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26.10.2019

WAR (2007)

Die Actionfilme mit Jason Statham sind immer so eine Sache für sich. Als Actionstar kommt er zwar nicht an die Leistungen eines Sylvester Stallones heran, letztendlich ist er aber der brauchbarste Frontmann dieser Art Film seiner Generation. Dennoch fallen seine Werke meist eher durchschnittlich aus, von netter Routine a la "The Mechanic" bishin zu mauer a la "Blitz - Cop-Killer vs. Killer-Cop". Wahrlich geglückte Streifen, wie "Bank Job" gehören der Ausnahme an. Sein "War" ist noch ein relativ früher Beitrag, einer mit einem klassischen Aufhänger in der Geschichte und einem neugierig machenden, der zum Einschalten einlädt, noch dazu. Aber nicht nur der Ansatz, der alles ins Laufen bringen soll, ist klassisch zu nennen, der komplette Film badet in Grundlagen-Klischees des Action-Genres, so sehr sogar, dass der Streifen damit arg austauschbar wird. Von der Entfremdung der Familie aufgrund der Fixierung auf einen Fall, bishin zu den Konflikten der Zuständigkeitsbereiche innerhalb der verschiedenen Gesetzeshüter-Instanzen der USA ist jegliche ausgelutschte Rezeptur mit an Bord, die man schon zu genüge gesichtet hat.

Da nutzt es auch nichts solch einen Kampfsport-Profi wie Jet Li als Gegner an die Seite gesetzt zu bekommen. Der sorgt zwar für allerhand brauchbare Action der anderen Art, während Statham höchstens mit der Größe seiner Waffen auf sich aufmerksam macht, sorgt mit seinem exotischen Touch aber für keinen Sehwert der innovativen Art. So sehr die Yakuza-Thematik in Amerika spielend auch für Fremdeinfluss innerhalb gewohnter Plotmechanismen sorgt, sie springen auch nur auf einen Modezug dessen auf, was zur Entstehungszeit gerade modern war. Und die ausländische Bedrohung war von "Stirb langsam" bishin zu jeglichem "Lethal Weapon"-Teil ohnehin schon immer Zutat des US-Actioners, um Feindbilder zu prägen. Da macht der Griff Richtung mächtiger Mafiaverstrickungen, von denen "War" kaum echte bedrohlichere Möglichkeiten nutzt, nicht viel Unterschied aus. So oder so wird die einzige Langfilm-Regie-Arbeit von Regisseur Philip G. Atwell zu nichts besonderem, so tief wie sein Produkt im Standard feststeckt. Es reicht um Dauergäste im Action-Genre gerade eben zufrieden zu stellen, erzählt aber nichts wirklich interessantes, um auch dem Gelegenheitszuschauer genügend Leckerlies zuzuwerfen.  OFDb

25.12.2018

MEG (2018)

Während in der kleinen Billigproduktion "Megalodon" eine Vielzahl ausgestorben gedachter Arten aufgrund eines unterirdisch versteckten Ozeans hinaus in die Weiten schwimmen, entkommt in der Großproduktion "Meg" lediglich eine Gattung ihrem ehemaligen Gefängnis. Sah man der ähnlichen Geschichte von 2002 ihre Kostengünstigkeit anhand der kläglichen Spezialeffekte, leider auch bezüglich des Megalodon, an, kann "Meg" gerade in diesem Bereich trumpfen, lassen die Spezialeffekte doch nichts zu wünschen übrig. Wegen nichts anderem braucht man einschalten, ist doch die Idee an sich, dass ein Urzeit-Hai entdeckt und aggressiv wird, doch nichts neues im Filmbereich. Von "Der Monster-Hai" (wo der Megalodon allerdings auch mit einem Oktopus gekreuzt war), über "Shark Attack 3" und "Shark Hunter", bis hin zur Trashreihe um einen Urzeit-Hai, begonnen mit "Mega Shark vs. Giant Octopus", hat es bereits einige Produktionen gegeben, die sich für dieses Thema interessieren. Und auch die Billigschmiede The Asylum kehrte nach ihrer Mega Shark-Reihe zu dem Thema zurück, um im Zuge von Meg" ihre Billigvariante "Megalodon" 2018 folgen zu lassen.

Dass ich "Meg" trotzdem unbedingt sehen wollte, lag nicht nur daran dass mich die unzähligen Verfilmungen von Hai-Horrorfilmen ohnehin interessieren, sondern in erster Linie auch daran, dass man ihn mit Actionstar Jason Statham in der Hauptrolle besetzte. Zwar durfte bereits Dolph Lundgren als Actionstar 2015 in "Shark Lake" einem Killerhai den Kampf ansagen, aber das war eine Billigproduktion, in welcher der eingekaufte Name mit recht wenig Szenen so hinein geschnitten wurde, dass es so aussehen sollte als wäre Lundgren der Hauptdarsteller. In der professionellen Großproduktion "Meg" ist Statham tatsächlich der Star, und neben ihm darf auf Rainn Wilson agieren, der eine kleine Semiberühmtheit über die amerikanische Version der TV-Serie "The Office" erlangt hat, diese jedoch eher durch sein geniales Spiel in "Super" und "Hesher" verdient hätte.

In "Meg" reißt er sich kein Bein aus, und das ist auch nicht weiter schlimm, denn es ist so wie ich gesagt habe: man guckt diesen Streifen aufgrund der Spezialeffekte, einen anderen Grund hineinzuschalten gibt es nicht. Leider gehört "Meg" zu jener Gattung modernem Kino, in welchem für das viele Geld zwar Stars und professionelle Tricktechniker eingekauft wurden, man aber an guten Drehbuchautoren spart, so dass das Ergebnis erschreckend einfallslos ausfällt. Wirklich rein gar nichts wird in "Meg" erzählt, was nicht schon unzählige andere Filme ähnlich variiert in ähnlicher Reihenfolge erzählt hätten. "Meg" überrascht mit nichts, verläuft völlig überraschungsfrei und bietet als einzige Innovation das tatsächliche Spiel eines Actionstars innerhalb der üblichen Hai-Soße. Statham spielt wie er immer spielt, wird inszeniert wie er immer inszeniert wird, und da sich der Streifen zu keinem Zeitpunkt realistisch gibt und ohnehin lediglich in der typischen Kinorealität amerikanischer Produktionen spielt, schadet es der Glaubwürdigkeit auch nicht, wenn der Typ als ein Mann-Armee höchst persönlich des öfteren alleine Mann gegen Hai antritt, was uns dann auch die besten und augenzwinkernsten Kameraeinstellungen beschert.

Dementsprechend ist der komplette Film aber auch hauptsächlich actionorientiert umgesetzt. Der Suspense wird keine Beachtung geschenkt. Theoretisch gute Momente werden von der Kamera eher gelangweilt eingefangen, so dass eigentlich recht interessante Haiattacken wirkungslos eingesetzt werden, weil sie nicht erschrecken, sei es weil besagte Momente aus der Distanz gezeigt werden, aus einem uninteressanten Blickwinkel, oder weil die Art der Inszenierung einem zuvor signalisiert, dass es gleich so weit ist. Aufgrund dieser Orientierung in Kombination mit dem völlig überraschungsfreien Drehbuch ist "Meg" völlig spannungsfrei inszeniert, so dass man nie mit Figuren mitfiebert und nie dem Fingernägelkauen nahe kommt. Zudem ist die Geschichte völlig überfrachtet, da sie jeglichen Aspekt der Geschichte eintüten will, inklusive eines Ausflugs zum Hai-Horror-Prototyp schlechthin, Steven Spielbergs "Der weiße Hai". So dreht sich die Geschichte nach den Stationen Unterwasserrettung, Bedrohung auf der Forschungsstation und dem Ausgeliefertsein auf einem Schiff pflichtgemäß noch Richtung bedrohte Badeurlauber, und spätestens hier stört die Actionorientierung. Denn was nutzt es die zumindest herrlich satirisch eingefangenen Bilder glücklicher Badegäste zu sehen, wenn man weiß dass das Grauen was ihnen bevorsteht ohnehin zu theoretisch umgesetzt sein wird?

Regisseur Turteletaub, der mit "Cool Runnings", "Während du schliefst" und "Phenomenon" tolle Filme hervorbrachte, bevor er mit "The Kid" und "Intinkt" zu enttäuschen wusste und erst wieder mit "Das Vermächtnis der Tempelritter" etwas brauchbares ablieferte, beweist auch recht schnell dass die Vorahnung recht behält und lässt alle guten Möglichkeiten ein solches Szenario spannend zu inszenieren außen vor und wählt den massentauglichen langweiligsten Weg. Pate hierfür steht die erste Haiattacke im Touristengebiet. Man sieht das friedliche Treiben der Badegäste in einer distanzierten Gesamtaufnahme, und anstatt in diese herrliche Ruhe und Kameraposition nun den Hai platzen zu lassen, wird ein Schnitt gesetzt, damit das Urzeitvieh in Großaufnahme aus dem Wasser schellen darf. "Meg" ist voll von solchen Fehlentscheidungen, es würde den Rahmen sprengen auf jeden Bockmist den er baut aufmerksam zu machen. Auch wenn ich nicht viel erwartet habe, etwas mehr hatte ich dann doch von diesem Kinofilm erwartet. Dass "Meg" einem während des Sichtens zu egal ist, um zu gefallen, hätte ich nicht vermutet. Dass er einem aber auch zu egal ist, um ihn wahrlich schlecht zu finden, rettet ihn zumindest, immerhin ist er trotz jeder Vorhersehbarkeit actionreich genug inszeniert um nicht zu langweilen. Einen Grund reinzuschalten gibt es leider jedoch nicht.  OFDb

28.12.2012

CRANK 2 - HIGH VOLTAGE (2009)

Chev ist erstaunlicherweise nicht tot. Als er einige Zeit nach seinem Sturz erwacht, muss er feststellen dass er zwar von ärztlichen Versorgungsgeräten umgeben ist, diese lebenserhaltenden Maßnahmen jedoch nicht seinem Wohl sondern vielmehr seinem Erhalt dienen. Denn ein mächtiger Mann nutzt den Halbtoten als Organlager. Chev wurde das Herz herausoperiert, und dies will der mittlerweile wieder springlebendige Mann zurück haben. Mit Hilfe eines mechanischen Herzersatzes macht er sich auf den Weg seinen stärksten Muskel zurückzuerobern. Zu dumm, dass der mechanische Ersatz dank leergewordener Batterien immer wieder Stromstöße benötigt, um nicht auszufallen...

Kopierter Kult...
 
Crank“ war provozierend, einfallsreich, rasant und einfach anders. Es war ein eigenständiges Werk von Leuten, die im Bereich des Actiongenres einfach mal etwas anderes wagen wollten. Der Erfolg gab ihnen recht, und wo Erfolg ist, da muss auch eine Fortsetzung her.

Was aber passiert wenn man Kult und Klasse versucht nachzuahmen? Bereits „Shock Treatment“, die Fortsetzung der erfolgreichen „Rocky Horror Picture Show“ lieferte in den 80er Jahren die Antwort. Wenn man etwas Außergewöhnliches kopieren will, dann geht man meist die äußeren Symptome an, die Kult aussehen lassen, als wäre dies ihr Herzstück gewesen. Ein solcher Versuch endet meist mit dem, wovon Horrorfilme mit Klonthematik berichten: Das Duplikat wird eine seelenlose Hülle.

„Crank 2“ hat einen gewissen Unterhaltungswert, den ich ihm nicht abstreiten möchte. Aber er ist zum einem auf recht niedrigem Niveau angesiedelt und zum anderen nicht stark genug, um einen kompletten Film zu füllen. Der Versuch mit immer neuen, schrägen Ideen das Tempo zu halten sorgt irgendwann für Ermüdung, zumal nichts einer klaren Linie folgt und jederzeit alles möglich ist, was in diesem Falle zu Desinteresse führt.

Teil 1 steckte ebenso voller schräger Ideen. Es gab jedoch einen wichtigen Unterschied: All diese skurrilen Situationen bauten auf einer Grundidee auf, die konsequent weitergeführt wurde. Klar herrschte in dieser comicartigen Welt Unlogik, innerhalb der Grundidee blieb man auf weltfremder Art jedoch konsequent und setzte einem erweiterten Gedanken immer den nächsten Schritt nach.

Sicherlich ist der Aufhänger der Fortsetzung auch nicht ohne, er ist im Comicsinne sogar eine richtig gute Idee um Chev ins nächste Abenteuer zu jagen. Aber dieser Grundstein hat diesmal nicht das Potential des endlosen Rattenschwanzes von Teil 1, so dass sich die Erfinder der Geschichte genötigt sahen zusätzliche schräge Ideen einzubauen, die mit dem Grundszenario nichts zu tun hatten.

Und da liegt der Hund nun begraben. Genau an dieser Stelle wird aus lässigem Kult der verkrampfte Versuch ebenso schräg zu sein, wie der Vorgänger, vielleicht sogar der Wunsch Teil 1 in diesem Punkt zu toppen. Doch Fehlanzeige! Zwar kann man vielen der Ideen ihre Sympathie nicht absprechen, aber sie sind nicht kompatibel in die Geschichte integriert. Die Geschichte unterstellt sich den schrägen Ideen, sie sind nicht mehr dazugehörender Teil des Erzählten.

Ein Filmemacher des Popkornkinos muss sich jedoch an der Geschichte orientieren. Das ist eine Regel, die im modernen Kino häufig gebrochen wird, aber nur noch ein anspruchsloses Publikum in die Lichtspielhäuser lockt. Das Ergebnis ist der Knalleffekt, nicht mehr der Wunsch den Konsumenten etwas zu erzählen.

Komplett verkehrt wurde „Crank 2“ jedoch nicht angegangen. Der visuelle Stil des Erstlings wird beibehalten und arbeitet auch mit neuen Ideen. Leider darf Google schon wieder penetrant werben, das fanden viele in Teil 1 bereits cool, ich finde so etwas jedoch immer kontraproduktiv.

Man war bemüht viele Figuren des ersten Teiles wieder auftauchen zu lassen. Das zeigt die Liebe zu Teil 1, wird jedoch nicht immer auf die angenehme Art umgesetzt. Das skurrilste Wiedersehen gibt es gegen Ende, und da „Crank 2“ ein starkstromartiger Comicstrip ist, ist die dortige Übertreibung mit der Rückkehr eines alten Bekannten durchaus sympathisch zu nennen. Hier wird die Fortsetzung noch bekloppter als ohnehin schon und dem Darsteller sieht man die Spielfreude seines kurzen Gastauftrittes auch deutlich an.

Negativ fällt eine gefakete Rückkehr auf, die durch einen Zwillingsbruder erklärt wird. In einem solchen Moment macht „Crank 2“ den Eindruck man säße vor einer Endlos-Soap, in der nach Jahren wer Verstorbengeglaubtes auf mysteriöse Art zurückgekehrt ist. Nicht zu Unrecht wurde solche Drehbuch-Faulheit von „Loaded Weapon 1“ seinerzeit kritisiert und parodiert. Über ein Jahrzehnt später hat man es noch immer nicht begriffen. Und trotz deutlicher Augenzwinkerei in besagter „Rückkehr“ stößt die Einfallslosigkeit dieses Punktes sauer auf.

Zielpublikum dürfte letztendlich das unreife Publikum sein, welches Teil 1 fälschlicher Weise als cool betrachtet. Das erwachsene Publikum, das in Teil 1 noch willkommen geheißen wurde, wird in der Fortsetzung ausgegrenzt. Aus Produzentensicht ist das sicherlich nachvollziehbar, immerhin ist es das schnell zufriedenzustellende Publikum, welches das meiste Geld im Kino bei Fortsetzungen lässt. Warum sollte man auf das eher kritische Publikum setzen, dem es schwer recht zu machen ist? Das würde Mühe und Talent fordern.

In „Crank 2“ wurde einiges richtig angegangen, aber vieles verkehrt gemacht. Leider ist die Überdosis schräger Ideen ermüdend statt aufpuschend, weshalb das Werk auch als Hirnlos-Popkornprodukt in meinen Augen leider nicht funktioniert. Der unsinnige „Stirb langsam 4.0“ ist da schon unterhaltsamer. Der wie immer gut besetzte Jason Statham kann einiges rausreißen, aber auch er kann nicht gegen krampfhaften Kult und unsinnigen Wiederholungen, wie der öffentlichen Sexszene, ankommen. Der gute Mann ist ein Schauspieler und kein Zauberer.  OFDb

25.12.2012

CRANK (2006)

Nachdem ihm von seinem Feind ein tödliches Gift injiziert wurde, sinnt ein Auftragskiller auf Rache, in der wenigen Zeit, die ihm noch bleibt. Er entdeckt, dass er die tödliche Wirkung hinauszögern kann, solange er seinen Adrenalinausstoß hoch hält...

Speed – Der nächste Schritt...
 
Etwas gewöhnungsbedürftig ist der Stil von „Crank“ schon. Passend zum Inhalt erleben wir eine hektische Bilderflut zu wilder Musik und bekommen extreme Handlungsweisen zu sehen. Das ist flotter als ein Musikvideo, das Auge gewöhnt sich jedoch recht flott an diese Art der Umsetzung, die zunächst einen etwas infantilen Eindruck hinterlässt.

Im Verlauf des Filmes wird jedoch deutlich, dass wir hier keinen kindlichen Actionfilm zu sehen bekommen, sondern viel mehr eine Actiongroteske, die mit ins comichaft gehender Übertreibung den nötigen Abstand gewinnt, dem Gezeigten einen augenzwinkernden Hintergrund zu geben. Somit wird aus dem zunächst recht unreif wirkenden Film ein Film für Erwachsene.

Ich gehe mal davon aus, dass „Crank“ aufgrund seiner Gewaltszenen die FSK 18 beschert bekommen hat. Das rote Siegel hat er zu Recht, ich begrüße es jedoch aus einem anderen Grund: Ein nicht erwachsener Charakter kann sehr leicht den Inhalt missverstehen und das Gezeigte als cool empfinden. Sobald man die Hauptfigur Chev und seine „Abenteuer“ als cool empfindet, ist man auf dem falschen Dampfer. Das wäre jenes unreife Publikum, das ausgeschlossen werden müsste. Ist man erwachsen genug diese extreme Groteske mit den richtigen Augen zu sehen, rein als Unterhaltungszweck, weiß „Crank“ auf seine provozierende Art zu gefallen.

Ähnlich wie „Speed“ setzt „Crank“ auf Tempo. Beides sind grob gesehen zunächst Actionfilme, wobei hier besprochener aufgrund seiner Haltung eigentlich nur bedingt zu diesem Genre zählen müsste. Die Dinge, die wir hier sehen, sind derart übertrieben und überzeichnet, dass sie oftmals zum lachen anregen, hin und wieder sogar den Schritt erreichen, bei dem einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Der Actionfilm bekommt damit Comic-Touch, so dass „unlogische“ Elemente nicht nur nicht weiter stören, sondern einfach dazu gehören. Da wird man beim Sturz aus der Höhe halt nie ohnmächtig, dann schreit ein Verbrecher eben nur kurz auf, wenn ihm eine Hand abgetrennt wird, und dann sind Polizisten halt kinderleicht abzuhängen und Menschen über Beischlaf in der Öffentlichkeit begeistert.

„Crank“ ist Unterhaltungskino pur. Zwar mag das ein oder andere Gezeigte einen gewissen Gehalt Gesellschaftskritik beinhalten, diese kann aufgrund des Tempos jedoch nicht richtig wahrgenommen werden und verpufft blitzschnell, wenn sie denn vorhanden ist.

„Crank“ wirkt, hält einen mit seinem Tempo immer bei der Stange, so dass nicht eine Sekunde Langeweile aufkommt. Für das Auge gibt es immer wieder was zu sichten, die Umsetzung ist künstlerisch wertvoll. Das Bildersplitting wirkt ein wenig plump, aber ansonsten kann man über die Optik, so fern man sich an ihre hektische Art gewöhnen kann, wirklich nicht meckern. Wie oben erwähnt wahrt man eine gewisse Distanz zum Präsentierten, sonst wäre der Film mehr als fragwürdig. Diesen Abstand schafft „Crank“ jedoch nicht völlig.

Wo es die Regisseure Taylor und Neveldine inhaltlich schaffen eine Distanz zu wahren, eben um nicht cool wirken zu wollen sondern grotesk, gelingt ihnen dies in der Charakterzeichnung kaum. Dass die comichafte Art überzeichnete Klischeecharaktere benötigt, um seinen Stil zu wahren, ist sicherlich notwendig. Dennoch machen sie zu oft den Eindruck dem jungen Publikum und dem etwas unreifen älteren gefallen zu wollen. Die Überzeichnung eines groovigen Killers im Ghetto-Stil stelle ich mir zumindest anders vor, als der hier gezeigte Gegner Chevs. Ich glaube sogar, dass eine konsequente Überzeichnung eines solchen Charakters zu einer echten Provokation werden könnte, der sich das in diesem Film falsche Publikum verweigern würde. Hier versucht der Film zu sehr den Leuten zu gefallen, die „Crank“ nicht verstehen werden und den Streifen einfach lediglich als cool empfinden werden.

Dennoch sind die Ansätze richtig, und da auch der Unterhaltungswert sehr hoch ist, kann ich durchaus eine Empfehlung an die erwachsenen Leser aussprechen. Es gäbe noch einige Schönheitsfehler zu korrigieren, um wirklich großes Kino zu sein, aber einem kurzweiligen Abend steht mit „Crank“ nichts im Weg.

Wichtiger Aspekt dieser Wirkung ist Hauptdarsteller Jason Statham, der schon in den „Transporter“-Filmen und in „The Italian Job“ zu begeistern wusste. Da er viel Anklang findet, können wir uns wohl noch auf jede Menge Actionfilme mit diesem Mann freuen. Statham hat die nötige Ausstrahlung zum Actionhelden und damit dem ollen, lediglich auf cool getrimmten, Vin Diesel etwas wichtiges voraus.  OFDb

07.12.2012

THE ITALIAN JOB (2003)

Eine Gruppe Profidiebe wird nach gelungenem Coup von einem ihrer Mitglieder betrogen. Der Verräter glaubt seine ehemaligen Komplizen tot, während diese einen Racheplan schmieden...

Von einem fehlerhaften Frontmann...
 
Grays Neuverfilmung von „Charlie staubt Millionen ab“ möchte gerne in der Liga von Werken wie „Ocean's Eleven“, „The Score“ oder „Verlockende Falle“ mitspielen, wenn auch etwas actionreicher angelegt. Er scheitert aber an der Blauäugigkeit die man besitzen muss, um überhaupt Gefallen daran zu finden. Die eigentliche Geschichte klingt sehr nett, warum der Verräter seine Diebeskollegen für tot hält geht storytechnisch auch in Ordnung. Vieles andere innerhalb der Geschichte ist allerdings etwas unausgegoren. Dazu später mehr!

Die Besetzung kann sich sehen lassen. Donald Sutherland absolviert einen Gastauftritt, Teen-Star Seth Green ist mit dabei, Jason Statham aus „The Transporter“ weiß mit seiner leichten Bruce Willis-Ähnlichkeit zu gefallen und hat ohnehin ein markantes und somit wirksames Gesicht, Charlize Theron darf nicht nur hübsch aussehen sondern ist auch nützlich für den Bruch, und Edward Norton ist ohnehin immer eine erstklassige Besetzung.

Lediglich Mark Wahlberg ist als Frontmann zu blass besetzt. Hätte er einen ähnlich kleinen Gaunerpart wie Seth Green ginge das in Ordnung, als Anführer der Truppe fehlt ihm jedoch das Format und die optische Wirkung vor der Kamera. Er sieht aus wie ein Weichei und wirkt so brav wie der olle Matthew Broderick. Schade dass man nicht Matt Damon besetzte, der sieht Wahlberg recht ähnlich, kann aber wesentlich besser schauspielern. Zumindest haben wir mit Wahlberg den ersten Hinweis darauf, dass der Film nicht ganz so gut funktioniert, wie er es eigentlich könnte.

Denn eigentlich ist die Geschichte zunächst einmal flott erzählt. Die Musikuntermalung versucht auch in den nicht so flinken Szenen durch flotte Musik ein konsequent schnelles Tempo vorzugaukeln. Das geht manchmal in Ordnung, manchmal wirkt es allerdings etwas lächerlich. Im Gegensatz zu den oben genannten Vergleichsfilmen war man auch mehr dem Actionkino zugeneigt. Aber auch hier gibt es des öfteren Punkteabzug.

Crashende Autos im Straßenverkehr wirken bei einer Verfolgungsjagd gut. Findet diese jedoch auf dem Wasser statt, und man crasht lediglich eine olle Gondel, hat das nicht mehr das selbe Kaliber. Das wirkt billig (was es von den Kosten ja dann auch gewesen sein dürfte) und nicht gerade sonderlich actionreich. Crashenden Autos sieht man in „The Italian Job“ nur bei den Szenen mit manipulierten Ampel, und da gibt es für den Actionfreund auch nicht gerade viel Krawumm zu sehen. Von meiner Seite aus geht das allerdings in Ordnung, wirken doch wenigstens diese Szenen endlich einmal realistisch.

Viele andere Szenen tun dies nicht. Oh ja, das fertige Werk soll ein kurzweiliger Funfilm sein, ein Popkornfilm. Aber man versucht zu zeigen wie professionell die Diebe arbeiten. Und nun schleichen sich Ärgernisse von Seiten ein, die man aus anderen Filmen gewohnt ist und dort auch gütigst übersieht. Wenn unsere „The Italian Job“-Gauner aber nun ihren Coup bis ins kleinste Detail planen, dann ärgert es beispielsweise, wie unecht hier Auto gefahren wird. Mit jedem Sprung in die Luft müsste die Karre längst Schrott sein. Unfälle wären beim Fahrstil sehr wahrscheinlich gewesen. Man hätte liegen bleiben müssen usw. Klar machen diese gewohnten Elemente einen Film rasant, sie hinterlassen aber auch den Eindruck, dass der fertige Plan auf zu vielen Zufällen beruht.

Außerdem stößt es etwas sauer auf, dass man zu viele wichtige Aspekte der Planungsphase, ähnlich wie in der Ocean's-Reihe, bereits als fertige Tatsache vorgesetzt bekommt. Kontaktmänner sind bereits aufgetrieben, eine finale Rückversicherung dient als Überraschung. Ihre Entstehung wird aber nicht einmal über Rückblick erklärt obwohl da dringend Erklärungsbedarf bestand. Asse werden ohnehin häufig aus dem Ärmel gezogen, ohne zu erklären wie man nun dies wieder bewerkstelligt hat.

Was ebenfalls auf der Negativliste steht, ist das Verhalten der Jungs in dem Zeitraum, in dem die Rolle Nortons seine Kollegen noch für tot hält. Man plant vor Ort, spaziert durch die Gegend, und das wo der Haupttrumpf doch darin liegt für tot gehalten zu werden. Nicht einmal in einem Nebensatz wird erwähnt wie gefährlich das Treiben der Helden ist.

Zuletzt sollte man auf der Negativliste einmal darüber nachgrübeln wer nun das schlimmere Übel ist: die Rolle Nortons oder die Diebesbande? Die Rolle Nortons brachte seine Kollegen um (dachte dies zumindest), lebte danach in Reichtum und hat sicherlich noch eine handvoll weiterer Menschen auf dem Gewissen. Seine Taten geschehen im vollen Bewusstsein. Unsere Diebesbande hat auf Gaunerniveau gute Absichten und will bewusst auch niemanden unnötig verletzen. Doch dann sichtet man immer wieder flinke Autos mitten im Straßenverkehr, rasende Autos in der U-Bahn-Station u.ä. Die Autos brettern dort in Highspeed umher, wo jede Menge unschuldiger Menschen sind.

Im Prinzip hat man es lediglich dem gnädigen Drehbuchautor zu verdanken, dass dabei nicht mindestens so viele Menschen umkamen wie bei Nortons Killermomente. Aber das ist Hollywood in seinen Massenpublikums-Werken: Für den guten Zweck wird dieses Risiko in Kauf genommen. Ethisch unkorrekter und asozialer kann man wohl kaum handeln. Ähnliche Fehler sind übrigens auch in „Stirb langsam 4.0“ zu sichten.

Schaut man über diese ganzen Minuspunkte hinweg, was möglich ist in einem solch kleinen Popkornfilm, wird man zumindest recht nett unterhalten. Es wird nie langweilig, und die Boots- und Autofahrten sind sehr rasant umgesetzt. Ohnehin werden Autofreaks ähnliche Freude verspüren wie beim besseren „Nur noch 60 Sekunden“. Die gezeigten Tricks der Bande sind auch eine Freude für sich, und ohnehin macht es Spaß zu beobachten, wie die Gauner mit jedem Situationswechsel umdenken muss.

„The Italian Job“ ist flotte Unterhaltung, ist aber auch nur der kleine Film für zwischendurch. Er ist zu naiv erzählt und seine Action ist verglichen mit dem was man heutzutage von der Konkurrenz präsentiert bekommt auch arg zurückhaltend. Da man auch die Jugend ins Kino locken wollte, ist er eine Spur zu brav ausgefallen, und auf eine intelligente Geschichte wurde keine Rücksicht genommen. Die Story an sich ist gut, die Besetzung weiß bis auf Wahlberg auch zu überzeugen. Aber gerade der gute Cast und die finanziellen Möglichkeiten die gegeben waren, sind der Anlass zu grübeln, warum dann um Gottes Willen aus „The Italian Job“ nicht großes Kino gemacht wurde.  OFDb