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19.06.2016

GELEGENHEIT MACHT LIEBE (2003)

„Gelegenheit macht Liebe“ ist das Paradebeispiel dafür, dass eine hinreißende Besetzung noch keine Garantie für eine gelungene romantische Komödie ist. Julia Stiles ist süß wie eh und je, und ihre Konkurrentin Selma Blair, die damals so wunderbar tolpatschig in „Eiskalte Engel“ agierte, steht ihr in diesem Punkt in nichts nach. Zugegeben, Jason Lee, der eigentliche Star des Streifens, bleibt blass, aber selbst seine Sympathie steigert sich im Laufe des Filmes, ein Zustand mit dem ich nach einigen peinlichen und unangenehmen Momenten nicht mehr gerechnet hätte, charakterisiert das Drehbuch ihn doch nicht gerade charmant und fragt man sich doch die ganze Zeit, ob man solch einem Typen ein Happy End wünscht.

Zugegeben, genau diesen Kniff bekommt besagtes Buch gut hin, ansonsten jedoch ist es alles andere als gelungen ausgefallen, zeigt es uns doch eine Welt aus einer mir nicht zugänglichen Spießersicht, in welcher Haschisch sich als eine LSD-artige Droge entpuppt, Menschen alternativer Kulturen den Durchschnittstyp mit Verachtung anschauen wenn der es wagt den Plattenladen ihres Vertrauens zu betreten und in welcher es für jeden im Leben den einen idealen Partner gibt, nicht nur das im Zentrum stehende Paar betreffend.

Mal ist die Geschichte höchst blauäugig und arg zufällig ausgefallen, dann wieder aus einer unangenehmen Perspektive heraus erzählt. Am meisten ärgert jedoch ihr anbiedernder Grundton, der sich innovationslos an alles klammert was theoretisch zu einer RomCom gehören muss, inklusive des peinlichen Rituals am Schluss eine Reuerede an die Gemeinschaft halten zu müssen oder seiner Geliebten, die im Taxi sitzt, zu Fuß hinterher laufen zu müssen.

Würde das Buch sich auch nur ansatzweise auch darin so viel Mühe geben den Figuren Persönlichkeit einzuhauchen, damit man mit den sich Verliebenden mitfiebern kann, könnte man noch über jegliches Klischee hinwegsehen, immerhin lebt ein solcher Stoff von dem romantischen Element, während der Humorpart nur still vor sich hinplätschern muss, im besten Falle gut pointiert. Aber „Gelegenheit macht Liebe“ ist so sehr damit beschäftigt es jedem Recht machen zu wollen, dass er diesen wichtigsten Punkt ignoriert und es somit leider nie zwischen dem finalen Liebespaar knistern lässt.

Die typischen schrägen Randfiguren sorgen eher für Fremdschämen anstatt für lustige Momente, und die finale Lösung des Problems zeigt sich bereits nach etwa 5 - 10 Minuten Laufzeit, da macht der Film kein Geheimnis draus. Dementsprechend sorgen nicht einmal die zwischenmenschlichen Verzwickungen dafür, dass man als Zuschauer wissen möchte wie der Problemknoten sich am Ende löst. „Gelegenheit macht Liebe“ ist so penetrant auf vorhersehbar und einfallslos getrimmt, dass man sich am Ende fragt warum man es mit viel Wohlwollen doch noch bis zum Ende geschafft hat, und dies auch noch ohne von dem Gesehenen angewidert zu sein.

Klar, diese Einfallslosigkeit hat mich enttäuscht, und weder Romantik noch Witz haben mich mitgerissen, aber Chris Kochs Werk schaute sich trotz allem okay. Keine Ahnung wie es Koch geschafft hat, höchst wahrscheinlich haben die talentierten Mimen einen guten Einfluss auf den Streifen gehabt. So ganz genau will ich es aber auch gar nicht wissen warum man sich den Film angucken konnte ohne sich zu langeweilen oder loskotzen zu müssen. Wahrscheinlich muss ich mir einfach selbst eingestehen, dass ich grundsätzlich zu leicht in diesem Genre zufriedenzustellen bin. Ich gucke einfach gerne Romantikkomödien.  OFDb

17.05.2016

CAROLINA - AUF DER SUCHE NACH MR. PERFECT (2003)

Liebeskomödien gibt es wie Sand am Meer, und nie könnte man aufgrund einer Geschichte erraten ob sich hinter einem solchen Streifen ein brauchbarer oder weniger brauchbarer verbirgt. Da diese Art Film stark mit der Sympathie zu ihren Figuren und den sie spielenden Darstellern verbunden ist, habe ich als Bewunderer der unglaublich süßen Julia Stiles freilich nicht gezögert zu „Carolina“ zu greifen, auch wenn die Geschichte sich auf dem DVD-Cover 08/15 las. Nicht dass ich mich nicht auch mal bei einer RomCom mit 08/15 zufrieden geben würde, mutig bin ich eher nicht bei meinen Stichproben dieses eigentlich von mir gern geguckten Genres.

Mir hätte es mit Julia Stiles in der Hauptrolle also wahrscheinlich durchaus gereicht mit Durchschnitt a la „Management - Die Liebe ist eine Baustelle“ abgefertigt zu werden, um so erfreuter war ich, als ich feststellen durfte welch herzensguter Film hinter dem unscheinbaren Produkt steckte, eine Geschichte die das Leben zwar manipulativ schön malt wie es für sein Genre fast schon obligatorisch ist, dies aber in einer solch angenehm einlullenden und nicht vollkommen kopflosen Art tut, dass man sich nur all zu gern dem Träumen hingibt, zumal man sich nicht einzig in Carolina verliebt, sondern gleich auch in ihre komplette ziemlich schräge Familie.

Mit der mit Shirley MacLaine so grandios besetzten Großmutter, die fast schon wichtiger für den Film ist als es Carolina zu sein scheint, spricht der Film einige Wahrheiten gerade heraus aus, während er gleichzeitig Fremdschämen verursacht, der einen wiederum an Carolina bindet. Zumindest ist dies die beste Art um den Film vollends genießen zu können, darf man sich doch mit Carolina zusammen vom Leben belehren lassen, dass man sich manches Mal an falscher Stelle fremdschämt.

Was den etwas müde besetzten Albert betrifft, der sich als der Idealkandidat für Carolina entpuppt, so ist die junge Frau im Zentrum vielleicht ein wenig zu schwer von Begriff gezeichnet, als dass es zum Restcharakter der an sich taffen Frau passen würde. Aber wer Freund der Gattung romantische Komödie ist weiß ohnehin dass man nie all zu viel Realität erwarten darf, selbst bei solch originellen und lebensnahem Genrebeiträgen wie „Harry und Sally“.

Hilfreich kommt dem hier besprochenen Film zu Gute, dass er zudem der Gattung der Tragikomödie angehört, was sich als wundervoller Mix herausstellt. Selbst wenn das finale Drama ein wenig konstruiert in die Geschichte geschuppst wird, so wirkt dies aufgrund der emotionalen Vorarbeit doch nie wie ein Fremdkörper in einem sonst gelungenen Film. Ganz im Gegenteil schafft es dieser Aspekt die Geschichte in eine wesentlich unverkrampftere Richtung zu lenken um das zu erzählen was noch erzählt werden muss, als das was alternativ ohne das tragische Schicksal am Ende an Möglichkeiten zur Auswahl gestanden hätte - zumindest orientiert an den Konkurrenzprodukten aus Amerika, die sich mit dem letzten Drittel gerne hin und wieder schwer tun.

„Carolina“ ist ein wundervoller Film über das Leben, die Familie und die Liebe, über das was wichtig und unwichtig ist und zeigt uns damit warum es auch immer Filme für naive Träumer geben muss, über die eiskalte Intellektuelle immer wieder aufgrund der Realitätsferne durch Verschönerung von Augenblicken schimpfen werden. Lasst sie schimpfen! Die haben doch keine Ahnung wofür Kino alles da sein kann! Kino darf alles sein, erst recht wenn es solch ein gutes Gefühl hinterlässt wie Marleen Gorris Film, das bislang erste Werk welches ich von ihr gesehen habe.  OFDb

23.04.2016

ZEHN DINGE, DIE ICH AN DIR HASSE (1999)

Frei nach „Der Widerspenstigen Zähmung“ von Shakespear erzählt „10 Dinge, die ich an Dir hasse“ eine für eine Teenager-Komödie recht einfallsreiche Geschichte, die mit den Fäden die sie spinnt sofort die Neugierde des Zuschauers zu wecken weiß. Dank der wahrlich geglückten Besetzung bleibt das auch so, wobei ganz besonders die Hauptakteure Heath Ledger und Julia Stiles hervorgehoben werden müssen. Letztgenannte strahlt eine solch natürliche, Hollywood-untypische Schönheit aus, die glaubwürdig kompatibel ist mit dem charmant schwierigen Charakter den sie verkörpert. Ich bin bei der Beurteilung ihrer Leistung vielleicht etwas voreingenommen, gehört sie meiner Meinung nach doch zu den bezaubernsten Mimen die Amerika überhaupt zu bieten hat, aber das hilft um so mehr in einem romantisch orientiertem Film.

Heath Ledger verkörpert den idealen Gegenpart, stimmt doch einfach die Chemie zwischen den beiden, und gelingt ihm doch ebenfalls die ideale Gradwanderung zwischen charmant und ätzend, mimisch gar noch mehr als Stiles. Die Liebesgeschichte zwischen den beiden ist glaubwürdig erzählt, vor allen Dingen aber auch ansteckend. „Zehn Dinge, die ich an dir hasse“ demonstriert wie von einer frisch entstehenden  Liebschaft geradezu zärtlich und niedlich erzählt werden kann ohne in unangenehmen Kitsch zu baden. Trotz des altbekannten Plots, der eigentlich selbst schon ein Klischee geworden ist, wirkt die Entwicklung zwischen den beiden nie konstruiert, ständig bewahrt sie sich eine gewisse Natürlichkeit.

Damit hebt sie sich gewaltig von der überdrehten Comicwelt des restlichen Highschool-Lebens ab, und genau darin liegt der Kniff. Die Außenseiter sind eigentlich die normalsten, emotional menschlichsten Figuren eines Streifens, der ansonsten nur von überzeichneten Charakteren bevölkert wird. Da muss man nicht gleich auf solch besonders durchgeknalle Figuren wie den völlig panischen Vater und die desinteressierte Schuldirektorin verweisen, obwohl der Film auch stark von diesen beiden Figuren lebt. Bereits der überzogen verliebte Cameron und die oberflächlich zickige Bianca leben augenzwinkernd die typischen Stereotype anderer Teeniefilme aus, um sich deren Schwächen zu Stärken zu machen.

„Zehn Dinge, die ich an dir hasse“ sprudelt nur so vor Sympathie, reiht einen sehenswerten Moment an den anderen in einer locker-niveauvollen Umsetzung, wie man sie leider viel zu selten in dem meist amourösen Sub-Genre der Teenie-Komödie vorfindet. Wenn Patrick Kat mit einem Ständchen verzaubert,  fällt dies keinesfalls so zwiespältig aus wie in der berühmten Gesangsszene aus „Scream 2“, ist doch auch sie pointensicher gesetzt, gekonnt amateurhaft von Ledger verkörpert und liebevoll genug umgesetzt, um neben dem Humoraspekt auch die Romantik nicht zu kurz kommen zu lassen. Ohnehin ist es die Kunst dieses Gleichgewicht im kompletten Film stets beizubehalten, die Gil Jungers Werk zu solch einem wundervollen Film werden lässt, den ich mir immer wieder angucken kann.  OFDb

22.10.2015

DER SCHREI DER EULE (2009)

Die Charakterzeichnung von Robert ist einzigartig zu nennen, geradezu ungewöhnlich für einen Film dieser Art, und das verleiht „Der Schrei der Eule“, dessen literarische Vorlage schon mehrfach verfilmt wurde, einen individuellen Charakter. Der Zuschauer ist immer nah an den Empfindungen und Geschehnissen rund um Robert dran. Man baut eine persönliche Beziehung zu ihm auf. Man beginnt ihn zu verstehen, selbst wenn er Dinge tut die sonderbar erscheinen. Das Stalken gehört dazu, hat aber einen ganz anderen Grund als das Wort stalken eigentlich impliziert. Robert sucht lediglich das Wohlfühlen, welches er in seinem durch den Job und die Scheidung gestressten Alltag so vermisst. Und er findet es im Gemütszustand der Frau die er beobachtet.

Mehr will Robert nicht. Und deswegen werden die Geschehnisse rein zum Selbstläufer, wenn sich die ebenfalls depressiv scheinende Jenny in ihn verliebt. Er selbst möchte keine Beziehung so kurz nach der Scheidung, er lässt sich dennoch auf eine Liebschaft ein. Daraufhin kocht die Eifersucht in Jennys sitzengelassenem Ex. Der ist nach einer Prügelei plötzlich verschwunden. Eigentlich glaubt der Zuschauer an Roberts Unschuld, ist die Tür des Misstrauens doch nur einen Spalt auf durch ein Auslassen der Geschehnisse, nachdem Robert dem Vermissten gar das Leben gerettet hat. Aufgrund dieses Spalts dauert es auch einige Zeit zu begreifen worum es in „Der Schrei der Eule“ wirklich geht.

Mancher Thriller-Fan mag da enttäuscht werden, wenn es schließlich nicht um ein „oder war er es doch?“ geht. „Cry of the Owl“ (Originaltitel) ist viel mehr Psycho-Drama als Thriller. Es geht um das Gefühlsleben Roberts, das sich aufgrund immer extremer werdender Umstände immer mehr verändert. Unschuldig erlebt er die Isolation. Freunde entpuppen sich als erschreckte Mitläufer. Einzig Jenny hält zu ihm, so dass er sie bei sich hält, obwohl er keine Beziehung mit ihr möchte. Verständlich, keiner möchte alleine sein. Immer wieder wenn Robert Hilfe oder Verständnis entgegen gebracht wird, passiert etwas neues das den von Robert gewünschten Zustand wieder zunichte macht. Der Mann bleibt verdächtig. Er ist Opfer eines Intrigenspiels.

Und genau in diesem Punkt besitzt Thraves „Der Schrei der Eule“ seinen Schwachpunkt. Wenn es zur Auflösung kommt werden die Beweggründe des Täters nicht weiter verfolgt. Zwar erfährt man wer Robert böse mitspielt, ein tieferes Warum bleibt der Film einem aber ebenso schuldig wie die Frage nach dem Grund und der Art der Zusammenkunft zweier Verschworener. „Der Schrei der Eule“ erscheint trotz seiner dichten Erzählung plötzlich so gehaltlos, als habe er außerhalb Roberts Psyche nichts weiteres erzählen wollen. Aber was nutzt die genaue Betrachtung auf die inneren Vorgänge Roberts, wenn das Drumherum am Ende keine befriedigende Antwort liefert?

Schon zuvor bemerkt man wie willkürlich Nebenstränge radikal beendet werden, ohne dass man einen Grund für diese Art Schlussstrich erfährt. Die Auflösung sorgt schließlich dafür, dass genau diese Momente als das erkannt werden was sie sind: als einzig des reißerischen Effekts wegen eingebaute Konstrukte. Sie sollten dem Zuschauer lediglich unerwartete Wendungen bescheren ohne sich richtig ins Gesamtbild einzufügen. Auch hier besteht also vieles nur aus heißer Luft. Und da darf man schon enttäuscht sein.

Dank der Nähe zu den Charakteren bleibt „Der Schrei der Eule“ trotzdem ein sehenswerter Film, zumal er in großartige Bilder getaucht ist und talentierte Schauspieler zu bieten hat, von denen Julia Stiles mit ihrer individuellen Ausstrahlung ein besonderer Pluspunkt ist, würde man einem klassischen Hollywood-Püppchen die Rolle doch gar nicht abkaufen. Stiles verkörpert rein optisch bereits alles was zur Figur der Jenny dazu gehört. Sie wirkt sinnlich, anziehend, tiefsinnig und individuell. Sie ist eine Frau in die man sich nur all zu gern verlieben würde, Trümpfe die auch „10 Dinge, die ich an Dir hasse“ und die fünfte Staffel „Dexter“ an ihr zu nutzen wussten, Trümpfe die aber nicht darüber hinweg täuschen dürfen, dass Stiles zudem eine begabte Schauspielerin ist.

Paddy Considine kannte ich bislang nur aus „Hot Fuzz“ und (mehr noch) aus „The World‘s End“. Dort fiel er mir trotz guter Leistungen nur bedingt auf. Nun im „Schrei der Eule“ kommt man aufgrund dessen, dass er Zentrum des Films ist, nicht umhin zu bemerken wie großartig sein Spiel ist. Seine Leistung ist ähnlich sensibel zu nennen wie das Drehbuch, so dass die Kombination aus beidem den hauptsächlichen Sehwert ausmacht, den Stiles Zutun zusätzlich verzuckert.

Thraves Film hätte so viel mehr werden können, wenn er den Zuschauer am Ende nicht mit vielen offenen Fragen im Regen stehen lassen würde. Dann könnte man sich auch wesentlich mehr am hoffnungslosen Schlussbild erfreuen, welches einen Ort an dem einst ein glückliches Gesicht stand gegen ein absolut hoffnungsloses austauscht, das keine Möglichkeit auf ein Happy End besitzt. Schön ist auch der Kniff, dass der Zuschauer nun Roberts ehemalige Rolle als Stalker einnimmt. Hitchcock wäre sicherlich stolz auf Thraves gewesen.

Aber diese so geglückte Szene würde auch nur dann so intensiv beim Zuschauer nachhaltig wirken, wenn man nicht zuvor mit einem verpufften Nichts allein zurückgelassen worden wäre. Klar, nicht alles im Leben ist erklärbar. Es besteht hauptsächlich aus Zufällen. Aber die Beweggründe des Täters, ein näheres Beleuchten seiner Psyche und die seines Mittäters hätten einen Teil der Leere füllen können, so dass man die restliche Leere als absichtlich unbeantwortet als Zuschauer dankend angenommen hätte, um sich selbst Gedanken zu machen.  OFDb