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31.10.2021

JOHN DIES AT THE END (2012)

Wenn ein Schnurrbart sich selbstständig macht, um jemanden zu attackieren, wenn sich aus den Wurst- und Fleischvorräten einer Tiefkühltruhe ein Monster formiert, ein Hund am Steuer eines Autos ein Leben rettet, es möglich ist mit einem Hotdog am Ohr zu telefonieren und ein Außerirdischer von einzelnen Schuhen am Straßenrand faselt, dann befinden wir uns in der wirren, phantasiereichen Welt von "John Dies at the End" und kratzen erst an der Oberfläche dessen, was uns an Wahnsinn erwartet. Schon mit seiner immer wirrer werdenden "Das Böse"-Reihe bewies Regisseur und Autor Don Coscarelli sein Gespür für bizarre Welten und Ideen, erstmals humoristisch ging er schließlich im ebenfalls schräg ausgefallenen "Bubba Ho-tep" vor. Mit seinem bislang letzten, hier besprochenen Film perfektioniert er meiner Meinung nach dieses Talent, liefert er doch eine rund laufende Sache ab, die trotz surrealem Geschehen und ständiger zeitlicher Wechsel einen roten Faden verfolgt und technisch längst nicht mehr dem schlichten Stand eines B-Movies angehört. Freilich sind manche Computeranimationen als solche zu erkennen, aber an sich kann man über die Spezialeffekte und Kreaturendesigns nicht meckern.

Mit an Bord in diesem herrlich unverschämten und gut funktionierenden Stück Film, der mit einigen Elementen an "Dead Heat" und die "Bill und Ted"-Filme erinnert, sind der Darsteller des Tallman von Coscarellis bislang 5teiliger Science Fiction-Horror-Reihe und jede Menge professionell agierende unverbrauchte, sowie erfahrene Mimen. Glücklicher Weise verkommt "John Dies at the End" nie zum reinen Schauwertefilm. Dieser gibt es zwar zu genüge, aber dank pointensichere Dialoge, Mimiken und Situationen, sowie das Vorhandensein einer funktionierenden Identifikationsfigur, trumpft der Film als tatsächlich interessant erzählte Geschichte, deren Ablauf man folgen möchte und deren Ausgang man erfahren möchte. Glaubt man bereits zu Beginn einer irren Geschichte beizuwohnen, so schaukelt sich das Geschehen mit noch mehr kranker Ideen, bizarrer Wendungen des bisher geglaubten und dem Reisen in ein Paralleluniversum immer weiter hoch, glücklicher Weise ohne dass das Ergebnis damit überfrachtet wird. Zudem lebt der Streifen verspielt wie er ist von absichtlich gesetzten Spoilern und einer auf links gedrehten Wahrnehmung. Wer glaubt der Titel würde zu erstgenannter Kategorie zählen, der irrt, ist er doch ein verspielter Umgang mit der zweiten, so dass der Titel als Pate für das Gesamtergebnis steht. 

"John Dies at the End" gehört zu den Filmen, die beim zweiten Sichten mindestens so viel Spaß machen wie beim ersten. Er gleicht einer schrägen Party, steht als Werk für sich allein (am ehesten würde ich ihn noch mit "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" vergleichen) und biedert sich in seiner alternativen Art keinem Publikum an.  OFDb

10.09.2021

DAS BÖSE (1979)

Es ist lange her, dass ich die "Das Böse"-Reihe von Don Coscarelli gesichtet habe. Eben weil ich mich erinnere, dass diese von Film zu Film verwirrender wurde und stets mehr neue Fragen aufkommen lässt anstatt alte zu beantworten, wollte ich mir für die Erstsichtung des fünften Teiles lieber noch einmal die vier Vorgänger anschauen. Nachdem ich mit dem Original durch bin, wird es jedoch nicht so zügig vonstatten gehen wie geplant, hatte ich "Phantasm" (Originaltitel) doch eine Spur besser in Erinnerung als er ausgefallen ist. Es ist nicht so, dass ich nicht mit ihm sympathisieren würde, aber ich war doch etwas verwundert wie lückenhaft und willkürlich bereits der Start der Reihe ausfiel, gerade mit Blick darauf, dass der Streifen ein Semi-Klassiker ist, zumindest in Genre-Kreisen. Für sich allein stehend lebt er inhaltlich fast einzig von lauten Schauwerten und seiner irrwitzigen Auflösung. Das ist alles so skurril ausgefallen, wie das was noch kommen wird, kann aber aufgrund mangelndem psychologischem Rückhalts nur von einem Publikum angenommen werden, das in der Atmosphäre des Streifens genügend aufgehen kann, um sich über die mangelnde Konsequenz der Geschehnisse und ihren widersprüchlichen Wendungen nicht aufzuregen. 

Diesbezüglich schaut sich "Das Böse" oft wie ein Flickenwerk diverser Dreh-Experimente, die schließlich irgendwie zu einem Gesamtfilm zusammengeschustert wurden. Hilfreich kommt dem Frühwerk von "Bubba Ho-tep"-Regisseur Coscarelli immerhin der Versuch zugute das Erstling der Reihe noch als Gruselfilm umzusetzen, so dass die sehenswert lauten Momente mit ihren grotesken Ideen (allen voran die überdimensionale Fliege) abgewechselt werden mit stimmigen Momenten der Ruhe und der Dunkelheit. Der noch nicht endgültig erkannte Kurs der Geschichte lässt es in Teil 1 außerdem noch zu, dass man solch wundervollen Momenten beiwohnen darf, wie jenem mit dem Medium. Das Miterleben wie das Mädchen und die alte Frau sich nach dem Verschwinden ihres Kunden verhalten ist mein persönlicher stiller Höhepunkt des Streifens. Ein angenehmes Schundfilm-Flair breitet sich zudem über dem Gesamtwerk aus, über das sich nur Liebhaber derartiger Independent-Filme freuen werden. Erst die magere Schlussidee mit dem Felshaufen und die darauf folgenden Perspektivänderungen von Wahrnehmung und Realität schaden dem Film zu sehr, um Unzulänglichkeiten dem Produktionsniveau zuzuschreiben oder mit Experimentierfreude schön reden zu können. Das schadet dem Ergebnis zwar nur bedingt, hat mir aber verdeutlicht, dass die Reihe nicht zum Schnellverzehr geeignet ist, sondern erst an besonders geeigneten Tagen weiter verfolgt werden kann. Es kann also noch dauern bis ich bei Teil 5 angelangt bin.  OFDb