodie auf „Saw“ und Co, tat es leider nicht), aber die müssen freilich offen für Amateurproduktionen und Albernheiten sein.

Stieber ruht sich keinesfalls auf dem simpelsten Niveau eines Amateurfilmes aus, wie man nun meinen könnte, nach dem Motto „ist doch eh nur ein Amateur-Jux!“ Der Österreicher gibt sich sichtlich Mühe. Angefangen bei seiner Zitatfreude in Wort, Bild und Musik, weiterverfolgt im Stil von Kamera und Schnitt (auch hier nah an den Vorbildern) bis hin zur völligen Eigenständigkeit, einem Talent das man nicht erlernen kann: dem Gespür für eine kurzweilige Umsetzung mittels der richtigen Witze und ihrer passenden Dosierung.

Diese Dosierung stimmt im letzten Drittel nicht mehr so ganz, orientiert man sich doch im Gesamtfilm stark an Tarantino und seine Werke (sollte man auch meinen, schließlich ist dies eine Hommage an den berühmten Regisseur), und so darf Richtung Finale die Action nicht zu kurz kommen und wo viel Action ist, da wird nicht mehr viel geredet. Auch hier wird versucht jede Menge Witz einzubauen, meist im Nichtdialog, auf Dauer wird die Stimmung trotzdem etwas zu monoton. Das kann wer anders auch anders sehen, denn der Löwenanteil orientiert sich an den typisch endlosen Tarantino-Dialogen, mag sein dass andere dies etwas öde finden und sich dementsprechend über den Actionbereich im Finale freuen.

In meinen Augen sind die Dialoge aber der wahre Hingucker bzw. Hinhörer dieses Streifens. Aus dem Burgerwitz in „Pulp Fiction“ wird ein Gespräch über Grapefruits. Man diskutiert über coole Sprüche und kommt zu der Erkenntnis, dass es einen Beruf geben muss, in welchem Leute stundenlang im Büro sitzen, um sich Filmdialoge auszudenken. Dieser Gedankenanstoß führt nicht nur zu einem 16jährigen an seinem PC (na, worauf mag die Anspielung wohl hinzielen), sondern auch zu dem entscheidenden Punkt, der wichtig für ein Amateurprodukt ist.

Das Drehbuch wird in vielen Amateurfilmen vernachlässigt. Oft gibt es nur ein Szenenbuch, und Dialoge werden in ihrer Wichtigkeit ohnehin meist unterschätzt. Stieber aber weiß dass er mitunter darauf setzen muss, und da der Humor nur so sprudelt wohl auch darauf setzen will. Ein weiteres gutes Schaffen diesbezüglich ist sein Kurzfilm „Dr. Hannes“, der so sinnlos wie lustig ist. Eine Kostprobe aus „Nesn Nose“ wäre folgende: der Gangster versucht mit dem Kneipenbesitzer ein Gespräch aufzubauen. Er reagiert nicht. Der Gangster möchte dem Mann die Hand geben. Er reagiert nicht. Darauf der Gangster: „Russel J. Jackson!“ Nach einer kurzen Pause antwortet der Barkeeper „Nein, so heiße ich nicht.“ Der Gangster: „Ich aber!“ Der Wirt: „Ich weiß, das hast Du mir ja gerade gesagt.“

Stieber setzt in Sachen Humor jedoch nicht nur auf den wirklich geglückten Wortwitz, er arbeitet auch mit Seitenhieben, so z.B. in der Audrucksweise amerikanischer Filme, nur dass aus Fucking und Bitch im Österreichischen die Orientierung Richtung Kacke geht. Seitenhiebe richtet er auch gegen sich selbst (Humor ist wenn man über sich selbst lachen kann), und so gibt es ein paar Sprüche, die auf seine Frisur abzielen. Schön auch das Einspielen eines kurze Tusch, der nach einem besonders flachen Witz zu hören ist. Oder aber auch das Spiel mit Österreich. Hier wird zurecht die Frage gestellt wie viele große Mexikaner in Nieder-Österreich anwesend sind.

Hält man im Film den Mund, arbeitet Stieber auf der atmosphärischen Ebene. Ein guter Soundtrack begleitet banale Geschehnisse, wie einfahrendes Auto oder das Rauchen einer Zigarette. Immer hübsch gefilmt und mit einem Sound, der ins Ohr geht. Da gibt es Musikmaterial aus den Filmen, die man parodiert, da werden Oldies ebenso gespielt wie klassische Musik. Immer wie es gerade passt. Auch hierfür benötigt man ein Gefühl, das sich nicht schlicht erlernen lässt.

Wermutstropfen, wenn man denn bis auf die arge Länge von etwa 50 Minuten unbedingt noch zusätzlich einen braucht, wäre das Schauspieltalent. Für einen Amateurfilm finde ich die Akteure jedoch brauchbar genug, erst recht wenn man ihr Alter bedenkt. Trotzdem wäre es wünschenswert gewesen, wenn der Darsteller der Samuel L. Jackson-Parodie versucht hätte ein wenig dunkler oder rauer zu sprechen.

Nichtsdestotrotz bin ich zufrieden mit dem Werk, auch wenn es meiner Meinung nach auf 30 Minuten kurzweiliger gekommen wäre. Aber dafür hätte man sicherlich an den Dialogen sparen müssen, das wäre dann auch wieder ein Fehler.

Zwei Dinge noch: Der Vor- und der Abspann orientieren sich ebenfalls an den großen Vorbildern und sind meiner Meinung nach sehr geglückt (inklusive der besonders bescheuerten Flachköpper vor dem Vorspann). Und ein Witz hat mir besonders gut gefallen. Das "Nesn Nose" (dessen Namensbedeutung bis zum Schluss ein ähnliches Rätsel wie der Kofferinhalt in „Pulp Fiction“ bleibt) hat einen Türsteher. Mit dem gibt es einen lustigen Dialog, irgendwann mitten im Geschehen in der Kneipe vergisst man ihn (den Türsteher, nicht den Dialog! Na gut, den auch! Sonst würde man sich ja auch an den Türsteher erinnern). Nicht aber Stieber, der es sich nicht nehmen lassen konnte, im größten Tumult einer Schießerei kurz vor die Kneipe zu blenden, um den hohlen Blick des Türstehers zu zeigen, während wir die durch die Tür gedämpften Schüsse des Massakers hören dürfen.

CHECKMATE (Jahr unbekannt)

Zwei Leute beginnen mit einem Schachspiel, das ein schnelles Ende findet. Doch erst als beide den Raum verlassen, beginnt unter den Schachfiguren der wahre Krieg...

Die durch die Hölle gehen...
 
Dieser kleine Streifen aus Österreich ist fast über die komplette Laufzeit gesehen ein reiner Special Effect-Movie. Das Teil ist privat gedreht, deswegen sollte man effektemäßig nun nicht zu viel erwarten, aber mit den Augen eines Amateurfilm-Fans kann man über den optischen Zauber nicht meckern. Stieber haut alles raus, was er an Tricks kennt. Selbstbewegende Figuren, hinein gemalte Gimmicks, selbst Stilmethoden wie das Bildersplitting werden verwendet.

Von den Spezialeffekten allein sollte man sich jedoch nicht blenden lassen. Stieber spielt mit allerhand Filmklischees. Was mit Figürchen ohne Mimik nicht umzusetzen geht, haut er in die kurzen Momente mit den menschlichen Darstellern rein, beispielsweise die berühmten Nahaufnahmen auf die Augen der Gegner. Aber auch mit den Schachfiguren selbst weiß er viel anzufangen.

Es ist ohnehin erstaunlich wie viel Leben er den emotionslosen Stückchen Holz ohne Gesicht und körperlicher Bewegungsmöglichkeiten einhaucht. Für dieses Ergebnis arbeitet Stieber mit Sound (kreischen bei Stürzen, fieses Lachen des Siegers), aber auch das Herumgehüpfe der Schachfiguren weiß den Püppchen Leben einzuhauchen. Ein wenig wirken sie wie kampfgeile Lemminge, oder wie ein wilder Flohhaufen. Tom und Jerry in der Kampf-Wiederholungsschleife! Gekämpft wird bis zum letzten Mann, und sicherlich geht es weiter, wenn die Kiste mit den Schachfiguren irgendwann einmal erneut geöffnet wird.

„Checkmate“ ist ein humorvoller Kurzfilm, sehr zitatfreudig in Musik und Bild und über fast 10 Minuten Laufzeit nie langweilig. Stieber wiederholt nichts, auch wenn eigentlich nur 8 von 10 Minuten gekämpft wird. Inhaltlich gibt es bereits keine Wiederholung, und um auf Nummer sicher zu gehen versucht der gute Mann auch optisch dem Auge nie Langeweile zu bieten. Massenschlachten, Laserschwerter, knallbunte Hintergründe, auf der einen Seite gibt es keinen Grund zu klagen.

Auf der (zugegebener maßen sehr kritischen) anderen Seite muss ich jedoch gestehen, dass ich das an sich frische Werk eine Spur zu massentauglich fand. Der Brachialhumor setzt auf Nummer sicher, mit dem Soundtrack geht man kein großes Risiko ein, die zitierten Filme sind weltbekannt. Bedenkt man aber das jugendliche Alter des Gestalters von "Checkmate" geht das vollkommen in Ordnung, zumal das Ergebnis auch jede Menge Lacher bietet.

„Checkmate“ ist ein kleines Amateurfilmchen für zwischendurch und macht viel Spaß. Wer gerne mal Kurzfilme schaut sollte diesen frühen Gehversuch im Filmschaffensbereich unbedingt mal anschauen. Moritz Stieber, der erst kürzlich für seinen Zombie-Kurzfilm "The Wildlife Explorer" einen Ehrenpreis einheimste, sollte man ohnehin im Auge behalten.