Der Romantikgehalt ist arg zurück geschraubt und plätschert meist nur leise im Hintergrund vor sich hin. "Green Card - Scheinehe mit Hindernissen" (Alternativtitel) ist eine gekonnt gespielte Komposition, die in den richtigen Momenten und in der richtigen Dosis Gefühle aufkommen lässt, passend zum inhaltlichen Komponistenaspekt, der für einen großen Lacher, gefolgt von einem der intensivsten Gefühlsmomente des Films sorgt. Ohnehin hat Weir als Autor und Regisseur das Spiel beider Elemente im richtigen Mix im Griff, lässt einen eher schmunzeln als laut lachen, lässt aber auch Letztgenanntes gelegentlich zu, dies aber, ebenso wie die Romantik, nie unter Missachtung der Charaktere. Diese könnten unterschiedlicher nicht sein und beweisen auf gekonnte, anstatt auf blauäugige Art, das allgemeine Sprichwort der Gegensätze, die sich anziehen. Da zudem auch beide Landesmentalitäten glaubwürdig, aber nicht aufdringlich, als wichtiger Bestandteil in die Geschichte eingebunden sind, was man wohl der gemeinsamen Beteiligung beider Länder zu verdanken hat, atmet "Green Card" genau jenen Realismus, der das Ganze echt erscheinen lässt, ohne einem den für das Genre der Liebeskomödie so wichtigen Bereich des Träumens schuldig zu bleiben. Weir betäubt den Zuschauer diesbezüglich jedoch nicht, sondern lässt ihn sinnlich, verschmitzt und reflektiert das Erlebte mitempfinden. Dementsprechend erwachsen und konsequent darf auch der Schluss ausfallen. OFDb
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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04.07.2022
GREEN CARD (1990)
Im Gegensatz zu vielen anderen romantischen Komödien, manch gelungene eingeschlossen, besitzt der von Peter Weir inszenierte "Green Card" eine erzählenswerte Geschichte, die auf einer ungewöhnlichen Idee aufbaut. Das ist keine Ausnahme bei dem guten Mann, der mit "Picknick am Valentinstag", "Die Truman Show" und "Die Autos, die Paris auffraßen" (um nur ein paar zu nennen) stets für das jeweilige Genre alles andere als Standard ablieferte. Die mit Gérard Depardieu und Andie MacDowell ideal besetzte Komödie ist dem Mainstream wahrscheinlich näher als alle anderen mir bekannten Werke des Ausnahme-Regisseurs, und doch unterscheidet er sich gewaltig von der Konkurrenz. Das beginnt mit einer komplett Kitsch-befreiten, geradezu erwachsenen Atmosphäre, ist ebenso zu bemerken in den reflektierenden, oft sachlich agierenden Hauptfiguren und zudem in einem psychologisch durchdachtem Entstehen einer Liebe unter ungewöhnlichen Umständen.
18.11.2018
UND TÄGLICH GRÜSST DAS MURMELTIER (1993)
Mag literarisch auch die Kurzgeschichte "12:01 PM" der erste Beitrag zum Thema Zeitschleife als Tageswiederholung gewesen sein, aus filmischer Sicht war "Und täglich grüßt das Murmeltier" das erste Produkt seiner Art. Diesem folgten zunächst TV-Produktionen wie "Und täglich grüßt der Weihnachtsmann", später aber auch die Großproduktion "Edge of Tomorrow". Egal wie gut ("12:01"), unterhaltsam ("Happy Deathday"), oder mäßig ("Und täglich grüßt der Bräutigam") die Ergebnisse auch ausfielen, so berühmt wie die mit Bill Murray in der Hauptrolle besetzte Komödie von Harold Ramis wurde keiner dieser Streifen. Wann auch immer sich ein Film wie "Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie" mit der Thematik der Wiederholung des immer gleichen Tages beschäftigt, er muss sich mit der hier besprochenen Fantasy-Komödie messen, die sich im Gegensatz zu manchem Nachzügler kein bisschen dafür interessiert warum es zu besagter Zeitschleife kommt.
Freilich wissen wir, dass sie der Läuterung Connors Charakter dient, wodurch sie tatsächlich ausgelöst wird, bzw. welche Kraft hinter dieser Chance steckt, und warum Connor sie sich scheinbar verdient hat, wird jedoch nie erklärt oder auch nur im Ansatz hinterfragt. Vielleicht steckt Amor dahinter, denn "Groundhog Day" (Originaltitel) beschäftigt sich deshalb nie mit dem Rätsel hinter den Ereignissen, weil er sich auf seine Liebesgeschichte konzentriert. Dass das Ergebnis trotzdem nicht auf den Bereich RomCom reduziert werden kann, beweist die Grundidee, die bereits bei weniger kreativem Herangehen ein Selbstläufer gewesen wäre. Da aber Komödienspezialist Harold Ramis ("Caddyshack", "Reine Nervensache") den Film geschrieben und inszeniert hat, wird das Ergebnis gar zum Party-fördernden Happening, denn das Drehbuch sprudelt nur so vor wunderbaren Einfällen, gut gesetzten Pointen, herrlich flachen Kalauern und cleverem Humor. Unterstützt durch Murrays zynisches Spiel ist eine höchst unterhaltsame Komödie entstanden, die man tatsächlich alle Jahre wieder hervorholen kann, um sich erneut am grandiosen Ergebnis zu erfreuen.
Das einzige Makel, meiner Meinung nach, besteht im überraschend humorarmen Schluss, der nach dem wundervoll komischen "Bleib hier" keinen einzigen Versuch mehr unternimmt etwas Humorvolles ins Geschehen einzubauen. Da sprechen wir zwar nur von wenigen Minuten bis zum Einsatz des Abspanns, überraschen tut mich diese Vorgehensweise aber dennoch immer wieder aufs Neue, wirkt der Schluss doch damit etwas zu kitschig und eher aus Pflicht einen Schluss präsentieren zu müssen inszeniert. Aber was soll man jammern, wenn der Weg bis dahin bestens funktioniert? "Und täglich grüßt das Murmeltier" trumpft nicht nur mit vielschichtiger Komik und einer guten Besetzung, seine Liebesgeschichte weiß einen mitzureißen, kurze dramatische Momente stecken an, und wenn es Richtung Läuterung geht verzichtet der Film auf den erhobenen Zeigefinger, sprich die Moral hält sich stark zurück, so wie es der Kitsch stets zuvor tat, wenn Connor anfängt Empathie und Zuneigung zu seiner Produktionsassistentin zu empfinden. Wer je an einem Film mitgewirkt hat, wird zudem Gefallen daran finden, dass Fehler stets zu Wiederholungen der selben Szene führen, so wie man es tatsächlich von Dreharbeiten kennt, ohne dass besagte Szenen üblicher Weise je den Weg in einen fertigen Film finden würden. Zur Entstehungszeit von Ramis Werk guckten sich diese Momente erfrischend anders. Die Filme, die sich heutzutage mit der Zeitschleifenthematik beschäftigen, finden oft noch alternative Möglichkeiten die Wiederholung darzustellen. So oder so müssen sie sich aber trotzdem auch immer wieder an der Methode Ramis bedienen. Ohne diese geht es dann doch nicht. OFDb
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