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18.08.2024

THE NEW OPEN SEASON (2011)

Ein Polizist kommt eher zufällig einer Gruppe Jäger auf die Spur, die für das Verschwinden etlicher Leute verantwortlich sind...

Leg Dich nie mit einem Ex-Soldaten an...

"Open Season" erhielt nie eine Fortsetzung. Etliche Werke ähnlicher Thematik erhalten in Deutschland jedoch immer wieder Titel, die dies suggerieren. Einer davon ist "The Hunters" (Originaltitel), der aus der Zusammenkunft von Belgien, Frankreich und Luxemburg produziert wurde, inszeniert von Chris Briant, für den dieses Werk sein Erstling darstellte, arbeitete er zuvor doch lediglich mit anderen Regisseuren an einer Krimi-Serie namens "Profiling Paris". Zwar steht auch hier wieder einmal das Thema Menschenjagd auf dem Programm, jedoch auf merkwürdige, da eher umständliche und oftmals nicht glaubwürdig gewählte Art dargeboten. Normalerweise begrüße ich die andersartige Herangehensweise europäischem Kinos gegenüber dem was wir aus den USA standardmäßig gewöhnt sind, aber "Die Jäger - The New Open Season" (Alternativtitel) will einfach nicht richtig funktionieren. Zwar beleuchtet er Täter und Ermittler in seiner Vorphase gleichermaßen (wobei wir bei den Jägern zunächst nicht sicher sind, ob sie zukünftige Opfer oder Jäger sind), aber diese reizvoll klingende Herangehensweise wird eher des Laufzeitstreckens wegen angegangen, anstatt uns einen vielschichtigen Blick auf die Umstände werfen zu lassen. 

Hier wird nicht psychologisch clever beleuchtet, was Menschen dazu treibt andere zu jagen, man bedient sich stattdessen nicht tiefgründig genug herausgearbeiteter Klischees, wie dem Frust nerviger Kunden und böser Chefs in einem undankbaren Arbeitsumfeld z.B. Interessanter ist da schon die Arbeitswelt des Helden, der seinem Vorgesetzten zu engagiert daher kommt, aufgrund seiner gerade erst neu begonnenen Stelle an einem ihm unbekannten Ort trotz seiner Professionalität entsprechend auch Fehler macht, was zu gefallen weiß, um den Charakter nicht zu strahlend heldenhaft erscheinen zu lassen. Letztendlich belässt man seinen Konflikt mit dem übergeordneten Kriminalisten jedoch nicht als reizvolle Nebensache, sondern verwendet sie zudem billig als reißerischen Wendepunkt in der Hauptgeschichte, eine Idee die nicht nötig war, da sie die Gefahrenlage weder verstärkt, noch einen komplett anderen Blick auf die Umstände wirft. "The New Open Season" verschenkt etliche reizvolle Elemente für eine stumpfe, zerfahren erzählte Geschichte, in der es letzten Endes doch nur darum geht, dass der Held sich und andere gerettet bekommt, versehentlich hineingeraten in ein idiotisch und zu klein anmutendes Jagdrevier bescheuert begründet motivierter Killer. 

Dem ganzen noch Horrorelemente hinzuzufügen, wenn es zur ersten richtigen Konfrontation mit einem der Jäger am Ort seiner Trophäen kommt, indem dieser sich als lupenreiner Psychopath a la Leatherface entpuppt (während der Rest "normale" Menschenjäger sind), will psychologisch so gar nicht glaubwürdig erscheinen, dient also auch nur dem reißerischen Erzählwert einer schlichtweg zu orientierungslos angegangenen Geschichte. Eben weil sie so stichprobenartig bei verschiedenen Figuren beider Seiten zu Beginn ansetzt, hätte man eher etwas Durchstrukturiertes erwartet. Leider will der Streifen auch auf trivialer Ebene nicht wirklich überzeugen, er hangelt sich zwar von Moment zu Moment, von dem der ein oder andere immer mal unterhaltsam ausfällt, Hauptmotivator das Ganze zu Ende zu gucken war bei mir jedoch die Frage, was als nächstes kommt und was sich die Verantwortlichen beim Dreh dieses Films wohl gedacht haben könnten. Die wollten wahrscheinlich einfach nur völlig undurchdacht bekannte Erzählmuster durchbrechen und drehten ein Irgendwas. Dies ist nicht völlig ohne Reiz, aber da auch ohne Empathie und Psychologieverständnis angegangen, hätte es als Amateurfilm in seiner scheiternden Art mehr Charme geerntet, da hätte man einfach mehr entschuldigt.  OFDb

04.05.2021

THE ROOM (2019)

Manch ein Filmemacher hätte die an "Twilight Zone" und Co erinnernde Chose permanent für den mahnenden, moralischen Aspekt genutzt, der sich freilich nie komplett ausblenden lässt. Das Gemeinschaftsprojekt aus Luxemburg, Belgien und Frankreich macht mit einer Reduzierung dieses Aspekts jedoch seine europäische Herkunft deutlich und schafft es mittels eines recht geistreichen Drehbuchs stets neue Wege zu finden, die grundlegende Idee auszuloten. So macht die Geschichte weder Halt im moralischen Aspekt, noch im Erwachen aus der obligatorisch aufkommenden  Dekadenz. Ebenso wenig schließt sie mit der an "Gate 2" erinnernden Idee, dass alles Herbeigewünschte nach einiger Zeit wertlos wird. Mit einem atmenden, denkenden Wesen aus Fleisch und Blut wird eine tragische Komponente dem Geschehen hinzugefügt, die vielfältig ausgeleuchtet werden kann. Das Drama um das Eingeschlossensein wird dadurch ebenso thematisiert, wie das Traumata der Mutter, die das eine mit diesem Wunsch umgehen wollte und sich nun einem anderen ausgesetzt sieht. Der Alterungsprozess außerhalb des Hauses wird ebenso Teil der Gedankenspiele rund um den Jungen, wie auch seine frankensteinische Kunsterschaffung. Ist er Mensch oder nicht? Hier finden sich einige Parallelen zum völlig anders gearteten, im selben Jahr entstandenen, "Vivarium" (teilweise auch zu "Splice - Das Genexperiment"), den Entzweiungsprozess des Paares um Mitgefühl, Vernunft und Machtverhältnisse hier etwas näher beleuchtend als dort.

Und selbst mit dem Aspekt des Kindes hören die Überraschungen der wendungsreichen Geschichte beileibe nicht auf. Denn durch die Intelligenz des Jungen kann nun etwas nachgeholt werden, das man in der Einfallslosigkeit des zentralen Ehepaares zuvor vermisst hat: die vielen Wunschmöglichkeiten, die sich durch den Raum anbieten. Irgendwann befinden wir uns in einer an "House 2" erinnernden Phase, in welcher der Junge, langsam sein Schicksal begreifend, sich seine eigene Welt in diesem Raum kreiert, um das Draußensein endlich einmal erleben zu können. Auch hier ruht sich das Drehbuch nicht einfach auf dem fantastischen Aspekt aus, sondern nutzt diesen Bereich erneut zum Ausloten zwischenmenschlicher Auseinandersetzungen, in welcher die Mutter sich geradezu klassisch auf die Seite ihres Kindes schlägt. Zwar geht die Geschichte überraschend erfreulich so weit die Wahrnehmung derart auf den Kopf zu stellen, dass man sich an "eXistenZ" erinnernd nicht mehr sicher ist in welcher Wirklichkeit man sich nun tatsächlich befindet (gleiches gilt dank der krankhaften Entwicklung des sprunghaft Herangereiften auch für Persönlichkeiten), letztendlich führt man in dieser wilden Phase den Zuschauer jedoch zu brav an der Hand, macht immer zu schnell deutlich wo wir uns mit wem tatsächlich befinden, anstatt uns komplett im Labyrinth aus Wahn, Illusion und Täuschung allein zu lassen. 

Dementsprechend kann genau diese Phase nicht konsequent genug umgesetzt werden, was schade ist, wenn man bedenkt, dass sich "The Room" überhaupt bis zu derartigen Sphären entwickeln durfte. Da Christian Volckman (der ansonsten im Langfilmbereich bislang nur den Animationsfilm "Renaissance" inszenierte) seinen Film aber ohnehin stets in einer Kinorealität spielen lässt und sich kaum um authentisches Flair und reifes Kino bemüht, fühlt sich dieses Eingeständnis für den Mainstream nicht ganz so enttäuschend an, wie in einem erwachsen reflektiertem Produkt. "The Room" ist somit einfallsreiches Kino für die Zeit in der er entstand und für das Publikum, das er anvisiert, ist in seinen Möglichkeiten aber eingeschränkt für das mündige, mitdenkende Publikum. Umso schöner ist es, dass er als massentauglicher Film in einem relativ weiten Radius eingeschränkt ist, sprich sich im phantastischen Bereich weite Grenzen setzt, bevor er deren letzte Hürden meidet zu überwinden. Warum man gerade in der letzten Phase einer krankhaften Rollenübernahme angekommen so schnell nicht nur den Zuschauer, sondern auch die getäuschte Figur einweiht, anstatt bei dieser unpraktischen Entscheidung wenigstens nur den unpassend plötzlich zum Helden umfunktionierten Ehemann klar sehen zu lassen, und dies nur um das Ganze in einem geradezu klassischem Errettungsszenario enden zu lassen, will sich mir, nach all den anderen Möglichkeiten, die das Drehbuch genüsslich auskostete, nicht erschließen. Was hier an Potential für weitere interessante 30 Minuten für einen schnellen Schuss verschenkt wird, wird vielleicht aber nur den Kreativen unter den Zuschauern bewusst sein.  OFDb

04.04.2020

LUIS UND DIE ALIENS (2018)

Es ist nicht so, dass "Luis und die Aliens" ein missglückter Film wäre, aber ich frage mich immer wieder warum europäische Filmschaffende sich derart penetrant der amerikanischen Art Filme zu drehen anbiedern müssen. Gerade dem Zeichentrickbereich täte es gut entspanntere und kreativere Luft zu atmen, als es die immergleiche, moralinsaure Variante an US-Produkten zulässt. Doch was passiert? Selbst wenn sich Luxemburg, Deutschland und Dänemark für einen CGI-Animationsfilm zusammen tun, kommt nichts anderes dabei heraus wie ein typischer Trickfilm-Klon, der nach dem üblichen Muster erzählt ist. Ob es der Handlungsverlauf ist, die (arg unkreative) Figurenanimation, die Botschaft, "Luis and the Aliens" (Originaltitel) versucht erst gar nicht die Erfolgsformel für das Mainstream-Publikum auch nur ansatzweise abzuändern, zu verängstigt ist man eine finanzielle Bruchlandung zu machen, zu wichtig ist es ein solches Werk einzig als Profitvergrößerung zu betrachten. Dabei hätte es ausgereicht der immergleichen Soße zumindest eine europäische Mentalität atmen zu lassen. Aber das scheint in Zeiten der Globalisierung nicht mehr erlaubt zu sein.

Inmitten des Meers an Einheitsprodukten ragt "Luis and His Friends from Outer Space" (Alternativtitel) kaum heraus. Selbst sein Aufhänger weckt nicht aufgrund einer innovativen Idee das Interesse. Im Gegensatz zu andersartig klingenden, aber doch nur den Standard abliefernden, Werken wie "The Boss Baby", weiß er jedoch zu funktionieren. Es dauert zwar ein wenig, bis die Dynamik des bereits bekannten Rezeptes beginnt mittels funktionierender Komik und aufregender Verstrickungen zu wirken, im ersten Drittel dachte ich schon das wird nichts mehr, aber es passiert, und man interessiert sich doch noch für die Geschehnisse, die uns hier präsentiert werden. Die schlagen nie wirklich unvorhersehbare Haken und schenken uns auch keine finalen Aufdeckungen von Geheimnissen, die man nicht bereits im Vorfeld enträtselt hätte, aber als simples Grundlagenprogramm mit ausreichend Sympathie funktioniert die Regie-Arbeit von Christoph und Wolfgang Lauenstein, sowie von Sean McCormack doch noch, so dass die 90 Minuten dennoch innovationslos vergnügt zu unterhalten wissen. Zumindest kann man dem Werk attestieren, dass es den US-Produkten gleichwertige Konkurrenz bereiten kann. Letztendlich sind es aber Produktionen wie diese schuld, dass sich im Popkornkino kaum noch Vielfältigkeit abzeichnet und es fast nur noch genormtes Programm zu konsumieren gibt.  OFDb

10.12.2016

THE PRODIGIES (2011)

„The Prodigies“ ist ein Zeichentrickfilm, der gerne ein besonderes Filmerlebnis sein möchte und an dem sechs Länder, meist europäischer Herkunft, mit herumgebastelt haben. Viele Köche verderben den Brei, und so ist aus dem Projekt ein eher gewöhnlicher Streifen geworden, was hauptsächlich daran liegt, dass man all das Präsentierte woanders schon einmal besser umgesetzt gesehen hat. Die Geschichte schaut sich wie ein Mix aus „Carrie“, "Krieg der Sterne" und den „X-Men“, die computeranimierten Zeichnungen können in ihrer zu versteiften Art weder mit der gleichen Animationstechnik der Konkurrenz a la „Appleseed“ mithalten, noch mit der klassischen Zeichentrick-Variante, und die Charakterzeichnung ist einfallslose Stereotypen-Art, äußerlich wie innerlich, angeführt von einem Helden, der den Eindruck eines einfallslosen erwachsenen Harry Potters macht.

Für den entwickelt man in seiner charakterlosen Art ebenso wenig Sympathie wie für den Rest, folgt „The Prodigies“ doch nicht nur einer zum x-ten mal wiedergekäuerten Handlung und besagtem Stereotypenmeer, selbst die ausgesprochenen Worte und die enthaltende Mentalität wiederholen bloß das was bereits oft unreflektiert im Mainstreambereich der Science Fiction und des Fantasyfilmes thematisiert wurde. Trotz seiner unterkühlten Art kann man der Geschichte zwar folgen, ohne den Zwang zu verspüren ausschalten zu müssen, aber letztendlich erreicht einen solch ein kalkuliertes, fast schon lustlos erzähltes Produkt nicht an jenem Punkt in uns, der für wahres Interesse sorgt.

Positiv bleibt jedoch zu vermerken, dass die Animation zwischendurch durchaus über Momente verfügt, die etwas mehr Engagement aufweisen als das Restprodukt. Der Perspektivwechsel in die Fantasiesicht der gerade leidenden telekinetisch Begabten weiß in seiner skizzenhaften Artbook-Art ebenso zu gefallen, wie mancher optischer Szenenübergang, wie jener ziemlich zu Anfang, der in einer Regenschirm-überfluteten Szene mündet, die während einer Beerdigung spielt.

Das junge jugendliche Publikum, welches noch nicht genügend Vergleichsstoffe kennt, wird mit seiner mangelnden Lebenserfahrung und den heruntergeschraubten Erwartungen sicherlich mehr mit „The Prodigies“ anfangen können als der erwachsene Zuschauer, aber die haben andererseits gerade im Anime-Bereich wesentlich bessere Quellen zur Auswahl als das was der hier besprochene Science Fiction-Animationsfilm zu bieten hat. Zwar ist „The Prodigies“ durch das Fehlen einer wahrlich aneckenden, fragwürdigen Ideologie nicht so übel ausgefallen wie der dänische „Princess“, an wahrlich erwachsene Animationswerke a la „Persepolis“ oder „Mary und Max“ kommt er rein intellektuell aber ebenso wenig heran wie an inhaltsverwandte Stoffe, wie die eingangs erwähnten Kinoerfolge oder der namhafte Bereich aus dem Animesektor, angeführt von Ur-Produkten wie „Akira“, „Patlabor“ und „Ghost in the Shell“. In seiner versteiften, unterkühlten Art erinnert "The Prodigies" noch am ehesten an den missglückten Versuch mit "War of the Worlds - Goliath" den Krieg der Welten-Stoff in den Zeichentricksektor zu integrieren.  OFDb

02.08.2016

SHADOW OF THE VAMPIRE (2000)

Vielleicht spricht es nicht unbedingt für die Qualität von „Shadow of the Vampire“, dass er immer dann am beeindruckendsten ausgefallen ist, wenn er in Schwarz/Weiß gehalten sehr exakt den Original „Nosferatu“ zitiert. Aber genau das macht sehr deutlich welchen Meilenstein Murnau in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts geschaffen hat, zählt das stumme Frühwerk doch noch immer zu Recht zu den besten Filmarbeiten die es je zum Thema Vampirismus gegeben hat. Dementsprechend ist der hier besprochene Film von E. Elias Merhige als Verehrung und Verbeugung vor dem Klassiker gedacht, und auch wenn der Regisseur vielleicht manches Mal etwas zu anbetend aus dem Original ein optisches Zitat nach dem nächsten setzt und dabei fast sein eigenes Werk aus den Augen verliert, so weiß seine augenzwinkernde Hommage doch trotzdem zu gefallen.

Interessante Weise wurde das Thema trotz der dazu einladenden Grundlage nicht als Komödie umgesetzt. Verschmitzt ist „Burned to Light“ (Originaltitel) durchaus erzählt, ein unterschwelliger Humor schleicht sich immer wieder fast unsichtbar ein, aber an sich verfolgt der Autor Steven Katz die Idee ernsthaft. Er stellt Murnau als fanatistischen Künstler dar, der bereit ist wirklich alles für eine authentische Umsetzung zu tun, was gerade im Finale deutlich wird, wenn er unbeeindruckt von der Tragödie um ihn herum weiter dreht, auch wenn ein Plan sich vor Schreck abzusichern scheitert, was ihm bei Gelingen eine Art ethische Rückversicherung beim Publikum beschert hätte. Aber hier wird nun endgültig klar dass tatsächlich kein Gewissen und kein Mitgefühl vorhanden ist, eine Gefühlskälte die auch inszenatorisch auffällt, so dass sich das theoretisch vorhandene Genre Drama keineswegs beim Sichten so anfühlt.

Es mag sein dass dies ein eben solcher Inszenierungsfehler ist wie der Eingangs erwähnte, er bringt „Shadow of the Vampire“ jedoch nicht zum scheitern. Vielleicht liegt es daran, dass der von Nicolas Cage produzierte Film von der Spielfreude seiner Darsteller lebt, die es sichtbar mögen übertreiben zu dürfen, an der Dramaturgie des Stoffes liegt es jedenfalls nicht, darf sich doch so ziemlich jede Figur der Geschichte überhaupt nicht weiterentwickeln. Der Film schließt wenn Nosferatu zu Ende gedreht ist. Dafür ob da nun jemand auf das Geheimnis von Schreck stößt oder nicht interessiert sich die Geschichte kein bischen. Und über diese Gleichgültigkeit wird man automatisch an das Spiel Malkovichs und Dafoes gefesselt, die zwei Egomanen spielen, von Trieb, Gier, Visionen und Selbstverliebtheit getrieben, die sich ständig duellieren, so als dürfte man Klaus Kinski und Werner Herzog bei einer ihrer ständigen Kabbeleien zusehen, bis es schließlich zu einem Moment kommen muss, in welchem der eine über den anderen dominiert.

Daraus ergibt sich eine eigene Dynamik, die jeden theoretischen Schwachpunkt des Streifens irrelevant werden lässt, da dieser Motor, gestützt von der Detailtreue zum Originalwerk, dem authentischen Wiedererwecken einer vergangenen Zeit und der charmanten Idee Max Schreck wäre tatsächlich ein Vampir gewesen, „Shadow of the Vampire“ das besondere Etwas beschert. Von einem Meilenstein würde sicherlich niemand sprechen, aber Merhige ist, ob nun durch Zufall oder mit voller Absicht, ein interessanter Film geglückt, der auf ganz andere Art funktioniert als man es erwarten würde. Selbiges gilt für den Handlungsablauf und das tatsächlich vorgelegte Genre.

Denn wie bereits erwähnt hätte man eigentlich eine Komödie erwartet, zumal es die Verantwortlichen des Streifens lieben diverse Szenen des Originals dem Umstand zuzuschreiben, dass ein Vampir beim Dreh unkontrollierbar ist und die besten Momente aus „Nosferatu“ improvisiert abgefilmt wurden, da sich der Blutsauger nicht an Vereinbarungen hielt. Humorlose Menschen würden dies sicherlich nicht als Verbeugung vor Murnaus Talent betrachten, gerade in Anbetracht dessen dass er zudem charakterlich völlig negativ gezeichnet wird. Aber „Shadow of the Vampire“ will lediglich ein schelmisches Gedankenspiel sein, und da schließt das eine das andere nicht aus.  OFDb

22.06.2016

DOG SOLDIERS (2002)

Da ich es nicht so mit Werwolf-Filmen habe, da sie mir nur in der Ausnahme gefallen, so wie z.B. in „American Werewolf“, „Wolf“ und „Ginger Snaps“, kenne ich vergleichsweise nicht all zu viele Stoffe zu diesem Thema. Aber eigentlich traten die Viecher in den von mir gesehenen Werken immer nur allein auf. Da fragt man sich doch, warum das so oft im Horror-Genre auftretende Monster so selten oder bis „Dog Soldiers“ gar nie (?) im Rudel aufgetreten ist, was doch nur naheliegt aufgrund seiner ungewollt tierischen Verwandschaft. Es ist schön dass mal wer das Kaliber dieser Ausgangssituation erkannt hat, und es ist schön dass die Bedrohung tief in den Wäldern in einer stimmigen Umgebung eingesetzt wird.

Mit Soldaten als Helden in Horrorfilmen habe ich oftmals meine Probleme. Dies nicht weil ich ein Idealist bin und Fiktion nicht von meiner persönlichen Meinung unterscheiden könnte, sondern einfach deshalb weil es in dieser Berufsgruppe nicht auf das Individuum ankommt. Und als austauschbare Figürchen fehlt mir da in Werken wie „The Hills Have Eyes 2“ und Co die Auseinandersetzung und Identifizierung mit ihnen als Person mit Charakter. Werke wie „Predator“ und „Outpost“, die in der Ausnahme funktionieren, lassen einen, wenn schon nicht all zu sehr am Charakter, zumindest an der Strategie der Truppe teilhaben, und schon ist man drin, kann mitfiebern, sich orientieren und die Bedrohung mitempfinden. Und ein solcher Ausnahmefilm ist „Dog Soldiers“, der uns näher an die Soldaten und ihr Denken und Empfinden heranlässt, als die austauschbaren Horrorfilme diesbezüglich.

Zwar kann man bei „Night of the Werewolves“ (Alternativtitel) nun nicht von einer sonderlich innovativen Geschichte sprechen, immerhin sind wichtige, für längere Zeit ausgeborgte, Elemente aus „Predator“ und „Die Nacht der lebenden Toten“ vorhanden, sowie diverse Zutaten aus den üblichen Tierhorror- und Werwolffilmen, aber Regisseur Neil Marshall hat ein Gefühl dafür die schlichte Geschichte stimmig umzusetzen. Nicht nur dass es pausenlos kracht, was den Action-Fan erfreuen wird, Marshall vernachlässigt es bei all dem Krawumm auch nicht die Bedrohung spürbar werden zu lassen und sorgt somit für einen Spannungsbogen, der das ewige Herumgeballer nicht zu einer monotonen Orgie der Langeweile verkommen lässt.

Ein großer Vorteil im Gegensatz zu solch vielen misslungenen Beiträgen der Werwolf-Thematik ist die wirklich hervorragend ausgefallene Gestaltung der Werwölfe selbst, die nicht wie groteske, plumpe Monster wirken, die einen mehr zum Lachen als zum Gruseln bringen. Die Effekt-Designer schaffen es tatsächlich dass die Viecher selbst dann toll aussehen, wenn sie sich länger im Bild befinden. Dennoch weiß Marshall auch hier, dass es Sinn macht die Monster nicht all zu oft zu zeigen, aber wohldosiert genug um den Zuschauer auch nicht zu enttäuschen. Einen längeren Blick auf die Viecher erhaschen wir nicht erst im Finale. Als Rudel greifen sie stets zusammen an, und in der Hütte im Wald angekommen, in welcher der Hauptteil der Geschichte spielt, bekommen wir sie mit jeder Attacke zu Gesicht.

Es erstaunt mich ein wenig, dass „Dog Soldiers“ Marshalls Debutfilm vor „The Desenct“ ist, ist letztgenannter Streifen doch sicherlich kostengünstiger ausgefallen als das hier besprochene Werk. Dank der schlichten Location dürfte auch „Dog Soldiers“ nicht all zu viel gekostet haben, aber das Kreaturendesign und die Investitionen in die nicht zu knapp ausgefallenen Actionszenen haben die Kosten dennoch ein gutes Stück angehoben im Vergleich zum Überlebenskampf in der Höhle.

„Dog Soldiers“ mag nicht immer logisch und nachvollziehbar ausgefallen sein, aber er versteckt seine Idiotien recht gut. Zudem wimmelt es nicht an jeder Ecke vor Unsinnigkeiten, so dass man über den geringen Teil dessen was an Blödsinn vorhanden ist großzügig hinwegsehen kann. Etwas zu aufdringlich ist mir die Filmmusik aufgefallen, die das schlichte, kleine Werk fast schon zum großen Epos aufblasen will. Das will so gar nicht zum gezeigten Szenario passen und ist zudem auch viel zu banal komponiert für seine aufgeblasene Art.

Ansonsten weiß Marshalls Langfilm-Debüt jedoch zu gefallen. Luft nach oben gibt es noch genug, sein Streifen ist kein Meisterwerk geworden. Aber wenn man bedenkt wie selten es im überfluteten Markt der Werwolffilme brauchbare Beiträge gibt, darf man doch erfreut sein mit „Dog Soldiers“ nicht nur annehmbare Dutzendware gesichtet zu haben, sondern einen Film mit Gespür für Atmosphäre, Spannungsbogen, dem richtigen Mix aus Action und Atempausen, sowie einen trockenen, sachlischen Grundton. Kurzum: Marshall dosiert die einzelnen Zutaten recht gekonnt, um aus einem Minimum an Story einen maximalen Unterhaltungswert zu ernten.  OFDb

27.12.2015

THE CONGRESS (2013)

Robin Wright, die Schauspielerin die einst jene Frau mimte, die auf Forrest Gumps Gefühlen herumtrampelte und jüngst in der zweiten Hauptrolle der Serie „House of Cards“ überzeugen durfte, klingt reizvoll als Wahl der Hauptbesetzung in einem sozialkritischen Science Fiction-Streifen, der nicht nur einer äußerst interessanten Idee nachgeht, sondern auch in einem Real- und Zeichentrick-Mix umgesetzt wurde. Was solle bei so viel Potential schon schiefgehen, allein schon weil der Vorgänger-Film des Regisseurs Ari Folman, „Waltz with Bashir“, ein so hohes Ansehen besitzt?

Die Antwort lautet: so einiges! Denn wenn man vor lauter intellektuellem Getue den Boden unter den Füßen verliert, wird aus etwas sozialkritisch Intelligentem eine dümmliche Peinlichkeit. Das bemerkt freilich nur jene Art Zuschauer, die sich nicht gänzlich dem optischen Rausch aussetzt, welcher der Film definitiv besitzt. Wer den Kopf eingeschaltet lässt, bemerkt recht schnell dass hier etwas nicht stimmt. Zugegeben, ab dem Zeitsprung 20 Jahre später hat mir die Idee der Droge, mit welcher man zu einem seiner geliebten Stars werden kann, nicht gefallen. Ich bin also allein schon rein storymäßig vorbelastet. Und die groteske Idee, dass aufgrund dieser Droge der Kongress in einer Zeichentrickrealität stattfindet, fand auch nicht meinen Zuspruch. Aber das allein wäre alles nur eine Frage des individuellen Geschmacks und würde „The Congress“ noch nicht allgemein seinen Reiz berauben.

Dass die Zukunftswelt jedoch nicht sinnig durchdacht wurde und immer wieder ihre Widersprüche erfährt, macht das Werk, das sich für ungeheuer anspruchsvoll und intelligent hält, zu einer Katastrophe. Schon in seiner moralischen Umsetzung mit erhobenem Zeigefinger macht Folmans Werk, welches nur wenig eigene Ideen besitzt, einen inszenatorischen Fehler und wird damit ein Werk für Pseudointellektuelle, die undurchdacht nachplappern und intelligente Ansätze zu einem intelligenten Gesamtwerk fehlinterpretieren, eben weil ihnen nicht auffällt, dass das Gesamtbild brüchig und fehlerhaft ist.

Am deutlichsten wird dies ziemlich gegen Ende, wenn Robin sich aus der Rauschwelt befreien kann und die Realität zum vorher berichteten Szenario so gar nicht passen will. Da gibt es weder eine elitäre Gesellschaft der Reichen, die von der Realitätsflucht des Volkes lebt, noch eine kaputte Zivilisation, da sich niemand mehr um die reale Ebene kümmert. Menschen die vor dem Drogenzeitalter erwachsen waren rebellieren weder aktiv noch passiv. Und eine Erklärung wie die Realitätsflüchtlinge ernährt, eingekleidet und gepflegt werden, gibt es auch nicht. Diese wandern zombieartig hypnotisiert durch die Realität, gekleidet wie Penner, und doch müssten sie ja von irgend etwas leben.

Auch die imaginäre Drogenwelt wird nicht richtig erklärt. Da besitzt zwar jeder seine eigene Phantasie, kann aber mit anderen in Kontakt treten, selbst wenn die Welt des einen jener des anderen kaum ähnelt. Einzig die prominente Tarnidentität gibt es als Einstimmigkeit. Wie gemeinsame Erlebnisse möglich sein sollen, in komplett verschiedenen Realitätsebenen, wird nicht versucht zu erklären, scheint nicht einmal als Gedankenlücke bemerkt worden sein, was beweist mit welchem Tunnelblick die ach so innovative Geschichte erzählt wurde.

Richtig peinlich wird es jedoch erst dann, wenn Robin zurück in die Drogenillusion treten möchte, um ihren Sohn zu suchen. Das ist äußerst schwierig, da niemand weiß für welche Identität er sich entschieden hat und wo er sich aufhalten könnte. Wesentlich mehr Sinn würde es machen, ihn in der Realität unter all den Pennern zu suchen, wo sein Gesicht der Mutter bekannt ist. Ein Denkfehler, der kaum dümmlicher sein könnte. Den Fehler warum man in der Drogenwelt nicht altert, in der Realität aber scheinbar auch nicht wirklich, wenn ich mir den Arzt des behinderten Jungen so ansehe, kann ich noch als Unverständnis meiner Wenigkeit abtun. Vielleicht habe ich da etwas nicht verstanden. Aufgrund der anderen unübersehbaren Unsinnigkeiten zweifel ich aber selbst daran.

Das komplett ruinierte Ergebnis finde ich sehr traurig für ein Werk, welches inhaltlich solch einen tollen Aufhänger mit dem Vertrag hatte, bei dem der Schauspieler nicht mehr mitentscheiden darf wo er mitspielt. Meiner Meinung nach hätte der Film sich allein auf diese Thematik konzentrieren sollen, als eine Art Gegenstück von „S1m0ne“, so wie „EdTV“ das Gegenstück zu „Die Truman Show“ war. Schade ist es außerdem um die mühevoll umgesetzten Zeichentrickszenen, die absichtlich verschiedenste Trickfilm-Stile aufnimmt und immitiert, so dass zwar immer auch welche auftreten, die jedem von uns mal weniger gut gefallen, die man aber trotzdem als gelungen ansehen muss, eben weil sie so gekonnt den jeweils vorgegebenen Stil kopieren.

Aber was soll man den Zeichentricksequenzen und den ersten halbwegs geglückten 20 Minuten hinterher trauern, wenn ein Film vor lauter Belehrung und moralischem Übermut den Sinn des Erzählten aus den Augen verliert, dies nicht bemerkt und vor peinlichem Hintergrund weiter seinem intellektuellem Getue nachgeht. Wie gesagt: wer sich lediglich berauschen lässt und aufgrund intelligenter Fragmente dem Film als Gesamtes selbiges zuspricht, oder lediglich hirnlosen Medien nachplappert dass „The Congress“ ein anspruchsvolles Science Fiction-Werk wäre, der sitzt im richtigen Film und weiß es selbst dann nicht besser, wenn man ihn auf die Fehler des Streifens hinweist. Jeder mündige mitdenkende Zuschauer hingegen wird sich mit Schaudern von diesem Werk abwenden, das in seiner Lehrer-haften und unsinnigen Art nicht einmal mehr dazu einlädt, sich zumindest an der liebevoll gestalteten Optik zu ergötzen.  OFDb

15.09.2013

EMPIRE ME! - DER STAAT BIN ICH! (2011)

Ganz anders als sein mit Christoph Schlingensief zusammen umgesetzter, provokativer Dokumentarfilm „Ausländer raus! - Schlingensiefs Container“, in welchem man durch eine drastische Aktion gegen das Missachten von Menschenrechten aufmerksam machte, kommt Paul Poets zweiter Dokumentarfilm und dritte Regie-Arbeit daher. Ist die Gründung eines Mikrostaates schon fast als leise Rebellion zu verstehen, so will „Empire Me“ nicht provozieren, sondern zeigt uns still und mit Respekt vor den Mentalitäten in diesen Mikrostaaten den Alltag in diesen, nie darauf aus Kritik zu üben, sondern neutral Licht in das Dunkel der uns unbekannten Staatsformen zu bringen.

Ob auf dem Wasser oder an Land, mal bestehend aus einer handvoll Leute, mal mit über 1000 Einwohnern versehen, jedes in diesem Film aufgezeigte Land steht individuell für sich selbst. Den Wunsch nach Unabhängigkeit haben alle gemein, egal ob ausgelebt in einer Monarchie, einer Demokratie oder der Anarchie. Manche Mikrostaaten wurden der freien Liebe wegen gegründet, andere der Kunst wegen, andere leben ihre Esoterik ungehindert in ihrem Kleinststaat aus, andere benötigen keinen solcher Aufhänger sondern genießen schlichtweg die Freiheit eigene Gesetze zu erschaffen und Herr ihres eigenen Tuns zu sein.

Das ist alles sicherlich interessant anzuschauen, sein eigentliches Ziel über Mikrostaaten zu informieren hat der Film meiner Meinung nach jedoch nicht erreicht, zeigt er doch viel mehr alternative Lebensweisen auf, meist welche, die man auch in anderen Ländern als Subkultur vorfindet. „Empire Me“ möchte Respekt für solche alternativen Lebensweisen wecken, ein löblicher Schritt in einer Zeit in der Toleranz sich meist auf religiöse und große Kulturen bezieht, selten jedoch auf alternative Kulturen innerhalb der eigenen Gesellschaft. Diese Aufklärung hätte meiner Meinung nach also weniger mit Blick auf die uns unbekannten Mikrostaaten stattfinden sollen, sondern um wirklich aufzuwecken, zu informieren und die Toleranz in uns zu wecken Subkulturen in unserer eigenen Gesellschaft beleuchten sollen. Denn eins muss man Poet lassen: das hier Gezeigte verkommt nie zur Freak-Show über die man sich lustig machen will.

Mehr Sinn als der respektvolle Blick auf alternative Lebensweisen will sich mir nach Sichten von „Empire Me“ nicht erschließen. Wozu ausgerechnet der Blick auf Mikrostaaten, wenn nicht über deren Gründung gesprochen wird, Hintergründe, Problematiken und Regelungen intensiver beleuchtet werden und Aspekte ausgeblendet werden, wie die Frage wie man innerhalb eines solchen Mikrostaates aufwächst. Bekäme man zu Beginn eines jeden Kapitels nicht per Schriftzug mitgeteilt, welche Art Mikrostaat aktuell besucht wird, man könnte meinen man filmt lediglich Kommunen oder Clubgelände, in welchen sich Gleichgesinnte treffen. Es geht lediglich um die Lebensweise des jeweiligen Landes. Das tatsächliche Betrachten und Hinterfragen der Faszination Mikrostaat findet nicht bzw. kaum statt.

Das finde ich persönlich zwar schade, und somit bot „Empire Me“ nicht dass was ich mir eigentlich inhaltlich von diesem Stoff erhofft hatte, aber als Plädoyer für alternative Lebensweisen weiß er auch in diesem anderen Gewandt zu gefallen. Er konzentriert sich interessiert auf Nichtigkeiten, gibt Einblick in andere Denkweisen, entlarvt ab und an sogar das Selbstanlügen einiger Bewohner. „Empire Me“ ist also durchaus einen Blick wert, aber der Faszination Mikrostaat wird nicht wirklich nachgegangen. Das worauf sich Poet konzentriert hätte er auch innerhalb größerer Staaten locker entdecken können, um darüber zu berichten. Da Subkulturen innerhalb des eigenen Landes häufig nicht die Toleranz entgegengebracht wird wie größeren Kulturen, an welche die meisten Menschen denken wenn sie den Begriff Multikulturell hören, hätte der Film meiner Meinung nach mehr Wirkung entfaltet, wenn er für seine Betrachtung nicht erst Mikrostaaten aufgesucht hätte.

Freilich bin ich für den kurzen Blick auf Mikrostaaten, der nebenbei immer mal aufblitzt, trotzdem dankbar, ist es doch ein hochinteressantes Thema. Aber eben weil es das ist, fühle ich mich von Poet ein wenig verarscht. Nicht ohne Respekt für sein Werk zu hegen, immerhin bleibt sein Film selbst dann objektiv und neutral wenn (häufig) Musik eingespielt wird, eine Zutat die in vergleichbaren Filmen liebend gern dafür genutzt wird den Zuschauer zu manipulieren. Aber trotz seines lobenswerten Ergebnisses finde ich das Ziel einer Dokumentation über Mikrostaaten verfehlt. Schade, aber dank einer interessanten Umsetzung nicht wirklich schlimm.  OFDb

26.01.2013

BENJAMIN BLÜMCHEN (1988)

Benjamin Blümchen, wohnhaft im Neustädter Zoo, ist der einzige sprechende Elefant auf der Welt. In seiner Stadt ist er eine gern gesehene Berühmtheit. Zusammen mit seinem Freund Otto, einem kleinen Jungen, erlebt er aufgrund seines sozialen Engagements allerhand Abenteuer und muss dabei oft lernen, dass es nicht nur nette Menschen auf der Welt gibt...

Der Zwerg am großen grauen Berg...
 
Ich bin mit den Hörspielen „Benjamin Blümchen“ aufgewachsen. Die Geschichten waren schön zu hören und dabei herrlich anspruchslos, halt Trivialunterhaltung für die Kleinen. Da störte es dank lustiger Charaktere nicht mehr, dass die Welt so unglaublich heil war, selbst zu Zeiten als man älter wurde und alternativ auch mal etwas düsteres oder realistischeres hören/gucken wollte. Ein Vorteil der Hörspielreihe war der Erzähler, der mit einer sanften Stimme sehr freundschaftlich die Brücke schlug zwischen Hörabenteuer und Zuhörer.

Und genau da haben wir den ersten Punkt, woran die TV-Umsetzung der Hörspiel-Reihe scheitert. Nicht nur dass der Erzähler entfernt wurde, was ja noch verständlich gewesen wäre, er wird zudem noch von einem unglaublich unsympathischen Raben ersetzt, der, als wäre er nicht so schon ätzend genug, auch noch eine penetrante Stimme beschert bekommen hat. Klar, passt zum Charakter, aber was hat dieses egozentrische Vieh überhaupt in der Serie zu suchen? Es ist meistens nicht einmal wirklich in die Geschichten integriert.

Er ist weder Freund noch ein Erkennungsmerkmal aus dem Umfeld der Kinder. Pädagogen haben sich bereits vor den Hörspielen gesträubt, dabei aber übersehen dass Kinder ebenso wie Erwachsene Trivialunterhaltung brauchen. Mit dem Fehlen des Erzählers und dem Aufkommen des asozialen Nerv-Flattermanns wurde aus kurzweiliger Dutzendware unnötige, die man seinen Kindern nun wirklich nicht mehr ernsthaft antun muss.

Mit Aufkommen der Serie wurden die Covers der Hörspielkassetten etwas kindgerechter, da nun die fröhlichen Figuren aus der Serie abgebildet wurden. Was auf den Covers wirkt ist in der Serie, die auf Video übrigens pro Folge dreist als Filme betitelt wird, leider sehr mau. Die Animation ist purer Durchschnitt, oftmals lieblos, und die Figur Benjamin Blümchens bekam trotz kompletter Vermenschlichung diese klotzigen Pfoten beschert, mit denen er viel zu unflexibel ist, mal davon abgesehen, dass es auch tierisch doof aussieht.

Die Geschichten sind im Grunde ähnlich geblieben und von den Kassetten nur leicht abgewandelt. Das kann den Kleinsten schon Spaß machen. Schade nur, dass man als Freund alter Benjamin-Tage mit der Serie nichts anfangen kann. Auch den Kids von heute sollte man lieber die Hörspiele schenken. Den Kindern wird’s gefallen und die Erwachsenen werden in ihrer Wohnung nicht von einem schimpfenden, krächzenden Vogelvieh mit seiner sehr lauten Stimme genervt.  OFDb

13.11.2012

RENAISSANCE (2006)

Polizist Karas soll im Paris des Jahres 2054 die vermisste Forscherin Ilona aufstöbern, die für den mächtigen Konzern Avalon tätig war. Hilfe bekommt er von Bislane, der Schwester der Vermissten. Die weiß, dass Ilona eine zwielichtige Person beauftragt hat irgendwelche Dokumente zu stehlen. Karas vermutet, dass die Wissenschaftlerin während ihrer Arbeit bei Avalon auf etwas gestoßen sein muss, auf ein Geheimnis, das irgendwer auf Teufel komm raus zu verstecken versucht. Denn nach und nach sterben Karas die Zeugen weg. Seine Ermittlungen deuten darauf hin, dass Ilonas Verschwinden irgendetwas mit einem Forschungsprojekt zu tun hat, das bis ins Jahr 2006 zurückreicht...

Das OCP Frankreichs...
 
„Renaissance“ bedeutete für Regisseur Christian Volckman jahrelange Arbeit. Für ein solches Projekt benötigt man Geduld. Zunächst musste das Drehbuch auf die übliche Art mit Schauspielern in den Rollen verfilmt werden, dann schnappte sich der Mann mit einem Team von Animatoren die fertigen Aufnahmen und verwandelte sie in ein optisches Kunstwerk.

„Renaissance“ ist ein Zeichentrickfilm, bei dem die Realaufnahmen übermalt wurden. Und seinen individuellen Touch bekommt er in erster Linie dadurch, dass die Zeichnungen lediglich in schwarz und weiß gehalten wurden. Hin und wieder tauchen Grautöne auf und in zwei Szenen wird gar mit Farbe gearbeitet, aber solche Momente bilden die Ausnahme. Schwarz und weiß stehen sich gegenüber und verleihen dem Science Fiction-Thriller eine Optik, die den Zuschauer das ein oder andere Mal staunen lässt.

Staunen und verwirren, denn das ein oder andere mal muss der Betrachter sich zunächst orientieren. Die Umsetzung mit den zwei Zuständen Schwarz und Weiß verwischt allerhand Details. Das ermöglicht ein intensives Spiel mit Licht und Schatten, ist in Sachen Information aber nun einmal ein simpleres Stilmittel mit geringerem Ergebnis, als das übliche Schwarzweiß-Verfahren, in welchem großzügig Grautöne im Spiel sind.

Mit dieser extremsten Variante des Verzichts auf Farbe und Grautöne bildet „Renaissance“ somit ein Monopol im Bereich Film, auch wenn sein Look ein wenig an den ein Jahr zuvor entstandenen „Sin City“ erinnern mag. Mir ist kein Animationsfilm mit gleicher Optik bekannt.

Nun zeigten Genre-Beiträge wie „Final Fantasy“ und späte Werke der Firma Disney, dass mit einer guten Animation häufig über eine schwache Geschichte hinweggetäuscht wird. Das mag hin und wieder funktionieren, wie z.B. „Blood – The Last Vampire“ zeigt, meist sorgt dies jedoch für eine Ernüchterung, wenn sich der Reiz der Zeichentrick-Optik gelegt hat, und die Geschichte in den Vordergrund rückt. Das ist ein Zustand den jeder Film irgendwann zwangsweise erreicht.

Glücklicher Weise erweist sich die Geschichte von „Renaissance“ als gehaltvoller als es zunächst den Eindruck macht. Unnahbare Charaktere im sterilen trotz reizvollen Schwarzweiß werden mit der Zeit zu griffigen (Identifikations)Figuren, und die so harmlos klingende Kriminalgeschichte entblättert nach und nach ihre Schichten, die sie versteckt. Das ist kein neues Verfahren, viel mehr ein sehr klassisches, aber das verleiht dem futuristischen Film das gewisse Etwas. Ein in der Zukunft spielender Film mit individueller Optik, umgesetzt durch neueste Technik, erzählt seine Geschichte in schwarzweiß im Stil klassischer Detektivgeschichten. Dieser scheinbare Widerspruch passt und bildet ein stimmiges Ergebnis.

Trotzdem erkennt man, dass es der Weg zur Animation ist, der den Film rettet. Als Realfilm veröffentlicht, wäre seine Geschichte zu routiniert, was besonders an den eher nüchtern vorgetragenen, simplen Dialogen auffällt. Inmitten einer monotonen Optik sieht das wiederum ganz anders aus. Mit ihr wirkt das Realfilm-Manko wie eine pfiffige psychologische Idee, deren Umsetzung wegen man es nun verzeiht, dass die Geschichte selbst lange Zeit fast ereignislos bleibt und Actionszenen kaum vorhanden sind.
 
Da die Optik somit der wichtigste Trumpf ist um bis zum Ende dran zu bleiben, sorgt Volckman auch immer wieder für neue, interessante Momente im Animationsbereich, damit dem Zuschauer auch nie langweilig wird. So überraschen Bilder, die mehr in Weiß gehalten sind innerhalb einer Inszenierung, die ansonsten mehr in Schwarz badet. Man sucht das kurz und nur leicht aufkommende Weiß im Rauch eines Zigarettenkonsumenten. Man spielt mit Grau wenn Spiegel und Fensterscheiben ins Spiel kommen. Hin und wieder wird sogar auf besonders pfiffige Weise getrickst, wenn sich Beispielsweise die Gesichter von Karas und einem Zeugen durch den Schwarzweiß-Kontrast durch eine Kamerawendung einen, so als sähe man nur eine Person im Bild.

Das schaut sich alles wunderbar und bleibt bis zum Schluss interessant, auch deshalb weil Volckman auf Spielfilm-Ebene die Spannungsschraube Richtung Ende aufdreht und ab und an mit philosophischen Momenten und Elementen spielt. Die sind nicht immer neu, wie das Beispiel Avalon zeigt, das in seiner Art doch stark an OCP aus „RoboCop“ erinnert. Karas finale Entscheidung und die darauf aufbauende Schluss-Szene erinnern inhaltlich gar an den ein oder anderen Anime, so zum Beispiel an „Jin-Roh“.

Doch so interessant „Renaissance“ auch sein mag. Als Realfilm wäre er Durchschnitt gewesen, und dies scheint auch in toller Optik irgendwann durch. Dies nur leicht und den Film nicht so schwächelnd wirken lassen wie in reiner Realumsetzung, aber durchaus zu bemerken. Es wäre schön gewesen, der tolle Ausnahmefilm hätte auch eine kompromisslos gute Realumsetzung beschert bekommen. Tiefergehende Charaktere und innovativere Dialoge hätten „Renaissance“ zu einer wahren Größe werden lassen.  OFDb