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22.02.2025

GANDAHAR (1987)

Als ein friedlich lebendes Volk urplötzlich angegriffen wird, vermutet man die einst ausgegrenzten Mutanten hinter den Aktionen. Doch der Auserwählte, der sie mit ihren Taten konfrontieren soll, findet heraus dass zu Robotern umgewandelte Menschen hinter der Sache stecken, die über ein mysteriöses Dimensionsportal Zugang zu dieser Welt erlangen. Die Spur weiterer Hintergründe führt zu einem längst vergessenen Experiment aus der Vergangenheit...

Halte mich auf, wenn ich mich verändere...

Mit seinem ersten Langfilm "Der phantastische Planet" lieferte René Laloux einen beeindruckenden und intelligenten Zeichentrickfilm aus dem Science Fiction-Bereich ab. Sein erst 9 Jahre später erschienener Nachfolger "Herrscher der Zeit" soll auf einen anderen Schwerpunkt gesehen ähnlich beeindruckend ausgefallen sein. Sein 5 Jahre danach veröffentlichter "Gandahar", der auch als "Light Years" veröffentlicht wurde, gehört ebenfalls dem Bereich der animierten Science Fiction an, kann aber an der Klasse seiner beiden Vorgänger nicht anknüpfen, obwohl sichtbar mehr Geld zur Verfügung stand und der Zeichenstil nach wie vor der selbe ist. Erst 2004 verstorben, lässt das unbefriedigende Ergebnis vermuten, warum es trotz des eigenen Animationsstils nie zu einem weiteren Langfilm kam, "Gandahar" folgte lediglich 1988 noch der Kurzfilm "The Captive". Seinem dritten auf Spielfilmlänge inszenierten Werk fehlt es meiner Meinung nach ein wenig an der nötigen Würde, bereits früh erkennbar, wenn man sich regelrecht mit einer Vielzahl an bizarr anmutenden Wesen übertrumpfen möchte, um die hier gezeigte Welt so fremd und vielfältig wie möglich wirken lassen zu wollen. 

Da sind einige gute Ideen mit dabei, ebenso später bei der Vielfalt an mutierten Kreaturen, aber es wird zu dick aufgetragen, die Kreativität wirkt bemüht, das überzeugt nicht wirklich. Erschwerend kommt hinzu, dass "Gandahar" weit esoterischer ausfällt, als die Vergleichsfilme, was intelligenter Science Fiction grundsätzlich schadet, so also auch hier. Schade ist es um die wundervoll düster aussehende, metallene Invasionstruppe, die dem Streifen seine düsteren Momente beschert, und um manch inhaltliche Idee. Das mysteriöse Portal, der Mentalitätenwandel einer gewissen Kreatur nach etlichen Jahren, der phantastische Ursprung dieses Wesens und die Entwicklung seiner Pläne, da ist einiges an Potential vorhanden, verwässert durch eine kitschige Heldengeschichte, in welcher der Gute zu übertrieben gut ist, verglichen damit dass sich in der restlichen Welt dies alles vermischt oder wahlweise einem Irrtum unterliegt. Letztgenanntes betrifft in erster Linie die Mutanten, deren friedliches Miteinander nach dem Eindringen des Feindes, etwas arg penetrant auf friedlich getrimmt bleibt, um den sozialen Verstoß moralisch besonders dick auftragen zu können. Kurzum, so wirklich funktionieren will der von Frankreich und Nordkorea finanzierte Film nicht. Individuell ist er durchaus ausgefallen, das Werk biedert sich lediglich seinem Publikum an, nicht den Inhalten oder Modewellen anderer Trickfilme dieser Dekade.  OFDb

18.11.2024

CLUB ZERO (2023)

Auf einer Privatschule wird eine Ernährungsexpertin als Lehrerin für den Kurs bewussten Essens eingesetzt. Ihrer handvoll Schüler bringt sie nach und nach den Verzicht auf Nahrung bei, für einen gesünderen Körper und Geist, zum Kampf gegen den Konsum und zur Rettung der Umwelt...

Politischer Sprengstoff...

Wenn man als Student der Universität zu Köln im Bereich der Pädagogik in seinen schriftlichen Arbeiten nicht gendert, gibt dies Punkteabzug. Die Position von Lehrämtern zu nutzen, um eigene Ideologien zu verbreiten, ist nicht selten, wie fragwürdige Jugendbewegungen zeigen, und längst nicht mehr nur im religiösen und politischen Bereich zu beobachten. Regisseurin und Mitautorin Jessica Hausner wählte den Bereich der Ernährung, der in Zeiten, in welchen die eigene charakterliche Idealisierung zur Mode geworden ist, gerne für den Bereich Gesundheit und Umweltschutz thematisiert wird und zeigt in ihrer ungeschönten Satire, wie leicht es ist an lernwilligen, noch formbaren Schülern eine Gehirnwäsche vorzunehmen, freilich indem man die Allgemeinheit als gehirngewaschen von Konzernen, Politik und Medien bezeichnet. Diese bitterböse und wundervoll zu schauende Kritik an ganz viele Bereiche unserer Gesellschaft ist flüssiger erzählt als ihr ungewöhnlicher "Hotel" und funktioniert umso besser durch Verzicht phantastischer Elemente, wie hauchzart noch dort und in "Little Joe" eingebaut. 

Das Gleichnis einer Sekte bleibt nicht nur Metapher, mit tieferem Einblick in die Motivation der Lehrerin handelt es sich definitiv um eine Sektenbildung, was auch den entscheidenden Unterschied zum populäreren "Die Welle" ausmacht. Außerdem ist "Club Zero", typisch Hausner, völlig unaufgeregt erzählt, punktet durch Sachlichkeit, perfekte Optik und hervorragender Mimen und setzt, gut reflektiert, nicht erst beim Problem des Unterrichts an, sondern bei den Mentalitäten von Elternhaus und Schule, teilweise als unbewusste Vorstufe der charakterlichen Bildung zur Sektenabhängigkeit, aber auch als von den Schülern bewusst wahrgenommene Fragwürdigkeit, so dass sie die neue, die sie erlernen, automatisch als richtige Alternative annehmen. Bereits Erwachsene glauben die Gegenbewegung etwas erkannt Fragwürdigen würde die richtige Lösung sein, dass nutzen blaue, wie grüne Parteien ebenso für sich aus, wie extremistische Mentalitäten in solch anfänglich gerechtfertigten Bereichen wie Emanzipation, Umweltschutz, Ernährung, Unterstützung von Minderheiten, Bekämpfung von Rassismus und dem Erhalt von gesellschaftlichen Freiheiten. 

Im Zentrum steht eigentlich immer die Idealisierung von sich selbst, ein Punkt den Vereinigungen wie Scientology lukrativ für sich einzunehmen wissen. Und obwohl wir in Deutschland mit unserer Geschichte brutalste Erfahrungen mit Extremismus gemacht haben, fallen viele von uns noch immer auf ihn herein, wenn er aus einer anderen Richtung kommt. Wie das funktioniert entlarvt "Club Zero" in seinem Mikrokosmos wunderbar und zeigt uns ab einem gewissen Zeitpunkt, an dem bereits alles zu weit gegangen ist, die Wehrlosigkeit bei den Eltern, eine Ohnmacht, da die bisherigen, eher amateurhaften Methoden nichts bringen. Dass es dazu nur kommen konnte, weil man Fremde die Erziehung übernehmen ließ, und speziell die besagte Lehrerin viel persönlicher auf die Kinder einging, als es die Eltern je taten, die zu sehr mit ihrer eigenen Lebenswelt, ihren Idealen und ihren Problemen beschäftigt waren und lediglich auf Leistung und Erfolg achteten, bringt Hauner auf den Punkt. Ebenso die fragwürdige Mentalität vieler Bildungsstätten, wo die Schüler angeblich frei von Druck, wie die Rektorin betont, motiviert werden, während unterschwellig tatsächlich stetig Druck ausgeübt wird, selbst vom menschlich sympathisch anmutenden Tanzlehrer, der ehrlich um seinen Schüler besorgt ist. 

Die Ernährungsexpertin ist nur die Spitze des satirischen Eisbergs dieses Ansatzes, kann man doch gar nicht wissen, wem genau man seine Kinder anvertraut, und doch geschieht dies stets recht blind. Der Gruppendruck tut sein restliches, wie die Figur des Ben zeigt, der aus einem Elternhaus ohne großen Leistungsdruck stammt. Das Spiel mit dem Bereich der Esoterik weiß ebenfalls zu gefallen, eben weil die Lehrerin in anderen Extremen Esoterik wahrnimmt, ihre eigene Methode jedoch nicht als derartiges betrachtet. Und eben weil das Einbringen dieses Aspekts kritisch einhergeht, ist das Anwenden dieser Mitthematik so unentbehrlich für den Film, eben weil wir in Zeiten leben, in welchem Homöopathie und andere Zaubereien unsere Schulweisheiten mittlerweile wieder bei großen Teilen der Gesellschaft ersetzen. Es geht um den Glauben, wie es uns final auch noch einmal deutlich zum Schluss des Streifens mitgeteilt wird. Dass das Ende entsprechend rätselhaft ausfällt und von uns erwartet uns selbst vorzustellen, worin die finale Konsequenz der Kurs-Teilnehmer liegt, aber auch dessen was die Eltern von nun an tun, weiß zu gefallen, wird aber nicht jedem Zuschauer schmecken. Angesprochen werden aber ohnehin nur die, die auch etwas mit geistreichen Werken anfangen können, welche den Zuschauer mündig behandeln und ihm nicht jede Information überdeutlich vor die Nase setzen. Meiner Meinung nach weht gegen Ende gar ein kleiner Hauch "Picknick am Valentinstag" mit.  Wiki

22.09.2024

ADÈLE UND DAS GEHEIMNIS DES PHARAOS (2010)

Die taffe und kampferprobte Adèle ist in Ägypten auf der Suche nach einer speziellen Mumie, während in ihrer Heimat Frankreich ein Flugsaurier aus einem Ei schlüpft und die Bevölkerung auf Trab hält. Die Mumie erfolgreich beschafft, reist sie mit dieser Heim, um einen befreundeten Wissenschaftler zu kontaktieren. Der sitzt jedoch mittlerweile im Gefängnis, da er der gesuchten Urzeit-Kreatur Unterschlupf gewährte, um sie zu studieren. Adèle muss ihn befreien, denn er ist der einzige Mensch, der ihr bei einem persönlichen Problem helfen kann, was im Zusammenhang mit der Mumie und dem Pterodactylus steht...

Der Architekt, der kein Doktor war...

Der auf einer Buchreihe beruhende "Adèle und das Geheimnis des Pharaos" ist ein wilder Mix aus "Indiana Jones", "Nachts im Museum" und "Tomb Raider", der ziemlich früh klar macht, dass er ausgeflippten Ideen nicht abgeneigt ist. Da das Ganze humoristisch orientiert ist, geht das auch soweit in Ordnung, zumal Figuren, wie Geschehnisse interessanter und sympathischer Natur sind, die Inszenierung flott, aber detailreich ausfällt und man erst nach und nach dahinter kommt, was das alles eigentlich soll und in welchem Zusammenhang es steht. Bevölkert von schrulligen Charakteren, egal ob positiv oder negativ in die Geschichte positioniert, atmet "Les Aventures extraordinaires d'Adèle Blanc-Sec" (Originaltitel) spätestens durch sie jene französische Luft, durch welche sich das Kino dieses Landes auszeichnet. Nirgendwo anders wäre ein Film in dieser speziellen Mentalität möglich, und dies gepaart mit einem Popkornfilm voll von Spezialeffekten, lässt die sonst im Blockbusterbereich aus Hollywood meist vorzufindende Rezeptur erfrischend anders erscheinen, zumal die Schauwerte nicht über einen Mangel an inhaltlicher Kreativität hinwegtäuschen sollen, sondern derartige zusätzlich enthalten sind. 

Moderne Effekte, eine klassische Abenteuergeschichte, eine emanzipierte Kämpfernatur, Magie, Wissenschaft und Flugsaurier treffen aufeinander, innerhalb einer Geschichte, die trotz ihrer flotten, ereignisreichen Art die Figuren nicht außer Acht lässt, ihnen Motivation, individuelle Eigenarten, Charme und Empfindungen zugesteht, während sie, sowie alles drumherum, entweder Klischees entsprechen oder diese herzlich auseinander nehmen. Der heimliche Held dieser Fantasykomödie ist der klassisch dümmliche, dem eigenen Wohl Vorzug gebende, Kommissar, dem auf der Suche nach einem Flugsaurier beim Anblick eines aufgebrochenen Dinosaurier-Eies im Museum nichts besseres einfällt, als einen Kalauer über ein immens großes Omelette zu machen, worüber nicht nur er herzlich lacht, sondern seine ihm untergebenen Mitläufer ebenso. Herrlich! Die Wendungen, welche die Geschichte nach und nach nimmt, sind gekonnter Natur, inklusive eines Irrtums der Heldin und dem Versterben der scheinbar einzigen Chance ein persönliches Anliegen durchzuführen (welches trotz dramatischem Hintergrund auf verschiedene Weise gekonnt humoristisch aufgebrochen wird). 

Letztendlich weckt "Adele und der Fluch des Pharaos" (Alternativtitel) gekonnt die Freude am Popkornkino und das Kind im Manne, abgesehen von einem zu brav ausgefallenen Ägypter, der sowohl charakterlich, als auch von der Animation her (sowie mit der deutschen Synchronstimme) etwas zu sehr am Jungpublikum orientiert ist. Nicht nur er beraubt dem an sich sympathischen Streifen seine Möglichkeit sich voll zu entfalten, auch die Geschichte selbst wirkt trotz des emotionalen Hintergrunds und einer zusammenhängenden Erzählung eher wie eine Nummernrevue, die mit schrillen Ereignissen und Figuren künstlich aufgebläht wurde, so dass der von Luc Besson persönlich inszenierte Film, trotz seiner gekonnt versprühenden guten Laune und unterhaltsamen Art, schlichtweg nur ein triviales Konsumprodukt bleibt - ein gekonntes durchaus, er drückt die richtigen Knöpfe, aber nichts das von bleibendem Wert wäre.  Wiki

18.08.2024

THE NEW OPEN SEASON (2011)

Ein Polizist kommt eher zufällig einer Gruppe Jäger auf die Spur, die für das Verschwinden etlicher Leute verantwortlich sind...

Leg Dich nie mit einem Ex-Soldaten an...

"Open Season" erhielt nie eine Fortsetzung. Etliche Werke ähnlicher Thematik erhalten in Deutschland jedoch immer wieder Titel, die dies suggerieren. Einer davon ist "The Hunters" (Originaltitel), der aus der Zusammenkunft von Belgien, Frankreich und Luxemburg produziert wurde, inszeniert von Chris Briant, für den dieses Werk sein Erstling darstellte, arbeitete er zuvor doch lediglich mit anderen Regisseuren an einer Krimi-Serie namens "Profiling Paris". Zwar steht auch hier wieder einmal das Thema Menschenjagd auf dem Programm, jedoch auf merkwürdige, da eher umständliche und oftmals nicht glaubwürdig gewählte Art dargeboten. Normalerweise begrüße ich die andersartige Herangehensweise europäischem Kinos gegenüber dem was wir aus den USA standardmäßig gewöhnt sind, aber "Die Jäger - The New Open Season" (Alternativtitel) will einfach nicht richtig funktionieren. Zwar beleuchtet er Täter und Ermittler in seiner Vorphase gleichermaßen (wobei wir bei den Jägern zunächst nicht sicher sind, ob sie zukünftige Opfer oder Jäger sind), aber diese reizvoll klingende Herangehensweise wird eher des Laufzeitstreckens wegen angegangen, anstatt uns einen vielschichtigen Blick auf die Umstände werfen zu lassen. 

Hier wird nicht psychologisch clever beleuchtet, was Menschen dazu treibt andere zu jagen, man bedient sich stattdessen nicht tiefgründig genug herausgearbeiteter Klischees, wie dem Frust nerviger Kunden und böser Chefs in einem undankbaren Arbeitsumfeld z.B. Interessanter ist da schon die Arbeitswelt des Helden, der seinem Vorgesetzten zu engagiert daher kommt, aufgrund seiner gerade erst neu begonnenen Stelle an einem ihm unbekannten Ort trotz seiner Professionalität entsprechend auch Fehler macht, was zu gefallen weiß, um den Charakter nicht zu strahlend heldenhaft erscheinen zu lassen. Letztendlich belässt man seinen Konflikt mit dem übergeordneten Kriminalisten jedoch nicht als reizvolle Nebensache, sondern verwendet sie zudem billig als reißerischen Wendepunkt in der Hauptgeschichte, eine Idee die nicht nötig war, da sie die Gefahrenlage weder verstärkt, noch einen komplett anderen Blick auf die Umstände wirft. "The New Open Season" verschenkt etliche reizvolle Elemente für eine stumpfe, zerfahren erzählte Geschichte, in der es letzten Endes doch nur darum geht, dass der Held sich und andere gerettet bekommt, versehentlich hineingeraten in ein idiotisch und zu klein anmutendes Jagdrevier bescheuert begründet motivierter Killer. 

Dem ganzen noch Horrorelemente hinzuzufügen, wenn es zur ersten richtigen Konfrontation mit einem der Jäger am Ort seiner Trophäen kommt, indem dieser sich als lupenreiner Psychopath a la Leatherface entpuppt (während der Rest "normale" Menschenjäger sind), will psychologisch so gar nicht glaubwürdig erscheinen, dient also auch nur dem reißerischen Erzählwert einer schlichtweg zu orientierungslos angegangenen Geschichte. Eben weil sie so stichprobenartig bei verschiedenen Figuren beider Seiten zu Beginn ansetzt, hätte man eher etwas Durchstrukturiertes erwartet. Leider will der Streifen auch auf trivialer Ebene nicht wirklich überzeugen, er hangelt sich zwar von Moment zu Moment, von dem der ein oder andere immer mal unterhaltsam ausfällt, Hauptmotivator das Ganze zu Ende zu gucken war bei mir jedoch die Frage, was als nächstes kommt und was sich die Verantwortlichen beim Dreh dieses Films wohl gedacht haben könnten. Die wollten wahrscheinlich einfach nur völlig undurchdacht bekannte Erzählmuster durchbrechen und drehten ein Irgendwas. Dies ist nicht völlig ohne Reiz, aber da auch ohne Empathie und Psychologieverständnis angegangen, hätte es als Amateurfilm in seiner scheiternden Art mehr Charme geerntet, da hätte man einfach mehr entschuldigt.  OFDb

11.05.2024

DER CLAN DER SIZILIANER (1969)

Trickreich aus der Gewahrsam der Polizei befreit, wird der Profidieb Sartet zu riskant für die Mafia, um ihn am nächsten großen Coup aktiv teinehmen zu lassen. Als Ideengeber ist er dennoch an der Beute beteiligt. Und als er sich in der Schutzunterkunft des Paten auf ein Techtelmechtel mit einem weiblichen Familienmitglied des Mafiabosses einlässt und dieser dies herausfindet, steht es nicht mehr gut um die Sicherheit des sich mittlerweile in den USA befindenden Sartet...

Kindermund tut Wahrheit kund...

Professionell umgesetzt und mit namhafter Besetzung versehen, ist "Der Clan der Sizilianer" eine französische Kinoproduktion ersten Ranges. Mit Blick von heute erstaunt es deswegen, dass eine solche Produktion "nur" Schritt für Schritt die einzelnen, jeweiligen Geschehnisse gekonnt abarbeitet, innerhalb einer Geschichte, die kein richtiges Ziel im Sinne von einem entgegen schreitenden Höhepunkt verfolgt. Wir begleiten den Werdegang des am Abgrund stehenden, taffen Profidiebes, bekommen gleichzeitig intensive Blicke auf die meist hoffnungslose Arbeit der Kriminalpolizei beschert und erleben parallel zu alledem als dritten Blickwinkel jenen des Mafiaoberhauptes. Auch wenn es zentral stets um Sartet geht, so macht dessen Präsenz doch nie den Eindruck einer Hauptfigur. Viel mehr ist Regisseur Henri Verneuil daran interessiert, den fortschreitenden Prozess aufzuzeigen, der mit der Festnahme, bzw. der aufwendigen Befreiung des Diebes aus der Gefangenschaft aus einem Polizeifahrzeug, in Bewegung gesetzt wird. Sie wird nicht nur zu allerhand Toten führen und zu Tragödien in Familienbereichen, sondern auch zu Beendigungen mancher Verbrecherkarrieren. 

Stilvoll inszeniert, wirft dieser Verzicht auf eine klassische Erzählung zwar ein interessanter Blick auf alle drei Parteien, dennoch zog mich der Film nicht sonderlich in seinen Bann. Ich begleitete das fast schon episodenhafte Treiben interessiert, stets als Konsument angenehm befriedigt von dem was Verneuil uns zu wirft, aber "Le Clan des Siciliens" (Originaltitel) ist nun einmal kein Popkornfilm, sondern ein ernstzunehmender Streifen für konzentrierte Cineasten. Und ich weiß nicht ob es an der Kraft des Tages gelegen hat, oder daran dass ich grundsätzlich Einstiegsprobleme in Ganovenfilme habe (warum auch immer), aber am Tag der Sichtung war ich nicht in der Lage mehr zu sein, als ein nach Unterhaltung dürstender Filmkonsument. "Der Clan der Sizilianer" hat mir gefallen, in all seinen Phasen, erschien mir am besagten Tag aber zu unaufgeregt erzählt, wissentlich dass er genau auf diese Art erzählt sein will. Allein schon dass sämtliche Tiefe und Struktur der Figuren unbenannt subtil eingearbeitet selbst zu entdecken sind, anstatt sie uns als jeweils das zu präsentieren, was sie sind und wohin ihr jeweiliger Charakter die Geschichte führt, zeigt bereits, dass dieser Mix aus Drama, Thriller und Kriminalfilm kein Stoff für die Kurzweile zwischendurch sein will.  Wiki

20.11.2023

BAXTER (1989)

Unter dem unsinnigen Alternativtitel "Bell mir das Lied vom Tod" bin ich in jüngeren Jahren auf diesen fälschlicher Weise in der Programmzeitschrift als Horrorfilm bezeichneten Film gestoßen, zu einer Zeit in welcher ich bereits alles Erreichbare aus diesem Genre konsumierte und einen anderen Filmgeschmack als heute hatte. Glücklicherweise machte mir diese Fehlinformation schon damals nichts aus, entdeckte ich doch bereits zu dieser Zeit, welch wertvolles Werk "Baxter" tatsächlich ist, eines welches ich seitdem alle paar Jahre immer wieder sichte und welches sich am ehesten noch unter dem Bereich Drama kategorisieren lässt. Es handelt sich um eine düster und bitter dargebotene Gesellschaftssatire, präsentiert über den Mikrokosmos einer Kleinstadt, versehen mit dem Kniff einen Hund als Erzähler zu besitzen. Der wird nicht im verniedlichten Sinne eingebaut, stattdessen versucht man, ebenso wie in der literarischen Vorlage, Baxters Gedanken am natürlichen Empfinden und den Bedürfnissen und Trieben eines Hundes zu orientieren. Wir erleben die Geschehnisse aus unserer Zuschauerperspektive, erfahren oft auch mehr als Baxter selbst, und der kommentiert dies wiederum aus seiner Sichtweise, bleibt dabei aber keineswegs passiv, denn viele seiner Gedanken führen logischer Weise zu Taten. Manche davon empfinden wir als Bedrohung, manche als Befreiung, alles je nach Situation und Lebensumständen. 

Baxter wird zur Identifikationsfigur seiner drei Lebensphasen, die uns episodenartig vorgesetzt werden, obwohl, typisch Kleinstadt, jede freilich miteinander zu tun hat. Personen einer späteren Phase tauchen bereits früher auf, alles hat Einfluss aufeinander, mal direkter, mal indirekter. Eigentlich existiert im Film nur eine einzige sympathische, da nicht sonderlich egoistische, Figur, und das ist die Randfigur eines alten Mannes, der u.a. beklagt, dass heutzutage nur noch jeder an sich selbst denkt. Das gibt den roten Faden, der "Baxter" umgibt, so simpel, wie gut wieder. Der Film zeigt uns eine emotional stumpfe Gesellschaft, beginnend in Episode 1 mit einer stolzen, alten Dame, die sich nach einem Unfall isoliert und wunderlich wird, worunter ganz besonders ihr Hund zu leiden hat, der widernatürlich gehalten wird. Während der Mittelteil, wenn ein junges Paar Baxter "adoptiert", zunächst positiv anmutet (und diese Phase, bzw. der Übergang zur nächsten, meiner Meinung nach etwas zu kurz gehalten wird), zeigt sich hier ein ganz natürlicher Egoismus. Aus Liebe zum Partner wird aufgrund eines Kindes schnell eine Zweckgemeinschaft, in welcher der Mann das Interesse an Intimitäten verliert. Und der vorher ach so herzliche Umgang mit dem Hund, als Teil der Familie, wird über Angst und Mutterinstinkte zu einer kühlen Art, in welcher man das Tier aus den eigenen Reihen verstößt. Im letzten Kapitel, und das ist der psychologische Clou an der kompletten Erzählung, stößt Baxter auf seinen neuen Besitzer, einem jungen Teenager, der ihm sehr ähnlich ist. Der Junge ist das Produkt dieser emotional verkrüppelten Gesellschaft. Was an Baxter natürlich ist, ist an dem Jungen unnatürlich. Dementsprechend düster fällt gerade diese Phase aus, die nur in einem Drama enden kann.

Die Schlusssequenz des Streifens mit den Überlegungen am Fenster, sowie der Monolog der verstorbenen, alten Dame, dem der einst mit ihr befreundete ältere Herr zur Filmmitte auf dem Friedhof lauscht, sind die beiden Momente, die mir in ihrer düsteren Poesie noch heute eine Gänsehaut bescheren und mich emotional am meisten berühren. Aber ohnehin ist "Baxter - Ein Höllenhund" (Alternativtitel) ein Geschenk für Cineasten, einfach ganz großes Kino, so hervorragend wie er in wirklich jeder Rolle besetzt ist (inklusive Teenager und Hundesprecher), so gekonnt wie er die Natur von Mensch und Hund reflektiert, bewusst in Verbindung bringt und allgemein psychologisch gekonnt Ursache und Wirkung aufzuzeigen weiß und uns dies verschmitzt, aber fast nie humoristisch, aus zwei Perspektiven zugleich serviert. Der Autor geht realistisch mit unserer Spezies um, verurteilt oder beschönigt nicht, obwohl die Aussagen, die getroffen werden, sehr deutlich sind, allein weil ohne sie die Geschichte nicht in dieser Konsequenz erzählt werden könnte. Trotz dieser Deutlichkeit bleibt "Baxter - Bell mir das Lied vom Tod" (Alternativtitel) Kino des Entdeckens. Vieles soll man selbst begreifen. Letztendlich lebt der Streifen aber von so vielen Motivationen, die einen begeisternd dran bleiben lassen (der gekonnte Spannungsbogen, der Kniff des Blickwinkels eines Hundes, die unter die Haut gehende Dramaturgie), dass man "Baxter" sicherlich auch dann als positiven Film empfindet, wenn man ihn gar nicht komplett verstanden hat, oder nur instinktiv als gelungen empfindet.  OFDb

07.07.2023

DER EROTISCHE ZIRKUS (1975)

Dudu ist in der Filmwelt nicht nur ein Wunderkäfer, ziemlich zur selben Zeit bekam der Protagonist von "Erotischer Zirkus" (Alternativtitel) selbigen Namen beschert und tritt unübersehbar in die Fußstapfen von Charles Chaplin. Was der in den 60er Jahren zunächst als Darsteller agierende Regisseur Jerôme Savary mit seinem Werk im Sinn hatte, war eine Wiederauflegung der albernen Stummfilme, wie wir sie in Deutschland hauptsächlich über die "Klamottenkiste" beschert bekommen haben, und mixt deren Stil, wie der Titel bereits verrät, mit sexueller Thematik, also mit etwas das in den 20er Jahren kaum möglich gewesen wäre. So geht es immer wieder um Sex, frivole Wünsche und um nackte Haut, und das verwässert das Ergebnis weit weniger als ich erwartet hätte. Das liegt daran, dass man auch anderweitig pointiert die Vorlagen imitiert und parodiert, gern versehen mit Spezialeffekten von einst und genauso albern dargeboten, wie in den Vorbildern geschehen. Ohnehin könnte man, abgesehen von den Erotikszenen und künstlichen Pimmeln, davon ausgehen tatsächlich ein Werk von einst zu sichten. 

Das Bildmaterial ist auf alt getrimmt, Zwischentitel und ein Off-Kommentator sind vorhanden wie in der guten alten Zeit, und was hier an Kulisse und Maske geboten wird, kopiert die Kurzfilme von einst erstaunlich gut. Die Darsteller sehen nicht nur durch ihre Kostüme wie Darsteller von einst aus, auch Frisuren, Bärte und Make Up lassen sie authentisch erscheinen. Die Illusion ist somit perfekt, was die aufreizenden Szenen umso auffälliger erscheinen lässt. Dank der Erscheinungszeit vor der obligatorischen Intimrasur, wirken auch die haarigen Nacktaufnahmen wie von einst, das passt ins Gesamtbild. Doch so sympathisch das Filmexperiment "La Fille du Garde-Barrière" (Originaltitel) auch ausgefallen sein mag, meiner Meinung nach hätte ein Kurzfilm ausgereicht, um an alte Zeiten anzuknüpfen. Über 80 Minuten ist das episodenhafte Treiben einer, den damaligen Zeiten gerecht werdenden, banalen Geschichte doch etwas zu langatmig ausgefallen, Authentizität, Pointenstärke und erotische Schauwerte hin oder her. Zumindest kann man es Savary hoch anrechnen, dass mit dem Sexaspekt im Zentrum das Ganze nicht zu einseitig zotig ausgefallen ist und man auch um mehr als den erotischen Aspekt bemüht ist. Letztendlich muss man aber ein geduldiger Zuschauer sein, um mit dieser liebevollen Hommage sein Vergnügen bis zum Schluss zu haben. 

Als vielfältig Filminteressierter kann man aber ruhig mal einen Blick riskieren, letztendlich ist "Die Tochter des Schrankenwärters" (Alternativtitel) nicht zwingend dafür gemacht ihn komplett zu sichten. Man kann schließlich auch vergnügt nach einiger Zeit ausschalten, so sehr wie die Geschichte von Ereignis zu Ereignis hüpft. "Der erotische Zirkus" lebt schließlich nicht von einer Geschichte, die man zu Ende erzählt haben möchte, sondern von seinen Schauwerten. Und im Gegensatz zu vielen anderen Sexfilmen bestehen diese ausnahmsweise einmal nicht hauptsächlich aus Nackedeiszenen, sondern aus Illusionen des Vergangenen und den herrlich albernen Zoten, die ebenfalls im alten Stil umgesetzt sind.  OFDb

01.07.2023

INTERSTELLA 5555 (2003)

Als die französische Musikband Daft Punk an ihrem Album Discovery arbeitete, kamen ihre Mitglieder auf die Idee, die Stücke des Albums mit Videoclips einer durchgehenden Geschichte zu untermalen. Sie schrieben ein Drehbuch und konnten den Mangazeichner und Anime-Regisseur Leiji Matsumoto für diese Idee gewinnen, der das Drehbuch der Band schließlich per Zeichentrick umsetzte. Während 2000 und 2001 erste Aufnahmen in den Musikvideos der Band bereits bewundert werden konnten, kam die komplette Geschichte erst 2003 in Form des hier besprochenen "Interstella 5555" in die Kinos, der von einem Bösewicht erzählt, der mittels dunkler Kräfte Musiker diverser Universen entführt und ihre Erinnerungen löscht, um mit ihnen als Marionetten unter seiner Fuchtel eine goldene Schallplatte nach der nächsten zu gewinnen. 

Was sich während des ersten Liedes zunächst wie eine relativ simple Zeichentrickübertragung der Band, die gerade ihr Lied vorträgt, anfühlt, eben weil man dort zunächst fast nur eine gezeichnete Band auf der Bühne erlebt, die synchron zum Gesang die Lippen bewegt, wird zu einem abenteuerlichen Trip quer durch mehrere Dimensionen. Hier darf gelitten und gestorben werden, während sich dennoch alles nach und nach dem klassischen Happy End samt Heldentum nähert. Positiv fällt neben der ohnehin beeindruckenden Gesamtidee auf, dass sich nicht Daft Punk selbst als Helden profilieren. Die Combo im Clip ist eine fiktive, versehen mit Figuren, die unverkennbar Matsumotos Stil entspringen, erinnern sie und viele weitere Figuren aus "5555: 5tory of the 5ecret 5tar 5ystem" (Alternativtitel) doch an jene aus "Die Königin der 1000 Jahre", "Captain Harlock" und Co. Daft Punk selbst haben lediglich, typisch für sie mit Helmen bekleidet, einen kurzen, sogar inhaltlich bedeutungslosen Gastauftritt. 

Die Geschichte mixt nicht nur Musikfilm mit Science Fiction, aufgrund einer Seele, die ins Jenseits fährt, und okkulter Rituale wird auch der Bereich der Fantasy integriert, sowie durch eine Episode, die in einem unheimlichen Schloss spielt, auch das Gebiet des Horrorfilms gestreift. Das Ergebnis guckt sich interessant, kommt ohne jegliche Dialoge aus, erfordert deswegen trotz relativ simpler Ereignisse aber auch eine gewisse Konzentration und funktioniert freilich am besten, wenn man Zugang zur Musik von Daft Punk besitzt. Mir persönlich hat dieses japanisch-französische Experiment gefallen, das stilistisch und inhaltlich auf der einen Seite sämtliche Klischees abgrast, passend zu einer gerade in Europa aufkommenden Modewelle (die keine blieb, so beliebt wie Mangas und Animes auch heute noch als fester kultureller Bestandteil Europas sind), andererseits im wilden Mix dieser Elemente trotzdem eigene Luft atmet, mit Blick auf das von der Band selbst finanzierte Gesamtprojekt sogar individuelle. Mit einer Laufzeit von 65 Minuten, besagtem Szenarienmix und einer ebenso abwechslungsreichen Musik wird man weder unter- noch überfordert und bekommt als Freund des alternativen Kinos etwas Besonderes geboten. 

Mit Blick auf die deutsche DVD-Veröffentlichung muss mir nur noch wer erklären, warum ein englischer Untertitel vorhanden ist in einem Film ohne Dialoge. Dass dies keinen Sinn ergibt, schien auch der Erschaffer besagtem Untertitels zu bemerkten und hat wahrscheinlich deswegen (abgesehen vom Prolog) immer nur in verschiedenen Zeitabständen ein und den selben Satz einblenden lassen, der sich auf Blitzlichter im Gehirn bezieht. Ein Insider für treue Daft Punk-Fans? Lediglich ein Produktionsfehler auf der DVD? Ich habe keine Ahnung.  Wiki

29.05.2023

VAMPYR - DER TRAUM DES ALLAN GRAY (1932)

Die erste von bislang sieben Verfilmungen einer im Zusammenhang mit Hammers Karnstein-Trilogie stehenden Vampirgeschichte, ist ein sehr früher Tonfilm, so dass er sich zu einem guten Teil stilistisch noch wie ein Stummfilm schaut. Wir bekommen Texttafeln beschert, die ab dann durch Buchseiten zum Mitlesen ersetzt werden, wenn tiefer in die Vampirmaterie eingetaucht wird, und wir erleben relativ wenig Dialoge, im Vergleich zu späteren Werken. Die musikalische Untermalung dominiert mehr, als das gesprochene Wort. Schauspielerisch und von der Maske her, schaut "Vampyr" (Alternativtitel) hingegen nicht mehr wie ein Stummfilm aus. Die Vampirthematik wird recht andersartig angegangen. Neben den klassischen Aspekten und einem Stahlpfahl anstatt einem aus Holz, bildet der Vampirismus lediglich das Zentrum, welches andere Absonderlichkeiten beeinflusst. Träume von lebenden Knochenhänden, Schattenwesen, die in der Lage sind Menschen zu töten, außerkörperliche Wanderungen, Blicke verfolgende Totenschädel und ein sich dem Bösen verschriebenen Arzt reichern das Gesamtgeschehen an, während der zentrale Vampirismus überraschend klein gehalten wird. 

Das zeigt sich außerdem in der fast beiläufigen Todessequenz der alles verursachenden Vampirin, während der Tod des menschlichen Verräters am Schluss regelrecht zelebriert wird. Er stellt die wohl morbideste Szene in einem seiner Entstehungszeit geschuldeten noch recht bravem Film da. Dem darf das Happy End mit gemeinsamen Entgegenschreiten ins Sonnenlicht ebenso wenig fehlen, wie der Gottesglaube. Ohnehin positioniert man sich deutlich an die Lebensweise von Glaube und Aberglaube, während die moderne Welt durch den teuflischen Arzt und sein Sterben mittels der modernen, automatisierten Industrie schlecht weg kommt. Das ist eine ungewöhnliche Botschaft für ein derart modernes Medium, wie den Film, und dazu noch für einen, der so früh zur gerade aktuellen Technik des Tonfilms griff. Letztendlich ist besagter Aspekt aber ohnehin nur Deutungssache. Und Herzstück von "Not Against the Flesh" (Alternativtitel) ist ohnehin nicht die mögliche Kritik realistischer Elemente, sondern das Zelebrieren des Übernatürlichen, das Spiel mit Effekten, alles voran der Schattenspielerei, das Entrücken der Wirklichkeit im Darstellen einer Alptraumwelt. 

Da habe ich zwar etwas mehr Effekthascherei erwartet, wie beispielsweise in der phantastisch gearteten Ausnahmeszene in "Geheimnisse einer Seele", und die Vampirthematik wird in Murnaus legendärem "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" weit gruseliger und intensiver aufgegriffen, nichtsdestotrotz besitzt auch der schlichtere "Adventures of David Gray" (Alternativtitel) seinen Reiz, sowohl erzähltechnisch, als auch filmhistorisch gesehen bei so viel Retrocharme, wie er auszustrahlen vermag. Dass die eigentliche Hauptfigur Allan Gray eigentlich eher Beobachter und Begleiter der von ihm wenig beeinflussten Ereignisse ist, ist ein Einfall mit dem ich sympathisiere. Und dass die Romanze des Streifens nur angedeutet wird, wenn überhaupt derart gewollt (zumal alles nur ein Traum ist, aus dem Esoteriker Allan nicht aufzuwachen scheint), gehört ebenfalls zu den Trümpfen wie "Castle of Doom" (Alternativtitel) erzählt ist.  Wiki

07.05.2023

YEAR OF THE SHARK (2022)

Im Gegensatz zu uns Deutschen haben die Franzosen auch außerhalb des Arthouse-Kinos ihre eigene Filmmentalität beibehalten, anstatt das große Vorbild Hollywood zu kopieren, und in einem Hai-Horror, wie er geradezu Fließband-artig in den USA produziert wird, wird das besonders deutlich. Rein von der groben Handlung her unterscheidet sich "Year of the Shark" nicht von den etlichen Nachahmern Spielbergs, egal ob mit Haien im Zentrum, oder anderen Aggressoren. Die Figuren machen ihn jedoch ur-französisch, ob nun diesbezüglich im Klischee badend, oder individuelle Luft atmend. Die Art wie die einzelnen Charaktere mit der Situation umgehen, die Reflexion der Banalitäten, das Beimischen persönlicher Empfindungen auch außerhalb der Hauptthematik, insbesondere das Abrechnen mit der Coronaphase, all das fließt in eine oft gesehene Handlung mit ein.
 
Das guckt sich damit weit weniger dröge als viele der Beiträge aus den USA, man denke nur an den völlig innovationsfreien "Meg". Allerdings ist "L'année du requin" (Originaltitel) trotzdem nicht auf dem Niveau einer Ausnahme zu diesem Thema, wie es "The Shallows - Gefahr aus der Tiefe" zum Beispiel geworden ist. Zu distanziert ist man aufgrund der sympathisch grotesken Grundhaltung, als dass man die Gefühlswelt der Figuren mitempfinden könnte, zu sehr ist das Produkt auf Satire angelegt und vernachlässigt damit ein wenig arg die Aufmerksamkeit auf den tierischen Antagonisten. Man hält sich an das Prinzip Spielbergs ihn nicht all zu oft zu zeigen und damit gekonnt mit dem Spannungsbogen zu arbeiten, insbesondere in der Hai-Käfig-Sequenz. Aber gegen solch atmosphärische Momente arbeiten die zu schrillen, gerade die mit Jean-Pascal Zadi, dessen Figur im Gegenzug einen der ungewöhnlichsten Haitode der Filmgeschichte sterben darf, wenn er geradezu optimistisch agierend konsequenter Weise dem Fisch zum Opfer fällt, Comicszenario hin oder her. 

Was bleibt ist eine sympathisch schrullige Horror-Komödie, die sich nur bedingt für ihre eigentliche Horrorgeschichte interessiert, genügend Respekt vor Kulturen, Individuen und dem Vorbild "Der weiße Hai" (inklusive Zitatverbeugung) besitzt, es aber trotzdem liebt Letztgenanntes zu demontieren, um der Geschichte den eigenen Stempel aufzusetzen. So sehr gerade in diesem Punkt die Charakterzeichnung der Hauptfigur und das Schauspiel ihrer Darstellerin zu gefallen weiß, so ist die gewählte eigene Mentalitätenhaltung auf der anderen Seite jedoch zu sehr auf französischem Standardgebiet angelegt, als dass sie "Year of the Shark" damit auf ein großes Kinoniveau hieven könnte. Für einen amüsanten Filmabend ist jedoch zumindest gesorgt.  OFDb

21.02.2023

A BREATH AWAY (2018)

Endzeitfilme setzen meist auf Viren, Atomexlopionen oder Zombies. Da freut man sich über alles, was andere Ansätze hervorbringt, selbst wenn sie, wie im hier vorliegenden Fall, ansonsten dem klassischen Muster folgen. In "Dans la brume" (Originaltitel) wird ganz Paris (mindestens, mehr weiß man nicht) von einem seltsamen Nebel eingenommen, in dem jeder stirbt. Hoch oben in den Häusern ist man zunächst sicher, aber der Nebel steigt. Dramenspezialist Daniel Roby, der auch den Horrorfilm "White Skin" inszeniert hat, konzentriert sich komplett auf seine Figuren, einer Familie, deren Kinderpart aufgrund einer Autoimmunkrankheit in einer Kabine isoliert leben muss. Das lässt einen das Ende vermuten, ist aber deswegen noch lange nicht unaufgeregt erzählt, denn der Weg zum zu erahnenden Ziel ist Anspannung pur für den Zuschauer, der ein Wechselbad aus Thrill und Drama erlebt, von welchem letztgenanntes dominiert. Erinnert hat mich das Ergebnis samt Schluss an den wundervollen "Last Days - Tage der Panik", der fünf Jahre zuvor erschien und mir aufgrund der aufkeimenden Männerfreundschaft und des bizarreren Grundes einer Endzeitwelt noch eine Spur besser gefallen hat. 

Aber auch der hier präsentierte Nebel des Grauens fordert einen zu Genüge heraus und bietet jene fast hoffnungslose Stimmung, die man bei dieser Art Film sehen möchte. Dem Unterhaltungskino etwas mehr verpflichtet als dem Arthouse, umweht ihm trotz aller trauriger Umstände immer etwas märchenhaftes, etwas verträumtes, vielleicht weil der Protagonist ein unbelehrbarer Optimist ist, vielleicht auch weil der Nebel so herrlich surreal anmutet. Dieser simple, aber effektive optische Trick reicht vollkommen aus. Hier und da ein paar Leichen auf dem Boden, ein wildes Autodurcheinander, schon weiß die Welt danach zu überzeugen. Ab und an huscht auch mal eine weitere Figur mit Sauerstoffflasche in den toten Straßen von Paris mitten im Nebel umher, völlig pessimistisch fällt der Film nicht aus. Gut besetzt, Figuren zu genüge charakterisiert und ein Selbstläuferszenario, trotz wiederholender Eckpunkte, machen aus "Just a Breath Away" (Alternativtitel) einen sehenswerten Beitrag dieser Gattung Science Fiction. Die offene Frage der französisch-kanadischen Koproduktion ist jedoch: was passiert bei starkem Regen? Ist der Nebel derart unaufhaltsam? Oder durchleben die Figuren doch nur einen Wandel, eine Art Säuberung, den Übergang zu etwas völlig Neuem? Mit Blick auf die Tochter wollen wir hoffen, dass die Welt nun so bleibt.  OFDb

29.12.2022

BRADBURYS GRUSELKABINETT - DIE BRADBURY TRILOGIE (1985)

1985 erschien die Serie "The Ray Bradbury Theatre", in der es um unheimliche Geschichten aus der Feder des im Titel genannten Autors ging. In Deutschland sind nur drei Folgen als sogenannte "Bradbury Trilogie" erschienen, und dank reizvoller Aufhänger der jeweiligen Geschichte, bin ich neugierig an die Sache herangegangen, im Wissen dass sich das wie ein Episoden-Horror gucken wird, ein Bereich mit dem ich immer wieder meine Probleme habe. Ein Leslie Nielsen in einer Nebenrolle und ein Jeff Goldblum in einer Hauptrolle gaben zusätzlichen Anreiz, und was soll ich sagen? Wieder einmal wurde mein mangelnder Zugang zu Grusel-Kurzgeschichten bestätigt. So reizvoll die einzelnen Geschichten auch klingen, verschmitzt erzählt sind und brauchbar gespielt, der Drang zur überschnellen Schluss-Pointe lässt eine jede Geschichte sich zu banal anfühlen, zu unaufgeregt und letztendlich auch meist zu vorhersehbar. Letztgenanntes gilt nicht für die Geschichte, in welcher Goldblum als Intellektueller der Herausforderung wegen mitten im Nirgendwo eine Kleinstadt besucht, um zu gucken wie das Leben im vertrauten Miteinander so ist. Die ist nicht mehr oder weniger gut als der Rest erzählt, wohin die Geschichte steuert ist aber selbst dann noch nicht klar, wenn man endlich erfährt um was es dort überhaupt gehen soll. 

Ebenso reizvoll wie der Auslöser des Ungewissen hier, trumpfen von der Idee her die beiden anderen Geschichte. Von der einen ist die Idee nicht wirklich neu, da bekommt ein genervter Ehemann die Chance einen Roboterdoppelgänger die Frau bespaßen zu lassen, während er endlich all das tun kann, was er außerhalb der gelebten Routine schon immer wollte. Wirklich großartig ist die Idee der dritten Geschichte, in welcher ein Verunglückter eines Autounfalls auf das unheimliche Rätsel stößt, dass die Menschentraube bei Unfällen dieser Art immer wieder aus den selben aus dem Nichts auftauchenden Menschen besteht. Wer Kurzfilme dieser Art kennt, Serien a la "Twilight Zone" oder eben Episodenfilme, kann sich denken wohin das führt, wenn relativ schnell eine Auflösung her muss, hier hätte man der Geschichte doppelte Laufzeit gewünscht. Aber so funktionieren Produktionen dieser Art nun einmal nicht, also was soll's. Wer derartiges mag, und dies gerade auch mit 80er Jahre Retro-Feeling, kann jedoch ruhig einen Blick riskieren. Das Grundlagenprogramm wird schließlich geboten, langweilig wird es nie, ganz im Gegenteil wissen die Geschichten Neugierde zu wecken. Außerhalb ihrer Schlusspointen und Aufhänger besitzen sie jedoch zu wenig Zusatzpotential, um mehr als die kleine, banale Geschichte für zwischendurch zu sein. Aber sie unterhalten, und mit einem kleinen versöhnlich Blick zurück kann ich das großzügig auch für meine Wenigkeit behaupten, auch ich wurde amüsant und nicht frei von Sympathie unterhalten.  OFDb

30.10.2022

DARK GLASSES - BLINDE ANGST (2022)

Als es hieß, dass Regie-Legende Dario Argento nach 10 Jahren Schaffenspause einen neuen Film abgeliefert hat (und zudem noch einen Giallo), habe ich mich sehr gefreut. Zwar hatte der gute Mann bereits seit 20 Jahren keinen guten Film mehr gedreht, mit Werken wie "Giallo" nur mittelmäßiges Kino abgeliefert und mit "Mother of Tears" ausgerechnet den letzten Teil der "Suspiria"-Trilogie komplett vergeigt, aber viele Künstler entsinnen sich im Alter einer Stärke, die sie eine Zeit lang verloren haben. So erhoffte ich dies auch bei Argento, den ich auch in schwachen Zeiten nichtsdestotrotz respektierte. Warum "Dark Glasses" (Alternativtitel) eine Enttäuschung, anstatt eine Rückkehr zu alten Ufern ist, könnte sich in der privaten Ansprache vermuten lassen, welche der italienische Thriller- und Horror-Regisseur auf dem Mediabook unter den Extras spricht. Hier begegnet uns kein in Würde gealterter, weiser Mann, sondern leider ein seniler. 

Und das passt leider zum vom ihm verfassten Drehbuch zu "Occhiali neri" (Originaltitel), welches mit Fortschreiten einer zunächst interessant klingenden Geschichte immer willkürlicher und unreflektierter wird, keinen durchdachten, tiefer analytisch betrachteten Kurs fährt, und leider auch auf Trivialebene nicht punkten kann, bei den Fehlern die es begeht. Dass eine Blinde mit einem Kind, das Traumatisches erleben musste, zusammen arbeitet, hätte zu vielen Möglichkeiten führen können, mit welchen ein gewitzter Geschichtenerzähler hätte jonglieren können. Abgesehen davon dass unsere Heldin gelegentlich auf der Flucht vor Gegenstände läuft und stolpert, oder alternativ vom Kind als Blindenhund geführt werden muss, fällt Argento leider nichts zu der theoretischen Hetzjagd ein, welche beide auf der Flucht vor einem Serienmörder durchleben müssen. Ebenso gut hätte ein Clown mit einer Schlittschuhläuferin das hier Gezeigte erleben können, es spielt für den analytischen Bereich, ja nicht einmal für die dramaturgische Charaktervertiefung, keine Rolle. Die Figuren akzeptieren schnell wer sie sind und was der andere meint zu brauchen. Sie agieren nie clever und besitzen so wenig Motivation wie der Killer, der die beiden als unbrauchbare Zeugen nicht beseitigen müsste und ohnehin keine unheimliche Ausstrahlung zu versprühen vermag. 

Damit dieser Unsinn im Leerlauf ab der zweiten Hälfte dem weniger anspruchsvollen Zuschauerteil kaum auffällt, oder es ihm egal wird, baut Argento einige reißerische Unnötigkeiten ein, wovon die Attacke von Wasserschlangen zu den unsinnigsten zählt. Das wäre ein schöner, unnötiger Schauwert bei packender Umsetzung, wie die Haiattacke auf einen Zombie bei Fulcis "Woodoo", so wie dargeboten schaut es sich jedoch wie ein Verzweiflungsakt um Individualität, es ist ein Armutszeugnis. Schade ist es um die erste halbe Stunde, die stimmig erzählt ist, wenn auch meist durch die gut funktionierende, absichtlich reißerisch eingebrachte Hintergrundmusik, und durch eine Erwartungshaltung aufgrund der Figurenkonstellation eines unfreiwilligen Personendreiecks. Diese Erwartungshaltung verfliegt jedoch mit willkürlichen Erlebnissen und zu schnellen Tötungen von Nebenfiguren, und das dünne Gerüst, welches nach dem Verlassen der Zuschauermotivation übrig bleibt, mutet zu episodenartig und willkürlich an, als dass es einen packen könnte. Kurz vor dem letzten Drittel dachte ich noch, Argento würde noch einmal den Bogen kriegen, sich das atmosphärische Hoch für das Finale aufsparen und dort doch etwas mehr Tiefsinn durchblitzen lassen. Aber nein, der Schluss befriedigt nicht, wird ohne großen Spannungsbogen abgefrühstückt, und zurück bleibt eine unnötige, nicht wirklich erzählenswerte Geschichte in mauer, manchmal sogar unsinniger Umsetzung. Ich war mehr als enttäuscht von diesem plumpen Thriller.  OFDb

01.08.2022

RESIDENT EVIL 2 - APOCALYPSE (2004)

Im Jahr von "Dawn of the Dead", dem endgültigen Siegel, dass der Zombiefilm für einige Zeit im Blickpunkt eines größeren Publikums bleiben würde, kam die Fortsetzung von "Resident Evil" auf den Markt, der zusammen mit "28 Days Later" 2002 besagte zweite Welle der Untoten auf der großen Leinwand auslöste. Damals konnte man noch nicht wissen zu welch trashiger Reihe die Videospiel-Verfilmung verkommen würde, deswegen war ich damals im Kino, als von Teil 1 begeisterter Zuschauer, ziemlich enttäuscht vom Ergebnis. Mit Blick von heute ist "Resident Evil - Apocalypse" (Alternativtitel) noch weit von dem Schund entfernt, der ab "Resident Evil 3"auf den Zuschauer warten sollte, aber die Qualität des Erstlings war auch schon in der ersten Fortsetzung durch ein plumperes Szenario verschwunden. Es ist nicht so dass der Vorgänger frei von Unsinn und Unlogiken gewesen wär, und bereits er bot Proleten-Action in Reinkultur, aber die Stärke der Erzählung, die Verspieltheit mit den einzelnen Elementen und die Geduld mit welcher das alles erzählt ist, ist in Teil 2 weit geringer vorhanden und sollte von Teil zu Teil immer weiter abgebaut werden. 

Heute, nach meiner ersten Sichtung seit 2004, gefällt mir der von Anderson geschriebene und produzierte und der einzige von Alexander Witt inszenierte Streifen (zumindest als Haupt-Regisseur) besser als damals. Allerdings ist man nun nicht nur in die Zukunft der Kino-Reihe eingeweiht, auch die Sehgewohnheiten haben sich seit damals geändert. Früher war ich genervt von der Wackelkamera bei jeder Zombie-Attacke, heute stört mich dies nicht mehr. Damals nervte mich der Endgegner, der eher einem Kinderfilm entlaufen schien, anstatt in einen ernstzunehmenden Horrorfilm zu gehören, heute gefiel er mir als verspieltes Comicelement in einem Streifen, der dennoch genug Platz für die Zombies lässt. "Resident Evil 2" atmet die völlige Übertreibung in all seinen Poren, und dies einmal begriffen und akzeptiert funktioniert er auf banaler Trivialebene wunderbar. Alice ist nun selbst ein Experiment mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, das Unternehmen Umbrella fällt noch weit dämonischer aus als bisher vermutet, die Fehler des Konzerns haben fatalere, teils beabsichtigte Folgen als bisher, darf doch nun eine ganze Stadt unter den illegalen Experimenten leiden und wird dies, wie wir schnell erfahren, auch nicht überleben. 

Die Geschichte mag arg konstruiert sein, aber sie bietet genug roten Faden, um das Actiongewitter zu tragen, um das es hauptsächlich gehen soll. Die Figurenzeichnung mag nicht originell sein, allein schon weil Alice erneut krampfhaft eine starke Frau zur Seite gestellt wird, aber es reicht um zu funktionieren, um sich für die Geschehnisse zu interessieren und um mitzufiebern, und dies gelingt obwohl ein Kind einen nicht geringen Anteil am Hauptgeschehen hat. Freilich waren bei dieser zweiten Sichtung meine Ansprüche stark nach unten gesenkt, aber ich habe mich gut unterhalten gefühlt, in einem Geschehen dass sich nie ausbremst, gehaltvoll genug bleibt um sich nicht vollkommen plump anzufühlen (so wie es u.a. "Resident Evil 4" erging) und seine Gut-Böse-Trennung gekonnt ausspielt in einem hoffnungslosen und gnadenlosen Szenario. Einzig dass die Zombies immer dort eingesetzt und weggeblendet werden, wo gerade nötig, egal wie glaubwürdig es scheint (einmal ist eine ganze Zombiehorde innerhalb von Minuten im Nirgendwo verschwunden), wirkt manches Mal auch inmitten der aufgrund der absichtlichen Übertreibungsmentalität zu verzeihenden Unsinnigkeiten zu widersprüchlich. 

Aber da dieses Makel vom Tempo des Streifens fast überrannt wird, kann man da großzügig drüber hinweg sehen. Glücklicher Weise sind die Computereffekte weit besser ausgefallen als im Erstling. So stark wie diesmal darauf gebaut wird, wäre es ein Desaster gewesen die billige CGI des Vorgängers ertragen zu müssen. Für ein kurzweiliges Kopf aus-Kino ist "Resident Evil 2" meiner Meinung nach genau der richtige Film, das Sichten von Teil 1 sollte man trotz geringem Anspruchs der Handlung und obwohl noch einmal alles aus diesem erklärt wird, aber mitbringen, um hier kompromisslos trivial unterhalten werden zu können.  OFDb

25.07.2022

RESIDENT EVIL (2002)

Im selben Jahr, in dem "28 Days Later" den Startschuss für die überraschend lang laufende zweite Zombiefilm-Welle gab, erschien die Videospiel-Verfilmung "Resident Evil", bei der es zwar nicht zentral um Zombies ging, dieser Aspekt aber ein wichtiger Bestandteil der Rezeptur war, so dass man auch ihn zu den Auslösern der erfolgreichen Rückkehr der Untoten auf der Leinwand bezeichnen kann. Die Genialität des britischen Konkurrenzproduktes erreicht der Streifen freilich nicht, aber gerade mit Blick auf das, was mit fünf Fortsetzungen aus der "Resident Evil"-Reihe werden sollte, kann man das Ergebnis doch als überraschend geglückt bezeichnen. Und schon damals hat mir der von Paul W.S. Anderson gedrehte und produzierte Film äußerst gut gefallen. Dabei muss man es nicht einmal schön reden: "Biohazard" (Alternativtitel) ist ein Proletenfilm. Er haut mit extrem auf cool getrimmten Schönlingen männlichen und weiblichen Geschlechts in die Kacke, ist flott inszeniertes, auf Tiefgründigkeit scheißendes Action-Kino, das von einem Schauwert zum nächsten schreitet. 

Aber selten hat ein derartiger Streifen so kompromisslos auch außerhalb des dafür anvisierten Zielpublikums funktioniert wie hier, was nicht nur daran liegt, dass die rätselhafte Geschichte tatsächlich interessant erzählt ist, die oberflächlich gehaltenen Stereotype, die hier heldenhaft und selbstgerecht durchs Bild wetzen, sind zudem sympathisch genug aufgebrochen, um ihnen einen Hauch Individualität zu bescheren und um mit ihnen mitfiebern zu können. Auch das ein oder andere Ableben lässt einen nicht kalt, so ausreichend ist man emotional an die Figuren gebunden. Somit bilden Film und Figuren genügend Charme, um dem Treiben nicht nur semi-interessiert beizuwohnen, und der Comic-Charkter völliger Übertreibung lässt einen über manch sinnlose Spielerei hinwegsehen, wie z.B. jener, dass die künstliche Intelligenz viel zu menschlich agieren darf. Ganz im Gegenteil gehören auch derartige Bereiche zu den Zutaten, die aus "Resident Evil - Genesis" (Alternativtitel) das Liebhaberstück Hirnlos-Kino machen, das er geworden ist - zumindest für jene Freunde von Popkorn-Kino, die keine Werk-getreue Version des zugrunde liegenden Computerspieles benötigen. 

Zudem mangelt es nicht an Nervenkitzel. Im Gegensatz zu den Fortsetzungen darf man hier tatsächlich noch mitfiebern und mitleiden. Ob es das fiese Verteidigungssystem der Red Queen ist, all die Situationen, bei denen es immer um Sekunden geht, oder auch zu Beginn die Szene im Fahrstuhl, hier wird man als Zuschauer auf Trab gehalten, der Film bedient nicht einfach nur desinteressiert heruntergespult die Schauwerte. Das ist auch gut so, denn die Computeranimation, ob in manch missglücktem Zombiedesign oder mehr noch bezüglich des komplett per CGI entstandenen Endgegners, sind mit Augen von heute derart schwach ausgefallen, dass sie tatsächlich den Sehwert hemmen, und das sage ich als jemand, der mit "Lexx" und "Der Rasenmähermann" keine Probleme hatte. Hier ist es etwas anderes, da der Blick auf diese unschönen Animationen einen wahrlich aus dem pompösen, sonst professionell umgesetzten Geschehen reißt, was nur umso mehr klar stellt, wie sehr man in der rasanten Geschichte dieses Erstlings aufgehen kann. Für das (nicht zwingend notwendige) Endszenario lässt man sich ähnlich viel Zeit wie für den (ebenfalls nicht zwingend notwendigen) Anfangsbereich. Im Gegensatz zu den meisten Storys der Fortsetzungen ist der Handlungsablauf hier nicht billig dahingeschludert, das Ergebnis ist flott, aber nicht gehetzt, umgesetzt. 

"Resident Evil the Movie" (Alternativtitel) kann man als Film für sich gucken, die Fortsetzungen braucht man nicht nachholen. Mit Kenntnis dieser schaut sich aber gerade der Beginn recht erschreckend, der einen die letzten normalen Momente der Menschheit zeigt, bevor die Ereignisse in Gang gesetzt werden, die das Endzeit-Szenario über alles hereinbrechen lassen. Dafür sorgt zwar auch das apokalyptische Finale, die genauen Konsequenzen erst einmal durch die Teile 2 bis 6 kennen gelernt, lassen das alles jedoch noch etwas bitterer anmuten. Es ist nur ein Nebeneffekt, wahrscheinlich von den Verantwortlichen nicht einmal gewollt, aber es reicht um einer zweite Sichtung einen fiesen Zusatzaspekt zu bescheren. Seinerzeit habe ich "Resident Evil" ein paar Mal gesehen, so begeistert war ich von ihm, nun habe ich ihn nach etlichen Jahren erstmals wieder gesehen, hatte tatsächlich viel vergessen, und freue mich erneut positiv überrascht worden zu sein. Aber mit Kenntnis der extrem auf austauschbares Proletenkino getrimmten späten Fortsetzungen guckt man "Resident Evil - Ground Zero" (Alternativtitel) sicherlich auch etwas gönnerhaft. Es mag also sein, dass man ihn seinerzeit für sich entdeckt haben muss und Neueinsteiger darin heutzutage keinen kompromisslosen Leckerbissen mehr entdecken.  OFDb

04.07.2022

GREEN CARD (1990)

Im Gegensatz zu vielen anderen romantischen Komödien, manch gelungene eingeschlossen, besitzt der von Peter Weir inszenierte "Green Card" eine erzählenswerte Geschichte, die auf einer ungewöhnlichen Idee aufbaut. Das ist keine Ausnahme bei dem guten Mann, der mit "Picknick am Valentinstag", "Die Truman Show" und "Die Autos, die Paris auffraßen" (um nur ein paar zu nennen) stets für das jeweilige Genre alles andere als Standard ablieferte. Die mit Gérard Depardieu und Andie MacDowell ideal besetzte Komödie ist dem Mainstream wahrscheinlich näher als alle anderen mir bekannten Werke des Ausnahme-Regisseurs, und doch unterscheidet er sich gewaltig von der Konkurrenz. Das beginnt mit einer komplett Kitsch-befreiten, geradezu erwachsenen Atmosphäre, ist ebenso zu bemerken in den reflektierenden, oft sachlich agierenden Hauptfiguren und zudem in einem psychologisch durchdachtem Entstehen einer Liebe unter ungewöhnlichen Umständen. 

Der Romantikgehalt ist arg zurück geschraubt und plätschert meist nur leise im Hintergrund vor sich hin. "Green Card - Scheinehe mit Hindernissen" (Alternativtitel) ist eine gekonnt gespielte Komposition, die in den richtigen Momenten und in der richtigen Dosis Gefühle aufkommen lässt, passend zum inhaltlichen Komponistenaspekt, der für einen großen Lacher, gefolgt von einem der intensivsten Gefühlsmomente des Films sorgt. Ohnehin hat Weir als Autor und Regisseur das Spiel beider Elemente im richtigen Mix im Griff, lässt einen eher schmunzeln als laut lachen, lässt aber auch Letztgenanntes gelegentlich zu, dies aber, ebenso wie die Romantik, nie unter Missachtung der Charaktere. Diese könnten unterschiedlicher nicht sein und beweisen auf gekonnte, anstatt auf blauäugige Art, das allgemeine Sprichwort der Gegensätze, die sich anziehen. Da zudem auch beide Landesmentalitäten glaubwürdig, aber nicht aufdringlich, als wichtiger Bestandteil in die Geschichte eingebunden sind, was man wohl der gemeinsamen Beteiligung beider Länder zu verdanken hat, atmet "Green Card" genau jenen Realismus, der das Ganze echt erscheinen lässt, ohne einem den für das Genre der Liebeskomödie so wichtigen Bereich des Träumens schuldig zu bleiben. Weir betäubt den Zuschauer diesbezüglich jedoch nicht, sondern lässt ihn sinnlich, verschmitzt und reflektiert das Erlebte mitempfinden. Dementsprechend erwachsen und konsequent darf auch der Schluss ausfallen.  OFDb

30.06.2022

BELPHÉGOR - DAS PHANTOM DES LOUVRE (2001)

Zu viele unnötige Computereffekte und zu sprunghafte Erkenntnisse bei den unabhängig voneinander arbeitenden Ermittlern, sowie zu einfache Zusammenkünfte sich gegenseitig Misstrauender sind der Grund warum die dritte Verfilmung um Belphégor ebenso zum Scheitern verurteilt ist, wie die 60er Jahre-Serie "Belphégor oder Das Geheimnis des Louvre", auf welchen die mit Sophie Marceau prominent besetzte Neuverfilmung verspielt verweist. Die Rückblicke eines alten Ermittlers in Schwarz/Weiß gehalten sind neu inszenierte Szenen mit aktuellen Mimen, aber hier wird gekonnt das Flair der auf Grusel-Krimi getrimmten Serie augenzwinkernd kopiert. Ebenso wie oben grob angeschnitten, ist allein die Anwesenheit besagten Kommissars durch ein zu schnelles Fortschreiten der Geschichte ein Rätsel. Wer würde ihn einsetzen, bei solch belastender Vergangenheit und bei so viel Hokuspokus-Geschwätz (zumal er bereits in Rente ist)? Das ist eine von vielen Fragen, welche das strikte Einhalten einer üblichen Spielfilmlauflänge verursacht, da man sich keine Zeit für Details nimmt. "Belphégor - Le fantôme du Louvre" (Originaltitel) ist oberflächlich erzählt, schafft es zwar den Charme der Hauptcharaktere gelegentlich aufblitzen zu lassen, aber selbst die hätten mehr Beachtung verdient. 

Den einzigen tatsächlichen Sehwert erhalten beide mir bekannte Verfilmungen erst über den jeweiligen Vergleich mit der anderen. Aus einem fast weltlichen Kriminalfall mit nur wenigen übernatürlichen Elementen wird eine Geschichte um eine wiederkehrende Mumie, die mit dem bereits aus dem Vorgänger bekannten Element einen Menschen für ihre Zwecke schlafwandelnd besetzen zu müssen in dieser modernen Variante einige Widersprüche offenbart, bzw. ungeklärte Fragen aufkommen lässt. In wie weit hat die Besessene Einfluss auf die Mumie, wenn der zuvor noch aggressiv bekämpfte Liebhaber der Frau plötzlich der einzige ist, den das Phantom in Ruhe lässt, ja sogar in die Augen blicken lässt, ohne ihn zum Selbstmord zu treiben? "Belphegor, Phantom of the Louvre" (Alternativtitel) ist mit derartigen Erklärungsnöten und besagten unsensiblen Sprüngen in der Erzählung (insbesondere im letzten Drittel) mehr Storygerüst, anstatt tatsächliche Geschichte. Interessant wäre es zu erfahren, ob das Produkt für den Kinomarkt zurecht gestutzt wurde und ob eine längere Version in Planung war oder gar existiert. Aufgrund der zu häufigen Computervisualisierung des Verstorbenen, die weder gruselig noch mystisch anmuten und aus dem Stoff, ähnlich wie im einige Jahre zuvor entstandenen "Die Mumie", mehr Abenteuerfilm-Flair erntet als ein Horror-Gefühl entstehen zu lassen, würde selbst dann aus dem Film kein Meisterwerk werden. Aber zumindest könnten zusätzliche Szenen eine Version mit weniger Erklärungsnöten entstehen lassen, eventuell sogar eine mit mehr Zugang zu den Figuren.  OFDb

26.06.2022

BELPHÉGOR ODER DAS GEHEIMNIS DES LOUVRE (1965)

38 Jahre nach der Stummfilm-Version des Romans um das Phantom im Louvre, kam parallel zur in Deutschland noch immer erfolgreichen Edgar Wallace-Welle in Frankreich "Belphégor oder Das Geheimnis des Louvre" als Grusel-Krimi-Serie daher und lief, wenn man dem Pidax-DVD-Covertext Glauben schenken darf, zu seiner Zeit wohl recht erfolgreich. Wenn dem so ist, lässt sich das heutzutage nur noch schwer nachvollziehen. Zwar besitzt die Serie ihre Stärke im Schwarz/Weiß-Bild, gerade wenn sie nachts im leeren und düsteren Louvre spielt, und auch immer dann, wenn wir einen Blick auf das unheimliche Phantom werfen dürfen, aber all dies geschieht doch recht selten. Die (ebenfalls an den klassischen deutschen Grusel-Krimi seiner Zeit erinnernde) Figurenkonstellation aus Altherren-Kommissar, dem jungen, abenteuerlich agierenden Privatermittler, seinem zärtlich weiblichen Love Interest, ihrer Konkurrenz, die geheimnisvolle Verführerin und dem uns recht schnell bekannten Drahtzieher aller Geheimnisse, die es zu lüften gilt, weiß zu gefallen, so dass es nicht weiter stören dürfte, dass die Gruselmomente rar gesät sind. 

Aber so wirklich alternative Stimmung, die der Reihe Interesse am Krimi-Aspekt der Geschichte beschert, will nur bedingt aufkommen. Das liegt weniger an den nach und nach aufgedeckten Schichten der rätselhaften Ereignisse, bzw. nicht einmal daran dass sie trotz fantastischer Elemente stets viel zu weltlich bleiben, sondern viel mehr an der Struktur der Erzählung selbst. Wenn man ziemlich früh bereits erfahren darf, wie zerfahren sich das Ganze in seiner wirr zusammengewürfelten Chose guckt, darf man sich wundern, dass die Serie auf einem Roman beruhen soll. Ich kenne ihn nicht, aber die Reihe selbst besitzt allerhand Leerläufe, Randereignisse die ins Nichts laufen, unsensibel gesetzte Szenenwechsel auf die Erlebnisse der jeweils anderen für die Geschichte wichtigen Figuren und teilweise auch völlig unpassende Momente zum Einsatz des Abspanns. Das Miteinander ist mit Blick von heute oft nicht nachvollziehbar, und die Dialoge wirken mit ihrem Streifen von Philosophie in Alltagsgeschwätz, während man meist aneinander vorbei redet, oder umgekehrt das wirre Geschwätz des anderen sofort versteht,völlig weltfremd. 

Seine besten Momente besitzt "Belphégor" (Originaltitel) außerhalb seiner Gruselsequenzen eigentlich immer dann, wenn es abenteuerlich wird. Das reicht zumindest, um den Stammzuschauer bei Laune zu halten, während dieser merkt, dass es relativ wenig aufzudecken gibt, man aber angefixt genug ist die Auflösung, die manch einer sicherlich früh genug erahnt, erfahren zu wollen. Auf trivialer Ebene funktioniert die Reihe bei wenig Anspruch gerade eben so in ihrer verwässerten Lightversion, der heutige Retrocharme hilft dabei mit "Belphégor ou Le fantôme du Louvre" (Alternativtitel) nicht all zu hart ins Gericht zu gehen. Aber gut sieht anders aus, und letztendlich besitzt das Endprodukt zu viele Schwächen und zu viel wirr gehaltenen Leerlauf, als dass das tolpatschige Ganze noch als unterhaltsam gelten könnte. Außerdem muss mir mal wer erklären, warum ein junger Mann, abgesehen vom Aspekt des geheimnisvollen, sich exotisch anfühlenden Sexerlebnisses, sich mehr zur alten Zwielichtigen hingezogen fühlen sollte, als zur niedlich anzusehenden Jungen mit Einfühlungsvermögen und Charakter. 

Mit gerade einmal 13 Folgen bei einer Laufzeit von jeweils nur leicht über 20 Minuten lässt sich "Belphégor" als Fast Food-Schnellverzehr trotz all seiner Defizite bis zum Schluss schauen. Hilfreich stehen einem neben besagter Pluspunkte der sympathisch besetzte Kommissar zur Seite, der nur auf Film-Ebene funktionierende Abenteurer-Aspekt des Studenten und manchem Geheimnis, das zu lüften interessant genug ausgefallen ist.  OFDb

SUPERHYPOCHONDER (2014)

Wenn ein nerviger Hypochonder seinem Psychiater auf dem Wecker geht, kann das eine lustige Sache sein, wie "Was ist mit Bob?" gezeigt hat. Und dass das Team von "Super-Hypochonder" (Alternativtitel) Humortalent besitzt, bewiesen sie 6 Jahre zuvor bereits mit der Erfolgs-Komödie "Willkommen bei den Sch'tis". Und doch schafft es "Supercondriaque" (Originaltitel) gerade eben so zu gefallen, sprich er ist immer haarscharf davor zu scheitern, zumindest meiner Meinung nach, eben weil er sich nie komplett auf eine Idee seines Konzepts verlässt. Der Hypochonder-Part hätte eigentlich nie die Idee um eine Verwechslung benötigt, die wiederum sehr stark auf politische Komik zurückgreift. Und das Spiel mit dem angeblichen Rebellenführer hätte umgekehrt nicht den nervigen Kranken benötigt, was das Drehbuch selbst zu merken scheint, wenn dieser Aspekt zu einem guten Teil ignoriert wird. Schlimmer wird es jedoch dann, wenn es nicht ignoriert wird und "Superhypochonder" sehr unglaubwürdig wird, wenn der psychisch Kranke, der eigentlich gar nicht anders kann, zum Wahren des Scheins über seinen Schatten springt und seine Macken einfach ablegt. Im Gegensatz zur humorfördernden Radikalkur, die er unfreiwilliger Weise im Gefängnis des Heimatlandes des Rebellen, den er vorgibt zu sein, durchmacht, sind die weniger in Zwangslage abgelegten Zwänge nicht lustig genug, um diesen Bruch des Charakters hierfür zu verzeihen. 

Das würde in einer klassischen Komödie Europas, die sich nicht um Zusammenhänge kümmert, funktionieren. In den 70er Jahren haben die Italiener mit Komödien mit Bud Spencer oder Adriano Celentano bewiesen, dass es sich bei lockerer Art und Weise und treffsicherer Sprüche als gut erweisen kann lediglich einem groben roten Faden zu folgen und sich nicht um Sprunghaftigkeit oder Widersprüche in der Geschichte zu kümmern. Und auch die Franzosen folgten diesem Weg mit mancher Pierre Richard-Komödie. "Superhypochonder" kommt jedoch zu durchdacht und reflektiert daher, als dass er das Ignorieren förderlich für sich umgesetzt bekäme. Zudem haut er den Konflikt zwischen Psychiater und Patient niemals konsequent genug in die Kacke, wie es der besagte US-Film mit Bill Murray und Richard Dreyfuss tat (obwohl man sich von ihm zumindest eine stark ähnliche Schlusspointe entlieh). Stattdessen trumpft der von Hauptdarsteller Dany Boon inszenierte Film aber immerhin mit seiner Herzlichkeit. Das Handeln des sanften Psychiaters, ausgelöst durch sein Mitleid, kann man immer wieder nachvollziehen, die Liebesgeschichte funktioniert recht gut, und da auch so mancher Gag stimmt behält die gute Laune in diesem unausgegorenen Stück Film stets die Oberhand. Dennoch wird "Superhypochonder" nie wieder so witzig wie in seiner Anfangsphase, die noch rein auf die Originalidee setzte, bevor der Politaspekt zu viel Zusatzstoff in den leichtfüßigen Plot integrierte. Originell ist hingegen der Vorspann ausgefallen, der mir mit seiner phantasie- und pointenreichen Art ausgesprochen gut gefallen hat.  OFDb

13.11.2021

SOURCE CODE (2011)

Ein wenig auf den Pfaden von "Und täglich grüßt das Murmeltier" wandernd, erzählt uns "Source Code" eine Art Zeitreise-Experiment, über dessen Wirklichkeit sich der Wissenschaftler weit weniger bewusst ist als der ungelernte, statistisch gesehen überraschend intelligente Soldat, der zunächst erst nach und nach versteht von was er Teil ist. Trotz dieses verträumten Ansatzes funktioniert der Film überraschend gut. Man sollte sogar eher sagen, dass er es deswegen tut, denn trotz aller Härte um Themen wie Terrorismus (mit der Rückkehr wegen der Frage des Ursprungs stark an "12 Monkeys" erinnernd), dem Entrechten von Toten und anderen erwachsenen, bitteren Themen, atmet der Streifen von Duncan Jones, der mit "Moon" einen wesentlich pessimistischeren Genre-Beitrag der Science Fiction abgeliefert hat, klassisches Kino-Feeling mit obligatorischem Happy End und Heldentum. Das wird nicht jedem schmecken, mir hat es gefallen, wenn auch eher auf simpler Unterhaltungsebene, weniger aufgrund des hohen Anspruchs, den die Verantwortlichen des Streifens an sich selbst stellten. So oder so sollte man wie beim Vergleichsfilm mit Bruce Willis Geduld mitbringen. Es dauert ein wenig bis man durchblickt. Und manch unangenehme Frage, gerade jene des Verbleibs jener Person, dessen Körper der Protagonist einnimmt, wird nicht beachtet, um das finale Wohlgefühl nicht zu schädigen. Etwas Blauäugigkeit tut also definitiv gut, um mit "Source Code" zurecht zu kommen.  OFDb