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21.08.2025

Querbeet im phantastischen Kino unterwegs - Kurzkommentare (8)

 

Das Geisterschloss (1999)

Wer einen der besten Horrorfilme neu verfilmt, der tut gut daran völlig andere Wege zu gehen. Doch auch wenn Suspense gegen einen Haufen Spezialeffekte ersetzt wurden, so konnten die bereits zur Entstehungszeit keinen Grusel atmosphärisch ersetzen. Mittlerweile sind sie zudem schlecht gealtert. Warum man das Ganze inhaltlich umgeschrieben hat, indem man aus Spukforschung eine Schein-Schlaftherapie machte, obwohl kaum wer der Anwesenden ein passender Patient dafür wäre, und warum aus dem Unerklärlichen eine moralinsaure Story um einen Kinderschänder wurde, weiß sicher nur der, der auf die Idee kam für einen Horrorfilm Owen Wilson zu besetzen. Komischer Weise funktioniert "The Haunting" (Originaltitel) lange Zeit auf plumpe Art dennoch. Erst in den ungefähr letzten 20 Minuten baute man nur noch Mist.  OFDb  

 

Creep Van (2012)

Aufgrund einer leichten humoristischen Anwesenheit, welche die Steifheit der Hauptfigur in diesem nur semi-professionell besetzten Film gekonnt aufbricht, dachte ich zunächst es mit einem sympathischen Vertreter der Gattung Billig-Horror zu tun zu haben. Nun, die Hauptfigur blieb überraschend zugänglich, der Rest jedoch nicht. Mal davon abgesehen, dass man es hier nicht mit einer Kopie von "Christine" zu tun bekommt, wie uns der Covertext der deutschen DVD einreden möchte, der menschliche Psychopath hinter allen Taten ist zu nervig und freakig ausgefallen, wirkt bereits am Telefon wie ein vulgärer Prolet, und das macht als Aggressor nix her, auch nicht im augenzwinkernden Sinne. Der Plot ist konfuser Natur, zwischenmenschliche Annäherungen wirken nicht glaubwürdig. Zwar ist man in "Creep Van" bemüht einen eigenen Stempel aufzudrücken, aber das Ergebnis weiß so gar nicht zu gefallen. Schade! Aber über ein böses Auto hätte ich mich ohnehin mehr gefreut.  OFDb  

 

Joker - Folie à deux (2024)

Ich war im Vorfeld so misstrauisch wie damals beim genialen ersten Teil. An den kommt die Fortsetzung trotz erneuter Glanzleistung der Hauptrolle und einer überraschend gut wirkenden Lady Gaga zwar nicht heran, aber meinen Respekt haben die Erschaffer eines mutigen Werkes inmitten des ansonsten eher auf Standard setzenden Superheldenbereiches, zumal wir es hier mit einem der beiden großen Studios diesbezüglich zu tun haben. Der Gesang, der überraschender Weise erst nach 20 Minuten einsetzt und so viele Zuschauer vergraulte, weiß nicht nur zu wirken, sondern setzt psychologische Botschaften, bzw. spiegelt den psychologischen Wandel des Schurken wider. Die Geschichte setzt sowohl anders an, als nach Teil 1 vermutet, und geht außerdem immer wieder andere Wege, als man ihr schlaumeierisch prophezeit. Gerade der Schluss wird manch einen verdutzt zurücklassen, passt aber gekonnt ins Batman-Universum, eben weil die beiden Filme sonst nur bedingt an die bekannte Marke erinnern. Insgesamt bleibt die Geschichte jedoch zu austauschbar und lebt letztendlich nur davon anders sein zu wollen.  Wiki   

 

Shin Ultraman (2022)

Im Original Ultraman, in der deutschen Version ein Shin davor gemogelt, könnte man meinen, dass nur die Deutschen auf den Erfolg von "Shin Godzilla" aufspringen wollten, aber es herrscht tatsächlich Verwandtschaft zwischen den Werken, z.B. bei der Musik und bewussten Benennungen des Vorbildes. Nun hatte es die Marke Ultraman hierzulande nie leicht, wenig ist erschienen, umso schöner war es einen Blick zu riskieren. Nicht ganz so schlimm auf Kinderfilm getrimmt, wie die Reihe rund um Gamera, aber eben mehr als in den meisten Fällen der japanischen Godzilla-Filme, funktioniert das Rezept ein wenig wackelig. Hinzu kommt, dass uns mit drei Geschichten nacheinander, getarnt als kompletter Plot, als Konzept eher die Kinoversion einer Serie vorgesetzt wird. Und da von dieser die erste Geschichte am besten funktioniert, ist der Höhepunkt des Streifens bereits nach dem ersten Drittel geliefert. Es folgt ein etwas magerer Mittelteil und ein ganz nettes letztes Drittel. Neueinsteiger ins Franchise bekommen glücklicher Weise alles erklärt.  OFDb  

 

House of the Creeping Death (1983)

Der von George A. Romero produzierte "House of the Creeping Death" ist lediglich ein Zusammenschnitt diverser Episoden aus der TV-Serie "Tales from the Darkside" und damit kein eigenständiger Film. Und sollten die Geschichten wirklich Pate für die Serie stehen, quasi als Vorzeigeepisoden, dann kann man diese wohl vergessen, bietet man uns doch nicht gerade gut funktionierende Kurzgeschichten an, zumal sie veraltet anmuten, anstatt nettes Retro-Flair zu versprühen. Die beste Geschichte findet sich am Schluss, aber selbst bei ihr muss man durch allerhand langgezogene Dialoge hindurch, bevor man sich an ihrer gelungenen Pointe ergötzen darf. Der Rest ist Standard von der Stange, u.a. von einer Mumie, Käfern und teuflischem Gebäck handelnd. Eine Konkurrenz für "Twilight Zone" oder Spielbergs "Unheimliche Geschichten" ist das nicht.  OFDb  

01.09.2024

DAS PHANTOM (1996)

Der Verbrecher Quill ist mit jedem noch so nötigen Mittel gemeinsam mit seiner Verbrecherbande auf der Suche nach mehreren mystischen Schädeln, mit deren Hilfe er die legendäre Singh-Bruderschaft kontaktieren kann, um mit deren Hilfe unglaubliche Macht zu erlangen. Einer der Schädel wird jedoch von einem Dschungelgeist beschützt, von dem es heißt er sei unsterblich. Diese Gerüchte hält er für Mumpitz, doch schon bald muss er erkennen, dass das Phantom durchaus real ist...

Violett im Dschungel...

Die dritte filmische Umsetzung (nach einem Serial und einer türkischen Verfilmung) sollte für mich die erste Begegnung mit dem Phantom werden, obwohl es zu den klassischen Superhelden schlechthin gehört. Entsprechend überrascht war ich, dass diese Figur nichts magisches umgibt, dass sie lediglich von dem Ruf der Unsterblichkeit lebt, und das finde ich inmitten phantastischer Stoffe im Superhelden-Bereich eine reizvolle Idee. So wirklich will es Simon Wincer (Regie) und Jeffrey Boam (Drehbuch) jedoch nicht gelingen, der Figur jene Mystik zu bescheren, die sie auf die Außenwelt ausstrahlen soll. Zu sehr sind wir in ihre Erlebnisse und schließlich auch in ihren Alltag und ihre Gefühlswelt involviert, zu früh um vorher die Luft der Faszination zu atmen, die ein solcher "Geist" im Bewusstsein jener atmen muss, die von ihm als Legende gehört haben und ihm schließlich als Gegner oder Helfer gegenüber stehen. "The Phantom" (Originaltitel) ist mit einer derartigen Leichtigkeit erzählt, dass das aber auch nicht wirklich schlimm ist, guckt sich das kurzweilige Treiben doch ohnehin eher wie ein jugendfreundlicher Abenteuerfilm , als wie ein typischer Superheldenstreifen. 

Und in diesem bereitet es Freude, dass die Geschehnisse in den 30er Jahren angesiedelt sind, anstatt den Stoff in die Gegenwart zu verfrachten, Billy Zane einmal nicht als Bösewicht, sondern stattdessen als der titelgebende Held zu sichten ist, die bezaubernde Kristy Swanson einmal mehr zu erleben und die von Catherine Zeta-Jones verkörperte Figur nicht rein bösartig vorgesetzt zu bekommen, der Stoff erlaubt ihr einen für Superheldenverhältnisse unüblichen Charakter einer Gegnerin, für die Hoffnung besteht. Inwieweit das alles bereits in den Comics der 30er Jahre oder deren Fortführung vorhanden ist, weiß ich freilich als völliger Neuling in diesem Bereich nicht. Sehr wohl aber erkenne ich, an welchen Filmen man sich bei dieser ersten (und bislang einzigen) großen US-Verfilmung bediente. Ich erkenne hier Elemente aus Tarzan und Indiana Jones ebenso wieder, wie aus "Pippi in Taka-Tuka-Land" und "House 2". Das alles zusammen ergibt einen spaßigen, unschuldig anmutenden Mix, den man sich als Freund leichter Popkorn-Kost gerne einmal zu Gemüte führen kann. Ob der Film im Gedächtnis hängen bleibt, bleibt jedoch anzuzweifeln, dafür fehlt es ihm dann doch an Innovation und besonderen Momenten. Für einen anvisierten Kassenerfolg fällt zudem die schlichte Tricktechnik auf, die insgeheim schon unterschwellig suggeriert, dass "Das Phantom - Vernichte das Böse!" (Alternativtitel) eigentlich keine Chance hatte ein großer Kino-Erfolg zu werden. Auf schlichte Art hat er mir jedoch gefallen. Er ist der typische Kandidat eines Sonntagnachmittagsfilmchens.  Wiki

14.03.2023

WEDNESDAY - STAFFEL 1 (2022)

Über die Besetzung von "Wednesday" kann ich nicht klagen, sowohl die Erwachsenen, als auch die Kinder sind alle überzeugend besetzt. Aber "Addams Family" ist das hier präsentierte nicht, schade. In einem unpassenden Mix aus "Harry Potter", Kinder-Krimi und einem Hauch "Addams Family" wird uns eine Serie für Teenager vorgesetzt, die Erwachsene fast komplett als Zuschauer ausblendet. Damit könnte ich noch leben, wenn die Mentalität der Addams sich in Wednesday wiederspiegeln würde, könnte sie doch ein Vorbild für das Zielpublikum in Sachen Andersartigkeit sein, wichtiger denn je in einer gleichgeschalteten Gesellschaft, die immer nur Vielfältigkeit vorheuchelt. Aber nein, Wednesday ist nicht das Mädchen, das wir in den 90er Jahren per Kinofilme besser kennen lernen durften, nachdem sie in der 60er Jahre Serie zu sehr unterging. Andersartigkeit dient hier lediglich als Rohdiamant der geschliffen werden muss, um am Ende wieder angepasst zu sein. Das ist eine traurige Mentalität, und der Weg dorthin ist derart unangenehm an die Addams angelehnt, dass er sich nie genug von dem Vergleich lösen kann. 

Selbst wenn dies kurzfristig gelingt, bleibt "Wednesday" im ersten Jahr zu infantil und vorhersehbar, wird trotz intensiver Beteiligung von Tim Burton auch nie morbide genug, gerade was den romantischen Aspekt betrifft. Nette Ideen, wie der Skorpion als Haustier, der Kosename kleine Regenwolke, das Elternbild vom eiskalten Händchen und ähnliches, werden überschattet von dämlichen Summsumms, einer Schule in welcher die Art der Addams zum Mainstream unter vielen wird, einem Onkel Fester, der statt Mörder und Leichenfledderer nur noch Bankräuber sein darf, dem im Internet mittlerweile zum Kult erklärten Wednesday-Tanz, der konstruierter kaum ausfallen könnte und vielen anderen unangenehmen Zutaten. Zumindest die Freundschaft mit der fröhlichen Mitbewohnerin hat mir ganz gut gefallen, auch in der Raumaufteilung, ja sogar in der gegenseitigen Annäherung. Warum man bei derartiger Distanz zum Comicvorbild für eine derartige Teenagerserie nicht auf neue Charaktere gesetzt hat, oder auf ein passenderes Franchise, will sich mir nicht erschließen. Zumindest ist Disneys Videothektenfilm "Die Addams Family und die lieben Verwandten" nun nicht mehr das einzig maue Realfilm-Projekt, das aus dem Vorbild gewonnen wurde.  OFDb

23.05.2020

HIGH FIDELITY (2000)

"High Fidelity" zeichnet sich nicht nur damit aus gekonnt den Herzschmerz mit all seinen Facetten lebensnah einzufangen, innerhalb einer Situation die längst nicht so Schwarz/Weiß gezeichnet ist, wie im US-Kino gerne üblich, er ist auch insgesamt äußerst stilsicher, gut beobachtet und empathisch ausgefallen. Das sieht man zum einen in der authentischen Charakterzeichnung der Hauptfiguren, die alle weder glänzende Vorbilder sind, noch das Gegenteil und deren Beweggründe nur selten rational begründet sind, es zeigt sich auch beeindruckend in der Umsetzung der Szene, in der alles spielt. Ein Soundtrack, der wie die Faust aufs Auge passt, wohl überlegte Plattensammlungen und Vinyl-Sortimente im Geschäft, Themen-bezogene Dialoge mit Insider-Kenntnissen, sowie die hier gelebten Mentalitäten, die nur leicht Stereotype streifen, seien nur einmal genannt, um oberflächlich abzugrasen wie gekonnt hier über Musikinteressierte berichtet wird. Von elitären Menschen wird da einmal sogar ganz offen geredet, was nur eine von vielen ausgezeichnet gut reflektierenden Momenten ist in einem Film, der, wahrscheinlich dank der Buchvorlage, ohnehin genau darin eine seiner größten Stärken besitzt. Um dem Ganzen noch eins drauf zu setzen liefert "High Fidelity" zudem eine tatsächliche Lösung des Lebenproblems, welches Rob durchmacht. Im Gegenzug ist die Versöhnung mit Laura weder als zwingend notwendiges Hollywood Happy End inszeniert, noch folgt sie einer logischen Konsequenz. Aufgrund der Charakterzeichnungen passt sie psychologisch gesehen aber exakt in das Umfeld, die Umstände und das Seelenleben der beiden und ist somit in seiner irrationalen Art ebenfalls höchst authentisch ausgefallen.

Dem Drehbuch gelingt der Kniff immer zu wissen wann etwas auch mal Comic-artig übertrieben gehört, um den Humoreffekt zu erhöhen (beispielsweise in der herrlich überdrehten Maskerade, mit der Tim Robbins in einer Nebenrolle so angenehm unangenehm zu glänzen weiß), ohne dem Werk seinen lebensechten Anstrich zu nehmen. Mit diesem Gesamtrezept schaut sich der Streifen mit seinem hohen Anspruch an sich selbst lockerleicht und kurzweilig inszeniert, trotz dramatischer Schwerpunkte, die tatsächlich ernst genommen werden, nie schwerfällig oder zu stark Richtung Tragikomödie schwenkend inszeniert, und so ist Regisseur Stephen Frears ein unglaublich sehenswerter, überzeugender und lebensbejahender Film geglückt, über Gefühle, die fast jeder nachvollziehen kann, angereichert mit Analysen über das Leben und die Gesellschaft, die einem oft genau die klaren Worte servieren, die man selbst nicht hätte ausformulieren können. Frears ist gekonnter Routinier, ist bereits seit den 60er Jahren Regisseur und hat in unterschiedlichen Genres schon vorher längst bewiesen, was er kann. Stellvertretend sollen hier nur einmal das Horror-Drama "Mary Reilly" und die Komödie "Ein ganz normaler Held" genannt sein, alles Werke die ein breites Publikum ansprechen, ohne an Mainstream-Krankheiten zu leiden.

Neben ihm und dem hervorragenden Drehbuch weiß auch die treffsichere Besetzung die Qualität des Streifens zu stützen. John Cusack, der "High Fidelity" mit produzierte, schaut sich wie die Idealbesetzung der Hauptrolle, die unbekannte und unglaublich charismatisch besetzte Iben Hjeljle trifft als weiblicher Mit- und Gegenpart derart ins Schwarze, dass man sich niemand anders in der Rolle vorstellen möchte, Tim Robbins ist Trumpf wie immer, Joan Cusack überzeugend in einer kleinen, aber interessant herausgearbeiteten Rolle mit dabei, Jack Black spielt üblich überdreht und ist dennoch sensibel spielend dabei und darf somit für die ein oder andere Überraschung sorgen, Lisa Bonet lässt sich ebenfalls kaum anders besetzt vorstellen, Catherine Zeta-Jones spielt gekonnt eiskalt wie fast immer, und Todd Louiso gelingt das Kunststück seine Figur komplett introvertiert anzusetzen, ohne sie auch nur im Ansatz der Lächerlichkeit Preis zu geben oder unrealistisch wirken zu lassen. Somit zählt "High Fidelity" zu den Glückstreffern, bei denen wahrlich alles stimmt, weil sich hier Menschen zusammengefunden haben, denen die Umsetzung der Buchvorlage nicht nur sehr wichtig war und die nicht nur mit äußerst viel Respekt an das Projekt herangegangen sind, sondern auch verstanden haben auf was zu achten ist, wie der Stoff gemeint ist und wie dieses großartige Drehbuch umgesetzt werden muss. Der Film bietet dem Zuschauer Erkenntnisse, Wiedererkennungswert und vielschichtigen Unterhaltungswert in bester Kino-Professionalität, so dass er zu einem jener Werke wird, die man sich wahrlich immer wieder angucken kann, ohne dass Abnutzungserscheinungen zu erkennen sind.  OFDb

08.05.2020

AMERICA'S SWEETHEARTS (2001)

Billy Crystal, Mit-Autor, Mit-Produzent und Mit-Hauptdarsteller in einer Person, verarbeitet diverse Stereotypen der Filmwirtschaft, aus der er selbst kommt, in seinem "America's Sweethearts", macht dies aber auf liebevolle Art, ohne der Branche zu schaden. Als sich darauf konzentrierende Satire würde der Film deswegen zu harmlos erscheinen, aber Crystal möchte gar nicht mit Hollywood abrechnen, er nutzt diese Schattenseiten für eine Liebeserklärung an sein Berufsumfeld. Das weiß ihm deshalb zu gelingen, weil er zum einen manche Fragwürdigkeit nicht dem System unterstellt, sondern einzelnen Charaktertypen, so dass jeweils der Eindruck der Diven, der Druck machenden und über Leichen gehenden Produzenten u.ä. Vertreter der Branche je über die spezielle Orientierung der jeweiligen Figuren eingebracht wird und selbst diesen ein gewisser Charme zugestanden wird. Zudem geht es Crystal nur zum Teil darum den Medienzirkus Hollywoods zu persiflieren. Denn "America's Sweethearts" will zudem auch eine Liebes-Komödie sein. Und da kommt die Rolle Julia Roberts ins Spiel, die seit "Pretty Woman" ohnehin im Genre des Liebesfilms festzustecken schien.

Sie ist zwar nun erneut Part einer derartigen Geschichte, allerdings wird durch die Mitorientierung der Branchen-Persiflage auch ihre Rolle stark in diese mit einbezogen, wenn auch nur durch die passive Beteiligung hinter den Kulissen, so dass der leichte Satirepart auch auf ihren Charakter zurückfällt. Die schrägen Umstände unter denen Eddie und Kiki zusammen finden, wird somit selbst fast zur Verballhornung des Genres Liebesfilm. Leider ist ihr Charakter eine Spur zu schwach ausgefallen, ordnet sich Kiki doch derart stark den Wünschen ihrer Schwester unter, dass man ihr das Heraustreten aus ihrem Schatten im Laufe der Erzählung ebenso wenig zutraut, wie die positiven Empfindungen der egoistischen Gwen gegenüber. Hier hätte man sich intensiver auf ihre Charakterentwicklung, anstatt auf den umso stärker durchleuchteten Medienzirkus, orientieren müssen, damit dieser nicht unerheblich wichtige Teil der Geschichte glaubwürdig und emotional intensiv funktionieren kann.

Was das Drehbuch nicht zu genüge beachtet, machen die Darsteller positioniert in ihren meist ohnehin typischen Rollenbildern professionell zu einem guten Teil wieder wett. Catherine-Zeta Jones glaubt man persönlich zu hassen, so intensiv wie sie allein schon mimisch in ihrer Rolle zu wirken weiß, John Cusacks Hoch- und hauptsächliche Talfahrt der Gefühle kommen stilsicher und überzeugend witzig herüber, Billy Crystal kommt mit seiner üblichen Komik daher, und Christopher Walken darf diesmal schrullig-exentrisch hinter ungewohnter Maske agieren. Julia Roberts wirkt hingegen etwas unterfordert, darf meist nur süß lächeln oder auf niedliche Art enttäuscht gucken, während die Geschichte uns wenig überzeugend weismachen will, dass sie einst unattraktiv war. Auch derartige Aspekte sorgen dafür, dass die eigentliche Liebesgeschichte nie ergreifend genug wird, um aus dem Bereich des Medienwirbels als Hauptaspekt der Geschichte zum Ende hin gekonnt herauszuragen.

Somit bleibt uns am Schluss ein braver, aber lustiger Blick hinter die Kulissen Hollywoods und eine Liebesgeschichte, die zumindest dank der sympathischen Besetzung eine Spur besser funktioniert, als es das Drehbuch eigentlich zulässt. Damit ist der Streifen unterhaltsam genug ausgefallen, um als leichter Verzehr durchzugehen, wird aber kein Werk, das derart intensiv in Erinnerung bleibt, wie beispielsweise "Wild Boys - Der Sommer ihres Lebens", den ebenfalls Joe Roth inszenierte. Mit "Die Supertrottel", der Fortsetzung von "Die Rache der Eierköpfe", bewies er einst hingegen, dass er auch wesentlich schlechteres als den hier präsentierten Mainstream-Medienkritik-Kompromiss abliefern kann.  OFDb

07.11.2015

OCEAN'S TWELVE (2004)

Ocean‘s Eleven“ war ein kurzweiliges Werk mit interessanten Figuren, deswegen habe ich mich auch mit Freude auf die Fortsetzung gestürzt. Auch Teil 2 sehr stilvoll erzählt. Die an sich dünne Geschichte ist in exzellente Bilder getaucht, die reichhaltige Anzahl talentierter Mimen laufen gut gestilt umher ohne deswegen gleich realitätsfern zu wirken, und ein wirklich hervorragender Soundtrack unterstützt das Treiben der Ocean-Bande zu jedem Zeitpunkt bestmöglichst.

Allerdings ist die Fortsetzung im Vergleich zum Erstling auch ein kleines Ärgernis. Neben dem etwas zu konstruierten Plot wird ähnlich wie im Vorgänger ein wenig mit der Starbesetzung geblendet, wenn man einmal bedenkt wer wieviel Platz im Film ergattert bekommt. Julia Roberts zu den Hauptdarstellern zu nennen ist eigentlich genau so dreist wie selbiges von Matt Damon zu behaupten, schade da beide gut spielen. Brad Pitt und George Clooney stehen um so mehr im Vordergrund, was sich dank gewitzter Dialoge auch recht entspannt schaut. Während ihre gemeinsamen Szenen in Teil 1 erstaunlich gestellt wirkten funktioniert ihr Miteinander diesmal mehr. Ein Gastauftritt von Bruce Willis und die Idee wie Julia Roberts in das kriminelle Geschehen mit hineingezogen wird gehören zu den Pluspunkten des Streifens. Negativ hingegen fällt Zeta-Jones auf, die zwar hervorragend in den Rollenpart der arroganten Ermittlerin hineinpasst, leider aber so gar nicht in den Rollenpart der verletzten Frau.

Die kleinen Ideen in „Ocean‘s 12“ sind meist gelungen, aber die eigentliche Geschichte, die nur sehr angestrengt ins Rollen kommt, lebt von zu vielen Zufällen, Ungewöhnlichkeiten und zu gewollten Verwirrungen. Die Wendungen sind meist flach und unglaubwürdig ausgefallen, der eigentliche Hauptcoup so uninteressant und uninspiriert, dass es kaum wundert dass diesem auch kaum Beachtung innerhalb der Geschichte geschenkt wird.

Was bleibt ist ein optisch hervorragender Krimi- und Komödien-Mix, in locker flockiger Atmosphäre getaucht, angereichert mit seichtem Humor, so wie es der Zuschauer von Teil 1 gewöhnt ist. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger stand den Machern diesmal leider nur ein wesentlich schlechteres Drehbuch zur Verfügung. Darauf bezogen kann man jedoch dankbar sein, dass der Streifen aufgrund seiner Vorzüge trotzdem noch so unterhaltam ausgefallen ist.  OFDb