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10.12.2016

ROCK AND RULE (1983)

Der mit der Zeit in Vergessenheit geratene Flop „Rock & Rule“ schaut sich wie ein ungewöhnlicher Mix aus alten Don Bluth-Werken a la „Mrs. Brisby und das Geheimnis von Nimh“ und „Rock-a-Doodle“ und dem Anarcho-Trickfilm „Heavy Metal“, der heutzutage Kultstatus genießt. So wirklich ineinander greifen will dieser widersprüchliche Mix nicht, ist die Figurenzeichnung doch zu niedlich ausgefallen und spart die Geschichte doch zu sehr an Sex und Drogen, was die FSK-Freigabe ohne Altersbeschränkung extremst verdeutlicht, um mit „Heavy Metal“ mithalten zu können. Stattdessen setzt man auf eine größere Dosis Rock, unterstützt von namhaften Musikern wie Iggy Pop, Blondie und Lou Reed.

Verabschiedet man sich von der Vorstellung trotz der Science Fiction-Einflüsse und der gewählten Szene, in der man sich bewegt, es mit einem zweiten „Heavy Metal“ zu tun zu haben, kann der etwas schlicht ausgefallene „Drats“ (Alternativtitel) durchaus gefallen, ist er doch ein netter nostalgischer Trip in für das Jahr 1983 durchaus zeitgemäßer Animationsoptik, in welcher der Figurentyp der Helden zwar zu enttäuschen weiß (Heldin Angel ist kaum entfremdet), die Bösewichter wirken aber um so mehr. Die deutsche Synchronisation ist etwas zu albern ausgefallen, es lohnt also das Sichten der Originalfassung, aber selbst dann bleibt „Ring of Power“ (Alternativtitel) eine etwas kindische Angelegenheit, ist der Humor doch eher am jungen Publikum orientiert, auch wenn Spielereien mit Nippelabdrücken und Unterhöschen immer wieder Anarchoansprüche vortäuschen wollen.

Wie gesagt funktioniert dieser unausgegorene Mix für schlichte Gemüter und Nostalgiker aber durchaus, allein schon aufgrund der handgemachten Zeichnungen, die zu gefallen wissen. Zwar hat es mich etwas enttäuscht, dass die aus der nuklearen Katastrophe geborene neue Kultur sich von der des 80er Jahre Amerikas so gut wie gar nicht unterscheidet, der Mensch wurde lediglich gegen Rattenwesen ausgetauscht, letztendlich wandert der Film damit aber auf den typisch klassischen Wegen eines Disney-Films.

Der eigentliche Science Fiction-Fantasy-Gehalt dominiert erst im Finale, zuvor ist er die Randerscheinung bzw. die Grundstruktur einer Geschichte, die auch ohne diese Elemente umzusetzen gewesen wäre. Es braucht also nicht verwundern, dass ein Film, der sich so penetrant zwischen die Stühle setzt und so gar nicht den Erwartungen einzelner Publikumsgruppen entspricht, gefloppt ist. Trotz Parallelen zum Kult-Hit „Das Phantom im Paradies“ ist „Rock 'n‘ Rule“ weitestgehends vergessen, was aber auch daran liegt, dass er so gar keine wirklichen Hits beinhaltet, die als Ohrwurm nach dem Sichten hängen bleiben würden.

Wer nicht auf der Suche nach Coolness, düsterer Charaktere und Anarchie ist und gerne die familienfreundlichen Trickfilme Amerikas der 80er Jahre guckt, der wird recht anständig unterhalten, ohne tatsächlich etwas Großes gesichtet zu haben. Alle anderen werden verärgert den Kopf schütteln und sich wundern, dass ein Film über Rock‘n Roll und dämonische Kräfte aus Alternativuniversen derart infantil, bzw. familiengerecht ausgefallen ist. Es ist schon interessant, dass es ein solch vergessenes Werk geschafft hat in Deutschland auf DVD zu erscheinen. Wahrscheinlich hoffte man auf die Zugkraft der heute noch sehr populären Rocklegenden, die mal mehr und mal weniger am Produkt beteiligt waren.  OFDb

25.07.2016

SUCK - BIS(S) ZUM ERFOLG! (2009)

Wer ein Grusical wie „Der kleine Horrorladen“, „Das Phantom im Paradies“ oder „Sweeney Todd“ erwartet, muss sich während des Guckens umorientieren oder gleich die Finger von „Suck“ lassen. Auch wer eine Rock-Oper wie „Tommy“ oder „Repo! The Genetic Opera“ hinter dem von Rob Stefaniuk inszenierten Film vermutet irrt sich. „Suck - Bis(s) zum Erfolg“ ist lediglich eine mit allerhand Rockmusik angereicherte Horror-Komödie. Gesungen wird bis auf eine einzige Ausnahme lediglich auf der Bühne oder im Studio, und da die Songs sich weder mit den Erlebnissen im Film auseinandersetzen, geschweige denn diese weiterführen, sind es keine Musical-Sequenzen. Nicht einmal der fortlaufende auf der DVD enthaltene Untertitel übersetzt die Texte während die Lieder spielen.

Wer mit großen Rock-Hits rechnet oder einem überdurchschnittlichen Horrorfilm, der erwartet zu viel, bietet „Suck“ in beiden Bereichen doch lediglich angenehmen Durchschnitt, was bedeutet dass das Sichten dieses gar nicht so ungewöhnlichen Filmes zwar keine Zeitverschwendung ist, aber auch keine Offenbarung. Die Geschichte schreitet ohne große Überraschungen flott und unterhaltsam voran und wird lediglich durch sympathisch schundige Stop Motion-Effekte individueller, die zeigen wie der Tourwagen der Band zu sehen ist, wenn es von einem Gig zum nächsten geht. Wirklich mit dem Rest vereinen wollen sich diese Sequenzen stilistisch aber nicht, so dass sie eher wie ein sympathischer Fremdkörper in einem sonst ziemlich normal ausgefallenem Musikfilm wirken.

Nennenswert bleibt ansonsten lediglich die Idee die auf dem Papier animierte, voranschreitende Reiseroute, so wie wir sie z.B. aus den „Indiana Jones“-Filmen kennen, in Blut zu tauchen. Das weiß zu gefallen. Und Rock-Fans werden sich sicherlich über die überraschend groß ausgefallenen Gastauftritte der musikalischen Prominenz freuen. Alice Cooper und Iggy Pop wissen in ihren Rollen wahrlich zu wirken, die anderen Stars wie Moby machen aus ihrer Rolle nicht mehr als das was sie können und erfreuen somit den Musik-Fan ohne dabei den Ablauf der Geschichte mit ihrem gering ausgefallenem Schauspieltalent zu stören.

Als Ur-Gestein aus der Film-Szene ist Malcolm McDowell als Vampirjäger Eddie Van Helsing mit an Bord, der nicht nur herrlich schräg mit seiner ollen Augenklappe daher kommt, sondern zudem zu überraschen weiß indem ältere Filmaufnahmen von ihm für Rückblenden verwendet werden und dies für Aufnahmen, die früher einmal für einen anderen Zweck gedacht waren, gar nicht mal schlecht. Spätestens hier wird der Nichtkenner seines Namens den guten alten Alex aus „Uhrwerk Orange“ wiedererkennen, stammen die Filmschnippsel doch ungefähr aus dieser Zeit.

Der Rest besteht aus harmlosen, teilweise tatsächlich funktionierenden Witzchen, einer 08/15-Story, welche dem Rock‘n Roll-Vampire-Hype nicht die Show stielt, allerdings auch aus der etwas arg penetrant angegangenen Coolness wie toll es wäre Rock-Star oder Vampir zu sein, so dass sich „Suck“, gerade bei zu penetranter weißer Schminke der Protagonisten, eher wie der feuchte unreife Teenie-Traum nicht Erwachsengewordener guckt als wie eine ernstzunehmende Satire, wie „Suck“ es versucht an manch anderer Stelle zu sein, z.B. wenn der Band-Manager voreilig erst auf eine japanische Hip Hop-Band setzen möchte. Spaß macht dieses kleine kanadische Filmchen aber durchaus, vorausgesetzt man erwartet nicht zu viel.  OFDb