Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
22.03.2024
X (2022)
04.08.2023
SCREAM 6 (2023)
Ohnehin ist der sechste Teil der von Wes Craven begonnenen "Scream"-Reihe psychologisch schlecht umgesetzt. Die Auflösung ist zu geschwätziger Art, bedient sich am schlechten Beispiel des ansonsten geglückten "Scream 2", und bietet uns zudem würdelose Weichei-Killer, von denen man keinem die hart ausgeführten Auftritte, wie jene im Supermarkt, zutrauen würde. Die Mörder passen nicht zu dem vorher Gesehenen, die Auflösung enttäuscht somit in mehrfacher Hinsicht. Das könnte wie bei Teil 2 großzügig akzeptiert werden, wenn der Rest so gut ausgefallen wäre wie die Positivbeispiele zu Beginn der Besprechung, aber was außerdem enorm an Teil 6 nervt ist der bereits in "Scream 5" von den beiden Hauptdarstellerinnen blass gespielte und wie vorgelesen klingende Seifenopern-Part der Geschichte. Jeglicher Gefühlsmoment in Form von Dialogen und Monologen schaut sich stumpf, empathielos, einfach nur theatralisch vorgetragen, anstatt zu berühren. Und diesmal gibt es derartiger Momente mehr als im Vorgänger, so dass das interessante und packend erzählte Treiben rund ums Überleben immer wieder verwässert wird.
Leider betrifft dies auch Szenarien wie der erste Auftritt von Gale Weathers und die völlig unsinnig anmutende Versöhnung mit ihr (die aber zumindest zur Naivität und Dummheit der beiden Protagonistinnen passt). Derartige Szenen wirken unglaubwürdig. Schade, denn die Idee dass Gale doch noch ein Buch schrieb und alles auslöste, ist eine tolle, ebenso wie die Internetpropaganda, die Heldin des Streifens sei der wahre Mörder des vorangegangenen Abenteuers. Die anderen jugendlichen Randfiguren wirken da schon mehr als die Heldinnen, sind bis auf den Stillen, der ewig von der Filmerfahrenen verdächtigt wird, auch gut besetzt. Ihr weit weniger aufdringliches, da besser gespieltes und als Randfigur freilich reduzierteres, zwischenmenschliches Szenario nervt nicht, bereichert sogar manchmal das Geschehen. Die Wiederkehr einer Figur aus "Scream 4", die keiner je vermisste, weiß zu gefallen, eben weil sie dort der einzig sympathische Teenager war, jedoch verschenkt man ihr Potential meiner Meinung nach, da hätte ich mir mehr erhofft. So schlecht sich das alles liest, die spannenden Szenen (wie jene mit der Leiter) sind herausragend umgesetzt und kitzeln gekonnt die Nerven. Die Auftritte des Killers erstaunen und werden immer wieder reizvoll eingesetzt, ganz besonders in der aus dem Trailer angedeuteten U-Bahn-Sequenz.
Insgesamt ist "The Last Scream" (unsinniger Alternativtitel, da Teil 7 als Schluss einer neuen Trilogie bereits eingeplant war) zwar kein überzeugender Film, aber zumindest ein dümmlicher, unterhaltsamer, der somit etwas besser ausgefallen ist als der Tiefpunkt "Scream 3". Nach dem schlicht angenehmen Teil 5 ist man aber vielleicht auch einfach großzügiger, als nach den ersten beiden Vorzeige-Horrors, mag sein dass der Vergleich unfairer Natur ist. Aufgrund der großartigen Szenen freue ich mich trotzdem auf "Scream 7", auch wenn die beiden Heldinnen freilich nach wie vor keine brauchbaren Zugpferde sein werden. Aber da eine von beiden durch "Wednesday" nun ohnehin ein Star ist, braucht man nicht drauf zu hoffen, dass sie nicht noch einmal in den Vordergrund rücken werden. Zumindest kehrt im nächsten Teil Sidney zurück, die hier erstmals pausierte. Wiki
14.03.2023
WEDNESDAY - STAFFEL 1 (2022)
Selbst wenn dies kurzfristig gelingt, bleibt "Wednesday" im ersten Jahr zu infantil und vorhersehbar, wird trotz intensiver Beteiligung von Tim Burton auch nie morbide genug, gerade was den romantischen Aspekt betrifft. Nette Ideen, wie der Skorpion als Haustier, der Kosename kleine Regenwolke, das Elternbild vom eiskalten Händchen und ähnliches, werden überschattet von dämlichen Summsumms, einer Schule in welcher die Art der Addams zum Mainstream unter vielen wird, einem Onkel Fester, der statt Mörder und Leichenfledderer nur noch Bankräuber sein darf, dem im Internet mittlerweile zum Kult erklärten Wednesday-Tanz, der konstruierter kaum ausfallen könnte und vielen anderen unangenehmen Zutaten. Zumindest die Freundschaft mit der fröhlichen Mitbewohnerin hat mir ganz gut gefallen, auch in der Raumaufteilung, ja sogar in der gegenseitigen Annäherung. Warum man bei derartiger Distanz zum Comicvorbild für eine derartige Teenagerserie nicht auf neue Charaktere gesetzt hat, oder auf ein passenderes Franchise, will sich mir nicht erschließen. Zumindest ist Disneys Videothektenfilm "Die Addams Family und die lieben Verwandten" nun nicht mehr das einzig maue Realfilm-Projekt, das aus dem Vorbild gewonnen wurde. OFDb
03.09.2022
SCREAM (2022)
Das brauchbare Ergebnis ist jedoch nicht nur erzielt durch das Abgucken von Vorgegebenen, eigene Ideen bereichern den Plot ebenso. Da man zudem zum Mördermitraten eingeladen wird, es an spannenden Szenen nicht mangelt und die Grundatmosphäre des Streifens ebenso zu gefallen weiß, wird man zumindest unterhaltungstechnisch befriedigend bedient. Zudem weiß der Kniff zu gefallen, dass "Scream" sich nicht nur an uns bekannten Filmen orientiert, wenn über das Horror-Genre diskutiert wird, sondern sich zu einem guten Teil auch an der seit "Scream 2" in der "Scream"-eigenen Welt existierenden fiktiven "Stab"-Reihe bedient. Immerhin leben die Figuren des Streifens in einer Welt, in welcher "Stab" zur Endlosreihe herangewachsen ist, mit all den Krankheiten die eine solche befallen kann. Und das wird nicht einzig der augenzwinkernden Spielerei wegen genutzt, es wird zu einem wichtigen Eckpunkt der Ereignisse. Manch psychologisch gewolltes Spiel fällt hingegen weniger raffiniert aus, als von den Autoren scheinbar vermutet. So verdächtigt man beispielsweise nie das erste Opfer Täter zu sein, eben weil man mit ihr die Eingangssequenz aus dem Original variierte und sie es somit nicht sein kann.
An derartigen Stellen baut man wahrscheinlich auf die Vergesslichkeit einer sich nicht mehr sonderlich gut konzentrierenden Generation, denn diese ist im Gegensatz zu "Scream 4" Zielpublikum, anstatt der Stammzuschauer, aber selbst der wird mit nicht all zu hohem Anspruch solide unterhalten. Ja, "Scream 5" (Alternativtitel) ist nicht der Leckerbissen, den man sich nach dem überraschten geglückten vierten Teil elf Jahre später gewünscht hat, und die Fortsetzungsart, welcher er sich diesmal annimmt, ist so konstruiert wie jene aus Teil 3, so dass nur extreme Filmfreunde darin tatsächlich eine eigene Art Fortsetzung erkennen werden (jene, für die "Creed" kein "Rocky 7" ist), aber darüber zu stolpern und sich davon den Sehspaß verderben lassen, wäre nicht minder engstirnig. Da man zudem Gefallen an den neuen Figuren finden kann und auch die Dramaturgie nicht vernachlässigt wurde (die in zwei Szenen allerdings kurzfristig aufgrund ihrer Theatralik eher wie eine Seifenoper anmutet), kann man auch als älteres Semester zu Genüge mitempfinden und sich für die Geschehnisse interessieren, anstatt das Ganze nur theoretisch mitverfolgen zu können.
Gerne kann es so weiter gehen, das vorhandene Niveau reicht mir für kommende Fortsetzungen. Hauptsache sie fühlen sich weiterhin als Teil des Ganzen an, so wie es "Scream 5" geschafft hat. Im Gegensatz zu den Teilen 2 und 3 weiß zudem die Mörderauflösung zu gefallen, auch in ihrer (überraschend nicht störend geschwätzigen) Begründung. OFDb
26.12.2015
INSIDIOUS 2 (2013)
Interessanter Weise funktioniert „Insidious 2“ trotzdem ganz gut. Er ist recht spannend erzählt ohne wirklich zu gruseln, und verändert weder die Charaktere noch die Geschehnisse des Vorgängers. Damit vereinen sich Teil 1 und Teil 2 gekonnt zu einer Einheit, zumal Wan auf tatsächlich in Teil 1 ungeklärte Momente zurückgreift, denen er nun in einem Plot um diverse Zeitebenen einen Sinn gibt. Damit wird das Ärgernis des Geheimnisselüftens zumindest für eine interessante Idee genutzt, die neue Perspektiven ermöglicht. Freilich wird nichts aufgedeckt, was man als Zuschauer aufgedeckt haben wollte, und das Geheimnis um den Vater hat bereits der Schluss von „Insidious“ verraten, keine Ahnung warum man da wieder ein Mysterium drum spinnen möchte. Aber als gruselfreier Popkornfilm des Horrorbereiches reicht das alles um routiniert nett unterhalten zu werden.
Ärgerlich wird es erst gegen Ende, wenn sich die Ereignisse überschlagen und Wan verkrampft auf ein Ende lenken muss. Dann verhält sich der Besessene so geisteskrank, dass es unglaubwürdig wird, dass er sich überhaupt so lange als normal tarnen konnte. Der eher passive Sohn, der bei seinen Reisen einst verloren ging, wird urplötzlich zum raffinierten Problemlöser, der selbst in einer lebensgefährlichen Situation auf Kommando einschlafen und ganz bewusst seinen Körper verlassen kann. Und das Jenseits ist ein Ort alter Bekannter, an dem sich zwar auch viele Schreckgespenster aufhalten, der aber längst kein solch unheimlicher Ort mehr ist, wie es uns im Vorgänger suggeriert wurde.
Und wieso ist es für den Familienvater so leicht den parasitären Geist aus seinem Körper zu locken und in ihn zurück zu kehren, wenn selbst ein mächtiger Dämon in Teil 1 so lange Zeit benötigte um die leere Hülle zu betreten? Wo zuvor keine Widersprüche sind, da sprudeln die Unsinnigkeiten im Finale nur so hervor, was an einem ärgerlichen Drehbuch liegt, dessen Autoren wohl dachten dass inmitten vieler Parallelereignisse der Zuschauer das chaotische Treiben wohl nicht mehr mit dem Kopf mitverfolgen würde, was einer Beleidigung gleicht.
All zu streng sollte man mit „Insidious 2“ trotzdem nicht umgehen, ist er auf simpler Unterhaltungsebene doch interessant genug ausgefallen um sich nie zu langweilen, zumal er sich selbst in den ruhigeren Passagen nie zu langatmig guckt. Die Rückkehr aller bekannten Gesichter und die tatsächliche Fortführung von Geschehnissen aus Teil 1 sorgen zudem dafür, dass sich „Insidious 2“ auch wirklich wie eine Fortsetzung anfühlt und nicht nur wie ein schnell nachgedrehtes Stück Geldkuhmelken. Das Anknüpfen an Teil 1 läuft teilweise sogar so rund, dass man sich ernsthaft fragt, ob all das in Teil 2 erzählte in Teil 1 schon immer so gedacht war. Falls ja darf es verwundern, dass die Fortsetzung drei Jahre auf sich warten ließ, in Zeiten in denen schnell abzudrehende Werke jährlich aufs Publikum losgelassen werden. OFDb