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08.08.2020

DAS KRUMME HAUS (2017)

Die Geschichte von "Das krumme Haus" klingt nicht nur wie eine typische Agatha Christie-Geschichte, die sie auch ist, sie atmet diese Eigenschaft in sämtlichen Poren, so als sei sie das Ur-Gestein ihres Schaffens. Angeblich selbst von der Autorin als ihren eigenen Lieblingsroman benannt, sei die späte und scheinbar erste Verfilmung dieses Stoffes tatsächlich allen Liebhabern dieser Art Kriminalfilm empfohlen. Regisseur Gilles Paquet-Brenner lädt herzlich zum Mördermitraten ein, was dank jeder Figur als glaubwürdiger, potentieller Kandidat den Zuschauer diesbezüglich tatsächlich hin und her reißt. Wie es sich für einen guten Film mit diesem Hauptanliegen gehört, fällt die Auflösung zudem überraschend und konsequent aus, eingebettet in einem sowohl spannendem, wie auch emotional verstörenden Szenario, das beweist wie gut Drama und Spannungsmoment ineinander greifen können. Ein psychologisches Verständnis für Zuschauermanipulation, Charaktergestaltung, Ursache und Wirkung und perfekt gesetzte augenzwinkernde Elemente, kommen hier endgültig gebündelt zur vollkommenen Entfaltung, nachdem die komplette Geschichte zuvor selbiges bereits stets unauffällig eingebettet beherzigt hat.

Mag die Optik für den eigentlichen Retro-Touch dieser Old School-Verfilmung auch etwas zu überarbeitet und aufgebretzelt wirken, so sind die Kameraarbeit und die Ausstattungen, sowie die Kostüme doch von ebenso herausragender Qualität, wie Regie, Drehbuch, Besetzung und das Talent der Mimen. Hervorgehoben sei freilich die im Alter stets brillant agierende Glenn Close, die es erneut schaffte sich eine interessante Rolle in einem gelungenen Projekt zu ergattern (man denke nur an "What Happened to Monday" und "The Girl With All the Gifts"). "Crooked House" (Originaltitel) lässt nichts zu wünschen übrig, ist noch weit besser ausgefallen, als ich es mir zuvor erhofft hatte und offenbart mir, bis auf besagten optischen Aspekt, an den man sich mit der Zeit jedoch gewöhnt, kein Makel, welches den Sehwert trüben würde. Eingeweiht in die Auflösung, lässt sich bei einer erneuten Sichtung außerdem manch subtil eingearbeitete Raffinesse zusätzlich zu dem entdecken, was ohnehin schon in Sachen psychologisches Verständnis zu faszinieren wusste, in einer Zeit, in welcher Kino diesbezüglich nicht mehr auf qualitative Drehbücher setzt. Dass das Ganze zudem mit einem Hauch Komik inszeniert wurde, der mit der Reststimmung des nicht als Komödie konzipierten Streifens wunderbar kompatibel ist, muss wohl kaum erwähnt werden, ist er doch das zu erwartende Zückerchen innerhalb eines perfekt funktionierenden Werkes, das absichtlich jedes typische Element dieser Art Kriminalfilm, ob nun Klischee oder nicht, geradezu zelebriert.   OFDb

09.12.2018

MÖRDER AHOI! (1964)

Für den vierten und leider letzten Teil der mit Margaret Rutherford in der Hauptrolle besetzten Miss Marple-Reihe holte man sich die Erlaubnis von Agatha Christie eine eigene Fortsetzung schreiben zu dürfen. Zwar beruhte bislang ohnehin nur "16 Uhr 50 ab Paddington" auf einem Roman der Kriminalfälle lösenden Rentnerin, aber die beiden Fortsetzungen "Der Wachsblumenstrauß" und "Vier Frauen und ein Mord" bedienten sich zumindest bei Hercules Poirot-Romanen, dessen Abenteuer ebenfalls aus der Feder Agatha Christies stammten. Nun hat das stets konstant gebliebene Filmteam der allseits beliebten Reihe ein eigenes Buch vorgelegt, und das fällt dem geschulten Blick auch ziemlich schnell negativ auf, wenn der alles auslösende Mord aufgrund seiner Vorgehensweise zeitlich zu zufällig stattfindet, als dass ein perfekt abgeschätztes Verbrechen hätte stattfinden können. Die Raffinesse Christies fehlt an mancherlei Stelle, und das lässt "Mörder ahoi!" eine Spur schwächer gucken als seine Vorgänger.

Es ist dem Beibleiben des ansonsten bewährten Musters zu verdanken, dass "Murder Ahoy" (Originaltitel) nicht Ansatzweise zur Katastrophe verkommt. Die Musik weiß wie immer zu gefallen, Regie, Akteure, Kameramann, sie alle sind Profis ihres Fachs, als festes Team längst aufeinander eingespielt, und da das Drehbuch neben der Standards auch ungewöhnliche Situationen bereithält, ist das doch ein wenig mehr geworden als eine alles wiederholende Blaupause. Highlights wie Marples Mitsingen während des Auftritts des Schülerchors, oder der comicartige Umzug nach Ranghöhe, wenn der Kapitän Miss Marple widerwillig seine Kajüte überlässt, wissen den Humorbereich gekonnt zu sättigen. Einzig der Thrill geht diesmal eine Spur zu sehr verloren, düstere Momente darf suchen wer will, egal wie morbide unser Mörder diesmal auch vorgehen mag.

Das Motiv und die Täteraufdeckung wissen zu gefallen, ebenso wie der rätselhafte Weg dorthin, dem eine Täuschung zuvor geht, glaubt man doch zunächst an ein anderes Motiv. Mr. Stringer bekommt, wie von Teil zu Teil üblich, mehr Präsenz beschert und darf diesmal auch entscheidenden Einfluss auf den Kriminalfall nehmen, im Gegenzug dazu wird die Rolle des Oberinspektors etwas zu stark reduziert, was uns weit weniger Kabbeleien zwischen ihm und Marple beschert, auch wenn dies konsequent klingt, so oft wie Marple bislang recht behielt. Hauptpluspunkt des vierten Teils ist Lionel Jeffries in der Rolle des Captain Rhumstone, der den Humorgehalt permanent hoch hält, vielleicht etwas zu hoch für mancher Leuts Geschmack. "Mörder ahoi!" ist tatsächlich mehr Krimi-Komödie als bisher, aber nach Übersättigung fühlt sich das meiner Meinung nach nicht an, zumal die Pointen weiterhin gut gesetzt sind und ohnehin auf hohem Niveau herumgealbert wird. Ich wünschte es hätte noch weitere Fortsetzungen gegeben, denn auch dieser schwächste der insgesamt vier MGM-Miss Marple-Filme ist noch immer hervorragende Unterhaltung weit über Durchschnitt.  OFDb

VIER FRAUEN UND EIN MORD (1964)

Auch der dritte Teil der legendären Miss Marple-Reihe, die einst ihren Anfang mit "16 Uhr 50 ab Paddington" nahm, bedient sich ebenso wie ihr Vorgänger "Der Wachsblumenstrauß" eigentlich bei einer Buchvorlage des ebenfalls von Agatha Christie erfundenen Kriminalisten Hercules Poirot, anstatt bei der Kriminalfälle lösenden Rentnerin. Aber da die von Margaret Rutherford so glänzend dargebotene Figur ohnehin kaum noch etwas mit jener aus den Romanvorlagen zu tun hatte, ist dies erneut nicht schlimm zu nennen, sondern ganz im Gegenteil positiv. Erneut ist es der konstant gebliebenen, gut eingespielten Crew vor und hinter der Kamera gelungen einen hoch unterhaltsamen Film umzusetzen, dem es vielleicht ein wenig an den wahrlich düsteren Momenten der Vorgänger mangelt, weswegen ich ihn im direkten Vergleich auch ein klein wenig schwächer empfinde, der ansonsten jedoch zu den restlichen zwei Filmen in einem Guss passt.

Erneut wird das musikalische Miss Marple-Thema charmant variiert und lässt den Stammzuschauer direkt vertraut ins Geschehen eintauchen, und Humor, Ermittlungen und Spannungsmomente geben sich erneut gekonnt die Hand. Von seiner Komplexität her ist es eigentlich sogar der interessanteste aller vier Kriminalfälle, der hier erzählt wird, erhält die Handlung doch interessante Wendungen, die tief in der Vergangenheit begraben schienen. Interessante Rahmenfiguren und selbstverständlich auch der im Zentrum stehende Mister Cosgood, bereichern das Mörderraten ebenso wie den Humorgehalt, und selbstverständlich ist auch die deutsche Synchronfassung erneut so geglückt wie in den zwei Filmen zuvor. "Vier Frauen und ein Mord" mag mittlerweile etwas mehr Comiczüge der uns vertrauten Figuren mit ihren Tücken und Macken besitzen, als die diesbezüglich noch eine Spur ernster angegangenen Vorgänger, das zeigt sich zumindest deutlich in der herrlich geglückten Eingangssequenz einer Gerichtsverhandlung, bei der kein Auge trocken bleibt. Der Ernst der eigentlichen Lage bleibt trotzdem stets bestehen.

Auch im weiteren Verlauf gibt es gerade im Humorbereich wahre Höhepunkte zu erleben, so z.B. Marples Vorsprechen auf der Bühne, oft sind sie aber auch in Nebensächlichkeiten versteckt, wie die Konfrontation zwischen dem Kommissar und der esoterischen Schlafwandlerin, der eigentliche Mangel an Schauspieltalent des Theatergruppenleiters Cosgood höchstpersönlich, oder die Begründung warum Miss Marple überhaupt Mitglied der Cosgoodgruppe wird. Das alles sind Sternstunden trockener Komik, die letztendlich aber auch den ernsten Momenten der Geschichte trotzdem noch genügend Raum bescheren sich ebenfalls entfalten zu können. Auch "Murder Most Foul" (Originaltitel) besitzt in seiner leicht schwächeren Form das gekonnte Gleichgewicht aus Spaß und Ernst und wird in seiner Brillanz ebenfalls ein bedeutender Beitrag der britischen Kriminalfilme der 60er Jahre und ist aus diesen Gründen auch innerhalb meiner Filmsammlung ein immer wieder gern geguckter Evergreen, der auch bei der x-ten Sichtung keine Spur von Langeweile aufkommen lässt.  OFDb

10.06.2018

DER WACHSBLUMENSTRAUSS (1963)

Nachdem Miss Marple in ihrem ersten Abenteuer "16 Uhr 50 ab Paddington" noch einen Fall basierend auf ihren eigenen Romanen klären durfte, bediente man sich für die Fortsetzung an einer Buchvorlage, in welcher eigentlich Poirot auf Mördersuche war. Aufgrund der starken Veränderung der von Margaret Rutherford dargestellten Kriminalistin im Vergleich zur Roman-Miss Marple ist dies auch gar keine schlechte Idee, und so ist dem Team des Vorgängers mit "Der Wachsblumenstrauß" eine Fortsetzung gelungen, die dem Vorgänger kaum in etwas nachsteht. In jüngeren Jahren bevorzugte ich gar das Sequel, hat es doch die extremeren Morde zu bieten, eine etwas größere Portion Humor mit an Bord, und mit wenig Seherfahrung wusste einen auch die Auflösung zu überrumpeln. Mit geschulterem Blick weiß man, dass man heute nicht mehr so überrascht über die Täteraufdeckung wäre, so oft wie besagte Person für ihre eigentliche Nebensächlichkeit ins Geschehen gerückt wird. Aber der Moment der Aufdeckung selbst bleibt Highlight genug, streift diese Szene doch den Gruselbereich, was gerade mit jüngeren Jahren zu funktionieren weiß. Zudem ist der Gesamtfilm trotz erhöhtem Humorpotentials düsterer ausgefallen, auch das wusste mich einst zu begeistern.

Heutzutage gefällt es mir am Vorgänger, dass er diesbezüglich schlichter daher kommt und vieles von dem was die Fortsetzung lauter präsentiert subtiler beinhaltet. Aber das ist ein Qualitätsunterschied, der sich nur im sehr strengen direkten Vergleich ausfindig macht, reicht "Der Mörder sitzt am Tisch" (Alternativtitel) doch fast nahtlos an das Niveau des ersten Teils heran und ist inmitten einer vierteiligen Reihe, in der jeglicher Teil hochwertig ausgefallen ist, noch jener der am ehesten mit dem Erstling konkurrieren kann. In manchen Punkten hat er gar von beiden Werken die Nase vorn, sind doch diesmal die ebenfalls verdächtigen Randfiguren intensiver charakterisiert und interessanter besetzt, so dass man tatsächlich im Gegensatz zum Vorgängerfilm in Versuchung kommt einem von ihnen den Mord zuzutrauen. Aber wie gesagt ahnt man eigentlich recht schnell wer tatsächlich die Erben über die Klinge springen lässt. Dennoch hält die zu erwartende Finalaufdeckung eine Überraschung bereit, die nicht jeder voraussieht, befindet sich in der Vorphase zu den Hauptgeschehnissen doch ein alles veränderndes Geheimnis, das noch einmal betont wie tückisch der Mörder von Anfang an vorgegangen ist.

In der Besetzung sticht neben den üblichen Mimen der Reihe Robert Morley als Hector Enderby hervor, der den Humor wie so oft auf seiner Seite hat. Seine ohnehin schon originelle Figur ist in der Deutschvertonung mit einer unglaublich charakterlichen Stimme gesegnet, so dass diese erneut eine ernstzunehmende Konkurrenz zum Originalton darstellt. Trotz der Anhäufung größerer Schauwerte, wie besagter Gruselaufdeckung, dem bestialischen Mord in welcher ein Pferd als Tatwerkzeug dient, dem herrlich modernen Tanz von Miss Marple und Mr. Stringer, oder dem etwas reißerisch geratenen Aufhänger um eine Katze als Methode jemanden zu Tode zu erschrecken, weiß auch "Murder at the Gallop" (Originaltitel) zusätzlich in seinen stillen Tönen und dem psychologischen Verständnis seiner Figuren zu trumpfen. "Der Wachsblumenstrauß" ist ähnlich raffiniert und clever erzählt, wie es bereits der erste Kriminalfall Miss Marples war. Aufgrund seiner flotteren Umsetzung wird ein ungeduldigeres Publikum gar mehr Gefallen an der Fortsetzung finden können, als am ruhiger angegangenen Erstling. Welchen Teil auch immer man bevorzugt, beide Filme gehören zu den absoluten Highlights des britischen Kriminalfilms und erscheinen mir tadellos inszeniert. Ich wüsste nicht wie man einen von beiden Film aufbessern könnte, so genial wie beide ausgefallen sind. Glücklicher Weise behielt man auch den erfolgreichen Soundtrack des Vorgängers bei, so dass wirklich so ziemlich alles was man in Teil 1 liebgewonnen hat, hier erneut seinen Platz oder gar eine Erweiterung findet.  OFDb

09.06.2018

16 UHR 50 AB PADDINGTON (1961)

Es gibt oft Diskussionen darüber, ob es eine gute Wahl war Romanstoffe für ihre Verfilmung stark zu verändern. Freunde der Bücher sind schnell verärgert, oft wirken Veränderungen trotz des Wechsels auf ein völlig anders funktionierendes Medium nicht angebracht. Allerdings dürfte es nur bei den wenigsten Cineasten die Meinung geben "16 Uhr 50 ab Paddington" hätte romangetreu umgesetzt werden sollen, findet die wichtigste Veränderung doch in der Charakterisierung der Miss Marple statt, hervorragend verkörpert von Margaret Rutherford, und die möchte man weder anders besetzt, noch ursprünglich charakterisiert erleben, wenn man erst einmal die vier 60er Jahre-Filme um die berühmte Kriminalistin gesehen hat. Agatha Christie sah das anders, sie mochte die Verfälschung des Originals nicht, aber der Erfolg gibt Pollock und seinem Team recht. Auch für mich gehören die mit Rutherford besetzten Kriminalfilme zu meinen persönlichen Evergreens, die ich mir immer wieder ansehen kann, und den hier besprochenen ersten Teil mag ich von ihnen allen am liebsten.

Das liegt weniger am Kriminalfall selbst, der zwar interessant konstruiert ist, aufgrund zu weniger Personen im Fokus aber zu früh erahnen lässt wer als Täter in Frage kommt. Zwar werden durch mögliche Verbrüderungen auch das Kind und die Frau verdächtig, aber der erfahrene Krimi-Freund lässt sich durch solche Möglichkeiten nicht von der naheliegendsten Vermutung abbringen. Schlimm ist das ohnehin nicht, ist es doch der Weg zum Ziel der zu gefallen weiß, und da "Meet Miss Marple" (Alternativtitel) mit britischem Charme daher kommt und ihm ganz besonders die treffsicheren Charaktere wichtig sind, weiß der Film, eingekleidet in einem humoristischen Unterton, bestens zu unterhalten. Das von drei Autoren verfasste Drehbuch beweist nicht nur inmitten der goldigen Wortgefechte der neugierigen und stets beleidigten alten Dame mit jedermann seinen Sinn für Raffinesse, ohnehin ist das Werk mit Liebe zum Detail und cleveren Nebensächlichkeiten angereichert, inmitten eines trotz fruchtsamer Übertreibungen glaubwürdigen Plots, der die Psychologie der einzelnen Figuren versteht.

Miss Marple bringt einen zum Schmunzeln, der Film lädt zum Mitraten ein, und gelegentlich hat sich gar ein düsterer Moment eingeschlichen, meist wenn die Protagonistin nachts durchs düstere Haus schleicht. "Murder, She Said" (Alternativtitel) gehört für mich zu den wenigen Filmen meines intensiven Cineasten-Hobbys, die ich als perfekt umgesetzt bezeichnen würde. Schwachpunkte lassen sich von mir nicht ausfindig machen. Jede Kameraeinstellung, jeglicher Dialog, jede darstellerische Leistung, und der Gesamteindruck des Werkes an sich, fühlen sich rund an, in einem kurzweilig und keineswegs geistlos ausgefallenen Film. Und selbstverständlich sorgt auch der geniale Soundtrack für das gewisse Feeling, das einen immer wieder zu Miss Marples ersten Kriminalfall zurückkehren lässt. Dabei ist es egal ob man den Streifen im Originalton oder in der deutschen Synchronfassung sichtet. Beide Versionen sind vorzüglich ausgefallen. Und wer den Kriminalfall einmal doch in der ursprünglich von Christie gedachten Fassung sehen möchte, der kann zu dem 1987 erschienenen "16 Uhr 50 ab Paddington" greifen.  OFDb

19.09.2013

MORD IM ORIENTEXPRESS (1974)

Was dem Sherlock Holmes sein Fall „Der Hund von Baskerville“ war, war in vergleichbarer Beliebtheit der „Mord im Orientexpress“ für Hercule Poirot, dem neben Miss Marple wohl bekanntesten Schnüfflercharakter aus der Feder von Agatha Christie. Während der Vergleichsstoff des Londoner Meisterdetektivs seine Beliebtheit auch in der Anzahl seiner Verfilmungen wiederspiegelt, so sieht es bei der Häufigkeit der Verfilmungen rund um den Orientexpress jedoch etwas spärlich aus. Doch ähnlich wie der vier Jahre später entstandene „Tod auf dem Nil“, mit Peter Ustinov in der Rolle Poirots, liest sich die bekannteste Verfilmung des Stoffes um den Mord im Zug dafür immens starbesetzt.

Neben Albert Finney als Poirot, tauchen, um nur ein paar Prominente genannt zu haben, Anthony Perkins, Ingrid Bergmann, Sean Connery und Michael York auf. Doch warum sich solch exzellente Darsteller um einen solch werkgetreuen Film scharren, ist unverständlich, darf doch keiner der verdächtigen Fahrgäste zu groß genug ins Zentrum rücken, und dient ein jeder doch nur als Stichwortgeber um später aus dem Gesamten zu einem Ergebnis zu kommen, typisch Poirot-Krimi am Ende aufgelöst über einen langen Monolog des Kriminalisten. Wegen der Stars braucht man also nicht wirklich einschalten, und das einzige was den an mancher Stelle etwas müde umgesetzten Film zu einem besonderen Erlebnis macht, ist die geglückte Darstellung Poirots durch Finney, wohl der Rettungsanker des Streifens schlechthin, ebenso wie die originelle Mörderauflösung, die einem als Nichtkenner des Romans deutlich erkennen lässt, warum „Mord im Orientexpress“ zu den beliebtesten Stoffen von Agatha Christie gehört.

Ob man diesen Roman mit Wechsel in ein anderes Medium nicht etwas anders hätte aufziehen können, eventuell mit größeren Veränderungen versehen wie bei den Miss Marple-Verfilmungen, die mit „16 Uhr 50 ab Paddington“ ihren Anfang nahmen, bleibt eine berechtigte Frage, wenn man einmal bedenkt wie mittelmäßig sich der an sich interessante Kriminalfall letztendlich schaut. Sidney Lumet konnte zur Entstehungszeit schon auf eine fast 30jährige Erfahrung als Regisseur zurückblicken, doch fielen die Arbeiten des guten Mannes qualitativ schon immer recht unterschiedlich aus, was z.B. einen Blick auf seinen sehr geglückten „Die 12 Geschworenen“ aus dem Jahr 1957 und seiner unterirdisch ausgefallenen Schwarzenversion von „Der Zauberer von Oz“ mit dem Titel „The Wiz“ deutlich macht.
 
Aber von schlechter Regie kann man hier nicht wirklich sprechen. Nein, es ist die Geschichte die trotz ruhiger, dialoglastiger Art zu gehetzt wirkt und seine Nebenfiguren zu stiefmütterlich behandelt, trotz ihrer Wichtigkeit und ihrem Einfluss für den Kriminalfall. Außerdem wirkt der Zusammenhang einiger personeller Hintergründe mit Unkenntnis der Auflösung zu zufällig, was sich wie eine Unglaubwürdigkeit des Drehbuchs schaut, bis man gegen Ende versteht warum dies nicht der Fall ist. Bei solch einer Zufälligkeit darf man als Zuschauer überrascht sein, die Auflösung nicht vorhergesehen zu haben. Ich habe es zumindest nicht, und letztendlich habe ich es den so oft auftretenden schlechten Drehbüchern von Großproduktionen zu verdanken, dass ich aufgrund dieser Zufälligkeit am Stoff zweifelte, anstatt in die richtige Richtung zu kombinieren.

Die Hin- und Hergerissenheit Poirots die Auflösung betreffend, bereichert den Streifen um ein wenig Tiefe, und mit ihr gibt die Printvorlage ein wenig Raffinesse an ihre Verfilmung ab, ein Pluspunkt den „Mord im Orientexpress“ dringend nötig hat, um nicht als zu mittelmäßig umgesetzt in den Köpfen der Zuschauer zurückzubleiben. Somit ist der Film im Gesamten trotz seiner Schwächen noch als gelungen genug ausgefallen, um sich mal zwei Stunden nett unterhalten zu lassen. Die Klasse eines „Tod auf dem Nil“ erreicht er jedoch nicht, und den Kultstatus eines „Geheimnis im blauen Schloss“ oder der 60er Jahre Miss Marple-Reihe erst recht nicht.  OFDb

09.02.2013

DIE MORDE DES HERRN ABC (1966)

In England eigentlich nur im Urlaub, untersucht Privatdetektiv Hercule Poirot eine Mordserie, in der die Opfer eine alphabetische Reihenfolge ergeben. Bisher gab es Tote mit den Initialen A.A und B.B., nun sucht der Profi nach C.C., um weitere Morde zu verhindern und in der Hoffnung den Mörder zu finden. Gern gesehen wird sein Treiben nicht, denn die Londoner Polizei tut alles daran Hercule zurück nach Belgien zu schicken...
 
2 von 26...
 
Das selbe Studio, das seinerzeit die vier glorreichen "Miss Marple"-Filme mit Margaret Rutherford produzierte, servierte dem Kinogänger nur wenige Jahre später die Verfilmung des wohl zweit bekanntesten Detektivs aus Agatha Christies Feder: Hercule Poirot. Mit „Die Morde des Herrn ABC“ habe ich meinen persönlich ersten Film mit diesem Charakter gesichtet (die Bücher kenne ich auch nicht), und ich muss sagen es war schwer die Figur des Poirot begreifen zu können ohne Vorkenntnisse.

Die Verantwortlichen schienen sich darauf zu verlassen, dass man die Figur ja kenne und schupst den Unwissenden orientierungslos ins Wasser. Da sichtet man ihn nun, den völlig unerwartet konfus handelnden Wichtigtuer, dessen Hilfe niemand will und den die Engländer aus dem Land vertreiben wollen. Poirot ist trickreich, oft auf die linke Art und ist somit kein reiner Sympathieträger wie die schrullige Miss Marple. 

Irgendwann fand ich mich einfach mit dieser unerwarteten Art und Weise Poirots ab, um mich konkreter dem Film widmen zu können. Dieser irritierte allerdings zusätzlich mit einer sofortigen angeblichen Mörderaufdeckung, die zwar dem Titel nicht gerecht wird, am Ende allerdings noch für eine Überraschung gut ist.

Ich weiß ja nicht ob es da Änderungen im Vergleich zum Roman gab, so dass der Titel im Buch mehr Sinn macht als hier, aber wie man liest war das alles nicht sehr hilfreich um der Verwirrung zu entkommen, die der Film in mir auslöste. Da ich zunächst ähnliches wie die Miss Marple-Filme erwartete, wurde ich zudem vom sehr albernen Humor überrumpelt, den ich in diesem Werk so gar nicht erwartet hatte.

Wo die Filme um die alte Lady noch humoruntermalte Krimis waren, ist „Die Morde des Herrn ABC“ eine krimiuntermalte Komödie. Seinen größten Klamaukanteil erntet das besagte Werk durch die Nebenfigur, die Poirot zur Seite steht, und die selbiger ewig versucht abzuschütteln. Gespielt wird dieser Mann von dem Schauspieler, der in „Der Wachsblumenstrauß“ den Leiter des Reithotels mimte. Zum Glück bescherte man ihm im Poirot-Film die selbe sympathische Synchronstimme, die ihre Wirkung auch in einer anders angelegten Rolle nicht verfehlt. Leider spielt der Darsteller selbst nicht mit der gleichen Würde wie seine Hotelmanager-Rolle, was das Drehbuch dieses Fast-Krimis ohnehin nicht zugelassen hätte. Somit agiert er blasser trotz mehr Präsenz.

Zu viel nicht funktionierende Komik, ein fast unsympathischer Held und die Art der Mörderauflösung selbst sorgen für eine nur mittelmäßige Unterhaltung. Der Mörder ist zu früh enttarnt, der Zusammenhang der einzelnen Morde wird zu früh erkannt (bereits nach B.B., dem zweiten Opfer), lediglich im finalen Bereich, als sich der Mordhintergrund als etwas anderes entpuppt, weiß der Kriminalgehalt der Geschichte zu überzeugen.

Es ist schade dass man sich zu sehr der Komik gewidmet hat. Diese hat durchaus ihre funktionierenden Szenen, selbst diese sind aber für diese Art Film für meinen Geschmack allerdings zu albern ausgefallen, und das schreibe ich als Freund alberner Komik. Eine direkte, gleich besetzte Fortsetzung scheint es nicht gegeben zu haben. Das lässt wohl vermuten, dass es nicht nur mir so ging und sich somit der Erfolg der "Miss Marple"-Filme nicht so ideenlos kopieren ließ, wie es die Produzenten gerne gehabt hätten.

Dafür ließ sich die Musik kopieren, sie klingt in den Untersuchungsszenen genauso wie in Vergleichszenen aus den Rutherford-Streifen. Ob es haargenau die selbe Musik oder nur eine angelehnte ist, konnte ich allerdings nicht heraushören. Wenigstens wurde das kultige Titellied der alten Lady nicht geklaut, zumindest nicht als Titellied.

In einem kurzen Gastauftritt im ersten Drittel, in dem sie übrigens bereits die Mörderauflösung verrät, bekommen wir Miss Marple präsentiert, untermalt von ihrem Song. Dieser wäre für den Witz gar nicht nötig gewesen, im Gegenteil, der an sich gute Gag wird damit etwas zu aufgedrückt präsentiert. Ein Paradebeispiel, viele Witze des Films schwächeln auf ähnliche Art.  OFDb

28.12.2012

DAS UNVOLLENDETE BILDNIS (2003)

Lucy, eine junge Frau, kontaktiert Meisterdetektiv Hercule Poirot, um ihn einen alten Fall neu aufrollen zu lassen. Vor 14 Jahren wurde Lucys Mutter am Strick hingerichtet, weil sie ihren Ehemann vergiftet haben soll. In einem Abschiedsbrief an Lucy beteuerte sie ihre Unschuld. Poirot macht sich auf mit jenen 5 Leuten zu reden, die sich während der Tatzeit auf dem ländlichen Anwesen aufgehalten haben, in dessen Nähe der Mord geschah...

Die Wahrheit ruht nicht...
 
Poirot macht seine Klientin von Anfang an darauf aufmerksam, dass am Ende ihre Mutter der Täter sein könnte. Auch ein Selbstmord wird nicht ausgeschlossen. Und somit wird das heitere Mörderraten bereichert, so dass 7 Varianten zur Auswahl stehen, Interessenvereinigungen nicht eingeschlossen. Der Zuschauer ist herzlichst eingeladen mitzuermitteln.

Auf Poirot-typische Art beginnen nun die Hintergründe, das Puzzle wird nach und nach eins, bleibt jedoch so unvollständig wie das Gemälde im Titel, bis es zur finalen Aufklärung kommt, die (ebenfalls Poirot-typisch) weit ausholt. Am Ende weiß man, dass man auch darauf hätte kommen können. Da wird nicht mit miesen Tricks gearbeitet, die den Zuschauer außen vor gelassen hätten. Regisseur Unwin bietet uns zwar kurz vor der Auflösung eine kleine homoerotische Überraschung, aber diese ist für die Aufklärung so unwichtig wie unnötig, ist sogar die einzige inhaltliche Schwäche dieses wundervollen Kriminalfalles.

David Suchet ist ein überzeugender Poirot, auch wenn sein Bart etwas zu künstlich wirkt. Er kann auf jeden Fall Peter Ustinov das Wasser reichen, der den Meisterdetektiv ebenfalls sehr überzeugend verkörpert hat. Suchet-Poirot-Krimis gibt es dank der TV-Herkunft so einige, dies war mein erster. Mit dementsprechend wenig Erwartung bin ich herangegangen, um derart angenehm überrascht zu werden.

Wenn die x-te Version der selben vergangenen Tage aufgewühlt wird, wird die Geschichte noch immer nicht langweilig. Im Gegenteil, unterschiedliche Wahrnehmungen, mögliche Lügen und andere Kontakte und Aufenthaltsorte bieten immer genauere Perspektiven zur Lüftung des Geheimnisses. Mein persönlicher Verdacht entpuppte sich als falsch, hämisch ausgelacht von Unwin, der es sich nicht verkneifen konnte, innerhalb der klärenden Worte Poirots eine Täuschung anzugehen, die in meine Verdachtsrichtung lenkte, um dann doch das Lenkrad herumzureißen und eine andere Wahrheit zu präsentieren. Und wie oben erwähnt: man hätte darauf kommen können. Wer ein guter Beobachter und ein guter Zuhörer ist, dem steht die Auflösung vor der Nase.
 
Verdächtig sind alle, wie typisch bei Agatha Christie. Im Gegensatz zu älteren Verfilmungen ihrer Romane sind die zu befragenden Personen in „Das unvollendete Bildnis“ jedoch nicht übertrieben schurkisch. Sie scheinen alle Dreck am Stecken zu haben, wirken jedoch real. Im Gegensatz zu den vier Miss Marple-Filmen mit Margaret Rutherford blitzt hier auch kein Humor auf, nicht einmal in der Rolle des Poirot selbst, der von Ustinov immer leicht witzig verkörpert wurde. Mag sein dass dies in anderen Teilen mit Suchet anders ist.

Unwin schafft es den Zuschauer an die Hand zu nehmen. Trotz der vielen Informationen, die er einen zuschmeißt verliert man nie den Überblick. Unwin weiß, dass der Zuschauer mitraten möchte, und er gibt ihm was er verlangt. Dabei werden inhaltlich keine Fehler gemacht. Die Geschichte bleibt pingeligst logisch, arbeitet sogar mit Vergessen und verschwommenen Erinnerungen, immerhin ist der Mordfall nun schon 14 Jahre her.

Krimi-Freunden sei „Das unvollendete Bildnis“ wärmstens ans Herz gelegt. Sein Spannungspotential baut er einzig auf dem Kniff des Mitratens auf. Am Ende hat man sich meist aber eh geirrt, sonst wäre ja jeder ein Meisterdetektiv.  OFDb

09.12.2012

DAS EULENHAUS (2004)

Hercule Poirot hat sich in der ländlichen Nähe von London ein kleines Ferienhaus gemietet, just wird er von der reichen Nachbarsfamilie Angkatell zum Essen eingeladen. Bereits am Tag darauf wird der Meisterdetektiv aus seiner Gemütlichkeit gerissen, da es innerhalb des nachbarschaftlichen Familienkreises zu einem Mord kam. Der untreue Jonathan Christow wurde ermordet, und am Tatort fand man seine Ehefrau Gerda mit der Waffe in der Hand. Poirot vermutet einen anderen Täter, und als bei polizeilichen Ermittlungen herauskommt, dass die Pistole in Gerdas Hand nicht die Tatwaffe war, scheint sich Hercules Verdacht zu bestätigen...

Und wieder kein Urlaub...
 
Es gehört zu den Ritualen bzw. zu den Running Gags der Kriminalfälle des berühmten Hercule Poirot, aus der Feder der Schriftstellerin Agatha Christie, dass der Meisterdetektiv häufig während seines Urlaubs zufällig auf Kriminalfälle stößt, die es zu lösen gibt. Da macht „Das Eulenhaus“ keine Ausnahme, ein Film, der nicht nur zum Kreis der Vielzahl an Poirot-Verfilmungen gehört, sondern Teil einer recht langen Poirot-Reihe ist, in welcher David Suchet den Kriminalisten mimt. Seine Routine sieht man ihm an. Suchet könnte diese Rolle im Schlaf spielen. Er weiß zu überzeugen, was man von seinem Bärtchen leider nicht behaupten kann, welches die Maske eher schlecht in seinem Gesicht platzierte.

Zu den Ritualen um die Geschichten Poirots gehört es auch, dass der Detektiv nach aufmerksamen Beobachtungen die Verdächtigen um sich versammelt, den Fall komplett rekonstruiert, um dann den Täter zu verraten. Doch genau von diesem wichtigen Bestandteil löst man sich bedauerlicher Weise in „The Hollow“, so der Titel des Teils im Original.

Das mag daran liegen, dass Poirot diesmal selbst auf der Stelle tritt, und mehr per Zufall auf des Rätsels Lösung stößt. Hierfür greift er auf einen psychologischen Aspekt zurück, und der ist doch sehr dünn, so dass man diesmal etwas enttäuscht zurück bleibt. Wo Poirot einem sonst die Lücken im eigenen Denken serviert, uns zeigt was wir beim Mörder mitraten übersehen oder vergessen haben, da gibt es dieses Mal am Schluss eine Täteraufdeckung, und der Mörder erklärt seine Beweggründe selbst. Da die Auflösung an sich auch noch recht unbefriedigend ist, und einige Rätsel aus den Ermittlungen nicht wieder aufgreift (was war für Poirot nun so rätselhaft am Bild der um die Leiche stehenden Verwandtschaft am Pool?), bleibt dieser Kriminalfall diesmal nur Routine.

Dass dies nicht an der Reihe selbst liegt, bewies mir jüngst der Film „Das unvollendete Bildnis“, der Freunden der Romane Christies und speziell jenen über Poirot das bot, was diese sehen wollten. Da „Das Eulenhaus“ keine eigene Geschichte war, sondern brav eine Romanvorlage nachkaute, mag der Fehler auch in diesem Bereich nicht zu finden sein. Das fehlende Eulenhaus aus dem Titel ist auch kein Grund für diese Enttäuschung, wobei es mich interessieren würde, ob es wenigstens in der Printmedie einen Zusammenhang zum Titel gibt.

Der Verdächtigenkreis ist diesmal gering. Zu viele Rollen fallen in den Hintergrund, manche lernt man gar nicht erst richtig kennen. Eine der bedeutensten Rollen, jene der Hauptverdächtigen Gerda, ist zudem störend charakterisiert, da sie die Naivität und Anhänglichkeit in Person ist. Etwas weniger Übertreibung hätte gut getan, und der psychologische Kniff, dass sie als Verdächtige bestehen bleibt, eben weil sie so naiv ist und sich mit der Tatwaffe am Pool erwischen lässt, hätte auch mit weniger Übertreibung in ihrem Charakter funktioniert.

Über die Schauspieler an sich kann man nicht meckern. Die wirken alle professionell, kleine wackelige Momente der Inszenierung werden vom Film selbst aufgefangen, wenn Poirot etwas augenzwinkernd darauf verweist, dass sich manches in diesem Fall wie ein Theaterstück gucke. Dieser Satz gehört zu den wenig humorvollen Momenten des Films, lediglich manche Mimik weiß einen gewissen Witz aufblitzen zu lassen.

Sieht man einmal von Poirots Bart ab, haben auch Maske und Requisite exzellente Arbeit geleistet. Auf schlichte Art schaffte man es eine vergangene Zeit wieder aufleben zu lassen, was auf dem Lande sicherlich einfacher zu bewältigen war als in den wenigen Szenen, die in der Stadt spielen.

Mühe und Herzblut war vorhanden. Der Wurm steckt in der Geschichte selbst, die nicht nur zu wenige Verdächtige serviert, sondern auch einen uninteressanten Täter in einer Poirot-ungewöhnlichen Auflösung, die diesmal nicht mit den Schwächen des Zuschauers zu spielen weiß. Was sich in der ersten Stunde wie ein weiterer gelungener Beitrag der Suchet-Poirotreihe schaut, entgleist im letzten Drittel mehr und mehr jener Qualität, die ich aus „Das unvollendete Bildnis“ kannte.  OFDb