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19.01.2020

CASABLANCA (1942)

"Casablanca" ist Kino zum Verlieben. Sein Schluss-Satz mit dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft, kann ebenso Pate für den Zuschauer stehen, der durch Michael Curtiz' Werk seine Liebe zum laufenden Bild entdeckt hat. Zudem ist dieses Zitat eines von vielen, die man heutzutage bereits dann kennt, wenn man das Drama noch nie gesehen hat. Dies reißt einen glücklicher Weise kaum aus dem Sog heraus, den die wundervoll erzählte Geschichte zu entfachen vermag, ein Schmunzeln an manch unpassender Stelle verursachte es bei mir dennoch, spätestens dann wenn mir, als jemand der den Klassiker zum ersten Mal sah, die viel größere Anzahl an Zitaten als bislang erkannt in "Die nackte Kanone 2 1/2" bewusst wurde. Mit Blick von heute ist es schwer zu beurteilen, was an "Casablanca" frisch und neu war und was bereits damals zum Standard eines Kinofilms gehörte. Als jemand, der mit dieser Filmdekade nur wenig Berührungspunkte hat, kommt mir das Werk an mancher Stelle recht mutig vor, aufgrund der offen vorgetragenen Männerdramatik, die uns nach Außen zwar einen harten Kerl präsentiert, der für das klassische US-Kino geradezu typisch wäre, dessen innere Zerbrechlichkeit jedoch zum offen dargebotenen Zentrum der Geschichte wird.

Allein deshalb sollte "Casablanca" zurecht als Klassiker gefeiert werden. Die emotional starke Inszenierung, die von Beginn an Hoffnungslosigkeit und Herzschmerz in unbarmherzigen Zeiten über allen Dingen schweben lässt, ist der zweite Grund, warum der Streifen seinen festen Platz im Herzen von Cineasten, damals wie heute, zurecht besitzt. Den einzigen Schwachpunkt aus meiner Sicht mache ich in jener Szene fest, in welcher in politischer Konkurrenz, Diktatur gegen Demokratie, in Ricks Lokal um die Wette gesungen wird. Hier weht mir eine Propaganda entgegen, die sich im Restfilm nicht findet, da der Hintergrund um Nazis und Freiheit ansonsten symbiotisch mit der zu erzählenden Geschichte einher geht und Ansichten zu der ein oder anderen Seite stets Charaktersache der jeweiligen Figuren sind. Das ist auch der Grund warum der an anderer Stelle etwas bitter anmutende Idealismus Victors zu verzeihen ist, wird er zwar scheinbar vom Drehbuch gefeiert, bleibt aber doch Charaktereigenschaft einer Figur, die zum Funktionieren der erzählten Geschichte diese Eigenschaften besitzen muss.

Klassischer kann Kino kaum sein, mit Ausnahme der bekannten Schluss-Sequenz, die alles andere als ein Happy End für einen Film ist, in dem es derart stark um die Gefühlswelten der Protagonisten geht. Eine attraktive Ingrid Bergman, ein charismatischer Humphrey Bogart, verliebt, verletzt, leidend, und der Zuschauer lebt es mit, in der Hoffnung auf ein gnädiges Ende, das ihm verwehrt bleibt. Das muss damals radikal gewirkt haben, heutzutage ist man in der Regel eingeweiht wie der Film endet, doch selbst diese Vorbereitung lindert nicht die Traurigkeit, die man im Finale empfindet. "Casablanca" ist ein Kinoerlebnis zum Mitfühlen, versehen mit einem gut funktionierenden Spannungsbogen und einer Leinwanddramaturgie der nostalgischen Art, angenehm aufgelockert durch das augenzwinkernde Spiel der Korruption, meist dargeboten durch die die Figur des Captain Renault, die Claude Rains verkörpert. Das Ganze wird immer wieder begleitet von dem wunderschönen Lied "As Times Go By", das bis heute nicht an Wirkung eingebüßt hat.

Michael Curtiz, der in über hundert Regiearbeiten in jedem Genre zu Hause war, hat mit diesem Werk einen Klassiker geschaffen, der trotz seiner in der Realität fußenden Elemente letztendlich von jener realitätsentfremdeten Magie lebt, für die das Medium Kino vor seinem zu strengem Umschwenken Richtung Logik und Lückenlosigkeit einst bekannt war. Das ist gleichzeitig ein weiterer Grund, warum die aufblitzende politische Propaganda das Ergebnis ein wenig verwässert. Sie hat auch in einem Drama vor politischem Hintergrund in jenem angenehmen Bereich, in welchem der Zuschauer sich absichtlich der emotionalen Manipulation zu Unterhaltungszwecken hingibt, nichts zu suchen. Das Ende lebt übrigens versteckt von einem aufgeteilten Leid Ricks und Ilsas für den höheren Zweck, auch wenn uns Ricks Part deutlicher bewusst gemacht wird.  OFDb

02.04.2018

DER WOLFSMENSCH (1941)

Im Bereich der Monsterfilme der Universalstudios, die mit "Dracula" eine Hororfilmwelle ausgelöst hatten und lange Zeit Marktführer dieser Gattung des phantastischen Films blieben, erblickte "Der Wolfsmensch" recht spät das Licht der Welt. Zwar entstand er immer noch 13 Jahre vor "Der Schrecken vom Amazonas", aber im Bereich der klassischen Ur-Monster, die das Horrorgenre in Buch- und Filmform schon immer beschäftigten, war er definitiv ein Nachzügler. "Frankenstein" hatte längst zwei Fortsetzungen beschert bekommen, "Dracula" mit "Draculas Tochter" fünf Jahre zuvor auch eine, und selbst die ebenfalls Anfang der 30er Jahre entstandenen "Die Mumie" und "Der Unsichtbare" bekamen ein Jahr vor dem Erscheinen des Werwolfs ihre ersten spät nachgerückten Fortsetzungen beschert. Sein Auftritt war somit längst fällig.

Doch so ganz will er sich der Qualität seiner meisten namhaften Vorgänger nicht anschließen, schaut er sich doch nicht so intensiv wie diese. Weder gelangt der tragische Aspekt an das Leiden des Monsters von Dr. Frankenstein heran, noch fasziniert der Wandel, den der Körper des Wolfsmenschen durchmacht, derart intensiv wie jener des wissenschaftlichen Experimentes des Unsichtbaren. Letztendlich schaut sich das Treiben im hier besprochenen Streifen ohnehin eher wie die Blaupausen-Fluch-Version eines "Dr. Jekyll und Mr. Hyde", den das Konkurrenzstudio MGM längst zu Beginn besagter Horrorwelle auf die große Leinwand brachte. Dieser vermochte die Tragik einer bestehenden Leidenschaft zu dem Mann, der das Monster in sich birgt, wesentlich intensiver einzufangen, als es Waggner mit seinem Wolfsmenschen schaffte. Zu nebensächlich eingebracht scheint die Blondine an Chaneys Seite, zu wenig nahe gekommen sind sie sich für ein wahrhaft tragisches Verzweifeln.

Auch das Aussehen des Werwolfs kommt dem Streifen nicht zur Hilfe, gelingt es doch selbst heute kaum wen ein solches Wesen überzeugend per Maske oder Computereffekte darzustellen, und die recht ordentlich angegangenen Versuche der Maskenbildner des hier besprochenen Werkes können ebenfalls nicht überzeugen. Das frühe Erscheinungsjahr lässt einen jedoch über diese Unzulänglichkeit hinwegsehen, schaut sich "Der Wolfsmensch" doch längst ohnehin lediglich nostalgisch anstatt wahrhaftig gruselig. Und da die Geschichte routiniert gekonnt genug erzählt ist und die im Nebel gehaltenen überzeugenden Studiolandschaften, sowie das Schloss und der Friedhof atmosphärisch gekonnt dagegen halten, verfällt der Film nicht all zu sehr der unfreiwilligen Komik, unter welcher der zu blutarme "Dracula" mit Lugosi mit seinen Gummifledermäusen und dem Fehlen von Vampirzähnen litt, gerade im Vergleichsblick zum großartigen 9 Jahre zuvor entstandenen "Nosferatu".

Lugosi spielt auch in "The Wolf Man" (Originaltitel) mit, und das klingt nach einer guten Entscheidung, war es doch nicht er der den 30er Jahre Vampirfilm scheitern ließ und wurde er doch zusammen mit Boris Karloff zu Recht eine der bedeutendsten Horrorikonen seiner Zeit. Da klingt es nur gut, dass er als Ergänzung zum naiv dreinschauenden und versteift wirkenden Lon Chaney Jr. eingesetzt wurde, der den Film nicht wirklich zu tragen weiß und als Mensch nicht halbwegs so gut zu überzeugen weiß wie als Werwolf. Doch Lugosis Part als Zigeuner ist zu kurz ausgefallen, um "Der Wolfsmensch" einen wahren Pluspunkt zu bescheren, und auch der ebenfalls anwesende Claude Rains kann in seiner zu wenig beeinflussenden Rolle nicht die Intensität seines Unsichtbaren zur Verbesserung des Streifens wiederholen. 

Und so bleibt "Destiny" (Alternativtitel) das was zum Glück trotz aller Umstände noch aus ihm geworden ist: ein kleines, sympathisches Stück Horrorroutine, welches längst nicht die Qualitäten der meisten Konkurrenzprodukte besitzt, aber ordentlich und effektiv genug umgesetzt wurde, so dass zumindest der Horrornostalgiker von heute ordentlich und charmant genug unterhalten wird, um nicht sonderlich streng mit dem Produkt umzugehen. Damit liegt er zwar weit hinter seinen Erwartungen zurück, aber wenn selbst ein überforderter Lon Chaney Jr. trotz seiner Defizite solche Sympathie zu versprühen vermag, dann kann ein Film wie "Der Wolfsmensch" nicht völlig entartet sein, dann merkt man bei weniger Erwartungen dass sehr wohl Herzblut an seiner Entstehung mit im Spiel war und man inmitten von Fortsetzungen altbekannter Monster zumindest mal wieder etwas Frisches hinzu erschaffen wollte. Wahrscheinlich kam "Der Wolfsmensch" trotzdem einfach ein halbes Jahrzehnt zu spät, wer weiß wie er zu den Bestzeiten der Universal Studio-Monsterfilme ausgefallen wäre.  OFDb

17.11.2012

BATTLE OF THE WORLDS (1961)

Zunächst scheint es, als ob ein Planet auf die Erde zustürzt. Der Himmelskörper hält jedoch an und eine Vielzahl von Raumschiffen entsteigen dem Planeten, um die Erde anzugreifen. Wissenschaftler Benson sucht einen Weg die feindlichen Kreaturen aufzuhalten...

Der Tag an dem der auf uns zu rasende Planet stillstand...
 
Und wieder einmal sichtete ich ein Werk aus dem Science Fiction-Bereich, welches nicht den Weg nach Deutschland gefunden hat. Und das obwohl mit Claude Rains auch eine bekanntere Persönlichkeit mitwirkte. Aber das gab es ja auch schon öfters, man beachte nur mal die vielen Werke mit Lugosi und Karloff, die nie eine deutsche Veröffentlichung erhalten haben. Bei „Battle Of The Worlds“, so der Titel der amerikanischen Veröffentlichung, hat man in Deutschland auch nicht viel verpasst. Das Herstellungsland Italien verrät es ja bereits, ist es doch, zumindest in meinen Augen, eines der untalentiertesten filmschaffenden Länder überhaupt, wenn es um das Gebiet des phantastischen Films geht (Horror, Fantasy, Science Fiction).

Der Regisseur des hier besprochenen Meilensteins, Antonio Margheriti ist ohnehin ein Schundfilmer sondergleichen, der uns Filme antat wie „Einer gegen das Imperium“ (eine kurzweilige, unfreiwillig komische Trash-Granate), „Das Alien aus der Tiefe“ (einen Ökothriller, bei dem das titelgebende Alien erst am Schluss auftaucht und wie ein leicht veränderter Bagger aussieht) und „Asphalt-Kannibalen“ (ein etwas orientierungslos erzählter Film). So war es nicht verwunderlich, dass aus „Il pianeta degli uomini spenti“ (Originaltitel) nur Trash zu ernten ist, und selbst in diesem Bereich ist er nicht des Reinschaltens wert.

Claude Rains hat die interessanteste Rolle erwicht, überagiert allerdings sondergleichen, dass es immer zwischen gelungen und nervtötend schwankt. Der restliche Cast bleibt blass. Die Spezialeffekte sind ein Witz und deshalb förderlich für den Sehspaß. Leider werden diese mageren Effekte aber viel zu selten eingesetzt. Ansonsten ist der komplette Film sehr Dialog-lastig, bei 80 Minuten etwas zu viel des guten, weil auf der anderen Seite viel zu wenig aktiv passiert. Wäre der Charakter des Professors nicht so lustig und halbwegs innovativ (er macht seine Berechnungen z.B. auf Blumenkübeln) wäre das fertige Werk ein reines Einschlaf-Produkt.

Wobei diese Aussage nicht ferner der Wahrheit sein könnte, denn selbst wenn das Werk noch langweiliger wäre könnte man trotz alledem nicht einschlafen, weil die Filmmusik extremst nervtötend ist. Was einem hier in die Ohren fiepst grenzt schon an einen betäubenden Hörtest, das ist Zuschauerquälerei in Reinform. Der Vorspann schupst den Zuschauer bereits ins kalte Wasser, beim Titellied allein sollte es aber leider nicht bleiben. Wer sich nach Anschauen von „Il pianeta degli uomini spenti“ auch noch den Abspann antut ist es selbst schuld, vielleicht auch einfach sadomasochistisch veranlagt. Aber ich denke bis zum Filmende schaffen es ohnehin nur die wenigsten Zuschauer.

Nicht nur die Musik fällt negativ auf, auch der Rest der Akustik ist auf unangenehme Art ungewöhnlich zu nennen. In diesem Italostreifen hören die meisten Geräusche großteils beim Bildwechsel auf. Das ist insbesonders dadurch drollig, das viele Bildabfolgen sich ablösen um abwechselnd immer wieder das selbe zu zeigen: eine Rakete mit Raketengeräusch, ein stiller Innenraum und dann wieder von vorne. Ich wählte dieses Beispiel weil es mir hier als erstes auffiel und ich noch dachte: o.k., vielleicht hört man das Geräusch der Rakete im Inneren des Raumes nicht (wobei kleine Geräusche ja dennoch hätten auftauchen müssen). Im späteren Verlauf des Streifens sichtet man aber oft vergleichbare Szenen, bei denen sich der Tonwechsel nicht mehr mit faulen Ausreden erklären ließe. Ein interessantes Experiment wäre es sicherlich mal dieses Verfahren bei der heutigen sehr flotten MTV-Videoclip-Ästhetik anzuwenden, es wäre sicherlich interessante Folter fürs Ohr.

Fragen, wie warum Astronauten beim Begehen eines Planeten in Großaufnahme auf der Stelle gehen müssen, oder warum der Planet auch beim x-ten Einblenden selbst am Ende noch immer die schockierende Musikuntermalung erhalten muss, die er zur Anfangsphase bekam, wo er noch etwas bedrohliches Neues darstellte, weiß wenn überhaupt nur der Regisseur zu beantworten.

Der fertige Film ist leider nicht sehr unterhaltsam, kann ganz hartgesottenen Trash-Fans allerdings vielleicht gefallen. Hier gibt es nicht nur die üblichen blinkenden Lichter und plumpen Weltraumszenen zu entdecken, sondern auch vergangene Mentalitäten, merkwürdige Schauspielerei, folternde Melodien (inkl. das Lachen über den eigenen Schmerz der einem damit widerfährt), schlichte Schnitttechnik, usw. Trotz seines zähen Schauens ist „Il pianeta degli uomini spenti“ also einen Blick wert für die ganz harten Trashfreunde.  OFDb