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28.07.2019

MIMESIS - NIGHT OF THE LIVING DEAD (2011)

Mit Romeros berühmter Zombie-Trilogie ist so mancher Schindluder getrieben worden. Seinem Erstling "Die Nacht der lebenden Toten" wurde 1990 zumindest noch von Tom Savini mit "Night of the Living Dead" ein würdiges Farb-Remake gewidmet, welches sich schön kompatibel mit den andern beiden Originalen guckt. Die zweite Neuverfilmung "Night of the Living Dead 3D", die mittlerweile die Fortsetzung "Night of the Living Dead 3D 2 - Reanimation" beschert bekommen hat, fiel schon wesentlich flacher aus. Und über Ehranbietungen, wie einer eingefärbten Fassung, einer neu synchronisierten Spaßfassung und einem Fan-Projekt mit zusätzlichen neu gedrehten Szenen auf Amateurfilm-Niveau, sollte man besser den Mantel des Schweigens halten. Dem zweiten Teil "Zombie" wurde ein maues Remake beschert, allerdings war "Dawn of the Dead" sehr beliebt und löste neben "28 Days Later" die heute noch immer aktuelle zweite Zombiefilmwelle aus. Dem Schlussteil der Trilogie, "Zombie 2", wurden Filme als Pseudo-Fortsetzungen und Pseudo-Remakes angedichtet ("Day of the Dead - Contagium", "Day of the Dead", "Day of the Dead 3"), die lediglich alternative Zombiefilme waren und sich mit fehlendem nennenswert inhaltlichen Anschluss lediglich des Titels bedienten, anstatt an Romeros Vision direkt anzuknüpfen. Das traurige Finale dieser Aufzählung erschuf George A. Romero als Regisseur der Originale schließlich mit seinen kümmerlichen Fortsetzungen "Land of the Dead", "Diary of the Dead" und "Survival of the Dead" in den 00er Jahren selbst.

"Mimesis - Night of the Living Dead" will weder Remake, noch Neuinterpretation sein, er spielt innerhalb seiner Geschichte mit der Popularität von Romeros "Die Nacht der lebenden Toten", ein wenig vergleichbar wie es "Shadow of the Vampire" mit "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" tut. Allerdings war dieser eine detailreiche Hommage an das Original, das man zum perfekten Verständnis besser gesehen haben sollte, während man das Werk von "The Rain"-Regisseur Douglas Schulze derart konzipiert hat, dass man auch ohne Kenntnis des schwarzweiß abgedrehten Gruselfilmes ein ähnliches Erlebnis erfährt, wie der eingeweihte Zuschauer. Hier erleben wir nicht, wie im Vergleichsfilm, Situationen während der Entstehung des Kultfilmes, auf den man sich stützt, "Mimesis" (Originaltitel) thematisiert den Fan-Kult, der immer wieder auch von einem Nachahmungs-Kult betroffen ist, setzt also nur bei der Imitation des Originals an, etwas das er selbst ebenso darstellt. Allein dieser Irrwitz, das zu sein, was kritisch thematisiert wird, hätte ein raffiniertes Drehbuch verdient, "Mimesis - Play Dead" (Alternativtitel) ist jedoch ein schlicht ausgefallener Film, der mit einem arg durchschnittlichen und undurchdachten Plot versehen ist, der mit dem theoretisch reizvollem Aufhänger wenig bis gar nichts anzufangen weiß.

Wie seit "Cube" und "Saw" üblich, erwachen die kurz umrissenen Figuren am Tatort des Restgeschehens, hier speziell in einer Umgebung, die den Spielorten von Romeros Film nachempfunden sind. Gekleidet ist man in den Kostümen der Darsteller besagten Filmes. Aufgrund beißwütiger Attacken von umher schluffenden Leuten, ist man bereits von der Existenz von Zombies überzeugt, noch bevor unter den Protagonisten der Groschen gefallen ist, in einem Nachahmungsprojekt von "Die Nacht der lebenden Toten" geraten zu sein. Bereits hier blendet das Drehbuch Aspekte weg, wie die Körpertemperatur der Angreifer", denn freilich, wie könnte es bei diesem Plot anders sein, haben wir es nicht mit real existierenden Zombies zu tun (was der Film allein schon damit verrät, dass unsere "Zombies" hier durch mehrere Methoden wie Menschen sterben und nicht erst durch die Zerstörung des Gehirns), und das hätten die Filmfiguren an besagter Körpertemperatur schnell feststellen können, wenn schon schneller an Hokuspokus glaubend, als an das Naheliegende.

Stattdessen bekommen wir hier logischer Weise die einzige Alternative vorgesetzt, die noch bleibt: Psychopathen, die konsequent Zombies spielen. Den verspielten Umgang mit lebenden Toten kennen wir neben den klassischen Karnevals- und Halloweenkostümen alle mittlerweile spätestens durch die global stattfindenden Zombie Walks, ein Nachspielen sollte somit also auch erste Idee unserer Helden sein. Die glauben allerdings selbst dann noch an Zombies, wenn sie ihr Umfeld und ihre Rollen begriffen haben. Da unsere Psychopathen ihnen aber keine Aufgaben zukommen lassen und in allem nur auf den Zufall warten, verhält sich keiner der Betroffenen wie seine Filmfigur, weswegen das Treiben auch schnell die Parallelen des auf allen bauenden Zombieklassikers verlässt, abgesehen von einigen augenzwinkernden, zufällig stattfindenden Parallelen, welche die Begeisterung des Zuschauers aber ebenfalls nicht wirklich aufzupeppen weiß. Den Psychopathen ist es im Gegensatz zum Publikum, das mit diesem Aufhänger vor dem Bildschirm gelockt wurde, egal, und den Opfern ist ohnehin nichts davon bewusst, erinnert sich doch kaum wer an "Die Nacht der lebenden Toten", der im Hintergrund in alter "Scream"-Pflicht immer wieder im Fernsehen laufen darf.

Der erste Reiz ist somit schnell verflogen, kommt in der Deutschfassung, die ich aufgrund fehlender deutscher Untertitel auf der DVD mit meinen mangelnden Englischkenntnissen leider sichten musste, aber ohnehin kaum auf, ist das Ganze doch arg mittelmäßig synchronisiert. Zumindest passt das Niveau der Vertonung zur blassen Umsetzung, die sich bis zum letzten Drittel damit Zeit lässt einen nun hinter den ohnehin offensichtlichen Hintergrund einen Blick werfen zu lassen, und der ist so enttäuschend wie das restliche inkonsequente Angehen der ganzen Chose. Man soll sich zufrieden geben mit zwei gelangweilten Horroranimateuren, die warum auch immer in den Wahnsinn abgerutscht sind. Und die haben, noch unglaubwürdiger anmutend als der Rest, Helfer gefunden, die ebenfalls Lust darauf hatten mit metallenen Kunstschienen in Menschen zu beißen. Die Geschichte, wie sich eine solche Bande gefunden haben soll, wäre erzählenswerter gewesen als der eigentliche Plot, wird aber nicht einmal in Nebensätzen kommentiert.

Damit es unsere nicht gerade cleveren Helden einfacher haben, trägt jedes Mitglied des Projektes ein bestimmtes Amulett, damit man auch weiß wen man attackieren muss. Einzig um die Frau, welche die beiden Figuren zu Beginn des Streifens eingeladen hat, wird ein interessanter Spannungsbogen gestrickt, verdächtigt man sie doch von Anfang an (was den Verantwortlichen des Streifens allerdings nicht wirklich bewusst gewesen ist, so wenig wie sie bis zum entscheidenden Punkt damit arbeiten). Schon immer agiert sie als Fremdkörper zwischen den Entführten eher passiv, und da ist dann tatsächlich, wenn endlich thematisiert, nicht alles so wie vermutet. Allerdings beweist auch hier das Drehbuch keinen Einfallsreichtum, so dass die Wahrheit nicht aufregender ausgefallen ist, als die Vermutung. Große Überraschungen muss man in diesem routiniert abgespulten Handlungsverlauf ohnehin nicht erwarten (außer vielleicht, dass Sid Haig in einer Gastrolle zwei Mal auftaucht), und wenn schließlich jeder Psychopath erledigt ist, endet auch endlich "Zombie Dead Ground" (Alternativtitel), den man, wie sich unschwer heraus lesen lässt, wahrlich nicht gesehen haben muss - nicht als allgemeiner Zombie-Fan und erst recht nicht als Bewunderer der drei wundervollen Romero-Originale.  OFDb

08.02.2015

ZOMBEX - WALKING OF THE DEAD (2013)

Hin und wieder wird versucht billigsten Produktionen quantitativen Mehrwert zu bescheren indem man semi-bekannte, ehemals bekannte oder Genre-bekannte Persönlichkeiten in Gastauftritten einbaut. Jesse Dayton, der vier Jahre nach seinem Mitwirken in Rob Zombies „Halloween 2“ glaubte der Menschheit ebenfalls einen Horrorfilm bescheren zu müssen, hat sich für sein Debut „ZombeX“ Corey Feldman, Sid Haig, Malcolm McDowell und einen Lew Temple, der angeblich durch die Erfolgsserie „The Walking Dead“ berühmt wäre, eigentlich aber nur in acht Folgen mitgespielt hat, an Bord geholt, was sicherlich dafür gesorgt hat dass manch einer zur DVD gegriffen hat.

Aber wo ein „Zombie King“, der auf gleiche Art ein Publikum locken wollte (in diesem Falle mit Corey Feldman und Edward Furlong), gerade noch die Kurve kriegt um einem wenigstens ein Hauch Interesse herauszupressen, da scheitert „ZombeX“, der im deutschen im Zuge eben erwähnten TV-Serien-Erfolges in „ZombeX - Walking of the Dead“ umgetauft wurde, auf der ganzen Linie. Schon die ersten Bilder hinterlassen keinen guten Eindruck. Der Farbfilter wirkt sperrig, dunkel und trist, der Schnitt versucht all zu deutlich Unzulänglichkeiten in der Umsetzung zu kaschieren, was die zu langsam geratenen Actionmomente nicht weniger langsam inszeniert wirken lässt, und insgesamt wirkt doch alles arg uninspiriert und stümperhaft umgesetzt.

Immerhin reiht sich diesmal nicht die Deutschvertonung in die schlechten Botschaften die ich hier verkünden muss mit ein. Rein vom Klang her griff man diesmal nicht auf Porno-Synchro-Niveau zurück, eine Seltenheit bei solchen Billigst-Produktionen. Auch die Zombies können sich sehen lassen. Die hätten es eigentlich verdient in einem mittelmäßigen Film auftauchen zu dürfen, anstatt in einem dem Zuschauer Energie raubenden Schundprodukt, dem jeglicher Unterhaltungswert fehlt.

Wie zu erwarten hat die Geschichte selbst der immergleichen Zombie- und Infiziertenleier nichts Neues hinzuzufügen. In alter Sub-Genre-Tradition wird selbstverständlich Gesellschaftskritik mit eingebaut. „ZombeX“ konzentriert sich diesbezüglich hauptsächlich auf die Pharmaindustrie und dem unachtsamen Umgang der Amerikaner mit deren Produkten. Einen zusätzlichen Reiz beschert das dem müden Streifen in seiner unterhaltungsfeindlichen Umsetzung kein bisschen. Für kurze Momente weiß da schon eher das Aufkommen einer Männerfreundschaft zwischen Radiomoderator und Musiker den Zuschauer aus seiner Lethargie zu wecken, zumindest wenn man mit solch stillen Faktoren eines Filmes etwas anzufangen weiß - was bedeutet: dem durchschnittlichen Horror-Fan wird dies erst recht nicht über seine Enttäuschung hinweg helfen.

Um den Film damit in einen halbwegs erträglichen Bereich gekippt zu bekommen fehlt dieser Zutat die Konsequenz die Geschichte an ihr orientiert weiter zu erzählen. Dieser kurze Ausflug den oberflächlichen Figuren ein wenig Tiefgang bzw. handfesten Charakter zu bescheren wird nicht weiter ausgeführt und nach kurzem Aufflammen links liegen gelassen. Aber was soll‘s! Schade wäre dies nur in einem besseren Film gewesen, so aber bleibt „ZombeX“ das was er bereits zuvor war: ein Langeweiler, eine billig zusammengeschusterte Produktion für den DVD-Markt zu einem Sub-Genre, das ohnehin schon besagten Markt so sehr überflutet, dass es dem Zombieinteressierten bereits nicht mehr gelingt den Überblick für brauchbare Produktionen zu behalten. Im Vergleich zu „ZombeX“ bereiten selbst unangenehme Zombieerfahrungen wie „Terror Z“ mehr Vergnügen. Die hielten zumindest bis zum Schluss wach.  OFDb

10.08.2014

HATCHET 3 (2013)

Hatchet“ geht in die dritte Runde und es ist noch alles beim alten? Nein, nicht wirklich. Nicht nur dass hinter den Kulissen „Hatchet“-Erfinder und Regisseur der ersten beiden Teile Adam Green Regie-Neuling und Darsteller aus Teil 2 BJ McDonnell das Ruder überlässt und den Streifen selbst nur produzierte, auch an den Unterhaltungsschwerpunkten wurde ein wenig herumgeschraubt. Auch „Hatchet 3“ ist noch immer eine Horror-Komödie, aber der Humor kommt großteils unterschwellig daher und nicht mehr mit dem Holzhammer bearbeitet wie in den Vorgängern. Wer auf Gore und Gewalt steht muss nun jedoch nicht mehr bis zum letzten Drittel warten, Crowleys Greueltaten sind diesmal über den kompletten Film gut verteilt worden.

Wer jedoch hauptsächlich wegen des Blutgemetzels einschaltet sollte gewarnt sein, ist „Hatchet 3“ in der DVD-Veröffentlichung Deutschlands doch nicht nur heftigst geschnitten, sondern auch noch so schlecht dass man die Lücken ständig bemerkt. Hier ist jemand tot der es zuvor nicht war, dort bricht die Hintergrundmusik plötzlich ab. Die Sittenwächter haben mit dem Filmmaterial ein ähnliches Massaker angerichtet wie Victor Crowley im Film selbst, aber das ist für Freunde des Genres ja nur ein altes Stück traurige Geschichte Deutschlands, einem Land das keinen Zugang zu moderner Kunst zu haben scheint.

Durch den Mangel an wirklich lustigen Charakteren und spritzigen Dialogen, meiner Meinung nach die Haupttrümpfe der Vorgänger, schaut sich Teil 3 nicht mehr ganz so kurzweilig wie seine beiden Vorgänger, und auch eine teilweise recht lustlos betonte Synchronisation arbeitet zusätzlich kontraproduktiv gegen ein besseres Ergebnis an. Horror-Ikone Danielle Harris kommt trotz Erstnennung im Vorspann viel zu kurz und darf lange Zeit nur mürrisch vor sich her schimpfen, und Richtung Finale ärgern einige unglaubwürdige Verhaltensweisen, obwohl der restliche Streifen für einen Fun-Horrorfilm versucht seine Handlung relativ logisch zu halten und gerade unsinniges Verhalten auf irgendeine Weise zu rechtfertigen. Schade dass es solche Bemühungen nicht bis zur Ziellinie geschafft haben.

Insgesamt ist aber noch immer ein solides Werk für die Dauergäste im Horror-Genre entstanden, eines zu einer Reihe an die man ohnehin nicht größte Erwartungen hegt. Die „Hatchet“-Filme machen Spaß, nicht mehr und nicht weniger. Aber ähnlich wie die asiatische „The Call“-Reihe, so ist auch in dieser Trilogie bemerkbar wie sehr sich Teil 3 stilistisch von den Vorgängern unterscheidet, wohingegen „Hatchet 2“ eher wie ein Zwillingsbruder von Teil 1 wirkte.  OFDb

20.03.2013

NIGHT OF THE LIVING DEAD (2006)

Barbara ist mit ihrem Bruder auf einem Friedhof, als aus heiterem Himmel die Toten plötzlich beginnen wieder zu leben. Mit Hunger auf Menschenfleisch schlendern sie umher. Barbara gelingt es sich mit einigen Leuten in einem nahe gelegenen Haus zu verstecken. Doch die Menge der hungrigen Untoten vor der Tür wird immer größer...
 
3Dter Versuch...
 
Mit George A. Romeros „Die Nacht der lebenden Toten“ wurde ein Subgenre des Horrorfilms geboren, das noch immer beliebt und in aller Munde ist. Als Romero seine Fortsetzungen zu dem Streifen drehte, wollte der recht klassische Schwarzweiß-Film nicht wirklich zu den Nachfolgern passen. Deswegen war es 1990 eine gute Idee eine Neuverfilmung zu drehen. Spezialeffekt-Guru Tom Savini setzte sich auf den Regiestuhl und drehte Romeros Film, unter dessen Produktion, in Farbe, mit härteren Goreszenen und mit einer moderneren Heldin. Ansonsten klammerte sich Savini jedoch recht eng an das große Vorbild, und fertig war ein Film, der mehr eins mit der Komplettreihe war als das Original.

Über den Sinn von Neuverfilmungen wird man ewig streiten können. Letztendlich hatte bereits das erste Remake nur die oben genannte, recht wackelige Existenzberechtigung. Ich persönlich bin jedoch Freund von Fortsetzungen und Remakes und war sehr neugierig, wie wohl nun die dritte Version der auferstehenden Toten sein würde.

Nach 50 Prozent des Filmes war ich ein wenig verwirrt. Der Film genoss einen schlechten Ruf, und ich dachte mir: Was haben die Leute denn? Sicherlich sah man nicht die besten Schauspieler. Dafür aber einen Film, der sich nicht stur an das Original hielt, sondern versuchte mit ihm zu spielen. Deutlich wird dies bereits in der ersten Szene, in der aus der ersten Sequenz des Originals , eine Straßenaufnahme, durch Zurückzoomen eine Fernsehausstrahlung wird, die Kamera vom Fernseher wegschwenkt, um die selbe Straße zu zeigen, nur im Heute.

Neben solcher Spielereien ging auch die Story recht andere Wege. Barbaras Bruder stirbt nicht zu Beginn des Filmes, Ben ist kein Schwarzer, sondern ein jüngerer Weißer, der fast so aussieht wie Orlando Bloom, und Cooper ist zwar ein ruppiger Kerl, jedoch kein Arschloch, sondern ein besorgter Vater mit alternativem Lebensstil.

Dass in der Familie fast nur gekifft wird, und dass man sich Romeros Original im Fernsehen anschaut, ist eher plump zu nennen. Ersteres ist auf Dauer auch nervig. Aber „Night Of The Living Dead 3D“ guckte sich erfrischend anders und schaffte es sogar, trotz geringer Zombieattacken, eine gewisse Weltuntergangsstimmung zu erzeugen, immerhin ein Ergebnis, dass Romero nicht einmal mehr in seinem „Diary Of The Dead“ erreichte.

Was in Gottes Namen sollte also nun so schlimm an diesem Film sein? Man sollte halt nie zu früh Amen sagen, denn was in der zweiten Hälfte folgte, sollte nun alles niederreißen, was die erste Hälfte richtig gemacht hatte.

Eine bereits in der ersten Hälfte negativ wirkende Figur, die dort nur kurz auftauchte, wird in der zweiten Hälfte zu einer dominanten Rolle. Nicht nur dass die Figur enorm nervte, sie wurde von dem Schauspieler Sid Haig auch übertriebenst gespielt. Dass sein Gesicht das DVD-Cover schmückt, lässt sich nur durch seinen Bekanntheitsgrad im Horrorgenre erklären. Denn letztendlich ist es seine Figur, die den Film kaputt macht.

Nicht nur dass dieser Kasperle enorm nervt, er bietet nun auch noch einen Hintergrund der Ereignisse. Das ist an sich schon ein großer Fehler, weiß Romeros Film doch u.a. gerade deshalb zu gefallen, weil es über die Auferstehung der Toten nur Spekulationen gibt. Aber damit der Fehler nicht genug, der hier eingebrachte Grund ist derart unpassend, dass es erlaubt ist laut aufzuschreien. Eigentlich ist es mehr die Art des Einbringens als der Grund selbst, immerhin ist die Hintergrunderklärung des grandiosen „The Return Of The Living Dead“ eine ähnliche und dort gar nicht mal schlechte.

Von nun an stört es, dass die Zombies die zweite Geige spielen. Denn anstatt sich weiterhin auf realitätsorientierte zwischenmenschliche Situationen zu konzentrieren, wird „Night Of The Living Dead 3D“ zu einem comicartigen Hin und Her bekloppter Ereignisse, durch fadenscheinigste Gründe in die Story eingeflochten. Selbst wenn die Story kurzfristig einen „Blutgericht in Texas“-Touch beschert bekommt, kann man nicht von einer guten Idee sprechen. Die zweite Hälfte ist schlichtweg dem Untergang geweiht, so wie die Figuren des Filmes, die eher unspektakulär dahingerafft werden, was man emotionslos mitverfolgt, obwohl eine Identifizierung mit ihnen zuvor so wunderbar angegangen wurde – für einen B-Film.

Bei dem Wort unspektakulär kann ich auch gleich auf die Spezialeffekte zu sprechen kommen. Diese sind mittelmäßiger Natur. Das Haus in der Nacht wirkt z.B. recht gut, aber gleichzeitig auch zu billig. Die tolle Perspektive wird durch das Videobild eingedämmt. Die Zombies sehen immerhin gelungen aus, dafür darf man Goreszenen mit der Lupe suchen gehen. Kaum etwas wird gezeigt, manches wird nicht einmal kurz angedeutet und darf komplett im Off geschehen.

Das war in der ersten Filmhälfte kein Manko, obwohl das Zombie-Subgenre eigentlich von seiner Extreme lebt. In der zweiten misslungenen Filmhälfte hätte es aber nun wirklich mehr Blut geben dürfen. Das hätte den Bockmist vielleicht noch einen Hauch erträglicher gemacht.

Dass auf Video 3D zu 2D wird, dürfte klar sein. Ob der Film in 3D über die Enttäuschungen hinwegzutrösten weiß, wage ich anzuzweifeln, immerhin können Effekte, welcher Art auch immer, nur selten über inhaltliche Defizite hinwegtrösten. Die erste Hälfte ist einen Blick wert, einfach weil es nett zu schauen ist, wie alternativ die Geschichte angegangen wird. Aber was nutzt schon ein halber Film?  OFDb

18.01.2013

HOUSE OF THE DEAD 2 (2005)

Auf einer Universität gibt es ein Zombieproblem. Vor der Bombadierung soll ein Team Wissenschaftler mit Soldaten nach einem Zombie aus der ersten Phase suchen, da dessen Blut die Möglichkeit für ein Gegenmittel wäre...

Tot sein hält vom Lernen ab...
 
Hurra! Uwe Boll sitzt nicht mehr auf dem Regiestuhl. Mit Teil 1 hatte dieser etwas abgeliefert, was ich nie geglaubt hätte zu erleben: Eine Katastrophe in reinster Form, die in jeden Scheißhaufen tritt, in den man als Filmemacher in diesem Jahrzehnt treten kann. Nun führt Hurst Regie, und das im Zusammenhang mit dem Spielort Universität macht Hoffnung auf Besserung.

Ist die Eingangsszene in der Uni überstanden, in der ein überschätzter Sid Haig mal wieder überagierend negativ auffällt, geht es recht lustig weiter. Die erste Hauptfigur wird eingeführt, und dies mit im Actionfilm typischer Komik. Die Szene ist locker flockig, witzig und actionreich, ein guter Einstieg ins Geschehen.

Actionreich bleibt es auch bis zum Ende des Filmes, locker flockig ebenfalls, lediglich der Humor taucht nicht mehr in der nötigen Dosis auf, die „House Of The Dead 2“ in seiner Blödheit erträglich gemacht hätte. Was uns hier an inhaltlichen Logiklöchern präsentiert wird, ist echt nicht ohne und nur schwer zu übersehen – sehr schwer.

Das beginnt bereits damit, dass die Uni erst Wochen nach dem Vorfall von einem Anti Zombie-Kommando a la Zombie Squad aus „The Dead Next Door“ gestürmt wird. Ausgebreitet hat sich da nichts, obwohl der Zombievirus schnell zuschlägt. Zwar argumentiert man ähnlich wie in Romeros „Zombie“ damit, die Untoten orientierten sich am Verhalten zu Lebzeiten, aber hat denn nie ein Student die Uni verlassen?

Es lohnt jetzt nicht jeden Schwachfug aufzuzählen, aber einen gravierenden Fehler, der ständig auftaucht, möchte ich dann doch noch gerne loswerden. Es ist ein Virus mit dem man zum Zombie wird. Ein Biss und man wird selbst zu einem Menschenfresser. Müsste die Krankheit dann nicht auch über Blut und andere Körperflüssigkeiten übertragbar sein? Falls nicht hätte dies einer Erwähnung bedürft, doch stattdessen sehen wir Wissenschaftler und Soldaten (Erstgenannte schießen besser), die erst losballern wenn die Zombies ihnen nah an den Pelz rücken, so dass sie ewig Blut ins Gesicht kriegen. Ein Treffer in die Augen oder in mögliche offene Wunden wäre keine Seltenheit, als Gefahr wird dies jedoch nie gesehen. Es passiert auch nie. Immerhin taucht in diesem Gebiet auch eine gute Idee auf: Mücken sind nämlich auch nicht ohne.

Es ist schwer diese Dummheiten zu schlucken, auch wenn „House Of The Dead 2“ rasant und interessant erzählt ist und auch die Zombies ein wirklich tolles Make Up beschert bekommen haben. Es fehlt einfach an der nötigen Dosis Augenzwinkerei, die zu Beginn des Streifens einfach extremer vorhanden war, als in der letzten Stunde. Die Figuren strotzen nur so vor unangenehmer Klischees. Soldaten benehmen sich nicht wie Soldaten und sind noch dümmer als man meinen sollte, und auch die Wissenschaftler benehmen sich nicht wie ihresgleichen, und auch die Faschohaltung einer nicht vorhandenen Persönlichkeit, um eine Maschine für das höhere Ziel zu sein, ist wie so oft im modernen Kino integriert ohne kritisiert zu werden. Mehr Humor hätte diesen Unsinn erträglicher gemacht.

Mit viel Bier oder Wahlweise viel Geduld und Augen zudrücken kann Hursts Werk durchaus Spaß machen. Aber je weiter es Richtung Finale geht, um so dümmer wird der Streifen, ohne dabei als unfreiwillig komischer Trash zu gefallen. Dank der flotten und niemals langweiligen Umsetzung ist er aber immerhin routiniert unterhaltsam.  OFDb

11.11.2012

HALLOWEEN (2007)

Michael Myers wächst in einer asozialen Familie auf. Mit 10 Jahren dreht er durch und bringt den Stiefvater, die Stiefschwester und ihren Freund um. Er kommt in die Psychiatrie, die Mutter begeht Selbstmord, die jüngere Schwester wird adoptiert. Fünfzehn Jahre später gelingt Michael die Flucht aus der Anstalt. Nichts menschliches mehr in sich tragend lauert er seiner Schwester und ihren Freunden auf. Laurie, so ihr Name, ist ahnungslos, da sie damals noch ein Baby war und von ihrer Adoption nichts weiß...

Halloween Reloaded...
 
John Carpenters "Halloween" war schon immer mein Lieblingshorror, und da hört man das Wort Neuverfilmung natürlich nicht so gerne. Da ich mich mit den Fortsetzungen nicht so schwer tue wie manch anderer und alle Myers-Teile recht unterhaltsam fand, wundert diese Haltung vielleicht etwas, aber meine Alarmglocken bimmelten beim Namen Rob Zombies, konnte ich doch mit seinem "Haus der 1000 Leichen" wirklich gar nichts anfangen. Dass mich die Neugierde als alter „Halloween“-Fan dann doch nicht losgelassen hat, ist klar, und so verstrich dann auch gar nicht viel Zeit bis zur Sichtung. Und ja, beim direkten Vergleich fallen zwei Dinge besonders auf: Die Neuverfilmung ist wesentlich schwächer als das Original (was wohl kaum überrascht), und sie ist ein guter Film geworden (was dann doch überrascht).

Die erste Hälfte ist die bessere von beiden. Im Prinzip gibt es dort nur einen negativen Faktor, und das ist Michaels Vater. Dass Michaels Vergangenheit mit einer asozialen Familie erklärt wurde, und diese dann auch wirklich primitiv sein musste, ist schön und gut, aber der Vater ist für einen „Halloween“-Film einfach zu comichaft charakterisiert und unterbietet sogar das Niveau des bösen Vaters aus Teil 6. Ansonsten gibt es von meiner Seite aus dort nichts zu beklagen.

Der Junge, der den jungen Michael spielt, ist gut gecastet worden. Man kann sich gut vorstellen dass aus ihm mal der besagte Killer wird. Die Morde geschehen so gnadenlos, dass man sich unweigerlich fragt wie man diese Vorgänge einem kleinen Jungen beim Filmdreh erklärt. In Amerika ist das sicherlich noch einmal einfacher, so wie man dort mit Horrorfilmen groß wird, ein flaues Gefühl bleibt mir bei so etwas aber dennoch stets im Magen. Diesem geht es übrigens gut, obwohl das Remake wohl das blutigste Ergebnis sein dürfte, das die Reihe bisher hervorgebracht hat. Aber das ist typisch für die Horrorwerke dieser Zeit, im direkten Vergleich dennoch harmloser (man beachte nur einmal "The Hills Have Eyes" und den sehr mittelmäßigen „Texas Chainsawmassacre 2 – The Beginning“ mit ihren Bluttaten).

Dass Michaels erstes menschliches Opfer ausgerechnet am selben Tag sein Leben verliert, an dem Myers Mutter vom Schulpsychologen wachgerüttelt wird ist vielleicht etwas zu zufällig, aber wollen wir uns mal nicht an jeder Kleinigkeit aufhängen. Ein Remake ist stets dafür da Geld zu scheffeln, von Kunst reden wir hier also sowieso nicht.

Bedingt könnte man dies allerdings schon. So gibt es einiges an guten psychologischen Ideen, trotz mancher Brachialpunkte wie die übertriebene White Trash-Familie. Die lachende Clownsmaske ist eine dieser guten Ideen. Immer wenn sie dem Jungen heruntergerissen wird taucht dahinter die sehr ernste Mine einer traurigen, vertrockneten Kinderseele auf. Es ist sicherlich kein Zufall oder ein reines visuelles Spiel dass Michael diese Maske in einer bestimmten Szene auf dem Kopf hochgerückt positioniert sitzen hat. Die Mutter kommt nach Hause, Michael sitzt auf der Treppe und die Kamera fährt so nach oben, dass uns dort der Clown anlächelt.

Was von einigen Zuschauern nicht kapiert oder ignoriert wurde, wenn man Reviews zu diesem Film liest: aus Michael wird später der Killer wie wir ihn aus der Originalreihe kennen. Er wird ein seelenloses Objekt und kein menschlicher Massenmörder, wie oft zu lesen ist. Dies wird Schritt für Schritt in der Therapie gezeigt. Der Junge erinnert sich nicht mehr an die Morde, hin und wieder bricht die unheimliche Killermacht in ihm heraus, die so stark ist, dass er sogar seine Mutter attackiert. Und ab da wo er begreift dass er nie mehr aus der Anstalt heraus kommt, tritt die Seele Michaels zurück und lässt das Böse in ihm wüten. Wozu sollte ein kleiner Junge auch noch bleiben, wenn selbst seine eigene Mutter ihn nicht mehr besuchen kommt?

Michael verweigert das Sprechen und ist irgendwann, isoliert in der Psychiatrie, gar nicht mehr da. Das ominöse, in keinem „Halloween“-Teil je erklärte, Böse hat den Jungen nun komplett eingenommen. Und wenn man diesen Vorgang begriffen hat, ist die eben beschriebene Szene auf der Treppe um so wirkungsvoller. Die Clownsmaske hat in diesem Moment etwas von der Gesichtsbekleidung aus dem Jim Carrey-Film „Die Maske“. Dort war sie von einem Narrengott besessen.

Würde man diesen nun etwas bösartiger deuten, käme man der Wirkung dieser, uns aus der Vogelperspektive anlächelnden, Clownsmaske in "Halloween" nahe. Michael wirkt niedergeschlagen, kann seine eigene Tat wahrscheinlich selbst schon nicht mehr nachvollziehen. Das Nichttragen der Maske ist ein deutliches Zeichen, dass wir hier wieder Michael den Jungen und nicht Michael den Dämon sitzen haben. Aber die Maske lächelt uns von oben an. Das Böse sagt dem Zuschauer, dass es jetzt erst losgeht. Auch in den späteren Psychiatrieszenen setzt mit der Häufigkeit des nach außen tretenden Bösen auch die Häufigkeit des Maskentragen ein.

Allein dass er sich später auch als Junge im Normalzustand hinter einer Maske versteckt zeigt deutlich, dass das Böse in ihm sich im zweiten Schritt irgendwann sogar mit seiner kindlichen Seele vermischt. Zum Ende der ersten Hälfte ist der Junge fast komplett verschwunden, der dritte Schritt ist erreicht, das Monster lebt. Ebenso wie die böse Seite seiner Seele einst nur einen kleinen Platz einnahm, so ist nun das Gute in ihm kaum mehr vorhanden. Aber es ist, wie eine spätere Szene zeigen wird. Das mag nicht konsequent genug klingen, aber nur so macht die Suche nach seiner Schwester viele Jahre später Sinn, die ja immerhin zum Haupteckpfeiler der zweiten Filmhälfte wird.

In dieser erleben wir wie Myers aus der Psychiatrie flieht (ohne eine in der Kinofassung zum Glück nicht eingebrachten, peinlich provokativen Vergewaltigungsszene, die völlig unpassend im Director’s Cut auftaucht) und nun seine Schwester sucht. Im Grunde passiert nun das selbe wie im Original, mit der Ausnahme dass Laurie Michaels Schwester ist. In der Originalreihe war sie nur eine Babysitterin, die erst mit Teil 2 zu Michaels Schwester wurde, um der ganzen Geschichte eine neue Mystik zu geben. Das hat Zombie dann auch zum Glück kapiert, leben doch all die Fortsetzungen von Michaels undurchsichtigen Antrieb seine Familie zu lynchen. Mit dem Element der Schwester hätten wir dann aber auch das einzige was Zombie aus den Fortsetzungen übernimmt. Der Rest orientiert sich am Original.

In der Neuverfilmung mag der Drang seine noch lebenden Verwandten zu suchen nun nicht so mystisch wirken wie in der sonstigen „Halloween“-Reihe, sieht Michael in seiner Schwester doch hier das einzig gute, das ihm je wiederfahren ist. Aber Zombie denkt zwei Schritte im Voraus. Vom letzten Hauch Gutem in Michael gelenkt, arbeitet er sich zu Laurie vor (eliminiert nebenbei alle menschlichen Störelemente, welche die Zweisamkeit mit seinem Schwesterchen später stören könnten) und wird nun ein letztes Mal bitter enttäuscht.

Unwissend reagiert Laurie wie es ein solches Opfer (zumindest in Filmen) tut. Mit der daraus resultierenden Enttäuschung stirbt in Michael nun komplett der Junge ab, zurück bleibt nur noch das unmenschliche Schattenwesen, der vierte und letzte Schritt in Michaels Metamorphose ist beendet. Der Junge wird nie mehr zurückkehren. Und nun haben wir die nötige Mystik für Fortsetzungen. So oft wie hier auf Michael geschossen wird, können wir auch im Remake nicht von einem Menschen sprechen. Die Geheimnisse um das Böse in Michael waren immer nötig, um der Reihe den nötigen Pfiff zu geben. Das Remake erklärt nur wie die Seele aus Michael verschwand, nicht aber durch was sie ersetzt wurde. Und nur wenn man dies erkannt hat, sieht man auch, dass Zombie gerade auch dieses Gesetz der Reihe als bekennender Fan respektiert, und nicht (wie oft zu lesen ist) ignoriert, um aus Michael einen menschlichen Killer zu machen.

So mystisch die Figur des Myers ist, so schwachsinnig ist die von Zombie gewählte Erscheinung dessen im Erwachsenenalter. Michael machte mir in der Jugend nicht den Eindruck eines nach Krafttraining lechzenden Jungen. Das Böse in ihm zeigt sich durch Schweigen und Geduld. Wie zum Teufel konnte aus dem schmächtigen Bübchen, angetrieben vom Bösen, so ein Klotz von Mann a la Jason werden? Das ist fehl am Platz und widerspricht seiner im Gefängnis gelebten Art. Der schmächtige Michael aus den anderen Filmen hatte mehr Wirkung und war auch logischer.

Doch so fehlbesetzt der erwachsene Myers auch ist, eine andere Rolle überrascht dafür um so mehr: Malcom McDowell spielt den Dr. Loomis hervorragend. Das mag andere „Halloween“-Fans sicherlich schocken, aber ich empfinde ihn als den besseren Loomis-Darsteller, und das obwohl ich Donald Pleasance in den Originalfilmen ebenfalls sehr gut gecastet fand. Aber rein optisch wirkt der neue Doktor mehr. Leider wird in der Neuverfilmung nicht ganz so deutlich wie sehr Loomis Michael mystifiziert. Das klingt nur kurz an, wirkt aber weniger überzeugend und weniger fanatisch. Hätte man hieran mehr gearbeitet, wäre vielleicht manch anderem ein Licht aufgegangen, was das Übernatürliche in Michael betrifft, das von vielen übersehen wurde.

Der restliche Cast ist o.k. zu nennen. Keiner fällt weder sonderlich positiv noch negativ auf. Udo Kiers Rolle hätte man sich komplett schenken können (wozu immer das krampfhafte Einbringen von Stars?) und die Rolle der Laurie Strode wurde interessant modernisiert. Sie ist nun nicht mehr das extreme Mauerblümchen, aber sie ist auch nicht zum Dummchen mutiert. Clever und taff ist eine seltene Kombination im klischeebeladenen Amerika-Popkorn-Kino, schön dass die Rolle der Laurie hier anders tickt.

Dass man mit Laurie nicht so mitfiebert wie mit jener aus der ersten Verfilmung liegt nicht an der Besetzung. Die Schuld hierfür trifft Zombie. Der gibt uns Michael in der ersten Hälfte als Identifikationsfigur, erzählt in der zweiten Hälfte den Film jedoch sehr nah am Original und vergisst dabei aber, dass Laurie nun nur schwer beim Zuschauer als Identifikation dienen kann. Sie ist einem fremd, ihr Verfolger ist uns hingegen vertraut. Dieser wird allerdings nun eingebracht wie im Original: als Schattenwesen, immer nur mal kurz auftauchend um im Finale wieder länger präsent zu sein.

Durch diese Erzählweise identifiziert man sich mit Michael in der zweiten Hälfte kaum noch, bzw. gar nicht mehr. Das ist schade. Gerade den Ansatz die Geschehnisse des Originals nun aus Michaels Sicht zu erleben, hätte ich für sehr reizvoll gehalten. Was bleibt ist eine zweite Hälfte ohne Identifikationsfigur. Das funktioniert, aber sicherlich nicht bei jedem Zuschauer. Die einzige wichtige Rolle, die uns in beiden Filmhälften vom gleichen Schauspieler gespielt begegnet, ist die des Dr. Loomis. Loomis kommt allerdings zu selten vor, als dass nun er als Identifikationsfigur fungieren könnte. Aber ich denke mal das hätte eh kaum wer gewollt.

Dass Zombie in der zweiten Hälfte Carpenters Original sehr häufig in Wort und Bild zitiert wird oft kritisiert, eben wegen der sehr originellen ersten Hälfte. Ich finde es allerdings o.k. Würde Zombie dies nicht machen, würde man von einer Neuverfilmung nur noch etwas in der Namensgebung merken. Letzten Endes war, ähnlich der "Freitag der 13."-Reihe, jede Fortsetzung ein Fastremake. Die Geschichten dort waren Magerkost. Aus der Schwester wurde die Nichte (deren Darstellerin hier eine Nebenrolle mit Oben-ohne-Auftritt hat) und später wurde aus der Verfolgten deren Tochter. Ansonsten war alles beim alten.

Würde Zombie nun nicht des öfteren kopieren, könnte man fast sagen man hätte es mit einem Teil 9 zu tun, der uns nur zusätzlich in der ersten Hälfte in Myers Vergangenheit schnuppern lässt. So wird das Remake-Anliegen nun Fakt, und man darf beobachten was Zombie verstanden und nicht verstanden hat.

Was mir fehlte war das klassische "der todgeglaubte Myers steht kerzengerade auf". An anderer Stelle zeigt Zombie, dass er die Worte Loomis' begriffen hat. Myers kennt keinen Unterschied zwischen Gut und Böse. Und so guckt er das von ihm an die Wand mit einem Messer fest getackerte Opfer, genau wie im Original, mit einem schräg positionierten Gesicht, sachlich an, ohne darin etwas (ehemals) Lebendiges zu sehen. Kopieren heißt nicht kapieren, aber Zombie zeigt ähnliches zuvor in der Kindheit, in welcher der junge Mörder nach einer seiner Bluttaten durch die Blutpfütze schlendert, ohne diese als solche wahrzunehmen. Das sind, ähnlich der Clownsmaskenszene, Bereiche, in denen die Psychologie stimmt.

Zum Schluss bleibt mir noch zu sagen, dass die Maske hier herrlich dreckig wirkt (zum Glück wurde diese nicht gegen eine andere Maske eingetauscht). Michael hat durch sie eine besonders düstere Wirkung. Mit einem schmaleren Darsteller hätte man diese ohnehin schon intensive Wirkung noch verstärken können. Im groben wurde aber zumindest das meiste richtig gemacht. Die Psychologie des Killers Myers wurde beibehalten (Heiligtum Haus, nur zweckdienlich morden, ...), es wurden neue interessante Dinge eingebracht, altes gewürdigt, und man durfte einen spannenden Film sehen.  OFDb