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07.08.2025

Größenwahn, Rivalitäten, Geiz und Eitelkeit - Kurzkommentare (6)

 

Hitler - Aufstieg des Bösen (2003)

Man bekommt in diesem Zweiteiler aus je 90 Minuten zwar den Eindruck, dass die Privatperson Hitler etwas arg dämonisch interpretiert wird, gerade zu Anfang, wenn man eine Art Damien aus den "Das Omen"-Filmen vorgesetzt bekommt, das schleichende Erobern der Macht, die Intrigen, der Werdegang, das Zusteuern Deutschlands auf eine Katastrophe, die Redegewandtheit des Verführers, die kranke Weltsicht, all das wirkt derart bedrohlich, warnend (auch für heutige Probleme) und frustrierend, dass man dem chronologisch korrekt recherchierten Werk diese Schwäche verzeiht, zumal "Der Untergang" diesbezüglich Korrekturarbeit leistete und die hier aufgezeigten, oftmals selbstverschuldeten Schicksale während Hitlers Aufstieg, einen wahrlich nicht kalt lassen.  Wiki

 

Was geschah wirklich mit Baby Jane? (1962)

Die geniale Bette Davis überzeugt mit ihrem Mut zur Hässlichkeit ebenso wie durch ihr reflektiertes Spiel einer komplexen Rolle. Das Drehbuch geht schleichende, nicht immer subtile Wege, überrascht ab und an mit einem Hauch Komik inmitten einer ohnehin grotesken Darbietung der Ereignisse und hält sich die größte Überraschung in diesem nicht an Dramatik mangelnden Thriller für den Schluss auf, so dass alles einen anderen Blickwinkel erhält. "Was geschah wirklich mit Baby Jane?" ist große Kinokunst zum immer wieder neu Entdecken und gehört für Cineasten meiner Meinung nach zum Pflichtprogramm.  Wiki  

 

Vater der Braut (1991)

Die Erstverfilmung ist mir unbekannt, unabhängig von dieser funktioniert die Steve Martin-Version trotz frontal angesteuertem Kitsch jedoch erstaunlich gut, vielleicht weil dieser so süß das Vatersein widerspiegelt/persifliert, vielleicht weil er nicht zu penetrant aufbauschend unter die andere Rezeptur gemischt wurde, die Familienkomik und Albernheiten wunderbar vereint und Steve Martin innerhalb eines Mainstreamproduktes genügend Freiraum für seine Kunst lässt. Der heimliche Star ist jedoch Martin Short, so dass es nicht verwundern darf, dass dessen Rolle für die ebenfalls gelungene Fortsetzung vergrößert wurde. Ein herrlicher Gastauftritt von Eugene Levy rundet das Ganze als Revue talentierter US-Komiker wunderbar ab. Von Kieran Culkins Talent bemerkt man hier hingegen noch nichts.  Wiki  

 

Death Proof - Todsicher (2007)

Er ist dafür bekannt und ich mag sie eigentlich auch, die langen Dialogszenen in Tarantino-Filmen. Diesmal wirkt diese Pflichtzutat jedoch nicht immer, wird sie in der ersten Hälfte doch schlichtweg zu penetrant zum Zeitvertrödeln eingesetzt, wenn auch nicht frei von Charaktervermittlung und Pointenstärke. Die Actionmomente funktionieren hingegen umso mehr, zumal sie auf kranken Ideen fußen. Ob ins wahre Antlitz des Schurken und seiner perversen Neigung blickend, oder sich psychologisch simpel am Racheakt vergnügend, der überraschend ausgeflippt inszeniert wurde, hier besitzt "Death Proof" seine Stärke und beweist mit einer schnellen Beendigung des Films nach erfolgreichem Durchziehen von Punkt 2, dass er sich seines eher oberflächlichen Stoffes definitiv bewusst ist. Wie soll es auch anders sein, bei einer Liebeserklärung an die schnell abgedrehten Autokino-Reißer?  Wiki

 

FCK 2020 - Zweieinhalb Jahre mit Scooter (2022)

Man muss kein Scooter-Fan sein, um Gefallen an einer Doku zu finden, die sich im späteren Verlauf zwar etwas arg auf eine Konzert-Tour konzentriert, vorher aber authentisch ungeschönte Einblicke ins Privatleben des Frontmannes H.P. Baxxter wagt, den Werdegang der Band aufzeigt, sowie Einblicke in die Studioarbeit gewährt und außerdem zum Corona-Zeitzeugnis wird. Zwischen arrogant und lustig pendelt das Ganze hin und her, mal herrlich menschlich subjektiv reflektiert, mal eine Szene voll von Selbstüberschätzung und falscher Schwerpunkte präsentierend. Ob gewollt oder nicht, dieser Mix sorgt für die nötige Unterhaltung und bildet damit eine Brücke zur Musik der Band, die auf ähnliche Art funktioniert, sofern man sich ihr nähern kann.  Wiki  

30.03.2024

PLANET TERROR (2007)

Bereits der eingangs vorausgeschickte Fake-Trailer zu "Machete", einem Film, der erst aufgrund des Erfolgs von "Planet Terror" tatsächlich realisiert wurde, zeigt wie gut man sich im Gebiet des B-Movies auskannte, wird doch gefühlt jedes Klischee eines Actionfilms und eines Trailers ausgelebt, gekleidet in einem längst vergangenen Stil. Und dabei bleibt es, wenn das Hauptprogramm beginnt, das sich nicht damit ausruht einen Zombiefilm zu liefern. Dieser Bereich drängt sich fast schon an den Rand, inmitten irrer Figuren, Einfälle und Klischees, die das Geschehen von Robert Rodriguez' Film beherrschen und zum feuchten Traum für Fans des harten Trivialfilms werden. Die Härte gegenwärtiger Filme vereint sich mit dem Stil diverser Filmdekaden ab der späten 60er Jahre, munter werden Elemente diverser Genres verknüpft, Klischees derart hochgeschraubt und ad absurdum geführt, dass sie regelrecht pervertieren in einem Geschehen aus Coolness, Ekel, Sexismus, Übernatürlichem und Gewalt. Und wenn man versteht, auf was sich die absichtlich geschmacklose Chose bezieht, erkennt man in welcher Perfektion Rodriguez das alles inszeniert. 

Jedes kleinste Detail stimmt in dieser Verbeugung vor dem Schundfilm, hier wurde nichts auf die Schnelle abgefertigt. Zugang muss man dazu besitzen, um Spaß an diesem gewaltbereiten, vulgären Treiben zu haben, Perfektion hin oder her. Und während mir dies bis in die 00er Jahre hinein problemlos geglückt wäre, tue ich mich heute trotz dieses wundervollen Ergebnisses doch etwas schwer mich hier einzufinden, ist mir der Coolnessfaktor doch viel zu hochgehalten und mutet mir eine Spur zu infantil an, inmitten eines Streifens, der bewusst das perverse Kind im Manne nährt. Auch die Unnahbarkeit zu den Figuren, die tatsächlich gar nicht anders ausfallen darf als geschehen, inmitten dieses vor Skurrilitäten nur so wimmelnden, abgedrehten Stoffes, der dem Zuschauer keinerlei Atempausen gönnt, ließ mich das an sich köstliche Ergebnis von "Planet Terror", der in Kombination mit Quentin Tarantinos "Death Proof" entstand, doch etwas arg theoretisch schauen, anstatt dass ich hätte munter hinein springen und eintauchen können in dieses Bad aus Sex, Erotik und Gewalt. 

Ich sympathisiere mit dem Film, definitiv, ich bin begeistert von der Figurenzeichnung, dem Klischee von Versöhnung verfeindeter Seiten, dem überzogenen Heldenbild von Mann und Frau, von den politischen Unkorrektheiten, die sich inmitten von Irrsinn und Abartigkeiten auf comicart korrekt anfühlen. Und doch blieb ich zu sehr Zuschauer, ich, der noch immer Spaß an derben Komödien und schmuddeligen Horrorfilmen findet, der Liebhaberstücke aus der Jugend noch immer mag und viele gleichrangige Werke der heutigen Jugend entdeckt und hin und wieder begreift. Aber wahrscheinlich benötige ich die hier inflationär eingebrachten Zutaten einfach eine Spur rarer eingesetzt, inmitten eines Filmes, der mir zumindest vorgaukelt eine Handlung zu besitzen und an irgendeinem fiktiven Ort in einer fiktiven Welt gerade tatsächlich stattzufinden. Und diese für mich ganz entscheidende Illusion entfacht "Planet Terror" leider nicht, kann er auch nicht als vollkommen aufgeblähte Groteske. Das kann man ihm nicht vorwerfen. Aber das ist der Grund, warum ich das Ergebnis nur mag und achte, anstatt es auch in jeder Pore in mir zu fühlen.  Wiki

02.01.2017

MANUFACTURING DISSENT - MICHAEL MOORE AUF DER SPUR (2007)

Lange hält sich Debbie Melnyk nicht damit auf aufzuzeigen wie begeistert sie von Michael Moore ist. Von Beginn an merkt man wie sehr es „Manufacturing Dissent“ darauf anlegt dem populären Linken zu schaden, ein lukrativer Gedanke bei dessem Bekanntheitsgrad und bei seinen viel beachteten Filmen. So kann man sich auch ein Stückchen vom Kuchen sichern. Doch obwohl der Film vortäuscht etwas anderes zu wollen als er will, so legt er doch trotzdem manche Manipulation in Michael Moores Werken offen, die, falls die Gegenaussagen stimmen, nicht schön zu reden sind. Für manch einen heiligt der Zweck die Mittel, aufgrund des mangelnden Bildungsgrades in Amerika kann man Moores Methoden entschuldigen, wenn er dafür doch das schlafende Volk wachrüttelt. Doch auch wenn man so denkt, lässt sich an der Tatsache der Manipulation trotzdem nichts schön reden, zumal Moore diese Methode in seinen Filmen nicht nötig gehabt hätte, bei all den Wahrheiten die er ansonsten ans Tageslicht brachte.

Manipulative Dokumentarfilmer beschweren sich über einen manipulativen Dokumentarfilmer. So in etwa kann man „Manufacturing Dissent - Michael Moore auf der Spur“ bezeichnen. Selbstlos ist Moore wahrlich nicht. Und er genießt es vor der Kamera zu stehen. Aber was ihm in diesem Film teilweise vorgeworfen wird, erweist sich in den angeblich beweisenden Interviewausschnitten mit dem guten Mann als Neiddebatte, werden doch Reaktionen und Aussagen in Moores Worte und seinem Verhalten reininterpretiert, die der mitdenkende Zuschauer dort nicht wiedererkennen kann. Ganz im Gegenteil wird klar, dass die kämpfende Linke sich durch Moore betrogen fühlt. Radikal denkende beschweren sich über einen radikal Denkenden.

Würde man für eine von beiden Seiten Partei ergreifen wollen, müsste man sich immerzu im Kreise drehen. Im Kampf gegeneinander merken die Seiten nicht, wie ähnlich sie sich sind. Gerade das macht den hier besprochenen Dokumentarfilm jedoch so interessant. Für aufgeweckte Leute ist er keine Skandalaufdeckung von Moores manipulativer Polemik, die in seinen Werken durchaus stattfindet. Viel mehr wird „Manufacturing Dissent“ zu einem interessanten Einblick wie Weltverbesserer ticken, sich gegenseitig ans Bein pinkeln, und jeder seine Methoden für richtig hält, nur um die angeblich Unwissenden aufzuklären.

Melnyk ist sich nicht darüber bewusst wie fragwürdig sie vorgeht. Ihr ist nicht bewusst, dass sie sich meist auf Meinungen anstatt auf Tatsachen stützt. Und die gravierendsten Vorwürfe gegen Moore werden nicht einmal bewiesen, ein Teil der vorhandenen Beweisführung ist zudem nicht derart deutlich belegt oder abgefilmt, dass man sich darauf verlassen kann, dass im hier besprochenen Film keine Wahrheiten verfälscht werden. Was manche Szenen lediglich vermuten lassen, legen andere offen, wie z.B. die Rechtfertigung sich mit einem illegalen Trick auf eine Veranstaltung Moores zu schmuggeln, weil der es auch in einem seiner Filme so getan habe. Kinder argumentieren so, von Erwachsenen, und zudem noch von welchen die einen aufklärerischen Film drehen möchten, erwarte ich da schon mehr.

Und sich über das Verbot von Redefreiheit eines Kämpfers für die Redefreiheit aufzuregen, der lediglich Störenfriede davon abhielt eine Veranstaltung zu missbrauchen, ist billigster Populismus und gerade heutzutage in Deutschland ein gern verwendetes manipulatives Argumentationsmittel von rechten Mitbürgern. In der Oper kann ich auch nicht plötzlich auf meine Redefreiheit pochen. Da werden die Veranstalter auch nicht zu Nazis, wenn sie mich aufgrund einer solchen Störung herauswerfen. Dass Moore sich während einer anderen Veranstaltung 20 Minuten Zeit für seine Interviewpartnerin nimmt, nachdem diese so oft von ihm abgewiesen wurde (weil Melnyk manipulativ stets zu tatsächlich ungünstigsten Zeitpunkten nach Interviews anfragte), wird zwar nicht unter den Tisch gekehrt, Moore aber auch nicht positiv anerkannt um ein wenig vom Feindbild abzubauen, welches „Manufacturing Dissent“ künstlich schafft.

Die Aufnahmen Moores zeigen Moore wie er wirklich ist. Er ist nicht der Kämpfer für die Linken, er ist Populist zum eigenen Vorteil. Er genießt das Rampenlicht, und er freut sich über seinen Ruhm. Er ist ein Idealist der sich in Stimmung reden kann, und ihm ist jedes Mittel recht zum Ziel zu gelangen. Allerdings macht er daraus kein Geheimnis, sieht sich als Unterhalter anstatt als Dokumentarfilmer. Er lässt offene Dialoge zu, stellt sich der Kritik und bleibt dabei Mensch, also auch angreifbar und unpolitisch auf Kritik reagierend. Man kann von den Methoden Moores halten was man will, aber was „Manufacturing Dissent“ Moore unterstellt, wird stets durch die eigens eingebrachten Szenen, in denen Moore zu Wort kommt, als Lüge entlarvt. Den Verantwortlichen des Streifens ist lediglich seine Popularität ein Dorn im Auge und dass er ihre linken Interessen zum eigenen Vorteil verwässert. Hier steht keiner dem anderen in irgendetwas nach. Und das ist das wahrlich sehenswerte an diesem Film.  OFDb

25.12.2016

FROM DUSK TILL DAWN (1996)

Es ist egal ob Robert Rodriguez auf dem Regiestuhl sitzt oder ein Tony Scott bei „True Romance“. Am Ende schaut sich ein Drehbuch Tarantinos immer wie ein Quentin Tarantino-Film, und das ist auch bei „From Dusk Till Dawn“ der Fall, der alle liebgewonnenen Eigenschaften besitzt, die man bis heute an einem Tarantino-Film zu schätzen weiß. Ich weiß nicht warum einige Cineasten glauben aus dem Tarantino-Alter herausgewachsen zu sein, entsprechen seine Filme doch keinesfalls einer Phase, die man einzig nutzen konnte um sich cineastisch weiterzuentwickeln und dabei über diese Sehhilfe hinauszuwachsen. All seine Werke, die ich einst schätzte, besitzen noch immer eine enorme Sogkraft, sind höchst kurzweilig ausgefallen und auf ihre eigene Art sogar recht intelligent erzählt. Die Verbeugung vor Vergangenem geht stets Hand in Hand mit neuen Einflüssen, und dies von Werk zu Werk trotz wiederkehrender Zutaten auf jeweils eigene Art.

Die Dialoge in „From Dusk Till Dawn“ gehören zur Creme de la Creme dessen was der für seine besonderen Dialoge bekannte Tarantino je geschrieben hat. Lediglich die Dennis Hopper/Christopher Walken-Szene aus „True Romance“ weiß diese zu toppen. Die pointensichere Textabfolge ist im hier besprochenen Werk derart geglückt, dass sie zum Höhepunkt des Streifens wird und sämtliche noch so perfekt umgesetzte Actionszenen in den Schatten stellen. Hinzu kommt eine Gruppe interessant charakterisierte Figuren und einige Spielereien mit Wahrnehmung und Optik und schon schaut sich die eigentlich recht simpel ausgefallene Geschichte um Gangster und ihre Geiseln, die Vampiren zum Opfer fallen, wesentlich ereignisreicher als sie eigentlich ist.

Die Besetzung ist hochkarätig ausgefallen, schenkte George Clooney einst die Chance aus seinem Serienarzt-Schatten treten zu dürfen, nutzte das kindliche Gesicht Juliette Lewis‘ ähnlich gekonnt wie „Kap der Angst“, zeigte uns einen Harvey Keitel einmal von einer völlig anderen Seite und gab Quentin Tarantino die Chance einmal selbst vor der Kamera tätig zu werden, was er nach heftigsten Kritiken nicht mehr in dieser Größe wiederholte, obwohl er die comichafte Übertreibung, die sein Charakter benötigte, verstand und dementsprechend gekonnt umsetzte. Verstehe einer manche Kritiker.

Eine Prise gekonnt eingefangener Erotik und ein Soundtrack, der für die perfekte Grundstimmung sorgt, machen aus „From Dusk Till Dawn“ ein Liebhaberstück zum Immerwiedersehen, auch wenn er durchaus seine Schwachstellen besitzt. Nicht nur dass mir das Design der Vampire nicht zusagt und ich auch manch zelebrierte Coolness diverser Nebenfiguren im Titty Twister als zu albern, ja regelrecht infantil empfinde (typische Rocker-, Tatoo-, Metalmentalität eben), ohnehin gefällt mir der dominantere Teil ohne Vampire besser als alles was nach dem Ausbruch vonstatten geht. Nicht falsch verstehen, „From Dusk Till Dawn“ bleibt auch in dieser Phase ein kurzweiliger Film in guter Pointensetzung und mit vielen einfallsreichen Ideen versehen, die Kraft die seine Atmosphäre zuvor besaß verpufft jedoch in einem Szenario, das nun fast ausschließlich nur noch auf Actionsequenzen im Kampf Mensch gegen Vampir setzt.

Das könnte alles besser funktionieren, wenn man nun die zuvor anders eingefangene Coolness der Figuren nicht dafür nutzen würde, sie sympathisch und heldenhaft wirken zu lassen. Was zunächst ironische Distanz besaß, wird nun zum Profilieren genutzt und verliert damit seine Unschuld und Harmlosigkeit. Eine Schrulle wird zur Identifikation, Coolness wird plötzlich zelebriert und gepuscht, und das ist schon recht ärgerlich.

Zumindest bleibt der Kampf gegen die Überzahl Vampire für einen verspielten Genrebeitrag recht glaubwürdig, und an Ideen mangelt es ebenfalls nicht, auch wenn man die ein oder andere aus „Fright Night“ und „Night of the Demons 2“ entliehen hat. Letztendlich ist das in einem Film, der soviele eigene Ideen bietet auch völlig egal, und wenn man erst einmal weiß in welch ein toll umgesetztes Schluss-Szenario das alles mündet, geht man ohnehin versöhnlicher mit der etwas schwächeren Vampirthematik um, ist die Schlussszene auf dem Parkplatz doch Gold wert und auch das letzte eingefangene Bild eine wundervolle Idee.

Es braucht nicht verwundern, dass viele Fans den Streifen fast auswendig mitsprechen können, ist „From Dusk Till Dawn“ doch ein Film den man immer wieder gucken kann und der es schafft theoretisch realitätsferne Sätze perfekt ins Geschehen zu integrieren. Trotz kleiner infantiler Ausrutscher ist „From Dusk Till Dawn“ ein Hingucker für jede Altersstufe ab 18 Jahren. Er ist einer dieser Kultfilme, der seinen Begriff verdient hat, so kultisch wie der Soundtrack verehrt wird, so fanatisch wie sich selbst Rammstein bei ihrem „Engel“-Musikclip an ihm bedienten und, wie bereits erwähnt, so auswendig wie seine Fans ihn wiedergeben können. Es ist nur schade, dass die Vampire nicht anders aussehen. Das ist der einzige Fehler, den ich Rodriguez und Co nicht verzeihen kann.  OFDb

18.08.2013

DJANGO UNCHAINED (2012)

Was es bedeuten kann einem Sklaven seine Freiheit im Wilden Westen zu schenken, das thematisierte bereits Mel Brooks Mitte der 70er Jahre in seiner Komödie „Is‘ was, Sheriff?“. Freilich kratzte der zu Klamaukzwecken nur an der Oberfläche, und an dieser kratzt Erfolgs-Regisseur Quentin Tarantino nun wesentlich mehr herum und erzielt dabei ein besseres und unterhaltsameres Ergebnis. Gekonnt vereint Tarantino die Genres Western, Action, Drama, Liebesfilm und Komödie und punktet erneut mit seinen beiden Trümpfen, der Charaktergestaltung und den Dialogen. Die Figuren sind lebendig, griffig und innerhalb Tarantinos Comicwelt überzeugend, zumal er, trotz des Genres Westerns, seine Figuren nie zum Ideal Amerikas macht. Ganz im Gegenteil, der konservative US-Zuschauer muss einiges über sich ergehen lassen und in vielen Punkten einfach mal die Wahrheit ertragen.

Am gelungenen Bild nagt leider ein klein wenig Tarantinos ewiger Drang zur Brutalität. Nicht dass mich das ernsthaft stören würde, wer Tarantino-Filme guckt weiß dass der Mann dies für eine obligatorische Zutat seiner Werke hält, aber um in diese Extreme schwenken zu können begeht der Kult-Regisseur nach etwa 120 Minuten einen Bruch in der Charakter-Logik seiner gelungensten Figur, dem Doktor. Und dass nach dieser Enttäuschung das darauf folgende Feuerwerk von prolliger Ghetto-Musik untermalt wird, lässt die Versöhnung mit dem Zuschauerteil, der nicht dem Proletentum angehört, verzögern. Aber sie kommt dennoch recht schnell, wird nach dieser Dosis Action die Geschichte doch wieder interessant, obwohl sie nun endgültig im Bereich des Rache-Films angekommen ist.

Von zwei bis drei Ghetto-Liedern einmal abgesehen ist die Musikuntermalung wirkungsvoll, und auch das Drehbuch weiß zu gefallen, bietet es doch (wie so oft zur späten Hochzeit des Genres geschehen, welche der Film preist) eine zunächst simple Geschichte, die mit der Zeit an Gehalt gewinnt, bis sie sich schließlich gegen Ende  als recht einfallsreich entpuppt. Zwar wird „Django Unchained“ bei weitem nicht so gehaltvoll wie ein „Spiel mir das Lied vom Tod“, das merkt man beim gefühlten zu frühen Erscheinen des Abspanns recht deutlich, aber auch das lässt das gelungene Bild des Filmes und seines Regisseurs nicht wackeln. „Django Unchained“ ist ein gelungenes Stück Unterhaltungs-Kino, losgelöst wie sein Held von den erzählerischen Ketten der Standard-Ware im Kino, umgekehrt jedoch in seiner erzählerischen Struktur gefangen in den Erwartungen an einen Tarantino-Film.  OFDb