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30.12.2019

DIE UNSICHTBAREN KRALLEN DES DR. MABUSE (1962)

Ich weiß nicht ob 1962 zunächst "Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse" auf den Mark kam oder "Das Testament des Dr. Mabuse", ein Remake von Fritz Langs legendärem gleichnamigen Film, mit den Stamm-Stars der 60er Jahre-Reihe besetzt. Der Schluss des hier besprochenen Teils lässt vermuten, dass es ihn zuerst gab und Neuverfilmung und Fortsetzung zu eins werden. Das besäße einen skurrilen Reiz inmitten der herrlich wirr dargebotenen Reihe, ein Blick auf die nächsten Teile wird mir diesbezüglich Klarheit bescheren. Unabhängig davon ist in Harald Reinls zweiter Regie-Arbeit der Mabuse-Reihe noch mehr als im Vorgänger zu bemerken, dass die Rialto-Wallace-Reihe als finanziell stärkere Konkurrenz kopiert werden sollte. Nachdem Wallace-Regisseur Harald Reinl einen Teil zuvor Eintritt in die Welt des Mabuses fand, folgt ihm nun auch seine Ehefrau Karin Dor, die in einigen Werken der Konkurrenzreihe zu sehen war. Zudem spielen diverse Szenen in Schloss-artigen Gemäuern, ein weiteres Zugeständnis an das finanziell erfolgreichere Vorbild. Und als wäre dies an anbiedernden Nachahmungs-Versuchen nicht schon genug, stößt noch eine humoristische Nebenrolle, im Stile der Eddi Arent-Figuren aus dem Wallace-Universum, hinzu: der Kriminalbeamte Hase, gespielt von Walo Lüönd.

Es ist dem immer wahnwitziger werdenden, aber auch bekanntem Muster der Mabuse-Filme zu verdanken, dass "The Invisible Claws of Dr. Mabuse" (Alternativtitel) nicht nur eine lächerliche Kopie eines Wallace-Filmes wurde. Bekannte Gesichter aus den Vorgängern kehren wieder (inklusive Werner Peters in einer erneut anderen Schurkenrolle), Elemente, wie die Herrschaft des Verbrechens, werden erneut verarbeitet, und mit der Unsichtbaren-Thematik hatte man einen übernatürlichen Spielraum parat, der in die Konkurrenzreihe thematisch nicht gepasst hätte. Im Mabuse-Universum hingegen war mittlerweile alles möglich, was dem scheinbar unsterblichen Superverbrecher beim Erreichen seiner Ziele half. Wieder erweist sich die Kopie des Original-Genies als Stümper, auch hier bleibt sich die Reihe unfreiwillig treu. Die Fehler, die Mabuse begeht, seine verpassten Chancen, seine Gutmütigkeit an falscher Stelle und sein arg leicht zu durchkreuzender Plan, nachdem er ihn unachtsam ausgeplaudert hat, all das hat nichts mehr mit den Taten eines Genies zu tun, aber das war der selbsternannte zweite Dr. Mabuse (ein sehr früher Fall von unredlicher Aneignung eines Doktortitels), der seit "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse" die Filmwelt unsicher machte, ohnehin nie.

Ebenso wenig war Harald Reinl ein Künstler, wie es Fritz Lang, der Regisseur der ersten drei Mabuse-Filme, war. Zwar schaffte er es einen amüsanten, kurzweiligen Kriminalfilm mit Science Fiction-Einfluss umzusetzen, "The Invisible Dr. Mabuse" (Alternativtitel) ist wahrlich kein Langweiler, die Chance ein wenig mehr den Horrorbereich auszukosten, der immerhin cineastisch gesehen der Ursprung der Unsichtbaren-Thematik ist, nutzt er jedoch kaum. Kurz vor dem viel zu simplen Schluss weht ein kurzer Hauch Grusel-Feeling, wenn die Polizei mit ihren urigen Methoden als Konkurrenz zu Mabuses moderner Errungenschaft, auf der Lauer liegt. Ansonsten konzentriert man sich lediglich auf den klassischen Krimi-Stil seiner Zeit mit leichtem Humoreinfluss. Das Drehbuch, das die ersten Taten des Unsichtbaren mit einer überraschenden, arg naiv begründeten, Auflösung erklärt, lässt durch eben solche Einfälle ohnehin kaum Raum für wahre Bedrohlichkeiten. Um Nervenkitzel sollte es hier leider ohnehin nie gehen. Plumpe Schauwerte wurden für einen reißerischen Stoff eingesetzt, eine geradezu typische Geschichte der harten Welle wurde erzählt, und das Unsichtbaren-Thema damit eigentlich verschenkt. Da man in der Regel aber bereits vor der Sichtung weiß, dass hier nur Trivialunterhaltung geboten werden soll, und da Reinl diese auch kurzweilig und sympathisch zu bieten weiß, ist man dem Film um seine vertanen Chancen nicht wirklich bös. Wie könnte ich einen Film auch nicht mögen, in welchen Siegfried Lowitz eine solch große Rolle beschert bekommen hat?  OFDb

22.07.2017

GERN HAB' ICH DIE FRAUEN GEKILLT (1966)

„Gern hab‘ ich die Frauen gekillt“, wie könnte man diesen Titel nicht mögen? Und nicht nur er und sein Entstehungsjahrzehnt machten neugierig auf mehr, auch die Aufzählung der in ihr agierenden Stars von einst ließ die Erwartungshaltung wachsen. Klaus Kinski, Karin Dor, Lex Barker, um nur einmal ein paar zu nennen, nehmen in teils größeren, teils kleineren Rollen an dem bunten Treiben des Streifens teil, der sich zu meinem Bedauern jedoch als Episodenfilm entpuppte. Stammleser wissen wie schwer ich mich mit dem Aneinanderreihen von Kurzfilmen getarnt als Langfilm tue, zumal meist keine der Geschichten dieses Formats sein volles Potential auszuschöpfen weiß - und so war es dann auch in diesem Stück cineastischer Vergangenheit.

Wie so oft bei dieser Gattung Film werden die zusammenhanglosen Geschichten durch eine dünne Rahmenhandlung zusammen gehalten, und diese enttarnt ihren Sinn erst am Ende mittels einer Schluss-Pointe, welche den erzählten Geschichten doch noch einen dünnen Zusammenhang beschert. Aber viel gehaltvoller als die dämliche Idee, dass eine Geisel seinem Geiselnehmer drei Geschichten erzählt, ist auch diese nicht ausgefallen. Dass „Karneval der Killer“ (Alternativtitel) mir nicht so gut gefallen hat ist nicht nur zu bedauern da eine kunterbunte Schar Stars mitspielte, es ist auch schade um manch sympathische Idee, die durchaus ihren Reiz für mehr geboten hätte.

So wird die zweite Episode offensichtlich humoristisch erzählt, u.a. in dem man den sie unterstützenden Off-Kommentar dafür nutzt eine Art Lehrbuch der Agentenrichtlinien vorzutragen. Sätze wie „Agentenbosse irren sich nie“ verfehlen in übertrieben selbstsicherer Betonung nicht ihre Wirkung, die dazu gehörende Bilduntermalung stärkt ihre Pointensetzung dabei meist. Die Geschichte dazu fällt eher blass und routiniert aus, leider weiß die witzige Untermalung sie nicht komplett zu stützen. Episode 1 ist ähnlich inhaltsleer ausgefallen, unterhält dafür von allen drei Episoden jedoch am besten, was hauptsächlich daran liegt, dass der Humor hier weitaus subtiler eingestreut wird. Manch einer mag sich täuschen und glauben eine ernst gemeinte Kriminalgeschichte mitzuerleben. Stattdessen amüsiert sich der Autor über die Stereotype des aalglatten Kinohelden, den Stewart Grenger gekonnt souverän, und doch überspitzt, zu spielen weiß.

Tiefpunkt des Filmes ist schließlich die mit Lex Barker in der Hauptrolle so müde erzählte Geschichte eines Detektivs, der nach diversen Frauenmorden versucht das Leben des Präsidenten zu retten. Von Humor fehlte hier jede Spur, oder ich war mittlerweile zu unaufmerksam ihn zu bemerken, auf jeden Fall dümpelt Geschichte 3 müde vor sich hin, arbeitet dabei erneut nur Klischees ab, was ohne funktionierenden Humor diesmal nicht einmal aufgrund der 60er Jahre-Stimmung des Streifens Freude bereitet. „Gern hab‘ ich die Frau‘n gekillt“ (Alternativtitel) ist in seiner Absicht eigentlich durchaus sympathisch zu nennen, in seiner Umsetzung ist er jedoch zu arg oberflächlich und routiniert erzählt, als dass er mir wirklich hätte gefallen können. Sein mageres Ergebnis mag manch anderer aufgrund anderer versteckter Stärken aufgewertet sehen, ich habe für mich jedoch nicht viele weitere als die hier benannten entdecken können.  OFDb

15.03.2017

DIE BANDE DES SCHRECKENS (1960)

Gerne wird der Begriff Grusel-Krimi verwendet, wenn es um die Edgar Wallace-Reihe aus dem Hause Rialto geht. Gerechtfertigt, wie beispielsweise im Stummfilm-Klassiker „Orlacs Hände“, finde ich die Bezeichnung nicht gewählt, sind es doch höchstens die Spielorte die ein wenig gothischen Touch versprühen. Die Geschichten selbst beinhalten maximal leicht angedeutet das Sinnbild eines Monsters, so beispielsweise im blinden Jack aus „Die toten Augen von London“.

„Die Bande des Schreckens“ kommt noch am ehesten an den Begriff Grusel-Krimi heran, darf hier doch ein Toter Rache nehmen. Doch nicht nur dass von Anfang an klar ist, dass hier kein Verstorbener am Werke ist, sondern äußerst lebendige Zeitgenossen, auch das Flair selbst will nicht im Ansatz Grusel-Feeling versprühen. Was soll also dieser stets verwendete irreführende Begriff bezüglich einer Reihe, die mal mehr, mal weniger klassische Kriminalfilme bietet?

Wie auch immer, „Hand of the Gallows“ (Alternativtitel) ist ein sympathischer, klassischer 10 kleine Negerlein-Krimi, der zwar zum Mörderraten einlädt, einem aufgrund seiner erst im Finale lüftender Geheimnisse aber keine echte Chance gibt Rückschlüsse sinnvoll ziehen zu können. Verdächtige gibt es zu genüge, und 20 Minuten vor Schluss, wenn die Leiche eines der Todeslisten-Opfer nicht gefunden wird, ist längst klar wer der Chef der hier tätigen Verbrecherorganisation ist, lange bevor es das Drehbuch so möchte. Nur den Grund begreift man erst mit Enttarnung besagter Person.

Was mir an „The Terrible People“ (Alternativtitel) besonders gut gefällt, ist seine geradezu reine Art der klassischen Wallace-Zutatenkombination, die der Streifen als dritter Teil der langjährigen Reihe sicherlich seinem frühen Erscheinen zu verdanken hat. Die Love Story wird noch offensichtlicher und ohne verkrampftes Buhlen, Komplexe oder anderweitiger Hindernisse angegangen und zeigt in der Schluss-Szene ihre Leichtigkeit in einer Form, die eher im Heimatfilm zu Hause wäre. Und ähnlich ergeht es der komödiantischen Rolle Arents, anbei der einzig humorvolle Part des Streifens, die noch mit schlichtem Running Gag auskommt, trotz teilweise etwas krampfhaft eingefügter Szenen sich großteils aber dem Gesamten zu fügen weiß und das Voranschreiten der Geschichte gar unterstützt, was in späteren Werken nicht selbstverständlich sein sollte.

Neben den weiteren Stammdarstellern Joachim Fuchsberger und Karin Dor agieren die ebenfalls gelegentlich in der Reihe vorbeischauenden Elisabeth Flickenschildt und Fritz Rasp. Letztgenannter hat schon in den 30er Jahren in Edgar Wallace-Verfilmungen mitgespielt. Beide sind gern gesehene Mimen und meistern ihre Rollen gut, Flickenschildt etwas auffälliger als der souverän schlicht, aber subtil agierende Rasp.

Harald Reinl inszeniert das Geschehen, welches schnell hätte monoton ausfallen können, flott und damit sehr unterhaltsam, liefert aber auch kein überdurchschnittliches Ergebnis ab. Ob es nötig war die Erbschaftsverstrickung zwingend in die Rachegeschichte zu integrieren, sei einmal dahin gestellt, gibt der Love Story aber freilich zusätzlichen Zunder, zumal trotz Fuchsbergers Beschützerinstinkt die Rolle Dors keineswegs hilflos gezeichnet ist, sondern stattdessen recht taff daher kommt. Von daher ist es schön, dass sie stets per Betäubungsmittel außer Gefecht gesetzt wird, so dass beide Seiten des Liebespaares ihren Part erfüllen können.  OFDb

12.03.2017

DER FÄLSCHER VON LONDON (1961)

„Der Fälscher von London“ ist ein solide erzählter, ohne großen Hokuspokus auskommender, Kriminalfilm, in welchem nur wenige der großen Stars der Rialto-Wallace-Reihe auftauchen. Begnügen muss man sich mit der stets taff agierenden Karin Dor, und für zwei kurze Momente schaut Eddi Arent um die Ecke, dessen wenige Auftritte leider nicht den Witz geschenkt bekommen, den er sonst zu versprühen vermag. Wenn man dabei zusehen darf wie gewitzt und charmant Siegfried Lowitz agiert, kann man nicht verstehen warum er für die Reihe nicht zur Standardbesetzung in der Kommissarenrolle wurde. Zumindest wurde dieser Fehler 16 Jahre später mit der TV-Serie „Der Alte“ wieder wett gemacht, spielt er dort doch ziemlich genau jenen Typ Mensch, den er auch hier verkörpern durfte - abgesehen von den zwielichtigen Momenten, denn auch die von Lowitz verkörperte Rolle soll lange Zeit ein möglicher Fälscher sein.

Wenn die Identität des Gerissenen am Ende aufgedeckt wird, macht man mittels einer toll inszenierten Fahrstuhlszene einen riesen Wirbel um den Unbekannten, dabei kann es zu diesem Zeitpunkt nach etlichen Toten nur noch eine Person sein. Das ist etwas schade aufgrund der eigentlich wirksamen Inszenierung, ist aber nur ein kleiner Wermutstropfen in einem an sich gut erzählten und zum Mitraten einladenden Kriminalfilm, der trotz der Thematik um Schizophenie, dem Spielort auf einem Schloss und eines im Fall herummanipulierenden Gesetzeshüters ziemlich unaufgeregt, ja geradezu bodenständig daher kommt. Einzig die Methoden, mit welchen die Verschwörer vorgehen, sind typisch fantastischer Wallace-Natur, bilden im Gesamtbild jedoch die schlichte Ausnahme.

Der stimmige Soundtrack von Martin Bötcher weiß das gelungene Gesamtbild zu unterstützen, schmiegt er sich doch sanft in die Ohren des Zuschauers, so schlicht und zurückhaltend wie die gesamte Inszenierung von Regisseur Harald Reinl ausgefallen ist. „The Forger of London“ (Alternativtitel) ist weder einer der schrilleren Wallace-Beiträge der Rialto-Serie, noch einer der großen Hingucker, aber Krimi-Fans wird er definitiv gefallen, ganz unabhängig davon welcher Reihe der Film eigentlich angehört. Zudem ist er stellenweise recht emotional ausgefallen und weiß damit zusätzlich durch seine ungewöhnlich eingefädelte Love Story zu fesseln. Nach „Der Fälscher von London“ wissen wir nun endlich, dass Geisteskrankheiten der Liebe manchmal auf die Sprünge helfen können.  OFDb

03.03.2017

OTTO - DIE SERIE (1994)

Nicht nur die halbe Filmwelt war begeistert von Carl Reiners Geniestreich „Tote tragen keine Karos“ mit Steve Martin in der Hauptrolle besetzt. Auch Otto Waalkes sympathisierte mit der dort umgesetzten Idee moderne Schauspieler auf Personen klassischer Filme treffen zu lassen. Inspiriert vom großen Vorbild drehte er über 10 Jahre später „Otto - Die Serie“, ein TV-Produkt, und baute sich in diverse Szenen der Rialto-Wallace-Reihe ein, die mit „Der Frosch mit der Maske“ 1959 ihren Anfang nahm.

Allein dass Otto Waalkes derjenige war, der sich an solch ein Projekt heranwagte, verursacht im Vorfeld bereits Bauchschmerzen, gehört der ostfriesische Komiker doch nicht gerade zu den einfallsreichen Männern seines Fachs. Bereits in Komödien wie „Otto - Der neue Film“ und Co bewies er, dass er sich immer wieder auf alte Lacher verließ, die ihm einst den Ruhm bescherten - und selbst mit denen kann ich wenig bis gar nichts anfangen.

Mit dieser Meinung mag ich vorbelastet sein, aber es tut mir leid, an „Otto - Die Serie“ gibt es nun wirklich nichts schön zu reden. Aus einer sympathisch klingenden Idee wurde ein verflixt mieses Werk. Nicht nur dass mich die typische Otto-Komik in ihrer alten, unkreativen Leier nervte, ihr würdeloser, inflationärer Umgang ließ es erst gar nicht zu, sich unvoreingenommen der innovativ klingenden Idee zu öffnen. Denn wo bleibt auf diese Art der Respekt vor der Vorlage? Otto bezieht sich meist nicht auf irgendwelche Wallace-Themen, er hat nicht vor diese in ihren Stärken oder Schwächen am Schopf zu packen und damit im Kern zu parodieren, nicht einmal in der Ausnahme. Sie dienen einzig der Pointenunterstützung für Ottos Kalauer.

Auch dies ginge noch halbwegs in Ordnung, wenn Mühe hinter dem Projekt zu erkennen wäre. Aber wenn fast jede klassische Szene neu synchronisiert wird, damit sie erst zur Pointenvorlge der Dialoge werden kann, dann ist das schon eine sehr dünne Nummer, die man mit jeder Art Füllstoff hätte umsetzen können. Dann hätte man z.B. nicht Ottos peinlichste Rolle, jene des Baby Otto, ausgerechnet frei jedweder Würde auf Klaus Kinski loslassen müssen, der bereits Probleme mit der Wallace-Reihe selbst hatte, so sehr wie er sich immer als Künstler der Schauspielerei sah. Was würde der sich wütend schnaubend im Grab umdrehen, wenn er sehen müsste, wie nach seinem Tod ehemaliges Filmmaterial dafür hergegeben wird, damit ein peinlich, herumkaspernder Mann in Babyklamotten seine dünnen Witzchen auf seine Kosten reißen kann?

Was lieblos mit jeglicher Neuvertonung der klassischen Wallace-Vorlagen beginnt, zeigt sich ebenso enttäuschend billig umgesetzt in dem Einsatz der Doubels, beispielsweise wenn Schauspieler der Wallace-Reihe mit neuen Personen bei Aufnahmen von hinten ersetzt werden müssen, damit Otto vor ihrer Nase herumkaspern darf. Ich will es mal so ausdrücken: selbst die 70er Jahre Schnellschuss-Produktion „Wir hau‘n die Pauker in die Pfanne“, die sich im selbigen Punkt ebenfalls keine große Mühe gab als sie Theo Lingen in einer Doppelrolle doubeln musste, hat bessere Doppelgänger vorzuweisen als Otto Waalkes mit all seinem vielen Geld bereit ist in seine TV-Sendung einzubauen.

In einem Projekt, in welchem die Liebe nur an sich selbst gerichtet ist, anstatt an die Vorbilder, die Leidenschaft vorhandene Idee umzusetzen oder die Freude den Zuschauer zu belustigen, da kann Komik nicht fruchten, erst Recht nicht wenn man eine wundervolle Filmreihe mit Füßen tritt anstatt sie zu ehren. Ich habe von Otto Waalkes nun nie viel gehalten, aber ich war naiv genug zu glauben, Otto hätte zumindest dieses Produkt nicht der schnellen Mark wegen gedreht. Wie man sieht habe ich mich diesbezüglich geirrt, so dass sich „Otto - Die Serie“ in die Schlange Ottos cineastischer Gehversuche einreihen kann, von der ebenfalls keines aufgrund einer guten Idee, einer erzählenswerten Geschichte oder dem Einbringen frischer Gags entstanden ist. Ob TV-Produkt oder Kino - das Ergebnis bleibt gleichermaßen enttäuschend.  OFDb

15.07.2016

DRACULA JAGT FRANKENSTEIN (1970)

Aliens, welche die bekanntesten Filmmonster des klassischen Kinos erwecken, diese Idee von Paul Naschy, der in seiner Paraderolle als der Werwolf mit an Bord ist, klingt zunächst recht reizvoll. Und die Anwesenheit Karin Dors, fünf Jahre nach ihrem Ausstieg aus der Edgar Wallace-Reihe von Rialto, weiß ebenfalls Interesse zu wecken in einer Co-Produktion aus Spanien, Italien und Deutschland. Da erwartet niemand was anderes als herrlichen Unsinn oder ein sleazy Happening. Die Erwartungen sind also nicht all zu hoch. „Dracula jagt Frankenstein“ soll einfach nur unterhalten. Und diese eine einzige Erwartung kann er leider nicht erfüllen.

Wenn man bedenkt dass die allgemein bekannte Trash-Perle „Plan 9 From Outer Space“ von der Grundidee her auf ähnlichen Pfaden wandert und als sympathisch unsinniges Filmchen so wunderbar funktioniert, fragt man sich was wohl schief gelaufen ist an „Dracula vs. Frankenstein“ (Alternativtitel). Es mag sein dass mal wieder viele Köche den Brei verdorben haben, mischten an der wirr erzählten Geschichte doch gleich drei Regisseure mit, und so holprig wie die einzelnen Handlungsfragmente aneinander gepappt werden, darf man sich zu Recht fragen wieviel Konversation zwischen den Dreien wohl stattgefunden hat.

Allerdings hat schon so mancher unter ähnlichen Schwächen zu leidende Genre-Beitrag mit Paul Naschy bestens funktioniert. Diese schafften es neben ihrer unfreiwilligen Komik aber auch immer einen gewissen Grad an stimmiger Atmosphäre zusätzlich zu erschaffen, ein Zustand den der viel zu nüchtern und monotone „Operation Terror“ (Alternativtitel) nie erreicht. Das liegt aber auch daran, dass die wundervolle Idee den Bereich des SF-Horrors mit dem Genre des Kriminalfilms zu kreuzen (immerhin sind es Polizisten, welche die unheimlichen Vorkommnisse lüften sollen und den Außerirdischen auf die Schliche kommen) dadurch verwässert wird, dass das Hauptaugenmerk auf die Taten der Aliens gelegt wird, die pausenlos über ihre Mission plappern, was auf Dauer ganz schön anödet.

Dass ihre überlegene Art stets im Widerspruch zu ihren Taten und ihrem Denken steht, muss kein Hinderniss für einen unterhaltsamen Trivialfilm sein. Dieser Widerspruch wird teilweise sogar durch die Idee aufgefangen, dass auch die Außerirdischen nicht immun gegen menschliche Gefühle sind, eine Idee die „FBI jagt Phantom“ in fast dem gleichen ungewöhnlichen Genre-Mix einige Jahre zuvor wesentlich besser verarbeitete, was kein Wunder ist, so viel besser wie der sich im Vergleich zum hier besprochenen „The Man Who Came from Ummo“ (Alternativtitel) guckt.

Von daher rate ich allen lieber zu diesem zu greifen, wird „Dracula jagt Frankenstein“ seinem Ruf eine Party des schlechten Films zu sein doch keineswegs gerecht, auch wenn sich manch gut funktionierende Unsinnigkeit und der ein oder andere nett inszenierte Moment mit eingeschlichen haben. Der Großteil des Streifens ist einfach viel zu öde ausgefallen und mit zu viel Leergeschwätz in die Länge gezogen, als dass er schundbegeisterte Vielgucker tatsächlich hinter dem Ofen hervorlocken könnte.  OFDb

14.07.2016

DER UNHEIMLICHE MÖNCH (1965)

„Der unheimliche Mönch“, der in den USA bereits 1938 verfilmt wurde, sollte, vom in Farbe gehaltenem Vorspann einmal abgesehen, der letzte Schwarz/Weiß-Beitrag der Rialto-Wallace-Reihe werden. Passend zu dieser überholten Methode des Bilderablichtens kommt auch die Inszenierung eines Stoffes noch veraltet daher, der Ähnlichkeiten zu dem zwei Jahre zuvor inszenierten „Der schwarze Abt“ besitzt und von Alfred Vohrer gerade einmal zwei Jahre nach seinem Erscheinen in Farbe als „Der Mönch mit der Peitsche“ neuverfilmt wurde.

Das musikalische Hauptthema von Wallace-Stamm-Komponist Peter Thomas kommt so flott daher wie der eigentliche Film, in romantischen Momente klingt die Musikuntermalung jedoch eher parodistisch als herzzerreißend. Und jegliche andere Musikuntermalung fällt durch seine viel zu reißerische Art so überholt aus, wie „Der unheimliche Mönch“ an sich, der sich im Vergleich zu dem ihm folgenden, wesentlich moderner ausgefallenem, „Der Bucklige von Soho“ wie ein Werk aus einer vergangenen Epoche guckt, so als habe man übersehen, dass das Kino sich weiterentwickelt habe.

Das liest sich zwar sehr negativ, ist aber etwas was ich Regisseur Harald Reinl niemals ankreiden würde, der als einer der Stamm-Regisseure mit „Der unheimliche Mönch“ ebenso Abschied von der Reihe nimmt wie es Karin Dor tut. In diesem letzten Beitrag der beiden bieten sie noch einmal all das wofür die Kinoserie so beliebt war. Dor ist die taffe, sich in Lebensgefahr befindende, junge Frau, der eine Menge Menschen im nebligen England nach dem Leben trachten. Ein maskierter Killer, diesmal ein Mönch, der seine Opfer mit einer Peitsche tötet, ist freilich auch wieder mit dabei, ebenso wie der humoristische Sidekick Eddi Arent, der in diesem Film so manchen Stammzuschauer mit einem düsteren Geheimnis überraschen sollte.

„The Sinister Monk“ (Alternativtitel) guckt sich so überholt wie sympathisch, kann dem vergleichbaren „Der schwarze Abt“ mit Leichtigkeit das Wasser reichen, schafft es auf der anderen Seite aber auch nicht zu den Höhepunkten der Reihe zu werden. Dafür bleibt die Ermittlerfigur Inspektor Bratt zu charakterlos, das Thema des Mädchenhandels wird zu verkrampft in die Geschichte eingefügt und erweist sich als völlig unnötiges Element, und der komplette Zusammenhang des Kriminalfalls muss aufgrund seiner zu konstruierten Art arg bemüht vom Inspektor zum Schluss erklärt werden, damit all das Erzählte irgendwie einen Sinn ergibt. Dafür muss u.a. ein unsinnig psychologisches Leiden als Motiv für die Taten herhalten. Aber da dies selbst dem guten alten Hitchcock in seinem Vorzeigewerk „Psycho“ passiert ist, kann man das einem der Trivialunterhaltung verpflichtendem Film, wie dem hier besprochenen Werk, wohl kaum vorwerfen.  OFDb

05.08.2015

ICH, DR. FU MAN CHU (1965)

Fu Man Chu machte schon seit der 20er Jahre die Kinoleinwand unsicher, in den 30er Jahren verkörpert von Horror-Legende Boris Karloff. Als die harte Welle der 60er Jahre in vollem Gange war, entsann man sich aufgrund der Erfolge der Dr. Mabuse-Reihe des ähnlich angelegten asiatischen Größenwahnsinnigen und startete eine Reihe, im ersten Teil besetzt mit den Wallace-Veteranen Joachim Fuchsberger und Karin Dor, sowie Christopher Lee als Dr. Fu Man Chu, was wohl der größte Clou der Produktion sein dürfte.

Über die zuvor gedrehten Fu Man Chu-Filme weiß ich nichts zu sagen, aber verglichen mit der Wallace-Reihe, welche die harte Welle überhaupt erst ins Leben gerufen hatte, schaut sich „Ich, Dr. Fu Man Chu“ schon ein wenig mager. Der sonst so taff wirkende Fuchsberger, der nie ein großer Schauspieler war, wirkt eher albern als heldenhaft und scheint nie so ganz bei der Sache zu sein. Vielleicht verblasst er aber auch nur neben dem bedacht wirkenden Partner Nigel Green, welcher den Scotland Yard-Kommissar Nayland Smith mimt, der Fu Man Chu bereits seit Jahren jagt. Fuchsberger wirkt wie ein Kasper neben ihm, eigentlich immer nur treudoof der wichtigeren Hauptrolle folgend ohne von wahrer Bedeutung für die Geschichte zu sein.

Aber auch Christopher Lee hat man schon wesentlich überzeugender erlebt. Zugegeben: die Verantwortlichen der Maske haben ihn hübsch zurecht gemacht, aber eine diabolische Magie strahlt der Superverbrecher überhaupt nicht aus. Die Wirkung des Dr. Mabuse in seinen besseren Filmen erreicht die asiatische Konkurrenz nie. Da freilich auch die Story austauschbar ist, weit davon entfernt einen Innovationspreis zu gewinnen, dümpelt „The Face of Fu Manchu“ (Originaltitel) auch für einen Trivialfilm zu seicht daher um mit den interessanteren Werken seiner Zeit mithalten zu können.

„Ich, Dr. Fu Man Chu“ ist weit davon entfernt eine reine Actiongurke wie „Sechs Pistolen jagen Professor Z“ zu sein, dafür steht der Horror- und Kriminalpart zu sehr im Zentrum. Und auch in diesem Fahrwasser bildet er keinen Tiefpunkt wie „Hotel der toten Gäste“ oder „Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse“. Sharps Werk befindet sich irgendwo im Mittelmaß, sich etwas besser guckend als „Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse“, aber doch nie wirklich interessant werdend.

Zwar weiß zumindest der ein oder andere Dialog zu belustigen, und die Heldenhaftigkeit der beiden Hauptfiguren wirkt selbst für einen Film dieser Art ein wenig überzogen, aber solch ein Werk möchte man eigentlich nicht aufgrund unfreiwillig komischer Peinlichkeiten sehen, ein Zustand von dem „Ich, Dr. Fu Man Chu“ glücklicher Weise auch weit entfernt ist. Aber letztendlich sind es die aus heutiger Sicht unzeitgemäßen Schrulligkeiten, die dem Film seinen einzigen Charme bescheren. Weder die eingefangenen Bilder noch die grundlegende Atmosphäre ragen über Mittelmaß hinaus. Von daher darf es verwundern, dass Regisseur Sharp auch den ein Jahr später folgenden „Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu“ inszenieren durfte. Auch sein „Fluch der Fliege“ fiel im selben Jahr nicht wesentlich origineller aus. Und Spätwerke wie „Der Frosch“ und „Das Geheimnis der Phantom-Höhlen“ sprechen mit ihrem plumpen Ergebnis auch nicht gerade für ihn.  OFDb

26.03.2015

DER TEPPICH DES GRAUENS (1962)

Dieser recht früh zur harten Welle hinzugestoßene Konkurrenz-Beitrag der damals so erfolgreichen Edgar Wallace-Verfilmungen guckt sich wie ein Mix aus dieser und den 60er Jahre Mabuse-Filmen, beides Reihen für die Regisseur Harald Reinl tätig war. Mehr noch, mit Reinls „Der Frosch mit der Maske“ ging die komplette Welle überhaupt erst los. Dieser war, ebenso wie „Die Bande des Schreckens“, ein unterhaltsamer Beitrag. Doch an deren Qualität kommt „Der Teppich des Grauens“ nicht heran.

Das beginnt bereits mit der holprigen Einführung der Figuren und dem ungeschickten Einstieg in eine Geschichte, die viel zu bemüht verworren sein möchte, so dass es einen nach einem eher schwachen ersten Drittel schon wundern darf, dass der Film mit dem wohl bescheuertsten Titel innerhalb der harten Welle zumindest noch zu einem durchschnittlichen Ergebnis findet, wenn Figuren erst einmal an Sympathie gewonnen haben und das Interesse des Zuschauers für den laufenden Fall doch noch geweckt wird.

Freilich geschieht das alles zu spät um für Reinls Werk, das im selben Jahr wie sein „Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse“ erschien, eine Empfehlung auszusprechen, aber orientiert am besagten Mabuse-Film war das Filmjahr 1962 scheinbar ohnehin nicht Reinls bestes Jahr, sind doch beide Werke eher Light-Versionen der besseren Kriminalfilme dieser Zeit. Leider fehlt „Teppich des Grauens“ zudem auch der Bezug zum Sub-Genre Grusel-Krimi.

Trotz einer Verbrecherorganisation mit mystischem Gift und unbekanntem Hintermann ist der Streifen ein waschechter Kriminalfilm, wie er abgesehen von kurzen Action-Momenten klassischer kaum aussehen könnte, allein schon aufgrund der klaren Gut-Böse-Trennung, die man zwar scheinbar vermeiden wollte bei all den angeblich zwielichtigen Personen, die sich erst spät als Ermittler auf Seiten der Guten entpuppen. Aber aufgrund der Besetzung gehören sie nie zu den wahrlich verdächtigen Personen. Ihr guter Kern ist nie eine plötzliche Überraschung. Im Gegenzug entpuppt sich ein positiv gezeichneter Charakter nie urplötzlich als böse.

Es liegt an der guten Besetzung, dass „Der Teppich des Grauens“ sich in seiner Innovations-Armut noch brauchbar guckt. Neben Joachim Fuchsberger und Karin Dor gibt es noch manch anderes berühmtes Gesicht aus der Wallace-Reihe zu entdecken. Letztendlich sind die unbekannteren Gesichter auch die talentierteren. Aber die beiden Helden wissen zumindest über ihren Charme auf den Streifen zu wirken, das ist auch schon viel wert.

Die Auflösung ist meiner Meinung nach nicht sonderlich originell ausgefallen und lässt auch nach Reffolds angehangener Erklärung am Schluss noch einige Fragen offen. Aber letztendlich ist „Der Teppich des Grauens“ ohnehin nur die Trivialunterhaltung für den Schnellverzehr und deshalb nicht geeignet einer tieferen Analyse stand zu halten. Zum einmal Gucken ist er okay. An das Ergebnis von „Die weiße Spinne“, der ebenfalls vom Kriminalautor Louis Weinert-Wilton stammt, kommt er nicht heran, und selbst der war eher eine Blaupause der berühmten Wallace-Werke und damit keine ernstzunehmende Konkurrenz.

Im Internet liest man übrigens immer wieder wie rassistisch die Besetzung des Schwarzen in der lustigen Nebenrolle sei, die in einem Wallace-Film üblicher Weise mit Eddi Arent besetzt worden wäre. Ich vermutete bei solchen Artikeln immer, dass die übertriebene politische Korrektheit den Verfassern dieser Texte einen Streich in ihrer Wahrnehmung gespielt hätte, aber die Leute haben tatsächlich Recht. Der arme Kerl wird im Gegensatz zu den Spaßfiguren des Eddi Arent völlig würdelos eingesetzt, so dass man das geradezu penetrante Vorführen seiner Idiotie in Kombination mit seiner Unterwürfigkeit und dem herablassenden Ton der ihm stets entgegen gebracht wird definitiv als fragwürdig bezeichnen darf - von der idiotischen Stimme mit der er spricht einmal ganz zu schweigen.  OFDb

18.12.2012

HOTEL DER TOTEN GÄSTE (1965)

Der Reporter Barney Blair und Kriminalinspektor Forbesa untersuchen unabhängig voneinander eine Mordreihe in einem Hotel. Dort nächtigen allerhand zwielichtiger Personen inklusive Schlagersängerinnen, die wegen eines Musikevents vor Ort sind...

Tausche vier Häuser gegen ein Hotel...
 
Mitte der 60er Jahre war die sogenannte harte Welle im deutschen Kino noch hoch im Kurs. Ins Leben gerufen durch die Edgar Wallace-Filme kamen weitere Kriminalfilme im selben Stil hinzu. Bücher nach Bryan Edgar Wallace wurden verfilmt, Fritz Langs Mabusereihe verwandelte sich unter anderen Regisseuren zu einem Wallace-Abklatsch, G.I. Man Jerry Cotton bekam eine Filmreihe beschert und manch heutzutage eher unbekannter Krimi-Autor wurde gleich mit ins Rennen geschickt. Originelle Titel wie „Wartezimmer zum Jenseits“, „Der Würger von Schloss Blackmoor“ und „Der Frosch mit der Maske“ gab es genug, bis hin zu skurrilen Namen wie „Teppich des Grauens“.

„Hotel der toten Gäste“ kann sich zu den originellen, meist reißerischen, Titeln hinzuzählen, wird seiner Konkurrenz inhaltlich jedoch nicht gerecht. Die harte Welle bot Trivialunterhaltung, da muss man nichts schön reden, aber die meisten Veröffentlichungen machten Spaß. Der Großteil der weniger gelungenen Filme war mäßiger Natur. Nur wenige Krimis waren wirklich schlecht zu nennen. Itzenplitz’ Werk (was ein Name) gehört zu den lahmen Enten.

Worin sich „Hotel der toten Gäste“ von anderen Vertretern seiner Art unterscheidet, ist der Spielort in San Remo statt London. Dafür sind viele Rollen Engländer, das macht den Unterschied also nicht gewaltig. Da der Großteil in Hotelräumen und –fluren spielt, mag die Londoner Location fehlen. Trotzdem wüssten auch Hotelräume Atmosphäre entstehen zu lassen. Doch Itzenplitz dreht seinen Streifen zu oberflächlich runter.

Mit der Umgebung wird man ebenso wenig warm wie mit den Filmfiguren, die immerhin von namhaften Personen gespielt wurden. Als Frontmann konnte man Wallace-Star Joachim Fuchsberger gewinnen, als weibliche Hauptrolle Karin Dor, die ebenfalls in vielen Wallace-Filmen mitspielte. Über deren Schauspielkönnen mag man streiten können, aber spätestens an Wolfgang Kieling gibt es mimisch nichts zu meckern. Als Eddie Arent-Ersatz, der humorvolle Randfiguren-Part, angelte man sich den Sänger Gus Backus, der mit seinem englischem Akzent den Liftboy des Hotels mimen darf.

Ein toller Titel, interessante Beteiligte, meine Neugierde war geweckt und ließ sich auch nicht davon abschrecken, dass bei einer Geschichte rund um ein Schlagerfestival auch mit musikalischen Schnulzen gerechnet werden musste. Und wahrlich, gute Schlager hören sich anders an, einen Film mag so etwas jedoch nicht ruinieren.

Das gelangweilte Herunterleiern einer mittelmäßigen Geschichte jedoch schon. Krampfhafte Verästelungen der Situationen (keine Seltenheit in der harten Welle) wissen nicht zu interessieren, verwirren nicht auf mysteriöse sondern auf übersichtliche Art, während man selbst mit den wichtigsten Figuren nicht warm wird. „Hotel der toten Gäste“ wirkt lustlos umgesetzt, selbst den Darstellern scheint es an Motivation zu fehlen. Dem Krimiplot fehlt jeglicher Pfiff, die Mörderaufdeckung ist einem bereits nach 30 Minuten herzlichst egal. Zu packen weiß hier nichts.

Es ist schwer zu erklären woran der Streifen nun wirklich scheitert, denn die Konkurrenz war auch nur in Ausnahmefällen wie „Das indische Tuch“ wirklich großes Kino. Vielleicht fehlt einfach das Grusel-Feeling der Vergleichsfilme, denn Itenplitz’ Werk ist schlichtweg ein Krimi, kein Grusel-Krimi. Andererseits schafften Werke wie „Wartezimmer zum Jenseits“ und „Das Rätsel der roten Orchidee“ ebenfalls als reine Kriminalfilme zu unterhalten. Diese waren jedoch atmosphärisch dichter umgesetzt. „Hotel der toten Gäste“ guckt sich eher wie ein hölzernes Theaterstück.

Schade, was habe ich mich gefreut, als ich von diesem Film in der TV-Zeitschrift las. Solche selten gezeigten Genrevertreter zaubern mir meist ein Leuchten in die Augen, „Hotel der toten Gäste“ war jedoch ein Blender. Er war ein Langeweiler in einem Meer sympathischer Schundfilme. Itzenplitz' Werk kann man sich auch als Fan dieser Art Film getrost sparen.  OFDb

29.09.2012

DIE SCHLANGENGRUBE UND DAS PENDEL (1967)

Ein Mann und eine Frau bekommen eine Einladung in das Schloss des Grafen Regula. Dieser sollte aber eigentlich tot sein. Nicht nur die Neugierde, auch persönliche Gründe veranlassen die beiden dazu, dennoch der Einladung zu folgen...

Was Hammer kann, kann Deutschland schon lang – oder etwa doch nicht?...
 
Harald Reinl mag ja im Bereich des Gruselkrimis sowohl innerhalb der Wallace-Reihe („Der Frosch mit der Maske“, „Die Bande des Schreckens“) als auch außerhalb dieser („Der Würger von Schloss Blackmoor“, „Im Stahlnetz des Dr. Mabuse“) ein kleines Talent sein. Sein ungewöhnlicher Erzählstil verursachte immerhin eine Welle an unzähligen Kopien, und seine Werke wissen auch heute noch, jenseits unfreiwilliger Komik (wenn auch nicht komplett ohne) zu unterhalten. Aber was hat den Mann bloß geritten sich an einen Horrorfilm zu wagen?

„Die Schlangengrube und das Pendel“, angelehnt an den Kinoerfolg „Das Pendel des Todes“ (aufgrund seines plumpen Anliegens kann man diesen Vergleich wohl eher ziehen, anstatt sich an die, dem Vergleichfilm zugrunde liegende, literarischen Vorlage Poes zu klammern), ist eine filmische Unverschämtheit in den Augen des ernsthaft Horrorfilm konsumieren wollenden Genrefans. Wie so oft in solchen Fällen ist er zudem ein Glücksgriff für den Trashfan.

Was Reinl uns hier vorsetzt, in einer Geschichte die fast nichts mit der Poe-Vorlage zu tun hat, ist so unglaublich plump, dass es einem schwer fällt die richtigen Worte zu finden. Die Kulissen sind schlicht, sie und ihr Inventar (innen) und die Landschaften (außen) versprühen das Niveau eines Geisterbahn-Besuchs. Gemalte Hintergründe können ihre Herkunft nicht verschleiern. Man bekommt sogar den Eindruck als wolle man dies auch gar nicht. Die Deko erinnert an einen Besuch im Gothic-Shop. An Charme fehlt es nicht, versucht man doch krampfhaft klassische Elemente einzubringen. Totenschädel, Folterinventar, der finstere Wald, die Kostüme, das Schloss, das ominöse Amulett, ja sogar die Geschichte selbst mit ihrem wiedererweckten Grafen, ominöse Fremde die so schnell verschwinden wie sie erschienen sind, zwölf tote Jungfrauen, lange Kutschfahrten, ein unheimlicher Diener, ängstliche Bauern, unheimliche Gestalten im Wald, Falltüren, alles soll klassisches Gruselfeeling entstehen lassen, nichts davon zündet ernsthaft. 

Die eben aufgeworfene Frage, die gemalten Kulissen betreffend, kann man eigentlich auf den kompletten Film beziehen. Wollte man diese Billigkeit überhaupt verschleiern? Oder ist dieser Trash pure Absicht? Immerhin macht der Soundtrack von Peter Thomas, dem Mann der damals einen Großteil deutscher Produktionen musikalisch untermalen durfte, ebenfalls den Eindruck, dass alles mit einem Augenzwinkern gemeint ist. Der Stil Thomas' Musik ist sich meist ähnlich, da aber Ausnahmen die Regel bestätigen, kann man eigentlich den Gedanken ausschließen, Thomas könne nur in eine Musikrichtung befriedigende Arbeit leisten und läge mit seiner Komposition für einen Horrorfilm nun völlig falsch. Seine auf lustig getrimmten Gruselklänge, die ebenfalls Geisterbahnfreuden versprühen, scheinen beabsichtigt zu sein. Klar, es war der Sound seiner Zeit, vielleicht werde ich hier von unfreiwilliger Komik geblendet und sehe sie als gewollt an. Sieht man aber all das Unvermögen, welches der Film dem Konsumenten vor die Füße wirft, fühlt man sich einfach bestätigt. Dieser Film KANN doch nur Augenzwinkerei sein. Vielleicht ist es aber auch nur die Angst eines Review-schreibenden Cineasten, irgendein Hirn könne dies alles ernst meinen, was man hier vorgesetzt bekommt.

Nun, alles kann sicherlich nicht gewollt sein. Lex Barker spielt untalentiert wie immer, die endlose Kutschfahrt von etwa einer halben Stunde Laufzeit erlebt keine Höhepunkte, auf solche Fehler setzt gewiss niemand, der bewusst Trivialität auf die Leinwand zaubern will. Auch die sehr erbärmlichen Dialoge sind wohl kaum beabsichtigt, sie wären aber im Bereich des möglichen Gewollten. Sicherer hingegen scheint die Naivität der Geschichte beabsichtigt zu sein. Anspruchslose Unterhaltung zeigt sich nun einmal durch die schlichtere Umsetzung besserer Vorgaben.

Reinls Rezept geht dennoch nicht auf. Was er übersieht ist, dass andere Trivialwerke Größen kopieren. Er erzählt jedoch die schlichte Version schlichter Vorbilder. Würde er sich an Poe orientieren, könnte sein Rezept aufgehen. Aber wer sich am Stil der Wallacefilme orientiert und die bereits trivialen Hammerstudio-Produktionen auf billigere Art umsetzen will, der hat nicht verstanden was gewolltes Schundkino braucht. Und das macht den Film auch in seiner gewollten Plumpheit zunächst so unbefriedigend.

Aber das macht den Bereich der unfreiwilligen Komik so faszinierend. Sie lässt nicht nur schlechte Filme, die gerne großes Kino wären, lustiger erscheinen, sie schafft selbiges bei „Die Schlangengrube und das Pendel“. Jahre nach seiner Entstehung, zu einer Zeit in der mit der Gruppe der Tashfans eine völlig neue Art Filmfan ehemalige Kinokost konsumiert, da wird sogar schlecht erzählte freiwillige Schlechtigkeit zu einem spaßigen Produkt. Als Horrorfilm eine Niete, als gewollte Trivialunterhaltung wegen seiner Regelmissachtung ebenfalls ungenießbar (man beachte, dass der Film keine Komödie sein wollte, sondern lediglich eine augenzwinkernd erzählte Horrorversion), als Volltrash ist er heutzutage aber ein kleiner Geheimtip. „Die Schlangengrube und das Pendel“ kann sich mit „Invasion der Bienenmädchen“ und „Die Rache des Würgers“ zu den treffenden Beiträgen der Arte-Trashreihe zählen. Eine echte Genregröße wie „Suspiria“ und Romeros Zombiefilme, die sich unerklärlicher Weise ebenfalls in diese Reihe eingeschlichen haben, ist Reinls Werk nicht, auch wenn vielleicht der ein oder andere naive Genrefan darauf gehofft hat.  OFDb