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02.03.2025

MAXXXINE (2024)

Maxine ist in den 80er Jahren eine erfolgreiche Pornodarstellerin, die sich jüngst eine Hauptrolle in einem Horrorfilm ergattern konnte. Mit einem Mal gerät sie ins Visier eines Serienkillers, der schon seit einiger Zeit Hollywood unsicher macht...

Vom Lustschrei zum Angstschrei wechseln...

"MaXXXine" bildet den Abschluss der mit "X" begonnenen und noch im selben Jahr mit "Pearl" fortgesetzten Trilogie, von welchen der dritte Teil den mit Abstand geringsten Unterhaltungswert besitzt, wirkt die Geschichte doch arg austauschbar, in eher belanglosen Punkten verbunden mit dem Rest. Ursprünglich hätte ich gedacht, zu erleben, wie es mit Maxine weiter geht, wäre interessanter als Pearls Vorgeschichte zu erfahren, da man weiß wie die Person endet. Das Gegenteil ist der Fall, und alles was uns als Verbindungspunkt zur Restreihe bleibt sind weiterhin zu direkt gesetzte Parallelen zwischen den beiden von Mia Goth verkörperten Figuren, kurze Erwähnungen der Vergangenheit, die Weiterentwicklung der zur Industrie gewordenen Pornobranche und die Wiederkehr einer Person, von der wir aufgrund der Abschluss-Pointe in "X" wussten, dass sie noch von Wichtigkeit werden wird. Allein deswegen macht die Art, wie sie eingebracht wird, psychologisch wenig Sinn und wird in ihrer zugedachten Position geradezu erwartet, anstatt als Überraschungsmoment zu dienen. 

Dadurch dass Ti West der Spannungsbogen diesmal so gut wie gar nicht interessiert, ist das Spiel mit dieser Figur, ob nun in ihrer Rolle erwartet oder nicht, umso uninteressanter, so dass spätestens im Finale, das keinerlei reizvolle psychologische Spielereien mit der erkannten Situation aufweist, das lose Gerüst, das "MaXXXine" inhaltlich darstellt, erfolglos zusammenstürzt. Schnelle Tode, uninspirierte Rache, idiotische Hintergründe, das alles besitzt nicht mehr die Klasse und das Niveau der beiden Vorgänger, die außerdem im dramaturgischen Bereich weit tiefer gingen. Klar, Maxines Welt soll oberflächlicher Natur sein, und das Kino der 80er Jahre war auch diesbezüglich schlichter gestrickt als jenes der eher um Kunst bemühten 70er Jahre, aber ironisch umgesetzt wirkt der Streifen mit seiner frei gewählten Oberflächlichkeit nur im Ansatz, es hebt sich daraus keine Klasse hervor, weder durch Parodie, Zitat oder Ehrfurcht dieser Filmdekade. Das Spiel mit Szenen, die wie in den 80ern inszeniert scheinen (meist durch die damals beliebten Blau- und Rot-Einsätze), liefern nicht halbwegs solch beeindruckende Bilder ab wie das gekonnte Wiederbeleben der 70er im Erstling, sowie das Spiel mit klassischem Kino in dessen Prequel. Mia Goth, die diesmal nicht nur als Executive Producer unter den Finanzgebern genannt wird, weiß weit weniger zu wirken, als in ihren anderen mir bekannten Filmen, weiß ihre Rolle aber überzeugend auszufüllen. Es ist das von Ti West verfasste Drehbuch, das derart zu enttäuschen weiß und einem hübsch abgefilmte Momente und einzelne Szenen mit mehr Kaliber egal sein lassen. Letztgenannte besitzt "MaXXXine" aber ohnehin kaum.  Wiki

22.02.2025

PANDORUM (2009)

Da ein Leben auf der Erde bald nicht mehr möglich ist, startet die Elysium, um einen weit entfernten, erdähnlichen Planeten anzusteuern, um diesen zu besiedeln. Als Bower aus dem Kälteschlaf mit nur wenig Erinnerungen erwacht, ist nichts wie geplant. Die Schicht, die er ersetzen soll, taucht nicht auf, das Raumschiff ist fast leer, und die einzig weitere Person namens Payton erinnert sich ebenfalls nur bedingt. Schnell stellt sich heraus, dass man an Bord nicht alleine ist. Eine gefährliche Spezies hat fast alles Leben ausgelöscht...

Bitteres Erwachen...

Eine fehlgeschlagene Mission, Menschenfresser und eine über allem schwebende, mögliche Erkrankung, genannt Pandorum, die den Geist von Weltraumreisenden verwirren kann, bilden die Grundlagen der Geschichte. Welcher Wahrnehmung kann man also vertrauen? Und welchem Menschen? Ist überhaupt wer betroffen? Das ist nicht die größte Sorge, geht es doch allein wegen der gefährlichen Aggressoren ums nackte Überleben. Und spätestens in der Phase, in der man erfährt, wie lange die Zustände auf der Elysium bereits herrschen, befindet man sich in einem faszinierende Szenario, das vielleicht nicht die innovativste Geschichte präsentiert, aber einen wunderbaren Mix verschiedener Ideen aus Film und Literatur des Genres Science Fiction. Überraschungen liefert "Pandorum" bis zum Schluss, seine packende, temporeiche Geschichte (nach einem ruhigen Beginn) wird von passend besetzten Darstellern getragen, und auch das Setting kann sich sehen lassen. Zum Geheim-Tipp wird der sich nett anschauende Mix aus Horror, Thriller und besagter Science Fiction jedoch nicht, da er sich phasenweise doch etwas zu gewöhnlich guckt, bzw. mit zu reißerischen Elementen etwas arg versucht das Massenpublikum zu begeistern. Was an psychologischen Spielereien mit Täuschung und der besagten Weltraumkrankheit zu funktionieren weiß, ist im zwischenmenschlichen Sinne nicht immer überzeugend ausgefallen. Besonders schwach fällt die Annäherung von Bower mit jener Frau aus, die schon einige Zeit unter den üblen Bedingungen überlebt hat und selbstverständlich niemandem vertraut. Bis die beiden zueinander finden und wie dies vonstatten geht, gehört zu den unglaubwürdigen Momenten des an sich professionell umgesetzten Filmes, dem genügend Geld zur Verfügung stand, um uns optisch gekonnt zu unterhalten. Die Wahrheiten, die sich am Ende offenbaren, der Pessimismus der innerhalb der düsteren Umsetzung lange Zeit dominiert, und die "jeder ist sich selbst überlassen"-Nummer, die an einem Ort herrscht, der für Fortschritt stand, während sich die Menschheit stattdessen zurück entwickelt hat, machen aus "Pandorum" trotz seiner Schönheitsfehler die angenehme und interessant erzählte Art Mainstream-Kino. Christian Alvarts Regiearbeit wird damit zum idealen Mix, der beide Arten Kinogänger glücklich machen kann.  Wiki

15.02.2025

CIVIL WAR (2024)

Ein Reporter-Team fährt mit dem Auto durch eine sich im Bürgerkrieg befindende USA, um pünktlich am Weißen Haus zu sein, wenn der Präsident gestürzt wird...

Weniger vereint...

Wenn man streng ist, kann man sagen, dass "Civil War" eigentlich für jene US-Amerikaner gedacht ist, denen es nie in den Sinn kommen würde, dass ihr eigener Wohlfühlort auch einmal zum Kriegsschauplatz werden könnte. Dann wird er geschockt sein, wenn Szenarien, die er ansonsten aus den Nachrichten und Dokus, sowie aus Kriegsfilmen kennt, mit einem Mal an ihm bekannten Schauplätzen innerhalb seines eigenen Landes stattfinden. Der nicht derart träumende Part des Publikums staunt lediglich über die realistischen Bilder an diesen ihm auf andere Art bekannten Orten, die Regisseur Alex Garland zum Leben erweckt. Zwar hatte ich ein etwas politischeres Szenario erwartet, die Hintergründe lässt man offen, lediglich kurze Rand-Dialoge deuten an was das Land spaltet, aber die an sich dünne Geschichte um ein Reporter-Team, das durch diese zerstörte Kultur fährt, weiß zu packen, zumal sie uns Protagonisten vor die Nase setzt, die recht kühl mit der Situation umgehen. Kritik am Beruf Reporter wird deutlich, der sich für neutral hält und deshalb glaubt sich in etwas Unnatürliches verwandeln zu müssen, während er auf reißerische, medienwirksame Bilder hofft, die er als Betroffenheitsmaterial verkaufen kann. 

Kritik an der Propaganda des vierten Standbeines der Freiheit bezüglich von Journalismus wird nicht geäußert, schade, dann würde "Civil War" in Zeiten, in denen Trump das Land spaltet und zur Filmidee führte, nicht nur Mainstream-Gedanken verarbeiten. Für einen packend erzählten Film reicht aber auch das aus, getragen von einer herrlich unterkühlt spielenden Kirsten Dunst, die diesen Zustand immer nur angedeutet verlässt, so dass subtil auch ihr innerer Kampf Teil der Erzählung wird. Einer ihrer Begleiter ist eine junge Frau, die Neuling im journalistischem Beruf ist und in diesen traurigen Zeiten Erfahrungen sammelt. Das was sie von ihren unfreiwilligen Mentoren lernt ist dabei oft schockierender, als das Kriegsszenario selbst. Mit seinen relativ offen bleibenden Hintergründen bleibt der Streifen halbwegs unparteiisch, der Präsident der Vereinigten Staaten gegen Ende besitzt aber doch etwas zu viele Parallelen zu Trump, als dass man die Haltung des Filmes tatsächlich komplett als neutral bezeichnen könnte. Insgesamt wäre deutlich mehr möglich gewesen, dennoch empfinde ich das Ergebnis als überdurchschnittlich aufgrund seiner dokumentatorisch anmutenden Art, der Kühle, die der Beruf des Journalisten, gelebt auf diese Art, offenbart, sowie jene, die sich über den kompletten Film hüllt, schockt es doch, dass er weit weniger emotional ausgefallen ist, als man bei einer Großproduktion zu diesem Thema aus diesem Land meinen sollte. Umso stärker wirken die tatsächlich aufwühlenden, persönlichen Szenen der wichtigsten Figuren.  Wiki

KINDER DES TODES (1980)

Nachdem ein Schulbus durch eine radioaktive Wolke fährt, verwandeln sich die darin sitzenden Kinder in gefährliche Wesen, die allein mit der Berührung ihrer Hände Menschen einen qualvollen Tod bescheren...

Sie sind verdammt...

Schlicht abgefilmt und preiswert umgesetzt besitzt "The Children" (Originaltitel) gerade durch sein unperfektes Erscheinungsbild einen gewissen Charme. Die hanebüchene Geschichte wird mit einem Ernst präsentiert, der allein deswegen Fehl am Platz scheint, weil die Kinderdarsteller, die eher mit den Verantwortlichen des Streifens verwandt sind, anstatt um Schauspiel bemühte Jungdarsteller, stets grinsen müssen, wenn sie in den "unheimlichen" Szenen auf die Erwachsenen stoßen. Aber auch dies beschert "Kinder des Todes" das gewisse Etwas, denn die Wesen wirken damit unnatürlich verspielt. Dass sie mit ihren vernichtenden Händen keine Opfer sind, die keine Umarmung mehr erfahren können (was ebenfalls eine reizvolle Filmidee wäre), sondern mörderisch umher streifen, so als seien sie mit ihrem Drang jeden umarmen und berühren zu wollen ferngelenkt, wird so wenig erklärt, wie ihre zunächst unzerstörbare Existenz. Zurecht zitiert Regisseur Max Kalmanowicz, der laut OFDb vier Jahre später nur noch die Fantasy-Romanze "Odyssee im Alptraum" folgen ließ, im letzten Drittel "Die Nacht der lebenden Toten", wirken die Kleinen doch wie nicht ernstzunehmende Verwandte dieses Kultfilmes, wenn sie weiter wandeln, obwohl auf sie geschossen wird. 

Dass es etwas dauert, bis die Protagonisten bereit sind die Gefahr zu erkennen, zu akzeptieren und schließlich gegen die kleinen Biester vorzugehen, liegt in der Natur des Menschen, wie es durchdachter bereits in "Ein Kind zu töten" thematisiert war. Da "The Children of Death" (Alternativtitel) ansonsten psychologisch völlig unreflektiert erzählt ist (herrlich wie einer Frau ein natürliches Beschützen ihrer Kinder vorgeworfen wird, nachdem sie als Partner der gefährlichen Situation nicht ernst genug genommen wurde, um sie über die übernatürlichen Umstände zu informieren), erkennt man hieran den natürlichen Bezug zu dieser Hemmnis, die man im einfach gestrickten Horrorbeitrag heutiger Zeiten gar nicht mehr bedenken würde. So sympathisch das Ganze auch umgesetzt ist und so schön sich der schlichte Effekt der Hautverätzung der Opfer auch gucken mag, gerade in Kombination mit den nicht ernst bleibenden Kinderdarstellern, "The Children of Ravensback" (Alternativtitel) wäre eher für eine Kurzgeschichte in der "Twilight Zone" geeignet gewesen, anstatt für einen 88-Minüter, so zäh wie er sich im Mittelteil guckt, der letztendlich nur das bis dahin bekannte Szenario bei gleichem gemütlichen Erzähltempo in die Länge zieht, bevor es im Finale etwas flotter werden darf. Freilich bleiben auch im letzten Drittel Story und Darsteller unbeholfen. Und die Art sich der Angreifer zu entledigen erweist sich als ebenso bescheuert innovativ, wie seinerzeit in "Die Schreckensmacht der Zombies", wird an dieser Stelle also auch nicht verraten.  OFDb

03.02.2025

GHOUL (2012)

Drei befreundete Kinder haben sich ein unterirdisches Versteck auf dem Friedhof gebaut. Sie brechen zu weiter drunter liegenden Gängen durch, die wer anders gegraben hat, oder etwas anderes...

Der Schwur des Alkoholikers...

Den Verantwortlichen von "Ghoul - Das Geheimnis des Friedhofmonsters" (Alternativtitel) schwebte ein Horrorfilm im Geiste eines "Stand By Me" vor, so wie man ihn mit "Monster Busters", bis zu einem gewissen Grad auch mit "Die Goonies" in den 80er Jahren ablieferte. Doch den zu braven Touch dieser Werke ließ man fallen, um auch unangenehme Bereiche unserer Gesellschaft, wie Kindesmissbrauch, einbringen zu können, so dass der Streifen bitterer ausfällt. Damit rückt er im Dramenbereich dem sehr geglückten "Summer of 84" näher, dessen Größe er jedoch nie erreicht bekommt, so unentschlossen wie er trotz seines erwachsenen Anliegens dann doch zwischen arg kindlichen Momenten und der harten Realität unkompatibel hin und her pendelt. "Ghoul" ist ein Film einzelner Versatzstücke, die man aufgrund fehlender Empathie nicht zu einem Ganzen vereint bekommt. Das psychologische Verständnis fehlt, das Herz zu den Figuren ebenso und leider auch das fachmännische Vermögen einen Film professionell fertig zu stellen. 

Das Ergebnis wirkt nicht nur lückenhaft, da krampfhaft zusammengeschustert, es mutet amateurhaft an, ohne dem Bereich des Amateurfilms zu entstammen. Doch der entscheidende Fehler liegt salopp gesagt darin, dass es dem Streifen am nötigen Charme fehlt, der für die Vergleichsfilme so elementar wichtig war. In einzelnen Momenten können wir eine Bindung zu den jungen Figuren aufbauen, doch dies nie all zu intensiv und nie von Dauer. Und so wird aus der reizvollen Grundidee, die in einer nicht minder interessanten Auflösung mündet, ein zu lieblos umgesetztes Stück Filmgerüst, dem man ansieht was es hätte werden können, wenn andere Produzenten hinter dem Projekt gestanden hätten, denn Regisseur Wilson hat zumindest den von mir noch nicht gesichteten "Jack Ketchum's Evil" abgeliefert, der allgemein ein recht ordentliches Feedback im Internet erhielt. Ob man aufgrund dessen Thematik unbedingt auch hier so harte Schicksalsschläge von Kindern integrieren wollte? Wie auch immer, die düstere Grundatmosphäre, der Wunsch der Lösung des Rätsels beizuwohnen und die Faszination der unpassenden Sprünge zwischen kindgerechten Momenten und ungeschönt bitteren Dramenthemen, machen den eigentlich missglückten TV-Film "Ghoul" zumindest interessant genug, um ihn nicht voreilig auszuschalten.  OFDb

02.02.2025

THE VVITCH - A NEW-ENGLAND FOLKTALE (2015)

Eine streng christliche Familie verlässt das Dorf, in dem sie bislang wohnte, aufgrund von Differenzen im Glauben. An einem Waldrand lässt man sich hoffnungsvoll nieder, doch schon wenige Jahre nach der Ankunft ist die Ernte vertrocknet und das Geld knapp. Als das Neugeborene spurlos verschwindet, macht man einen Wolf dafür verantwortlich. Doch als das Unglück der Familie kein Ende nehmen will, scheint eher eine Hexe für all das Übel verantwortlich zu sein...

Lüge Apfel...

Ebenso wie in seinem Nachfolgefilm "Der Leuchtturm", so ist auch "The VVitch - Eine Volkssage aus Neuengland" von "Nosferatu"-Regisseur Robert Eggers nah an der Lebenswelt seiner Protagonisten angelehnt. Hier wird gesprochen wie einst, gelebt wie einst, geglaubt wie einst. Und während dieser Pluspunkt die "Shining"-Variante eines Leuchtturms nicht retten konnte, da das thematisierte Mysterium zu gewollt daher kam, da besitzt der auf Märchen und Tatsachenreporten basierende Grusler diese Vorteile auf beiden Seiten, ist es doch hoch interessant in die Lebenswelt einer völlig anders denkenden Mentalität einzusteigen, als auch dem düsteren Horrorgehalt der Geschichte zu folgen, der mit dem Zeigen der Hexe während der Babyentführung keinerlei Geheimnis aus der Existenz dieser macht. Und das ist wichtig für das Funktionieren der Disfunktion der Familie, die nach und nach immer mehr Misstrauen untereinander entwickelt, hochgekocht, wie zu erwarten mit einer Teenagerin im Zentrum, mit dem Verdacht die Tochter könne gar die Hexe sein. Dass sich Eggers darauf nicht allein versteift, diesen Aspekt sogar erst spät thematisiert, ist ein guter Kniff, würde es die Thematik des Stoffes doch zu sehr einengen und den langsamen Ablauf stören, mit dem das Grauen schleichend eingefangen wird, so sehr sogar, dass man manchmal vergisst einem Horrorfilm beizuwohnen. 

Das Drama ist hervorragend thematisiert, untermalt von künstlerisch wertvollen Bildern und besetzt mit herausragenden Mimen, egal ob im Erwachsenen- oder Kinderbereich. Hier geht jeder in seinem Spiel an seine Grenzen, und in jeglicher Phase weiß "The Witch" (Alternativtitel) zu überzeugen, dank psychologischer Raffinessen, seiner intellektuellen Art, dem authentisch anmutendem Szenario und den gelegentlichen Gruselmomenten, welche den Film nicht komplett durchziehen, aber zu wirken wissen, sobald Eggers darauf setzt. Die Überraschung am Schluss kommt unverhofft und führt zu einem konsequenten (Ent-)Schluss. "The VVitch" (Alternativtitel) ist in seiner Langsamkeit, der Konzentration auf Drama und den anders klingenden Dialogen sicherlich nicht jedermanns Sache, aber dieses Entführen in eine andere Zeit und eine andere Mentalität ist letztendlich das wofür Kino unter anderem existiert. So gekonnt umgesetzt, wie hier geschehen, wird aus diesem Anliegen ein Leckerbissen, der den Horroraspekt fast schon gar nicht mehr benötigt hätte. Es ist schön zu sehen, dass das unheilvolle Übernatürliche, bzw. das Spiel mit diesem solange es nicht in Erscheinung bzw. in den Vordergrund rückt, so viel besser zu funktionieren weiß als im diesbezüglich zu bemühten Nachfolger, der ebenfalls hervorragend fotografiert war. Kunst allein ist nicht alles, das hier besprochene Werk von Eggers vereint Unterhaltung und Kunst jedoch vorbildlich. Jetzt kann ich nur hoffen, dass seine Neuverfilmung von Murnaus "Nosferatu" eher wie sein erster Langfilm, anstatt wie sein zweiter ausgefallen ist.  Wiki

COMBAT ACADEMY (1986)

Zwei für ihre Streiche bekannte Schüler werden, nachdem sie es mit ihren Aktionen zu weit getrieben haben, von einem Gericht dazu verurteilt ein Jahr lang auf einer Militärschule zu verbringen. Während der Kopf des Duos dort angekommen rigoros an seiner gewohnten Tour festhält, löst sich der stillere Part der beiden von diesem, um die Zeit so gut wie möglich hinter sich zu bringen...

Soldat wider Willen...

Der Schriftzug ist jener aus "Police Academy", der Autor von diesem, Neal Israel, ist der Regisseur des hier besprochenen Streifens, aber nicht sein Autor. Und mit dem Spielort Schule hören die Gemeinsamkeiten der beiden Werke damit auch schon fast auf, ausgenommen jene Person betreffend, die nicht an diesem Ort verweilen möchte und deswegen provokativ überall absichtlich aneckt. Mögen dessen Schülerstreiche auch um einiges extremer sein, als die von Pepe Nietnagel aus der "Die Lümmel von der ersten Bank"-Reihe, "Combat Academy" ist in seinem Herzen dennoch spießiger Natur und platziert allerhand Klischee-Gefühlsduselei hinter der vordergründig frechen Story. Die mag nicht ohne Charme sein, obwohl seine wichtigsten Figuren keinerlei Sympathie verströmen, aber sie ist angepasster Natur, nach typischem Schema F erzählt und damit frei von wahrer Kreativität. Dass der Film zumindest in Ansätzen nicht frei von Oberflächlichkeiten ist, zeigt er sowohl im extremen Klamauk des sich merkwürdig verhaltenden Chemie-Lehrers, als auch in der Liebesgeschichte der Hauptperson, der kein Vorbild-Püppchen beiwohnt, sondern, ganz im Gegenteil, eine unvorteilhaft gewachsene, junge Frau. 

Der aus "Christine" bekannte Keith Gordon schlägt sich wacker, ist aber kein verkanntes Schauspiel-Talent und arbeitet mittlerweile meist als Regisseur, so z.B. in der TV-Serie "Dexter". Sein schelmischer Blick ist kein Vergleich zu Steve "Mahoney" Guttenbergs Talent aus dem Vergleichsstoff, fehlbesetzt ist er aber nun auch nicht. Dennoch wirkt sein Spiel, dass theoretisch eine gewisse Dosis Coolness im Herumalbern suggerieren soll, gerade in den Konfrontationen mit der Rolle des vom jungen George Clooney verkörperten Kontrahenten unangenehm flappsig, anstatt auf alternative Art Respekt einflößend. Die Aussagen hinter denen er steht, sei es wenn er seine Aktionen in Verbindung zu seinem Vater bringt, oder wenn er über die Russen spricht, sind hingegen vorbildlicher Natur und bieten all dies, was ein Rocky in seinem Teil 4 nie verstehen würde. Kurzum: "Combat Academy" ist viel zu brav, als dass man ihm glauben würde hinter der anarchischen Art seiner Hauptfigur stehen zu wollen, in seiner stumpfen, angepassten Art gefällt er aber zumindest Vielsehern dieser Art Komödie, immerhin weiß der ein oder andere Dialog, das Spiel der Jungmimen und manche Albernheit zu gefallen, um den Film für ein großzügiges, leicht zufrieden zu stellendes Publikum, so wie ich es manchmal bin, bis zur Ziellinie zu geleiten. Wirklich in Erinnerung bleibt "Combat High" (Originaltitel) nicht. Auf DVD ist er hierzulande bislang nicht erschienen.  OFDb

DON'T WORRY DARLING (2022)

Alice und Jack leben in einer harmonischen, luxuriösen Kleinstadt in den 50er Jahren, wo jeder Mann für die selbe Firma arbeitet, während die Ehefrauen den Haushalt führen und glücklich ihrer Freizeit nachgehen. Als eine gute Freundin von Alice wunderliche Dinge über die Existenz an diesem Ort erzählt, hält sie dies für Mumpitz. Aber als sie glaubt jemanden retten zu müssen und dafür über die Grenze des sicheren Radius dieser Gegend hinaus tritt, gelangt sie an etwas Rätselhaftes, so dass auch sie daran zu zweifeln beginnt, dass nicht alles wahr ist, was man ihr und den anderen Bewohnern des Ortes erzählt...

Von der Fotowand erdrückt...

Dieser von Frauen geschriebene und inszenierte Science Fiction-Horror ist ein interessanter und unterhaltsamer Mix aus "Die Frauen von Stepford", "Die Truman Show" und "Welt am Draht", erfindet somit das Genre nicht neu, bietet aber jene Art Paranoia-Thematik, die einen mit rätseln lässt, deren Geheimnis man unbedingt erfahren möchte, und das auf dem Weg dorthin stilsicher und professionell umgesetzt ist. Die 50er Jahre sind in allem, von der Feuerstein-artigen Wohnsiedlung bis hin zu den Frisuren, gekonnt wiederbelebt. Die Darsteller sind glaubwürdig besetzt, und allen voran glänzt die mutig agierende Hauptdarstellerin Florence Pugh, die sowohl charismatisch als auch schauspielerisch in sämtlichen Facetten, die ihre Rolle abverlangt, zu überzeugen weiß. Die Geschichte um Täuschung, Wahn und Unterdrückung widmet sich der in solchen Stoffen gerne aufgeworfenen Aussage: denkt bitte, nehmt nicht alles an, hinterfragt! In einem verträumten Stoff wie diesem, den sicher auch viele Denkverweigerer konsumieren, ist die Botschaft nicht fehl am Platz, und sie funktioniert umso mehr, da der Weg zur Befreiung nicht von Selbstgerechtigkeiten überdeckt wird, wie es in emanzipatorischen Stoffen gerne hin und wieder falsch angegangen wird. "Don't Worry Darling" ist nicht das extreme Gegenteil männlicher Unterdrückung und Frauenfeindlichkeit, sondern geht nur das an, was in einer freien Gesellschaft selbstverständlich sein sollte: das selbstbestimmte Leben. 

Manche Erkenntnis innerhalb der halbwegs vorhersehbaren Auflösung weiß fast mehr zu verunsichern, als die eigentliche Auflösung selbst. Das Ende ist reizvoll gesetzt und wird weiter gedacht wohl kaum frei von Gefahren sein. Nicht alles ist zu Ende gedacht oder konsequent umgesetzt, so z.B. die Frage warum der mächtige Frank Alice herausfordert. Ohnehin ist der von Olivia Wilde umgesetzte Stoff von Drehbuchautorin Katie Silverman nicht so intelligent wie er gerne wäre, dafür fehlt ihm der eigenständige Schliff, so sehr wie er sich stets an vergleichbaren Geschichten bedient. In irgendeiner Art stumpf fällt der Film jedoch nie aus, dafür reflektiert er zu gekonnt was er erzählt und bleibt auch in ereignisreichen Phasen besonnen. Ohnehin ist es die idyllische Ruhe, die ihm solch erzählerische Kraft verleiht, selbst wenn der trügerische Aspekt dieser Idylle enthüllt ist und die Geschichte bösartiger wird. Sie ist dennoch da, lässt sich nicht abschütteln, und das passt gekonnt zu dem Alltag in der Kleinstadt, in der alles spielt, so als möge man seinem aufgezwungenen Schicksal nicht entkommen können. Das kaum mit Humor angereicherte Science Fiction-Drama überzeugt, lebt von der Neugierde des Zuschauers und der Protagonistin, hätte Richtung Finale vielleicht etwas nervenkitzelnd ausfallen können, streift aber ohnehin stets die üblichen Sehgewohnheiten allseits beliebter Stoffe. Mut beweist "Don't Worry Darling" immer nur beiläufig, aber nie zu konsequent.  Wiki

26.01.2025

PEARL (2022)

Pearl lebt 1918 unglücklich auf der Farm ihrer Eltern. Die jung Verheiratete wäre lieber Tänzerin, anstatt Ställe auszumisten und die Tiere zu füttern. Ihr Ehemann ist im Krieg, ihr Vater ein Pflegefall, die Mutter dominant und kontrollsüchtig. Doch sie hat ihre Gründe dafür...

Die beste Vorstellung ihres Lebens...

Nach "X" erfahren wir im Prequel die Vorgeschichte von Pearl noch im selben Entstehungsjahr. Diese mag sich oberflächlich betrachtet nicht von vielen vergleichbaren Stoffen unterscheiden, es ist jedoch die Umsetzung, die "Pearl" alles andere als gewöhnlich erscheinen lässt. Der Mittelteil der Trilogie ist so hervorragend abgefilmt, wie sein Vorgänger, spielt freilich mit anderen Sehgewohnheiten und Anspielungen und verweist eher gelegentlich stilistisch mit seinen eingefangenen Bildern auf vergangene Filmzeiten. Die beziehen sich nicht zwingend auf das Genre Horror, ebenso wie die verwendeten Zitate, die auch mal aus "Das zauberhafte Land" stammen können. Mehr denn je lebt der zweite Teil von der Performance Mia Goths, so sehr wie sie diesmal im Zentrum steht, und erneut liefert sie eine Glanzleistung ab. Bewusst verwenden West und Goth direkte Parallelen zur Protagonistin aus dem Vorgänger, da wäre aufgrund zu extremer Zufälle weniger manchmal mehr gewesen, aber dieses Spiel an sich reizt dennoch. Trotz mancher Ähnlichkeit zu Stephen Kings "Carrie - Des Satans jüngste Tochter" erzählt "Pearl" letztendlich das Gegenteil. Hier ist die Mutter Opfer und die Tochter Täter. Und es erfreut im Laufe der Zeit festzustellen, dass wir keineswegs der Entstehungsgeschichte einer Psychopathin beiwohnen, sondern immer deutlicher bemerken dürfen, dass diese bereits vorhanden ist, und dies keineswegs aufgrund der traurigen Umstände, in denen die junge Frau verweilt. Derart dämliche Klischees bedient der Film nicht, und reflektiert wie er ist streift er die dennoch vorhandenen bewusst. 

Dass mit Pearl etwas nicht stimmt, merken wir früh, wenn Kleinvieh getötet und auf "Lake Placid"-Art ans ortsansässige Krokodil verfüttert wird. Wie weit die Störung jedoch tiefer geht, erfahren wir erst im Laufe der Zeit. Wenn die dunkle Seite aus Pearl auch für Randfiguren erkennbar hervor bricht, erlebt man eine Naturgewalt. Dies nicht nur bei den zu erwartenden Morden, sondern auch bei seelischen Zusammenbrüchen, von denen zwei hervorhebenswert sind, da sie zu den Höhepunkten des Streifens gehören. Neben einer intensiven Heulszene, welche die filmtypischen Mauern in ihrer Extreme durchbricht (vergleichbar mit den hysterischen Schrei-Szenen aus "The Blair Witch Project"), bildet die andere von beiden die erste Hälfte des Finales, das entgegen der üblichen Vorgehensweise einen sehr langen Monolog präsentiert, anstatt uns neue Ereignisse und Erkenntnisse zu präsentieren, die zu den endgültigen Schlussmomenten führen. Für ein Publikum, das nicht nur den Standard bedient bekommen möchte, zahlt sich der Mut von Ti West und Mia Goth, die beide das Drehbuch schrieben, aus. Man klebt regelrecht an Pearls Lippen. Und eine endgültig am Schluss gesetzte, wundervolle Pointe, deren Abblende fast schon verärgert, so gerne wie man davon mehr gesehen hätte, entschuldigt für die offene Frage, wie unsere Pearl wohl den heimgekehrten Ehemann davon überzeugt hat, bei ihr zu bleiben, so wie wir es aus "X" schließlich wissen. Wahrscheinlich wäre auch dies eine erzählenswerte Geschichte. Aber der Schlussteil der Trilogie spielt stattdessen in den 80er Jahren und konzentriert sich auf die andere Rolle, die Goth im Erstling mimte. Leider kann "MaXXXine" an die beiden Vorgänger nicht so gekonnt anknüpfen, wie diese ausgefallen sind. Aber davon erzähle ich ein andermal.  Wiki

IN A VIOLENT NATURE (2024)

Weil an dem Ort, an dem er begraben ist, ein Schmuckstück entwendet wird, erhebt sich ein in seiner ewigen Ruhe gestörter Serienkiller,  streift durch das Waldgebiet seiner Heimat auf der Suche nach dem gestohlenen Utensil, und ermordet dabei bestialisch jeden der seine Wege kreuzt...

100 Stiche vom weiter gewanderten Bären...

Mag er anstatt eines Sacks oder einer Eishockeymaske auch eine traditionelle Feuerwehrmaske tragen, so ist doch dennoch unschwer erkennbar dass Jason hier als Vorbild für den Auferstandenen dient, und die nahe Orientierung an ihn muss sein, damit das gewagte Experiment des hier besprochenen Filmes funktionieren kann. Denn "In a Violent Nature" geht der Idee nach, dass man an einem Wesen wie Jason aus "Freitag der 13. 2" und den meisten seiner Fortsetzungen orientiert die dort erzählte, schlichte Geschichte erleben darf. Entsprechend heftet sich die Kamera stets hinter den Killer, wenn er im Wald umher stampft, und zeigt auch bei anderweitiger Kameraorientierung meist den stillen Aggressor. Die Figuren, die sonst im Zentrum stehen würden, rücken in den Hintergrund, und mit ihnen die typischen Dialoge und Klischees, denen der Film zum vollendeten Gelingen seines Versuchs auch möglichst allen nachgeht. Denn da wo Dialoge im Hintergrund nur leise ablaufen und manche Tat der Teens nur angedeutet wird, bzw. deren Beweggrund ausgelassen wird, ist es wichtig das Szenario, auf welches man anspielt, zu kennen. Der oft vorgeworfene Nachteil des immergleichen Geschehens derartiger Slasher wird zum Vorteil, bzw. zum Motor, um überhaupt funktionieren zu können. 

Schnitte werden gesetzt, da sich der Handlungszeitrum ebenfalls klassisch auf ein Wochenende beschränkt. Sonnenauf- und untergänge helfen uns beim Orientieren. Und obwohl Schnitte zum Zeigen der Fortschritte des gegangenen Weges gesetzt werden, ist dies, so wie vieles andere hier, mit einer Ruhe und Langsamkeit inszeniert, die so sein muss, wenn man Jason und Co gekonnt imitieren möchte. Da wird beobachtet, viel gegangen, es kommt zu starren Kameraeinstellungen, um mit der Erwartung des Handelns des Killers zu spielen. Und wenn dieser dann immer wieder mal das Ableben seiner Störenfriede verursachen darf, dann macht er das derart gewalttätig, wie es im heutigen Slasher der Fall ist, und nicht wie es in den 80er Jahre-Filmen, an denen man sich eigentlich orientiert, gehandhabt wurde. Das finde ich zwar schade, andererseits sind die perversen Ideen, auf welch grausame und geradezu groteske Art die Menschen sterben müssen, schon recht reizvoller Natur und tricktechnisch überzeugend umgesetzt. Wie so vieles andere, so funktionieren sie vom logischen Aspekt nur auf naive Horrorfilm-Art, ebenso wie das ewige Rennen durch den Wald eines der Opfer, trotz einer Fußverletzung. Wo mit Klischees gearbeitet wird, dürfen solche nicht fehlen, und übertriebene Kills ebenso. Der Perspektivwechsel aus der Sicht des Aggressors weiß zu gefallen, weiß manches auch vom Bewusstsein her auf eine andere Ebene zu hieven, gerade was verletzte Opfer betrifft, denen der Tod noch bevor steht. 

"In a Violent Nature" mag aufgrund des stets Bekannten keinen eigentlichen Spannungsbogen besitzen, seine verdrehte Perspektive fasziniert jedoch einen Spielfilm lang, so dass seine Idee nicht nur auf Kurzfilmbasis funktioniert, was durchaus hätte der Fall sein können. Längere Ausnahmen nicht die Perspektive des Monsters einzunehmen gibt es zwei. Das ist zum einen das Ritual des Gruselgeschichtenerzählens am Lagerfeuer, das mit seiner umher kreisenden Kamera auf eigene Art zu gefallen weiß, und bei der man regelrecht darauf wartet im Hintergrund irgendwann den Killer erhaschen zu können. Zum anderen ist dies nach einer bestimmten Tat im Finale der Fall, welches uns urplötzlich an das obligatorische Final Girl bindet, eine Entscheidung welche die Gemüter spalten wird, selbst bei einem Publikum, das mit dem bisher Gezeigten zufrieden war. Nun wird gerannt und gerannt, und selbst nach einer scheinbaren Rettung geht die Szene noch lange weiter, diesmal mit Dialogen, deren Hauptanteil eher aus einem Monolog besteht. Hier wird nun auf andere Art trickreich mit den Kenntnissen aus den Vergleichsfilmen gespielt, um eine wundervolle Pointe zu setzen, die uns, ähnlich wie bei "Summer of 84", aber auch gleichzeitig das veränderte Bewusstsein der Hauptfigur verdeutlicht, sprich was diese bis zu ihrem Ableben durch machen wird, wann auch immer es eintreffen mag. In dieser längeren, letzten Phase herrscht nun extrem viel Ruhe und Monotonie, doch sie ist meiner Meinung nach interessanter Natur, psychologisch gekonnt dargeboten und auf mehrere Arten täuschend. Deswegen "verzeihe" ich den Verantwortlichen auch die theoretische Inkonsequenz, von der eigentlichen Grundidee des Filmes, sich an den Killer zu heften, loszulassen.  OFDb

18.01.2025

BLUE VELVET (1986)

Als Jeffrey zurück in seiner Heimatstadt angekommen auf einer Wiese ein menschliches Ohr findet und von Sandy, der Tochter jenes Kriminalbeamten, den er diesbezüglich kontaktierte, später heimlich die Adresse einer im Zusammenhang stehenden Person erfährt, überredet er die Gleichaltrige ihm dabei zu helfen Zugang zur Wohnung unter besagter Adresse zu bekommen. Als er in Abwesenheit der Nachtclubsängerin Dorothy, die dort wohnt, die Wohnung nach Hinweisen durchsucht, wird er von ihrer Rückkehr überrascht, in seinem Schrankversteck entdeckt und erlebt von nun an eine alternative Gesellschaft hinter dem Vorhang des Bürgertums...

Fucking Ausflug mit dem Nachbarn...

Dass der Fund eines Ohrs, ebenso wie die Krankheit des Vaters und die alternative Behausung in Armut Lebender, immer wieder ein anderes Licht auf das wohlhabende Leben des einfachen Bürgers in der Kleinstadt wirft, lässt "Blue Velvet" keinesfalls aus, wenn er uns zunächst in die Welt seines Protagonisten einweiht, aus welche die Hauptperson als Hauptaugenmerk der Handlung geradezu ruckartig entrissen wird, wenn er eine weit bitterere Alternativgesellschaft aus Unterdrückung, Gewalt und abseitigem Sex kennen lernt, die entgegen seiner Instinkte Neugierde in ihm weckt, ihn aber auch in einen Sumpf aus Problemen und Lügen zieht, so sehr er in seiner einfachen, ehrlichen Art auch ein Retter sein möchte. Lynch hat einen bereits in seinen Bann gezogen, wenn wir uns noch auf der anderen, alltäglichen Seite befinden, die er zu Beginn mit farbenfrohen Blumen und einer Fröhlichkeit satirisch überspitzt gekünstelt aussehen lässt. Ich behaupte sogar dass "Blue Velvet" in seiner ersten Phase, vor dem Einbruch in die Wohnung der Nachtclubsängerin, am stärksten funktioniert, weil sie solch eine unterschwellig bedrohliche, Neugierig weckende Atmosphäre besitzt, die das Werk kurz darauf, eingeweiht in die düstere Parallelwelt, in dieser Intensität nicht mehr aufrecht erhalten kann. 

Das heißt nicht, dass einem das Treiben der Menschen auf der anderen Seite kalt lassen würde. Ganz im Gegenteil wird man als Zuschauer mit Jeffrey gleichermaßen von den Erlebnissen überrumpelt, mit einer Härte und Direktheit, die wahrlich zu schockieren weiß, unabhängig davon, dass es heute wie damals bereits weit Extremeres im Kino zu sehen gab. Die rohe, plötzliche Art, die auf die bisherige Einfachheit und Gewohnheit stößt, verursacht diesen intensiven Effekt. Es ist dem etwas arg bizarr gezeichneten Frank, hervorragend gemimt von Dennis Hopper, zuzuschreiben, dass ich den Blick auf die andere Seite etwas zu grotesk präsentiert empfand, um mich weiterhin tief in die Gefühlswelt Jeffreys hineinversetzen zu können. Franks Auftreten ist zu krass, die Idee eine Substanz mit einer Beatmungsmaske zu inhalieren im hier gezeigten Szenario zu verrückt, als dass "Blue Velvet" bodenständig seine Bedrohung auszustrahlen in der Lage wäre. Das ist von Lynch durchaus gewollt und damit lediglich mein persönliches Problem mit dem Film, aber so ist es eben, und deswegen wirkte vieles eher theoretisch gelungen auf mich, aber nicht auf eine Art erzählt, die mich ohne Unterbrechung in die gewünschte Illusion entführt. 

Kalt haben mich die Ereignisse nicht gelassen, die man wahrlich nicht vorher sehen kann, umso mehr wurde ich vom traditionell gehaltenen Schluss überrascht, den ich nach all der Andersartigkeit und dem Grauen niemals erwartet hätte. "Blue Velvet" hat mir gefallen, in seinen Kunstaspekten ebenso wie mit seinen inhaltlichen Ideen. Aber obwohl er zu David Lynchs zugänglichsten Werken gehört, kam mir die Welt des Untergrunds zu gewollt auf extrem getrimmt vor, als dass mich dieser Film komplett hätte überzeugen können. Ich mag seine Symbolik, wie z.B. der zarte Gesang mit dem Song Blue Velvet im Kontrast zur roten Wohnung der Sängerin dieses Liedes, in der solch abscheuliche Sachen geschehen. Ich finde es herausragend wie die von Kyle MacLachlan gespielte Figur des Jeffrey hin und her gerissen ist zwischen seiner Erziehung und der Versuchung, zwischen Ekel und Faszination, und doch, passend zum Charakter meist den richtigen Kompass besitzt, um deshalb noch lange nicht mit kriminellem Verhalten zu sympathisieren, vielleicht auch nur weil er dieses stets aus Feindschaft erlebt, anstatt als Einladung in die andere Welt. An "Blue Velvet" ist so vieles gelungen, durchdacht, reizvoll und mutig, dass es mich etwas verärgert, dass er bei mir nicht so ganz gezündet hat. 

Was mir beim Schauen von Werken dieser Zeit jedoch immer wieder positiv auffällt, ist der freie, weit weniger moralisch gehaltene, Umgang untereinander, wenn das mal mehr, mal weniger alltägliche Miteinander gezeigt wird. Die Verlockung wird nicht dämonisiert, ein schnelles Verzeihen wird nicht als leichtgläubig und naiv dargestellt, wir begleiten zwei Menschen, die sich ineinander verlieben, mit all ihren Fehlern und Vorzügen, in einer Phase, in welcher die Selbstfindung längst nicht abgeschlossen ist. Vieles von dem hier Gesichteten würde heute derart erzählt für Diskussionen sorgen, und damit meine ich keinesfalls die Alternativwelt hinter dem bürgerlichen Vorhang, sondern das selbstverständliche, individuelle Handeln mündiger Personen offen gelebt, ohne eine vorgegebene Norm einhalten zu müssen. Erst dieses liberale Miteinander akzeptiert, macht die gesetzlose Variante freien Denkens und Handelns, wie Jeffrey sie plötzlich erleben muss, so intensiv und diskussionswürdig.  Wiki

12.01.2025

THE DARKNESS (2016)

Eine Familie erlebt das blanke Grauen, nachdem ihr autistisch veranlagter Sohn ohne deren Wissen im Urlaub mystische Steine aus einer Höhle am Grand Canyon entwendet hat, und damit daheim angekommen bislang im Bann gehaltene Dämonen erweckt...

Durch andere Wahrnehmung hereingelassen...

"The Darkness" ist das typische Beispiel eines banal gestrickten, prinzipiell schon oft erzählten 08/15 Horrors mit passend austauschbarem, oft verwendeten Titel, der sich entgegen allem was man meinen müsste angenehm schaut. Dabei passiert hier nichts Überraschendes für Freunde des Genres oder gelegentliche Gäste. Ganz im Gegenteil wird die übliche Nummer Schritt für Schritt abgearbeitet, inklusive dämlicher Klischees über Behinderung, Familie und Kulturen. Unangenehm fällt, wie so oft im US-Kino, die Positionierung der Mutter auf, deren asoziales Verhalten als rechtens und begründet dargestellt wird, während der Mann, trotz sämtlicher Bemühungen, zum Buhmann der Familie abgestempelt wird. Aber so sind die Zeiten in den Vereinigten Staaten, das ist ihre Wahrnehmung von Gerechtigkeit. Und etwas Intelligentes würde man ohnehin nicht in einer solchen Blaupause erwarten, also warum sich darüber echauffieren. Die Spezialeffekte sind in einer Blumhaus-Produktion freilich gelungener Natur, hinterlassen keine Begeisterung nie gesehener Bilder, aber wissen ihren Zweck zu erfüllen, ohne die Illusion zu zerstören. Spannend ist das Horror-Drama eigentlich nicht wirklich ausgefallen, es ist aufgeregter erzählt, als es ausgefallen ist. Aber "The Darkness" umweht ein konservatives Wohlfühlen, das ihn für ein entsprechendes Publikum am Leben hält. Und dass ein Kevin Bacon in der Hauptrolle kein Fehler sein kann, ist so selbstverständlich, wie die einzelnen vorhersehbaren Schritte des Plots. Vielsehern wird typische Routine geboten, Neueinsteiger ins Genre werden das alles für kreativer halten, als der altbackene Streifen eigentlich ausgefallen ist. Aber manchmal funktioniert halt auch dümmliche Routine als Unterhaltungsfilm, warum auch immer.  Wiki

11.01.2025

MORD IST IHR HOBBY - STAFFEL 1 (1984)

Verwitwet und seit einiger Zeit in Rente lebend, beginnt Jessica Fletcher Kriminalromane zu schreiben, die zum Publikumsrenner werden. Zurückzuführen ist dies auf ihr Kombinationsvermögen, weswegen sie bei den meisten Kriminalisten bei echten Mordfällen eine gern gesehene Helferin ist. Aber auch wenn sie von deren Seite nicht willkommen ist, mischt sich die neugierige, aber stets freundliche Dame in Ermittlungen ein und beweist, dass sie mit ihrer geschulten Beobachtungsgabe und ihrem scharfen Verstand stets den richtigen Riecher besitzt...

Bestsellerautorin mit Bescheidenheit...

Früher zappte ich immer weiter, wenn die Serie im Fernsehen lief, kam mir Jessica Fletcher doch stets wie ein plumper Abklatsch von Miss Marple vor, unter der ich nicht Agatha Christies Variante verstand, sondern Margaret Rutherford aus den vier klassischen-Filmen der 60er Jahre. Doch auch wenn der Originaltitel "Murder, She Wrote..." absichtlich als Verweis an das Vorbild an "Murder She Said" angelehnt ist, so hören die Übereinstimmungen doch mit Alter und Kombinationstalent der Protagonistinnen auf, ist "Immer wenn sie Krimis schrieb..." (Alternativtitel) doch eine eigenständige und wundervoll erzählte Krimiserie, die leichtfüßig und sanft humoristisch gehalten ihren Trumpf darin besitzt, nicht immer das gleiche Muster abzuarbeiten. Wie bei jeder Serie mag es Wiederholungen geben, aber die Autoren sind sichtlich bemüht für Abwechslung zu sorgen, und gelegentlich schaffen sie es sogar einen mit einer Mörderauflösung zu überraschen. Freilich gibt es, wie bei vielen Serien aus den USA, die klassisch schurkisch besetzten Rollen, so dass man oft vorher weiß, wer der Täter ist, aber wie mein Satz zuvor andeutete, ist dies nicht immer so, und selbst wenn, sind die Geschichten stets kurzweilig und interessant erzählt, oftmals trivial, zugegeben, aber nie komplett geistlos gehalten. 

Schlicht genug erzählt, um nach einem anstrengenden Arbeitstag bei "Mord ist ihr Hobby" abzuschalten, kreativ und unterhaltsam genug inszeniert, um dabei nicht zu unterfordern, das schien das Motto zu sein. Und Gaststars wie Leslie Nielsen und Martin Kove versüßen das Ganze, stets sind bekannte Gesichter mit an Bord, ob man deren Namen nun kennt oder nicht. Der Pilotfilm "Der Mord an Sherlock Holmes" geht verspielt mit seinem Titel um, weiß allein schon deswegen zu gefallen, und besitzt sogar entgegen aller Erwartungen manch düsteren Moment. Während Fletcher sich in diesem Werk auf Spielfilmlänge am Start ihrer Schriftstellerkarriere befindet, bzw. an den Weichen zu dieser zuvor, ist sie ab Folge 2, wenn die Abenteuer als 45-Minüter konzipiert sind, bereits landesweit für ihre Bücher bekannt. Wie sie auf die jeweiligen Mordfälle stößt, ist unterschiedlicher Natur, meist ist sie aber zufällig vor Ort. Somit spielt die Serie nicht immer in der Kleinstadt, in der Jessica lebt, das Gegenteil ist der Fall, dieser Wechsel weiß zu gefallen. Und er erlaubt den Autoren nur ab und an auf bewährte Figuren zurückzugreifen, Jessica selbst ist die einzige Person, die in allen Episoden auftaucht. Die Idee den Gesetzeshüter im Heimatort zu einem Freund zu machen, der aufgrund seiner schlichten Auffassungsgabe bei Ermittlungen trotzdem stets im Clinch mit der Schriftstellerin ist, zeigt dass hier nicht alles nur schwarz und weiß gehalten ist. 

Zudem gefällt der abwechslungsreiche Umgang mit den Möglichkeiten, die das Genre des Kriminalfilms bereit hält. Da darf es dramatische Fälle ebenso wie humoristische geben, verzweifelte Täter ebenso wie eiskalte, und am besten ist die Serie eigentlich immer dann, wenn sie verspielter Natur ist, so geschehen in jener Folge, in welcher auf Agatha Christie-Art eine kleine Gruppe Busreisende, abgeschnitten von der Außenwelt, einen Mordfall untereinander selbst lösen muss, bei dem kein Zweifel besteht, dass einer der Anwesenden der Mörder sein muss, aber auch zu bewundern in jener Episode, in welcher Fletcher die Mühlen Hollywoods kennenlernen muss, wenn einer ihrer Romane für einen reißerischen Billigfilm komplett verhunzt wird. Letztendlich weiß man nie, was einem in der nächsten Folge erwartet, in Staffel 1 ist alles möglich, außer Langeweile. Von den 22 Geschichten, welche das erste Serienjahr erzählt, hat mir jede gefallen, von schlichter Routine bis hin zu raffinierten Irreführungen war alles vorhanden. Und Jared Martin, den unbekannten Star aus der 80er Jahre-Serie "Krieg der Welten", passend besetzt als verwöhnten, erwachsenen Sohn eines reichen Vaters zu erleben, war eins meiner persönlichen Highlights.  Wiki

30.12.2024

LEVIATHAN (1989)

Wenige Tage vor Beendigung einer mehrwöchigen Schicht stößt eine Crew von Tiefseearbeitern auf ein russisches U-Boot-Wrack. Die komplette Mannschaft ist tot, gestorben an einer unbekannten Seuche. Und nach einer Erkundungstour auf dem fremden Schiff, zurückgekehrt in die eigene Zentrale, beginnt diese sich auch dort auszubreiten...

Der Wodka war schuld...

Vereinfacht kann man "Leviathan" als "Alien"-Version der Tiefsee betrachten, doch letztendlich geht er dann doch etwas arg andere Wege, inklusive Aggressor, der kein Fremdwesen im eigentlichen Sinne ist, sondern eher eine veränderte Gen-Struktur der jeweils Befallenen. Vom fröhlichen und gleichzeitig genervten Miteinander der Crew, bishin zur Panik, eingeschlossen in den Tiefen des Meeres, klaustrophobisch anmutend eingefangen für den zartbesaiteten Zuschauer, gelingt es Regisseur George P. Cosmatos, der auch für "Rambo 2" und "Die City Cobra" verantwortlich war, die einzelnen Stadien nach und nach flüssig abzuarbeiten und für den Zuschauer zu verinnerlichen, so wie er es, auf ganz andere Phasen betrachtet, auch in seinem "Unheimliche Begegnung" bei gleicher Hauptrollenbesetzung schaffte, der in meinen Augen ein kleiner, vergessener Geheim-Tipp ist. Auch "Leviathan" ist nicht von schlechten Eltern, zumal er uns die rätselhafte Variante einer Monstergeschichte präsentiert und uns außerdem bei mancher Figur im Unklaren lässt, was man von ihr halten soll und wohin sie sich entwickelt.

Fast keiner ist so, wie es anfangs scheint, dennoch widersteht das Drehbuch der Versuchung einen Verschwörer mit im Team zu haben. Hier ist niemand eingeweiht, wenn überhaupt die da oben, mit denen man funkt, repräsentiert durch die stets unterkühlt besetzte Meg Foster, die auch in "Sie leben!" entsprechend wirkte. Doch dort scheint eher der Egoismus um den Wert der Aktie das Handeln zu bestimmen, und kein Wissen dessen, was die Crew befällt, Verschwörungstheoretiker werden hier somit kaum bedient. Der Kampf ums Überleben ist spannend umgesetzt, das Drehbuch macht es weder dem Aggressor, noch den Helden leicht und nutzt hier, ebenso wie im Restfilm, den Spielort Tiefsee gekonnt und vielschichtig, der sich als interessante Alternative zum sonst so gern genutzten Weltraum entpuppt. Dass "Leviathan"  so einige Jahre auf dem Buckel hat, merkt man eher an einem Kinnhaken, den ein Vorarbeiter seiner Vorgesetzten versetzt, ohne eine Klage zu befürchten, als an den Spezialeffekten, die handgemacht zu überzeugen wissen, egal ob es um eklige Veränderungen der Körper geht, oder um Miniaturbauten zur Erschaffung der Arbeitswelt unter Wasser. Eine gewisse Routine hat sich in einer so oft variierten Geschichte freilich dennoch breit gemacht, alles guckt sich auch beim ersten Sichten zu bekannt, trotz jeglichem Versuch an jeder Ecke und jedem Ende am Klischee herumzufeilen, "Leviathan" ist kein vergessener Meilenstein, aber für einen angenehmen Videoabend ist er jene Art unterhaltsamer Mix aus Horror und Science Fiction, der einen nicht unterfordert.  Wiki

29.12.2024

LIFE (2017)

Auf einer Raumstation ist die Begeisterung groß: man hat in den Marsproben einen einfachen Organismus entdeckt, schafft es diesen aus einer Art Ruhezustand zu wecken und hat sichtliche Freude den allmählich wachsenden ersten Außerirdischen zu untersuchen. Nach einiger Zeit stellt er sich jedoch als gefährlicher heraus, als bislang angenommen...

Fester Griff...

Natürlich ist es nicht neu zu nennen, was "Life" uns als modern geartete "Alien"-Variante vorsetzt, und wäre es nur die Echtheit, die der Streifen ausstrahlt, nah an dem was uns bekannt ist orientiert und wissenschaftlich für Laien glaubwürdig erzählt, könnte man mich mit dieser nur bedingt begeistern. Dass der von Daniel Espinosa inszenierte Science Fiction, dem erst fünf Jahre später "Morbius" folgen sollte (keine Fortsetzung, nur der nächste Streich des Regisseurs), jedoch durchweg spannend erzählt umgesetzt ist, überzeugt dann doch. Zumal er in der Anfangsphase die Faszination des Forschens mit dem Unheilvollen, das über den Dingen schwebt (zumindest wenn man weiß, dass man einen Horrorfilm sichtet), kombiniert, so dass auch dieser Bereich bereits einen hohen Spannungsbogen besitzt, und dies trotz seiner Leichtigkeit, die er hier noch ausstrahlt, ohne dabei das Leben und die Arbeit dort oben zu unterschätzen. 

In dem Bereich angekommen, in welchem man sich der Gefahr des zunächst belächelten Gastes an Bord bewusst wird, trumpft "Life" mit sinnvollen, nachvollziehbaren Reaktionen und Methoden dem Außerirdischen Herr zu werden. Sowohl die Kreatur bleibt hierbei glaubwürdig, als auch das professionell scheinende Handeln der Crew, das ab einem gewissen Punkt, auf den man so gar nicht vorbereitet werden kann, freilich improvisiert ist, aber auch dies mit Köpfchen. Den Stereotypen werden außerdem genügend Individualität beigemischt, so dass wir es zudem mit Charakteren, anstatt mit austauschbaren Figuren zu tun bekommen. Somit ist jedes Ableben im Kampf gegen die Kreatur ein Schlag in die Magengegend, so dass man auch emotional an das Geschehen gebunden ist. Talentierte und charismatische Schauspieler hauchen der Sache genug Leben ein, der Regisseur inszeniert mit leichter Hand, so locker wie sich all das guckt, was aufgrund der gekonnten Reflexion der Autoren auch verkopft hätte herüberkommen können, und sowohl die Verantwortlichen für die Kamera, als auch jene der Computereffekte, bieten zudem einen optisch überzeugenden Film. "Life" begeisterte mich ungemein, bishin zu einem definitiv im Kopf bleibenden Schluss. So funktioniert ernstzunehmender Horror, der nicht nur leicht zufriedenstellende Stammzuschauer im umstrittenen Genre überzeugen wird, während er diese zeitgleich nicht ausschließt.  Wiki

28.12.2024

DEMON FOREST (2008)

Ein Mann fährt zum vereinbarten Ort, mitten im Wald, um den Auftragskiller, den er zum Töten seiner Frau und ihres Liebhabers engagiert hat, dort zu treffen und die Sache gemeinsam durchzuziehen. Doch der Mörder entpuppt sich als Betrüger und hat besagten Ort zum entsprechenden Zeitpunkt nicht willkürlich gewählt, denn der Wald birgt ein Geheimnis, das nur eingeweihte Archäologen kennen: den Stamm der Zwergkannibalen, die genau jetzt Jagdsaison haben. Diese sollen die Durchführung der Morde übernehmen...

Bring mir einen Stock...

Ernst gemeint ist er nicht, der Film, der im Original den Titel "Night of the Flesh Eaters" trägt und unübersehbar mit einem höchst geringen Budget finanziert wurde, dies allerdings ohne in den Amateurfilmbereich abzurutschen. Zunächst wundert man sich über die gekünstelten Dialoge, die anfänglich nur die kleine, übliche Dosis Humor suggerieren, die auch ernstere Werke beinhalten, ohne zur Komödie zu werden, hier gestützt vom Klischee des harter Unternehmers, der ganz typisch einen Untergebenen fertig macht. Erst wenn der Auftraggeber des Mordes auf den Auftragskiller stößt, macht es nach einiger Zeit der Verwirrung Klick, das komplette Gespräch ist ziemlich unsinnig und wirr ausgefallen, immer mit einer Klarheit der Dinge und dem Selbstverständlichen spielend, während auffallend viele Dialogfetzen eine unnötige Wiederholung erfahren. Das ist lustig gemeint, aber auch anstrengend, also nicht so ganz mein Humor, auf den man aber konzentriert setzt, stets abgefilmt mit Nahaufnahmen weniger Gesichter im Dunkeln innerhalb eines Filmes, der bis zu diesem ausschweifenden Dialog kaum was von der Umgebung zeigt, optisch also arg dünn gesät ist. 

Mit der Auflösung der Identifikationen wirkt alles etwas weniger wirr, man bekommt sich orientiert die Komik bewusster verfolgen zu können, und die liegt nun darin begraben, dass ein Archäologe seinem Feind eine Falle gestellt hat, und sein Fachwissen nutze, um ihn nicht selbst töten zu müssen. Das übernehmen die Kreaturen eines magischen Zwergkannibalenstammes für ihn, so zumindest der Plan. Lustig ist das deshalb, weil dieser nicht hinhaut und alles was nun passiert vom Nichtauftragskiller per Fachwissen, durch das intensive Studium dieser Legenden, gewusst wird, so dass er und seine Begleitung Stück für Stück verstehen was warum passiert und warum sie im Arsch sind. Das wäre lustiger, wenn besagte Wiederholungen der Sätze, humoristisch gewollt hin oder her, nicht so penetrant Verwendung finden würden, und dies zudem vorgetragen in einer arg mauen, deutschen Synchronisation. Das ewige Gemaule der Ollen ging mir zudem doch was arg auf den Senkel, während das Schlaumeierische des "Helden" zu gefallen weiß, der stets alles was passiert mit seinem Fachwissen referiert. Die Frau trumpft immer dann, wenn sie naheliegende Schlussfolgerungen zieht, aufgrund dessen was sie über die Legende, mit der sie es zu tun haben, erzählt bekommt, Erkenntnisse die dem Fachmann selbst nicht kamen. 

Wenn dann noch ab und an ein kleiner Hauch "Die Ritter der Kokosnuss"-Komik aufkommt, wenn die Begegnung bestimmter Gestalten prophezeit wird, erhält "Demon Forest - Sie werden euch fressen" (Alternativtitel) bei der Konfrontation mit diesen und anderen Personen kurzfristig einen angenehmen Unterhaltungswert, was aber viel zu spät geschieht, um nun doch noch von einem gelungenen, kleinen Beitrag zu sprechen. Seine plumpen Spezialeffekte sind hübsch anzuschauen, ich mag die schwer erkennbaren Kreaturen zu Beginn der Hauptgeschichte, ebenso wie die individuelle Humorrichtung, die der Versuchung des obligatorischen Splatstick widerstehen kann, und ich mag die einzelnen Phasen der Entwicklung der Prophezeiung, zu deren Teil die Protagonisten und Antagonisten in einer Geschichte ohne Sympathiecharaktere ungewünscht selbst werden. Aber all dies ist in dieser arg trockenen Umsetzung, auch im zu aufgesagten Humorbereich, schlichtweg kein Stoff für einen 80-Minüter. Als Kurzfilm von 30 Minuten plus/minus hätte aus der zweiten Regiearbeit von J.R. McGarrity etwas Charmantes und Kurzweiliges werden können. So wie umgesetzt, nervt das Gesamtergebnis zu sehr, trotz seiner Pluspunkte. 

"Demon Forest" ist ein Projekt, das ich gern mehr mögen würde. Zumindest ist er anders als die meisten Werke ausgefallen, die als Horrorprodukt auf den deutschen DVD-Markt veröffentlicht werden, egal ob nun im Bereich Horror, humoristischer Horror, erste Arbeiten oder inhaltlich betrachtet. Wir haben es quasi mit einem theoretisch interessanten Film für ein Publikum zu tun, das sich gerne auch mal neugierig auf etwas ganz anderes einlassen kann, um interessiert festzustellen, woran die nette Idee letztendlich scheitert. Wer tapfer dran bleibt, wird zumindest mit einer netten Schluss-Pointe belohnt.  OFDb

24.12.2024

THE VELOCIPASTOR - DIE KLAUE GOTTES (2018)

Ein junger Pastor verliert nach dem Verlust seiner Eltern den Glauben, reist nach China und verletzt sich dort an einem mystischen Artefakt, so dass er sich von nun an gelegentlich in einen Dinosaurier verwandelt. Zusammen mit einer Prostituierten will er mit dieser Fähigkeit das Böse bekämpfen, doch der Mentor des Pastors hält das für keine gute Idee und schlägt einen Exorzismus vor...

Der Drachenkrieger...

Brendan Steere serviert uns Quatsch mit Soße, und er macht kein Geheimnis daraus. Der Titel ist Thema, das Thema extremer Nonsens, und diesmal wird keine schräge Idee für einen ernst gemeinten Film genutzt, wie bei "Rippy" missglückt und bei "Christmas Bloody Christmas" gelungen geschehen, oder ideenlos als TV-Fließbandproduktion auf den Markt geworfen, wie bei unzähligen Werken aus der SyFy-Schmiede. "The Velocipastor" (Originaltitel) geht offen mit seiner albernen Art um, beginnend damit die Kostengünstigkeit nicht zu verschweigen, wenn eine leere Parklücke gezeigt wird, während eine eingeblendete Schrift erklärt, dass dort nun theoretisch ein brennendes Auto stehen müsste, immer per Schnitt abwechselnd mit dem schreienden Pastor gezeigt, der mit ansehen muss, wie gerade seine Eltern verbrennen. Derartige Komik erinnert an "Was macht der Tote auf der Wäscheleine?", noch mehr erinnert das Gesamtwerk jedoch an "Angriff der Killertomaten", am deutlichsten wohl wenn das titelgebende Monster zu sichten ist, das gar nicht erst versucht eine Illusion der Echtheit vorzutäuschen. Wundervoll sieht es aus, nicht aus dem Computer stammend, eine Attrappe verwendend, mit der jene aus "Killer Krokodil" im Vergleich verteufelt echt aussieht und ein Kostüm bietend, dass selbst die Gummi-Monster der 50er Jahre-Werke, in denen sie ihr Unwesen treiben, weit authentischer wirken lässt, als das hier verwendete, offensichtliche Dinokostüm, das an Karneval, anstatt an Filmtricks erinnert.

Von diesem Charme hat die zweite Regie-Arbeit von Brendan Steere (nach seinem 2013 entstandenen Horrorfilm "Animosity") so einiges zu bieten, spielt immer wieder mit dem Amateurfilm-Charme eines "Angriff der Killerbratwurst", ist technisch in Sachen Optik, Ton, etc. aber nicht diesem Gebiet zuzuordnen. Hier wird nur schlecht herübergebracht, was schlecht herüberkommen soll, so auch das völlige Überargieren der Darsteller, sowohl in Sachen Mimik, als auch mittels debilen Lachens, oder der falschen Pausensetzung beim Sprechen oder der absichtlichen Wiederholung des selben Satzes, meist um das Puschen einer Dramaturgie zu persiflieren. Man bedient sich keines direkten Vorbilds, hat aber stets bestimmte Filmklischees im Visier, so dass man nicht völlig geistlos herumalbert. Nicht einmal vor dem Vietnamkriegs-Trauma und familiären Tragödien macht man Halt, wenn man sich auch per Rückblick regelrecht in Klischees suhlt. Hier gibt es einen Rundumschlag im Bereich Handkantenfilm (herrlich wie die beiden wichtigsten Rollen sich bei einer Attacke aus dem Nichts urplötzlich als kampferprobt beweisen), Superhelden-Monster a la "Hulk" in der naiven Serienvariante, Fantasy und Horror, und von letztgenanntem Bereich freilich ein Hauch Werwolf-Thematik, auch wenn man geradezu provokativ jedem möglichen Vergleich diesbezüglich aus dem Weg geht und stattdessen Richtung Exorzismus-Thematik steuert, von der man sich aber freilich auch schnell wieder abwendet, schließlich muss immer etwas anderes passieren, um den Zuschauer bei Laune zu halten. 

Das ist auch wichtig, denn eine solche Nullnummer lebt nun einmal von einer Aneinanderreihung plumper und schräger Ideen, so dass es nicht verwundern braucht, dass der inflationär gegen Religion schießende "The VelociPastor" auch hin und wieder kleine Durststrecken bereit hält, selbst für Freunde, die mit einem derartigen Stoff etwas anfangen können. Diese bremsen ihn aber nie zu sehr aus, bei all dem Charme, den dieser absichtlich in die Tonne getretene Streifen auszustrahlen vermag. Hier steht ohne Frage die Komödie im Zentrum, ein Gefühl von Horror kommt nie auf, entsprechend sollten eher Freunde der in der Besprechung genannten, lustig gehaltenen Vergleichsfilme zugreifen. Jeder andere käme sich ohnehin verarscht, zu erwachsen oder unterfordert vor.  OFDb

02.12.2024

ADVENTURELAND (2009)

Weil sich seine Eltern sein Studium, anders als geplant, doch nicht leisten können, nimmt James einen Job als Spielebegleiter in einem Freizeitpark an und verliebt sich in die weit erfahrenere Kollegin Em. Als es zwischen den beiden funkt, steht Em ihre Vergangenheit im Weg, von der sie James bislang nicht berichtete...

Betrügereien im Spiel, nicht in der Liebe...

"Adventureland" kommt überraschend unaufgeregt daher, selbst die obligatorischen auf sonderbar getrimmten Randfiguren betreffend. Das ist Fluch und Segen zugleich für den Film, fühlt sich doch die Hauptfigur des James, wie gewohnt gekonnt verkörpert von Jesse Eisenberg, unerfahren, aber nicht schüchtern an, zurückhaltend, aber nicht feige, reflektierend, aber nicht verkopft. Das macht ihn zu einer angenehmen Identifikationsfigur. Und im Gegensatz zu ihrem großen Erfolg "Twilight" wirkt Kristen Stewart dank ihrer herrlichen Anti-Aufmachung unglaublich niedlich, mit ihrem enttäuschten Blick vom Leben, dem Abfinden mit wenig Erwartungen und dem Aufleuchten in ihren Augen, dass sich da wer ehrlich für sie interessiert. Auch den Part des sich schuldig Fühlens beherrscht sie, umso überraschter war ich, dass sie selbst in der Phase des zu erwartenden Happy Ends noch immer viel zu kränklich und depressiv wirkte, anstatt glücklich darüber ihre Liebe gegen alle Erwartungen doch noch bestätigt und ausgelebt zu bekommen. Das verwässert das an sich romantische, aber sehr typisch inszenierte Finale etwas zu sehr. Und die angenehm unaufgeregte, relativ bodenständige Art der Gesamtgeschichte, tendiert aufgrund der überraschungsfreien Standardgeschichte ab und an zur Austauschbarkeit. Letztendlich siegt jedoch die Wohlfühl-Atmosphäre, eben weil die Figuren sympathischer Natur sind, kleine Rollen ebenso wie große, unschuldige ebenso wie durchtriebene. Selbst die "Bösewichter" bleiben Alltag, werden nicht zu fiesen Kinofiguren, und das ist für eine US-Romanze, die eine derart häufig ähnlich erzählte Klischee-Geschichte besitzt, schon recht ungewöhnlich. Der meist sexuell geartete Provo-Humor von Greg Mottolas vorangegangener Regiearbeit "Superbad" ist glücklicher Weise nicht vorhanden, hätte dies den stillen Tönen, mit denen "Adventureland" trumpft, doch trotz gelegentlich lauterer Momente geschadet. Es ist erstaunlich dass ihm mit der wilderen Komödie trotzdem das bessere Werk gelungen ist, als mit dieser angenehm zurückhaltenden Tragikomödie, die aus seiner eigenen Feder stammt.  Wiki

24.11.2024

AUSLÖSCHUNG (2018)

Ein Fremdkörper auf der Erde aufgeschlagen verursachte am Berührungspunkt ein sich ausdehnendes Feld, das von der Restwelt der Erde durch einen ominösen Schimmer getrennt ist. Da diese Zone wächst und wächst, wurden Forscher-Teams und Militär-Einheiten eingesetzt, um die Zone, durch die kein Signal hindurch reicht, zu erforschen. Niemand außer Lenas Mann kehrte jemals von dort zurück. Dieser ist nicht ansprechbar. Lena gelingt es Teil des nächsten Expeditionsteams zu werden...

Die Höhle im Leuchtturm...

Alex Garland ist ein hervorragender Autor. Er bescherte uns die Drehbücher für "28 Days Later", "Alles was wir geben mussten" und "Dredd", und seine erste Regie-Arbeit zu einem selbstverfassten Science Fiction wurde gar sein kreativer Höhepunkt. "Ex-Machina" schaut sich vom Intellekt her wie ein Genre-Beitrag aus den 70er Jahren, dem wohl besten Jahrzehnt für Science Fiction, ohne jedoch auf Retro-Film getrimmt zu sein und somit dennoch die moderne Luft des 10er Jahre-Kinos atmend. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen an das Nachfolge-Werk "Auslöschung", das mit einem ebenfalls interessanten Plot beginnt. Leider ist man diesmal mehr um optische Reize bemüht und um den langen Erhalt eines scheinbar unergründlichen Rätsels, anstatt um reflektierte Antworten, und so wird aus dem zunächst reizvollen "Annihilation" (Originaltitel) eher ein verträumtes, düsteres Werk für Esoterik-Begeisterte, anstatt für mitdenkende Zuschauer. Zwar verweigert man uns nicht wirklich Antworten, und sie sind wissenschaftlicher Natur, aber ihr Berührungspunkt zum Unerklärlichen lässt ihn doch viel zu verspielt, verträumt und lückenhaft erscheinen, als dass er auch nur im Ansatz das Niveau der eingangs erwähnten Werke erreichen könnte. 

Kaum durch den Schimmer hindurch getreten, wird alles absichtlich in ein hypnotisch anmutendes, entrücktes Farbflair getaucht, das seinen Effekt der Desorientierung und den Eindruck einer fremden Welt gekonnt wiedergibt, aber auch eine bleierne Schwere, wie bei den Protagonisten, bei mir als Zuschauer verursachte. Deren erste Entdeckungen sind sachlicher Natur, bevor die Gesetzmäßigkeiten der uns bekannten Physik immer mehr auf den Kopf gestellt werden, um daraus eine Welt, in der alles möglich ist, zu machen, anstatt uns einen roten Faden zu servieren, der uns eine Alternative zum bereits Bekannten serviert (wie sprachlich z.B. bei "Arrival" geschehen). Wie erwähnt existiert dennoch tatsächlich eine Auflösung, und manch offen scheinende Lücke wird versteckt beantwortet. Geistreich erscheint "Auslöschung" dennoch nur bedingt. Diese wackelige Mentalität gepaart mit der Schwere seiner Atmosphäre entfachte in mir eine Anstrengung darin interessiert dran zu bleiben. Das Ergebnis war das Dranbleiben leider nicht wert. "Auslöschung" mag zwischendurch immer wieder reizvolle Ideen und Szenen aufweisen, und sein Anfang ist tatsächlich gut erzählt, da die Neugierde gekonnt gekitzelt wird, aber er ist mir zu verträumt surreal ausgefallen. Das hätte mich bereits ohne die qualitativen Vorgänger intellektuell wie unterhaltungstechnisch ausgebremst. Allein schon weil das Forscherteam hier von Beginn an völlig unprofessionell vorgeht und entsprechend nicht wissenschaftlich geschult wirkt, obwohl das Drehbuch gegenteiliges von den meisten der Figuren behauptet, konnte ich mit "Auslöschung" nie richtig warm werden.  Wiki

HE'S MY GIRL 2 (1993)

Chris wechselt auf eine andere Schule, da er eine Musikkarriere anstrebt. Aber weil dort auch der aggressive Kurt Schüler ist, und dieser es aktuell auf Chris abgesehen hat, schlüpft der Teenager in Frauenfummel samt Perücke, um ungeschoren davonzukommen. Was als kurzfristige Ablenkung geplant war, wird zur neuen Rolle dort vor Ort. Chris baut als Mädchen eine Freundschaft zu einer Mitschülerin auf, welche ihm sehr am Herzen liegt. Aber die entpuppt sich als Schwester von Kurt...

Großmutter und der Sandsack...

Geistreich sieht anders aus, zugegeben, aber diese späte Teenie-Komödie mit Teenie-Star Corey Haim, der 1993 längst kein Teenager mehr war, macht einfach Laune, schert er sich doch nicht um Botschaften und Moral, sondern erzählt seine schlichte Geschichte schlichtweg pointiert und flott. Wirklich tief greifen selbst die Charaktere nicht, die eher oberflächliche Comicfiguren bleiben, inklusive Chris, aber es funktioniert - und dies auf der Schläger/Opfer-Basis mehr, als es die integrierte Liebesgeschichte mit der recht süßen Nicole Eggert als Love Interest je könnte. Während sie als zweite Hauptfigur in den Credits ihre Position einnimmt, ist es eigentlich Cameron Bancroft, der hauptsächlich in TV-Serien spielte und hier die Rolle des Kurt verkörpert, dem die Ehre der zweiten Hauptrolle zuteil wird. Lustige Geschichte sei Dank ist er nicht nur der Aggressor von Chris und der Bruder dessen Angebeteter, er ist zudem in die Mädchenversion von Chris verliebt, was nicht nur im Ur-Kurt-Charakter für allerhand lustiger Momente sorgt, sondern auch in dessen Wandel zum sensiblen Teenager, denn Chris nutzt dessen Interesse an ihm aus, um ihn umzuerziehen. 

Dass die Hauptfigur in ihrer weiblichen Präsenz keinesfalls glaubwürdig ausfällt und nie die Illusion des anderen Geschlechts entfachen kann, stärkt den Comiccharakter des Films, der sich nicht um dieses "Makel" kümmert. Abgesehen von einer kleinen Nebenrolle sind alle diesbezüglich blind, egal wie gut man Chris kennt, wie nah man ihm ist und wie viel Zeit man mit ihm verbringt. Das Einbauen einer Lehrerin, welche die Wahrheit erfährt, bzw. eine gelogene Version der Wahrheit, sorgt für zusätzliche Momente der Komik. Und dieser Randbereich zusammen mit dem Drahtseilakt mit Kurt und dessen Schwester, sowie dem wachsenden Misstrauen von Chris' Vater, sorgen sogar für Spannungsmomente, gerade im letzten Drittel, welches aber freilich dem obligatorischen Happy End zusteuert. Da der Film letztendlich nur ein Gute-Laune-Film um Lügen, Irrungen und Verwirrungen sein soll, geht das auch in Ordnung. "He's My Girl 2" ist eben nur ein leichter Stoff und hat anbei nichts mit "He's My Girl" aus dem Jahr 1987 zu tun. Sein Alternativtitel "Just One of the Girls" verweist eher auf "Just One of the Guys", der bei uns u.a. als "Als Junge ist sie spitze" erschien. Letztendlich ist der Originaltitel des hier besprochenen Streifens jedoch "Anything for Love", so dass er also eigentlich ohnehin für sich alleine steht, innerhalb einer seit Jahrzehnten geplünderten Idee. Es ist schön dass er den oft unangenehmen Bereich der Belustigung des Geschlechterwechsels unverkrampft und flott zu thematisieren weiß, ohne dass der Einsatz der Schauspieler peinlich erscheint. Nicole Eggert und Corey Haim waren anbei schon ein Jahr zuvor in "The Double 0'Kid" ein Filmpaar.  OFDb