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11.05.2024

PHANTOMS (1998)

Jennifer fährt mit ihrer Schwester Lisa gerade in die Kleinstadt ein, in der Jennifer seit einiger Zeit lebt, da fällt den beiden auch schon auf, dass der Ort, an dem sonst das alltägliche Leben stattfindet, wie ausgestorben ist. Bald an diesem menschenleeren Ort auf einen Trupp Gesetzeshüter stoßend, untersucht man gemeinsam was hier passiert sein könnte. Auch das Militär ist mittlerweile über die mysteriösen Vorfälle dieses Ortes informiert und schickt einen von der Welt der Wissenschaft belächelten Fachmann zusammen mit einem Trupp Soldaten her, der derartige Phänomene untersucht...

Der alte Feind...

Koontz stand schon immer im Schatten des prominenteren Konkurrenten Stephen King, und ein Blick auf "Phantoms", dessen Romanvorlage von Koontz persönlich für das Medium Film umgeschriebenen wurde, zeigt uns auch warum, entfaltet dieser Mystery-Horror doch nie das Potential, welches King in diesem Stoff erkannt hätte. Joe Chappelles Genrebeitrag zeigt mir aber auch, wie ich persönlich mittlerweile anders auf das Medium Film reagiere, war ich zur Erscheinungszeit des Streifens doch geradezu angetan von der Art und Weise wie die Geschichte beginnt und folgte gebannt der Truppe Helden dabei, das Rätsel zu lüften. Heutzutage, in einem Zustand, in dem ich den Inhalt des Stoffes fast komplett vergessen hatte, wirkte mir das alles zu gewollt und unterkühlt, und zu extrem versehen mit Klischeefiguren, die nie jene Glaubwürdigkeit erfuhren, die sie greifbar gemacht hätte. "Phantoms" unterhält routiniert auf diese Art, aber ich war aufgrund meiner Euphorie von einst auf ein großes Filmerlebnis eingestellt, und diese hohe Erwartungen konnte der durchaus angenehm ausgefallene Streifen nicht erfüllen. 

Viel zu hanebüchen fällt der Plot aus. Ob es nun der viel zu eilig herbei geflogene Wissenschaftler ist, die zu frühe Bereitschaft des Militärs überhaupt auf eine unsinnig klingende These zu bauen, der psychopathische Polizist, der mit seinem immer wiederkehrenden Spruch derart vom Autor überschätzt wird, dass man ihm sogar eine funktionierende Schlusspointe zutraut, oder ob es die Idee hinter der Entdeckung ist, die mit dem Glauben an Göttlichkeit keinen Sinn ergibt, wenn ganz anderes Wissen zusätzlich doch ebenfalls per Nahrung aufgenommen worden wäre, so oder so ist "Phantoms" ein reiner Unterhaltungsfilm für die geistlose Kurzweile zwischendurch, nicht aber ein Horrorerlebnis, um dessen Sinn in der Erzählung wir etwas geben könnten. Manchmal in zu glatter Filteroptik präsentiert, besetzt mit guten Mimen in zu distanzierter Figurenzeichnung und mit Mangel an einem echten Spannungspotential aufgrund der konfusen Materie, wird "Phantoms" nie ein packendes Filmerlebnis bei eingeschaltetem Geist. Mehr als das kleine Horrorfilmchen für zwischendurch ist er nicht geworden, aber zumindest dieses schlichte Ziel wurde erreicht. Kleine Randelemente, wie der skurril wirkende Hund, der die Taten der Menschen als Bruchteil des Wesens überwacht, sowie der plötzliche Einstieg in eine unerklärliche Situation, werten den Streifen jedoch ein wenig auf.  Wiki

04.05.2017

GONE GIRL - DAS PERFEKTE OPFER (2014)

Auf David Fincher ist Verlass. Wenn dieser einen Thriller dreht, dann darf man etwas Besonderes erwarten. Er wiederholt sich bei seinen Werken gleichen Genres nicht, bei ihm muss man immer mit etwas Neuem rechnen. „Gone Girl“ besitzt nicht nur Finchers typisch edlen Inszenierungsstil aus Ruhe und dem Gespür für Tempo innerhalb dieser Ruhe, überraschende Wendungen und eine ungewöhnliche Art der Erzählung fordern den Zuschauer immer wieder heraus sich um zu orientieren, sich auf neue Blickwinkel und veränderte Fakten einzustellen - und diese sogar akzeptieren zu müssen, was gar nicht so leicht ist, wenn man zuvor so intensiv in eine andere Richtung manipuliert wurde.

Der Mix aus Drama und Thriller geht in seiner ersten Phase eher Genre-routiniert vonstatten, wenn auch auf hohem Niveau. Als Zuschauer weiß man nicht was man von den Informationen halten soll, die einem zugespielt werden, Nick scheint mehr als verdächtig, scheint das Unschuldslamm nur zu spielen, andererseits erwartet man eine Überraschung, die einem aus dieser Perspektive heraus hilft. Doch die Beweise schnüren sich immer enger um den Hals des Ehemanns, nicht nur zur Meinungsbildung dessen Umfeldes, sondern auch jener des Zuschauers. Nachdem dies recht lange Zeit so geht wird man plötzlich in die Wahrheit eingeweiht, und dies so schonungslos, urplötzlich und rapide, dass man kaum glauben kann was man da sieht.

Fincher schafft es mit immer neuen besorgnisrregenden Szenen, dass dieser Zustand nicht, wie man erwarten würde, nach einiger Zeit wieder verschwindet, um von nun an mit neuen Fakten klar zu sehen, man kann einfach weiterhin nicht fassen was die Wahrheit ist, und dieser Bann lässt einen bis zum Schluss nicht los. Das ist nicht nur ein großartiger Effekt, aufgrund der Ereignisse bis zum Schluss ist man gar bereit den Streifen möglichst bald ein zweites Mal zu sehen, denn so einige Dinge müssen sortiert werden, um das Gezeigte verarbeiten zu können. Nicht falsch verstehen, man ist nach dem Sichten nicht nervlich fertig wie bei Filmen a la „12 Monkeys“ oder "Das Experiment", man benötigt diese Zweitsichtung um die zweite Hälfte endgültig akzeptieren zu können.

Der Film, der sich hinter dem wundervoll doppelbödigen deutschen Titel „Gone Girl - Ein perfektes Opfer“ verbirgt, ist wahrlich ein besonderes Seherlebnis, auch wenn ihm das grandiose Etwas, welches „The Social Network“ und „Zodiac - Die Spur des Killers“ zu solch herausragenden Fincher-Filmen werden ließ, fehlt um zum Olymp des Thriller-Kinos dazu zu gehören. Den Fehler den Fincher meiner Meinung nach macht, ist dass er zur Aufklärung der Situation keine unklaren Graustufen mehr hinterlässt. Am Ende ist alles überdeutlich aufgelöst, wie extrem auch immer die Wahrheit aussieht. Restzweifel gibt es nicht.

So hat das Publikum nichts worüber es nach dem Sichten noch senieren kann. Nichts bleibt der Phantasie überlassen - abgesehen von der Schlusssituation, aber warum sollte man sich über deren Weiterentwicklung Gedanken machen, so surreal wie sie einem fast erscheint? Die Geschichte könnte nicht weiter erzählt werden, ohne zu einer schwarzhumorigen Satire zu verkommen, die man in ihrer Extreme nicht mehr ernst nehmen könnte. Von daher schließt der Film am richtigen Punkt, so lange „Gone Girl“ sich noch halbwegs in einer nachvollziehbaren Realität befindet.

Auf der Darstellerseite gibt es wahre Überraschungen zu erleben. Die mich optisch an Julia Stiles erinnernde Rosamund Pike, die mir, trotz einiger mir bekannter Filme in denen sie mitspielte, nie in Erinnerung blieb und somit nie sonderlich aufgefallen ist, spielt ihre facettenreiche Rolle in jeglicher Phase gut, vielleicht nicht immer glaubwürdig, manches mal leicht Comic-überzogen, aber auch das wusste mir zu gefallen. Zudem war es schön Neil Patrick Harris, der die einzig sympathische Hauptfigur in der überschätzten Serie „How I Met Your Mother“ spielte, einmal in einem Projekt zu entdecken, welches seine Möglichkeiten erweitert. Dementsprechen gekonnt nutzt er die Chance, so dass man hoffen darf ihn nun öfter in solchen Werken sichten zu dürfen. Und auch der manchmal aufgrund seiner Muskeln zu steif wirkende Ben Affleck überzeugt so kurz nach seiner überraschend gelungenen Darbietung in „Batman v Superman“ erneut (bzw. eigentlich anders herum, da die Filme in umgekehrter Reihenfolge entstanden sind).

Fincher hat es wieder einmal geschafft. Auch sein neuer Thriller ist wieder alles andere als Durchschnitt geworden. Und bei all den Möglichkeiten alternativer Wahrheiten, die man während des Sichtens der ersten Phase für sich als Zuschauer durchspielen kann, schafft er es, dass man selbst bei der richtigen Vermutung nie auch nur ahnen würde, wie extrem die Wahrheit tatsächlich aussieht. So oder so lässt sich die Entwicklung der Geschichte nicht vorraussehen, so sehr spielt Fincher mit den Erwartungen des Publikums. Gegen Ende wäre es mir lieber gewesen, er hätte die letzte Erwartung erfüllt, manch anderer wird den Schluss aufgrund der Bissigkeit aber sicherlich als das Pünktchen auf dem I betrachten. Mir persönlich wäre eine konventionelle erfolgreiche Flucht aus der Situation lieber gewesen.  OFDb

09.09.2016

BATMAN V SUPERMAN - DAWN OF JUSTICE (2016)

Es schien nicht der beste Zeitpunkt zu sein um nach Jahren des Wartens den Konflikt der beiden Superhelden Superman und Batman auszutragen, wurde doch mit „Man of Steel“ aufgrund seines ethisch fragwürdigen Weltbildes und seiner unsinnigen Zerstörungswut der bislang schlechteste Superman-Film gedreht, und auf dessen Ereignissen fußt der hier besprochene Film. Ein Ben Affleck als Batman ließ auch nur die wenigsten Fans im Vorfeld in Entzückung geraten, und das Nacheifern von Marktführer Marvel war auch kein gutes Zeichen für den angegangenen Zeitpunkt, sind die Werke aus den Konkurrenzstudios doch meist hohle Materialschlachten, so wie besagter Superman-Film aus den DC-Studios, denen es an Mystik, Geist und Stil fehlt.

Um so überraschter darf man sein wie gut „Batman v Superman - Dawn of Justice“ funktioniert. Zwar bezieht sich der alternativ benannte „Man of Steel 2“ inhaltlich stark auf seinen Vorgänger, die Mentalität übernahm er glücklicher Weise jedoch nicht von ihm. Ganz im Gegenteil reflekltiert man im hier vorliegenden Film die Positionen der unterschiedlichen Superhelden im Bezug zur Gesellschaft, zueinander und zu sich selbst und wirft damit unbeantwortete philosophische Fragen auf, die aus dem Werk nun kein hochtrabenes Kopfkino machen, aber zumindest ein geistreiches Stück Popkorn-Kino, das sich somit nicht so leer und aufgeblasen guckt wie die Marvel-Konkurrenz.

Die größten Schwachstellen von „Dawn of Justice“ (Alternativtitel) finden sich schließlich auch gleich in deren Parallelen. Der CGI-Overkill mit einem etwas zu phantastisch geratenen Monster beschert uns ein Finale, welches schwächer ausgefallen ist als der restliche Gesamtfilm anstatt, wie eigentlich üblich, zu dessen Höhepunkt zu werden. Und das krampfhafte Vorbereiten, inspiriert durch Marvels „Avengers“-Erfolg, auf die im Kino bevorstehende Gerechtigkeitsliga nervt bereits in ihren ersten Andeutungen und dem Gastauftritt Wonder Womans. Wenn diese sich im Finale nun noch dazu mischt, geht dies jedoch definitiv zu weit, immerhin kann man nicht davon ausgehen, dass jeder Comic-Freund, der dem Kampf Superman gegen Batman beiwohnen will, automatisch begeisterter Anhänger der Gerechtigkeitsliga ist. Andeutungen hätten reichen sollen, damit der Film bleibt was er verspricht. Das aktive Einbringen Wonder Womans im Finale macht dieses Versprechen jedoch kaputt und schwächt das fertige Werk recht heftig.

Zumindest bleibt „Batman vs. Superman“ (Alternativtitel) auch im Finale eine optische Wucht, wenn mit Effekten, wie typisch für sein Sub-Genre, für meinen Geschmack dort auch zu sehr übertrieben wird. Im Restfilm stimmt hingegen das Gleichgewicht aus Actionszenen und Zwischenmomenten. Und ob es nun die Fotografie des Streifens ist, die Kostüme sind oder die Spezialeffekte, Zack Snyders neuer Comicstreich ist ein Fest für die Augen und dank einer Tempo-reichen Geschichte mit Gehalt auch niemals langweilig.

Zudem überrascht der sonst so müde agierende Affleck mit charismatischen Auftritten, die von ihm zum Glück nicht erwarten schauspielern zu müssen. Es sind einfach Szenen in denen er optisch wirken muss. Und dies tut sein gealtertes Ich gegen alle Erwartungen gut. Als weniger überraschend erweist sich Jesse Eisenberg als tolle Besetzung Lex Luthors. Zwar wirkt sein Bösewicht ein wenig angelehnt an Heath Ledgers Interpretation vom Joker, allerdings taucht Eisenberg ihn eher in ein nerdiges als in ein all zu psychopathisches Gewand, und dies ist eine gute Entscheidung dafür, dass Lex mit Eisenberg eigentlich viel zu jung besetzt ist.

Mag man sich auch etwas zu sehr auf die Idee mit der Gerechtigkeitsliga fixieren und das Finale in Sachen Effekte etwas zu derb ausgefallen sein, so bleibt dennoch ein sehenswerter Superhelden-Film, der zwar auf Batman-Seite nicht mit „The Dark Knight“ und „Batmans Rückkehr“ mithalten kann und auf Supermans Seite nicht mit „Superman - Der Film“, der aber in Zeiten von meist geschmacksirritierten Superhelden-Filmen zumindest wieder in die richtige Richtung tendiert.  OFDb

12.11.2014

DAREDEVIL (2003)

Es ist erstaunlich, dass ein auf dem Comicmarkt so zweit- oder gar drittrangiger Superheld wie „Daredevil“ eine solch frühe Verfilmung beschert bekommen hat, zu einer Zeit wo gerade einmal „X-Men“ und „Spider-Man“ die Kinos mit ihren Geschichten bereicherten. Die wurden jedoch auch wesentlich freundlicher behandelt als der weniger großzügig finanzierte „Daredevil“. Zwar hing viel Herzblut wahrer Fans mit im Projekt, was sich auch in den Cameos der Zeichner der Printvorlage zeigt, aber so wirklich geglückt fühlt sich Mark Steven Johnsons Comicverfilmung nicht an.

Die gute Nachricht: man kann den Film sehen, er macht Spaß. Die schlechte: die Geschichte ist löchrig erzählt und der Bann, in dem einen die Mystik und die Dramatik der Figuren ziehen soll, ist nicht vorhanden. Daredevil bleibt ein verkleideter Typ, der nachts durch die Straßen einer Großstadt purzelt, eben so wie ein derart gekleideter Typ in der Realität wirklich auf jemanden wirken würde. Da fehlt es an Respekt, an Stimmung, Daredevil ist optisch ein zahnloser "Batman", und das Kostüm ist nur eines von vielen Gemeinsamkeiten mit der Fledermaus.

Alles wird zu schnell abgehandelt, selbst das Entwickeln und Trainieren der Superkraft mittels der anderen Sinne einen Radar zu perfektionieren, der den blinden Murdock auf ganz andere Art sehen lässt. Die Kenntnis zur Comicvorlage wird vorausgesetzt, was sich gerade mit Blick auf Elektra als Nichtkenner dieser negativ guckt. Kurz nach der ersten Begegnung liefern sie und der Titelheld sich ein unmaskiertes Spaßkämpfchen, bei welchem nur in einem Nebensatz erklärt wird, warum die Dame so abgebrüht kämpft. Im Gegenzug erfahren wir nicht, warum Murdock sein Können so offen zur Schau stellt.

Wenn man nun noch bedenkt, dass der Gegner Bullseye mehr im Fokus steht als der wesentlich würdiger gegenagierende Kingpin, kann man von Glück reden, dass „Daredevil“ doch noch in der Lightversion eines Superheldenfilmes zu funktionieren weiß. Bullseye ist nämlich ein ziemlich peinlich dreinblickender und herumwütender Pseudo-Cooler, den man ab dem 16. Lebensjahr aufgrund seiner infantilen Performance nicht mehr ernst nehmen kann.

Aber damit passt er zur schlecht gewählten Musik, die mal kitschig und mal metallig daher kommt, aber doch immer mainstreaming wirkt und den Streifen nie würdig und vor allen Dingen nie glaubwürdig zu unterstützen weiß. „Daredevil“ bleibt immer Film. Nie taucht man zu sehr ein. Nie geht man als Zuschauer wirklich in der Geschichte auf.

Letztendlich ist alles jedoch derart naiv erzählt und produktionstechnisch ja auch relativ professionell angegangen, dass das Kind im Manne, sofern man es zulässt, trotzdem Spaß dran haben kann in einer Geschichte, in welcher ein Blinder voll cool über seinem Handicap steht und so knallhart und soft zugleich seine persönliche Rache auslebt, in einer Welt voller Ungerechtigkeiten. Ben Affleck kommt weder besonders positiv noch besonders negativ rüber und sieht mit der Frisur und der Sonnenbrille ohnehin nur wie ein Reeves-Klon aus „Matrix“ aus. Und Elektra weiß ein paar Szenen zu versüßen, ist letztendlich für die Geschichte aber gar nicht so wichtig wie gedacht.

Wie auch immer... das kann man alles gucken, es macht kurzfristig auf simple Art Spaß. Bei Nichtsichtung verpasst man jedoch nichts. Mag sein, dass dies beim Director‘s Cut anders ist. Ich bin kein Freund spezieller Regie-Neufassungen, aber bei „Daredevil“ könnte eine solche Wunder bewirken - vorausgesetzt der Film verliert dadurch seine löchrige Ader. Mark Steve Johnson hat vier Jahre nach dem hier besprochenen Streifen immerhin mit dem gern unterschätzten "Ghost Rider" eine bessere Comic-Verfilmung herausgebracht.  OFDb