Wenn Travis seine Verabredung mit einem Kinobesuch der besonderen Art schockt, oder den Präsidentenkandidat nach plumpen, aber bürgerlichen Eindruck mit radikalen Vorschlägen während einer Taxifahrt konfrontiert, dann ist "Taxi Driver" auf seinem Hoch, oder eben bei gerade bereits erwähntem Schluss, der ein wenig an den von "Uhrwerk Orange" erinnert. Ansonsten plätschert der Film etwas arg in bedeutungsschwangeren Nichtigkeiten dahin, zwar immer die Faszination der pessimistischen Grundhaltung seiner Betrachtung von Personen, Orten und Geschehnissen aufrecht erhaltend, aber doch nie konsequent genug, um sich in eine interessante Erzählung hineingezogen zu fühlen. Ich konnte in dem Szenario nie wirklich aufgehen, blieb immer nur fremder Beobachter, in einer Welt, von der ich nicht Teil wurde, und damit blieb der professionell umgesetzte und hervorragend besetzte Film zu sehr Theorie für mich. Ob nun der psychologische Aspekt, oder die oberflächlichen Erlebnisse an sich, sie blieben mir alle zu flach, kamen mir nicht intensiv genug vor, um von ihnen zehren zu können. Dieser Meilenstein der Filmgeschichte, den die meisten ganz anders erleben werden, als ich es tat, hat mir zwar gefallen und mich zumindest phasenweise begeistert, das große cineastische Werk wurde er für mich persönlich jedoch nicht. Das finde ich sehr schade. Wiki
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
13.05.2023
TAXI DRIVER (1976)
26.07.2021
DER GOTT DES GEMETZELS (2011)
Interessant ist u.a. der häufige Perspektivwechsel. Menschen offenbaren sich als anders als zuvor ausgelebt und dargestellt, Parteien formieren sich neu, verschiedene Themen und Argumente schweißen jeweils andere Personen aneinander. Die Selbstrefelexion läuft nie so gekonnt wie die Schuldzuweisung, die Moral und das Recht auf Egoismus werden eingefordert, das Missionieren anderer wird angeprangert und der Ignoranz gegenüber gestellt, intellektuelles Denken gerät mit emotionalem Denken aneinander. Persönliche Blickwinkel legen sich Eigenschaften und Erkenntnisse so zurecht, dass sie dem eigenen Weltbild und der Selbstwahrnehmung nicht widersprechen, so dass aus ihnen Rechtfertigungen, Ausreden, Beschimpfungen und Selbstmitleid werden. Kultiviertes Verhalten wird als Lebensstrategie entlarvt und damit als purer Egoismus dargestellt, kurzum erleben wir in diesem Kammerspiel allerhand menschliche Wahrheiten aus subjektiven Sichtweisen vorgetragen, in welchen sich Reife und Unreife, Treffsicheres und Unpassendes, sowie Grenzsetzung und freies Aussprechen stets abwechseln und vermischen.
Dass man sich zum extremen Ausufern der Situation den Alkohol zunutze macht, kommt "Carnage" (Originaltitel) in seiner Glaubwürdigkeit gelegen. Denn so sehr er auch das zivilisierte Verhalten gekonnt aushebelt und die Gesellschaft psychologisch gekonnt reflektiert, nicht immer kommt der Streifen im natürlichen Fluss wirkend, unverkrampft daher. Zudem beinhaltet er, auch aufgrund dieser manchmal verkrampft wirkenden, sicher auch dem Theater-Ursprung des Skripts geschulten, Herangehensweise, kleine Unglaubwürdigkeiten. Dass eine der vier Personen sich, nachdem sie meist der vermittelnde Part war, als vollkommen asozial im tiefsten Herzen herausstellt, wirkt psychologisch nicht gekonnt herausgearbeitet, zumal die Offenbarung sehr plötzlich, ohne passenden Auslöser, vonstatten geht. Auch das Fehlen eines Hinarbeiten zu einer gezielten Pointensetzung fehlt dem Mix aus Drama und Komödie, an welchem der Autor der Bühnenvorlage zusammen mit Regisseur Roman Polanski am Drehbuch arbeitete. Das Szenario endet willkürlich, arg plötzlich, und dass ich dies nicht als positives Stilmittel empfinde, obwohl ein Schnitt mittendrin mehr Sinn macht als ein Pseudo-Schluss, wie z.B. eine Aussprache, liegt sicher auch daran, dass ein Hamster als Pointenersatz herhalten muss.
Mit diesem möchte sich der Film weit augenzwinkernder, distanzierter, verspielter und verschmitzter geben, auch unterstützt durch die Leichtigkeit, welche die Hintergrundmusik versucht einzufangen, als er in seinem tiefsten Herzen mit seiner alles durchschauenden, intellektuellen Vorbildposition aus allen Poren eigentlich atmet, sich subtiler wahrnehmend, als er oftmals mit dem Holzhammer hantierend stattdessen arbeitet. Somit ist auch dieses aus Menschenhand geschaffene Produkt nicht frei von den im Film angesprochenen menschlichen Schwächen. Deswegen macht diese Eigenschaft den fertigen Film auch nicht unsympathisch, zumal er auch weiß wovon er berichtet und frei von Moral und Parteiergreifung ausgefallen ist. Das Ziel der Satire verfehlt er nicht, und hervorragende Schauspieler sorgen für den Rest. OFDb
24.01.2019
MONEY MONSTER (2016)
Und um nicht unprofessionell zu wirken, so dass man ihre Kritik unkompliziert angreifen könnte, orientiert man sich in Fosters sechstem Film als Regisseur an einem speziellen Einzelfall mit einem filmtypischen Einzeltäter, dessen Machenschaften über die Extremhandlung eines Betrogenen aufgedeckt werden. Das kann schnell heuchlerisch wirken, streift diesen Bereich auch recht stark, doch trotz vieler Klischees und Stereotype weiß "Money Monster" überraschend gut zu funktionieren, was noch mehr verwundern darf, wenn man bedenkt, dass er eigentlich nicht gerade überraschende Wendungen aufweist, sondern eigentlich ziemlich genau das erzählt was man, zumindest nach Sichtung des Trailers, bei diesem Stoff vermutet. Dank professioneller Routine in Inszenierung und Schauspiel ist das alles ordentlich erzählt, und das Reizthema, das gerade in Amerika zu einer Zeit der Armut und Entrüstung des einfachen Volkes ein wahrer Zündstoff ist, sorgt für den Rest.
Foster versucht das ganze Szenario trotz seiner gewählten Aufhänger möglichst sachlich anzugehen, seine reißerischen Seiten kann man dem Thriller-Drama jedoch nicht absprechen. Auch der Wandel des clowneresken Egomanen, der die Sendung leitet, zum empathischen Erfolgsjournalisten ist aufgrund des kurzen Zeitraums nicht gerade glaubwürdig ausgefallen und könnte höchstens über das allgemein bekannte Phänomen erklärt werden, welches häufiger auftritt wenn Geiseln positive Gefühle zu ihrem Geiselnehmer aufbauen. Dieser Aspekt ist von den Storyverantwortlichen jedoch nicht gewollt, was die Szenen nach dem Schlussszenario beweisen. Aber all diese theoretisch mies klingenden Faktoren können tatsächlich nicht verhindern, dass die Dynamik des Stoffes funktioniert. Zu tief sitzen die Wunden der Bevölkerung, selbst jener Bürger, die nicht persönlich betroffen sind, sondern frustriert mit ansehen müssen, wie ein System, das spätestens aufgrund seiner weltweiten Auswirkung, mächtiger ist als allerlei größere Volksgruppen zusammen, Existenzen frisst und Gier in Gewinn verwandelt. Das lässt einen nur all zu gerne befriedigt etwas blauäugig das engagierte Treiben verfolgen, was Kritiker auch als Opium fürs Volk bezeichnen könnten. Aber diese Form der Unterhaltung ist noch immer weit weniger blauäugig, als dem ausbeuterischen System zu vertrauen und es zu verteidigen. Zudem muss man den Autoren zugute halten, dass sie das Selbstverschulden des sich rächenden Kleinanlegers nicht unter den Teppich kehren, sondern, ganz im Gegenteil, in einer entscheidenden Phase des Streifens sogar kurzzeitig in den Vordergrund hieven. OFDb
09.11.2015
FLIGHTPLAN - OHNE JEDE SPUR (2005)
Inhaltlich besitzt „Flightplan - Ohne jede Spur“ genau dort seine Stärke. Eine wie immer gut agierende Jodie Foster und ein um sie herum gescharter guter Cast runden das positive Ergebnis ebenso ab wie die solide Regie. Das Drehbuch schenkt uns zwar keine tiefgehenden Charaktere, aber durchaus glaubwürdige, wobei hier die Figur des Kapitäns hervorgehoben werden muss. Seine Entscheidungen sind stets nachvollziehbar und seines Berufes würdig. In der ersten Hälfte des Thrillers überzeugt auch der Sicherheitschef zunächst sehr gut. Aber dann erreichen wir als Zuschauer irgendwann die zweite Filmhälfte.
Bis hier hin herrschte ein Übermaß an Spannung, der Zuschauer wurde emotional gefordert, und das Drehbuch schien ein gutes zu sein. Doch der ganze Zauber ist schneller vorbei als es einem lieb ist, wenn sich der Autor der Geschichte urplötzlich entscheidet die großartige Atmosphäre gegen eine banale Auflösung der Vorkommnisse auszutauschen und uns von nun an ins Geschehen einweiht. Von nun an sollen wir die Rolle Jodie Foster nicht mehr kritisch betrachten, sondern mit ihr mitfiebern. Das könnte auch tatsächlich funktionieren wenn die Wendung nicht so extremst einfallslos und unglaubwürdig wäre, erst recht wenn man an den Aspekt der Detail-reichen Vorausplanung denkt, der bei all seiner Raffinesse zudem auch noch von zu vielen Zufällen abhängt (was wenn Kyle nie eingeschlafen wäre?).
Da hätte ich mir persönlich doch eher die andere schwache, aber wenigstens glaubwürdig herauszuarbeitende Alternative gewünscht, dass Kyle spinnt. Wäre ich für die Story verantwortlich gewesen hätte ich Fosters Rolle irgendwann vom Kapitän an einem Flughafen herauswerfen lassen, und der Film wäre ohne Kyle weiter gegangen. Der Sicherheitschef würde irgendwann einen Hinweis auf den Wahrheitsgehalt von Kyles Version entdecken und der grausamen Wahrheit auf die Spur kommen, wie auch immer die aussähe, Möglichkeiten gibt es zu genüge, und viele davon sind besser als die tatsächlich gewählte.
Nun ja, auch wenn das Drehbuch zur zweiten Hälfte stark nachlässt, so können die guten Darsteller doch noch einiges heraushauen. Auch ein Spannungsbogen ist noch vorhanden, wenn auch im wesentlich geringerem Maße als zuvor, so dass der zunächst so gut scheinende „Flight Plan“ (Alternativtitel) zumindest routiniert funktioniert ohne einen zum frühzeitigen Ausschalten zu verleiten. Verglichen mit dem vorherigem Potential ist das Erreichen von Durchschnitts-Niveau jedoch sehr enttäuschend. OFDb